EM.M- WWW ÄMW» -MÄLAS L^dE>W ELML WE MW 8DSM Sammlung einiger Gelegcnheits - Gedichte, vermischter Aufsätze, Erzählungen und Fabeln. Von I. C. Beumelburg, P. zu Genf, Bafel Gedruckt bey Lmanuel Lhurneysen. r 7 9 o. Des Durchlauchtigsten Prinzen und Herrn, Herrn Eduard, von Großbrittannien, Königlichen Hoheit; -MM Daus Den Durchlauchtigsten Herzoglichen Söhnen Herrn Erbprinzen, Emil Leopold August, und Herrn Friedrich, von Sachsen Gotha und Altenburg; r-I-'SMG L HMWW , RWZO^ Z* r,7// K k- H .>„>.^-l'4- U-"' ' .. ' ' M- . ^IW KxW^ !^EM-ir ?:'^ÄÄ Wie auch Den Durchlauchtigsten Fürsten, Herrn Ludwig Friedrich, und Herrn Karl Günther, Prinzen von Schwarzburg Rudolstadt: Zum Zeugnis «nterthämger Ehrfurcht gewidmet. MZ LM-Ä NÄLl LLÄB -WM -'ickMZÄ^^LÄ xM- WK' -vlögt' Eduard, der Vritten Königßsohn, Dem deutschen Vers den Kennerbeyfal! schenken! Ich würde dann, des Tadels Furcht entfiohn. Mir keinen grösser» Lobspruch denken. Und stkmmete der Prinzen Urtheil ein, Die Gotha liebt, und Nudolstadt verehret, So wäre mir, um recht vergnügt zu seyn, Daß wünschcnswerthfte Glück bescheret. Ward Paris einst in seiner Griechin Wahl Durch ihren Blick und Jugendreiz getroffen; Mir ists genug, darf ich nur diesesmal Die Nachsicht meiner Richter hoffen» G e l e g e n h e i t s - G e d i ch t e. Der Friede zu Teschen. 1 7 7 9 . ?cutonien sah jüngst bestürzt In seinem Schos die Zwietracht wüten, Und seines Friedens Glück verkürzt, Und Zank bey seinen Kindern brüten. Es hatten frohe Schnitterlicdcr Kaum fünfzehnmal das Land durchschallt, So hört' man bange Klage wieder, Die der beklemmten Brust entwallt. 12 Die Heldensöhne von Berlin Entzwcytcn sich mit deutschen Brudern: Des Krieges Donner weckt aus Wien Die Tapferkeit in den Gemüthern. Schon zogen die gestählten Scharen Aus der bcthräntcn Mütter Blick, Und wagten, männlich in Gefahren, Des Schlachtfelds mißliches Geschick. Wie manches Jünglings Blut ist schon Ins Kriegsgetümmel hingeflogen l Wie manches wackern Vaters Sohn Liegt kalt vor tödlichen Gefchoßen! Der Bürger, welcher friedlich lebte, Beweinet seiner Güter Raub, Und der des Ackers Frucht erstrebte, Sucht feine Wohnung: sie ist Staub. Fühlt, Krieger, fühlt, was andre drückt; Sucht Ruhm in Großmut!) und Verschonen; Uebt Menschenliebe: Die beglückt, Und ziert euch mehr, als Königskronen. Nein! nicht auf öder Städte Resten Singt einst die Nachwelt euren Ruhm. Die niedre Hütte, gleich Palästen, Sey eurem Muth ein Hciligthum. ----- Dcs deutschen Vaterlandes Noth Rührt Friedrichs Her;, bewegt Thercsen« Ihr menschenfreundliches Gebot Bringt Deutschlands Wunde zum Genesen« Auch Ludwig hilft nebst Catharincn, Und fester wird der Eintracht Band. Ein Wonnctag ist dir erschienen: Heil dir! mein deutsches Vaterland. Germanien, o trockne nun Der Wchmuth Zähren von den Wangen. Die Söhne, die von: Streite ruhn, Kannst du, als Mutter, froh umfangen. Sich, Tcschen leget deine Klagen Durch gütliche Vermittlung bey. Die Zukunft mäße dankbar sagen, Daß ewig Deutschlands Friede sey. O Fürsten, hört der Völker Flehn; Hört ihren und der Nachwelt Secgen. Laßt keine Zwietracht mehr entstehn, Und strebt ihr zeitig noch entgegen. Sucht, daß sich Recht und Friede küßen: Der Lander Wol sey euer Lob. Dem wird das schwächer weichen müßen, Das Weltbezwinger einst erhob. 14 Der seinem Volke Frieden schafft, O Herr des Himmels und der Erden, Erschein in deiner Gotteskraft; Laß deinen Namen herrlich werden. Geuß Eintracht in der Fürsten Herzen, Und auf den Erdkreis, Glück und Ruh, Und schleuß das Höllenthor der Schmerzen, Des Streits und aller Drangsal zu. Dom Paul Olivades (f) 1779. Ä),c lange wird, wie noch ein «eures Beyspiel weist, Der höllische Verfolgungsgeist Das Glück der Welt, der Menschen Ruhe, stören; Noch jüngst ließ sich sein grausam Urtheil hören. Man glaubt vielleicht, daß in der Barbaren Der Auftrit vorgefallen sey, Und wenigstens unfreundliche Barbaren An solchem Frevel Ursach waren ? Ganz irrt man nicht. Ein wütendes Verfahren, Durch Vorurtheil und blinden Haß erweckt, Hat sich hierbey zu deutlich nur entdeckt. LestS und erschreckt. Dort hinter jener Felsenkette, So man die Pyrenäen nennt, Liegt fern hinaus ein Landstrich, wo man Städte Seit kurzer Zeit nur kennt. In unabsehbar grosser Weite War ringsumher die ganze Gegend Sand, Unwirthbar, wüst, und nichts als dürres Land, Er war in Peru gcbohrcn und baute die öde Landstreckc, 8ierra Alsrena genannt, im spanischen Königreiche Andalusien an. l6 —_ -7 Wo selten nur fleh, durch die ganze Breite, Verirrtcr Wandrer Fußtrit fand. Jahrhunderte bemerkten um die Wette Den Schaden, der daraus entstand; Und niemand war, der Rath gefchaffet hätte. Zuletzt beschloß ein Mann voll Edclmuth, Dem Uebel hülfreich zu begegnen. Sein König selbst hics diese Thaten gut; Die Hoffnung ströhmtc schon durch Olivades Blut, Es würden einst des Patrioten Muth Der Nachwelt Zeiten dankbar segnen. Gebührt der Dank nicht dem, der große Thaten thut? Der edle Spanier erfand und überdachte Den Plan, der ihn der Nachwelt schätzbar machte. Er forderte mit Lust des Vaterlandes Glück. Ein patriotisch Meisterstück War, was fein Fleiß zu Stande brachte. Bey Scharen sielleten fleh fremde Völker ein, Gehülfen seines Ruhms zu seyn, Und öde Gegenden arbeitsam anzubauen, Erweckt durch freudiges Vertrauen, Es würde sie kein Hasser je verfchreyn. Er selbst, gewohnt, nicht trotzig zu befehlen, Half stets die besten Mittel wählen, Entwarf geschickt den schöpferischen Plan, Wies jedem den Bezirk von seiner Arbeit an, Hies sie dabey als Brüder sich umfahn, Und wehrete der Zwietracht, sie zu quälen. Und Schon sah man ftoh , waS kluger Fleiß vermag; Wo vormals Sand auf öden Angern lag, Des Saatkorns Keime glücklich steigen, Gepflanzter Bäume muntres Grün, In voller Fruchtbarkeit die neuen Gärten blühn, Und jedermanns zufriedenes Bezeigen. Hier stieg ein ländlich Haus hervor: Dort hob der Städte Glanz symmetrisch sich empor. Geschmack, Bequemlichkeit und Ordnung, schön verbunden Das hatte sich so leicht noch nicht gefunden, Als wie stchs dort zum Wunder sehen lies. Die Fremden, die es sah'n, gestunden, Die Gegend sey ein irdisch Paradies. Nun wird man doch den wackern Stifter ehren: Des Königs Macht wird aller Kränkung wehren, Und Carls Gebot wird jeder scheun. Nun wird man froh des Mannes Namen hören, Und wo er geht, sich dankend zu ihm kehren, Und Blumen ihm entgegen streun. In andern Himmelsstrichen Ward ihm zum wenigsten ein Marmormaal gesetzt: Dort hätte man den Mann mit Königen verglichen, Und sein Verdienst geschätzt. Hier ward der Menschenfreund von Mönchen unterdrücket: Wen schreckt nicht dieser Name schon? Den Edelmuth und gut Gewissen schmücket, Ach! der hat Schmach zum Lohn, Und ihn verfolgt die Inquisition. B rz Bey anhaltender Dürre« 1780. Aas trockne Land lechzt, Gott, nach deinem Seegen r Du hältst ihn noch zurück. Ach! fordre doch durch Fruchtbarkeit und Regen Der schmachtenden Geschöpfe Glück. Wie kann der Pflug bestaubte Felder bauen, Wo keine Wolke weint? Kein Keim entsprießt den ausgedörrten Auen, Wenn deine Hülfe nicht erscheint. Sieh doch, 0 Gott, von deiner Allmacht Throne Dein Volk erbarmend an. Wir sündigten. Ach! Vater, schone! schone Der Sünder, die so viel versah'«. Ost war die Luft von Dünsten schwer beladen: Wir hofften auf dein Heil. Fest glaubten wir: nun hilft uns Gott in Gnaden! Doch Hülfe ward uns nicht zu Theil. Wenn manchcmal die Wolken sich ergoßen, Wuchs unsre Zuversicht. Des Regens Quell ward wiederum verschloßen: Der Pflanze Wurzel trank ihn nicht. Will etwan hier der Frevler sich empören, Beschäme seinen Spott. Du wirst es thun und unser Flehn erhören: Denn du bist unser Herr und Gott. Du wirst es thun, der du zur rechten Stunde Die trocknen Felder tränkst, Und, halten wir nur fest an deinem Bunde, Uns deinen Seegen wieder schenkst. Gedenk an uns, so freuet sich die Erde: Denn niemand hilft, als du. Gib, daß bey uns dein Name herrlich werde» Dann ströhmt dir unser Danklied zu. b s 2T Bey erfolgten. Regem Im August 1780» 8!uf! Seele/ nimm des frohen Dankes Psalter- Und lobe Gott/ den Herrn. Er ist dein Gott/ dein Vater und Erhalter/ t Und hilft den Menschenkindern gern. Wenn himmelan der Andacht Seufzer wallen, Hört Er der Frommen Schreyn. Er sättiget/ was lebt/ mit Wohlgefallen, Und kann aus aller Noth bcfreyn. O! betet an/ und schweigt/ beschämte Spötter, Bey Gottes Regiment. Der Herr ist Gott, hoch über alle Götter, So sehr ihn auch der Staub verkennt. Kein Zufall ists, wenn aus der Wolken Brüsten Glück über Länder thaut; Kein Ohngefähr, wenn man die dürren Wüsten Mit Fruchtbarkeit bekrönet schaut. Der Herr gebeut: kein Regen fällt hernieder; Die Augen stärkt kein Grün. ri Der Herr gebeut: die Himmel träufeln wieder, Und die erstorbnen Wiesen blühn. Daß jetzo sich der Erde Schmuck verjünget, Das hat der Herr gethan. Er, deßen Huld den Schos der Felder dünget. O! Seele, bet Ihn dankbar an. Es ist umsonst mit aller Menschen Sorgen, Wo seine Gnade fehlt; Umsonst, wenn man vom Abend bis ;um Morgen Sich mit so manchem Kummer quält. Wenn Gott, der Herr, nicht selbst die Stadt behütet, Der Wächter wacht umsonst. Im Finstern schleicht der Seuchen Heer und wütet, Wo du nicht, Gott, der Deinen schonst. Du bist es, Herr, der Gras und Blumen kleidet: Du schmückest ihr Gewand; Und daß das Vieh auf grünen Angern weidet, Kommt blos vom Seegen deiner Hand. Du hörst, o Gott, das Schreyn der jungen Raben, Und Speise finden sie. Auch uns erfreut die Milde deiner Gaben: Die Deinen, Herr, versäumtst du nie. O! mögtcn wir nicht undankbar genießen, Was deine Huld uns giebt, Und frölich uns zu dessen Dienst entschließen, Der uns, als Vater, brünstig liebt! Gott denkt an uns. Sein herzliches Erbarmen Stärkt unsre Zuversicht. Groß ist der Herr, voll Gnade für die Armen Mein Herz, vergiß der Wohlthat nicht« r; Bey entstandner Zwietracht in G.' I 7 8 I. ^)ott des Friedens, steure, wehre, Daß dein Volk sich nicht verzehre. Schaffe, daß zu dir sich kehre, Wer den Frieden sucht und liebt. Denn du hilfst der Menschen Herzen, Daß sie, frey von Gram und Schmerzen, Deinen Seegen nicht verscherzen. Du bists, der den Frieden giebt. Laß die drückenden Beschwerden Bey den Sterblichen auf Erden Mehr und mehr gemildert werden, Und des Krieges Jammer fliehn. Gib, o Herr, in deinem Lande Heil und Glück zu jedem Stande, Daß der Unterdrückung Bande Keinen wider Recht umziehn. Ach! es hatten finstre Sorgen Uns der Wohlfahrt heitern Morgen Und des Glücks Genuß verborgen, Und des Friedens uns beraubt. 24 Wilder Leidenschaften Menge, Eifersucht, im Urtheil Strenge, Stolz und neidisches Gedränge Hatten sich zu viel erlaubt. Gott, wie lange soll es wahren, Daß sich Zank und Zwietracht nähren - Und gehäßig sich erklären, Und sonst Bruder sich entzweyn! Lehr sie schonend sich vertragen, Daß sie, sonder Zank und Klagen, Allem Hasse ganz entsagen, Und, wie vormals, Freunde seyn» Wirk du selber Huld und Güte In dem menschlichen Gemüthe, Daß sich jeder christlich hüte Vor der Feindschaft Eigennutz. Laß mit herzlichem Verschonen Die in Hütten, die auf Thronen, Brüderlich beysammen wohnen. Bleibe deiner Diener Schutz. Daß bey deines Reichs Gesetzen Wir uns alle glücklich schätzen, Und derselben kems verletzen, Dieses, Vater, schaffe du. Gib, nach deinem Ebenbilde, Allen Seelen sanfte Milde. Decke, wie mit einem Schilde, Alle, die dich fürchten, ru. Laß den Himmel Gnade thauen, Und die kindlich dir vertrauen, Auf der Erde Frieden schauen, Und sich deiner Güte freun. Laß, die Brüdereintracht trennen, Ihr und andrer Glück verkennen, Und dich gleichwol Vater nennen, Zeitig ihre Schuld bereun. Komm mit neuem Gottcsfcegen, Wie mit Freuden Vater pflegen, Deinen Kindern, Gott, entgegen, Die du noch als Vater liebst: Und wir wollen deine Lehren Dann mit ganzem Herzen ehren, Und mit Dank dein Lob vermehren, Daß du uns den Frieden giebst. Das denkwürdige Jahr i 7 8 Z, ^ott, groß und furchtbar in Gerichten, Vor dir sind Welten nur wie Staub. Du kannst sie, wann du willst, zernichten: So fallen sie, wie dürres Laub. Vom Schelten deiner Stimme, Vor deines Eifers Grimme, Verweht sie der Zerstörung Raub. War jemals in verstoßn«! Zeiten Ein Raum der Zeit fo sonderbar? Ein Jahr an drohnden Seltenheiten So furchtbar reich, wie dieses Jahr? Eins, wo an feinen Werken Gott deutlicher zu merken, Und minder zu verkennen war? Calabriens beglückte Fluren, Sonst fruchtbar, stehen jetzt verheert. In taufend fürchterlichen Spuren Liegt seiner Städte Glanz verzehrt. Der Berge stolze Besten, Nebst schimmernden Palästen, Entffohn, in Trümmern umgekehrt. Viel Tausende verschlang die Erde/ Und das durch Srurm empörte Meer, Der Flüchtigen bestürzte Heerdc Befiel ein plötzlich Iammcrheer. Sonst lachendes Gefilde Gleicht einem Todenbilde, Und trauret öd und freudenleer, So jammervoll in seinem Falle War nicht das stolze Lißabon. Hier traf das Unglück doch nicht alle r Nur wenige sind dort cntflohn. Es fcyert bey den Streichen Von ungezählten Leichen Der Grabesglocke Trauerton. Europa bebte noch vom Schlage, Den jedes Herz betäubt empfand, Da sich ein Schein zu neuer Klage, Zu neuem Schrecken Anlaß fand; Da jeder Folgen dachte, Und Folgen, die er machte, Im voraus schon mit Furcht verband. Was will in heißen Sommertagen Der hohe trockne Dunstkreis da? Kein Nebel ists: was will das sagen, Das unsre Vorwelt so nicht sah? a? 23 Wie Blut scheint, ohne Wonne, Und bleich, die liebe Sonne. Ist schon der Schöpfung Ende nah? Die Antwort giebt dem bangen Volke Der Himmel, welcher Stralen sprüht: Ihm prediget die Wetterwolke, Die hoch von Blitz und Feuer glüht. Es spricht im Donnersturme, O Mensch, mit dir, dem Wurme, Der Herr. Es zaget dem Gemüth. Schon rollt durch ganze lange Nachte, Und Tage lang, der Donner Schall. Bewaffnet durch der Allmacht Rechte Betäubt der Wetterstralen Knall. Nie hörte man dergleichen. Erfolgt auf solche Zeichen Vielleicht nun gar der Welt Verfall? Hier schlug der Hagel alles nieder: Dort goß sich eine Fluch ins Land. Bald bebten Länder hin und wieder: Bald zündete der Blitze Brand. Wer sahs? wer hört' es sagen, Der nicht dabey voll Zagen Die bängsten Ahndungen erfand? Da sank ein Insclland zu Grunde: Ein neues schwung sich dort hervor, Und aus des Erdreichs offnem Munde Hob sich ein junger Berg empor. Vor Ihm, dem Herrn der Welten, Hört seiner Warnung Schelten Der Sterblichen erschrockncs Ohr. Groß ist der Herr, der alles füget, Und jedem Element gebeut, Der bald mit Ernst und Strenge rüget, Und bald mit Vatcrhuld erfreut. Wer darf hier Tadel wagen, Und nach dem Grunde fragen, Warum Er schonet oder dräut? Wie kams, daß du so furchtsam bebtest, Du Spötter der Religion? Dafür, daß du so sicher lebtest, Wähntst du des Himmels Rache schon? Leicht kann der Herr mit Wettern Der Sünder Haupt zerschmettern. Doch traf dich nicht der Bosheit Lohn. Verschont bey anderer Verderben, Nimm diese Schonung wol in Acht, Eh dich, zertrümmert gleich den Scherben Der Herr zum Rachedcnkmaal macht. Darm wirst du nicht entSiehen, Wann wider dein Verziehen Sein Feuereifer schnell erwacht. Noch schenkt Er Frist zu deiner Brise, Da seine Langmuth dich noch trägt. Geh, fall in Demuth Ihm zu Fusc, Eh dich sein Arm zu Boden schlägt. Oft hat der Herr voll Treue Bey eines Sünders Reue Das Schwcrd der Rache weggelegt. Schau Gottes Ernst und seine Güte: Laß beydes dir erwecklich seyn. Wird dort, aus zagendem Gemüthe, Noch manche Schuld um Rache schrcyn; So wird hier sein Erbarmen Dir, tief gebeugtem Armen, Bereuten Aufruhrs Schuld verzeyhn. Noch segnet uns des Himmels Gnade: Noch ist es nicht mit uns gethan. Uns trifft kein schrcckenvoller Schade; Gott sieht uns noch erbarmend an. Befreyt von Angst und Sorgen, Kann noch mit jedem Morgen Ein jeder Guts vorn Herrn empfahn. Des Tages Glanz verklärt sich wieder: Nicht schreckt uns mehr der Stürme Tod» Man hört noch frohe Schnittrrlieder: Die Erde giebt noch Oel und Brod. Aus unsern stillen Lauben Scheucht noch der Most der Traube» Das klagende Gefühl der Noth. Wenn anderswo die Fluren kläglich, Und ihre Hüfner traurig stehn, So läßt der Mcnschcnvater täglich Uns seiner Güte Wunder sehn, Und schenkt mit Wolgcfallcn Uns, seinen Kindern, allen Ein ungestörtes Wolergehn. Bekrönt mit reichem Erntescegcn, Jauchzt unsers Landes Dank dem Herrn- Noch kömmt uns Gottes Huld entgegen; Noch liebet er und schützt uns gern. O! blieb in allem Lande Des schnöden Undanks Schande Auch von der Christen Herzen fern l O Völker, preist mit frohem Munde Der hocherhabncn Gottheit Rath. Rühmt ihn, den Herrn, von Herzensgründe Für seine Wunder, die er that. Er ists, der Hülfe findet; Er ist es, der verbindet/ Wenn seine Hand verwundet hat. Er schreckt / und tröstet dann aufs neue: Denn Wolthun bleibet seine Lust. Darum/ zum Ruhme deiner Treue/ Strömt/ Gott/ das Lob aus Meiner Brust: Groß ist / o Gott der Stärke / Ein jedes deiner Werke/ Und löblich alles / was du thust. Die Die Aeronautik oder der aerostatische Ball. r 7 8 Z. §bie hat der Witz so viel erdacht, Als was die Mongolsiers O) berühmt vor andern macht. Sie wußten einem Ball die neue Kraft zu geben, (K) Mit schneller Leichtigkeit hoch in die Luft zu streben. Wie hat der Muth so viel gewagt, Als man von Rozier (c) rühmt, und vöM AklandcS (-1) ftgs Kühn unternahmen sie, was vormals nie geschehen, Hoch von der Wolken Bahn aufs Land herab zu sehen. (s) Die vom ÄLmge von Frankreich in den Adelstand erhabnen Bruder, Stephan und Joseph von Montgolfier. Eine gewiße Schrift nennt sie auf deutsch Bergbuchter. (b) Den ersten Versuch mit dem aerostatischen Ball machten sie den ?tcn Jun. i?8z zu Annonay, in Gegenwart -er Stande der Landschaft VivaraiS. (c) Herr Pilatre von Rozier, der sich auch zu Lyon mit dem Flcßelli- schrn Ball in die Luft erhob, zwey Jahre hernach aber, bey einer unternommenen Luftreise, jämmerlich umkam. (a) Herr Major, Marquis von Arlandes. C l, -- Und nie ersann des Menschen Fleiß So viel, als nun die Welt vorn Chart (e) und Robert (k) weiß. Denn die versuchten gar, nach leichter Vögcl Weise, Mit ihrem Phaeton im Luftraum eine Reise. Umsonst gab Lanas (Z) Traum und Wahn, Und Galiens (l>) Klügeley vordem ein Luftschiff an. Was dort kaum möglich schien, das hat man jetzt begriffen: Bald wird man in der Luft, wie auf dem Waßer schiffen. (e) Herr cimrles, Profcßer der Naturlehre. (k) Herr Robert, ein geschickter Künstler in der Mechanik. (§) Der Jesuit, Peter Franz Lana, von Brescia, der 1670 in seinem Buch clell' Lrts Ataeüea ein Luftschiff in Vorschlag brachte. (K) Der Dominicaner, Joseph Gatten, zu Avignon, that 17;; das gleiche, wiewol er auch so bescheiden war, es nur für ein Spiel -er Einbildungskraft auszugeben. Erfindungen, i 7 8 z. §ehrt Wright (a) die Sterblichen tief unterm Waßer gehn, So lehrt sie Montgolficr hoch über Wolken ftehn: Der, auf der Fifche Pfad durch tiefe Fluchen klimmen, Und dicfer, Vögeln gleich, durch hohe Lüfte schwimmen. O) Dieser Engelländer hat eine Lauchcrkapve erfunden, vermittelst dc. rcn er sich viele Stunden lang unter dem Wasser aufhalten, und hin und her gehen tonnte. Doch scheint schon vor ihm der FranzoS, Herr Ferniinet, auf diese Erfindung gekommen zu seyn, wie aus seinem krecii für Is maclune k^äroksterZigus erhellet» v 2 ;6 Am s6sten Jahrstage seiner Geburt. 1784. Äir dank ich, Herr, mit frohem Lobgesange, Für deine Güte, die mir schon so lange Das Glück des Lebens schenket und erhalt. Dieß ist der Tag, an welchem ich aufs neue Mich deiner Wolthat, meines Lebens, freue, O Herr der Welt. Du hast im Mutterleibe mich bereitet, Ins Leben mich gerufen, mich geleitet, Und mir von Kindheit auf viel Guts gethan« Du giebst mir Kräfte bis auf diese Stunde: Dafür, Gott, bet ich dich mit Herz und Munde Voll Demuth an. Was wär ich, wenn mich deine Hand nicht schützte? Und was mein Leben, Wenns nicht andern nützte? Für mich und andre, Vater, gabst du mirs. Damit es also brauchbar auf der Erde, Und, dir zum Wolgefallen, thätig werde, Befehl ich dirs. Verzeih die Mängel der verfloßnen Tage, Und jeden Fehltrit, den ich, Gott, dir klage; O rechne den mir Armen nicht mehr zu. Ja, du verzeihst das strauchelnde Versehen, Und hast Geduld, und schonst, und hörst mein Flehen. Mein Gott bist du. Herr, thu noch das an mir nach deiner Gnade, Und stehe mir auf meines Lebens Pfade , Zur Beßerung in Zukunft mächtig bey, Damit ich stets das Gute gern vollbringe, Und deiner Huld, du Schöpfer aller Dinge, Nicht unwerth sey. Froh bring ich dir dereinst noch an dem Grabe, Daß ich vor dir ein gut Gewißen habe, Mein dankendes und frommes Loblied dar: Preis sey dir, Herr, du stundest mir zur Seite! Heil mir, daß deine Kraft im Pilgerstreite Stets mit mir war! ;8 ------ Der Waßerläufer. 1 7 8 4 . §^s^iüngsi der forschende Verstand In Frankreich und in Engelland Manch wichtiges Geheimnis fand, Da sprach man auch von einem Gecken, Der gleichfalls Wunderding verhies, Und, um die Neubegier zu necken, Vielleicht auch nur, um Lachen zu erwecken, Und andrer Ruhm neidsüchtig zu bestecken, Im Zeiiungsblatte von Paris Die Nachricht von sich lesen lies: Was niemals noch die Welt gesehen, Daß Menschen unbenetzt auf tiefen Flüßen gehen, Dafür will ich, der Selbsterfinder, stehen, Und allernächst, im Ienner, solls geschehen. Was, mevnt ihr, brauch ich wol darzu? Ein Paar elastische, von Holz gemachte, Schuh. So bald ich die an meine Füße thu, Dann lauf ich euch, so schnell als Pferde laufen, Es sey die Seyne noch so breit, In einer Stunde Zeit, Mit federleichter Schnelligkeit, Bald hin, bald wieder her: da werd ich denn ersaufen Ersaufen würd ich? Seyd ihr toll? Das hieße wol die Reue theuer kaufen. Beruhigt euch, und nrerkt das wol, Daß mir kein Fus die Näße spüren soll. Nur eins will ich dabey bedingen: Zwey hundert Luidor legt an dem Ufer hin; Dieß sey der neuen Kunst Gewinn. Wann ich jenseit des Flußes bin, So will ich sie wol in Verwahrung bringen. - Hans North mit seinem Flaschenglas Kam ehemals in London doch zu was: Denn der verstund sich auf den Spas. Und wenn der zu Paris sein Kunststück nicht vergas, Er hatte nichts dabey verlohren. Denn auch die Kinder wißen das: Im Jenner ist gar oft die Seyne zugefroren. Und was besorgt nun D** (3) dabey? Nichts, als den Lohn der Täuscherey, Die scharfe Leutnantspoliccy Und den Verlust der Ohren. (a) Der angebliche Erfinder machte seinen Namen nur unter dem Anfangsbuchstaben 0"**'* bekant und gab sich für einen Uhrmacher über den Engelländischen Cana!. Im Jenner »?8;. ^ie Reise, welche Blanchard (s) that, Und Doktor Icfferies mit ihm gewaget hat, Ist ein Beweist von beyder kühnem Muthe» Nie schifften Sterbliche mit so viel kaltem Blute r Selbst nicht Columb, als ihn der Seegel Flug, Durchs weite Meer zum neuen Welttbeil trug. Nie sah man Reisende, wie die, Noch einen solchen Weg, den durch die Lüfte sie Von Engelland nach Frankreich unternahmen, Als weit von Douvre her sie nach Bologne kamen» Auf jener Bahn, die kühn ihr Eifer brach, Folgt noch bisher kein andrer ihnen nach. (b) Bald aber wird man weiter gehn: (c) Denn selten bleibt der Mensch beym ersten Schritte stehn. (a) Derselbe hat nachher noch gar viele Luftreifen in den ansehnlichsten Städten unternommen» (l>) Herr Rozier versuchte es zwar, fand aber auch dabey seinen Untergang. («.-) Ohngeachtct der nachherigen Versuche hat sich doch noch kein eigentlicher Vortheil von diesen Luftfahrten entdecken laßen. 4 ! Was wird nicht noch die spätre Welt erleben? Wie vieles wird nicht noch der Menschen Fleiß erstreben? Oft wird ein Schatz des langen Forschens Frucht, Und mancher auch entdeckt, ihn angesucht. Der lange und strenge Winter. Den 18 März 1785. Mann wird einmal der strenge Winter weichen, Der nie vielleicht an Dauer seines gleichen, An Frost und Schnee kaum seines gleichen fand? Die Sonne wird nun bald im Widder stehen. Zur Zeit, wo sonst schon Frühlingslüfte wehen, Drückt immer noch der Kälte Macht das Land. O! scheints doch fast, daß unsre Muttererde Von Alter schwach und immer kalter werde, Als wäre fie aus ihrer Bahn verrückt: So wie der Greis bey seiner Jahre Menge, Dem Grabe nah, und durch des Alters Strenge Von Kraft erschöpft, sich krumm am Stäbe bückt. Der halbe März ist neulich schon vergangen. Wo sonst bereits die Vögel fröhlich sangen, Da sprießt und grünt bis jezo noch kein Reis. Kein Veilchen keimt, und aus den kalten Hecken Will sich noch keins von Florens Kindern strecken: An Busch und Baum starrt immer noch das Eis. Vor kurzem stand, als wärs an Abos Thoren, Ein gutes Theil des Seees zugefroren, O) O) Es war -Mttew-chs den rten.März, des Vormittags. Ehedem, 4 ; Aus deßcn Schos der Rhodan sich ergießt. Ich zweifle fast , daß man von solcher Kälte, So daß sie schon als Alters Denkmal gelte, Was ähnliches in der Geschichte liest. Der Winter daurt nun schon bey zwanzig Wochen, Und selten nur sah man ihn unterbrochen: Das ist gewiß für diesen Landstrich viel, Und ehedem beym härtsten Winterdrange Verspätete der Lenz sich nicht so lange: Nur diesesmal erreicht er spät sein Ziel. Seit dem, noch bebt mein Herz beym Angedenken, Dem alle noch des Mitleids Thränen schenken, Calabrien zum Theil im Schütte liegt; (b) Seit dieser Zeit von zwey verfloßncn Jahren Hat unser Land weit längere Frost erfahren, Den früher sonst des Frühlings Hauch besiegt. Noch liegt der Schnee in ungeheurer Menge: Noch herrscht der Frost, mit ungewohnter Strenge, In voller Macht auf der becistcn Flur. als in den Ichren 17;; und 178-, geschah idlches in den Monate» Jcnncr und Hornung. Ein gleiches sahe man auch zu Anfang dieses Jahres 1789. (b) Das Unglück nahm seinen Anfang im Hornung 1753 / und dauerte einige Monate lang fast ununterbrochen unter mehr oder weniger heftigen Stößen von Erdbeben fort. 44 'SLLLS--7-— Am Tage schmilzt der Schnee nur wenig nieder: Beym Frost der Nacht friert er aufs neue wieder. Ein lauer Wind zwingt seine Tiefe nur. Und hebt sich der aus seinem langen Schlummer, O! dann entsteht für uns ein neuer Kummer, Dann droht auch uns die schreckliche Gefahr, Da mancher Fluß auf einmal sich entdämmte, Und dann die Fluch die Auen überschwemmte, Und schauervoll für deutsche Lander war. (c) Ach! damals war der Jammer hoch gestiegen, Da manches Dorf, nebst Kindern in der Wiegen, Und Jung und Alt das Waßer mit sich nahm; Da manche Braut, die nun zu früh verblühte, Für deren Herz sich mancher Werber mühte, Um Freund und Glück und Hochzeitfreuden kam. Hier stürzcten die Brücken sammt den Bogen: Dort sank ein Thuen in die beschäumten Wogen: Da schwamm ein Wald, und eine Mühle dort. Hier riß das Eis, das fürchterlich sich thürmte, Und da die Fluth, die unaufhaltsam stürmte, Vieh, Rebenland und Aecker mit sich fort: (e) Im Jahr 1784 richtete im Monat Hornung, nach einem ebenfalls sehr langen und strengen Winter, der schnelle Ausbruch des EißeS, das sich in den Fliißen, Necker, Mayn, Rhein, Mulda, Elbe, Donau rc. rc. angehäuft hatte, und das damit verbundene Austre- ten des WaßerS, eine fürchterliche Verwüstung an. 45 Jedoch! was zagt in sorglichen Gedancken Das blöde Herz/ und zittert aus den Schranken/ In denen sichs durch Hoffnung sichrer hält? Schweigt/ Zweifel/ schweigt. Es ist noch nichts vcrlohren,. Hier steht ein Wort: ihr Menschen / nehmts zu Ohren t Der Herr ist Gott; sein Rath regiert die Welt. 4ü An eine Lerche im Im April i78;» ^Mol dir/ daß du gefangen bist/ Du gutes kleines Fittigthier! Bey dieser langen Winterszeit Gehts deines gleichen nicht so wol/ Als dirs in deinem Kefig geht/ Auf allen Furchen liegt noch Schnee/ Kein Wurm / kein Körnchen zeiget sich / Das sie in ihrem Hunger nährt. In ihren Kehlen schweigt das Lied / Das sonst so gern aus voller Brust Der frühen Sonn' entgegen tönt. Wie manche Lerche mag wol schon, Da jezt/ bey diesem langen Frost/ Die Kraft in ihren Herzen stockt/ Des Todes Raub geworden seyn! Du findest alles / was du brauchst / In deinem Kefig stets bereit / Und spürst im Zimmer keinen Frost/ Und singst dein ungekünstelt Lied / Und fühlest deines Lebens Glück. Wärst d»/ wie deines gleichen/ frey/ Dann wärest du so glücklich nicht. Zn deinem Beste»/ kleines Thier/ Fieng dich des Vogelstellers Hand / Und schloß dich in den Kesig ein. Wol dir/ daß du gefangen bist! Kefig. 47 Der verspätete Frühling. Den -7sten April 17s;, -«^llmälig kommt des Frühlings Anblick wieder: Es schmilzt das Eis in milden Bächen nieder, Von dem noch jüngst der Fluren Fläche schwoll. Das Land erwärmt der Blick der nähern Sonne: Mit jedem Tag erheitert sich die Wonne, Durch die der Frühling lächeln soll. O! sollt es hier nach manches Wunsche gehen, So müßten jczt schnell heiße Lüfte wehen: Dann flöß der Schnee in tiefen Strömen fort. Es würde dann, daß manS beweinen müßte, . Das Ackerland von Fluch verheert, und »vüste, Bedeckt' ein See die Wiesen dort. Doch, nein, es geht nicht, wie die Menschen denken, Und Gottes Rath wird alles beßer lenken; Und der bewährt sich stets durch Gütigkeit. Er, der allein der Zeiten Schaden heilet, Und Wolthat gern mit milder Hand ertheilet, Thut alles fein zu seiner Zeit. Wahr ists, kein Baum zeigt jezt noch seine Sproßen: Der Blüthen Keim steht immer noch verschloßen, Und glcichwol schließt sich bald schon der April. Noch bleibet da der Gärten Schmuck verborgen: Da wähnst du gleich in deinen finstern Sorgen, Was wol daraus noch werden will. Gewißlich wird das noch daraus entstehen, Was Gott hicrbey zuin Menschenwol ersehen, Er, der so leicht der Zweifel Furcht besiegt. Dann wirst du sehn, daß daurendes Vergnügen, Und wahres Glück, im göttlichen Verfügen, Und nicht in deiner Einsicht liegt. Wenn dasmal auch der Lenz erst langsam blühet, Und minder heiß die Frühlingssoime glühet, Und möglich kaum der Ernten Hoffnung scheint Darum ist nicht das mindeste verlohren. Die Freude wird aus Prüfungen gebühren r Dann jauchzet froh, der jezo weint. Man weiß, wie lang des Lappen Winter währet, Und wie er dann sich kümmerlich ernähret: Hat er wol je darüber sich beschwert? Ein Vierteljahr reicht zu für feine Saaten, Die dann voin Keim zum reifen Halm gerathen: Dann sammelt er, was Gott beschert. Was helfen uns die Sorgen, die uns plagen? Und ist es recht, den Schöpfer anzuklagen, Der, was er macht , aus weisen Gründen thut? O! bcßer ists, den Gram durch Hoffnung stillen! Beruhigung in Gottes Rath und Willen Erhebt des Christen Herz und Muth. Gott, unser Gott, hat mehr als einen Seegen: Ihm dient, die Welt mit Wolthun zu verpflegen, Eis, Sturm und Schnee, Lust, Waßcr, Sonn und Wind. So glaub ich auch, daß, Gaben zu bereiten, Zerrüttungen bey unsern Jahreszeiten In seiner Hand ein Seegen sind. O! seht, es kommt der holde Frühling wieder: Schon schmilzt der Schnee von unsern Bergen nieder: Uns drückt nicht mehr des langen Winters Joch. Bald wird der May in vollem Glänze prangen. Ihr Armen, wischt die Thränen von den Wangen: Gott, aller Vater, liebt euch noch. 5 » Der dießjährige May. 178s. 2öol selten nur Sah man den Reichthum der Natur So glänzend, als er dieses Jahr Im schönen Maye war. Jüngst drückte noch Die Welt des Winters, eisern Joch. Mich kömmt noch immer, denk ich dran, Ein kalter Schauer an. Zwar dicsesma! Kam spät der wärmre Sonnenstral. Doch wirkt sein Einfluß weit und breit Der Länder Fruchtbarkeit. Des Mayes Glanz Erfüllet Aller Wünsche ganz, Und stellet für das spätre Jahr Die schönste Hoffnung dar. O! wie erwacht Der Frühlingssänger Lied mit Macht! Der Schmelz der bunten Wiesen glüht, Und Baum und Hecke blüht. Gras, Korn und Most, Des Viehes und der Menschen Kost, Verspricht der May im Ueberfluß, Zum fröhlichen Genuß. Das, was wir sehn, Ist nicht von ohngefähr geschehn. Der gads, der seine Kinder liebt, Und alles Gute giebt. Ihm danke man, So gut es Menschcnschwachheit kann. Gott hat uns, Er, der unser denkt, Den schönsten May geschenkt. Der May entweicht, Und hat bereits sein Ziel erreicht. Doch Gottes Huld, die ihn verlieh, Weicht von den Seinen nie. Den z i sten May. Caroline und Leopold, zwey unvergeßliche Beyspiele der GroSmuth und Menschenliebe. I. ^ Fürstin, deren Herz voll Güte, Voll sanfter Menschenliebe war/ Schon in des Lebens schönster Blüte/ Traf dich der Sterblichkeit Gefahr! (s) Zu früh wardst du der Welt cntrißcn! Ach! der Gedanke / dich zn misten / Stellt sich mir unter Thränen dar. Beym äußern Glanz der Fürstcnwürde / Der vor der Welt dich hier umgab/ Empfandst du zwar des Lebens Bürde/ Und sankst voll Leidens in das Grab. Doch legtest du / bey allen Schmerzen / Von Furcht des Herrn in deinem Herzen Auch vor der Welt manch Zeugniß ab. (») Die Hochselige §ra« Herzogin, Caroline, von Curland, eine gc- bohrne Prinzeßin von Waldeck, starb, nach wiederholten Anfällen einer schmerzhaften Krankheit, zu Llon rexos bey Losanne, Sonntags den i 8 tcn August 17s-, da sie nur 34 Jahre und 4 Tage im Leben zugebracht hatte. Geliebt von jedermann im Leben, Im Tod von jedermann beweint! (b) Wenn, diesen Lobsprnch dir;u geben, Sich aller Urtheil hier vereint: So wird, wie groß dein Werth gewesen, Einst auch die späte Nachwelt lesen. Dein Ruhm wird nimmermehr verneint. Ich sah die Gruft in Gottes Tempel, Wo deines Leichnams Asche ruht, (o) Und las im Marmor dein Exempel, Und deines Lebens Edclmuth. Da sprach ich: Heil sey deinem Schlummer l Heil dir! Es war im Leidenskummcr Dein Leben schön, dein Ende gut. (b) Ihre Grabschrift sagt von ihr mit Wahrheit: LObll 0MNL8 VIVLNDLM LKILLLND, VLXLKL8LN1U« : klOKI-DLW I.VKLNI'. .. VLZIDLKLNI-. Wie sehr sie diesen Lobspruch verdienet habe, hat Herr Pros. Werners von Göttingen, der eben am Tage ihrer Beysctzung zu Losanne war, in seinen Briefen über die Schweiz umständlich angemerket. (e) Der hochscl. Frau Herzogin Grabmaal ist im Chor der Cathedral Kirche zu Losanne befindlich, und von schwarzem Marmor, in Gestalt eines Altars, erbauet, auf dessen vordem Seite man die oben zum Theil angeführte Grabschrift in goldnen Buchstaben liest. e-SQSS- ;4 II, ^ch sah es jüngst, der großen Fürstin Grab, Und was das Marmormaal von ihr zu lesen gab r Und eine Thräne sauf herab. Auch was der Held aus alter Welsen Stamm, Der tapfre Leopold, großmüthig unternahm, Der, leider! dann ums Leben kam: (s) Da las ich jüngst bewundernd, und ein Ach! Drang aus beklemmter Brust, mtt einem Thränenbach, Dem großen Menschenfreunde nach. Sein Edelinuth empfand der Brüdex Noth; Er trotzte der Gefahr, mit der die Oder droht, Und fand in der Gefahr den Tod, Es stürzete sein leichter Nachen um, Und Er ertrank! und so ward seines Nahmens Ruhm Der Ewigkeiten Hejligthum. ('s) Groß und ruhmvoll war die That des unsterblichen Prinzen, Maximilian Julius Leopold, von Braunschwcig, der am rysten April 178;, bey entstand»» Ucbcrschwemmung, um Nothleidenden zu helfen, sich ist die Oder wagte, und darüber ein unglückliches Opfer der GroSniuch und -Menschenliebe wurde. Unvergeßlich und heilig bleibt der Welt sein Beyspiel. Er ist nicht mehr, und alles weint um Ihn, Die Nymphe Viadrus, und Frankfurt und Berlin, Und Braunschweig und der Held Schwerin. 0) Ruhmvoller hat Ihn seine That gemacht, Als hatten Ihn im Kampf der lorbecrreichen Schlacht Des Krieges Donner umgebracht. Wer sich, wie Er, für andrer Wol verzehrt, Und Menschennutzbarkcit durch eignes Beyspiel lehrt, Ist aller Menschen Thränen werth. Die Nachwelt bleibt dem Edeln dankbar-hold, Und ihrer Enkel Lob, erhabner Thaten Sold, Verdient der theure Leopold. O) Dieser Umstand beziehet sich auf das vormalige gräflich Schwerinische Regiment, das dem Herzog Leopold zugetheilt worden war. » ?6 III. ^aß in schäumenden Wellen Oder und Elbe sich jüngst ergoß, Und das Vieh samt den Ställen Fern in die Wogen des Meeres floß: O! wen hat nicht das Bange Dieses betäubenden Rufs erschreckt, Der den Augen, noch lange, Thränen erweckt! Ach! dort rißcn die Fluchen Männer und Weiber und Kinder fort: Menschliche Herzen bluten Lange noch um die Vcrlohrnen dort, Und in einsamer Klage Stöhnet aus schluchzender Brust der Schmerz. Ihre traurige Lage Geht mir durchs Herz. Allgemeines Bcdauren Klagt hier den Welfischen Fürstcnsohn: Wolvcrdientes Bctrauren Bleibt seiner herrlichen Thaten Lohn. Mit beherztem Entschlüsse Setzt Ihn sein Mitleid der Oder blos, Und sein Tod in dem Flusse Macht Ihn, wie gros l. Wcnn je biederer Männer Urtheil ein wahres Verdienst erhob, Hier krönt jeglicher Kenner Leopolds edelste That mit Lob. Ach! der Menschenfreund wäre Menschen noch nützlich gewesen, ach! Aller Redlichen Zähre Weinet Ihm nach. * §8 IV. 2bcint, ihr Menschen! Klagt den Frommen! Kläglich ist er umgekommen, Der, bey aller Selbstgefahr, Gern ein Menschenretter war. Von des Oderstroms Gestade Sah der Held des Todes Pfade! Menschen litten! Sein Verstand Sann auf Thaten edler Triebe, Die sein Herz voll Menschenliebe In der Armen Hülfe fand. Sehnsucht, Menschen zu beglücken, Trug Ihn, auf der Wellen Rücken, Schon zur großen Heldenthat, Die nicht ihres gleichen hat. Seufzer ächzten Ihm entgegen, Und Ihm folgten Wunsch und Seegen. Alle zagten: Er nur nicht. Beym Gefühl, mit seinen Gaben Fremder Noth gedient zu haben, Blieb sein Herz voll Zuversicht. Fast war sein Bemühn gelungen, Als, vom Strome schnell verschlungen, Der erhabne Fürst entschlief, Den nun Gott gen Himmel rief. 59 Beyfall lies sich aus den Chören Der verklärten Seelen hören, Da der Held so glorreich starb, Und sich, über Erdcnthronen, Anspruch auf des Himmels Kronen Durch den schönsten Tod erwarb. Eingedenk des tapfern Helden, Wird einst die Geschichte melden, Wie Er, thätig bis ans Grab, Sich der Welt zum Beyspiel gab; Welcher Seligkeit auf Erden In erleichterten Beschwerden Wonnevoll sein Geist genoß; Und wie Er, bemüht, sein Leben Menschen liebend hinzugeben, Ruhmreich seinen Lauf beschloß. Leopold, der Menschheit Ehre, Und der Deutschen Stolz und Lehre, Schlummert jezt voll Heldenruhm In der Ahnen Hciligthum. Bey den traurigen Cypreßcn Bleibt die Tugend unvergeßen, Die Ihn in den Himmel hob. Auch vor späten Enkelsöhncn Seiner Thaten Werth zu krönen, Singt die Zukunft noch sein Lob. So k! Auf den Französischen Flnanzminister, Herrn Necker. ' l 7 8 5. ^asi Ncckern seine kluge Schriften Ein unvergeßlich Denkmaal stiften, Ihm, der mit forschendem Verstand Ein tugendhaftes Herz verband: Das muß jczt Ludwigs Hof gestehen, Und einst bereut er sein Versehen, Daß er den großen Mann befas, Und deßcn Werth so bald vergas. Der Nachwelt Mund wird einst den Weifen Mit wol verdientem Danke preisen, Wenn sie das Gute, das er rieth, Noch aus den besten Folgen sieht. Ihn wird der spätste Beyfall krönen, Den aber Frankreichs Tadel höhnen, Der, was ihm Neckers Beyspiel wies, Sich nicht zum Grundsatz dienen lies. Daß nun für seiner Sorgen Mühe Sein Ruhm in den Geschichten blühe, Das wünscht und hofft und will die Welt, Und jeder, der auf Tugend hält. 6l Genoß er sonst, auf steilem Pfade, Beym Neid des Hofs, des Königs Gnade, So fällt ihm nun des Lebens Ruh O) Und aller Menschen Achtung zu. (s) Wie wenig er aber dieser Ruhe genasen habe, beweiset die neuere Geschichte, die seinen Ruhm in vollerm Glänze zeigt. Auf das traurige Ende der beyden Luftschiffer, kllatte ciu kdo^ier und Komain. ^)ilatre, welch ein klägliches Geschick Raubt dich der Welt im Augenblick, Da dein erhabner Geist auf große Thaten dachte, Wodurch ein Blanchard sich bereits unsterblich machte! Dich hob, wie ihn, durchs weite Wolkenthor Des Luftballs kühner Flug empor. Schon sahst du Englands Thürne blinken, Schon Beyfall dir und Ruhm entgegen winken. Ach! plötzlich fieng dein Fahrzeug an zu sinken! Du sankst mit ihm herab, Und fandst im Fall dein noch zu frühes Grab. Es starb zugleich an deiner Seite Dein Freund Romän, der das Geleite Dir auf der Fahrt, so wie im Tode, gab. (f) (ck) Das Unglück trug sich zu Lologne den i;ten Jpn. 17g; zu, da beyde mit einander in einem Aerostat nach England übersetzen wollten. 6 ; Vermischte Aufsätze. Der Frühling. - ^cr Frühling kömmt. Ihm wehen sanftrc Lüfte; Der Schnee vergießt durch Felder, Wald und Grüfte; Es öffnet sich der Erde Muttcrschos. Schon zeigt der Lenz des Grases junge Spitzen; Die Hecke treibt; die Pappclwciden schwitzen Balsamischen Geruch aus ihren Keimen los. Der Frühling lacht. Ihm heitert sich die Sonne; Der Nebel weicht verklärter Triften Wonne; Und prachtvoll steht die neue Schöpfung da. Iezt fühlt das Land den Einguß milder Wärme; Schon regen sich die muntern Bienenschwärme: Die Kost ist aufgezehrt; die Samlungszeit ist nah. Der Frühling grünt. Der Bäume Knospen brechen; Ein neues Laub beginnt hervorzustechen; Die Wiesen schmückt ein angcnstärkend Grün. Es läßt sich schon im stillen Hain der Buchen, Am frischen Quell, im Busch, der Schlummer suchen, Wo nebst dem Schiebendem des Obstbaums Zweige blühn. 64 Der Frühling glänzt. In Gärten und in Feldern, In jeder Flur, in schattenreichen Wäldern, Ist jedes Gras / ist jeder Zweig beblümt, Dort/ wo sich Pracht in tausend Farben schildert/ Gerüche streut/ und sich durch Mischung mildert/ Und durch ein stilles Lob des Schöpfers Güte rühmt. Der Frühling lockt. Auf! zu den Blumengängen / Wo Silberblüt/ Iesmin und Rosen hängen/ Und ihr Geruch die ganze Luft durchwürzt. Geh/ setze dich im offnen Blumengarten Zum Fus des Baums / wo Freuden deiner warten / Dort / wo der reine Bach durch glatte Kiesel stürzt. Der Frühling wirkt. Durch frische Lebenssäfte Von ihm erweckt/ fühlt alles neue Kräfte. Ihn fühlt das Thier / das auf der Weide fpringt; Der Mensch/ der frey der Welt als Herr genießet; Das Schuppenvolk/ das durch die Wellen fließet/ Und was auf Fittigen sich durch die Lüfte schwingt. Der Frühling stärkt. Die Himmel strahlen Heller; Der Körper Blut und Säfte laufen schneller; Die Wonne lacht aus jedem Angesicht. Des Lenzes Wink belebet alles wieder/ Und ströhmet Kraft und Balsam durch die Glieder. Wer fühlt die Würknngen von feinem Einfluß nicht? Der Der Frühling thaut. Sieh / wie des Tages Stralen Sich dort im Gras auf hellen Tropfen malen, Und wie vom Thau sich jedes Blat erfrischt: Mit welchem Trieb die Pflanzen muntrer sproßen, Seit dem die Kraft sich über sie ergoßen, Die Wurzel, Stamm und Zweig mit Fruchtbarkeit durchmischt. Der Frühling tönt. Iezt laßt in vollen Chören Die Nachtigall der Stimme Wolklang hören: Sie schlägt voll Feur; ihr Zauberlicd gefällt. Wenn ihr Gefang an Waßerbächen klinget, Wo dann fo schön kein andrer Vogel singet, Wer zweifelt wol daran, daß sie den Preis erhält? Der Frühling flieht. O! schmückt euch bald mit Kränzen. Iezt könnt ihrs thun, weil noch die Rosen glänzen: Noch ist es Zeit; ihr eilet nicht zu sehr. Wann, und wie bald! die Blumen sich entfärben, Und von dem Stral des heißen Tages sterben, Dann ists, o dann! zu spät: der Frühling ist nicht mehr. E 66 Der May. ^er May begrüßt das Jahr aufs neue: Ihm lächelt die beblümte Flur, Und seines milden Seegens Spur Will, daß sich jedes Herz erfreue. Der May belebt die Erde wieder: Auf! opfert Dank und singet Lieder Dem Herrn und Schöpfer der Natur. Zephire hetzen an den Bächen Der Schmetterlinge bunte Schar: Im Felde, das fönst einsam war, Hört man der Vögel Freude sprechen. Die silberfarbne Mayenblume Stellt dir, du holder May, zum Ruhme Die offnen Glöckchen wieder dar. Gerüche duften jede Lauben, Bekränzt von Geißblat und Iesmin, Und der Begeistrung Stifterin, Lyäens Pflanze, blüht zu Trauben. Die Wälder sieht man sich mit Schatten, Das Land mit Schmuck, mit Pracht die Matten, Vom May befruchtet, überziehn. 67 Mit Farben mancher Art durchstreifet Glänzt aus dem offnen Knospenthor Der Keim des Obstes stolz hervor/ Das in dem spätern Herbste reifet. Der May in feinem Feyerkleide Hebt sich mit prächtigem Geschmeide Von jedem Gartenbeet empor. Die unbewölkte Morgenfonne/ Die / da sie freudenvoll erwacht / Den schönen May noch schöner macht / Krönt jeden Maytag froh mit Wonne. Den Schweis vom heißen Angeflehte Kühlt dann/ beym grauen Mondenlichte/ Die stille Dämmerung der Nacht. Wann dann der Wolken volle Quellen Mit Fruchtbarkeit das Land bcthaun/ Und die den Acker mühsam bau»/ Die Pflugschar in das Troknc stellen: Dann wird von schwarzen Finsternißen Der andre Morgen nichts mehr wißen, Und seinen Tag viel Heller schaun. O! welche Klarheit! welch Entzücken Strömt durch die heitre Mayenluft! Wie lieblich dort die Amsel ruft! Wie festlich sich die Auen schmücken! e a 68 Der May, um den Gerüche fließen, Heist uns das Leben froh genießen, Und athmet süßen Blumenduft. In wunderschöne Maygesänge Tönt aus der kleinen Nachtigall Der dichterischen Stimme Schall: Nie fand die Tonkunst sanftre Klänge. Der Ausdruck ihrer Melodeyen, Dem alle Hörer Beyfall weyhcn, Gefällt auch noch im Wiederhall. An Armuth reich, an Gaben milde , Macht aus der ödsten Wüsteney Das Kind der Grazien, der May, Ein paradiesisches Gefilde. Ihm blökt der muntern Lämmer Heerde; Ihm singt die Luft; ihm jauchzt die Erde Ihm klopfet jeder Busen frey. Gewünschter May! aus Busch und Hecken Hauchst du Vergnügen in die Brust. O! laß mich, keines Leids bewust, Die Fülle deiner Gaben schmecken. Kein Sturm aus finstern Donnergrüften Begegne deinen heitern Lüften; Kein Unfall störe deine Lust. S) Der Sommer. ^er Sommer kömmt. Iezt ruft vom frühsten Morgen Des Tages Licht;ur Uebung langer Sorgen, Und schneller fleucht die kurze Frist der Nacht: Die Sonne streut die kleinsten Mittagsschatten; Den Pflanzen kömmt erst kühler Thau zu statten, Wenn spät in seiner Bahn der volle Mond erwacht. Der Sommer glüht. Die Hitze jener Zonen, Wo fern im Süd die braunen Tastern wohnen, Ergießt sich nun in unsern Himmelsstrich: Dagegen stürmt, mit drohendem Verwüsten, Des Winters Macht an ihren öden Küsten, Seit dem der nahe Stral der Sonne dort entwich. Der Sommer dörrt durch seiner Stunden Menge Das weite Feld mit sonst gewohnter Strenge, Und sengt beym Fleis den muntern Landmann braun. Indeßen schweigt, so lang der Acker schwület, Und bis der Täg sich durch den Abend kühlet, Der trägen Vögcl Lied auf Zweigen und im Zaun. Der Sommer reift im Schwall der goldnen Aehrcn, Davon sich einst die Menschenkinder nähren; Den Schnitter ruft die Erntezeit herbey. 70 Schon welkt das Heu, gemäht, für leere Schemen, Und später hm wird sichs im Grumt erneuren, Dainit der Wiesenbau gedoppelt nutzbar sey. Der Sommer färbt des Obstes grüne Wangen, Die dort am Ast des hohen Baumes prangen , Wo Rothe sich durch ihre Rundung streift. Schon reizt den Mund das Mark der vollen Kirsche, Und der Geschmack des Apfels und der Pfirsche, Nach deren Zcitigung bald jeder durstig greift. Der Sommer ruft von schwerer Müh die Matten Zum frischen Quell, in kühler Büsche Schatten, Wo süßer Schlaf ihr Angesicht erfrischt, So bald dem Durst, nach alter Einfalt Weife, Der Bach den Trank, und Mäsigkeit die Speise, Auf Kostest der Natur, dem Hunger aufgetischt. Der Sommer lockt den Schwimmer jezt zum Bade, Wo kühlend ihm die dienende Najade Im offnen Fluß die heißen Hüften netzt, Und wo der Strohm, auf dem er ruhig fließet, Erfrischungen um seine Lenden gießet, Und die geschwächte Kraft durch Stärkung ihm ersetzt. Der Sommer raubt das Wollenkleid der Schafe, Und Molthat ists, für Heerdcn keine Strafe, Wenn ihnen dann die Last der Decke fehlt, 7 » - - ——- Daraus der Mensch Gewinn und Nutzung ziehet, Und, wann das Jahr mit seiner Wärme stiehct, Sich warmen Wintcrstoff zu seiner Hülle wählt. Der Sommer deckt mit Wallungen von Schweiße, Im Sonnenschein, bey harter Arbeit Fleiße, Der Mäher Stirn, der Schnitter Angesicht. Ruhm ists für sie, durch mühevolles Leben Belohnungen vpm Felde zu erstreben r Wer diesen Ruhm verkennt, o! billig denkt der nicht. Der Sommer zeugt auch manchmal trübe Tage, Und schreckt und kracht im rauhen Donncrschlage, So daß das Land vom Wink des Herrn erbebt: Und glücklich noch, wenn von des Regens Quellen Die Ströhme nicht bis zum Verheeren schwellen, Und kein? Iammcrsiuth das weite Feld umschwebt. Der Sommer gießt Geruch, nebst süßen Säften, Und muntern Glanz, mit vollen Stärkungskräftcn, In jedes Obst, auf jeden Baum und Strauch. Der Garten hat vergeblich nicht geblnhet: Die Vorsicht war um unser Glück bemühet. Was sie der Welt versprach, gewährt und giebt sie auch. Der Sommer nährt das Jahr durch milde Garben: Nun wird d?r Mensch nicht unzufrieden darben. Der Himmel denkt im Secgen noch an ihn. 72 Wer siehet nicht mit Lust und Wohlgefallen Das Aehrenmeer in jenen Fluren wallen? O! laßt die schwarze Furcht aus eurem Busen flieh». Der Sommer schwellt des Weinstocks junge Trauben, Davon der Most sich einst in Sommerlauben, Beym frohen Mahl in Freudenbecher stürzt, Den Harm verjagt, die Sorgen fliehen heißet, Und dann das Herz des Kummers Qual entreißet, Und durch Vertraulichkeit den Raum der Zeit verkürzt. Der Sommer flieht. Zwar fließt die Luft noch heiter: Doch rückt der Lauf der Sonne täglich weiter, Und hat den Tag der Nacht schon gleich getheilt. Bald wird das Laub der Baume sich entfärben, Und dann die Kraft des spätern Jahres sterben, Das immer mehr und mehr zum letzter» Auftrit eilt. Die Heuernte. lustig, ihr Mäher! der Hcufchnitt geht an: Schärfet der rostigen Senfe den Zahn. Frifch an die Arbeit! der Morgen winkt fchon. Auf! und verdienet den rühmlichen Lohn. Heiß ist der Tag, und die Sonne wirkt stark. Streben und Schwitzen verzehren das Mark. Aber ein kühlender Trunk dort im Thal Stärkt euch die Kräfte beym ruhigen Mahl. Seht ihr die Schatten am riefelnden Quell? Still ist die Dämrung; das Waßcr ist hell. Ladet euch jene zu Schlummer und Ruh: Dieses dann ströhmt euch Erquickungcn zu. Hurtig, die Arme zur Arbeit gestreckt! Eh sich der Himmel mit Regen bedeckt. Dank ists, froh nehmen, was Gott uns beschert: Trägheit ist keiner Zufriedenheit werth. Auf denn, und übet die mühsame Pflicht! Findet ihr Vögelchen, würget sie nicht: Läßet zu Herzen die Unschuld euch gehn. Höret voll Mittleids der Girrenden Flehn. 74 Wol euch, ihr Mäher! Ihr habt es vollbracht Schmeckt nun das fuße Vergnügen der Nacht. Morgen, wanns taget, ruft lachendes Glück Euch auf die nacketen Wiesen zurück. Nehmt dann die zackigten Rechen zur Hand; Häufelt das Heu, es ist trocken, aufs Land. Hebt es auf Gabeln zum Wagen empor; Schirret die muthigcn Roße davor. Hört ihr das wiehernde Freudengefchrcy? Wie sie sich drängen! Sie stürzen herbey, Ziehen zur Scheuer die Beute voll Muth, Schütteln die Mähnen: das Futter ist gut. Füllt nun die Raufen', und gebet dem Vieh, Was ihm zur Nahrung sein Schöpfer verlieh. Blumigte Fluren, ihr stehet nicht leer: Schafft es der Himmel, so bringt ihr noch mehr. heiße Feld ruft jezt das reiche Gold der Saaten Den Schnitter und die Sichel hin. Die Aehre, schwer von Korn, wird Kraft und Heil der Stattn, Und ihrer Bürger Nährcrin. Der Halmen volles Haupt rauscht segnend im Gefilde, Und sinket unter seiner Last, Und rühmt des Schöpfers Huld , der mit gewohnter Milde Sein darbendes Geschöpf umfaßt. Was ist der Menschen Fleis, wenn» seiner Rinder Menge Den Pfiug durch tiefe Furchen führt; Wenn bey des Tages Drang und Key der Arbeit Strenge Sein Her; der Zukunft Mangel rührt? Was ist es, wenn das Feld, von seiner Hand bereitet, Des Saamens Auswurf offen steht, Und dann mir trägem Schritt, ins Dreyeck ausgebreitet, Der Egge Zahn darüber geht? Wer aber windet nun, tief aus des Ackers Grabe, Des Saatkorns Keime wirksam los? Weß ist des Regens Kraft, der Sonnenstralen Gabe? Wer deckt mit Grün der Auen Schos? 7ä —--LLM------- Wer hebet jezt das Gras? stärkt seinen Halm durch Knoten? Geußt in die Aehren Mark und Saft? Wer hat des Mehlthaus Gift, mit mächtigen Geboten, Wer Wurm und Brand hinweggeschafft? Der hoch im Himmel herrscht und auf das Niedre schauet, Hies unsre Fluren fruchtbar seyn, Und gab zu jeder Müh, wodurch das Land sich bauet, Wind, Sonne, Regen und Gedeyn. Ihm, deßen Vatcrhuld uns, seine Kinder, nähret, Rauscht jede Garbe Dank und Lob. Der Fruchthalm preiset Ihn, der seinen Ruhm verkläret, Und auf sein mächtig Wort sich hob. Ihn lobet jedes Korn, das von der Drescher Schlägen Aus seinen trocknen Hülsen springt: Und jeder satte Mund jauchzt ihm den Preis entgegen, Der sich dem Herrn zum Opfer bringt. O! kommt und nehmt mit Dank, was euch der Himmel schenket, Und was der beste Vater giebt. Erkennt und gesteht, daß Gott an euch gedenket, Und herzlich seine Menschen liebt. Dient euch des Brodes Kraft zur Stärkung und zur Speise, Denkt an den Schöpfer, ders euch gab, Und stattet ihm dafür, zum wol verdienten Preise, Das Opfer frommer Ehrfurcht ab. O! Frevel, Schande wars, der Wolthat zu vergehen, Die von des Höchsten Güte stammt. Für Gott, der uns den Kelch der Freude zugemeßen, Sey jedes Herz zum Dank entflammt. Der Sommer morgen. -^er angenehmste Sommermorgen Erwecket die entschlafne Welt, Und in der Finsterniße Zelt Entflicht die Nacht mit ihren Sorgen. Der Mond streut immer schwächre Stralen: Der Sternenkörper Schein verlischt; Aurore geußt des Thaues Schalen, Und hat die Dunkelheit vom Himmel weggewischt. Das güldne Licht der heitern Sonne Erneuert freudig seinen Lauf. Die Erde klärt sich wieder auf, Und fühlt den Einfluß neuer Wonne. Den, der auf weichen Polsterküßen Den schönen Morgen träg verträumt, Wird jeder Muntre tadeln müßen, Indem er als ein Thor des Lebens Glück versäumt. Schon funkelt aus erfrischtem Grase Im Thau Smaragd, Saphir und Gold. Der Morgen ist dem Fleiße hold, Und säet Heil auf deßen Strafe. Die Lüfte wehn auf ihren Flügeln Gesunde Kühlung in das Blut. 79 _ Dann jauchzt im Thal und ströint von Hügeln. Gefühl von Fröhlichkeit und ungezwungner Muth« Die Lerche trägt auf kühnen Schwingen Ihr Morgenopfcr hoch empor/ Und des erfreuten Wandrers Ohe Hört sie aus weiter Ferne singen» Von Stimmen Heller Morgenlieder Schallt jeder Bufch, tönt jede Flur, Und aus den Hainen hallt er wieder, Der frühe Wettgefang der frohen Creatur. Der Dank entzückt am jungen Tage Der frühgeweckten Vögel Brust, Und aus den Saaten ruft mit Lust. Der Schall vom hellen Wachtelfchlage. Ein Heer von bunten Morgensängern Schlüpft in den Lauben hin und her, Und macht auch düstern Grillenfängern Des Lebens Ueberdruß und Kummer minder schwer. Wie wimmclts in den weiten Auen, Wo, durch den Morgenstral geweckt, Sich jeder Arm zur Arbeit streckt, Von Menschen, die die Felder bauen! Der ziehet Furchen durch den Acker; Der mäht das Heu: der schwizt beym Schnitt: 8o 'Einund jeder hält dabey sich wacker, Und bringet Arbeitsfleis von seinem Lager mit. Der Hirt im leichten Morgenkleide Kennt seine Pflicht und übet sie, Und treibt das ihm befohlne Vieh Mit Tages Anbruch auf die Weide. Dort läßt er Rinder, Böck und Schafe Am Erlenbache ruhig gehn: Bey seinem leichten Morgenschlafe Weiß Hindors Wachsamkeit der Heerde vorzustehn. Die Erde wird jezt wieder munter, Und ligt im schönsten Schmuck vor mir: Schon stralt das Sonnenliecht zu ihr In voller Herrlichkeit herunter. Die dunkeln Wälder sind enthüllet, Die Thäler selbst von Dämrung frey. Mit Klarheit ist das Land erfüllet, Daß seine ganze Pracht dem Auge sichtbar sey. Die arbeitsame Schar der Bienen Beschäftigt sich im Blumenthal, Mit Honig von der besten Wahl Des Landes Tafeln zu bedienen. Der Klee reicht seine besten Säfte In ihr entblöstes Vorrathshaus, Und 8i Und gießet süße Nahrungskräfte In jedes leere Fach des weiten Stockes aus. Das hieße wol, sich selber strafen, Bey allgemeiner Munterkeit, In weicher Unentschloßenheit Den Sommermorgen zu verschlafen, Und schimpflich wär es,, hier verdroßen Zu muntrer Thätigkeit zu seyn, Und Gott, der Licht auf uns gegoßen, Des Herzens regen Dank nicht freudenvoll zu weyhn. Auf! Seele nimm des Dankes Psalters Verherrliche mit Lob den Herrn. Denn seine Huld ist niemals fern : Auch dasmal war Er dein Erhalter. Noch rettet Er von allem Kummer. Sing ihm dafür dein brünstig Lied, Bis einst mein Aug im Todesschlummer Der Morgensonne Glanz vom Grabe nicht mehr sieht. F »2 Der Sommerabend. er letzte Stral der hingesunkncn Sonne Wird schon vom Berg versteckt. Nun liegt das Land mit aller seiner Wonne In Schatten hingestreckt. Hoch an der Alpen Spitze, Dort in der Adler Sitze/ Wird ferne nur des Tages Rest entdeckt. Auch der ist hin: Das Licht ist ganz verschwunden. Der Tag beschließt den Lauf. Es führt die Nacht die dunkeln Abendstunden Am Horizont herauf. Die täglichen Geschäfte Erheischen neue Kräfte. Die heiße Müh des Feldes hört nun auf. Dort kömmt das Vieh vom Ackerlande wieder/ Und schleichet matt zum Stall. Der Schweiß bedeckt des Schnitters müde Glieder: Es schweigt der Freude Schall / Und von der Vögcl Chören Läßt sich kein Laut mehr hören Nicht hier im Hain/ noch dort am Waßerfall. Die Fledermaus, die Tag und Sonne scheuet, Durchschwirrt die finstre Luft. Der wilde Wolf, der sich des Raubes freuet, Eilt zu der dunkeln Gruft. Indeß durchsüßt die Linde Die kühlen Abendwinde Mit Lieblichkeit, durch ihrer Blüten Duft. Der heiße Tag dampft noch von allen Saßen, Und glühet bis zur Nacht, Wo den alsdannn des Schlafes Arme faßen, Der froh sein Werk vollbracht, Bis ungestört von Kummer, Erquickt durch sanften Schlummer, Sein Leib, gestärkt, zu neuem Fleis erwacht. Was funckelt dort aus den bestaubten Hecken? Was ists für ein Gesicht? Ein kleiner Wurm regt seine Flügeldecken, Und schimmert, als ein Licht. An glänzenden Phosphoren, Und hellen Meteoren, Lchlts unsrer Welt in Sommernächten nicht. Ein fetter Dampf wird hier zum hellen Feuer, Das aus dem Sumpft flicht. Das Vorurthcil wähnt furchtsam Abentheuer, Indem es dieses sieht. 84 -- ----- O! Wandrer trit zurücke, Weil dieses Schimmers Tücke' Dich sonst getäuscht in feuchte Tiefen zieht. Die reinste Luft enthüllt den Glanz der Sterne Am hohen Firmament, Wo jeglicher in ungemeßner Ferne Von eignem Feuer brennt. Der Schöpfer, der sie zählet Und jedes Stand gcwählet, Der ists allein, der ihre Menge kennt. Vom Abend her entzünden sich die Höhen In Heller Blitze Glut, Und jenen Wald, wo dichte Tannen stehen, Durchströmt der Stralen Flut. Schon stört die Hitze minder Das Volk der Menschenkinder, Das jezo still auf seinem Lager ruht. Laßt immerhin die lichten Feuerballen, Von schwerem Dunst durchwebt, Auf Haus und Baum, auf Thurn und Scheuern fallen, Die keine Noth umschwebt. Kein Brand von Ungewittern Wird euch die Ruh verbittern, Da sich die Brust nur freyer athmend hebt. Iezt drehet sich des Mondes Silberschimmer In Sichelform vorbey, Damit die Nacht in Dunkelheit nicht immer Wie eingefchloßen sey. Von brauner Schatten Flügel Enthüllt sich Feld und Hügel/ Und ihre Stirn liegt vor dem Auge frey. Bald wird der Schweis der Wangen wieder quellen: Der muntre Hahn kräht schon. Aurore ruft: es eilen aus den Ställen Die Roße froh davon. Erweckter Vögcl Lieder Erschallen muthig wieder. Iezt ist die Nacht vom Himmel weggcffohn. 86 Der Herbst. ^er Herbst erscheint mit schrägem Sonncnblicken, Das heiße Land aufs neue zu erquicken; Und Tag und Nacht sind jezt sich wieder gleich. Bald reifet nun, was von der spätern Ernte Um etwas sich zur Zeitigung entfernte: Und dann wird jede Flur von: Seegen Gottes reich. Der Herbst lacht schon im reifen Obst am Baume» Im Feigcnstock, im Apfel, in der Pflaume Beut mancher Saft sich zur Erfrischung an. Von Busch und Strauch, vom Wald und von dem Garten, Läßt sich Geschmack und Sättigung erwarten, Wo sonst die Augen froh den Schmuck der Blüten sahn. Der Herbst enthüllt die hart gewordnen Decken, In welche sich, soll man den Kern einst schmecken, Die Kästenfrucht und Nuß zusammen drängt. Der Meyerhof ist schon zum Sammeln munter: Man schlägt sie ab; hoch praßcln sie herunter. Seht, wie an jedem Baum nur falbes Laub noch hängt. Der Herbst bemahlt mit Gold die Frucht der Reben, Und zeitigt sie zur Stärkung und zum Leben Für den, der sie mit Mäsigkcit genießt. 87 Zorn, Weh und Tod quillt aus dem Marck der Trauben, Wenn Zecher sich;u viel dabey erlauben, Und bey dem Freudemnahl zu viele Zeit verfließt. Der Herbst gebeut: der Schatz vorn Rebgeländc Beschäftigt jezt des frohen Winzers Hände. Der Stock ist leer; die schwere Kelter klirrt. Schon strömt der Most aus plat gedrückten Beeren, Durch Gährung einst in Wein sich zu verkehren, Der manchen Schwachen stärkt, und manchen Kopf verwirrt. Der Herbst beginnt der Hitze Drang zu mindern, Die sonst beym Fleis den armen Menschenkindern Zur Sommerzeit so oft beschwerlich war. Sonst floß der Tag vom Stral der Sonne schwüler: Jezt nimt er ab; die Kürze macht ihn kühler, Und Nächte stellen sich in länger» Räumen dar. Der Herbst entlaubt der Wälder dunkle Gänge: Es schweigen schon die wechselnden Gesänge, Die man bisher aus Busch und Hain vernahm. Das scheue Reh, wie wird es jezt entkommen? O! Schutz und Laub sind ihm hinwcggcnommcn, Ihm, das sonst ohne Müh des Jägers Aug entkam. Der Herbst verscheucht der Gärten stolze Farben, Wo kürzlich noch die schönsten Blumen starben. Geruch und Reiz ist gänzlich nun dahin. 88 Hinweg sind sie, -er Blühzeit beste Gaben! Sonst konnten uns des Gartens Düfte laben: Iezt sieht man weiter nichts/ als welkes Laub/ darin. Der Herbst hat auch der Wiesen Schmuck verheeret: Ihr Blumcnglanz ist gänzlich weggezehret/ Seit dem das Grumt vom Schnit der Sichel fiel. Von magerm Gras sind schwach belebte Sproßen Nur hie nnd da / nur einzeln, aufgcschoßen. So fetzt die rauhe Luft dem fernern Wuchs ein Ziel, Der Herbst befielt den Flachs und Hanf zu raufen. Leer steht das Feld: dort liegt auf einem Haufen / Woraus die Kunst Gar»/ Strick und Leinwand spinnt. Bald schnurrt das Rad: bald drehet sich die Spule. Dann folgt der Fleis / der auf dem Wcberstule Den Fäden Symmetrie und Festigkeit ersinnt. Der Herbst bepflückt die hohen Hopfenstangen, Um welche sich die leichten Blumen schlangen/ Die man sodann mit Malz zum Tränke würzt / Bey dem so leicht des Trinkers Wange glühet/ Als wo der Wein am Rcbenstocke blühet/ Wenn beyderseits der Rausch aus vollen Flaschen stürzt. Der Herbst durchpflügt des Saatfelds breite Flachen/ Wo mit der Zeit sich Saat und Ernt' entsprechen/ lind wo der Keim zur Aehre wachsen soll. 8 - - -—--! Schon hat der Pflug das Saamenkorn bedecket: Bald kommt der Tag, da sichs in Halme strecket. Dann wird das Land vom Glück der Schnitter wonnevoll. Der feuchte Herbst erwecket Nebelhüllen, Die weite Flur mit Dünsten anzufüllen, Durch die man kaum die Gegenstände kennt. Bald ist es Nacht; bald wird es wieder heiter: Nun reichet schon der Augen Aussicht weiter. Die Dünste sind entflohn: die Nebel sind zertrennt. Der Herbst bedroht der Büsche kleine Sänger, Und übt die List erfahrner Vogelfänger, Die, leider! sich zu wol darauf versteh». Schon ist der Tod im Sprengel aufgestellet: Leicht wirkt die Kraft, die ihn zusammen schnellet. Hier werden wenige dem Untergang entgeh». Der Herbst bedeckt mit seiner Flockenfülle Der Berge Höhn: schon sinkt des Schnees Hülle Durch sanften Fall ins niedre Thal herab. Das Wetter wird mit jedem Tage trüber: Der Schnee nimt zu; die Kälte blast darüber. Nun schlummert die Natur: die Gegend wird ein Grab. Der Herbst hat schon des Winters Sturm gerufen. Bald trit das Jahr auf seine letzten Stufen: Kurz wird der Tag; die Nächte werden lang. Die Kälte schreckt mit fürchterlichem Schauer: Das öde Land steht rund umher in Trauer. Nun schweigt auf etwas Zeit der Ernten Lobgesang. Der Winter, ^er Winter kömmt mit schwer beschneyten Flügeln. Am Rebenberg, in Thälern und auf Hügeln Lacht, weit verbannt, nun keine Freude mehr. Aus finstrer Luft sinkt in gehäufter Menge, Mit leichtem Fall, in taumelndem Gedränge, Auf Wald und Feld und Flur ein kaltes Flockenhecr. Der Winter haucht durch die entlaubten Hecken Den starren Frost, des Nordwinds rauhe Schrecken: Die Pflanze stirbt vor seinem Fußtrit hin. Es schweigt vor ihm, des hohen Flugs entwöhnet, Die sonst so früh der Sonn' entgegen tönet, Die Lerche, Stumm ist nun die frohe Sängerin. Der Winter droht. Da fern im Mittagslande, Vorn schwülen Tag, an Congos heißem Strande, Das Mohrenvolk bey naher Sonne schwitzt: Tobt unter uns aus Lapplands offnen Thoren, Der scharfe Nord, und alles ist gefroren, Was nicht des Feuers Macht durch seinen Stral erhitzt. Der Winter heult mit fürchterlichem Brausen, Daß alles bebt; und wilde Stürme saußen Um jeden Baum, um Fenster, Wand und Dach. 9 Mit größrer Müh bewegt sich, was da lebet, Und jede Brust, die athmend sich erhebet, Empfindet mehr, als sonst, des Wetters Ungemach. Der Winter stählt des Waßers feuchte Flächen, Und zieht durch Frost den Flüßen und den Bächen Ein Kleid von Eis, gleich einem Harnisch, an. Wo Schiffe sonst und Fischernachen gehen, Da siehet man jezt Roß und Menschen stehen; Und schwärer Wagen Last rollt auf der Fähren Bahn. Der Winter glänzt im Reifen an dem Baume, In Haar und Bart, und an des Pferdes Zaume, Und überzieht der Ströme Lauf mit Glas. Er kann die Kunst, in tausendfachen Bildern Des Mundes Hauch an Fenstern auszuschildern: Und der gefallne Thau versteinert sich am Gras. Der Winter ruft des Jünglings Muth zum Schlitten: Ein andrer wählt mit abgemcßnen Schritten Den glatten Pfad auf der beeisten Fluch. Sieh, wie sein Fus die lange Bahn durchschreitet, Und wol geübt im Gleichgewichte gleitet, Und, wie es ihm beliebt, dann schwankt, dann wieder ruht. Der Winter lehrt, sogleich ain frühen Morgen Für Pelz und Schutz und gute Feurung sorgen, Womit uns Wild und Haus und Wald begabt. Wer würde sonst der Arbeit Müh ertragen, Genöß er nicht in kalten Wintcrtagcn, Was den erstarrten Leib und deßcn Glieder labt? Der Winter übt die Drescher auf den Tennen , Wo sie das Korn von seinen Hülsen trennen: Da schallt im Takt des harten Flegels Kraft. Theils wird die Frucht zur Aussaat ausgestreuet, Und theils davon des Menschen Herz erfreuet, Indem er Brod daraus zur Lebensnahrung schafft. Der Winter weckt zum stillen Hausgeschäfte Des Landes Flcis durch Willigkeit und Kräfte: Der pflegt den Stall, die milkt, und jene spinnt. Ums schnelle Rad schnurrt hier die leichte Spule: Dort reihen sich die Fäden auf dem Stule Zum Stoffe, welchen sich des Webers Kopf ersinnt. Der Winter nährt, damit sie ferner fließen, Und unversiegt in Bächen sich ergießen, Der Quellen Schatz durch hoher Berge Schnee. Dann quillt daher in trocknen Sommerzeiten, Um Feuchtigkeit und Nahrung zu verbreiten, Ein Bächlein, hier ein Fluß, und dort ein voller See. Der Winter fließt aus dem bcschneyten Thale, Bevm längern Tag, im mildern Sonncnstrale, Schon nach und nach in trüben Wellen ab. 94 Es thaut. Schon keimt das Gras der Wiesen wieder Bald hört der Hain die neu gestimmten Lieder, Die ihm die Nachtigall schon oft zu hören gab. Der Winter gränzt nah an des Frühlings Wonne, Wo laue Luft und eine wärmre Sonne Die Knospen treibt, sich duftend aufzuthun. Bald wird die Welt verjüngte Freuden schmecken: Bald wird kein Frost die Erde weiter decken. Der holde Lenz ist da. Weg ist der Winter nun. yz Josephs des Zweyten Reise durch die Schweiz im Julius 1777. ^er deutschen Fürsten Haupt zu sehen, Lies Jung und Alt jüngst sein Geschäfte stehen, Und staunete der Neugier Vorwurf am Wer glaubts, was doch die Augen wirklich sahn? Kein Mensch erblickte da den hohen Glanz der Kaiser r Nein! Joseph war ein Mensch nur/ und ein Weiser. OI sucht hier keine goldne Wagen; Sucht keinen Schmuck / den stolze Roße tragen: Kein Edelstein glänzt hier, kein goldnes Vlies, Das Falkcnstein dem Cäsar überlies. Erhabner Stand und Rang blieb bürgerlich verborgen: Sein Herz nur war voll königlicher Sorgen. Den Geist durch Wißenschaft zu nähren; Der Künstler Fleis durch Beyfall zu verklären; Zu Frankreichs Thron, zur SclMstcr, sich zu nahn; In Hütten auch, gleich gütig, wie Trajan, Des Patrioten Werth ermunternd zu erkennen: Das hies ihn sich von Wiens Palästen trennen. Jahrhunderte sind schon verstoßen, Seit dem die Schweiz des Anblicks nicht genoßcn, Der lehrreich jezt ein jedes Herz entzückt, Und Hochachtung in alle Seelen drückt. Die Nachwelt müß es noch in späten Schriften lesen: Beym Schweizervvlk sey Joseph einst gewesen. Lernt hier des Menschen wahre Größe, Und schämet euch der tugendloscn Blöse, Die nur auf Stand, auf Gut und Würden baut, Verdienste träumt, und stolz auf andre schaut. Die Hoheit lies sich hier vom höchsten Throne nieder: O! weyhet ihr Bewunderung und Lieder. Wer fühlet nicht die regsten Triebe Der Ehrfurcht und der feucrreichsten Liebe , Die Gallien für seinen Gast empfand? Heil l Wonne dir! inein deutsches Vaterland, Wo dieser Menschenfreund das Ruder glücklich führet. Und wo dein Wol den großen Fürsten rühret. Wolthätig kam er jüngst zurücke, Germanien, zu deiner Völker Glücke. O! jauchz ihm Dank und Iubclfreuden zu: Sein Vaterland, sein Licblingswunsth bist du. Der Enkel Nachwelt sey, beglückt von allen Seiten, Einst Zeuge noch von Josephs güldnen Zeiten. Lobschrift 97 ! —— Lobschrift auf Herrn Albrecht von Haller. (f) ^er einst vom stillen Glück der Alpenvölker sang; Von dcßen Saitcnfpicl manch feurig Lied erklang; Den du, Hclvctien, in deinem Schos gcbohren: Dein Liebling ist nicht mehr. Dein Haller ist vcrlohren. ' Sey auf den Edcln stolz, der deinen Ruhm erhob, Und Haller bleibe stets dein Lob. Er, der als Jüngling schon der Musen Günstling hies, Und durch Erfahrung sich zur Wahrheit leiten lies, Drang mit geschärftem Blick in vieler Kenntnis Tiefen, Sah in die Dunkelheit, wo Embryonen schliefen, Und wog gedankenvoll entstehnder Körper Kraft, Und ihres Wachsthums Eigenschaft. Wer las so gut, als Er, im Buche der Natur Von ihrem Wirkungskreis auch die geheimste Spur? Wer konute so, wie Er, wo Blut und Säfte fließen, Auf den Zusammenhang von Zweck und Urfach schließen? Wem hatte sich der Druck, der Nerven reizt und streckt, Mit größrer Deutlichkeit entdeckt? Er nannte jedes Kraut, das auf den Alpen blüht, Gab, um der Nachwelt Heil als Patriot bemüht, (j-) Er starb zu Bcrn den r-tcn Leccmbcr 1777. G y8 Was eigner Fleis durchforscht, in Samlungen zu lesen , Verlieh den Kranken Trost/ und lehrte sie genesen. Den spätsten Enkeln dient sein herrlicher Verstand: Ihm danket Welt und Vaterland. Was in dem Alterthum / und seit dem Hippokrat, Der Arzt gewagt/ geprüft, geübt, versehen hat, Das schöpft Hygeens Sohn aus dieses Lehrers Quellen, Und lernt mit kluger Wahl ein sicher Urtheil fällen, Wann ihn der Bruder Noth, nächst bey des Grabes Gruft, Aus Krankenbett zur Hülfe ruft. Wie jede Segnung sich mit vollem Strom ergießt, Wo guter Fürsten Herz der Länder Glück beschließt, Der Völkerschaften Flor, das blühnde Wol der Staten, Sicht man aus Usongs Huld, aus Alfreds großen Thaten Und dankbar hat die Welt die Erdcngöttcr lieb, Von denen Hallers Feder schrieb. Wo hatten Weise sich um Wissenschaft vereint, Bey welchen Haller nicht als Mitgenoß erscheint? Wer war, der sein Verdienst nicht zu bewundern wußte? Ihn rühmet Ludwigs Volk; ihn klagt Georg Auguste, Die, durch sein Lied gewcyht, ihr Ursprungsfest begicng, Von seinem Lehrstuhl Glanz empfieng. Des Scharfsinns tiefer Grund, den ihm fein Fleis verlieh, Verewigt sich im Schatz der Encyclopädie, Wo Halters Muse sich der Kenner Lob erstrebet, Und sein Gedächtnis stets in manchem Beytrag lebet. Wer ist, der nicht erfreut, wo dieser Weise lehrt, In ihm der Weisheit Führer ehrt? Wenn mancher, den die Welt durch Schmeicheley verwöhnt Mit niederm Aftcrwitz der Christen Glauben höhnt, Der Wahrheit Licht verkennt, und Finsternis verbreitet, Wen hat nicht Halters Herz auf bcßre Bahn geleitet? Wer fühlte mehr, als Er, bey der Vcrnünftler Schreyn, Des Glaubens Trost, ein Christ zu seyn? Zum Preis des Christenthums ermannte sich sein Muth. Er blieb der Wahrheit treu, bestritt der Gegner Wuth, Und hätte, daß sich nicht Verblendete betrögen, In Aller Herzen Licht und Beyfall pflanzen mögen: Und seine Gründlichkeit entwafnete den Hohn Durch Siege der Religion. Einst, wenn man noch den Flor vergangner Zeiten preist, Schätzt man in Haltern dann den einsichtsvollen Geist, Und liest mit Wißbegier die Menge kluger Schriften, , Die ihm ein bleibend Lob, ein ewig Dcnkmaal stiften, Und nennt das Volk beglückt und eines Halters werth, Das sich durch Haltern aufgeklärt. Verdiensten seltner Art folgt Würde, Glanz und Lohn, Und Milde floß auf Ihn von manchem Fürfrenthron. 100 Monarchen gaben Ihm, durch Adelstand und Orden, Den Dank für seinen Fleis, durch den er groß geworden. Ihn sah und sprach noch jüngst, und schätzt im Tode noch Die Wonne Deutschlands, Joseph, hoch. Ja, fühl, Helvetica, den schmerzenden Verlust: Dein Haller ist nicht mehr. In jeder cdeln Brust Bleibt dieses Mannes Werth und Nachruhm unvergeßen. Europa wünscht dir Glück, daß du den Mann besessen, Und weint nein, daß sein Tod dein Muttcrhcrz dir brach, Dem Frommen eine Thräne nach. Jndeßcn stralk um ihn ein unermeßlich Licht : Die Herrlichkeit des Herrn glänzt um sein Angesicht, Und Klarheit schöpft sein Geist dort aus der Gottheit Quelle: Da wird ihm jeder Zweck der weiten Schöpfung helle: Und segnend giebt ihm Gott für dieses Lebens Streit Die Palmen der Unsterblichkeit. !^iLLS' lSl Der Redliche. Ä)ol dein, der weislich lebt, und die Bestimmung kennt, Warum ihn Gott zum Menschen schuf; Der mit der Gottesfurcht die Mcnfchcnhuld verknüpft, Gott ehrt, niemandes Rechte kränkt; Was ihm die Pflicht gebeut, mit Fleis vor Augen hat, Und sein Gewißen rein bewahrt; Wann ihm Vernunft und Schrift ein Licht zur Wahrheit sind, Dann folgt, und keinen Zweifel hört; Was ihm der Himmel schenkt, mit frohem Dank genießt, Und ihn für jede Wohlthat preist; Für gut und wolgenutzt den Lcbenstag nur hält, Der Gott und Tugend heilig war; Sich in der Frömmigkeit und ihren Werken übt; Und Kraft dazu von Gott erfleht; Beym Unbestand des Glücks in guter Faßung bleibt, Und Prüfungen geduldig trägt; Den Stand, darin er lebt, zufrieden und vergnügt Als Gottes Ruf und Willen ehrt; Des Nächsten Wolcrgehn mit heitern Augen sieht, Sich, wenn es andern wol geht, freut; Der Nachwelt und dem Star brauchbare Bürger zieht, Und so der Enkclwelt noch dient; Des Vaterlandes Flor, so viel er kann, erhöht, Und seines Wolstands Fördrer ist; ior Des Bruders Eigenthum nicht geizig an sich reißt, Noch neidisch dcßen Ruhe stört; Jedweden um sich her durch mitgetheilten Rath Zufrieden, gut und glücklich macht; Nie durch ein Aergernis zu Lastern Anlaß giebt; Zur Tugend durch sein Beyspiel weckt; Den Schmerz der Traurigen mitleidig gleichfalls fühlt, Sie tröstet und dadurch erquickt; Hülfloser Dürftigkeit ein froher Netter wird, Und gern den Armen gutes thut; Nicht Ruhm, Vergeltung nicht für seine Wolthat sucht, Die er zum Menfchcnhcil erwies; In sich den ärgsten Feind, die böse Lust, bekämpft, Mit Schonen andrer Fchltrit mahnt; Sich nie dem Dienst der Welt einsiedlerisch entzieht, Gern dienet, wem er dienen kann; Den Wolstand, der ihm lacht, als Huld der Gottheit schätzt, Und mit Bescheidenheit ihn nutzt; Verachtung anderer als eine Sünde sticht, Die Gottes Bild in Brüdern schmäht; Beym zeitlichen Verlust nie unzufrieden klagt, Noch wider seinen Schöpfer murrt; Von Kummer ungekränkt des Lebens Pfad durchwallt, Stets nach des Himmels Kleinod strebt; So jeden Lcbenstag mit edeln Thaten schmückt; Gott und der Tugend treu verbleibt. Den schreckt, naht sich der Tod, des Grabes Anblick nicht, Des Richters ernstes Urtheil nicht , Und sän Gedächtnis bleibt der Zukunft dann noch werth, Wenn er bereits im Staube schläft. Die Welt verlor an ihm ein Bild der Redlichkeit: Er hat sein Leben wol vollbracht. l->4 Der Lasterhafte. -Meh dem, der unbesorgt des Daseyns Zweck verkennt, Zu welchem Gott ihn werden hies; Der vor Vernunft und Schrift sein Shr und Herz verschließt, Und des Gewißens Ruf nicht hört; Den Frevlern Beyfall giebt, die Gott und Bibel schmäh«, Und andre gleichen Frevel lehrt; Uneingedenk des Glücks, das er von Gott cmpfieng, Für seine Huld ihm niemals dankt; Nie flehendes Gebet zum Thron der Gottheit schickt, Nie reuig seine Schuld beweint; Im thierischen Genuß der Lüste dieser Welt Bestimmung, Glück und Himmel sucht; Sich, wenn des Freundes Rath ihn vor Verderben warnt, Durch Freuden, Spiel und Wein betäubt; Beym ausgclaßnen Rausch in späten Zechen sitzt, Und toll anf die Gesundheit stürmt; Mit diesem Leben nur der Seele Werth umschrankt, Und nicht bedenkt, was künftig ist; Nicht glaubt, daß einst der Herr die ernste Wagschal nimt, Und jedem seinen Lohn ertheilt; Nur sich in allem sucht; nur thut, was ihm beliebt; Nicht auf den Nutzen andrer sieht; Durch Ränke, schadenfroh, den Nebenmenfchcn stürzt, Und, fällt er, trotzig sich erhebt; Mit Unrecht, Trug und Geiz ein fremdes Eigenthum Gewißcnlos zum seinen macht; Die Erfahrne Welt auf schnöder Laster Bahn Durch sein verderblich Beyspiel führt; Den, der sich ihm vertraut, im Rücken hintergeht, Und guten Leumund untergräbt; Die, so die Eintracht band, zu Zank und Streit verhetzt, Und ihrer Freundschaft Frieden stört; Mit hämischem Verdacht und scheeler Eifersucht Der Ehegatten Glück vergällt; Des Eides Heiligkeit als Aberglauben höhnt, Und über Unrecht fälschlich schwört; Des Armen Recht verkürzt; vcrlaßne Witwen drückt; Dem Waisen sein Vermögen raubt; Wo für Bekümmernis ein Mitmensch klagt und weint, Kein Oel in seine Wunden gießt; Und wen des Elends Drang bcthränt zu Seufzern zwingt, Auch dem des Mitleids Trost versagt; Die Noth der Dürftigen durch Hartigkcit vermehrt, Nicht ihren Kummer thätig heilt; Des Wolthuns Seligkeit nicht aus Erfahrung kennt, Die Nächstenliebe niemals übt; Durch keinen cdcln Dienst der Welt sich nützlich macht; Arbeitern ihren Lohn entzieht; Dem, welcher ihm misfiel, den Fehltrit nie verzeiht, Und unversöhnlich mit ihm zürnt: Dein wird einmal der Tod, er glaub es, oder nicht, Ein schreckenvoller Ansbruch seyn. S-Ei- Der alle Dinge sieht, den keiner noch betrog, Gott, hat des Bösen Thun bemerkt. Ihm wäget sein Gericht ein furchtbar Urtheil zu: Wer spottet Seiner ungestraft? Nun geht der Lasterfreund unglücklich aus der Welt, Und sein Gedächtnis wird verflucht. Kein Frommer weint um ihn: Die Welt entbehrt ihn gern/ Und keine Thräne fließt ihm nach. Entschieden ist sein Werth: Er war ein Bösewicht, Sein Leben eine Schmach der Welt. r°7 Der Dank der Nachwelt. ^em wird es einst die frohe Nachwelt danken, Der, ohne daß ers selbst genießt, Zur Enkel Lust, in schattenreiche Schranken Die jungen Lindcnstämme schließt, Wo dann im dickbelaubten Gange Der Nachkunfr Welt, beym Nachtigallgcsange, Der heiße Tag viel leidlicher verstießt. Auch der verdient, daß ihn die Nachwelt schätze, Durch deßcn helleren Verstand Der finstre Wust scholastischer Geschwätze Vom Lehrst»! der Vernunft verschwand, Wo vormals bey dem Unterrichte Der Musensohn nur einen Schein von Lichte, Und dicht verzäunt den Weg zur Wahrheit fand. Nicht minder wird die Nachwelt den erheben, Der sie durch Stiftungen bedacht, Für Kindcrzucht und wackrer Bürger Leben Nachdenkend manche Nacht durchwacht, Und, weil er ferne Mängcl hindert, Der Witwen Noth, der Waisen Elend mindert, Der Zukunft Dank stch unvergeßlich macht. ic>8 —. -— Die Nachwelt wird den Mann nach Würden ehren, Der sich befliß, durch treuen Rath Der Volker Glück und Wolstand zu vermehren, Und viel zum Besten andrer that. Das Ehrcnmaal des Patrioten Beschämet einst der Menschenfeinde Rotten, Und zeigt der Well des wahren Ruhmes Pfad. Der Nachwelr bleibt des Mannes Name theuer, Der guter Sitten Beyspiel gab. Vor ihm entfloh der Lasier Ungeheuer: Er zog der Heuchler Larven ab. Und wann er längst im Staube modert, Weint, wie es dann die Dankbarkeit crfodert, Die Hochachtung noch Thränen auf fein Grab. Als Menschenfreund wird bey der Nachwelt leben, Dem Recht der Menschheit alles galt; Der Sklaverev, ehrsüchtiges Bestreben, Und Wucher und Schikane schalt. Er steuerte der Räuber Händen, Die fremdes Gut gcwißcnlos entwenden, Und schützele die Unschuld vor Gewalt. Den Fürsten wird der Nachwelt Lobspruch preisen, Der feines Volkes Vater hics, Und, sich gerecht und gütig zu beweisen, Ein frommes Herz sich leiten lies; Der für die Zeitgenoßcn wachte, Und auch beglückt das Volk der Enkel machte, Und seine Macht zum Wolthun gern bewies. Den wird noch einst die Nachwelt dankbar nennen, Von dem sie wackre Söhne sieht, Die ihre Pflicht fürs Vaterland erkennen, Dem sie sein edler Fleis erzieht. Sie gehn, auf väterlichen Wegen, Der Zeiten Dank, durch Thaten groß, entgegen: Ihr Name bleibt, wenn schon ihr Leben flicht. Einst wird noch Dank bey dcßen Grabe schallen, Der durch der Weisheit Unterricht In Schriften, die der Zukunft noch gefallen, Für Wahrheit, Gott und Tugend spricht. So schrieb der Deutschen Musen Ehre So Gellert einst, und seiner Schriften Lehre Vergibt die Welt in späten Zeiten nicht. Nochmalige Schilderung der vier Jahreszeiten. Der Frühling. Jüngst schwung der wärmre Süd sein thauigtes Gefieder; Die Wintcrstürme slohn; der holde Lenz kenn wieder, Und ihm ftolockcte die neu belebte Welt. Aurore goß vor ihm den Thau aus goldnen Schalen, Und jede Flur empfand der Sonne miidre Stralcn: Die Erde war nicht mehr vom rauhen Frost entstellt. Schon schmilzt der Berge Schnee, und wälzet sich in Bachen, Gießt neue Fruchtbarkeit durch niedrer Felder Flachen, Und schnell verschönert sich das Antlitz der Natur. Das Veilchen blühet auf, und duftet seinen Sergen Mit sanfter Munterkeit dem jungen Lenz entgegen: Wohin das Auge blickt, da winkt ihm Freude nur. Hier sproßt ein frisches Grün aus längst erstorbnen Hecken; Dort keimen Wanzen auf, die Wiesen zu bedecken; Die Knospen drängen sich aus jedem Baum hervor. Des Wcinstocks Rebe thränt, und Anmuth schmückt die Matten; Die Lauben wölben sich zu kühlungsvollen Schatten; Die Svarge preßt ihr Haupt vom Gartenbeet emvor. - . I. t i Entzückt ergreift der Hirt die dichterische Flöte, Sinnt an der Quelle dort, im Glanz der Morgenröthe, Auf Lieder, deren Reiz einst noch ein Kenner preist: Und horchend staunt um ihn, in wühlendem Gedränge ^ Der Heerde junges Volk, das in erfreuter Menge, Mit nie empfundner Lust, gesunde Kräuter speist. Der frühen Sonne Gold glüht auf der Berge Spitzen, Sprüht Feuer durch die Luft, das Erdreich zu erhitzen, Und steigt voll Majestät bis auf des Mittags Höhn: Von bannen senkt sie sich zum fernern Abcndmccre, Ist dort ein Denkmaal auch von ihres Schöpfers Ehre, Und prediget sein Lob, wie nachdrucksvoll! wie schön I Von jenem Hügel hüpft, bey festlichen Schalmcycn, Voll heitrer Frölichkeit, in weit gedehnten Reihen, Ein jugendliches Chor ins blumenreiche Thal. Der nahe Wald ertönt vom jauchzenden Gesänge. Der Schall der Stimme schweigt: vom kahlen Fclftnhange Hört ihn mit lrunkner Lust das Land noch manchem«!. Indem sich flatterhaft die Schmetterlinge haschen, Zieh» Bienen auf den Raub, die Blumen zu bcnafchen: Seht, wie ihr emsig Heer aus vollen Kelchen frugt. Den Nektar sammeln sie im zcllenreichen Stocke, Damit der Landmann einst für ihren Flcis frohlocke, Weil ihm die Homgkvst zu Speis und Heilung taugt. i ir Indrßen wirkt der Wurm in seinem Bau von Seide Sich selbst ein fürstlich Grab, und Fürsten Stoff zum Kleide, Seit dem sein scharfer Zahn das Maulbeerblat verzehrt. Im Schlummer wird er dann nach andrer Form gestaltet, Die, bald hernach belebt, in Flügeln sich entfaltet, Die Hülle von sich streift, und seine Gattung mehrt. Wie frölich gaukelt dort ein Schwärm von leichten Mücken, Die sich verfolgen, fliehn, dann an einander drücken, Worauf ein schneller Schwung sie wieder aufwärts hebt! O! alles fühlet jezt des vollern Lebens Kräfte: Vorn Einfluß milder Luft, vorn Umlauf reger Säfte, Wird Pflanze, Thier und Mensch aufs neue ganz belebt. Mit unerlerntcr Kunst strebt die geschickte Spinne, Daß sie den Unterhalt durch ihren Fleis gewinne: Ihr Netz ist ausgespannt; der Raub entgeht ihr nicht. Reißt dann und wann ein Feind der Fäden Bindung nieder, Gleich machet sie sich auf, und füget alles wieder, Und übt am Schwächer» dann ein schrecklich Strafgericht. Dort pranget königlich der Pfirsichen Purpurblüte, Und jedes Baumes Haupt ziert unsers Gottes Güte, In Farben mancher Art, mit duftendem Gewand. Was jezt das Aug ergötzt und zum Geruch sich schmücket, Wächst unbemerkt zur Frucht, die den Geschmack entzücket: Jezt freut in Hoffnung sich, einst beym Genuß, das Land. O! Schade wär es doch, wenn diese Freuden trögen, Und sich uns vor der Zeit mit allem Glanz entzögen! Siehst du das Raupenheer, das jeden Baum benagt? Die Käfer, die voll Geiz in seine Blüten dringen? Die Schnecken, die mit Schleim ein jedes Blat umschlingen? Tilg, Himmel! den, der sich an deine Gaben wagt. Kaum kann des Pinsels Kunst ein Theil der Schönheit mahlen, In der von jenem Beet die bunten Blumen stralen, Die sich im Morgenthan mit tausend Farben blchn. Bald werden sie vereint, in ausgesuchten Kränzen, Mit nicht geringerm Reiz an Doris Schläfen glänzen, Und im geputzten Straus an ihrem Busen stehn. Nach den in langer Ruh verschlafner Wintcrstunden, Hat schon der kalte Frosch sich aus dem Sumpf gewunden, Und seine Gegenwart durch Quaken kund gemacht: Hochbcinigt lauscht auf ihn der leckre Storch am Strande, Fühlt seines Hungers Drang, löst seines Schnabels Bande, Und hat sich diese Kost zur Zehrung zugedacht. Der Schwalben leichte Schar durchschwirrt mit raschem Flügel Der Lüfte weiten Raum, durchsuchet Thal und Hügel, Und sorgt mit munterm Fleis für ihre zarte Brüt, Die, kaum dem Ey entschlüpft, bey Menschen sicher lebet, Und, bis sie stark an Kraft mit freyem Fittig schwebet, In mütterlichem Schutz auf weichen Daunen ruht. Es schallet Feld und Forst von wechselnden Concerten, Und mancher Sänger hüpft in schattenreichen Gärten, Und singt voll Frölichkeit, was die Natur ihn lehrt: Sein ungekünstelt Lied von »»gesuchter Stärke Ucbt auch des Kenners Ohr, das nun der Tonkunst Werke, Nach Regeln abgefaßt, mit mehr Empfindung hört. Ihr würdet auch mit Recht den lautsten Beyfall haben, Wär Philomcle nicht mit ihren hohen Gaben: Sie schlägt! Ihr Vögcl, schweigt: jezt hört euch niemand an. Nur ihr gebührt der Ruhm, vor andern zu gefallen: Nur sie bewundert man, wann ihre Lieder schallen. O! Schade, daß sie nicht beständig singen kann! Mit welcher Zärtlichkeit tönt die beredte Kehle! Der Liebe Rednern: ist ganz Gesang, ganz Seele, Ganz Ausdruck, ganz Gefühl. Ach! ihre Stimme stockt! O! jetzo ruhet sie auf Lorbeern großer Siege. Der Beyfall zeugt den Wunsch: o wenn sie später schwiege! Umsonst! die Gattin ist zum Hahn ins Nest gelockt. n --------«jQüS------ Der Sommer. ^tun glüht die trockne Welt vom heißen Sonnenstrale: Die Kirsche röthet sich/ und reift zum kühlen Mahle/ Und Garten, Forst und Feld umdampft des Mittags Glut. Des länger» Tages Kraft durchkocht das Mark der Aehren/ Und würzt der Bäume Frucht, die Sterblichen zu nähren. Gort! das ist deine Macht, die solche Wunder thut. Der Landmann, deßen Fleis der frühste Morgen wecket, Besieht das hohe Gras/ das feine Fluren decket, Und spürt den Wolgcruch, der ihm entgegen wallt. Er geht und räumt sogleich den Ueberrest vom Speicher, An Vorrarh für sein Vieh in froher Hoffnung reicher. Hört, wie der Senfe Stal von seiner Schulter schallt. Gewohnt, bey Schweis und Durst des Tages Last zu tragen, Freut sich sein muntrer Muth an langen Erntctagen; Er scheut die Arbeit nicht, und Fleis bringt ihm Gewinn. Der heiscrn Grille Lied schwirrt bey des Heupferds Sprunge, Und beyden folget er mit scharfem Senscnschwunge, Und legt der Wiesen Schmuck in Bogen um sich hin. Bald wird ein neuer Schatz vom reichen Saatfeld winken, Wo schon von Fruchtbarkeit die vollen Achren sinken, Und wo der Ucbcrstnß in Lebensnahrung reift. h 2 ll6 Die Sichel wird geschärft. Nun geht es froh zum Schnitte. Der Hüfner jauchzt entzückt, so oft, bey jedem Schritte, Die Hand des Fleißigen nach neuem Seegen greift. Der Mittag ladet ihn zur Ruh in jene Schatten, Wo sich ein ländlich Mahl und frische Quellen galten, Und er genießt mit Dank, was ihm der Himmel schenkt. Dann geht er wiederum zum heißen Tagewerke, Und froh vollbringet ers, belebt mit neuer Stärke, Bis ihn der Abendstern zur stillen Hütte lenkt. Indem der Wollüstling bey voller Tafel schmaußet, Wo feurig im Crystal Burgunder vor ihm braußet, Und dann des Schlummers Trost von seinem Lager flieht: Wol jenen:, dem sein Fleis die magern Speisen würzet, Und dem kein Ueberffuß des Schlafes Glück verkürzet: Von den: er jedesmal sich froh ermuntert sieht. In Unschuld schmecket er die Freuden dieses Lebens, Hält Emsigkeit für Pflicht, und Früchte des Bestrebens Für Folgen jener Huld, die er von Gott erbat. Ihm blinkt der kühle Mond; ihm lacht die Morgcnfonne; Ihn labt ein frischer Trunk, und sein Gefühl ist Wonne, Die ihm ein banger Gram noch nie vergället hat. Das Schaf, das neulich erst sein junges Lamm gcbohren, Hat von der Scheere Schnitt sein wollicht Kleid vcrlohrcn, Und leicht entbehrt es das, so lang der Hundsstern sengt. Dann nimt den rohen Stoff Mincrvens kluge Schule, Und drehet ihn zu Garn, und webt ihn auf dem Stule Zur Decke, die den Frost von unsern Gliedern drängt. Oft, wann der heiße Tag in allen Adern wühlet, Sucht in dem stillen Strom, der nackte Lenden kühlet, Der Schwimmer neue Kraft, und plätschert in der Flut, Taucht unter, strebt empor, streckt die geübten Glieder, Klimmt dann den Fluß hinauf, fließt dann allmälig nieder, Und das gesunde Bad erfrischet ihm das Blut. Sobald das Fruchtfcld sich von seinem Schmuck entkleidet, Und schüchtern manches Wild in offnen Stoppeln weidet, Enthüllt der Gärten Bau schon eine neue Pracht. Dort färbt sich kühlend Obst an schwer bcladncn Zweigen, Die, stolz auf ihre Last, sich zu dem Grasstück neigen, Und welchen froher Dank bereits entgegen lacht. Beym Beet der Lilien, der Nelken und der Rosen, Empfielt sich der Geschmack der goldnen Aprikosen, Und gleich darneben reizt der Pfirsichen bcßrcr Saft: Noch weiter unten winkt die purpurfarbne Pflaume, Nebst dem gepriesnen Kern vom süßen Mandclbaumc, Und jeder Zweig erfüllt das matte Her; mit Kraft. Dort reifet, gebt sie mir, die saftige Melone. Sie ist der Gärten Schmuck und ihrer Früchte Krone: Geruch und Balsamgeist und Stärkung quillt aus ihr. 118 Ich laß euch Ananas und andre Leckerbißen, Die nur der Reiche schätzt: der Aermre kann sie mißen. O! gütige Natur, welch Labsal fließt aus dir! Es lechzete das Land nach lang vermißtem Regen. Er kömmt und mit ihm kömmt ein volles Maas von Sergen: Die Welt verschönert sich, und alles wird erquickt. Der arbeitsame Stier zieht muthiger am Pfluge: Die Lerche hebet sich mit einem leichtern Fluge. Die Pflanze glänzt vom Thau, der ihre Blätter schmückt. Zuweilen, leider, pflegt an schwülen Sommercagcn Des Jahres schönsten Wuchs ein Wetter zu, zerschlagen. Dann wird der Himmel schwarz: der Donner braußt einher: Ein rascher Sturmwind heult: von seinem kalten Flügel Stürzt Hagel, schwer wie Bley, auf Gärten, Flur und Hügel, Und was der Fleis gebaut, ist, sucht ihrs, nun nicht mehr. Hier schäumt ein wilder Strom vom durchgcrißnen Damme, Scheucht Vieh und Hirten weg, und deckt das Feld mit Schlamme; Der Landmann siehts bestürzt, und weinet beym Verlust. O! sagt: wer kann hierbey gerechten Thränen wehren? Und wem, wann Sturm und Flut sein Eigenthum verzehren, Klopft nicht voll Bangigkeit dann die erschrockne Brust? Doch diesesmal, Gott Lob! strömt jedes Herz Entzücken: Kein Unfall traf das Land. Geht, Blumen abzupflücken, Vom Regen noch erfrischt, und flechtet sie ins Haar. Lobt den, der nie vergas, das was er schuf, zu nähren Bringt euren Erntekranz zu seinen Dankaltären, Und preiset seine Huld, die euch so gnädig war. Ein lauter Jubel soll von Aller Lippen schallen: Der Höchste sättigt uns mit Lust und Wolgcfallen, Und krönt als Seegensgott das Jähr mit seinem Gut. O! jauchzt ihm Wonnedank, dem Geber aller Gaben! Er, Er ist es allein, von dem wir alles haben: Er, unser Gott, allein, der alle Wunder thut. 1LS Der Herbst. ^ns Gleichgewicht vertheilt des Himmels ebne Wage Der Nächte länger« Raum und die verkürzten Tage: Der laue Herbst erscheint, und leert sein Füllhorn aus. Vom Ackerfelde keimt die Hoffnung künftger Speise; Die Schnepfe kehrt zurück von der gewohnten Reise; Des Jahres Ueberfluß und Wonne krönt das Haus. Kaum blüht noch hie und da von mancher Gartenpflanze Ein Blumenspätling auf, an Kraft, Geruch und Glänze Dem muntern Frühlingswuchs der Schwestern wenig gleich. Was Florens Reiz versprach, das reichet jezt Pomone Mit milden Händen dar. Von seinem hohen Throne Macht Gott den Hoffenden von seinen Gütern reich. Die Wiesen stehn jezt leer, und ruhn erschöpft an Kräften, Seit dem nur neulich noch ihr letzter Rest von Säften In minder fettes Gras sich träg empor gebläht. Der Landmann, welcher stets an Fleis und Sammeln denket, Hat, was ihm für sein Vieh des Himmels Huld noch schenket, Mit froher Dankbarkeit und emsig abgemäht. Wann wird des Tages Glanz der Nebel Dunst verdrängen, Die dunkeln Schleyern gleich um Land und Hügel hängen, So wie das weite Meer sich um die Inseln schlingt? 121 Die Mittagsstunde schlägt: der Vorhang sinket nieder. Den Augen öffnet sich der Aussicht Schönheit wieder, Wodurch in jedes Her; Gefühl von Wonne dringt. O! welch ein heitrer Tag nun durch die Schöpfung glänzet! Die Lüfte sind nicht mehr von Dämmerung umgrenzet: Die Schatten sind hinweg, und Berg und Wald enthüllt. Ein freyer Blick entdeckt des Horizontes Fernen, Und aus der Saaten Thau blizt eine Welt von Sternen, Und alles ist mit Lust und Munterkeit erfüllt. Die reife Traube winkt vom hohen Rebenackev Zum Wein-und Lefefcst: der Winzer geht, und wacker Schallt über Feld und Thal im Erntelied fein Muth. In Hoffnung trinkt er schon ein stärkcvolles Leben, Und schlürft vergnügt im Most, den feine Stöcke geben, Gedcyn und Frölichkeit und Balsam in sein Blut. Die Lese gehet an. Die Droßel, kühn zum Naschen, Kann kaum noch hie und da mit List ein Beerchen haschen, So scheucht sie schon der Fleis der Herbster in die Flucht. Dem Hunger zu entgehn, und der Gewalt zu weichen, Fliegt sie zum Holderbusch, wo sie, bey ihres gleichen, Ein unbeneidct Nest und sichre Nahrung sucht. Die Ranken, die sich stolz am hohen Obstbaum heben, Und die, so niedriger um schwache Pfäle schweben, Und welche Kunst und Zucht zum Laubcngang gemacht; 122 Auch die sich Ketten gleich durchs lauge Saatfeld flechten, Entblöst die Emsigkeit, nach allen Ermerechlen, Und ist auf Sicherung des Eigenthums bedacht. Die Traube, die gequetscht ihr Mark in Butten gießet, Und durch der Kelter Druck in süßen Most zerfließet, Braußt durch die Gärung auf, und läutert sich zu Wein. Veredelt dann die Zeit dieß ältcrnde Getränke, Wirds dem in Traurigkeit ein himlisches Geschenke, Und dem durch Ucbermaas, wie Gift, verderblich seyn. Der Mensch, so hoch beglückt durch seines Schöpfers Gaben, Soll auch erquickend Obst zu seinen: Labial haben: Der Apfel reift für ihn, und bietet ihm sich dar. Für ihn läßt sich die Nuß in schmackhaft Oel zerpreßen, Erhellet ihm die Nacht und würzet ihm sein Eßen. So krönt die Hand des Herrn mit Fruchtbarkeit das Jahr. Der Jäger, ehe noch der frühe Haushahn krähet, Hat in Gedanken schon dem Wilde nachgespähet, Und stellt ihm wirklich auch mit Tages Anbruch nach. Schon manche Beute hängt erdroßelt in den Schlingen: Ein größter Vortheil noch wird seiner Kunst gelingen, Entschädigt ihn das Glück für Last und Ungemach. Der sicher im Geruch des Wildes Fustrit spüret, Sein Hund hat ihn bereits auf eine Bahn geführet, Wo glücklicher Erfolg den Hoffnungen entspricht. Er sieht den Gegenstand und faßt ihn scharf inS Auge, Und schnellt ein tödend Bley, und trift das Thier im Strauche: Seht! leblos liegt es da: gcwißer trift man nicht. Vergebens rettet sich das Reh von schlanken Hüften Ins bufchigte Gehölz und zu betauten Klüften: Vergebens flehet es der Brüdcr Beystand an. Der Eber wird nicht mehr in grünen Saaten wühlen, Und zu Verwüstungen nun keine Lust mehr fühlen: Dort liegt er hingestreckt: es ist uin ihn gethan. Jczt glänzt der volle Mond vom silberfarbnen Morgen, Streut Klarheit um sich her, vertreibt des Tages Sorgen, Und gcußt Erfrischungen auf unfern Theil der Welt. In stiller Mitternacht denkt einsam dann der Weife Der Wahrheit Tiefen nach, und mißt der Sphären Gleise, Und untersucht die Kraft, die sie in Ordnung hält. Bald werden Busch und Wald in todter Dürre stehen: Des spätern Herbstes Luft beginnet schon zu wehen, Und führet Feuchtigkeit und Schauer mit sich her. Das güldnc Sonnenlicht wirft immer schrägre Blicke: Die Erde fühlet schon ihr trauriges Geschicke, Gesang und Fruchtbarkeit und Anmuth sind nicht mehr. Im liederlichen Hain, wo sonst Gerüche flößen, Ist Lust und Schatten weg; die Freuden sind genoßcn; Die Vogel sind verstummt; die Blumen sind entfloh«. 124 Kaum schlüpft noch hie und da durch trockne Lindcnäste Ein einsam Meisenpaar zu seinem offnen Neste, Dem Sturm und scharfe Luft, und Frost und Näße drohn. Sonst hat die Ulme dich mit Kühlungen erfreuet: Iczt rauscht ihr dürres Laub um deinen Fus gcstreuet. Die Lust wird trüb und kalt: der Winter naht herbey. Doch, ändert sich die Zeit, so folgt die Gottes Güte, Stets auf dein Wol bedacht, damit sie dich behüte, Und unveränderlich zu deinem Seegen sey, Der Winter. Aort vom dreisten Pol des mittcrnächtgen Bären/ Wo Sterne jezt allein die Dunkelheit verklären, Und dann und wann der Mond aus Nächten Tage macht, Keicht, wankend ist sein Schritt, zu unsern öden Fluren Der trage Winter her, und seines Weges Spuren Sind Frost und Einsamkeit, und Nebel, Eis und Nacht. Der Nordwind, der im Sturm die trocknen Bäume rüttelt, Und Kälte, Schaur und Reif von seinen Schwingen schüttelt, Braußt um sein kahles Haupt und haucht ihm Unmuth ein. Sein Odem peitscht den Strom, und hemmt im Waßcrreiche Der Wärme Widerstand, bläst über Flüß' und Teiche Den Schlaf, und dann den Tod, und härtet sie zu Stein. Wo jüngst der Ruder Druck des Nachens Gang geleitet, Und wo der Steuermann sein Sccgcl ausgebreitet, Tönt nun des Roßcs Huf auf fest gcfrorncr Bahn. Hoch über Fischen her und auf der Fähren Pfade Rollt frey und unbcnetzt die Last vom Wagenrade: Ein Schauspiel, das, wie wir, nie Siams Völker sahn! Der Schnelligkeit des Pfeils, den man vom Bogen drücket, Gleicht jenes Jünglings Trit, den seine Kraft entzücket, Und der ein glattes Erz an seine Schuhe schnallt, I2S Darauf er, wann er will, im Gleichgewichte stehet, Bald plötzlich vorwärts glitscht, bald sich im Kreise drehet, Daß unter seinem Fus der harte Boden schallt. Seht! wie die Feuchtigkeit des Hauchs am Fenster frieret, Und wie sie jäher Frost mit mancher Bildung zieret: Ein Garten scheints zu seyn, den Baum und Pflanze deckt. Bald bildet sich der Dunst durch Täuschungskraft zum Schloße, Zum Felsen, zum Gemäur, zum Waßerfall, zum Roße: Und nun? Ein Sonnenstral hat alles weggeleckt. Wünscht jemand den Geruch der Blumen zu empfinden, Der wiße, längst hics sie die rauhe Luft verschwinden, Und schränkte deren Wuchs aufs warme Treibhaus ein. Da zieht sie noch die Kunst: hier schafft, im lauen Zimmer, Die Macht des Fcuerheerds den Zwiebeln Duft und Schimmer, Und heißet ihren Glanz des Frühlings Vorspiel seyn. Vom feuchten Westen her ziehn Wolken sich zusammen. Im Sommer schleuderte vielleicht des Blitzes Flammen Und einen Wcttcrstral ihr schwer bcladncr Schos. Dann strömctc vielleicht ein Waldsturm durch die Felder, Vcrheercte die Saat, verwüstete die Wälder, Und riß das sichre Schiff von seinem Anker los. Ein flatternd Flockenhecr durchwalkt des Luftraums Weite, Und sinkt durch laugen Fall: in ihrer ganzen Breite Schmückt Hügel, Thal und Feld ein blendendes Gewand. Der Ernte muntrer Keim grünt unter diesen Hüllen, Und saugt, sein Achrenhaupt mit Körnern einst zu füllen, Den Grund zur Fruchtbarkeit um seiner Wurzeln Stand« So weit das Auge reicht, ist alles überschneyet: Der Quell, der Bäche giebt, davon das Land gcdcvct, Trinkt Nahrung aus dem Schnee, als einer vollen Brust. Auch künftig wird daher sich Ueberflnß ergießen, Und milder Nahrungsjaft durch alle Tristen fließen. Wem ahnet nicht schon hier die holde Frühlingslust? Die rauhste Winterszeit schenkt Anlaß zum Vergnügen: Der Jüngling fühlt es froh und schmcckts mit vollen Zügen, Wenn er beym stärksten Frost im offnen Schlitten sitzt; Wann vor ihm her der Hengst beym Klang der Schellen schnaubet Dem seines Führers Hand kein Stillcstehn erlaubet, Weil ihn der Peitsche Streich zum raschen Lauf erhitzt. Ein Löwe zeigt ihm bald die fürchterliche Mähne; Bald bläkt ein Affenkopf im Schnitzwerk seine Zähne: Bald steht ein wildes Schwein mit drohndem Rüßcl da. Er läßt durch keine Furcht sich jemals muthlos machen, Und lachte der Gefahr, wär auch des Thieres Rachen, Das ihn im Pelze wärmt, noch offen und ihin nah. Nur ein Gedanke kann die Freuden ihm verkümmern: Vielleicht wird morgen schon der Süd das Eis zertrümmern. Ach! um die Schncefahrt ists sodann auch bald gethan: 128 Und glatteists, brächte mich nicht jeder Schrit zum Falle? Und thauls, wem schämte nicht vor jedes Eiszapfs Knalle, Den wir so manchemal von Dächern stürzen sahn? Umsonst, o Froher, ist der Kummer, der dich kränket. Du weists, den Rosen war kein steter Flor gcschenket, Und alles ändert sich mit schnellem Wechsel ab. O! fühle diesesmal die Noth erstarrter Glieder: Geh, singe beym Camin der Freundschaft Ehrenlieder, Der Weisheit treu, die früh dir ihre Lehren gab. Wie oftmal sind dir schon die langen Abendstunden, Dort im vertrauten Arm, wie vortheilhast verschwunden, Wenn sich der Tugend Reiz in dein Gemüth ergoß! Zufrieden kehrtst du dann in dein Gemach zurücke, Fandst du den Redlichen, zu deines Lebens Glücke, Der dich voll Zärtlichkeit mit warmer Brust umschloß. Gelinde Witterung spricht aus der Wetterfahne. Der Eisgang räumt den Fluß; der Fischer eilt zum Kahne; Der heitre Sonncnblick verlängert schon den Tag. Der aufgcthaute Schnee wallt schäumend nach dem Strande; Es glänzt die offne Flur im grünenden Gewände: Noch lebet ihre Kraft, die nur im Schlummer lag. Bald legen gänzlich sich des Nordwinds kalte Schrecken: Bald wird der laue Süd den Scher; des Zephirs wecken; Bald stürmt des Winters Ernst in seiner Wuth nicht mehr. Bald 129 Bald sammelt sich die Welt, im fortgcschrittnen Jahre, Vor dir, o' Gott der Zeit, ;u deinem Dankaltarc, Und singt mit froher Brust des Frühlings Wiederkehr. 3 usrLM-- Am Jahrtage der Geburt. Äie mich gebar/ Und meines Daseyns Werkzeug war/ Schon lang genießt sie/ Gott/ des Heils der Ewigkeiten/ Und dankt dir für das Glück der einst durchlebten Zeiten. Du stärktest sie auf ihrer Pilgerfchaft Durch deine Seegcnskraft. Herr / Lob sey dir: Dein Wolthun zeigt sich auch an mir. Mit väterlicher Huld verliehst du mir das Leben: Dir dank ichs, guter Gott/ daß du mir es gegeben. O! nim für das / was du an mir gethan / Mein Opfer gnädig an. Mich dir zu wcyhn, Und meiner Pßicht getreu zu seyn; Die Zeit/ die du mir gabst/ nicht unnütz zu verschwenden/ Und jeden Lebenstag gehörig anzuwenden: Dazu sey mir dein Geist beförderlich. Dein Knecht, Herr, lebt durch dich. Verlaß mich nicht: Zu dir steht meine Zuversicht. Du hast von Jugend auf mich väterlich geleitet, I Und mir so manchen Weg zu meinem Glück bereitet. Noch stießet mir Zufriedenheit und Ruh Von deiner Gnade zu. O Herr der Welt, Dein Arm, der alles trägt und hält, Sey einst auch Lebenskraft und Trost in meinem Alter: Verlaß mich nicht, mein Gott, mein Vater, mein Erhalter. Froh will ich dann auf deine Güte sehn, Und deinen Ruhm erhöhn. Hör mein Gebet, Das, Gott, zu deinem Throne steht: Laß ferner deine Huld auf meine Tage fließen, Und mich voll Dankbarkeit das, was du giebst, genießen. Dann führe mich, am Ziele meiner Zeit, Ins Reich der Herrlichkeit. i s lZ2 Ueber Römer ir, ir. Seyd Mich in Hoffnung; geduldig in Trübsal; haltet an am Gebet. Ä^ich kränken? Nein! das will ich nicht, Und meine Pflicht Nicht strafbar übertreten. Was jezt dem Herzen wehe thut, Wird wieder gut, Durch Hoffen, Dulden, Beten. Die Hoffnung macht im Schmerze stark, Wann der das Mark Im innersten durchwühlet. Ein Stral der Linderung erquickt! Wer den erblickt, Der hat schon Trost gcfühlct. Gott mildert gern der Seinen Schmerz: Sein Vatcrher; Steht zum Erbarmen offen. Die Last, die Er zu tragen gab, Nimt Er auch ab: Froh will ich auf ihn hoffen. i); Was ist die Trübsal dieser Zeit? Zur Seligkeit Führt sie bewährte Streiter. Der Sturm, der »reuig Stunden kracht, Tobt aus, und macht Den Himmel zwiefach heiter. Der ist ein Thor, der freventlich Durch Murren sich An seinem Gott verschuldet. Die schwersten Bürden werden dein Leicht und bequem, Der sie gelaßcn duldet. O Seele! fühlst du dich zu schwach, Dann laß nicht nach, Bis dich der Herr erhöret. Dein Flehn gewährt Er endlich doch: Nun sinkt das Joch, Das deine Ruhe störet. Getrost will ich in aller Noth, Mein Herr und Gott, Zu deinem Throne treten. Ich weiß, vergeblich wird mein Schreyn Vor dir nicht seyn: Du hörst der Frommen Beten. l)4 Der Berge Lob Gottes. Psalm 148, s- iZ. Berge und alle Hügel sollen loben den Namen des Herrn. v^ott/ voll unerforschter Kraft, Herr und Vater aller Dinge, Ewiger, vor dcßen Thron ich des Herzens Andacht bringe, Heilige du mein Bemühen, daö an deinen Ruhm sich wagt, Und von deines Wesens Größe hier ein Wort in Demuth sagt. Unermeßlich, unumschränkt, unbegrenzt vom Raum der Zeiten, Warst, und bist und wirst du seyn, Herr der Zeit und Ewigkeiten. Allgcnugsam, unabhängig, hast du, Herrscher aller Welt, Ehe man noch Jahre zählte, dir die Zukunft vorgestellt. Dein allwißender Verstand sah schon, was noch werden sollte, Möglichkeiten, die dein Wort aus dem Unding rufen wollte. Aller Wesen Art und Dauer, Folge, Schicksal, Stand und Kraft, Waren ewig schon ein Dorwurf deiner tiefsten Wißenschaft. Da der Zukunft Welten noch in dem öden Chaos schliefen; Ehe Sterne, Sonn und Mond in bestimtcn Gleisen liefen; Eh du das Gewicht der Berge in den Abgrund eingesenkt; Ehe du der Hügel Flächen mit des Himmels Thau getränkt; Ehe Stcinbock, Gcms und Reh über Fels und Klippen sprungen; Eh der Lüfte Bürger noch in belaubten Büschen sungen; Eh Las Kunststück deiner Hände, eh der Mensch gebildet stund: Thatst du schon den Ewigkeiten deines Willens Vorsatz kund. Als der Zeiten Lauf begann, schuf dein mächtig Wort: es werde, AuS dem unfruchtbaren Nichts Feuer, Waßcr, Luft und Erde. Gonnenkörpcr, Bäum' und Pflanzen, Fisch und Vögel, Lag und Nacht, Thier und Menschen wurden Zeugen deiner Güte, deiner Macht. ^ r; 5 Manchen weiten Ocean schießest du in tiefe Klüfte. Durch dich schwung der Wolken Meer sich auf Fittigen der Lüfte, Und des Erdreichs voller Busen schmückte sich mit Kraut und Frucht, Die du zu des Lebens Nahrung voller Weisheit ausgesucht. Damals mußten Berge sich über niedre Thäler heben, Und der Erde Majestät, Reichthum, Schmuck und Schatten geben. Ihrem königlichen Gipfel, der den Kranz der Wolken trägt, Hast du deutliche Beweise deiner Hoheit eingeprägt. Wann der Mensch nach diesen Höhn ganz erstaunt die Augen lenket, Und an dich, der sie erschuf, mit gerührtem Herze» denket, Präget ihm die Kraft der Wahrheit den Gedanken lebhaft ein: O wie mächtig muß der Schöpfer dieser Fclscnlasten seyn: Ob sich gleich der Erdkreis dreht, stehn sie dennoch unbeweglich. Und dein Arm, Herr Acbaoth, stützet ihre Westen täglich. Dein Versprechen, deine Wahrheit, deine Güte, deine Treu, Gleicht der Felsen festem Grunde: deine Huld wird täglich neu. Unveränderlich bist du, großer Gott, der Menschen liebet. Wenn auch hoher Berge Last und der Hügel Heer zerstiebet. Macht uns gleichwol die Verheisung muthig und Vertrauensvoll, Daß dein Bund, der Bund des Friedens, ewig feste stehen soll. Sollt' ich wol, Unendlicher, von der Weisheit Spuren schweigen, Won den Schätzen deiner Huld, die sich auf den Bergen zeigen? Von der Fülle deiner Güter, die von dir auf Menschen fließt? Von dem Scegcn, den der Mangel deiner Creatur genießt? Nein: Voll Inbrunst will ich mich hin auf jene Höhen schwinge», Und mit froher Dankbarkeit deiner Wunder Macht besingen. Ogelängen mir die Lieder! Lallend fang ich zwar, doch gern, Davids fcucrreiche Töne: Berg und Hügel, lobt den Herrn: Milder Vater, gleichwie du liebreich auf das Niedre siehest, Und den Armen aus dem Koth und VerachtungSstaube ziehest: Also strömen unaufhörlich von Gebirgen weit und breit i;4 Gaben deiner treuen Sorgfalt/ Schätze deiner Freundlichkeit» Dort eröffnet sich der Mund «»versiegter frischer Quellen, Die vereint in Bach und Fluß/ und sodann in Meere schwelle«/ Wenn sie zu der Mensche» Nutzen sanft und dienstbar sich bequemt/ Und beschwert von Mast und Seegeln weite Länder durchgeströmt. Dort ergießt sich Fruchtbarkeit i» der niedern Felder Flächen; Wild und muntrer Vögel Heer scherzen an den Silberbächen. Frölich schmucken sich die Auen mit Getreide / Blum' und Gras / Die doch/ wäre» keine Berge, Brand und magre Dürre fräs. Durch der Berge Dienst wird auch, waS in hellen Fluthen schwimmet. Manches schuppichte Gericht, Sterblichen zur Kost bestimmet. Also hat, Herr, unser Herrscher, deine Weisheit uns bedacht, Daß uns Wald, Feld, Berg und Waßer satt von deinen Gütern macht. Du hast in der Felsen SchoS Erz und Marmor cingegraben: Da wächst im verborgnen Schacht, was die Menschen nöthig haben» Mehr noch, als sie ausgespähet, mehr noch, als ihr Fleis entdeckt, Hat im tief gesenkten Abgrund deiner Allmacht Hand versteckt» Wann der Sonne früher Stral hoher Felsen Haupt vergüldet, Oder wann an ihrer Stirn sich ihr Licht im Westen bildet, Rufen uns der Berge Stimmen, früh zur Arbeit, spät zur Ruh, Deines Friedens süße Bothschaft, deinen Schutz und Seegcn zu. Allenthalben herrscht dein Arm, hocherhabner Gott der Ehren. Himmel, Erde, Luft und Meer, Berge, Thal und Wälder lehre» Deines Wolthuns weiten Umfang, deiner Wunder hohen Preis, Und wie dein allsehend Antlitz alles wol zu ordnen weis. Schrecklich, Herr, ist deine Macht, wenn der Mensch sich trotzig brüstet, Und dein Arm sich wider ihn zur gerechten Rache rüstet; Wenn vsm Schelten deiner Stimme die bestürzten Himmel flieh», Und die Donner, deine Bothen, deines Mundes Wort vollzieh». Wenn die Ledern Libanons von entzündenden Gewittern, Und der Berge Grund Mtd Haupt unter deinen Händen zittern; -" IZ Wenn vom scharfen Wetterschlage Basans Eichenwald erbebt/ Und vergebens deiner Allmacht und dem Sturmwind widerstrebt; Wenn der Lag sich schnell in Nacht hinter schwarzen Wolken hüllet, Und dein rächendes Gericht manches Land mit Furcht erfüllet > Wenn des kalten Hagels Strafe die Verwüstung mit sich trägt, Und des Jahres FleiS und Hoffnung, Blüt' und Früchte niederschlägt: Starker Gott, wer muß alsdann nicht aus deinen großen Werken, Daß dir unsre Furcht gebührt, mit crschrocknem Herzen merken? Dach, du strafst nicht gern die Menschen: deine Lust ist, wolzuthun r Deine Frommen können sicher unter deinen Flügel» rühm Darum will ich allezeit, Herr, auf deine Gnade trauen: Laß mich deine Vatcrhuld, laß mich deine Hülfe schauen. Anbetung und Dank und Ehre sey, erhabner Gatt der Macht, Dir von allen deinen Werken jezt und immer dargebracht. Erzählungen und Fabeln. Der verkleidete Wolf und das Schaf. Einst fand cin Wolf, und wie? das weiß ich nicht, Ein Fell, das neulich noch cin lebend Schaf getragen. Begehrt ihr hiervon mehr Bericht, Das nächste Dorf giebt eurer Ncugicr Licht: Dort dürft ihr nur den Metzger fragen. Genug, es war noch warm und eben abgestreift: Denn hatt' es fchon die Luft gesteift, Umsonst dacht' unser Wolf es über sich zu schlägen. Nun, um euch kurz das übrige zu sagen, So merkt: der Wolf ersann jezt eine List. Ob die ihm wol gelungen ist? Wir wollen sehn: er mag fein Kunststück wagen. Er lächelte, daß er so sinnreich war, Und schlupft' ins Fell: doch ihn bedeckts nicht gar. So sehr er sich auf dieses Kleid verlaßen, So wollt' es doch nicht recht an feinem Körper paßen. Nun trat der Wolf voll Zuversicht einher, Und redete bey sich, so ungefähr: Kömmt Zeit, kömmt Rath: hier ist der Sieg nicht schwer. O! wenn doch schon ein Schaf zugegen wär! Gleich sah er eins. Es schien ihm wenig Gaben, Und von Verstand kein großes Maas zu haben. Er ahmte jczt der Schafe Stimme nach, So guts ihm möglich war, und sprach: Du siehest, Freund, wie übel mirs ergangen; Dir klag ichs mit bethränten Wangen: Jczt eben fiel ein böser Wolf mich an: Sich da die Frucht vom Räuberzahn. Mein armes Fell ist hie und da zerbißen, Und ohne Medors Wachsamkeit, Der half mir noch zu rechter Zeit! Hätt' er mich ärmsten gar zerrißcn. O! nim dich meiner an und sorge für mein Glück: Hilf zu den Brudern mir zurück: Ich rühme dann an dir der Freundschaft Meisterstück. Das Schaf erwiederte: Dir werd ich nimmer trauen. Sich! Medors Treue springt herbey, Und machet mich von deinem Grimme frey. Man kennt den Wolf an seiner Heucheley, Und bcßer noch an seinen Klauen. Du, der du durch Betrug und List Der schwächer» Redlichkeit so oft verdächtig bist, Sprich noch so ffiß: es werden deine Thaten Früh oder spät dein böses Her; verrathen. Der Heuchler, der als Schaf verkleidet war, Wird als ein Wolf mit Schanden offenbar. L40 Das Caninchen und die Löwin. Zuweilen spricht aus kleinen Seelen Bey welchen man umsonst Verdienste sucht, Verachtung anderer, des tummen Stolzes Frucht, Und Selbstzufriedenheit, und freche Tadclsucht. Beweis mir das! Mein Herr, es soll nicht fehlen. Damit sie sich die Wahrheit nicht verhelcn, So soll die Fabel sie erzählen. * * » Caninchen sind zu aller Zeit Ein Beyspiel seltner Fruchtbarkeit: Und daß sies immer so gewesen, Das kann man bey Gelegenheit Beym Plin und Aldrovand und Büffon weiter lesen. Ein Muttcrthier von dieser Art, Stolz auf die Zahl und Gegenwart, So vieler nun crzogncn Jungen, Die nach und nach aus seinem Blut entsprungen, Bcdünkte sich, was wichtiges zu seyn: Und weil es noch in keinem Zcitungsblatte Ein Lob von sich gelesen hatte, ! So ficng es an, sich selbst ein Lob zu weyhn. Das wollen wir ihm gern verzechn: Nur quäl es uns auch nicht mit seinen Pralereyn. Die Löwin kam aus einem nahen Holze: Vor ihr erschrak das weiteste Revier. Gelaßen blieb das kleine Thier, Und sprach mit ungezähmtcm Stolzer Daß uns ein seltner Ruhm gebührt, Davon sind Löwen auch, ich seh es, überführt. Wer mag uns auch den Vorzug streitig machen, Daß wir für Stat und Nachwelt wachen? Wir, die doch sonst die Stärksten gar nicht sind, Erziehn der Welt so manches Kind: Du siehst bey Duzenden sie jährlich um uns springen. Und du? der Wälder Königin, Versäumest deine Kraft, und Wummerst sorglos hin? Kaum sehn wir dich, des Thierrcichs Herrscherin, Ein Kleines alle Jahre bringen. Drauf sprach der Löwin Edelmuth: Ein großer Unterschied trennt unser beyder Blut. Besinne dich, daß alle deine Hecken Sich immer noch vor meiner Zucht verstecken. Eeläng es dir, auch Tausende zu ziehn, Sie wären doch nur scheu, wie deines gleichen, Und müßten Einem Löwen weichen, Vor Eines Löwen Stimme flichn. Wenn sich Gargil stolz über andre hebet, Verdienste träumt, nach fremdem Ruhme strebet, 142 - - Und für die Welt so brauchbar niemand lebet: Macht ihm das Ehre? Nein. Hat er Verdienst, so mögens andre loben. Verächtlich wird er jczt und klein: Ihn hat nur noch sein eigner Mund erhoben: Und Eigenlob klang niemals fein. >4j Die Sonnenblume und das Veilchen. eines Gartenzaunes Ende Sah einst die hohe Sonnenwende, Im Gras versteckt, ein niedrig Veilchen stehn, Und sprach. Doch halt! das wollten wir verbitten. Man hats bisher an Thieren noch gelitten, Daß die sich in Gesprächen stritten: Doch welche Zeiten! welche Sitten! Die Blume sprach? Das kann nicht gehn. Wenns aber nun gedenkt in einem Buche stünde, Wars dann noch falsch? noch eine Sünde? Und hätten wir sodann nicht gute Gründe, Auch Blumen mit der Kunst der Sprache zu versehn? Isis meine Schuld, daß ihr so wenig sehet, Und Blumcnsprachen nicht verstehet? Sucht nur das Buch und lest es selber nach. Genug! Die Sonnenwende sprach, Und wie sich das versteht, aus einem hohen Tone, Verächtlich und mit bitterm Höhne: Du, gutes Blümchen, dauerst mich: Dort siehst du: kaum bemerkt man dich. Es ist doch auch von dir recht wunderlich, Daß du so schamhaft dich versteckest, Und dir von Achtung nichts erweckest. Wie leicht geschieht ein unbedachter Schritt. 144 Der/ armes Veilchen/ dich zcrstrit. Da liegst du dann mit allen deinen Gaben. Doch deren magst du wenig haben: Sonst würdest du so tief dich nicht vergraben. Ich aber bin mir meines Werths bewust. Und zeig ihn aller Welt mit Lust. Sich nur/ wie hoch des Stengels Kraft mich hebet; Welch Helles Gold mein Angesicht belebet/ Und wie der Sonne Bild auf meinen Wangen schwebet; Das kleine Blümchen sprach sodann: Ich weiß es/ daß von mir man wenig rühmen kann. Mit meinem Stand und dem/ was mir bcschieden, Bin ich im Stillen gern zufrieden. Man folge nur getreulich seiner Pflicht: Das ist genug hienieden / Und unsers Ruhmes braucht es nicht. Nur andern kommt es zu / das Urtheil festzusetzen / Wer unter uns der Beste sey. Die Veilchen pflegt man noch zu suchen und zu schätzen: Dich staunt man an / und geht vorbey. * 4- 4r Thu deine Pflicht in jedem Stande. Die Niedrigkeit ist keine Schande: Ein Weiser adelt sie durch Tugend / die noch gilt. Bist du rechtschaffen und bescheiden / Was brauchst du jenen zu beneiden / Der Dcr seinen Durst nach Ehre geizig stillt? Sey unbesorgt; es fehlet nicht an denen, Die deiner noch mit Ruhm erwähnen, Wenn auch ein Thor dich schilt. K I 146 Climene oder der zerschlagene Spiegel. Ein junges Weib/ mich dünkt, sie hies Climene, Spielt einstens eine seltne Scene. Nun! Weils was seltnes war, so hören wirs mit an: Denn wär es was alltägliches gewesen, So mögten wir es wol nicht lesen. Erzähl es nun r was hat das Weib gethan 7 Jung war sie noch, so wie wir jczt vernommen, Und konnte so leicht einen Mann bekommen. Auch war sie schön, und wußte, daß sics war. Hieriune durfte sie des Spiegels Zeugnis trauen: Da pflegte sie sich öfters zu beschauen. Der stellte sie ihr oft im treusten Bilde dar. Kaum sah man sie, 0 ! so gefiel sie allen, Und hätte, blieb sie schön, auch immerfort gefallen, Bedrohte sie nur nicht die schrecklichste Gefahr , Die ihrer Schönheit tödlich war. Climene sank aufs Krankenlager: Vom Ficberanfall ausgezehrt, Was ihrer Augen Glanz verheert, Ihr Angesicht erblaßt und mager, Und jeder Zug des schönen Munds entehrt. Sie hätte gern und ohne Widerstreben Ihr junges, nun erschöpftes, Leben Für den Verlust der Schönheit hingegeben. Doch dasmal kam sie noch davon: Nur war der Reiz der Wangen weggeffohn. ^Kaum lies sich wieder Kraft in ihren Gliedern spüren, So lies sie sich zum treuen Spiegel führen. O! dasmal sollte sie nicht in den Spiegel sehn! Es könnte leicht ein Unglück draus entsteh« r Doch, wie gesagt / sie wills. Ich laß es denn geschehn. Da stund Climene nun, beym Spiegel anzufragen; Darf ich, wie sonst, Eroberungen wagen? Du wirst mir schon die rechte Wahrheit sagen. Er sagte sie. Sie sah sich: welch ein Blick) ' Erschrocken bebte sie zurück: Der gute Spiegel war zerschlagen. Das dacht ich wol, hör' ich hier manchen klagen r Nun weiß die Welt von ihrem Zorn genug. Gewiß, Climene war nicht klug , Daß sie voll Raserey den Spiegel so zerschlug. * * rft Die ihr den Redlichen zu wahren Freunden zählet, Der euch die Fehler frey entdeckt, Und euer Herz zur Bcßerung erweckt, Habt Recht, wenn ihr dann auf Climenen schmälet. Darfs aber keine Seele wagen, Von Vorurtheil und Wahn euch zu befreyn, Und so für euch ein treuer Freund zu seyn, Was habt ihr dann zu sagen? l4« Das Schaf und der Dornbusch. Ein Schaf gierig einst bey dichten Hecken Ganz unbesorgt im Gras einher, Und lies sich da die Kräuter trefflich schmecken. Kurz war die Lust. Denn ohngcfähr Verwandelte sie sich in bange Todesschrccken. Ein Wolf war in der Nähe. Das arme Schaf erblickte die Gefahr, In der es damals war, Als ob sichs schon in feinen Klauen sähe. Unmöglich wars, durch Laufen zu entkommen: Der Wolf lief schneller noch, Und hätte seine Beute doch Unfehlbar in Besitz genommen. Wie half das Schaf sich nun? Was war in dieser Noth zu thun? Zum Dornstrauch, sprach es, will ich fliehen, Und so der Grausamkeit des Wolfes mich entziehen. Gleich drängte sichs tief in den Busch hinein, Und freute sich, in Sicherheit zu seyn. Der Wolf sann, was er machen sollte, Und weil er sich nicht gern durch Dornen wagen wollte, So gab crs kurz auf und entfloh. Das gute Schaf war deßen herzlich froh, Und strebte wiederum nach der verlaßnen Weide. » 4 - Doch sah cs bald zu seinem Herzeleide: Sein Glück war nur ein unvollkomnes Glück: Mit Mühe kams heraus; die Wolle blieb zurück. Und dennoch wird mit Recht den Klugen beygezählet, Der, wenn ein doppelt Leid ihn quälet, Den kleinsten Schaden wählet, Und dann getrost erträgt, was seiner Ruhe fehlet. t i;o Der Vater und sein Sohn, nebst dem Esel. Nach D. Sebastian Brand. ^.in Bauer wäre gern des Esels los gewesen, Der ihm zur Last schon lang im Stalle stund: Jung war er nicht, und auch nicht gar gesund. Mich dünkt, da brauchts kein langes Federlesen. Der gute Mann eilt mit ihm in die Stadt, Und Host ihn da gewiß an Mann zu bringen, Und weil sein Sohn noch nichts gesehen hat, So läßt er sich durch Bitten leicht bezwingen, Und nimt ihn auch mit in die Stadt. Der Weg war weit; das arme Thier war matt: Und Beyde mußten sich bequemen, Die ferne Reise nach der Stadt Auf Schusters Rappen vorzunehmen. Sie thatens auch. Als das die Leute sahn, So staunten sie einander an. O! seht doch, seht, gierrgs an ein Fragen: Ob nicht der Bauer und sein Kind Mehr Esel noch, als dieser Esel, sind? Der Langohr sollte wol von beyden einen tragen. Ihr fragt: wozu man sich entschloß? Das will ich euch mit wenig Worten sagen. Der Alte half dem Sohn aufs graue Müllerroß, Gieng neben her an seinem Stäbe, Und war vergnügt: und muthig ritt der Knabe. Es fanden bald sich neue Tadlcr ein. Man sah den Reiter kaum von weiten, So ficng das Volk unwillig an zu schreyn: Der Junge könnte gehn; der Vater sollte reiten: So geht der alte Narr allein. Fürwahr, das stehet doch nicht fein. Der Knabe, ganz beschämt, erwog des Tadels Gründe, Hielt sein Verfahren selbst für Sünde, Und sprach: der Tausch ist bald geschehn; Kommt, Vater, sitzet auf, laßt mich zn Fuse gehn. Der Alte thals, und billigte die Lehre, Daß ihn sein Sohn als Vater ehre. Nun wird doch auch die Sache wol bestehn? Vielleicht. Wir werden es iezt aus der Folge sehn. Auch dieser Ritt war nicht von langer Dauer. Dem Knaben ward gar bald das Gehen sauer. Es hics: das ist ein harter Mann, Der seines Sohnes Müh gleichgültig sehen kann. O! nähm er ihn mit auf des Esels Rücken: Sie beyde würden ihn wol nicht zu Tode drücken. Die Leute haben recht: und dann? Was sollt er thun, der alte, gute Mann? Was thun,, daß ihn die Welt nun wieder lieb gewann? Er mußte sich zu etwas doch entschließen, Und lies den Sohn des Esels mit genießen, Und nahm ihn jezt auf feinen Schos. Das würde für den guten Knaben Ein Fremder selbst mit Lust vcrwilligt haben. Wie? Ward der Alte nun des steten Tadels los? Bald rief man: seht den tummcn Gecken; Das arme Müllerthier wird alle Viere strecken: Die Last ist viel zu gros. Das Thier ist schwach, und doppelt ist die Bürde. Was kaum der Stärkste tragen würde, Beschwert den Schwächer» desto mehr, Den Esel drückt die Ladung viel zu sehr. Der Vorwurf kränkt den guten Alten: Er mogte doch den Esel gern behalten. Wie fängt ers an? Hört, was der alte Mann Für einen guten Rath ersann. Er stieg herab mit seinem Sohne: Die Absicht ist, daß er des Esels schone. Das sieht man leicht, und bald ist das vollbracht: Ich hätt' es selbst auch so gemacht. Wie aber ists dann weiter zugegangen? Die Sache ward nicht übel ausgedacht. Er band dem armen Thiere Mit kluger Vorsicht alle Viere. Es ward sodann an zwo vorhandnen Stangen Bey seinen Füßen aufgehangen, Und so zur Stadt gebracht. Dem Vater half der Sohn den Esel tragen. Das gute Thier war gleichwol zu beklagen: Denn abgezehrt und kraftlos wars, und alt. Ihr wüßtet gern, wie ^iel es so noch galt? Das will ich euch in aller Kürze sagen: Sonst mögtet ihr noch weiter fragen. Doch, wünschet ihr davon umständlichen Bericht, So rath ich euch; vcrgeßct nicht, Im Bastian daS weitre nachzuschlagen. Das arme Thier war nun am Markte zum Verkauf. Man hält sich nicht bey eurem Esel auf: Was euch beliebt, das könnt ihr mit ihm machen; Schrie jeder, das sind eure Sachen: Ihr schts ja selbst; er ist zu nichts mehr gut. Dem armen Mann entfiel der Muth: Denn ihn bctrübctc das Spotten bis aufs Blut, Und mehr, als dieses, noch der Spötter hönisch Lachen. Der Bauer warf hierauf den Esel in den Bach, Und schickte für erlittne Schmach, Für Tadel und Verlust, dem armen Lastthicr, ach; Noch einen tiefen Seufzer nach. * * * Wem wird wol je die Welt den seltnen Lobspruch gönnen Sein Thun sey klug -und wol bedacht? Wer wird sich jemals rühmen können, Er hab es allen recht gemacht? l?4 Der Äff und der Schuster. Ernst sann ein Äff mit aufmerksamer Miene Dem Zuschickt eines Schusters nach, Und merkte dann durch Zusehn allgemach, Wozu der Kneif im Schneiden diene. Man weiß nun, wie die Affen sind: Sie machen gern sich was zu schaffen. In diesem Stück war unter allen Affen Der Schusteraff gewiß kein Kind. Man konnte schon an seinen Mienen sehen, Er würde meisterlich sich auf den Schnit verstehen. Nur auf die Probe kams noch an7 Vielleicht wars doch bey ihm nur Einbildung und Wahn? Wird nicht der Schuster bald aus feiner Werkstatt gehen? So lang er bleibt, kanns nicht geschehen: Doch kaum wird er den Rücken drehen, So macht gewiß der Ass sich dran. Schon lange sucht ers abzupaßcn, Sein Meisterstück im Schneiden sehn zu saßen. Der Schuster geht: nun, dächt ich, gicng es an. O ja! nun wird er Arbeit kriegen. Er siehet eine Haut vom besten Saffian, Und einen Kneif dabey im Laden vor sich liegen. Wenn unser Äff den Vortheil jezt versäumt, So wett ich, daß er träumt: Vergeblich wär ihm dann die Werkstatt eingeräumt; Wir würden dann von seinen schönen Gaben Auch weiter nichts zu melden haben. Doch dasmal können wir noch ohne Sorgen seyn: Der Affe trit bereits herein, Sitzt an des Schusters Werktisch nieder, Besieht die Haut, und rückt sie hin und wieder, Und schneidet dann aus allen Kräften drein. Nun will ich, spricht der Äff, vergnügt von ferne stehen, Und meinen Schuster mir den Beyfall lächeln sehen. Mir dankts gewiß der gute Mann, Daß er in kurzer Zeit durch meinen Fleis gewann, Was der Geübteste so bald nicht liefern kann. Hier siehet er, was Affcnwitz ersann. Und wirklich fiel die Haut, in dieser kurzen Weile, Aus einem Stück vielleicht in tausend Theile. Der gute Schuster kömmt zurück. Wie? macht der Äff nun sein gchofftes Glück, Für dieses schöne Meisterstück? Und wird ihm Lob und Lohn dafür zu Theile? Indem der Schuster um sich schaut, Erblickt er die gcwesne Haut. Wer, Henker! hat sie mir zerschnitten? Rief er bestürzt: die schöne Haut! Der Äff lies sich nicht viel um Antwort bitten. Nicht wahr? sprach er mit Lachen überlaut: Ihr hättet mir so viel nicht zugetraut? Hab ich nicht trefflich zugeschnitten? l;6 » O! warte, du verwünschter Lass. Hat dich der Schneider hergcrittcn? Ich will dich . . Nun entsprang der Äff. 4 - 4- 4r Ein Stümper kann zwar vieles schaffen: Doch gleicht er stets dem arbeitsamen Affen. Zwar vieles thut er: aber, ach! Das Werk ist auch darnach; Und, wie man sonst gewöhnlich spricht: Die Arbeit lobt den Meister nicht. » Der Hirsch und der Baumschröter oder Hirschkäfer, -Verr Bruder Hirsch, sprach einst mit großem Stolze Ein Käfer/ der gedankenvoll im Holze Mit einem Hirsche sich verglich. Wie wars? Ein Käfer hätte sich Aus Stolz mit einem Hirsch verglichen? Nur gleich den Einfall weggestrichen! Das lautet viel zu wunderlich. Ihr Herren thut auch gar zu klug. Wie? wenn ich euch denn weiter sagte / Daß dieser Käfer sich an die Vergleichung wagte/ Indem er von Geburt/ lind so mit gutem Fug/ Ein förmliches Geweih an seinem Kopfe trug? Das wäre doch Erläuterung genug. Er konnte denn/ nun müßt ihrs selbst bekennen/ Die Hirsche seine Brüder nennen. So hies er auch den Hirsch und sprach: So klein ich bin/ so stehest du mir nach. Ich muß dir zwar an Größe weichen: Auch kann ich mich an Schnelligkeit Mit Hirschen nicht vergleichen. Doch hört man auch von Zeit zu Zeit/ Daß Hirsche / wenn sie heftig springen / Zum Theil sich um das Glück gerader Glieder bringen: Und dann ists auch nicht selten schon geschehn / Daß, wenn sie rasch, dem Tode zn entgeh» , In buschigtcs Gehölze dringen, Sie mit den Enden sich verschlingen, Und so dem Untergang sich ausgesetzet sehn. Ich, der ich dich treuherzig warne, Ich fürchte mich vor keinem Garne, Vor Hunden nicht, noch vor der Jagd Gefahr, Die manchem Hirsch schon tödlich war. Mich hebt der leichte Schwung der Flügel, In Sicherheit, weit über Feld und Hügel: Kein Jäger krümmt mir je ein Haar. Mein Vorzug wäre denn hiermit auch offenbar. Er hätte länger noch gepralet: Denn damals war und sprach er frey. Jczt aber schlich ein Knabe sich herbey, Schlang einen Faden ihm unis zackigte Geweih. Und zog ihn in die Sklaverey. Nun ward sein frecher Stolz bezahlet. Er schwung die Flügel zum Entflichn: Doch fühlt' er sich zurücke zieh«. Denn eines Kindes Hand zwang seinen Stolz und ihn. * * H Leicht ists, bey andrer Unfall scherzen. Ein harter Mensch nimt freylich fremde Schmerzen Nicht sonderlich zu Herzen. Allein, der Stolz ist doch nicht gut: Denn vor dem Fall kömmt immer stolzer Muth. Das Pferd und der Hirsch. Dom Lyrischen Dichter StcfichoruS von Himcra in Sicilien. Man sehe auch im Horaz des ersten Buchs zehnte Satyre. Ein Pferd war schon geraume Zeit Mit einem Hirsch im Streit: Denn jedes wollte stets auf dem gemeinen Rasen Unbrüderlich, allein und unverträglich grasen. Bald, war das Pferd vom Hirschgeweih bedroht; Bald drohete dem Hirsch des Roßes Huf den Tod: Und so war täglich Zank und Noth. Wie gut wärs, wenn sie sich vertrügen! Denn so genößen sie mit ruhigem Vergnügen, Was jedem Wald und Wiese bot. Allein, wies immer gehl, rsts damals auch gegangen, Dem einen that des andern Anblick leid: Daraus entstund Verdruß und Neid. Unmöglich wars, zum Frieden zu gelangen. Das Pferd war doch am wenigsten gescheid, Da sichs entschloß, drum Händel anzufangen. Beym Gulliver und in der Huichems Land, Da hatten doch die Pferde mehr Verstand: Da wär es stiller zugegangen. Wer seinem Gegner schonend weicht, Und gütig sich mit ihm vergleicht, Ist glücklicher, als wer den Feind erschleicht, lös Und ftiuen Zweck beleidigend erreicht. Kaum hatte sich das Roß die Rache vorgenommen, So sah es einen Jäger kommen, Und sprach: ich sehe schon, wem ihr zu Leibe wollt, Und sieh dafür, daß ihr ihn haben sollt. Sitzt auf, ich will euch gerne tragen, Dem Hirsch, den meynt ihr doch? mit Vortheil nachzujagen, Damit ihr, weil er nicht das Weiderecht mir gönnt, Ihn leichter dann erlegen könnt. Der Jäger schwung sich mit Entzücken, In aller Eil, auf dieses Pferdes Rücken; Und freudig wieherte das Roß, Als nun der Mann den Hirsch erschoß. Dem Pferde war hierdurch ein rechter Dienst geschehen: Dem Jäger auch. Jezt wollt' es wieder gehen: Dann aber half kein Bitten und kein Flehen, Daß also mit Verdruß und Gram Das stolze Thier um seine Freyheit kam. Ihr, deren hartes Herz auf andrer Schaden sinnt, Was ists, das ihr dabey gewinnt? Ihr ließt euch nicht zur Nachsicht rathen. So seyd denn, weil ihrs wollt, mit später Reu beladen, Und werdet klug mit Schaden. Der röi Der Alte und die Mücke. in alter Mann, der an der Sonne sas, Und da sein Brod vergnügt im Freyen as, Vermogte sich / das war doch auch kein Spas, Der Mücken kaum mehr zu erwehren. Sie kamen haufenweis und halfen wacker zehren r Von seinem Brod? Was wäre das? Sie durften sich nach Lust von seinen Brocken nähren: Allein, das war kein Mückcnfras. Blut suchten sie, und waren niemals müßig, Es auszulaugen, wo sichs fand; Doch weiß man auch von guter Hand: Nie ist das Blut bey Greisen überflüßig. Die Mücken nahmen denn den Alten greulich mit, Der mehr als eine Qual von ihren Stichen litt. Doch schien ihm unter allen Besonders eine zu misfallen, Die ihn zu großem Ungemach Bald auf die Hand, bald in die Backen stach. Jezt war ihm Stirn, jezt Schlaf und Nacken blutig. Die Mücke war im Stechen stets so muthig, Daß ihm zuletzt der Duldungsfaden brach. Er schlug nach ihr, doch wider alles Hoffen Ward seine Mörderin von keinein Schlag getroffen. Die Freche sprach vielmehr mit keckem Sinn; L IÜ2 Warum misgönnst du mir, daß ich so frölich biu? O guter Mann, laß ab von deinem Dreuen: Die Mücke darf doch wol des Lebens sich erfreuen? Ieg schlug er noch einmal , und traf: Da war sie hin. Die ihr euch gern in beißenden Satiren Auf Kosten andrer lustig macht, Ihr Herren, könnt dabey am meisten noch verlieren. O! nehmet euch in Acht. Ihr werdet abgeputzt, ich hab es wol gedacht, Und dann beschämt noch ausgelacht. i6; Die Muschel. bween Männern, die am Strande giengen, Kam eine Muschel zu Gesicht. Voll war sie, und ein gnt Gericht Für alle beyde, die sie fiengen. Gern hätte jeder sie für sich allein gehabt, Und sich damit gelabt. Weils keinem nun gelang, den andern drum zu bringen, So ward ein Schicdsmann auserschn: Wie wirds nun gehn? Ich wette wol: er triffts mit einem male. Da seht ihrs: Er verschluckt die Muschel ganz allein, Hält dann in jeder Hand die Hälfte von der Schale, Und spricht: ihr Herren, theilt euch drein. Das merkt euch, ihr, von zänkischem Gemüthe: Vertragt euch zeitig in der Güte. Die zwey Maulthiere Aus dem Phadrus. 'Lin Thier, an Stimme, wie an Ohren, Zum Esel halb, und halb zum Roß gebohrcn, Traf einsmals seines gleichen an, Und sprach: du bist doch wol ein armer Unterthan. Ich wette, wärest du für meinen Herrn erkohren, Daß dich, es ist kein eitler Wahn, Die aufgelegte Bürde Nicht halb so sehr beschweren würde. Komm mit mir: lerne glücklich seyn: Mein Dienst ist gut. Komm, liebes Brüderlein. Die besten Tage warten dein. Wie? Gieng er nicht? Ach, nein! Er iah des Bruders kahlen Rücken Auch ein Gepäck, doch minder lästig, drücken, Und sprach r woher denn diese Last? Vielleicht, daß du sie selbst dir aufgeladen hast? Es mag mir, wers auch sey, befehlen; Sprich, werden mich darum die Lasten minder quälen * » Wenn eine Last dich drückt, so merke dieses doch r Der Weise schweigt, und trägt sein Joch. Der Thor nur schätzt der Knechtschaft Ketten hoch. Die zween Hunde. Sween Hunde fanden einen Knochen: Den hatten sie schon hin und her bcrochen, Als nun der Stärkere den Vortheil sich ersah, Ihn zu sich riß, und dann benagte. Ja! Der Schwächere stund auch nicht müßig da. Er sprang hinzu und faßcte behende Ihn an dem andern Ende. Wies immer nun beym Zank der Hunde geht, Das Spiel ward Ernst. Da! seht! Sie ließen iczt den Knochen beyde liegen, Um bey den Ohren sich zu kriegen. Indeßcn kam von einem nahen Ort Ein dritter Hund, und trug den Knochen fort. Die ihr durch Eifersucht und Neid Euch selbst und andern schädlich seyd: Vertrügt ihr euch, dann wäret ihr gescheit». IÜÜ ! - Der schlechte Haushalter. Ein guter Wirth steckt nie, aus falschem Wahn, Das Licht zugleich an beyden Enden an. Doch ist dem Esel wol, so tanzt er auf dem Eise: Ein jeder Narr hat seine Weise. Will man vom Gegentheil ein deutlich Beyspiel sehn, So braucht man nur nach Krümmelgram zu gehn: Dort ists geschehn. Da sah man mehrmals manchen Gecken Bemüht, das Licht, um deutlicher zu sehn, An beyden Seiten anzustecken. Gerade stund es freylich nicht: Auf diese Weise brennt kein Licht. Man hielts also für Pflicht, Es in die Queere hinzuwenden: Nnn brannts an beyden Enden. ' O! schwerlich wird was gutes draus. Das Unselt floß schon hin und wieder In vollem Strome nieder. Das Licht war aus. * O! nie besteht ein Haus, In dem, durch Eitelkeit bethörct, Der Wirth sein Gut verschwenderisch zerstöret. 167 Der Haberecht. Ein Haberecht giebt niemals nach: Sein Eigensinn wählt eher alle Schmach/ Als daß ers eingestehen sollte, Wenn ihn ei» anderer des Irrthums zeihen wollte. Nur er hat allemal am richtigsten gedacht, Und was er thut, ist immer wol gemacht: Und leichter würde man des Tiegers Wuth bezwingen, Als einen Habcrccht auf andre Meynung bringen. Wer etwa nach Beweisen fragt, Besinne sich vor allen Dingen, Was Doktor Brand voin Läuseknicker sagt. Und wenn in ewigen Prozeßen Die Zänker Recht und Billigkeit vergcsien, Wer hat am glücklichsten sein ganzes Gut verspielt? Der Bettelarm, doch unterdeßen Zuletzt noch Recht behielt. Der Hund im Fluße. Ein Hund, der froh aus einer Metzge kam, Und ein geraubtes Stück von Fleische mit sich nahm, Schwamm über einen Fluß, und trug das Fleisch im Munde: Im Schatten schwamm das Bild von einem gleichen Hunde, Der auch ein ähnlich Stück zu seinem Frühstück trug. An einem hab ich nicht genug, Dacht' er, ich wäre wol nicht klug, Wollt' ich zur Unzeit hier mich schämen, Dem andern seines wegzunehmen. Gedacht, gethan! Er schnapte jezt darnach. Die Reue kam zu spät: Denn, ach! Er mußte nun sein gutes Frühstück mißen: Vvm Fluße wards mit fortgerißen. * * * Der Geizige lebt immer misvergnügt. Nie hat der Thor, was ihm genügt, Bis ihn zuletzt ein Traum und Wahn betrügt. 169 Die Biene und die Ameise. Ein Bienchen sog einmal, beym Stral der Frühlingssonne, Von Ncktarkost sich, voller Wonne, Aus manchem Blumenkelche satt. Da lief auf einem nahen Blatt, Mit bebender Behendigkeit der Glieder, Ein Thierchen auf und nieder, Und eh die Biene sichs versah, War dieses kleine Thier mit seiner Frage da: Wie lange wirst du müßig sitzen, Da wir indeß bey unsrer Arbeit schwitzen? Du? schwitzen? und für wen? fiel ihm die Bien' ins Wort: Du dürftest dich weit weniger erhitzen. Denn ohnehin wirst du der Welt nichts nützen: ' Sich jene Stöcke dort! Die pflegen wir in warmen Tagen Von Wachs und Honig voll zu tragen: Nach Bicnenfleis darfst du nicht weiter fragen. Davon kann jeder Landmann sagen. Sie sprachs, und flog nun fort. * Oft lobet sich der Müßiggänger dreister, Als der, so mit gesetztem Muth Sein Tagewerk im Stillen nutzbar thut. Der Arbeit Würde lobt den Meister. M 17 « Der Hund und der Kater. Ein Hund ward einst mit Kater Hin; erzogen, Und blieb ihm sänge Zeit, als seinem Freund, gewogen. Sie liebten sich mit rechter Innigkeit, Und wußten nichts von Eifersucht und Streit. Stets schliefen sie auf gleichem Küßen, Und wenn der eine fräs, So hielt er ein, es dürft' ihn sonst verdrüßen« Bis auch der andre kam und mit vom Teller as. Oft neckten sie sich auch, und sie verstunden Spas r So werden sie sich denn beständig lieben müßen? In ihrem Haufe wars der Brauch: Was eins bekam, das andre kriegt' es auch. Daß einer auch dem andern etwas gönnte, Vermied man mir Bedacht, was sie entzwcyen könnte ^ Indem man keinen Theil vergas. O! wenn es immer doch fo bliebe! Doch war einmal der Suppenteller knapp; Ich weiß nicht, wie das kam. Der Hund, mit einem Schlapp, Fräs alles auf. Des Katers Liehe War duldend und vergab. Nun mas man auch an einem andern Tage, Mit Vorbedacht, so geht die Sage, Das Freßen sparsam ab. Weil Hin; jczt hungrig war, so wurde nicht vergeßen, 17 » Den ganzen Verrath anfzufrcßen. Doch dasmal kam er übel an. Der Hund war doch ein rechter Grobian: Er hatte tückisch unterdeßen In einem Winkel still gcscßen. Jezt sprang er auf, biß Hinzen bis aufs Blut, Und ward ihm auch nie nachmahls wieder gut. Gelaßen lies der Kater das geschehen. - * -i- * Wie leicht entsteht auch unter Freunden Zwist; Wird gleich oft friedsam nachgesehen: Nicht lange wird die Einigkeit bestehen, Da wo man eigennützig ist. Ende. MÄS? WW- ^ .H»'' !WLR