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dev kulturhistorisch so merkwürdigen Lebensbeschreibung des spä-tem Basler Schulrectors Thomas Plater, Vater des berühmten Felix,entnommen, können wir hier nicht übergehen. Thomas Platererzählt in seiner hübschen, naiven Weise, wie er in Basel mit demLeibarzt des Fürstbischöfen von Basel , Br. Epiphaneus zusammen-getroffen, und ihm, aus Liehe zur Medicin, nach Prunlrut als Dieneroder Famulus folgte. Br. Epiphaneus, von Venedig gebürtig, warLeibarzt des Herzogs von Baiern gewesen, musste aber aus München flüchten, da er dort mit einigen Künstlern an einem verbotenenTage Fleisch gegessen und entkam mit Einigen, wahrend die Zurück-gebliebenen dieses Verbrechens halber geköpft wurden, nach Zürich ,dann nach Basel und wurde vom Fürstbischof Philipp von Gundels-lieim zum Leibarzt angenommen.
Nun starb ein Kind von Thomas Plater in Pruntrut an derPest und sein Herr, Br. Epiphaneus, befahl ihm, seine Frau vonPruntrut wegzuführen, da die Gattin des Leibarztes die Mutter desverstorbenen Kindes sehr erschreckt sah und fürchtete, der Schreckenderselben könnte auch auf sie einwirken und so die Pest herbei-führen. Plater geleitete also seine Frau nach Zürich und fandnach seiner Rückkehr die Frau des'Arztes pestkrank, seinen Herrnselbst aus Furcht vor Ansteckung Tag und Nacht betrunken.Epiphaneus verliess in Gesellschaft Platers sein krankes Weib, umsich nach Delsberg zum Bischof, der auch geflüchtet war, zu be-geben, wurde aber unterwegs krank und gelangte schwer kranknach Delsberg , w r o ihn der Bischof, als er sich über das Gescheheneerkundigt hatte,-nicht behalten wollte, sondern nach Münster bringenliess. Tags vorher hatte aber Epiphaneus, da er sieh sterbendglaubte, seinen Famulus nach Pruntrut zurückgeschickt mit derMeldung an seine Frau, er sei todtkrank, und wenn sie ihn nochlebend sehen wolle, solle sie ihn schleunigst in Delsberg besuchen.Letztere wollte aber darauf nicht eingehen. „Der scheint, sprachsy, dut wie alle walchen (Wälschen); er ist in minen mitten vonmir geliffen; ich will und kan noch mag nit zu im, es gange imrecht wie Gott will.“ Mit diesem Bescheid kehrte Plater solo nachDelsberg zurück, wo er also seinen Herrn, der unterdessen aufBefehl des Bischofs hinweggebracht worden, nicht mehr traf, fandihn aber in Münster , an welchem Ort er ihm kaum ein Unter-kommen verschaffen konnte; nicht einmal einen Schweinestall zum
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