Trauerrede bey der Leich endest attung des weiland Hochwohlgebohrnen Reichs» Freyherr» HERRN Franz Reinhardt von Notberg Herrn zu Rheinweiler und Bamlach in dem Münster in Basel den 7. Merzens 1779. gehalten von Simon Grynäus Prediger bey St. Peter. BASEL, gedruckt bey Gebrüdern von Mechel> Text. 2. Corinth. 4. 16- r 8 . Ob unser aüfferlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tag zu Tage verneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maasse wichtige Herrlichkeit: uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; waS aber unsichtbar ist, das ist ewig. A 2 ES 4 Trauerrede. Es ist ein elend jämmerlich Ding um aller Menschen Leben, von Mutterleibe an, bis sie in die Erde begraben werden, die unser aller Mutter ist: da ist immer Sorge, Furcht, Hoffnung, und zuletzt der Tod; sowohl bey dem, der in hohen Ehren sitzt, als bey dem Geringsten auf Erden. — Diese Bemerkung, die wir in dem vierzigsten Capitel des Buchs des Jesus Sirach finden, hat ehedem einen tiefen Eindruck in das Gemüth des Mannes gemacht, dessen Leiche wir zu ihrer Ruhestätte begleitet haben; er schrieb sie an das Ende eines Aufsatzes, darein er die besondern Umstände seines Lebens verzeichnet hatte. Sie machen gleichsam den Inbegriff dessen aus, das er bey den verschiedenen Abwechslungen seines Lebens erfahren hatte. Wollen auch wir uns jetzt bey einer nähern Betrachtung dieser trauervollen Wahrheit aufhalten, daß Hohe und Niedere in diesem Leben nichts als Sorge, Beängstigungen, vereitelte Hoffnungen, und den gewissen Tod zur Ausbeute haben? Nein, wir wollen unsre Aussichten weiter ausdehnen, und uns an den Gedanken erquicken, daß selbst die Trübsalen dieses vergänglichen Lebens das Mittel seyn können, mitten unter ihnen eine ewige Wonne im Vorschmacke zu gemessen. Wir werden Trauerrede. 5 den dabey zugleich unserm Wolseligen nachahmen , der sich in den letzten Tagen seines Lebens hauptsächlich in seinen Gedanken über das Mühselige dieses Lebens hinaussetzte , und mit der Erwartung unvergänglicher Herrlichkeiten ermunterte. Die Apostolischen Worte unsers Textes, welche gleichsam über jene Worte Sirachs triumphieren, werden uns dazu die füglichste Gelegenheit verschaffen. Ja, der aüsserliche Mensch ist vielen Widerwärtigkeiten blosgesetzt, und wird zuletzt verwesen: wodurch wird aber dabey der innerliche Mensch erneuert und gestärkt? Dadurch , daß er versichert ist, durch Jesum Christum zu einer ewigen Herrlichkeit zu gelanget:. Alles Sichtbare ist unbedeutend, und verschwindet, bey einem Glaubensblicke in das Unsichtbare. Ist aber dieses letztere, das Unsichtbare nicht etwas Unzuverlässiges ? Ja, bey ihm kann man sich nicht, wie bey dem Sichtbaren auf das Zeugniß der Sinnen berufen ; aber dieser Einwurf schadet seiner Zuverlässigkeit nichts: es ist bekannt, daß wir uns von vielerlei) Wahrheiten überzeugt befinden, ob wir es gleich nicht dem Zeugnisse unsrer eigenen Sinnen zu verdanken haben. Wenn wir gleich nie in Nom gewesen sind, so glauben wir doch eben so gewiß, daß eine Stadt dieses Namens sey, als wenn wir sie mit eigenen Augen gesehen hätten. A z Nicht 6 Trauerrede. Nicht alle Dinge sind der gleichen Beweisungsart fähig; und wenn wir es gleich nicht sinnlich darlegen könnm, daß auf das gegenwärtige Leben ein anderes folge, fo läßt flchs doch auf eine solche Weife darthun , daß kein vernünftiger und nachdenkender Menfch einen Zweifel darüber behalten kann. Was hat die Lehre von einem künftigen Leben für eine Grundlage? Die allerzuverläßigste: das Dafeyn eines Gottes, der gut und gerecht ist; dessen Fürsehung alles besorgt; der gewiß jedem nach feinen Werken vergelten wird; etwas, das irr diesem gegenwärtigen Leben nicht geschieht; und daher auch nachdenkende Heiden auf die Vermuthung gekommen sind, hiezu sey ein künftiges Leben versehen. Die H. Schrift macht dem Christen diese Vermuthung zur Gewißheit. Wie leicht wäre es, viele Stellen derselben hierüber zu sammeln, und anzuführen ! Ja wir finden da etwas, welches diese Glaubenssache gleichsam den Sinnen vorlegt; nämlich die Auferstehung Jesu Christi. Freylich sind wir heut zu Tage keine Augenzeugen davon, eben so wenig als von andern in den erstell evangelischen Zeiten geschehenen Wundern. Woher kömmt denn uns die Versicherung hierüber? Augenzeugen , von welchen wir die stärksten Beweise haben, daß sie anbey noch begeistert gewesen, und die sich über die Behauptung der Wahrheit ihrer Aussage zu Tode martern liessen, haben es uns in ihren Schriften hinterlassen; Trauerrede. 7 und sie sagen uns oft und viel, daß auch wir durch den Geist, der Jesum Christum auferwecket hat, zu einem neuen Leben werden auferwecket werden. Auch uns sind sinnliche Beweise hierüber aufbewahrt, die wir alsdann erhalten werden, wenn das Sterbliche sich mit dem Unsterblichen wird bekleidet haben. Inzwischen können wir uns hierüber vollkommen im Glauben beruhiget:, weil eben der Gott, von dessen Macht und Willen es einzig abhängt, uns mit allen den Beweisen versehen hat, die uns, die wir noch im Glauben leben, angemessen find. Worauf beruht unsre Versicherung, daß die Dinge, von denen die Sinnen uns überzeugen, wirklich vorhanden seyen? oder daß sie wirklich so beschaffen seyen, wie sie uns vorkommen? Wenn wir nachgedacht haben, so werden wir sagen, unsre diesortige Versicherung beruhe auf der Überzeugung, daß der gute und weife Gott uns nicht mit Sinnen werde versehen haben, durch die wir geteuschet werden könnten. Haben wir nun bey Glaubenssachen nicht die nämliche zuverläßige Versicherung ? können und müssen wir nicht bey uns diesen Schluß machen: der gute und weife Gott wird uns gewiß keine Unwahrheit durch solche Beweise angepriesin haben, die eben so unverdächtig als die sind, auf welche sich jede Wahrheit beziehen kann; nein, dieser Gott wird uns nicht zumuthen, allerley Trübsal, und etwann den 8 Trauerrede. peinlichsten Tod, willig zu übernehmen, in der getrosten Erwartung einer Vergeltung in einem künftigen Leben, wenn es nicht sein Ernst ist, uns eine solche Gnade zufliegen zu lassen. Der Christ, der fich auf das Wort des wahrhaften Gottes verläßt , ist seines künftigen Lebms so versichert, als er sich seines gegenwärtigen bewußt ist, ob er gleich jenes nur wie durch ein trübes Glas sieht. Stellen wir uns einen Menschen vor, der nach Jerusalem zieht, um da Überbleibsel der Oerter zu sehen, wo fich mit dem Heilande der Welt ehedem die merkwürdigsten Dinge zugetragen haben; bey seiner Ankunft nimmt er alles in Augenschein, und dann hat er deutlichere und richtigere Begriffe von dem jetzigen Zustande dieser Gegenden, als ein anderer haben kann, der nie dahin gekommen ist, gesetzt auch, daß derselbe die genausten Nachrichten darüber gelesen hätte; weiß er aber jetzt zuverläßiger, daß fich ein solches Land befinde, als er es gewußt hatte, da er sich noch in seiner Heimath befand? Nein, eben deßwegen, weil er nicht zweifelte, daß sich ein solches Land finden lasse, unternahm er die Reise dahin. Die Anwendung wird nicht schwer zu machen seyn. Wenn der Christ, ein Pilger in dieser Welt, in dem himmlischen Jerusalem wird angekommen seyn, so befindet er sich in vollem Genusse der Wonne, nach welcher sich seine Hoffnung im Vorschmacke des Glaubens sehnte. Weiß er jetzt von diesem himmlischen Leben nichts ? O so zuver- Trauerrede. s Läßig ist er von der Gewißheit desselben versichert, als er es selbst nach seiner Auferstehung seyn wird; ohne eine solche Versicherung würde er sich zur Erlangung desselben nicht so viele Mühe gegeben haben. Ihr aber, die ihr euch bey einer solchen Glaubensstarke oft an der Betrachtung künftiger himmlischen Dinge ergötzet, ihr wisset, wie nöthig es sey, sich der Vorurthcile und lasterhaften Begierden zu einschlagen. Ihr wisset, daß man bey einer solchen Beschäftigung noch schärfer aufmerken müsse, als bey der Betrachtung sinnlicher Gegenstände. Ihr wisset, wie nöthig dabey ein redliches, demütiges, reines Herz sey. Wo man den Grund zum ächten Glauben legen will, müssen zuvor die stärksten Hindernisse weggeraümt werden. Der Glaube wird nicht in einem Gemüthe Wurzeln fassen, das nicht vom Irdischen gereinigt, und in vielerley Absicht dem Sinnlichen entzogen ist. Weit hie Schwierigkeiten find, so preist Jesus die, welche nicht sehen, und doch glauben. Freylich ist die Überzeugung des Glaubens von einer andern Beschaffenheit , als die Überzeugung der Sinnen; Überzeugung aber, und eine zuverläßige, ist bey beyden. Man kann es ausrechnen, wie schwer das Gewicht sey, das sich durch eine gewisse Maschine aufziehen lasse; und vermittelst des Ausrechnens kann man davon so überzeugt seyn, als wenn man damit bereits den Versuch gemacht hätte; und doch ist das Rechnen und das Versuchen nicht die B näm- ro Trauerrede. nämliche Sache. Der Nachdenkende wird bald finden, daß es fich also auch mit des Christen jetzigem Glauben eines ewigen Lebens, und seinem künftigen Sehen desselben, in Absicht auf die Zuverläßigkeit verhalte. Wenn man bey allem dem auf dem Einwürfe beharren wollte, wir seyen eines zukünftigen Lebens so stark nicht versichert, als des gegenwärtigen, und mithin sey zeitliches Vergnügen dem ewigen vorzuziehen: so würde man doch bey fernerm Nachdenken gestehen müssen, dieses Vorbeyeilende in einem vergänglichen Leben, flüchtige Freuden, und flüchtige Trübsal, verdiene dennoch so viele Achtung nicht, als das auch nur Wahrscheinliche, das von einer unendlichen Dauer ist. In diesem Leben ist alles vergänglich, Gutes und Böses. Wo find seine Freuden , die einen Freybrief gegen sich eindringenden Gram haben? Freuden, die nicht selbst durch ihre Dauer zum Ubcrdrusse werden? Und seine Schmerzen, eilen ste mit dem Leistenden nicht, wenn sie am heftigsten find, desto schneller zu dem ihn befreyenden Tode? Das Unsichtbare ist ewig; wenn es kömmt, so kömmts mit vollkommener Glückseligkeit, oder vollkommenem Elende. Das ist der Begriff, den die H. Schrift uns in vielen Stellen davon giebt. O Ewiakcit! wie groß, wie lehrreich ist auch schon der Gedankt an dich.' Aus- rechnen, begreifen lassest du dich nicht; wir können dich Trauerrede. n mit nichts vergleichen; unser diesmaliges Leöen, mit allem dem, das es in sich schließt, ist nichts gegen dir.' Der weise Christ hält es für die edelste Ausbeute, wenn er sich, durch Aufopferung alles Zeitlichen, durch Uberneh- mung jeder Trübsal, deiner versichern kann! Also sollten wir denken, wenn das künftige Leben auch nur etwas Zufälliges, etwas Mögliches wäre. Wenn eilte Ewigkeit ist: wohl dir, der du dich durch ein christlich-tugendhaftes Leben darauf vorbereitet hast. Wehe dir, wenn du dich durch den Unglauben hast bethören lassen, diese weise Pflicht hindanzusetzen. Gesetzt, auf dieses Leben folge kein anders: was verlierst du dabey , der du es geglaubt, und dich geirret hast? Es wird dir dann nicht schlimmer gehen, als dem Unglaübigen; der Tod wird dir das gleiche Loos mit ihm gebracht haben. O nein, rühme dich deines Verstandes nicht, wenn du thöricht genug bist, um etwas Vergängliches zu erhäschen, das Ewige auf das Spiel zu setzen. Der weise Christ, der fast von einem zukünftigen Leben überzeugt ist, hat keine wichtigere Angelegenheit in diesem Leben, als seinen Glauben mit seinem Betragen übereinstimmend zu machen. Wohl uns, wenn wir das Unsichtbare und Ewige zu unserm Hauptendzwecke machen! Das Auge des Glaubens ist dann stets darauf gerichtet , und unser Thun und Lassen darnach eingerichtet. Eitelkeiten l nein iol- B 2 chen 12 Trauerrede. chen Gewalt sollt ihr nicht über uns haben, daß ihr die Gedanken an ewiges Wohl und ewiges Wehe so weit von uns entfernet, daß sie keinen Einfluß mehr auf unser Leben haben können. Heilsamer Glaube! du bist uns zu wichtig, als daß wir dir blos nur in unserm Kopfe einen Aufenthalt einraümen sollten; in einem warmen Herzen erweisest du dich am nützlichsten; da drückst du dich tief ein , und bist dem Gewissen eine Schutzwehr, wenn Versuchungen zur Sünde einen Angriff darauf thun wollen; thätig erweisest du dann, daß du im Stande seyst, die Welt zu überwinden. Un- schuldsvolle Seele, die du dich evangelisch reinigen lässest, damit du dereinst zum himmlischen Schauen des reinen Gottes gelangen mögest ! die Lüste des Fleisches sind viel zu ohnmächtig, als daß sie dich auf böse Abwege verlocken könnten. Herrlichkeiten dieser Welt! vereitelt ist eure Zauberkraft dey dem, dessen Glaube sich von Herrlichkeiten überzeuget hat, die der Heiland der Welt den wahren Christen bey seinem Vater im Himmel bereitet hat. Zeitliche Trübsalen! ihr stürmet et- waun auf die Geduld des Rechtschaffenen; aber ihr ermüdet sie nicht: nur vor dem Zorne, der von oben Über alles ruchlose Wesen kömmt, flieht er; Widerwärtigkeiten hindern ihn in seinem Laufe nicht, besten Ziel das Ende des Glaubens ist, der Seele Seligkeit. Zeitliche Dinge haben einen edlen Werth, wenn man sie Trauerrede. rz sie so benutzt, daß sie zur bessern Einsicht in das Ewige verhelfen müssen. Denen, die Gott lieben (wir haben die Versicherung desselben im Worte Gottes) müssen alle Dinge zum besten dienen. Wohl und Wehe, das ihnen die göttliche Fürsehung in dieser Welt zutheilt, muß ihnen den Weg zum Himmel bahnen. Durch den Mangel, und durch den Überfluß, kann der, welcher fromm seyn will, zur guten Ewigkeit vorbereitet werden. Freylich kann man durch Armuth zum Bösen versucht werden; aber man unterligt nur dann, wenn man seine Starke nicht im Glauben sucht, und Lugend und Frömmigkeit hindansetzt; die Trübsal des Armen ist oft das einzige Mittel, .ihn so einzurichten , daß er sich durch nichts an diese Welt binden läßt, und sein Vertrauen einzig auf Gott setzt. Der Überfluß kan der Seelen leicht zu einem noch gefährlichern Fallstricke werden; ein mancher läßt sich durch das Flittergold desselben so verblenden, daß Himmel und Hölle vor seinen Augen verschwinden. Wohl denen, die alle diese Hindernisse des Heiles so besiegen, daß sie ihnen dienen, und zu Beförderungsmitteln ihrer Tugend und Frömmigkeit werden müssen! Leiblicher Armuth wissen sie sich so zu bedienen, daß sie dadurch dem ewigen Mangel entgehen. Wenn sie zeitliche Güter besitzen, lb haben sie in der Schule der Christen gelernt, wie sich dadurch himmlische Schätze erwerben lassen; gelernt, wie B z man 14 Trauerrede. man dem reichen Gott nachahme, dem allgütigen Be- sorger aller Hülfsbedürftigen. Güter dieser Welt, wie suchenswürdig seyd ihr, in sofern ihr zum Mittel werden könnet, viele geistlich zu bereichern! Gott, auf den wir uns einzig verlassen können, entziehe uns seine Obhut und Leitung nicht, sondern richte uns so ein, daß wir alles, was er uns hie zusendet, so anwenden, daß es zum Mittel werden müsse, unser ewiges Wohlseyn zu befördern! Wir haben das christliche Vertrauen, die fromme Seele, die Gott aus dem kränklichen Leibe, der jetzt beerdigt wird, befteyet hat, seye zur herrlichen ewigen Glückseligkeit eingegangen. Von den vorigen Lebens- umstanden unsers selig Verstorbenen haben wir folgendes mitzutheilen r Hochwohlgebohrne Reichs - Freyherr, ^ Herr Franz Reinhardt von Rotberg , Herr zu Rheinweiler und Bamlach, warw gebohren zu Rhein weiler den 12. Mer- zens 17^10. Seine schon lang in Gott ruhende Eltern waren: die Reichs-frey Hochwohlgebohrne, Herr Franz Daniel von Rotberg , und Frau Dorothea Regina von Berenfels. Die Großeltern, die gleichfalls Reichs-frey Hochwohlgebohrne, Herr Hans Adam von Rotberg , und Frau Ursula Münchin von Münchenstein, genandt Leuenburg. 16 Von vorermeldten seinen Hochgeehrtesten Eltern ist er christlich und wohl auferzogen, auch zu allen Adelichen Übungen angehalten worden. In dem Jahre 1722. ward der nun selig verstorbene Herr Baron zu dem Herrn Grafen von Nassau-Saarbrücken, und nach dessen Absterben zu dem Herrn Grafen von Leiningen Heidesheim als Edelknab gethan ; von da er sich im Jahre 1730. in Königlich-Französische Kriegsdienste unter das damalige Schweizer-Regiment ! Brändlin, nachwerts Seedorf, begeben; unter welchem er eine kurze Zeit als Ladet, und darauf als Oberofficier bis in das Jahr 1748. gestanden , und wahrend dieser Zeit die Feldzüge an dem Rhein und in Flandern mitgemacht, auch mehrern Treffen und Belagerungen beygewohnt hat. Im ermeldtm i748sten Jahre ward er Hauptmann unter dem Ober-Rheinischen Krais- regimente des Fürsten von Nassau- Weilburg. In dem Jahre 1756. verließ er die §rais- dienste dünste wieder, und begab sich hieher; von da er im Jahre 1759. nach Freyburg im Breiß- gau berufen, und da bey dem Hochloblichen Ritterstande zu einem Assessoren erwählt worden ; welche ansehnliche Stelle er mit vielem Ruhm , und zum Vergnügen der sämtlichen Ritterschaft bis in das Jahr 1764. bekleidet hat. In dem Jahre 1765. ward dem nun verstorbenen Herrn Baron von dem Herrn Grafen von Leiningen Heidesheim die Ober-Hofmeister-Stelle aufgetragen; die er auch zur vollkommenen Zufriedenheit des Herrn Grafen, dessen gänzliches Vertrauen er genoß, bis auf desselben im Jahre 1766. erfolgtes Absterben, nicht nur rühmlichst verwaltet, sondern auch noch des verstorbenen Herrn Grafen Verlassen- schaft, als von Seiner Fürstlichen Durchlaucht von Nassau - Ustngen Kaiserlichem Ober-Lom- millärio sukäeleßikrter LonilnMrius , jll Ord- nung gebracht hat. L Mit -8 Mit Ende des i766sten Jahres ward der selig verstorbene Herr von Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht dem regierenden Herrn Landgrafen von Hessen-Darmstatt durch ein Eigenhändiges Schreiben zum wirklichen Lammer- herren ernannt, und fast zu gleicher Zeit ward ihm von Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht dem Prinzen Georg von Hessen-Darmstatt die Stelle eines Oberforstmeisters der Herrschaft Bruch aufgetragen; von deren er aber nach Verlaufe von sechs Monaten, wegen seinen kränklichen Umständen, wieder seine Entlassung begehrte; und als ste ihm gnädigst bewilligt worden, hat er sich nach Rheinweiler, und wenige Zeit hernach anher in die Ruhe begeben. Was sein Leben und seinen Wandel unter uns betrift, so betrug er sich auf eine Weise, die das beste Lob ausmacht. Er suchte die Stille, und lebte still, von Hohen hochgeachtet , und auch von Niedern geliebt; er bezeigte sich hülfreich mit Rath und That ; trachtete sich je länger je mehr dem Irdischen zu entziehen , von dessen Eitelkeit er sich vollkommen überzeugt hatte , und sich auf dem Wege des Mristen mit dem Ewig Guten je langer je bekannter zu machen. Er hatte eine blöde Gesundheit. Seine letzte Krankheit hat schon vor geraumer Zeit mit einer merklichen Abnahm der Kräfte den Anfang genommen; so daß er seit mehr als vier Monaten beständig in dem Zimmer verbleiben/ seit ungefehr sechs Wochen aber zu Bette ligen müssen. Aller angewandten Arzneymittel und fleißiger Abwartung ungeacht, hat das auszehrende Fieber bey ihm immer mehr und mehr überhand genommen; daher er genugsam verführte , daß der Allerhöchste Gott ihn bald aus diesem nichtigen Weltwesen abfordern werde. Deßwegen hat er fich zu einem seligen Ende christlich vorbereitet, auch Gott um eine selige Auflösung herzinniglich gebeten; welche auch erfolgte letztem Donnerstag Abends um sieben Uhr, da er unter dem Gebete der Umstehenden sanft und selig verschieden, seines Alters Neun und Sechzig Jahre, weniger acht Tage. Also hat auch unser Wohlselige erfahren, daß Gott eine achte und ewige Ruhe für die habe, welche sich auf eine christliche Weise darnach bestreben. Dem Ewig Barmherzigen sey ge- danket, für alles das Gute, das er demselben im Leben und Sterben erwiesen hat. Dieser gute Gott wird auch der Vergelter aller derer seyn, die unserm frommen Verstorbenen während seinem Leben sich hülfreich erwiesen haben; und wir flehen zu Ihm, daß er auch denHoch- adelichen Anverwandten und Freunden desselben dieses Leid mit allem wahren zeitlichen und ewigen Guten Verlusten wolle. Möchten wir alle, die wir noch in diesem vorbeyeilendett Leben sind, täglich besser lernen, wie gut es die haben, im Leben und Sterben, die sich christlich nach dem Unsichtbaren und Ewigen bestreben, Amen.