Gebete, An dem in dem helvetischen Freystaate^ auf den 6 . Herbstmonats 1798. angestellten iDank-Buß-undBtttW, den Christlichen Gemeinen des Kantons Basel vor und nach einer jeden Predigt vorzusprechen; Mit beygefügtem VerZeichnksi »er Texte, so in den Predigten, .Ät, wie auch der Psalmen und Gesänge, welche gesungen werden sollen. j Rirchenbidliochch J er. VI. 8 . l Lasch ' Bessere dich, Jerusalem.! ehe sich Mein Herz von Air wende, und Ich dich zum wüsten Lande mache, d>arinn niemand wohne. Ä._ _ Vor der Ersten Predigt wird man lesen: Den 2y. zs. Z4. so. s l. 6s« und iozten Psalm. ^ Text der Ersten Predigt um 9. Uhr: , Psalm L.XV, 2. z. 4. s. -i Gott! man lobet Dich in der Stille zu Zion, und H Dir bezahlet man Gelübde. Du erhörest Geber: darum kommt alles Fleisch zu Dir. Unsre Missethat. «> drücket uns hart: Du wolltest unsre Sünde vergeben. Wohl dem, den Du erwählest, und zu Dir lassest, daß er wohne in Deinen Höfen; der hat reichen Trost von Deinem Hause, Deinem heiligen Tempel. , Gesang: Psalm I.XV. Vor der Predigt, das r. 2. und zte; Nach der Pre, e digt, das 4te; Nach dem Gebete, das ste Gesah. " Vor der Zweyten Predigt wird man lesen: Den zz. z6. 6r. 6r. 6z. 66. 67. und 8sften Psalm. Text der Zweyten Predigt um 12 .Uhr: k Psalm IXVII, 6. 7. 8. ^ Es danken Dir, Gott! die Völker; es danken Dir ' ^ alle Völker. Das Land giebt sein Gewächse: es N segne uns Gott, unser Gott! Es segne uns Gort, und alle Welt fürchte Ihn! ^ ^ Gesang: Psalm I.XVII. ^ Vor der Predigt, das iste; Nach der Predigt, das 2te; Nach dem Gebete, das zte Gesatz. I! Vor der Dritten Predigt wird man lesen: ^ >! Der; ganzen Brief pauli an die Epheser. n A' Ä -r: :,S Text der Dritten Predigt um z. Uhr: Aus dem Briefe Pauli an die Römer, XtV, 19. Darum lasset uns dem nachstreben, das zum Frieden dienet, und was zur Besserung unter einander dienet. Gesang:HerrIesnChrist,DuhöchstesGut!rc. Vor der Predigt, das i. und 2te; Nach der Predigt, das 5. und 6te; Nach dem Gebete, das 7te Gesatz. Gebet vor der Predigt. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sey mit uns allen! Amen. Geliebte in dem Herrn! Lasset uns vor dem Gnadenthrone Gottes uns demüthigen, und Ihn im Geiste und in der Wahrheit also mit einander anrufen: s^rott! man lobet Dich in der Sülle zu vi/ Zion, und Dir bezahlet man Gelübde. Du erhörest Gebet: darum kommt alles Fleisch zu Dir. Auch wir erscheinen an diesem feyerlichen Tage vor Deinem Gnadenthrone im Namen Deines vor- geliebtenSohnes,inWclchenr allein alle unsre Lobopfer und Gelübde Dir angenehm, und alle Deine Derheiffungen von der Erhörung unsers Gebetes Ja und Amen sind. Herr, unser Gott, allmächtiger Schöpfer und Erhalter, und allgütiger Beherrscher allerDeinerGeschöpfe! Dir gebühret Lob und Preis und Dank; denn Du hast alle Dinge geschaffen, und durch Dein allmächtiges Wollm haben sie das Wesen. Der Himmel ist Deines Lobes voll, und Deine heiligen Engel preisen Deinen herrlichen Namen unabläßig vor Deinem majestätischen Throne. Billig soll denn auch die Erde Deines Preises voll seyn: denn wie sind auch hier Deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll Deiner Güte. Uns insonderheit liegt es, als unsre heiligste und seligste Pflicht, ob, täglich Deinen Ruhm zu verkündigen. Denn wie groß, wie köstlich, wie unzählbar sind nicht die Wohlthaten, die Du an uns gethan hast, und noch thust! Du hast uns dieß Leben verliehen und durch Dein gnädiges Aufsehen unsern Odem bis auf diese Stunde bewahret. Du gabst unsrer Seele ihre edlen Kräfte, und unserm Leibe seine Gliedmassen W V und Sinne, dadurch wir fähig gemacht werden, die Pflichten unsers Standes undBerufes zu erfüllen,und dermensch- lichen Gesellschaft zu dienen. Als das gütigste Wesen, das am Wohlthun Seine Lust findet, öffnest du täglich Deine milde Hand; und, wie Du alles, was da lebet, mit Wohlgefallen sättigest : so giebst Du auch uns allerley Gutes zu gemessen reichlich dar, und erfüllest unsre Herzen mit mannichfaltigen Freuden. Du hast dieß Jahr besonders mit Deinem Gute gekrönet, und uns einen reichen Vorrath von Getreide bey erwünschter Witterung einsammeln lassen. Die Bäume trugen reichlich ihre Früchte; und auch das Gewächse des Weinstocks hast Du so gesegnet, daß wir einem reichen Herbste entgegen sehen. Billig stimmen wir denn in den Lobqesang ein: Es danken Dir, Gott! die Völker; es danken Dir alle Völker. Das Land giebt sein Gewächse: es segne uns Gott, unser Gott! ES segne uns Gott, und alle wett fürchte Ihn! Ja, Herr! Du hast Grosses an uns gethan; deß sind wir fröhlich. In allen unsern Schicksalen, die Deine Hand ordnete, hast Du uns nach Deinem weisen Rathe geleitet. Wie oft haben wir Deinen Schutz in Gefahren, Deine Hülfe in der Noth, Deinen Trost in den mancherley Drangsalen dieses Lebens erfahren! O laß uns keine Deiner Wohlthaten vergessen, sondern stärke durch öfteres lebhaftes Andenken daran unser Vertrauen auf Dich, daß Du auch fernerhin unser Schutzgott, unser Vater und Versorger seyn, und uns nie verlassen, noch versäumen werdest. Ja, schenke uns Muth und Standhaftig- keit, alles, was Du für die Zukunft über uns beschlossen hast, ohne ängstliche Furcht zu erwarten; jede Last, die Du uns aufzulegen gut findest, willig auf uns zu nehmen; und fröhlich in Hoffnung , und geduldig in Trübsal, unter anhaltendem Gebete unsre Wallfahrt fortzusetzen; dessen gewiß, daß wir kein Unglück zu fürchten haben, wenn Du, o GotN bey uns bist, uns liebst und uns hilfst ; und daß, wenn A wir nur Dir gehorchen und uns Dei- lc, nem allein weisen und gütigen Willen ^ unterwerfen/ alles, was uns hienieden M wiedersähet, zu unserm Heil gereichen in müsse. nn Hast Du uns, o Gott! schon in ^ Deinem Reiche der Natur so viele und ß grosse Beweise Deiner väterlichen Huld l»>> DerDudasHerz prüfest, undDemnur ^ Aufrichtigkeit angenehm ist, wie kann I»l es Dir Wohlgefallen, wenn wir Dir Reue und Traurigkeit über unsre Sün- den bezeugen, davon aber unser Herz W nichts empfindet; wenn wir gute Ent- M schlieffungen fassen, die aber mit dem heutigen Tage wieder verschwinden; uü wenn wir Dir Besserung angeloben, of aberdochniekeinerechtschaffenenFrüch- M te der Busse bey uns erfolgen ? Damit v würden wir ja nur Deiner spotten, und k dadurch unsreSchuld und Verantwor- st! tung vor Dir vermehren. Ach, darum ist verbanne doch allen Leichtsinn und alle , h Heucheley aus unsern Seelen; schaffe T in uns, o Gott ! reine, aufrichtige und !ii zerschlagene Herzen, die Dir ein ange- st nehmes Opfer seyn mögen; und gieb, k daß wir Dir unsre Busse nicht blos mit ' li Worten, sondern vielmehr mit unsern i at- Gesinnungen und mit unserm ganzen n, Wandel bezeugen mögen. Wie groß, ;» v Du gerechter und heiliger Gott! ist nc das unter uns herrschende Verderben, ir, wie unzählbar die Menge unsrer Sün- iil den! Wie träge sind wir zur Beobach- D tung unsrer Pflichten! Wie oft bietest Ä Du uns Kräfte und Gelegenheit dar, n- Gutes zu thun, und wir thuns nicht! h Wie oft haben wir Vorsätze der Bestell- rung gefaßt, und Dir neuen Gehorsam in zugesagt , und doch sind unsre Vorsätze r, und Zusagen unerfüllt geblieben! Wie n, oft haben wir Deine Wohlthaten mit h unempfindlichem, undankbarem Her- it zen genossen, ja, sie wohl gar zur Sün- de mißbraucht! Noch immer wächst der r- freche Haufe der Spötter unter uns an, n die die Religion verachten , ihrer Ver- heissungen und Drohungen lachen, s Deiner Allmacht durch die frevelhafte- d sten Meyneide Trotz bieten, Dir gleiches sam allen Dienst aufkünden, und die , Schwelgerey, den Pracht, die schänd- t tichste Wollust zu ihren Abgöttern ma- l chen, denen sie den besten Theil ihrer Zeit, besonders die Dir geheiligten Tage ; denen sie ihre Kräfte , ihrVer- ^ mögen und ihre ganze zeitliche und ewi- ^ ge Wohlfahrt aufopfern. Wie sehr hat k die Eitelkeit und Ueppigkeit, und die ^ daraus entspringende Leichtsinnigkeit ^ und Gleichgültigkeit gegen alles, was ernsthaft und für die Ewigkeit wichtig s ist, sich unsrer Herzen bemächtiget! ^ Wie wenig Treue und Liebe gegen ein- 7 ander ist unter uns zu finden! Wie sehr U hat hingegen Treulosigkeit, Ungerech- in tigkeit, Betrug, Lieblosigkeit, Haß, Neid und bittre, unversöhnliche Feind- k! schaft überhand genommen! Ach ja, ge- ^ rechter Gott! unsrer Sünden sind zu viele, als daß wir sie alle zahlen und namhaftmachen könnten. Wären unsre ? Gewissen nicht beynahe aller Empfin- A düng beraubt, ach, so würden wir uns . h gewiß von der Last unsrer Missethaten so m hart gedrückt fühlen, daß wir mit tief- "" gebeugter und erschrockener Seele vor ^ Dir klagen würden: Unsre Miffetha- u, ten gehen über unser Haupt; wie eine ^ schwere Last, sind sie uns zu schwer § !tz worden! Ja, trostlos müßten wir unter der ^ Last unsrer unzählbaren Sünden verzaaen, wenn Du uns nicht mit der theuren Ver- " stcherunq aufrichtetest, daß Du nicht den A Tod des Sünders wollest, sondern daß er dii sich bekehre und lebe. Zum überzeugendsten ^ Beweise, wie ernstlich Dein Verlangen nach ... unsrer Rettung sey, hast Du selbst Deinen ^ eingebvrnen Sohn in die Welt gesandt, die ky Sünder selig zu machen. Nun, Du Vater der ll! Barmherzigkeit! gehe doch nicht mit uns ins Gericht; handle nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach unsern f Missethaten. In Christo Jesu fassen wir das chi demüthige Vertrauen zu Dir, daß Du uns die Erlösung durch Sein Blut, nämlich, L die Vergebung aller unsrer Sünden, schenken werdest, so wir uns nur von Herzen zu Dir bekehren und an Seinen Namen glau- jl! den. Aber ach, wir fühlen es wohl, daß wir ,j> von uns selbst weder zur rechtschaffenen Be- kehrung, noch zum lebendigen Glauben tüch- " tig sind. Beyde sindDeinWerk und DeineGa- ^ be. Schaffe denn selber, o Du Gott unsers !§ Heils l ein reines Herz in uns, und gieb uns ss einen neuen, gewissen Geist. Erwecke in unsern Seelen eine Dir gefällige Neue und ^ Traurigkeit über unsre Sünden, einen leben- ^ digenGlauben anDeinen hochgelobtenSohn, ^ und einen heiligen Abscheu an allem ungöttli- > chen Wesen und allen weltlichen Lüsten. Lehre ^ es uns mit völliger Gewißheit einsehen, daß wir nur alsdann wahre Zuftiedenheit und Glückseligkeit zu gemessen haben, wenn wir in Deinem Frieden, in Deiner Huld und M Gemeinschaft stehen. Erneuere uns durch Deinen heiligen Geist nach Deinem Eben- bilde; und laß Deine Liebe uns mächtiglich ? dringen, uns Dir zum Eigenthum zu ergeben, .kß undalleunsreLeibes-undSeelenkräfteDirzn einem Opfer darzustellen, das da lebendig, ^ heilig und Dir wohlgefällig sey. ^ Vater aller Menschen! nimm Dich aller ^ unsrer Nebenmenschen, und insonderheit M unsrer Mitchristen, gnädig und väterlich an. « Segne sie nicht nur mit irdischen, sondern >e auch mit geistlichen Segen und himmlischen AI Gütern. Walte mit Deiner verschonenden H Güte und mit Deinem mächtigen Schutze m und Segen über unserm werthen Vaterlande, Laß Wahrheit, Tugend und Gottseligkeit ^ darinn wohnen, und wahre Freyheit, Ruhe ^ und Frieden darinn blühen, damit es uns ^ und unsern Kindern wohl gehe. Bewahre k dasselbe vor Kriege, Theurung, innerlichen m Unruhen, ansteckenden Seuchen unter Men- ^ sehen und Viehe, und andern verderblichen !"? Plagen. Erhalte, schütze und regiere mit Deinem guten Geiste alle christlichen Obrig- -k! Leiten, insonderheit die Direktoren und Ge- D fttzgeber des einen und untheilbaren helve- 8k tischen Freystaates; und in demselben die »i Statthalter, Verwalter und Richter des Kantons Basel. Gieb, daß wir unter dersel- ^ « keil Schutze ein ruhiges und stilles Leben N führen mögen, in aller Gottseligkeit und Ä Ehrbarkeit. Erfülle die Lehrer Deiner Kirche H mit reiner Liebe zu der Wahrheit, die zur Stz Gottseligkeit dienet; und gieb , daß siedie- H selbe immer gründlicher kennen, lautrer und N kräftiger vortragen, und exemplarischer aus- c;ii üben lernen. Vermehre aber auch unter uns die kleineAnzahl derer, die ihre Lust an Deinem Worte und Dienste finden; und laß sie !lkr es erfahren, wie gut es die haben, die Du erwählest und zu Dir lässest, daß sie woh- R nen in Deinen Höfen; wie reichen Trost m sie schöpfen in Deinem Hause, Deinem heiligen Tempel. Lege Deinen Segen auf N die Bemühungen der Lehrer in hohen und P niedern Schulen, damit durch ihren Fleiß dk. nicht nur gute Bürger, sondern auch recht- nk schaffene Verehrer der Religion erzogen ht werden. Verbinde die Eheleute in Einigkeit ^ und wahrer Liebe mit einander, und laß sie n ihr Hauptgeschaffte daraus machen, Dir, m dem Herrn, mit ihrem Hause zu dienen; ^ und die Kinder, die Du ihnen gegeben haft, n durch Unterricht, Gebet und gutes Exempel jx frühzeitig auf Deine Wege zu führen. Gieb i, Segen und Gedeihen zum Feldbau, zur E- Handelschaft und zu allen rechtmäßigen b Gewerben, und laß uns das, was uns Deine ^ müde Hand beschehret, mit Dankbarkeit, -. Zufriedenheit und Mäßigkeit genießen, und . dabey des Dürftigen nicht vergessen. Steure den Kriegen in aller Welt; mache den Tagen der Unruhe und Angst, der Verwüstung und des Blutvergießens ein Ende; und verherrliche Deine Güte und Erbarmung durchZ die baldige Wiederkehr eines so sehnlich gewünschten allgemeinen und dauerhaften Friedens. Laß auch den Geist der Liebe undZ Eintracht in unser aller Herzen regieren,^ daß wir stets dem nachstreben, das zum Frieden dienet, und was zur Besserung unter einander dienet. Erleuchte die Un-H wissenden; erwecke die Sichern; bringe die- Verirrten zurechte; tröste die Traurigen;- heile die Kranken; starke die Schwachen;! schone der Sünder; bekehre die Unbußfer-s tigen; begnadige die Bußfertigen, und er-- halte sie im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung bis ans Ende. Laß doch, end-, lich, o Du Gott unsers Heils.' diesen Tags uns allen zu einem wahren Buß-und Versöhnungstage werden; befestige in uns allek gute Vorsätze und Gelübde; treibe und stärke' uns durch DeinenGeist, von nun an beständig auf dem Wege Deiner Gebote zu wandeln. Ach ja, laß doch heute unsern Seelen Barm-z Herzigkeit und Heil wiederfahren, um Deines hochgelobten Sohnes Jesu Christi willen, in Dessen Namen wir Dich ferner also anrufen: Unser Vater, rc.