. // r T dr ,: e,, D. 8 1 2— . i 1 k Fhriſtliche Leich⸗predigt/,. über die . ee, mit deren der Aufferſtandene g Gr: ZG ſuis, Mariam Magdalenam: ſeine Juͤnger/ von ſeinerbevorſtehenden Himmelfahrt zu berichten/ abgefertiget. Auß joß*n Cap. XX. X Gehalten in Baſel den 21. Maij, n. ö. CCII. bey St. Martin. Bey Chriſtlicher Beſtattung/ Des Ehrenveſten und Vorgeachten Herꝛen Peter Hartman/ des Elceren/ 2. J z 1 * e Rt e tu rss se em,- e-, rtr, K ,, Fir 2 ö nnr 3. / /// ö. 1 ö. 6 Burger und Handelsman daſelbſt.; — Durch 2.. 3 3 ö. Alexander Wolleb Diener am; ö . Wort Gottes bey St. Martin. ö. 6—. . 9 . 3 ö.. ö.. t ꝛ. . ·— 2715 6—— 36 7 3 3 Gedruckt zu Dan, bey Jacob Bertſche. 33* ** 2 er..., n,, ö. er., se,.*. 2 36*.. *. irn f,, m fir;.. 2 2 e*. 246. Te vt/ Joli. XX.. 17. Gehe aber hin zu meinen Bruͤderen/ und ſage ihnen: Ich fahre auff zu meinem Vatter/ und zu enerem Vatter/ zu meinem G-er/ und zu euerem G Get. Erklaͤrung. S iſt betruͤbt/ wann es glaͤubigen S Ehriſten dazu komt/ daß ſie mit 2 denen in Babel gefangenen Inden , e, klagen muͤſſ n: Wir ſind Wai. 88 2 ſen und haben keinen Vatter/ 2 Fund unſere Mutter ſind wie w Wittwen. Es iſt aber hin wide,, rum auch ſehr troͤſtlich/ wann Gott der Her: in den Pſalmen ſich vernemmen lait. Daß er ein Vatter der Waiſen und ein Richter der Witt wen ſeye. Rechte Witt wen/ die da einſam ſind/ ihre Hoffnung auff G Ott ſetzen/ und bleiben am GeA 2 batt Pſal. 68. 6. . Tim.. 5. os Pſal:ꝛx. co. Rſal.ioʒ. iz. * 4 Chriſtliche baͤtt und Flehen tag und nacht/ ſind verſicheret/ daß ſie G tt nicht allein zu ihrem Richter; ſondern auch zu einem Patronen und Beyſtand haben. Ih ren giltet Kauch/ was Chriſtus der Scelen⸗Vrautigam̃/ zu ſeiner 1ſa 55. Kirch ſagt: Der dich gemacht hat iſt dein Mann Herꝛ Zebaoth heiſſet ſein Nahm. Die Waͤiſen aber/ die Gott vor Augen haben/ ksͤnnen mit König David auß dem Pſalmen ſagen: Vatter und Mutter verl aſ ſen mich/ aber der to Erꝛ nimt mich auff Dann wie ſich ein Vatter uͤber ſeine Rinder erbar met/ ſo erbarmet ſich der HMM Ert/ uͤber die ſo ihn foͤrchten. Und ſo haͤlt ſichs auch in dem Gꝛiſtlichen. Es iſt nichts betruͤbters/ als wann eine glaͤubige Seele klagen muß: Daß ſie eine Wittwe/ und ihr Braͤutigam Jeſus Chriſtus/ in ihrem Hertzen verſtorben ſeye: daß ſie ſeine gewoͤhnliche Vertroͤſtungen/ nieht mehr bey ſich empfinde. Nichts betruͤbters/ als wann Kinder Gottes/ in und wegen ſchwaren Suͤnden⸗faͤhlen/ an ihrer Gottes⸗Kindſchafft zweiflen muͤſſen/ und ihr Erſtgebohrener Bruder Chriſtus IEſus den Geiſt der Gottes⸗Kindſchafft/ und deſſen Zeugnuß zuruck haͤlt. Hingegen aber iſt auch nichts troͤſtlichers/ als wañ Jene/ die ſich geiſtli her wäiß eine Wittwen nennen/ ihrer ewigen Verloͤbnuß und Vermählung mit GOtt; geiſtlich genante Waͤiſen aber/ denen der Satan ihre GottesKindſchafft diſputiert. der unwandelbahren Gnade Gottes ihres himſ̃liſchen Vatters verſichert werden. Daß aber beydes zu geſchehen pflege/ lehren uns mit ihrem Exempel/ die gottieligen Weiber/ ſonderlich Maria Magdalena bey dem Grab: und die betruͤbten Juͤnger/ zur Zeit der Aufferſtehung Chriſti. Dann was war doch/ die bey dem Grab weinendund kſagende Maria Mꝛadalena anders/ als eine betruͤbte Mittwe/ die ihren JEſum verlohren zu haben vermeine? Was waren die verſcheuchten Juͤnger des Herꝛn anders/ Reich predigt J anders/ als Waͤiſen/ zu der zeit/ da ſie ſich alle an dem;*. HErꝛen geaͤrgeret/ und daher der Verſicherung ihrer Gottes Kin? ſchafft ſich unwurdig gemacht? Was haͤtte aber hinwiderum/ in der gantzen Welt ihnen troͤſtlichers widerfahren koͤnnen/ als/ daß JEſus ariæ Magdalen ſich geoffenbahret/ und ſie mit Namen geruffen? den Juͤngeren aber durch Mariam ſagen laſſen: Er fahre auff zu ſeinem Vatter und zu ihrem Vatter zu ſeinem Gott und zu ihrem Gott? Das war ja ſo viel/ als hatte er zu Marla Magdalena gelagt: Der dich gemacht/ ja der dich erloͤſet hat/ iſ dein Mann/ tH̊herꝛ ZƷebaoth iſt ſein Nahm; zu den Juͤngeren aber: Ihr ſeyt keine Waͤiſen mehr dañ mein Vatter iſt euer Vatter/ mein Gott iſt euer Gott. Das iſt ja das Marck und der Kern alles des Evangeliſchen Troſts/ den uns der liebe HErꝛ IEſus/ durch ſeine Aufferſtehung und Himmelfahrt zuwegen gebracht. Damit koͤnnen ſich auffrichten/ unter anderm auch alle diejenigen/ die Gott entweder ſelbſten/ durch den zeitlichen Tod von hinnen fordert/ oder aber durch einen geſchwinden Hinſcheid der lieben Ihrigen/ in den betruͤbten Wittwen⸗ und Waͤiſen⸗Stand verſetzet. Demnach dañ/ durch Gottes Gnad/ die Zeit abermal für der Thuͤr/ in deren der Kirchen Gottes./ die Triumphierende Himmelfahrt unſers Herꝛn Jeſu Chriſti/ zu betrachten vorkomt; und aber auch denen/ die den zeitlichen Hinſcheid der lieben Ihrigen bewaͤinen/ nichts troͤſtlicher kan aeſagt werdẽ/ als daß dero Verſtorbene zu ihrem Vatter und zu ihrem Gott gegangen; als habe mir vorgenommen/ bey gegenwaͤrtiger Chriſtlicher Leichbegangnuß/ da wir cinen unſerer miglaubigen Herꝛn und Bruder zu ſeiner Ruheſtaͤtte begleiten/ hinterlaſſenen Traurenden zu ſonderkahrem Troſt/ diſe her liche Wort unſers Heilands Jeſu Chriſti/ die er durch Mariam Magdalenam ſeinen lieben Juͤngeren entbotten/ mi Ewer Chriſtl. Lieb/ 3 in 6 Chriſtliche bey denſelben ſonderlich zu bedencken vor/ die Juͤnger des HErꝛn. II. Die Commiſsion oder die Sach ſelbſt/ ſo der HErꝛ bey den Juͤngeren zu verrichten anbefohlen. Chriſtus IEſus/ deſſen triumphierende Himmelfahrt kraͤfftig troͤſtet/ verleyhe Gnad/ daß wir den darauß flieſſenden Troſt recht faſſen/ mit wahrem Glauben ihine anhangen/ und durch ein gottſeliges Leben ihme ſo lang nachfolgen/ biß wir auch dermahlen eins bey ihme ſeyn und ewig bleiben werden! Amen! Von dem Erſten. SBetreffend alß fuͤr das Erſte/ die Abfertigung Mariæ Magdalenæ an die Juͤnger/ ſo lauten die Wort des Herꝛen alſo: Gehe aber hin zu meinen Bruͤderen. — Da leßt ſich bedencken J. Wehn der Herꝛ geſendet? I. Zu wehm? i1II. Die Sendung ſelbſten. J. Wehn ſendet dann der Herz? Nicht einen Engel oder Ertzengel/ wiewohl die Commiſsion ſo herꝛlich und wuͤrdig geweſen/ daß ſich fein Engel derſelben zu beſchaͤmen gehabt hette. Auch ſendet er nicht einen welthehen Potentaten dann ſein Reich war nicht von dieſer Welt. Auch nicht einen ſeiner Apoſilen/ etwann Petrum/ den man in Roͤmiſcher Kirch/ fuͤr das Haupt der Apoſtlen pflegt außzugeben; dann der hat ſich durch ſeine drey? l ache verlaͤugnung des Herꝛn/ ſeines Apoſtel⸗Amts unwuͤrdiggemacht/ und war noch nicht widerum in daſſelbige eingefctzt. Sonder der Herꝛ ſendet ein Weib/ und nam endlich Wäariam ———— in der Forcht des HErꝛn zu erwegen. Es kommen uns I. Die Abfertigung Mariæ Magdal. an Mariam Magdalenam/ von deren er ſiben boͤſe Geiſter kus. 8. außgetrieben. Ein Weib hat die Suͤnde in die Welt gebracht; darumb will der Herꝛ jetzund/ daß auch ein Weib die erſte Bot ſchafft des Lebens in der Welt bekant mache. Jenes Weib hatte wort des Todts von der Schlangen/ di⸗t ſes aber traͤgt wort des ewigen Lebens/ von dem gebene⸗ e deyten Weibes⸗-ſamen. Was ſchwach iſt vor der Welt/ das zeucht Gott vielfaͤltig dem vor/ was anſehnlich und ſtarck iſt. Wie jenesmahl Debora zu Barack ſagte/ als er nicht wolte wieder Siſſera in den Streit ziehen/ Sie die Prophetin zoͤge daũ mit ihme; Der Preiß wird nicht dein ſeyn/ au dieſer Reiſe die du thuſt/ ſonderen der Herꝛ wird Siſſera in eines Weibes hand uͤber geben. So ſolte din mahl nicht Petrus/ oder irgend ein anderer Apoſtel/ ſondern ein Weib die Ehr haben/ dieſe heilige Bottſchafft zu überbringen. Wann aber/ moͤchte vieleicht jemand alhier gedencken/ der Herꝛ dieſes aroſſe Werck/ durch ein Weib außrichten wollen/ warumb hat er nicht ſeiner Mutter der heiligen Jungfrawen Mariæ ſolches anbefohlen? Antw. Erſtlich JZebuͤhret uns nicht zu underſuchen warumb der Hr diß oder jenes thue: alß die wir miſſen/ daß der HErꝛ nichts thue/ er habe dann deſſen heilige Urſachen. Auſſer zweifel hat der HErꝛ ſchon zuvor im Geiſt geſehen/ daß deren ſeyn werden/ welche von Maria hoͤher halten werden/ alß ſichs aebuͤhret, wie dann wuͤrcklich einige fuͤrgeben: daß wie Eva eine Mutter deren ſeye/ die Jud. 4. 9. ria ſeye die Schlangentretterin/ da doch Chriſto allein dieſe Ehr zukompt/ daß er der Schlan zen den Kopff zerſtreiten ſo leſen wir nirgend/ daß Marta bey dem Mittler 8 Chriſtl iche tler⸗Ampt des Herꝛen das geringſte verꝛichtet; oder daß der Her: etwas/ durch ſie außgerichtet. Es gebraucht aber der HErꝛ auch dießmahl/ der Marie Magdalenæ Dienſten/ zu vorhabender Bottſchafft/ auſſer zweiffel jhro zum Troſt/ und dem Satan zum Trutz. Sie war die jenige/ von deren der Her: ſiben unreine Geiſter außgetrieben. Damit ſie dañ nun ſehe/ daß ſie nicht mehr in deß Satans gewalt waͤre/ wie vorhin/ ſondern ihres Erloͤſers Jeſu Chriſti eigen: nicht mehr ein Werck zeug deß unreinen/ ſondern mit Leib und Seel ein Tempel des H. Geiſtes; ſo wird Sie dißmahl von dem Herꝛen dazu beordret/ 1. Lett. 2. 9] daß ſie alß eine Heroldin der Gnade Gottes/ verkůndigen ſoll die Tugenden deß/ der ſie beruffen hat von der Finſternuß zu ſeinem wunder ſamen Liecht. 11. Zu wehm ſendet aber der Herꝛ Mariam Magdalenam? Der Herꝛ ſagt: Gehe hin zu meinen Bruͤderen/ verſtehet dadurch ſeine Juͤnger: gleich wie auch der Engel beym Grab die Weiber zu den Juͤngeren geMarc. 6.7. ſendet/ da es geheiſſen: Gehet hin und ſagets ſeinen Juͤngeren. Der Herꝛ heißt ſeine Juͤnger/ ſeine Bruͤder/ nicht ſo faſt propter conſanguinitatem naturæ, weil er unſer Fleiſch wund Blut an ſich genom̃en/ fleiſch von unſerem fleiſch/ und gebein von unſeren gebeinen worden. Sonder vielmehr zu bedeuten: daß wie er durch die Menſchwerdung unſer Bruder worden/ ſo verbleibe er auch derſelbe/ in ſeiner Aufferſtehung und Hiſ̃elfahrt. Zuvor leſen wir nirgend in Evangeliſcher Hiſtori/ daß der Herꝛ ſeine Juͤnger ſeine ſob. 6. 6. Bruder nenne. Seine Freund/ Uiebe Rinder/ ſeine Marc. c. 10. Knecht/ oder Diener nennt er ſie wohl; wann er etrn s wan ſagt; Ich bin ewer Hr rt und Meiſter. Auch Karih.. 8. ſagt er ihnen/ daß ſie under einander Bruder ſeyen. Aber ſeine des Herꝛen Bruͤder/ werden ſie hie zum erſten mal von Chriſto genent/ an zu zeigen/ daß er eben N. atur * ——— Teich ⸗ predigt 75. Natur/ die er in ſeiner Menſchwerdung an ſich genommen/ in ſeiner Aufferſtehnng/ ja ſelbſt in ſciner Him̃elfahrt behalten/ und mit ſich in den Himmel nemmen werde. Quod ſemel aſſumſit, nunquam depoſuit: Was der HErꝛ einmahl an ſich genommen/ hat er niemahlen abgelegt, Der Herꝛ heißt ſeine Juͤnger/ ſeine Bruder/ da er wurcklich in dem Stand der Erhoͤhung hegriffen/ und nun in ſeiner Himmelfahrt mit ciwiger Glori und Herrlichkeit ſoll gekroͤnet werden. Zu zeigen/ daß er die Tugend der Demuth noch liebe und hoch ſchetze. Den Stand ſeiner Ernidrigung legt der HErꝛ zwar zuruck/ aber nicht die Tugend der Demuth die giltet noch viel bey Ihm in ſeiner Herzlichkeit. Wie Joſeph ſeiner Bruͤder ſich nicht beſchamet/ obwolen ſie nur Viche⸗Hirten/ er aber ein groſſer Fuͤrſt geweſen; ſo ſchamet ſich Jeſus auch nicht/ ſeinre Juͤnger feine Brüder zu heiſſen. Sein Hertz erhebt ſich nicht uͤber ſeine Bruͤder. Und damit erweifet er/ daß er der rechte Koͤnig Iſrael ſey/ weil er ſelbſten dem jenigen nachicbet/ daß Gott vorzeiten den Koͤnigen Iſrael gebotten. Dart. 17. Wie wir aber diſes ſollen zu Hertzen nehmen/ lchret der Apoſtel Philipp. 2. wann es heißt: Ein jeder ſeye geſinnet wie J Eſus Chriſtus auch war/ hiemit andeutende: daß weder die Hochheit des Stands/ noch die Fuͤ⸗treflichkeit der Saaben/ das Angedencken/ dah wir ünter einander Bruͤder ſind/ außtilgen ſolle. Bruͤder nennet der HErꝛ IE ſus ſeine gefallene/ und wegen rem Sundenfahl hoͤchſt betrüͤbte Juͤnger/ nach ſciner Aurf ren lng/ kurt noch vor ſeiner Hrunmtlfahrt: um ſie mit dieſem ſüſſen Namen/ in ihrer Traurigkeit und Betrůhnnß auſfzurichten und zu troͤſten. Kein Zweiffel/ daß nicht die Junger gantz ſchamtoth und erſchlagen geweſen/ wann 5 an ihr Verhalten gegen dem — 114. Deut. 17.20. il... H Err acdacht. Sie haben ihn alle verlaſſen/ und are ns. ſind geflohen. Petrus har In verlugnet und verV. Fo. ECſaj. 1.4. marc r.. to Chriſtliche verſchworen: waren hiemit uͤber zeugt/ daß ſie ſich aller Gnade unwuͤrdig gemacht. Damit ſie dann der HéErꝛ in ihrer Traurigkeit widerum auffrichte/ entbeutet er ihnen keine harte/ ſondern freundliche/ troͤſtliche — 3 Wort laͤßt ihnen ſagen/ wie Joſeph in Egypten: Ich bin Joſeph euer Binder. Er fragt ſie zwar nickt: Lebet mein Vatter noch? aber er verſichert ſie/ daß ſein Vatter auch ihr Vatter/ ſein G Ott auch ihr GDOtt ſeye, Seine Liebe und Mitleyden gegen ihnen iſt groͤſſer/ als Joſephs gegen ſeinen Bruͤderen. Joſeph „ ſtellt ſich ein Zeit lang frembd und hart gegen ſeinen Bruͤderen; aber die erſſe Bottſchafft/ die JEſus ſeinen Jüngeren entbeutet/ iſt Liebe Wie der Vatter des verlohrenen Sohns denſelben nicht ein mahl hart angefahren/ ſondern ihme entgegen gangen/ ihne umfarꝛgen und gehertzet; ſo laßt der HEr: ſeinen Juͤngeren/ nicht ein mahl ein hart Wort/ nicht den geringſten Verwiß/ ſondern eitel Liebe/ Huld und Gnad entbieten. O der unvergleichlichen Liebe unſers JEſu! O der Hertz⸗erquickenden Bottſchafft/ an die ſo es ſo wenig verdient haben? Es waren kaum drey tag/ daß ſie ſich alle an dem Herꝛn geaͤrgert/ Feld finchigean ihm worden/ und ihn in ſeinem ſchweren Todes⸗Kampff verlaſſen/ und der HErꝛ halt ſie fuͤr ſeine Bruder/ laßt Marie Magd. nicht ſo lang Zeit. daß ſie ihn anruͤhre/ ſondern ſie muß ſich eylen daß ſie Sie deſſen ver ſichere. Was uns betrifft/ Ihr gel. Gottes/ ſo ſind wir nicht weniger/ ſondern weit groͤſſere Suͤnder/ als die H. Apoſtel geweſen; Ein ſuͤndiges Volck/ ein Volck von groſſer Miſſethat/ ein boshafftiger Saamen/ ſchaͤdliche Kinder/ die den HiErꝛen ihren GOtt verlaſſen. Und dennoch/ weil Chriſtus IG ſus/ uns durch den Tod ſeines Creutzes mit Gott verſohnet/ koͤnnen wir/ ungeachtet aller unſerer Inwuͤrdigkeit/ uns deſſen tröſten/ daß Chriſtus auch die gefallenen Suͤnder ine — ——— ————————— Leich⸗ predigt. 11 ſeine Bruͤder nennet. Uns zwar ſendet der HEr:ꝛ keine Mariam Magd. die uns deſſen verſicheret/ wohl aber ſeinen H. Apoſtel/ der da zeuget: Sintemahl ſie alle von einem kommen/ der da heiliget/ und die da geheiliget werden. Darum ſchaͤmt er ſich auch nicht/ ſie Bruder zu heifſſen. Die Suͤnde/ wie verhaßt ſie auch fuͤr Gotz/ weil ſie Chriſtus gebuͤſſet/ kan ſie uns der Bruderſchafft nicht berauben. Dann wo die Suͤnde mächtig worden iſt/ da iſt die Gnade viel maͤchtiger. Sehen wir allein zu/ daß wir uns dieſer Gnade nicht ſelbſt un wuͤrdig machen/ ſondern als rechte Juͤnger unſere Pflicht gegen Chriſto/ unſerem erſtgebohrenen Bruder/ und unſeren Naͤchſten/ als unſeren Mitbruͤderen/ wohl in acht nehmen: daß ſo wir gegen Chriſto ſolche verabſäaumt/ wir mit den Juͤngeren fuͤrohin unſere Verſaumnuß deſto fleißiger einbringen: ſo wir mit Petro oder den uͤbrigen an ihme uns verſuͤndiget/ unſere Suͤnden mit Petro bewaͤinen/ von denſelbigen auffſtehen/ hertzliche Buß wuͤrcken/ Chriſti Glieder als unſere MitBruͤder hertzlich lieben/ und weil Chriſtus uns viel tauſent mahl mehr geliebet/ allen Fleiß anwenden, daß wir fuͤr ihme unbefleckt und unſtraͤflich erfunden werden in der Liebe. III. Wie lautet aber die Abfertigung Mariæ Magd. an die Juͤnger ſelbſten? Gehe aber hin/ ſpricht der Her/ zu meinen Bruͤderetz. Das Woͤrtlein Aber/ Gehe aber hin/ weiſet uns auff etwas/ das dieſer Abfertigung Mariæ Magd. vorhergegangen. Und das war dieſes. Alß Maria Magd. den HErꝛn gekennt/ ſo wolte ſie(wie es alle Umſtänd mit ſich bringen) gern langer bey dem HErꝛn ſich a iffhalten den Eren betaſten und anruͤhren/ ob es wahrhafftig der HErꝛ ſey: Es war ihro* Muth/ wie der aeiſt= 2 lichen! Hebr. 2.11. Rom.ꝭ.ꝛo. mar-* 72 2. Pe tr. 3. 14 Cant. 3.4. Marc. 16. 9. Marc. 5. 18, 19. Liederen Salomonis. Sie ſagte bey ſich ſelbſt: Ich unſere Zeit zubringen. Der iſt nicht der beſte Knecht/ * Chriſtliche lichen Braut des himliſchen Braͤutigams in den Hohen habe gefunden/ den meine Seele liebet/ ich halte ihn/ und wil ihn nicht laſſen. Das verwehret ihro nun der HErꝛ; theils weil er gewolt/ daß ſeme Juͤnger bey zeiten von ſeimner Aufferſtehung berichtet wurden; theils aber ſie Mariam Wagdal. und uns alle zu ehren. Daß die Seligkeit nicht eben an ſeiner leiblichen Gegenwart haffte/ ſondern auch diejenigen/ deren ſich ver ſicheren koͤnnen/ die ihn nicht mit leiblichen Armen halten. Darum ſagt der HErꝛ zu ihr: Gehe aber hin zu meinen Bruͤderen; als wolte er zu ihro ſagen: Laß jetz das anruͤhren meines natuͤrlichen Leibs/ gehe dafuͤr hin und ſtaͤrcke meinen geiſtlichen Leib. Gehe zu meinen betruͤb= ten Bruͤderef/ damit ſie auch mit derjenigen Freude erquicket und getroͤſtet werden/ mit deren du bereus erfreuct und getroͤſtet worden. Der HErꝛ machts mit Maria Magd. von welcher er ſiben Teuffel außgetrieben/ wie mit jenem Beſeſſenen/ den er von einer ganzen Legion unſauberer Geiſter erlöſet hatte/ welchem der Herꝛ/ da er ihn bath, daß er moͤchte bey ihm ſeyn/ folches auch nicht zulaſſen wollen/ ſonder geſagt: Gehe hin in dein Hhauß/ und zu den Deinen/ und verbkůndige ihnen/ wie groſſe Wohlthat dir der to nE RR gethan/ und ſich deiner erbar met hat. Alſo wil der HErꝛ Mariæ Magdalenæ nicht geſtatten/ daß ſie bey ihm bleibe; ſondern ſie ſoll hingehen/ und die gute Zeitu'nz von ſciner Aufferſiehung ſeinen Bruͤderen verkuͤnd;gen. Der HGreꝛ erfordert nicht ſo faſt von uns, daß wir uns in der Sonremplation und Betrachtung Göttlicher Dinaen aufff alten, als aber/ daß wir in Verrichtung der Wercken der Liete und Volibringung ſeines Willens —r—m———————————— .—— der K——————r—r eich predigt. 15 der allein in Anſchauung und Betrachtung ſeines Herꝛn ſeine Vernuͤgung ſuchet/ ſondern der des Herꝛn Werck außzurichten/ſich am meiſten laͤßt angelegen ſeyn. So du mich lieb haſt/ ſagt Chriſtus zu Petro/ ſo waͤide meine Schaafe. Atſo hier zu Maria Magdal. So du mich lieb haſt/ ſo gehe hin zu meinen Juͤngeren. Probatic Dilectionis, eſt perfectio peris. Damit crweiſen wir unſer Liebe zu Chriſto/ wann wir dasjenige fleißig außichten/ was er uns anbefohlen. Gehe aber zu meinen Bruůͤderen/ ſagt der Herꝛ. Das woͤrtlein Aber/ lehret auch Mariam Magdal. und uns. Wie wir des Herꝛen Befehl fertig und geſchirind ohne verweilen außrichten ſollen. Der Herꝛ geſtattet ihro nicht ſo lang zeit/ daß ſie ihn anruͤhre/ ſonder wil daß ſis ſtracks fortgche: Ruͤhre mich nicht an/ gehe aber hin zu meinen Bruͤderen. Einen ſo ungeſaͤumten Fleiß fordert der Her: auch von ſeinen Juͤngeren/ da er bey außſendung derſelben ihnen befichlt: Sie ſollen niemand grüſſn auff den Straſſen/ damit ſie ſich namlich durch beſprechung und begruͤſſung ihrer Freunden/ in verrichtung ihres Beruffs nicht auffhalten. So hat jenesmahls Eliſa/ ebenmaͤſſig ſeinem Knaben befohlen/ alß er ihn geſandt/ den tedten Knaben der Sun imitin auffzuwecken: Guͤrte deine Lenden/ ſprach er zu im; und 2 Reg 2. nim meinen Stab in deine Hand/ und gehe hin/ und ſo dir jemand begegnet/ ſo grůͤſſe ihn nicht/ und gruͤſſet dich jemand/ ſo dancke ihm nicht. Und zwar/ ſo der jenige/ der einen Königlichen Gaadenbri⸗ff/ fuͤr einen zum Tod verurtheilten Freund erhalten/ ſich nich ſaͤumet ſonder mit Poſtpfer den eylet/ daß er erm es gefangenen Freunds Leben erzette: warumb ſolten nenn die/ die das Wort der Gnaden von dem Koͤnig aller Kö— r. 1 Joh. 29.6. ————mv Luc. I0. 4. nigen empfangen haben/ eylfertig ſich laſſen angelegen ſeyn/ denen beiruͤbten Seelen das Wert dir Gnaden an B 3 vrr——————— sy 5 14 Chriſtl iche verkuͤndigen/ welche der Satan mit banden der Traurigkeit zu verſtricken ſich bearbeitet? Genug aber von dem Erſten/ namlich von der Abfertigung Mariæ Magdalen æ. Von dem Anderen. Taßt uns nun weiters auch vernemmen/ was Maria Magdalena zu den Juͤngeren ſagen ſoll? Sage ihnen ſpricht der Herꝛ: Ich fahre auf zu meiner Batter/ und zu ewerem Vatter/ zu meinem Gott und zu ewerem Gott. Da laßt ſich bedencken J. Wie Maria die Sach vortragen ſolle? JI. Die Sach ſelbſten. I. Maria Magdalena ſoil die Sach vorbringen a. Als wann der Her: ſelbſten redete. 8. Als ware die Sach gegenwaͤrtig und nicht erſt zukuͤnfftig. . Maria Magdalena ſoll nicht in der dritten/ ſondern in der erſten Perſohn/ nicht Relative alß erzehlend; ſonder Recitativè, alß wann der HErꝛ ſelbſt redete, ihre commiſsion außrichten, ſoll nicht fagen/ Er fahrt auff; ſonder: Ich fahre auf. Und daß darum/ damit das wort deſto mehr Anſehen habe/ und deſto mehreren Troſt bringe. Den Juͤngeren ſol das wort fuͤrgebracht werden/ wie es der Her: ſelber geredt/ damit ſie erkennen/ daß es auß des Herꝛen eigenem Mund komme/ was Maria Magdalena mit ihnen rede. So hatten auch die Propheten im gebrauch/ Gettes Wort ſeinem Volck vorzubringen: Es hieß bey ihnen: So ſpricht der HmErꝛ/ ich thue ein Werck/ ꝛc. Hoͤret des Huürrzen Wort/ ꝛc. So ſpricht der Herꝛ zu Ezechiel: Du ſolt das Wort auß meinem Mund hoͤren/ und ſie von imeinetwegen warnen. Und darum ſagt auch der Apoſtel zu den Co1. cot. 1.3. rinthern: Ich hab es vom HYErrꝛen empfangen/ hiemit nicht erdacht/ was ich euch gegeben hab. urg o Czech. 3. 17. Teich predigt* ſo bleibt das Wort Gottetz in deſto mehrerem Anſehen/ und ſoll auch von uns/ mit deſto mehrerer ehrerbiemung auffgenommen werden/ nicht als Menſchen⸗ ſonder wie r R 1 es wahrhaftig iſt/ aſß Gottes Wort/ nach dem Exempel Judz. 20) jenes Heydniſchen Koͤnigs der Moabiter/ nahmens Eglon der es auß dem Liecht der Natur fuͤr recht erkent/ und daher von finem Koͤniglichen Stuhl auffgeſtanden/ da Etzud zu ihm geſagt: Ich hab Gottes Wort an dich. Marin Magdalena ſoll reden/ alß wann der HErꝛ ſelbſt ait den Juͤngeren redete/ damit der Troſt beh den Juͤngeren deſto mehr krafft haͤtte. Es war ein wort der vertröſtung/ auß deſſen eigenem Mund/ der der Troſt Iſraels/ ja der Gott alles Troſts genennet wird: und daher viel kräfftiger/ alß wann es nur erzeßlungs weiß waͤre vorgebracht worden. An Joſeph in Egypten war et eine ernſthaftigkeit/ daß er durch einen dolmetſch/ mit ſeinen Bruͤderen redete; hingegen war das ein groſſer Troſt/ da er ſprach; Sihe ewere Augen ſchen/ und die Augen Gen. S. 1. meines Bruders Benjamin/ daß ich mund lich mit euch rede Alſo war auch hier die Boitſchafft/ auß des Herren eigenzm Mund/ eine Frucht von dem Baum deß sen. 5. Lebens/ die hetruͤdten zu troͤſten. Sie konten eben darauß/ ein diſto ſtärckeres vertrawen/ auff ſeine Gnade ſchoͤpffen. 6. Es ſoll aber Maria Magdalena/ auch in der. genwertigen/ und nicht in der zukuͤnfftigen zeit reden. Sie ſoll nicht ſagen: Ich werde auffahren/ ſender Ich ' fahre auff/ ob es wohl noch nicht an dem geweſen/ daß der Herꝛ wůrcklich auffgefahren. Und das/ eins theils/ die gewißheit ſeiner Himmelfahrt; anders theils/ cines Hertzens gedaneken ihnen damit zu entdecken. Es hats die heilige Schrifft im gebrauch/ daß ſie zukuͤnfftiger din zen acwißheit zu verſicheren/ von dem kuͤnftigen redt/ aß ware es bereyts vorhanden/ alß wann es helst: Sihe eine Jungfraw iſt Schwan ger. Er iſt Eſaj 148 umb unſerer Meiſſethat willen verwundet/ und! 53. — um n A2. 2X. 16 Chriſtliche um unſrer Suͤnden willen geſchlagen. So heißt es hie/ Ich fahr auff/ anzudtuten: Daß der Herꝛ ſo gewiß auffahren werde/ alß fuhre er wuͤrcklich auff. Unſers Liebſten Heylands Sinn und Gedancken waren ſchon damahl in dem Himmel. Sein Leib wandlete zwar noch auff der Erden/ aber ſein Hertz war in dem Himmel/ all ſein tichten und trachten war eine zubereitung zu ſeiner Himmelfahrt. Darumb ſagt er: Ich fahre auff/ und nicht: Ich werde auffahren. 11. Und daß war auch die Sach ſelbſt/ die Maria Magdalena den Juͤngeren ſolte vortragen/ namlich die bevorſtehende Himmelfahrt/ auß deren ſie ſeiner Aufferſtehung von den Todten ſchon konten verſichert ſiyn. Der HEr: will auch dißmahlen den Juͤngeren den vorgefaßten irꝛigen wahn/ von einem vermeinten irꝛdiſchen Reich benemmen/ und damit ſie nicht etwan/ weil er von den todten aufferſtanden/ ſich einbilden mochten: es werde nun diß Reich angehen/ ſo fuhret er/ gleich ihre Gemüther/ von dem jrꝛdiſchen nach dem himliſchenentbietet ihnen/ daß er hier nicht bleiben/ ſonder in den Himmel ſich begeben werde. Ich fahre auff/ zu meimem Vatter und zu ewerem Vatter/ ꝛc. Es gedenckt der Herꝛ 1. Seiner Huñelfahrt. 2. Deßjenigen/ zu dem er kommen werde. 1. Von ſeiner Himmelfahrt/ redt er a. Alß von einer wahrhafftigen wuͤrcklichen Hüm̃elfahrt. b. Alß von einer Himmelfahrt/ die er durch Einwohnende/ ſelbſt eigene goͤttliche Krafft verꝛichten werde. a. Der Herꝛ ſagt nicht: Ich werde vor den Augen der Nen cken verſchwinden/ und nicht mehr geſehen werden. Sender: Ich fahre auff/ anzudeuten. Daß wic er warhafftig aufſerſtanden/ und auß dem Grab herfürgeqangen/ ſo werde er auch warhafftig gehn Himmel fal ren. So iſt dann die Himmelfahrt Chriſti/ keine verblendung/ oder v. rſchwindung/ dadurch der Leib Chriſti nur unſicht—d —————————— 1 Leich⸗ predigt. 17 unſichtbahr worden/ oder ſo ſichtbarlich gehn Himmel gefahren/ daß er doch noch unſichtbahr/ auff Erden ſich befindet; ſonder eine wahrhaffte Himmelfahrt. Nicht eine bloſſe verenderung des Stands der Ernidrigung/ in den Stand der Erhohung; ſonderen eine warhafftige veraͤnderung deß orths/ dadurch der Her/ den nidrigen orth die Erde verlaſſen/ und in den hoͤheren/ namlich in den Himmel ſich begeben. So lehrets der HEr: ſelbſt/ wann er ſagt: Ich verlaſſe die Welt/ und gehe züm Vatter. So Jo. 6a. zeuget der H. Geiſt/ wañ es heißt: Er ward auffgeha⸗ ac. 9. ben zuſehens ꝛc. Er ſchied von ihnen/ und fuhr uc. n. auff gehn Himmel: c. Er ſeye auffgefahren uͤber alle xx.. 0. Himmel/ auff daß er alles erfuͤlle. b. In dem der HErꝛ ſagt: Ich fahre auff/ redt er von einer ſolchen Bewegung/ cujus Principium, wie die Philoſophi reden/ eſt in movente: gibt zu erkennen/ daß er durch ſeine eigene/ einwohnende Krafft ſeiner Gottheit/ werde gehn Himmel fahren. Wie ſein herfuͤrgehen aus dem grab/ nicht allein eine Aufferweckung/ ſo durch einen anderen gewuͤrcket worden/ ſondern auch eine eigen ⸗ thaͤtige Aufferſtehung des Herꝛn geweſen; So var auch ſeine Himmelfahrt nicht nur eine Auffnehmung n den Himmel/ ſondern eine Einnehmung des Himm̃els. Er mußte den Himmel einnehmen/ ſagt Petrus/ Ac 3.. bis ai ff die Zeit, da herwider bracht werde alles was(e Orr geredt hat. Und dem iſt nicht zuwider/ das Coen dicſir Apoſt: l lehret: Daß er durch die Rech⸗ Aq. 23. te Beete erhôhet worden. Dann weil Er und der Joh. 0. 30. Vatter eins ſtnd/ ſo wird die Himmelfahrt/ auch eiurn töie dem crdeören zugeſchrieben. Ter HErꝛ ſagt: Aſcendo, Ich fahre duff/ namlich/ durch den Geiſt nieiner 6 dt: heit/ durch welchen ich auch von den Todten auſferſ anden bin. Von Enoch ſagt die Schrifft: G Ott hab ihn weggenommen. Von Elia: Der Gen. 2s. C tMoErꝛ 8 Chriſtliche 288.23. HMWEr: habe ihn laſſen im Wetter gehn Himmel holen. Aber von ſich ſelbſt ſagt der HE: Ich fahre auff. Dieweilen eben der Geiſt ſeiner Gotth ent/ der ihnt aufferwecket/ auch ſeinem verklärten Leib eine üͤbernatůrliche Krafft ertheilet hat/ daß der ſelbige ſich ſo bewegen/ auffahren/ und nach dem Him̃el ſich begeben koñen/ wie das Feur von Natnr uͤber ſich zu ſteigen pfleget. Wie der HErꝛ etwann in Krafft deſſeldigen Geiſtes ſeiner GottMatt ra. Heit/ auff dem Waſſer gewandlet/ fo konte er auch auff den Fittichen des Windes gehen/ und auff den Wolcken fahren/ wie auff einem Wagen. Elias hatte wohl feuriger Roſſ⸗und Wagen/ das iſt/ des Dig ſe der H Englen/ zu ſeiner Himmelfahrt vonnothen: Aber Ehrſſtus bedorffte dero Huͤlff nicht zu der ſeinen. Zu Zuſcheren/ konte er ſie wol haben; aber nicht zu Gehuͤlffen. 2. Betreffend endlich den Terminum Aſcenſionis, os der zu wehm der HErꝛ hinauffahren werde/ ſo ſagt er: Ich fahre auff zu meinem Vatter/ und zu euerem Darter 3c. Der HErꝛ redt dißmal von ſeiner Him̃elfahrt/ auff die aller⸗glorwärdigſte und aller⸗troͤſtlichſte ter 9. 1 weiſe. Er fagt nicht/ wie zu anderen Zeiten: Er gehe hin das Reich einzunehmen. der/ er werde gekpbet rz ſſetzt werden uͤber alle Fürſtenthum/ Gewalt Macht und Hherꝛſchafft c. Sondern: Ich fahre auff zu meinem Vatter/ und zu euerem Vatter/ zu meinem Gott/ und zu euerem Gott. G Ott der him̃liſche Vattet/ iſt der Vatter unſers n Hern Jeſu Chriſti/ in anfehen ſeiner ewigen Gottheit/ nach deren er ihne auff eine uns unbegreifliche weiſe/ von Gwigkeit her gezenget hat. Dann da wir nur Gott zum Vatter haben/ weil er uns aus gu aden,/ in Chriſto ſeinem Sohn an Kindsſtatt angenommen/ ſo iſt er der ewige/ na ſrliche und emgebohrene Sohn Gottes. Gleich wie aber Gott/ der Vatter iſt alfo iſt er an er ——— Teich predigt. 19 der Gott unſers Herꝛn Jeſi Chriſti. Nicht zwar nach ſeiner Gottheit/ nach dereñ er mit dem Vatter eines iſt; ſondern nach der Menſchheit/ nach deren er weniger iſt/ als der Vatter;(ſintemahl die Creatur weniger iſt/ als der Schoͤpffer) und daher auch der Knecht Gottes genen/ net wird/ wie es dann heißt: Sihe/ das iſt rnein nc. I. n. Knecht/ den ich erwehlet hab/ und mein Lieb ſter/ an dem meine Seele Wol gefallen hat. Warum aber(mochte jemand gedencken) ſpricht Chriſtus/ zu meinem Vatttr/ und zu euerem Vat ter/ zu meinem Gott/ und zu euerem Gott? Warum nicht/ zu Vn ſerem Vatter/ und zu Vnſerem GDOtt? Antw. Die Urſach iſt/ weil Ott auff eine andere weiß des Herm Chriſti; auff eine andere weiß aber/ unſer Vatter und unſer Gott iſt. Er iſt der Vatter unſers Herꝛn Jeſu Chriſti/ weil er ihn von Ewigkeit her/ auff eine uns unbegreifliche weiß gezeuget; da er hingegen/ nur auß Gnaden/ in Chriſto unſer Vatter worden/ und wir zuvor Kinder des Zorns waren. Der Gott unſers. Herꝛn Chriſti aber iſt er/ nur in anſehen ſeiner angenommenen Knechts⸗Geſtalt/ nach deren er auch dem Geſatz Tati. 2. unterworffen worden/ da hingegen Gott/ unſer Gott iſt/ rns uns erſchaffen/ erloͤſet/ geheiliget hat/ und auch erhaltet. So iſt dann der Gott und der Vatter unſers Herꝛn Jeſu Chriſti/ Terminus ad quem, derjenige/ zu dem der Her: in ſeiner Himmelfahrt ſich begeben. Und eben hierauß erhellet ſich die Nothwendigkeit/ deßgleichen auch der Zweck und die Nutzbarkeit der Hinimelfahrt unſers Hern Jeſu Chriſti. Nothwendig war ſolche aller vorderſt/ theils um Sein/ des Herꝛn ſelbſt; theils um Unſert willen. Fuͤr ſein Perſohn/ ſolte der Herꝛ nothwendig gehn Himmel fahren: einmahl wei] Er/ der HäErꝛ vom 1 Cora. — C 2 Himmel Pſal.izꝛ.. Joh.: 6.7. Reb 9 4 He br.. 4. Pſal. ii. i. 20 Chriſtliche Himmel iſt/ wie ihn der Apoſtel nennet; und dann widerum/ wegen ſeines dreyfachen Mittler⸗Ampts. Adam dem erſten Menſchen/ hat Gott die Erde zur Wohnung beſtimmet/ dann er war irꝛdiſch/ von der Erden. Weil aber der andere Adam/ Chriſtus/ vom Himmel auff Erden kommen/ ſo mußte er auch den Himmel einnehmen. Einer jeden Creatur hat Gott ihr Eentrum und Ruheſtaͤtte beſtimmet/ auſſer welcher ſie nicht ruhen kan. eil nun Chriſtus das Werck der Erloͤſung zu verrichten/ auſſert ſeinem Centro vom Himn el/ auff die Erde ſich begeben/ war es billich/ daß nach vollbrachtem ſolchem Werck/ er ſich zu ſeiner Ruhe wider kehre. Es erforderte ſolches auch ſein dreyfaches MettlerAmpt. Dann/ wie haͤtte er als unſer ober ſte Prophet und Lehrer/ den H. Geiſt herab fenden können/ okne ſeine Himmelfahrt? Sagt er doch ſelber: Es iſt euch gut/ daß ich hin gehe. Dann wo ich nicht hingehe/ komt der Troͤſter nicht zu euch; So ich aber hingehe/ wil ich ihn zu euch ſenden. Wie haͤtte er ſeinem Hochprieſterlichen Ampt ein voͤlliaes Genuͤgen gethan/ wann er mit dem Blut ſeines Opffers nicht eingegangen waͤre/ in das innwendige des Heiligihums/ zu erſcheinen fuͤr dem Angeſicht Gottes fur uns? Der Hoheprieſter mußte ja nicht nur in dem Vorhof opfferen; ſondern auch mit dem Blut des Sohnopffers/ in das Allerheiligſte ſich begeben. Daher ſagt der Apoſtel: Wann Chriſtus noch auff Erden waͤr/ ſo waͤre er nicht Hoherprieſter/ dieweil er nicht vollkommen ſein Hochprieſter⸗Ampt verwaltet haͤtte. Und wie ware er unſer ewiger Konig? Wie koͤnte er herꝛſchen mitten unter ſeinen Feinden? Wann GDOtt ihn nicht zu ſeiner Rechten geſetze/ ſeine Feinde aber zu dem Schaͤmel ſeiner Fuͤſſen geleget haͤtte? Nicht allein aber um ſeiner Perſohn und Ampts/ ſondern mel fahren. Rec- predigt. D ſondern auch um unſert willen ſolte Chriſtus gehn HimEr ſolte ja uͤber alle ſeine und unſere Feinde Triumphieren: uns in dem Himmel die ſtette bereiten: auß dem. 6. Himmel den H. Geiſt herab ſenden: und in dem Himmel fuͤr uns erſcheinen/ welches alles nicht geſchehen konte ohne ſeine Himmelfahrt. In ſeiner Himmelfahrt aber ela. 6. i hat er die Gefaͤngnuß/ gefangen gefuͤhret: uns in das hiſ̃l iſche weſen verſttzet: Gaben auß gerheilet under die Menſchen: iſt eingegan gen in den Himmel ſel bſten/ alda zu erſcheinen fur dem Angeſicht Gottes fuͤr uns. Wie wir dieſes alles in bevorſtehenden Auffahrts⸗predigten mit mehrerem vernem̃en werden. Der vornemſte Nutz und Troſt/ den wir fuͤr dißmahl(andere umb beliebter kuͤrtze willen zu uͤbergehen) auß der Him̃elfahrt Chriſti zu ſchoͤpffen haben/ und den uns der Herꝛ ſelbſten/ in unſerem Text an die hand gibt/ iſt dieſer. Daß wir darauß undiſputierlich ſchlieſſen koöͤnnen. Erſtlich daß wir mit Gott verſuͤhnet/ und Chriſti mediation und Fuͤrbiit gantz kraͤfftig und guͤltig bey ihm ſcye/ weil unſer Agent und Fuͤrſprech/ der uns vor Goit vertrittet/ nicht irgend ein fremder/ oder bloß allein ein freund; ſonder der groſſe favorit des Himmels/ der eingeliebte und eingebohrene Sohn Gottes iſt/ der jenige dem der Vatter nichts verſagen kan/ und zu dem er ſagt? Heiſche von mir/ ſo will ich dir die Heyden zum rſal.. 8. Er be geben. Zum anderen werden wir durch deß Herren Himmelfahrt/ auch deſſen vergwiſſeret: daß ſo kräfftig ſeine vermittlung zwiſchen Gott und uns/ ſo herꝛlich und undiſpurierlich ſeye auch die Snad unſerer Gortez— kindſchafft. Chriſtus iſt der Sohn Ggttes/ der einc bohrene Schn/ dir Sohn an dem der Vatter ein Molge⸗ mata Ei fallen hat. Wann dann diſer/ da er zu ſeinem Vatter gehet/ uns verſicheret/ daß er unſer Bruder/ und& Ott unſer Vatter ſey/ wie koͤnten wir 9 zweiflen/ daß uns ; G Ott! wir gleichfoͤrmig dem Ebenbild ſeines Sohns/ bey dem Propheten verheiſſet: Foͤrchte dich nicht/ ich Gott unſer Gott/ ſo wird er uns in keiner Noth nicht fe. auß der Ver ſuchung zu erloͤſen. Er kan uͤberlplᷣ 2.40. 22 Chriſtliche G Ott nicht in ſeine Familien zu Kinderen angenommen? Unter den Menſchen haͤlt ſichs nicht alſo. Natürliche Elteren/ die einen Sohn haben/ ſagen wie dorten Sara von Iſmael: Der Magd Sohn/ ſol nicht erben mit meinem Sohn Iſaac. Wann Menſchen jemand an Kinds⸗ſtatt annehm̃en/ ſo geſchicht es aus mangel natuͤrlicher Erben. Dann ſonſten wird niemand einen von Natur wilden Oelbaum/ in den guten Oclbaum pfropffen. Aber den Reichthum ſeiner unermeßlichen Gnad zu preiſen/ nimt uns Gott jetzund in die Semeinſchafft ſeines lieben Sohns. Nicht nur Iſmael/ der Magd Sohn/ ſondern auch Eli eſer von Damaſcus/ der Knecht ſol mit Iſaae zugleich erben. Und dazu hat ihne/ Gott den Herrn/ nich der Mangel oder Nohtwendigkeit/ ſondern ſeine freye Gngd: nicht unſere Wurdigkeit/ ſondern allein der vollkommene Gehorſam und die Verdienſt ſeines Sohns bewogen. Dadurch werden damit er der Erſt gebohrene ſeye unter vielen Bruͤderen. ᷣ So iſt demnach diſes/ das Fundament und der Grund alles Troſts/ daß lauth dem/ das Jeſus Chriſtus ſeinen Inger entbeuter /) Gott ſein himliſcher Vatier/ auch unſer Gott und Vatter iſt. Iſt aber Goit unſer Gott/ ſo koͤnnen wir vns alles guten zu ihme verſehen: ſo giltet auch uns was er bin mit dir: weiche nicht/ dann ich bin dein Gott/ ich ſtercke dich/ ich hel ffe dir auch/ ich erhalte dich durch die rechte hand meiner Gerechtigkeit. Iſt ſtecken laſſen/ dann der HrErꝛ weißt die Gottſelichwenglich thun uͤber alles daß wir bitten/ und verſte Feich⸗ predigt. 23 verſtehen. Iſt er unſer Vatter/ ſo wird er ſich unſer Plal io. J. erbarmen/ wie ſich ein Vatter er bar met uͤber ſeine. Kinder. So wird er auch uber ver moͤgen nicht 1. Cor. 6. ij verſuchen/ ſonderen machen daß die Verſuchung ſo ein ende gewinne/ daß wirs koͤnnen ertragen. So wird er auch/ wann wir auß ſchwachheit ſuͤndigen/ ſeine Gnad nicht von uns wenden; ſonder wann wir auß hertzlicher rew unſere Suͤnden erkennen und ſagen: Vatter Lues. A, ich hab geſuͤndiget/ in him mel und wider dich/ uns zuſprechen/ wie Chriſtus dem Gichtbruͤchigen und der armen Suͤnderin in dem Evangelio: Sey getroſt Matth. 9.. mein Sohn: ſey getroſt meine Tochter/ dir ſind deine Sůnden ver geben. Dañ ſo wahr alß ich lebe/ ſpricht der Herꝛ Herꝛ/ ich habe keinen gefallen an dem todt des Gottloſen/ ſonder daß er ſich Each. zx. bekehre und lebe. Und wann wir dermahlen eins mit dem Tod ſelbſten ringen/ und gleich wie Ehriſtus ruffen werden: Vatter/ ach Vatter in deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſt/ ſo wird es heiſſen wie in dem 9i. Pſal⸗ Luc. 3 46. men ſteht: Er begehret mein/ ſo wil ich ihm auß⸗ plan. ahelffen/ er kennet meinen Nahmen/ darumb will Mn ich ihn ſchůtzen. Er ruffet mich an/ ſo wil ich ihn erhoͤren. Ich bin bey ihm in der Noht/ ich wil ihn herauß reiſſen/ und zu ehren bringen. Ich will ihn ſaͤttigen mit langem Leben/ und will ihm zeigen mein heyl. Nur allein/ das iſt mit eingedingt/ daß wir in kindlichem Gehorſam und Ehrerbi tung fuͤr ihm wandlen/ ja unſeren Wandel fo lang wir hier ſind führen nach dem exempel unſers Erſtgebotrnen Bruders IEſu Chriſti. Daß auch daß unſere Speiſe ſey/ zu thun den willen unſers him̃liſchen Vatters/ wie der HEr: redt Joh. 4. Daß wir jeder zeit/ we der an dem Odlberg/ mit dem ————— Luc. 7.42. Job. 4. 34. ss —— f 24 Chriſtliche dem Tod ringende Herꝛ Jeſus/ unſeren willen ſeinemn allein guten willen underwerffen: mit einem wort/ Ihme unſerem Heyland Chriſto in allem gleichfoͤrmig zu werden uns befleiſſen. Daß/ wie es zum exempel hier bey Chriſio heißt: Aſcendo, Ich fahre auff/ weil er gantz verſichert/ daß wann er die Welt verlaſſen/ er in den Huñel kommen werde; wir ebenmaͤſſig uns dahin bearbeiten/ daß wir unſerer dermahlen eins künfftigen ſelizen Himmelfahrt mogen verſichert ſein. Wie der Her: mit diſem wort ſſcendo, Ich fahre auff/ zu erkennen gibet/ daß er wuͤrcklich zu feiner Himmelfahrt ſich zu bereite und ruͤſte; Wir alſo auch in ſtaͤhtiger Chriſtlicher bereitſchafft zu einem ſeligen Sterbſtuͤndlein erfunden werden; nicht Luc. 13. gleich dem/ bey 12. Jahren/ mit dem Geiſt der Kranckheit behafteten/ und daher gantz krum gebuckt einhergehenden Weib/ nur nach der Erden ſehen: oder der Gen. 3. M. Schlangen fluchldie nur in dem ſtaud kriechen muß) uns Colog3. 2. iheilhafftig machen; ſonderen ſuchen was droben iſt/ da EChriſtus iſt. Und wie endlich auß dieſem wort deß Herꝛen Aſcendo, Ich fahre auff/ ſeine bereit willigkeit dieſe Welt zu verlaſſen/ herfuͤrleuchtet/ wir alſo auch gern und willig uns darein ſchicken/ wann Gott uns oder die unſerigen von dieſer Welt abfordert. Der troſtlichen verſſicherung: daß wie der Her: JEſus ſe nen Hingang anß der Weſt/ eine Auffarth zu ſeinem Gott und Vater nennet/ alſo auch glaͤubiger Chriſten Todt der Seelen nach/ anderſt nichts ſeye/ alß eine Himmelfahrt zu ihrem Vatter und zu unſerem Vatter/ zu ihrem Gott und zu unſerem Gott. Genug aber von fuͤrgenommener Handlung. PE RSO N AL IA. Wir begleiten dißmahlen zu ſeinem Ruhebettlein den Ehrenveſten und Vorgcachten Herꝛen Peter Hartman/ ——————— Reich ⸗ predigt* man/ den Elteren/ von welchem noch etwas weniges/ ſo viel alß zur Ehr Gottes/ und der Traurenden Troſt gereichen mag/ nach gewohnheit unſerer Chriſtlichen Leichpredigen ſoll vermeldet werden. s iſt derſelbige/ lauth ſeines eigenhendig verfaßten Lebens⸗lauffs/ an dieſe Welt gebohren/ in Loͤbſicher Statt Muͤllhauſen/ in dem Jahr deß Herꝛen 1639/ den 14. Febr. Sein Vatter ſel. war Herꝛ Anthon Hartman, deß; Rahts und Seckelmeiſter daſelbſt: die Mutter aber Frau Anna Arleſpachin. Von diſen ſeinen ehrenden Elteren/ iſt er nicht allein/ bald nach ſeiner ſuͤndlichen Geburth/ durch das Sacrament des Bads der Widergeburth/ der Kirchen Chriſti einverleibt/ ſonderen auch zu unſerer nach Gottes Wort Reformierten Religion/ Gottesforcht/ Kirchen/ Schulen und einem ehrlichen Beruff aufferzogen worden. An. 1650. iſt er von gedachten ſeinen Lieben Elteren/ zu erlernung der Frantzoͤſiſchen Sprach/ in das Welſchland verſendet; nach ſeiner Widerkunfft aber/ An. 1653. hieher/ zu Herꝛen Anthoni Burger ſel. die Specerey⸗Handlung zu erlernen/ gethan worden. Nach uͤberſtandener vierJähriger Lehrzent/ hat er ſich in der Handlung beſſer zu Perfectſoniren, zu Herꝛen Kniebſen ſel. dem Handelsman nacher Straßburg in Dienſten ſich begeben. Und nach dem er drey Jahr daſelbſt zugebracht/ anch ſeiner Trew und fleiſſes/ n ehrliches Zeugnuß erhalten/ hat er ſich widerumb naher Hauß/ und in dem Jahr 1662. den 7. Augſt. durch Goͤttliche ſchickung/ in den Stand der H. Ehe begeben mit Jungfraw Anna Maria Hertzogin/ Herren Leonhard Hertzog/ des Handels mans/ und Frawen Scherbin fel. chelicher Tochter/ ſeiner nunmehr hochbetruͤbien Fraw Witiib/ mit deren er in gutem Frieden gelebt/ und durch Gottes Segen ſiben Kinder/ nemlich drey Soͤhn und vier Tochterey geze ge ʒvon l. chen — 265 Chriſtliche chen aber der einte Sohn/ ihnen bereits den weg alles Fleiſches vorhergegangen/ hiemit nur zween Soͤhn und vier Toͤchteren/ ſo lang der HErꝛ will/ in Leibes⸗Leben. So hat er auch zu ſeinem Troſt/ eylf Großkinder geſehen/ uber welchen allen der grundguͤtige Gott mit ſeiner nad und Segen wolle walten... Obwohlen nun Gott der Herꝛ Ihme/ in ſeinem viertzig Jaͤhrigen Cheſtand/ viel Segens und gutes verliehen/ ſo hat er Ihme doch auch das Liebe Creutz von zeit zu zeit zugeſandt: beneben aber doch die Gnad verliehen/ daß er ſeine Vatter liche Regierung erkant/ und ihme etwan auch fur das Creutz ſelbſten gedancket hat. Betreffend ſein uͤbriges Leben und Wandel/ iſt ſolches Ewer Lieb bekant daß er den offentlichen Gottesdienſt/ nicht nur des Sontags/ ſondern auch Dinſtags und in den neuͤne Predigten fleiſſig beſucht: in ſeinem Beruff embſig und eyferig: in ſeiner Haußhaltung und Auffer ziehung/ auch Verſorgung ſeiner Kinder/ ſorgfeltig: gegen dem Nebenmenſchen freundlich uñ fridfertig: in ſeinem uͤbrigen Lebens⸗wandel Ehrbahr und Chriſtlich ſich erwieſen. Daß er auch bey geſunden Tagen/ ſeines Sterbſtuͤndleins/ und der ungewißheit deſſelben ſich erinneret/ iſt darauß ab zunemmen/ daß er anfangs gedachten ſeines eigenhaͤndig beſchriebenen Lebens⸗ lauffs meldet: Guͤnſtiger lieber Leſer/ verwundert euch nicht/ warumb ich in dem beſten Bluſt meiner Jugend/ mir ſchon die Hinfelligkeit des Lebens/ nd den Tod vor Augen ſtelle. Dazu haben mich viel Vrſachen bewogen: erſtlich die unbeſtendig keit diſes Cebens: demnach/ die geſchwinde Todsfaͤhl: drittens/ die ungewißheit der Zeit/ und des Orths/ wann und wo es beſchehen möchte: Viertens/ weil nicht weiß ob ich auch die Gnad haben werde/ alle Noth—— 89 ——— Leich predigt. 27 Nothtduͤrfftigkeit/ mit meinen lieben Angehoͤrigen zu reden.. Daß er aber bey der wahren ſeligmachenden Religion/ Gott getreu zu verbleiben/ und biß an ein ſelig end zu beharꝛen/ ihme vorgenommen/ hat er damit zu erkennen geben/ daß er weiters geſchrieben: Ich bin durch Gottes Gn ad in der Evan geliſchen Religion auferzogen worden/ in welcher ich auch mit Gottes huͤl ff 8 leben/ and ſelig zu ſterben verhoffe. o daß demnach nicht zu zweiflen/ daß ob er gleich verwichenen Samſtags Morgens umb 10. Uhren ploͤtzlich/ mit einem unerwarteten Schlagfluß/ von Gott dem Herren angegriffen worden er dennoch in Chriſtlicher Bereitſchafft erfunden/ und das Gute/ daß Got in ihme angefangen/ auß Gnaden ſeye vollendet worden. Und zwar ſo haben wir diſes zu hoffen/ umb ſo viel mehrere urſach: weil er/ ſo bald er den Anfang feines Jufahls verſpuͤret/ und noch reden koͤnnen/ ſein erſtes und faſt letztes begehren geweſen/ daß er deß Zuſpruchs/ auß Gottes Wort/ mochte theilhafftig werden/ und dahrr/ eylend nach meiner wenigkeit zu ſenden befohlen. Es iſt aber/ da ich zu ihm kommen/ bereits die Sprach/ und wie es geſchienen/ auch das Gehoͤr/ Ihme pistzlich 4 Kii 1 6. Gottes/ durch das glaͤubi e Gebaͤtt befohlen/ und umb eine ſelige Auffloͤſung gebetten. Diß unſer Gebaͤtt hat der Hoͤchſte in Gnaden erhoöͤret/ und ihne nach dem er ungefehr ander halb ſtund/ mit ſeinem Todeskampff zugebracht/ durch ein ſanfft und ſelig End/ auß dieſem gegenwertigen Jammerthal/ zu ſeinen Goͤttlichen Gnaden abgefordert/ nach dem er in diſer zeit zugebracht 63. Jahr und 3. Monat. Wir haben dem grundguͤtigen G Ott zu dancken/ D 2 fuͤr 28 Chriſtliche Qeich⸗predigt. fuͤr diſes unſers mitglaͤubigen Her: en und Bruders gnaͤdige Auffloͤſung: noch viel mehr aber/ daß er auch under denen erfunden worden/ welche ſich der triumphierenden Auffahrt IEſu Chriſti/ zu ſeinem Vatter/ und zu unſerem Vatter/ zu ſeinem Gott und zu unſerem Gott frewen und beruͤhmen. Gebe der getrewe Herꝛ Jeſus/ daß wir auß betrachtung der unbeſtendigkeit/ ungewißheit und hinfelligkeit diſes unſers Lebens/ allezeit in Chriſtlicher Bereitſchafft erfunden werden; Auff daß wie er fuͤr uns geſtorben/ aufferſtanden/ und gehn Himmel gefahren: wir alſo auch der Suͤnde wahrhafftig abſterben: zu einem newen (chen aufferſtehen: durch den Glauben ihme nachfahren/ damit wir auch dermahlen eins mit Leib und Seel ihm folgen moͤgen. Das gib lieber Herꝛ Jeſu/ und laß uns nim̃ermehr vergeſſen/ daß Gott dein himmeliſcher Vatter/ durch dein Leyden/ Tod/ Aufferſtehung und Himmelfahrt/ auch unſer Gott und unſer Vatter worden/ damit wir ihn kindlich foͤrchten/ ihme vertrawen/ ihn uͤber alles lieben/ ihme allein Leben und Sterben. Und Wann du die Todten wirſt an jenem Tag erwecken/ So thu auch deine Hand zu unſrem Grab außſtrecken. Laß hoͤren deine Stim̃/ und unſeren Leib weck auff/ Und führ ihn ſchsn verklärt zum außerwehlten Hauff. Amen! HErꝛ IJEſu! Amen! 89 J ——————— ry y