Buch 
Gottfrid Arnolds unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie : von Anfang des Neuen Testaments biss auf das Jahr Christi 1688
JPEG-Download
 

in diesem Jahrhundert.

167

Tyran

«ry.

>br liehe Priesterthum samt ihrer freyheit zuse-ccc. hends übern Haussen. Dahero findet man sobiß wenig fustapssm mehr von denen dingen/ diecccc> jn vorigen seculis bei) den Christen insge-mein angetroffen haben. Und hieran wartheilsderhochmuth/theilsdergeitz der Cleriseyschuld/ zugleich aber auch dienachläßigkeitundUnwissenheit der andern leute / welche wederselbst nach den vorigen wegen fragten / nochdurch ihre vermeinre Lehrer davon berichtetwurden. Also siehet man aus den Historiendieserzeiten /wie bey den wichtigsten angelegen-heiren/sonde.'lich in den grossen streitigkeiten/dieLlerisey alles unrersich alleinegechan/ohne daßman dieso genanten Layen dazu gezogen hatte.Da wurdenach ihrem eigenen gefallen alles an-geordnet/und wo man äußerliche gewalt/Lu-torita^ oder schütz dazu brauchte/mit derObrig-keit communiciret. Das volck muste im übri-gen als arme sclaven schlechthin x-riren/ oderdoch zum schein nur dabey seyn. Dergestalthatte die Clerisey in allen dingen gutmachen/und konte ihre abstchten desto kühnlicher auffErhebung ihren eigenen Vortheil und ehre einrichten. Undder $iet> p av nicht nur in äusserlichen dingen/ sondern' auch in der lehre und vermeinten Orthodoxieselber/ davon man nunanfienge so vielbekant-nüsse /sormuln/ regeln und satze zu nehmen / alsdie erwähnten absichten erforderten.^ So kon-een sie auch leichtlich unter dem katzcrnamenverwerffen und unterdrucken/wen sie wolten/weil sie denschlüssel der erkäntnüß zu sich geris-sen hatten. Es mochte nun seyn/ daß die 0»tlioäoxibeyHofewolstunden/oderdie^risnerund andere parthcyen/ so muste sich das armevolck Handthieren lassen / wie es jenen gefiel.Zn den andern kirchensatzungen/ Ceremonienund dergleichen/giebt es gleichfals der äugen-schein / daß alles von der Clerisey einseitig ange-ordnet wochen/nurdaß sie bisweilen aus nothdie autoritat der Potentaten brauchen müs-sen.

7. Es wird auch von den verständigen vorschunain eine Hauptstütze desausbrechendenAntichristsweltliche foy der Clerisey e> kam/daß sie Constantinumberedet hat / sie fönten eben so wol weltlicheHandel richten und partheyen entscheiden / alsdie richter. Und was sie vor urtheilesprachen/ Ldaß müsse der Magistrat hemach exequiren. (b)So har man auch exempelgnug in diesem se-culo , daß die B-schösse sich ungescheur in ande-re weltliche hanoel mitgemenger / und schon da-mals/ wie man redet / den einen fuß auff dercantzel/ den andern auff dem rathhauß gehabt.Denn so machten es selbst Epiphanias der be-rühmte elfterer/ (c) der sich indieGvil-si-chenmir einmischte: Mamthas Bisch off in Meso­ potamien / der gar einen Abgesandten an denPersischen König abgab: (ci) Phistas , dergeistliche und weltliche ämter zugleich verrich-tete / (e) Gregorius, der mehr vor das regi-mentals dieGemeinesorgre/ ('s) u.s.f. dahingehörete auch/wenn die Bischöffe an statt ih-

Jahr

cce.

biß

cccc.

Ciümi'

(anbei.

Inge»

richtssa^

chen.

Exempel

(ievö».

schm die Gemeinen gehen liessen/ wie sie wol-ten. Denn dieses hielten sie eben vor eineglückselige zeit/und recht vor ihr reich / daß sieihnen selbst solchepaläste auffthürmen tonten/worinnensie sich brüsteteund sehen liessen. Da-bey denn noch mehr zeit auff deren pompöseeinweihung gienge / wie aus der Historie Con-stantini bekant gnug ist. H ingegen waren sieüber die sammelplätze und kirchen der vermein-ten kätzergar bald her/unozerstörten sie/weilgemeiniglich darinnenvonihremverfallundla-stern gezeuget wurde. Und in summa, auchhierinne und in den übrigen stücken/finden sichlauter zeichen der verderbnüß.

(I>) Sozomenus I, c. 9. (c) Mein VI. c.Zr. (d)

Socrat. VII. c. 8. (e) Nicephbrus VII. c. 9.

(f) Rufinusl.c.23. (g) EuscbiusIII, Vit.C.M.

8. Was demnach ihre rechtmäßige pstich-Me§bes-ten anlanget/sind von den meisten/zumal Bi-^lteu derschössen / destoweniger nachrichtungen vorhan-den/ daß sie recht nach GOttes willen beobach-tet worden. Dieunauffhörliche unruhen die-ses seculi,die statigenstreitigkeiten und dispu-tationes untereinander /die vielen unnützen so-lennitätcn/kirchenstifftungen und deren ornat,einweihung / erfindung und einrichtung derdürsirtgensatzungen/befestigung derClericali-schen autoritat / eittkünffte/ privilegi en und der-gleichen/ die auffwartung amHofe/ dieversor-gung fremder unnützer Handel / die unendlicheconcilia , die unterdruckung derer/so sich Widerdergleichen unrernehmenregeten/die anstellungdes eigenen staats^/ die beobachtung anderervorthcile/die weitlauffugen corresponclentzen/dieannehmung dervisiten/compstmentenundgegenbesuchungen / die bewirrhung fremderleute/und tausenderley andere hindernüssewa-renimwege/daßsie andie rechten pstichtenderLehrer wenig oder nicht gedachten. Warmgleich hie und da noch etliche drunter/ die ihramt mit aller treue thaten/so gab es hingegmunzehliche andere / die es nicht allein selbst unter-liessen/sondern auch andern nichtzulassen wol-ten. Nur damit sie nicht vonjenen beschämetwürden/ wenn sie alleine das lob einertreue undredligkeit davon trugen. Daher sie dieseauffalleweisedrucktenundverdächtigmachten/alsleute/die etwas sonderliches seynwvlten. Undkonrensienureinwörtgenar'fftangen/dasnichtorthodox schiene / so war ein solcher schon sogut alsverdammt/ er mochtegleich nochso fleis-sig/treusind fromnlseyn. Dieanderm orden/als Acltesten/staconi und dergleichen/warenmit dem opere operato in ihren dienstm ver-gnügt. Welche aber unter den faulen Di-schöffen doch noch etwas thun wollen/ die rich-teten ihre arbeit auff ehre und nutzen ein/die ar-me Gemeine ward aber nicht gebessert. Damachten sie panegpricos und allerhand künstli-che inventiones ingedichten und dergleichen andie Potentaten / schrieben allerhand weitläuff-tige bücher unter dem schein/dieHeyden/Ju-den oder kätzer zu widerlegen. Inder that aber

Kirchen, rer scelensorge baumeisier abgaben / da zum suchtemansichandiesenundjenen/demsienicht

»au.

exempel Constantinus Macario dem BischoffzuJerusalemauffcrug/ die ktrchebey demgrabCHristi zu bauen, (g) Dergleichen auch zuYyro und sonsten geschahe / da die Clerisey ihrezetr und sorgen mir kirchen-bauen und derenprächtigen aussiaffierung zubrachte/und inzwi-

gur waren / zu reiben/ihm einen bösen nammoder bey derObrigkeit verhasstund verdächtigzu machen / hingegen seine gelehrsamkeit/grosselestion und erfahrung in ftemdensachen/spitz-findigkeit/eiffcr vor die religion/steiß/sehen zulassen.^ Und was dergleichen unnütze arbeit

A-R-H. Erster Theil.

D 2

mehr