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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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jedenfalls Wirkungen ins offene Land. Ob sie sich durch dieStürme des fünften Jahrhunderts hindurch gerettet hat, wissenwir nicht mit Bestimmtheit; aber es ist zu vermuten; und aus-serdem haben wir Spuren, dass während eben dieser Zeit derStürme die Metzer Bischöfe eine kirchliche Tätigkeit im Eisassausgeübt haben. Mit den Franken sodann, zu Beginn des sechs-ten Jahrhunderts, kam für die Strassburger Gemeinde und dasdortige Bistum die Erneuerung, die neue Begründung und An-erkennung.

Wir haben uns hiebei klar zu machen, welche Stellung diechristliche Kirche im Reiche einnahm. Seit dem Ausgange des Im-periums vertrat sie allein die Tradition des Altertums. Sie wardie Retterin und Trägerin der antiken Kultur. Sie war aber nochanderes. Als «grosse Wirtschafterin» gewann sie Einfluss aufihre bäuerlichen Gemeinden und wurde deren starke Stütze inden Nöten einer wirtschaftlich hilflosen Zeit. Ueberdies wurdedadurch, dass der Arianismus keine Aufnahme bei den Frankenfand, dem Reiche die Einheit des religiösen Bekenntnisses ge-wahrt, wurde die Kirche die Bundesgenossin des Königtumsund konnte das Reich in engen Beziehungen zur römischenHierarchie stehen. Alles dies erklärt die ausserordentlicheBedeutung und Kraft der Kirche im Merowingerreiche. Womitnatürlich verbunden war ein stetes Anwachsen des kirchlichenBesitzes, eine entschiedene Festigung und Auszeichnung ihrerganzen äussern Existenz. Sie hatte die stärkste Autorität imReiche.

Das war die Zeit Arbogasts, des ersten Bischofs der erneu-erten Kirche Strassburg . Nach der Mitte des sechsten Jahrhun-derts. Er war ein Franke. Er und sein Nachfolger auf dem Bi-schofsstuhl, Florentius, Beide Heilige und Wundertäter, sindin der Legende als die tatkräftigen Wiederhersteller des Bistumsfestgehalten.

Eine kleine Einzelheit, für die Zeit und für das Anknüpfengerade der Kirche an die römische Vergangenheit bezeichnend,ist das Vorhandensein von Ziegeln zu Strassburg , die den Stempeltragen: Arbogastus episcopus fecit. Die Kirche setzte die Fabri-kation fort, die Rom begonnen; sie führte die alte Staats- oderLegionsziegelei weiter.

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