1... 92 RAR aM d———. . an AAN i rn, een ge n LIST e m ng geln g Ct ſt 3 7,. 2D e DE- ö. —— D— = ö 2 = J AR J rr f GShriftiche eich Prehtz ⸗, Von der ,. diſes A gegenwärtigen Eebens/ nd Burger⸗recht in dem himmeliſchen Vatterlaͤnd. Gehalten den 9. Septembr. Anno MDCLXXIX. In der Pfarꝛ⸗kirchen 6 St. Leonhard zu B Bey Fhriſtlicher Ehren⸗ Beſtattung/ Des ö vnd Fürgeachten Herꝛen Seham⸗ Georg Geiſendoͤrffers/ Durch ö. J.. * 5 + Dem nn ben 5 a Jacob Bertfche, BE a r, SEHE ö ea r e,, 8 .. RA J RER A 7 2 rm firm. 8 A 8 — Al; 1 ö.. m LE SS N Text/ Auß dem XXXIX. Pſalmen Davids/ verſ. 3. Ber: ich bin beyde dein Bilger/ hnd dein Burger/ wie alle meine Vaͤtcer. Erklarung. An ſchreibt von einem Philoſopho/ daß 2 N er/ alß man jhn von feinem Vaterland befragt hatte/ zur antwort gegeben: Er F wäre civis mundi, ein Burger der Welt. Damit hat er andeuten wollen R daß er fein Vatterland nicht groß achte ſondern/ vermittelſt feiner. Weiße heit vnd Geſchicklichkeit/ allenthalben ſeine Gelegenheit finde. Es iſt aber fo weißlich nicht geredet geweſen; wie er dann auch der Straff der Verachtung feines Vatterlands nicht entgangen: Dann alß dieſer Anacharſis Scytha in ſeinem Vatterland wiederumb angelangt/ vnd nach den. Geſaͤtzen der. if ö ther x————— 4 Chriſtliche ther Geſaͤtz hat andern wollen, iſt er auf der Jagt von feinem eigenen Bruder mit einem Pfeil getoͤdet worden. Dieſes ſterbenden Philoſophi Wort ſind geweFraſmn. A. ſen: Ai 1 Ayo, Ale nr, Davor. In Griechenland K ſeye er/ wegen ſeiner Geſchicklichkeit/ vnbeſchaͤPFnrlsé. diget abgereißt; in dem Vatterl and muͤſſe er auß Miß gunſt ſterben. Diejenigen/ welche die rechte Weißheit beſitzen/ machen es viel beſſer/ vnd ſagen nicht/ wie Anacharſis, fie ſeyen cives mundi, Burger der Welt/ ſondern mungicipes civitatis Dei, Burger der Statt Gottes. hil3.20.| Dann vnſer bur gerlich Weſen iſt im Himmel/ von dannen wir auch warten des Heil ands Jeſu Chriſti. Alſo beſchreibt ſich der heilige David ſelbſten in dem verleſenen Text: DiErz/ ich bin beyde dein Bil ger vnd dein Burger/ wie alle meine Vaͤtte. r Dieſe Wort haben wir vor/ bey gegenwaͤrtiger Chriſtlicher Leich⸗verſamlung/ in der Forcht des Herren/ vnd mit ſeinem gnaͤdigen Beyſtand/ miteinandern zu betrachten/ da wir dann folgende zwey Stuck werden zu bedencken haben: J.. Bekandtnuß von ſeiner Wahlfahrt. II.. Bekandtnuß von ſeinem Burgerrecht. Von dem Erſten. David ſtellet ſich als ein Fremdling auf der Erden: H Err/ ich bin dein Bil ger. Vnd anderſtwo: ö Wir find Fremdlinge vnd Gaͤſte für dir/ wie vnſere Deich predigt. 5 ſere Vaͤtter alle. So hat der heilige Ertzvatter Jacob ſich erkant/ in dem er fuͤr dem Koͤnig Pharao ſtehend/ geſagt hat: Die Zeit meiner Wahl fahrt iſt Gen. 3. hundert vnd dreiſſig Jahr. Das if die Bekandtnnß der heiligen Patriarchen ins gemein geweſen: Sie ha⸗| Hebr.ın 13. ben bekant/ daß ſie Gaͤſte vnd Fremdlinge auf Erden ſind. Wir ſind nicht beſſer/ als vnſere Vaͤtter/ alſo hat Elias in feinem Gebaͤtt geredt: Es iſt genug: So n kega9. nimm nun/ DiEr/ meine Seele/ ich bin nicht beſſer dann meine Vaͤtter. Alſo muͤſſen wir auch erkennen/ vnd mit David ſagen: HErr/ wir ſind nicht beſſer/ als David: Wir find deine Bil ger auf Erden. Wir halten vns in dieſem Leben nicht fuͤr Burger. ſondern nur für Bilger. So lang wir in dem eib*. Cor. 56. wohnen/ ſo wallen wir dem Herꝛen. Die Erden iſt vns nicht gebawet/ ewig allda zu wohnen/ ſondern nur gleich wie die Wuͤſte/ daß wir ſie durchſtreichen. Wir haben hie kein bleibende Statt/ ſondern ſu⸗ flebr. tz. 14 chen die zukunftige. Was datff es aber lang viel Beweißthume? die Et fahrung lehret es taͤglich/ in dem heut dieſer/ morgen ein anderer muß wegziehen. Wo iſt jemand/ der klal Sy. 6. da lebe/ vnd den Tod nicht ſehe? So oft wir ſonderlich einen helffen zum Grab begleiten/ wird vns diefe Reiſe vorgeſtellt. Der Todte ruffet auß dem Sarck: Geſtern wars an mir/ heute an dir. Syr. 8. 22. Das meiſte aber iſt/ daß wir dieſe Bekantnuß Davids vns wol zu nutz machen/ vnd fleiſſig praeticieren. Ein Bilger hat keine bleibende Statt/ wandert von einem Ort zu dem andern: heut iſt er an die ſem/ A if mor— Hebr.13.14-' 2. Petr. I. 14. —————— a EEE 6 Chriſtliche morgen an einem andern Ort. Alſo wir alle auff der Erden/ haben keine bleibende Statt/ ſondern ſuchen die zukunftige. Wir heiſſen alle Tag hinweg; wir ſind gleich den Iſraeliten in der Wuͤſten/ welche alle Tag ſich zum Auffbruch haben fertig halten muͤſſen. Joſua wuſte es wol/ darumb ſprach er zum gangen Volck: Sihe/ ich gehe heut dahin/ wie alle Welt. Joſ. 23.14. Vnd Petrus bekennt: Ich weiß/ daß ich meine Huͤtten bald ablegen muß wie mir dann auch vnſer Merz Jeſus Ehriſtus eroͤffnet hat. Darumb ſollen wir in der Welt nichts beſtaͤndiphilzu314 ges ſuchen: Vergeſſen was dahinden iſt vnd vns — ſtrecken nach dem das davornen iſt/ vnd nachjagen dem fůrgeſteckten Ziel/ dem Kleinod/ welches vns fuͤrhaͤlt die himmel iſche Beruffung Gottes in Chriſto Jeſu. Auch vns wol zu Ruhe begeben“ wann vns liche Freund vnd Anverwandte durch den zeitlichen Tod auß den Augen geriſſen werden/ ſie ſind nur Bilger auf der Erden geweſen/ ſterbliche Freund; es iſt hnen wiederfahren/ was vns auch bald begegnen wird. Sehen wir nur wol zu/ daß wir die Beſſerung des Lebens nicht auffſchieben/ dann wir wiſſen nicht wie lang vnſere Bilgerſchaft noch waͤhren wird. Wir wiſſen nicht was morgen ſeyn wird. Es kan eins Job..18,19. mahls ein Wind auß der Wuͤſte kommen/ auf die Ecken des Hauſes ſtoſſen/ daß es anhebt zu krachen. bal. 035. Ein Menſch iſt in feinem Leben wie Graß/ er blůhet/ wie eine Blum auf dem Feld/ wann der Wind darůͤber gehet ſo iſt fie nim̃er da vnd jhre ſtaͤtte kenSy 0 nn net ſie nicht mehr. Wañ ſchon der Artzt lang flickt/ ſo ··———— Teich/ predigt. 7; ſo gehets doch endlich alſo: Heut Koͤnig/ morgen tod Wir werden geboren/ daß wir ſterben/ vnd ſo bald wir anfangen zu leben/ fangen wir an zu ſterben/ wie , das darumb brennt/ damit es endlich außeſche. Ein rechter Bilger fangt ſeine Reiſe an in dem Namen des Herren/ vnd befihlt ſich dem Schutz des gewaltigen Gottes. Alſo fertigte der Iſaac den Jacob ab mit dem Gebaͤtt/ Gen. 28. 3. Der all maͤchtige Gott ſegne dich/ vnd mache dich fruchtbar/ vnd mehre dich. Jacob ſelbſten thut ein Gelubd; So Gott.. wird mit mir ſeyn/ vnd mich behüten auf dem Weg** den ich reiſe/ vnd Brot zu eſſen geben/ vnd Kleider anzuziehen/ vnd mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vatter bringen. So ſoll der Ho Erꝛ mein Gott ſeyn. Vnd dieſer Stein/ den ich aufgerichtet habe zu einem Mahl ſoll ein Gotteshauß werden. Vnd alles das du mir gibeſt/ wil ich dir den Zehenden geben. Alſo wir/ als fromme Bilger(weil wir alle Tag wandern) ſollen vns fruͤh vnd ſpath des Allmaͤchtigen Schutz vnd Schirm anbefehlen/ vnd bitten/ daß er ö auf allen vnſern Wegen vnd Stegen wolle heuͤten. Deinen Weg mir/ Herꝛe zeige, Pfalm.25.| Daß ich werd verführer nicht:| Lehr mich gehen deine Sreige/ Vnd derſelben mich bericht. Leit mich/ vnd nach deinem Wort/ Mich gerad zu wandeln lehreDann Chriftlide Dann du biſt mein hoͤchſter Hort/ Auf dich hoff ich ſtets/ mein Herꝛe. Vnd mit dem frommen David/ auß dem 143. Pſalmen: Dein Gnad wolſt du an mir nicht ſparen/ Vnd mich erhoͤren vnd bewahren/ Dann all mein Hoffnung ſteht zu dir/ Laß mich recht deine Weg erfahren/ Dann zu dir Herꝛ ſteht mein Begier. Lehr mich in meinen ſachen allen Recht leben nach deinem Gefallen/ Dann du mein Gott biſt allezeit/ Daß ich auf rechter Bahn mag wallen/ Durch deinen heil gen Geiſt mich leit. Ein Bilger nimt nicht an die Sitten des Lands dadurch er reiſet/ ſondern bleibt feines Vatter lands eine gedenck. Sein Hertz hat er im Vatterland. Keine Diſrurſen ſind jhm angenehmer/ als die von feinem Vatterland gefüͤhret werden: vnd wann es in dem Vatterland übel ſtehet/ fo ſihet er traurig auß/ wie von Nehemia zu leſen/ alß jhn der König Arthaſaſta fragte: Warumb er ſo Abel außſehe? ſprach er zum König: 3. Solte ich nicht übel ſehen Die Statt/ da das Hauß der Begraͤbnuß meiner Vaͤtter iſt ligt wuͤſte/ vnd jhre Thor find mit Feur verzehrt. Alſo ſollen wir nicht die Sitten der boͤſen Weltkindern annehmen/ vns nicht der Welt gleich ſtellen/ ſondern ſich veraͤndern durch Verneuerung des Sinns. Dahin gehet die bewegliche vermahnung Petri ſelbſten; Ich ermahne euch/ lieben Bruder/ als die Fkremdlinge vnd Bilger/ enthalter euch von den Fleiſchlichen Luͤſten/ welche DE 9 ee Leich-predigt, 9 Seel ſtreiten/ vnd führen einen guten Wandel under den Heiden/ auf daß die/ ſo von euch afterreden/ als von Vbelthaͤtern/ ewere gute Wercke ſehen/ vnd Gott preiſen. Vnd oh wol wir dem Leib nach/ auf der Erden herumb wallen/ ſollen doch vnſere Hertzen vnd Gedancken ſeyn in dem himmeliſchen Vatterland/ das himmeliſche Jeruſalem ſol vns nicht auß dem Sinn kommen. Ver geſſe ich dein/ Jeruſa⸗ Eltz. 5,6. lem/ ſo werde meiner Rechten vergeſſen. Meine Zung muͤſſe an meinem Gaumen kleben/ wo ich dein nicht gedencke/ wo ich nicht laſſe Jeruſalem meine hoͤchſte Freude ſeyn.. Huͤten wir vns/ daß wir vns nicht aufhalten laſſen/ durch die Liebe zu den zeitlichen Wolſluͤſten/ vnd guten Tagen; Sollen nicht lieb haben die ö Welt/ noch was in der Welt iſt. So jemand die Welt lieb hat/ in dem iſt nicht Liebe des Vatters; dann alles was in der Welt iſt/ nemlich FleiſchesLuft, vnd der Augenluſt/ vnd hoffertiges Heben/ iſt nicht vom Vatter/ ſondern von der Welt: Vnd die Welt ver geht mit jhrer Luſt/ wer aber den Willen Gottes thut/ der bleibt in Ewigkeit.; Ein Bilger haltet das für eine groͤſſe Gnad/ wann er erkant wird; Ruth fiel auf jhr Angeſicht für Boas: Womit hab ich Gnade funden für deinen Augen/ daß du mich erkenneſt/ die ich doch frembd bin. Wir halten das billich in der Bilgerfahrt für die größe Gnade/ daß vns der Herz kennet: Der veſte Grund Gottes beſteht/ vnd hat dieſen Inſigel: Der Hir: kennet die(ein ſind/. Tim. 2. 19, Ind mögen mit David wol ruhmen: HeEr:/ was bin ich?. Chrono Was iſt mein Volck? von dir iſtes alles kommen/ Trans. B vnd —— y Ruth. 2. 10. rn 10 Chriſtliche vnd von deiner Hand haben wir dir gegeben. Wir find Fremdlinge vnd Gaͤſte für dir/ wie vnſere Vaͤtter. Ein Bilger hat kein Vrſach/ ſich viel auf Menſchen zu verlaſſen/ daher leſen wir in dem Buch Eſz ar: Eſra ſchaͤmte ſich von dem König Geleit vnd Reuter zu fordern/ ſondern ſagte dem Koͤnig;: Die Hand vnſers Gottes iſt zum beſten uͤber alle die ibn ſuchen/ c. Wir haben auch kein Vrſach vns auf Menſchen ‚545 in vnſerer Wanderſchaft zu verlaſſen: Verl aſſet euch nicht auf Fůrſten/ ſie ſind Menſchen/ die koͤnnen ja nicht helffen: Dann des Menſchen Geiſt muß davon/ vnd er muß wieder zu der Erden werden/ alßdann find verlohren alle(eine Anſchl age. Wol dem deß Huͤlff der Gott Jacob iſt deß Hoffnung auf dem Herꝛen ſeinem Gõtt ſtehet Merck auf/ mein Volck/ höre mich/ von mir wird ein Geſaͤtz außgehen/ hebt ewere Augen auf gen Himmel. Soͤrchtet euch nicht/ wann euch die Qeuth ſchmaͤhen/ vnd entſetzt euch nicht/ wann ſie euch verzagt Ein Bilger if vernuͤglich in der Fremde/ wie dann von den frommen Bilgern des alten Teſtaments ſteht/ Hebr. 11. 13. Haben ſich wol benügen laſſen, vnd bekant/ daß ſie Gaͤſte vnd Fremdlinge auf Erden ſeyen. Ein Bilger achtet nicht viel darauf/ was in dem Gaſthoff vnd Wirths hauß iſt/ wie ſchoͤn die Zimmer ⸗/ wie koͤſtlich die Beth⸗ſtaͤtte/ ſondern er nimt vorlieb geduldet ſich auch in einer ſchlechten Herberg, weil er nur wenig Stunden/ oder etwann nur eine Nacht über zu verbleiben hat. Wir D eich⸗Predigt. 11| Wir ſollen vns auch nicht zu ſehr bekuͤmmern vmb zeitliche vnd irꝛdiſche Dinge/ vnd gleich wie ſich Jacob mit feinem Stab hat benuͤgen laſſen: Ich hat⸗ Gen za 0. te nichts mehr als dieſen Stab/ da ich uber dieſen Jordan gieng. Alſo ſollen wir vns mit dem Stab des Göttlichen Worts benügen: Ob ich ſchon wan⸗ Pfalz. derte im finſtern Thal/ foͤrchte ich kein Vn luck: dann du biſt bey mir: Dein Stecken vnd Stab troͤſten mich. Laſſet euch benůgen an deme das da 39 Seyen wir vernuͤgt/ daß wir Nahrung vnd Decke ; Es iſt ein groſſer Gewinn gottſelig ſeyn/ vnd 1. Tim 6. 6, ſich benůgen laſſen: Dann wir haben nichts in**. die Welt gebracht/ darumb offenbahr iſt/ wir werden auch nichts hinauß bringen. Wann wir aber Nahrung vnd Kleider haben/ ſo laßt vns benu gen.. Was ſind dann das fuͤr elende Bilger/ welche jhnen die Reife ſchwer machen/ ſich mit vielen Sachen beſchweren/ mit vnnuͤtzen Sorgen ſich quelen/ vnd nicht gedencken an die Vermahnung des Herꝛen: Huͤtet euch daß ewere Hertzen nicht beſchweret werden mit Srefjen vnd Sauffen/ vnd mit Sorgen der Nahrung. Ein Fremdling muß ſich der Fuͤrſichtigkeit bes fleiſſen/ behutſam verfahren/ anderſt kan man leichtlich hindergangen werden/ ja gar vmb das Leben kommen/ wie Amaſa erfahren/ welcher dem Joab zu viel ges a trauet/ aber in dem er jhn vmbfangen/ vnd gekuͤſſet Bats| te/ ſtach er jhm das Schwert in den Wanſt/ daß er ſein Eingeweid auf die Erden ſchuͤttet/ vnd ſtarb darüber, Das ſollen wir auch in 6. nehmen/ fuͤrſichtig 3 1 vnd Luc. 21.34. 12 Chriſtliche vnd behutſam wandeln/ nicht nur ſehen/ was vor Augen ligt/ ſondern die Augen des Verſtands weiter laſſen hinauß gehen/ vernuͤnftiglich vorſehen/ was auß eiMatch. 0. nem vnd dem andern entſtehen möchte. Sihe ich ſen16,17. Eph. 5. 6. Judic. 16. Gen. 21. de euch wie Schaafe/ mitten vnder die Woͤlffe. Darumb ſeyt klug wie die Schlangen/ vnd ohne Fal ſch wie die Tauben. Dürer euch aber für den Menſchen/ ꝛc. Sehet zu/ wie jhr fuͤrfichtiglich wandlet/ nicht als die Vnweiſen/ ſondern als die Weiſen/ vnd ſchicket euch in die Zeit/ dann es iſt boͤſe Zeit. Die Welt iſt wie Delila, alß Simſon jhren zu viel getrauet/ vnd jhr fein gantzes Hertz vnd Heimlichkeiten geoffenbahret hat/ hat fie jhn verꝛahten/ vnd den Philiſtern uͤbergeben. Trauen wir derowegen der falſchen vnd boͤſen Welt nicht: der Welt Freundſch aft iſt wider Gott. Ein Bilger muß vielerley Vngemach außſtehen/ bald muß er durſt leiden/ wie Hagar vnd Iſmael/ daß ſie ſich auch des Sterbens verſehen/ oder mit Simſon Jud. 15.18. klagen: Ich muß durſt ſterben/ vnd in der Vnbeſchnittenen Maͤnde fallen. Bald beſchwerliche Hitz oder Froſt außſtehen/ wie Jacob/ laut ſeiner Außſag: Sen zr. 40. Des Tags verſchmachtet ich fuͤr Hitz/ vnd des Luc. 15. Nachts für Froſt/ vnd kame kein Schl aff in meine Augen: bald Hunger haben/ wie der verlohrne Sohn/ der in der Fremde angefangen zu darben/ vnd begehrte feinen Bauch zu fällen mit den Traͤbern/ die die Swe aſſen. Bald ergeht es einem Retſenden/ wie Luc, 19:30. dem Menſchen/ der gieng von Jeruſalem hinab gen Jericho/ vnd fiel vnder die Moͤrder die zogen ihn auß, vnd ſchlugen jhn/ vnd giengen davon/ . lieſſen jhn halb tod ligen. Auf dem Waſſer ſonder Laich Predigt 13 ſonderlich muß ein mancher Bilger groſſe Gefahr außſtehen/ da muͤſſen ſie manchmahlen foͤrehten/ ſie moͤchten in die Syrten fallen/ oder das Schiff möchte cas m zerbrechen von dem Gewalt der Wellen. Aiſo muͤſſen wir vns allerhand Truͤbſalen verſehen: Wir find Gottes Kinder/ fo doch/ daß wir Rom. 3. J mit leiden. Wer mein Junger ſeyn wil/ der vers| Mart. 6 laͤugne ſich ſelbſt/ nehmẽ fin Kreutz auf ſich/ vnd fol ge mir nach. Alle die gottſelig leben wollen in rTim3. 1. Chriſto Jeſu/ můͤſſen Verfolgung leiden Daher Hieronymus/ der alte Kirchenlehrer/ geſagt hat: Zehle mir einer alle Gläubige von Adam her/ er wird finden/ daß fie alle durch Kreutz haben můſſen bewaͤhret werden. Der einige Salomon hat in ſtetigen Freuden gelebt/ vnd daher zweifelt man noch heutiges Tags/ ob er ſey ſelig worden. Bald muͤſſen fromme Hertzen Durſt leiden/ vnd 4 ſchreyen wie der Hirſch ſchreyet nach friſchem Waſ · Plal za. ſer. Bald klagen uͤber die Hitz der Anfechtung/ vnd ſprechen mit David: Meine Gebein verſchmachten durch mein täglich heulen. Deine Hand war Tag Plalza z. vnd Nacht ſchwer auf mir/ daß mein Saft vertrocknet/ wie es im Sommer důrꝛ wird. Bald ſeufzen über die Froſt: daß die Vngerechtigkeit übers Matt.. 1. hand nehme/ vnd die Liebe in vielen erkalte. Bald verfehlen wir des rechten Wegs/ vnd gehen in der In/ wie David ſich ſelbſten alſo beſchreibWt in dem 119. Pſalm. Laß meinte Seel leben/ daß fie dich lobe/ vnd deine Rechte mir hel ffen Ich bin wie ein verirꝛet vnd verlohren Schaf: ſuche deinen Knecht: dann ich ver geſſe deiner Gebott nicht. Beſchweren wir vns/ jhr Geliebten des Herꝛen/ ;. 23 B iij nicht — > 1. Pet. 4 12. J nicht darüber, Ihr Lieben/ laßt euch die Hitze/ der Durſt/ die Froſt/ die Anfechtungen/ 1c. fo euch begegnen/ nicht befremden(die euch wider fahret) daß jhr verſucht werdet/ als widerfuhre euch etwas ſeltſames. Sondern frewet euch/ daß jhr mit Chriſto leidet/ auf daß jhr auch zur zeit der Offenbahrung ſeiner Herrlichkeit/ Freude vnd Wonne haben moͤPſal. 119. 7. Cant. 2.2. 1.Pet.1.7. get. Laſſen wir vns von dem boͤſen Feind nicht bereden/ als wann vnſere Truͤbſalen Zornzeichen waren/ ſondern halten wir ſie fuͤr ein Gnadenzeichen/ vnd ſprechen allezeit: Es iſt mir gut/ daß du mich gedemuͤhtiger haſt/ daß ich deine Rechte lehrne. Sas Kreutz iſt ein Anhang vn ſerer Gottes⸗kindſchaft. Es heißt: Welchen der MDiErz lieb hat/ den ʒůchtiget er. Er ſteupt einen jeglichen Sohn/ den er aufnimt. So jhr die Zuůchtigung erdul det ſo erbeut ſich euch Gott als Rindern: dann wo iſt ein Sohn/ den der Vatter nicht zuͤchtiget? Vnd gleich wie vnder den Dornen auch Roſen herfuͤr wachfen: dann wie eine Roſe vn der den Doͤrnen/ ſo HE meine Freundin vnder den Töchtern; Alſo vnder den Dornen des Kreutzes/ vnd Beſchwerden des gegenwaͤrtigen Lebens/ wachſen viel ſchoͤne wolriechende Tugenden herfuͤr. Als da find 1. Erkantnuß der Suͤnd. Waͤre der Moͤrder nicht an das Kreutz geſchlagen worden/ ſo haͤtte er viele leicht nimmermehr an die Beſſerung gedacht. 2. Vermehrung des Glaubens. Dann durch das Kreutz wird der Glaube gelaͤuteret/ vnd viel koͤſtlicher erfunden/ als das vergaͤngliche Gold/ welches durchs Feur bewaͤhret wird/ zu Cob/ Preis vnd hre. 3. Eifer ——————— Reich predigt. 15 3. Eifer in dem Gebaͤtt angezuͤndet. David/ wann er allezeit in dem Wohlſtand geſeſſen/ wurde er nicht ſo viel troſtliche Pſalmen geſtellt haben. Aber wann Trůbſal da iſt/ ſo ſuchet man dich/ DiErs/ vnd wann du ſie zuͤchtigeſt/ ſo ruffen ſie aͤngſtiglich. 4. Endlich die Welt verachtet/ vnd wird des Lebens verdruͤſſig/ vnd ſeufzet nach einer ſeligen Aufloͤfung mit Elia: Es if genug/ ſo nimm nun/ Herꝛ/ meine Seele/ ich bin nicht beſſer dann meine Vaͤtter. Wir muͤſſen aber auch des Troſts in vnſer Bilgerfahrt nicht vergeſſen: Der HErt/ gleich wie er ſich der Fremdlingen vnd Wandersleuthen annimt/ vnd ſie begleitet durch ſeine lieben Engel/ wird auch vnſer ſich in allen treuen annehmen/ vns behuͤten auf allen Wegen/ ja gar auf den Haͤnden tragen/ damit wir vn ſere Fuͤſſe nicht an einen Stein ſtoſſen. Gleich wie er für feinem Volck hergezogen/ des Tags in eiter Wolckenſaͤulen/ daß er fie den rechten Weg führer/ vnd des Nachts in einer SFeurſaͤulen/ daß er jhnen leuchtet zu reiſen Tag vnd Nacht. Die Wolckenſaͤule wiche nimmer von dem Volck des Tages/ noch die Feurſaͤule des Nachts. Alſo wird der Her: vnſer Sonne vnd Liecht ſeyn/ vnd vns führen auf den rechten Straſſen/ Pſal. 23. Die Augen erleuchten/ vnd das Leben geben. Gleich wie er fein Volck wiederumb in jhr Vatterland gebracht/ alſo wird er vns endlich bringen in das rechte Vatterland vnd das himmeliſche Canaan zu beſitzen übergeben. Genug von dem Erſten. Von ö. 16. 1. Reg. 19.4. Exod. 13. 2x, 22. Ef, 9. 8. R CChriſtliche Von dem Andern. Wir wollen auch dem andern Theil dieſer Bekantnuß ein wenig nachſinnen/ da der heilige David von feinem Burger⸗recht thut reden: Ich bin dein Burger/ wie alle meine Vaͤtter. Dieſes Burger⸗recht iſt nicht ein irꝛdiſches/ ſondern ein himmeliſches Burger⸗recht/ nicht ein BurgerPhil.3.20. recht zu Rom/ Athen/ Jeruſalem/ ſondern vnſer Wandel iſt im Himmel. Die Glaͤubigen/ wann ſie gleich auf Erden leben/ ſind ſchon Himmels⸗burger: David/ vnd alle feine VBaͤtter/ waren beydes/ Bilger auf der Erden/ vnd Burger in dem Himmel. Dann dieſes Burgerrecht iſt ihnen von Ewigkeit verordnet/ in der Zeit erworben/ vnd wuͤrcklich mitgetheilet/ daß fie der Freyheiten vnd Privilegien deſſelben in der That theilhaftig werden vnd genieſſen. Die Rechte werden ſhnen würcklich mitgetheilt/ dann denen/ die an(einen Sohn glauben/ gibt er Macht Gottes Kinder zu kpha. 19, werden. Sie find nicht mehr Gaͤſte vnd Sremd20 linge/ ſondern Burger mit den Heil igen vnd Gottes Haußgenoſſen/ erbauet auf den Grund der Apoſteln vnd Propheten/ da Jeſus Chriſtus der Eckſtein if. EChriſtus Jeſus/ Jamt allen feinen Cant 710. Schaͤtzen vnd Guͤtern iſt jhr: Mein Sreund iſt mein/ vnd er haͤlt ſich auch zu mir/ koͤnnen die Glaͤubigen gar wol mit der Braut des Herzen Jeſu ſprechen. Ein ſolcher Himmels⸗burger iſt Enoch vnd Noah geweſen/ die mit Gott gewandelt. H Ein ſolcher war Abraham: Durch den Glauben iſt er ein Fremdling geweſen in dem,. ande/ ——————— Joh.. 2. Leich⸗predigt. 17 Lande/ vnd wohnte in Huͤtten/ mit Iſaac vnd Jacob/ den Miterben derſelbigen Verheiſſun gen. Dann er wartet auf eine Statt/ die einen Grund hat/ welcher Baumeiſter vnd Schoͤpfer Gott iſt. Alſo Maria/ die harte das himmel iſche Bur ger⸗ Tuc io. recht erwehlt/ das beſſere Theil/ das nimmer von jhr genommen worden. Dieſer Burgern aber find zweyerley⸗ etliche ſind nech auf dem Weg/ in der Reife begriffen: andere haben allbereit den Lauff vollbracht/ vnd die Kron ber Herrlichkeit erlangt. Etliche ſind noch in dem Streit vnd Kampf: Andere haben allbereit den Sieg erhalten. Etliche bauen noch an der Mauren/ vnd ha⸗Nchem. 4. ben die Schwerter an die Lenden gegůrter/ mit ei.. ner Hand verzichten fie die Arbeit/ vnd mit der andern halten ſie die Waffen: Andere haben Palmen/ Harffen, vnd guldene Schalen voll Rauchwerck/ wie in der Offenbahrung ſteht: angethan mit weiſſen woe/ 10. Kleidern/ vnd Palmen in jhren Haͤnden/ ſind kommen auß groſſen Truͤbſalen/ vnd haben ihre Kleider gewaſchen/ vnd haben jhre Kleider hell gemacht in dem Blut des Lamms/ vnd ſind jh1. allbereit die Thraͤnen von jhren Augen abgewaͤſchen.— Fragſt du/ welches ſind aber die Zeichen/ dabey man einen Himmels⸗burger erkennen kan? Antwort: Es ſind vnderſchiedliche, Man kennet ein Burger an der Sprach/ wie die Ephraimiter an dem Siboleth/ vnd Petrum an ſeiner Galileiſchen Sprach: Man kan feine Vatterlaͤndiſche Sprach nicht allerdings verbergen. Alſo kennet man die Himmels⸗burger an ſhrer Sprach/ ſie reden die . 7.. Efaj.19.18. Coloſſ. 4. 6. Apoc.7. 14. Rom. 3. 14. Apoc.I2. 1. Cor. 15. pſal. 16.3. .— 3 a er) ni,, 2 e,, die Sprach Canaan/ das iſt, fie loben vnd dancken Sort. Ihre Reden find lieblich vnd mit Saltz gewurtzet. In jhrem Mund haben keine garſtigen reden platz/ ſondern darauß werden gehört erbauliche Reden/ Pſalmen/ Lobgeſaͤnge/ vnd geiſtliche Lieder Ein Burger wird erkant an feiner Kleidung/ an feinem burgerlichen Habit. Die Himmels-⸗burger haben auch ſhren beſonderen Habit. Ihre Kleider haben fie gewaſchen vnd hell gemacht in dem Blut es Lamms. Sie haben Jeſum C hriſtum angezogen. Sind gleich dem Weib welches mit der Sonne bekleider/ zu den Fůüſſen hats den Mond/ vnd auf dem Haupt eine Kron von zwelff Sternen. Burger vnd rechte Landsleuthe halten zuſammen/ ſonderlich/ wann ſie ſich in der Fremde aufhalten/ dergeſtalten/ daß man auß jhrer engen Freundſchaft ſchlieſſen kan fie muͤſſen Landsleuthe ſeyn. Die Himmels⸗ burger muͤſſen auch eine hertzliche Liebe vndereinander haben/ fliehen die boͤſen Geſellſchaften/ als wel? che wol wiſſen: daß boͤſe Geſellſchaft verderbt gute Sitten: lieben die/ welche den Herꝛen lieb haben/ vnd nach dem Himmeliſchen trachten. An den Heiligen ſo auf Erden ſind/ haben ſie all jhr Wol gefallen. Wann wit aber nach dieſen vnd andern Kennzeichen vns wolten pruͤfen/ Ach! wie wenig Himmelsburger/ hergegen wie viel Weltburger wurden vnder vns gefunden werden? welche ſich zwar für Himmeltsburger außgeben/ vnderdeſſen ſich aber durch die Sprach verrahten/ eine Zung haben von Sathan angezůndet/ mit Fluchen/ Schelten/ Laͤſtern dem Naͤchſten aͤrgerlich ſind/ den befleckten Rock des Fleiſches noch tragen/ vnd keine Liebe haben in dem Hertzen. Wollen Tach predigt, 19 Wollen wir mit David/ vnd allen Heiligen/ das himmeliſche Burger⸗recht erlangen/ fo muͤſſen wir es in Chriſto vnd durch Chriſtum ſuchen. Dann dieſes Burger⸗recht wird nicht erlangt wie ein irꝛdiſches Burger⸗ recht: nicht durch Gelt erkauft/ wie der Hauptmann das Burger⸗recht zu Rom bekommen/ laut ſeiner eigenen Worten: Ich hab dis Burger⸗recht mit groſ⸗ Act 22. fer Summa zuwegen gebracht. Wer da Gelt vnd Gold darumb ſolte anbieten/ wurde wie Simon der Zauberer empfangen werden: Daß du verdamt cap. 8. 20. werdeſt mit deinem Gelt/ der du meineſt/ Gottes Gaben werden durchs Gelt erlangt. Auch nicht durch die Geburt/ wie Paulus: Der war Romiſch geboren. Von Natur ſind wir Kinder des Zorns/ vnd Selaven des Satans. Die Himmels⸗burger ſind nicht von dem Gehluͤt/ noch von dem Willen des Fleiſches/ noch von dem Willen eines Manns/ ſondern e cap. 22. 28, von Gott geboren/ nicht auß ver gaͤnglichem/ ſon⸗ zer m3 dern vnvergaͤnglichem Samen. Nicht durch Tugend oder Verdienſt erworben. Niemand kan es mit den Wercken verdienen: dann es mag kein Fleiſch komz. 20. durch des Geſaͤtzes Werck für Gott gerecht ſeyn. Es bleibt bey den Worten Petri: Wir ſind nicht x11, mit vergaͤnglichem Sil ber oder Gold erloͤſet/ ſondern mit dem theuren Blut Chriſti/ als eines vnſchuldigen vnd vnbefleckten CLamms. Vnderdeſſen ſollen wir alle vnſere Kraͤften anwenden/ in dem Werck zu zeigen/ daß wir Himmelsburger ſeyen/ der Welt abſagen/ ablegen den alten 19. Menſchen/ der durch Luſt in Irꝛthum ſtch ver: Epha.22.|) derbt/ vns aber erneueren im Geiſt vnſers Gemuůͤhts/ vnd anziehen den neuen Menſchen/ der C ij nach 20 Chriſtliche ö EEE nach Gott geſchaffen iſt in rechtſchaffener Gerechcor 1. tigkeir vnd Heiligkeit. Dieweil wir nun ſolche echeiffungen haben/ meine Liebſten fo laßt vns von aller Befleckung des Fleiſches vnd des Geiſtes vns reinigen vnd fortfahren in der Heiligung/ vnd in der Sorcht Gottes. | Wann gleich vns der Herz in die Wuͤſte führe in dieſem Leben/ oder in Babel laſſet vmb der Suͤnden willen gebracht werden/ laſſet vns mit Gedult dieſes Kreutz tragen/ ein Himmels⸗burger muß in dieſem Leben auch ſeine Beſchwerden haben. Wann wir gar den bittern Tod vor vns ſehen/ ſollen wir darab nicht erſchrecken. Der Tod macht die Porten dieſer himmeliſchen Statt auf/ vnd führt vns Corgan in die voͤllige Beſitzung. Wir wiſſen/ fo vnſer irꝛdiſch Hauß dieſer Hütten zerbrochen ſeyn wird/ daß wir einen Bau haben von Gott erbauet/ ein Hauß nicht mit Haͤnden gemacht/ das ewig iſt im Himmel. Und über demſel bigen ſehnen wir vns auch nach vnſerer Behauſung/ die vom Him mel iſt/ vnd vns verlanget/ daß wir damit uͤberkleidet werden.. Wir ſollen den Tod nicht als einen boͤſen/ ſondern als einen guten Botten anſchauen. Alß der Waͤchter dem König David den Dorsten beſchrleben/ ſprach l Das iſt auch ein guter Bott. Alſo moͤgen wir - von dem Tod ſagen: Es iſt auch ein guter Bott. Ein Bott/ welcher von dem Herꝛen aller Herꝛen vns zugeſandt wird/ vnd vns dieſe Bottſchaft verfündiget; fehr, Wir ſeyen beruffen zu der Statt des lebendigen 374 Gottes zu dem himmeliſchen Jeruſal em, vnd zu der men ge vieler rauſend Engeln. Zu der Gemeine der ——————— | Deich⸗ predigt. 21 der Erſtgebornen/ die im Himmel geſchrieben ſind/ vnd zu Gott/ dem Richter über alle/ vnd zu den Geiſtern der vollkommenen Gerechten vnd zu dem Mittler des Neuen Teſtaments/ Jeſu/ vnd zu dem Blut der Beſprengung/ das da beſſer redt dann Abels. So viel auch von dem Andern. PE RS ONALIA. Es iſt weiland Merz Hans⸗Georg Geiſendoͤrffer ſel. An 169. an das Liecht dieſer Welt geboren/ vnd darauf den 1. Aprill in dieſer Pfarꝛ⸗kirchen durch den heiligen Tauff Chriſto einverleibt worden. Seine ehrende Eltern(ſo nun beyde in Gott ruhen) ſind geweſen Merz Johann Geiſendoͤrffer/ ges weſener Gaſtgeb zur rohten Kannen allhier/ die Mutter/ St. Margaretha Boul acherin. Von dieſen feinen lieben Eltern if er zur Sorte tes forcht vnd Chriſtlichem Wandel erzogen/ vnd zu den Schulen dergeſtalten gehalten worden/ daß er die meiſten Claſſes des Gymnaſi auf Burg durchloffen/ vnd darauff/ vmb die Frantzoͤſiſche Sprach zu ergreiffen/ nacher Welſch⸗Neuenburg verſchickt worden/ hat folgendes das, erlehrnet/ vnd eine Reiß in Franckreich vnd Flandern gethan/ vnd ſich daſelbſt etwas Zeit in Kriegs⸗dienſten aufgehalten. Nach ſeiner gluͤcklichen Wiederkunft hat er ſich Anno 1671. an Jungfr. Eliſabeth Rippel/ ſeine nunmehr hin derlaſſene hochbetruͤbte Fr. Wittib/ durch Gottes Schickung/ verehlichet: mit derſelben in erwunſchtem Frieden 8. Jahr vnd 5. Monat zugebracht/ vnd durch Gottes Segen 6. Kinder/ als 3. Soͤhne vnd 3. Töchtern erzeuget/ von welchen noch 2. Söhne vnd C if drey EN . Chriſtliche“ drey Toͤchtern/ ſo lang es dem Hoͤchſten gefallt im Leben: welche er/ der getreue Gott vnd Waͤiſen⸗Vatter/ ſeiner gnaͤdigen Fuͤrſorg wol befohlen ſeyn laſſen wolle. G Ott hat jhn vnſeren lieben/ nunmehr ſeligen Mitbruder geſegnet mit Gottes forcht/ geſundem Verſtand/ freundlich⸗vnd ehrbarem Wandel. Iſt aufrichlig/ gewiſſenhaft/ getreu dienſthaft/ vnd willig geweſen: Ein junger Mann/ der Gott vnd Menſchen lieb war/ deſſen fruͤhzeitiger Abſcheid deßwegen nicht nur von den lieben ſeinigen/ ſondern von maͤnniglich betrauret wird. Im uͤbrigen hat er auch ſelbſten feine menſchliche Schwachheiten erkant/ vnd die ſchwere vnd toͤdliche Kranckheit/ als eine Vaͤtterliche Zuͤchtigung/ aufge nommen.. Nach dem er willens geweſen das letſte mahl/ alß das heilige Abendmahl in dieſer Gemeind iſt gehalten worden/ ſeinen Glauben zu bezeugen/ hat er ſich am Sambſtag zuvor muͤſſen zu beth legen. In waͤhrender Kranckheit hat er zwar anfangs Beſſcrung gehoffet/ ſich aber gleichwol dem heiligen Willen Gottes vnderworffen/ ſeinen Glauben vnd Vertrauen auf Chriſtum Jeſum bezeugt/ wann er gleich Schmertzen vnd Schwachheit halben wenig geredt/ hat er dannoch den Troſt⸗ fo jhm auß Gottes Wort zugeſprochen worden/ wol verſtanden/ vnd begierig angenommen/ gedultig geweſen/ vnd auf die Hhulſff Gottes gewartet/ die jhme vorgeſtrigen Sontags Nachmittag/ gegen ein Vhren erſchienen/ da er dreiſſig vnd ein halb Jahr alt/ weniger drey Wochen (nder vnſerm Gebaͤtt) feinen Geiſt dem Herzen hat übergeben. EN; 6 . o ) Reich Predĩ gt.. So hat dann nun auch vnſer muüglaͤubige vnd liebe Bruder ſelig feine Bilger fahrt glücklich vollbracht. Ach/ wie wol ſchlaft er ſetzunder/ nach einem fo harten Kampf. Die Seel ruhet in Gottes Hand/ der Leib aber wird ruhen in der Erden biß an jenem Tag/ da er wird wieder herfuͤr gehen zur Auferſtehung des Lebens. Jetzunder hat er erlangt das himmeliſche Burger⸗recht/ vnd wohnt in der Statt des lebendigen Gottes. Jetzunder ſind jhme die beſchwerliche Naͤchte vergangen/ vnd der Tag des Heils angebrochen.© Gebe der getreue Geber/ daß wir vns alle feinem Gewalt vnderwerffen/ als Bilger auf der Erden leben/ ond bereit ſeyen/ vns/ vnd die lieben vnſerigen/ dem Allerhoͤchſten aufzuopfern/ durch wahren Glauben rechtſchaffene Buß/ vnd Verachtung der Welt/ damit wir/ nach vollbrachtem Lauff/ zu Jeſu Chriſto/ vnſerem Konig/ in die Verſammlung vnd Gemeind aller triumphierenden Seelen mogen aufſtehen/ vnd das durch ſhne vnſern Herzen vnd Heiland Jeſum Chriſtum/ Amen! AA;. Geh aͤtt nach der Predigt. 6 Erz du gerechter vnd barmhertziger G Ott/ himmeliſcher Vatter/ wir ſind beydes deine Bilger vnd deine Burger/ wie alle vnſere Vatter/ vnd erfahren täglich, daß wir hier Feine bleibende Statt haben/ ſondern muͤſſen die zukuͤnftige ſuchen. Nimſt nicht nur weg die grauen Haupter/ ſondern aach die Starcken in der beſten Bluͤhte jhres Alters: So gib dann/ getreuer Vatter/ daß wir vns fur fleiſchlicher Sicherheit hüten/ vnd in der Jugend anfangen an dich/ als dem Schöpfer, zu gedencken. Vnd wann wir gleich lang harren/ ſo doch das Grab vnſer Hauß/ vnd in der Finſternuß iſt vnſer Beth gemacht.; J re 24 Gebärt. Wir ſagen dir danck für den Fräftigen Beyſtand deines heiligen Geiſtes/ welchen du vnſerem verſtorbenen Herzen ſel. geleiſtet für die guten Gaben/ welche du vnſerem lieben Mitbruder in ſeinem Leben vnd Abſterben verliehen. Laß den rechten Tröſter deinen heiligen Geiſt vnd Goͤttlichen Segen walten ob ſeiner betruͤbten Frau Wittib/ ond fuͤnff jungen vnd vnerzogenen Kindern, verbinde vnd heile die betrubten Hertzen/ welche du verwundet i Verſichere alle/ welche in dem Eheſtand leben/ daß wann der Erben durch den zeitlichen Tod zerꝛiſſen, daß alle/ welche in dem Herzen ſterben/ heydes Mann vnd Weib/ mit deinem lieben Sohn/ Jeſu Chriſto/ in der Statt Gottes in der vnzerſtoͤrlichen Herꝛlichkeit wiederumb werden vermaͤhlet werden. Stehe vns allen bey/& du gnaͤdiger GOtt,/ in vnſerer Wanderſchaft/ erquicke vns in dem letſten Kampf/ ſonderlich mit der Betrachtung des himmeliſchen Burger⸗rechts. Briche bald an mit deinem uͤngſten vnd groſſen Tag/ damit vnſere Wanderſchaft geendet werde/ vnſer Streit aufhoͤre/ vnd wir auß der ſtreitenden in die triumphierende Kirchen mögen verſetzt werden. Erhöre ons/ 8 Vatter aller Barmhertzigkeit/ vmb J. Chriſti willen/ leich das eheliche Band auf