Anno 1708. Bey ſehr anſehe chen und Volck⸗ reicher ; Beſtattung Deß Ehrenveſten/ Fkrommen/ Fürnemmen Fin ᷓ ſichtigen und Weyſen HERREN k,. 2 5 Semcons 2. AL:. CEobwuͤrdiger Be ö. 31 bens ⸗ Wandel/ und Goctes Gna⸗. * denreiche Belohnung. ze Muß dem Eoang Luc II. x. 25—30, 2 In dem Munſter zu Ba 1 Sonntags den 30. Decembr,( KA Sn e 83 ren. FAN END EAN 6, 5 . Wlbrecht Waͤſchen/ ſSZ deß Jaths/ B + Alexander Wel. Pfarrern bey 3 SE artin.. 3.% SS KO. 9 26. 6 S da AO* a... CM Sn 83. Muß dem H. Evangelio Luc. Cap. II. x. 25-30. XI Md ſihe/ ein Nenſch war zu JeruſaD lem mit Nahmen Simeon und | M derſelbige SSꝛenſch war fromb/ und . Gottsfoͤrchtig/ und wartet auff den Tioſt Iſrael/ und der H. Geiſt trar in ihm Und ihm war eine Ant vort worden/ von dem Heil. Geiſt/ er ſolte den Tod nicht ſehen/ er haͤttẽ dañ zuvor den Chriſt des HErren geſthen. Und kam auß Anregung des Geiſtes in den Tempel. Und da die Elteren das Kind JEſum in den Tempel brachten/ daß ſie für ihn thaͤten/ wie man pflegte nach dem Geſetz. Da nahm er ruf feine Arm/ und lobete GOTT und ſprach. HErꝛ nun luͤſſeſt du deinen Diener im Frieden fahren/ wie du geſagt haft. Dann meine Augen haben deinen Heyland geſchen. 1. aut. Chrif ſichẽ Außlegung. S3 Cn Reylich zeigt Gott der Jer:/ was zo für einllnterſcheid ge e c dem Gerechten und dem GottM loſen/ zwiſchen dem/ der Gott 3 dienet/ und dem/ der ihm nicht , dienet, Wie er verheiſſen beym W,, ers, Proph. Malach. Cap. 3. Ein frommer Menſch iſt ein ſelig⸗ und geſegneEG.. 21 ter Menſch im Leben und im Sterben. Die Gottlofen aber haben keinen Frieden/ ſpricht mein GOtt. Der Gottloſe traͤgt einen ſtaͤts nagenden Wurm ſeines boͤſen Gewiſſens mit ſich in dem BuProw at. x, ſen. Der Gottloſe fleucht wo ihn niemand. Rl. 3. i. Seine eigene Paſſionen und Affecten find feine Peiniger/ die ihn immer folteren. Seine ſcheinbarliche Herzlichkeiten und Freuden find mit lauter Angſt umhuͤllet. Beſitzet er zeitliche Güter und Reichthum/ fo iſt er derſelben Sclav/ und weißt ſie nicht wuͤrdiglich zu gebrauchen. Wird er zu hohen Ehren und Wuͤrden erhaben, ſo iſt ihme eben wie einem/ der auff einem hohen Thurn frey ſtehet/ und alle Augenblick ſich des Schwindels zu beſorgen hat. Je groͤſſer feine Herꝛlichkeit und Wolluͤſt/ je gröſſer ein Verdruß/ wann er daran gedenckt/ Daß er ie dermahlen eins mit dem Rucken anſehen uñ verEfj 25.2. laſſen uuf. Summa/ wie einer dem da traumet/ daß er eſſe/ wann er aber auffwachet/ noch eine leere Seele hat: und wie einer/ dem da traͤumet/ daß er trincke/ wann er aber auffwachet/ noch matt . und 827 — ET— 8* und durſtig iſt. Alſo haͤlt ſichs mit der Gottlofen Gluͤckſeligleit. Die geringfte Widerwertigkeit kan Sie in die Verzweiflung ſtuͤrtzen/ und ihre Verzweitz flung/ iſt ihnen gemeiniglich ein Vorbott ihrer be ht Dorifchenden Hoͤllenpein.| 2 n. Gantz anderſt haͤlt ſichs hingegen/ mit den Fromft men und Gerechten. Der Gerechte iſt wie ein Baum., zt erf, den Waſſerbachen/ der feine Frucht n ringet zu feiner Zeit/ und feine Blatter verwelcken nicht/ und was er macht das geraͤth wohl. Seine N Hoffnung/ Troſt und Vernuͤgung bleibet immer , grün: kein Winter der Truͤbſalen/ noch SturmwinJ. de der Widerwertigkeiten mag ſolche zu Grund richde ten. Dem Gerechten muß das Liecht immer wider. 1 R. Jauffgehen in der Finſternuß/ und Freude den from1. men Jertzen. Der Gerechte iſt auch in dem Todt enn* da kee Er kan ſagen mit Hiob: Mein Gewiſſen ner 6. hdeißt mich nicht meines gantzen Lebens halben. Die wc Gnade Gottes/ deren er in ſeinem Hertzen verſichert x ſiſt/ iſt ein rechtes Paradyß feiner Seelen/ ein Vor5 ſchmack der ewigen Herꝛlichkeit. Begegnen ihme urn. leich allerhand Widerwertigkeiten/ fo troͤſtet er ſich J.. daß denen die 6 tt lieben alle Ding müffen var nat di Zum beſten dienen. Komts zum ſterben fo haltet. un. er ſich an Gottes Gnadenreiche Verheiſſungen: an fr ſeine unwandelbahre ewige Gnad: an die theuren c Verdienſte feines HErren JEſu. Daß er in die Welt ri!. jg! tommen/ die armen Sünder ſelig zu machen. Und mn das verurſachet bey ihm eine unzerſtoͤrliche Ruhe. a und Seel⸗ erquickende Vernuͤgung. Daß weil er Gott mu/ in feinem Leben gedienet/ er quch deſſen Huld und gern Gnad im ſterben ſich zu gett ſten hat. Wi wir 16* 828 A6 Chriſtliche I dann eines fo recht feligen Menſchen/ ein ſonderliches SErempel haben an dein frommen Simeon zu Jeruſſalem/ der zur Zeit der Geburt unſers HErren and Heylandz J Eſu Chriſti gelebt. Von diejem erzehlet uns der H. Evangeliſt Lucas. Daß als er in Er: wartung der Zukunfft des HErren Melia GStt fleißig in ſeinem Tempel gedlenet/ beneben ein fromuf Gottsfoͤrchtiges Leben geführet: Gott ihme nicht allein verheiſſen/ daß er vor ſeinem Todt annoch den HErren Melſiam ſehen werde: ſondern auch ihne mit ch gan freudig⸗ und getroſten Auſloſung veſeeliget habe... 4 Dieweilen dann unſer Ehrende HErꝛ und Bruder ſelig/ deme wir dißmahlen/ durch Begleitung ſeines verſtorbenen Leichnams zu ſeinem Nühebettlein/ die letſte Eyr in dieſer Sterblichkeit erzeigen/ ein, rechter Liebhaber GOttes und ſeines Worts geweſen. Auch mit ſeinem exemplariſchen und Gottſeeligen Lebenswandel in vielen Stucken uns an den frommen Simeon gemahnet/ als welcher mit einem ſolchen Sinn GDit getreulich anzuhangen ſich bewaffnet. Weilen beneben auch Die Zeit/ in deren wir uns befinden/ wiehnachtliche Gedancken von uns erforderet. Als habe zu Gottes Ehren/ und unſer aller ehr Troſt und Erbauung mir fuͤrgenommen/ vor geleſene iſtori, von dem Gottſeligen Simeon/ nit Eu. Lieb in der Forcht des HErren zu erwegen. Es kommen uns da neben vielen anderen lehrreichen Stucken„ſo da/ wann es die Zeit zulieſfe) fleiß ger Erwegung wuͤrdig waͤren/ ſonderlich zu bedencken vor — 7 Erſilich/ Simcons Lobwuͤrdiger LebensWandel den wir uns zur NachfelgDemnach/ Gottes Gnadenreiche Belohnung/ fo wir uns zu unſerem Troß vor zuſtellen haben. Der HErꝛ aber/ der den from̃en Simeon/ mit ſo vielen herzlichen Gaben außgeruͤſtet/ der ziehe auch uns an mit der Gnaden⸗Krafft ſeines H. Geiſtes/ und lehre uns Simeons Leben und Sterben ſo betrachten/ daß auch wir nach ſeinem Exempel heilig liehen/ und dermahlen eins getroſt und ſelig ſterben e moͤgen! Amen! Von dem Erſten. DW Aß, Simeon einen lebwüͤrdigen Lebens| W Wandel gefuͤhret/ lehret uns dei Heu. 3 Geiſt mit der Beſchreihung; theils ſeiner 9 Ver hen theils ſeiner Verrichtungen. I. Von der Perſohn Simeons/ ſagt unſer Text: Und ſihe/ es war ein Mann zu Jeruſalem/ mit Nammen Simeon/ und derſelbige Menſch war fromm und Gottsfoͤrchtig/ und wartete auff den VTroſt Iſrael. Und der Zeil. Geiſt war in ihm. Mit dieſen Worten zeigt er an. 1. Wo er gewohnt. 2. Wie er geheiſſen. 3. Was für Qualikaͤten und Tugenden er gehabt. 4. Von wem. I. Wo Simeon gewohnt meldet der Text/ mit dieſen Worten. Und ſihe es war ein Mann zu Jeruſalem. Scheinet der H. Geiſt wolle ein rechtes Wunder Tach red n-˖—*— 18 Chriſtliche Wunderwerck darauß machen: daß zu fo gottloſen verkehrten Zeiten/ ein ſo from̃er Mann noch zu Jeruſalem ſich ſolle qufgehalten haben/ weil er das Verwunderungs⸗Woͤrtlein Sihe/ feiner Erzehlung läßt vor:|: her gehen. Die Statt Jeruſalem und ihrẽ Policey/ waren zu der Zeit/ da Chriſtus geoohren worden/ in einem ſo verderbten und verkehrten Stand/ daß einer billich auß der Weiſſagung Eſaj r hatte fragen moͤgen: Wie gehet das. die fromme Statt (66 11. zur Zuren wo den iſt? Sie war voll Rechts/ Ges Mank 237, rechtigkeit wohnet darimen/ nun aber Morder. eruſalem war es/ die da todete die Propheten/ und ſteinigte die zu ihro geſandt worden: wie es der HEr: JEſus ihro verwerßlıch vorhelt. So war es Demnach ja ein groß Wunder/ daß noch cin fo heiliger und fromnier Menſch/ wie Simeon/ darinnen r ej. gz. 1.. geweſen. Aber/ Gottes Gedancken find|! 9 ( nicht unſere Gedancken/ und ſeine Wege ſind nicht unſere Wege. Wann wirs offt am wenigſten vermeinen, fo hat GOtt unter dem groͤſten Haͤuffen der Gottloſen/ noch einen heiligen Samen deren/ die ſeinen Namen foͤrchten/ wie er hier Simeon neben anderen from̃en/ als da waren Zacharia und Eliſabeth/ Joſeph./ die H. Jungfrau/ die Prophetin Hannam und vielleicht noch andere mehr in Jeruſalenm gehabt. Wann Elias vermeint/ er ſey allein überbliben von (eg denen die umb den Herren den GOtt Zebaoth geeyfert/ und ſeinen Bund nicht verlaſſen/ ſo zeigt ihm der Erz an: daß er ſieben tauſend wolle laſſen überbleiben in Iſrael/ namlich alle Bnie/ die ſich nicht gebeuget haben für Baal/ und allen Mund/ der ihn nicht gefüffet hat. es — 8 2. Wie er geheiſſen. Und ſihe/ ſagt der Text/ es war ein Menſch zu Jeruſalem/ mit ahmen Simeon. Simeon heiſſet fo viel als einen Sehorſamen/ oder Zoöͤrenden. Daher als Lea dem H. Ertzvatter Jacob ihren zweyten Sohn gebohren/ ſprach fie: Der rierꝛ hat gehoͤret/ daß ich unwerth bin/ und hat mir dieſen auch gegeben/ und hieß ihn Simeon/ das iſt/ Erhoͤrung/ weil GDOtt ihr Gebett und Seufftzen erhoͤret hat. Simeon hatte den Nahmen/ wie wir vernemmen werden/ mit der That. Er war einer/ der auff Gottes Wort fleißig achtung gegeben/ und in Gehorſam gegen GDtt gewendlet hat. Was Geſchlechts und Herkommens aber er geweſen: Ob er von hohem oder nidrigem Stand/ gelehrt oder ungelehrt/ reich oder arm geweſen? uͤberlaſſen wir denen zu entſcheiden/ die da fuͤrgeben: Es ſeye dieſer Si meon auß dem Scammen Levi/ hiemit auß Prieſterlichem Geſchlecht gebürtig/ und ein Sohn/ des heruͤhmten Rabbi Hille/ deß Lehrmeiſters Gamaliels/ wieſen worden/ geweſen. Item es ſeye dieſer Rabbi Hillel von dem Synodo zu Icruſalem/ feiner Ehren entſetzet worden/ weil er beſſere/ und der Schrifft mehr gemaͤſſe Lehren/ von dem damahlen erwarteten Melſia gefuͤhret/ als die übrigen Schrifftgelehrten. Weil aber der H. Geiſt/ weder des Geſchlechts unſers Simeons/ noch feiner Wurde/ Gelehrtheit/ Reichthum/ Macht/ noch anderer ſeiner weltlichen Vorrechten; ſonder allein einer Fromkeit und Gottesforcht Es wird aber von dieſem Heiligen ferner vermeldet.| zu deſſen Fuͤſſen der Apoſtel Paulus im Gefäsz untern,,, Gen a5. 8 10 Chriſtliche tesforcht gedencket, fo ſchlienſen wir darauß. Daß weltliche Voͤrtheil dieſes Lebens/ als da ſind Hoheiten/ Reichthum/ Gelehrtheit/ Schoͤnheit/ Staͤrcke und dergleichen/ bey GOtt in kein Conſideration ober Hochachtung kommen; Frommkeit aber und Act. 10,35. Rom. 3, 20. 23. Rom. 4. 3. Gottes forcht allein/ von ihme gelobt und hoch gehalten werde. Wer ihne forchtet/ und recht thut/ der iſt ihm angenehm. Darum wird auch Simeon uns beſchrieben. 3. Von ſeinen guten Qualitaͤten und Tugenden. Und der ſelbige Menſch/ fast der Text/ war fromm und Gottsforchtig/ und wartete auff den Troſt Iſrael. Es wird von ihme geſagt: Erſtlich daß er Fromm/ oder wie das griechiſche Wort lautet/ gerecht geweſen. Grrecht/ namlich in Evangeliſchem Verſfand. Dann nach dem Se; för iſt kein vſrenſch gerecht. Wir find allzumahl Sünder und manyglen des Ruhnis den wir an Gott haben ſollen. Simeon aber wird gerecht genennt. Weil er an den HErren Metham geglaubt, und feine Zukunfft in die Welt/ durch den Ge ben erwartet. Dann wie von Abraham geſchreeben eth: Abraham habe Gott geglaubt un daft! bite ſeye ihme zugerechnet worden zur Gerechtigkeit. Alſo mögen wir auch . ſagen: Simeon wartet auff den Troſt Iſraels/ und das ward ihme zugerechnet zur Ezerechtigkett. Es wird demnach von ihme auch gemeldck/ daß er ſeine Gerechtigkeit im Werck felffen erwieſen/ weil er nicht nur gerecht/ ſondern Gottsfoͤrcht ig ges nennet wird. Religis oder Gottsfuͤrchtig ft/ nach der Grund⸗Sprach/ ſo viel als einer/ der 9 Forcht GDtt zu erzuͤrnen/ auff alle feine Wege/ Thun und . Laſſen ö XV —————— Leich⸗Predigt. 11 Laſſen gute achtung gibt/ Ott den HErren allezeit vor Augen hat, ſich vor Ubertrettung ſeiner Ge/ botten huͤtet/ und deßwegen feinem Dienſt fleißig abwartet/ auch gegen dem Nebenmenſchen/ ſorgfãltig dasjenige in acht nimmt was recht/ gut und GDOtt wohlgeſallig iſt. Damit er ja nicht etwan GOttes Ungnad und Zorn ſich ſelbſt uͤber den Halß ziehe. In ſolchem Verſtand/ ſagt GOtt der HErꝛ, von Hiob: daß er ſeye ſchlecht und recht/ Gottsfoͤrch⸗ Kiob. 1. 1 tig und meyde Has Böfe. Und auff eine ſolche Gottesforcht berufft ſich ſelbſt der fromme Koͤnig Hißkia/ in ſeiner toͤd lichen Kranckheit/ wann er zu GOtt dem HErren ſricht: Gedencke doch ZRrr/ wie ich E83 für dir gewandlet hab in der Wahrheit/ und habe gethan/ was dir gefallen hat. Daß aber diſes alles/ auß wahrem Glauben herkommen/ lehret der H. Geiſt damit/ daß er furs dritte hinzu ſetzet: Er wartete auff den Troſt Iſrael. Das iſt auff die Erloͤſung/ ſo durch die Zukunfft deß HErren we ſlix Iſrael widerfahren ſolte. Dann fo wurde der HErꝛ Vesſias in dem alten Teſtament/ von den Propheten: und in den Zeiten ſeiner Zukunfft von den Gtaͤubigen des neuen Teſtaments genennt. So, hieß ihn ſchon Lamech/ vor der Suͤndſluß/ da ihm/ in dem zivey hundert und achtz:gſten Jahr ſcines Alters/ ein Sohn gebohren war/, er; Der wird uns troͤſten in unſerer Muhe und Arbeit auff Erden/ die Cen. S 29 der Erz verflucht hat/ und hieß ihn Noah/ das iſt der Troſt oder Troͤſter. Dann ob wohl Lamech/ ſolches von den Beſchwerden und Arbeit ſeines bevorſtehenden Alters/ in welchem ihme dieſer Sohn werde behuͤlflich ſeyn/ mag ver anden haben/ iſt g 2 nie c COriffliche 3 nicht zu zweiten/ daß der Czeiſt G Drres/ der durch ihne geredt/ noch weiter hinauß geſehen und ſagen wollen. Daß wie Noah Gnade bey. SDtt finden/ und(dam r das menſchliche Geſchlecht nicht ganzlich untergehe) der Zorn Czottes in der Suͤndfluß an ih— me auff huren werde/ fa werde er auch ein Fuͤrbild| ſeyn/ auff den HErren Vielſiam in welchem und durch welchen das geiſt liche Iſrael/ wider den Zorn Gottes und ewige Verdamnuß ſoll erhalten/ und alſo getroͤſtet werden. So auch wann es geheiſſen klar ao, i. Troͤſtet tröͤſtet mein Volck/ ſo war es anderſt nichts/ als eine Zubereitung/ guſf die Verheiſſung der Erloͤſung/ fo durch den HErxren Meitiam giſchehen ſolte. Und wann der HErxꝛ werſias, von ſich ſelbſten redt/ kſ. oo, 1. ſagt er: Der Geiſt des gwErren iſt über mir/ drum hat mich der Z Erꝛ geſalbet/ und geſandt die Betruͤbten zu tröffen. Mach 11. 28 Rufſt er zu ſich die da muͤheſelig und beladen find/ daß er fie erquicke und Kuhr ſchaffe für ihre Seelen. Dieſes Troſts Iſrael/ hat Simeon durch den Glauben erwartet. 1. Es wird aber endlich auch au gezeigte von wem er dieſe herꝛlichen Qualitaͤten und ugenden gehabt . Der heilige Geiſt/ ſagt der Text, war in hm. nd ihm war eine Antwort worden von dem Zeil. Geiſt/ er ſolle den Todt nicht ſehen/ er hätte dann zuvor den Chriſt des gürren geſehen. So hat dann der H. Geiſt/ vor der Zukunfft Chriſti/ durch Bekantmachung und Offenbahrung des HErꝛen Mel f fe, beydes deu Glauben/ ſamt der Heiligung und ı Gottesforcht in ihm gewuͤrcket, ihme die Augen des Glaubens eröffnet/ che ſeine leibliche Augen den | Chriſt des w Erren zu ſehen bekommen. Dann ohne den men/ darum daß geſchrieben ſtehet: Mur der wereich ⸗Predigt. 3 den Heil. Geiſt hatte er eine ſo hohe Staffel der Gerechtigkeit· Fronikeit und Gottſcligkeit nicht erreichet. Wir ſind nicht tůͤchtig von uns ſelber/ als von uns ſelber etwas Gutes zu gedencken/ ſonder daß wir tuchtig ſind/ iſt von G6Htt. Auß dieſer Beſchreibung der Perſohn Simeonis lehrnen wir. Wie diejenigen heilig leben muͤſſen/ die nach ſeinem Exempel ſelig zu ſterben verlangen. Vor allen Dingen muͤſſen wir der Gerechtigkeit des Glaubens nachſtreben: uns bearbeiten/ daß wir nicht in uns ſelbſten/ ſondern in Chriſto fir erfunden werden/ daß wir nicht haben unſere Gerechtigkeit/ die auß dem Geſaͤtz/ ſondern die durch den Glauben an Chriſtum kommt/ nemlich die Gerechtigkeit/ die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Und daß eine ſolche Gerechtigkeit des Glaubens in uns ſeye/ muͤſſen wir hernach mit den Wer: cken der Gerechtigkeit/ vor den Menſchen/ und gegen unſerem Naͤchſten erweiſen/ der Auffrichtigkeit uns befleiſſen/ einem jedwederen das Seine laſſen zukom. Car. 3.35. kbil. z. 9. pſal. 15, 1. de wohnen in des Zrren guͤtten/ und bleiben auff ſeinem heiligen Berge/ der ohne Wandel einher gehet und recht thut. Der den Seerren forchtet/ und troſſen Luſt hat zu feinen Gehotten/ der werde eWwinlich bleiben: und des Gerechten werde nimmer; mehr vergeſſen. Es muß aber auch über das die Gottesforcht in all unſerem n und Laſſen herfuͤr leuchten/ ſo daß wir nicht nur den offentlichen und beſonderen Gottes dienſt uns laſſen befohlen ſeyn/ ſonder auch in allem unſerem uͤbrigen lun gig und Wandel dein, 3. a r ſal. 112.1, o 7E. 1, 2 Heb 9. 28. 2. T im. 4.8. Car. 12, 3. Num. 20, 11. denen die auff ihn warten zur Seligkeit: und mit der 14 Chriſtſiche a daß wir GDtt forchten/ das Gewiſſen nicht wiſſentlich und vorſetzlich verletzen/ und uns ſorgfaͤltig huͤten/ daß unſer Gottes dienſt nicht Jeucheley ſey/ und wir ihm ja nicht dienen mit falſchem gertzen. Wie der. Simeon fuͤrbaß/ auff die erſte Zukunfft Chriſti in das Fleiſch mit ſehnlichem und glaͤubigem Verlangen gewartet/ fo muͤſſen wir auch mit heiligem Verlangen warten/ auff die zweyte Zukunfft JEſu Chriſti zum Gericht. So daß wir uns auff dieſelbige allezeit bereit halten/ ja uns freuen/ darum daß er alßdann/ zu unſerer voͤlltgen Erloͤſung/ zum anderen mahl erſcheinen wird ohne Simde/| Kron der Gerechtigkeit/ welche er der gerechte Richter geben wird allen denen/ die ſeine Erſcheinung lieb haben. Weil wir aber dieſes alles fo wenig/ als der from:| me Simeon/ von uns ſelbſt und durch uns ſelbſt erlangen konnen/ ſondern der Beywohnung/ Erleuchtung| und Huͤlff des H. Geiſtes dazu hauptſaͤchlich vonnoͤthen haben. Ja weil niemand J ſum einen S Erren nennen kan/ ohne durch den J. Geiſt. So muͤſſen wir bey GOtt/ auff das aller ernſtiichſte und eyfferigſte/ uni die Gnad und Beyſtand feines Heil. eiſtes anhalten. Von Moſe leſen wir/ daß als er mit ſeinem Stab den Felſen geſchlagen/ habe er ſo viel Waſſer herauß gebracht/ das die gantze Ge| meine trincken konnen/ und ihr Vieh. Das Gebaͤtt der Glaͤubigen iſt der Stab/ damit ſie den Felſen des Deyls ſchlagen/ daß fie die Gnaden⸗Waſſer des H. Geiſtes zuwegen bringen. Dann ſo ſagt Chriſtuͤs Aue. m3. der HErz: So ihr/ die ihr arg ſeyt/ koͤnnet eueren Rindern D G—————— ö— ö. — ——* , Leich⸗Predigt. Rinderen gute Gaben geben/ vielmehr wird mein Vatter im Simmel den heiligen Geiſt geben, denen die ihn darum bitten. So laſſet uus dann eyfferig mit König David anhalten: r: lehre mich ihun nach deinem Wohltefallen/ dann du biſt mein SGtt/ dein guter Geiſt führe mich auf ebener Bahn. Und ſo Haben wir bißher Simeons lobwuͤrdigen Lebens-⸗ Windel/ auß der Beſchreibung feiner Perſohn erſehrn fo: men. II. Es erhellet aber auch derſelbige/ auß der Erzehlnng ferner Thaten und Verrichtungen. Dann von ihme ruͤhmt der H. Geiſt/ ſonderlich drey Stuck. Daß er den offentlichen Gottesdienſt beſucht. 6. Das Kindlein IEſum auff feine Arm genommen.. Sit gelobt und geprieſen habe. *. Erſtlich laßt ſich Simeon den offentlichen Gottesdienſt angelegen ſeyn. Er kam/ ſagt der Text/ auß Anretuntz des Geiſtes in den Cempel. Der H. Geiſt hat ihm. gemacht: Er ſolte den Tod nicht ſehen/ er hatte dann zuvor den Chriſt des Zærren geſchen. Danut er aber deſſen vor abr Weit Zeugnuß geben mochte/ fo verleitet ihn ver H. Geiſt zu dem Tempel/ da der neugebohrene Heyland zu ſchen und anzutreſſen war. Er kam auß Anregung des Geiſtes in den Tempel/ da die Elteren/ JYEſinn in den Tempel brachten/ daß fie für ihn thaͤten/ wie man pflegte nach dem Geſetz. Was das geweſen/ wird in vorhergehenden Worten erzehlet/ nemlich: Daß ſie ihn haben als den Erſtgebohrenen, GStt dem HErren darſtellen/ und das gewohnliche Opffer fuͤr ihne opfferen wollen. Da köm̃t nun Simeon/ auß Trieb des Geiſtes/ auch o ſal 3. 10 in den Tempel. Der 16 Chriſtliche Der H. Geiſt iſt nicht müßig. In welchen er fein Werck angefangen/ die treibet er auch und be: | — wegt ſie/ daß fie das angefangene Werck fortſetzen unb wollenden. Simeon und Meſſias kommen auff eine Zeit zu dem Tempel: Der einte auff menſchlichen Armen getragen/ der andere aber/ getrieben durch den H. Geiſt. Der einte/ daß er GStt dargeſtenet werde/ als der Erſtgebohrene Mariæ. Der andere j aber/ daß er ihne erkenne und goͤttlich verehre/ als; den Eingebohrenen vom Vatter/ den Gott aufgerich⸗| Lub 1,69. tet hat zu einem Zorn des geyls/ in dem Haufe ſei⸗| nes Dieners David. Daſelbſt in dem Tempel fin⸗. det er die Erfuͤllung der Goͤttlichen Verheiſſung/ den verſprochenen Meifiam. Und weil er nicht nur leibliche/ ſondern auch geiſtliche Augen hatte/ Au⸗| ö gen wie der großglaͤubige Ertzvatter Abraham, der!; Joh. s, cs. dald zwey tauſend Jahr zuvor dieſe Tage des Särren Meiſiæ geſehen/ fo zeiget ihm jez der Heil. Geiſt N den HErreñ Melliam, gleichſam mit Fimgeren/ daß, er ihn wuͤrcklich kennet.. 8. Und ehe diß Kind einmahl von dein Prie⸗| ſter Ott dargeſtellet wird/ ſo nimmt S won daſ⸗ ö hig Cob von der Elteren/ oder verm. mhlich von It en Armen des Prieſters wird nicht gemeldet) t ſchleußts in ſeine Arm/ druckts an ſeine Bruſt und.| | bezeuget Damit feine hertzinnigliche Freude und Lie⸗| be zu dieſem Heyland. Er trägt auff feinen Armen. Heb.z, 3. den/ der alles trägt durch ſein allmachtiges Wort.. Er traͤgt denjenigen/ als ein neu gebohren Kind/ der ran s.. doch iſt der Vatter von Ewigkeit. Und wie etwan ein| irꝛdiſcher Vatter fein Kind/ das ihme zur Welt ge⸗| N| bobren wird/ vor Freude und Liebe hertzet. Ja wie l ——— h ita. R ſer gab zu erkennen/ wie ſehr dieſe nad und Gut—— Th pee N 339 L eich⸗Predigt. Chriſtus der S Erꝛ ſelber etrwo amm die Kindlein/ ſo zu fee. 10 ihm gebracht worden/ auff feine Arm genommen fie gchertzet/ die Zande auff fie gelegt und fie geſegnet? So bezeuget hiemit Simeon ſeine groſſe Liebe und Freud? daß er den mit leiblichen Augen jetz ſehen ſoll⸗ den Abraham nur von ferne geſehen/ und or.. 36. doch ſich tzzefreuet/ den viel Propheten und Gerechte zu ſcheñ begehrt/ und doch nicht geſehen. Simeon iſt voller Freuden: daß er den auff ſeinen Armen tragen kan/ der ihn bißher getragen durch feine Fürs cla 6. ſehnng/ biß in fo hohes Alter: daß er den an ſeine Bruſt trucken kan/ den er bereits ſchon lang zuvor in ſein Hertz gefaſſet. Ja Simeon zeigt damit/ daß er dieſen Heyland ſich ſelbſt eigenthumlich zueigne/ als wäre er ſein eigener Heyland, ſein eigener MeſGas, Scligmacher und Erloſer. Und das thut Simeon nicht heimlich/ oder in einem Winckel des Tempels/ ſonder offentlich vor allen. Jederman ſoll ſehen und hoͤren, was er da redt und thut. Daher wird auch als fuͤr das dritte geſagt: .Er lobete& Ott und ſprach: namlich ſo/ daß es jederman Hören konte, Er lobete&Ott/ das iſ that Gottes ſein Hertz ber. ihre/ wie vernuͤgt ſeine Seele ſeye/ wie er nun alles hape was er in der weifen Welt hätte wuͤnſchen können. Er lobete G6 Ott. Er verkundiget ſeine Trigenden, und preiſet ſeine 1. Str: Gnad. Er ruͤhmet Gottes Weißheit/ daß da im Himmel und auff Erden tein Mittel geweſen/ uns nit GOtt zu verſonen/ GDit ſelbſten darinn ſeimacht · Allgenugſamkeit/ Gerechtigkeit und WahrC| heit/ ——r————— ne Weſßhelt geoffenbahret. Er erhebt Gottes All 18 Ehriffliche heit die er durch dieſe Sendung feines Sohns der Welt bekannt gemacht. Daruber gibt er GDtt die Ehre/ und dancket ſeinem allerheiligſten Nahmen. Ja er lobete GDtt ins beſondere auch darum/ daß er ihm bißher ſein Leben gefriſtet/ und die ſeligen Zeiten erleben laſſen/ den gebenedeyten WeibesSaamen/ der der alten Schlangen den Bopff zerP. i. tretten ſoll/ in welchem alle Geſchlechter der Erden ſollen geſegnet werden/ anzuſchauen. Uns allen abermahl zur Nachfolg/ daß wann wir dermahlen eins/ wie Simeon/ ſelig von hinnen ſcheiden wollen/ wir auch dahin trachten/ daß wir nach ſeinem Exempel/ auß Trieb und Anregen des H. Geiſtes, den Tempel Gottes fleißig beſuchen/ dem offentlichen Gottesdienſt andaͤchtig beywohnen: und weil wir auch da in der Predigt/ den neugebohrenen Heyland IJEſum antreffen/ wir denſelben mit hertzlicher Begird und Freude auf die Arm unſers Glaubens nemmen/ an unſer Hertz trucken/ uns ſelbſt zueigen apbliciren/ uñ mit dem AWpoſtel ſagen ſollen. Der ler, Sohn Gottes hat mich geliebet/ und ſich ſelbſt fur ———— Zen 3, 15. trachten/ daß Chriſtus in uns wohne und wir in ihm. Daß wir auch Darüber mit Sfmeon/ mit der H. Jungfrau Mira und mit dem frommen Prieſter Zacharia, un ſere Seele den Erren zu erheben/ und unſern Geiſt/ in dem Gott unſerem Jeyland ſich zu erfreuen/ auffmunteren und fagen ſollen: Gelobet ſey der Et/ der ¶ Ott Iſr ael/ dann er hat beſucht und erloſtt fein Volck/ und hat uns aufftfer ichtet ein FZorn des JZeyls/ in dem auſe(eines Vieners Da: vid/ als er vor Zeiten geredt hat/ durch den Mund ſeiner ———— i116 n. ö | Cnc., a7, 0 69. 70. mich dargegeben. Und alſo durch den Glauben 1 Ki Predigt | feiner 5. Propheten. Und ſo viel ſeye geredt von Simeons lobwurdigem Lebens⸗Wandel. Von dem Anderen. W Etreffend als für das andere/ Gottes gnaSD men Simeons lobwurdigen Lebenswanö M* del erfel gt/ ſo ſagen zwar die Gottloſen Epicureer bey Dem Propheten Malachia: Es ſeye umſoꝛnſt daß man G Ott diene/ und habe keinen MuBen/ daß man ſeine Gebott halte. Daß aber ſolches Gottslaͤſterlich' Reden ſeyen/ und ſie daran liegen/ erweiſet die dreyfache Gnad/ die GDtt dem frommen Simeon widerfahren laſſen/ und mit deren er feine Gottſeligkeit auß Gnaden belohnet und gekroͤnet hat. %. Erſtlich hat ihme GOrft eine Antwort/ daß iſt eine Goͤttliche Offenhahrung widerfahren laſſen. Daß er den Tod nicht werde ſehen/ er hätte dann den Chriſt des WErren geſehen. Fuͤrwar eine ungemeine/ eine uͤberauß groſſe Gnad, deren viel Propheten und Gerechten/ ja alle Glaͤubigen des Alten Teſtaments theilhafftig zu werden gewuͤnſchet/ und doch nicht erlanget haben! Was haͤtte doch dem frommen Simeon,(der in der weiten Welt nichts mehr als dieſe Gnad verlangt“) erfreulichers und lie| bers widerfahren koͤnnen/ als daß er noch vor feinem Todt den HErxren Meſſiam, den gebenedeyten Wei— ——————— nung Iſraels mit Augen zu ſehen erlanget?| Zweiffels ohn hat*r from̃e Simeon die Weiſ2 ſagun30 SE denreiche Belohnung/ fo auff des ſtomSE Mal. 3, 14 bes Samen/ der Heyden Troſt/ und die einige Hoff⸗ Fass 2 Eſaj. 7,14. et. 3. 5,6. Valm.148.19 Fſal. H. 4. al n. 12. 2 ſch. . 54. 8 EſaL. 33,. , Ebriffüche_ ſa zungen der Proph eten/ von der Geburt und Menſchwerdung des SErren(daß zum Exempel eine Jun frau ſoll ſchoanger werden/ und einen Sohn gebõhren: daß S Oſt dem Dar id ein gerechtes Gewachs erwecken wolle/ der ein Bonig ſeyn/ wohl regieren Recht und Gerechtigkeit auff Erden anrichten/ und durch den Juda ſolle geholffen werden und Iſt ael ſ ſicher wohnen!) fleißig geleſen/ denſelben in Der Forcht Gottes nachgedacht/ und 8 Dit um Erleuchtung ſeines Heil. Geiſtes/ ſolche recht zufaſſen/ angerufen. Darum widerfaͤhrt ihme jetz eine Antwort von GDOtt. Daß er den Tod nicht . werde/ er hätte dann den Ehriſt des 5 Erren eſchen. Alſo thut der HErz/ was die Gottsfoͤrchtigen begehren. Wann ſie in ihrer Traurigkeit und Angſt zu ihm ruffen; Ach du SErꝛ Wie ſo lang? wie lan wilt du mein ſo gar vergeſſen? wie lang verbir geſ du dein Antlitz für mir? So laßt ihnen der HE eine Antwort wider fahren:: Ban auch ein Mutter ihres Rinds vergeſſen/ daß fie ſich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibs? Und ob fie deſſelben vergeſſe/ ſo will ich doch dein nicht vergeſſen. Ich hab mein Angeſicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen/ aber mit ewiger Gnad will ich mich dein erbarmen/ ſpricht der Ser dein Erloſer. Wann fie auß Erkantnuß ihrer Sünden den Laſt des Zorn Gottes fuͤhlen/ und zu GT T ſchreyen: Meine Sünden gehen mir über mein Zaußpt/ wie eine ſchwere Laſt ſind ſie mir zu ſchwer worden. So laßt ihnen Ott eine Antwort widerfahren/ ſpricht ihnen mit den Worten des HE W — eich⸗ Predigt" 21 ren Chriſti zu: Sey getroſt mein Sohn/ ſey getroſt meine Tochter/ dir find deine Simden ver geben. Ruffen ſte in Nöthen und Gefahren/ nit den Junges ren Ehrlſti: Err hilff uns wir verderben! So iſt die Ant wort vorhanden: Yorchte dich nicht dann ich hab dich er: oſet/ ich hab dich hey deinem Namen rufen/ du biſt mein. Dann fo du durchs Waſfer geheſt/ will ich bey dir ſeyn/ daß dich die Stroͤme nicht ſollen erſauffen. Und ſo du ins Feur geheſt/ ſolt du nicht brennen/ und die Flamne ſoll dich nicht anzumden. In dem Todt ſeloſten/ wann fie mit dem bußfertigen Schaͤcher ſchreyen: er edenck an mich/ wann du in dein Reich kommeſt. So antwortet Chriſtus der HErꝛ: Wahrlich ich ſage dir/ heut wirſt du mit mir im Paradyß ſeyn. Und wann gleich GOtt nicht mit thaͤtlicher De erſcheinet/ verſichert er fie doch durch ſeinen Heil. Geiſt/ daß er getreu ſey/ fie nicht über ihr Vermogen laſſe verſuẽhet werden/ ſondern mache/ daß ie Verſuchunnz ſo ein End gewinne/ daß fie es Fön: nen ertragen. Und daß denen die& Ott liehen alle Ding zum beſten dienen. Und das iſt die erſte Gnadenbelohnung/ ſo dem frommen Simeon auff ſeinen ſobwuͤrdigen Lebens⸗Wandel von GOtt widerfahren. 2. GDtt der HEN thut ihm ferner auch dieſe Gnad/ daß er ihne den HErren Mesſiam wuͤrcklich mit Augen ſehrn und auff feinen Armen tragen laͤßt. Er kan? in den Tempel/ da die Elteren das Rind Jeſum in den Tempel brachten/ da nahm er ihn auff ſeine Arm/ und lobete GHtt. Auſſer Zweiffel unter anderm auch daruͤber/ daß hm die Gnad den HEr8 3 ren VUatih. 9.2 4 latth. 8. 25 Eẽſaj · 47. 1,:. Luc. 23. 42. 43. 1. Cot. 10, iz Rom. 228. —— r iich Actor. 4, 12. Heb. 11, 1. Joh. 20. 29. ren Meffiam zu ſehen widerfahren/ welchen er fur den Zeyland/ eſliã oder das zeyl Gottes/ wie ſeine Wort eigentlich lauten erkennt und geglaubt hat. Simeon haltet JEſum nicht allein für den Heyland/ ſonder fur das Heyl Gottes ſelbſten; weil fen Geburt und Menſchwerdung/ fein Leben und Wandel ⸗ fein Leiden und Todt, ſeine Aufferſtehung und Himelfayrt | die einige Urſach unſers Heyls/ unſerer Verſ hnung mit zOtt/ und des ewigen Lebens werden iſt/ und ſonſt in keinem anderen das Heyl/ auch kein Nahm den enſchen unter dem Sinnnel gegeben/ darinnen wir ſollen ſelig werden. So muß dann das nicht eine geringe e diefen, Gol tes gewefen ſeyn/ daß ihm GOtt nicht allein vie Verhei, jung ethan/ daß er den weſſiam ſehen verde; ſondern Seijelben ihn auch wuͤrcklich ſchen langen. Wir/ Geliebte Gottes /koͤnnen uns ziwar dieſer Gluͤckſeligkeit/ daß wir Chriſtum in die ſen Eeken/ mit leiblichen Augen ſehen werden/ nicht gerroſten. Indeſſen widerfahret doch allen denen/ die in des frommen Simeons Fußſtapffen zu tretten ſich befteiſſen/ eben dieſe Gnade geiſtlicher Weiſe. Unſere Augen ſehen den Jeyland Gottes. Er ſtehet vor uns/ in ſeinem Evangelio/ und in den H. Sacramenten. Wir fehen ihn mit den Augen unſers Glaubens/ wann wir ihn re hn ft gr unſcren Heyland erkennen und annehmen. So iſt unſer Glaub eine gewiſſe Zuverſicht/ und Uberweiſung deſſen/ das man nicht ſihet. Solch ſehen ruͤhmet Chriſtus wann er ſagt: Selig ſind die nicht ſchen und doch glauben. Und darum ſagt Petrus/ zu den außerwehlten Fremdlingen: Sie haben J Eſum nicht geſehen und doch geliebet/ —————— w— Q— Q ——— ———“ 7 77 r. . tin. n 16 niit cht Ing m frommer Menſch/ ein David/ ein Hißkias/ und anin, ü liebet/ und nun fie an ihn ulauben/ wiewol fie ihn nicht{chen/ ſo werden fie ſich doch freuen mit unaußſprechnhcher Freude. Ja dieſes ſehen durch den Glauben iſt niehr/ ais Simeons ſehen mit den Augen. Simeon ſihet ihn nur/ als ein ſchwaches Kindlein/ wir ſehen ihn an als den ſtarcken Löwen auß dem Stammen Juda. Simeon ſihet ihn nur in feiner Geburt/ wir ſehen ihn wie er bereits das . Gnadenwerck unſerer Erloͤſung vollbracht. imeon ſihet ihn nur/ wie er im Tempel fuͤrgeſtellet wird: Wir ſehen ihn wie er ſein Opffer/ in dem inwendigen des himmliſchen Heiligthums/ GDtt ſeinem Vatter fuͤrſtellet/ und troͤſten uns deſſen/ daß wir ihn dermahlen eins daſelbſt antreffen/ vor dem Stuhl Gottes ſtehen/ ihme Tag und Nacht in ſeinem Tempel dienen werden/ uñd daß der/ der auf dem Stuhl ſitzet ber uns wohnen wird. 3. uff dieſes Schauen des Kindleins IEſu erlanget Simeon zur Belohnung feiner Frommkeit auch die dritte Gnad von GOtt/ nemlich daß alle Forcht des Tods von ihm weichen und hingegen ein freudiges Erwarten und Verlangen des Tods in feinem Hertzen entſtehen muß. Hun 8 Erz/ ſpricht er/ kaſſeſt du deinen Diener im Friede fahren/ wie du geſagt haſt. Dann meine Augen haben deinen Zeyland geſehen. Der Todt ſſt ſonſten an ſich ſelbſt und feiner Natur nach/ wie riſtoteles ihne nennet: Terribilium terribilisſimum, unter allen ſchroͤcklichen Dingen das ſchroͤcklichſte. Ein Wuͤrmlein kruͤmmet ſich/ wann es erben muß/ kein Wunder dann/ wann ein Menſch/ auch ein dere t. Fet. 1, 8. Apoc. 5, 5. Apoc. 7, 15. 24 Ehriftliche| dere mehr/ vor dem Tod ſich entſetzen. So muß es dann wohl eine beſondere Gnad Gottes ſeyn/ wann einem die Bitterkeit des Todts verſuͤßt/ und die Forcht deſſelbigen in ein freudiges Erwarten/ und Verlangen nach dem Todt verwandlet wird. Dieſe Gnad aber widerfahret nur denen/ die den neugen en. Heyland JEſum Chriſtum kennen/ nit en Augen und Armen des Glaubens faſſen, und in ihr Hertz trucken/ welche eine heilige Weyhnacht(sa Freud/ uber der Menſchwerdung des Sohns Gottes/ in ihrer Seelen fühlen. Obwohlen etwan auch ein tollkühner Agag/ ein roher oder ruchloſer Soldat ſich anſtellet/ als wolte er deß Todes Bittercor s a6 keit vertreiben/ und die Ankunfft dieſes letſten Feindes mit Freuden erwarten/ ſo iſt es doch ein lediges Spiegelfechten/ ein eyteles Gepral/ wo er nicht den neugebohrenen Heyland IEſum/(der dem Todt ein Gifft/ und der Holl ein Peſtilentz worden) mit ſich auff ſeinen Glaͤubens-Armen/ und in ſeinem Hertzen trägt. Weil Simeon Gottes Verheiſſung in feinen Hertzen bewahret/ und feine Hoffnung daſrauf geſctzt hat/(maſſen es bey ihme geheiſſen; | Hos. 12 14. Laß mich im Frieden fahren/ wie du geſant haſt.· Weil er die Erſuͤllung Gottlicher Verheiſſung/ ſo bald er des Kindleins JEſu anſichtig worden/ feſtiglich geglaubt/ auch ſolche durch den Glauben angenommen und dieſes Zeyl Gottes oder diſen Zeyland ſeinem Hertzen applıcırk und zugeeignet hat/ iſt er jetz bereit und willig zu ſterben/ wann GðOtt will. Mahnet uns nicht ünbillich an den H. Ertz⸗Vatter Jacob/ bey welchem(als er feinen Sohn Joſeph/ den er viel lange Jahr fuͤr verlohren geſchaͤtzt/ TO i wa. w weiſen ſoltẽ. Daß außtung g hult/ der Verdruß wegen ——— N——— Ceich⸗Preditzt. 25 lich in feinem hohen Alter wider zu ſehen bekomen) es auch geheiſſen: Ich will nun gern ſterben/ nach dem ich dein Angeſicht geſehen hab. So heißt es bey Simeon und allen glaͤubigen Kinderen Gottes/ nachdem fie ihren Jẽſum /in ſeinem Wort und Heil. Sacramenten geſehen haben: Mun/ nun Seer: laſſeſt du deinen Dlener/ deine Dienerin im Friede fahren/ wie du geſagt haſt: dann meine Augen haben deinen FZeyland geſehen. Wir haͤtten hier von unterſchiedlichen Sachen zu reden/ wann es die Zeit wurde zugeben. Wir ſolten da erinneren Erſtlich. Daß wir zwar dem HErren nichts vorſchreiben/ aber auch mit GOtt dem HErren nicht marckten/ oder zuruck ſehen/ ſonder auff die Stund und Augenblick bereitwillig uns ſollen erfinden laſſen/ und länger zu leben nicht begehren/ wann wir vermercken/ daß es an dem/ daß GDtt mit uns außſpannen/ und uns auß dieſem Leben abforderen will: weil Simeon in dem Hun und Augenblick bereit iſt/ dem HErren zu folgen/ in welchem er feinen Willen erkennt hat: grad eben wie auch der Apoſtel Paulus/ da er vermerckt/ daß die Zeit feines Abſcheids vorhanden. 2. Lim. 4/ 6. Und daß wir derowegen alle Augenblick zum Todt ſollen bereit ſeyn/ weil der Todt gewiß/ Zeit/ Ort/ und Gattung des Tods aber ungewiß. Wir haͤtten ferners auch die Frag zu beantworten: Ob einem Chriſten in einigem Fahl erlaubt ſeye/ ſich ſelbſten den Todt zu wunſchen? weil Simeon ſolchen wuͤnſchet in unſerem Text/ oder zum wenigſten begierig geweſen zu ſterben. Da wir dañ mit mehrerem erde Gen. 46,. 847 848 1. Reg. 19, Jon. 4,2. Fhil. 1.27. ——— ——— 7 26 hri i lich der Beſch vaͤrlichkeit des Berus/ oder andern Wierwertigketten diſes Lebenz ſolches gantz unerlaubt. ind das jene zween Propheten Elias und Jonas/ nit ihrer ſündiichen Schwachheit/ uns nicht zur Na hfolg dienen ſollen; da jener wegen immerivehrender Verfolgung der gottloſen Jeſabel gegen Gott ich vernemen laſſen. Es iſt genug. So nimm nun Erz meine Seele/ ich bin nicht beſſer/ dann meine Vatter; dieſer aber/ weil Ott über die zu Ninive/ auff ihre Buß/ daß durch ihne angedreute Gericht nicht kommen laſſen zu GOtt dem HErren ges ſagt: So niñ doch nun H Erꝛ meine Seele von mir/ dañ ich wolte lieber todt ſeyn dann leben. Wañ aber das Verlangen nach dem Todt herkom̃t/ auß Hoffnung und Liebe zu einem beſſeren Leben/ und daß man feinen Gott nicht mehr mit Sünden möchte erzuͤrnen: So iſt wohl erlaubt mit Simeon und Paulo wimſchen auffgeloſet zu werden/ und bey Chriſto zu ſeyn. Über das ſolten wir erweiſen/ daß em Menſch der keine Erkantnuß oder Bericht hat auß Gottes Wort/ weder in der Stund des Tods ſatten Troſt haben/ noch zu dem Todt ttebuͤrlich ſich bereiten konne. Weil Simons Begierde nach einer ſeeligen Hinfahrt nicht auß irgend einem fletſchlichen Mißgenuͤgen/ daß er etwan alt geweſen/ und kei Freud mehr in weltlichen Sachen finden können; ſondern allein auß dem Wort der gottlichẽ Verheiſſung/ daß er den Todt nicht ſehen werde/ er hätte dann zuvor den Chriſt des Z Erren geſehen/ entſtanden iſt. Gottes Wort allein kan uns getroſt machen in dem Todt/ auch recht zu bereiten zu dem Todt. Endlich ſolten wir auch zeigen/ daß Chri. ſtum 849 . Seich-Dredirf. 27 = ſtum JEſum mit den Augen und Armen des Geau6 bens ſchauen und, das Fundament ſeye alö ler Seligkeit/ beydes im Leben und im Sterben. Weil 7 Simeon nur darum bißher gern gelebt/ daß er den n Heyland ſehen/ und auff ſeine Arm nemmen moͤch1 te: nunmehr aber/ nachdem er ſolches erlebt/ mit Freud den ſterben will. Weilen aber die Zeit/ ſolche Puncten nach Wurde außzufuͤhren/ nicht mehr geſtatten wurde/ ſo ſoll e's uns genug ſeyn/ wann wir zu unſeren aller/ ſonderlich aber aniveſender Traurenden Troſt/ nachfolgende zween Lehr⸗Puncten uns zu Nutz machen.. 3; Erſtlich. Daß ein fromer Menſch/ der Gott von — auffrichtigem Hertzen gedient hat/ eine rechte Ver⸗; ) nügung oder Zufriedenheit in dem Todt finde. Dañ e. obwohl der Todt der Natur zuwider/ fo ſtaͤrckt doch a GOtt die fo ihm dienen/ verſicheret fie feines Frieö. dens/ daß er mit ihnen verſehnt/ und ihnen ihre Sünden vergeben ſeyen: daß fie fo zureden der Bitö terkeit des Tods vergeſſen/ ohne Forcht und Schren cken des Tods/ nicht nur bereit, ſonder auch begieit rig werden zu ſterben. Sonſt hatte es bey Simeon 4) nicht geheiſſen: SwErꝛ nun laſſeſt du deinen Diener 1. im Friede fahren. Paulus(nad) dem er in Betrachm tung/ daß er bey der Kirchen Gottes; groſ1 ſen Nutzen ſchaffen koͤnne/ mit ſich ſelbſt geſtritten, u und nicht gewußt/ welches er erwehlen ſolle/ weil on ihme behdẽs hart angelegen geweſen) waͤre nicht zu Aw dem Entſchluß kommen/ daß er geſagt haͤtte: Er run.. . habe Luſt abzuſcheiden/ und bey Chriſto zu ſeyn/ x welches ihme viel beſſer fepe wann er nicht wahr. haffte Vernuͤgung in den ott gehoffet hatte, un 2 ie 2.Cor 5.ꝛ. c. Eec./ 2 Rom. 7.24. fal. 120.5. ———— | 28 Chriſtliche die ſamtlichen Gläubigen konten nicht mit Paulo agen: Wir ſehnen uns nach nnſerer Beha ſunn/ die von Simmel iſt/ und uns verlanget/ daß wir damit überkleidet werden. Und widerum: Wir haben vielmehr Luſt auſſer dem Leib zu wallen/ und daheim zu ſeyn bey dem S krren. Das Fündanmment aber dieſer Begierd iſt erſtlich: Daß ſie mit Salomon feſtiglich glauben und er: kennen: Der Tag des Tods ſeye beſſer/ ass der Tag der Geburt. Sie wiſſen daß der Tag des Tods donen die GDOtt in ihrem Leben gedient haben/ die Befreyung von allem Elend/ und die Beſitzung ewig waͤhrender Seligkeit zu wegen bringt. In dieſem Leben ſind auch die Froͤmſten allerhand ingemach und Truͤbſalen/ als Verlurſt der Guͤter/ des Anſehens, der Freunden, der Geſundheit ze. unterworffen. Ihre ſuͤndliche Verderbnuß und dero Fruͤchten/ als Unglaub/ Unwiſſenheit/ Eigenliebe/ Mißtrauen/ unordenliche Affecten und Begierden: Item des Sat ans Backenſtreich ſchwere Anfechtungen/ und daß ſie aller Orthen unter den Gottloſen wohnen muͤſſen/ geben ihnen viel zu ſchaffen/ daß ſie offt ſeuffBen: Ach ich elender Menſch! Und auß dem Pſalmen: Wehe mir/ der ich ein Fremdling bin in Meſech/ und wohnen muß in den Zütten Kedar. In dem Todt aber werden ſie von allem dieſem Eicnd befreyt. Hingegen aber gelangen ſie durch den Todt zum Leben, in die ewige Freud und Herꝛlichkeit. Wer— deu gleich ihre Leiber ın die Erde verſcharret/ ſo komt doch die Seele, ſo bald fie von dem Leib ſcheidet, zu G Ott ihrem Schoͤpffer/ Erloͤſer und Heilignricher zu den Geiſteren der vollkom̃enen Gerechte 881 . K eich ⸗ Predittt. 29 le. ten die in Zim nei angeſchrieben find, Ja Sie wird fed. n. 3. 1. von den Eriglen getragen in die Schoß Abrahams|. r daß fie da ewig getroſtet werde. Zur Zeit der Of2. fenbahrung aber JEſu Chriſti ihres Heylands/ wird id auch der Leib widerum auß der Erden aufferwecket/ mit der Seelen vereiniget/ und zu gleicher Herꝛlichſ⸗ keit erhaben werden. t. Sie wiſſen demnach auch das rechte Kunſtſtuͤck/ n, des Todes Bitterkeit zu vertreiben/ ſo daß es kein 6 Wunder/ wann ſie denſelben mit Freuden erwarten/ . ja begehren. Sie koͤnnen und wiſſen den Baum iz des Lebens/ den man in die bitteren Todes⸗Waſſer — werffen muß/ ihre Bitterkeit zu vertreiben/ wie Mo1 fe mit dem Baum/ den ihm S Ott gezeiget/ die bit⸗ xo. iz. s . teren Waſſer Mara ſuß gemacht/ daß man fie Na trincken konte. Sie nehmen mit Simeon den Heya land JEſum/ der dem Todt ein Gifft/ und der ZÖL| no nz 14 A len ein Peſtilentz worden/ auf ihre Glaubens⸗Arm. . Sie ſuchen durch den Glauben/ die Vergebung ihrer *. Suͤnden/ in ſeinen theuren Verdienſten/ der unge. zweiffelten en n: daß wie die Brüder Joſeph/ 3 als ſie auff ſein Befelch/ ihren unn Bruder BenJ. jamin mit ſich gebracht/ von dem Koͤniglichen StattMi halter freundlich empfangen worden: Sie alſo auch * bey GOtt Gnad finden/ ja GOtt ſchauen werden/ *. und zwar nicht nur wie Moſe von hinden her/ ſon⸗ sos 33.20. . der von Angeſicht zu Angeſicht.. . Sagſt du: Es iſt aber gleichwohl der Todt der 5 Simden Sold/ wie er von Paulo genennt wird. . Der letſte Feind den wir zu beſtreiten haben. Wer Row.. 3 “ ſolte ſich dann nicht mehr vor dem Tod entſetzen/ als. 6. nach demſelben verlangen? Antw. Seiner Natur nm 4 2O 3. nach 395 Chriſtliche nach/ nnd an ſich ſelbſten/ iſt der Todt der Suͤnden Sold; aber wie er durch Chriſtum verwandlet worden/ iſt er nicht mehr ein Straff der Suͤnden/ ſonder vielmehr eine ſelige Straß/ ein offene Thuͤr zum Leben: ein Außgang auß der Welt in den Himmel. Darum betrachten die Frommen den Todt nicht, wie er an ſich ſelbſt/ feiner Natur nach beſchaffen/ ſonder wie ihme durch Chriſtum der Stachel/ das Gifft benomen worden. Und ſo kommt er ihnen nicht foͤrchterlich/ ſonder gantz anderſt vor. Sagſt du ferner: Es findet ſich gleichwohl auch bey den meiſten Gottes Kinderen ein Forcht des Tods/ und ein Begierde zu leben: und iſt ſchwaͤrlich einer unter uns/ der ſich nicht um etwas vor dem Tod entſetzen ſolte/ wann er gleich den Glauben und Hoffnung zu GOtt hat.. Antw. Bey einem jeden Chriſten finden ſich zwey Stuck/ lich und Geiſt/ Verderbnuß und Gnad. Da iſt nun kein Wiedergebohrener hier ſo vollkommen/ deſſen Glaub nicht zu Zeiten mit Zwei fel zu kampffen hat. Daher geſchicht vielfaltig/ was der HErꝛ von feinen Juͤngern ſagt: Der Geiſt iſt *r, willig/ aber das Fleiſch iſt ſchwach. Es findet fi bey ihnen/ gleich wie in anderen Sachen/ alſo au zwifchen ihrer Forcht und ihrem Verlangen nach dem Todt ein Streit: bald nimmt die Forcht die Uberhand; bald ſieget das Verlangen. Fleiſchliche und auch natürliche Abſchen/ ſorgen für Weib und Kind und dergleichen/ treffen zu Zeiten vor/ auch wohl bey den Froͤmſten. Wie nun alle unſere menſchliche Schwachheiten/ nicht einsmahls/ fondern| Staffelweiß bey uns abſterben/ und dem ö. .. ottes: —————— — — 4 ꝗ—— ö ———. 12 6*, C Leich⸗ Predigt. 31 Gettes ſich unterwerffen/ ſo geht es hier auch. Endlich er alt der Gnadenblick/ den ihnen GOtt ia das himmliſche Weſen zu thun vergoͤnnet/ das iſt/ die Erkantnus der zukuͤnfftigen Herrlichkeit, den Sieg: daß fie mit der Behauſung/ die vom Simmel iſt/ uͤberkleydet zu werden verlangen. Und eben hierauß koͤnnen wir abnemmen und ſchlieſſen. Ob wir Gt recht dienen/ ob wir feine Kinder ſeyen oder nicht? Nach dem wir in anſehen unſers Sterbſtuͤndleins bereitet und geſinnet ſind/ nach dem koͤnnen wir auch des einen oder des an— deren Gewißheit haben. Zum Exempel frage dein eigen Hertz/ ob du Dafür halteſt/ daß ein getroſtes Warten un Verlangẽe nach einer ſeiigen Aufloͤſung/ bey Kinderen Gottes ein Werck des H. Geiſtes ſeye! Demmach/ ob du von Hertzen wünfheft Daß du dergleichen Vid ng bey dir verſpuͤren moͤchteſt? Ferners/ ob du auch dich bearbeiteſt zu begreiffen/ wie roß in dem Tod die Gluͤckſeligkeit derjenigen ſeye/ die dem HErren von Hertzen dienen? Ob es dich nicht an dich ſelbſt verdrieſſe wen du verſpuͤreſt/ daß dein Hertz ſo verzagt iſt/ wann es an den Tod gedencke? Ob du nicht GOtt hitteſt/ daß er dir dieſe Schwachheit benemmen/ und feiner Gnad in Chriſto JEſu dich verſicheren wolle? damit der Tod auch dir willkom̃ ſeyn moͤchte/ wann er daher Fomt? Und wann du hoͤreſt/ daß irgend ein frommer Simeon ſo willig ſich erzeigt/ ob du nicht auch moͤchteſt ſo beſchaffen/ oder mit gleicher reſolution bewaffnet ſeyn? Stehets alſo in deinem Hertzen, fo biſtu gewiß ein Kind GDOttes/ und verſicheret/ daß dich GDOtt durch den Tod ins ewige Leben vert ten werde 2 C0. 3.2. Varc. S3 9. ———— —— 3 gute Streiter JEſu Chriſti ſich gelitten/ ihrem Her32 Chriſtliche werde. Hingegen wann auch das bloſſe Angedencken des Tods dir zuwider iſt/ und du nicht leyden kanſt daß man dich an dein Sterbſtuͤndlein zu gedencken und dich dazu beyzeiten zu bereiten ermahnet/ fo ißt es in Wahrheit ein boͤß Zeichen/ ein Zeichen/ daß du deinen Frieden mit GOtt noch nicht gemachi haft. Wem demnach feine ewige Seligkeit angelegen, der ſeye des Orts nicht ſicher/ ſondern dencke den Sachen in der Forcht des HErren fleiſſig nach. Noch eins haben wir auß den Worten Sime— ons/ zu unſerem Troſt zu behalten. Weil er ſagt. Nun ser: laſſeſt du deinen Diener im Friede CoD; ren/ ſo gibt er uns damit zu erkennen. Was der Todt der Frommen eigentlich ſeye? Das Griechi— ſche Wort, deſſen Simeon ſich bedient/ hat unterſchiedliche Bedeutungen. Es heißt etwan ſo viel als einen ſeinen Weg ziehen laſſen/ einen der an einem fremden Ort ſich ide, heim nacher Hauß gehen, in ſein Vatterland ſich begeben laſſen/ als wann von Chriſto geſagt wird/ er habe die Schaaren von ſich elaſſen. Und fo iſt der Todt die Vollendung un 6 Pilgramſchafft/ unſer Heimreiß nach dem him̃liſchen Vatterland. Es heißt auch ſo viel, als einen ſeiner Dienſten erlaſſen/ wie ein Oberſter ſeinen Soldaten ihren Abſcheid gibet/ fie mit einem Paßporten ihres Wegs ziehen laſſet; Alſo nachdem die Glaͤubigen den guten Kampff gekaͤmpffet/ und als ren getreu verblieben/ fo iſt ihr Todt eine gnaͤdige Erlaſſung ihres Dienſts/ daß ſie zur Ruhe kommen moͤgen. Ins gemein aber zu reden/ ſo bedeutet Simeons Wort eine Loßlaſſung/ Erlaſſung. Bee vung 85$ Tech. Pred g aan Predigt. 33 freyung von dem/ das uns auffhaͤlt. In ſoſchem i ʒſagt Pilatus,, Ich wil ihne fir btigh; und loß laſſen/ das iſt/ auf freyen Fuß ſtellen ud fo iſt der Todt der Gläubigen eine = gaͤntzliche Befreyung von allen Beſchwaͤrden, Muͤheſeligkeiten und Elend dieſes Lebens. So lang wir leben/ befinden wir uns in einer zweyfachen Gefangenſchafft. Dieſe Welt iſt ein recht ar de Kaͤrcker/ für fromme Kinder GDttes/ ein rechtes Thraͤnenthal, voller Stricken, Banden/ Feſſel und Sets] ten/ nut denen ſie/ an Die fündliche Verderbaumß/ und ) . was dieſelbige nach ſich zeuͤcht/ angefeßlet: in ſtaͤts| waͤhrender Gefahr ſchweben/ wegen dem Auffſatz und ö.,. g des Satans/ der Welt und ihres eigenen 6. Fleiſches dadurch die Ruhe der Seelen und ihre Gez meinſchafft mit Gott zerſtoͤret wird. Der Leib ſelbſten | iſt auch eine beſchwaͤrliche Gefaͤngnuß der Seelen/ als ; welcher dieſelbige/ Cfo ein weithinaußſehender und * naddendenDCr Geiſt iſt) an ihrẽ Wuͤrckungen hinde6 ret/ daß ſie nicht nach Wunſch/ von der Welt ſich loß t machen/ und der ſeligen, w, Him̃liö. liſchen nachtrachten kan. Darum ſeuffzet der Apoftel: . Zn elender Menſch/ wer wird mich erlöfen vo dem en.. eibe dieſes Todes. Und unſer Simeon freut ſichj daß es an dehm: daß er auß dieſen Kaͤrcker in die X Freyheit ſich begeben/ und dieſe hetruͤbte Gefaͤngᷣ nuß mit dem Palaſt der ewigen Glori und Herꝛlich8. keit verwechßlen fol. Dann in dem Tod gelangen . wir in die Freyheit/ und werden von denen Ungeö. ſmach-⸗ und Truͤbſalen/ denen wir hier underworf4 fen geweſen/ vollkommenlich erloͤſet. Unſer Todt iſt MM, eine Aufloſung/ ein Abe bed wie er von|Phil. 1,23. r E Paulo! . — ( . Tim. 4, 6. Pet. 1, 14. Apoc 14.135. Apoc. 6,. —— ——— —————— d En 34 Chriſticheꝛ Paulo gene: met wird nes 15 rue eine Ablegung der Hütten/ als eines beſchwaͤrlichen Laſts. Item bes, ein Außzug/ wie der Tuurßzug der Kinderen Jirgel auß der Eghptiſchen Dienſtbärkeit wie er von Petro titulteret wird. Uñ darum ſagt die Schrift: Selig find die Todten/ die in dem gerren ſterben/ von nun an/ ja der Geiſt ſpricht/ daß ſie ruhen von ihrer Arbeit. So lang Gottes Kinder leben/ ſo lang find fie| in der Unruh/ wann ſie aber ſterben/ ſo hat ihre Unruhe ein Ende. Darum find die Seelen deren die er; würget waren/ um des Worts GÖttes willen/ dem H. Apoſtel Johanni gezeiget worden, als ligende/ oder ruhende unter dem Altar. Der Altar in dem Alten Teſtament war ein Aſylum, ein Ort der Zuflucht und der Sicherheit. So find dann dieſe Seclen in die Ruh und Sicherheit kommen da ſie keine Truͤbſalen mehr zu befahren haben. Sie ſitzen in Abra—hams Schos/ da fie mit dem Vatter aller Glaͤuͤbigen gleiche Seeligkeit genieſſen. So haben dann die Gläubigen nach dem Tod/ kein Fegfeuͤr zu beſorgen/(wie man in Römiſcher Kirchen fuͤrgibt) da fie noch ſollen gequalet werden che fie zur Ruhe und in die Seligkeit gelangen. Diß einige Wort: daß ſie im Frieden hinfahren/ iſt genngſam/ diß Gedicht zu widerlegen/ weil es mehr ann genugſam zeiget/ daß der Tod der Gerechten ein Loßlaſſung/ Erlaſſung/ Befreyung iſt von allem Eiend. Dann wie konte er fo genennet werden/ wann die Glaͤüͤbigen nach dieſem Leben/ weit groͤſſere ein, als alle Pein der Welt ſeyn kan(wie man mn dem Vapſtum von dem Fegfeur außgibt) zu crart hatten? Nein ihr Tod bringt fie in die gaͤntzliche Vefreyung von allem Ubel. Und — 25.74 22 . Leich⸗Predigt. 35 Und damit koͤnnen alle Kinder GOttes des Todes Bitterkeit vertreiben. Sie kommen durch ſi m ae den Tod in die Befreyung von allem Ubel/ auß dem Kercker auf den Thron. Gottloſer Leuhten Tod iſt ſchrocklich. Nach dem fie der Suͤnden⸗Freyheit nach: geſtrebt/ und alles/ was ſie geluͤſtet/ vollbracht/ werden fie mit Ketten der Verdamnuß angefeßlet. und hinauß geworffen in die euͤſſerſte Finſternuß ſhatt a allda wird ſehn heuͤlen und zaͤhnklappen. Sie kom— men/ wie der oberſte Becker Pharaonis/ auß dem ſoen z0. 19. Kercker an die Gerichtsſtatt, daß ſie da empfangen/ was ihre Thaten waͤrth find. Aber die From Kuc. 23 men gehen durch den Todt in die Freyheit/ in ihre Herrlichkeit/ wie Joſeph auß dem Gefaͤngnuß auff den Thron, da ihn der Böͤnig zum Zerren uͤber gantz sen. ana. Enyptenland geſctzet hat. Gott wird alsdañ abwi ie er*. ſchen alle ihre Thraͤnen von ihren Augen: daß ihnen en 603. Schmuck für Aſchen/ und Freudenohl fur Traurinkeit/ und ſchoͤne Bleyder für einen betruͤbten Geiſt gegeben werde. Und ſo viel ſeye auch geredt von der GnadenBelohnung/ welche bey dem frommen Simeon auff feinen lobwuͤrdigen Lebens⸗Wandel erfolget iſt. Von dem berſtorbenen Herren ſeligen. 5 un ſoll auch, nach Gebrauch unſerer Chriſt38 lichen Leich⸗Predigten/ fo viel zur Ehre Gottes/ Anweſender Traurenden Troſt/ und unſer aller Erbauung gereichen mag/ añoch etwas von unſerem ſelig verſtorbenen Herren und mitglaͤuͤbigen Bruder vermeidet werden. E 2 Es 9858 Es iſt der Ehrenveſte/ Fromb/ Fürnehm/ Fir ſichtig und Weyſe/ Ser? Albrecht Faſch/ des Rahts, an das Liecht dieſer Welt gebohren, den *. Ahrilis 1654 von anſehnlichen/ in GDtt ruhenden Elteren. Sein Herz Vatter ſelig iſt geweſen/ Zerꝛ Johann Ludwig Faͤſch/ des Rahts. Die Frau Mutter/ Frau Sara Burckhardtin. Seine Groß⸗Elteren/ Vaͤtterlicher Linien waren/ Jer: Rudolff Faͤſch/ wohlverdienter Burgermeiſter Die ſer Statt, und Frau Anna Gebweylerin. Muͤterlicher Linien aber/ Ferꝛ Bontacıus Burckhardt/ des | , imm geheimen Rahts/ und Frau Juditha Graͤvin. Von dieſen feinen Ehren den Eiteren, iſt er von Jugend auf zu Kirchen und Schulen angehalten/ und alſo Chriſtlich aufferzogen worden. An. 1667. zur Zeit damayls eingeriſſener Contagion, haben ihn ſeine gelicbte Elteren auß der Schul genommen/ und damit er nach und nach in Kauffnmanns- und Handlangs-⸗Geſchaͤfften angefuͤhret werden möchte/ in ſeines Herren Vatters ſel, und deſſen Herren Mitgemeinderen Contor ge— zogen/ biß er An. 1671. nacher Roten in der Norniandey verreyßt/ und alldorten in die dritthalb Jahr hen verruhmten Handelsleuthen in Dienſten geſtanden. Nach deren Endigung hat er durch einige„rovincien Franckreichs einc kleine Reiß gethan. Als er Ann. 1673. um die H. Wenhnacht Zeit ider zu Hauß angelangt/ hat er annech ledigen Stands ſeine eigene Häandthierung und Gewerb⸗/ (oft. wit Gottes Hulff/ und feines Herren Vatters ſel. Rath angefangen. Anno ——————— Tech predigt I Anno 1678. den 26. Auguſti hat er ſich in den Stand der H. Ehe begeben/ mit Jungfrau Agnes Beckin/ ZLerren Emanuel Becken ſel. 36 Raths/ mit Frauen Dorothea Hum̃el ehelich erzeugter Jungfrau Tochter/ ſeiner nunmehr über den fruͤhzettigen geſchwinden und unvermutheten toͤdtlichen Hinſcheid ihres Ehe⸗Herren fel. hoͤchſt betruͤbten Frau Wittib: mit deren er in einem dreyßig jaͤhrigem/ liebreichem/ friedfertigem und geſegnetem Eheſtand/ neun Kinder erzeugt nemlich 3. Sohn und 6. Toͤchteren; auch von der verehlichten aͤltiſten Frau Tochter/ drey Groß⸗Kinder zu feinem Troſt geſehen/ von denen annoch zween Sohn/ drey Toͤchteren und zwey Groß⸗Kinder/ ſo lang es GOtt gefällt in Leib und Leben/ ob welchen allen/ auch der Frau Wittib und Herren Tochtermann/ der liebe Ott mit ſeinem guten Geiſt/ Gnad und Segen walten wolle. leich wie der Herꝛ unſer Gott/ in den ſelig verſtorbenen. ſchoͤne Gemuͤths⸗Gaben/ auch trefflichen Verſtand in Handlungs Geſchaͤfften gelegt hat/ alſo iſt er auch zu ein und anderer Bignitæ: und Ehrenſtell erhaben worden. Anno 1688. ward er Sechſer auff S. E. Zun zun Schmieden. Anno 1695. Seckelmeiſter daſelbſt. Anno 1698, iſt er an die Reformation gezogen worden. An. 1701. ward er Beyſitzer E. E. Statt⸗Gerichts/ in der mehreren Statt. An. 1702. den 19. Aptitis, iſt er an das Directorium hieſiger Kauff— mannſchafft. Und Anno 1709. zu einem Rathsherren erwehlet worden. Anno 1707. ward ihm von unſeren Gn. Herren/ die Geſandtſchafft auf den Ehnetbuͤrgiſchen c 3 j Indi859 Matth. 6, 3. —— 4 2 336 Chriſtliche Syndicat committirt. Allen dieſen Aempteren/ hat er mit erforderlicher dexteritæt und unverdroſſenem Fleiß abgewartet. Von uͤbrigem ſeinem Leben und Wandel iſt unnoͤthig viel zu melden/ indem maͤniglichen zu Genuͤ— gen bekannt, daß er in all feinem Thun und Laſſen/ ich der Gottesforcht/ Ehrbarkeit und Aufrichtigkeit befliſſen. Wie er ein groſſer Liebhaber der Gerechtigkeit geweſen/ alſo hat er auch zu keinen anderen/ als zu gerechten Sachen ſich gebrauchen laſfen; ſo daß er dieſer/ wie auch vieler anderer Tugenden halben ſeiner Zeit eine ſchoͤne Blum in E. E. Regiment genennet zu werden merniert hat. Gegen dem Nebenmenſchen war er ſehr dienſthafft und freuͤndlich gegen den Armen gutthaͤtig/ und zwar ſo/ daß ſeine lincke sand nicht allezeit wiſſen muͤſſen/ was die Rechte gethan. In ſeinen Handels ⸗ und anderen Schöffen war er embſig/ in feinem Chriſtenthum ſorgfaͤltig und eyfferig. Geſtalten er nicht nur die Sonntags⸗ſondern auch die wochentlichen Fruͤhe⸗ Predigten und Baͤttſtunden fleiſſig/ und zwar wert fleiſſiger als leyder ins gemein unter uns beſchihet, beſucht, und das H. Abendmahl zu ſeinem Troſt/ des Jahrs nicht nur ein und andermal/ ſondern oͤffters/ und zwar nicht ohne ſorgfaͤltige Zubereitung und Andacht gebraucht/ auch bey Hauß täglich feine gottſeligen und geiſtlichen Ubungen ge habt. Damit er aber denſelben/ neben denen AmtsSGeſchaͤfften deſto geruͤhiger zu feiner Erquickung ab; warten moͤchte/ hat er feinen aͤlteſten Herren Sohn/ bey etwas Zeit her/ zu feinem guten Vernuͤgen/ zu ſich in die Handlung auffgenommen. „Ur 6. zz» w— ü— * CA 2* * —— Es hat ihn der liebe G Ott/ verſchienen Donnterſtag Morgens/ mit einem ſchwaren Haupt und Steckſuutz überfallen Und ohngeachtet alle erforderliche Mittel zu Wiederneneſung/ in möͤglichſter Eyl angewendet worden/ war doch alles umſonſt/ und die Zeit feines Ab cheids fürhanden Geſtalten er noch ſell igen Morgen zwiſchen 11. und 12. Uhren/ under unſerem Gehaͤtt und Seufzen zu Gott/ ſanfft und ſelig in dim HErren entſchlaffen. Nach dem er in dieſer Sterblichkeit zugebracht 54* Jahr/ 2. Monath und; Wochen. Kein Zweiffel iſt/ Ihr Heilige 6 Ottes/ daß obwohlen der HErꝛ unſer G Btt dieſen unſern verſlorbenen Herren und mit: glaubigen Bruder ſcl. ohne vorhergefühlte Leibes ſchmertzen und Wehetag gantz plotzlich und unvermuhllich/ fo hart angegriffen/ und zu ſcinen göͤtllichen Gnaden abgeforderet/ er ihne gleichwohlen in guter Ehriſtlicher Bereytſchafft angetroffen. Inmaſſen er ſich jcweilen dahin befliſſen/ daß fein Leben eine gute Zubereirung zu einenn ſel. Hinmcheid ſeyn möchte/ deßwegen er bey zimlicher Zeit hero/ die ſo groſſe Nichtigkeit/ Hinfalligkeit und Eitelkeit aller Menſchlichen Dingen/ faſt in allen feinen Reden angezogen. Es erhaͤllet auch feine gutte Bereitſchafft nicht wenig/ auß zweyen hinderlaſſenen eigenhändigen Schreiben/ deren das einte eine Beſchreibung/ einer ſonderbahren/ vor ungefehr 3. Jahren ihme zugeſtandenen Begegnuß iſt/ welche er mit dieſen Worten beſchloſſen: Ich halte dieſes für eine goͤttliche Warnung/ daß ich mich für allem huͤte/ dadurch G Ott er zurn et wird: mich nicht fern von dem Tod halte/ G Gtt ins ſtaͤndig und unaufhörlich um feine Gnad anruͤffe/ und wann es muß geſcheiden ſeyn/ mich feiner Huͤlff getroͤſte. ‚Für die unermaͤßlichen Gutthaten/ fo mir der liebe Gett/ die Zeit meines Lebens erwieſen hat/ und noch erweiſen wird/ ſeye ihm ewig Lob/ Chr/ Preyß und Danck geſagt. Die andere Schrifft iſt eine kurtze Erinnerung/ an feine Hinderlaſſene/ in deren er ſich 6 Ottes Huld und Gnad getroͤſtet/ maͤniglichen für alles Gute/ fo ihme/ von weme es auch ſcye/ erzeiget worden/ hertzlich danckt/ und bittet/ daß ihme jedermann verzeihen wollt wer von ihme möchte ſeyn beleidiget worden/ mit Vꝛrſichtrung daß es von ihme unwiſſend/ und nicht mit Willen beſche1 Tech Predigt.| 39 861 Matth.24, 456. 47. 40 Chriſtliche Leich⸗Predigt. beſchehen: Gleich wie er auch hinwieder maniglichen verzeihe/ die vermeinen möchten/ daß er von ihnen möchte belendiget worden ſeyn/ ꝛc.. Wer fo ſtirbt/ ehe er ſtirbt/ der ſtirbt nicht wann er ſtirbt. Wie demnach unſer ſelige Herz Rahisherz/ des fromen St:|. meons Exempel in feinem Leben nachgefolgt/ fo iſt nicht zu zweiflen/ daß er auch zu gleicher Seligkeit mit Simeon gelanget ſey. Der Tod hat ihn nicht übereilct/ weil er ſich zuvor ſchon in. feinem Leben auf deſſen Ankunfft gefaßt gemacht. Weil er den neügebohrenen Heyland IEſum nicht nur in feine Arm/ ſonder ſelbſt ſchon laͤngſt in ſein Hertz gefaßt/ ſo iſt ſein Tod auch anders nichts/ als eine ſelige Hinfahrt in dem Frieden/ eine gantzliche Befreyung von aller Eitelkeit/ und gewunſchter Eingang in die ewige Freüd und Herꝛlichkeit. Selig iſt der Knecht/ wann fein Herz kom̃t/ und findet ihn alfo thun: Warlich ich ſage euͤch/ er wird ihn über alle ſeint Guter ſetzen. Wir Geliebte in dem HErren haben Urſach/ dergleichẽ unverhoffte Todtesfaͤhl frommer/ nützlicher/ Gott⸗liebender Leuhten/ dergleichen in wenig Zeit underſchiedliche/ auſſer Gewohnheit/ in Geiſt⸗ und Weltlichem Stand/ under uns ſich zugetragen/ wohl zu Hertzen zu nem̃en/ und GDtt zu bitten: daß er uns ſolche nicht etwan böfe und betrül te Vorbotten gefährlicher obſchwebender Enderungen ſeyn laſſe! Und weil wir nicht wiſſen/ wann unſer Stuͤndlein möchte vorhanden ſeyn/ wann G Vtt etwann einen oder den anderen under uns die wir jetzmahlen geſund ſind/ ploͤtzlich mochte angreiffen und abforderen. So gebe der neügebohrene Heyland Jeſus/ daß wir zu allen Zeiten Chriſtlich geruͤſtet und| bereit erfunden werden ihne unſern einigen Heyland ſtats im Hertzen haben, feiner Menſchwerdung uns inniglich erfreuen/ dem frommen Simeon/ in gottſeligem Leben nachfolgen/ und ders ͤ mahlen eins auch/ nach feinem Exempel/ ſelig von hinnen ſcheidende/ mit ſeinen Worten(HErꝛ nun laäſſeſtu deinen Diener/ deine Dienerin im Friede fahren/ wie du geſagt haſt/ dann meine Augen haben deinen Henland geſchen) GDtt unſere Seelen befehlen e,! Amen! Amen! E U Q E. 2 + 1 2 7 RR 2 19 2— 2 2 ea