Schuldiges Trahnenopfer bey dem Grabe der weiland wolgebohrnen und tugendvollen alarina ohlttllllNV alknerlnil, abgestattet Ioh. Jakob Sprengen, der griechischen Sprache, wie auch der deutschen Beredtsamkeit und Dichtkunst öffentlichem Lehrer. BASEL, N v eo i.xiii. Hk-.E Du Inbegriff der strengsten Peinen, die einen Hiob je bekämpft, und bey der Todesangst der Deinen doch nimmer deinen Muht gedämpft: Du, welche nun den Tod verschlungen, und hundertfach die Krön errungen, die Israel von GOtt ersigt: erweck aus deinen Seligkeiten noch heute deines Dichters Saiten, der stumm bey deiner Gruft erligt! )(2 . O wol O wo! mir! Du erquickst mein Sehnen, und mahnest auch vor GOtt mein Lied. Dein Mitleid strahlt in meine Trähnen, darvon mein Innerstes entglüht. So manche Tugend aus Dir blickte, als uns dein Wesen hier entzückte, so mancher Engel blitzt um Dich, und sammelt Dir die Himmelschöre: Mein werter RvhlM anf! und höre! Sie stimmen schon, und fordern mich. Willkommen, Heldinn, aus den Leiden! Willkommen, schallt ihr Jubclruf: in des Erlösers milden Freuden, die er für Deinesgleichen schuf! O Seele, die, eh sie genesen, schon unsers Standes Ruhm gewesen, und unter uns auch edel ist, nun erst erbau uns durch die Gaben, die Dich in unser Licht erhaben, und die der Himmel nur ermißt! Nun, Nun, Fürstinn in den feigen Reichen, die dein Triumf frohlocken macht, vor dem die mindern Stern erbleichen, wie Monde vor der Sonne Pracht: nun schöpfe Ruh vor JEsu Trohne, und leucht in deiner Sigeskrone den Helden unsers Königs vor, und steige durch die Ewigkeiten zur Quelle der Vollkommenheiten scrafisch, wie Du tuhst, empor! Nun eile deiner Eltern Pare von Dank und Segen wallend zu, damit es seliger erfahre, wie viel an Dir sein Segen tnh! Dardurch seyn nach erschöpften Mühen Dir alle Güter anqcdiehen, die GOtt nach JEsu Blute schätzt: Der bleibet einst auch deinen Lieben, die sich in deinem Beyspiel üben, zuin Trost und Erbteil ausgesetzt. X; Ww Wir segnen noch die werten Stnndcn die Dn auch in der Erde Nacht, wie schon der Eitelkeit entbunden, in unserm Umgang zugebracht. Wir sehn noch deine Dehmuht knyen, und deines Herzens Opfer glühen, die Du zum HErrn durch uns geschickt. Wir fühlen noch, wie dein Erbarmen das Elend unbekannter Armen mit stiller Liebeshand erquickt. Uns rühren noch, wie deine Kinder o Schwester! deiner Lehren Kraft, die Sie zu Engeln hier nicht minder, als dort zu wahren Menschen, schasst. Es lodern noch in uns die Triebe, womit in Ihnen deine Liebe die Liebe GOttes aufgeregt, und, welche sanftlich eingesogen, Sie zu der Fertigkeit erzogen, die man in dtses Leben trägt. Dis tröste deines Gatte«» Trauern, der alle Welt mit Dir vermißt, und, weil noch seine Jahre datiern, dein Ebenbild in Ihnen küßt; der, wenn Ihm Alles öde scheinet, wenn Er nach deinem Schatten weinet, und Ihm die dunkle Spur entflieht, in Ihnen mit des Morgens Lichte, wie vor des Heilands Angeflehte, Dich dreyfach auferstehen siht. So lange wir den Frommen dienen, ist unser Segen Ihm bereit, und bleibt sein Haus uns Uherubinen zum sichern Heiligtmn geweiht. Wird Er auch seinen Lauf vollenden, so tragen wir Ihn auf den Händen in deiner Freuden Mitgenuß, da Euch die Liebe neu vermählet, und was Euch sterblich je gefehlet, die Ewigkeit erstatten muß. Und - - Und dir, o Dichter! dessen Herze sich langst nach solchem Heil gesehnt; dir, dessen frommer Dank und Schmerze auf unsrer Freundinn Asche trähnt: dir wollen wir in beidem Leben den Preis für deine Harfe geben, die unsern Lhören zugestimmt, und deinen Lorbeer hin versetzen, wo ihn die Blitze nicht verletzen, und wo der kalte Bär entglimmt. Kurzer Lebens lauf der seligen zchlierilln geb. Ualknertnn. Dieselbe ward an das Licht diser Welt gebohren den 26sten Jenners 1726. von Herrn Daniel Falkner, dem Handelsmanne und des grossen Rahts, wie auch Beysitzer des Stadtgerichtes, einem würdigen Sohne Herrn Emanuei Falkners, ehmals hochverdienten Bürgermeisters unsers Freystandes, und Frauen Katarina Birrinn, und von Frau Maria Veronika Gernlerinn, einer Tochter Herrn Joh. Heinrich Gern- !ers, ehmaligen Rahtschreiberö, und Frauen Doro- theen Hauserinn. Von disen in GOtt ruhenden Eltern, von welchen Sie die Frau Muter schon in der Kindheit verlor, wie auch von der zweyten Frau Muter, welche Sie durch die hülfreiche Fürsehung wieder er- XX langte, langte , empfieng Sie eine sorgfältige und so gesegnete Auferziehung, daß Sie sehr frühe nicht nur eine besondere Fertigkeit in allerley ihrem Geschlechte nötigen Übungen erwarb, sondern auch ausnemende Gaben des Geistes und Herzens aüserte, und zu einer gründlichen Erkänntniß ihrer Glaubens-und Lebenspflichten gelangte. Desto eher stärkte Sie Sich in einem vernünftigen und tähtigen Lhristentum, und bewahrte, wie viel der Eindruck des Beyspiels gott- säliger Eltern und die getreue Anführung auserwähl- ter Lehrer, vornemlich aber die mitwirkende Gnade des Erlösers, schon in zarter Jugend vermöchte. In dem Jahre i?z6. ward Sie, zu Erlernung der französischen Sprache und standsmäffiger Sitten, zu Neuenburg am See in einer anständigen Kost und Schule versorgt, da Sie Sich wiederum, alle ihre Zeit zum vollkommensten Vergnügen ihrer Eltern und Lehrer anzuwenden, beflissen. Nach ihrer Zurück- kunst erwies Sie Sich gar bald in allen hauswirtli- chen Tugenden so geübt und fertig, daß derjenige Ehgatte, welchem Sie GOttes Hand zuführen würde, alle zeitliche Glückseligkeit mit Ihr zu erhalten versichert seyn konnte. Darzu gelangte denn durch göttliche Gnadenleitung Herr Joh. Rudolf Rohner, beider Rechte Licentiat und Oberschreiber unsers grossen Spitals, welcher SiA den zten Lhristmonats 1740. ehlich mit Derselben verlobte, und, wie Er disen Tag für den glückseligsten seines Lebens gehalten , nunmehr auch den Tag, da Sie Ihm entrissen worden, als den betrübtesten seiner Tage, beseuf- zen zen muß. Denn an Derselben vermißt Er eine gottsfürchtige, liebreiche, und beides um das zeitliche und ewige Heil seines Hauses Tag und Nacht besorgte Gehülfinn, die Kinder aber ein Beyspiel aller Tugenden ihres Geschlechtes, und eine wachsame zärtliche Muter, welche sie gleichsam immerfort unter dem Herzen getragen, und alle ihre Triebe zu dem Guten mit ungemeiner Geschicklichkeit zu erwecken, zu entwickeln und zu stärken wußte. Nicht minder verlieren die übrigen ansehenlichen Verwandten eine herzige, zu aller Hülfe voreilende, und in traurigen Zufällen an Naht und Troste unerschöpfliche Freundinn und Schwester, die Armen eine stille Zuflucht, die Gemeine des HErrn Eines der erbaulichsten Glider, und überhaubt die Gesellschaft eine wahrhafte Menschenfreundinn. Sie empfand und dachte edel; Ihr Herz wallte und blutete mehr für fremdes Leiden als für eigenes, und schlug von lauter Ehrfurcht und Liebe für den Schöpfer; Und alle Zeugen ihres Wandels rühmen Ihr in der Ewigkeit nach, daß Sie lauter, wahrfest, entschlossen, groß ohne Stolz, dehmühtig ohne Nidertracht, unfähig einiger Heucheley, und ein Schrecken der Verleumdung und Afterrede gewesen. In ihrem zwey-bis 2z. jährigen Ehstande gebahr Sie ihrem Herrn Ehgat- ten Vier Kinder, nämlich ein Söhnlein, welches sogleich nach der Geburt verstorben, und Drey Töchter, welche der himmlische Vater so wol, als den schmerzlich gebeugten Herrn Wittwer, mit seinem Troste, so groß er ist, heimsuchen wolle. XX 2 Die Die letste Krankheit dersek'gen Frauen nam ihren Anfang etwann Zwelf Wochen vor ihrem Ende mit starker und schier unbezwinglicher Verstopfung. In Mitte diser Zeit ließ sich das Übel zwar zu einer Besserung an; Bald aber nam dasselbige, ungeachtet alles Rahtes und Fleisses der erfahrensten Herren Aerzte, dermaßen überhand, daß man so sehr über die unbeschreibliche Pein, als über die unüberwindliche Geduld der seligen Heldinn erstaunen mußte , und weiters kein Genesen mehr, als durch eine ftlige Auflösung, hoffen börste, welche denn endlich den i2ten Brachmonats difes Jahres zwischen 12. und i. Uhr nach Mittage erfolgte , da der liebe GOtt ihre Seele unter dem brünstigen und träh- nenden Gebete der lieben Ihrigen aus dem strengen Kampfe in seine selige Ruhe aufnam, nachdem ste in dem Kerker ihres Leibes Z7. Jahre 4. und einen halben Monat zugebracht hatte.