^L 28 A 8 ^K.--!°-' 2 v^:- cÄiDr»L ^-^?D^ z X 5 WmAidibliol^j, «KS2i, / r- S a i» in lung aller Leichen-Predigten, welche jemals in -er Stadt Basel Einheimischen und Fremden, oder Bürgern von Basel, die ausserhalb verstorben, oder von verbürgerten, aber anderwerts gestandenen Geistlichen von Bastl gehalten worden sind. Nach chronologischer Ordnung gebunden. loinus Xl^I V^ Von ^o.i7oy.»7^ichis s Kirchen bibliotl>«k ^ > Basel. ! 6 r! rt; m m ^ - 'i-. tti- l<)ü(§ lÄttlÄ ^"r-i uz N^::n ^Wv'iN^Z U!tt ; E 4 '. 4 ^ l:) 1i ^ h ^ ü 6 7 2 2 r; '7 <1 i:./ l;ik h^'/:r?^tt?> rrH L) s«N!!'!'^v^ - / « >.?l) 7 !UX . L -H» ' >.') 41 . ^.^«.V0 r. ö, 4 - ^/cr/. 8- I^s^/-/ r/i,^ ^ - - -'.,. . ^ 61 /. H/" A- .- - - - ' .^ ,^s^n. F. 1 ^ - ^6^/, 4 6^ H» ^-^^O^tji^t«^ i)^ ^ r^< K.>.. . ,.lr, 60 a-n. / Z 1 Z. , /-»»- >U A^tlt . !^/ ^ j0.L7-J0 u ^.t'1^,^« -«-^^ L^r-^ ..^ ^ 8 '' '. 22 >)^ l8 lo, ^ ^-- -- - uu/-. 2 (U' 1 s u. Hq- ^ ^' HU., HU. - - . . Z?-. ^a/m ^^.6 ^ u/ . s6^. '^. . .^'. - ^ - -^r. l^. I^ I^. /«^ ^^ H^l. - '5 I.LL. . - - - . . . 4^ ...... §,/, ^ LL r, ^. s 4-4^^ A^kL.. 0^.16 ÄO.?I.^ü^ i«^«. ^§4-»i^-»i»»>. - -^1. >6. 9»^ . . ' - ^ - . - - - 7öi. 1^5 L5.s,.rL^ -. 76 s. - - - . . -^ - - - - ^ . ..S3». 7^aÄ/r.r4-.447 ^«4- ,^««.^»^^-4^^». 5U . . . . 5§§. -U-^4-^ ' v, ^ 2^. j, ^4 K»l-^4 4-, II L^ . o^L^o/e<5. . i/o^. . i .. ^ 1/ ^ '^« q.^?. .^/ssL I 18 -tz - Ä.M^ ^-c^../M MM> 1^. ... ,1 ^tLn. 1^ .. <^/e-e ^9 ^ . U»e^- . L. L-A^. U-M'Ä^ ...^/e^,M/e/ I 12. ^ K^. - I^>^ 2o. 0-4. t ^F-. ^,. ^ . ^ rs x Eltu^L^.M>^>.^-' ">' ^ A-, v,^. , / , V (,/ a>°- s. L ^LL^A^.^reLU ^ ^ ^-m-«- er. 17.17oc). Ä)ec., o. ... . !8- l^.O - ' ' .ÄÄ cÄa^ier ^-^u a. -. 7 /^ ^ -VI? ... ^ ^ ^ c> . ?„.' !^. Zi.lz. Ho. t'/to.^a>n. 2^. ^ ^vLtL^MeE^ 2 E - -.^e»iu^rü/ n. iwck.,s.^.^^Kr^./ ..L.,«,«^ Itsesr- 2A. ,6/s.L^^e ^Vl^5L^.§^n^ 1O. 2j-, »^Lr 2 Z.^ )l<^^»«»^«. 1 ^, r: m , i EM 7.^m« lcÄv ^,s 4-8. 2t >7»/ 56^. >8 ,7^0-6- 10. L0 21. Hi. 1^. A^Ä>5^N.. 3. 4- 5o5. 10- 6^ 56- sH. 12. 17 15. 437 1, AL. 3-10 4o» 1L LO lo. 731- 21. "L 71- 7)5 3. 18 10 2S5. 1 l^- 54. 7-Z. l 14 ,, 517 6^cc^. 12 13. 157 7 5^. 237 22 ,. 44- 855 20 . 25 4l-L3. 7^3. § >6- 10 ?7-3o. iL7 , 2. 20. 17 4-5. 3.' ^om. - . 5- 5 .85 1 15 20. ' 951 9 2.0s^. 1 A.4. e. I 2 ,t. 13. 2 S. 4 ^ 9 . ,7. r. 27 649. 2-U-tL 33j. 24 -i^V. 4.1s. 9'!. §4^ ^l^cEü^dl^n . ^»Ec^. . . ^ 1Z. 1 ^^. . . 22- ^ 2 l - . 7-13. !^. 22. . . . . . .^L>». - ..MEM).^ !r).„. .. .U>.^ »L r^. ^ b- ' 6.17 l^»eLL,. LtL^-s^ r ^ s u u rS r§P»L»»..,LLL. . ..j^^«».. »'.«7.E ->§> ?? Ä-^r/ -i d' ä 9., ,4^M -. .5,^ I A ti VI* . . . .. . 469. H, (A.^. ^ ««« 8^ . VI* . ... 4-5^ 8. . , . . ,-L8§. lr.. . . . . 43/ !0.(^^^ . 269. 2! ^ ^94 ir.vN^L^,^^. ..^«M - - ' ' . 4oi. 7.^/^^.^^- .2A^ 6 ... 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Lc).^4<^ . - - . 413 . ... 6 . 3 . 2 . . ^ ^ § 2 . 2 ,. . ... 4 - 2 . r. 7 2. § . . .. §. 3 . § ... § - § . ... 4. 2. 2. .... 6 . 3 . 3 . . . §14 . . t§ L 7 14 6^. 3. .ex.^ 12. 8 4. ... 11- I ' ! !l ^ .- - - - 6". 3. A 12.K-/.. . .1 r. ^ ! - . . . . - . .. " - . . .. - v ' --^ lS.^D^ - - .LX,. t - 2). - - - ^-^^ .1! I - - - - . . . A. 1 3. . l .ä^L. Des Ehrendesten und Füwchmen Herren Manuel Utupant/ Handelsmanns allhicr/ gewesenen Ehelichen Hanßfranen/ Aus den Worten 18 ^. 1 . I-1V. 7,8. Der Gemeinde GOttcs bey St. Leonhardt/ den 17. ^prü. 1709. fürgehalten Durch Johann ßer'nrrch Gernier/Dienern 6M H. Evangclio bey St. Peter. gegen sein verlassenes Volck/ In einer Christlichen Lcich - Predigt/ Bey Bestattung Base! / Druckes NudolffEmanuel König. - Text/ I8LI. 1-iV. 7 , r. WiLH habe dieß ein Kern Angm- blick Serlasien / aber mit grosser Barmhertzigkeic wil ich -ich samten. Ich hab mein Angesicht im Augenblickdes Korns ein wenig für dir -erborgen / aber mit ewiger Gnad wil ich mich -ein erbarmen. Außleguttg. Ls jenesmals der grosse ^lexan. 6er die weltberühmte und mächtige Stadt i>us in Phönicier: mit einer schwären Belagerung geängstigt / und dero Einwohrrerc (geschrecket dltrch einen ihrer Dtic- burgeren /der ihnen in voller Ver- samlung angezeiget/der Abgott Apollo, welchen sie A 2 mir VVllZIu5. üb, 2. Khnsiliche_I nnkeiner ungenleinen undgantz sonderlichen Andacht > ^ ^ verehret / wl-rde die Stadt verlassen / wie er dessen in einem Traum verständiget worden seyc) in äusserste Sorgen darüber gerahten / haben sie für Horchten das Bildnuß mit einer güldenen Ketten festgemachet/ zugleich aber auch den Altar «erculis, deme die Stadt geweihet gewesen/ angebunden/der Hoffnung / ihne den ^poUMem hiedurch bey sich zu behalten / lind seinem Abzug vorzuliegen. Fast eben wie die Trojaner/ durch das Oi-aculum oder vermeinten göttlichen Allsspruch gewarnet daöGotzen- bild der euiia; ,n das öberste und sicherste Theil des Schlosses verwahret und dainnen sorgfältig bewachen lassen/ als die in denen steiften Gedancken gestanden / so lang selbiges innert ihren Ringmauren befindlich / werde ihnen kein Leyd wiederfahren Nmd ;e von den Griechen nicht eingenommen noch über wältiget werden mögen. Diese elende lind blinde Heyden haben hiedurch zweiffclsohn ihren thörichten Aberglauben öffentlich an den Tage geleget/als könte nemlich das allcrherr- lichste/ unendliche göttliche Wesen Meinen gewissen Ort eingeschlossen werden / da doch / nach Außsag H. Schlifft' der kdimmcl sein Stuhl/und^die Erde .v.c° 8 . 27 .!scinZußbanckiss. Dennmeyness du/ daß Gort auffErden wohne f Sihe/ der k>immclund aller t7>nnmelen t?immcl mögen ihn nicht versorgen. Oder wie solte doch mit Stricken und Fesseln gebunden werden können Derjenige / welcher die rdrmmcl schaffet und ausbreitet / der die Erde machet und ihr Gcwächße/ der dem 'Oolck/ so dranff IÄ!.66. i. Kai. 42,5. Leich-Predigt. drauss ist/ denArhcmgibt/ und den Geist denen die drauss gehen : Welches Vermögen und k^/a, 40.26. seine starckeKraffc Himmel und Erde in einem Nil und Augenblick m gründe richten kan. Gleichwcl aber haben sie sich darinnen nicht betröget; / daß sie von der Gegenwart GOttes all ihr Heil und Wolfahrt erwamthaben/und in Hoffnlrng gestanden/ so Lang sie denselben sich getrosten können/ so lang seyen sie invdtliger Sicherheit/ und Habensie sich vor einigen Feinden nichts zu besorgen / als die ihnen wenig oder nichts rverden angewinnen. Und deme ist in der That also. Derjenige / der des Beystandes und der gnädigen Gegenwart GOttes versicheret ist / der rnag durch keine widerwertige Bottschassr erschrecket/ durch keine Trübsal dawider geschlagen/ durch keine Kranckheit geangstiget/ durch keine Verfolgung überwunden/durch keinerleyCreutz zur Kleinmührigkeit und VerWeifflung verleitet werden / sondern spricht getrost mir Paulo: wer wilmich scheiden von der LiebcG Drces ^Trübsal/oder 2tngst/ oder'Verfolgung / oderk)un- ger / oder Blosse / oder Fehrlichkcic / oder Schwerdt ^ Ich bin gewiß/ daß weder Tode noch Leben/weder Engel/noch Fürstenchumb/ noch Gewalc / weder Gcgenwertiges noch Fu- bünffciges/weder bdohcs noch Tiefes/ noch einige andere Trcaeur mich scheiden mag von der Liebe GBrces/ die in Christo JEsu ist unserm tdErrn. Wer GOTT zur Seiten hat/ der zaget nicht über der Menge und Gewaltthätigkeit seiner Feinden/ und förchtet sich nicht für vielen Tausenden A z die Lom .8. Z5, N-ZS- !6 Khristlrche I sc». l.set. Kik. llm'v. Lomp, p 10/. Xei^er. dlucl. N>ü. die sich wider ihne legen/ als wol versicheret/ daß thme ^gleich gilt durch wenig oder viel zuhelffen/ undihme leichtfallt/ ihnen einen Rmg in die Nasen / und ein Gebiß in den Mund zu legen / ia etwan wundersame Rettung denen Seinigen zu verschaffen / wie solches mit ihrem eigenen Exempel bekcäfftigen: der eyffertge Kirchenlehrer/ welcher einsmals aus der rund umbher von den Feinden umbgebenen Kirche/ und dannwiederumb auffdem Nilstrohm von seinen Verfolgeren unerkant/ errettet und behalten worden: relix ein Christlicher Priester der Stadt ^ola, unter der Verfolgung Olocie^m, welcher/ da er/ seinen Feinden zu entgehen/sich in das verfallene Gemaur eines alten Hauses hinein begeben/ mußte unversehens eine Spinne ihr Geweb für den Eingang desselben würcken/ und also denen Verfolgeren die Meynung benehmen/ als wäre seit kurtzer Zeit jemand da hindurch gegangen: Simon or/nTus, welcher/ da er mrchdas boßhafftc Angeben radri Srspuieugs jetzt ölte gegriffen werden/ durch einen unbekanten und iveder vor noch nach je gesehenen alten Mann gewar- net/ d lrrch eylfertige Flucht über denRhein gebracht/ und bey Leben erhalten worden. Wer des göttlichen Beystands gewiß ist/tst weit getroster/ als eineBraut über der Gegenwart ihres Bräutigams / ein Kind über der Anwesenheit seines Vatters/ ein Unterthan über dem Schutz seines Königes oder Fürsten / und spricht derowegen mit David: Der tdErr ist mein siecht und mein t)eyl/ für wem solt ich mich förchcen x Der k)Err ist meines LcbcnsR.raffr/ für wem soll mir grauen x Darumb so die Bösen/ 9fsi.27.1-; 1 Leich-Predigt. 7 sen/meine Widersacher und Fcinde/anmich wollen/ mein Fleisch zu fressen/müssen sie anlanssen und fallen, wann sich schon ein t?ccr wider mich lege/ so förchtec sich dennoch mein f)ery nicht/ wann sichB.riegwider mich erhebt/ so verlasse ich mich auftihn. Einmal es bleibetbeydemAttß- spruchdesPsalmisten: wer unter dem Schirm des höchsten sitzet/ und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibet / der spricht zu dem f)Errn/ mein Zuversicht und mein Burg/mein GDrt auss den ich hoffe. Unselige Leute in dem Gegentheil alle diejenigen/welche dieser gnädigen Gegenwart GOttes sich nicht getrosten können! Dann wie? GOTT der KErr weichet nicht von uns/ als da er durch unsere Sünden zum gerechten Zorn wider uns gereitzet wird ? Was Gutes aber hast du zu hoffen/ 6 Mensch/ von dem erzörnten GOtt? Was kan dir für Trost werden / wann dir der rechte Tröster den Rücken zu kehret ? was hast du Gnade zu gewarten / da dir die Thüre der Gnaden verschlossen ? Mußte es dochje- ncsmals die Jüdische Kirche erfahren / da sie der gerechte GOtt in seinem Zorn liesse gen Babel gesanglich wegführen / ünd sie werden mußte wie eine unfruchtbare/ wie ein verlassen und von t)ertzen betrübt Weib / und wie ein junges Weib/ das verflossen ifl. Jedennoch wil der erbarmende GOttdieSei- nigen auch alsdann nicht trostloß stecken noch in attzu- grosserTraurigkeitversincken lassen/ darumb diewei- len er nicht von Hertzen die Menschen schlagt noch betrübet. klsl. sr.l.r. lki.54.l-6 L.SL V. k. 8_Christliche trübet. Es hats erfahren erstangezogenes Volck Juda / welches / obschon ihme die Babylonische Gefangenschafft wäre verkündiget worden/gleichwolen die gnädige Zusage hörete/ daß / wie solches nicht bö- ser/sondern'girrer Meynung beschehen solre/also wurde auch diß thrElend nicht allziilang währen/sondern GOtt der HErr in seinem Zorn mich wicderumb Gnade erzeigen : habe drei) ein klein Augenblick veelaffcn/aber mitgrofferBarmhertzigkeic wilich dich samlcn rc. Wann dann unter vielen anderen dieses einer derjenigen Trost-Sprüchen gewesen/ daran sich unsere abgestorbene mitgläubige Frau und Schwester selig in ihrem Leben/besonders aber auch auffihrcmTodr- Bcthe / und wenigeZcit vor ihrem seligen Hinschcrd/ mit festem Vertrauen gehalten/als gcdcncke ich/unter GOttes mächtigern Beystand / dißmalen bey ihrer Leichbestattung/ selbigen nrit E. L. zu verhandle». ES redt aber in diesem Capitel GOtt der HErr das darnalige Jüdische Volck an / stellet ihme in denen vorhergehenden Worten den trübseligen Zustand vor Augen/ darein sie in das Konfftige wegen ihrer Übermächten Sünden gerahtcn wurden / zeiget aber zugleich an woran sie sich alsdann halten sollen/nem- lich an die feste und immerwährende Gnade GOttes. So daß nichts hinderet/daß nicht eine >edwederc gläubige Seele sich dieselben zu ihrem sonderbaren Trost zueignen und zn Nutz machen möge. Damit aber der Verstand rmd Nachtruck dieser Worten desto besser von uns möge gefaßt werden / so haben wir da Achtung zu geben Leich-Predigt. 9 Erstlich/ Mff den elenden Instand/ m welchen GOttder HErr seine Kirche / und deroGliedmassen ins besondere/ etwan gerahtenläßt. Iweytens/ Wie sie sich darinnen zu getrosten haben/ in Erwegung Theils der Kürtze ihrer Trübsalen/ Theils der ewigen Erbarmung Gottes. Von dem Ersten. As für Elend und Trübsalen so wol die Jü dische Kirche ins besondere/ als aber die Kin der GOttes gemeiniglich treffen sollen / leh ret GOttderHErrmit diesen Worten: Ich bade dich Verlassen : Ich bade mein Angesicht für dir verborgen. Er redet in der vergangenen Zeit/ als obnemlich solches allbereit wäre geschehen/ umb sie von der Gewißheit dieses bevorstehenden Übels zu überzeugen/ wie dann umb eben solcher Ursachen wil len die Gläubigen von denen zukünfftig leistenden Verhetffungen auch also geredet / als ob dteselbige be reits erfüllet gewesen waren: Uns ist ein Band geboren/ ein Sohn ist uns gegeben rc. Er redet aber mituneigentlichcn Worten/ I . Ich bade dich verlassen. Dieweilm GOtt ein unermeßliches / unendliches / allenthalben gegen wertiges/allervottkommenstes Wesen ist / nirgends wo ein noch ausgeschlossen / so kan auch eigentlicher Weise nicht von thme vermeldet werden / daß er sich B da v.t. ein. s. IO Christliche da oder dorthin begebe/ einen Ort räumlich verlasse/ und M anders wohin verfüge: sondern diß ist dahin zu verstehen/daß GOTT der HErr alsdann seine Gnaden-Hand von uns abzeucht/ welches dann be schiehct Mervorderst in deme cr zurück halt mit demjenigen Segen/ welchen er sonsten uns pflegte wicherfah- !ren zu lassen / und dessen Entstehung oder Mangel stms nohrwendig in grosseTraurigkeit undElende verssetzenmuß/eben wie ein Kind sich von seinem Vatter zerlassen achtet/ wann es seiner vorhin gewohnten und öfftersverspürtenGutthäkigkeitentrahten muß. So ieftn wir in der Histori der Richtern / daß/ da der Engel des HErrn den Gidcon also angeredet: Der /u6,c.6.ir,j^Err mir dir/ du streitbarer t^eld/ der Mey- uung ibn'.c dardurch einen Muht einztssprechen/ halbe sichGideonhierin» keineswegs zrt finden gewußt/ und ihme derowegen also entsprochen : Ist der t^>Err mir uns / warumb ist uns dann solches alles wicdcrfahrcn / Als hätte er sagen wollen: Wo / oder bey weme GOTT gegenwärtig ist/ dene läßt er ja seiner Hülff und Beystandes/ seiner Gnade und Segens gemessen; Nun bin ich so wol als das Volck Israel in einen: leidigen Zustande / die Hand der Midianiteren ist uns nun sieben Jahr lang zu schwer/ also daß all unser Gewächße und Nahrung uns verderbet wird / und wir uns für ihnen in denen Gebürgen/ Höhlemund Vestungen verkriechen müssen/ wie kan ich dann glauben / daß der HErr mit mir seye/ oder muß ich nicht viel ehender Messen/ daß der HErr uns verlassen habe? Demnach 6 ->-§ _ Leich-Hrcdigt. _n! Demnach wann er seine würcklichen Gerichte und Straffen ergehen laßt / wann er uns nmb der Sünde willen züchtiget und heimsuchet / und seinen gebietet. So trohete dorten GOtt der HErr denen KinderenIsrael: weilen sie meinen Bund werden fahren lassen/ so wird mein Zorn ergrimmen über sie zur selben Zeit/ und werde sie verlassen/ und mein Antlitz für ihnen verbergen/ daß sie verzehret werden; Und wann sie dann viel Unglück und Angfttreffen wird/werden sie sagen: f)at mich nicht diß Übel alles betreten/ weil mein GBtt nicht mit mir ist? Ich aber werde mein Antlitz verbergen zu der Zeit / umb alles Bösen willen/ das siegcthan haben. So wäre zweiffelsohn die Babylonische Gefangenschafft ein schweres Gericht und würckliche Heimsuchung GOttcs/ und diese wird austrücküch cine'Herlas- sung von GSrr genennet/ wann die bekümmerte Juden klagen: k)Err/ warumb wilk du unser so gar vergessen/ und uns die Länge so gar verlassen ? Bringe uns wieder zu dir / daß wir wieder heim kommen. Vcuk.§i.r6, vnrcn. 5. ro. rr. 2. Dabey aber laßt es GOtt der HErr nicht bewenden / daß er sie verlassen / sondern er setzet noch hinzu: Ich hab mein Angesicht für dir verbor- gen. Wie GOTT ein Geist ist / der keine leibliche Gliedmassen/kein Angesicht/ Hände noch Füsse bat/ der Ursachen er dann weder mir leiblichen Augen gesehen/ noch mit Menschen Handen abgemahlet oder vorgebildet werden kan/dann wem wolr ihr GBrr ik,-. 40.18. B 2 nach-j I 2 Khnstliche Lxo. 10. r 8 - Il-i. L7.1/. kliiI-44. 25. nachbilden/ oder. was für ein Gleichniß wollet ihr ihm zurichten r Also kan von ihme eigentlich nicht gesagt werden / daß er sein Angesicht verberge; sondern durch diese in H. Schrifft nicht ungcwdhnli che Redens-Art wird auff den Zorn GOttes gedeutet/ welcher über die Menschen entbrannt durch augenscheinliche Straffen sich offenbaret/und ist dtß eine Gleichnuß Rede/ entlehnet von der Gcwonheitson derlich grosser Fürsten und Herren / welche / wann sie jemanden den Rucken zukehren / oder den Zutritt versagen / auch das Angesicht von ihme abwenden/ ihme dadurch ihre Ungunst zu verstehen geben wollen/ und daß sie auff ihne zörnen/ welcher gestalten dorten Pharao gegen Mose sich vernemmen ließ: Gehe von mir/und hüte dich/daß du nicht mehr für meine Augen kommest/ d am» welches Tages du für meine Augen kommest/ solc du sterben. So verbarg dann auch allhier GOtt sein Angesicht für dem Volck Juda/ ward über sie entrüstet / und ließ sie fühlen die gerechten Würckungen seines grimmigen Zorns. Das ists/ was die Kirche GOttes/samt allen ihro einverleibten Gliedmassen/ je und allwegen erfahret/ nemlich daß siezuweilenvon GOttverlasten zu seyn scheinet/ und der HErr sein Angesicht für ihro verbirget. Wie es vormals von Juda geheißen: Ich war zornig über die Untugend ihres Gci- tzcs/und schlug sie/ verbärge mich und zörncte/ also gehets denen Kinderen GOttes noch beut zu Tage/ lind müssen die mehrmalen klagen: warum verbirgest du dein Antlitz / vergissest unsers Elends Lcich/Prcdigk. Elendes und Drangs ? Die Kirche ist die Braut/ welche ihren Seelen Bräutigam verlohren/ rmd dcne so sehnlich verlanget : Sage mir andu/den meine Seele lieber/ wo du weidest / wo du ruhest im Mirrage/ daß ich nicht hm und her gehen müsse/ bey den t)cerdcn deiner Gesellen? Und Wieder umb : Ich suchte des Nachts in meinem Bchtc den meine Seele liebet/ Ichsucht / aber ich fand ihn nicht; Ich wil aussstehcn und in der Sradr nmbgehctt anssden Gassen und Strassen/ und suchen den meine Seele liebcr/ich suchce/aber ich fand ihn nicht : Es funden mich die Wächter in der Stadt umbgcheu. t?abt ihr nicht gesehen/ den meine Seele lieber f Die Kirche ist es/ welche ctwan weinend mit Maria spricht: Sie haben meinen t7>Errn weggenommen / und ich weiß nicht wo sie ihn hingelegt haben. Gläubige Gliedmasien des HErm JEsu erseufftzen mehr- malen :Mcin Freund stehet hinter unser wand und scher durchs Fenster / und gucket durchs Giccer. Oder hatte dann GOtt der HErr seine Kirche nicht verlassen / und sein Angesicht für ihre verborgen zu den Zeiten Mosis/ da der Egyptische König sie mit Listen zu dämpffen gesucht/ und man Fron-Vögte über die Kinder Israel gesetzet/ welche sie mit schwären Diensten trucken / und ihnen ihr Leben säur machen selten mir schwärcr Arbeit im Thon und Zieglen / und mit allerley Frönen auffdem Felde/ und mit allerley Arbeit/ die sie ihnen aussagten mit Unbarmhertzlgkcit / so gar / daß denen Wehe Müttern Bestich ertheilet worden / die Söhne der B z Ebrei- Lsiil. r-7. Lsnr.z.i-Z. /o,. 20. esnr r. s Lxoli. i.«« >4 — > 6 . i4_ Christliche _ EbrerschenWeiberen gleich in der Geburt zu tdden/ cdcr in dem Wasser zu crsäuffcn ? Hatte GOtt nicht se:n Angesicht für ihnen verborgen / da er zu unrer- schredlichcn malen dre Alnmonilcr /Moabuer / Ama- lekuec/ und andere Heydnische Völcker wider sie avff- gewecket/ und ihre Hand gestärckec/ daß die Jsraelt- ier ihnen dienen und zinßbar seyn mußten / ja der HErr ansieng ihrer übcrdrüßig zu werden? Ist es nicht geschehen unter der Tyranney In dem Neuen Testament unter denen fast dreyhun- dert jährigen Verfolgungen der damals lebenden Heydmschen Römischen Käylern/ wie auch nachge- hends derer Arianeren / und des Römischen Wider-Christen? Und wann wir von sonderbaren Personen reden wolten/ wie schiene nicht GOtt der HErr den Abraham verlassen zuhaben / da er ihme befohlen seinen einigen Sohn denIsaac/ in welchem ihme die Verheißung gethan worden / eigenhändig auff dem Berge Morijah zu schlachten und auffzu- opffern ? Hatte er nicht seinAngesicht imZorn vcrbor- genfür Jacob / wann dieser von seinem Bruder dem Esau verfolgt/vonLaban feinem Sckwäher geneidet/ drirch den Todesfall Rahel / Rllbens Blritschand/ j Simeons und Levi mörderische Schwerdter/ seiner j Tochter Dina Verfällung/ Josephs Entführung und vermeinren Tode / und auffso viele andere Weiln seiner Seele betrübet worden ? Hätte der HErr nicht zu Hiob sprechen können: Ich habe dich verlassen rc. Als dieser auff einen Tag die Bottschafft überkommen/ daß die Araber und Cbaldeenhmc ins Land gefallen/ all sein Haab und Gut ihme geraubek/ darne- Lcich/Predigt. is darneben arrch alle ferne Söhne und Töchtern durch den Einfall des Hausts/darinnen sie ftöiich gewesen/ umbkommeri/ er selbsten aber an feinern Leibe mit bösen schwären von der Fußsohlen an biß auff seinen Scheitel geschlagen / auch von seinem Weibe und Freunden verspottet und verhdnet worden! Mehrerer Exempeln zu geschweige». Dahin allein soll uns diese Betrachtung dienen/ daß i. wenn es auch uns ins besondere / oder der Kirche GOttes heut zu Tage dahin kommen solle/ daß sie der Anschauung des gnädigen Angesichts solte beraubet werden / wir uns daran nicht flössen / noch solches für ein Zeichen der gäntzlichen Verlassung GOttes aussnehmen müssen : wann er uns durch Entziehung unserer Liebsten / Elteren/ Ehegatten/ Kinderen oder Freunden Traurigkeit zufüget / wir dennoch den Muht mcht sincken lassen; 2. Herwie- derumb aber wenn er uns Wohlstand bescheret / lind unseren Mund voll lachens / und unsere Zunge voll Rühmens machet / wir uns darüber nicht erheben/ Alm.>2^2 wiedemmb verlasse und seirrgnadigeö Antlitz für uns verberge. Auch ?. dazu / daß wann etwan GOrt der HErr seine Kirche insgemein/ oder ein Kind GOttes absonderlich in den Stand setzet/daß es un ter dern Zorn GOttes erseufftzet/ und bey sich selbsten spricht: Der hat mich verlassen/ der N>Err dar mein vergessen : wir darumb nicht al- sofort ein ungütlich Urtheil selten / sondern geden- ckcn sollen/ ein gleiches seye ja über Juda / das hie bevor Iki. 4s. 14. Acsi»,2o.Li. LcclcL 9.i- 7«. V- »9 i.kct. 4.17, «r- 6 en.rS. -5. ri. 2 . > 1 ru.» 74 S 16_ Khristttche _^ bevor so hochgeliebte Juda ergangen/ für welchem GOct sein Angesicht verborgen/ ja gar ihme in einen Grausamen verwandelt worden. Salomo sagt: Niemand kennet die Liebe noch den tdaß deß/ den er für sich hat. Beym Propheten spricht GOtt: Gihe/ in der Grade/ die nach meinem Nahmen genennee ist / sahe ich an zu plagen. Und Petrus: Es ist Zeit/ daß anfahe das Gericht an dem tdause GQrces: so aber zu erst an uns/ was wils für ein Ende werden mit denen/ die dem Evangelio Gattes nicht glauben? 4. Und weilen bloß allein die leidige Sünde eine Ur- sächcrin ift/umb derentwillen der HErr uns verläßt und sein Angesicht uns entzeucht / Ach! so siopffen wir doch diese unreine Brunnquelle / wie dorten die Philister verstopffeten die Brunnen Macs in dem Lande Gerar / und fliehen für der Sunde wie für einer Schlange. Gölte jemand ein grosses. Übel verhüten können/solches aber aus Leichtsinnigkeit verabsäumen/ warlich der wurde billich für einen boß- hafftigen oder unbesonnenen und thörichten Menschen gehalten werden: Und wir/ wir hören / daß GOtt der HErr uns etwan verlasse und sein Angesicht für uns verberge allein umb der Sünde willen / wie sollen wir dann darinnen beharren / und uns das allergrösseste Übel / das uns begegnen kan/über den Halß ziehen wollen ? Hat doch der hochgelobte Sohn GOttes sclbsten / da er umb unser Sünde willen den Zorn seines himmlischen Vatters fühlcte/ aus äusserster Betrübniß hierüber so beweglich geklaget: Mein G Ott/ mein GOcr/ warumb hast du mich verlassen? Leich-Predtgt. -7 Lol. Lassen r Und darum / wollen wir/ daß der HErr mit semem Schutz und Gnade/ mitseinem Trost und Se gen bey uns bleibe / ach so bleiben auch wir fest an ih- me/durch einen steiffenGlauben und allffrichttgenGe- horsam.Soll er uns nicht allfgeben/so hüten wir uns/ daß wir ihme nicht zuvor dazltAnlaß geben; sagen wir vielmehr ab der Sünde und aller Ungerechtigkeit. Oder wie sotten wir hoffen können/ als Kinder von ihme gehalten zu werden / da wir ihme kindliche Pflicht und Gehorsam abschlagen wurden ? Wie können mir mit Recht verlangen / daß er uns seine Gunst und Gnade zuwende/ wann wir mit Beleidigung seiner Merhciligsten Majestät kein Ende machen? So tödec danneucre Glieder die auffEr- de sind / ziehet den alten Menschen mit seinen wercken aus/ und ziehet den neuen an / der da ^erneuert wird zu der Erkanntnuß/ nach dem Ebenbilde dess/der ihn geschaffen hat. Von dem Zweyten. Lsdann können wir uns umb so viel versicherter halten / daß/ obschon wir etwan scheinen von GOtt verlassen zu seyn / solches dennoch uns keinen Nachtheil werde bringen können; und daß wir derowegen nicht dörffen den Muht sincken lassen/ noch an der Hülffe GOttes verzagen / arrgcse- ben Ers doch vätterlich mit uns meynet/ obschon un- r ser Wainen den Abend lang währet/ dennoch des Morgens die Freude wiederumb bey uns einkehren/ oder wie GOrc der HErr in unserem Text redet/ auff C dieses! i8 Khrisrlrche _ dieses kleine Augenblick grosse Barmhertzigkelt/ ewige Gnade erfolgerr solle: Ich habe dich ein klein Augenblick verlassen/ aber mit grosser Barm- hertzrgkcit wil ich dich samlcnrc. Diese Worte enthalten eine zweyfache und gantz reiche Trojiquclle wwer diese ihnen den Juden hinkönsttig bevorstehende Trübsalen / wormit auch wir in allen unseren Nohten uns kraffrigtich auffrichten können. i. Die Erste ist hergenommen von dero Körbe : Ich habe dich ein klein Augenblick verlassen/ und wiederumb: Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig für dir verborgen. Gewißlich ein satter und grosser Trost! Ein Augenblick ist sa eine gar kurtze Zeit/ so lang aber / sagt Gott der HErr / solle der Juden lind all unser Elend währen : und weilen dieses ihne zu lang belichte/ so nennet ers ein klein Augenblick: ja gleich als ob er auch damit seine Hülste und den Termin ihrer Erlösung allzulang ausgestellet hätte / setzeterhinzu/ er habe sein Angesicht im kleinen Allgenblick des Zorns nur ein wenig für ihnen verborgen. Wie dieses an dem VelckJuda lind uns allen erfüllet werde / soll Her- nachfolgen. , Diß sehen wir jetzunder hieraus / daß so wol der ! Zorn GOttes über seineGlaubigen/ als auch die dan- nenbero rührende Züchtig-und Heimsuchungen nicht immer und ewiglich / sondern nur eine kurse Zeit währen sollen. Kurtz wahret der Zorn GOttes/ nicht zwar über denen Gottlosen und Verworffenen/ dann diese sollen in alle Ewigkeit denselben kühlen / als , Besässe des Zorns zugerichtet zur Verdamnuß/der Ursachen Lach-predigt. I9t tlai.66.r4. s/rkelli-y. klzl.;o 6.2c ,0j. r.s Ursachen dann die Qual der Verdamten als eine cw> ge Qual beschrieben wird / da ihr wnrin nicht sterben/ihr Feur nicht verlöschen/ und sie allem Fleisch ein Greuel seyn werden/ da sie Pein lcy- densollendas ewige'Verderben von dem Angc sichte des t)Errn / und von seiner herrlichen Macht : Sondern in Ansehen derAttßerwehltcn/ als welche mit David sagen können: Sein Zorn währet ein Augenblick und er hacLustzumLe ben / dann barmhertzig und gnädig ist der tdErr/ gcdultigund von grosser Gute/ erwird nichcimmerdar hadern noch ewiglich Zorn halsten. Wie der Zorn GQttcs über sie ciubremret ist ihrer Sünden wegen/ also gehen sie kaum wiederumb in sich sechsten/ tragen darüber hcrtzlich Reu und Leid/ so ist allbereit sein Vatter-Hertz überwunden/so läßt er augenblicklich die Ruche seines Grimmes sincken/ als der sich sechsten gegen dem Volck Israel vormals heraus gelassen: Achre wieder/ du abtrünnige/cr.z. l-,iF. Israel/ spricht der t^)Err/ so wilich mein Antlitz gegen euch nicht verstellen / dann ich bin barmhertzig/ und wil nicht ewiglich zornen; allein erkenne deine Missethat / und daß du wider den h)Errn deinen GDttgcsündigechast. Kurtz wahren demnach auch die Züchtigungen / mit welchen GOtt der HErr unsere Sünde heimsilchet. Wir sehens ja heiter in unserem Text / und zwar/ über alles vorgemeldte/ auch darauß/ daß der HErr in vergangener Zeite redet / Ich habe dich verlassen rc. anzudeuten/ obschon solches ihnen den Juden annoch bevorstehe / jedennoch werde es eine so kleine! C 2 Zciti Khnstttche r.Lor.4.17. klrl 4r. 8. -^ic^ Ll^ö IZeit währen / daß sie säst vermeynen möchten/ ob lväre selbige allbcrcit vorbey, ^t. Paulus redt hieven also: Unsere Trübsal ist zeitlich und leicht/ schaffet aber eine ewige/ und über alle maß wich- kige Herrlichkeit. Ist die Ursach umb derentwillen unsere Widcrwertigkeiren / mit welchen wir umb der Sunde willen von GOtt beleget werden / bald denen Wolckcn/ bald denen Meeres-Almen verglichen werden/wie dann David dorten klaget : Deine Fluten rauschen daher / daß hie eine Tiefte und da eine Tiefte brausten/ alle deine Wasserwegen und Wellen gehen über mich : Gleich Wie die Wol- cken nicht allzulang an einem Ort stehen bleiben/ sondern von dem Winde / sonderlich da selbiger mit Macht gehet/ gar leichtlich verjaget und zerstreuet werden; auch die brausende Meereswagen und auff- getricbene Wellen in denen Wasseren ebenmäßig sich wiederumb legen und still sind / so bald der Winden und des Wetters Ungestümigkeit sich geleget hat: Also wann der auffwailende Zorn-Eyfer GOttes des HErrn sich gesetzct/ kan es nicht änderst seyn/ oder es müssen die Aruchten desselben/ seine Straffen und Heimsuchungen über uns aufthören und mögen selbige wol ^ubeculs rransiens , ein fürüber eilendes Traur-Wölckleingenennet werden / welchen Nah- mcnjcnesmals der fromme Lehrer dem boßhafften Christen - Aeind guimno dem Abtrünnigen gegeben. Ist nun dem also / wie hätten die Juden sich nicht trösten sollen über der Aorcht und erwarten der Dingen / dft noch geschehen wurden? Verbirget sich der* Leich-Predlgt. 2 I <"ic. in r-c- lio. der HErr nur ein wenig im Augenblick des Zorns für uns/ ey warllmb wölken wir uns dann so trostloß darüber geberden/ so verzagt undkleinmühtigdarü ber werden? Dasjenige/ was denen Verdamtenin der Holle ihre Peine unleidlich machet/ istzweiffels ohn/ weilen selbige kern Ende nehmen soll: so hast du dann/6 Mensch/nicht Ursach in deinen zeitlichen Trübsalen den Muht sincken zu lassen/als der du Missest/daß selbige nur einen kleinen Augenblick dich rrü- ck(N sollen. Onmis brevia colerLbUiL elle ciebenc ermmii mgAna, sagt Licero der weise Heyde/alles dasjenige/ was eine kurtze Zeit wahrer/ wie beschwer lich es immer seyn möchte / soll uns dennoch leicht und erträglich fallen eben umb dieser Ursach willen / die weilen es seine gesetzte kurtze Zeit hat. Müssen wir dann etwan sehen / wie die Verfolgungen der Kirche eine lange Zeit anhalten / also daß sie beweglich seuff- tzM MUß : Sie haben mich ossr gcdrenger von meiner Jugend aufs/ so sage Israel/ sie haben mich o fft gcdrenger von meiner Jugend aufs/ die pflrrgcr haben auff meinem R.uckcn geackert/ und ihre Forchen lang gezogen ; Klaget ein glätt biger Mensch : wird dann der t)Err ewiglich verflossen / und keine Gnade mehr erzeigen r ist ^« 77 -^ es dann gantz und gar aus mit seiner Güre/ und hac die'Verheissung ein Ende r k)ac dannG-^tt vergessen gnädig zu seyn/ und sein Angesicht für Zorn verborgen r Nur wol getrost! Der dem Meer seine Grentzen gesttzet / der hat auch deinen Trübsalen ein Ziel / eine kurtze Zeit und Termin bestimmet/ da er stm Angesicht für dir verbergen wib er C z wird k5sl.ir9.i-;. >22 Künstliche Zl.zr. s- i^wtrd auch ablassen von dm/ und dich erqrucken/ nach- deur er zornig geweicn. Werden drr diejenige aus den Augen durch den zeitlichen Tod entrissen / deren du dich gefrcuet/ dem gerrcuer Ehegatt / deine stechrge Gehülffin/ das Wem deines Bundes/die Oelzweig lk^m,rs 3 lern umb demen Lisch der wolgerahrenc Kinder / deine Eiteren welche für derne zeitliche und ewige Wohl- fart gesorget rc. 9 wr getrost/ der HEn/der dir sie nur für ein kurtze Weile gegonncr wird dich auch nicht ewiglich von ihnen trennen / sondern sie dir dermal- eins in ewiger Freude lind Glückseligkeit wieder jeden äffen/ dann er bac dich nurcrncn klCtNcnAugcn- Uick verlassen rc. Er verflösset ja nicht cwtg- ich/ sondern er becrübec wol / und erbarmet sich wieder nach seiner grossen Güte/ dann er nicht von t^ertzen dre Menschen ptagcc und betrübet. Summa / was immer für Creutz dich ängstigen und rucken mochte / so gedencke du/ der HErr habe sein Angesicht im Augenblick des Zorns nur ein wenig ur dir verborgen / freue dich viel mehr in deinem GOtt/und halte mit Paulo darssrr/ daß dieser Zeit Lcrden nichtwcrcb sey der Herrlichkeit / so auch an dir solle geossenbarct werden. GLET^ der k)Err ifl und bleibet sa getreu/ der uns nicht laß^ versuchen über unser 'Vcrmögcn/sondcrn macht daß die Versuchung so ein Ende gewinne / daß wirs ertragen können. Nur daß auch wir es nicht lang anstehen lassen mit unserer Busie und Besserung/ ohne welche wir keine Hoffnung lassen können/sein gnädiges Antlitz wtederumb anzuschauen; i.k-k.4.ldaß wir ausshören von Sünden/ und was noch ! hintcr- k.om-8. ^8 i.cor.io.iz. Leich/Predigt. 2Z hintcrstelligcr Feie im Fleisch ist/ hinfort nicht der Menschen Lüsten / sondern dem willen GDrccs leben. So/ so werden wir nicht allein erfahren/daß all unser Creutz kurtz/ sondern auch daßi GOttes Gnade und Barmhertzigkeit über uns ewig' lich walten solle. 2. Welches dann jetzund die zweyte Trost Quelle / welche GOtt der HErr allhier dem Hallst Juda und allen seinen lieben Kinderen eröffnet und fliesten läßt: Ich habe dich ein klein Augenblick verlassen/ aber mit grosser Barmherzigkeit wil ich dich samlen rc. Der HErr gebrauchet sich verschiedener Redens-Arten/ urnb ltns diesen Trost desto krafftiger beyzubringen/ und keine auch nicht die allergeringste Ursach einigen Zweiffcls in unseren Hertzen übrig zu lassen / wodurch er dann die Auffrtchtigkeit feinerm uns tragenden Huld und Gnade/ wie auch die unfehlbare Gewißheit des verheißenen Trostes uns zu erkennen geben wil. ^Zch wil dich samlen / spricht GOtt. Wir samlen dasjenige/ was hin und her zerstreuet gelegen. So samleten die Kinder Israel das Man in der Wüsten/welches wie der Retfflagauffdem Lande/laut des göttlichen Befehls : Ein jeglicher samle deß so viel er für sich essen mag/ und nemme cin Go mor aufsein jeglich k)anpc/ nach der Zakl der Seelen in seine k^ücten ; und die Minder Istacl thäten also/und samlccen/einer viel / der ander wenig / so viel er für sich essen mochte. So sam- lcr der Ackersmann das Getraidr/ nachdcme selbiges in Garben gebunden auff dem Felde zerstreuet gestanden/ v.t. Lxo^.16.16, 24_Christliche Uatlk.r.ir. Lcoä.rziS Veuk.r8-r;. z6,6^,64, Ss. den/in seine Scheue/ und sihet dahin Johannes der Tauffer wann er von Christo spricht : Er hac seine wornschaustei in seiner k?and / er wird serne Tcn-refegen/ und den wäiyen in seine Schenken samlen / aber dre Spreu wird er verbrennen mir ewigem Zcur: Ja so hatten die Jsraeliter und Jilden vormalen ein so nderbares Fest gescyret/ nach- den -e die Früchten des Landes Korn upd Wein waren eingesamlet gewesen/ laut der Worten GOttes: Das Fest der Einsamlung solt du halten im Außgang des ^Iahrs/ wann du deine Arbeit cin- gcsamlec hast vom Felde. Wannderowegen GOtt der HErr in unseren Textes Worten dem Jüdischen Volckjetzt verspricht/ er wolle selbiges samlen/ so ist sein lnrenr und das Absehen seiner Verheißung dieses : Obschon eine schwere Züchtigung ihnen bevorstehe / und sie erfahren sollen die Erfüllung verschon durch Mose gethanen Trohung : Du wirst zerstreuet werden unrer alle Reiche aust Erden/ der k)err wird dich und deinen A önig/ den du über dich geseyer hast/treiben unter ein'Volck das du nicht kennest /noch deine Vätter/ und werdet verstöhrer werden von dem LIande/ da du einzeuchst setzt einzuncmmcn / dann der t)Err wird dich zcrstreuenuncer alle Völcker/ von einem Ende der Welt biß ans ander/ darzu wirst dir Unter denselben Völckern kein bleibend "Wesen haben / Und deine Fußsohlen werden keine Ruhe haben : Jedennoch müssen sie darumb das Hertz nickt fallenlassen / wie sehr zerstreuet sie auch werden / so sollen sie doch wiederum gesamlet werden/ wann Lcich-Prcdtgt. 25! wann sie schon hin urrd her denen Heyden dienen müs- ^ 'en/so werden sie gleichwol wieder zusarsien gebracht/ aus allen Landern gen Jerusalem gcführet/ und ihr Gottesdienst auffs neue auffgerichtet werden. Ist hiemir eben diejenige trostreiche Zusage / welche schon dorten der Prophet in dem Nahmen GOttcs denen Juden gethan: Der t)Err wird zu der Zeit zum andern mal seine and ausstrecken/ daß er das übrige seines*Oolcks crbricge/ so überblieben ist von denAgsyreren/Egypccren/ pathros/ Mo- renland / Elamieen/ Sinear/s)amach/ und llsi.H.N,!». von dcnInsultt des Meers / und wird einpanir austwcrstcn unter die t^cydcn / und zusammen bringen die versagten aus Israel / und die zcr- strcueten aus Juda zu tdanfs führen von den vier Werteren des Erdreichs. Und diese Reden s-Art GOttes/ deren er sich allhier zürn Trost seines betrangten Volckes bedienet/ gibt uns imfurüber gehen diesen Lchr-Punctenan die Land / wie daß diejenigen / welche GOtt verlaßt/ notwendig zerstreitet werden müssen. Danndie- weilen je der Zweck einer rechtschassenen Einigkeit al- letn dahiit gehet/ mit GOtt vereinbahret zu seyn/ also wer der Gemcinschafft GOttes nicht versicheret ist/ der oder dlesclbige niüssen nohtwendiger Weise hin und her zerstreuet herumb gehen. Das sehen wir ja allhier an dem Jüdischen Volcke; Diese/als von GOtc Verlassene / sollen da und dorthin zerstreuet werden / änderst hatten sie des Trostes in unserm Text nicht ndhtig gehabt: Ich wil dich samten. Es widerfahret der Kirche ins gemein / und dero D glätt- >26 Künstliche Nazn.i6.zr, 2cj>k.z. lv. SÄo.ii. r§ gläubigen Gliedmassen insbesondere / waswcyland denen Aposteln begegnet / dann da Christus ihnen war entzogen/lind zu einem schwächlichen Creuyeö- Tode hingerissen worden / giengen sie hin und her in der irre herum/ nach der Weissagung Christi selbst: Slhc/ eskoisscdic Drundc/ undistschonkom- men/ daß ihr zerstreuet werdet/ emicglicherin das seine / und mich aUcine lasset. Anderstwo iMch IEsils noch deutlicher: Ich werde den Wirten schlagen/und die Gtiaase der N>cerdewel den sich zerstreuen. Wrr sehen ja die Erfahrung dessen «ehr denn genugsain an unserem Itlda/diese sobald te von GOtt waren übergeben worden/zertheilten tch hlnund her/sogar daß ihnen der stoltzeHamansöl- ches ztl Schaden ausdemen/und sie beydem Konig in Unglück darüber bringen wolre: Es ist ein ^olck zerstreuet/ und theilt sich unter alle Kolter in allen Landen deines A.önigre»ches. Umb welcher Ursach willendann mich ihnen denIuden dieser^lahme beygeleget worden : Man wird meine Anderer/ ncmlich die Zcrstreueren / von jenseit dem Wasser/ im Mohrcnland/ Herdringen zum Gescheute. Also da Stephanus der Ertzwärrerer ge- steiniget / und darüber eine Verfolgung wider die Gläubigen erreget worden / warden ihrer viel zerstreuet in dem Trübsal/ so sich über Stephans erhud/ und giengen umher diß gen phönicien/ und Typcrn und Anriochia. Attff gleiche Weist ergienge es in denen schweren Verfolgungen der Christen folgender Zeiten. Als veciu-. der ionsten löbliche Käyfer/ aus Luperüuwa und Aberglaube/ ^ wie Leich-Predigt. wie auch aus Haß gegen Kayser ktijUppum den Ära ber/welcher denenChriften gönstiger gewesen/hcfftig wider selbige getobet und gewütet / hiemit GOtt der HErr sein Angesicht eine kleine und mehr nicht dann zweyjahrige Zeit verborgen hatte / da warben / aus Horcht der grausamen denen Christen angelegten Marter/ ihrer viele bewogen / mit Hinterlassung all des ihrigen ihres Lebens Rettung zu suchen/ und hin und hersich zu zerstreiten / unter welchen auch gewe sM Lecillius Lyprianus HZischoss ZU LarcNaAv, Ore- Zorius Bischosszu Neu OXlgrea, Oionyüus -^lexän- ärinus, und lmzehlich andere die ihrem Exemvelge- ^ folget; ja aus eben diesen: Anlasse ist hernachmals das Einsidlertsche/folgends auch das einsame Closter- leben entstanden/ dieweilendie Christen ihre Sicherheit an dergleichen abgelegen-und von aller menschli chen Gesellschasst entfernten Oerteren suchen müßen/ da dann ?3uiu; ein Egyptischer Jüngling in das Gebirge sich begeben / und daselbsten in einer Höhle auffdie yo. Jahre lang/ biß in das Jahr Christi Z44. gelebet/ auch in Gegenwart seines Nachfahren ^nconn seinen Geist auffgegeben. Und ist es dann nicht eben auch also ergangen denen alten Mutter-Kirchen der gottseligen Waldensern/ denn da im " dreyzebcnden Jahrhundert nach Christi Geburt der HErr dieselbigcn eine Zeitlang verlassen wolle / wurden/ in denen vomPabst tunocenno m. und dessen Nachsolgeren HonorioUI. 65eZorio IX. Innocen- no IV. ^lexanciro IV wieauchDominico Ouxmsn- no, und I^rancisco Lcc. erregten Verfolgungen und Creutz-Zügen/ wodurch ihrer eine unsägliche D 2 Menge kr. U.L.stj 5cc. 8psnli. I. c. rcl 5cc.l/.öc 2 8 ^ Khristliche l^uc.iz.», v. k. Menge erschlagen worden/ die übrigen getrieben/sich durch gantz f.urop.im. sonderlich aber in Franckreich/ Engelland/ Flandern/ Teutschland/Böhmen/ Poh- len / Croatien / Dalmatien/ die Bltlgarey und an- dcriiwo auszubreiten und zu zerstreuen / aus welchen hernachmals VVicless' R.eoior zu l-urcer- vvorcli in Engelland und Professor H. Schlifft zu Oxfurt umb das Jahr 1370. Demnach die L>ußi- ten inBöhmen entsprossen / und also demLiecht des Evangelii und der seligen keformscion allmählich der Wege gcbahnet/ wie mit mehrerm auSderKir- chen-History selbiger Zeiten zu ersehen. Zu geschwei- gen/ daß dergleichen Zerstreuung auch wir in unseren Tagen erlebet an denen Kirchen in Zranckreich und anderstwo/ zweiffelöohn unib keiner anderen Ursache willen/ als weilen GOtt der HErr / dero Sünden wegen/sein Angesicht im Zorn für ihnen verborgm/ utrd lms durch diese noch hellt zu Tage zuruffen laßt: ; Mcyncrihr/ paß diese für Änderen Sünder gewesen sind / dieweil ste das erlitten haben e g>ch sage/^lein : Sondern so ihr euch nicht besserer/ werdet ihr alle auch also unrbkommen, Sticht laßt es aber GOtt der HErr dabey bewenden / daß er schlechterdings sie zu samlen verspricht/ sondern er setzet hinzu: Mit grosser Bar,n- hcryigkeit/ Mir ewiger Gnade. Von der Beständigkeit der Gnade GOttes kan in dasKönffrige G.G. alls Anlaß nächstfolgender Worten aereder werden; dißmalen verwunderen wir uns billich übn- die Grösse derselbtgen. Wir Menschen wann wir uns versöhnen mit denen die uns beleidiget haben / lassen uns Lerch Predigt. 29! l nicht bald bewegen/ mit voriger Offenherzigkeit und Vertraulichkeit mir ihnen rundzugehen / noch denen unsere ganye Gunstgewogenheit gleichAnfangs sehen zu lassen/ sondern halten gemeiniglich in etwas zurück/ und sind damit sparsamer / nmb zu sehen wie sie sich in das Konfftige gegen uns begehren auffzu- führen. Wann ein Kind eines groben Verbrechens schuldig worden gegen seinen Elteren / kan es zwar wol geschehen/ daß diese thme solches übersehen / doch werderr sie sich gegen deine etwas fremder anstellen/ der Hoffnung es in horchten und gleichsam in dein ^ Zaum zuhalten / damit es Hinsort klüglicher handle: Linderst ist GOtt der HErr gegen uns gesinner/w ann der/ durch rmsere Sünden gegen uns geredet / seine Straffen über uns ergeben läßt / also daß wir zerstreuet werden / wil er gleichwol uns nicht nnrwie- demmb samten/ sondern mit grosser Barn.bertzigkeit und ewiger Gnade; wann er sem Angesicht für uns verborgen / wil er uns selbiges nicht nur wiederum!) zuwenden / sondern auch seine grosse Gnade gegen uns auff eine besondere Welse offenbahren / eben wie er allhier dem Hause Juda verbeißen /nicht daß er mit voriger/ sondern mit großer Barmhertztgketr/ ihnen begegnen werde. So gütig und treu ist GOtt derHErr gegen die Seinigen. Es könre denen ja genug fern / wann er ihnen die zugesanre Heimsuchungen wicdcrumb abnähme/ und sie in vorigen Stand zu setzen geliebte/ ja wann er sie nur nicht gäntzlich darinnen untergehen und verderben liesse: So aber thut das treue Vatter- Hertz nicht / so lau oder kaltsinnig ist er nicht ^D z gegen, ZO Christliche Lscck.zS. -.ii. Hink. 41. gegen uns sein armes und blödes Geschöpff/ sondern er thut es mit grosser Barmhertzigkeit/ aus brünstiger Liebe / also daß er nachgehends mehr Gutes uns beweiset als nie zuvoren. Ist dasjenige / was er dem Hause Israel auch anderstwo zugesagt hat: Ich wil mich wieder zu euch wenden / und euch ansehen/ daß ihr gcbauet und besäet werdet/ und wil bey euch dcrLeurcnvielmachen/ das gantze^sracl allzumal / ja ich wil bey euch der Leuten und des Viehes viel machen/ daß ihr euch mehren und wachsen sollet/ und ich wil euch wieder einsetzen da ihr vorhin wohnecct/ und wil euch mehr gutes thun dann zuvorjc/und sollet crfahren/daß ich der t)Err sey. Der gedultige Mann Htob ist uns ja dessen ein mehr dann genugsamesExempel lind Beweißrhlunb; dieser schiene erfahren zu haben / daß der HErr sein Angesicht für ihme verborgen; aber wie hat nicht GOtt der HEn sich seiner mit grosser Barmhertzigkeit angenommen / wann er das Gefängniß r)iob gewendet/ und ihme zweyfälrig so viel gegeben/ als er gehabt hatte/ undihnc hernach gesegnet mehr dannvorhin. Ja / möchte allhier j emand einwerffen / wo bleibet aber die Erfüllling dieser Verheissung ? Und wie kanGOtt der.HErr demJüdischcn Volck ztisagen/sel- biges mit grosser Barmhertzigkeit zu samten / da doch nit allein bald darauf sie gen Babel mußten gcfänglich weggeführet werden/ und daselbstcnin äusserstem Elende 70. gantzerJahre lang/unter einemVolck von unbckanter Sprache und Zungen/ ohne Übung ihres Gottesdienstes rc. zubringen/ sondern auch ohnlangs Leich-Pi'cdigt. nach dcro Besteyung aus der Babylonischen Besang genschafft/ und Wiederemsetzimg in das verheißene' Land Canaan / eine geraume Zeit vor der Geburt, Cbristi/lhre Beschwerden undTrangsalen auffs neue zrigenommen/ und die Jüdische Kirche in das äusserste Elende gerahken/ sonderlich zu den Zerren cbi Lpipbanis. welcher den Tempel und das Heilig thumb beraubet/alle desscnSchmuck/ Gcrahre und verborgene Schätze weggeführet / viele Leute töden lassen/ die Stadt geplünderet / d cHauser verbrannt/ die Mauren darnieder gerrss'rr / Weib / Kind und Vieh weggeführet/viel unschuldiges Blut vergossen/ dre Bücher des Besatzes GOttes zerreissen und verbrennen und alle diejenigen / so GOrstcs Besätze hielten/ todschlagen laßen / also daß im gantzen Israel groß Hertzlcid entstanden / und das Hauß Jacob voll Traurens / das Heiligthumb wüste / die Feycrtage eilet Trauerrage / dre Sabbath eitel Jammer/ und alle ihre Herrlichkeit zu nichte worden / ja das Dolck Israel sich verbergen lind verstecken mußte in dleHoh len als die Fluchtigen / auch der Kömg Antiochus den Greuel der Verwüstung auff GOrtes Altar setzen liesse; Summa/ da der Jammer so groß worden/ i.kliccsd.l. sr-s-s-. daß/ so hoch und herrlich Jerusalem vorhin gewesen/ so jämerltch und elend es dammat seyn mußte. Wre- derumb/wie kau gesagt werden / daß GOttseinAn- gesichc im Augenblick des Zorns nur ein wenig für den Juden verborgen nach der Himmelfart Christi/ da bald darauff sie völlig sind von den Römeren be- ri. 7«^. zwungen/die Stadt Jerusalem von ^ro veipg5iano ^L.).i.s. eingenommen/ und saint den; Tempel mit Feuer zu Aschen' v. 2^ 2A- v. 4-2. IZ2_Khriftliche Aschen verbrannt / die Stadt-Mauren auffden Boden nidergerissen/ y7Ooo.gcfangengenomen/eilffmal hlindert tausend aber todt geblieben also daß die Häuser mit-todtenLeichnamen auffgcfüller/und die Strassen mit erschlagenen oder ausgehungerten Menschen bedecket worden/und die Römische Kriegsknechte änderst nicht als über denen rodtenLeiberen fort wandeln konnten/ auch der Überwindet i nu-- aufdenen zu lärea ?n>iippl und anderstwo angestellten Schauspielen viel gefangene Juden denen wilden Thieren sür- werffen / andere in den; Feuer verderben / andere sich untereinander in denen ^vchrancken umbbringen lassen/ andere sich sechsten leibloß gemachet / andere umb ein geringes Gelt verkaufft/ oder in dein Triumph zum Schauspiel herumb geführet worden/und Elea- - - 6 ,, . 5 ^- « klagen mochte: Wo ist die grosse Stadt Jerusalem? ' 5- wo ist die schöne L>ion ? wo ist der wunderbare Tempel ? wo ist der andere Tabernackel und das Allerhei- ligste ? Es ist von den Heyden zerstöhret / sie wohnen in den überbliebcncn Snicken der Stadt / die sie zerstöhret haben. Wo sag ich bist du volckreichc Stadt/ die du von Königen gcchret / GOtt angenehm / ein Sitz der Gnaden wärest ? Deine Pflaster waren von Marmorstcin/ deine Wände leuchteten von Marmel/ deine Spitzen gläntzeten von köstlichem Mar- ' mel / deine Thore schimmerten von Golde/ etliche von Silber: Sie sind alle erwürget / beyde die stets in dir wobneten / und die zu dir aus der gantzen Welt zusammen kamen/ es ist alles entblößt/ von den Spitzen verbrannt/ aus dem Fundament eingerisscn / die gantze _ Lerch-predigt._zz gantze Stadt ist der Todten Grab / man sihet nichts dann Asche / wo man hinschauet rc. Und endlichen wie kan GOtt derHErr uns biß auffden heutigen Tage diese Versicherung thun / daß er nur em wenig im Augenblick des Zorns sich für uns verberge/ da doch nicht allein ein manches gläubiges KindGOt- tes fast die gantze Zeit seines Lebens/ von seiner ersten Jugend an biß in das graue Alter/ mit immerwährendem Creutz und Kummer / sondern auch die Kir* che Mets mit ihren Feinden und Verfolgcren zu kämpften hat/ nach dem was der Poet gesagt.- SanZuine funclacaeck i^cc!eÜ3 > LanAuwe crevic, LanAumslucci-evic, lsnAUineüiU!; erjc? Ancworc: Wir gestehen zwar gerne/ daß viele/ ia die allergrösseste Widerwertigkeitcn dem Jüdischen Volck annoch bevor stuhnden / und daß gar öftters fromme Gläubige ihr gantzes Lebenlang in Streit und Anfechtungen zubringen müssen/ so wol als die Kirche ins gemein: Unterdessen/ wann wir die Sache etwas genauer mit den Augen des Glaubens bey dem Liecht göttlicher Wahrheit besehen/ wird sich bald allerZweiffel verlieren/ und wir die Erfüllung der Verheißung in unserem Text leichtlich erkennen. Da dann allervorderstzuwifftn/ daß/ob- schon der Zorn GOrtes wider die Juden nur eine kurtze Zeitdauern solte / darurnb nicht gesagt werde/ daß er gar nicht wider wider sie entbrennen solte; lind hiemit tonte gleichwol die Babylonische Gefangenschaft für sich gehen. Demnach har man zu bedrucken/ daß ein grosser Theil derer denen Juden vormals ge- thanenVcrherffungen sich nicht allein aufsic/sondern E auch! Lrccli 11.17, rs» ro> Z4 Khristliche glich auffdie Gläubige des Neuen Testaments er- streckcren/ wie dann/ wannGOrc derHErr sich unter anderen gegen sie vernehmen lassen : Ich wil euchsamicn aus dcnLändercn / dahin thrzer- ffreucr scyt/ und wil euch das Land Israel geben/ und wil euch ein einträchtig t?ertzgeben/ und wil das steinern t^ertz wegnemmen aus euerem Leibe / und ein fleischern t^crtz geben/ aufs daß sie in mcrnen Sitten wandeln / und meine Rechte halten und darnach thun/ und sie sollen mein ^)olck seyn/ sowilichihrGT>tt seyn ; Kein "weiffel/ daß dieses eben so wol denen Gläubigen des leuen Testaments gelte/ und sich auff sie beziehe. Nun unter die Zahl solcher Verheißungen ist auch zu zehlen diese in unserem Text / als die da geschehen der ganzen Kirchen / und zwar der Kirchen allein. So lang derowegen die Juden die Kirche GOttes / das Volck GOttes gewesen sind/mußte auch dieses Wort der Verheißung an ihnen erfüllet und wahr gemacher/ hingegen aber nicht darfür gehalten werden/ als ob selbige wäre umbgestoffcn oder unkrafftig worden/ da in folgender Zeit sie durch ihre Halsstarrigkeit undVerstockung/ besonders aber durch die abscheuliche That der Creutzigung Christi/den Nahmen des Volcks GOttes / dieses herrliche Vorrecht verrohren. Hiemit hat GOtt der HErr freylich ja mit grosser Barmhertzigkett gesamter/ und mit ewiger Gnade sicherbarmet i. Über die damaligen Juden / dann (i.) wie- wolen diese sollen an den Wasseren zu Babel sitzen 70. Jahre/ obschonauchhernacher nebst anderen _ Leich-Prcdigt. _ anderen Tyrannen schwere Trangsalen wider sie erregen wurden/ sotten sie doch allezeit wicderumb sich daraus erholen / und ihre Kirche auffrecht bestehen bteiben; mästen nach geendigter Gefangenschafft König cyruz dieselben ledig und in ihr Lande gelassen/ ihnen den Tempel wiederumb zu bauen verstattet/ auch Gelt darzu gesteurt/ und die geraubten Besässe wieder gegeben; und obwolcn scineFürsten und Amtleute/ hernacher sein Sohn m solches verhinderet/hat jcdennoch Darms der Sohn ttyNafpizsie die Juden in Ehren gehalten/ das Angefangene vollendet und ihnen den Tempel gcbauct / also daß beydes der Gottesdienst und das weltliche Regiment unter ihnen auff einen rechten Fuß gesetzet worden. (2.) So hat auch die Verfolgung ms dieser Verheissung keine Hinderniß bringen können/ dann selbige nur etliche wenige Jahr lang gewähret/darauff die Jüdische Kirche durch Vorsorge ! und Tapfferkeit Juda des Maccabeerssichgäntzltch erholet/ den Tempel wiederumb in Besitze genommen/ und gereiniget/ und die Policey unter ihren Hohenpricsteren und Fürsten / welche Letztere her- nachmals den Königlichen Titul und Nahmen erlanget/ Meinen herrlichen Flor und Glann gerahten. (z.) Ja/ obschon darauff die Römer sich des Jüdischen Landes bemustert/ so ist nichts desto weniger noch eine lange Zeit eine Kirche unter ihnen übrig geblieben/ so gar / daß auch GOtt der HErr dieses biß- daher so vielfältig gedrängcte und getrückte Volck durch fernen ^egen dergestalten gemehret / daß es - an der Zahl wett mehr zugenommen unter dem zwey- l E 2 tem. z6_KhriMche__ ten/als unter dem ersten Tempel / wie sie dann nicht nuraantz befassen/ und ^uZuttus derRö- mtsche Kayser König »eroäi die Länder Häckoni- cis, Läcanea llNd ^ursmüs geschMcket/ sondern ste hatten ihre Colonien in Asien / Africa/ Egypken/ Cyrcne / und Europa selbsten / wie auß der Apostel Geschichte erhellet / lind warden neben vielen anderen auch tteieui, eine Königin der Adiabenern/und dero Sohn lrsres Jtldcns-Genoffen / wie solepkus der Jlldlsche Beschicht - Schreiber erzehlct. ( 4 .) Ihre Macht selbsten ward nicht wenig vergrößeret / dadurch daß ihr LyneMium oder grosser Raht eine mehrere Amhoritat / als zun Zerren der Königen/ erlanget/ worzu dann dieses sonderlich gcholffen/ daß sie hin und her ihre ^^gen und Schulen gehabt/ welche samt abgedachten Jüdischen Colonien lind Pflantz-Städten allein von dein Tempel und grossen Jüdischen Raht zu Jerusalem / als welches der Sitz lind Wohnplatz des Regiments lind Gottesdienstes gewesen/aepenöiercren. (5.) Oo hatten sie fürbaß viele benachbarten Völcker durch Gewalt der Waffen bezwungen / besassen Phönicien und einen Theil Syriens/ wie bey Mrchea geweiffager worden/ also daß selbsten die Edomirer nicht mrr unter ihre Gewalt und Herrschafft/ sondern mich zur Gemeinschafft des Jüdischen Gottesdienstes gebracht worden. Aus welchem allem denn genugsamlich erhellet / wie GOtt der HErr diese ferne Verheißung an denen Juden erfüllet / so längste nemlrchdasVolck/ die Kirche GOttes geblieben. 2. Nachdeme sie aber endlichen von der Lehre Mosis/ _ Leich-Predig t._z Mosis/ von denivätterlichen Gottesdienste/ aller-! dings abgewichen/ sich an Menschen-Sammgen ge- hänget/ durch ihre eigene Wercke die Rechtfertigllng von Sünden gesuchet / den Gottesdienst mit mancherley Menschen- Gedichte beschmttzet/ und von denen löblichenSitten ihrer Vor- Eiteren aus dcroFuß- stapffcn ausgewichen: Sind an ihreStelle durch den HErm Messiam/ unseren Heyland IEsum Christum/ die Heyden in den Bunde GOttes auffge- nornen worden/ aus welchen dann hinfüro so wol als aus denen bekehrtenIuden/die wabreKirche bestehen solte / und dieser giltet numnehro auch die göttliche Vcrheissung in unserem Text / daß der HErrsiemit grosser Barmherzigkeit samlen / und mit ewiger Gnade sich ihro erbarmen wolte/ also daß/ wieviele Verfolgungen/Trübsalen/iind Abfall vomGlauben , ihro nner wiederfahren möchten/ dennoch der Christliche Nahme niemals völlig vertilget/ sondern immerdar einige getreue und standhafftige Anhängere und Bekennere des HErm ZEsu übrig bleiben sollen/ welches dann auch / durch die Gnade GOttes / biß auff den heutigen Tage durch die Erfahrung ist bestätiget worden. z. Und was dann schließlichen die sonderbaren Trübsalen belanget / mit welchen ein und das andere Kind GOttes nicht einen kleinen Augenblick / sondern bald die gantze Zeit seines Lebens belästiget und ge- trücket wird so hat man da zu gedenckem daß sie dennoch augenblicklich mögen genennet werden inGegen Haltung derjenigen unaussprechlichen Glückseligkeit/ welche auffsie wartet droben in dem Himmel/ da sie E z GOtt! IZ8 Christliche ^.,s .LjGOttden HErrn sollen anschauen von Angesicht zu Angcsichtinalle Ewigkeit/ und gecrönet werden nnt , dertlnverganglichen und unverwelcklichen Crone der Ehren. O des unvergleichlichen Trostes / damit wir samt dem altenJüdtschen Volcke uns auffrichtcn kön nen! Als Hiexanäer der Grosse Wider Ogrium König in Persicn streiten wolte/ theilete er seine Pro- vintzien und Lander aus unter seine Freunde/ insonderheit aber auch sein Macedonisches Reich / und da er von keräicca gefragct worden / was er dann für sich überig zu halten begchretc/ gab er zur Antwort: Nichts als die Hoffnung. So thun dann wir/ Liebe Christen! wie es uns/oder der Kirche GOt- tes immer ergehen mag / relervic ren und halten wir unsdieHoffmmgvor/ als den festenAncker unserer Seelen/ die Hoffnllng der grossen Gnade und Erbar- mungGOttes/ nach welcher er unser eingedenck seyn wird in seinem grimmigen Zorn. Schweben wir in ein oder dem anderen Creutz / oder ängstigen wir uns etwan wegen bevorstehenden Jammers / also daß es bcy uns heisset: Ich habe zwar biß daher erfahren/ daß mich mein GOtt nicht gantzltch verlassen / daß er mich aus vielen Gefahren erlöset / in Trübsal getröstet/ in der Theurung gespelset/ in Betrübniß ausgerichtet / ausKranckbeiten errettet rc. Wiekan ich aber versicheret seyn / daß auch in das Könfftige Er sich meiner annemmen werde? O so trösten wir uns mit den Worten des wahrhasftigen GOttes: Ich habe dich ein klein Augenblick verlassen / aber mit grosser Barmhertzrgkcic wil ich dich sam lcnrc. V. t. Lerch-Predigt. Z9 lcn rc. und sprechen mit dem Propheten: Ich aber wilaussden k)Errnschanen/unddes G Ortes meines k)eyls erwarten/ mein GOtt wird mich hören. Darumb freue dich nicht/ meine Feindin/ daß ich darnidcr lige/ ich werde wieder aufkommen/ und so ich im Finsteren sitze / so ist doch der k)Err mein Liccht. Ich wil des t)Errn Zorn rragen/d ann ich hab wider ihn gesündiget/ biß er meine Sache ausführe / und mir recht schaffe/Er wird mich ans Liccht bringen / daß ich meine Lust an seiner Gnade sehe. Dancken wir zum Beschluß dem Grundgüti- gen GOtt für diesen seinen Trost/ und sagen mit ^ u Auitlno dem frommen alten Kirchen-Lehrer: ^uiu ci»Iore8, seci mulcX contol-lriones: amsrÄ vulnera, ieä suavia meclicsmenrL : Unserer Trübsalen sind zwar viel / aber auch haben wir der Tröstungen viele: wir fühlen zwar schmertzende Wunden / aber auch dargegen heilende lind erquickende Artzneyen. Widersetzen wir uns doch nicht noch murren/wann GOtt der HErr uns züchtigen wil/ sondern tragen mit Ge- dult / was er uns auferleget / und seyen gestnnet mit Paulo : wir rühmen uns auch der Trübsalen/ dieweilen wir wissen / dass Trübsal Gedultbrin- gec/ Gedult bringe Erfahrung/Erfahrung bringet f)offnung / die k)ossnung aber läßt nicht zu schänden werden/ dann die Liebe Gattes ist ausgegoffen in unser f)crtz durch den t). Geist welcher uns gegeben ist. Genug aber diß- malen über abgelesene Worte. kom-5 ;-r> ?LK 80 - 1^0 Khnsilrche S ist die Ehren-rmd Tugendreiche ^rau Ma. ria Salome Ncrmännin nach GOttesWil len an das Liecht dieser Welt gebohren werdenden 2z. cmobr in dem Jahr iszy. Ihre Elte ren waren weyland Herr David Hermann der Handelsrnann atlhter und Iran Margrcch Bare mn/ beyde selig; Von welchen sie auch zrworderist zur Gomsforcht und Tugend/so dann auch zu allerhand weiblichem Geschlecht anstendigerArbeit/ wie nicht weniger zur Handlung/ und darzu dienlicher Sprach und Rechenkunst sorgfältig auferzogenwor den/und zwar mit solchem guten Eü und Wür ckung/ daß sie darinnen hernachmals beydes rhrer lie ben Frarl Mutter sei. wie dann auch ihrem hinterlassenen hochbetrubten Herrn Witwern sehr wol und nützlich gewesen. Sie hat sich durch göttliche Fürfehung mit erst besagtem ihrem höchstbetrübtem Herrn Witwern/ Herrn Einanncl Scupanus/ dem Handelsmann in den Stand der heiligen Ehe begeben in dem Mer tzen /^nno i 6 y i. und bey demselben durch GOttes Segen erzeuget 5. Kinder / nemlich z. Söhn und 2. Töchtern / welche noch sämtlich bey Leben/ über welchen wie auch demHermWitwcr derGrundguti ge. GOtt mit scincnr vatterlichm Segen/Trost/ Geist und Gnade beharrlich walten wolle! Ihr Leben/ Wandel und Christenthumb belan gend/ so ist bekannt / daß sie eine rechte Liebhaberin GOttes undseineö H. Worts / dessen Predigten sie gern _ Leich-Predigt. _ 41 i gern und fleißig zu ihrer großen Erbauung besuchet/ bcnebens gegen Armen und Durffugen mtlr tmd mitleidend/ gegen jedermann liebreich und freundlich/in der Handlung so wol als der Haußhaltung unverdrossen / auffrichtig und ehrlich gewesen/ also daß sie nicht allein von ihrem Herren Witwer und Klnderen deßwegen schmertzlich betrautet wird/ sondern auch bey allen denen/ die ihrer Kundschafft gehabt/einen guten Ruhm und trefflichen Nachklang hinterlassen / und haben an chro der Herr Witwer eine getreue Gehülffin / die Kinder eine liebreiche Murrer/ und die Betanken eine gute und vernunffti- ge Freundin verlohren/also daß/wegen des gutenGe- ruchö allerhand Tugenden/ so an chro hervorgeleuchtet/ von chro wol vermeldet werden mag/ was dorten Salomo in seinen weisen Sprüchen von einem tu- gendsamen und haußlichen Weibe vermeldet: weme ein rugendsam Weib bcschehretiss / die ist viel edler dann ein köstliche perlen/ ihres Mannes kdertz darsssich ausssie verlassen / und Nahrung wird ihm nicht mangeln / sie thut ihm Liebes und kein Lcydes stin Lebenlang ; Sie ist wie ein Aaussmanns-Schiss/ das seine Nahrung von ferne bringt / sie merckc wie ihr kdandcl frommen bringcc/ihre Leuchte verlöschet des Faches nicht/ sie schauet wie es in ihrem tdause zugehet/ und issccihr Broc nicht mir Faulheit/ sie wird gerühmt werden von den Früchten ihrer den / und ihre wercke werden sie loben in den Thoren. Nach unserer ferndrigen Basel-Meß hat ihre H laste 4-r Khristliche letste lmd tödliche Kranckheit mit einer Engbrüstigkeit bey ihro angesetzet / worauff zwaren zu Anfang dieses iauffenden Jahrs es sich zueimger Besserung angelassen/ so daß die selige Frau allst den Neuen- Iahrstag dem östenrllchen Gottesdienst in dieser unser Gemeinde wiederumb beywohnen können/ doch ohne Bestand / Massen erstgedachter und Beschwerde/ ohngeacht aller angewandtcnArtzncy-Mtr teln / mehr und mehr überhand / die Krafften aber samt dem Fleisch nach und nach abgenommen / dan nenhero sie sich meinem bevorstehenden seligen Ab- schetd zeitlich gerüstet/sich für GOtt dem HErmals eine reitende bußfertige Sünderin gedemühtiget/ ihre Hoffmlng lind Zuflucht genommen zu dem theuren Verdienste ihres Erlösers JEsu Christi / sich seines Leydens, wie auch der Gnade und Barmhertzigkeit GOttes / die da ewiglich wahret / mit gewissem Vertrauen getröstct/ihren Glauben am nettlichen Hohen- Donnerstag dlrrch andächtige Empfahung des Heil. Abendmahls allst ihrem Siechbettlein bezeuget und gestarcket/ Jederman verziehen/ sich der Welt ent schlagen / und mit. Hilldansetzung des Indischen sich gestrecket nach dein das davornen ist/ nach dern für- gestcckten Ziel / welches fürhält die himmlische Be- ruffungin Christo JEsu; DenZuspruch ausGot- tes Wort mit Andacht und Jnnbrunst des Geistes angehöret/ ihre Willigkeit dem lieben GOtt zu einem besseren Leben zu folgen zum öffrern bezeuget/ auch umb eine selige Austlösung vielfältig aeseuffset/welche Jhro dann/ nach ausgestandener langwieriger Bangigkeit und Schwachheiten / wie Verfahren ver- wichenm Leich-Prcdigt. 4Z wichenen Montag Morgens zwischen ein und zwey Ubren/ da sie unter dem Gebender lieben Ihrigen ihren Geist ihrem Schöpfferund Erlöser durch einen sanfften und seligen Tode überantwortet/nachdcmc sie dieses JaniNierthal gebauer gegen die 4y. Jahr und ein halbes. O des seligen Tauschs/ den unsere mitgläubigc Frau und Schwester getrosten! Nunmchrohatsie abgeleget die zerbrüchlichc Hütte ihres sterblichen Leibes/ ist kommen in Häuser des Friedes / zu sicherer Wohnung und stoltzer Ruhe. Jetzund hat der HErr seine Barmhcrtzigkeit an Jhro groß gemachet/ und sie gesamlet zu der Gemeine der Erstgebornen/ die im Himmel angeschrieben sind. Vorhero und in ihrer letsten Kranckheit wäre sie in den Wassern Mara/ aber anjetzo ist sie kommen zu den Brunnen Elim / zu den lebendigen Wassern des Trosts und derErqui- ckung. Der HErr sechsten tröste die ihren Hinscheid als Menschen betrauren/ ihren hinterlasse hochbetrübten Herrn Witwerund Kinder! Er halte ob ihnen mit seiner Gnaden-Hand! Er schencke ihnen sei nen heiligen und guten Geist/ den Geist der Erkannt nuß und Horcht seines H. Nahmens! Uns aber allen verleihe er / unsern Wandel Christlich und Gottselig zuführen/ damit wir seiner Zeit in seiner Gnade em- schlaffen/ und an dem lieben Jüngsten Tage wicder- umb auffwachen zur ewigen Glory und Herrlichkeit/ Amen! Gebet. Aj.SL.IS NAt-.IL.2L >,.r 44 KhrLMche Leich- predigt. Hahn 8 AIY Aa/m./t.go. S 7 l 5 . ZdoS II. <).j ^«lin ioS >>. s^L/miSsS. Eülnr Ko lo. t^ I y. Asm., S.4S ^^L/m -L.lo. ^»F. L 41 . ^^«. 67 . 7 . Vä/m .A0 II Gebet. Ewiger GOTT/ der du mit deinen; Nahmen heissest H Err ulleine/ und dir Höhest,' in aller Weil/ wir d> III- undai-ck. bare und nichiswerkhe Erealuren ligen übermal für dir mit unserm Gebe;/ nicht in Äeriraiie» anff unsere eigene Verdienste ivndcrn auffdeine tlieure Güte und grundlose Barmhertzigkeit/ die ewiglich währet. Wir erkennen und bekennen ja/ O HErr! daß wir Sündcr/uiid von Mut- tcrlcibe an Ubeiirelcre gewesen sind/ und hänffen täglich Schulden auff Schulden / darumd lastest du uns auch erfahren viel und grosse A» st / vcr, kirgcst dein Antlitz für uns/ und machest daß wir sind wie die Verlafftne/d-c keinen Heister noch Erretter haben. Ach seye doch gnädig unjer Missethat/ und zörnc nicht »nt uns ewiglich. Will du uns unser Unrecht zu verstehen Igeben/ so thue es / HErr! in Gnaden /und nicht in deinem grimmen Zorn/ Kann du kennest doch / was für ein Gemächk wir sind/ iind gcdrnckesi daran/ 'daßwir nur Stau!' sind. So du wölkest/ HErr/ Sünden zurechnen / wer wurde für dir bestehen ? Schc dcnn an das kheureSöhnopffer deines aller liiebsten Sohns / und umb deffenk will. n laß uns leuchten dein Antlitz / so gr nescn wir. Gib uns deinen Geisti» unsere Hertzen/ der uns reinige von aller Untugend/nnsheiligc durch und durch / und uns erneuere nach deinem Bilde. Wann dn auch uns mit Kranckheitcn/ mit Verfolgungen / mit Unter- fruckmig/ mit Verachtung/mit Hunger und Mangel / oder mist andere dir bewußte Wege heimsuche» wilt/w erhalle doch immerdar den Trost in unse. ren Hertzc» / daß alle diese Widcrwerligkeilcn nicht ewig wahren / sondern ihre bestinnc Zeit haken sollen/ und/ wie sie von dir ursprünglich herrühren/ du auch selbige mäßigen / und alles uns und denen die dich lieben jum besten ausführen werdest. Versiegele/ OGOkt/ diesen Trost in den Hertzen ge. genwärtiqcr Traurcndcn / und erstatte ihnen ihren ausgestandenen Vcr. lursl mit anderwcnigcm reichen Segen. Behüte uns/O gnädiger Valtcr/ in denen heutigen sorglichen Zeiten wie deinen Augapffe!/unterstütze uns mit deiner Gnade/ leite uns auff dem geraden Wege deiner Gcbokten/er- haltt uns nochfürbaß bey dem werthen Frieden / steure doch den Kriegen in aller Welt/ erhöre den Himmel über uns/ damit er die Erde erhöre/ und das Land sein Gewächs gebe. Lehre uns endlich unsere Taqe zehlen/ auff daß Iwi'r klug werden / und wann unser Sküudlcin wird vorhanden seyn / so drin- Igc uns durch einen seligen Tode znr vollkommenen Rübe droben in dcmHim- m«1/ durch den/ der uns selbige erworben - unfern HEnen und Hryland JESUM CHrisium/ AMEN! ENDE.