VS? ”>?*' ^ l^5^j ler-.ri! ^?r«§ o*2S :0»3 KHH <>*3l :0*S PaWa'I yÜWWH'il Ayv/wv^vr #a#4 MWiMfifilH mwm wmmm IHl mmm msm y^www ^KJ y yu U'UVU-' rv^r'U-Vf^rvV &8wm wivÄAy jährige Färbergeselle mit Jungfrau Verena Amann von Herdern, Kanton Thurgau. Bald darauf verliess er die Färberei des Hern Wegner, begleitet von den besten Segenswünschen seines bisherigen Chefs und trat in das Geschäft des Herrn A. Clavel ein. Obschon er sich in seiner neuen Stellung pekuniär besser stellte als bis anhin und sich sehr selbständig bewegen konnte, Job. Rud. Werner so reifte bei ihm der Gedanke immer mehr und mehr, sich auf eigene Füsse zu stellen. Um den Bedürfnissen der Familie besser gerecht werden zu können, hatte er schon lange in seinen Freistunden zu Hause Kleider und Lappen gefärbt und sich damit einen hübschen Nebenverdienst geschaffen. Als dann eines Tags ein Ballen Floretseide per Bahn an seine Adresse gekommen war und man ihn aus dem Geschäft holen musste, um den Empfang der Ware zu bescheinigen, erklärte er seinem Vorgesetzten, Contre- maitre R. Laube, kurzerhand, er könne nicht mehr bleiben, da er sich nun selbst als Färber etablieren werde. Mit wenig Geld aber desto mehr Energie und Selbstvertrauen ging der junge Meister an die Arbeit. Die Frau war dem Manne bei Ausführung seines Berufes behilflich soviel es in ihren Kräften stand, und wenn einmal der Letztere allein in seiner Farbküche arbeitete, so geschah dies nur, weil wieder einmal der Storch angekehrt war, welches Ereignis sich so ziemlich jedes Jahr wiederholte. Als gewiegter Seidenfärber begnügte er sich nicht lange mit dem Färben von Kleidern und Lappen, sondern begab sich zu dem ihm von seinem früheren Wirkungsfeld her bekannten Fabrikanten und empfahl sich zum färben von Seide — ein ziemlich gewagtes Unternehmen, wenn man bedenkt, dass ihm auch das Allernotwendigste zur Ausübung seines Handwerkes fehlte. — Als ihm dann von Seite einer Firma (F.W. & B.W.) das Zutrauen durch Zusendung eines grösseren Postens Seide geschenkt wurde, da war der junge Anfänger nicht verlegen und wusste sich rasch zu helfen. Die Farbstöcke schnitt er sich an der Birs, das Waschhaus wurde notdürftig in eine Färberei umgewandelt, die gefärbte Seide unter Mithülfe der Frau auf einem Rheinfloss gewaschen und auf dem Estrich zum Trocknen aufgehängt. Nachdem die Seide fertig getrocknet und geknüpft war, holte man einen Taglöhner, steckte ihn in eine weisse Blouse und lud ihm das Ganze auf, um es dem Fabrikanten zu überbringen. So wurde die erste Seide von der Färberei Schetty gefärbt und abgeliefert. Diesem ersten Auftrag folgten weitere und bald machten auch andere Fabrikanten Versuche mit kleineren Partien. Wenn die Fabrikanten damals über die finanzielle Lage und die primitive Einrichtung des Unternehmens genügend unterrichtet gewesen wären, so würden sie dem jungen Anfänger kaum ein so kostbares Material, wie die Seide es ist, so ohne weiteres anvertraut haben; denn dass bei den geradezu polizeiwidrigen Lokalen eine Gefahr beständig vorhanden war, bewies bald darauf ein eklatanter Fall. Es war im Jahre 1851; der junge Färber hatte, im Kirchgässlein wohnend, seine Färberei in der obern Rebgasse in einem Hinterhaus eingerichtet. Das Färben resp.Weichmachen der Souples bedang eine Einrichtung zum Schwefeln der Seide; dass diese bei dem ständigen Mangel an Geld nicht regelrecht und betriebssicher gemacht wurde, war zum voraus bedungen. Man behalf sich mit einem Bretterverschlag auf dem Estrich. So hätte denn der Fastnachtmontag des Jahres 1851 leicht zum Untergang des gebrechlichen Fahrzeuges führen können, wenn der Leiter desselben sich den Freuden und Vergnügungen des Faschings hätte hingeben wollen. Allein hiezu fehlte ihm sowohl die Lust als auch das nötige Geld und so blieb er denn Joseph Schetty, 1856. io zu Hause bei seiner Familie. Als er dann im Laufe des Nachmittags der Schwefelkammer auf dem Estrich einen Besuch abstattete, um nachzusehen ob alles in Ordnung sei, war es die allerhöchste Zeit, denn schon hatte die Ilolzwand Feuer gefangen und nach einer weiteren Viertelstunde wäre wohl die Seide und mit ihr der Dachstuhl des Hauses in Flammen aufgegangen. So kam der junge Meister mit dem Schrecken davon und konnte darüber nachdenken, was wohl aus ihm und seiner Familie geworden wäre, wenn er im kritischen Moment nicht bei der Hand gewesen wäre. Dass aber bei den allmählich regelmässig wiederkehrenden Zuweisungen die primitive Einrichtung nicht mehr genüge, war ihm klar geworden. Er verlegte daher das Feld seiner Tätigkeit in die Liegenschaft No. 4 Badergässlein, die sich durch ihre Lage am Teich für eine Färberei wohl eignete. 'Die Verhältnisse waren aber immer noch sehr bescheidene und es konnte auch hier von einer richtigen Entwicklung keine Rede sein. So kam das Jahr 1853 heran und da die Arbeit immer genügend und lohnend, die Familie mittlerweile auf 9 Personen angewachsen war, so musste wieder ein entscheidender Schritt zu Vergrösserung des Geschäftes gewagt werden, wollte man nicht die Kundschaft wegen ungenügender Leistungsfähigkeit punkto Lieferfrist verlieren. Verena Araann, 1856. Die im Rappoltshof am Teich gelegenen, teils leer stehenden Liegenschaften boten eine gute Gelegenheit, ein passendes Objekt zu erwerben. Es war dies das Ilaus No. 256 (heute No. 8) dem Herrn Leonhard Brand gehörend; es hatte in früheren Jahren wie auch die später erworbenen Häuser No. 255 und 257 zu Gerbereizwecken gedient, einem Handwerk, das früher in Basel in hoher Blüte stand. Eine Anzahlung konnte nicht geleistet werden, doch liess der Verkäufer das Kapital in erster Hypothek stehen. Diese Liegenschaft wurde im Erdgeschoss für die Färberei eingerichtet, während sich im ersten Stock die Knüpfstube und die Wohnung befanden. Da sich auch diese Einrichtungen nach kurzer Zeit als ungenügend erwiesen, so wurden die beiden Liegenschaften No. 255 und 57 ebenfalls erworben und sofort für das Geschäft nutzbar gemacht. Hier wurde nun der erste Dampfkessel nebst Kamin erstellt, überhaupt die für eine mit Dampfkraft arbeitende Färberei notwendigsten Utensilien und Anlagen montiert. Damit wuchsen aber die Schulden bedenklich an und wenn auch die Bilanz einen bescheidenen Aktivposten aufwies, so war doch die Lage nichts weniger als gesichert zu bezeichnen. Dies konnte jedoch den rastlos tätigen Mann nicht ängstigen; er vertraute seiner Geschicklichkeit und seinem Fleiss und war unermüdlich vom Morgen bis zum Abend. Im Jahre 1861 trat Herr H. Simmen-Becker als Kommanditär ins Geschäft; derselbe übernahm zugleich die Buchführung und die kommerzielle Leitung. Die Firma wurde in J. Schetty & Co. abgeändert. Da brach der Secessionskrieg in Amerika aus und drohte, das immer noch schwache Gebäude jählings zu zertrümmern. Amerika war damals neben England der Hauptabnehmer der Basler Bandindustrie und es wurde beständig ein grosses Konsignationsgeschäft nach dorten unterhalten. Mit einem Schlag stockte nun die ganze Industrie, was zur Folge hatte, dass auch die Hilfsindustrien, vor allen die Färbereien während Monaten 12 ohne Beschäftigung blieben. Dass ein so wenig kapitalkräftiges Unternehmen wie das Schetty’sche auf die Dauer unterliegen musste, war vorauszusehen, doch wehrte man sich bis aufs Aeusserste. Glücklicherweise hatten die Hauptkreditoren eingesehen, dass nicht Mangel an Sachkenntnis oder an Fleiss die Ursache der misslichen Lage waren, in die das Geschäft geraten war und boten deshalb gerne ihre Hülfe an. Die bisherige Firma wurde aufgelöst und mit dem nun wieder alleinigen Chef „Jos. Schetty“ ein Stundungs-Vertrag abgeschlossen, wonach die laufende Schuld nebst Zinsen innert 10 Jahren abgetragen werden sollte. Dies war im Jahre 1864. Bald darauf war der Krieg beendigt, das Geschäft erhielt wieder wie früher regelmässige Beschäftigung und konnte lange vor der festgesetzten Zeit seine Kreditoren voll und ganz befriedigen. Von nun an entwickelte sich das Geschäft von Jahr zu Jahr in glänzender Weise, dank den hervorragenden Eigenschaften seines Leiters, und nahm schliesslich die führende Stelle unter seinen Basler Kollegen ein. Neben seiner rastlosen Tätigkeit im Geschäft widmete Jos. Schetty dem Gemeinwesen seine Dienste in verschiedenen Stellungen. Schon im Jahre 1852 war er dem neugegründeten Sappeurpompier-Korps beigetreten und wurde bald einer der tüchtigsten und furchtlosesten Unteroffiziere. Sein Ansehen im Korps wuchs deshalb mit jedem Jahr, so dass er rasch bis zum Hauptmann avancierte. Als dann im Jahre 1873 der Chef des Korps gestorben und ein neuer zu wählen war, da wurde im Korps nur ein Name als der des Nachfolgers genannt — Jos. Schetty. Die Regierung hatte zwar ihr Auge auf eine andere Persönlichkeit, die dem Pompierkorps bisher ferngeblieben war, gerichtet, allein sie trug dem einmütigen Wunsch des Offizierkorps und der Mannschaft Rechnung und ernannte Jos. Schetty 13 Joseph Schetty, Chef der Feuerwehr, 1873. ' 'P'ir.T, > zum Chef der Feuerwehr. Als solcher leistete er dem Gemeinwesen hervorragende Dienste sowohl im aktiven Dienst als auch als Mitglied der Gas- und Wasser-Kommission. Nachdem er im Jahre 1861 das Basler Bürgerrecht erworben hatte, wählte ihn das Bläsiquartier am 27. März 1870 in den Grossen Rat, welcher Behörde er bis zu seinem Tode angehört. Ohne einer Partei anzugehören, stimmte er doch in den meisten wichtigen Fragen mit dem Fortschritt. Den Neuerungen auf industriellem sowie den grossen Erfindungen auf chemischen und physikalischen Gebieten brachte er sein volles Interesse entgegen und suchte sie im Geschäfte und im öffentlichen Interesse zu verwerten. So hatte er schon im Jahre 1879 die elektrische Beleuchtung in seiner Färberei eingeführt, zu einer Zeit, als in Basel wohl noch Wenige an eine solche dachten. Als im Jahre 1880 das Telephon seinen Siegeslauf begann, war er als Chef der Feuerwehr der erste, der es in Basel einführte. Die beiden ersten Apparate verbanden die Feuerwehrwache an der Brodlaube mit der Flauptwache auf dem Martinsturm. Als er bei der Regierung um den nötigen Kredit für diese Einrichtung einkam, wurde ihm derselbe vom Vorsteher des Departement des Innern verweigert, mit der Motivierung, man könne solche unnützen Ausgaben vor dem Grossen Rat nicht verantworten. Auf das hin schaffte er die Apparate auf seine Rechnung für das Löschwesen der Stadt an. Im gleichen Jahre machte er anlässlich des eidgenössischen Sängerfestes in Zürich den ersten Versuch, mit dem Telephon auf grosse Distanzen zu verkehren. Dem Unternehmen wurde von den massgebenden physikalischen Grössen kein günstiges Prognostikon gestellt. Um so grösser war dann die Überraschung, als der Versuch wider Erwarten gut gelang und der Vortrag der Basler Liedertafel in Zürich von einem kleinen Auditorium im Basler Börsensaal deutlich vernommen wurde. Und dennoch sollten noch Jahre vergehen, bis diese Städte telephonisch verbunden wurden. Seinen Arbeitern war Jos. Schetty ein strenger aber guter Chef und treuer Berater, wie er denn überhaupt gerne half, wo es Not tat. Kaum selbst aus dem Gröbsten heraus gründete er im Jahre 1869 eine Arbeitersparkasse, der er im Laufe der Jahre ganz bedeutende Summen zuwandte. Auch sonst suchte er das Los seiner Arbeiter, so viel es in seinen Kräften stand zu mildern, 15 eingedenk der bittern Erfahrungen, die er selber als junger Arbeiter und Familienvater hatte machen müssen. Nach der Geschäftszeit war er die meiste Zeit zu Hause, im Kreise seiner Familie zu treffen. Es waren ihm 14 Kinder, 7 Söhne und 7 Töchter geboren worden, denen er eine den Verhältnissen entsprechende Schulbildung geben liess. Er war kein Freund von Vereins- und Wirtshaushocker- eien, wie er denn überhaupt sehr zurückgezogen lebte. Seine an Entbehrungen aller Art reiche Jugendzeit und der spätere harte Kampf ums tägliche Brot hatten bei Zeiten einen ernsten Mann aus ihm gemacht, obschon er auch bei Gelegenheit recht fröhlich sein konnte. In solchen Momenten erzählte er mit Vorliebe von seiner Jugendzeit und von der ersten Zeit seines selbstständigen Arbeitens. Schon im Alter von 36 Jahren hatte sich bei ihm ein Herzleiden eingestellt, das besonders anfangs der siebenziger Jahre in bedenklicher Weise auftrat, so dass der treue Hausarzt, Prof. Brenner sek, das Schlimmste befürchtete. Nur durch strengste Diät, verbunden mit regelmässigen Dosen Digitalis gelang es, das Übel teilweise zu bekämpfen, so dass es wenigstens keine erheblichen Fortschritte machte. Im Geschäft waren ihm inzwischen drei Söhne und ein Schwiegersohn herangewachsen, die ihm, so viel es in ihrer Kraft lag, die Arbeit abnahmen. Allein er war nicht der Mann, der sich vor der Zeit zur Ruhe begeben konnte, und wenn einmal anno 1870. zwischen Vater und Sohn eine Differenz entstand, so war es gewiss nur deshalb, weil der letztere dem immer kränklichen und deshalb der Schonung bedürftigen Vater irgend etwas Unangenehmes vertuschen wollte. Da kam das Jahr 1891 und brachte am 28. Januar ganz unerwartet den Tod der treuen Gattin. Ohne vorhergegangene Krankheit, nur von einem plötzlichen Unwohlsein befallen, starb sie abends 6 Uhr an einer Herzlähmung in den Armen ihres Gatten. Von diesem schweren Schlag sollte sich der tief erschütterte Mann nicht mehr erholen. Er nahm zwar nach einiger Zeit seine gewohnte Arbeit wieder auf, allein sein Geist weilte anderswo und eine mit der Zeit immer grösser werdende Sehnsucht nach der ihm entrissenen Gattin schien ihn mehr und mehr zu ergreifen. Er war ein gebrochener Mann. Am Abend des 3. Januar 1894, nachdem er den Tag über noch wie gewohnt im Geschäft gewesen war, klagte er über Mattigkeit und legte sich früh zu Bett. Am andern Morgen fand man ihn tod, er war friedlich für immer entschlafen. Das ungewöhnlich grosse Leichenbegängnis legte Zeugnis ab von der grossen Liebe und Verehrung, die er bei seinen Arbeitern sowohl als auch bei allen, die mit ihm in nähere Berührung kamen, genossen hatte. Seiner Familie aber wird er als treuer Vater und als Vorbild eines pflichtgetreuen, arbeitsamen Mannes und eines edlen Menschenfreundes unvergesslich bleiben. 17 2 Die Gründung und Entwicklung des Geschäftes vom Jahre 1853—1903. Die Gründung der Färberei „Jos. Schetty“ fällt in die Zeit des allgemeinen industriellen Aufschwungs, herbeigeführt durch die Eisenbahnen und die Verwendung der Dampfkraft in den verschiedenen gewerblichen Betrieben. Es war die Zeit des allmählichen Überganges der kleinen, handwerksmässig betriebenen Geschäfte zu der heute so hoch entwickelten Textilindustrie. Auch in den Färbereien hatte man angefangen, die Dampfkraft zu Heiz- und Pumpzwecken zu verwenden, doch konnte sich der Gründer diese Errungenschaften auf technischem Gebiet anfangs nicht zu Nutzen machen, da es ihm an den dazu erforderlichen Mitteln und dem nötigen Platz fehlte. Er selbst besass kein Vermögen und die bescheidenen Kapitalien, die ihm durch seinen Mitarbeiter und nachherigen langjährigen Contre-maitre Jean Kern-Wohnlich zur Verfügung standen, waren durch die Anschaffung der allernotwendigsten Utensilien rasch aufgebraucht. Wollte man aber leistungsfähig werden, so musste unbedingt mit Dampfkraft gearbeitet werden. Jean Kern-Wohnlich. Dies hatte der Gründer längst eingesehen und erwarb deshalb, nachdem er schon einige Jahre an verschiedenen Orten seinen Beruf in bescheidener Weise ausgeführt hatte, am 19. September des Jahres 1853 die Liegenschaft No. 256 im Rappoltshof, welche er sofort für den Betrieb einer Färberei einrichten liess. Die ersten fünf Jahre waren Jahre schwerer Kämpfe und Enttäuschungen. Trotz einiger guten Spezialitäten, wie das mit blaus. Kali hergestellte „Napoleonblau", konnte das junge Geschäft keinen rechten Boden fassen und hatte neben den bekannten alten Firmen und der durch ihre Leistungsfähigkeit und den wohlklingenden französischen Namen gleich beliebten Färberei A. Clavel einen harten Stand. Das Erscheinen der ersten künstlichen Teerfarben schien der Färberei eine neue, glänzende Aera eröffnen zu wollen. Die alten Flolzfarben wurden durch die leuchtenden, brillanten Anilinfarben mehr und mehr verdrängt, trotz der enormen Preise, die für diese Farben anfangs verlangt wurden; so kostete z.B. ein Kilogramm Fuchsine Fr. 1000. —, während heute für ein bedeutend reineres Produkt Fr. 6. — per Kilo bezahlt wird. Mit der Verwendung dieser neuen Farben waren aber auch vermehrte Einrichtungen verbunden, da mehr heiss und kochend gefärbt werden musste als früher. Das junge Geschäft scheute keine Opfer, um mit den Fortschritten der Färberei Schritt halten zu können, doch hemmte leider, wie bereits früher bemerkt, der amerikanische Secessionskrieg die richtige Entwicklung. Die Basler Bandindustrie, damals noch die einzige Kundschaft, wurde während Monaten vollständig brach gelegt und mit ihr natürlich die Färberei. Ein Versuch, als Nebenerwerbszweig die Fabrikation von gefärbter Stickseide einzuführen, gelang zwar, allein der Umsatz blieb in bescheidenen Grenzen und vermochte nicht annähernd den durch den Krieg entstandenen Ausfall wieder hereinzubringen. Ebensowenig vermochte auch die durch den Eintritt des Herrn Simmen hervorgerufene Kombination unter der Firma 19 mm hMll! mm Teichgässlein anno 1863. Hintere Front der Färberei. 20 Teichgässli. Eingang Claragraben. 1903. MI: Teichgässli 1903. „Jos. Schetty & Co.“ dem Geschäft einen neuen Impuls zu geben. Man hatte kein rechtes Zutrauen in die Leistungsfähigkeit der kleinen Färberei. Mit der Erfindung eines an Schönheit alles weit übertreffenden „Weiss“ im Jahre 1863 änderte sich die Sachlage mit einem Schlag. Die noch kurz vorher hartnäckig verschlossenen Türen öffneten sich wie von selbst und damit hatte die jüngste Färberei ihre Stellung unter den älteren Kollegen gesichert. Eine Reise nach Zürich zu den dortigen Stofffabrikanten hatte einen schönen Erfolg und bald kamen täglich grosse Sendungen von dorten. Damit war die Geschäftsverbindung mit der bedeutenden Seidenstoffindustrie der Schweiz eingeleitet, welcher Umstand für die spätere grosse Entwicklung des Geschäftes Ausschlag gebend war. In den darauffolgenden Jahren 1868 und 1869 entwickelte sich das Geschäft in erfreulicher Weise. Das Schetty’sche Weiss wurde überall als das Schönste anerkannt und bildete die grosse Spezialität des Hauses. Als Beispiel hiefür möge erwähnt werden, dass während Monaten jeden Sonntag Vormittag gearbeitet wurde, um die vielen Aufträge in „Blanc“ bewältigen zu können. So bringt denn das Jahr 1870 wieder den Ankauf der Braun’schen Liegenschaft im Rumpel, sowie die den Börlin’schen Erben gehörenden Liegenschaften No. 2 und 4 ebendaselbst. Auch diese Liegenschaften wurden so rasch als möglich für das Geschäft nutzbar gemacht. Das Kriegsjahr 1870 brachte nach einer kurzen Pause bedeutende Aufträge, da die englischen und amerikanischen Bestellungen nur in der Schweiz untergebracht werden konnten. Die Arbeiterzahl war auf 85 gestiegen und das gefärbte Jahresquantum betrug bereits Ko. 91,000. Im Dezember des gleichen Jahres zerstörte ein Brand die beiden, dicht mit gefärbter Seide angefüllten Trockensäle. Das Feuer war in der Nacht ausgebrochen und hatte bereits gössere Dimensionen angenommen, als es entdeckt worden war. Ver- ursacht wurde dasselbe durch einen schadhaften Heizkanal, eine Einrichtung, die sich bereits überlebt hatte und die nun durch die viel rationellere Dampfheizung ersetzt wurde. Ein grosser Schaden erwuchs dem Geschäft aus dieser Katastrophe nicht, nt«§ 4 üf Der Rumpel, anno 1870. 'äätei Hi da alles wohl versichert war und in der Nachbarschaft ein Ersatz für die abgebrannten Lokale gefunden werden konnte. Im Februar 1871 beherbergte das Geschäft sehr seltene Gäste. Die französische Ost-Armee unter General ßourbaki war gezwungen worden, bei Verrieres auf Schweizerboden überzutreten und dort die Waffen zu strecken. Die Truppen wurden so rasch als möglich in die grösseren Städte dislociert und in den Kasernen untergebracht. Als Vater Sehetty die durch die 22 Ecke Claragraben und Rappoltshof mit Wohnhaus und Hauptbau. 1903. T m- Hauptbau der Färberei. Mittelbau Rappoltshof. 1903. 4 Bureau, Färberei und Wohnhaus Untere Rebgasse ormals Oswald’sches Wohnhaus und Färberei. 1903. Kälte und die Strapazen hart mitgenommenen elenden Gestalten in die Basler Kaserne einziehen sah, begab er sich sofort zum Platzkommando, um seine Lokale zum Baden der von Ungeziefer und Schmutz strotzenden Opfer des Krieges anzubieten. Diese Offerte wurde von den anwesenden Ärzten mit Dank angenommen und am gleichen Tage noch begann die Säuberung dieser Bedauernswerten. In Abteilungen von 20 Mann wurden sie in die Färberei geführt und dort in den Lokalen der Abkocherei und Weissfärberei in den schönen, sauberen Holz- päken, mit warmem Wasser gefüllt, gebadet. Dabei musste manches Stück, das früher einmal ein Hemd oder Unterkleid gewesen war, unter dem Kessel verbrannt und durch ein neues ersetzt werden. Nach dem Bad wurden die Soldaten mit Brod und Wein erfrischt und dann wieder in die Kaserne gesandt. Dieses Schauspiel wiederholte sich mehrmals im Tag und dauerte etwa vierzehn Tage Das Jahr 1872 bedeutet für das Geschäft den Anfang einer neuen Entwicklungsperiode. Während bisher Weiss (als Spezialität) und Couleurs auf Chappe und Seide die Hauptposten der Arbeit bildeten und nur ca. 10 Mann mit Färben von Noir Souple beschäftigt waren, trat nun durch den Kauf der in Konkurs geratenen Färberei von Th. Oswald & Cie. im Oktober 1872 die Schwarzfärberei als bedeutender Geschäftszweig dazu. Damit stieg die Arbeiterzahl rasch auf 200 und das gefärbte Aug. Schetty-Eisenlohr. ifi r ■ • ■ j Wj ys^fk^iasSJüSOC ,:i-ö ..‘—SO So ward gewaschen manches Jahr — Bei Sommerhitz und Eis sogar, ’s war lang nicht so bequem wie heut Es war die gute, alte Zeit! 1863 . Quantum auf Ko. 150,000. Durch die Übernahme des gesamten Personals glaubte man die Schwarzfärberei vom ersten Tag an ruhig und sicher betreiben zu können, allein es stellte sich bald heraus, dass dem nicht so war. Die angewandten Verfahren waren teilweise mangelhaft, teilweise veraltet und mussten gründlich umgearbeitet werden Mit der Reorganisation wurde der zweite Sohn des Chefs, Aug. Schetty-Eisenlohr betraut. Aug. Schetty-Eisenlohr wurde geboren am 13. Dezember 1850 als das fünfte Kind seiner Eltern. Nachdem er bis zum Jahre 1863 die Basler Schulen besucht hatte, trat er zu Ostern 24 25 .■ * : 1 > ■Wf - I fijs *-. •’'-*1 JS-A Waschen anno 1903. in das väterliche Geschäft. Nach kaum sechsmonatlicher Lehrzeit verliess er dasselbe wieder, um bei Prof. Goppelsroeder, dem Leiter des städtischen Chemischen Laboratoriums in die Lehre zu treten. Nach seiner Rückkehr ins väterliche Geschäft im Jahre 1867 stand er hauptsächlich der Weissfärberei vor bis zur Übernahme der Schwarzfärberei. Hier bot sich ihm nun ein reiches Feld der Tätigkeit, denn es galt, diesen Zweig des Geschäftes auf die Höhe der Zeit zu bringen. Da in der Schwarzfärberei damals schon bedeutend chargiert wurde und immer neue Verfahren entdeckt und Verbesserungen Platz griffen, so fehlte es nicht an Arbeit und Enttäuschungen aller Art; doch blieb auch hier der Erfolg nicht aus. * * 25 4 Mit der Übernahme der Oswald’schen Schwarzfärberei waren auch die ersten Waschmaschinen in den Besitz der Färberei Schetty übergegangen. Die Couleursfärberei hatte sich bis anhin mit dem Waschen von Hand beholfen und besass jede Färberei zu diesem Zweck ein oder mehrere Waschschiffe auf dem Rhein. Die Schwarzfärberei, mit ihren verschiedenen Farbbädern, erforderte ein viel häufigeres Waschen und infolge dessen ein grosses Personal von Arbeitern. Die Erfindung der Waschmaschinen bedeutete deshalb einen grossen Fortschritt und Ersparnis der teuern Handarbeit. Die Waschschiffe auf dem Rhein wurden nur noch in Zeiten grosser Trockenheit benützt und verschwanden allmählich von der Bildfläche. Da die bisher von der Familie des Chefs bewohnten Räume infolge stetigen Platzmangels für das Geschäft Verwendung finden mussten, so kaufte der ehemalige, arme Lehrling von seinem alten Lehrmeister, Herr Stadtrat Wegner, die Liegenschaften Nr. 2 und 3 am Claraplatz, wo er vor 37 Jahren seine ersten Studien gemacht hatte. Welche Gefühle mögen wohl das Herz unseres Vaters bewegt haben, als er seinem früheren Prinzipalen gegenüber stand, der ihm zu seinen bisherigen grossen Erfolgen von Herzen Glück wünschte und seiner besonderen Freude Ausdruck gab, dass gerade er es sei, in dessen Hände nun die ehemals Wegner’sche Färberei gelange. Hier mag auch in Kürze erwähnt werden, dass die Liegenschaft das ehemalige Frauenkloster St. Clara repräsentiert, was den Besitzer bei der Vereinigungsfeier von Gross- und Klein- Basel zu folgender Inschrift veranlasste : Wo vor fünfmal hundert Jahren Stille Klostermauern waren Rumpelt heut’ die Industrie, Denn die Zeit sie rastet nie. * * 26 V T% * **Wv ‘■»Vd <, • y v* * v »-: : /v B '■'vfiMOsr* •. '■i':^ly.-‘‘L-<' f ;Vr'?;*/i;v/f ; ,;'/>;,V f»{ % Schetty-Haus, Clarastrasse, mit Eingang in Hof und Geschäft. 1903. X' -?. : ‘ f Jr*i rmrr j a Inzwischen war die Couleursfärberei nicht stehen geblieben, lieferten doch die Farbenfabriken stets neue und schönere Farben. So machte Anfangs 1874 ein neues Methylblau aus der Fabrik des Herrn J. R. Geigy grosses Aufsehen durch seine Schönheit. Dasselbe wurde als Spezialität neben Weiss und Schwarz eingeführt und hatte einen schönen Erfolg. Als Chef der Couleurs fungierte der zweite Sohn Carl Schetty-Oechslin, geb. 13. Mai 1852, als sechstes Kind seiner Eltern. Er hatte die Primarschulen und das Gymnasium bis zur fünften Klasse besucht und trat im Alter von 14 Jahren in das väterliche Geschäft. Nach Beendigung seiner Lehrzeit wurde ihm sofort ein verantwortlicher Posten in der Couleursfärberei übertragen. Auch er, wie sein älterer Bruder, konnte nicht in der Fremde seine Kenntnisse erweitern, sondern war gezwungen, im väterlichen Geschäfte zu bleiben, cari Schetty-oechsiin. doch bot sich ihm hier reichlich Gelegenheit, sich zu einem tüchtigen Färbermeister mehr und mehr auszubilden. Im Mai des Jahres 1874 trat auch der vierte Sohn des Chefs, Albert Sehetty-Haberstich, ins väterliche Geschäft. Geboren am 12. Mai 1854, war er von seinem Vater bei Zeiten für den kaufmännischen Beruf bestimmt worden und trat, nach einem kaum dreimonatlichen Aufenthalt in Boudry, der durch den deutsch-französischen Krieg jäh unterbrochen worden war, A. y «SC—- 27 im August 1870 bei J. R. Lichtenhahn, Rank und Speditionsgeschäft, in die Lehre. Nach Beendigung seiner Lehrzeit begab er sich zu seiner weiteren Ausbildung nach Marseille und hätte von dort aus gerne noch die Bekanntschaft anderer Länder und Leute gemacht, allein auch er sollte so rasch als möglich im Geschäft Verwendung finden. So kehrte er denn im Mai 1874 wieder heim und ins elterliche Geschäft, wo er neben den kaufmännischen Arbeiten hauptsächlich den Verkehr mit der Kundschaft übernahm. In das Jahr 1875 fällt der Ankauf der Rühlin’schen Liegenschaft im Rappoltshof, womit die ganze südliche Front dieser Strasse in den Besitz der Färberei übergeht, und nun beginnt auch der Umbau des ganzen Geschäfts nach einem von Baumeister L. Merian verfertigten, einheitlichen Plane. Damit schien das Geschäft vorläufig an der Grenze seiner Ausdehnungsfähigkeit angelangt zu sein und finden wir in den folgenden Jahren ausser dem Umbau im Rappoltshof keine wesentlichen Vergrösserungen. Dagegen waren im Laufe der Jahre die maschinellen Einrichtungen bedeutend verbessert und ver- grössert worden und verlangten dringend einer besondern Aufsicht. Der damit Betraute war Herr August Vuilleumier, Techniker. Geboren am 10. Juli 1855 hat A. Vuilleumier bis zum Frühjahr 1870 die Basler Schulen (die Primarschule, das untere Gym- »; Albert Schetty-Haberstieh. 28 % ** Interieur der Knüpfstube im Hauptbau. 1903. ueu&iiV* (fL ewa ‘•^■gi • m *** i o» -. >/ w. - . i. iif k#f ‘S/*$V ^§^it * ■' UfSüfe .:;" 1 Sii WwWfrM ^■SMWWi fTämar. %fe mm ■ mrm mA m Blick von der Sternwarte. Rappoltshof 16. 1903. nasium und die erste Klasse der Gewerbeschule) durchlaufen, um alsdann gleich bei Schlossermeister Hrn. Carl Rudin-Schäfer in Basel in die Lehre zu treten. Nach beendigter dreijähriger Lehrzeit arbeitete Vuilleumier noch ein Jahr als Maschinenschlosser in der Maschinenfabrik Socin & Wiek in Basel und besuchte hierauf, vom Sommer 1874 bis zum Frühjahr 1877, das Technikum Mittweida in Sachsen, dessen Maschineningenieur -Abteilung er mit Erfolg absolvierte. Nach Basel zurückgekehrt, trat er am 29. April 1877 in die Färberei «Jos. Schetty» als Betriebstechniker und hat in dieser Stellung dem Geschäft durch seine Kenntnisse und seine nie erlahmende Arbeitskraft überaus schätzenswerte Dienste geleistet. Die mannigfachen maschinellen Einrichtungen und die steten Vergrösse- rungen, verbunden mit Neubauten, schufen ihm ein reiches Arbeitsfeld. Daneben fand er noch Zeit, als Wassermeister der Klein-Basler Teichkorporation vorzustehen und derselben besonders durch die Neuordnung der Korporations-Verhältnisse hervorragende Dienste zu leisten. Das Jahr 1878 ist insofern von Bedeutung, als es eine Periode des Rückschrittes einleitete. Die in den Jahren 1874 bis 1878 in der Band-Industrie in grossen Massen verwendete Schappe war durch Baumwolle ersetzt worden und ging dem Geschäft, das nur Seide und Schappe, aber keine Baumwolle August Vuilleumier'Martin. 29 färbte, verloren. Da galt es denn, einen Ersatz zu finden, um den ganz empfindlich gewordenen Ausfall wieder hereinzubringen. Die so nahe gelegene Zürcher Seidenstofifindustrie schien hiefiir in erster Linie geeignet und wurde nun regelmässig besucht. Mit einem Teil der dortigen Seidenfirmen, insbesondere mit den Marcelline-Fabrikanten, wie Ryffel & Co. in Staefa und L. Schubiger & Co. in Uznach war man schon seit einer Reihe von Jahren in Geschäftsverbindung. Auch bei andern Fabrikanten hatte die Firma «Jos. Schetty» als «Weissfärberei» par excellence einen guten Namen. Nun galt es auch in Couleurs und Noir das dortige Feld zu erobern, doch stellte sich bald heraus, dass dies keine leichte Aufgabe war. Die Seidenstofifindustrie verlangte nämlich ganz andere Färbungen, als die mit ihr verwandte Seidenbandindustrie. Während Letztere nur unchargierte Seiden verarbeitete, liess die Seidenstofifweberei bereits Organzin und Trame chargieren. Insbesondere spielten damals die vegetabilischen Erschwerungen mit Sumac und Gallus schon eine ganz bedeutende Rolle, während die Zinnchargen einstweilen nur für ganz helle Farben wie Blau, Creme, Ciel etc. Verwendung fanden. All’ diese neuen und teilweise schwierigen Verfahren mussten nun studiert und erprobt werden und es bedurfte jahrelanger Bemühungen, bis man soweit war, um mit den Zürcher und Lyoner Färbern, welch’ Letztere ein bedeutendes Geschäft mit Zürich machten, erfolgreich konkurrieren zu können. Das Jahr 1884 bildet den Abschluss des 32-jährigen Bestehens der Firma «Jos. Schetty» und es folgt mit L Januar 1885 die neue Firma Schetty & Söhne durch Aufnahme der drei Söhne August, Carl und Albert als Teilhaber. Dieses Jahr bietet auch noch in anderer Hinsicht ein besonderes Interesse, weil durch den Eintritt des Herrn Alfred Masarey die Baumwollfärberei als neuer Erwerbszweig aufgenommen wird. Diese neue Branche wird sofort mit vollem Erfolg betrieben, Dank der umfassenden Kenntnisse des leitenden Meisters, Herrn 30 Das äussere Geschäft. Front zum Cedernweg. 1903. * * A » M M. ||| J *1 TiiiiPij irisa n Li _*i Das äussere Geschäft. Front zum Riehenteichweg. 1903. ..« 1 * r -v\»^‘ a fj-*?* i I | j i i t i \ ) i I i I ; Das äussere Geschäft. Vogelperspektive. 1903. & Hr ft ty »afe"»J*' sc Im äussern Geschäft. Interieur der Färberei 1903. Neubau 1902. <* t« t* Im äussern Geschäft. Chem. Fabrik und Schopf. 1903. Im äussern Geschäft. Laboratorium. 1903. Masarey, so dass die Baumwollfärberei rasch grössere Dimensionen annimmt. Deshalb wird auch im darauffolgenden Jahre dem Geschäft der Rock wieder zu eng, was zur Folge hat, dass die am Riehenteich gelegene Braun’sche Färberei, der Firma VonderMiihll & Co. angehörend, gekauft wird, ln diese Liegenschaften wird nun die Baumwollfärberei verlegt, ebenso nach einiger Zeit die langsam in Aufschwung kommende Zinncharge. Auch die im Jahre 1887 im Grossen betriebene Band-Stückfärberei, eine Spezialität, halbseidene Bänder am Stück zu färben, wird in diesen Lokalitäten untergebracht. Es ist dies neben der Stickseidefabrikation die einzige Branche, die im Lauf der Jahre wieder fallen gelassen wurde. Nicht dass gerade von einem Misserfolg könnte gesprochen werden; aber man brauchte später den Platz für wichtigere Branchen. So war es besonders die Zinncharge, die immer mehr an Wichtigkeit gewann und bedeutenden Platz erforderte, was aus der im Jahre 1890 bereits auf 400 gestiegenen Arbeiterzahl hervorgeht. Da man auch angefangen hatte, das zum Chargieren verwendete Pinksalt selbst zu fabrizieren, so machte sich das Bedürfnis nach einem tüchtigen Chemiker immer mehr geltend. Nachdem verschiedene Engagements nicht befriedigt hatten, wurde endlich in der Person des Herrn H. Zschokke eine überaus tüchtige Kraft gewonnen. Heinrich Zsckokke-Kölner von Aarau und Gontenschwyl IKanton Aargau) wurde geboren den 25. September 1863. Er besuchte die Gemeindeschulen von Gontenschwyl, allwo sein Vater Pfarrer war. Während 4 Jahren führte ihn der Weg in die ca. eine Stunde von Gontenschwyl entfernte Bezirksschulc in Reinach. Da er zum Pfarrer bestimmt war, so genoss er dort den Unterricht in Latein und Griechisch. Allein der Hang zum Praktischen und die Liebe zu den naturwissenschaftlichen Fächern bestimmten denselben, statt ins Gymnasium in die zweite Klasse der Gewerbeschule in Aarau einzutreten, wo er im Herbst 1881 die Maturität machte. Erst jetzt entschloss er sich, Chemie zu 31 studieren, weil sein Vater ihm das Studium der Tierarzneikunde verbot. (Ein älterer Bruder war schon Tierarzt). So kam er nach Zürich an die vierte Abteilung des Polytechnikums. Mit dem Übergangsdiplom anno 1883 und dem Diplom 1884 trat er als technischer Chemiker in die Welt hinaus. Der französischen Sprache wegen begab er sich nach Genf, wo er im Laboratorium der Herren Ador & Rilliet umfassende Versuche über Schmierölraffination ausführte. Von dort siedelte er nach Paris über in das Laboratorium der Herren Friedei & Craffts — Ecole des Mines. Er war im Begriff nach Mexiko, wo ihm die Stelle eines Staatschemiker angeboten war, zu verreisen, als ihn Direktor Gnehm aufsuchte und nach Basel in die Gesellschaft für Chern. Industrie engagierte — 1888. Aus dieser Stellung schied er, um am 1. April 1890 einem Ruf in die Färberei Schetty zu folgen. Hier er- öffnete sich ihm ein reiches Arbeitsfeld. Er begnügte sich nicht mit den zahlreichen analytischen Arbeiten, sondern richtete sofort verschiedene Fabrikationszweige ein und führte sie erfolgreich durch, so die Fabrikation des Pinksaltes, des salpetersauren Eisen, der Essigsäure, die Regeneration des Zinnes u. a. m. Wesentliche Dienste leistete Herr Zschokke dem Geschäft beim Erscheinen der Phosphat-Silicatecharge im Jahre 1892, wo er sofort ein vollkommenes Verfahren fand, das sich bis zur Stunde noch immer bewährt. Heinrich Zschokke-Kölner. 32 4 I i HmuM . ' 4t ' * | S '* , ' » 1 *' . ^WTwl »,.*% äüOitäMu^äiM* isä^s^iäffSSiSSSfk jfj 4"WW : " 1 ^ 1 U*'.J"I! Kr \m '!' 1 ’y^T ”” Im gleichen Jahre wird wieder eine neue Branche dem Geschäft einverleibt, nämlich die Fadenappretur mit Herrn H. Jucker als Appreturmeister. Auch dieser Zweig blüht rasch auf und bringt reichlich Arbeit. Mit Schluss des Jahres 1893 und dem am 4. Januar 1894 erfolgten Tod des Seniors des Geschäfts erlischt die Firma Schetty & Söhne und es übernehmen die übrigen drei Teilhaber das Geschäft unter der neuen Firma «Jos. Schetty Söhne». Das erste Geschäftsjahr unter der neuen Firma beginnt unter den günstigsten Auspizien. Die neue Phosphate-Silicate- charge gibt dem Geschäft einen neuen Aufschwung; die Aufträge aus der Seidenstoffbranche werden immer bedeutender und machen fortwährende Vergrösserungen des Charge-Departements notwendig. Die Abteilung der Bandfärberei muss der wichtigeren der Charge weichen und verschwindet von der Bildfläche. Der Arbeiterstatus weist 460 Personen auf. Auch die Basler Bandindustrie fängt an, sich für Zinn chargierte Seiden zu interessieren und sendet regelmässig kleine Orders in Parifärbung. Doch bleibt es auch hier nicht lange bei den niederen Chargen und bald finden wir, wie bei der Stoffindustrie, die höchsten Chargen an der Tagesordnung. Durch das Appretieren des chargierten Cuitfadens wird ein neuer schöner Artikel eingeführt, der besonders durch seinen hohen Glanz rasch in Aufschwung kommt. So finden wir denn in den Jahren 1895 bis 1897 ein stetes Anwachsen des Konsums chargierter Couleurs, während auf der andern Seite unchargierte Seiden mehr und mehr verschwinden. Diese Umwälzung erfordert immer neue Vergrösserung des Geschäftes und Vermehrung des Materials. Neue Dampfkessel und Pumpenanlagen sind wieder notwendig und bald fragt man sich, wo den Platz für weitere Vergrösserungen hernehmen. Schon wiederholt war von Seiten der Basler Bandindustrie und ganz besonders von einer Firma dem Geschäft bedeutet 33 5 worden, dass man eine leistungsfähige Färberei auf deutschem Gebiete hauptsächlich der vielen, dem Veredlungsverkehr anhaftenden Zollplackereien und Umständlichkeiten wegen, sehr begrüssen würde und es fehlte nicht an weitgehenden Zusicherungen. Die Frage war unter den Chefs schon wiederholt aufgeworfen und diskutiert worden und noch zu Lebzeiten Vater Schetty’s hatten im benachbarten Eisass Augenscheine stattgefunden. Als sich dann nach und nach die Zürcher Stoffindustrie ebenfalls auf deutschem Gebiet und in der Nähe Basels ansiedelte und im Jahre 1897 die Weltfirma Robert Schwarzenbach & Co., welche seit einigen Jahren zu den grössten Kunden des Geschäftes zählte, in Hüningen eine Filiale errichtete, da glaubte man nicht länger zuwarten zu sollen und entschloss sich zu einem entscheidenden Schritt. Der zu seiner weiteren Ausbildung in der Färberei Aug. Weidmann & Co. in Thalweil weilende Bruder der Chefs, Paul Schetty-Haas, wurde sofort zurückbeordert, um später die in Aussicht genommene Filiale zu leiten. Paul Schetty-Haas ward geboren am 25. Januar 1870 als das jüngste Kind seiner Eltern. Er besuchte das Gymnasium und die Gewerbeschule mit ausgezeichnetem Erfolg und hätte Paul Schetty-Haas. sich seinen Beruf nach seinen Neigungen erwählen können, im Gegensatz zu seinen älteren Brüdern, die für das väterliche Geschäft zum voraus bestimmt wurden. Allein auch er entschied sich für das Färberfach und trat im Juli des Jahres 1886 im väterlichen Geschäft in die Lehre. Nach Vollendung seiner Lehrzeit begab er sich nach Crefeld, Lyon und St. Etienne, wo er Gelegenheit fand, sich in seinem Beruf tüchtig auszubilden. Ein mehrjähriger Aufenthalt in der Färberei Weidmann in Thal weil verschaffte ihm Gelegenheit, seine Kenntnisse als Leiter der Couleurfärberei zu verwerten und zu erweitern. Mit 1. Januar 1898 trat er als Teilhaber in das ehemals väterliche Geschäft. Die wichtige Frage, wohin die projektierte Filiale kommen sollte, fand eine befriedigende Lösung durch den Erwerb eines 15,000 Quadratmeter fassenden Komplexes auf der sogenannten Schusterinsel in der Gemarkung Weil (Grossherz. Baden). Am 1. März 1898 konnte der Kaufvertrag mit dem bisherigen Eigentümer, dem Grossherz. Bad. Hauptsteueramt, zum Preis von 150 Mark per Are abgeschlossen werden. Schon am 3. März fanden die ersten Bohrungen nach Wasser statt und am 15. des gleichen Monats konnte mit den Erdarbeiten für den Bau begonnen werden. Dabei wurde manch interessantes Stück aus den Kriegsjahren 1798—1815 zu Tage gefördert, denn an dieser Stelle hatte der Brückenkopf der alten französischen Festung Hüningen gestanden, um dessen Besitz wiederholt heisse Kämpfe stattgefunden hatten und mit dessen Verteidigung die Namen Abbaducci und Barbanegre eng verknüpft sind. Da man diesmal nicht an gegebene, kleine Verhältnisse wie bis anhin gebunden war, sondern genügend Terrain zur Verfügung hatte, so entstand eine in jeder Hinsicht gelungene Anlage, wobei all’ die vielen seit Jahren gemachten Erfahrungen 35 der Chefs, des Ingenieurs und des Chemiker zu Nutzen gezogen wurden. Der Bau selbst wurde durch das Baugeschäft Romang & Bernoulli in Basel ausgeführt und konnte am 4. Januar 1899 dem Betrieb übergeben werden. Der erste Zahltag weist 46 Arbeiter und vier Angestellte auf. Als Chef des Ganzen fungierte Herr Paul Schetty-Haas, als Stellvertreter Herr August Schetty, Sohn. Die ersten Wareneingänge lieferten die Firmen Robert Schwarzenbach & Co. in Hüningen, Vischer & Co. und Von der Mühll & Co. in St. Ludwig, F. X. Dutzenberg und C. Bister in Crefeld. Wenn auch Anfangs allerlei Schwierigkeiten, herbeigeführt durch die neuen Verhältnisse, zu überwinden waren, so erfreut sich doch auch dieser ins Ausland versetzte Zweig eines langsamen aber steten Wachstums bei fortwährender Erweiterung des Kundenkreises. Im Schlussjahr sind alle Zweige des Geschäftes vollauf beschäftigt und machen weitere, namhafte Vergrösserungen notwendig. Die Schwarzfärberei bringt ein neues, vorzügliches Schwarz und kann die enormen Aufträge nicht mehr bewältigen. Es wird deshalb wieder ein Stück des Klaragartens geopfert und ein neues Kesselhaus nebst Kamin für vorläufig zwei Dampfkessel errichtet. Die Liegenschaft am Riehenteich erhält einen neuen Anbau für Couleurfärberei, unter gleichzeitiger Ver- grösserung der Kesselanlage. Am Schluss des fünfzigjährigen Bestehens der Färberei Schetty beträgt die Zahl der Arbeiter und Angestellten rund 750. Der nötige Dampf wird in 14 Dampfkesseln mit einer Heizfläche von zusammen 970 erzeugt. Der tägliche Kohlenverbrauch beträgt Ko. 37,000. Das nötige Wasser wird mit 18 Pumpen, teils aus Brunnen, teils aus dem Kleinbasler Gewerbeteich herbeigeschafft und beträgt der tägliche Konsum Liter 30,000,000. m Färberei Jos. Schetty Söhne auf der Schusterinsel, erbaut 1898. I ii II 1 i « JLI I 'g*-' -iS 1 Färberei auf der Schusterinsel 1898 erbaut. Hauptfront 1903. K££I Interieur der Färberei auf der Schusterinsel. 1903. t «3 m isltii ’M. nhl mM Wohlfahrts-Einrichtungen. Im Jahre 1869 gründete der damalige Chef der Firma «Jos. Schetty» eine Arbeiter-Sparkassa, wozu jeder Arbeiter wöchentlich einen Franken beisteuerte, während vom Geschäft 50 Cts. pro Kopf und pro Woche beigefügt wurde. Das Unternehmen gedieh anfänglich vortrefflich, allein mit der Zeit überstiegen die Rückzahlungen regelmässig die Einzahlungen und die Kasse schien für viele Arbeiter lediglich da zu sein, um Vorschüsse in Empfang zu nehmen. Schliesslich nahmen diese Vorschüsse so grosse Dimensionen an, dass beschlossen wurde, der Sparkassa keine neuen Mitglieder mehr zuzuführen und die Aufnahme auf solche zu beschränken, die von sich aus die Absicht bekunden, einen Sparpfennig beiseite zu legen. Trotzdem die Zahl der Mitglieder seither langsam aber stetig abgenommen hat, so ist das Vermögen der Kassa nicht kleiner geworden und beträgt am Schluss des Jahres 1902 Er. 97,662. 65 Cts. Aus dem s- Zt- der Sparkassa zugewandten, aber von den Arbeitern nicht sonderlich gewürdigten Dekonto von 50 Cts- pro Kopf und pro Woche wurde im Jahre 1885 eine Altersund Invaliden-Kassa gegründet. Die Arbeiter wurden zu keinerlei Leistungen herbeigezogen und bleibt deshalb das ganze Unternehmen ein freiwilliges. Dasselbe verfolgt den Zweck, alte oder invalid gewordene Arbeiter, die dem Geschäft treu gedient hatten, zu unterstützen. Gegenwärtig werden aus dieser Kassa 10 Arbeiter unterstützt und beziehen Jahrespensionen von Fr. 750 bis Fr. 1200. Die im Jahre 1902 bezahlten Pensionen betrugen Fr. 9075. Sämtliche Arbeiter und Angestellte sind gegen die Folgen des Unfalls versichert; die Prämie trägt einstweilen das Geschäft allein. 38 Schlusswort. Wir sind am Schluss unseres Jubiläumsberichtes angelangt. Die ersten fünfzig Jahre des Bestehens der Färberei Jos. Schetty boten ein erfreuliches Bild der Entwicklung und des Gedeihens. Aus dem kleinen, zarten Kind ist ein kräftiger Mann geworden. Was wird nun die Zukunft bringen? Fortschritt — Stillstand oder Rückschritt? Der Ausblick in die Zukunft ist nichts weniger als verlockend. Der Konkurrenzkampf wird erbitterter als je geführt; die allerorts fieberhaft gemachten Vergrösserungen und Verbesserungen mussten mit unerbittlicher Logik hiezu führen- In der Seidenindustrie ist bereits eine schwere Krisis, durch die Überproduktion erzeugt, hereingebrochen, deren Folgen sich noch nicht übersehen lassen. Dass die Seidenfärberei in erster Linie in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist selbstverständlich. Da und dort hat der Sanierungsprozess bereits begonnen, indem schwach fundierte oder schlecht geleitete Unternehmungen nicht mehr mitmachen konnten und liquidierten. Andere werden nach- folgen. So werden wohl die nächsten Jahre Jahre des Kampfes sein und nicht viel Erfreuliches bieten. Sie werden von jedem Einzelnen den ganzen Mann und die volle Pflichterfüllung fordern, um im allgemeinen Trubel nicht unterzugehen. Wohl dem Unter- 39 nehmen, das in solchen Zeiten des Sturmes Männer besitzt, die unverzagt am Steuer stehen und mit klarem, sicherm Blick das Fahrzeug durch die Klippen lenken. Möge es dem Jubilar nie an Führern, wie der Gründer Jos. Schetty-Amann einer gewesen, fehlen. BASEL, im September 1903. WB&m mWmm Mtifmi r. u»v vt» v/ (’WaWM j v - v > ^ww«} ry,>r\U-V.f^'> ÄWl t ü um I SSr Ks j laas JggsSHpi r/'«0»iiia. SIEKS m m ■vS^x'. mm ■Mm