Die Nothwendigkeit und Nutzbarkeit öcr Seöillt, Betrachtet in einer UhristliKen AeiZen-Hredigt über Hebe. x. verc zs. den iz.Martz I/4-. in der Kirche bey den Predigern in BASEL, bey ansehnlicher Beerdigung des Ehren- und Vorgeachten MUMMK osepß Meyers, des Handelsmanns, Von Johann Heinrich Drucker, Pfarrern bey St. Peter. Gedruckt bey Johann Rudolph Jm-Hoff. r ) " Hebr. X. vers. zs. Gedult ist euch Noth/ auf daß ihr den Willen GOttes thut/und die Verheissung empfahet. Urklaruiig. S machen diejenigen sich in der Wett sehr berühmt, welche in dem Krieg ihren Helden - Muth durch Feld- Schlachten , und Eroberung der Städten und Landeren vor andern bewiesen. Ihre Namen werden jedermann bekannt gemacht, und ihre A 2 Tah- 4__ C hristlich e_ Tahten von den Geschicht-Schreibesn aufgezeichnet. Allein nach dem Urtheil der Verständigen sind die weit höher zu achten, welche sich selber beherrsilxn, und ihre Bcgihrden in den Schränken der Vernunft halten können. Der weiseste under den Kö- rwv.xvi, Men stimmet damit überein, wenn er sagt: Ein ^ Gedultiger ist besser, denn ein Starcker; und der seines Muths Herr ist, denn der Städte gewinnet. Die Christliche Religion fordert solches insonderheit von uns, und nennet diese Pflicht die Selbs-Verläugnung, die Creutzigung des alten Menschen mit sinnen Lüsten und Begthrden rc. Sie gibt uns auch die allerbesten Mittel und stärksten Grunde an die Hand, welche uns dazu leiten können, sonderlich in dem sie uns von der Väterlichen Fürsorge, Schutz und Hülste GOttes versichert. Es beweiset sich diese Tugend haubtsächlich durch die Gedult, welche auf das vestc Vertrauen auf GOtt gegründet ist, denn diese Pflichten sind so enge mit einander verbunden, daß sie unmöglich können getrennt werden. Daher auch in der Heil. Schrift Hoffnung rmd Gedult sehr oft zusammen gesetzt nren. m. werden. So heisset es: Es ist ein köstlich Ding -6 aedultig fern, und auf die Hülste des HErrn Lom. vm.hoffen. So wir des hoffen, das wir nicht - 5 . sehen, so warten wir sein durch Gedult. Ein gleiches thut auch der Heil. Urheber des Briefs an die Hebräer. Er vermahnet die Glaübi- - t. v.n gen, an die er schreibet, daß sie ihr Vertrauen auf GOtt nicht wegwerffm, weil es eine große Be§ Leich en-Predigt ._5 Belohnung hat. Dazu setzet er gleich die Gedult: Gedult aber ist euch Noch rc. Unser selig verstorbene Herr und Bruder, dessen erblaßtem Leichnam wir jetzund das Geleit zu seiner Ruhstatte gegeben, hat in seinem Leben, sonderlich in seiner lctsten Kranckheit sehr ausnehmende Proben der Gedult abgelegt. Diese sollen auch von ihm lernen seine schmertzlich betrübte Kinder, welchen durch den Todessahl ihres geliebten Vaters eine tiefe Wunde geschlagen worden, daß sie dem Willen GOttes in Demuth und Gelassenheit sich underwerffen. Zu diesem Ende habe ich mir für- genommen die vorgelesene Worte zu verhandeln» welches der Höchste mit vieler Kraft und Segen begleiten wolle! Wir haben nach Anleitung unsers Textes von zweyen Stücken zu reden, Erstlich: Von der Gedult. Zweytens: Von den Ursachen, die uns dazu bewegen sollen. Mn Sein 8rße«. As Wort in der Griechischen Sprache bedeu-^«»«». tet eigentlich die Srandhafftigkeit und einen fest-gesetzten Muth, der von seiner Pflicht und gutem Fürsatz nicht wancket. Da aber solches sonderlich durch die Gedult bewiesen wird, welche uns lehret die Widerwärtigkeit mit stillem Geist er- A z tta- 6 Lhristliche tragen, so wird oft diese Tugend dadurch angezeigt. So gebrauchet auch diß Wort der Heil. Paulus: kom.v, Trübsal bringet Gedult; Gedult aber bringet ^ r Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber lasset nicht zu Schanden werden. Damit wir aber die Eigenschafften und Kennzeichen dieser Christlichen Tugend recht verstehen, so ist verschiedenes anzumercken; wir befleißen uns aber der Kürtze, und wollen alles, so viel möglich, zusammen fassen. 1. Die Gedult setzet zum Voraus Trübsal und Widerwärtigkeit. Wie die Sternen uns nur des Nachts leuchten; also gläntzet die Gedult, wenn die Sonne des Wolstandes undergegangcn, und die Nacht des Leydens uns bedecket. Die Gläubigen Hebräer befanden sich damahls in den betrübtesten Umständen, daher werden sie vermahnet, daß sie den Muth nicht sinckcn lasten, sondern sich mit Gedult bewafnen. Wenn es uns nach unsermMunsch gehet, so bedarf es dieser Tugend nicht. Die, welche alsdenn sagen, man müsse so Gedult haben, treiben entweder ein unverantwortliches Gespött, und mißbrauchen den Namen dieser fürtresslichen Pflicht auf eine schändliche weise; oder sie legen dadurch ihr unersättliches Hertz an den Tag, welches auch in dem Wolstand nicht zu frieden ist. 2. Allein wir reden hier nicht von dem Leyden, welches der Mensch ohne Noth und ohne daß GOtt ihn dazu berufet sich aufbürdet, oder welches nur in sei- Leichen-Predigt. seiner blossen Einbildung bestehet. Man machet in der Röm. Kirchen viel Wercks von dem Geiseln und anderen Plagen, die man sich aus selbs crweblter Geistlichkeit und Demuth anthut. Die, welche sich also martern, bilden sich ein rechte Helden der Gedult zu seyn; wiewohl solches auch von den vernünftigen un- der ihnen verworffen wird. Denn GOtt fordert nichts dergleichen von uns, und man dienet ihm vergeblich, wenn man in Beobachtung der Geboten gewisser unvernünftig andächtiger Leuthen besondern Verdienst und Heiligkeit suchet. Wir finden von solchem abergläubischen Geißeln des Leibs biß aufs Blut kein anderes Exempel in der Schrift, als ctwan der BaalsMfaffen, welche sich mit Mesi 'kff- serci, und Pfriemen riyetcn, biß daß ihr ^ hernach greng, damit ihr Abgott sie erhöre. Ob aber diesen zu folgen scye, lassen wir einen jeden beurtheilen. Allein finden sich nicht auch solche unter uns, welche ohne Noth und Ursach sich kräncken ? deren Leyden in blosser Einbildung bestehet, und aus ledigem Argwohn herrühret , oder welche meinen, eine kleine Beschwerde stye eine unerträgliche Last. Man hat nicht nöthig solche Leuthe zur Gedult zu weisen; sondertt nur ihnen ernstlich zuzureden, daß sie solche ungegründete, beschwerliche und vergebliche Gedancken, und falsche Einbildungen fahren lassen. z. Wir haben ja sonsten des Kummers, der Schmertzen und Widerwärtigkeit mehr als genug, welche uns GOtt zuschicket , oder zulasset, daß sie uns 8_Christliche_ uns wiedcrfabren; also daß unser Leben freylich ein müheselig und jämmerliches Ding ist. Die glaübigen Hebräer befanden sich in recht betrübten und beklemmten Umstanden , in dem sie den er- schröcklichsten Verfolgungen um Christi Willen blos gestellt waren. Wir beobachten Hiebey irn Vorübcr- gang, daß dieses Leyden eigentlich das Crcutz unsers Heylands genennt werde; dieses verstehet er, niattk. wenn er sagt: will mir jemand nachfolgen, der xvi. -4. verlaüane sich selbst , und nehme fern Creutz auf sich, und folge mir. In solchen Fallen gibt GOtt seinen standhaften Bekcnnern auch außerordentliche Gnade, daß sie nicht nur gedultig, sondern auch in der Hoffnung recht freudig werden, und Mtti,. v, sich der Trübsal rühmen können. Selig styr ihr, " " sagt Christus, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerley Übels wider euch, so sie daran lügen. Seyr frölick und getrost, es wird euch im Himmel wol belohnet werden. Es ist aber bekannt, daß wir noch gar vielem Ungemach in diesem Leben underworffen sind, und ist unnöthig, dasselbe zu beschreiben, in dein die tägliche Erfahrung davon zeuget. Es seynd bis die betrübten Früchten unsrer Sünden, und GOtt will dadurch seine ungehorsame Kinder züchtigen. Wir melden nur bey gegenwärtigem Trauer-Anlaß, daß schwere und schmertzhaffte Kranckheiten,und betrübte Todes-Fälle nützlicher Lcuthen under die Heimsuchungen und Züchtigungen GOttes zu zahlen, Leiche n-Predigt. _9 wie ^ic Heil. Schrift und die Erfahrung lehren. Jene betrüben die lebenden und diele die überlebenden. Hie hat nun die Gedult Ursach, sich zu üben. Auch die , welche als Ubcltähtcr von der Obrigkeit gepeiniget lind getödtet werden, follen desto mehr undcr GOttes gewaltiger Hand sich beü- gen und demüthigen, weilen sie ja leyden, was ihre Takten werth sind. 4. Die Gedult erfordert aber nicht von uns, daß wir unempfindlich werden. Einige Heyden haben getrachtet solches zu behaubten; allein ihre falsche Weisheit ist von denen, welche sie genau geprüfet, entdecket, und sie sind mit Recht eine Sekte der Lügncren genennt worden. Dis heilet nichts anders , als den Menschen ohne Ursach über die Natur vergrößeren. Hiob, welcher unstreitig viel besser gewesen, als alle sogenannte Stoicker, fället ein gantz anderes Urtheil: Ist doch , spricht er meine Kraft nicht steinern, so ist mein Fleisch nicht ehren. Daher klaget er: Wenn man mei-v. nen Jammer wöge, und mein Leyden zusammen in eine wage legte; so würde es schwerer seyn denn Sand am Meer; denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, derselben Grimm saüfft aus meinen Geist , und die Schrecknisse GVttes sind auf mich gerichtet. David, ein großmüthiger Held, fühlete die Streiche der Zuchtruthe GOttes gar wol: Ach HErr!ks.vi. - sagt er, straffe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. HErr, B sey ro Christliche sey mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich HErr 5 denn meine Gebeine find erschrocken, und meine Seele ist sehr erschrocken; Ws. ach du HEre, wie so langte? Hiskias winselte xxxvm, ^ seiner schweren Kranckheit wre ein Rranich " und Schwalbe, und girrete wie eine Taube. Ja JEsus Christus selbst, das vollkoinmenste Mu- NEk. ster der Gedult bekennet, seine Seele seye betrübt xxvi, ;8. big in den Tod. GOtt schicket uns die Trübsal zu, damit wir sie fühlen; wie es einem Vater nicht gefallt, wenn feine Kinder die Schlage nichts achten, noch sich bessern wollen; also mißfallt es dem himmlischen Vater, wenn man über seine un- yer.v, gehorsame Kinder klagen muß: Du schlagest sie, aber sie fühkens nicht; du plagest sie, aber sie bessern sich nicht. Sie haben ein harter Angesicht, denn ein Fels, und wollen sich nicht bekehren. 5. Es beweiset sich aber die christliche Gedult gegen GOtt, gegen den Menschen und auch gegen uns selbst. Gegen GOtt muß sie sich fürnebm- lich beweisen, in dem wir uns seinem heiligen Willen und Führung underwerffen, auch in den härtesten Prüffungen nicht wider ihn murren, als wenn uns Unrecht widerführe, niemal unserer Pflicht vergessen, noch zu sündlichen und verbotenen Mit- Mim. tcln greiften ; sondern dem HERRN unsere xxxvii, Mege befehlen und auf ihn hoffen, daß * er alles wohl machen werde. Ist nun unser Gemüth also gesetzt und stille in dem HERRN, _Leichen-Predigt._n HERRN, so WEN wir auch lernen gedul- ttg seyn gegen den; Nächsten, nicht Böses mit Bösen: vergelten noch Scheltwort mit Scheltwörter:; wir werden uns hüten vor mürrischen und zornigen Reden und Gebährden, durch welche ungedultige Laube auch die unschuldigen erschrecken, also daß nun ihnen niemahl etwas recht machen, und einigen Danck erlangen kan. Diese Tugend beweiset sich auch gegen uns selbst. Wo Ungedult herrschet, da wird der Mensch nicht nur andern, sondern auch off: sich selber eine Überlast, und fallet leichtlich in Vcrzweifflung, daß er seine ReM auch gegen sich ausübet. Wer hingegen seine Seele mit Gedult fastet, der erkennet zwar, daß er GOkkes Ruthe wol verdient habe, er beuget sich under derselben, und küsset sie in Demuth, aber er hütet sich, seine Noch durch feindseliges Bezeigen gegen sich selbst noch größer und schwerer zu machen. 6. Wir sollen aber nicht meinen, daß diese Pflicht leichtlich könne in Übung gebracht werden; sonderlich in großer Angst, entsetzlichen Schmcrtzen, wenn alle Wasserwegen und Wellen der Trübsal über uns zusammen schlagen, daß hie eine Tiefe und da eine Tiefe brauset, und noch dazu dieser Sturm lange anhaltet. Es ist auch bekannt, daß gewissen Leu- rhen, wegen ihres hitzigen Temperaments, die Gedult schwerer scye als anderer:. Es kan geschehen, daß der Mensch in solche betrübte Umstände gerathet, da er sich nicht mehr kan fassen, und zu vernünftigen und christlichen Gedancken greiffen, biß er sich B 2 durch 12 Lhristliche II, lo. ni- durch GOttcs Gnade erholet hat. Und was wollen wir sagen? Hiob, welchen der Geist GOttes uns als ein schönes Muster der Gedult vorstellt; welcher den Verlust seiner kGüter, und die empfindlichsten Schmcrtzen gantz gelüsten erduldet, und ge- iob.i. ri. sagt: der HErr hats gegeben, der HErr hars genommen, der Name des HErrn sey gelobet. Welcher sein Weib, so ihm wider GOtt reihen und aufbringen wollte, bcstrafft; haben wir Gutes empfangen von GOtt, und sollten das Böse nicht auch annehmen:' dieser Hiob, sage ich, wurde endlich durch sein lang anhaltendes Leyden dermaßen aus fich selber gefitzt, daß er den Tag seiner Geburth verfluchte. 7. Allein, obfihon wir uns selber überlasten un- der der Last bald erliegen müßten, so vermögen wir doch viel durch die Gnade, die uns mächtig macht. Können wir nicht gleich Helden werden in der Gc- dult, so können wir doch in Übung dieser Pflicht immer starcker und völliger werden; wenn wir nur die uns von GOtt und der Vernunft fürgcschriebe- ne Mittel fleißig gebrauchen. Wir sollten uns gewöhnen in den verdrüßlichen Fallen von geringerer Wichtigkeit die Gedult zu üben, also machen wir uns nach und nach geschickt auch größere Last zu tragen. Wir müßen lernen die Unbeständigkeit des menschlichen Lebens fleißig betrachten. Wie ein Reich glückselig zu preisen , welches zur Zeit des Friedens zu dem Krieg sich gefaßt machet; also sollen wir in dem Wolstand nicht sicher seyn, sondern ge- dcncken, _Leichen-Pr edigt ._ iz denckcn, daß es bald änderst werden könne, und uns dazu bereiten. Ein Mittel zur Gedult ist, wenn wir mit Ernst uns fürstellen die Kürtze dieses Lebens, GOttes gütige Fürsorge, und treuere Verheißungen, die grosse und menge unserer Sünden; die Exempel der Frommen, welche in dem Feuer der Trübsal bewahrt erfunden worden, und nach über- standenem Kampf mit der unverwelcklichen Sieges- Cronc prangen. Insonderheit sollen wir immer sehen ausJEfum den Anfänger und Vollender unsers Glaubens; der hat uns ein Firrbilde gelassen, ^ daß wir nachfolgen fernen Fußstapfen. Ein kräftiges Mittel ist auch ein andächtiges und eyferi- ges Gebet, daß GOtt unserer Schwachheit wollen Dülffe komrnen, und durch seinen Geist, dessen Frucht die Gedult ist, uns zu Übung dieser Tugend geschickt machen. Wir könnten noch verschiedenes anführen, allem rieben dem daß wir uns der Kürtze befleißen, so werden wir anlaß haben noch eines und das andere zu bemercken, wenn wir nun auch handeln von den Ursachen, welche uns zu dieser Pflicht bewegen sollen. M icm ZMM. Apostel stellet uns drey wichtige Gründe vor. i. die Nothwendigkeit. 2. die Bil- ligkeir, und z. die Nutzbarkeit der Geblüt. Bz r. Ge- 14- Christliche 1. Gedult ist euch noch. Freylich ist sie uns nothwendig; wie könnten wir sonstcn in dem Sturm und den brausenden Wellen dieser Welt durchkom- 8>r.xr.i.men ? Es ist ja ein elendes und jämmerliches Ding um aller Menschen Leben. Gehet uns die Sonne des Morgens helle auf, so kan es noch vor Abend gantz änderst werden. Die Widerwärtigkeiten sind ohne Zahl. Ist ein Ungcwitter vorbey, so komt bald wieder ein neues; ja es können viele Wetter zugleich über uns zusamcn schlagen, daß wir an Gut, Ehre, Leib und Seele leydcn und angefochten werden. GOtt kan uns auch lange under der Crcutz - Press liegen lmd schmaMen laßen, vn i Muß nicht der Mensch immer im Sereitseyn aufErden, und seine Tage sind wie eines Tag- löhners? sagt Hiob. Einem Soldaten und Tag- löhner ist die Gedult höchst nöthig; also auch einem Christen. Die gläubigen Hebräer befanden sich, wie schon gemeldet worden, in sehr betrübten Umständen. Wie hätten sie darin» bestehen können, ohne sich mit Gedult zu bewafnen? Wie bald würden sie sonst an ihrem Glauben Schiffbruch erlitten haben, und den Feinden zum Raub worden seyn? Gedult ist uns auch noch, weil wir dadurch unser Leyden erträglich hingegen durch Ungedult dasselbe nur schwerer machen, und wir können uns auf die Erfahrung beruften, daß wir unser Creutz und Leyd nur grösser machen durch die Traurigkeit. 2 . Der andere Grund ist hergenommen von der Bil- Leichen-Predigt. 15 Billigkeit diestr Pflicht. Wir sind ja schuldig GOtL zu gehorchen, welcher das vollkommenste Recht über uns besitzet. Daher jagt der Apostel r Auf daß ihr den willen GDrtes thut. Nun ist es ja GOt- kes Wille, daß wir in dem Leyden sotten gedultig seyn. Durch stille seyn rmd hoffen, werdet^ xxx. ihr starck sepn. Fastet euere Seelen mit Ges, dult. Seyt gedultig in Trübsal. Seyt ge- iy. dultig lieben L>rüder> biß aufdieZukunstt des^°^"- HErrn. Siehe ein AEernraim wartet auf^v^g die köstliche Frucht der Erden, und ist ger dultig darüber, biß er empfahe den Morgens Regen und Abend -Regen. Sept ihr auch M dultig und starcket euere Hrryen 5 denn die Zukunstt des HERRÜ ist nahe. Lastet unsueb.xisi lausten durch Gedult in dem Rampf der uns ^ verordnet ist. So lauten die ausdrückliche Befehle des Höchsten. Wie können wir ihm unsere Treue besser beweisen, wenn er uns durch Trübsal bewahret? die Gedult ist die Frucht des wahren Glaubens, wo dieser mangelt so wird der Mensch wetterwendisch, und fallt zur Zeit der Anfechtung ab. Allein es scheinet der Apostel wolle noch mehr sagen, nehmlich, daß die Gedult uns gefihickt mache, auch in dem übrigen GOttcs Willen zu thun; den sie ist die Quelle aller anderen Pflichten. Daher vermahnt Paulus r wir sollen mit Gedult ink->m. guten wercken trachten nach dem ewigen Les den. Ohne diese Pflicht können wir weder GOtt noch U.7 i6 _ .Christliche _ noch den Nächsten recht lieben, und versündigen uns auch gegen uns selbst. Da hingegen bekannt ist, zu wie vielen und abscheulichen Laster-Thaten wir durch Ungedult uns verleiten lassen. Wir sehen aus diesem ganzen Brief an die Hebräer, daß der Apostel durch seine Vcrmahnung, die Gläubigen uskr.x, vor dem Absah! bewahren wolle. Lasier uns hal- ren, sagt er, an der Bekaimmiß der Hoffnung, und nicht wancken, und nicht verlassen unsere ;8 Versammlung. Der Gerechte wird des Glaubens leben, wer aber weichen wird, an dem wird meine Seele kein Gefallen haben, wir aber sind nicht von denen, die da weichen und verdammt werden; sondern von denen die da glauben und die Seele erretten. z. Der dritte Grund stellet uns für die Nutzbarkeit dieser Pflicht: Daß ihr die Verheissung em- pfahet. Diese Verheissung stehet auf den Trost in den Trübsalen; aufdie Hülffe GOttes in diesem Leben, und auf die vollkommene und ewige Glückseligkeit in dem Himmel. GOtt verheißet seinen frommen und gedultigen Kindern reichen Trost in ihrem Leyden; und wie könnte dieser getreue und barmhertzige Vater ihnen nebr.xmdenselben versagen? Er spricht ja: Ich will dich ; nicht verlassen noch versäumen. Nun ist er nicht ein Mensch, daß er lüge, noch eines Mcnschen- Kind, daß ihn etwas gereue. Der Menschen Trost ist oft sehr ungewiß, wenn sie ihn schon geben könnten, so wollen sie es nicht thun. Daher auch Hiob seine _ Leiche n-Predigt. 17 seine ungetreuen Freunde leydige Tröster nennet.^. xvi. Aber GOtt ist der sicherste Freund: Berge sollen wol weichen, und Hügel hinfallen; aber meine 10. ' Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedes soll nicht hinfallen, spricht der HLrr unser Erbarmer. Sein Trost ist auch der beste lind kräftigste, er flieget aus seinem unfehlbaren Wort, ohne welches wir in un- sirm Elend vergehen müßten. Diese Tröstungen ergötzen unsere Seele; sie erwecken durch die Kraft des Heil. Geistes nicht nur Gedult, sondern auch Freudigkeit. Er läßt uns nicht über unser Vermögen versucht werden. Was wir in dem Leiblichen verkehren, das ersetzet er reichlich mit sinnen geistlichen Scegen in den himmlischen Güteren. Aber hie- zu ist Gedult nöthig, dadurch wir diesen TrostM-- nebrnen, sonsten ist er wie eine heylsäme Artzney, die wir nicht gebrauchen wollen. GOtt zeiget uns etwan seine Hülste schon in diesem Leben. Er läßt nach der Finsterniß das Licht der Freude wieder aufgehen. Wir können uns zwar nicht völlig darauf verlassen. Denn seine Verhcis- sungen sind in diesem stück mit einem gewissen Beding verknüpft, welchem wir uns unterwerssen müssen, ncmlich, so fern es uns gut und an unserm ewigen Heyl nicht hinderlich ist. Und hierin» zeiget sich die Gedult, daß wir mit dem Heyland sagen: Vater nicht wie ich will, sondern wie du willt.^^ Er führet uns zuweilen durch den Creutzes-Weg,xxvi,; 9 . daß wir nicht nur die Gesundheit und leibliche Gu- C ter, i8 Christliche _ tcr, sondern auch das Leben selbst verlieren und einbüßen müssen. Doch ist dabey gewiß, daß er oft die seinen aus der Noth heraus reistet. Die Heil. Schrift stellet uns die Exempel eines Josephs, HiobS, Davids und vieler anderen für Augen, und wenn wir unsern vergangenen Lebens-Lauff betrachten , so werden wir ohne Zweifel viele Proben der Göttlichen Hülste erfahren haben, und er- ^ob.v, 19. kennen, daß GOtt uns aus sechs Trübsalen errette ? und in der siebenden nicht stecken lasse. Allein GOttes Verheißungen sehen fürnehmlich »cor. xv. auf das ewige Leben. -Hofften wir allein in diesem Leben auf Christum, so wären wir die elendesten under allen Menschen. Die einlzele Betrachtung des unvermeidlichen Schicksals , damit etwa» die Herden sich aufrichten wollen, ist ein sehr seichter und falscher Trost. Die christliche Lehre kan unS warhaftig aufrichten, in dem sie uns von einen» seligen Wechsel unsers LcydS mit ewiger Freude 2 cor. iv» versichert. Die Trübsal, welche zeitlich und '7- leicht ist, schaffet eine ewige und über alle kam. viii, Massen wichtige Herrlichkeit. Eine Herrlich- i 8 . ' keit, deren alles Leyden dieser Zeit nicht werth ist. Allein wir müssen uns durch Gedult in guten N-ttk. ÄZercken dazu bereiten: Denn wer beharret bis xxiv, 1a,rs Ende, der wird selig. Zu diesen sagt Chri- iE.xxii,stus: Ihr seyds, die ihr beharret habt bey mir 28. -9. ist meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich bescheiden, das mir mein Vater be- schieden hat. Der Apostel Jacobus stellet uns die- _Leichen-Predigt. 19 diesen Trost sthr nachdrücklich vor: Selig ist der^c.i, .s Mann, der die^ Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die «Lrone des Lebens empfahen, welche GVtt verheissen hat denen, die ihn lieb haben. Zueignung. schon dieses gewisse, in GOttes Wort und auch der Vernunft gegründete Warheiten sind: so finden sich doch derer nur allzu viel, welche, wenn es ihnen nur im geringsten nicht nach ihrem Sinn gebet, alsobald in Ungedult auffahren, und in grosser Noth gar verzagen wollen. Aller Zuspruch ist bey ihnen vergeblich, weilen es an dem Glauben mangelt. Ruchlose und rohe Welt-Gemüther wollen sich alss keine Weise dem Joch des Höchsten underwerffen, und trachten seiner Ruthe M entlausten, wie abtrünnige und halsstarrige Knechte. Sie bcdencken nicht, daß sie die Züchtigung GOttes mit ihrer Übermächten Bosheit mehr als zu wohl verdient haben, sondern schlagen wie die wilden unbändigen Pferde von allen Seiten aus, wenn man sie im Zügel halten will. Die geistlichen Tröstungen haben bey ihnen keine Kraft, weil sie nicht in der Gemüths-Vcrfassung stehen, welche dazu erfordert wird. Sie glauben den Göttlichen Verheis- sungen nicht, oder sind zum wenigsten nicht gewohnt derselben unschätzbaren Werth zu betrachten, sonst würden sie gerne durch Gedult sich dazu ge- C 2 schickt 20 Christliche _ schickt machen, und sich nicht wegern eine auch schwere Last eine kurtzc Zeit zu tragen, um dadurch zu einer ewigen und vollkommenen Freude zu gelangen. Dergleichen christliche Vorstellungen wurcken nichts, und man prediget offt tauben Ohren. Mir der weltliche Trost und Hülste kan sie erquicken. Ja die edle Tugend der christlichen Gelassenheit wird etwan so verächtlich angesehen, daß man sie für ein Zeichen eines niedrigen und verzagten Gemüths haltet, welches sich allem Unrecht und Gewaltthat, blos stellet, und daher seine Ruhe und Wolfarth zerstöret. Aus solchen unreinen Quellen kommt das Murren wlder die Leitung des Höchsten, da man vielmehr wider seine Sünden murren sollte. Daher kommt das ungestüme und zornige Bezeigen gegen dein Nebemnenschm; das Wüten und Rasen wider sich selbst. Daher ergreifst man auch die ungerechtesten Mittel sich zu helffen, und weichet von GOtt gantzlich ab. Armselige und blinde Menschen! was richten sie damit aus ? Wollen sie der Hand GOttes entfliehen, welche sie wie den Jonas aller Orten finden kan? Wenn sie auch noch so sehr sich widersetzen, und gleichsam den Himmel stürmen wollen, so thun sie nichts anders , als daß sie desselben Rache desto mehr wider sich reißen, und ihr Lcyden noch schwerer machen. Wir können uns auch auf die Erfahrung beruffn, daß die, welche auf verbotene und sünd- liche Weife sich zu helffen suchen, endlich zu schan- _L eichen-Predr'gt. _21 den werden, und ihre Thorheit etwann zu spate erkennen müßen. Ihr Schade wird eine Zeitlang verhüllet , aber nicht gebessert; und sie werden endlich finden, daß ihre aus Ungcdult herrührende Mühe zurück auf ihren Kopf, und ihr Frevel auf ihren Scheitel falle. Rechtgesinnte, glaübige Christen nehmen nachdem Fürbilde ihres Heylands einen andern Sinn an sich, und fasten ihre Seelen mit Gedult. Sie fühlen freylich GOttes Schläge, sie seufzen, winseln und klagen darüber, und wünschen erlöset zu werden; sonderlich wenn sie lange durch das Feuer einer harten Versuchung bewähret werden; wenn viele Wetter auf sie zustürmen. Allein durch GOttes Gnade werden sie bald aufgerichtet. Wenn z. E. Kinder ihre Eltern verliehren, und zwar solche Eltern, welche sie hertzlich geliebet, treulich für sie gesorget nicht nur in dem leiblichen , sondern auch in dem geistlichen, deren Hülste und Naht ihnen noch fer- ners nöthig wäre; so werden sie billig dadurch gebeuget und betrübet. Allein GOtt lebet noch, der ihnen die geschlagene Wunde heilen kan. Der selige Tausch, den die verstorbene getroffen, und die Hoffnung zu seiner Zeit in dein Himmel sie anzutreffen , und ungctrennt der vollkommensten Glückseligkeit ewiglich mit ihnen zu gemessen, solle ja fähig seyn, sie mit reichem Trost zu erfüllen. Ja, liebe Christen, Standhaftigkeit und Gedult sind die besten Wafen, damit wir uns wider so viele Anlaüffe und Anfechtungen dieses Lebens be- C z wah- 22 Khristliche _ wahren können, und hierum leuchtet die Fürtreff- lichkeit unserer heiligsten Religion insonderheit Her- für, daß sie uns die besten und sichersten Trost- Gründe gibt, welche sonst nirgends anzutreffen sind. Wenn wir den Glauben und ein bußfertiges Hertz haben, so wird GOTT seine Kraft in unserer Schwachheit mächtig beweisen. Wir können in solche Umstände gerechten, da alter weltliche Trost nichts vermag, und da wir weder im Himmel noch auf Erden niemand finden, als allein GOrt, der, wenn uns gleich Leib und Seele verschmachtet, unsers Hertzens Trost und Theil ist in Ewigkeit. Also werden wir in uns die Kraft fühlen, welche so viele Glaubens-Helden und standhafte Bekenner unsers Heylands aufgerichtet. Wir werden von unseren großen und vielen Sünden gcrührct, erkennen, daß GOtt noch lange nicht mit uns handle nach unseren Sünden, und uns vergelte nach unsren Missethaten. Wir werden, von der Güte und väterlichen Fürsorge GOttes überzeuget, uns seinem heiligen Willen gantz gelassen undcrwcrffen, rr.i.xvm,und sagen: Gelobet sey der HERR täglich. 2° 2i GOrt leget uns eine Last auf, aber er hilffr uns auch. Wir haben einen GOtt der hilfst, und den HErrn HErrn der vorn Tode erret- r?str. iv, ret. Leyden wir nach seinem willen, so sollen " wir ihm unsere Seele befehlen, als dem treuen Schöpfer in guten wercken. Wir werden lernen , daß wir als Christen zum leyden beruffen sind, und uns nicht wegern unserm Hcyland das Crcutz Leichen-Predigt. 2z Crcüö nachzutragen, denn welchen der HERR.»--br xu, lieb hat, den züchtiget er; er stäupet einen jeg- ^ lichen Sohn, den er aufnimmt. So wir die Züchtigung erdulden, so erbeut sich uns Gott als Kindern; den wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtiget? rc. Die Hoffnung der ' ewigen Glückseligkeit wird uns alles Leyd versussen. Allein da wir uns selber überlassen gar schwache Gefasst sind, so befehlen wir uns dem getreuen Vater in Christo durch beständiges anhalten in dem Gebet, daß er uns in der Gcdult wolle stärcken, kräftigen, gründen, und uns allezeit in den Schrankten unserer Pflicht erhalten bis auf den Tag unserer Erlösung. Man meldet von Mo iupüc» einem L. sehr gelehrten und berühmten Manne, daß, als ihmA^- auf dem Todbette einer seiner Freunden verschiedene Trost-Gründe aus den heydnischen Weltweistn vorgehalten, er geantwortet: llls lum nng. vomms 6a miki?gtientism ckrMansm. DlS ist eptel. HErrJEsir! gieb nur eine christliche Gedult. Ich beschließe mit der Vcrmahnung des Apostels. Lastet uns ablegen die Sünde, jo uns immer xn, anklebet, und trage macht, und lastet uns laufi '' fen durch Gedulr in dem Kampf, der uns verordnet ist. Und anstehen auf IDum den Anfänger und Vollender unsers Glaubens, welcher, da er wol hatte mögen Freude haben , erduldete er das Lreutz, und achtete der Schande nicht, und ist gesessen zur Rechten aufdem Stuhl GVttes. kLK- 24 ?LK 80 N^H^. 0l>Un soll noch etwas vermeldet werden von un- serm verstorbenen Herrn und Bruder, dem wir jetzund das Geleit zu seiner Ruhstatte gegeben, und zwar erstlich mit seinen eigenen Worten, wie er sie schriftlich hinderlassen. Joseph Meyer bin an das Licht dieser Welt gebohren wor- den An. 1689. den 2z. April. Meine geliebte und in dem HErrn entschlaffene Eltern waren Herr Abraham Meyer/ Goldarbeiter allhier, und Frau Manä Phjlippi; Mein Großvater väterlicher Seits war Herr Joseph Meyer/ Zunftmeister in Mülhausen, die Großmutter,Frau Elisabetha Villiomet ; Mütterlicher SeitS ?LK 80 NäI.Iä. — S^ts aber; Herr Jacob Philipp! und Frau ANNa JstllN tt. Von gedachten meinen lieben Eltern bin ich sorgfältig auftrzogen, zum Schriften- thum, Kirchen und Schulen fleißig angehalten worden, und nachdeme ich die achte Maß des Gymnasii absolviret, sandten sie mich An. 1704. nacher Welsch-Neuenburg um die französische Sprache zu erlernen, all- wo ich zwey Jahre verblieben. Bey meiner Zurückkunst aber sandten sie mich An. 1706. nacher Franckfurth am Mayn um die Handlung zu erlernen, allwo ich fünf Jahre als Lehrjung, nachgehends aber zwey Jahre als ! Bedienter gestanden bin. ! An. 171z. wurde ich nacher Schaffhausen zu Herrn Hurter / Ott und Peyet/ beschrieben, welchem Ruf ich gefolget, und mich als Bedienter drey Jahre bey selbigen aufgehalten. An. 1716. den 19. Lhristmonats, begäbe ich mich in Schaffhausen in den Stand der Heilgen Ehe mit D da- 26 damahls Jungfer Elisabetha Peyev/ Juncker Bemhavd Peyevs und Frau Anna Katharina Wegerich vonBer- NaU Ehelich erzeugter Tochter, mit welcher gedacht meiner lieben Ehefrauen, die An. 1745. den 28. Hornung sel. verstorben, ich in einer friedfamen 28. Jährigen Ehe ge- lebet habe. In dieser unserer Ehe haben wir durch GOttes Gnade 9. Kinder, nehmlich 4. Söhne und 5. Töchtern erzeuget, wovon aber der Allerhöchste 2. Söhne und z. Töchtern zu sich in die Ewigkeit genommen , und annoch 2. Söhne und 2. Töchtern im Leben seynd, ob welchen der grund- gütige GOtt und Vater, von deme alles wahre Gute von oben herab kommt, mit seiner Gnade und Seegen walten wolle. So weit gehet der schriftliche Aufsatz unsers sel. Verstorbenen. Was seinen geführten Wandel betriff, so ist derselbe allen die mit ihm umgegangen bekannt. Er war ordentlich, fleißig und unverdrossen in seinem Beruff, dabey fried- fried- und dienstfertig gegen jedermann. Er machte sich eine Freude davon, seinem Nächsten mit Naht und That behülflich zu seyn. Dabey war ihm die Übung seines.Christenthums sehr angelegen, welches er nicht nur durch fleißige und andächtige Besuchung des Gottesdiensts, sondern auch durch eyftigeS Gebet, Lesen und Betrachtung der heiligen Schrift und gottseliger Büchern, fürnehm- Lich aber durch einen frommen Wandel bezeugt. Dieser nun in GOtt ruhende Herr Joseph Meyer hatte in seinem Leben allerhand Creutz und Trübsalen ausgestanden, worein er'sich aber willig und gedultig geschicket, und sich jederzeit gegen seinem GOtt und Vater als einen grossen Sünder dargestellet, anbey sich immerdar an seinem sich zugeeigneten Wahl - Spruche aus dem iog. Psalm getröstet: Lobe den HErrn meine Seele und alles was in mir ist seinen heiligen Namen, lobe den HErrn meine Seele und vergiß nicht was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine grosse Sünden vergiebet, und heplet alle deine Gebrechen. Der dich vor dem D 2 Ver- kLK80N^I.Iä. s8 Verderben errettet, und dich krönet mit seiner grossen Gnade und Barmherzigkeit. Seine letzte Kranckheit betreffend, nähme selbige mit diesem Jahre einen Anfang, doch wartete er seinem Beruf, allen Leibs- Beschwarden ohngeachtet, so viel als möglich ab, biß endlich derselbe vor ungefehr fünf Wochen sich zu Bette legen müssen. In dieser seiner Kranckheit wurde an nöthigen Hülfsmitteln nichts versäumet, und es haben seine lieben Söhne und Töchtern Jh- me auch recht kindlich und getreu beygestan- den und abgewartet. In dieser Kranckheit legte er recht deutliche Proben seiner christlichen Gemüths Verfassung an den Tag. Er nahm den geistlichen Zuspruch gantz begihrig an. Danckete seinem GOtt hertzlich für seine grosse und unverdiente Wolthaten, demüthigte sich under seiner gewaltigen Hand mit bußfertigem und zerknirschtem Hertzen , ergab sich gantz gelassen in den Willen seines himmlischen Vaters, und wartete in dem Glauben an Lhri- stum auf seine selige Erlösung, biß er endlich ?LK80NLI.Iä. 29 abgewichenen Sonntag Abend um 8. Uhr unter dem Gebet seiner lieben Kindern in dem HErrn seelig entschlaffen, nachdem er in dieser mühvollen Welt zugebracht hat 59. Jahr und iO. Monath. Unser selig verstorbene gutgläubige Bruder hat sich in seinem Beruff viel mit Schliessung der Wechseln beschafftiget. Wir können aber wol sagen, daß er nunmehro den besten Wechsel getroffen, in dem er so viele Beschwerden dieses Lebens mit dem Genuß ewiger Ruhe und Freude vertauscht, da er sagen kan; der HErr ist mein Gut und meittki. XVI, Teil; du erhaltest mein Erbteil. Das Loos ^ ^ ist mir gefallen aufs liebliche, mir ist ein schön Erbteil worden. Der Vater aller Barmhertzigkeit wolle sich dessen hinderlaffenen höchst-betrübten Kindern, denen die vor wenig Jahren durch den tödlichen Hintritt ihrer gelobtesten Frau Mutter geschlagene schmertzliche Wunde jetzund zugleich wieder aufgerissen wird, in Gnaden annehmen, und den von ihren werthesten Elteren ertheilten Segen reichlich an ihnen erfüllen.. D 3 Wir Zv kLK8QNLI. I L._ Wir allzumahl, in dem wir unsern verstorbenen Bruder zu Grabe begleitet, haben dadurch unsere Liebe und Freundschaft gegen demselben und seinen Angehörigen beweisen wollen. Allein dieses wird GOtt erst in Gnaden gefallen, wenn wir auch Hiebey an unsere Sterblichkeit gedencken, und daß wir alle diesem lieben Freund ein jeder in seiner Ordnung nachfolgen werden. Wir wissen nicht was uns in der noch übrigen Le- bens-Ieit bevorstehet; aber das wissen wir, daß Kranckheiten, Trübsal und der Tod auf uns warten. Wir können uns nicht besser dazu bereiten als durch die liebe Gedult, welche aus einem bußfertigen und gläubigen Hertzen entspringet. Der HERR verleihe uns dazu seine Gnade in Lhristo JESU, durch den Beystand des H. Geistes. AMEN. Soll Trauer-Gedichten. zr /§^Oll mir dein Abschied nicht inein Freund! zu ^ Hcrtze gehen? Da deine Redlichkeit und Treue mich verlaßt. Ich hab dick allezeit als solchen angesehen, Dem Trug und Heuchelet) der heutgen Welt verhaßt. Darum betraur ich dich, ob dir schon wohl geschehen, Daß ich nicht ferner kan mit dir vertraut umgehen. Ein gurer Freund. AMum sind vier Jahr dahin, da uns ein Leid ge- troffen, Als unsrer Mutter war das Stündlein ausgelosten. Die uns recht inniglich von Hertzen hat geliebt, Und derer Hintritt uns noch diese Stund betrübt. Jetzt aber wird uns gar der Vater hingenommen, Der uns mit Rath und That allzeit zu Hüls gekommen. Der unser Hoffnung, Schild, Schirm, Pfeiler, Wehr und Schutz War, und auch alles that, was uns nur gut und nutz. Deswegen sollen wir Euch billich hoch beklagen, Und in dem Hertze leid für Euch, o Vater! tragen, Weil wir die grosse Treu, so ihr auf uns gewandt, Im leben nie genug nach Würdigkeit erkannt. So berrauren den schmerylichen Hinschied Ihres geliebten Vaters dessen hinderlassene vier Rinder» Z2 Trauer-Gedichten. FOU» wexle immer hin, Ich sehne mich nach dir, Nicht nach der Erden Freuden, Die mit Verdruß von uns, Und wir von ihnen scheide», Wann uns der Tod zuruft! Genug, nun folge mir, Wie sollte mich »ach Freud, Und toller Lust gelüsten, Ihr Manna sättiget nicht, In dieser dürren Wüsten, Ich sehne mich nach dir. * * » Wer schwachem Eyß sich trau!, Kan gar zu leicht ertrincken, Der falsche Schein der Welt, Macht in den Abgrund sincken. Du JEsu wollest annoch selbst, Stäts unsern Wandel prüfst», Dann dir folgt man sicher nach, Auf Höhen und in Dessen. Dieses hat zum Andencken seines Brudern sei. beyfügen wollen, Abraham Meyer. L>Esu! laß mirs wohl gefallen, Daß «nein Oncste ist von hier, Bleib mein Freunde unter allen, Bleib mein Freund bis in das Grab, Mein getreuster stärkster Stab. Nun bleib mein Freund, Wann Frcundschafft weicht, Der Welt Haß kan mich doch nicht fallen, Weil in den starcksten Unalücks-Wellen Mir deine Treu den Ausser reicht. Nur dieses wünsch ich für und für, Daß dein Friede nimmermehr Von den Hinterlaßnen weiche, Und dein treue Vatters-Hand Ihnen Hülff und Trost darreiche. Dieses wenige hat aus schuldigein Respect gegen seinen Herrn Bettern sel. beysetzen »vollen, Abraham Meyer, jünger.