Die öeo Mes, Und Wie dieselbe zu vertreiben sey, Vorgestellt Aus dem ersten Buch Samuels Cap. XV. A zs." Bey St. Theodor im mindern Basel, den 22. Herbstmonats, An. 1752. Als unter Hohansehnlich - und volkreichem Geleite in ihre Ruhe getragen wurde Die Viel-Ehren-und Tugendreiche alomc KchWttMi»» Des Ehrwürdigen und Wohlgelehrten HERRN >l. Matthäus Wem», Treueiferigen Omconi, und Mit - Arbeiters am Wort GOttes bey St. Theodor, Gewesene eheliche Hausfrau, f Von Johann Uriederich Muber, vinLono daselbften. Gedruckt bey Emanuel Thurneysen. /s. I K1OR.I' «K--L MZ sE» MM ÄMZ W« LE 4 » Aus dem I. Buch Samuels Cap. XV. A zZ. Mso muß man des Todes Bitterkeit vertreiben. W »slegW: M guten Tage sey guter Dinge , Pred.Sal. und den bösen Tag nimm auch für gut; denn disen schaffet GOTT neben jenem, sind Worte Salomo, des weisen Königs und Predigers. Ist in der Taht eine höchstnöhtige und nützliche Erin- A 2 ncrung, 4 Christliche nerung, welche auch uns Christen gelten soll. Denn Icpem.17r9.es ist das Herz des Menschen ein trotzig und verzagt Ding. Trotzig ist dasselbe in dem Wol- stande. Da wird der Mensch gemeiniglich sicher und vermessen, und meynet, es werde noch weiter also wahren, und die guten und erfreulichen Tage, welche er auf der Welt geniesset, ihm durch allerhand trübe Creutzeswolken, durch betrübte Todesfälle der lieben Seinigen, oder auf andere Weise Nicht so bald verbittert werden. Verzagt hingegen ist das Herz in dem Adelstände: Denn da laßt der Mensch den Muht oft sinken, und er kan sich kaum oder gar nicht Heimweisen , daß auf die Trübsal villeicht in kurzem auch wiederum Freude, auf die Anfechtung Trost , und auf seinen empfindlichen Vertust ein neuer und andrer Segen folgen werde. Es Heil- set noch allezeit bey einem Manchen, wie der König David von sich die aufrichtige Bekanntniß tuht: Psalm;--: Ich sprach, da mirs wol gieng: Ich werde 7-«' nimmermehr darnider ligen; denn, HERR! durch dein wolgefallen haft Du meinen Berg stark gemachet. Aber da Du dein Antlitz verbärgest, ersthrack ich. Damit nun wir Christen uns in die guten und bösen Tage gebührend schicken mögen, so ist nöhtig, und es wird erfordert, daß wir uns GOttes allweise Fürsehung und Regierung fleißig zu Gemühte führen, Leichr Predigt. 5 ren, aufDenjenigen, von welchem gute und böse Tage , Glück und Unglück, Leben und Tod herkommen- immerdar unsere Augen richten, dem HErrn für den Wolstand , den Er uns biß dahin beschert hat, herzlich danken, und uns zugleich vorstellen, daß der grosse GOtt, in dessen Hand und Gewalt des Men- 3erem. 1° schon Tuhn, und alles, was ihm in der Welt be- gegnet, steht, plötzlich unser Wesen andern, das' Glückes - Nad geschwind sich umdrehen, dasjenige, was jetzt oben geschwebt, bald unten kommen , und ErderHErr also auch uns die Freude und das Vergnügen, welches wir etwan an unsern Kindern und Anverwandten durch derselben Wolergehen und Beförderung erlebt haben, unverhofft durch ein zugesandtes schwares Hauscreutz in Bitterkeit und Wermut verwandeln könne. Sirach ist mit dergleichen Gedanken umgegangen, und gibt deßhalben einem jeden diese feine Lehre: Sprich nicht, ich Sirach n habe genug, wie kan mirs fehlen? wenn dirs wol gehet, so gedenke, daß dirs wieder übel gehen kan; und wenn dirs übel gehet, so gedenke, daß dirs wieder wol gehen kan. Der anjetzo in Liesse Trauer gesetzte Herr Mittlrer, unser Geehrte und werthe Herr LolIeM, bestätigt mit seinem Exempel die Wahrheit des angezogenen salomonischen Spruches, daß nämlich GOtt neben dem guten auch den bösen Tag schasse, und A z dise Vir Lonlult. O.LKVLLL8 l/, <ü. elcÄus <>. !A. Lnz. 6 Christliche dise beyde gar bald mit einander abwechseln können. Denn als vor wenig Wochen eine uns allen bekannte Begebenheit , nämlich die Erwählung seines Herrn Sohns zu dem wichtigen und ansehnlichen Schuldheissenammt in unsrer mindern Stadt, Ihm und der ganzen Familien zu einem Anlaß einer inniglichen und herzlichen Freude worden, so wandte sich in seinem Hause, nach dem Verlauf einer kurzen Zeit, das Blatt schon wieder, und folgten auf die guten und angenemen bey Ihm böse, läidige und betrübte Tage, indem seine getreue Eh- gehülffinn einsmals erkrankte, von GOtt in einen schwären Kampfgeführet wurde, in grosse Angst und Bangigkeit geriehte, und endlich gar die Bitterkeit des Todes kosten und erfahren mußte. Wir gedenken derowegen, so viel uns der HErr dißmal in unsrer Schwachheit mit seiner Krafft und Gnade unterstützen wird, bey der Bestattung der selig - verstorbenen Frau Pfarrerinn denen gegenwärtigen Traurenden vorzustellen, wie sie den bösen Tag auch für gut annemen sollen; und Ihnen insonderheit mit Betrachtung und Verhandlung der verlesenen Worten in ihrer Betrübniß eine Quelle des Trostes anzuweisen, aus welcher sie dienliche Mittel herleiten können, um damit bey der Ihrigen, oder ihrem eigenen Absterben, die Bitterkeit und den Schrecken des Todes zu vertreiben. Die Leich-Predigt. 7 Die Worte unsers Textes, welche ganz deutlich sind, und also keiner weiter» Erklärung bedörfen, sind eigentlich aus dem Munde eines Heiden, nämlich Agag, des Königs der Amalekiter, geflossen; dennoch aber können dieselbe auch uns Christen gar schön lehren, wie wir dem Tode getrost entgegen gehen, und unter Augen treten, und uns wider die Bitterkeit desselben aus GOttes Wort bewaffnen sollen. Also muß man des Todes Bitterkeit vertreiben, sprach dieser heidnische König in unserm Texte, als er vor den Profeten Samuel geführet wurde. Agag gieng getrost, oder nach dem Grund- Texte, in zärtlichen Kleidern zu disem Profeten, und meynte, dieweil man ihn zu demselben, als zu einem alten Manne, und einer geistlichen Person führte, daß nunmehro, wie solches der Verstand der Worten mit sich bringt, die Bitterkeit des Todes gewichen, und keine Gefahr mehr vorhanden sey, daß er werde getödet werden, wie er sich zuvor besorget hatte. Also muß man des Todes Bitterkeit vertreiben , sprach diser König mit einem unerschrockenen Muhte. Unser Vorhaben ist, nach Anleitung dieser Wölkn , mit Euer Lieb zu reden Erstlich T Christliche Erstlich: Von der Bitterkeit des Todes. Und zum Andern: Von denjenigen Mitteln,durch derenGebrauch dise Bitterkeit kan vertrieben werden. Ein jeder gläubiger Christ fasse wider die Bitterkeit des Todes den Trost, und stimme in Erwartung desselben gegen GOtt mit mir freudig also an: Kommt es zuletzt mit mir zum Sterben, So fallt mir doch der Muht nicht hin, Im Tode kan ich nicht verderben, weil ich sein Rind und Erbe bin, Ich weiß, daß GC>tt mich ewig liebt, Und mir die Lebens - Krone gibt. Amen! Km km Rrßen: Bitterkeit des Todes, derer in unserm Texte gedacht wird, wenn es heisst: Also muß man des Todes Bitterkeit vertreiben, ist ein allgemeines Übel, welches sich über das ganze Leich-Predigt. 9 ganze menschliche Geschlecht erstrecket; denn es ist uns allen bekannt, daß für den Tod kein Kraut gewachsen, und den Menschen gesetzt sey, einmal Hebr.-:r§. zu sterben. Da ist unter Hohen und Nidern, Reichen und Armen, Alten lind Jungen, Manns-und Weibspersonen kein Unterschied. Wie alle Sternen an dem Firmamente des Himmels von Aufgang gegen Nidergang steh wenden; alle Flüsse und Was- ferströme ihren Lauf in das Meer nemen; und alle Schiffe auf dem Meer dem Port zueilen, daß sie darinn anlenden mögen: Also wandern auch alle Menschen täglich näher zum Tode und Grabe, wo Ml-ss: 4-. ist jemand, fragt David, der da lebet, und den Tod nicht sehe ? der seine Seele errette aus des Grabes Hand. Iosua redt also von seinem Tode: Ich gehe heute dahin, wie alle Welt. Und Hiob 305 : 14. bricht gegen GOtt in dise Klagworte aus: Ich H'ob weiß, Du wirst mich dem Tode überantworten, das ist das bestimmte Haus aller Lebendigen. Wenn wir das Register der Patriarchen und Vättern vor der Sündflut aufschlagen, unter welchen etliche über neunhundert biß gegen tausend Jahre gelebt haben, so finden wir, daß Mose in derEr- zehlung ihrer Lebensgeschichte Keinen derselben, nur den einzigen Enoch ausgenommen, ohne Visen Nachklang Vorbeygehen lasse: Und er starb. Dise Bitterkeit des Todes, welche endlich B allen IO Christliche allen Menschen zu kosten bevorsteht, kommt her von der Sünde. Dise hat den Tod, gleichwie auch allerhand Krankheiten, Schmerzen und Elend in die Welt gebracht, laut dem göttlichen Verbotte, wel- i.B.Moft ches an unsere ersten Eltern ergangen: Von dem ^Baum derErkänntniß des Guten und Bösen sott du nicht essen; denn welches Tags du davon essen wirft, wirft du des Todes fterben. Es bleibt hier bey dem, was GOtt selber ausgesprochen Ezech.i8:iy. hat: welche Seele sündiget, die soll fterben. Röm.ü! 2 ;. Und was der Apostel bezeugt : Der Tod ift der Sünden Sold. Vor distm in dem alten Testa- ;.B.Mose mente mußte dasjenige Haus, welches mit dem um 14; 4;. bch fressenden Allssatze angestecket war, nidergerissen, und Holz, Steine, und andere Materialien desselben an einen unreinen Ort getragen werden: Also muß jetzt der Mensch, welcher zu dem Ende erschaffen worden, daß er ein Tempel des lebendigen GOttes, und eine Wohnung seiner Herrlichkeit seyn solle, die Sünde aber, als ein geistlicher Aussatz, ihm Leib und Seel dermaßen verderbt hat, daß er sich selber nicht mehr gleich siht, durch den Tod zerstört, und fein Leib zur Verwesung in das Grab gelegt werden. Wann wir nun, Geliebte in dem HErrn, den Tod in dem Spiegel der Natur, und wie er an sich selber ist, anschauen und uns vorstellen, so kan derselbe Leich-Predigt. rr selbe, nach dem Ausspruch des Königs Agag in unserm Texte, uns nicht änderst als bitter vorkommen. Der Tod ist eine Auflösung der Seele und des Leibes. Gleichwie zwey gute Freunde ungern von einander scheiden: Also geht es auch ohne Bitterkeit nicht zu, wann die liebliche Gestllschaft des Leibes und der'Seele durch den Tod aufgehoben wird. Daher geschiht es, daß der Mensch alles anwendet, was er nur immer kan, damit er sein Leben erhalte und verlängere. Er ist gesinnt, wie die Bruder Josephs, welche in ihrer äussersten Noht gebätten, und zu disem ihrem Bruder gesprochen: Laß uns r. B. Moss nur leben, und Gnade vor dir, unserm Herrn, ^ finden, wir wollen gerne Pharao leibeigen seyn. In Krankheiten nimmt etwan der Mensch die bittersten Arzneyen zu sich, in der Hoffnung, sich durch den Gebrauch derselben wiedrum zu der Gesundheit zu verhelffen. Ein Mancher läugnet seine begangenen Ubeltahren, so lang er kan, und läßt sich oft gar darüber peinigen und foltern, um dadurch einen schwächlichen Tod von sich abzulehnen. Diejenige, welche auf dem Meere Schiffbruch leiden, suchen sich, so lang es ihnen die Kräfften zulassen, mit Schwimmen zu erretten, und also den Untergang und das Verderben aufzuhalten. Einmal niemand hat je- MC;:-.-, mals sein eigen Fleisch gehastet, sondern er nähret es, und pflegt sein. Es giltet hier das Wort B 2 des 12 Schriftliche Hivb-:4. des Satans: Haut für Haut, und alles, was ein Mann hat, laßt er für fein Leben. Die Bitterkeit des Todes erhellet überdiß auch daraus, dieweil der Tod den Menschen von demjenigen treibt, was er in der Welt besessen und genossen hat. Wie der Dieb kommt, daß er raube und stehle, was er davon bringen und wegtragen kan: Also werden auch die Menschen durch den Tod dessen beraubet, woran sie sich auf Erden ergötzt haben. Der Tod machet allem Zeitlichen ein Ende, dessen sich ein sterbender Mensch für immer begeben muß. Der König und Monarch muß alsdann seine Majestät und Herrlichkeit, seine Krone und Zepter ablegen und verlassen, und es ergeht ihm, wie Saladin, dem egyptischen Sultan, welcher, als er auf dem Todbette lag, befohlen, daß man das leinen Tuch, darein sein Leichnam wurde eingewickelt werden , durch einen Herolden auf der Spitze einer Lanze allenthalben herum tragen, und dabey ausruffen solle: Dises sey alles, was diser große Fürst von dem, so er auf Erden besessen, davon trage. Der Reiche muß in dem Tode seine zeitlichen Güter mit dem Rücken ansehen, ja oft unvermuhtet die Lucäi-:-<>. traurige Stimme Hörern Du Narr, dise Nacht wird man deine Seele von dir fordern, und weß wirds- seyn, das du bereitet haft? Derjenige , welcher in Ehren und Aemtern gestanden, und M Leichr Predigt. iz in hohem Ansehen geschwebt, wird , wenn es mit ihm zum Sterben kommt, dem Allergeringsten gleich, und er kan in einer solchen würde nicht Psalms: - r. mehr bleiben, sondern muß davon, wie ein Vieh. Der Wollüstler muß in der Stunde des Todes seinem guten Leben, aller Lust und Freude diser Welt absagen, und geht es zu einer solchen Zeit bey ihme an ein Klagen: Was hilft mir nun der Pracht?B. der Weis- was bringt mir nun der Reichtum samt dem hett;:8,-. Hochmuht? Es ist alles dahin gefahren, wie ein Schatte, und wie ein Geschrey, das vorüber fährt. An dergleichen Leuten wird erfüllt, was in dem Buche Sirachs steht: O Tod! wie Sirach 41: bitter bist du, wenn ein Mensth an dich geden- ^ ket, der gute Tage und genug hat, und ohne Sorge lebt, und dem es wol geht in allen Dingen, und noch wol essen mag. Dem Tode gehen ferner gemeiniglich vorher angsthafte Krankheiten, anhaltende Schmerzen und Wehtage. Zwar der Mensch wird etwan plötzlich aus disem Leben weggerafft, und ihm keine Zeit vergönnt, sich durch Busse, Glauben und Gebatt zum Tode zu schicken und zu bereiten ; dennoch aber muß der meiste Teil der Menschen mit Ach und Wehe dahin sterben; und es geht einem Manchen, wie der König Hiskia in seiner tödtlichen Krankheit geklaget: Ich winselte wie ein Rranich und Mi rs: ,4. B z Schwall i4 Christliche Schwalbe, und girretewie eine Daube; meine Augen wolten mir brechen, HERR, ich leide Noth, lindre mirs. Zu den Schmerzen des Leibes schlagen zuweilen noch geistliche Anfechtungen, welche dem Menschen insonderheit viel zu schaffen machen , und desto empfindlicher find, je edler und für- treflicher die Seele ist, als der Leib. Alle diese lai- dige Begebenheiten sind die Ursach, daß auch die Frommen und Gläubigen den Tod als etwas bitters anfthen; dann wie heilig sie immer sind, so bestehen sie doch aus Fleisch und Blut, dem das Leben allezeit lieb und angenem ist, und welches sich hingegen über dem Tode als einem bittern Tränke entsetzet. Daher kommt es auch, daß es bald bey allen Sterbenden eben wegen der Bitterkeit, welche der Tod mit sich führt, heißt, wie bey unserm IEsu, als Er sich das ihm bevorstehn- de schwäre Leiden, und seinen blutigen Tod in dem L»c.ir:;°. Geist vorgestellt, unddeßhalben gesprochen hat: Ich muß mich tauffen lasten mit einer Tauffe, und wie ist mir so bange, biß ich sie vollenden werde. Endlich ist in dem Tode der Satan nicht müs- sig, dein; er weißt gar wol, was und wie viel am Sterben gelegen sey; daher findt er sich auch am meisten um das Kränkelt - und Todtenbett ein, wecket einem Sterbenden das Gewissen auf, und hält ihm die Mänge und Grösse seiner Sünden vor, welche er ihm bey gesundem Leib und guten Lagen leicht Leichr Predigt. 15 und gering gemacht hat; jetzt aberinderletsten To- desnoht über die Massen groß und schwär macht, und weit über GOttes Gnade und Barmhertzigkeit erhebt. Wenn zu einer solchen Zeit der böse Feind gewinnt, und die Oberhand behalt, so ist der arme Mensch in Ewigkeit verloren. Geschiht es aber, daß der Mensch obstgt, und sich' wider die listigen An- läuffe des Satans erwehren kan, so muß dieser höllische Versucher mit Schanden abziehn, und den sterbenden Christen durch den Tod, und alle Bitterkeit desselben zum Leben, in die Ruhe und Freude des Himmels hindurch dringen lassen. eine Krankheit ist, da ist man auf Mittel bedacht , derselben zu steuern, und dem Patienten Lindrung zu verschaffen: Allst ist es nicht genug, daß wir wissen, wie bitter der Tod sey, sondern es wird jetzt, als für das zweyte, auch erfordert, daß wir Mittel an die Hand geben, durch deren Gebrauch die Bitterkeit des Todes kan vertrieben werden. Der König Agag, welcher die Worte unsers Textes ausgesprochen hat, gleichwie auch die andern Heiden, haben zwar mit allerhand Gedanken die Hiob r; und 2i: i6 Christliche die Bitterkeit des Todes einiger mästen zu miltern und zu vertreiben gesucht, als wenn sie sich vorgestellt haben: Es müsse einmal gestorben seyn, der Mensch ruhe es gerne oder ungerne; es stehe einem tapffern Manne wol an, daß er aus der Noht eine Lugend mache, und mit heroischem Geiste leide, was nicht zu andern ist; es sey um ein böses und bitteres Stündlein zu tuhn, so sey der Kampf vorbey , und alle Schmerzen überwunden. Andrer dergleichen lärer Tröstungen zu geschweige«, welche die Heiden zu Vertreibung der Bitterkeit des Todes Herfür gebracht hatten. Fürnemlich wird anjetzo Agag, -er König -er Amalekiter, -a er vor den Profeten Samuel, und zum Tode geführt wurde, bey sich gedacht haben: Es fey besser gestorben, denn lang gefangen seyn, und jedermann zum Spott und Spectacul dienen. Aber alle dise und andere eingeführte Gründe sind viel zu schwach, jemand wider die Bitterkeit und den Schrecken des Todes gebührend zu bewaffnen; und wenn wir heut zu Tage einen Menschen, der mit dem Tode zu ringen und zu kämpffen hat, nicht besser und kräfftiger aufzurichten und zu trösten wußten, als vormals dise Ungläubige getahn, wurde es heissen, wie der gedultige -4. Hiob zu seinen Freunden gesprochen: Ihr styt un- " nütze Aerzte; wie tröstet ihr mich so vergeblich ? Wir Christen hingegen müssen den Tod betrachten, Leich-Predigt. 17 ten nicht so fast in dem Spiegel der Natur, als etwas/ das uns bitter vorkommt/ oder Angst und Schrecken einjagt; als aber in dem Spiegel der Gnade / wie derselbe durch IEsum Christum uns ein Ausgang aus disem Iammertahl, ein sanfter Schlaf, und grosser Gewinn worden ist/ und allso als etwas/ welches Freude und Seligkeit nach sich zieht. Die 2. B. Most Bitterkeit des Wassers zu Mara / welches die Kinder ^-r.rc. Israels nicht trinket; konnten / hat Moses durch ein Holz, welches er aus göttlichem Befehle in das Wasser geworfen, vertrieben und ihnen versässet. Unser IEsus ist das Holz, und der rechte Baum des Lebens, welcher dem Tode seine Bitterkeit, oder alle Macht genommen, denselben durch seinen Tod überwunden, und allerdings kraftlos gemacht hat, daß er jetzt denjenigen, welche in dem Glauben an Ihn sterben, ander Seligkeit keinen Schaden bringen kan. An Visen wird erfüllt die Verheißung Christi: So Jemand mein Wort halten wird, der wird 3»h. s: den Tod nicht schmecken ewiglich. Als jenesmal Simson rnit seinen Eltern naher Thimnath gezogen, ist ihm ein grimmiger und brüllender Leü entgegen kommen, welchen diser Held, durch göttlichen Beystand, wie ein Böcklein zerrissen. Nach etlichen Tagen fand sich in dem zerrissenen Leüen ein Bienenschwarm und Honig, wovon Simson geessen, und seinen Eltern auch zu kosten gegeben hat, welches er C herna- i8 Christliche hernaher den Hochzeitleuten als em Rähtsel aufgege- D der Richt. den, sagend: Speise gieng von dem Fresser/ und Süßigkeit von dem Starken. Der starke Fresser bedeutet, wie es die Alten ausgelegt haben, den Tod, welcher jetzunder um der Sünde willen alles würget und verschlinget, also daß kein Mensth für ihm sicher ist. Aber ein Andrer und Stärkerer, nämlich IEsus Christus, der ewige Sohn GOttes, ist kommen, und hat den Tod durch seine göttliche Kraft zerstört und überwunden, daß derselbe nun den Gläubigen nicht mehr als etwas Bitters vorschwebt , sondern ihnen gleichsam zu einem fassen Honig worden ist. Denn nachdem der HErr IEsus gestorben, und wiedrum von den Todten auferstanden ist, so wissen wir Christen, und haben aus dem Evangelio die Versicherung , daß der Tod alle Bitterkeit verloren habe, und wir ihn ansehen können als eine Erlösung von so vielen Krankheiten und Schmerzen, und als eine Beförderung zu der ewigen Himmelsruhe. Es geht hier nach dem Zeugniß jener himmlischen Stim- Össenb Joh me: Selig sind die Todten, die in dem HEvrn ":sterben, von nun an; ja der Geist stricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. So lang difes zeitliche Leben währt, sind wir Menschen allzeit mit der Sünde behajstet, und haben Ursach mit dem Apostel zu klagen: Leich-Predigt. 19 gen: Ich elender Mensch/ wer wird mich erlö-Röm.? :^ sen von dem Leibe dises Todes? Aber durch den Tod werden wir von diser beschwärlichen Last, von allen sündlichen Mangeln und Gebrechen befreyct; denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget c. s. 7. von der Sünde. Dises gegenwärtige Leben ist immer mit Kummer / Angst und Noht , Jammer und Elend angefüllt, und von allen Seiten her darmit umgeben. Der Mensch gibt solches mit Wäinen zu erkennen , so bald er an dise Welt geboren wird. In seinem Leben muß er oft und viel im Streit seyn, Hwb 7: r. und seine Tage sind wie eines Taglöhners. Ja es ist ein elendes und jämmerliches Ding um aller Sirach4°:r Menschen Leben, vonMutterleibe an, biß sie in die Erde begraben werden, die unser aller Mütter ist. Aber ein seliger Tod vertreibt alle dise Bitterkeit, und macht, daß auf diejenige, welche einen- DM.4:7. guten Rainpf gekampfet, ihren Lauf wol und christlich vollendet, den Glauben behalten, und also überwunden haben, Frost, Hitze, Hunger, Durst und andre Plagen nicht mehr fallen können. GE>tt wischet alle Trahnen ab von ihren Au- Offenb.Joh. gen, und ist weder Laid, noch Geschrey, noch ^ ' ^ Schmerze mehr, denn das erste, alles Bittre und Betrübte ist vergangen. Dises war die Ursache , daß Elia unter dem Wachholderbaume gebären: Es ist genug, so nimm nun, HErr, mei- --B.de-Kön. C 2 ne 20 Christliche ne Seele, ich bin nicht besser, denn meine Vat- Philipp-1 ter. Und Paulus gewünscht hat: Ich habe Luft abzuscheiden, und bey Christo zu seyn, welches auch viel besser wäre. Wenn wir als wahre und gläubige Christen stcr- Offenb.Jvh. hen, und unserm IEsu biß an den Tod getreu ^ verbleiben, so können wir alsdann den Trost und die Hoffnung schöpfen, und darmit die Bitterkeit des Todes vertreiben, daß auf ein frommes und unsträfliches Leben auch ein erwünschter und seliger Tod folge, und wir an Statt zeitlicher und irrdischer Dingen, die wir in dem Tode müssen dahinden lassen , zu dem Besitze und der Geniessung weit beß- rer und fürtreflicherer Güter gelangen werden. Wenn wir die Erde verlassen, auf welcher bald alle Laster, Sünden und Schanden im Schwang gehen, und überhand genommen haben, so nimmt GOtt durch den Tod unsre Seele auf in den Himmel, allwo Psalm9)!Gerechtigkeit wohnet, und Heiligkeit die Zierde ist seines Hauses ewiglich. Wenn der Tod uns Mlm 27:4. verhindert, daß wir die schönen Gottesdienste des HErrn nicht mehr schauen, noch seinen Tempel, und die Versammlungen der Heiligen, daran wir uns bey gesunden Tagen so oft ergötzt haben, wei- ters allhier aufErden besuchen können, so werden wir hingegen eben durch den Tod versetzt in die trium- Offmb.Joh. fierende Kirche , allwo die Auserwählten GOtt in seinem 21 Leich-Predigt. seinem Tempel Tag und Nacht, ja in Ewigkeit dienen, und Ihn in seinem himmlischen Hause im-- Psalms: ?, merdar loben. Wenn wir in dem Tode aller Schätze und Güter, die wir auf der Welt besessen haben, müßen verlustig werden, und nackt, ohne etwas H>ob - :-i. mit uns zu nemen, wieder dahin fahren , so wissen wir dargegen, daß wir eine bessre und blei-Hebr.i->:;4. bende Haabe im Himmel haben werden, uns an disem seligen Orte solche Schatze bereitet seyn , da sie Matth.6:-->. weder Motten noch Rost fressen, und da die Diebe nicht nachgraben, noch sie stehlen können, und also auf uns warte ein unvergängliches, un-i.Petr.i: beflecktes und unverwelkliches Erbe, welches prallen denen behalten wird,die aus GOttes Macht durch den Glauben zur Seligkeit bewahret werden. Wenn der Tod uns aller Ehre, alles Ansehens, aller Macht und alles Gewalts, womit wir auf der Welt geprangt, beraubt, so folgt hingegen darauf die Ehre und Herrlichkeit des Himmels, allwo GOtt erst recht Lob und Schmuck auf uns Psalms; legt, uns zum Segen setzet ewiglich, und mit 6,7. den Freuden seines Antlitzes erfreuet. Wenn wir der Gesellschaft derjenigen, mit welchen wir in diser Welt einen angenemen und vergnügten Umgang gehabt, durch den Tod entrissen, und etwan von einem getreuen Ehgenossen , lieben Kindern, guten Freunden und Verwandten gescheiden werden , so C z kan Hebr. ir: sr. - 24, 22 Christliche kan alle Bitterkeit, welche eine solche Trennung verursachet, dadurch wieder gemiltert und vertrieben werden, wenn wir uns vorstellen, daß wir nach di- sem Leben in dem himmlischen Jerusalem eine weit bessre Gesellschaft antreffen, und^llda gelangen werden zu der Mange vieler tausend Engeln, zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, zu GT>tt dem Richter über Alle, zu den Geistern der vollkommenen Gerechten , und zu IEsu, dem Mittler des neuen Testaments , unserm Seelenbraütigam, dessen unmittelbare Gemeinschaft uns ewige Freude und Ergötzung verschaffen wird. Ein Mittel, die Bitterkeit des Todes zu vertreiben, ist die Betrachtung, daß, wennschon in dem Tode Seele und Leib von einander getrennt werden, dennoch dises keine gänzliche Zerstörung oder Vernichtigung ihres Wesens sey, weil die Seele, als ein unsterblicher Geist, wenn nämlich dieselbe die Seele eines frommen und gläubigen Christen gewesen, alsdann von den Engeln getragen wird in Abrahams Schooß, und in die Freude des Himmels , allwo solche keine Quaal mehr anrührt. Wenn ein zusamengesetztes Ding sich auflöset, so verfallt dasselbe wieder in seinen Ursprung: Allst wenn der Mensch durch den Tod aufgelöset wird, und es mit seinem Leben ein End nimmt - st kdmmt der Staub, oder Leich-Predigt. 2z oder der Leib , wieder zu der Erde, wie er ge- Pred. Sal. wesen ist, und der Geist, oder die Seele, zu GOtt, der ihn gegeben hat. Wie ein Vogel, wenn derselbe aus dem Kefig los gelassen wird, in der Luft schwebt, und allda seine Freyheit findt: Eben allst schwingt sich auch die Seele, so bald der Leib durch den Tod zerbrochen ist, nach dem Himmel, als dem Orte ihrer ewigen Ruhe und Seligkeit. Und wie ein Fisch, wenn die Schnur und das Netz entzwey bricht, womit man ihn hat fangen wollen, wiedrum in sein Element, das Wasser fallt, darin« er sich beym Leben erhalten kan: Allst wenn der Tod das Band der Seele und des Leibs zerreißt, so versenkt sich nach demselben die Seelein den Strom des lebendigen Wassers, und in das unergründliche Meer der süssen und ewigen Him- ^ melsfreuden. Endlich mag die Bitterkeit des Todes auch dadurch vertrieben werden, indem die christliche Religion uns den satten Trost, und die ungezweifelte Hoffnung an die Hand gibt, daß diser schwache, zer- brüchliche und vergängliche Leib, den wir jetzt mit uns herum tragen, und welcher nach dem Tode in der Erden vermodert und verfault, von den Würmern gefresien, und wiedrum in seinen ersten Ursprung, in Staub und Asche verwandelt wird, an dem jüngsten Tage durch die allmächtige Stimme L4 Christliche Hiob iy: 2;, 26. des Sohns GOttes zu einem weit bessern und seligern Leben, als das gegenwärtige ist, werde aufer- weckt werden. Von dtsem Troste, und von diser Hoffnung einer zukünftigen Auferstehung haben die Heiden wenig oder gar nichts gewußt, und darum ist ihnen auch der Tod so bitter vorgekommen, weil sie glaubten, es sey mit demselben alles aus. Aber wahre Christen und gläubige Kinder GOttes sind Philip. 1:21. versichert, daß, da Christus ihr Leben gewesen, nun auch Sterben ihr Gewinn sey. Sie fassen sich in allem Leiden, Kummer und Elende difes Lebens mit stiller Gedult, und trösten sich, in Ansehung ihrer Sterblichkeit, mit den Worten Hiobs: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und Er wird mich hernaher aus der Erden auferwccken, und werde darnach mit diser meiner Haut umgeben werden , und in meinem Fleische GOtt sehen. Ja sie haben aus dem Munde ihres göttlichen Erlösers sechsten die unfehlbare Verheißung: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebt, und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Und wiedrum: Ich lebe, und ihr solt auch leben. Einmal IEsus Christus ist Philipp.;: derjemge, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der würkung, damit Er kan auch Ivy.n:2;, 26. c. 14:19. 2l. Leich-Predigt. 25 auch alle Dinge ihm untertahnig machen. So i.TheW. wir glauben, daß IEsus gestorben und aufer- standen ist, allst» wird GOtt auch, diedaent- schlaffen sind durch IEsum, mit Ihm führen, und sie aus ihren Gräbern zu der himmlischen Herrlichkeit anferwecken. Ein glaübiger Christ, und getreuer Nachfolger IEsu, wenn es mit ihm darzu kommt, daß er den Weg alles Fleisches gehn, dem Tode zum Raub werden, und allst die Bitterkeit desselben erfahren soll, stimmt alsdenn mitdemPsal- misten an: Ob ich schon wandern muß durch Psalm das finstre Tahl des Todes, fürchte ich kein Unglück, denn Du, 0 HErr! bist bey mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Er hofft, GOtt werde mit der Zeit, an dem Ende der Ta- Erech.;?:; gen, wiedrum einen Atem in ihn bringen, daß er solle lebendig werden, und sucht die Bitterkeit des Todes damit zu vertreiben, daß er aus einem bekannten Sterbensliede wiederholet: Das ist mein Trost zu aller Zeit In allem Areutz und Traurigkeit; Ich weiß, daß ich am jüngsten Tag , werd aufersteh» aus meinem Grab. D Zueig- 26 Christliche * * M^EHt, liebe Christen, so viele kräftige und tröstliche Mittel finden wir in GOttes Wort, und sonderlich in der Lehre, welche IEsus Christus und seine Apostel uns verkündiget haben, wodurch die Bitterkeit des Todes kan gemiltert, ja gänzlich vertrieben werden. Wir derowegen, Geliebte in dem HErrn, die wir neben dem Lichte der Vernunft auch noch mit dem Lichte der Gnaden erleuchtet und begäbet find, haben nicht Ursach, uns allzusehr für dem Tode zu entsetzen. Man fürchtet gemeiniglich den Tod, da man fich doch dafür nicht fürchten solle, dieweil man ihn nicht in dem rechten Spiegel, sondern nur allso betrachtet, wie derselbe von den Mahlern, als ein blosses Geripp, das gräßlich anzusehn ist, pflegt vorgestellt zu werden. Aber man mag den Tod abmahlen, wie man immer will, so halten doch wirChri- Cor. ;: I . sten, die wir wissen, daß , so das irrdische Haus unsrer Hütte zerbrochen wird, wir einen Bau haben von GVtt erbauet, ein Haus, nicht mit Handen gemacht, das ewig ist im Himmel, den letzten Feind nicht für so bitter und erschrecklich, sondern Leich-Predigt. 27 dem wir freuen uns vielmehr, wenn die Stunde herbey kommt, daß wir das Zeitliche mit dem Ewigen, das Elend mit der Herrlichkeit verwechseln sollen. Es mögen diejenige trauren, und den Tod als etwas Bitters ansetzn , welche ein böses Gewissen haben, und ihr Leben in beharrlicher Unbußfertigkeit und groben Lastern zugebracht haben; denn aufdise war-Hebe.";-?« tet ein schröckliches Gerichte, und der Feuereifer, der sie, als Widerwärtige, verzehren wird^ Wir hingegen, die wir an JEsum Christum glauben , und Visen unsern Glauben durch die Liebe, den Fleiß guter Werken, und einen gottseligen Wandel an den Tag legen, können in dem Tode getrost auf-ruck-n -s. sehen, und unsre Haübter empor heben, darum daß alsdenn alle erlittene Angst und Noht, aller Kummer und Schmerze ein Ende nimmt, und unsre ewige Erlösung sich nahet. Wenn uns, wie Mich, der Verlust einer werthen Ehegehülfinn , einer getreuen Mutter und lieben Freundinn tief zu Herzen geht, und Trähnen aus den Augen preßt , so trauren wir doch mit Bescheidenheit , fassen wir uns mit Gedult, und trösten uns damit, daß unsre Verstorbene, welche in ihrem . ^ Leben sich so gerne zu den Füssen IEstr ge-Lucäi°:;s. setzt, in der öffentlichen Gemeine seinem Worte so fleißig und andächtig zugehört, und unter D 2 uns L8 Christliche uns einen christlichen Wandel geführet hat, anjetzo alle Bitterkeit des Todes überwunden habe, auf dem Stute der Herrlichkeit sitze , und den Ruhm ihres Schöpfers und Erlösers mit den seligen Himmelsbürgern in Ewigkeit verkündige. Ergeben wir uns in Ansehung derjenigen, welche uns durch den Tod find entzogen worden, in den Willen des HErrn, seyn wir mit seiner Regierung zufriden, lassen wir uns alles gefallen, was diser HErr tuht, der über unser und der Unsrigen Leben zu gebieten hat, und entschließen uns mit jenen Glaübigen zu Cäsarien, Ap. Gefch. ZU schweigen, und zu sagen; Des HErrn Witte sr:l4. geschehe. Wir alle, meine Geliebte, sehen wir zu, daß wir in diser Zeit allso leben, als wenn wir alle Tage , Stunde und Augenblicke sterben müßten, und machen wir uns den Tod, durch öftere Vorstellung desselben, immer gemeiner, damit uns solcher nicht fremde oder bitter vorkomme, noch wir allzuheftig erschrecken, wenn es an dem ist , daß wir die Schuld der Natur bezahlen sollen. Folgen wir in allem, was wir in unserm Leben uns vornemen, der heil- Sirach?: 4 «>. samen Erinnerung Sirachs : was du tuhft, so bedenke das Ende, so wirft du nimmermehr Petr. ;; Übels tuhn. Seyn wir geschickt mit heiligem Wandel, und gottseligem Wesen, und tuhn Fleiß LeLch-Predigt. 29 Miß, da Alles in dem Tode zergeh» soll, daß wir bey der Zukunft des Richters der Welt unbefleckt und unsträflich im Friede erfunden werden. Erwählen wir mit Maria den bessern Teil, Luc« 1°: 4?. der nicht solle von uns genommen werden, und seyn wir dessen gewiß, daß weder Tod noch Römer 8: Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünfti- ges, weder Hohes noch Tieffes, noch keine andre Creatur uns scheiden möge von der Liebe GOttes, die in Christo IEstr ist, unserm HErrn. Murren wir niemals wider GOtt, wenn Er uns etwann durch schwäre und angsthafte Krankheiten oder andere Trübsalen die bittern Sündett- früchte kosten und empfinden läßt, sondern demühigen wir uns unter seiner gewaltigen Hand, und sagen mit dem Profeten: Ich will des HErrn Michä 7: y. Zorn tragen, denn ich habe wider Ihn gesün- diget. Und mit dem Heilande sechsten: Soll Ich2oh.i8:n. den bittern Kreutzeskelch nicht trinken, den Mir mein Vater gegeben hat? Schauen wir in unserm Leben , Leiden und Sterben mit den Augen des Glaubens aufIEsum Christum, wie Derselbe, als die wahre ehrene Schlang, zu dem Heile und Genesen der Sünder, an dem Stamme des Kreutzes ist erhöhet, dardurch auch unserm TodeHostä.;^ ein Gift worden, und ihm alle seine Bitterkeit D z benom- zo Christliche Leich - Predigt. benommen hat, so wird uns der Tod, und alles , was wir auf der Welt Bitters, Verdrüßliches und Unangenemes ausgestanden haben, zu unserm Besten dienen müssen, und das Bittre und Läidige diser Zeit in Süssigkeit und ewige Freude verwan- ' delt werden, daß wir Ursache haben werden, zu rüh- i.B^Mose men und zu sagen: Fürwahr die Bitterkeit des Todes ist gewichen, und unsre Seele ist genesen. s Nun solle annoch, christlichem Gebrauche nach, von der seligverstorbenen Frau Pfarrerinn, unsrer mitglaübigen Frauen und Schwester, etwas gedacht werden. Lebens- x MMf: S ist die Viel-Ehren-und tugendreiche Frau Malome Mchatzmänmnn, an das Licht diser Welt geboren worden den 16. Tag Herbftmonats, im Jahr 1679. Ihre in GOtt ruhende christliche und geehrte Eltern waren, Herr Georg Schatzmann, des Rahts, und Frau Anna weitnauerinn, eine Tochter Herrn Hans Jakob weitnauer, des grossen Rahts, und Frau Ester Stöcklinn, welche eine Tochter war Herrn Martin Jakob Gtöcklins, letzten reformirten Predigers zu grossen Hüningen. Ihre Großeltern von väterlicher Seite waren, Herr Georg Schutzmann, zwey mal des Rahts, und Landvogt zu Waldenburg, und Frau Sara Müllerinn. Von gedachten Ihren geliebten Eltern sel. ist die verstorbene. Frau tresiich wol erzogen, und zu allerhand schönen, ihrem Vir pl. kev. Al L.L I L N, k^üor in Lu«, L L-nnernr. i.Tim.;:;. Z2 chrem Geschlechte anständigen Sitten und Tugenden alles Fleisses angehalten worden, welche gute Erziehung sich auch in ihrem ganzen Leben erzeigt hat, allst) daß fie Denselben jeweilen mit aller kindlichen Liebe, Ehrerbietung und Gehorsam an die Hand gegangen. Biß Sie sich mit Einwilligung und Vorwissen ihrer Eltern das erste Mal durch göttliche Schickung verehlicht, nämlich im Jahr 1704. den z. Märzens, mit Herrn U. Hieronimus Beck, gewesenem wolvcrdienten Helfer in diser unsrer mindern Stadt, mit welchem Sie in einer zwar nur vierjährigen aber doch vergnügten Ehe durch GOttes Segen zwey Kinder erzeugt , nämlich einen Sohn, und eine Tochter, deren Jener in seiner Kindheit, ein Jahr nach seines Herrn Vaters sel. Tod wieder verstorben; Die Tochter aber, ließ der gütige GOtt Jhro zu grossem Trost und grosser Freude aufwachsen, welche Sie auch in gesegnetem Wolstande, und an einen getreuen Diener JEsu Christi auf unsrer Landschaft anständig verheuratet gesehen, und von Derselben s. Großkinder, nämlich z. Söhne, und 2. Töchtern erlebt hat, davon noch 2. Söhne, von denen der Aeltere den Studien obligt, bey Leben sind. Nach Absterben ihres ersten Eheherrn, so da geschehn im Jahr 1708. den 27. Jäners, hat sich die Frau sel. über die 20. Jahr in dem einsamen Wittwenstande aufgehalten, und? wie es der Apostel erfordert, als eine rechte Wittwe ihre Hoffnung auf GOtt gestellt, und ist im Gebatt und' Flehn Tag und Nacht geblieben. Darauf ist unsere mitglaübige Frau und Schwester durch GOttes sonderbare Fürsehnng das andre Mal, nämlich im Jahr 1728. den 22. Wintermonats, in den heiligen Ehestand Lebenslauf. z Z stand verleitet worden, mit Herrn III. Matthäus Merlan, schon bey 42. Jahren treueiferigen Oiacono, und Mitarbeiter an dem Wort GOttes irr diser unsrer christlichen Pfarr- gemeinde, Ihrem nunmehr hinterlassenen höchstbetrübten Herrn Wittwer, mit welchem Sie durch GOttes Güte eine auch höchstvergnügte und liebreiche Ehe, doch ohne den Kindersegen, dise 22. Jahr über besessen. Der Vater der Barmherzigkeit, und GOtt alles Trostes, stehe dem betrübten Herrn Wittwer , der Frau Tochter, dem Herrn Tochtermann, und übrigen ehrenden nahen Angehörigen, in disem Laid kräftiglich bey, Er lasse die richtige Gedult und Gelassenheit in ihrer aller Herzen fliesten, und verwandle bey Ihnen das Bittere, so sie jetzundcr haben kosten müssen, nach mrd nach wiedrum in Trost, Freude und Segen. Das Leben und den geführten Wandel unsrer in GOtt ruhenden Frau Pfarrerinn betreffend, so kan Jhro, wiewol Sie viel Rühmens gar nicht begehrt, dennoch mit Grund der Wahrheit das Zeugniß gegeben werden, daß Sie eine gute Christinn gewesen, die GOtt und sein Wort herzlich geliebt , das Haus GOttes von Ihrer Jugend an flüssig besucht, allso daß sie Jahr aus und ein, noch zur Zeit unsrer ehmaligen Frühpredigten, selten eine derselben, oder eine Bättstund versäumt, und sich auch zu Haus in Ablesung der heiligen Schrift, und andrer gottseliger Bücher, sonderlich des bekannten und geistreichen KI. Christian Scrwers Seelenschatzes oft und viel geübet hat. Aus welchen angehörten Predigten, und gelesenen nützlichen Büchern, Sie sich einen guten Schatz von Lehre und Trost gesammelt, der Jh- ro auch in den erlittenen Todesfällen der lieben Ihrigen, und E änderst Z4 Lebenslauf. andern zugeflossenen Anfechtungen, am meisten aver in.JH- rer letzten und tödtlichen Krankheit, sehr wol zu statten gekommen ; beneben hat Sie auch von Zeit zu Zeit das heilige Abendmal mit gebührender Vorbereitung und Andacht genossen , und sich durch den Gebrauch dises Sakraments in dem Glauben an Ihren Heiland JEsum Christum gestärket. Im übrigen ist die verstorbene Frau Ihrem Eheherrn jeweils eine getreue Gehülfinn gewesen, daß sich dessen Herz auf dieselbe hat verlassen können. Ihre sämtliche nahe Angehörige hatten an Jhro eine liebreiche und sorgfältige Mutter und Freundinn. Sie wäre eines freundlichen und leutseligen Umgangs, fridfertig in Ihrem Tuhn, und auch mitleidig und guttähtig gegen die Armen. Dieweil aber die in GOtt ruhende Frau nicht ohne menschliche Schwachheiten und sündliche Gebrechen gewesen, die Sie gerne an sich erkannt, in Demuht vor GOtt abge- bäten, und herzlich bereuet hat, so mußte Sie auch die bittern Früchte, welche auf die Sünde zu folgen pflegen, kosten, und zuletzt eine angsthafte und beschwärliche Krankheit ausstehn, die heut vier Wochen mit einer Engbrüstigkeit, und etwas Geschwulst ihren Anfang genommen, allso daß dise Zeit über elender Nächte Jhro zimlich viele zu Teil worden , doch hat der liebe GOtt auf die letzte das Uebel bey Jhro dermaßen gemiltert, daß die Enge und Bangigkeit um ein merkliches nachgelassen, und Sie wieder bessre Ruhe empfunden hat. In disem schwären Zustande hat sich die Patientinn grosser Gedult beflissen, und sich ganz gelassen in den Willen des Höchsten ergeben, mit bezeugter Zufriedenheit, es gehe zum Leben oder zum Sterben; deßgletchen sich in Betrachtung Ihres Lebenslauf. zf Ihres süudlichm Elends für der göttlichen Majestät herzlich gedemühtiget, Ihren GOtt um seine Gnade und Erbar- mung, um Hilfe und Errettung, flehentlich angeruffen, und auch dasGebätt, und den tröstlichen Zuspruch aus GOt-- tes Wort, von Ihrem Eheherrn, und Herrn Tochtermann, gerne und mit Dank angenommen, ja selber viele schöne Ge- bätte und Seufzer, womit Sie wol versehn war, von sich hören lassen, als: IEsii, meine Freude, Meines Herzens Waide, IEstl, meine Zier, Ach wie lang, ach lange, Ist dem Herzen bange, Und verlangt nach Dir. Item: Stark mich mit deinem Freudengeist, Heil mich mir deinen Wunden, wasch mich mit deinem Todesschweiß In meinen letzten Stunden, Und nimm mich einst, wenns Dir gefallt, In wahrem Glauben von der Welt, Zu deinen Auserwahlten. Und wiedrum: In dein Seite will ich fliehen, Bey mein: bittern Todesgang, Durch dein Wunden will ich ziehen, In das himmlisch Vaterland, Es In 36 Lebenslauf. In das schöne paradeis, D rein der Schacher taht sein Reis, wirft Du mich, HErr Christ, einführen, Und mit ew'ger Rlarheit zieren. Mari hat zwar neben unermüdeter Abwartung, so Tags als Nachts, von Seiten ihres Eheherrn, ihrer Frauen Tochter, und übriger Angehörigen , alle ersinnliche Arzneymittel angewandt; es wolle sich aber, dessen ungeacht, nicht recht mit Ihrem Zustand bessern; ja, da man Jhro Besserung und Wiederauftmift anwünschen wollen, hieß es zuletzt bey Jhro : Wenn Sie nur nichts mehr von der Welt hören müßte, Sie verlange nicht mehr umzukehren; hat deßwegen auch zum zweyten mal von den lieben Ihrigen beweglich Abschied genommen, und sie gesegnet, und überal eine ungemeine Gegenwart des Geistes biß nahe an Ihr Ende gezeiget, und zum öftern um eine baldige selige Auflösung geseufzet, als : HErr IEsu! komm doch, und hole mich, hilf mir gnadiglich. Ja: Ach! Himmel, tuh dich auff, Und komm mit schnellem Lauf, Laß mich nur bald erblicken, Den, der mich kan erquicken, Ach! IEsu, laß mich ein, war oft mein Geufzerlein. Und nochmalen: Romm, du schöne Freudenkrone, Bleib nicht lange, Deiner wart ich mit Verlangen. Sie Lebenölauf. 37 Sie hat sich anbey tröstlich verriemen lassen: Es sey -och eine Freude, wenn man gerne sterbe. Endlich fiele Sie in einen Schlummer, und ist darinnen nach einer halben Stund, den vorgestrigen Sonntag Morgens zwischen 6 . und 7. Uhren, auf welche Zeit Sie ihren Abschied vorgesagt, unter dem Gebätt und Trähnen ihres Eheherrn , und übriger Umstehenden, in ihrem Heiland sanft und selig ohne einige Bewegung entschlaffen, ihres Alters Jahr, und z. Tag. * ^S ist betrübt , wenn eine vergnügte und lieb- ^ reiche Ehe durch den Tod zertrennet wird- das überlebende Teil in dem Hauswesen vieler Hilfe mangeln, und durch eine solche Scheidung erfahren muß, daß es freylich um den Tod etwas Bitters sey, und der Verlust der Unfrigen ohne Schmerzen und Trähnen nicht abgehen könne. Aber die gegenwärtigen Traurende lchrnen sich in diftn bittern Zufall mit Gedult, Glauben und Gehorsam schicken, und ste gedenken, daß das bestimmte Ziel ihrer verstorbenen Ehegenossinn und Mutter verflossen, und darum für Dieselbe kein Aufhaltens mehr gewesen sey. Sie danken GOtt, daß Er ihnen dise liebe Person so lang biß in das hohe Alter hat gönnen und erhalten , und endlich Dieselbe von aller Angst, z8 Beschluß. Angst, Bitterkeit und Schmerzen so gnadiglich erlösen wollen. Sie ergeben sich in GOttes Willen, und glauben, daß der HErr besser wisse, was uns Menschen gut und nützlich sey, als wir selber es begriffen können. Der grosse GOtt, welcher betrübet, aber auch wieder tröstet und erfreuet, verschone den damaligen Läidtragenden eine lange Zeit mit weitem Todesfällen derIhrigen,Er unterstütze insonderheit denHerrnWitt- wer, meinen schon bey 25. Jahren werthesten Herrn LoIleMm, und übrige ehrende Angehörige in ihren wichtigen Aemmtern, Ehrenstellen und Bedienungen mit- seiner Krafft und Gnade, und lasse Sie sämtlich so wol in der Kirchen und in ihren Gemeinden , als auch in dem gemeinen Wesen und irr der Policey noch viele Jahre, und bey gesunden Tagen mit Segen, Nutzen und Erbauung arbeiten. Uns allen, meine Geliebte, helffe der HErr die Bitterkeit des Creutzes und Todes überwinden, und lasse uns hingegen die Süssigkeit seiner Gnade, die Gültigkeit des Verdienstes IEsu Christi, und die Tröstungen des heiligen Geistes in unserm Leiden, fürnemlich aber in dem letzten Todeskampfzum Heil unsrer Seelen kräftiglich empfinden. Amen. MLMMMMZM I. oder rauer-WeAPte 2>MKL vier und vierzig Freundschaftjahren tWHast Du und ich sehr oft erfahren, Mein Merlan! was sonst heißt Glück, Den stattn Wechsel vom Geschick. Erst kürzlich war uns wol geschehen, Als ich hab Dich bey mir gesehen, Und zwar zu einer guten Stund, Am Muht vergnügt, am Leib gesund. Auch hat die Freud mich eingenommen, Als ich hernach Bericht bekommen: Die Ehr, die deinem Haus beschehrt, Sey, nach Verdienen, neu vermehrt. Jetzt 40 LklLLVI^ oder Trauer - Gedichte. Jetzt aber wird ich hoch betrübet, Daß die, die Dich so sehr geliebet, Als Du Sie inniglich geliebt, Durch Ihren Hinscheid Dich betrübt. Sie macht, daß man an Freudentagen Muß trauren, wäinen, seufzen, klagen, Da Sie vor dem Matthäusfeft Von hinnen fährt, und Dich verlaßt. Was Du mit Ihro müssest missen, Kan ich, dein Freund, gar richtig wissen; Da Sie mir oft, 6 Merian! Um Deinetwillen Guts getahn. Die, so Dir war zum Trost gegeben, Die Helfte selbs von Deinem Leben, Scheidt, da Du unter Deinem Last Je mehr lind mehr Hilf nichtig hast. Jedoch, getrost! GOtt nimmt die Stützen, Die uns bedunken viel zu nützen, Daß Man auf Ihn alleine bau, Und einig seiner Güte trau. Er bleibet biß ins höchste Alter Allso der Seinigen Erhalter, Daß Er sie führt nach seinem Naht, Wie Jeder es vonnöhten hat. L k IOLDIL oder Trauer - Gedichte. 4r Laßt uns / uns nicht umsonst zu kranken, Zum Trost nebst disem wol bedenken/ Der nun verklärten Seele Teil/ Das beste Loos, das grosse Heil. Hat Sie nach einchen bangen Stunden Nicht nunmehr glücklich überwunden? Preißt Sie nun GOtt nicht ungestört, Daß Er Sie gnädig hat erhört? Mein Freund! der Eindruck unsrer Schmerzen Erweck je mehr und mehr im Herzen Eilt ernstes Sehnen aus der Zeit Nach jener frohen Ewigkeit! Mit diesen geringen Zeilen hat gegen seinen werthesten Herrn/ Freund und Bruder in Christo sein innigstes Mitleiden bezeugen, und zugleich sich zu fortwährender Liebe und Freundschaft ' lebenslänglich recommsnäiren wollen Sein biß in Tod qetreuer Freund und Mitbruder Job. Jakob Oeri, Pfarrer zu Dellikon im Zürichgebiet. II. HNArm die im HErrn von hinnen abscheiden, Selig von nun an schweben in Freuden, Frey von der Sorgen grossen Beschwärden, Ruhend von allem Elend der Erden; F Werden 42 k k Ie L vI ^ oder Trauer - Gedichte. Werden aus Gnaden ewige Kronen, Himmlische Güter, herrlich Belohnen, Was sie im Glauben standhaft gelidten, Gutes getahn und Böses genutzten; Sollte die Christen können betrüben Derer Verklärung, welche sie lieben? Theurester Lehrer? sind Sie zufrieden, Wann die Geliebte gerne geschieden, Freude zu haben, die wir nicht fassen, Und auch der Höchste Sie nicht will lassen. Zürich, den n. oerob- k. 2. kr. 8ck. L. Prov.; i: Ivss 12» *Fr.E»phro- fina Burck- hardtin, qvN ob. a.ly.Üe- cemb. 1726. III. GOtt mit einem Weib, das tugendfam, begäbet, Auf welches sich fein Herz durchaus verlassen kan, So ihm nichts Widrigs tuht, hcrgegen stäts gclabet, Der seh es für ein Glück und grossen Segen an. Wer nun zum zweyten Mal sich glücklich kan vermählen, Der hat ein doppelt Glück von seinem GOtt erlangt. Auch mir gelunge es zwey Weiber zu erwählen, Mit derer Tugend ich, trotz allem Gold, geprangt. Die Erste * war mit Recht ein Muster aller Tugend, Mit der ich achtzehn Iahr hab recht vergnügt gelebt, An Jhro spiegelte sich die beliebte Jugend, Ja wer nach Frömmigkeit und Gottesfurcht gestrebt. Da Dife durch den Tod mir würd mit Läid entnommen, So hat nach meiner Traur der Höchste mich erfreut, Daß ich ein Gchaymänninn an ihre Stell bekommen, Durch Dero Tugendglanz das Alte würd erneut. Zwey Mal eilf Jahr ist Die mir allst» beygestanden, Daß ich durch Dero Hilf mich recht beglückt geglaubt, Jetzundcr LklLLOI^ oder Trauer-Gedichte. Ietzunder aber mußt mein Glückesschiflcin stranden, Und mein Gehilfinn würd mir von dein Tod geraubt. So hat die Glückessonn mir zwey Mal hell geschienen, Hergegen aber traf mich auch ein doppelt Läid, Als meine letzte Frau sich schwung zu jenen Bühnen, Wo man nicht mehr gedenkt an bist Eitelkeit. Wann nun ihr Umgang wird zu Stadt und Land betrauret, Und wer Sie nur gekannt, Ihr Freundlichkeit vermißt, So ist kein Wunder, daß Sie wird von mir bedauret, Wann mir, dem discr Schmerz das matte Herz abfrißt. Da ich Ihr treue Hilf und Umgang muß verlieren, Besonders da bey mir das graue Alter steigt, Ich hofft, Sie wurde noch mich als Ehgattum zieren, Allein des Höchsten Schluß hat änderst es geneigt. Ich seufze Ihro nach, und girre wie ein Daube, Daß Dife mir entwandt, so mich so sehr geliebt, So mir begegnet war mit rechter Treu und Glaube, Dergleichen es zur Zeit, ach läider! wenig gibt. Den Rainen Schatzmänninn hat Sie mit Recht getragen', Indem Sie ihrem Mann sich als ein Schatz erwies , Und stäts für ihn gesorgt in seinen Alterstagcn, Biß Sie ihr Räis antrat ins himmlisch Paradies. Da Sie gemerket hat, daß mich Ihr Abschied schmerze, So sagte Sie zu mir, wie Sie gewöhnet war: GOtt und die Zeit werd mir schon das bekümmert Herze Abändern, daß ich auch, wie Sie die Freud erfahr. Ihr fleißig Rirchengehn ist fruchtlos nicht gewesen, Ihr Andacht hatte Sie durch Werke selbst gezeigt, Was Sie in GOttes Wort zu Hause hat gelesen , Darauf hat Sie ihr Herz auch fleißiglich geneigt. Die Rirche mangelt Sie, es mangeln Sie die Frommen , So Sie mit Wort und Taht zum öftern hat ergötzt. GOtt geb, daß Andere wie Sie zur Kirche kommen, Und Ihre Stelle werd durch fromme Leut ersetzt. Mir war als wolt das Herz in meinem Leib zerbrechen, Da Sie mir gute Nacht vor ihrem End gesagt, Psal.;9!l 44 oder Trauer-Gedichte. Und darum will ich tiß mit gröster Wehmuht sprechen, Ich, den das grosse Läid so heftig druckt und plagt: Mein treues Herz! gut Nacht, ruh wol in deiner Kammer, Biß wir an jenem Tag einander wieder sehn, Du bist nun ganz befreyt von allem Kreutz lind Jammer, Dein nun verklärter Geist kan Freud und Wonne sehn. i. Darum so will ich nun mit dem psalmistcn schweigen, Und mein Mund nicht ausruhn, dann Du HErr Hafts getahn, Du wirst mir wiederum dein Trost und Hilfe zeigen, Und hindern, daß ich nicht mehr geh die Traucrbahn. Ich danke GOtt, daß Er inir Sie so lang gelassen, Und mich durch Ihre Treu gesegnet und beglückt, Ich werde den Entschluß in meinem Herze fassen, Daß bald mein Geist zu Ihr werd himmelwärts geschickt. Wie Sie mein Ehgemahl mich auch vertröstet hatte, Daß ich auch an den Ort zu Ihro kommen werd, Sie gehe nur vorher in jene Freudenstatte, Ich folge Ihro nach aus dieser Zeit Beschwärd. O IEsu hilf, daß ich auch ftlig überwinde, Und einst den Todeskampf gedultig leid und trag, Daß ich die Meinigeu zur Rechten stehend finde, Wann GOtt fitzt zu Gericht an jenem grossen Tag. So hat den höchstbetrübten und empfindlichen Hin- scheid und Verlurst seiner Herzgeliebten zweyten Hausfrauen sel. betrauren und beseufzen wollen Dero schmerzlich betrübter Wittwer N. Matthäus Merlan, Disc. sck Öiv. Tlieoä. A lVlln.öslll. 8enior. HZKAAMKWKKAWAKWAWAtzA IV. Wie hat der bittre Tod, unverhofl manch ssisse Freude, ^7 Schon verbittert in der Welt, durch ein zugeschicktes Läide, Kürzlich wurden wir erfreut, da ein vielgeliebter Sohn Durch das Loos erhöhet ward zu dem Schuldtheiß auf den Trohn. Aber ach wie hat der Tod dise Freud bald eingefchrcnket, Da des Vaters Augenluft in das Grab ward eingesenket, Welch ein Wechsel ist doch das? den das Schicksal hat erkor'n, . Unvergleichlicher Verludst l daß wir solchen Schatz verlor'» ! Wo oder Trauer-Gedichte. 45 Wo ist Jemand in der Welt? der sich nicht betrüben sollte, Wann er nur verloren hat, einen Schatz von Gelt und Golde, Wie vielmehr Bctraurens wehrt, ist es dann, wenn es betrift Einen wehrten Herzensschatz, den GOtt sechsten hat gestift, Zur Ergötzung in der Ehe. Wer kan es dann Dir verdenken? Daß, ö lieber Bruder! Dich, der Verlurst tuht schmerzlich kränken, Welcher durch des Todes Grimm sehr empfindlich Dir zukam, Da er deinen Eheschatz von der Seiten kurz wegnam, So den Nahmen mit der Taht in der Wahrheit hat getragen , Salome Gchatzmann Sie hieß; so daß man gewiß kont sagen: Daß Siesey ein Schatz dem Mann, ja dem HErrn selbst sehr wehrt, Welcher Sie von Ewigkeit Ihm zur Braute hat erklärt; Dein Sie angehangen hat Glaubens voll in Ihrem Leben, Seines Wortes guld'nen Schatz brünstiglich geliebt darneben,, Und so wird auch Jedermann, Freund und Feinde allzumal Ihr das Zeugniß geben gern, daß Sie wäre liberal, Eine Christin in der Taht, ein getreues Mutterherze, - Ein liebreiches Ehgemahl, die versüßte viele Schmerze, Ein verrachterinn der Welt, und der eiteln Lustbarkeit, Eine Feindinn der Falschheit, eine Freundinn der Wahrheit, Ein friedrciche Salome, von gar unverfälschter Treue, Über das, was sündlich war, zeigte Sie viel Haß und Reue, Neben dem, so war Sie auch mancher Armen Retterinn , Eine recht Nohthelfferinn, und zugleich Guttähterinn, Eine fromme Batterinn, in den schwären Anfechtungen, Eine grosse Rampferinn, die gar oft und stark gerungen, Und ja nicht gelassen nach, biß Sie vöüiglich davon, Durch den HErrn IEsum Christ, hat erlangt die Siegeskron. Solte man dann trauren nicht? daß der Tod so hart und wilde Hingenommen in das Grab, ein so wehrtes Tugendbilde. Traure Himmel! traure Erd! trayre, was nur trauren kan, Ihr geliebter Eheherr ziehe da die Trauer an. Traure Tochter! Tochtermann! trauret all ihr Anverwandten ! Trauret mit uns überal, ach ihr Freunde und Bekannten! Ja so gar Ihr Rirchenstul, mit der G'mein sey traurcnsvoll, Weilen sein Besitzerinn in der Erd verfaulen soll. Sehet aber alle zu! daß ihr nicht tuht überschreiten, In dem Trauren Maaß und Ziel, wie's zusteht den Christenleuten, Massen wir doch wissen wol, daß Sie nicht verloren sey, Sondern der Seelen nach, lebe nunmehr los und frey, Von des Leibes grosser B'schwärd, und von allem Weltgetümmel , Ganz vergnüget und erfreut, in dem hohen Sternenhiminel, / Jetzt erfahret Sie nichts mehr von der argen bösen Welt, Jetzund lebt Sie ohne Plag, jetzund Jhro gar nichts fehlt. F; Jetzt, 46 L ? IeL v1 5 oder Trauer - Gedichte. Jetzt, ach jetzt, weißt Sie nichts mehr von dem Drucken und Herzklopffen, Nichts von aller Bangigkeit, und genießt solch Himmelstropffen, Die sie machen ewig heil. Ihr schmerzhaft verrvundter Mund, Über den Sie sehr geklagt, find't sich jetzt frisch und gesund. Jetzt, ach jetzund sind vorbey Ihre lange Nacht und Stunden, Deren Sie hier viel gehabt, die sind alle überwunden, Jetzund sitzt und wohnet Sie in dem reinen Kirchen,aal, Lobt und preiset Ihren GOtt mit den Engeln allzumal. IEsus Ihrer Seelen Schau,, tuht mit allen Freudenschätzen Sie samt aller Himmclsfchaar dort crlabeir und ergötzen. Mit Berrachtung dessen kan ja des Todes Bitterkeit Jeder Christ vertreiben wol, besser als Agag der Heid. GVtt geb uns'auch disi Gnad, sleißiglichssms zu bestreben, Daß wir fromm, wie Sie allhier, und dort einsten selig leben! Disc Traur-und Ehrenbezeugung gegen seiner vielgeehrtesten und hochwehrtcstcn Frau Schwieger sel. setzte bey Dero Tochtermann 51. Andreas Merian, Pfarrer zu Büß und Meisperach. NZGGOAGGOOAO-OOAOOKOOAOOLW v. An den Herrn wittwer. Herr Schwager nun vcrlohren nach zimlich geraumer Zeit, Zwo Gesellinn seines Lebens, da Sie nun in Ewigkeit Triumphierlich Änherprangen, höchstvergnügt in ihrem Stand, Hat Er doch das Glück gehabt, da es GOtt so hat gewandt, Allso Dero zu gcniM» wol biß in die vierzig Iahe, Auch zu wissen, daß Sie nunmehr sind glückselig ganz und gar, Das kan Ihm ja Trost hier geben, biß Er Sie zu seiner Zeit Wird mit Freuden wiedrum sehen in der frohen Ewigkeit. Gedeon Burckhardt, 8.51.6. VI. LkI1'5I'»IN51. 5 . A§S decket diser Stein ein Wunder unsrer Zeit, ÄB Ein Weib, das in der Stadt an der Guttähtigkcit Kaum seines gleichen hat. Sie bsuchte GOttes Hans Gesund, und da Sie auch kaum konre gehen aus. Demüh- LkIcLv1.4 oder Trauer - Gedichte. 47 Deniühtig wäre Sie, und freundlich auch dabey, Zwey Herren (a) hatte Sie, und Beyden war Sie treu. Friedfertig (b) ist Ihr Nahm, von Schätzen (c) her genennt, Viel Schätze bsitzet Sie bey JEsti unzertrennt. Diß alles hat Se nicht mit sich ins Grab genommen, Die Tochter iü) ist Ihr gleich, Sie bsitzet es vollkommen. (s) n. Vik08 säm. l^ever. On. lliLLoiavdtv», Lecx L l>n. Oisconos V. O. scl üt. Tbsoä. (b) SalvMe ist was (c) Schatzmänninn. (6) Frau Dorothea Beckinn, des Wolehrwür- digen und Hochgelehrten Herrn LnEL , ksü. in Luus L La- rnersr. v. V. Frau Liebste. Difes wenige hat aus Pflicht auffetzen wollen und sollen X. V. 2. NDGGKGGGOGGK:GOGGKGGOGGGAA VII. ^Lh! ach! wie muß ich doch in meinen jungen Jahren ^Recht bittre Todesfall zu meinem Läid erfahren. Es ist noch nicht ein Jahr, da mir der grimme Tod Ein wehrtcs Brüderlein geraubet, ö der Noht i Jetzt kommt schon wiederum ein Todespfeil geflogen Auf meine Großmamma, daß Sie mir ist entzogen, Diß tuht mir schmerzlich weh, wenn ich nur daran denk, Daß, wo ich geh und steh, mich ganz zum Trauren lenck. Ach! Herr Großvater! ach! was haben wir verlohren? Den freundlichen Umgang, dazu Sie war erkohren, Manch guten Raht und Hilf; daß ich jetzund nichts fag, Wie Sie für mich gesorgt, ohn Nachlaß alle Tag; Wie Sie zu jeder Zeit mich wolgemeint und g'liebet, Auch mir viel Guts getahn; das rsts, was mich betrübet, Daß ich jetzunder Sie hier nicht mehr sehen muß, Das ist ein schwäre Plag! das ist ein harte Büß! Was kan, was soll ich tuhn? Ich will in meiner Jugend Und ganzen Lebenszeit nachstreben Ihrer Tugend, Und wahrer Gotkesforcht; will lieben JEsu Wort, Besuchen GOttes Haus mit Fleiße fort und fort, Wie Sie es selbst getahn, und mich es oft gelehret, Weßwegen Sie auch ward von Jedermann geehret. Ich weiß und bin gewiß, wenn ich auf Ihrer Bahn Fortwandle, daß ich Sie im Himmel treffe an. Indessen wolle GOtt mein'n lieben Eltern geben, Und dein Großvater auch, ein recht trostvoües Leben, Biß 48 L? 10 LvI ^ oder Trauer - Gedichte. Biß Sie zur Großmamma, aus Visen, Iammertahl, Gelangen freudenvoll in hohen Himmelssaal. So seufzet seiner vielgcchrten und vielgeliebten Frau Großmutter nach, Dero Großsohn Matthäus Merian, Nstzill. Lsnci. ä. ?. 8. kil. VIII. As denkest du? ö Tod! du schröcklichcr Tyrann! 8rMDie Traur taht ich erst ab, jetzt muß sie wieder an; Vor Kurzem raubtest du ein treues Bruderherz, Und jetzt die Großinamma. O welch ein harter Schmerz! Sie meinte mich sehr gut, Sie liebte mich auch stark; ' Nun scheidest du uns Zwey, und legst Sie in den Sarg. Was hast du aber doch durch Visen Streich gewonnen? Sie ist ja durch dein Hilf an jenen Ort gekommen, Da Sie durch ihre Bitt bey JEsu kan erhalten, Daß du die Mörderhand lang must von mir z'ruckhalten. Allst tröstet sich über den traurige» Hinschcid seiner vielgeliebten Frau Großmutter sel. Dero Großsohn Andreas Merian, llKVLLL blükI.VXI, ?3Ü. Lust kil. juN. IX. )r Leichenträczere! dazu auch ihr Steinmetzen ! >Was wolt ihr machen hier ? wen wollet ihr beysetzen ? Es ist ein frommes Weib, Frau Salome Schatzmann, O weh! laßt bleiben diß, solch's ich nicht leiden kan. Ich will ein ander Grab in meinem Herz bereiten, Darum Sie ruhen soll nun und zu allen Zeiten, Biß wir an jenem Tag zujamen werden gehn, . Zu GOtt in Himmel ein, und freudig vor Ihm stehn. Leichgedanken > Einer der nächsten und vertrautesten Freundinn von der hochzuchrenden Frau Helferinn sel. E N D E.