Ki m n,, gm n d Rn SEE Trg b TEN AUS mmm an, ig ee er ginn; . KA. ö * | 56 Sn ha her liche Gnaden Belohnung: 24. D k 36 Der Hottſeligkeit/ . aus J. Tim. IV. v. 3.| a . Der Chriſtlichen Gemeine im Munſter zu 3. . den i, ,.. | gultt 170 | Bey anſehnlicher Beſtattung= Der Viel Ehramd Tugendreichen Frauen® . SE 3/ Sufanna gtaͤhelin/ ö ö Weyland des Hochgeachten/ Ehrenveſten/. Ne,, re ban, 18 * ö * geweſenen Alt⸗Stattſchreibers/ des SE .@| ahts und Dreyer⸗Herren/ nach* . Tod hinderlaſſener Fr. Wittib.]; ö Durch IE * 1. 3. 3. Rude ene,.d. 2 Hl[2 .. ,. ö TEE./) . i,, PA. ö. i, ele ö ML Sn Mar. ee *. 24 „199 ö. ö e 46.*. 1 Da C*).* 7.. Se Sa NE AST HU 1 33 D,.** He wo 6 ME AD? 7: A 5.. N. EUR 3** 8. X.* IS ö RR DR a uch A Dext: In der erſten Epiſtel pauli an Timotheum/ Kap. IV. verſ. 8. Die Goitſeligkeit iſt zu allen dingen nutz/ und hat die Berheiſſung dieſes und des zukuͤnfftigen Lebens. Erklaͤrung. 3 Je natürliche Verderbnus des Menſchen erzeiget ſich under anderm auch darinnen/ daß er ſo Y gar dem Reichthumb und Se, H winn seitlicher Guͤtern nach ſtrebet, und fan Hertz unauff hoͤrl ch damit pein get. Wann jemand die Kunſt in? kurzem reich zu werden 6 und offentlich pr i irren oder lehren wolte/ hilff Ott/ was gewaltigen Zulauffs/ was urzehlicher Maͤnge Zuhoͤrern wurde er nicht haben? A 2 Vnd 23 „5 ö pe Und eben dieſe unerſaͤttliche Begierd des Zeitli: hen ft die leidige Quelle/ aus welcher fo viel Kriege/ Todſchlaͤz/ Rauberey/ Ungere hrigkeit und VerIhefßs.4.6.| vortheilung im Handel und Wandel entſpringen: Daß man auch offt under dem Volck G Ottes folche findet/ ers. 3, die den Leuten ſtellen/ und Fallen zurichten/ fix zu fahen/ wie die Voͤgler thun mit Kloben: deren Haͤuſer voller Tuͤcke find/ wie ein Vogelbaur voller Lockvoͤgel iſt: daher ſie gewaltig/ reich/ fett und glat werden. Diß heißt aber warhafftig nach dem Schatten greiffen/ und der Eitelbeit nachhengen. Dann irꝛhiſche Guͤter koͤnnen den Menſchen nicht gluͤckſelig machen/ ſondern beſchwaͤren ihm das Gewiſſen/ und fegen fein Hertz in ſtetige Unruhe: ſie geben ihm keinen ſatten Troſt in Kranckheiten/ Leibs⸗Schmertzen und andern Truͤbſalen/ fo wenig als ein an der Folter hangender Ubelthaͤter aus Anſchauung einer groſſen Summa Gelts einige Erlabung ſchoͤpffen kan. Sie koͤnnen den Menſchen nicht auffrichten wieder die Schrecken des Todes: dann in Pal45.78. ſeinem ſterben wird er nichts mitnemen/ ſonjob.. z. dern wie er nacket von Mutter Leibe kommen/ fo fahrt er wieder nacket dahin. So konnen ſie ihm auch keine Sicherheit ſchaffen wider das ſtrenge Gericht Ezech, 0. G Ottes: Dann Gold und Silber errettet nicht am Tage des Zorns GOttes. Was aber den Menſchen in der Warheit reich/ gluͤckſelig/ und im Leben und Sterben getroſt machen kan/ begchren ſehr wenig zu lehrnen. Dieſe edle Knnſt iſt die wahre Gottſeligkeit/ zu deren der groͤſte theil der Menſchen ſchlechte Anmuth bezeuget/ ſondern ſolche aus ihr: n Leich- Predigr. 5 ihren Hertzen aleichfam verbanntt hat/ da fie doch cine Fülle des Goͤttlichen Segens und aller erwuͤnſchter Guͤtern nach ſich zeucht. Dann die den H*Erren ſuchen/ ſagt David/ haben keinen Mangel an jrgend einem Guth. Welches auch Paulus in verleſenem Text bekraͤfftiget: Die Gottſeligkeit if zu allen Dingen nutz/ und hat die Verheiſſung dieſes und des zukuͤnfftigen Lebens. G Ott der HErꝛ hat der ſelig verſtorbenen Chriſtlichen Frauen/ deren verblichener Leichnam anjetzo in die Erden gelegt wird/ die Gnade verliehen/ ſich der im Pſal. 34 411. argen ligenden Welt nicht gleich zu ſtellen/ ſondern der 1 x6 81 Gottſeligkeit in ihrem gantzen Leben ſich zu befleiſſen. Hab mir deßwegen fuͤrgenommen/ auff dißmalen eben dieſe Tugend/ nach Anleitung Apoſtoliſcher Worten/ gegenwaͤrtiger Chriſtlicher Leich⸗/Verſamlung kuͤrtzlich vorzuſtellen und anzubefehlen. Der HEr: verleyhe reine Lippen und heilige Hertzen/ auff daß alles/ was wir ſagen werden/ warhafftig eine Übung der Gottſeligkeit ſey/ und in uns allen geiſtliche gottſelige Bewegungen erwecke In vorhergehenden Worten weiſſaget der Apoſtel/ es werden in den letſten Zeiten verfuͤhriſche Geiſter auffſtehen/ die verbieten ehelich zu werden/ und zu meiden die Speiſe/ die G Ott geſchaffen hat/ zu nemen mit danckſagung/ auch in dieſen leiblichen Enthaltungen einen ſonderbahren Gottesdienſt(u: chen: warnet darauff Timotheum/ er ſoll ſich dieſer aberglaͤubiſchen Lehre nicht theilhafftig machen. Dann ob ſchon dergleichen leibliche Ubungen G Ottes Wort nicht zu wieder weren/ ſo(en ſie doch wenig nutz zu 3 des 1. Jim. 4. 3. ————————————————— 3 Chriſtliche des Menſchen Seligkeit/ als welchen fie für und an ſich ſelbſten weder froͤmmer noch ſchlimmer machen: Ja/ wann Aberglauben darzu komme/ ſo bringen ihm ſolche Ubungen groſſen Nachtheil an feinem He: J. Dann(6 ey doch nichts/ wie er anderſtwo redet/ als Menſchen 3 Gebott und Lehre/ welche haben einen Schein der Weißheit/ durch ſelberwehlte Geiſtlichkeit und Demuth/ und dadurch/ daß ſie des Leibs nicht verſchonen/ und dem J leiſche nicht ſeine Ehre thun zu ſeiner Nothdurfft. Hingegen befihlt Paulus Timotheo die Gottſeligkeit/ als eine geiſtliche Ubung/ an: dann ſolche zu allen Dingen nuͤtz ſey/ und verheiſſung habe/ ꝛc. Da wir dann von zweyen Stücken berichtet werden: I. Von der fuͤrtrefflichen Tugend der Gottſeligkeit. II. Von deren zeitlichen und ewigen Belohnung. Von dem Erſten. Wann der Apoſtel der Gottſeligkeit gedencket/ fo verſtehrt er dadurch nicht nur den Gottesdienſt/ oder Ehrerbietung/ fo unmnteibar auff G Ott den HErren gerichtet iſt/ und uns in der eiſten Tafel des Geſctzes fuͤrgeſchrieben wird: gleich wie diß Wart anderſtwo von ihm genommen wird/ als wann er in dem 2. Capitel dieſer Epiſtel ſagt/ wir ſellen bitten für alle Obrigkeit/ auff daß wir ein geruͤhig und ſtilles Ceben fuhren mögen in aller Gottſeligt eit(wordurch A—— Teich- Predigt. durch der Gehorſam gegẽ der erſtẽ Tafel verſtanden wird) und Ehrbarkeit/ die wir gegen uns ſelbſten und dem Nebenmenſchen zu beobachten haben/ und in der andern Tafel des Geſetzes uns anbefohlen iſt. In welchem Verſtand er auch an Titumſchreibet/ wir ſollen maͤſſig/ gerecht/ und gottſelig leben in der Welt/(Tr. 2.12. da dann die Maͤſsigkeit auff uns ſelbſten/ die Gerech.⸗* tigkeit auff den Nächſten/ die Gottſeligkeit aber auff G Ott den HErren ihr abſehen hat. Aber in unſerem Text bedeutet die Gottſeligk eit ins gemein die Beobachtung aller Gebotten G Sttes/ und begreifft alſo alle und jede Tugenden/ oder ins gemein alles/ was zu einem heiligen und 6 Ott wolgefaͤlligen Leben erfordert wird/ in ſich: geſtalten die Verheiſſung/ ſo Paulus der Gottſeligkeit zuſchreibet/ ſich nicht nuͤr auff eine und die andere/ ſondern auff alle und jede Tugenden erſtrecket. Und hat es einen gleichen Verſtand/ wann er im 6. Capitel ſagt: So jemand nicht bleibet bey der Lehre von der Gortſelig⸗ 1 mM c keit/ der iſt verduůſtert und weißt nichts. Beſtehet alſo dieſe Tugend der Gottſeligkeit theils in heilſamer Erkañtnuß G Ottes und feiner Geheimnuſſen; theils in deſſen andaͤchtiger Verehrung und Gehorſam gegen ſeinem Willen; nicht nur in dem euſſerlichen(Gottes dienſt/ deſſen ſich auch die Gleißner anmaſſen/ ſondern fuͤrnemlich in dem inwendigen Hertzensdienſt Dann die Werckſtatt der wahren Gottſcligkeit u: des Menſchen Hertz: der verborgen Menſch des Hertzens unverruͤckt/ mit ſanfftem und ſtil⸗ T Rty 3. A. lem Geiſte/ iſt koͤſtlich für G Ott. Wie die Suͤnde ihren Sitz hat in dem Hertzen/ von dannen kommen arge! — 3 Chriſtũche Mar.15.29.| arge Gedancken/ Mord/ Ehebruch/ Hurerey/ Dicberey, falſche Zeugnuß/ Laſterung: Alſo iſt auch die Gottſeligkeit in dem Hertzen gewurtzeſt/ und ſcheußt auß demſelben in Früchte allerhand guter Wercken auff. Die fuͤrnehmſten ſtück derſelben ſeynd der Glaube tied M6. an JEſum Chriſtum/ ohne welchen es vnmoͤglich iſt Gæort gefallen; auffrichtige Buſſe über die Suͤnfar. e., de oder ein geaͤngſter Geiſt und zerſchlagen Hertz./ als ein G Sit annehmliches Opffer; kindliches Vertrauen auff G Ott in allem Zuſtand: Dann Jeßso.10. wer den H Erren foͤrchtet/ der hoffer auff(einen Namen/ und verläßt ſich auff(einen G Ott; hertzliche einbrůnſtige Liebe G Ottes/ auß welcher auch die Siebe des Naͤchſten entſpringet: dann diß Gebott ieh. ä. haben wir von ihm/ wer GOtt liebet/ daß er auch(einen Bruder liebe. Und kor̃t endlich darzu die Verlaͤuͤgnung unſer ſelbſten/ wann wir unſerm Willen/ Eigenliebe/ ſuͤndiichen Affecten und boͤſen Neigungen abſagen/ und mit aller Macht wiederſtehen/ den alten Menſchen/ der durch Luͤſte im Irꝛthumb ſich verderbet/ auß unſern hertzen ausſchaffen/ damit IE, ſus allein, derdemüchige/ gedultige/ fanffemüthige/ verſohnliche/ maͤſſige/ keuͤſche/ gerechte JEſus darin: nen leben und herꝛſchen moͤge. DI iſt die heilige Pflicht/ zu deren wir ſo offt in tua.13. der Schrifft vermahnet werden: Laß vom boͤſen und rni. 4.1. chu guts/ ſuche Friede und jage ihm nach. Ric be Bruder/ was warhafftig iſt/ was ehrbar/ was gerecht/ was keuſch/ was lieblich/ was wol lautet/ iſt etwa eine Tugend/ iſt etwa ein Lob ———— 2 . Leich/ Predigt. 6 Rob/ dem dencket nach. Wendet allen euern Fleiß daran/ und reichet dar in euerm Glauben Tugend/ und in der Cugend Beſcheidenheit/ und in der Beſcheidenheit Maͤſsigkeit/ und in der Maͤſs igkeit Gedult/ und in der Gedult Gottſeligkeit/ und in der Gottſeligk eit brůderliche Liebe/ und in der bruderlichen Lie be gemeine Liebe. Es iſt ʒwar nicht ohn/ dieſe geiſtliche Übung kom̃t anfangs den Menſchen ſehr ſchwaͤr an. O wie wiederſetzt ſich nicht das verderbte Fleiſch/ wann der Menſch/ von G Ottes Geiſt geruͤhret/ anhebt feinem ſuͤndlichen Hertzen den Preceß zu machen/ und ſolches zu einer bittern Reue und Buſſt verurtheilet! Was Widerſtand thut nicht dieſer inwendige Feind/ wann der Menſch mit aller macht die Laſter und boͤſen Gewonheiten/ denen er biß dahin ergeben geweſen/ von ſich außſtoſſet/ und ſich gantz mit Leib und Seele dem Dienſt G Ottes heiligen und auffopfern wil! Da iſt das Hertz ein rechtes Theatrum Belli, ein Schauplatz eines inwendigen Kriegs/ da Fleiſch und Geiſt gegen einander zu Felde ligen/ und die Gedancken under ſich ſelbſt ſtreiten. Aber in dieſem Kampff muß man die Stimme Fleiſches und Blutes nicht anhoͤren/ ſondern dem Trieb des Geiſtes folgen/ und neben dem Gottlichen Befehl die Exempel der jenigen ſtaͤts für Augen hab. n/ welche durch einen gottſeligen und unſtraͤfflichen Wandel uns vorgeleuchtet; ſonderlich das Exempel JEſu Chriſti/ welcher/ als der Vorlaͤuffer/ uns vorhergegangen/ und ein Fuͤrbilde gelaſſen/ daß wir den Fußſtapffen ſeiner Heiligkeit nachfolgen ſollen/„gleich er ſelbſten beseuget: Cer2 Rtr i. SFer. 2. 21 } | 10 Chriſtliche ua 11.30. Lernet von mir/ dann ich bin ſanfftmutig/ und von Hertzen demuͤtig. | Ja ſelbſt die Natur der Gottſeligkeit/ die ruchloſen Weltkinder moͤgen ſagen was ſie wollen/ iſt ſo beſchaffen/ daß wann wir ſolche recht betrachten/ wir bald eine Luſt und Anmuht darzu bekommen werden. Dann/ Lieber/ was iſt doch annehmlichers/ als derſelben ſchoͤne Geſtalt? Sie iſt eine Tochter des Himmels/ eine Frucht des Heiligen Geiſtes/ ein hell⸗glaͤntzender Straal der Sonnen der Gerechtigkeit: Sie iſt die rechte Kron der Königen/ ein Zierrath der Underthanen/ der Armen Reichthumb/ der Reichen fuͤrnehmſter Schatz/ die Weißheit der Verſtaͤndigen/ und Wiſſenſchafft der Gelehrten/ wie Hiob ſagt: Sihe/ die Forcht des Erren/ daß iſt Weißheit/ und meiden das Boͤſe/ das iſt Verſtand. Sie iſt das Ebenbild Gottes in dem Menſchen/ und macht ihn nicht nur den Engeln/ ſondern dem Schoͤpffer ſelbſten gleich.| Alle jrꝛdiſche Guͤter ſeynd hinfällig und vergaͤnglich/ haben nichts beſtaͤndiges an ſich/ als die Unbeſtaͤndigkeit. Aber die Gottſeligkeit iſt ein unverweßliches reti. t3 unverwelckliches Gut/ ein unvergenglicher Saauc ao. 43. men/ das gute Theil/ fo nicht von uns genommen wird/ die Salbung/ welche bey uns bleibet/ der Schanz/ den weder Motten noch Roſt freſſen/ und da die Diebe nicht nachgraben rar nz. noch ſtelen/ ein Baum deſſen Blätter nicht verwelcken/ ſondern Ter in alle Ewigkeit gruͤnct/ bluͤ, Kem- het und Früchte trat. Vana Vanitas,& omnia ſunt cin i, Vanitas, præterquam Deum amare, eiq; ſoliſervire: | Ach! es iſt alles lautere Nichtigkeit und eren, eit/ 1. Joh. 2. 27. Matih. 6. 20. Deich: Predigt. 11 951 keit/ ohn GOtt lieb haben/ und ihm allein dienen/ ſagt ein alter Lehrer. Welchem auch Jehannes beypflichtet: Die Welt vergehet mit ihr er. J... i. Luſt/ wer aber den Willen GDttes thut/ der bleibet in Ewigkeit. So koſtets auch/ wann mans recht bedencken wil/ ſo viel Mühe und Arbeit nicht/ ſich in der Gottſeligkeit zu uͤben: Die Gebott GOttes find nicht ſchwer: 1 on. 3. das Joch JEſu Chriſti iſt ſanfft/ und ſeine van. u. 10 Laſt ĩſt leicht. Dann G Ott wil in unſerer Schwachheit maͤchtig ſeyn/ und in uns wircken beyde das rnil. i. wollen und das thun: Ja eben rurch ſtaͤtige Übung . uns das Werck der Heiligung deſto leichter gemacht. Zwar kom̃t den Weltlindern der Fleiß der Gottſeligkeit ſehr verdrießlich/ unangenehm und traurig vor/ als koͤnnte man darbey keine Freude haben. Aber fo wir nur die Augen des Gemuͤhts wollen auffthun/ werden wir bald ſehen/ welche Ergetzlichkeit groͤſſer welcher Stand glůckſeliger und erwuͤnſchter ſey/ der Stand der Suͤnde/ oder der Gottſeligkeit. Der unwiedergebohrne Suͤnder ligt in feinem Blut/ under 6 Ottes Zorn und dem Fluch des Geſetzes: Er iſt ein Selave des leidigen Teufels/ welcher ihn an den Banden des Unglaubens/ und Stricken allerhand Boßheit gefangen helt/ und/ wie jenen Beſeſſenen im Evangelio/ bald in das Feuer vate gr. ſchaͤndlicher Brunſt und hitziger Affecten/ bald in das Waſſer der Fuͤllerey und Uppigkeit ſtuͤrtet. Ein gotiſeliger Menſch hingegen ſtehet under der Gnade G Ottes/ iſt ein freygelaſſener JEſu Chriſti/ hat die Bande voriger Knechtſchafft von ſich geworffen/ und den Satan B 2 ſam̃t 95 2 12 Cbriftliche 6 a0 ſampt allen ſuͤndlichen Reitzungen unter die Fuͤſſe getretten. Solte aber dieſe geiſtüiche Freyheit nicht erfreuͤlicher ſeyn/ als jene Toͤdliche Knechtſchaſfſt? Soll das dem Menſchen mehrere Vergnuͤgung geben/ wann er ſich in den ſuͤndlichen Luͤſten und Freuden dieſer Zeit herumb weltzet/ ſein Gelt und Gut/ Hauß und Hoff/ Speiß und Tranck uͤber alles liebet; als ſo er ſein Hertz zu dem hoͤchſt⸗ſeligen G Ott richtet/ und durch wahren Glauben und rechtſchaffene Heiligung ſich in ihm er; getzet! Was ſoll den Menſchen mehr beluſtigen/ wann er feinen ſterblichen Leib/ der morgen vielleicht eine Speiß der Wuͤrmen ſeyn wird/ zaͤrtlich haͤlt; oder ſo er ſeine unſterbliche Seele verſorget/ und zur ewigen Seligkeit tuͤchtig machet? Welches iſt groͤſſere Ergetzung/ wann der Menſch in dem ſuͤſſen Schlaff feiner verdamlichen Welt⸗ Freuden die Stacheln eines boͤſen Gewiſſens/ oder ein wuͤtendes Feuer in feinen Gebeinen fuͤhlet; als aber ſo er in dem Stand der Heiligung der Goͤttlichen Hulde verſichert/ und von aller Jorcht/ Angſt und Serlenrtl us. 14 Schmertzen befreyet if? O wol/ wol allen denen/ die ohne Tadel leben/ die im Geſetz des H Er: n wandeln! Wol denen/ die ſeine Zeugnuͤß halten/ die ihn von gantzem MHertzen fuchen! Von dem Andern. Es ruffen zwar die Gottloſen: Es iſt umb ſonſt/ nil 10. daß man 6 Ott dienet/ und was nutzet es/ daß wir feine Gebott halten/ und hart Leben für dem HH Erren Zebaoth führen 7 Aber dieſen ſtopffet der Apoſtel den Mund/ wann er uns im Text die. iche Reich: Predigt. 13 ficherungthut/ die Gottſeligkeit ſey zu allen Dingen nutz/ und habe die Verheiſſung dieſes und des zukuͤnfftigen Lebens. Er ſagt 1. Ins gemein/ die Gottſeligkeit ſey zu allen Dingen ng. Freylich iſts nicht umbſonſt/ daß man gottſelig lebet/ ſondern dem Menſchen I. Nuͤtzlich. Es if ein groſſer Gewinn/ wer gottſelig lebet/ und laͤſſet ihm genuͤgen: Dann GDOtt wil ein Vergelter ſeyn denen/ die ihn ſuchen. Es iſt mir gut/ ſagt David/ daß ich mich zu GOtt halte/ und mein Zuverſicht ſetze auff den H Erren MH Erren/ daß ich verkůndige alle dein thun. Ein gottſeliger Menſch hat uͤber ſich einen gnaͤdigen G Ott/ und alles Gute von demſelben zu gewarten/ wie geſchrieben ſtehet: Ach! daß fie ein Mertz haͤtten mich zu foͤrchten/ und zu halten alle meine Gebott ihr lebenlang/ auff daß ihnen wol gienge/ und ihren Kindern ewiglich. Wandele fuͤr mir/ ſpricht der allmaͤchtige& Ott zu Abram/ und ſey fromb/ ſo wil ich meinen Bund zwiſchen mir und dir machen/ und wil dich faſt ſehr mehren. In ſich ſelbſt/ wie wir zuvor erwehnet/ hat der Gottſelige ein ruͤhiges Gewiſſen/ welches ein täglich Wolleben iſt. Er iſt frey an ſemem Geiſt/ und wieder nuͤchter aus des Teufels Strick/ der ihn gefangen hielt zu feinem willen. Neben ſich hat er für keinem Menſchen ſich zu befoͤrchten: dann die Forcht Gottes ver jaget alle Menſchen⸗forcht aus ſeinem Hertzen/ gleich als jenes mals die Ebreiſchen W hnuter den Egyptiſchn 3 Ty1. Tim. 6.6. Heb. 11.6. Pſal. 73. 28. Deut. 5.29. Gen. 17. 1, 2. krov. 5. 15. 2. Tim. 2 26 IL.XOα T. 1X. Jet. 17. 9. pſal. 30.7.. 14 Chriſtliche Tyrannen nicht geforchtet/ weil fie die orcht Gottes für Augen gehabt. Iſt das nicht groſſer Nutzen der Go jeligkeit? Es iſt aber ſolche/ nach Pauli Auſſag/ 2. Zu allen Dingen nuͤtz. Omnia proſpera eveniunt ſequentibus Deum, adverla ſpernentibus: Denen/ die Gott gehorchen/ widerfaͤhrt alles gute; alles boͤſe aber denen/ die ihn verachten. Die Gottſeligkeit iſt dem Menſchen nuͤtz/ in was fuͤr einem Zuſtand er ſich auch befindet. Es iſt das Hertz ein trotzig und verzagt Ding/ ſpricht Jeremias. Trotzig im Wolſtand/ wanns dem Menſchen nach Wunſch ergehet: dann da meynet er/ es werde immer fo waͤren/ die Gluͤcks⸗ Sonne ihme ohne auff hoͤren ſcheinen. Verzagt aber im Ubelſtand. Dann da laͤßt er den Muht ſincken/ kan keine Hoffnung faſſen/ daß es ſemalen werde heſſer werden. Hoͤret/ wie Konig David ſelbſt/ der ſonſt in allerley Zufaͤlle ſich zu ſchicken wußte/ dieſer Schwachheit ſich ſchuldig gibt: Ich ſprach/ da mirs wol gieng: Ich werde nimmermehr darnider ligen. Dann/ Merz/ durch dein Wolgefallen haſtu meinen Berg ſtarck gemacht: Aber da du dein Antlitz verbargeſt/ erſchrack ich. Aber die Gottſeligkeit ſteuret ſolchen unordenlichen Paſſionen und Bewegungen des menſchlichen Hertzens. Wer Gott foͤrchtet/ und ihm auffrichtig dienet/ deſſen Hertz uͤberhebet ſich nicht zur Zeit des Wolſtanos. Dann die Gottſeligkeit bildet ihm kraͤfftig ein/ daß alles Gute/ deſſen er gencußt/ von der unverdienten Gnade Gottes ihm zukomme/ und er deßwegen keine Urſach habe ſich auff 935 Reich: Predigt. 15 auffzulaſſen; Zeitlicher Wolſtand ſey unbeſtaͤndig und veranderlich: Es koͤnne in kurtzem eine ſchwartze Wolcken aufſteigen/ und ein ſchwaͤr Ungluͤcks wetter mit ſich bringen. Eben wie auff dem Meer nach einer Windſtille ſich bald ein gefaͤhrlicher Sturm erhebet. Dieſe Vorſtellung leitet den Menſchen zur Demuht unb Danckbarkeit gegen Gott/ machet/ daß er zu allerhand wiedrigen Anſtoͤſſen ſich gebuͤrender maſſen bereit haͤlt/ und ihm alſo/ wann eine Flut daher kom̃t/ giltet/ was im Sprichwort geſagt wird: Teſa præviſa minùs nocent: Vorgeſehene Pfeile ſchaden deſto weniger. Im lbelſtand bringet die Gottſeligkeit nicht weniger Nutzen. Dann fie lehret alsdann den Creutz tragenden/ ſeine Seele mit Gedult zu faſſen/ weil alle Truͤbſal ac 21.. nichts anders ſey/ dann eine vaͤtterliche Ruten Gottes/ dem niemand wiederſtehen mag/ ſondern alles Fleiſch ſchuldig iſt/ ſeiner gerechten Fuͤrſehung und Regierung ohne murren ſich zu underwerffen. Sie lehret ihn/ daß G Ott/ wann er nach verdienen handeln wolte/ viel ſchaͤrffer und empfindlicher darein ſchlagen koͤnnte: aber nach feiner Barmhertzigkett werde er die Seinen nicht laſſen verſuchen über ihr vermögen/ ſondern machen/ daß die Verſuchung ſo ein Ende gewinne/ daß ſie es konnen ertragen. Wodurch dann Gedult/ Zufriedenheit und Vertrauen auff G Ottes Barmhertzigkeit in dim Menſchen gewůrcket wird. Wie nuͤtz die Gottſeligkeit im Tode ſey/ fuͤhlen ſterbende Kinder 6 Ottes kraͤfftiger bey ſich ſelbſten/ als die Überlebenden mit Worten außdrucken koͤnnen. Ach! wie frendig ſtirbt der Menſch/ wañ er an ſeinem letztẽ Ende mit dem gottſeligen Konig Hiskia aus recht kindlicher Zuverſicht ö t. Cor. Io. 13. 3$6 ————— SEEN C hriſtlichc· ſicht betten kan: Gedencke doch/ H Er:/ wie ich fuͤr dir gewandelt habe in der Warheit/ mit volkommenem Hertzen/ und habe gethan was dir gefallen hat. Die Gottſeligkeit iſt nuͤtz in einem jeglichen Beruff/ darein der Menſch geſetzt iſt. Sie iſt nuͤtz den Regenten und Obrigkeiten: Dann ſie iſt die rechte Weißheit/ durch welche das Volck anſtaͤndiz und nach Gottes Willen regiert wird: Sie bringt Gottes Segen uͤber die Regierung/ machet/ das die Underthanen ihre Vorgeſetzten in gebuͤar, Ehren halten/ und ſich deren Exempel gleich ellen. Sie iſt nutz den Lehrern und Predigern Goͤttliches Worts. Der Zweck des Heiligen Predigampts ſſi/ das Reich des Teufels/ welches ein Reich der Suͤnden iſt/ zu zerſtoͤren/ und wahre Gottes forcht aller Orten zu pflantzen. Diß aber geſchicht mit deſto kraͤfftigerm Nachdruck/ wann die Lehrer ſelbſten in allem ihrem Thun ſich eines Goͤttlichen Wandels befleiſſen. Daher Paulus „Tim. 3.2. erinnert: Ein Biſchoff ſoll unſtraͤfflich ſeyn: Welches er auch mit feinem eigenen Excmpel bewaͤret/ laut 1. cot. u. dem/ das er an die Coloſſer ſchreibet: Ich betaͤube meinen Leib/ und zaͤhme ihn/ daß ich nicht den andern predige/ und ſelbſt verwerfflich werde. Sie iſt nuͤtz in dem Hauß⸗ oder Nehr⸗Stand/ allerhand Handels⸗Handwercks⸗ und Baurs⸗euten. Dann ſo ſolche der Gerechtigkeit/ Billichkeit/ Chriſilicher Liebe/ Gutthaͤtigkeit/ des Gebaͤtts und Flehens zu Gott ſich befleiſſen/ fo ſpuͤren ſie den reichen Segen Gottes in ihrer Handthierung/ Arbeit und Fuͤrnchmen/ konnen* Reich Predigt. 17 nen auch deſſen/ das ſie erringen und fuͤr ſich bringen/ mit gutem Gewiſſen genieſſen/ und zu feiner Zeit ihren Erben eder Nachtoͤm̃lingen hinderlaſſen. Sie iſt nutz in dem Wehr⸗Stand/ Chriſtlichen Soldaten und Kriegsleuten. Solche tragen ihre Seelen immer in ihren Haͤnden/ ſchweben mn taͤglicher Todes ⸗ Gefahr: So fie aber Gerechtigkeit anziehen wie ein Pantzer/ und ſich mit Gottſcligkett bewaffnen/ werden ſie dem Feind deſto hertzhaffter unter Augen tretten. Dann Gott gehet alsdann für ihnen her/ lehret ihre Haͤnde ſtreiten/ und ihre Faͤuſte kriegen/ und wann fie ſchon/ nach dem Goͤrtlichen Willen/ fuͤr dem Feinde umbkommen/ werden ſie doch dadurch an ihrer Scligkeit nicht verkuͤrtzet/ ſondern gelangen durch dieſe blutige Todes⸗ Pforten zum him̃liſchen Triumph. I. Jetzt aber beſtaͤtiget der Apoſtel ins beſondere die Nutzbarkeit der Gottſeligkeit daher/ weil ſolche Verheiſſung habe dieſes und des zukůnfftigen ] Lebens. Sie hat Verheiſſung 1. Dieſes Lebens. G Ott verheißt denen/ die ihn foͤrchten/ ſchon hier auff Erden allerley leiblichen Segen/ als da iſt Geſundhett/ langes Leben/ Reichthumb/ komliche Nahrung/ Schutz wieder die Feinde/ Erquickung auff dem Siech⸗Bette/ und dergleichen. Wer iſt/ der gut Leben begehrt/ und gern gute Tage harte? Behuͤte deine Zunge für Boͤſem/ und deine Lippen/ daß ſie nicht falſch reden. Ich bin jung geweſen und alt worden/ und habe noch nie geſehen den Gerechten verlaſſen/ oder ſeinen SaaC men pſ. ii. 109. Jeſ. q. x. ſal. 1442. Fſ. 34. 1.14. & 37. 25. 18 Chriſti:che men nach Brot gehen. Wol dem/ der den Erren foͤrchtet/ der groſſe Luſt hat zu ſeinen Gebotten/ deß Saame wird gewaltig ſeyn auff Erden/ das Geſchlecht der Frommen wird geſegnet ſeyn/ Reichthumb und die Fülle wird in ihrem Hauſe ſeyn. Wolte mein Volck mir gehorſam ſeyn/ und Iſrael auff meinem Wege gehen/ ſo wolte ich ihre Feinde bald dampffen/ und meine Hand über ihre Wiederwaͤrtige wenden. Ja/ ſagſtu/ es bezeuget doch die Erfahrung das Wiederſpiel/ daß es den Frommen in dieſem Leben gemeinlich uͤbel/ den Gottloſen aber wol gehe. Es verdroß mich/ ſagt Aſſaph/ auff die ruhmredigen/ da ich ſahe/ daß den Gottloſen ſo wol gienge. Dann ſie ſeynd in keiner Gefahr des Todes/ ſondern ſtehen veſt wie ein Pallaſt. Sie ſeynd nicht in Ungluͤck wie andere Leure/ und werden nicht wie andere Menſchen geplagt. Soll es dann umbſonſt ſeyn/ daß mein Hertz unſtraff lich lebt/ und ich meine Hande in Unſchuld waſche/ und bin geplagt taͤglich/ und meine Str aff iſt alle Morgen da. Welches auch Paulus ſelbſt anderſtwo nicht in Abred ſeyn kan/ ſondern frey bekennct/ daß alle die gottſelig leben wollen in Chriſto J Eſu/ muͤſſen Verfolgung leyden. Wo bleibet dann die Verheiſſung dieſcs Lebens für die Gottſeligkeit? Antwort: Die Verheiſſun zen Gottes von zeitlichen Guͤtern/ welche er den Gottſeligen hut/ muͤſſen allezeit mit Bedeng verſtanden werden/ wañ ſolche Guter zur Ehre Gottes und der Glaͤubigen Seligkeit gedeylich — Rei Predigt. Y— J Predigt. 19 lich ſeynd: In welchem Fall er fie ihnen jederzelt zufmmen laßt. Wo fie aber ihnen zum Strict und Verdamnus dienen ſolten/ its kein wunder/ daß& Ott ihnen ſolche| verſaget: und eferchtmulen thut er alsdann ſeiner Verheiſſung ſtatt. Dann an ſtati zeitlicher Glucks Guͤtern/ velche din meiſten zum verderben gereichen/ laut dem das uguſtinus ſagt: Felicitas Impiorum eſt ipſorum Foffa, die SluckjeligEcas der Hottloſen iſt ihre Grube/ ſegnet ſie Dit mit allerley geiſtlichem[Fohet. ı Segen in hünliſchen Gütern durch Chriſtum: Daß freylith die Gotiſeligkeit ſchon in dieſem(eben groſſen Nutzen hat. Dann wer ſich derſelben befleiſſet/ dem vergibt G Ott feine Suͤnden/ und rechnet ihm feine Miſſethaten nicht zu: Waſchet/ reiniget euch/ thut euer Jett. 6. 1. boͤſes Weſen von meinen Augen/ laßt ab vom boͤſen/ lerner gutes thun. So kommet dann/ und laßt uns mit einander rechten/ ſpricht der to Er:: Wann euer Sünde gleich blutroth iſt/ ſoll ſie doch Schnee/ weiß werden/ und wann fie gleich iſt wie Roſinfarb/ ſoll ſie doch wie Wolle Serden. Wer ſich der Gottſeligkeit befleiſſet/ der hat ein befriedigtes Gewiſſen/ und kan mit dem Apoſtel ſagen: Unſer Troſt iſt der/ daß wir ein gut Gewiſſen Keb erz n. haben/ und fleiſsigen uns guten Wandel zu fuͤhren bey allen. Und wie die Gottloſen zu dem HErren nicht nahen dorffen/ ſondern ſich für feiner Gegenwart entſetzen/ als geſchrieben ſtehrt: Die Suͤnder I.: 14. zu Zion ſind erſchrocken/ zittern iſt die Heuchter ankommen/ und ſpiechen?: Wer iſt unter uns Hebr. 4.16. | : er. 3.. om. 8. 667 rorv 1A 32 Act. 7.55. Joh. 12. 26. 1. Cor. 15.19. 20 Chriſtliche uns/ der bey einem verzehrenden Feuer wohnen möge? Wer iſt unter uns/ der bey der cwigen Glut wohne? Alſo im gegentheil die Gottſeligen tretten mit Freudigkeit hinzu zu dem Goͤttlichen Gnadenſtul/ ſchuͤtten ihr Anligen mit kindlicher Zuverſicht in die Schoß des himliſchen Vatters aus/ und ſagen: Lieber Vatter/ du Meiſter meiner Jugend/ wiltu dann ewiglich zoͤrnen/ und nicht vom Grimm laſſen? Wer ſich der Gottſeligkeit befleiſſet/ der hat den Heiligen Geiſt in ſich wohnend/ hoͤret in feinem Hertzen immerfort die Stimme des Braͤutigams/ der ihn feiner Liebe verſichert/ wie auch das Zeugnuß des Y. Geiſtes/ daß er ein Kind GOttes und Miterbe IJEſu Chriſti ſey. Das machet ihn in allen Truͤbſalen freudig/ in den Anfechtungen und Virfolgungen ſtandhafftig/ und in dem Tod geiroſt. Dann er ſichet alsdann den Himmel offen/ und die Hand feines Erloͤſers JEſu Chriſti außgeſtreckt/ ihne zu ſich zu ziehen/ wie er geſagt hat: Mo ich bin/ da ſoll mein Diener/ meine Magd/ auch ſeyn. O unſchaͤtzhare Nutzbarkeit! 6 ſeliger Zuſtand aller derjenigen/ die in der Gottſeligkeit wandeln! Demnach aber Paulus bezeuͤget/ So wir allein in dieſem Leben auff Chriſtum hoffen/ ſeyen wir die elendeſten under allen Menſchen/ fo muͤſſen unfere Glaubens⸗Augen fuͤrnemlich gerichtet ſeyn auff die Verheiſſung 2. Des zukuͤnfftigen Lebens/ welches allen gottſcligen Hertzen bereitet iſt. Dann G Ott wird geben Preiß und Ehre/ und unvergengliches Mt —— denen/ Leich⸗Predigt. 21 —— ebd. denen/ die mit Gedult in guten Wercken trach⸗| ten nach dem ewigen eben. Sey getrew biß an Aroczıc.| den Tod/ ſpricht der Sohn G6. Qttes/ fo wil ich dir die Kron des Lebens geben. Und abermahlen: Wer mein Wort hoͤret und glaubet dem/ der Joi. r.. mich geſant hat/ der hat das ewige Leben. Summa: Selig find/ die(cine Gebott halten/ Apoca: 1. auff daß ihre Macht ſey an dem Holtz des Ce⸗| bens. Seynd die Sottfeligen für der Welt ein verach⸗|Mob.ız.5. tetes Liechtlein/ daß ſie durch Schmach/ Verfolgung und Anfechtung/ ſo ihnen angethan wird/ gleichſam taͤglich ſterben/ getroſt/ ihr Leben iſt verbor ⸗.. gen mit Chriſto in G Ort: Es wartet auff ſie ein* unvergengliches/ unbeflecktes und unverwelck. mr liches Erbe im timmel. Muͤſſen fie ſchon etwa umb des Namens Chriſti willen alles verlaſſen/ ſo verlieren fie doch nichts darbey/ ſondern nemens hund ert fel⸗ m0. tig/ und ererben das ewige Leben. Diß war die Zuverſicht des Manns nach dem Hertzen GOttes: Ich glaube/ daß ich ſehen wer⸗ arr. 13. de das Gut des HäErꝛn im Lande der Lebendigen. Diß war die Hoffnung Pauli: Ich hab Glau⸗ 2 in. n. ben gehalten/ hinfort iſt mir beygelegt die Kron der Gerechtigkeit/ welche mir der Herꝛ/ der gerechte Richter/ geben wird. Diß iſt das Verſangen aller deren/ die JEſum von Hertzen lieben: Wir haben Luft auſſer dem Leibe zu wallen/ 2 Cor... und daheim zu ſeyn bey dem H Erꝛn. Diß iſt der Troſt/ damit der ſterbende Heiland den bußfertigen Schaͤcher auffgerichtet: Warlich ich ſage dir/ heut Tac. 31. wirſtu mit mir im parade ſeyn. Diß war die ſey| . 3 liche Chriſtliche liche Begird des heiligen Maͤrterers Cypriani/ da er umb des Chriſtlichen Glaubens willen ſolte hingerichtet orm ran, werben: Comultum miht melius non eſſe quæro, r. C, Pt. . Luc. 17. 10. qui 1 ut Deum ineum adorans ad ipſum tota mentis | avatitate teltinem: quoniam non ſunt condı. næ palücmnes hrns temporis ad ſuperventuram gloriam: Ich ſuche nichts rahtſamers für mich/ als daß ich meinen GOtt anbette/ und mit begierigem UHertzen zu ihm eile: dann das Leiden die ſer Zeit iſt nicht waͤhrt der zukuͤnfft igen Herꝛlichkeit. Diß war endlich der Wunſch des frommen Kirchenlehrers Auguſtini: Eja moriar, Domine, ut te videam: Ach H Er:! laß mich ſterben/ damit ich dich ſehe. Allein da muͤſſen wir uns nicht einbilden/ als wann die Gottſeligkeit eine verdienſtliche Urſach des ewigen Lebens were. Dann was wolten wir elende Menſchen umb G Ott verdienen? Wann wir alles thun konnten/ das uns befohlen iſt/ müßten wir doch ſagen/ wir ſeyen unnuͤtze Knechte/ wir haben nichts anders gethan/ als das wir zu thun ſchuldig waren. Werden wir ſelig/ ſo geſchichts aus Gnaden durch den Glauben/ und nicht aus uns. GOttes Gaabe iſt es/ nicht auß den Wercken/ auff daß ſich nicht jemand ruͤhme. Thut der HErꝛ der Gottſiligkeit ſo fuͤrtreffliche VBerheiſſungen/ fo thut ers auß unverdienter Gute. Dann es gefallt ihm ſein eigenes Werck/ ſo er durch feinen Geiſt in uns wuͤrcket/ mu ewig. m Leben zu belohnen. O ſeliges Leben/ welches alles ſterbliche wird ver: ſchlingen/ da Freud wird ſeyn ohne Leid/ Srch ohn ricg/ Reich: Predigt. 23| Krieg/ Gefundheit ohne Kranckheit/ Tag ohne Nacht, jauchzen ohne ſcuffzen! O ſeliges Leben/ da ein Cag růal. s.. beſſer iſt dann ſonſt tauſent/ und ein einiger 2 Anblick der Herꝛlichkett des Hauſes GOtres mehr Ver— gnuͤgung geben wird/ als fo einer dieſe gantze niedere Weit viel tauſent Jahre lang beſitzen thaͤte O crwuͤnſchtes Leben/ dafınnı wird ein cwiges Anſchauen des Goͤttlichen Angeſichts/ unmittelbare Gemeinſchafft mit dem Seelen⸗Braͤutigam JE ſu Chriſto/ in der erfreulichen Geſellſchafft der Heiligen Engeln und aller ſeliger Himmels⸗Genoſſen! Wer wolte durch die Verheiſſung eines ſo hohen und unvergleichlichen Guts/ welche Gott ſelbſt, der nicht liegen kan/ den Menſchen thut/ ſich nieht zum Fleiß wahrer Gottſeligkeit bewegen laſſen? Zwar ſollen wir dieſer himliſchen Tugend nachfireben/ wann fie ſchon keine Belohnung zu hoffen hatte/ weil fie an ſich ſelbſten koͤſtlich und annchmlich iſt. Demnach wir aber gemeiniglich auch auff unſeren Nutzen ſehen/ ſo ſollen die Virheiſſungen/ welche derfelben geſchehen/ uns deſto kraͤfftiger darzu auffmuntern. Wann wir in dem zeitlichen etwas zu gewinnen wiſſen/ wie unverdroſſen erzeigen wir uns nicht? Da ſcheuen wir keine Gefahr/ keine Muͤhe noch Arbeit/ ſondern ſeynd von gantzem Hertzen/ von zantzer Seelen/ und von gantzem Gemuͤle beſchaͤfftiget. Sollen wir dann nicht viel mehr ringen und jagen nach der Gottſeligkeit/ bey welcher zeitliche und ewige Belohnung zu gewinnen if? Allein/ Liebe Chriſten/ wir leben jetzt in ſolehen Zeiten/ da die Gottſeligkeit nicht nur auff offentlichen Plaͤtzen und Straaſſen/ allwo die Verachtung G d Der tes —— —— 24 Chriſtliche tes und allerhand Uppigkeit ihren Sitz genommen; ſondern auch in den meinten Haͤnſern keimen raum findet/ da ſie ihr Haupt hinlege/ fo wenig als ehemals das neuͤg ebac ss dorne Kindlein JEſus mit ſciner Mutter in der Hero uc 2-7. berge zu Bethlehem raum gefunden. Ach! was gedencken doch fo vꝛel außgelaſſene frevele Suͤnder unter uns/ welche alles zuſprechen und vermahnen aus GDttes Gen 6 3. Wort in Wind ſchlagen/ und ſich feinen Geiſt nicht wollen ſtraffen laſſen: Womit ſie dann der Gottlichen Gnaden ⸗Verheiſſungen ſich unfahig machen/ allen Segen mit Fuͤſſen von ſich ſtoſſen/ und den Fluch muthwillens auff ihre Seelen bringen. Solche Leute wollen ion umens kurtzumb den Fluch haben/ der wird ihnen auch kommen/ ſie wollendes Segens nicht/ ſo wird er auch ferne von ihnen bleiben: Sie ziehen an den Fluch wie ein Hembd/ der gehet in ihr inwendiges wie Waſſer/ und wie Del in ihre Gebeine. Dann wie die Gottſeligkeit Verheiſſung hat/ alſo hat die Ruchloſigkeit Drohung dieſes und des zukuͤnfftigen Lebens. Und wie die Freude des ewigen Lebens fo beſchaffen iſt/ daß kein Aug geſehen/ kein Ohr gehoͤrer/ und in keines Menſchen Hertz kommen iſt/ das G Ott bereitet hat denen/ die ihn lieben: alſo iſt im Gegentheil die Qual der Gottloſen in der Helle ein ſo erſchrecklich⸗ tieffer Abgrund/ daß alle unſere Sine ſich dariñen verlieren, das Dan s 6. Hertz uns darfuͤr bebet/ die Lenden erſchuttern/ die Gebeine zuͤtern/ die Haut ſchauert/ und alle Glieder für Angſt und Forcht Blut ſchwitzen mochten. Wolan! fo trachten wir dann dieſer ewigen ab0 0. aa. ſcheulichen Pein zu entgehen/ und das beſſere theil zu erwehlen. Reich/ Predigt. 25 wehlen. Von Moſe ſagt der Apoſtel/ er achtet die Schmach Chriſti für groͤſſer Reichthumb/ dann die Schaͤtze Egypti: Dann er ſahe an die De; lohnung. Laſſet uns ein gleiches thun/ und die Belohnung/ das iſt/ die himliſchen unvergleichlichen Guter/ welche der Gottſeligkeit verheiſſen ſeynd/ ſtets für Augen haben: Güter/ welche weder der Menſchen Ungerechtigkeit/ noch Unbeſtändigkeit der Zeit underworffen ſeynd/ ſondern uns in dem Tode nachfolgen/ und am Tage des Gerichts ſampt uns aufferſtehen werden: Guͤter/ welche/ ſo ſie unſern Scelen einverleibet ſeynd/ uns nicht mehr koͤnnen entzogen werden: Guͤter/ welche das Gew ſſen befriedigen/ das Creutz verſuͤſſen/ die Seele erfreuen/ und in dem letzten Todeskampff uns voll Hertz und unuͤberwindlichen Muhts machen. Dieſe Guͤter von Gott zu erlangen/ laſſet uns von uns werffen alle Suͤnden⸗Bande/ damit wir verſtricket ſeynd/ und auff dem Pfad der Goͤttlichen Gebotten ehne Tadel einher wandeln: Laſſen wir unſere fuͤrnehmſte Sorg ſeyn/ daß wir 6Ott mogen gefallen; unſere groͤſte Forcht/ daß wir G Ott nicht beleidigen: Ringen wir dahin/ daß unſer gantzes Leben eine beſtaͤndige Ubung wahrer Gottſeligkeit/ auffrichtiger Liebe/ und unbefleckter Heiligkeit ſey. Der erbarmende G Ott/ der kein Gefallen hat am Tode des Gottloſen/ ſondern daß ſich der Gottloſe bekehre von feinem Weſen und lebe wohnet noch allezeit unter uns/ und gibt uns genugſame Mittel an die Hand/ unſcre Heiligung zu beforderen. Er laͤßt uns taͤglich das Engel um predigen: ſeine heilHeb. 11. a6. Fzech. 23.11. 26 Chriſtliche It 2 u I] heilſame Gnade erſcheinet uns noch immerzu/ und zuͤchtiget uns/ daß wir ſollen verlaͤugnen das ungoͤttliche Weſen/ und die weltlichen Luͤſte/ und gottſelig leben in di ſer Welt. Wehe uns/ wañ wir dieſe gnaͤdige Heimſuchung des Herꝛn verſaumen! Dani wie leicht koͤñten die Zeiten ſich aͤndern? Es iſt ungewiß/ ob die reine Pre digt des Goͤttlichen Worts unter uns beharren/ und wir allezeit eyfrige Lehrer der Gerechtigkeit/ und ſo kraͤftige Antrib und Huͤlff⸗Mittel zu einem gottſeligen Leben haben werden. Der gerechte 6 Ott koͤnnte umb un: Apec 25. ſerer Unbußfertigkeit willen den Leuchter von feiner fette wegſtoſſen/ und falſche Lehrer und Verfuͤhrer laſſen Act ꝛ0. 29 unter uns fallen/ welche der Herde nicht verſchonen/ ſondern trachten wurden/ die Leute von der Forcht des HErren zu allerley Aberglauben/ Irꝛthummen/ und Wercken der Finſternuͤs zu verleiten. So laſſen wir dann die Warnung Chriſti ohne auffhoͤren in unſern ſoh 13. 3 360 Ohren erklingen: Es iſt das Liecht noch eine kleine Zeit bey euch. Wandelt/ dieweil ihr das Liecht habt/ daß euch die Finſternuͤß nicht uͤberfallen. Wer im Finſternuͤß wandelt/ der weißt nicht/ wo er hingehet. Glaubet an das Ciecht/ dieweil ihrs habt/ auff daß ihr des Liechtes Kinder ſeyt. Was iſt doch kuͤrtzer und fluͤchtiger dann unſer Leben? Es rauſchet fuͤruͤber als ein Waſſerſtrom/ und ſeſ C. 6. unſere Sünde führen uns dahin wie ein Wind. Ach! ſo laſſet uns dann die kurtze Zeit/ die wir noch auff Erden zu bleiben haben/ wol anwenden zum Werck der niet. 1213. Heiligung/ ohn welche niemand den H Erren ſehen wird. Der Tod iſt allen Menſchen gewiß; aber der . ↄ6y . Tech Predigt. 27 der Tag/ Stund und Augenblick deſſelben unbekannt. Des Menſchen Sohn kom̃t uns abzufordern zu Tas.* 1. der Stunde/ da wir nicht meynen. Wie viel/ 6 wie unzehlich viel/ ſeynd von dieſer Welt weggerafft worden/ da fie in aller Boßheit und Laſtern erſoffen waren/ ehe fie zeit gehabt/ durch hertzliche Buſſe ihre Seelen zu 6 Ott zu ſchicken/ und zu Chriſto/ der fie fo offt und vielfaltig zu ſich beruffen/ einzugehen? Fuͤrwar wie der Baum fallt/ er falle gegen Mittag ecclet. oder Mitternacht/ auff welchen Ort er faͤllt/ da wird er ligen. Wollen wir nicht unbereitet von dem Tod uͤberraſchet werden/ und fallen gegen Mitternacht des Goͤtilichen Zorns und der Verdamnuͤs ſo üben wir uns in der Gottſeligkeit/ als wir noch Zeit Gal. 6. c. haben/ und der Tag der Gnaden noch waͤret. Ach wie klug und ſelig iſt der Menſch der in feinem Leben fo handelt und wandelt/ als er wuͤnſchet in ſeinem Tode erfunden zu werden/ der die Welt vollkomlich verſchmaͤhet/ ſich ſelbſt verlaͤugnet/ hertzliche Reue und Buſſe über feine Sünden erzeiget/ ſich in der Liebe/ willigem Gehorſam/ und freudiger Erduldung des Creuͤtzes uͤbet/ und alles für Schaden achtet gegen der Erkantnus und(Phil. 28. Vereinigung feiner Seelen mit Chriſto. Ein ſolcher ſchmecket warhafftig die Freundlichkeit des HErren/ Malm 24.9 nicht nur am Tag der Freuden/ wañ Gott ihm gibet was Malm 37.4 fein Hertz wuͤnſchet; ſondern auch in dem bitterſten Creutz/ welches der HEN ihm wunderbarlich verſuͤſſet/ und in eine heilſame Seelen⸗Artzney verwandelt. Er ſchmecket endlich dieſe Freundlichkeit im Tod und abſterben: Dann der Gelſt& Ottes erfuͤllet alsdann fein Hertz mit unaußſprechlichem und herꝛlichem Troſt/ gibt ihm D einen —— alm 28 4. Apoc. 14.13. 28 Chriſtliche ————— r einen unerſchrockenen Helden⸗muht/ und begleitet ſeine Seele/ wann das Scheid ⸗ſtuͤndlein herbey kommen/ durch das finſtere Thal des Todes zu unmittelbarer Anſchauung des von himliſcher Klarheit leuchtenden Angeſichts G Ottes/ daſelbſt die Früchten feiner Wercken ewiglich zu genieſſen. Dann ſelig ſeynd die Todten/ die in dem HM Erꝛn ſterben/ von nun an. Ja der Geiſt ſpricht/ daß ſie ruhen von ihrer Arbeit/ und ihre Wercke folgen ihnen nach. Von der abgeſtorbenen Frauen Seligen. Die viel Ehr⸗ und Tugendreiche Frau Suſanna Staͤhelin/ welche dieſer Tagen aus gegenwertigem muͤheſeligen Leben in ein beſſers verſetzt worden/ iſt an das Sicht dieſer Welt kommen im Jahr Chriſti 1628. den 6. Nartii. Ihre Eltern ſeynd geweſen Her: Joh. Jacob Staͤhelin/ Gerichtſchreiber allhier/ nachwerts aber des Rahts/ und Frau Salome von Brunn/ eine Tochter Herren Obrift, Zunfitmeiſters Bonaventuræ von Brunn ſeligen. Von welchen ihren geliebten Eltern ſie wol aufferzogen/ und zu aller Gottſeligkeit und Ehrbarkeit angehalten worden.|| Den 15. Julii Ann. 1649. iſt ſie in die Ehe getretten mit Herren Peter Falckeyſen/ Medicine Hoctore, und damals Rhetoricwe, nachwerts aber Mathemaucæ auff allhieſiger Ulniverſitat Proteſſore: bey welchem ſie in fridſamer Ehe 1. Sohn/ ind 3 Töchtern erzeuͤget/ von denen annoch 2. Toͤchtern in Leben/ das 1 von — anderm Segen/ ſo er der li vitfforbenen Fratien 3 eich ⸗Predigt. 29 von ſie auch 8. Groskinder und 12. Enkel zu ihrem Troſt geſehen: Welche ſamptlich wir der Gnade und Sege GDOttes anzefehlen. Nachdem dieſer ihr erſter Eheher: Ann. 1660. den 25. Octobris von Gott abgefordert worden/ hat fie eine geraume Zeit in dem Wittwen⸗ſtand zugebracht/ biß fie durch Gottliche Schickung Ann. 677. den 7. Maji fich zum andern mal verehlichet mit weyland Herren Joh. Conrad Harder/ wolverdienten Stattſchreibern/ nachgehends des Rahts und Dreyerherren allhier/ deme ſie in ſeinem Alter als eine getreue Lebens⸗Gehuͤlffin gantz troſtlich und erfreulich an die Hand gegangen: biß es dem lieben Gott gefallen/ durch Entziehung deſſelben/ ſo den 4. Aprilis 1695. beſchehen/ ſie abermalen zu einer betruͤbten Witt we zu machen. In welchem Stand ſie dann, ſo wol als in dem Eheſtand/ jederweilen einen gottſeligen/ ehrbaren/ cxemplariſchen Wandel geführt. Ihre Liebe gegen Gottes Wort bezeugte ſie durch fleiſsige andaͤchtige Beſuchung des offentlichen Gottesbienſts/ wie auch zu Hauß durch Ableſung Heiliger Schrifft/ und anderer gottſeliger Büchern: War, als eine rechtſchaffine Wittwe/ einſam und ſtill, ſtellte ihre Hoffnung auff Gott/ und blieb ain Gebaͤit und Flehen Tag und Nꝛacht: Erzeigte ſich beyneben gegen den Armen mitleidig und gutthaͤtig/ gegen jederman dienſthafft demuͤtig und friedfertig. Und wie die Gottſeligkeit Verheiſſung hat auch dieſes Lebens/ alſo hat der gůtige Gott neben ver969 30 Chriſtliche verliehen/ auch mit ſchwaͤren Kranckheiten derſelben verſchonet/ und die meiſte Zeit ihres Lebens gute e n dhe ꝛſonderlich aber ein ruͤhiges Alter beeeret. le 9 Allein wie unſer Lebens⸗Ziel auf Jo. und wanns hoch komt/ auf o. Jahre ſich erſtrecket: Alſo iſt auch endlich ihr Sterbſtuͤndlein herbey kommen. Geſtaiten ſie verwichenen Sontag 8. Tag gegen der Nacht/ von einem Schlagfluß angegriffen/ ſich zu Bette legen muüſſen/ da dann die Kräften von Tag zu Tag geſuncken/ wiewol Gott Gnade gegeben/ daß ſie den Verſtand allezeit behalten/ und ſich zu ihrem Abſcheid mit Chriſtlicher Freudigkeit geſchickt. Was thro aus Gottes Wort zum Troſt fuͤrgehalten worden/ nahm ſie begierig und mit Freuden an/ that ihre SuͤndenBekannt nus gegen Gott mit einem bußfertigen zer. brochenen Geiſt hielt fich aber durch den Glauben an das theure Verſoͤhn⸗Opffer IEſu Chriſti ihres Heilands: Und weil ſie das Zeugnus des H. Geiſtes von Vergebung der Suͤnden und ihrer Gotteskindſchafſt in ihrem Hertzen kraͤfftiglich ſpuͤrte/ ſo il. 2. hatte fie kein groͤſſeres Verlangen/ alsbald abzuſcheiden und bey Chriſtozu ſeyn. Der Hand Gottes hielt ſie mit wunderbarer Gedult fill/ klagte uͤber keine Schmertzen/ und erei 30. 6. wartete alſo in ſtill ſeyn und hoffen einer gnaͤdigen Auffloſung/ welche ihro auch vorgeſtern umb halb drey Uhren nach Mittag wiederfahren/ da ſie ohne Bewegung einigen Glids under der lieben Ihrigen Gebaͤtt/ ſanfft eingeſchlaffen/ und geſtorben/ daß ſie gleichſam den Tod nicht geſehen/ im 78ſten Jahr und sten Monat ihres Alters. Wie 971 Thrĩſtũche Teich Predige. 31 Wie dieſe Chriſtliche Matrone in ihrem irꝛdiſchen Lebenslauff die Belohnung der Gottſeligkeit durch allerhand von Gott erlangtem Segen reichlich genoſſen: alſo genießt ſie nun auch der Guͤtern des him̃liſchen Lebens/ welche Gott denen/ die ihn von Hertzen lieben/ verheiſſen hat. Sie hat einen guten Kampff gekaͤmpffet/ fie hat den Lauff vollendet/ ſie 2 Jim 4.7.8. hat Glauben gehalten: darumb iſt ihr auch die unverwelckliche Kron der Gerechtigkeit zu theil worden. Der HEr: verleyhe uns allen die Gnade/ gottſelig zu leben/ damit wir auch/ wann die Stund vor; handen ſeyn wird/ ſelig ſterben mögen. Er erwecke uns durch feinen Geiſt/ daß wir leben des Lebens der nem. 2310 Gerechten/ damit wir auch zu ſeiner Zeit ſterben des Todes der Gerechten/ und nach dem Tode theilhafftig werden der ewigen him̃liſchen Gnaden⸗Belohnung/ welche JEſus Chriſtus unſer Heiland durch die Heiligkeit ſeines Lebens und Verdienſt ſeines Todes uns erworben hat. Amen. E N D E. | Unwversitatsbiblotheit Nicht digitalisierte Seiten sind leere Seiten im Original