Oder die reiche Trost - Quelle in dem vielfältigen Leyde» der Frommen. Vorgestellt In einer Christlichen Leich-Predr'gt ' über die Wort, 2. Corinth. Lap. 1. s. In der Haubt-Rirchen des Münsters» den 20. April 176z. Als unter Hochansehnlichem Geleit, in Ihre Ruhe getragen wurde Die Viel Ehr - und Tugend - reiche R W U N Weyland Des Edlen, Ehrendesten und Wohlfürnehmen etß, i v.Q Manuel Des grossen Rahts. und des grossen Spitthals Oberschreiber, nach Tod hinterlassene Frau Wittib. von kl. Jacob Lhristoff Ramspeck, Pfarrer zu St. Elisabethen, und Helfer in dem Münster. BASEL, gedruckt bep Nicolaus Röllner. 2. Corinth. Lä?. i. )^. s. Dann gleichwie wir des LeydenS Christi viel haben, also werden wir auch reichlich getröstet durch Christum. A r Alls- 4 Shrlstliche Meginig. GAnz wohl vergleichet sich diß unser gegenwärtiges Leben mit der Witterung: Mit der Witterung hat es eine solche Beschaffenheit, daß bald die Sonne scheinet, bald eine trübe Wolcke sich samlet, und ein Platz-Regen daher kommet: So gehts in diesem Leben; es ist vermischet mit Laid und Freud, es scheinet wohl eine Zeitlang die angenehme Sonne guter Tagen; es folget aber auch wiederum das trübe Gewölk des Creutzes und mancherley Beschwerden. Nach Lachen, wie Salomon sagt: folget Tramen, und nach Freud kommt Laid. krov. 14. iz. Und, eine böse Stund macht, daß man aller vorigen Freud vergißet. Nach dem Zeugnuß des weisen Syrachs. n. ^.28. Die Leich-Prebigt. 5 Die Abwechslung des Wetters ist hochnöthig und nützlich. Dann solten wir beständigen Sonnenschein; haben, so wurde alles verdorren: sötte es immerdar regnen, so wurde alles verfaulen: Also, wann der Mensch immer gute Tage hätte, wurde sein Hertz sich bald erheben, er übermüthig werden, und seinen Gott seegnen, dessen sich der weise Mann Agur in solchem Stand besorget, und darum zeitliche Neichtummen von Gott abgebettcn. ?rov. zo. 8 . Sötte) er aber immer unter dem Creutz ligen, und in dem Ofen des Elends stecken, so kans nicht änderst seyn, er wurde zuletst kleinmüthig und verzagt werden, mit David gedencken: Er wäre von GOttes Angesicht verflossen. Psalm. zi. 2z. Mit Affaph: GOtt habe seiner vergessen, Er habe vergessen gnädig zu seyn, und seine Barmhertzigkeit für Zorn verschlossen. Psalm. 77. F'. 8 . Darum wechslet der liebe GOtt, mit Wohl-und Uebelstand bey seinen Kinderen ab: Gerathen sie in allerhand Creutz und Trübsalen, so laßt Er sie darinnen nicht stecken, sondern sendet Ihnen seine Hilff, Er erfreuet sie wiederum mit dem lieblichen Trost. A r Das 6 Christliche Das ist es, das unser Apostel Paulus in verlesenen Textes - Worten rühmet, wann er sagt : Dann gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, also werden wir auch reichlich getröstet durch Christum. Unsere in GOtt ruhende Ehren Matron hat auch bey unterschiedlichen Jahren her, viel und mancherley Beschwerden erlitten, ist aber von GOtt jederzeit in denselbigen kräfftiglich gestärcket, und reichlich getröstet worden, Habemir derowegen fürgenommen bey Ihrer Beerdigung abgelesene Wort , in des HErren Forcht mit E. L. zu behertzigen. , Es redt der Apostel in diesen Worten von 2. Stucken. I. Von -ein vielfältigen Leyden der Frommen. H. Von dem Göttlichen Trost, so sie darinnen gemessen. Leich-Predigt, 7 lvn km IAiAs vielfältige Leydm der Frommen, deutet der 620 Apostel an, wann er jagt: Daß sie des Leidens Christi viel haben. Es redt zwar der seelige Apostel Paulus in diesen Worten > von demjenigen Creutz und Leyden, welches Er und sein Lehrjünger Timocheus wegen dem Evangelio in Asia erlitten und so groß gewesen, daß sie sich zum Wem besorget haben , es möchte sie ihr Leben kosten, seyen aber von GOtt jederzeit wunderlich schalten, und kräfftig getröstet worden. Nichts desto weniger kan dieses auch von Frommen Rinderen GOttes gesagt werden, auch diese haben ihr Leyden in der Welt, ja eben sie für andern. Von diesen sagt der Apostel. ä. Daß sie leyden müssen, r. Daß sie viel leyden müssen, e. Daß es das Leyden Christi seye. ä. Erstlich zeiget Er an, daß die Frommen leyden müssen. Und deme ist freylich also, Liebe Christen! das bezeuget die Heilige Schrijft an vielen Orten 8 Christliche Orten. Das ist es, was David sagt: Der Ge- rechte muß viel leyden. Psalm. ?4- 20. So sagen die Apostel insgesamt: Wir müssen durch viel Creutz und Trübsal in das Reich Gattes eingehen. Act. 14. 22. Und Paulus insonderheit: Alle die Gottstelig leben wollen in Christo, müssen Verfolgung leiden. 2. Tim. iz. So sagt Petrus: Das Gericht fange an, an dr„» Zaust Gattes, i. Pet. 4. 17. Das ist es, was dorten dem alten Tobia gesagt worden: weit du GOttes Rind wärest, so mußte es also stzm, ohne Anfechtung sollt du nicht bleiben. Tob. 4 . A io. Es lchrens die Exempel. Da finden wir, wie Abraham vielerlei) Ungemach erlitten, wie Jacob, und die seinigen mit Hungers-Noth gedrucket worden, wie Joseph in dem Egyptischen Kercker drey gantzer Jahr lang fich aufhalten müssen, wie der Prophet Elias von der Gottlosen Königin Ie- sabel bis auf den Tod verfolget worden, wie Hiob in kurtzem um all sein Haab, Kinder, und seine Gesundheit kommen, wie Paulus einen beschwerlichen Pfahl im Fleisch gefühlet, nemlich des Satans Engel, der Jhne mit Faüsten geschlagen. Und was brauchts viel Beweislhum? die Erfahrung laßt keinen daran zweift Leich-Prcdigt. 9 zweifflm, ein jeder hat sein Creutz, ein jeder hat seine Last. Die Kinder Israel mußten vorzeiten durch den Jordan gehen, wo sie in Canaan kommen wolten; so müssen auch die Frommen durch den Jordan der Trübsalen gehen, wann sie in das himmlische Canaan kommen wollen. Die Creutzes Straß, ist allein die Himmels - Straß, der schmale Weg ist allein der Weg zum Himmel. Der schmale weg ist Trübsall voll, Den ich zum Himmel wandern soll. Es fragt dorten David: wo ist jemand, der da lebe, und den Tod nicht sehe, der seine Seele errettet, aus des Grabes Hand? Ps. 89. 49. So mögen wir auch fragen: Wo ist jemahlen ein frommes Kind GOttes ohne Creutz und Lenden gewesen in der Welt ? Wann von dem Gottlosen stehet: Er habe auch seine Plage. Psalm. z2.12. So muß der Fromme klagen: Er se^e geplaget täglich, und seine Straff sez? alle Morgen da. Psalm. 7;. 14. Hieronymus ein alter Lehrer sagt: Fehle mir einer alle Rinder GOttes, von Anfang der Welt, bHaufdiese Zeiten, er wird finden: daß sie allzumahl, in Creutz und Trübsal gelebet haben: Und ein anderer: l)nicum B 10 Christliche I)eus kilium /ine klaZitio, nullum 6ne Nagello. Das ist: Gott der himmlische Vatterhat ein einiges Kind, der Heilig und ohne Sünd gewesen, nemlich ILsum Christum, seinen natürlichen Sohn, den Er von Ewigkeit her gezeuget, aber keines ohne Cveutz und Leiden. Ein verkehrtes Urtheil ist es derjenigen welche, da sie vor anderen die Frommen leyden sehen, als unseelige Leut sie anschauen, und die bey GOtt nicht in Gnaden stehen, so Habens die Freunde Hiobs gemacht, da dieser angefochtene Mann seines Jammers kein Ende gesehen, und für Betrübnuß fast gar verschmachtet, spotteten sie feiner, als eines gottlosen Menschen: wo ist, sprachen sie, jemahlen ein Gerechter umkommen, oder wo sind die Unschuldigen je vertilget worden? Hiob. 4. 7. Sie wollen sagen : Wann du GOtt so ein lieber Mann wärest, Er wurde dich nicht so viel leyden lassen. So haben etliche von David geur- theilet, wie Er in dem Psalmen klaget: viel sagen von meiner Seelen, sie hat keine Hüls bey GOtt. Psalm. z. z. So ists den Jüngeren und Aposteln IEsu ergangen, die sind für Narren gehalten worden von der Welt, und mußten ein Schauspiel und Fag-Opfer seyn aller Leuten. Ja der HErr IEsirs feststen, der hochgelobte Sohn GOttes, mußte diesem II Leich-Predigt. diesem Urtheil unterworfen seyn, dann da Er in grosser Verachtung an dem Creutz hieng, und den Last des brennenden Zorns GOttes über unsere Sünden auf seiner Seelen ligen hatte, hieß es bey seinen Feinden! Er hat GOtt vertrauet, der erlöse Ihn nun, lüftets Ihn, dann Er hat gesagt : Ich bin GOttes Sohn. Match. 27. 47. So urtheilet von GOttes Rinderen die Welt: Bey GOttes Geist lautets gantz änderst, der sagt uns: Daß die der HErr lieb habe, die züchtige Er. auch. Apoc. z. 19. Darum wollte auch Ambro- sius vorzeiten bey einem gewissen Edelmann nicht einkehren, der niemahlen kein Creutz gehabt, dieweilen Er darfür gehalten, er müsse ein gottloser Mensth seyn, auf welchen die erschrocklichen Gericht GOttes warten thäten: Ja stetig ist der Mensth, der die Anfechtung erduldet, dann nachdem er bewähret ist, wird er die Cron des Lebens empfa- hen, die GOtt denen verheißen hat, die Ihne lieb haben. Iac. i. 12. So lasset euch nun die Hitz der Trübsalen, so euch widerfahret, nicht befremden, als widerführe euch was selt- fammes, sondern freuet euch, daß chr mit Christo leydet, auf daß ihr auch zur Zeit der Ost fenbahrung seiner Herrlichkeit Freud und Wonne haben möget. i. Pctri 4. 1 z. L. Es 12 r. Es zeiget aber Paulus ferner an: daß die Fromm nicht nur wenig, sondern viel leyden müssen: Gleichwie wir des Leydens Christi viel haben. Und das ist das kämm und der Zustand der Rinderen GOttes allhier auf Erdm, daß sie nicht nur mit einem und dem andern, sondern mit vielem Leyden stch erkämpfen müssen. Ihr Leben ist so zu reden Lon- centricatio kallionum öc Ouciz ^ ein volles Meer, ein Abgrund des Leydens. Es ergehet ihnen wie denjenigen, die auf dem wilden und un gestümen Meer daher fahren, da die Wellen hauf- fenweis in das Schiff schlagen; es gehet ihnen wie dem guten Hiob, dene ein trauriger Bott nach dem anderen erschrecket, und ihme bald dieses bald jenes Unglück angezeiget, bald kam einer daher, der ihme verkündigte den Raub seines Viehs, ein anderer den Verlurst seiner Knechten, ein anderer den kläglichen Todesfahl seiner Kinderen, da ruffet ein mancher: Ach GOtt! wie manches Herzenlaid Begegnet mir zu dieser Zeit, Der schmale weg ist Trübsal voll, Denn ich zum Himmel wandern soll. Bald betrüben die Gläubigen ihre Sünden, daß sie mit Petro darüber bitterlich wainen, mit der Sünderin Leich-Predkgt. iz derm im Evangelio die Füsse des HErren waschen mit ihren Thränen, mit dem armen Zöllner an ihre Brust schlagen, und rüsten: GOtt fez» mir Sünder gnädig. Luc. 18. i z. Bald kränket sie ihre angebohrene Verderbnuß nnd Unvollkomenheit, daß ße es mit der Heiligung nicht weiters bringen können in dieser Schwachheit, und darum mit Paulo seufzen müssen: Ich habe Luft an GOttes Gesatz, nach dem inwendigen Menschen, ich sehe aber ein ander Gesatz in meinen Gliederen, das da widerstreitet dem Gesatz in meinem Gemüthe, und nimmt mich gefangen in der Sünden- Gesatz, welches ist in meinen Gliedern, wollen hab ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht; O ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Röm. 7 . 18 - 22. LZ. Bald erschrecken ste geistliche Anfechtungen, wann GOtt ihnen Ankommet, in einen grausamen verwandlet, dass sie mit Hiob erseufzen müssen: Die Pfeile des Mmach- tigen stecken in mir, deren Grimm sauft aus meinem Geist, und die Schrecknüssen Gattes sind auf mich gerichtet. Hiob 6. 4. Mit Assaph: will dann der HErr ewiglich verflossen, und keine Gnade mehr erzeigen? ist es B z dann i4 Christliche dann aus mit GOttes Güte? hak dann feine verheissung ein End? hat dann GOtt vergessen gnädig zu seyn, und seine Barmherzigkeit für Zorn verschlossen? Psalm 77. 8.9. Und mit dem HErrn IEsu selbst: Mein GOtt! mein GOtt! warum hast du mich verlasen? Match. 27. ^.46. Auch mangelts ihnen nicht an leiblichen Trübsalen , die sie bekümmeren: Bald müssen sie ringen mit bitterer Armuth, wie jene Wittwe zu Sarepta, die dem Propheten Elia bezeugete: So wahr der HErv lebt, ich habe nur ein Hand voll Mehl im Cad, und ein wenig Oel im Rrug, und siehe ich habe ein Holz oder zwey aufgelesen, und gehe hinein, und will mir und meinem Sohn zurichten, daß wir essen und sterben, i. B. Königen 17. rr. Bald beleget sie GOtt mit schwären Kranckheiten, und Leibes-Schmerzen, daß weder ihr Beth sie trösten, noch ihr Lager sie erleuch- teren kan. Job. 7.^. iz. Daß sie ganze Monden vergeblich arbeiten, und elender Nachten ihnen viel werden. Job. 7. ^ ;. Bald greifft sie GOtt an, an ihrem guten Leümbden und Namen, wann Schmach und Verachtung auf sie fallet, und es bey ihnen heißt, wie bey David : Die Schmach bricht Leich-Prkdigt. 15 bricht mir das Herz, und kranket mich, ich warte, ob es jemand jammerte, aber da ist niemand , und auf Tröster, aber ich finde keine. Ps. 2?. Bald sucht sie GOtt heim, mit schwären Verfolgungen, daß sie das Land ihrer Vatter, und ihre Geburt-Stadt verlassen, Haus und Hof mit dem Nucken ansehen, und das traurige Elend bäum müssen, und milden Juden klagen: Unser Erb ist den Feinden zu Theil worden, und unsere Häuser den Ausländischen, l^ren. s. 2. Sagst du aber: Warum pfleget unser GOtt allst zu verfahren mit den Frommen ? Warum müssen sie so viel leiden auf Erden? Warum verschonet Er ihnen nicht mit den Trübsalen? Antwort: Uns stehet nicht zu, den Ursachen des Göttlichen Nahtschlusses fürwihi- ger Weis nachzugrüblen; genug soll uns seyn, daß wir wissen, daß es unserm GOtt allst gefallet, dessen Ge- dancken nicht unsere Gedanken, dessen Wege, nicht unsere Wege sind. Ies. ss. 8 . Es thut solches unser GOtt aus einem heiligen Absehen. Er thuts die Eitelkeit uns zu erlaiden: wir haben von Natur weltliebende Herzen, auch GOttes Kinder verliessen sich etwann in der Eitelkeit, durchs Creutz nun überzeuget sie GOtt ihrer Thorheit, so sie diß 16 Christliche diß Orts Vegehen, und muntert sie auf, zu suchen was droben ist , nicht das auf Erden ist. Co- losser i. 2. Er Guts , unsere Schwachheit zu offenbahren. Es beschicht wohl, daß auch die Gläubigen zu einem hochmütigen Selbs - Vertrauen verfallen,' grosse Einbildung von sich sechsten, ihrer Krafft und Stär- cke haben, oder auf ihren Wohlstand und Glückseligkeit trotzen, meynen, es könne ihnen nicht fehlen, mit David außbrechen : Ich werde nimmermehr darnieder ligen. Durchs Creutz nun, will sie GOtt demüthigen, und erkennen machen, welch ein Gemächt sie seyen, wie bald es um sie geschehen wäre, da GOtt nicht Hilf leisten sollte. 1^0 der zehende, Römische Pabst, hatte das koöLZrs, und ließ sich vernehmen; Derjenige sollte königliche Güter von Ibme bekommen, so Ihme dasselbe nur milteren wurde, aber Er mußte erfahren, daß Ihne niemand curiren können, und also zeitliche Reichthummen nicht allezeit helffen mögen: So gibt auch. GOtt den Gläubigen durchs Creutz zu erkennen, welch eine Eitelkeit es seye, auf menschliche Hilff und Güter trauen. Er Leich-Preöigt. r/ Crthuts, der Verderbnuß bey mis zu steuren. Gute Tag sind gemeiniglich gefährlich, und haben schon einen manchen zum Fall gebracht: Dann gleich als das Eisen, so es nicht gebrauchet wird, verrostet: wie in einem stillstehenden Wasser viel Unraht sich sammlet: wie ein Hauß, so nicht bewohnet wird, nach und nach zu Grund gehet, so nimmt der Mensch in dem Wohlstand nicht zu in dem Christenthum, sondern mehr ab. So lang David in Creutz und Verfolgung gewesen, wäre Er ein Mensch, nach GOttes Wunsch und Hertz ; aber so bald Er zur Ruh und Glückseligkeit kommen, ist Er bald zum Ehebrecher und Todschläger worden. Er thuts, unserer GOttes Kindschafft uns zu versicheren: Die ohne Züchtigung in der Welt leben, sind Basiarte und nicht Rinder Gattes. Heb. ir. 8; Aber die der HErr lieb hat, die züchtiget Er. Apoc. z. 19. Ueber dieser Betrachtung ohne Zweiffel, hat jener fromme Mensch, als Ihme GOtt sein Creutz abgenommen, sich betrübet und geseuffzet : Ach mein lieber himmlischer Vatter.' bin ich dann nicht mehr wehrt, deine ritterliche Züchtigung außzuftehen, soll ich dann hinfüro, dieses Pfandes, Deiner hertzlichen Liebe manglen? v r8 Christliche Er thuts, zu unserer Pflicht uns zu ermuntern; In dem Wohlstand sind wir gemeiniglich träg zum Guten, und werden bald müd in dem Lauff unseres Christenthums: Darum sendet GOtt den seinen einen Pfahl in das Fleisch, damit Er ihre Seele hole von dem Verderben, und erleuchte sie mit dem Lischt der Lebendigen ; wie Hiob redt. zz. zv. Das Creutz bringet uns zur Erkantnuß unserer Sünden; Die Brüder Josephs gedachten wenig an das Unrecht, so fie an ihrem Bruder verübet , biß sie in Leyden und Noht gerathen , dann erst hieß es bey Ihnen; Das haben wir an imserm Bruder verschuldet, da wir sahen die Angst stiner Seelen, da Er uns flehet, und wir wolten Ihn nicht hören, darum kommet nun diese Trübsal! über uns. i. B. Mos. 42. 21. So gedencken etwann die Gläubigen wenig an ihre Sünden, damit sie den Frommen GOtt betrübet, biß sie gezüchtiget werden, da gehen sie erst in sich feststen , und sagen mit dem Volck GOttes: Ich will des HErren Zorn gern tragen, dann ich hab wieder Ihn gesündiget. Mich. 7. 9. Es bringet uns zum Gehorsam. Wir gehorchen m dem Wohlstand, der Stimme des HErren eben nicht alle- Leich-Predigt. 19 allezeit, wie es wohl seyn sollte, aber durchs Creutz kau uns GOtt schon gehorsam machen: Wir lesen von Absolon dorten, daß, als Er den Ioab ein und das andermahl zu sich berußen, dieser aber zu kommen sich gewaigeret, habe Er ihme seine Gersten anzünden lassen, da seye Er bald erschienen. 2. Sam. 14. ;o. So weißt uns unser GOtt durch die Zucht- Ruthen , durch das Creutz gar schön zum Gehorsam zu bringen. Es bringet uns zum Gebätt, wann es uns wohl geht, sind wir gantz schlafferig zum Gebätt, aber die Noht lehret hätten, wie der Sonnen- Hitz die Dünst aus der Erden über sich zeucht, so zeucht die Hitz der Trübsalen unsere Andacht über sich gen Himmel: Zerr! wann Trübsal! da ist, so sucht man Dich, wan Du sie züchtigest, so ruf- fen sie angstiglich. Ies. 26.16. Manasses bekümertt sich wenig um das Gebätt, Er war ein abgöttischer, zauberischer König, aber da Er zu Babel an den Ketten gefangen lag, da suchte Er flehentlich das Angesicht seines GOttes. 2.Chron. ;z. 12. wan mir Angst ist, so russe ich den HErren an, und schreye zu meinem GOtt, sagt David. Psalm. 18. 7. Er thuts endlichen: ein Verlangen in uns zu erwecken nach dem Himmel, so lang es wohl geht, C 2 so 20 LhrisilLche so lang wir gesund sind, rufft ein mancher mit Pe- tvo: Hie ist gut seyn, wir wollen Hütten bauen, Matthei 17. 4. Aber wans Uebel gehet, wann das Leyden, wann Kranckherten daher kolnmen, und wir einen gebrechlichen Leib haben. Da sehnen wir uns nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlanget damit überkleidet zu werden. 2. Cor. s. 2. Da rufft man mit -WZuLno: kloriar Oomine» Ut ce viöealn: HErr, laß mich sterben, damit ich dein Angesicht sehen möge. Oder mit David: wie ein Hirsch schreyet nach frischem Wasser, so schreyet meine Seele HErr GOtt zu Dir, meine Seele dürftet nach GOtt, nach dem lebendigen GOtt, wann werde ich doch dahin kommen, daß ich GOttes Angesicht schauen möge. Ps. 42. 2. z. Oder mit Paulo: Ich begehre aufgelößt zu werden , und bey Christo IEsu zu seyn. Phil. i. ^.25. Oder mit LsrnNai-äo: Veiiäero ts millies, in! ^eki, gU3näo venies, Ue iXwm czuAväo Lcie 8 » ine äe 1 e gualiäo laües? Zu tausendmahl wart ich dein, Allerliebster IEsu mein, wann wirft Du doch erfreuen mich, Mit Deiner Zukunft zum Gericht. Man 21 Leich-Predigt. Man liefet deswegen von einem frommen Mann, der fein Lebtag kranck gewesen, und in feinem Alter nur ein halb Jahr Liefferung bekommen, habe er bitterlich gewannt, dieweilener, wie er bezeugete, nicht mehr eine solche sehnliche Begierd und Verlangen nach dem Fimmel habe, als zuvor; Und das sind, liebe Christen, die Ursachen, daß GOtt auch seinen liebsten Rinderen, ja eben ihnen für anderen, so viel Creutz mch Leyden zuftndet. e. Noch eins istallhierzu merken: Unser Apostel nennet das Leyden frommer Rinderen GOttes Christi Leyden , er redt davon nicht in der einzetew sondern in der mehreren (*) Zahl, er sagt, wir haben des Leydens Christi viel, und das nicht ohne Ursach, gestalten des Leydens Christi viel gewesen. Kaum wäre er gebohren, so mußte er vor dem Aufsatz Königs Herodis in Egypten fliehen. Match. 2 . An dem 8ten Tag nach seiner Geburt, ist Er beschnitten worden, welches nicht ohne sonderliche Schmertzen zugegangen; Seine Nahrung hat gelitten, dann Er ist um unsert willen arm worden, so arm, daß Er hat klagen müssen: Die Füchse haben ihre Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben ihre C r Nester 22 Khristliche Nesteraber des Menschen Sohn, hat nicht da Er fein Haupt hinlegt, Matth. 8 . 20. Sein Heiliger Nahme hat gelitten, Massen Er von seinen Feinden mit den gifftigsten Lästerungen ist durchstochen worden, die Ihne bald einen Fresser und Weinsäuffer, einen Zöllner und Sünder - Gesell , einen Sabbath- Schänder und dergleichen genennet haben. Seine Heiligen Merck haben gelitten, indeme man sie der Krafft Beelzebub, des Obersten der Teufflen hat zuschreiben dörffen. Sonderlich hat Er viel gelitten in seinem leisten Leyden, Er hat gelitten, an seiner Seelen, grosse und unaussprechliche Angst, an seinem Leib, grosse und unaussprechliche Schmertzen, und endlich den Tod. In Summa sein gantzes Leben, ist eine beständige Marter - Woche gewesen, so daß man wohl sagen kan, Er habe gelitten, ehe Er gelitten, das ist, ehe die leiste iragveciie seines Leydens angegangen. Nun dieses Leyden Christi wird genennet unser Leyden. Das ist aber nicht dahin zu verstehen, als sollen wir zu leyden haben, aus gleiche weiß, und zu gleichem Zweck, wie der HErr CHristus, dann Er hat in seinem Leyden den Last des brennenden Zorn GOttes wieder die Sünde allein getragen. Sein Leyden war ein verfluchtes Leyden, dann Er ward ein Fluch für uns. Leich-Predigt. 2z uns. Gal. z. i). Unser Leyden aber ist ein gesegnetes Leyden. Christus hat gelitten zur Vergnügung der Naach GOttes über Uns, da unser Leyden nur eine Züchtigung ist, so zu unserm besten angesehen, es bedarffs auch nicht, daß wir durch unser Leyden genug thun, dann Christus hat alles vollbracht. Ich. 19. Zv. Sondern es wird genennet unser Leyden, weilen die gläubigen Gemeinschaft haben mit Christi Leyden, dieweilen sein Leyden Ihnen zu gut kommt, dann Er ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unser Sünde willen zuschlagen: die Straffe ligt auf Ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch seine Wunden sind wir gehailet, Ies. 5 z. r. So sagt Petrus, Er habe unsere Sünde selbs geopffert an seinem Leibe, auf dem Holtz, auf daß wir der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, durch welches Wunden wir sind hail worden. Es haben die Gläubigen auch mit Christi leyden Gemeinfchafft, wann Sie nach seinem Exempel, zu seiner Ehr, und um seines Nahmens willen leyden. Paulus heißet das, die Mahlzeichen des HErrn IEfu tragen, an seinem Leibe. Gal. 6 . 17. Er Heister es anderstwo , Erstatten an unserem Fleisch 24 Christliche ^ Fleisch was noch mangelt an Trübsalen in Christo, vor seinen Leib , welcher ist die Gemeind. Coloss. r. 24. Und so hatten die Gläubigen zufallen Zeiten Gemeinschafft an Christi Ley- den; So stehet von Most: Er habe die Schmach Christi für grösser Reichthum geachtet, als die Schatze EgMi, dann Er sahe an die Belohnung. Hebr. 11. 25. So klagen die Gläubigen in dem Psalmen, HErr um deinet willen, werden wir täglich erwürget, und sind geachtet, wie Schlacht - Schaafe. Psalm. 44. 2z. In solcher Gemeinschafft, stuhnde Srephanus, der erste Märtyrer des neuen Testaments der unter den Steinen Herfür geruffen; HErr IESU nimm meinen Geist auf. Act. 7. 59. Deßgleichen auch Johannes, der sich sechsten einen Mitgenoß an den Trübsalen Christi nennet. Apoc. 1. 9. Und darzu verpflichten wir Uns schon in der H. Tauff, dann da schwören wir» unter den Creutz- Fahnen Christi, uns gute Streiter IEsu Christi zu erweisen, da begeben wir Uns in seine Schul, und versprechen seine Jünger zu seyn und zu bleiben, da bekennen wir, das; wir Glieder seyen seines Leibs, und GemeirrschM haben mit Ihm als dem Haupt, Leich-Predigt. 2; Haupt, darzu haben wir Uns ergeben, wann wir zu der Kirchen und den H. Sacramenten uns gehalten , dann da sind wir nicht allein getretten in die Gemeinschafft seiner Seeligkeit, sondern auch seines Leydens, dann an Christum glauben, und unß seiner willen leyden , gehöret zusammen, wie dann Paulus jagt; Euch ist gegeben, um Christi willen zu thun, daß ihr nicht allein an Ihne glaubet, sondern auch um feinet willen leidet. i>Pet. 1. 2i. Und so viel sey geredt von dem ersten Stuck vorgenommener Handlung. Kvli dem KiEereii. NUN Paulus bisher geredt von dem vielfältigen Leyden Christi, so die From- men in dieser Welt haben, so redt Er jetzunder als für das andere von dem vielfältigen Trost, so sie darinnen genießen, wann Er sagt: Also werden wir auch reichlich getröstet. So laßt nun GOtt die seinen nicht verzagen in dem Leyden, Er gönnet Ihnen auch wiederum ^Icyonia und Ruhe, daß sie sich erholen können; Wendet Er schon etwan sein gnädiges Antlitz von Ihnen ab, D so 26 Ahristliche so währet doch sein Zorn nur ein Augenblick. Ist eben das, was die fromme Sara dorten bezeuget: Ich weiß fürwahr, wer GGtt dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Tob. z. 21 . Es beschreibet aber Paulus diesen Trost in unseren Textes-Worten: Als einen reichen und überflüßigen Trost. L. Demnach zeiget er an , durch wenn dieser Trost uns zukomme. Erstlich redt er dann von dem reichen und überflüßigen Trost, wann er sagt: Mir werden reichlich getröstet. Er haltet allst der Viele und Menge des Leydens entgegen , die Viele und den Reichthum des Göttlichen Trosts, da ist kein Leyden st groß, kein Anfechtung so schwär, kein Creutz st bitter, wir haben Trost darwider. Ja der Göttliche Trost übertust, und überwiegt alles Leyden der Rinderen GOttes: Dann, sagt Paulus: Ich halte es darfür, daß dieser Zeit Leyden, der Herrlichkeit nicht wehrt seye, die an uns soll offenbahret werden. Nöm. 8. i8. Und wiederum: Unser Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige, Leich-Predigt. 27 ewige, und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit. 2. Eorinth. 4. 17. Gleichwie alle Wasser in das Meer lauffen, und in demselben sich verliehren, allso enden und verlieh- ren sich alle Wasser der Trübsalen in dem unergründlichen Meer der himmlischen Freud und Seeligkcit, und die Betrachtung derselben gibt uns mehr Trost, als alles Leyden dieser Zeit uns betrüben kan. So sagt der Apostel gar recht: Wir werden reichlich getröstet. Freylich ist GOttes Trost ein Reichthum, ja der allerbeste Reichthum, allen zeitlichen Gütern und Reichthummen weit vorzuziehen, dann weltliche Güter und Neichthummen, sind hinfällig und vergänglich, sie bekommen Flügel, wie ein Adler, und stiegen davon. Spruch Sal. 11. x- 4. Aber der Trost GOttes bleibet ewiglich, das ist der bessere Theil, welcher nimmermehr soll von uns genomen werden. Luc. iv. 42. Die weltlichen Neichthummen sind die Dorn , so die Herzen durchstechen und verletzen, aber der Trost GOttes hailet dieselben; die weltlichen Reichthummen ziehen viel Menschen ins Verderben, aber der Trost GOttes errettet sie vom Verderben. D 2 Was 28 §hnstliche Was ist Ehr und Ansehen, grosse OiZmtEN und Würden in der Welt? anders nichts, als 8x>lenäiö3 8ervitu8 ) ein glänzende Dienstbarkeit : Wie der König HnüZoE sie zu nennen pflegte. Was ist Gunst und Gnad bey den Menschen? Es hat oft schlechten Bestand, und schlagt übel aus, wie es Haman, ke- Iil3i-iu8 bey Kayser ^ullimLno; Graf von Esser, bey der Königin Elisabeth in Engelland; Herzog von Bi- ron bey ^enrico IV. König in Frankreich wohl erfahren, welche alle in grosse Ungnad gefallen; was sind gute Freund und Patronen? Ein zerbrochener Rohrftab, welcher, so man sich darauf lehnet, einem durch die Hand gehet, und sie durchbohret. Ies. 6. Wann man ihrer Hilf am meisten bedarf, so weisen sie einen ab, wie die Hohen Priester den unseeligen Judam dorten, da es geheis- frn: was geht uns das an, da siehe du zu, Matth. 27. 4. Was ist ein guter Name ? zwar ist ein solcher besser dann Reichthum. krov. 22. 2. wie Salomon sagt, aber wie bald kan man dene verliehren. Es darf einer einen einigen Unschick begehen, so ist aller Credit dahin, es dürfen nur einige mißgünstige, oder böse Zungen, dene verleumd den, so wird man ihme gramm. Was Lelch-PredLgt. 29 Was ist Freude an den Rinderen? sinddiestlben nicht zuweilen: voiupws, eine bittere füge ^reud? wie ste Ierwiiikmu8 nennet. So hält es sich mit irrdischen Dingm, es ist sich nicht darauf zu verlassen ^ wann man sich deren am meisten erfreuen will, so verschwinden sie, als ein Nauch für unfern Augen. Und was ists, wann auch einer die- fts alles auf einmahl besitzen sollte? Das mag eine angefochtene Seel nicht vergnügen. Aber GOttes Tröstungen, sind reiche'Tröstungen, die können eine bekümmerte Seel ergötzen, bey dem HErren allein findet sich ein satter Trost, ja die rechte Trostquelle, die nimmermehr vertrocknet. Über Ihm dem HErren mag eine gläubige Seele ruffen mit den Jüngeren : HErr! wo sollen wir hingehen? Du haft Wort des ewigen Lebens. Ioh. 6. 68. Und aus dem Gelang : Allein zu dir HCrr IEfu Christ Mein Hoffnung steht auf Erden Ich weiß daß Du mein Tröster bist^ Kein Trost mag mir sonst werden. Es ist wahr, es kommt auch etwann bey den ftömsten Rinderen GOttes dahin, daß dieser Trost nicht hassten will in ihren Hertzen, und sie klagen D z müssen ZO Christliche müssen mit Hiskia : Siehe um Trost ist mir sehr bange. Iesaj. ; 8 - 17- Mit Assaph: Meine Seele will sich nicht trösten lassen. Psalm. 77. Und mit Jeremia: Du bist uns worden wie ein Brunn, der nicht mehr quillen will. Icrem. is. 18. Allein wie bey Hagar dorten allernächst ein Brunn gewesen, da sie am allerverzagtesten sich erwiesen, so ist ermann der göttliche Trost in den Hertzen der Gläubigen verborgen, wann sie am meisten darnach sich sehnen, sie fühlen aber dene nicht für allzugroffer Traurigkeit: Auch besitzen GOttes- Kinder die geistliche Freud nicht allezeit im höchsten Grad, es hält sich damit, eben wie mit der Sonnen, deren Strahlen zuweilen durch finstere Wolcken unterbrochen - und uns entnommen werden, oder wie mit dem Mond, der bald ab, bald zunimmet. Es ist bey frommen Rinderen GOttes nicht allezeit Sommer, da sie die vollen Garben des Trosts in ihre Scheuren sammle«, sondern es ist auch bißweilen Winter , da dieser edle Saamen unter einem Liessen Schnee verborgen ligt, endlich aber bricht auch wieder an der liebliche Frühling, da sie aller Traurigkeit vergessen, und mit David rühmen; Ich hatte viel Bekümmernuß in meinem Hertzen, aber deine Tröstungen, O HErr, ergötzten meine Seele. Psalm. 94. 19. L. Es Leich- Predigt. zr L. Es zeiget aber Paulus ferner an: durch wen dieser göttliche reiche Trost uns zu komme. Durch Christum: wir werden kreichlich getröstet durch Christum. Sonsten werden wir auch getröstet durch das Wort GOttes; dann das ist unsers Hertzens Freud und Trost. Ier. is. i§. So sagt David: HErr! wann dein Wort nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend. Psalm. 119.92. Und widerum; Ich freue mich über deinem Wort, wie einer der grosse Beute krieget. Psalm. 119. 162. GOttes Wort ist eine reiche Schatzkammer des Trosts, darinn wir Hail-Mittel finden für alle Anligen unserer Seelen, eine wohl bestellte Apotheck, so uns wider alle Leibs und Seelen Kranckheiten versicheret; ein vollkommenes Zeughauß, daraus wir uns ausrüsten kennen wider alle unsere Feind, da ist kein Leyden so groß , kein Anfechtung so schwer, kein Creutz so bitter, das Wort des HErrn kan uns trösten. Vorwahlen hat GOtt getröstet durch die Heil. Engel, welche Er den seinigen in ihren Nöthen zugesandt : So hat ein Engel die bekümmerte Hagar in der Wüsten getröstet, als sie vermeinet, ihr Sohn Ißmael wurde für Durst verschmachten. Gen. 21. So Z2 AhristlLche So ist Gideon getröstet worden ,'da es an dem war, haß Er das Regiment in Israel antretten sollte, wurde Er des HErrn Engels gewahr, der Ihme zuruffte: Der HErr mit dir, du ftreitbahrer Held. Iud. 6 . i2. So hat ein Engel den Propheten Daniel getröstet, da Er in der Babylonischen Gefängnuß GOtt dem HErren den Zustand der bedrängten Jüdischen Kirchen beweglich vorstellen: Gabriel kam daher und tröstet Ihn. Dan. 9.2z. Dem HErren JEsu feststen ist biß widerfahren, als er an dem Oelberg mit dem Zorn GOttcs gerungen , siehe so kam einEngel vom Himmel und ftärcket Ihn. Luc. 22. 4 z. Dergleichen Exempel auch in der Kirchen Historie verschiedene erzehlet werden. Ja noch heutiges Tags gewahret man etwann an den Sterbenden, daß sie auf eine besondere weiß gestärcket werden, indeme sie gantz ungewöhnliche Ding zu! sehen und zu hören bezeugen, die sie gleichsam in eine süsse Entzückung versetzen, welches vermuthlich durch die Heil. Engel verursachet wird. GOtt tröstet demnach auch durch den Heil. Geist, deme insonderheit diß Amr zugeschrieben wird, daß Er unser Tröster seye, allst hat ihn der HErr Christus genennet: Ich will den Vatter bitten, und Leich-Predigt. zz und Er soll euch einen andern Tröster geben, daß Er bey euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kan empfa- hen. Ioh. 14. 17. l6. Wie dann auch David bittet: Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, und der freudige Geist enthalte mich. Psalm, s i. 14. Wie kräftig dieser Trost seye, ist an Petro zu sehen: Da er zuvor durch eine elende Magd sich erschrecken lassen, daß er seinen IEsum zum dritten- mahl verläugnet, so ist er durch die trostreiche Wür- ckung, dieses Geistes so Hertzhaft worden, daß er auf den ersten Pfingsttag des N. Testaments vor vielen lausenden seinen IEsum geprediget, 2. Es wäre zu sehen an den Jüngern und Aposteln des HErren JEsu insgemein, die da unerschrocken, und mit grosser Standhafftigkeit für Könige und Fürsten dieser Erden getreuen, und der göttlichen Wahrheit Zeugnuß gegeben haben auch selbsten bis in den Tod. Es wäre zu sehen an den Heil. Märtyrern und Blutzeugen des HErren JEsu, welche dieser Geist dermasi sen gestärcket und getröstet, daß sie auch die abscheulichsten Marter und Todes - Gattung nichts geachtet, sondern sich erfreuet, daß sie würdig geachtet worden, um des Namens JEsu willen Schmach zu leyden. s. 41. Dieser gute E Tröster Z4 Ahnstliche Tröster hat gemachet, daß IZNLÜU8 so freudig den Tod hat angetretten, und bezeuget: Er fühle in seinem Serzen ein rauschendes wassevlein, das ihn erquicke, und ihme zuruffe: veni aä katrem: Ignati komme zum Vatter. Dieser Tröster hat gemachet, daß da er den Todes-Sentenz empfangen, seine Hände zusammen geschlagen, und GOtt gepriesen hat: und als man ihm beweglich zugesprochen, er solle sich eines besseren Vedencken, und mit einer einigen Bekanntnuß sein Leben fristen, geantwortet: in ke lKnÄA, non VPU8 elk Oeliberatiorie : In einer so Seil. Sach, ist keines weiteren Nachdenckens vonnöthen: Dieser gute Tröster hat gemachet, daß Andreas das Creutz, an welchem er sterben sollte, ganz lieblich angelacht, darum, dieweilen auch sein HLrr IEsus am Creutz gestorben wäre; dieser gute Tröster hat gemachet , daß c)ion^6u8, so unter Kayser DioLietiano die Marter - Cron erlanget, sich verlauten lassen; wann er auch tausendmahlen könnte gerodet werden, wollte er doch nicht einmahl aufhören seinen IEsum zu bekennen: So liset man von einem frommen Märtyrer in Engelland, mit Namen ködere 6iover: daß er in der Gefängnuß keinen Trost annehmen wollen, da er aber auf die Wahlstadt kommen, Leich-Predigt. 35 NM1, hat ihm der Heil. Geist dermaßen gestarcket, daß er überlaut geruffen: Venir, venir, venir: Er ist kommen, Er ist kommen, Er ist kommen, verstehe, der Tröster der H. Geist. Wir werden demnach, wie der Apostel sagt in unserm Text; getröstet durch Christum, d. i. um Christi willen, wegen seines theuren Verdiensts, dadurch Er uns den Trost GOttes erworben, und wegen seiner kräfftigen Fürbitt, mit deren Er uns bey GOtt vertrittst. Er ist der Mittler, in welchem uns GOtt der Vatter, mit allem geistlichen und himmlischen Seegen, und allst mit seinem göttlichen Trost seegnet; Er ist der wahre Hohe-Priester, von dessen Haubt auf sein Kleyd, das ist seinen Leib und dessen Glieder, die Gläubigen dieser köstliche Balsam des göttlichen Trosts herab fleußt. Psalm izz. 2. Er ist die Leiter Jacobs, auf deren wir zu GOtt, mit unserm Gebatt hinauf, und mit seinem reichen Trost wieder herab steigen. Oenek. 23. 12. Er ist derjenige, in welchem alle Schatze, alle Reichthum des göttlichen Trosts verborgen ligen. Colos. 2. Es ist keine Gattung des Leydens, welchem nicht ein Trost von Christo hergenommen, aus der Be- E 2 trach- z6 Christliche trachtung seines Verdiensts, seines Leydens, feines Gehorsams, seines Exempels, seiner Herrlichkeit mag entgegen gesetzet werden; leyden wir schwäre Anfechtungen, machet uns unser Gewissen bang, weil Satanas das schwarze Sünden - Register uns vorhält, durch Christum werden wir getröstet, welcher ist die Versöhnung für unsere Sünden. i.Ioh. 2. 2. Das ist es, was Paulus sagt: Das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Christus IEfus kommen ist in die Welt, die Sünder seelig zu machen, r. Tim. i. i s. Leyden wir Verfolgung von der Welt, so werden wir getröstet durch Christum, welcher sagt: Seelig seyd ihr, wann euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerley Uebels wider euch, so sie daran lügen; seyd frölich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnet werden. Matth. 5. A n. 12. Leyden wir schmerzhafte Krankheiten, müssen wir auf unserm Bethlin Tag und Nacht uns erkämpften, und mit David klagen; Ich bin so müd von Seufzen , ich schwemme mein Bethe die ganze Nacht, und netze mit meinen Thränen mein Lager. Mein Gestalt ist zerfallen für trauren, und ist alt worden, dann ich allenthalben geängstet werde. Leich-Predigt. z? werde. Psalm 6. 7. 8. Wir werden getröstet durch Christum, welcher am Stammen des Creutzes alle unsere Kranckheiten getragen, und alle unsere Schmerzen auf sich geladen, eben wie die Kinder Israel, von den Bissen der feurigen Schlangen sind ge- heilet worden, wann sie die ehrene Schlang angesehen. Num. 21. 8 .9. Wann wir endlich mit dem leisten Feind dem Tod ringen und kämpfen müssen, wann alle äußerliche Mittel nichts mehr verfanget; wollen, wann kein Prediger nichts mehr ausrichten kan, wann das Gesicht und Gehöre vergehet, und alle äußerlichen Sinne verschwinden, so werden wir getröstet durch Christum, welcher durch seinen Tod die Macht genommen, deme, der des Todes Gewalt hatte, das ist, dem Teuffel. Heb. 2. i4. Er ist dem Tod ein Gift, und der Hollen ein Pestilenz worden, lios. 1 z. 14. Er wird uns im leisten Todes - Kampf den Tröster den Heil. Geist zusenden. Diejenige Daube, welche Noah, aus dem Kasten fliegen lassen, um zu erfahren: ob die Wasser der Sündflut gefallen, ist um Vesper-Zeit wieder kommen, und hat ein Oelzweig mitgebracht, woraus Noah geschlossen, daß das Gewässer der Süudfluth gefallen auf Erden. Qenes. 8. A n. Der Tröster der Heil. Geist, welcher in der E Z Gestalt z8 Christliche Gestalt einer Daube bey der Tauffe des HCrren Christi erschienen, nahet sich zu uns, am Abend unsers Lebens, und bringet in unsere Herzen, den rechten Oelzweig, den Trost des Heil. Evangelii, und versicheret uns, daß die Sündfluth des Zorns GOttes durch Christum gestillet, und nunmehro die Zeit vorhanden sey, daß wir aus dem Angst-Kasten, in das rechte Land der Lebendigen eintretten, und der ewigen Freud und Seeligkeit gemessen sollen. Müssen wir mit vielen Thränen, die lieben Unse- rigen zum Grab begleiten, wir werden getröstet durch Christum, welcher da ist die Auferstehung und das Leben. Ioh. n. 25. Welcher uns versicheret, daß sie nicht verlohren, sondern daß wir sie am lieben jüngsten Tag, in grosser Freud und Herrlichkeit wiederum werden finden und antreffen, daher sagt die himmlische Stimm: Seelig sind die Todten, die in dem HErren sterben, von nun an, ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, dann ihre Merck folgen ihnen nach. -lpoc. 14. i z. Das heiffet ja, wir werden reichlich getröstet durch Christum. Lcich-Predigt. Z9 «eig««ng > E^Met uns jetzunder dieses alles L. C. was bis- her geredt worden, uns Appüciren und zu Nutz machen; Weilen es dann eine solche Bewandt- nuß und Beschaffenheit hat, mit frommen Kinderen GOttes allhier auf Erden; daß sie nicht schlechtlich leyden, sondern viel leyden müssen. O! so lassen wir es uns nicht fremd vorkommen, wann GOtt auch zuweilen mit seinem Leyden, ja mit vielem Leyden bey uns anklopffet; waigeren wir uns der Zucht des Allmächtigen nicht, und sez?en nicht ungedultig über seiner Strasse. Dann welchen derHErr liebet, den straffet Er, und hat Wohlgefallen an ihm, wie ein Vatter am Sohn. krov. z. ii. 12. Lasset euch die Hitz der Trübsalen, so euch begegnet nicht befremden, als widerführe euch etwas seltsames, sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbahrung feiner Herrlichkeit, Freude und Wonne haben möget. i. Petri 4. 12- IZ. Dancken 40 Ahristliche Dancken wir vielmehr dem HErren unserem GOtt, daß Er an uns gedencket, und sich unser so väterlich annimmt, daß Er unsere Büß, und folglich unser Hail und Seeligkeit suchet auf allerhand Weis und Weg, durch freundliches Zusprechen, und ernstliche Züchtigung zu befürdern. Fallen wir für Ihme nieder auf die Knie unsers Hertzens, und betten Jhne um Vergebung unserer Sünden, um Gedult in dem Leyden, und um gnädige Abwendung seiner Straffen, mit David: Ach HErr straff mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Psalm 6. 2 . Der getrosten Hoffnung gelebende, daß er unser Gebätt und Flehen hören und erhören werde, wann es änderst zu seiner Ehre, und unserer Seeligkeit dienet. Solle Er aber auf unser bußfertiges Gebätt hin, dennoch mit seiner Züchtigung bey uns anhalten, so fassen wir unsere Seele mit Gedult; Auch die Hey- den haben etwann viel gelitten, und ausgestanden; Man liefet von 8cipione ^fliLLNo) Hera- Oiogene, 8eneLL und anderen, daß sie vor keinem Leyden sich entfttzet, noch über einigen Schmer- tzen sich veränderet. Wie viel mehr stehet das den frommen Kinderen GOttes zu, daß sie mit Gedult Leich-Predigt. 41 sich dem Leyden untcrwerffen, so Ihnen GOtt auferleget, und mit Assaph sagen: Ich muß das leyden, aber die rechte Hand des Höchsten kan alles anderen. Psalm. 77. n- Und warum das nicht? so groß ist fürwahr kein Leyden nicht, so bitter ist kein Creutz nicht, die Betrachtung der zukünfftigen Herrlichkeit kan alles versässen: Dann dieser Zeit Leyden, ist nicht werth der Herrlichkeit, die an uns dermahleneins soll geoffenbahret werden. Rom. 8 . 18. Sollen uns derowegen fleißig hüten , daß wir ja in unserm Leyden, nicht wider GOtt murren,' und meinen, Er halte uns gar zu hart: Gedencken wir vielmehr, daß Er sey unser HErr, der mit uns, als seinen Creaturen nach Belieben schalten und walten könne; Gedencken wir, Er seye unser Vatter, nicht nur, wann Er uns zärtlet und liebkoset, sondern auch wann Er uns züchtiget, und mit Hiob uns vernemmen lassen: wann uns der HErr schon todten wollte, so wollen wir dennoch auf Ihn hoffen. Hiob. iz. is. Und mit -wZukino: Oomine tÜL ure 1 ibincie, /eca, PAI cs Mrem LNÜNX MLX. HErr.' Stich, Hau, Brenn, schone nur meiner Seelen. Gedencken sollen wir - wir haben alles Leyden, mit unsern Sünden nur all- zuwohl verdienet, dann wann GOtt nach seiner stren- F gen 42 Khnstliche gen Gerechtigkeit, und nach unserem Verdienen mit uns armen Menschen wolle verfahren, so könnte Er uns noch mehrers züchtigen und heimsuchen, wider- Holen wir derowegen aus dem geistlichen Lied; Ich Habs verdient, was will ich doch mich wieder GOtt viel spehren? Komm immer her, du Creutzes Joch und bittrer Kelch des HErren, Ohn Angst und Pein , mag niemand seyn, der wieder GOtt gehandlet; Als ich gethan, da ich die Bahn der schnöden Welt gewandter. Erinneren wir uns darbey, erstlich dessen, daß der Apostel unser Leyden nennet, Christi Leiden ; Wann wir allein lidten, so hatten wir vielleicht Ursach zu klagen und zu zagen, aber weil der unschuldig- , mitleydige und Hilffreiche IEsus mit leydet, so sollen wir uns gedultig darein ergeben, und auf seine Hüls warten. Demnach auch dessen, daß Er sagt, wir werden reichlich getröstet werden, und zwar nicht von blosen Menschen, sondern durch Christum. Es ist zwar nicht ohn, auch die Menschen kommen etwann uns zu trösten in unserem Leyden, aber Leich-Predigt. 4z aber sie find oft leydige Trösier, unnütze Aertzte, wie Hiob seine Freund tituliret hat. Andere wollten oft gern trösten, können aber nicht; sie sind gleich einem Regenbach, welcher in Frühling-und Herbst- Zeit viel Wasser hat, aber im hohen Sommer, da man des Wassers am meisten bedarf, versieget. Andere können in guten Tagen wob! zusprechen, aber in der Anfechtung wissen sie nichts tröstliches fürzubrin- gen. Ihr Trost ist gleich dem Meer-Wasser, welches den Durft nicht stillet, sondern vermehret; aber unser Heytand kan allezeit reichlich trösten, alles was Er ist, gelitten und gethan hat, ist erfreulich und tröstlich, wenn Er tröstet, der ist und bleibet getröstet. Die Heyden vor Zeiten haben sich gewaltig bemühet, einander in ihren Widerwärtigkeiten Trost beyzubringen , und alles herfürgesucht, damit sie zu ihrem Zweck kommen und gelangen möchten, aber vergeblich und umsonst, wie es Qcero sechsten gestehen müssen, da er gesagt: Er finde nichts in aller seiner Weisheit, das sein Gemüht in wahre Ruhe setzen, und befriedigen könnte. Ihr vornehmster Trost im Unglück war: kaüenter eile ferenäum, guoä non mulnnäum : Man müsse gedultig leyden, was man nicht könne mei- F 2 den 44 Shristliche Lcich-Predigt. den. Andere haben auch ihr Lreutz, so sie drucke, u. s. w. Aber ach des elenden Trosts! was bringet das für Erquickung bey Hunger und Armuth, wann man dir lang sagt, andere müssen auch darben und Hunger leyden? oder fühlest du Linderung in einer Kranckheit, wann man dir verkündet, daß auch andere auf gleiche Weis darnieder ligen ? da mag es wohl heißen, wie der gelehrte illpiius auf seinem Todbeth sich vernehmen lassen, da einige feiner Freunden, mit dergleichen ^rZumemis ihne trösten wollen: VsMA) vanL lunt NasL omnia: Das alles sind lautere Eitelkeiten. Aber GOttes Trost, ist ein satter Trost, der erquicket, wann in der Welt nichts mehr trösten und erquicken kan, darum sagt Assaph: HErr! wann ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erden, und wann mir auch Leib und See! verschmachtet , so bist Du doch allezeit, meines Hertzens Trost und mein Theil. Psalm 25. So tröstet euch nun mit diesen Worten unter einander: i Thess. 4. 18. -r Unserer in GOtt ruhenden Frauen sei. Es ist die Viel Ehren- und Tugendreiche Frau MllllÜ ^kk!. aus einem Hochansehenli- chen und um unser Vaterland Hochverdienten Geschlecht - derer Herren Faschen ehelich erzeugt und gebvhren worden, An. 1691. den zo. Jun. von Gottseligennmd Hochansehenlichen El tern. F Z Ihr 46 Ehren-GedächtnuS. Ihr Herr Vater seelig ist gewesen, der durch seine Reisen und Schriften weit berühmte Herr Sebastian Fäsch 7- voÄorund krofellor, nachgehends aber wohl - meritirter Stadtschreiber und Deputat, der Kirchen und Schulen zu Stadt und Land Basel. Ein Sohn Herrn Khristof Fasch, beyder Rechten Doctor, und bey löblicher Universität allhier MoriL- rum kroieüor, und ein Großsohn Hrn. Johann RudolfFäsch, Hochverdienten Herrn Bürgermeisters allhier, Deren EhrengedachtnuS unter uns, wie ein lieblicher Balsam riechet; die Frau Mutter wäre Frau Anna N!avia Winkelblech , eine Tochter Herrn Antons Winkelblechs berühmten Handelsmans, und Frauen Elisabeth ThiMY, welche letstere nach ihres Ehe-Herrn Absterben in die 2te Ehe trat, mit weyland Herrn Andreas Buekhaed, Bürgermeister unserer Stadt. Von diesen ihren geehrten Elteren und Groß- Elteren Ehren-Gedachtnuö. 47 Elteren, und zwar einige Jahr in dem Haus ih- m res Herrn StieftGroßvaters, Hrn. Burgennei- ^ ster Burkhards ist die seel. Verstorbene , in al- M len Tugenden christlich und wohl auferzogen, z» zur Gottesforcht, Kirchen und Schulen / steift M sig angeführet worden. Nach GOtteö allweiser Zürsthung, hat ^ Sie sich in den Stand Heil. Ehe begeben, M den iO. Augstmonat, An. 1711. mit Herrn Wmaimel Weiß, des gross«, Rahts, und Oberschreiber des grossen Spit- thals, welcher Jhro aber An. i/Zy. den iz. ^ Winterm. in die stetige Ewigkeit vorhergegan- tll- gen; welcher ein Sohn gewesen, Herrn Mstl> lllE cus Weiß , Hauptmanns einer Lompa- D gnie Schweitzerischer Trouppen , in Römisch- A Kaystrlichen Diensten, und Frauen MlM K Elisabeth Socin , und ein Groß-Sohn vater- A licher Seits, Herrn NicolstUs Weiß, des geheimen Rahts und Deputat der Kirchen und >rtt Schulen, wie auch ein Groß-Sohn mütterlicher lerc SeitS, 48 Ehrengedächtnus. Seits, Herrn EMüNNel SociN, Hochverdienten Bürgermeisters allhier, derer aller Eh- ren-GedächtnuS bey uns in dem Seegen ruhet. Mit diesem ihrem gel. Ehe-Herrn sel. hat Sie in die 28. Jahr, eine friedliche, liebreiche, und recht vergnügte Ehe genossen, und durch GOttes Segen 8. Kinder erzeuget, nemlich 5. Söhne, und z. Töchteren, wovon aber, so lang eö GOtt gefallt, nur noch z. Söhn und eine Tochter in Leib und Leben; an diesen ihren geliebten Kindern, hat Sie zu ihrem Trost grosse Freud und Ehre erlebt. Jndeme Herr Andreas Weiß, bereits im 17Z4- Jahr zum Professors ^uris ^aturxe A Qentium bey hiesiger Universität erwehlet worden, allein im Jahr 1747. zuM krofellore ^uris publici Lc privat! gus die Hohe Schul zu Leyden in Holland berusi fln, wie auch zum Mitglied eines E. Wohlweisen grossen Rahtö allhier befördert worden, nun- mehro aber seit 4. Jahren, an dem Hofe Seiner Durchl. Hoheit des Herrn Prinzen von Orange, Erd-Statthalter der Vereinigten Niederlanden sich aufhält, allwo ihme die Auf- Ehrengedachtnus. 49 ficht über die Studien des jungen Fürsten anvertrauet ist. Die zwey andern Herren Söhne aber, Ematiuel und Nicolaus Weiß, die diß- mahlen zu kockeiie in Frankreich stch befinden, ansehnliche Handelsleute sind, davon der Ael- tere ansehnlich verheurathet, der Jüngere aber erst kürzlich in einen Wohlweisen grossen Naht ist befördert worden, und welchen seine Frau Mutter selig ohnlängsten zu ihrer grösten Freud und Vergnügung allhier in Basel gesehen. Die Frau Tochter aber ist ansehenlich verheurathet, mit Herrn Matthias EhlNM, 5- i.ic. welcher Oberster über ein Regiment Land-Miliz, und zugleich die hohe Ehrenstell eines Rahtsherren bekleidet. Von diesen ihren geliebten Kinderen hat unsere in GOtt ruhende Frau seel. zu ihrer grösten Freude, folgende Großkinder erlebet. Von dem altern Herrn Sohn zu Kobens, 4. Söhne und z. Töchtern, wovon noch 2. Söhne und z. G Töch- Ehrengedächtnus. Töchtern im Leben. Von dem Herren Tochter- mann aber z. Söhn und 7. Töchtern, davon 2. Söhnlein und 2. Töchterlein in ihrer zarten Kindheit verstorben, sind allso noch in allem, so lang als GOtt gefallt, im Leben z. Söhn und 8. Töchteren. Der liebe GOtt walte über sämtlichen Kindern und Groß-Kindern, so wohl allhier als in der Fremde, mit seinem Geist, Gnad, Schutz und reichen Segen. Betreffend das §hristenthum unserer in GOtt ruhenden Frauen seel. so kan Jhro das rühmliche Zeugnus gegeben werden, daß Sie GOtt und sein Wort herzlich geliebet, die Predigten göttlichen Worts, so lang es Jhro Leibsund Beschwerden halben möglich gewesen, nicht nur allhier in dem Münster, sondern auch die Früh - Predigten zu St. Elisabethen fleißig besuchet; das H. Abendmahl mit grosser Devotion und Andacht von Zeit zu Zeit in der öffentlichen Gemeind, in ihrer Krankheit aber zu Haus von meiner Hand, zur Stärkung ihres Glaubens Ehrengedächtnus. 51 empfangen/ auch hat Sie zu Haus, ihre geistlichen Uebungen gehabt/ in der Heil. Schrift, und anderen geistlichen Büchern fleißig gelesen, womitSie dann von schönen Sprüchen und Gestern sich einen guten Schatz gesammlet, der Jhro in ihrem Leyden und Beschwerden wohl zu Nutz und zu Statten kommen, ihre Kinder in der Forcht GOttes erzogen / und zu allem Guten angemahnet, sich der Demuth, Aufrichtigkeit und Liebe gegen dem Nächsten, so viel als menschliche Schwachheiten zugelassen, beflissen. Schon vor einigen Jahren haben die Krankheiten und Beschwerden bey Jhro zugenommen; als ich Sie zum öftern besuchet, hat Sie sich in den Willen GOtteS ergeben, ihr sünd- liches Elend wohl erkannt und bekannt, bereuet und betrauret, anbey ihre Zuflucht genommen zu der Gnad und Barmherzigkeit GOttes, und zu dem theuren Verdienst JEsu Khri- sti; es ist leicht zu gedenken, daß es an sorgfältiger Verpflegung und Abwartuug ihrer Frau Tochter und Jungferen Groß-Töchtern, die ihro eine §ron in dem Herzen gewesen, nichts er- G 2 mangelt, 52 Ehrengedächttttts. ermangelt, als die ihrer geehrten Frau Mutter und Großmutter, so wohl Tags als Nachts treulich und unermüdet beygestanden, und mit Abwartung und Wachen bald über Vermögen gethan: So ist auch an Fleiß und Sorg von Seiten des Herrn Medici nichts verabsäumet worden. Als ich am Samstag, ein Tag vor ihrem seel. Tod, auf ihr Begehren zu Jhro beruffen worden, hat Sie mit mir drungenlich, wiewohl mit schwacher Stimm, um gnädige Vergebung ihrer Sünden, und eine baldige seelige Auflösunggebeten; Sonntag daraufistihrHü!f-und Erlösungs-Stündlein erschienen, nachdeme Sie zuvor die lieben Ihrigen dem lieben GOtt und seiner väterlichen Barmherzigkeit treulich anbefohlen , Ihnen ferners den reichen Seegen GOt- tes angewünschet, und beweglich von ihnen Ab- scheid genommen, darauf Sie Morgen zwischen iO. und n. Uhren bey gutem Verstand in dem HErren sanft und seelig entschlaffen, ihres Alters ?2.Jahr weniger z. und ein halben Monat. 53 Beschluß. eschluß. 68AO hat nun auch unsere in GOtt ruhende Frau seel. überwunden, und ihren Lauf auf Erden vollendet; Die elender Nächten viel gehabt, in dieser Zeitlichkeit, weißt nun von keinem Leyden, von keinen Schmerzen nichts mehr, ihre Seele ist in GOttes Hand, und keine Quaal rühret Sie mehr an, ihr Leib wird sanft ruhen in dem Grab, bis an jenen grossen Tag; Wir betrüben uns insgemein, wann die lieben Unserigen von uns scheiden; aber Ach! wann wir es recht bedenken, so werden wir finden , daß wir keine Ursach haben solches zu thun, sonderlich wann wir auf ihrem Siechbeth Sie lang leyden gesehen; sollen wir nicht vielmehr von Herzen Ihnen gl-Ltuliren, zu der ewigen Freud und Seligkeit, die Sie gemessen für dem Angesicht des Majestätischen GOttes, der alle Thränen von ihren Augen abwischet. O seelig! und übermahl seelig! deme GOtt seine Gnade gönnet. G z Indessen 54 Beschluß. Indessen ihr G. G. lasset uns ein jeder an seinem Ort , in stiller Gedult und wahrer Bußfertigkeit des Stündleins erwarten, das uns zum Tod bestimmet ist, so werden wir dermahleneins verse- tztt werden an denjenigen seeligen Ort, da wir werden getröstet werden in GOttes väterlicher Schoos, der uns tröstet, wie einen seine Mutter tröstet, da wir werden anstimmen und sagen: Zum sicheren Port ich kommen bin, Sund, Tod, Trübsal ist alles dahin, In Christo hab ich Trost und Freud, Und leb in ewiger Seeligkeit. Amen. ENDE.