Freiinühtige eöanken über die Entvölkerung unserer Vaterstadt. - Wer frei darf denken, denket wohl. H a H e r. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. 1758. 72-LS C^L"Zi' 2.j dsr»?"' Vorbericht. )EgenwartLge Abhandlung hat ihe Dasein der Liebe zu dem Vaterlands, und insbesondere gegen den nach Nahrung und Erleichterung seufzenden Mitbürger zu verdanken. Sie war in der Eile in lezc verwi- chenem Lhristmonate verfertigt, und nie bestimmet, das öffentliche Tageslicht zu erblikken. Sie würde sonst sorgfältiger auf- gepuzzec, und in vilen Grellen bester ausgearbeitet worden sein. Man wollte dadurch einige parriocen, denen man dieselbe geschrieben mitteilte, zu Verteidigung der guten Sache muhtiger machen, und andre von denen Einstreuungen, die man von so vilen Seiten her machte, und denen Vorurresten, derer man sich zu dem Ende bediente, befreien. Einige eifrige Freunde der Wahrheit durch einen Geist der lobenswürdigsten bürgerlichen Liebe getrieben, fanden gut, dieselbe durch den Druk ohne Vorwisten des Verfassers bekannt zu machen. Er ist weit entfernet, solches Denenselben übel aufzunemen. Er Mag vilmehr sehr wol leiden 5 daß eine zweite und minder fehlerhafte Auflage davon gemacher werde. So wenig er sich die übertriebenen Lobeserhebungen zueignet, die diser Schrift hin und wieder beige- A » legt, legt worden, so sehr er die Fehler und Schwachheiten derselben erkennet, so sehr »erachtet er die ungereimten und lächerlichen Urteile, die teils Ehrgeiz, teils Eifersucht , villeichc auch noch unreinere Triebe darüber gefallet haben. Er tröstet sich mit seinem guten Gewissen seinen reinen Absichten , und dem Beifalle so viler Tugend und Freiheit liebender Bürger. Er schmeichelt sich, dieselben werden die angehängte Rede, womit er bei Unghrn. und Obern um das Amc, welches er die Ehre hat zu bekleiden, angehalten, und die er nun auch dem Drukke überläßt , mir gleicher Güte aufnemen. Er hoffet, es werden sehr wenige sein, die ihn deswegen für einen Auf- wigler halten werden, weil er so kühn gewesen, in einer freien Republik zu schreiben : daß die Glükseligkeic eines Staates in dem Wohlsein des gemeinen Bürgers wie in des Reichen seinem, und der Ruhestand und die Freiheit desselben in dem Gleichgewichte diser beider Stände bestehen , und daß er anrahren dürfen , alles mögliche anzuwenden, um dises Gleichgewicht beizubehalten. Er wünschet nichts i so sehnlich, als daß es dem Vaterlands wol gehe, und daß ein ied'er seiner Mitbürger tugendhaft und glüklich sei. s z Liberos carisr kurv. Frei- ND ( 5) « ***** * * * * * * * ******- * * Lslus?vpuU 5uprem3 I.cx eka. * » * * *** **^jc^^c^*** Sc rs HA * Freimühtige Gedanken über die Entvölkerung unserer Vaterstadt. ,Enn jemals eine vor Unghrn. und Obern geschwebte Berahtschla- gnng in dem Publkco sonderbare ^ ^ Bewegungen verursachet,wenn jemals eure dre allgemeine Aufmerksamkeit E. E. Bürgerschaft auf sich gezogen, so ist es dise: Ob - wir die glükselige Lage unsererStadt, und die andern Vorteile, womit uns die Vorsehung so reichlich begönstigt, mit mehrern neu aufzunehmenden Prüdem teilen, oder solche ferners, wie seit viertzig Jahren beschehen, als Güter ansehen sollen, von denen billig alle Fremdlinge -auszuschließen sein. Ob wir hoffen dürfen, daß durch diseetwann aufzunehmenden Brüder unsere Vorteile besser genüzzet, unsere Umstände gebessert, und die Übel, die uns drükken, einigermassen erleichtert, oder ob wir fürchten sollen, daß durch dieselben unser Anteil verringert, unsere Umstände verschlimmert, und unsere Krankheit vermehret werden könnte. A s Wich- G(6)D Wichtige Fragen, die alle unsere Aufmerksamkeit verdienen. Sie betreffen wie das Wohl des ganzen Standes, also auch eines teden Bürgers seines. Es wird es also niemand einem für das Heil feines Vaterlandes zärtlich besorgeten Bürger übel nemen, daß er dieselben mit der äusersten Sorgfalt untersuchet, und seine Gedanken darüber aufrichtig eröfnet. Er glaubet, daß dieses einer der wichtigsten Teile seiner Bürgerpflichten sei, und wird sich diß- orts niemals für sträflich erkennen, bis man ihn überführet, daß er dabei die grosse Regel, daß das Heil des Staates das höchste Gestizzesei, aussertAugengesezzet. Erhoffet daher auch Verzeihung, wenn er sich ge- nöhtigt sehen sollte, eine irgend einem Mitbürger unbeliebige Wahrheit zu entdekken. Ich kan billig unsere Stadt als eine grosse Stadt und als eine Handelsstadt ansehen. Ich muß also unsere Umstände und unser Bestes nach denen Grundsäzzen , dadurch das Wohl solcher Städte bestimmet wird, beurteilen. Wie es allzuweitläufig seyn würde, diese Grundsätze zu entwikkeln, so lohnet es sich dennoch der Mühe, dieselben hier anzuführen. Das Land , und die, wenn sie nicht durch eine tirannische oder mangelhafte Regierung gedrükket werden, glükseligen Bewohner desselben , sein für den Feldbau bestimmet. Die Fleken und kleinen Städte geben nebst denen Bauren auch denen Handwerkern den Aufent- haltr O ( 7 ) O halt, die auf dem Lande am allerunentbähr- lichfterr sein. Die Städte sollen der Stz der vollkommenen Handwerker, der Künste, der Manufacture»!, der Commercien, der Wissenschaften und allerVervollkommnung der menschlichen Gesellschaft sein. Das Land soll die , Städte und die so darinne wohnen, mit den natürlichen Produkten, sowol zu der Nahrung als den andern Nohtdürften und Bequemlichkeiten des Lesens, wie auch zu der Verarbeitung und fernerer Verhandlung, die Städte hingegen das Land mit diesen verarbeiteten Produkten versehen. Durch die Handelschaft und Manufakturen kommen die Städte mit denen entferntesten Gegenden in eine Verhältnis durch welche die Kaufleute die natürlichen Reichtüm- mer des Landes, und die Arbeiten ihrer Mitbürger gegen die Reichtümmer, Vorteile und Güter derselben vertauschen, und also ihr Vaterland durch Emsigkeit, Arbeitsamkeit und daraus verfließende Nahrung glüklich und blühend machen. Eine Stadt also kömmt der Vollkommenheit in Betrachtung der Nahrung am nähe- sten, wie mehr das umligende Land dieselbe mit Lebensmitteln versehen, und wie mehr sie Arbeit und Waaren versenden, dafür Geld und andere Schäzze eintauschen, und dadurch in ihrem Innern Emsigkeit, Arbeitsamkeit und Wohlstand unterhalten kau. Für den innern wahren Wohlstand der Städte aber ist noch insonderheit nöhtig, daß eine jede Art der Dürst 4 ger G ( 8 ) G , ger und Einwohner durch ihre Handarbeit ihre Nahrung finden, und fich samt ihrer» Angehörigen durchbringen könne. Eine Stadt ist unstreitig am blühendsten, wie mehr fie arbeitende, und daher nüzliche Einwohner hat, die fie durch Zuziehung der Lebensmittel aus den umligenden oder auch ent- ^ fernten Ländern ernähren, und denen entwe- ders der innere Verbrauch oder die äußerliche Handelschaft das dazu benöhtigte Verdienst verschaffen kan. Die Mänge der Einwohner ist hiemit einer Stadt alsdenn erst schädlich, wenn fie in Umständen ist, daß fie denenfelben die Nohtdürf- tigkeiten des Lebens als Speise, Trank, Kleidung und Wärmung nicht mehr irr einem den Zeiten und dem Erwerbe proportionierten Preise verschaffen, oder wenn fie der Arbeit derselben gegen der zu ihrer Unterhaltung nöhtigen Be- ^ lohnunq keinen genügsamen Ausweg finden i kau. Der Mangel der Einwohner ist dagegen einer Stadt höchst schädlich, * wenn der innere Verbrauch dadurch gehemmet, die Arbeit viler Bürger überflüffig gemacht, derselben Nahrung und Verdienst geschmälert, ihre * Über die Vorteile der Bevölkerung bittet man alle Patrioten neben dem unten angeführten Werke: I>es ävsmgZes L clelsvsntsZss Lc. Das vortref« liehe Werk des Herrn Marauis von Mirabeau, I'L- Ml 6es Komme» oder 1rsite lur Is konuIstionHe, littelt zu lesen. O (9 ) V re Befizzungen und Güter an ihrem Preise ge- schwachet, dadurch der Credit zernichtet, und also der in einer Stadt so nöhtige Kreislauf gehindert, Mmuht und Elend gehäuffet, und die Krankheit des gemeinen Wesens immer vermehret wird. In diesem Falle können diejenigen, denen das Vaterland oder der Fürst das gemeinkBe- sten anvertrauet hat, nicht sorgfältig genug auf alle Mittel einem solchen Übel zu steuern, bedacht sein. Es ist nun haubtsächlich zu untersuchen, in welchen Umständen unsere Stadt sei, ob sich dieselbe über den Mangel oder über den Überfluß der Bürger und Einwohner zu beschwae ren habe. * In einer der glükseligften Gegenden, auf zwven Seiten mit dem besten Getraidlande umgeben, wie auch mit dem herrlichsten Segen des vortreflichsten Weinwachses bekrönet, fehlet derselben von Seiten der Natur zur Speise und zum Getränke nichts. Die uns benachbarten Länder haben auch von allem diesem ei- nen solchen Vorraht, daß uns ausert in sehr außerordentlichen Zeitläuften, uud wenn es der Allerhöchste um uns zu strafen gut finden wird, daran niemals mangeln kan; wenn man auch uns noch so sehr alle erfinnliche Hindernisse in den Weg zu legen trachtete, welches aber auf keine Weise zu befürchten, viel eher das Gegenteil zu «erhoffen ist. Zu dem könnte durch eine gute Polieet in dem Fruchthandel, und durch A s die G c -o) A die mehrere Freiheit desselben allem dißort- zu befürchtenden Übel vorgebogen werden. Wenn die Obrigkeiten und Regierungen wollen , so haben die Staaten keine Fehliahre und Teurungen mehr zu befahren. * Man redet bei uns so viel von dem Holze. Ich läugne nicht, daß solches teurer werden könnte, als es dermalen ist. Indessen befürchte ich Worts nie keinen gefährlichen Mangel noch grosse Teurung. Die Emsigkeit, die Er- findfamkeit und die Gewinnsucht werden uns schon genügsame Mittel an die Hand zu geben wissen. Die Policei darf denenselben nur die Hand bieten, und diesem Handel alle uöhtige Freiheit gestatten. Man hat mit gegründeter Hoffnung eines guten Erfolgs eine Kammer geordnet, die Aufsicht aus die Pflanzung des Holzes zu haben, eine andere, die uns die Mittel lehrete, solches zu erspahren, wäre eben so nichtig; wie bereits wol ist erinnert worden. In Betrachtung dessen also und der geringen oder fast gar keinen Auflagen sein die hier aufgerichteten und aufzurichtenden Fabriken und Manu- * Man kan allen Patrioten des Herrn du Hamel de Monceau Werke über den Akerbau, und insbeson, dere das über die Erhaltung der Früchte, wie auch das küsy tur ls poiios ßsnsrste clsz ßrsins nicht genug anpreisen. Möchte man auch bei uns so vorlrefliwe, und für das gemeine Wesen höchss- wichtige Vorschläge in Betrachtung zu ziehen geruhe». G ) n ( A Manufactttmi, vor allen andern, in Deutsch- lande und Frankreich im Stande die Coneur- renz durch die Wolfeile zu behaubten, und also des Vertriebes immer gewiß: wenn nicht auserordentliche Landesplagen allen Handel und Wandel in den Ländern, wohin unsre Handelschaft gehet, sperren. Anbei sezzet uns unsre Lage in ein glükseli- ges Verhältnis mit allen handelnden Ländern von Europa mit denen wir vermittelst eines fchifreichen Flusses und der schönsten Landes- -rassen die leichteste und vorteilhafteste Commu- nieation haben. Haben wir zu solchen glüklichen und gesegneten Umständen eine proportionirte Bürger- schaft? Könnten nicht mehrere Bürger und Einwohner hier ihre Nahrung finden? Könnten nicht noch eine grosse Mänge von Handlungen, Manufakturen, und nahrhaften Ge- werbern bei uns eingeführet werden: Wer kan hieran zweiffeln, als ein kurzsichtiger und ei- gennüziger Geist, der sich des in einem stau- bigten Contor erlernten Schlentrians sortbe- dient, und nicht weiß welche Wunder, Fleiß und Emsigkeit tuhn können und getahn haben. * Wenn unsre Handelfchaft noch hundert Jahre zunimmt, wie sie seit fünfzig Jahren zugenommen , so wird sie auch alsdenn noch eines grossen Zuwachses fähig sein. Fürchten wir also nicht, daß die neuaufzurichtenden Manu- * Holland, Genf, Nürnberg, Frankfort. O ( 12 ) G Manufakturen denen alten der nemlichen Art schädlich sein werden. Der eingenommene und argwöhnige Eigennuz stellet uns hier ein Schrekbild vor, das nns nicht verführen soll. Zulezt welch ein Übel wäre es, wenn ein Partikular etwas weniges dadurch verlöhre, da hingegen hundert andre, und der Staat selbst so vil dadurch gewinnen würden. Es ist also gewiß, daß eine grössere Anzahl in die Fremde handelnder und fabricierender Bürger hier noch sehr wol wohnen , und nicht nur ohne Nachteil, sondern mit dem grösten Nuzzen des Staates aufgenommen werden könnten. Wir wollen nun auch sehen, ob auf einer andern Seite aus dem Mangel an genügsamen Einwohnern unsrer Ehrenbürgerschaft nicht ein wahres Übel zuwüchset. Es hat einer unsrer erleuchtetsten Mitbürger * dessen grosse Kenntnisse unserm Vaterlande bei allen Völkern Ehre machen, berechnet wie sehr gewisse Handwerker bei uns übersetzet sein, und wie wenig es möglich ist, daß solche bei der geringen An- zahl anduer Bürger ihre Nahrung finden. Sie werden daher minder fleißig. Sie ergeben fich nach und nach dem Müßiggänge, und haben mehr Anlas gewisse daher rührende Ausgaben zu machen. Nach und nach erarmm fie und * Herr Pros. Daniel Bernulli. Siehe die Zugabe i>r dem helvetischen Patrioten. N ( 13 ) A die Ihrigen. und kommen gar anssert Stand ihre Kunst oder ihr Handwerk zu treiben. Hieraus, und aus der Abname der Ehrenbürgerschaft überhaubt kömmt, daß vile ihre Häuser nicht mehr verzinsen noch behaubten können, und auch, daß ihnen dieselben niemand mehr in einem proportionirten Preise abkaufen will. Was folget hieraus! Dieselben müssen veraantet / und der arme Bürger für immer anssert Stand gestellet werden seinen Beruf zu treiben, und sein Leben ehrlich zu gewinnen. Das Haus gilt zum mindsten die iooo. oder 5O0. Pfund, so er darauf Anschuß gegeben, minder, und also verliert solches der Bürger, und mit ihm der Staat. Es sein gewiß seit r o. Jahren hei vilen Tonnen Goldes der Eh- renbürgerfchaft auf eine solche Weise zu nichte geworden. Der Preis aller Häuser in der Statt zusammengenommen, ist um mehr als eine Million geringer. Um diese Million hat unsre Ehrenbürgerschaft minder Credit. Ein jeder empfindet leicht was ein um eine Millio- ne geschwächter Credit für einen unsäglichen Schaden bringe; und wie sehr die daraus und aus noch andern Ursachen fließende Nghrlo- sigkeit Elend und Armuht vermehren, und endlich eine Bürgerschaft in das äusserste Verderben bringen müsse. Es ist mit Uns noch nicht so weit gekommen. Indessen müssen wir uns in so gefährlichen und kritischen Umständen mit keiner höchstschädlichen Sicherheit schmeicheln. In unsern O c -4 ) G unsern izzigenUmständen vermehret sich dasUbel in einem Jahre so plözlich, alsehmals in vieren, und bald wird einJahr dasselbe so sehr vergrößern als izzund zehne. Wirf ehen es nur allzu sehr wie schleunig Armuht und Elend überhand nemen. Unsere Voreltern haben die schönsten und rei- chesten Armenanstaltengemacht. Sie sein aber dermalen alle nicht zureichend. Sie nemen alle ab/ und die Armuht nimmt zu. Wir erfahren die Richtigkeit der Anmerkung, die der kluge Süllt gemacht / daß wie mehr die Bevölkerung abneme, die Anzahl der Armen stärker werde. Wo wird es denn endlich damit hinaus wollen? Ich fchildre aber villeicht unsern Zustand unrecht ab! Ich sehe lauter Armuht und Elend, wo nichts als Reichtum und Wolstand ist. Wir haben dermalen so vile reiche Häuser, mehr als ehmals. Alles glänzet, alles schimmert bei disen Leuten. Ihre Handelschaft ist in der schönste Blühte. Ich läugne diseS nicht. Hundert Bürger können überschwenglich reich sein. Das hindert nicht daß nicht einige tausend andre sehr elend fein können. Ja , ich bete alle unsre Reichen um Verzeihung daß ich es sagen muß , alleine es ist wahr, und dises durch eine natürliche Folge der Sachen, meistens ohne ihre Schuld, eben der überschwengliche Reichtum einiger Wenigen, vermehret die Verderbnis, die Armuht und das Elend eines Volkes. A ) is ( A Volkes. * Ihre Reichtümmer machen sie über dis noch hartherziger und ««fühlbarer für das Unglük ihrer Mitbürger. Gegen dise Reichen wird hingegen die Anzahl der mittelmäfftgen Bürger, ich nenne solche, Leute, von 12. 20. zo. bis 50002. Pfund , samt ihren Mitteln immer schwächer. So sehr ich weiß, daß die Reichen zu grossen Unternemungen fähig, und dadurch dein Staate und der Handelschaft sehr nüzlich sein, so halte ich doch die Mittelmas- sigen für L. E. Bürgerschaft an allen Orten für nüzlicher. Sie brauchen eben so vile Kleider , Schuhe re. geben hiemit dem Bürger eben so vil zu verdienen, sie nähren eben so vil nüz- liche Bediente» und oft mehr Arbeiter als die Reichen. Sie sein dem Stande der Nidrig- keit und der Armuht näher, und also milder und mitleidiger als dieselben. An solchen Leuten ereignet sich bei Uns ein grosser Mangel, und die Anzahl der Reichen, die sich seither hervorgetabn, ersezzet denselben im geringsten nicht. Es bleibet also fest und unbeweglich auch bei noch grösserer Vermehrung -er Reichtümmer dises oder jenes Partikularen, können und werden Armuht und Elend bei uns immer * Wie sehr bei einem Volke, das glükselig sein soll, eine Proportionierte Einteilung der Reichtümmer erfordert werde, zeiget der weise Verfasser der Kemur- ^ gues sur Isr svgmgzes L äelsvsmsges äs la krsn- ' cs ftzzet. Man könnte auf die Gedanken fallen , als ob eines der sichersten Mittel E. E. Bürger- schaft aufzuhelfen wäre, denen Hindersassen zu erlauben Häuser zu kauffen. Es würde aber dadurch im geringsten nicht geholfen werden. Erstlich verzinsen dise Leute den Bürgern ihre Häuser schon, und entsteht bereits hieraus der größte Teil des Guten so man davon verholtet. Der übrige ist allzu klein, als daß er verdiente in Betrachtung gezogen zu werden. Zweitens soll man dise Leute nach Gutbefinden» wenn ihnen die Bürgschaft aufgekündet wird, ausschaffen können. Wie kau dis ohne Ungerechtigkeit geschehen, wenn lmau ihnen erlaubt Häuser zu kauffen? Drittens, wie die Hinder- sässen so in den Fabriken arbeiten, nüzliche und rechtschaffene Leute sein , die der Staat immer trachten soll nicht nur beizubehalten, sondern zu vermehren, so ist eine andre Art derselben die ohne einige Weise nüzlich zu sein den E. Handwerkern, ihren eigenen Beschüz- zern, und der Stadt, als wahre Ungeziefer Schade und Schande verursachen. Ich meine die verheürahtetenKnechte und Mägde, die meisten solcher Handwerksgesellen, Lohnamtsarbeiter , obrigkeitliche Führknechte, Stadtfolda- ten, und villetchte noch andre mehr. Die meisten diser Leute verdienen nicht nur nicht daß V 4 man G ) 24 ( O man ihnen hier erlaube Häuser zu kauffen. Solche sollten vilmehr hier nicht gelitten, und so vil als immer möglich fortgewiescn werden. Em ferners Übel, welches unserm Staate und dem gemeinen Bürger insbesondre fatal werden kan, und zum Teile schon grossen Schaden verursachet, verdienet auf das sorgfältigste . in Betrachtung gezogen zu werden. Es ist di- ses der traurige Zerfall des Münzwefens. Alle Last davon fällt dermalen auf die öffentlichen Schazkammern, und noch mehr auf den gemeinen Bürger. Jene verlieren dadurch jährlich bei 10002. ttz und diser, neben dem, daß er alle Lebensmittel teurer bezahlen muß, und seinen Arbeitslohn eben nicht allemal in dem gleichen Verhältnisse erhöhen kan , leidet dadurch bet Abzahlung der Capitalien einen Verlorst, der sich alle Tage auf eine grundver- derbliche Weise vergrößert. Wir haben besondere Ursachen diesem Übel schleunig zu begegnen. Wenn nach geendigtem Kriege, wie es nothwendig geschehen muß in Deutschland, die gehörigen Maasregeln wider diseS Übel genommen werden, so wird sich der Schwall des schlimmen Geldes zu uns ziehen. Es wird « villeichte alsdenn auch bei uns Leute geben, die aus solchen Umstanden einen unmittbürger- lichen Gewinn ziehen, und dadurch ein Elend verursachen werden, wider welches kein Mittel mehr stark genug sein wird. Unsere Handelschaft und alle Stände können dadurch in einen betrübten Zerfall gerechten. Es ist ein O(25)G Vorurteil, wenn man uns überreden will, daß wir wegen unserer Abhängigkeit von unsern Benachbarten in Handel und Wandel äußert Stande sein, dem Anwachse dises Übels zu begegnen. Wenn man recht auf die Quellen desselben kommen könnte, so würde sich als- denn entscheiden lassen, ob unser schlechtes Geld von unsern Benachbarten in unsere Stadt, oder aus unserer Stadt zu unsern Benachbarten flösse. Dife bezahlen uns mit keinem andern Gelde,als mit dem so sie in unsrer Stadt lösen. Wie verdient würden sich also diejenigen guten Bürger machen, die alles ersiunli- che * anwendeten, um disem Übel mit dem gehörigen Nachdrukke zu steuern. Noch ein Mittel, welches zu Aüsnuna unserer E. Bürgerschaft und des gemeinen Besten äusserst verträglich sein würde, wäre die Wiederherstellung der Blühte unserer Universität. Diser verehrungswürdige Teil unsers Staates ligt in einer tätlichen Schlafsucht, und wenn nicht die mildväterliche Vorsorge U. Gnhru. und Obern demselben zu Hilfe kömmt, so ist B 5 es *S- eines geschikten Verfassers entdekteUrsachen des verderbten Münzwesens in Deutschland , nach ihren ersten und wahren Quellen, wobei zugleich neue und wirksame Mittel dagegen vorgeschlagen werden , die ein jeder Reichsstand vor stet, ohne Mitwirkung des Reichs, und ohne Neceffe mit seinen Mitständen in Ausübung bringen tan. Leipzig O c 26 ) G es villeickt in minder als 20. Jahren um den welkenden Ruhm desselben» und um die schönste Zierde unsers Staates getahn. Ich will nur alle andern Vorteile, die einem Meierten Staate von einer blühenden hohen Schule zuwachsen können, beyseits sezzen. Ich will nur von dem oeeonomifchen Nuzzen, nur von dem Einträglichen reden. Eine woleingerich- tete und blühende Universität trägt einer Bürgerschaft mehr ein, und gibt derselben mehr zu verdienen, als 22. Manufakturen: Leipzig, Göttiugen und Halle tragen jede mehr ein als 40. Fabriken. Es verdienet also auch die Un- srige dißorts eine besondere Aufmerksamkeit von Seiten des Staates. Ihr drittes Jubiläum ist bevorstehend. Man kan keine bequemere Gelegenheit ergreiffen, den alten Glanz derselben wieder herzustellen. Noch ein anders Mittel die Bevölkerung in unserer Stadt zu befördern, und der Abna- me E. E. Bürgerschaft vorzukommen wäre, die Bürger zu solchen Professionen vorzüglich aufzumuntern , die den Vertrieb ihrer Arbeit au- serthalb fänden. Solche Professionen ausfindig und beliebt zu machen, wie auch denjenigen , so sich denenselben widmen wollten mit Gelde auf Unkösten des Staates/ und mit Nahte beyzustehen, wäre wider eine des oben vorgeschlagenen Lollegit sehr würdige Sorge. Ich hegreiffe auch nicht wol warum, da so vile unserer Untertahnen sich von der Handarbeit bei unsern Bandfabriken ernähren» ein Bürger, G c 27 ) A der sonst keine Arbeit findet, nicht den gleichen Vorteil haben sollte. Da bet diser Mbeit Kinder und Weibsbilder insbesondre wol angewandt werden können, so würde derjenige Handelsmann , der solche dazu anzufrischen einen Versuch tähte, fich dadurch zu einem Vater der Wittwen und der Waisen, und zu einem Wobltähter seines Vaterlandes mächen. Dise Ehre und das Vergnügen Glükselige zu machen sollte, für durch ihre Handelschaft gesegnete Bürger keine geringen Reizze haben, ob ihnen grosse Hindernisse im Wege stehen, einen so löblichen Zwek zu erreichen, sehe ich nicht ein. Zu vilen andern Arbeiten in den Fabriken wäre villeicht der Bürger eben so fähig, als der Fremde, wenn er dazu so wol angefrischet würde. Endlich ist es bedauerlich, daß in einer wol policierten und durch Fabriken und Commer- cien blühenden Stadt keine Einrichtung zu machen ist, da jeder gesunde und emfige Mensch, wenn er nur will, seine Nahrung und Arbeit finden sollte. Alle diese Mittel, und noch andre die man vorschlagen und mit Nuzzen anwenden kan, können nicht anders als für einen Staat böchst- vortetlhafte Wirkungen bringen. Wir können also nichts bessers tuhn , als dieselbe mit dem äussersten Nachdrukke und ohne einigen Zeitverlust vor die Hand nemen, und männiglichen empfehlen. Die E. E. Bürgerschaft dißvrts anzupreisende Liebe, Grosmuht und Mäßigung wer- G ) 28 ( O werden einen bessern Erfolg haben als alle Zwangsmittel die der scbärfeste Gesäzgeber ersinnen könnte. Wer indessen unsre Umstände, wer unsre Verfassung, wer uns, wer die Menschen überhaubt kennet, der kan leicht einsehen , daß man sich allzuvil schmeicheln würde sich zu versprechen, dise Mittel würden so zureichend sein, daß wir andre, die man uns etwa vorschlagen möchte, für überflüßig und un- nöhtig erachten sollten. Es ist hier hauptsächlich in Betrachtung zu ziehen daß der Zwek der Bevölkerung, auch durch die besten innerlichen Anstalten in einer grossen Statt nicht erreichet werden kan.Es ist eine allgemeine und unwidersprechliche Anmerkung, daß in den Städten die Bevölkerung natürlicher Weise immer mehr ab als zunimmt. Man mag wider dises auch noch die allerschönsten Anstalten und Gesazze machen, so werden doch alle nicht zureichend sein. Die Arbeiten, die in den Städten getrieben werden, die Lebensart, die Bequemlichkeit, die Fehler der Städter, villeichte noch andre sittliche und natürliche Ursachen werden Worts immer stärker sein alS alle Anstalten und Vorkehrungen der Gesäz, geber. Es bleibet also denen Städten nichts anders übrig als sich glüklich zu schäzzen, wenn emsige und rechtschaffene Fremde sich bequemen wollen, den sich bei ihnen ereignenden Volkmangel zu ersezzen. Man räht uns deswegen' an solche, wenn sie uns, würdigten sich um unser Bürgerrecht anzu- ' D ) 29 ( G anzumelden , in dasselbige aufzunemen. Die obenanqeführten Grundsäzze und unumstößlichen Wahrheiten zeigen genugsam, daß eine mehrere auf dise Weise zu erhaltende Bevölkerung mehr Nahrung und Arbeit verschaffen , durch nach und nach verursachende Erhöhung des Preises der Häuser, die Umstände der alten Bürger verbessern, und den Credit derselben erhöhen, also den gehemmten Kreislauf erneuern, Emsigkeit und daraus stressenden Gewinst befördern, Armuht und Elend, wo nicht ganz, doch großenteils verbannen, und also die Masse unsers Staates unstreitig verbessern würde. Nun entstehet nur die Frage, ob die fremden neuangenommenen Bürger disem Zwekke förderlich öder hinderlich sein möchten, un- ob durch desgleichen Leute und die Anne- mung derselben demStaate und der E. Bürgerschaft auf einer andern Seite nicht ein Schade beigebracht werden könnte der empfindlicher und unersezlicher wäre als alle aus der Entvölkerung fliehende Übel. In disem Falle wäre freilich die vorgeschlagene Annemung derselben ohne weiters zu verwerfen. Es ist also höchst- nöbtig alles was dißorts zu befürchten sein möchte, auf das sorgfältigste zu erwegen. I. Wir fein erstlich schon mit einer Man- ge Bürger überladen , die mit Mühe ihre Nahrung hier finden. Wie ist es möglich zu glauben , daß eine noch grösste Anzahl derselben bestehen könne? Es ist difts nicht zu läugnen. Ich G ( 3« ) G Ich hatte auch darfür, daß mau hier zu einem Grundfazze annemen müsse : keine Bürger von denen Professionen anzunemen , mic denen unsre Gcadt bereits überhäuftet ist, und die den Vertrieb ihrer Arbeit nirgendswo als in derselben finden können. Bet solchen Profeßionen könnte billig verordnet werden, daß so lange eine mit den übrigen Ständen der E. Bürgerschaft proportio- nirte Anzahl Meister davon in der Stadt wären, keine solche angenommen werden sotten. Ich glaube daß die Kaufleute, die offene Läden haben, auf die gleiche Weise anzusehen sein. Es ist also sehr unmitburgerlich geredt, wenn man denjenigen E. Handwerkern , die nach mebrerm Verdienste seufzen , gleich bange machen will, man wolle auch von ihren Mitgenossen in die Stadt nemen. Solche hat -er Staat nicht nöhtig, aber Fabrikanten, Künstler, und andre emsige Leute, deren Arbeit äußert Landes vertrieben, und wodurch Geld und Wolstand in die Stadt gezogen wird. Von Künstlern, von Fabrikanten, von Handelsleuten, und von Profeßionisten, deren Handwerker die Vorteile der Fabriken haben, können wir niemals genug bekommen. Dise fein allein im Stande unsrer E. Bürgerschaft aufzuhelfen, und derselben ihre alte Blühte wieder zugeben. Deren Aufname kan also nicht anders als dem Saate und dem Bürger höchst- irüzlich sein. Sie werden jenes seine Einkünf« O ( zr ) O te und dessen seine Nahrung vermehren. Der hiesige Fabrieant kan sich wegen des Eintrags den sie ihn» tuhn könnten, auch nicht beschwören. Für ihn, wenn ihn nicht Neid und Eifersucht plagen, soll rS gleich sein ob die nein» liche Fabrike zehrn Stunde von hier oder in dem Umfange unsrer Mauer» bestehet. Für unsern Staat und den Bürger ist eS ein grosser Underschied. Und zulezt wenn schon diser oder jener Fabrieant dabei verlöre, indem die Masse unsrer Handelschaft dabei gewönne. Sollen hundert Bürger sich schmeicheln mehr in Betrachtung gezogen zu werden, alS dreitausend andre und der ganze Staat? U. Ein zweiter Einwurf den man machen kan, ist, daß sich solche Ankömmlinge bald des Staates und der Handelschaft bemeistern, und uns alte Bürger unterdrükken würden. Aber jn Ernste kan diser Einwurf nicht gemachet werden. Wir haben nicht zu fürchten daß sich so über die Massen vile melden sollten. Zudem kan disem Falle von den alten noch allein regimentsfähigen Geschlechtern leicht vorgebo- gen werden, und in 20. bis zo. Jahren machen dise Neulinge mit uns alten Bürgern eine Masse aus. Sie werden sich nicht alleine unter einander verheürahten. Sie werden froh sein, wenn sie sich an die alten eingebildeten Patrieien werden vermählen, und dadurch adeln können. Wenn wir befürchten daß sie uns vertreiben, und den Plaz unsrer izzigen Geschlechter nemcn wer- G ( zr ) A werden, wie dise andre'vcrdrungen, und dersel- benStelle eingenommen,so ist dises ganz vernünftig gedacht. Allein wer wird in disem Stükke dem Laufst der Natur widerstreben können? Ein Geschlechte geht auf, das andre unter. Wenn wir mäßig, vernünftig und tugendhaft fein, so haben wir dises villeichte spahter zu erwarten. Sein wir es nicht, so werden wir zu Grunde gehen, es mögen neue Bürger angenommen werden oder nicht. Elender Stolz! Glauben wir unsre dunkeln Geschlechter sollen ewig währen, da die Stämmen der Cäsarn, der Merovinger, derHohenstauffen,derZärin- ger, der Habsburger, und damit ich doch einige nenne, denen wir, aber sehr von ferne gleichen, der Medicis erloschen sein. III. Ich habe drittens sagen gehört, unsre Glückseligkeit werde schon genug beneidet, wir müssen uns in der Welt nicht zu groß machen wollen, noch die Aufmerksamkeit und den Neid der Mächtigen der Erde uns zuziehen. Frei- lich sein die Freiheit, die Ruhe, der Friede, so wir gemessen, höchstschäzbare Güter. Aber ich habe noch ein allzu gutes Vertrauen zu dem menschlichen Geschlechte, als daß ich fürchte , es werde uns deßwegen jemand übel wollen. Auch wird alle Grösse und aller Wol- stand, wozu wir immer gelangen können, linden Neid und die Aufmerksamkeit der Mächtigen der Erde auf keine sonderbare Weise zir- ziehen. Fünfzig Fabriken mehr oder minder, werden uns wol für uns in unserm Innern, O ( zz ) A «der sonst gewiß nicht beträchtlicher machen. Ich fürchte auch nicht, daß wir uns den Zorn und die Feindschaft derjenigen Fürsten und Staaten zuziehen möchten, deren Angehörige sich bei Uns niderlassen könnten. Ich traue Denenselben eine vil beffre Denkungsart zu, Wir müssen aber nur keine Leute annemen, die denenselben noch mit Leibeigenschaft, oder andern Pflichten verhaftet sein, oder die sich Wider dieselben gröblich verfehlet haben. IV. Die Bedenklichteit der dermaligen be» trübten Zeiten ist freilich groß , aber dtse An- nemung selbst, und die Folgen davon können dermalen keinen so grossen Fortgang haben, daß etwas daher zu befürchten wäre. Es ist aber gut zu rechter Zeit Vorsorge zu tuhn, und den Weg zu bahnen, damit die Sache nach und nach zu Stande komme. Hiezu ist es gewiß nicht zu früh. V. Ein fünfter Einwurf, der sich hier machen laßt, verdienet auch alle Achtung; haben wir nicht genug Capitalisten? Finden dise nicht alle Schwierigkeit ihr Geld anzulegen? Ist nicht das Geld hier in einem genugsam geringen Preise. Ich gestehe es, ich halte es für einen Vorteil für die Handelschaft , daß der Geldzins nider ist. Die französischen politischen Schriftsteller seufzen nach nichts, als nach diesem. Man fügt bey, der Capitalist wurde sehr verlieren, wenn noch mehrere Reiche hie- herkämen. Auf dtses antworte ich, daß au- sert Wittwen und Waisen, die aus ihren Zm- C sm G ( 34 ) G ftn leben müssen, -er Capitalist in dem Staate keine sonderbare Achtung verdienet. Er schadet darinne mehr als er nützt. Er vertuht nur, und gewinnt auf keine dem Staate nützliche Weise. Sein Verdienst ist meistens Ver- lurst für seine Mitbürger. Der Aufwand, den er machet, nützet meistens mehr denen Fremden. Wenn also schon der Capitalist hierdurch einigen Verlurft leiden sollte, so sollte er sich mit dem, was der Staat dabey gewinnt, trösten. Hiebey sollte er durch Aufnemung neuer Bürger eher gewinnen als verlieren. Das Geld würde wegen neuer Fabriken und Handwerkern gesuchter» und der Besitzer derselben veranlasset werden, auch an solchen Unterne- mungen Teil zu riemen, und dadurch sich zu einem nützlichen Mitglide des Staates zu machen. Es ist auch bey disem Anlasse anzumerken, daß man sich irret, wenn man so sehr nach reichen Leuten und nach Rentieret« seufzet. Dise können unsre Sitten durch ihre müßige und prächtige Lebensart am meisten verderben, und nützen dem Staate wie dem Bürger sehr wenig. Ein Fabricant, der 10202. ttz. an eigenen Mitteln reich ist, nutzt dem Staate mehr als ein Rentieret von 120000. L Der Fabrikant gibt erstlich der Obrigkeit jährlich einen beträchtlichen Zoll. Da gibt der Rentieret gar nichts. Der Fabrikant und seine Familien geben durch ihre Kleidung und Nahrung eben so viel zu verdienen als der Rentieret G(Z5)O , tierer. Er unterhält villeichte nicht Gutfch und Pferde noch keine unnütze Bediente wie der' Rentieret, der dadurch dem Staate weit mehr schadet als nützet. Er ernähret so vile Leute, die bey ihm arbeiten, und die sich alle durch die hiesigen Handwerksleute mit Kleidern » Schuen rc. versehen lassen. Es klinget also nach unserer Denkungsart paradox, und ist doch in der gesunden Politik ganz richtig, daß es besser gethan seyn würde, io. Fabrikanten, deren jeder nur io. oder 22022. K. eigene Mittel hat anzrlnemen, als einen Rentieret von ioo. oder 202000. w. Vl. Sechstens wendet man ein, es sein so vile derUnsrigen an fremden Orten gesessen, wenn der hiesige Platz so viele Handelsleute ertragen möchte, so würden sich dieselben hier und nicht anderswo gesetzet haben. Allein das beweißt nichts. Die Ursachen, warum man sich an einem fremden Orte sezzet, sein gewisse glük- liche oder unglükltche Zufälle. Ein Geist ist mehr zu diser, ein anderer mehr zu jener Lebensart oder Handlung geneigt. Er findet da oder dort Vorteile, die sein Vaterland eher einem andern als ihm anbeut. Er findet mehr Gunst bei Fremden. Die Oede unsrer Stadt hat ihn villeichte veranlasset, eine andere vorzuziehen. Würden sie, deren wir doch als unserer Mitbürger auch Rechnung tragen müssen, nun in so qlüklichen Umstanden sein, wenn man in Frankreich, zu Hamburg» zu Berlin , zu Frankfurt, zu Leipzig, so übel dachte C» wie O ( 36 ) A Wie bei uns. Genf nimmt immer Bürger an, und vileichte wohnen so vile Genfer in fremden Ländern, als in Genf selbften. VII. Ein fernerer Einwnrf, den man macht, ist, daß es ungereimt sei, eine beträchtliche Erhöhung des Preises der Häuser von der Vermehrung der Bürger zu hoffen. Erstlich sagt man, sein die Häuser schon teurer, als vor allen Zeiten. Man sehe die alten Kaufbriefe ein. Freilich aber das Geld ist nicht mehr so rar, als vor Zeiten, und das Bauen ist teurer worden. Der innere Wert der Häuser den Platz ausgenommen, muß auch durch dessen Verhältnis gegen die Baukosten bestimmet werden. Zudem ist eine Stadt nur desto reicher, iemehr der Platz darnme wert ist, und iemehr der Bürger aus der Miethe der Häuser ziehn kan. Dadurch wird auch der Credit vermehrt. Man fragt fernere, werden dise neuen Bürger alle feilen Häuser kaufen? Ich antworte, nein; Aber durch die so dieselben kauffen werden, und durch die Vermehrung der Mittel, durch welche der Bürgerin Stand gefezzet wird, das Seine zu behaub- ten, und die Notwendigkeit solche wegzugeben verringert, dadurch eigentlich wird der Preis der Häuser erhöhet, so mancher wakkere Mann bey seinem Credit erhalten, und E. E. Bürgerschaft, in den Stand gefezzet werden, sich merklichen zu erholen. VIII. Der wichtigste Einwurf, den man machen kan, sein die Folgen, die man von ei- G ( 37 ) A Mr solchen Aufname für die Sitten und für die Religion zu befürchten haben möchte. Religion und Sitten fein die sichersten Stüzzen des Staates. Wenn dise durch die Aufname neuer Bürger erschüttert werden sollten, so wird kein guter Bürger sie für vorteilhaft ansehen können. Reichtum, Macht, Ansehen, Ehre, lauter eitle, lauter verächtliche, lauter zu verabscheuende Vorteile, wenn dieselben auf Unkosten der Religion und der Sitten erlanget werden sollen. Was können aber emsige, arbeitsame und rechtschaffne Leute uns so sehr verderben? Was sür neue Laster werden uns neue Bürger lehren? Sein uns, leider, nicht schon alle bekannt? Freilich werden die, so wir annehmen könnten, ihre Mängel und Fehler haben wie wir. Aber werden sie schlimmer sein ? Und haben wir alsdenn nicht die Auswahl ? Kan man nicht die, von denen man etwas so Schlimmes zu befürchten hat, fort- weisen? Mau kan überhaubt sagen, daß alle volkreiche Städte verderbter sein als andere. ES ist natürlich, daß da wo mehr Menschen sein, auch mehr Laster sein. Aus disem Grunde könnte man denken, sollten wir dje Bevölkerung eher verabscheuen als wünschen. Alleine sein kleine und daher meistens von müssigen Leuten besetzte Städte nicht eben so ausgelassen und ausgelassener als Grosse? Wir wären villeich- te nicht so schlimm, wann hier mehrere Leute wohneten, und mehr Anlaß zu arbeiten wäre. C z Der G ( Z8 ) G Der Müßiggang ist unstreitig die Quelle alles Übels. Wir haben also nicht zu beidrehten , daß wir schlimmer werden sollten, wenn die Bevölkerung uns mehr Nahrung uud Arbeit verschaffen würde. Im Gegenteile wir haben in vilen Stätten Besserung zu hoffen. Die daraus entstehende Emsigkeit, Gewinnsucht und Aufmunterung werden den Müssig- gang die Quelle alles Übels nach und nach verbannen. Die Anlässe zur Verderbnis werden sich hoffentlich vermindern, und vile Gegenstände derselben eine ihrer Bestimmung unwürdige Lebensart zu verlassen in den Stand gestellet werden. Einige Sachen, die man als Zunder uud Anlasse der Verderbnis befürchtet / kan eine gute Policei so gar zu Mitteln machen die Sitten und die öffentliche Anständigkeit zu befördern» und uns von verschiedenen Fehlern und Lastern zu befreien. H Wäre es uns aber nicht besser, wenn wir eine kleine Anzahl ruhiger, tugendhafter und minder reicher, aber glükseliger Bürger wären? Ware es uns nicht zu unserm wahren Wol verträglicher, wenn wir ohne die betäubenden Wörter von Reichtümmern, grosser Handelschaft, Pracht zu kennen, uns zu einer weisen Mäßigung unserer Begihrden bequemeren? Würden nicht alsdenn alle unsere Gedanken von Bevölkerung unnüzze sein! Unsere Glükseligkeit wäre weit sicherer-, und wir wären auf alle Weise unabhängig. Ich will alles dises gerne zugeben. Ich wollte auch lieber der Bürger O ( 39 ) O ger einer solchen filosofischen und wahrhaftig christlichen Republik, als der blühendsten Handelstadt in der Welt sein. Ist es uns aber möglich, uns dermalen in dise Schranken zu sezzen ? Und wenn uns durch unsere Den- kunasart nicht ein einiges Hindernis im Wege stünde, müßten wir nicht alsdenn eine der vorgeschlagnen Operation entgegengesezte vor die Hand nemen ? Müßten wir nicht zum mindsten tausend bürgerliche Familien, die bei unserer nunmaligen Disproportion gewiß überflüssig sein, ausschaffen? Welches ist nun gescheiter , neue aufnemen, die den alten Nahrung und Verdienst geben, welches keinen grossen Schwierigkeiten unterworfen ist, oder alte weil sie uns überflüssig sein, verbannen, welches eine Ungereimtheit und eine noch grössere Ungerechtigkeit wäre. Wir müssen also in di- sem Stükke die weise Maxime des Solon an- nemen, und uns nicht die besten Gesäzze geben wollen, die entworfen werden mögen, son- die besten, deren wir nach unsern Umständen und unserer Denkungsart fähig fein. X. Noch ein Einwurf, den man machen kan, ist: alle dise schönen Hofnungen sein eitel , es werden sich nicht so viele Leute um unser Bürgerrecht erwerben, es lohne sich nicht einmal der Mühe, von diser Sache so viel zu reden und zu schreiben. Dises kan fein. Es ist nicht unwahrscheinlich. Alleine das Gegenteile ist eben so möglich. Bürgerliche Freiheit gelinde oder gar keine Auflagen, gesunde Luft, C 4 wol O ) 40 ( G Wolfeile Nahrung, eine gute Lage für die Handelschaft , und die angenehmste Gegend, die man sich wünschen kan, nebst einer an einem Orte eingeführten angenemen Lebensart sein keine geringen Reizzungen. Sollen wir die Hofnungen, die wir uns davon versprechen können, in den Wind schlagen? Da wir um dieselben zu erhalten nichts anders zu tuhn ha- > ben, als die Hände in den Schoos zu legen und zuzusehen. Indessen ist voraus gewiß, daß wer sich nicht der Emsigkeit, der Arbeitsamkeit, und der Massigkeit befleißen wird, an allen Vorteilen sich keinen Anteil versprechen darf. Die Bevölkerung wird die Trägheit und Ungeschicklichkeit nicht so weit begünstigen. Sie ward aber ein Zunder der ihnen entgegengesezten Tugenden, und ein glüklt- cher Anlaß zu Ausübung derselben werden. Da also alle Einwürfe, die man wider die Annemung neuer Bürger machen kan, gehoben , und alle davon zu beidrehten stehenden schlimmen Folgen zernichtet sein, bleibt nichts anders mehr übrig, als zu schließen: daß di- ses Mittel unserm Scaate aufzuhelfen, im geringsten nicht verwerflich , sondern vil- mehr , aus denen oben weitläufig angeführten Gründen; auf das schleunigste zu ergreiffen sei ; und daß wir hterinne nichts bessers thun können, als dem Betspile unserer weisen in GOtt ruhenden Voreltern folgen, welche bis zu Anfange dises Jahrhunderts alle ehrliche O ( 41 ) G Leute mit Vergnügen zu Mitbürger» angenommen. Man wird mir erlauben, hier eine Anmerkung beizufügen. So lange das hiesige Bürgerrecht allen rechtschaffnen Leuten offengestanden , ist die Anname der Bürger dem Staate verträglich gewesen. Wir haben eben so vile blühende Geschlechter, die vor ios. 152, und etlichen ivo. Jahren noch nicht Bürger gewesen, als ältere. Alle unsere Fabriken haben wir solchen Fremdlingen zu verdanken. Alle Exempel, die man wider die Aufname neuer Bürger obwol auch noch ohne grossen Grund anführen kan , sein seit dem man von unserer Voreltern weisen Maximen abgegangen, und aus Verleihung unsers Bürgerrechts eine Gnadensache und ein Werk der Leidenschaften gemacht. Daraus ziehe ich auch für unsere Zeiten die Folge: Daß man einen so löblichenVorschlag nicht durch unrei, ne Absichten entehren s sondern allgemeine vernünftige Regeln zum Grunde legen, und nach denenselben alle wakkere Leute, von denen die Stadt einen wahrn Nutzen zu hoffen har , annemen soll. Nachdem ich die Freiheit genommen, meine Gedanken über dise Frage so ausführlich zu entdecken, so erkühne ich mich noch solche darüber beizufügen, was für Leute anzunemm, und was für Bedingnisse denenselben vorzuschreiben sein möchten. Erstlich wollte ich von der Hofnung unsers E s Bür- G ) 42 ( A Bürgerrechtes ausgeschlossen haben alle die so unsrer Evangelischen Religion nicht zugetahn, wie auch diejenigen, so einer fremden Obrigkeit mit Leibeigenschaft, Lehenschaft, Rechenschaft , oder andern desgleichen Banden noch verpflichtet waren, oder sich wider eine solche verfehlet und ihre Begnadigung noch nicht er- . halten hätten. Ferners alle diejenigen, von denen man zu befürchten hätte» daß sie durch Laster und schlimme Eigenschaften dem Staate schädlich sein würden, und insonderheit die sich anderswo schon mit Verbrechen vergangen hätten, die ein verderbtes Herze, und unverbesserliche Sitten anzeigen. Die Eigenschaften, die ich von einem der aufgenommen werden sollte, verlangte, wären Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit und gute Sitten. Insbesondre aber sollten dieselben einen Beruf oder eine Handthierung haben, da wir hier ent- weders mit derselben ergebnen Leuten nicht überladen wären, oder deren in einem Staate nie zu vil sein können. Die Profeßionen der ersten Art sein z. Er. Bekker, Schneider, Schumacher u. a. d. Wegen diser mäste Ge- säzweise bestimmrt werden, wie mancher Meister gegen eine gewisse gegebne Mänge Bürger hier sein könnte. Wären ihrer über dise Anzahl in der Statt vorhanden, so sollte keiner von disem Handwerke angenommen werden. Das Gegenteil sollte statt haben,wenn die Mänge derselben sich unter die bestimmte Anzahl verringerte. Und in disem Falle sollte doch keiner G ( 4Z ) G keiner angenommen werden, -er nicht eines alten Mcisterö, von dem nemlichen Handwerke oder zum mindstrn eines andern ehrlichen Bürgers Tochter heyrahtete. Belangend die übrigen Profeßionen, so wollte ich von densel- bigen so vile Subjecten annemen, als sich mit den gehörigen Eigenschaften versehen» anmelden würden. Betreffend deren Mittel die ein solcher Bürger besizzen sollte, so halte ich dafür, daß das Geld die geringste Eigenschaft sei die der Staat von einem guten nnd würdigen Mitglide federn soll. Ein Profeßioniste, ein Künstler» ein Gelehrter und ein Fabricant sollten uns reich genug sein, wenn uns jene drei oder vier, die Lezten aber acht bis zehen tausend Gulden Mittel klar ausweisen könnten ; Wenn einem Künstler » ich verstehe aber darunter keinen Musikanten noch andre desgleichen, deren Künste nur Werkzeuge der Wollust und deS Vergnügens sein, sollte man billig nur die Helfte fordern, nnd nach befindender Dinge, aber nur in Erachtung der Künstler, auch davon dispensieren können. Durch einem Gelehrten verstehe ich einen solchen, der im Stande ist Collegm zu geben, Bücher zu schreiben, oder in den Rechten uny dü Arzneikunst mit Nuzzen des Publici zu' praeticieren, und der sich verbindet solches zu tuhn. Capi- taltsten sollten -illich keine angenommen werden die minder als 60020. st. Mittel besässen, und klar mitbrächten. Denn ein Mensch der blos V ( 44 ) O blos aus seinen Renten lebt, der wie man döh- richtet Weise zu reden pflegt, standesmäßig leben will, und Kinder hinterläSt, kau mit weniger Mitteln unmöglich bestehen. Für die Gebühren wollte ich gar nichts grosses bestimmen. Die wahren Gebühren sollen der Nuzze sein der aus der Emsigkeit und der Arbeitsamkeit des anzunemenden dem gemeinen Gute und E. E. Bürgerschaft zufließen soll. Von einem Profeßionisten, Künstler, Fabrikanten und Gelehrten sollte alsio mehr nicht für das Bürgerrecht genommen werden als fünfzig oder auf das höchste hundert und fünfzig Gulden. Von einem Capitalien könnte man billig zweitausend fordern. Den Betrag diser Gebühren sollte nicht das gemeine Gut, sondern der grosse Spittahl und das Waisenhaus zu gleichen Teilen beziehen. Ein nel,angenommener Bürger sollte also- bald in der Canzlei oder bei der Ehrenzunft, zu der er sich halten will, nebst dem gewöhnlichen Bürgereide einen Eid schwören, daß er keinem fremden Fürsten, Herrn oder Staat durch keine Dienste noch durch irgend einige heimliche Bande verknüpfet, und hier zu wohnen und zu leben gesonnen ist. Ein solcher sollte alssbald nach seiner Aufname verbündet» sein E. E. Zunft anzuuemen, und allda alle bürgerlichen Rechte, Vorteile, Gerechtigkeiten und Freiheiten genießen. Die Regimeütsfähigkeit allein ausgenommen. Die Söhne der neuen Bürger sollten erst in den Gr. O ( 45 ) A Gr. Naht, und an E. E. Stattgericht, rmd die Grossöhne derselben erst in den kleinen Naht und zu einträglichen Aemtern gelangen können. Von diser Regel aber sollten die akademischen und geistlichen Bedienungen ausgeschlossen sein. Zu disem sollte auch ein erst neu angenommener Bürger eben so wol gelangen können als ein andrer. Es kömmt da blos auf die Geschiklichkett an, und ist, da sich einiger Massen für die künftigen Zeiten auffcrt fünf oder sechs Subjecten keine allzuvorteilhafte Aussicht zeiget, höchstwichttg. Noch kurz vor dem Ende des vorigen Jahrhundert hatte man nicht nöhtig Bürger zu sein um eine akademische Bedienung zu erhalten. Es wäre gut wenn dieses wieder eingeführet würde. Ich will zum Schlüsse diser nur allzuweit- läuffig gerahtenen Abhandlung nur noch eine Abhandlung beyfügen. Ich habe uns in dem ganzen Zusammenhange derselben nur als eine Statt angesehn. In einer einigen Stelle habe ich um einen Einwurf zu beantworten, uns als eine Republik, als einen Freistaat, der sich durch, aus seinem Mittel selbst gewählte obrigkeitliche Personen regiert, betrachtet. Es verdienet aber dise unsre Glükseligkeit in Ansehung der Bevölkerung besonders in Betrachtung gezogen zu werden. Sein wir nicht mächtiger wenn wir zahlreicher sein. * Unsre Vorel- * Man könnte dafür halten als wenn die Revub!:. ken sollen in Betrachtung der Bevölkerung ganz an- ( 46 ) A Voreltern hatten eine Zeitlang die Maxime gehabt, es sei für unsern Wolstand weit dienlicher unsere Statt mit neuen Bürgern als unser Gebiet mit Eroberung neuen Dorfschaf- ten zu vermehren. Und denn was wird zulezt aus unsrer Freiheit werden, wenn gegen ein Häuflein Reiche, wir andern alle arm an Mitteln, und hiemit notwendig abhängend, die Bürgerschaft aber an Glidern schwach und also unmächtig werden wird. Wie wird sich dieselbe alsdenn mehr von der Oligarchie, von der Dienstbarkeit einiger Wenigen erwehren können , die villeicht keine andern Vorrechte auszuweisen haben als ihre, der Himmel weis wie zusammengerafte Schazze ? Wie wird sie alsdenn mehr die Ehrfurcht behanbten können die derselben billig gebühret? Es bleibet immer wahr, was Titus Lar- gius, der zu seiner Zeit für den weisesten Römer gehalten worden, beim Dionisius von Halikar- naß dre Maximen haben als andre Staaten. Allein wodurch sei das mächtige Rom, das gewerbsame Holland , und das weise Genf so groß geworden. Sein dises keine Republiken? Man sehe was der würdige Verfasser, der remsrgues lur les svsncsgss L äeksvAMsges k. II. §. 5. p. ;r6. über die Notwendigkeit der Naturalisation in Engelland sagt. Sollen wir uns auch schelten lassen, kaursssr cholpitibus keror? A ( 47 ) naß * sagt: Ehrfurcht vor den Gesazzm vor dem Volke, und vor der Obrigkeit, Bescheidenheit und Gerechtigkeit, sein aus einer Statt verbannet, da auf der einen Seite Elend, Noht und Armuht, auf der andern aber Überfluß und Über- muht herrschen. Es ist, GOtt sei Dank» noch nicht völlig so weit mit nns gekommen, aber wir sein nicht mehr Himmelweit von Visen Umständen entfernet. Wenn wir nicht alles versuchen, so kan sich das Übel in kurzer Zeit in aller seiner Stärke zeigen. Die Annemung neuer Bürger, neben einigen von denen innerlichen Mitteln die man vorschlagen könnte, müssen aber auf das schleunigste und auf das klügste angewandt werden. Es ist hohe Zeit hier eine Partei zu rrgrciffen. Ihr, denen das Vaterland sein Heil anvertrauet , nun ist die kritische Epoche. Nun zeigen sich euch Knechtschaft und Freiheit, Wol- Aand und Zerfall. ' Wählet. Terent. Namque lloc tempore Obleyumm smicos , verltss ollmm varit. (o) W-! P. P- Ich bin überzeuget, daß Religion, Gottesfurcht und Sitten die besten und sichersteuStüz- zen eines Staates sein: Ich glaube die Liebe des Vaterlandes ist die erste Pflicht eines Bürgers , und, die Freiheit das erste Gut desselben ; und die Obrigkeit soll im Befehlen, wie der Bürger im Gehorchen, dieselben immer vor Augen haben. Ich halte die Gleichheit der Bürger für den heiligsten Grundstein eines Staates wie der Unsrigen, und die darauf gegründeten Gesäzze für unverlezliche Pfänder unsers Wolftandes, und unsrer Einigkeit. Ich bin überzeuget, daß eine weise Obrigkeit in Handhabung derselben nie allzuwachsam sein kan; und wenn der Bürger dieselbe als eine Statthalterinn GOttes billig verehren soll, so soll auch Sie die Rechte eines jeden, des Kleinen wie des Grossen, als Heiligtümmer ansetzn, die Ihr eben derselbe GOtt anvertrauet , und über die> sie demselben Rechnung geben wird. 24 Ich bin überzeuget, daß unser Stand nie blühender sein wird, als wenn ein jeder Bürger des andern und des ganzen Staates sein Wol so sehr beherzigen wird als sein eigenes; wenn insonderheit dise Dcnkungsart in difer hohen Versammlung herrschet, deren das Vaterland feine Freiheit, feine Gesazze und feine heiligsten Rechte anvertrauet. Ich glaube endlich, daß nichts zur allgemeinen Glükseligkeit mehr beitragen würde, als wenn ein Jeder sich so vile Mühe gäbe» den ihm anvertrauten Aemtern wol vorzustehen, als er sich gibet dieselben zu erhalten , und daß wer nicht zum mindesten so vil tuht, den Namen eines guten Bürgers nicht verdienet. MitdisenGesinnnngen,Hochgeachte,Gn.Her- ren,neme ich dieFreiheitHocbdenselben meine geringen Dienste anzutragen. Ich werde ohneNeid und ohne Eifersucht einen andern das ansehnliche Amt davon tragen sehn , um das sich hier so vile würdige Bürger bet Ew. Gnaden bewerben. Ich wünsche der Höchste wolle das Loos auf eine Art leiten, die zu dem Besten des teuern Vaterlandes, und zufamtlich Ew. Gnaden hohem Vergnügen gereichen. Allem djser Tag würde für mich einer der glurseltgsten sein, wenn ich bei disem Anlasse der Hochdieselben im Namen des Vaterlandes versammelt, von Ew. Gnaden Zeugnisse von D Ihrer ( o ) Ihrer Zufridenheit mit meinen, obgleich schwachen, dennoch demselben geheiligten Bemü- Hlingen erhaltrn sollte. Welch eine starke Aufmunterung, welch eine schöne Belohnung ist nicht für eine vaterländische Seele der Beifall von Euch, Hoch- geachee Gnädige Herren und Vbere, die vls Republtkanee die feinsten Kenner und besten Richter in diser Art sein.