Erkläret in einer Über die Wort ^rsm. iX.r z, 24. So spricht der HERR. Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weißheit/ rc. gehalten in dem Münster zu Basel den i z. Hornung/ Anno 1721. Bey Volckrelcher Bestattung/ Deß Ehrenvesten und Fürnehmeu HERRN ohann Uudwig deß Handelsmanns. W/ Durch riederich Wattier/ Wfarrern zu St. Man. Basel/ Gedruckt bey Ich. Jacob Genach. Text: ^erem. IX. vers. 2Z. 24. OsprichtderHErr. EinWeisek rühme sich nicht feiner Weißhett. Ein Starcker rühme sich nicht seiner Stärcke. EinReicher rühme sich nicht seines Reichthums. S onder wer sich rühinen will/derrühmesich deß/daß er mich weiffet und erkennet/ daß ich der HEn seye/der Barmhertzigkett/ RechtundGerechtigkeitübetauffEr- den: Daii solches gefallet mir/ spricht der HErr. A - Außle- 4 Christliche t-r.4 !4. lad. 14 ». k 5 slm 90. < 7 - i«.zr. Außlegung. Je sogar ungewiß und hinfällig sey nicht nur derMenschen Leben / sonder auch ins gemein alle menschliche Sachen/ lehret nicht nur dieH. Schrifft / indem sie das Leben der Menschen den aller unbeständigsten und hinfäl- igsten Dingen vergleichet / als einem Rauch und Dampfs/ welche eine kleine Zeit wahren / und hernach wieder verschwinden; Einer Blume/ welche bald auffgehet / und bald wiederum abfallt; Einem Schatten/ der nicht bleibet; Einem Schlaff der bald ausshöret; Einem Strohm / der schnell dahin fahrt / und dem Graß/ welches früh blühet/ des Abends aber abgehauen wird und verdorret/ und darbey sagt: Das Wesen der Welt/ d. i. ihre Güter / vergehen / sonder es bezcugets auch die tägliche Erfahrung: Dann wir sehen ja täglich / daß Leuthe dahin sterben / und zwar nicht nur alte und schwache / sonder auch junge und starcke/ von denen man die Hoffnung gehabt / daß sie aussein hohes Alter kotnen werden; Ja daß alles Thun und Lassen der Menschen/all ihr Glück und Unglück/ und ins gemein alles in der Welt sehr unbeständig und veränderlich seye/daß man wol mit bestem Fuge sagen kan r Es seye in der Welt/aussertGOtt/nichts beständiges und unveränderliches / als die beständige Veränderung aller Dingen. Ein mancher ist des Morgens weiß 5 _ Leich-Predigt. weiß und klug / gesund und starck/ reich und vermvg- sich / des Abends aber alber oder kindlich / kranck und schwach/arm und verlassen. Können uns also auffdie indischen und weltlichen Güter gar nicht verlassen/ sonder müssen nothwendig nach anderen / tolleren und besserenSachen trachten/ darum wir unsereFreu- de und Erquickung haben/und deren wir uns berüh- men können. Welches aber diese Sachen seyen/ lehren uns abgeleseneText-Wort/ da der ^Err spricht. Ein Weiser rühme sich nicht seinerweißheit. Ein Gtarcker rühme sich nicht seiner Stärcke; Und ein Reicher rühme sich nicht seines Reichthums/sonder wer sich rühmen will/ der rühme sich deß/ daß er mich weisset und erkennet/ daß ich der^Err bin/ der Barmherzigkeit/Recht und Gerechtigkeit ü- bet auff Erden / dann dieses gefallet mir spricht der HErr. Es seynd dieses Wort GOttes des HErren selbst/ wie solches beyde der Anfang und das End derselben anzeigen / dann an beyden Orthen stehet der AErr spricht. Es verhandlet aber GOLt darin von dem selbff- Ruhm und lehret i. Wessen sich ein Mensch nicht rühmen solle. ii. Wessen er sich rühmen könne und solle. Seynd diejenigen zween Puncten / darvon wir geliebts GOtt und vermittelst seines gnadigenBey- stands auß Anlaß gegenwärtiger Leich - Begäng- nuß mit E. Chr. L. für dieses mal handle» wollen. A; SS-n 6 Christliche Von dem Ersten. MI.Z lehret erstlich GOtt derHEr- in abgeleses Z8W nen Worten / wessen wir uns nicht rühmen sollen / wann er sagt: Einweiser rühme sich nicht seiner weißheit. Ein Starcker rühme sich nicht seiner Stärcke. Ein Reicher rühme sich nicht seines Reichthums. Er thut da Meldung dreyer- jey Persohnen / der Weisen / der Starcken und der Reichen / und verstehet durch die Weisen solche / die einen guten Verstand und ziemliche Erkanntnuß von allerhand irrvischen und weltlichen Dingen haben / und darbey wissen ihre Sachen wol und klüglich anzustellen / damit sie ihren vorhabenden Zweck glücklich erreichen; Durch die Starcken aber solche/ Die starckund gesund seynd von Leib/daß sie eine schwäre Last aussheben und tragen/ oder sonst eine harte Arbeit verrichten können/darzu grosse Leibes- Stärcke erforderet wird/auch mächtige/ gewaltige Herren / welche über Land und Leuth zu herrschen/ und die Macht in den Handen haben / andere zu bezwingen; Durch die Reichen aber solche/die viel Häüb und Gut besitzen. Diesen gebeut der HErr /Daß sie sich nicht rühmen sollen dieser ihrer zeitlichen Vortheilen / ihrer Weißheit/ Macht/Stärcke und Reichthummen. Ein Weiser/ sagt crv rühme sich nicht seinerWeiß- heit; Ein Starcker rühme sich nicht stiner Stärcke. Ein Reicher rühme sich nicht seines Reichthums. Die Meinung ist nicht diese / als wann gar aller selbst - Ruhm über dergleichen zeitliche Vortheil Leich-Predigt. 7 Vortheil sündlich und verbotten wäre / als wann es zum Exempel nicht ein mal erlaubet wäre / sich zu rühmen / daß man von GOtt selbige empfangen hab / und Zwar zu dem Zweck und End / damit GOtt die ihm dannenhero schuldige Ehre empfange / und auch andere dardurch auffgewecket und auffgemun- teret werden / GOttes Güte zu erkennen und ihme darfür zu danckem auch ein desto besseres Vertrauen auffihne zu setzen/daß er ihnen beydes könne und Werde das nützliche und nothwendige mittheilen* Dann wer wolte doch dergleichen Ruhm verwerten und für sündlich halten; Ja wer wolte ihn nicht Approbieren und gut heißen / ist doch selbiger nirgend verbotten/ geschiehet auch auß gutem Hertzen und zu einem guten Zweck. Wer sich also rühmet seiner Weißheit/Stärcke und Reichthummen/der rühmet nicht so vast sich / als aber GOtt/ der sie ihm auß Gnaden hat mitgetheilet. Wer wolte dann solchen Ruhm mißbilüchen und Ladlen? Der selbst-Ruhm über solchen irrdischen und weltlichen Vortheilen/ welchen der HErr in unserem Text verbeut/ ist ein stoltzer hochmütiger Ruhm / ein Pralen und Großsprechen / da einer sich dieser Vortheilen bcrühmet/ als wann sie von ihme selbst herkamen/und von ihm durch eigenen Fleiß wären erworben worden / und gemeinlich mehr rühmet als er hat / damit ihn andere desto höher schätzen / lohen und rühmen sollen. Ein solcher selbst-Ruhm ist sündlich und GOtt dem HErren zu wider / dann man beraubet ihne dardurch seiner Ehre / und gibt sie der Creatur/ deren sie nicht gebühret / zu wider seiner so ernstlichen Erklä- 8 Christliche_ Erklärung. Ich bin der SErr/ das ist meinNahm/ »üi.4,8. ich will meine Ehre keinem anderen geben / noch meinen Ruhm den Götzen. Der Hochmuth ist ihm ins gemein und zwar eben darum zu wider/ vermög den Worten Petri / GOrt widerstehet ,.,, den ^ochmüthigen / aber den Demüthigen gibt er seine Gnade. Under die Stuck / welche GOtt rr°v.6.i7- hasset / werden von Salömo gezehlet hohe Augen. Wardurch er verstehet die Hoffarth/ und änderst- wo sagt er: Ein stoltz ^ertzist dem^Errerr ein °° Greuel / und wird nicht ungestrafft bleiben. Wie solte er dann ein stoltzes und hochmüthiges Rühmen/ erdulden und ertragen können. Darum vermahnet k.om i- is auch Paulus die Christen / daß sie sich nicht selbst s. für weise halten / noch sich selbst rühmen sollen / und Iacobus setzet hinzu / rühmet euch nicht selbst i»- 4 . i- in euerem Hochmuth / dann solcher Ruhm ist böß. Zu dem so seynd nicht alle weiß / starck/ mächtig und reich / die sich entweder selbst für solche halten/oder von anderen darfür gehalten/und angesehen werden/Massen die Erfahrung bezeuget/daß die meisten bessere Opinion und Meinung von sich selbst haben / als sie aber selten / sie halten sich für weiß/da sie doch in der That Thoren und Narren stjmd / wie Paulus von den Heyden sagt. Merkwürdig seynd die Wort des weisen Sitten-Lehrers Syrach. Es gibt ein mancher weißheit für mit k7-;7 -- Worten/und ist doch kein weißheit in ihm. Darum auch der Prophet Esajas das webe auß- Mi. 5. ,i. russet über die/welche bey sich selbst weist seynd und halten sich selbst für klug / und König Salo- mo warnet euren jeden / daß er sich nicht solle dunsten _Lcich-Predigt. _ 9 dmickeii lasten / weift zu seyn. Und so verhält es sich auch mit der Stärcke/Macht und Reichthum/ dann es halt sich ein mancher für gesund und starck/ der doch schwach ist / und nicht das geringste vertragen mag/und für reich/der doch ist arm/blind/ und bloß. Wie offt geschiehet es nicht / daß ein Kaussmann sich einbildet / er seye weiß nicht wie reich/ wann er aber eine genaue Rechnung und Bi- lantz machet/ über das was er hat/und was er anderen schuldig ist/ so findet er/daß er nicht nur nicht reich seye/ sondern nicht einmal zu bezahlen hab. Und was andere anlangt/ so ist bekannt / daß nichts betrieglicheres seye als der Menschen Urtheil von einander / dann entweder urtheilen sie von Sachen / die sie nicht verstehen / oder von Persohnen/ die sie entweder gar nicht / oder doch nicht genugsam erkennen / oder sie urtheilen nicht nach der Warheit und nach ihrer Erkanntnuß/ sonder außkallion, Schmeichelet)/ weltlichem Imere/Is, äußerlichem Ansehen / oder anderen dergleichen Sachen/darauff man kein sattes Urtheil gründen kan/ als auß den Aempteren/diedie Persohnen tragen/und auß den Tituln / die man ihnen deßwegen giebet/ da doch die Erfahrung bezeuget / daß man gar offt Leuthen Aempter und Titul giebt/ die sie keines Wegs montieren. Folget derowegen nicht / daß wann einer sich selbst für weiß/ starck und reich haltet/ oder von anderen für einen solchen geachtet und gepriesen wird/ daß er darum in der That und Warheit ein solcher seye / und kan also auch niemand seinen Ruhm dar- Kliss gründen. Über dieses / so seynd auch alle diese irrdische B und. ».cor,iz,9, r ^e§. II ,-IZ. io_Ch ristliche __ und weltliche Vortheil so nicht beschaffen/daß man mit Fug und Recht sich derselben hoch beruhmen / oder darauff trutzen möge. Dann erstlich seynd sie unvollkommen/und demnach seynd sie sehr ungewiß/ unbeständig/und vergänglich. Sie seynd erstlich unvollkommen/dann es mag einer so weiß und verständig / so starck und mächtig/ so reich und »ermöglich seyn / als er immer will/ so weisset/ so kan und vermag / so hat und besitzet er nicht alles. Alle wisse,ischafft der Menschen ist Stuckwerck. Auch der Allerweiseste begehet dann und wann eine Thorheit/ und der Allerstärckste / Mächtigste/ Reichste und Vermöglichste/ muß sich etwann erkla- gen über einigen Mangel der Macht/der Starcke / und Mittlen sein Vorhaben außzuführen. König Salomo hatte an Weißheit seines gleichen nicht/ und geriethe doch in die grösten Thorheiten / indem er sein Hertz an ftembde Weiber gehänget/ und ihnen zu gefallen Abgötterey getrieben hat/dann dar- mitverschätzeterGOttesHuld und Gnade/und rei- tzet ihn dermassen zum Zorn / daß er ihm nicht nur einund anderen Feind erweckte/die ihm viel zu schaffen machten / sonder auch i o. Stämmen von seinem Reich abrisse/die nach seinem Tod von seinem SohNkekabeÄM abstehlen/ und unter lerodoam ein sonderbahres Reich auffrichteten. eoiiLtk wäre ein grosser und ftarcker Riß; Wann er in seinem fürchterlichen Rüstzeug auß der Philister Lager her- fur tratte/dem Heer Israels Hohn zu sprechen/so erschracke Saul und das gantze Volck Israel / aber dessen ohngeachtet vermochte er mit aller seinerStär- cke nicht einmal den kleinen und jungen David nieder II _Leich-Predigt. ^ der zuschlagen / sonder mußte sich von demselben mit ^ einem glatten Stein auß einer Schleuder zu Boden "" werffen/ und mit seinem eigenen Schwert töden ^ lassen. ^1633 ein König in Phrygien Ware nach r. ---.m. 17. d- dem Urtheil klinü, einer von den allerreichsten Her- ^ ^ ren seiner Zeit / es kahme thme aber darzu / daß er ) 1! mit allen seinen Reichthumen vast Hunger sterben ^i mußte. So gar unvollkommen ist alles in der Welt/ und namentlich auch alle Weißheit/ Starcke und Ä Reichthum der Menschen. Mb Sie seynd auch sehr ungewiß / unbeständig und P vergänglich. Es ist ein mancher heut weiß und nL klug / gesund und starck/ reich und vermöglich / der Ä Morgens alber und kindlich/ schwach und kranck/ U dürfftig und arm ist. Es brauchet nur eine hitzige Kranckheit / oder eine vioisnte kassion , einen Ä grimmigen Zorn/ oder grosse Betrübnuß/ einen ^ Schlag'Fluß/ oder dergleichen etwas / so leydet ck augenscheinlich der Verstand und die Gedächtnuß/ üs und mit denselben Weiß-und Klugheit / die Kräff- ten aber des Leibes verliehren sich dermaßen/daß der/ ßi den sonst wegen seiner Starcke jedermann hat förch- „ ten müssen / denselben auch ein kleines Kind zu Bo- den fällen kau / und der ehemahls die schwarste Last B hat aussheben und tragen können / nicht mehr vermag K seinen eigenen Leib auffzurichten und zu tragen. B Und lieber l Wie geschwind ist es nicht geschehen umb grosser Herren Macht und Gewalt/ wann ^ entweder ein stärckerer und mächtigerer über ste ^ kombt; Oder wann sich ihr Volck wider sie empö- K ret und aufflehnet; Oder wann sie das Unglück «5 haben eine Schlacht zu verliehren. Wie offt Hai kk B 2 man 12 Brn. 4. »c, »»71. 4. 2§. »7--r LHBliche_ man nicht gesehen / daß reiche und vermögliche Leuth/entweder durch eine wütende Feurs. Brunst/ oder durch eine unvermutete Eeglessung der Wasseren/oder durch einen feindlichen Überfall/ oder durch anderwärtigen Verlorst und Unglück umb all ihr Haab und Gut seynd gebracht / und in äusserste Armuth / auch wol gar in den Büttel- Stand seynd gesetzt worden. König Ware nicht nur ein grosser Herr und mächtiger Monarch / sonder auch ein sehr weiser und kluger Fürst / nachdeme er sich aber durch Hochmuth an GOtt versündiget / und bey sich selbst auff seinem Dach gesprochen: Dieß ist die grosse Babel/ die ich erbauet hab zum Bö- mglichm Aauß/durch meine grosse Macht/zu Ehren meiner Herrlichkeit / ist er durch sonderbah- re Verhängnuß GOttes aller seiner Vernunfft / Macht und Ansehens dermaßen beraubet worden/ daß man ihn von den Leuthen zu dem Dreh verflossen / und er eine Zeit lang Grast essen müssen wie die Ochsen / auch sein gantzer Leib verunge- ssaltet worden/indem feine -§aar gewachsen wie Adlers - Federen / und feine Nagel wie die Vogels-Blauen. Nicht besser ist es ergangen dessen Enckel König Belsatzer/dieser Ware auch ein sehr mächtiger Herr / wurde aber mitten in seiner grossen Herrlichkeit und in seinem Wollten aller seiner Macht und Herrlichkeit beraubet; Dann da er eben mit seinen fürnehmsten ein prächtiges Pancket hiel- A/ unddarbey die Besässe des Heillgthumbs zu Jerusalementheiligte/kame urplötzlich eine Hände auß der Wände / welche ihm denUndergang verkündigte/ _Leich-Predigt. _ iz kündigte / und in der Nacht daraussfiele König Oa- riu8 mit dem Medtschen und Persischen Heer in die Statt Babel / und wurde darbey nicht nur König Belsatzer umbs Leben gebracht/ sonder auch der gantzen Babylonischen Monarchey ein Ende ge- machet. Lroe5u8 der Lydier Könige/ einer von den allerreichstenKönigen in gantz Asien/ ward durch ein einige unglückliche Schlacht mit L^ro dem König in Persien aller seiner Macht und Ncichthummcn/ und bey nahem auch des Lebens beraubet. Wir könnten auch leichtlich andere Exempel zum Be- weißthumb der Unbeständigkeit und Vergänglichkeit weltlicher Weißheit/ Gesundheit und Stärcke des Leibs/Macht/und Herrschasst über andere/ wie auch deren indischen Reichthummen anziehen/ wann es nöthig wäre; Aber die tägliche Erfahrung bezeuget und bekräfftiget es so vielfältig / klar und deutlich / daß niemand der von heutigen Welt-Geschichten etwas weißet/daran zweifflen kan/darum nennet man auch diese Güter Glücks-Güter / weil sie dem Glück und Unglück underworffen seynd / und keiner wissen kan/ob er das/so er jetzt hat/ auch nach einem kleinen Augenblick annoch haben und besitzen werde. Paulus nennet insonderheit die Reichthummen dieser Welt ein ungewissen Reichthum/ weil niemand weisset/ wie lang er ihn behalten werde. Und von den Schätzen der Erden ins gemein/ sagt unser Heyland/ sie können von Dieben gestohlen / von Motten gefressen / und vom Rost verderbet werden. Was aber dermaßen beschaffen ist / was entweder in einer blossen falschen Einbildung bestehet/ B z oder killet.; >4- 14 Christliche__ oder doch sonsten sehr unvollkommen/ungewiß/unbeständig und vergänglich ist / dessen kan man sich ja nicht hoch rühmen/weniger darüber stoltz und hochmüthig werden / dann man hat zu fürchten / daß wann man meint / man seye am besten daran und besitze diese Güter am aller steiffesten und sichersten/ man derselben urplötzlich beraubet / und in den aller elendesten und unglückseligsten Stand versetzet werde. kortuna voludin8 errat, das Glück ist Kugel-rund. Es halt sich mit dergleichen Glücks- Güteren wie mit einem Rad/das immer umbgehet/ und an welchem / das was jetzt zu oberst ist / in einem Augenblick zu underst stehet. Also daß sich dar- auss keines Wegs zu verlassen/weniger zutrutzcn ist. Darzu kommet auch dieses/daß man durch alle diese oberzehlte Vortheil/ n. weltliche Weißheit/ Starcke des Leibs und irrdische Reichthummen keine andere als eine zeitliche und irrdische Glückseligkeit erlangen kan / angesehen es auch nur zeitliche und irrdische Vortheil und Güter seynd; Und zwar nicht allezeit/dann wann man sie entweder mißbrauchet ; Wann man sie nicht zu der Ehr GOt- tes/und so wol unsers Nächstens als unserer eigenen/ so wol leiblichen und zeitlichen/ als geistlichen und ewigen Wolfahrt/ sonder zu etwas anderes anwendet; Wann man zum Exempel sich seiner Weißheit bedienet zu Erfindung schädlicher Practrcken/ oder zu lTlarrentheidüiig und Schärtz/ welche Christen nicht geziemen / oder gar zum Gespött mit göttlichen und himmlischen Dingen; Seine Macht und Starcke zum Nachtheil und Unterdrückung des Nächsten / scrne Reichthummen / zum 15 _Leich-Predigt. zum Pracht und Üppigkeit in Kleideren/ Gebäuden/ Haußraht und dergleichen/oder zu allerhand schändlichen Drucken in Essen und Trincken/ Camerm und Unzucht; Oder auch zum Verdruß / Verfolgung und Schaden des unschuldigen Nächstens. Oder wann man kranck wird / und eine Zeit lang ieyden muß. Oder wann man einen heimlich nagenden Wurm und beissendes Gewissen darbey hat. Oder wann man nur der tröstlichen Versicherung der Gnade GOttes / der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens eine Zeit lang manglenmuß/ so ist man bey allen diesen zeitlichen Vortheilen nicht glückselig / sonder miserabel und elend. Es mögen solche Vortheil in dergleichen Zuständen das Hertz des Menschen nicht nur nicht erfreuen und befriedigen / sonder sie machen es vielmehr unruhig/ bevorab/ da ihme zu Sinn kombt/ wie er zu seiner Macht und Reichthum gelangt seye/nämlich mehrentheils durch unerlaubte und ungerechte Mittel / und wie er sie/ und seinen Witz und Verstand / Gesundheit und Stärcke gebrauchet / oder vielmehr mißbrauchet hab / nämlich nicht zu GOttes Ehr / und des Nächstem Bestem / sonder wie gemeldet / zu allerhand Sünden und Missethaten: Dan da kan er nicht einmal ohne Schräcken daran gedencken / oder dar- von reden hören. Wie solte man sich dann derselben hoch berühmen! Wie solte man sich darauff verlassen/oder trutzen? Wir setzensroch zum Überfluß hinzu / daß alle diese Vortheil nicht capabet und fähig seynd/ einen Menschen vom Tode zu erretten / dann auch die Allerweisesten/Stärcksten/Mächtigsten und Reichsten i6 Christliche Luc. iS sten müssen endlichen sterben. Der weise und kluge Salorno so wol als der albere und einfältige Na- bal. Der gesunde und starcke Simson / so wol als der schwache und kranckliche Nepkibvletk; Der reiche Schlemmer so wol als der arme Ikarus, und haben hiemit auch in diesem Stuck diejenigen / so offt-genannte Vortheil gemessen / keinen Vorzug für anderen / und derowegcn auch keine Ursach sich zu rühmen und zu erheben. Von dein Anderen. HIr fahren aber forth und kommen von dem ersten/ n. von denjenigen Sachen/ deren man sich nicht berühmen soll / auff das andere / d. L. auffdie Sachen/ deren man sich mit Fug und Recht berühmen soll und kan. Diese deutet der HErr an / wann er sagt: Sonder wer sich rühmen will/der rühme sich deß / daß er mich weisset und erkennet / daß ich der ^Err bin / der Barmherzigkeit/ Recht und Gerechtigkeit übet auff Erden: Dann solches gefallet mir / spricht der ^Err. Mit diesen Worten lehret er i. Daß man sich in gewissen Fahlen rühmen möge. H. Wessen man sich rühmen möge. m. Warum man sich desselben rühmen möge und solle. d i. Allervorderst lehret er / daß man sich in gewissen Fahlen rühmen möge. Dann wann er den selbst-Ruhm gantzlich improbiert und für unrecht gehalten 17 _ Leich-Pre digt. gehalten hätte / so hätte er ihne gantzlich und ohne /L Underscheid verworffen und verbotten. Nur machet M er aber einen Underscheid zwischen Sachen / deren ; man sich nicht berühmen solle / und solchen / deren L man sich berühmen solle und könne. Und muß hie- D i mit nothwendig nicht aller selbst - Ruhm Absolut« n§l' und schlechter Dingen böß und sündlich seyn/ sonder P nur eine gewisse Gattung desselben. So machet auch sonst die Heil. Schrifft einen Unterscheid zwischen erlaubtem und unerlaubtem selbst - Ruhm. Wann sie zum Exempel bestrasset / die Gottlosen/ daß sie sich ihrer Sünden rühmen wie die zu r »- n i' Sodom / und hingegen lobet / die sich rühmen deß - c°- n ,7 HErren. Drum hat auch der Apostel Paulus sich "4° !ll ein und ander mal gelobet. Ac Doch muß man sehr behutsam darinn gehen / ^ und zusehen / daß man sich nicht etwann rühme >11 k fälschlich/ da man keinesRühmens würdig ist; Oder erb übermäßig / mehr als es sich geziemet; Oder auffei- K ne unanständige weiß / mit grosser Olkentstlon ^ und Spiegel - Gesucht; Oder auß Hochmuth und einer altzuguten Einbildung / von sich selbst und seiner eigenen Weißheit/ Macht und Stärcke / wie dorten Lamech/ wann er bey seinen zweyen Weibe-- P ren/ Ada und Zilla/ großgesprochen: Ihr Weiber Lamech höret meine Rede und mercket/was ich sage. Ich habe einen Mann erschlaget) umb ch einer Wunden willen / und einen Jüngling umb eine Beulen / Rain soll sieben mal gerochen wer- . den / aber Lamech sieben und siebentzig mal; O- 11P der entlich solcher Sachen / die da entweder keines Lobs / sonder nur Scheltens - würdig seynd / als s C Wie W i8_C hristliche _ wie obgesagt / seiner Missethaten / deren er sich bil- lich schämen soll; Oder aber doch eitel/ unnütz sepnd/ die uns wenig angehen / noch uns besser machen/ auch nicht in unserer Gewalt stehen / und die wir derowegen leichtlich verliehren können / als obge- dachte zeitliche und weltliche Vortheil. Sonder/ daß wann wir uns je rühmen wollen / wir uns solcher Sachen rühmen / die da rühmens würdig seynd/ zur Ehre GOttes und so wol unserer eigenen als des Nächsten Besserung und Wolfahrtdienen/und zwar auff eine wol anständige Weiß. 2. Mit einem Wort/dessen/daß'wir ihne/ unsern GOtt/ wissen/und erkennen/daß er der HErr sepe/und daß er Barmherzigkeit/Recht und Gerechtigkeit übet auffErden/wie derHErr unser GOtt in abgelesenen Worten sagt. Er will also/ daß wir uns ja freylich rühmen könen und sollen der Weißheit / aber nicht einer indischen und weltlichen Weißheit/ davon wir indem ersten Theil ge- handlet und gezeiget haben/daß ste keine genügsame und anständige Matery seyen unsers Lobens und Preisens / sonder der geistlichen und göttlichen Weißheit/ bestehend in der Erkanntnuß GOttes und namentlich gewisser Artickuln von GOtt. Es redt GOtt der HErr in unseren Tert- Worten von der Wissenschafft und Erkanntnuß / als einer rühmlichen und löblichen Sach. So thut dre Heil. Schrifft durchgehend / und die gesunde Vernunfft lehret uns / daß durch die Erkanntnuß und Wlssenschafft der Zustand unserer Seele verbesseret und perfeÄioniexet werde. 19 ^ _ Leich- Predigt. A In dem Grund - Text stehen zwey Unterschieds dene Wort / deren das schlechter Dingen bedeutet/ ^ etwas wißen und verstehen; Das ander aber/ etwas ^ wol / genau und gründlich wissen / oder/ wie es eini- > s ge der Gottsgelehrten außlegen / eine Sach nicht schlechtlich wissen / sonder eine innerliche Empfin- ^ düng darvon haben / und recommenöieret also Gott U mit diesen Worten nicht schlechtlich die Erkannten nuß und Wissenschasst / sonder eine accurate und ^ gründliche Erkanntnuß / dergleichen sich allein bey denjenigen befindet / welche den Sachen fleißig nachforschen / und sie bey sich selbst wol überlegen, k' Und zwar eine solche Wissenschasst und Erkanntnuß li' allein ist Lob - und Rühmens - würdig / diejenige a- E der / da man eine Sach nur obenhin und ohne Grund L' erkennet/ ist nicht hoch zu schätzen/ darum / weil sie M mehrtheils unnütz und krafftloß ist / und den / der ck sie hat/ nicht nur nicht erbauet und kluger machet / ^ sonder auffblähet und einbildisch machet / nach der üiss Lehr Pauli. Da hingegen die wahre / genaue und ngründliche Erkanntnuß einer Sach / das Gemüth O desMenschen erleuchtet/und so wol seinHertz als sein A gantzes Leben / im Guten starcket und besseret / weil l. sie namblich denselben mit guten und unverwerssli- chen Gründen seiner Schuldigkeit kräfftiglich erin- M neret und darzu ermähnet, ich Er setzet hinzu / daß er mich wisse / und leh- ' ret darmit / daß auch nicht alle genaue und grundli- che Wissenschasst Lob-und Rühmens - würdig seye/ ^ sonder allein diejenige / die zum ObjeÄo und Vor- wurff hat ihne selbst / oder welche aussihn / GOtt den Herren /gerichtet ist. Dann obwohlen andere Wis- A C - ftn- 2O Ski. 4V. 15. rod-r?.;. ShriWche__ Wissenschassten nicht zu verwerfen und gering zu schätzen seynd/ Massen sie auch ihren Nutzen haben/ so seynd sie doch mit der Wisscnschafft und Erkant- nuß GOLtes garnicht zu vergleichen / sie möchten auch so accurat und gründlich seyn / als sie immer könenrDann erstlich ist GOtt das allerfürnehmste/ das wir erkennen mögen. Ln.-; entium das Wesen aller Wesen/wie ihn ^rilkotelesgenennet hat / das ist das höchste und allervollkommenste Wesen / unter welchem all? andere Sachen stehen / und gegen welchem sie nicht einmal so viel zu schätzen seynd als ein Tröpfleiii Wasser / so an dem Epmer hanget/ und ein Gchärfflein / so aussder waag- Gchalen ligen bleibet. Demnach so ist auch die Wissenschaft und Erkanntnuß GOttes die aller- nutzlichste Erkanntnuß / Massen sie dem / der sie hat/ nicht nur eine zeitliche und irrdische/ sonder auch eine geistliche und ewige Glückseligkeit bringet. Dann das ist das ewige Leben/das ist/das beste und einige Mittel das ewige Leben zu erlangen / daß sie dich erkennet, / den allein wahren GOtt / und den du gesandt hast IEsum Christum. So bleibet es demnach darbey / daß wer sich rühmen will / der solle sich rühmen / daß er GOtt weiftet. Was aber will GOtt der HErr ferners / daß Wir von ihme erkennen ? Er sagt/ und erkenne/ daß ich der HErr fepe/ und daß ich Barmhertzigkeit Recht und Gerechtigkeit übe aufs Erden. Es erfordert hiemit von dem / der sich seiner Wissenschaft rühmen will/ eine dreyfache Erkanntnuß. . Erstlich/ daß er der HErr / das ist / derSchöpf- Kr/König und Regent/ Ickvva-der allem anbät- tenS? _ 21 tens - würdige GOtt / und HErr aller Heerscharen seye. Demnach / daß er seye barmhertzig / heilig und gerecht. Barmhertzig und gnädig / gedultig und ^ von grosser Güte / wie ihne nennet König David. Und dabey ein gerechter Richter des gantzen Erd- «».ir bodens/ wie er von Abraham titulieret wird. Drittens / daß er diese seine Eigenschafften und Tugenden übe in der Beherrschend Regierung der Welt/ und namentlich der Erden/seynd derjenigen Creatoren/die auff der Erden seynd und wohnen. Seine Barmhertzigkeit zwar / indem er sich deren Armen und Ellenden erbarmet / und ihnen in ihrer Noth hülffet und beybringet / auch mit denen Sünderen Gedult hat / sie nicht alsodald auff der Stelle/da sie sündigen/ abstraftet/ sonder ihnen Zeit giebet zur Büß und Besserung ihres Lebens / ja ins gemein gegen allen seinen Creaturen sich gütig und liebreich erzeiget. Sein Recht aber/ indem er einem jeden Recht schaffet. Das Gute belohnt/ und das Böse abstraftet / wo nicht alsobald / doch mit der Zeit / wo nicht in diesem / doch in dem zukünftigen Leben / und zwar also / daß er auch schon jetzt in diesem Leben dann und wann einige Proben darvon sehen läßt/ indem er fromme / tugendsame Leuth/ als zum Exempel einen gerechten Noah / einen gläubigen Abraham / einen gehorsamen Isaac und frommen Jacob / einen gedultigen Hiob / und andere mit seinem so wol leiblichen als geistlichen / indischem als himlischem Segen heimsuchet; gott- und ruchlose aber härtiglich abstraftet/wie weyland den Bruder-Mörder Cain/ welcher von dem Tag C z semeS 22 t-e». 4 ; c - 1 ^ 7 - Ll. IA. 24 2; Lxoö.i4 28 Frov 15, S Lkroa. IS.S liebl. n.S. 1°ob. 2 9. Christliche^_ seines Verbrechens an unstath und flüchtig gewesen auff Erden; An den Leuthen der ersten Welt/ über welche er/weil ste stch von seinem Geist nicht haben züchtigen lasten / die Sündfluth geschickt / darum sie allzumahl zu Grund gegangen; An den Leuthen zu Sodoma und Gomorrha/Adama und Zeboim / welche er wegen ihrer Himmel-schreyenden Unreinigkeit / durch einen feurigen Schwefel-Regen verderbet und zu Grund gerichtet/und an Pharao und seinem Heer / welche er / weil sie sich so gar barbarisch und grausam gegen den Minderen Israel erwiesen haben / daß sie ste genöthigct/ ihre jungen Söhnlein selbst in den Nil - Fluß zu werffen/ und darin zu ersäugen/in dem rothen Meer ersauffet. Und zwar zu dem Zweck und End / damit ein jeder / der Augen hat umb zu sehen/Ohren umb zu hören/und ein Hertz umb zu verstehen / darauß erkenne/daß die Äugen des ^Erren durchwanderen alle Land/ und Achtung geben aussdie Guten und auff die Bösen/ und daß insonderheit die Frommen in ihrer Hoffnung / daß GOtt ein reicher Vergelter ftpe deren die ihn suchen gestärcket / desto vester halten an ihrer Fromnrkeir. Die Gottlosen aber durch die über Leuth ihres gleichen ergangene schwäre Gerichte und Straffen von ihrer Gottlosigkeit abgeschrecket / einen besseren Wandel führen / damit sie nicht in gleiche Verdamnuß gerathen. Die Gerechtigkeit endlich / mdem er durchgehend in allen Wercken der Fürsehung und Regierung der Welt eine so exEe und genaue Gerechtigkeit und Billich- keit beobachtet/ daß keine Creatur mit Fug und Recht sich entweder über allzugrosse Sttengigkeit/ G K>! >l^ !ikl l!P « s!« !n.' die rechte wahre Glückseligkeit/ die Ruh unserer M Seelen / einen rechten loliäsn Trost in allen Wi- tL derwertigkeiten dieses gegenwärtigen Lebens / und nach diesem Leben das ewige Leben. ^MS ist der Ehrenveste und Fürnehme Herr Jo- P ZM hann Ludwig Fäsch an das Liecht dieser Welt P gebohren worden ^rino 168 z. den 16. April. S/ö Von ansehenlichen / frommen und Christlichen Merke ren. Sein Herr Vatter wäre Herr Albrecht Fäsch A des Rahts / ein Sohn Herren Johann Ludwig P Fäsch des Rahts / und Frauen Sara Burckhardtin. Die Frau Mutter aber Frau Agnes Beckin / eine K Tochter Herren Emanuel Beck des Rahts / und i k§ Frauen Dorothea Humel / welche alle allberett ftlig. § Von Z4 Christliche_ Von diesen seinen ehrenden Eiteren ist er Christlich ausserzogen / und in änno 1720. naher Genff geschickt worden/umb daselbst neben der Frantzösi- schen Sprach die Handlung zu erlehrnen. Hat sich allda zwey und ein halb Jahr auffgehalten / und seinen Herren so gute Dienst gelaistet / daß sie ihn in ihren Handels-Geschafften / eine Rayse in Pie- mont und Italien thun lassen. Nach der Hand hat er eine kleine Rayß durch etliche Provintzen von Franckeich naher Paris gethan / und ist darauff wiederum hieher in sein Vatterland kommen. ^nno 1710. den io. Klaji hat er sich durch Schickung des Allerhöchsten in den Stand Heil. Ehe begeben mit Jungfrau Anna Maria Zäßlin/ Herren Johann Zäßlins des Rahts/und Frau Ursula Wiertzin selig/ ehelich erzeugter Tochter/ seiner nunmehro höchst-betrübten Frau Wittib/ mit welcher er eine vast eylffjahrige / liebreiche und gesegnete Ehe besessen / auch zwey Söhnlein erzeuget/ darvon das jüngere ihm vor mehr dann anderhalb Jahren den Weg alles Fleisches vorhergegangen. Ob dem überlebenden elteren Söhnlein/ wie auch der Frau Mutter / walte der grundgütige GOtt mit feinem Segen/und erfülle ihre Hertzen mit Vielfältigem Trost und Erquickung. Es hatte der HErr unser GOLt unserem seligverstorbenen viele schöne Gemüts - Gaaben / und insonderheit einen guten Verstand und gesundes Urtheil/besonders in Handlungs-Geschäfften mitgetheilet/ und hat er selbige nicht nur zu seinem eigenen Vortheil und Nutzen angewendet/ sonder auch dem Nächsten williglich darmit gedienet / ist auch darumb LeichrPredigt. Z5 ^ darumb zu einer und der anderen Ehren - Stell und ^ Verrichtung befördert worden. Massen er in ^ 1718. von einer Ehren - Zunfft zun Weinleuthen zu einem Sechser ernennet / und in eben diesem Jahr von ' unseren gnädigen HErren an das LolleÄ verord- net worden. Welchen Ehren - Stellen und Bedie- '7 nungen er auch getreulich abgewartet hat. Sein Leben und Wandel betreffend / so hat er ^ seine Fehler/ wie er es dann auch in seinem Todt-Bctt ^ erkannt und bereuet / anbey aber auch seine Tugen- ^ den gehabt. Dann er wäre / wie gemeldet/ under- § dienstbar / freundlich nnd friedfertig / beneben in sei- »dr nem Umbgang ehrlich und auffrichtig. Es gefiele G.Ott dem HErren / ihn mit einer "d ^ beschwärlichenKranckheit heimzufuchen/welche nicht U nur eine geraume Zeit gewähret/ sonder auch ihm M viel Schmertzen und Wehe - Tage / wiewol zum Besten feiner Seelen/ verursachet/ und ihne nach G und nach entkrafftet und außgemärcklet hat / wie- M wol es weder an guter Abwartung / noch an Artzney- ^ Mittlen ermanglet hat. Er verliehe ihme aber auch »öl die Gnad seines Heil. Geistes / daß er sich seiner D Hand und Willen mit grosser Gelassenheit und Ge- P' dult unterwurffe/ sein sundliches Elend und die Eitelkeit alles irrdifchen Welt-Wesens erkannte/ seine V l Sünden bereuete / und GOtt umb Verzeihungder- selben bäte / auch erst vor Vierzehen Tagen zum Trost seiner Seele / und Starckung seines Glaubens / das n - heilige Abendmahl verlangte und empfieEge / sich Ai auch gantz getrost darüber erzeigte. Als er ge- spürt / daß es bald an dem seye / daß er seine Seele seinem Schöpffer und Erlöser überliefere / hat er Er Mit z6_Ahnstliche_ mit den lieben seinigen tröstlich abgeletzet/ und denselben mit Anwünschung des Göttlichen Segens für alle empfangene Dienst und Freundschafft gedam ckct / insonderheit seiner lieben Haußfrauen/ welche ihn wahrender Kranckheit wenig verlassen/sonder ihm getreulich beygestanden / beneben sich erkläret/ er förchte sich nicht für demTod/wolle gern sterben/ in Hoffnung/ GOtt werde ihm seine Sünden umb IE- su Christi willen gnadiglich verzeihen / und ihn in seine himmlische Freude auffnehmcn. Es hat auch Der allgütige GOtt sein sehnliches Verlangen durch eine baldige Aufflösung in Gnaden erhöret / indem er ihn vergangenenDienstag morgens frühe zwischen zwey und drey Uhren unter dem Gebätt der lieben Seinigen abgefordert/und hoffentlich in die ewige Freude und Herrlichkeit versetzet / nachdem er in Diesem Jammerthal zugebracht z?. Jahr / und bey nahem io. Monath. Es ist betrübt / wann junge Ehe-beuth in dem Blust ihres Alters von einander müssen. Sie müssen aber auff GOtt schauen / und gedencken / es geschehe nichts ohne desselben Willen und Fürsehung. Sie seyen seine Creaturen/ und derowegen schuldig/ sich seiner Regierung zu unterwerffen. Er habe sie weyland zusammen geführt / und eine Zeitlang beieinander erhalten / und habe deßwegen auch Fug und Macht gehabt / sie wieder von einander zu trennen. Er seye ^eKovA der HErr/welcher Barmhertzig- reit/Recht und Gerechtigkeit übet auff Erden/und werde derowegen sich des überlebenden annehmen/ demselben gnädig seyn / und feine Witwen-Last tragen helffen. Haben wir nur alle / Heilige GOttes/ _ Z7 das gute Vertrauen zu GÖtt/ daß/ wie er die V gantze Welt beherrschet und regieret mit Weißheik Recht und Gerechtigkeit / also werde er auch einen U jeden auß uns regieren / beschützen und bewahren / und ihm zu seinem Rechten verhelften / insonderheit Ä aber werde er seine Gnade und Barmhertzigkeit an m uns üben / dafern wir ihn in unserer Noth und E- N lend gebührend umb seine Hülste anrüsten/und uns tz r dermahleins das ewige Leben mittheilen / wann wir m änderst durch gute Vorbereitung uns desselben wür- dig und fähig machen. Nehmen ferners bey dieser ck Leich-Begängnuß Anlaß an unsere eigene Sterb- ch lichkeit zu gedencken / unsere Busse zu beschleunigen/ !iik und unser Heil zu würcken mit Forcht und mit Zit- KL teren. Der HCrr aber verleihe darzu sein himmli- es sches Gedeyen in Christo IEsu unserem Seligma- M cher / durch die Krafft des Heil. Geistes / Amen. rs kix jrx /Ä 5l inr !i^ ichätt. AArmhertziger und gnädiger GOtt/ wir erscheinen für deinem Thron/und erkennen/ daß du ein AErr seyest über alles / ein allmächtiger/ gütiger und gerechter AErr und Re- genrAmels und derErden/für welchem alleWelt stch demüthigen / ihre Nichtigkeit erkennen / und Gnade begehren soll. wir dancken dir / daß du uns dich also offenbahren wollen in deinem heiligen Wort/ und Haltens für unsere gröste Ehr und Glück / daß wir zu solcher Erkanntnuß gelanget E Z ftynd. z8 Lh ristliche_ seynd. Alle Weißheit/ Stärcke/ Macht und Reichtumb dieser Welt ist darmit nicht zu vergleichen / dann sie fepnd ungewiß / eitel und vergänglich/ und bringe» dem / der sie hat/ entweder keinen/oder nur einen zeitlichen und irrdi- schen Nutzen / die Erkanntnuß aber deines göttlichen Nahmens und deiner allweisen und gerechten Regierung / zusambt deinen heiligen Eigenschassten/ ist eine beständige und solche Erkannt- nuß/ die uns nicht nur in diesem Leben grossen Nutzen bringet/ sonder auch ewiglich selig machet. Gib L> GOtt / daß wir uns in Ailweg derselben erfreuen/obschon die Welt selbige verachtet/ und gering schätzet / und vermehre sie täglich in unserem Gemüth und Artzen. wir dancken dir für dieses mal/für diejenigen Gut-undwoltha- ten / so du unserem selig verstorbenen in seinem gantzen Leben / und insonderheit in seinem langwierigen Lepden / und leisten Barnpff erwiesen hast/ insonderheit darfür/ daß du ihm nicht nur euren guten natürlichen Verstand / sonder auch dein heiliges Wort vergönnet/und ihm dardurch Gelegenheit gegeben hast / dich zu seinem Trost/ Besserung und Aeil zu erkennen. Erscheine dessen hinderlassenen betrübten Frauwittib/ Söhnten:/ und übrigen Ekren-Verwandten mit der Gnad deines Aeil. Geistes/ daß sie sich mit Christlicher Gelassenheit in ihr Lreutz schicken/und dir alles anheim stellen / der getrosten Versicherung/ daß du Fürsehung thun / und alles wol machen werdest. ^Erquicke sie auch mit anderwärtiger Hreud. Nimme dich beneben an / aller unserer ü- brigen Leich-Predigt. ___Zy brigen Brancke»/ Gerbenden und Sterbenden/ tröste sie in ihrem Siech-Bett/ stärcke sie in ihrer Schwachheit / lindere ihre Gchmertzen/ und bringe sie wieder zurecht/ wann es jeh dein heiliger Will ist/daß sie noch länger in diesem Jammerthal leben und wallen sollen / wo nicht / st» gib ihnen Gedult/ und mache ihrem Leiden ein seliges Ende. Uns allen / O HErr / verleihe deinen Ail. Geist/ daß wir dich jederzeit für Augen haben / deinen Nahmen förchten / und dir dienen/ damit wir dermahleins ewiglich mit dir leben und regieren mögen in Christo IEsu unserem Ayland Amen. Zwey einfältige Traur- Gedichte/ so das hinderlassene Söhnlein Kohamies Wasch/ Selbst nnd anst eigenem Trieb: Das erste zwar einige Tage vor / das andere nach dem tödtz- lichen Abscheid seines geliebten Vatters sel. gestellt. I. )G) IEsu! liebster IEsu mein/ »b Ach! stürtze doch den Knechte dein/ Nicht so erbärmlich in das Grab/ Daß ich hier keine Hoffnung hab. Ach! heile ihn von seinen Plagen/ Daß ich nicht muß sein Todt beklagen/ Ach ! heile ihn HErr IEsu Christ/ Der du ihm allzeit gnädig bist. Mach 40 Ch ristliche Leich-Predigt. Mach ihn doch wiederumb gesund/ In dieser seiner krancken Stund/ Laß mich nicht werden einen Wäiß/ Auff dieser unserer Lebens - Reiß. Ach JEsu! laß es nicht geschehn/ Daß ich meins Vatters Tod soll sehn/ Manns aber doch also muß seyn/ So schone ihm mit grosser Pein. * Nimm seine Seel in deine Hand/ Und giebe ihm ein seligs End. Ach JEsu! schönster Seelen - Hirt/ Mach / daß ich meine Landen gürt/ Mit meiner Lampen sey bereit/ Und auch erlang die Seligkeit. H. )Ch! weil mein Hüter ist dahin/ Kan ichs nicht werffen auß dem Sinn/ Ich bin betrübt von Hertzen-Leyd/ Ach GOtt! tröst mich mit Frölichkeik. Ich bin voll Kummer in dem Hertzen/ Weil dieser Todt mich sehr thut schmerhen. Ein solchen Hirten zu verliehren/ Soll ich es billich wol gespühren. Wir manglen ihn gar sehr im Hauß/ Weil er ligt in dem Grabe drauß. Deß tröst ich mich / daß er gestorben/ Gar seliglich / und nicht verdorben. Ich wünsche bald / bey ihm zu seyn/ Und auch entfernet von der Pein. ENDE.