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Gottfrid Arnolds unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie : von Anfang des Neuen Testaments biss auf das Jahr Christi 1688
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dem dletkeü seciiiör

»denen/die ervor kätzer erkläret / die abscheulich--Lcc sten dinge schuld / berufst sich aber dabey nurbiß' auff ein blosses geschrey und schreibets dennochcecc. als gewisse geschichten in die welk hinein / wieers mit den Adamianern und andern offenbar-lich gemachet hat. Nicht selten machet er die-jenige Meinung orthodox , welche ihm/obwol wider der andern orthodoxen willen/ ge-fallt/und Hingegen dengegensatz legterdenkä-tzern wider die warheit bey. Also setzet er dielehrevon der freyhettimfastenumerdie irrthü-mer derer Montanisten/ hingegen die JüdischeMeinung von der gewissen zeit und dem zwangzum fasten / und von dem unterscheid der speisenmachet er orthodox. Darinnen eraber klar-lichdenhlontanitten unrecht thut/und hinge-gen selbst von andern als ein irriger angesehenwird/ob er sich gleich durch diese verkehrte re-lation weiß brennen wollen. Welches denneine art von denjenigen räncken ist / wodurchmanche sich in dcropinionvonihrerorthodo-xie bey den leuten erhalten/ andere aber destofäglicherverunglimpffen. Fernergehöret da-hin/ wenn er denLeser beredenwill/ dieJädi-sche feyrung des Osterfests sey von den Apo-steln selbst eingeführet worden/ item, JacobusseyeinHoherpriester gewesen und in dasaller-heiligste eingegangen; nur damit er aus je-nem denverfalldcrClerisey auf die ceremonienund satzungen/aus diesem die herffchaffc undHoheit der Bischöffe und ihr eigenes priester-Histon, thum beschönen mochte. In den umstandensche schier, der Historien irret er sehr / wenn er setzet/CHri-stushabe im fo.jahrseines alters gelitten/lo-hannes habe dieOffenbarung unter dem Käy-fer Claudio geschrieben/Joseph habe die Ma-riam zwangsweise müssen heyrachen / weil sieihm durchs loß zugefallen/die 7. Diaconi wa-ren aus der zahl der 72. jünger herausgenom-men worden / und viel andere schnitzer mehr.Ohne. was er in den Historien vor CHristi ge-burt vor wunderliche relatione; rhm/ die mitkeinem schein können behauptet werden.

34. Bey diesen berühmten katzermacher/dencke ich auch an einen andern / ob er gleichhieher noch nicht eigentlich geh öret / der es nochviel alberner und elender angefangen hat/unddeßwegen auch bey seinesgleichen keinen creditfindet ) geschweige bey unparthcyischen man-Fkilastri- nern. (b) Dieser war Philastrius ein BischoffzuLrix inItalien zu Arnbrolli^ zelten / welchewürde/oder zum wenigste ein grösser ansehen/ ermitdiesen seinen meriten ümdieorthodoxie zuDessenka,wege gebracht Hat. Es ist aus seinem buchetzerboch. t>en kätzereyen offenbar/ daß er die allerge-ringsten Meinungen/ die vonjederman/ ja vonHeyden/Jäden und Christen vor gantz indif-ferent und unschuldig gehalten werden / den-noch mit stets? zu kätzereyen machet / und mei-stens als gefährliche irrthümer / steten undspaltungen angiebt. Ja er bringt solche abge-schmackte thörichte dinge auff die bahn/ daßmansich des lachens schwerlich enthalten kön-te / wofern nicht vielmehr die Vorstellung deselends solcher lerne ein erbarmen und klagen er-wecken müste. Gestalt der schreckliche miß-brauch der schrifftörter/die unendlichen hand-greifflrchen lügen undgreulichen beschuldigun-gen unschuldiger Personen/ die offenbare laste-rung und verkehrung der warheit / der dabey

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geschehene mißbrauch Göttlicher ehre und na-mens / der ungegründete rühm von dem wol- ccc.stand und der reinigkeit der verderbten kirchen/ bißund viel andere greuel auff allen blättern zu st- cccc 'hen ist. Wobey zugleich eine solche unwissen- uubilli.heit in Göttlichen dingen/in der schrifft/ undcheskä,in den stücken der wissenschafften sich hervor ^rma-thut/die man doch von solchen leuten insgemeinfordert / daß man über das einreissende elend inselbigenzeiten/unddieaugenscheinlichegerichreGOttes erstaunen muß. Und gleichwol rüh-men nicht nur viel alte/ihm gleichgcsinnte seinearbeit / sondern man beziehet sich auch immerauff seine so elende zeugnüsse/indem es sonst anUrkunden und gründen fehlenwürde/wenn eseinmal beschlossen ist / diesen oder jenen vor ei-nen kätzer zu erklären. Aber eben damit hatman immerhin so viele im Christenthum unbe-festigte gemüther vollends zu Atheisten ge-macht/wenn sie die greulichen last erringen undtrennungen unter denen gesehen/ die sich dochals besitzet'des seligmachenden glaubens ausge-geben/wie ein kluger und gelehrter mann vondiesem Philastrio wohl anmercket. Der sichauchwundert/warumdiesersogantzefudervollkätzereyen zusammen geschleppef habe. (c)Gleichwie ein anderer anmercket / daß er dieGriechischen Scribenten/ daraus er viel ausge-schrieben/selten rechtversianden/undalso lau-ter Unrichtigkeit in diesen dingen hinterlassenhabe. (d) Also daß uns dieses abermal einenwahren begriff von diesen zeiten giebet. Er istaber schon unter fheodsf,ihf.regicrung gestor-ben /und nicht erst im 6.feculo, wie Binius mei-net/indem Augustinus ihn zu Mayland nochgesehen hat.

(b) Sixrus Senensis. Posiev.'nus. Bellarminus.

Scaliger. G. J. Voflius. (c) J. C. Becmannus.

(cl) C. S. Schunzfleischius. .

3 5. Damit wir aber die übrigen berühmten8 cribenten dieses feculi vollends mitnehmen/so war auch gegen dem ausgang desselben inItalien berühmt^Paulinus, ein frommer und PauJinus.gelehrter Bischofs zu hlola in Cam^anicn/nichtaber der älteste/von dem man noch Ambrosii le-bensbeschreibung hat. Diesergehöret mit un- Dcsse«ter diejenigen Lehrer/welche/an statt des greuli-iob.chen schulgezäncks und der falschberühmtenkunst derer Heuchler / sich auff die Übung deswahren Christenthums legten und andere dazutreulich anführten. Massenvon diesemredli-chen mann gewißist/daß er ein unstraffliches/exemplarischeslebengeführet/und mit den an-dem thorheiten und greueln seiner zeiten nichtszu schaffen gehabt. Dahero er auch von denberühmtesten mannern damals/dem Ambro-sio . Augustino , Hieronymo UNd andern sehr

a-stirnirer ward. Die Historien bringen vielschöne denckmale/scinesaujfrichtigengemüthsgegen GOtt und menschen vor/ und was anihm getadelt werdenwill/davon ist in derAb-bildung erwiesen worden/daß es dennoch gutund löblich gewesen. Dahin sonderlich seinegrosse treue gehöret /als er sich selbst statt einesgefangenenChristens lassen in die dienstbarkeitführen /und dadurch jenen nebst vielen andernbesreyet hat. Von fchriffren hat man noch Schriff,50. Sendschreiben/ und die 1 s. carmina oder teu.gedichte/ item, 2 . andere von Iuliani HochzeitUNd von Celll tod/weil er ein guter Poete war.

Erster Theil. X 2 Die