Die 67 ^n der geistlichen Wassers - Noth um Hülff schreyende^ laubige Vorgestellt in einer christlichen Weich - Uredigt, Über die Worte Davids / Psalm. 1-XlX. 2. Gehalten ^nno. 1744. den izten Hornung, In der Kirchen bey St. Martin zu Basel, Als zur Erden bestattet ward, Die viel Ehren-Zucht-und Tugend-reiche MB Wßltttn, Des Edlen, Ehrendesten, Frommen, Für- nehmen, Fürstchtigen und Weisen des Raths, gewesene Eheliche Dauß - Frau, Bon Hans Rudotph Merlan , Pfarrer im Ntünster. Gedruckt bey Johannes Pistorius sel. Erben. L «° ^ x>.7» Christliche Leich-Predigt. z MWM Psalm, i-xix. v. 2-z. GOTT hilshnir: denn das Wasser gehet mir biß an die Seele; Ich versincke, in tiessem Schlamm, da kein Grund ist; Ich bin in tiessem Wasser, und die Fluch, will mich ersauffen. 4 Christliche LrccK.47. r-5- Lrklärang. Ami lifek von dem Propheten Czechiel : Cr habe in einem Gesicht gesehen; Ein Wasser, welches unter der Schwelle des Tempels, heraus geflossen, und in die Ebene sich ergossen; So dann auch einen Mann, der hatte eine Meßschnur ln seiner Hand; Dieser ( also sagt der Prophet ) map tausend Ellen / und schrcte mich, durchs Wasser, biß es mir an die Knöchel gieng; --Und er maß übermal , tausend Ellen und schreie mich, durchs Wasser, biß es mir an die Knye gieng; Und maß noch tausend Ellen, und ließ mich dadurch geben , biß es mir an die Lenden gieng; Da maß er noch tausend Ellen, und es 5 Leich - Predigt. es war so tief, daß ich nicht mehr gründen konte; Denn das Wasser / war zu hoch / daß man drüber schwimmen mußte / und konte es mcht gründen. Durch diese Wasser/ werden (nach vieter Gelehrten Meinung) bedeutet/ die Gaben des Heiligen Geistes / welche GOtt der HErr, in seiner Kirchen, sonderlich zur Zeit, des Neuen Testaments, in reicher Maß, ja gleichsam, mit vollen Strömen, ausgiessen wollte, nach deme so Cr, bey einem anderen Propheten sagt : Denn, ich will Wasser gießen, ^ « auf die Durstigen, und Ströme , auf die Dürre; Ich null, meinen Geist, auf deinen Samen gießen, und meinen Segen, auf deine Nachkommen; Daß sie wachsen sollen , wie Graß, wie die Weiden, an den Wasserbachcn. A z Indes- 6 Christliche_ Indessen/ werden uns durch eben diese/ dem Propheten Ezechiel gezeigte Wasser ^ auch gar schön, abgebildet, die Trübsalen und Anfechtungen, als welche ebenfalls, gar manchmahlen, in der Heil. Schafft, verglichen sind, mit solchen Wasseren, darein GOTT der HErr, die Menschen und sonderlich die Gläubigen, zu führen pfleget, doch einen tiesser als den anderen, einen manchen aber so tieff, daß er darinnen zu verstncken und umzukommen vermeinet, deswegen mit dem Psalmisten, klaget und ruffet: GOtt HU mir! denn das Wasser gehet mir biß an die Seele; Ich verstricke im rc. Wann nun auch unsere mitglanbige Frau und Schwester sel. wahrend ihrer Letflen Kranckheit, in dergleichen Angst- Wasser gerathen, aber durch einen seligen Tod, daraus herrlich wiederum errettet worden, als hat mich solches veranlasset, bey deren Bestattung, die verlesene Wort, und zwar (wie es die noch anhat- Teich - Predigt. _- anhaltende herbe Winter-Kälte erheischet) in aller Kürtze, zu verhandlet Wir wollen reden: Erstlich: Von der Angst, darein David gerathen. Zweytens: Von seinem Verhalten, in derselben. Der HErr lasse unsere einfältige Betrachtung , denen Traurenden tröstlich uns allen aber erbaulich seyn, um JEsu Lhristi willen; Amen. Er Angst, darein David gerathen ^ wäre, gedencket er wann er sagt: Das Wasser gehet mir biß an die Seele, ich verstncke, im liessen Schlamm, da kein Grund ist; Ich bin in liessen Wasseren, und die Fluch, will mich ersäuffen. Es iiMe- A 4 ses 8_Christliche_ ses eine Gteichnuß - Rede, hergenommen von einem, in grosse Wassers - Noth gerathenen Menschen, welcher, indeme er etwann, auf dem seichten Schlamm, zu fussen vermeinet, immer tieffer, hinein fallet, und nach und nach, gar zu Grund stucket, da dann, das von allen Orten her, in den Leib, hineingedrungene Wasser , ihme eine unbeschreiblich grosse Angst und Bangigkeit verursachet, wie es diejenige , so etwan in dergleichen Noth gerathen , und wiederum daraus errettet worden, bezeugen können; Diesemnach, will der Psatmist, in denen angezogenen Worten, eigentlich so viel sagen : Es werde ihme, durch mancherley schwäre Anfechtungen und Trubsaalen, von allen Seiten her, dermassen zugesetzt, daß er für grosser Angst und Bangigkeit, gleichsam nicht wisse, wo aus noch an, mithin in der grossen Gefahr schwebe, gäntztich zu verstncken und zu verzagen. All welcher Zeit und bey was für einem Anlaß, David unseren Text-Psalmen gestellt, und die in denen, daraus ver- 9 Leich-Predigt. verlesenen, Worten, enthaltene bittere Klage geführt habe, Das wollen wir eben Ich nicht weitlauffig undersuchen; Gewiß ist unterdessen, daß dergleichen angslhass- te Umstände, in welchen der Psatmifl, damahl sich befunden, auch andere Gläubige betreffen können, und auch würcklich betreffen; Doch geschihet es mit einem merklichen Underscheib, weilen (wie gesagt ) der liebe GOtt, von den Seinigen, einen tieffer in die Angst-Wasser hineinführt, als den anderen. i. Durch die liesse und schtammicbte Wasser, deren David in unserem Text gedencket, kan man verstehen, eine geistliche oder solche Angst, die dem Menschen , durch seine Sünden, oder das, wegen solchen, in ihme aufgewachte Gewissen, verursachet wird; Diese Angst, ist eines, von denen wesentlichen Stucken, verwahren Busse, darum kan auch keiner, der bekehrt und selig werden soll, davon gantzlich und allezeit, befreyet bleiben; Wie solches ein jeglicher, der die Sach, B nur l>5. i8. lÜob.6. q. iO Christliche _ _ nur ein wenig recht einsehen will, gar leicht begreiffenkan. Wann der Mensch, zum Buß- Kampf, einmahl recht aufgeweckt ist, so gehen ihm die Augen auf, und er siehet eines und das andere, welches ihme bit- lich angst und bange machet; In sich, sihet er ein fürchterliches Register, vieler und grosser Sünden, die er bißber, vorschlich, und mit Lust begangen hat; Über sich, scher er, einen durch diese Sünden, höchlich beleidigten GOtt, und heftig erzürnten Richter; Unter sich aber, sihet er, eine ihren feurigen Rachen aufsperrende und ihn zu verschlingen, drohende Hölle; In warheit! lauter Bäche Belrals, welche den armen Sünder nothwendig erschrecken und ängstigen müssen, und welcher halben, er wohl mit unserem Psalmisten klagen mag : GOTT Hilss mir! denn das Wasser gehet mir biß an die Seele rc. oder mit Hiob: Die Pfeile des Allmächtigen / stecken in mir/ Ik Leich-Predigt. um, derselben Grimm saüfft aus meinem Geist / und die Schrecknüssen GOttcs / sind auf mich gerichtet; Und aus dem Gesang: Fürwahr! wann mir das kommet ein, Was ich mein Tag begangen; So fallt mir auf mein Hers ein Stein, Und ist mit Angst umfangen; Über das, wenn Jemand will selig werden; So muß er sich, an den HErren JEsum ( auffert welchem kein Heil ist) gantzlich ergeben, und durch den Glauben, mit Ahme vereiniget haben; Er muß eingetretten seyn, in die Gemeinschafft, alles dessen, so dieser treue Heiland, zu des armen Sünders Erlösung, gelitten und gethan hat; Er muß der Seligkeit theilhafftig werden, in der nemlichen Ordnung, in welcher der Seligmacher, dieselbe ihme erworben hat; Nun aber, kon- te der HErr JEsus, das heilsame Werck unserer Erlösung nicht vollbringen, Er kome auch für seine Person, in die Herr- B 2 lich- 12 Christliche ?5 HO. 7 . blarl,. r6. - 8 . lichkeit, nicht eingehen , ohne viele und grosse Angst, die Er erleiden müsse; Darauf gedeutet worden, wann es dorten von Ahme geheissen: Er wird tNllckkN VVM Bach auf dem Wege, darum wird Er das Haubt empor heben. Eben also kan keiner, mit JEsu gen Himmel fahren, das ist, in Ahme und durch Ahne, gelangen, zu einer gewissen Versicherung der ewigen Seligkeit, es seye dann, daß er vorhin, mit Mme hinabgefligen seve, zur Hollen, d. i.' setbsten auch, etwas gesichtet habe, von derjenigen Seelen- Angss, die Er, unser theure Erlöserum der Sünden willen, hat ausstehen müssen; Da das Wasser Ihme gegangen biß an die Seele, und Er unter ungemeinem bittren und Zagen, die bittere Klage gefuh- ret: Meine Seele ist betrübt biß an den Tod. Niemand befremde sich darüber, daß GOtk die Genügen änderst nicht, als durch dergleichen geistliche Angst-Wasser, zum Hin,- Leich-Predigt._l? Himmel/ einführen will; Die Natur, beides der göttlichen Gerechtigkeit/ und der menschlichen Verderbnuß/ hat keine andere/ als eine solche Heils - Ordnung zugelassen; So geschihet auch denen heilsbegirigen Menschen, nicht das geringste Unrecht, wann sie schon, wegen der schnöden Sunden - Lust / damit sie ewige Höllen-Angst verdienet hatten, einige Seelen - Angst in diesem Leben, leyden und ausstehen müssen; Vielmehr haben sie noch Ursach, die Güte GOttes zu preisen, daß da Er, in denen Angst-Wasseren, darein sie, durch ihre Schuld gerathen, seine Hand von ihnen abziehen, und sie versincken lassen, tönte, Er sie hingegen, in denenselben star- cken, unterstützen, und durch dieses rothe Meer, in das Himmelische Lanaan, einführen will; 2. Durch die liesse und schlammichte Wasser, davon in unserem Tert geredt wird, kan man auch verstehen, eine leibliche oder solche Angst, die in dem Menschen entstehet, über dem so Er an seinem Leib, oder in seinem eusserlichen Zustand B z lei- 14_Lhristll'che__ leidet, welches dann auf underschiedtiche weise geschehen kan; Solch eine Angst, wird allerforderst, dem Gläubigen, etwan verursacht, von aussen her; Entweder, durch den Haß, Aussatz, Verfolgung, Gewalt und Unrecht, die er von der bösen Wett, erdut- ten muß, als worauf auch David, wie es scheinet, in unserem Text sein Absehen hat; Oder durch allerhand Laid-und Unglücks-Fälle, und andere Trübsaalen und Widerwärtigkeiten, damit er von GOtt sechsten, heimgesuchet wird, wie es also dem Hiob ergangen; Und zwar so ge- schichts zum offteren, daß wie in dem Meer, bey entstandenem Sturm, der Wellen, nicht nur eine, sonderen viele sich erheben und aus das Schiff zuschlagen, also auch der Gläubige, nicht etwan nur eine und die andere, sonderen viele Trüb- saaten zugleich, muß lassen über sich ge- n. 6 .s. hen, so daß er wie David ; Allenthalben geängstet wird ; und mit diesem ftommen Mann, seinem GOtt klagen muß: Teich - Predigt._ muß: Deine Flutten rauschen daher, NP - daß hie eine Liesse und da eine Liesse brausen; Alle deine Wellen und Wasser - wogen gehen über mich. Solch eine Angst, wird demnacher auch/ dem Glaübigen, etwann erwecket, von innen her, durch allerhand böse Kranckheiten und Wehetage, damit er an seinem Leib angegriffen wird; Diese sind manchmalen also beschaffen, daß sie grosse und fast nnteidentliche Bangigkeiten verursachen, und dem der sie leidet, nicht änderst zu Muth ist, als einem der alle Augenblick, im Wasser umkommen und er- trincken solle; So daß er zwar, vor altem aus, die Gnade GOttes, zur ewigen Seligkeit, nach dieser aber, nichts mehrers, wünschet und verlanget, als daß er noch vor seinem Ende, einige Ruh und Erquickung, gemessen möchte; In einem solchen Zustand, Ware allem Ansehen nach, der König Diskias, zu der Zeit, da es bey ihme hieß: Ich winselte wie ein Kranich ^ B 4 und 16 Christliche und Schwalbe, und girrtte wie eine Daube; Meine Augen wollten mir brechen: HCrr! ich leide Noth, lindere Mirs ! Und David, da er so NN. ,<> drungentllch bat: Laß ab von mir! daß ich mich erquicke / ehe denn ich hinfahre und nicht mehr hier sey. Sonderlich stellt eine solche Angst/ bey dem Gläubigen sich ein, wann es mit ih- me zum Sterben kommt; Die leibliche Kranckheit, welche sodann aufs höchste gestiegen ist; Der natürliche Abscheu für dem Tod, da die Seele von dem Leib ge- trent', dieser aber in einen engen Särck eingeschlossen und in eine dunckte Musst, versencket werden solle; Daß Seufzen und die Thränen lieber Ehegatten, Kinde- ren und Geschwisterten, die man nun verlassen und nicht mehr sehen solle, im Land der Lebendigen; Alles dieses, kan auch einem gläubigen und frommen Menschen, auf seinem Todbett, bange machen, und den Angst-Schweiß austreiben; Das sind gemei- Teich -- predigt. 17 gemeine Klagen fast aller Sterbenden, auch der Frommen sechsten : MkM Hertz ängstet sich in meinem Leib / und des Todes Furcht lst auf mich gefallen; Furcht und Zitteren ist mich ankommen , und Grauen hat mich überfallen ; Und wiederum: Stricke des Todes hatten mich umfangen, und Angst der Hollen hatten mich troffen; Ich kam in Jammer und Roth. Wann aber, der, gegen seine gläubige und fromme Kinder, sonst so liebreiche und gütige GOtt und Vatter, dieselbe auch noch, in die Angst - Wasser leiblicher Trübsaalen, gerathen lasset, ungeachtsie, schon in ihrem Büß - Kampf, viele geistliche Angst haben erleiden müssen, so ist sich darüber nicht hoch zu verwunderen, dann Er seine heilige und gerechte Ursachen hat, warum Er also thut. Ist gleich Einer bekehrt und wiedergeboren, so ist er, darum eben noch nicht L voll- 6alar. 6 14. i8 Christliche_ vollkommen rein, von sündlichen Mäng- len und Gebrechen; diesemnach, wann GOTT der HErr, die Angst-Wasser, ihme biß an, ja in die Seele gehen lasset, so ist es nicht ohne Nutzen; Es dienet die, in ihme annoch übrige Funcken der Wett und Sünden- Liebe, vollends zu dampfen, und ihne von der, ihme noch anklebenden Befleckung, des Fleisches und des Geistes, je langer je mehr zu reinigen ; Und was kan (nachder bekehrenden Gnade des Heil. Geistes) wohl fähiger seyn, dem glaübigen Menschen, die Wett und deren Eitelkeiten zu erleiden, und alle unordentliche Luft, in ihme zu todten, als eben Trübfaal und Angst, wann er mit solchen offt und viel sich erkämpfen muß? Alsdann insonderheit, wann dieses Waller, ihme an die Seele gehet, Heister es: Die Welt ist mir gecreütziget und ich der Welt. Uberdaß, so ist der Mensch, auch noch nach feiner Bekehrung, vielen gefährlichen Versuchungen unterworffen, insonderheit aber der Versuchung, zürn geist- 19 Leich-Predigt. geistlichen Hochmuth, als wodurch der laidige Satan, das von dem Heil. Geist, dlirch die bekehrende Gnade, in ihn ge- pflanßte Gute, also zu beflecken und zu verderben trachtet, daß es GOtt miß? fällig, und ihme dem Gläubigen setbsten, unnuß seyn möge; Auch das mag eine Ur- sach seyn, warum GOtt der HErr, den Menschen auch noch nach seiner Wiedergeburt , in den liessen und bodenlosen Schlamm, sehr angsthaffter und lang anhaltender leiblicher Trübsaalen, verstncken lasset; damit er nemlich, wenn er, diesen Pfahl im Fletsch/ empfindlich fühlet, fein demüthig bleibe, und der hohen Ös- fenbahrung / oder der herrlichen und süs- sen Gnade, dazu er, durch den Bußkampf gelangt, und die er in der Gemeinschasst, seines theuren Heilands genießet, sich nicht überhebe - Einmahl, so wird ein Bekehrter, niemahlen demüthiger seyn, niemahlen weniger seiner Fromkeit halben, über andere sich erheben, als zu der Zeit, Da der Schlamm angsthaffter Trübsaalen, L 2 darein 20 Christliche darein er gesuncken ist, ihne so nachdrücklich errinneret, daß er sechsten, von dem Schlamm des sündlichen Ellendes, noch nicht vollkommen / bestemseye; Alsdann/ 5. wird er wie Paulus / sich keines anderen rühmen, als seiner Schwachheit. Endlich so wird von dem Bekehrten und Wiedergeborenen erfordert / daß er das/ vom Heil. Geist in ihme angezündete Licht / leuchten lassen, und auch seine noch unbekehrte und schwache Brüder, besseren und starcken / solle; Eben dazu / können auch dienlich seyn / die grossen Wasser der Trübsaaten, und die Gefahr von der Angst-Fluch/ ersäuffet zu werden ; Und lasset GOTT , den Gläubigen etwan darein gerathen/ damit er einen desto besseren Anlas haben möge/ die edlen Früchten / so die im Buß- Kampf erlittene geistliche Angst und göttliche Traurigkeit, in ihme Herfür gebracht, seinen Glauben, seine Liebe, seine Hoffnung, seine Gedult, fürnemtich aber, seine Standbafftigkeit in diesem allem, zu Leich-Predigt. 21 seines Nächsten Erbauung, zu offenbahren ; Und lieber! kan es nicht eine gantz besondere Krafft haben, die Unbekehrten, zur wahren Buße aufzuwecken, und die Bekehrten in der Fromkeit zu starcken, wann sie sehen, daß die, welche mit Glauben und Liebe, dem HErren ICsu sich ergeben, und sich fest an Ahne halten, in den größten Wasseren der Trübsalen, in den aller angsthafftesten Kranckheiten, und in den schwaresten Heimsuchungen, ein gantz gesetztes freudiges Wesen und einen getrosten Muth behalten? so daß sie mit den Aposteln können sagen: Wir hüben al-^r. § lenthalben Trübsaal / aber wir ängsten uns nicht, uns ist bange, aber wir verzagen nicht ; und ins besondere mit Paulo: Ich bin gutes Muths, in^/' Schwachheiten, in Schwachen, in Nöthen, in Verfolgungen, inAeng- sten, um Christi willen; Denn wenn ich schwach bin, so bin ich starck. L z Das, 22 _ Christliche_ Das, Meine Geliebte! können zum theil, die Ursachen seyn, warum es GOtt der HErr, einem manchen dazu kommen lasset, daß er auch noch nach seiner Wiedergeburt und Bekehrung, mit unserem Psatmisten, muß klagen und schreyen: GOTT hüff mir! denn das Wasser gehet mir biß an die Seele, ich ver- sinete rc. In diesem allem aber, suchet GOtt insonderheit, die Ehre seines heiligen Nahmens, als welche Er, wann Er seine Gläubige, aus dergleichen leiblichen Trübsaats - Wasseren, errettet, nicht wenig befördert; Der Trost und die Erquickung damit GOtt einem Bußwürckenden, in seiner geistlichen Seelen-oder Gewiffens- Angst, erscheinet, ist in so weit, ein verborgenes Werck, welches eigentlich nur von dem, an welchem es gewürcket worden, erkant und gepriesen wird; Änderst aber verhalt sich die Sache, mit denen eusserlichen Trübsaalen; Wann GOTT die Seinigen, darinnen krafftig starcket, oder daraus herrlich errettet, so wird dadurch, seine Gute, Weisheit und Allmacht, erkant Leich-Predigt« 2? und gepriesen; Nicht allein von denen Frommen selbflen, welche in der Angst erquicket oder daraus errettet worden, und deßwegen, mit Freuden ihren GOtt toben ; Sonderen auch von anderen, welche, wann sie sehen, wie herrlich der Herr den Seinigen helffe, dadurch ebenfals, zu dessen Lob und Preist, aufgeweckt und bewogen werden; Darauf deutet der Psalmist, wann er dorten sagt: Ach harretk^-" des Herren , und er ncigete sich zu mir, und hörete mein Schreyen; Und zog mich, aus der grausamen Gruben und aus dem Schlamm, und stellete meine Füsse aus einen Felß , daß ich gewiß tretten kan; Und hat mir ein neu Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unseren GOTT; Das werden viele sehen und den Herren sürchten und auf ihn hoffen. L 4 Fer- 24 Christliche Ferne dann, daß man von Leuten, welche grosse Angst und Bangigkeiten, erleiden müssen, ein unsittliches und liebloses Urtheil, fallen sollte, so hat man viel mehr, was ihnen widerfahret anzusehen, als etwas dadurch GOTT der HErr feine Liebe zu ihnen, und die Sorge, so Er für das Heil ihrer Seelen traget, zu erkennen gibet, intime Er eben vermittelst dieser Angst-Wasseren, sie immer naher zu sich fuhren will, wie dann auch in der that, die Glaübigen, ob sie gleich etwan in sehr angsthaffte Umstände gerathen, dennoch , auch mitten in denselben, viel glückseliger sind, als gottlose Weltkinder , sich einbilden. Die Angst - Wasser leiblicher Trübsalen, wann sie gleich dem Glaübigen biß an die Seele gehen, so scheiden sie ihne darum nicht von dem HErren ICsu; Er ist und bleibt in allweg in der seligen Gemeinschaft seines theuren Heilandes; So lang er aber Diesen bey sich hat, so lang mögen Sturm und Wellen, ihme nichts schaden; Der Fromme sincket zwar wohl etwann, 2s Teich -- Predigt. etwann, aber versincket darum eben nicht gantzlich , in dem Schlamm angsthaffter Schmerlen und Beschwardten; Wie man im Abgrund des Meers die köstliche Perlen fischet, also findet auch er in dem tieffesten Abgrund, des Leydens, den, welchen er zu seinem Schatz erwehlet hat, ZE- sum, Der wann die Noth am allergrößten, mit seinem Geist, und dessen Krafft und Trost am allernächsten ist; Wann der Gtaü- bige, mitten in denen grossen Wasseren und Fluchen, zeitlicher Drangsaalen, die ihne umgeben haben und zu verschlingen drohen, seine Glaubens-Augen aufhebet, so stehet er, daß das Land der Ruhe und der wahren Zufriedenheit, gantz nahe seye, da JEsus seiner wartet, und gleichsam seine beyde Arme, um ihne steündlich zu empfangen und herrlich zu erquicken ausgestrecket hat; Nun eben diese gewisse Hoffnung und Zuversicht die er hat, daß er bald werde hindurch kommen, und in dem Port der ewigen Seligkeit anlanden, macht, daß er in seinem Kampf, wieder die Angstfluchen, nicht nur gedultig, D son- 26 Christliche_ sonderen auch ganß freudig und getrost ist; Alsdann geschichts, daß er aus diesen Wasseren der Trübsaalen, darinnen er I.uc rr.r«. kampsend schwebet , sein Haubt empor hebet / und der herannahenden Erlösung mit Freuden entgegen siehet; Diß ist meine Geliebte! der Zustand einer gläubigen Seelen, in den Wasseren und dem Schlamm, zeitlicher Trübsaalen und der daherrübrenden Angst; Von aussen her zwar, und sonderlich in den Augen der Wett, über alle Massen betrübt, in sich setbsten aber, dennoch selig und herrlich; Ja gottlose Weltkinder sollen wissen, daß wann sie schon in lauter Wollust gleichsam schwimmen, die Gtaübige aber in denen Angst-und Trübsaals-Wasseren versencket sind ^dennoch diese, ihren dem ansehen nach betrübten Zustand, mit jener ihrem vermeintlich glückseligen, nicht vertauschen wurden; Und zwar nicht ohne wichtige Ur- sach: Die Wasser fleischlicher Wollüsten, ob sie gleich den gottlosen Wett - Menschen, sehr annehmlich und lieblich vorkommen, 27 Teich- Predigt. kommen, so können sie ihnen dennoch , auf mancherley weise, insonderheit aber, durch Die Unruh eines bösen Gewissens, merck- lich verbittert werden, in allweg haben sie sich deren nur eine kurtze Zeit zu erfreuen, und hernacher heisset es: Wie Viel sie sich ^ herrlich gemacht / und Mutwillen gehabt / so viel schlucket ihr Quaal und Lüid ein. Da hingegen, wann schon die Wasser der Trubsaaten, denen Gläubigen, offt angst und bange machen, so verfüget ihnen der Heiland dieselbe auf das allerkrafftigfle, indeme Er sie, aus feiner Gnaden - Fülle schöpfen lasset, einen fügen Trost und Labsal nach dem anderen, biß Er endlich nach einem kurtzen Kampf, ihre Angst-Wasser in lauter, ewig Messende Wollust - Ströme, verwandten wird; Da sie werden trunckcn werden, von »c -> den reichen Güteren seines Hauses; Und Er sie tränckcn wird mit Wollust / als mit einem Strom ; und was Wunders dann, wann erleuchtete »nd D 2 glau- 28 Christliche_ gtaübige Seelen, lieber in denen Trüb- saals - Wasseren schweben, als aber in den Strömen, sündlicher Wollüsten schwimmen wollen, da diese den Menschen in den Höllischen Abgrund Hinreisen, jene aber ihn bringen , an das Gestad, einer vollkommenen und ewigen Ruhe und Seligkeit: damagesdannbittich, beydem heilbegirigen Misten heissen: Andre mögen Wollust lieben, Trübsaat sott mir lieber seyn; Auf ihr Freude folgt Betrüben, Seelen - Ruh auf meine Pein; Und das Wasser schwarer Leiden, Führt mich zu den Himmels-Freuden. Indessen, weiten einem, in die Angfl- und Trübsaats-Wasser gerathenen Glaü- bigen, GOttes gnädige Hütffe und Beystand , in allweg nöthig ist, um darinnen mit Gedult auszuharren, und endlich heit- famtich, daraus errettet zu werden, so wendet er sich auch zu Demselben, mit einem eifrigen Gebär, wie wir solches an Teich-Predigt. 29 dem Exempel, unseres Psalmisten sehen können, und nun ferner vernehmen wollen. WMVids Verhalten in der Angst, darein er gerathen Ware, bestünde darinnen, daß er GOtt den HErren, um seine Hülffe und zwar ganß inbrünstig angeruffen; dann so hieß es: GOTT hilff Mir ! denn das Wasser gehet mir rc. Gleich wie ein, in tieffes Wasser gefallener und des Schwimmens unerfahrener Mensch, auf allen feiten sich umstehet, ^ob niemand ihme könne oder wolle zu Hülff kommen, nnd wann er jemand wahrnimmt, mit einem beweglichen Angst-Geschrey, ihne um Hülff und Rettung anruf- fei; Also ergieng es auch dißmahlen, dem frommen David, als er in grosse Angst- Wasser gerathen Ware; Er merckte wohl, daß er sechsten, sich zu helffen nicht im Stand seye, darum er um anderweitige D z Hülffe Zo Lhn'stllche _ Hülffe sich umsähe; Er erkante zugleich, öaß niemand geneigter und mächtiger seye jhme zu helffen, als GOTT der HLrr; deshalben wendet er sich zu Ihm mit seinem Gebat, und schreyet um Hülffe: GOTT HU mir! Wann aber auch selbflen die allerstöm- flen, unter den Gläubigen und Wiedergeborenen, in angst - und schmertzhafften Umstanden, betrübet sind, ängstiglicb seufzen, bitterlich klagen, und nach Hütff und Rettung sehnlich verlangen, so ist sich darüber gar nicht zu verwunderen ; Die Bekehrung und Wiedergeburt, macht den Menschen, in ansehung seines Leidens, zwar gedultig und gelassen, nicht aber unempfindlich, auch nach derselben ist und bleibet er ein Mensch, der auch bey einem willigen Geist ein schwaches Fleisch hat; In grosser Angst und Noth, seufzen, klagen und nach Hulff sich sehnen, streit- tet nicht wieder die Gedult und Gelassenheit ; Wie offt geschichts, daß einer, wahrend der scharffen o^cion, die mit jhme Leich-Predigt. zr jhme Vorgenommen wird, heftig schreyet cder sonsten sich übel gehebet, ohngeacht er aus Begird nach der edlen Gesundheit, eine solche Lhur, selbsten verlanget und derselben, sich willig underworffen hat? Eben so verhalt sichs auch mit dem Glaü- bigen, wann seine Seele mit denen Trüb- saals- Wasseren umgeben und geängstet ist; Ob er gleich darinnen ein manches Ach und Wehe von sich hören lasset, so kan er dennoch dabey, dieselbe als etwas seiner Seelen Heilsames erkennen, willig annehmen, und gedultig leiden; Seufzen und Klagen werden ihme von der Natur, gleichsam wieder seinen Willen ausgepreiset; Er klaget, aber nicht über GOTT, sonderen nur über Angst und Schmerlen, ja auch nicht so fast über diese, als über sein sündliches Elend, aus welchem dieselbe entsprungen; Er wollte gern der Angst loß werden, nicht eigentlich, aus Liebe zur Gemächlichkeit, sonderen aus Sorg, er möchte nicht starck genug seyn, dieselbe mit Gedulr zu tragen; Er begehrt zwar Hülff und Errettung, aber mit einer gantz- D 4 licheir Z2 Christliche liehen Ergebung in den göttlichen Willen, so daß er willig und bereit ist, noch langer zu leiden, wann es GOtt für ihne heilsam und nützlich zu seyn erachtet; Und ist dieses, des Gläubigen sein Verhalten, in denen Angst-und Trübfaals - Wasseren, um so viel weniger zu tadten, weilen er nichts anders thut, als was so viel fromme und heilige Leute, ja der HErr JEsus selbften, in dem Stand seiner Er- nidrigung gethan hat: dieser JEsus, welcher seinem Leiden gleichsam mit allem Fleiß entgegen gegangen: dieser JEsus, welcher in demselben, eine recht verwunderliche Gedult von sich mercken lassen: Dieser JEsus (sage ich) hat nichts desto »«i>.weniger: Am Tage seines Fleisches, Gebät und Flehen, mit starckem Geschrey und Thränen geopferct, zu dem, der Ihm von dem Tod konte aus- helffen. Die Hülffe aber die ein Gläubiger Mensch, nöthig hat, um in denen Trub- saats- Teich-Predigt. saals - Wasseren erquickt, oder daraus errettet zu werden, suchet er fürnemlich bey seinem GOtt : GOTT ! schreyet er: GOtt Hiljf mir! Hat aber nicht die Meinung, als ob er gar alle menschliche Hülffe und Erquickung, verruchtere und verwurffe; Nein! Auch diese nimmet er an, mit danck, und wann er weißt, daß Hemand unter den Menschen im Stand ist, rhne durch ordentliche lind erlaubte Mittet zu erquicken und zu retten, so schreyet er auch zu ihme, wie der übelgeptagte Hiob zu seinen Freunden : Erbarmet euch mein, erbarmet euch mein, ihr meine Freunde! Denn die Hand GOt- tes hat mich gerühret ; Fümehmlich aber , wendet er sich zu seinem GOTT, und zwar nicht ohne Urfach. Dann, was anbelangt die geistliche Angst, so kan ihme änderst nicht , daraus geholssen werden, als durch gnädige Vergebung seiner Sünden; Wo aber kan er dieselbe suchen und finden, als in der er- E Harri. Z4 Christliche barmenden Liebe des Himmelischen Vatters, und denen Wunden des HErren JEsu? darlnn kan er auch nicht besser thun, als wann er dahin seine Zuflucht stimmet, und es bey ihme heisset: Wo soll ich fliehen hin? Weit ich beschwüret bin, Mit vielen grossen Sünden; Wo sott ich Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme, Mein Angst sie nicht Wegnahme; Ach JEsu voller Gnad ! Auf dein Gebott und Rath, Komt mein betrübt Gemüthe, Zu deiner grossen Güte; Laß doch auf mein Gewissen, Ein Gnaden-Tröpflin fliesten! Was demnacher anbelangt, die teibliche- Angst eines Gtaübigen, oder die zeitlichen Trubsaalen, die dergleichen ihme verursachen ; So mag es zwar wohl seyn , .^ dass Leich-Predigt. zs daß da, auch leibliche Mittel, zur Hütffe oder Erleichterung, etwas beytragen können, doch aber vermögen sie nichts, ohne GOTT und dessen Gnad und Segen; Darum ist es auch in allweg besser, daß man vor allem aus, zu Ihme sich wende , pn und es heisse: Ich hebe meine Augen ' auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe, kommt; Meine Hülfe komt vom HCrren der Himmel und Erden gemacht hat ; In summa! beydes in den geistlichen und leiblichen Aengflen und Nöthen, ist kein besserer AM und Helffer, als unser GOTT, darum geängstete und angefochtene Seelen , Mich un-»»c-. tereinander sich ermunteren: Kommt! wir wollen wieder zum HCrren: Denn Er hat uns zerrissen, Er wird uns auch heilen: Er hat uns geschlagen, Er wird uns auch verbinden. Es suchet aber der Fromme, die in der geistlichen Wassers-Noth, ihmenöthi- : E 2 ge Z6 Christliche ge Hulff und Erquickung bey seinem GOtt und Heiland Lhriflo JEsu, eben wie hier David auch gethan, durch ein eifriges und andächtiges Gebat; Und zwar, obgleich der allwissende und gütige GOtt der Sei- nigen Noth und Antigen weißt und ihnen zu hetffen geneigt ist, noch ehe sie dieselbe, Ahme klagen oder Ihn um seilte Hülss an- ruffen, so will Er dennoch, daß sie es ks.^.-s thun sollen, wie Er dann sagt : Nlljf mich an in der Noth, so will ich dich erretten und du sollt mich preisen; Aber wann es auch der Herr nicht befohlen hatte, so wurden sie dennoch es zu thun nicht underlassen, dann die Noth sechsten lehret baten; Wo ist einer, der, wann er ertrincken solle, nicht um Hülss schreye? Also wo ist einer, der, wann er in grosse Angst und Noth gerathen, nicht GOTT um feine Hülffe anspreche, zumahten wann er weißt, daß er unter den Menschen keinen Helffer habe, und sechsten sich auch nicht helffen könne? Auch so gar die Gottlosen, welche in guten Tagen Leich-- Predigt ._Z7 genzuGOtt sagen: Hebe dich V0N UNs!"L"- wir wollen von deinen Wegen nichts wissen; Wer ist der Allmächtige daß wir Ihm dienen sollten? Und was sind wirs gebessert, so wir Ihn anrußen ? Wann das Wasser ihnen an die Seele gehet, ermanglen nicht zu schreyen: GOTT Hilss uns! Auch von ihnen gilt, was dorten stehet: HCrr! wenn TrÄ--°^."' saal da ist, so suchet man dich; wenn du sie züchtigest, so rüsten sie ängstig- lich. Und was wollen wir dann sagen, von denen Gläubigen und Frommen? Sie haben ihre Lust am Gebät, zu allen Zeiten, auch danzumahl wenn es ihnen wohl gebet; Und warum, sollten sie es nicht noch viel lieber verrichten, zur Zeit der Noth? Darum sagt Assaph: Ich schreye mit meiner Stimm zu GOTT; zu GOTT schreye ich, und Er erhöret mich, In der Zeit meiner Roth suche E z ich 38 christliche ich den HErren: Wenn ich betrübt bin, so gedencke ich an GOtt; Wenn mein Hertz in ängsten ist, so rede ich. Gleichwie nun, einer der ertrincken solle/ durch die grosse Angst getrieben, so laut als er kan schreyet, und um Hülste ruffet; Also ist auch das Gebat des Gläubigen , zur Zeit grosser Angst und Noth, ein Geschrey, d. i. nicht etwan, wie im Wohlstand, ein laues und fchlaffriges, sonderen ein recht ernstlich-und eifriges Gebar ; Alsdann wan das Wasser gehet biß an oder wohl gar in die Seele, so kommen auch dieSeuffzer, aus dem innersten der Seelen; Alsdan wann man die Nothwendigkeit der göttlichen Hütff am meisten suhlet, ist auch das Verlangen darnach n r;. ,7. am allerhefftigfien; Da Heister es : Die Angft meines Hertzens iA groß, süh- n mich aus meinen Nöthen! Wie der Hirsch schreyet nach frischem Wasser, also schreyet meine Seele GOtt, zu Leich -Predigt. zu dir! GOtt, durch deine grosse "L"' Güte, erbörcmich mit deiner treuen Hülsse; Errette mich aus dem Koth daß ich nicht versincke / daß ich errettet werde aus dem Liessen Wasser; daß mich die Wasserstuth nicht crsäuf- fe , und die ricsse nicht verschlinge; Erhöre mich HCrr! denn deine Güte ist tröstlich ; Wende dich zu mir nach deiner grossen Barmherzigkeit; Verbirg dein Angesicht nicht für deinem Knecht, denn mir ist angst, erhöre mich eilend rc. Nun eben deßwegen, weilen der Glaä- bigen Gebat, niemahlen reiner, aufrichtiger und brunftiger ifi, als zur Zeit, da das Angft- Wasser ihnen biß an die Seele gebet, und aber ein Gebat von solcher Art, GOtt dem HErren, insonderheit wohlgefallt, so ist auch eine gnädige Erhörung, um so viel E4 meh- 40 Christliche_ kc-^'s.mehrers zu hoffen, denn: Cd ist Nahe, denen die ihn anrüsten / die ihn mit ernst anrüsten; Er thut was die Gottsförchtigcn begehren, und höret ihr Schreyen und htlfft ihnen; Und zwar wie tönte es wohl änderst seyn? Wir sind nur schwache und in allen Stucken sehr unvottkomene Menschen, doch wann eines der lieben Unseren, mit grosser Angst und Bangigkeit sich erkämpfen muß, so können wir es ohne hertztiches Mitleiden nicht ansehen, sem bewegliches Seuffzen und Klagen dringt uns durch Marck und Bein, und wir möchten (wie man zu reden pflegt) zu Wasser werden, sur Betrubnuß, über desselben erbärmlichen Zustand rc. Und wie sollte dann der him- rnelische Vatter, der an Gnad und Güte uns Menschen, unendlich weit übertrifft und ein Vatter M der Barmherzigkeit, das ängstliche Kämpfen einer in die geistliche Wassers-Noth gerathenen gläubigen See- Teich - Predigt. 4! Seelen, ohne Mitleiden ansehen können? O Nem! Das bricht Ihm sein Hertz gegen ihm/ daß er sich sein erbarmen MUß ; Er zeiget es auch in der that, durch Trost und Erquickung, womit er dem Gläubigen, auch noch wahrend seinem angfihass- ten Leiden, erscheinet, nnd ihne aufrichtet und fiarcket, und dann auch, durch wurckliche Hulff und Rettung, die Er ihme zu rechter Zeit widerfahren laßt; Manchmahl geschichts,daßEr, den Gläubigen noch m diesem Leben, aus den Angflwasseren herausrisset , und ihme Ruhe schasset, von aller geistlichen und leiblichen Angst, so chne gequälet hat, daß er rühmen kan: Du lässest mich erfahren/ viele midi--?,.-- grosse Angst / und machst mich wieder lebendig / und holest mich wieder aus der liesse der Erden / heraus ; Manch- mahl aber hilfst GOTT, änderst nicht, als durch einen seligen Tod, womit er aber allem Leiden für ein und allemahl ein Ende macht, und die ftomme Seele, aus den F Angst 42 Christliche Angst und Trübsaals-Wasseren, bringet an 7 . den seligen Ort, da das Lamm, sie wird weiden und leiten zu den lebendigen Wajserbrunen/ und GOtt wird abwischen alle Thränen von ihren Augen. Diese Erlösung eines Gläubigen, welche beschihet, durch einen seligen Hin- scheid, aus diesem Jammervollen Leben, gleichwie sie dem Verstorbenen, am aller- heitsamsten und seligsten ist, also mögen auchHinderlassene, ehender derselben sich freuen, als allzusehr darüber sich betrüben; Anfänglich zwar, wünschen sie etwan, daß lieben Personen, die sie durch den Tod derlohren, änderst, und also wäre geholfen worden, daß sie noch länger bey ihnen hätten leben können; Wann sie aber die Sach recht überlegen, erkennen sie sechsten: Daß der HErr es wohl gemacht habe; Indeme, wann die Verstorbenen länger gelebt hätten, sie villeicht auch noch in mehrere Angstwasser gerathen seyn wurden , da sie hingegen durch einen seligen Tod, für immer und ewig davon befteyet sind, Leich -- Predigt. 4Z sind, und es von ihnen heissen kan; Cd ist aus der Angst und aus dem Gericht genommen; Wer will seines Lebens Länge ausreden? * * Unser aller Leben , Geliebte in dem HErren! ist vom Anfang biß zum Ende , anders nichts als eine gefährliche Schiffart, dabey wir, vielen Trübsaalen und Anfechtungen underworffen sind; Diejenigen die auf dem Meer fahren, wissen, daß, wan das Wetter hell und die See stille ist , gantz plötzlich ein Sturm und Ungestüme, entstehen kan; Und was ist in unserem zeitlichen Leben gemeiners, als daß einer, wan er in den allerglücktich- fien Umstanden zu seyn vermeinet, mit betrübten und angflhassten Zufällen, gantz unversehens, überfallen wird? Einmahl wie das Meer, nicht ohne Wellen, also ist auch unser^ Leben hieniden auf Erden, nicht ohne Trübsaalen, und ist keiner, deine es nicht etwan dazu komt, daß er wegen leiblicher und geistlicher Angst, dar- F 2 ein 44 Christliche Lkj. 4Z. L. L. ein er in seinem Leben oder doch auf seinem Tod-Bett, gerathet, mit dem Psal- misten klagen müsse: GOTTHllssMlr! Denn das Wasser gehet mir biß an die Seele rc. Wohl denen, welche bey Zeiten darum sorgen, wie sie auf dieser gefährlichen Fahrt, den HErren JEsum bey sich in dem Schifflein haben, oder in seiner Gemeinschafft ihr Leben zubringen mögen; Er ifls, deme Wind und Meer gehorsam sind, und wer Ahne zum Gefährten hat, der darf für denen Angst-und Trübsaals-Fluchen nicht groß erschrecken; M es, daß dem Glaübigen, das Wasser würcktich an die Seele gebet, und er mit Leiden umgeben ist, ohne Zahl; So wird der HCrr Wsus, ihn glücklich hindurch führen , und schaffen, daß sie seiner Seelen nichts schaden, nach der Verheissung GOt- tes, bey dem Propheten: Fürchte dich nicht / ich habe dich bey deinem Namen geruffen / du bist mein; Denn so du durchs Wasser gehest/ will ich bey dir seyn/ Teich -- Predigt. 45 seyn, daß dich die Ströme nicht sollen ersäuften; Astes, daß der Fromme wie Petrus aus Schwachheit stucken will, oder in Angst und Trübsaat, erschrocken, verzagt und kteinmüthig wird; So bietet JEsus ih- rne seine Gnaden - Hand, Er bittet für ihn daß sein Glaube nicht aufhöre, Er lassst seine Krafft in dessen Schwachheit mächtig seyn; Ja wann ihme (dem Gläubigen) Leib und Seele verschmachtet, so ist""" Er seines Hertzens Trost und sein Theil. Darum wann andere, so alber und thörricht sind, daß sie, mit Geringschätzung des HErren JEsu, und seiner theuren Gnade, anders nichts suchen, als der Wett Ehre, Güterund Wollüste, oder auch die Gunst und Freundschafft, der ansehnlichen und mächtigen unter den Menschen, da doch alle diese Dinge, in der geistlichen Wassers-Noth, der Sünden - und Todes- Angst, wenig oder gar keinen Trost geben können; O so suchen wir hingegen nichts mehrers, als JEsum und seine allerfelig- § z sie ktiil. 46 Christliche__ fie Gemeinschafft, und sehen dahin, daß wir durch Busse und wahre Selbstverläug- nung, darein gelangen, durch tägliches Zunehmen, im Glauben und der Liebe, uns darinnen fest sehen, und durch Beharrlichkeit in einem thätigen Lbristenthum, derselben für immer, uns versicheren; In summa, lassen wir uns nichts tiebers seyn, als JEsum, und was die Welt für Gewinn achtet, das achten wir für eitel - Koth und Schaden, damit wir Une den theuren Heiland gewinnen. Sitze! so werden wir in und mit Ihme, die Schiffarth, unseres mühseligen Lebens glücklich können vollführen; In der Wassers - Noth geistlicher Anfechtungen und leiblicher Trubfaaten, werden wir uns an Ihne können fest hatten, als an den sicheren Ancker unserer Seelen; Biß daß wir nach glücklich überflandenem Sturm, der letflen Todes - Angst, werden gelangen in den Port, einer ewigen Stille und Sicherheit, und allda mit Freuden rühmen. Zum sicheren Dort ich kommen bin/ Angst / VLoth und Elend ist dahin; In Ehristo hab ich Fried und Freud / Und 7x.uh in ewiger Seligkeit. c 47 1 z-r- ^-W-L°k4 -SS4 :-k44 E: L44E-k44-k4>!-k44-k4S-k«7iE'VW WWMWiBLPMWMMWM^WWWWW^WWMWW »<,«» «H» 4^ vd» »A», * Vt>» »/j>» 4^ »H» »H» >S ist die viel Ehren-Zucht-und Tugendreiche Frau Gertrud Lelßlerin / an diese Welt ge- bohren worden ; ^nno 1716. den 26ten Jenner; Ihr Herr Vatter selig war: Herr Achilles Leißler / der Handels-Mann und des grossen Raths; Ihre annoch lebende, und den frühzeitigen Hin- stbeid, dieser ihrer geliebten Tochter, schmerzlich betraurende Frau Mutter ist: Frau Gertrud Ortmänntn; Die Groß- Elteren waren: Vatterlicher Seits: Herr Frantz Leißler berühmter Handels- Mann und Frau Elisabeth Wertemän- nin: 48 mn r Mütterlicher Seits aber : Hm Frantz Ortmann des Raths und Frau Valma Hummel. Von ebrengedachten , ihren geliebten Elteren, ist unsere mitglaübige Frau und Schwester selig, in der Zucht und Ver- mahnung zumHErren, sorgfältig aufer- zogen , auch ^nno 1729. zu Erlernung der Französischen Sprach für zwey Jahr naher Welsch - Neuenburg gesandt/ so dann nach ihrer Wiederkunfft/ noch ferner zu allen/ dem weiblichen Geschlecht anständigen Arbeiten und häußlichen Verrichtungen/ angeführt worden. Es hat die Verstorbene, in einem zweifachen Ehestand gelebt; Das erstemaht hat Sie sich durch Göttliche Schickung, verheu- rathet 17^6. den loten Herbstmonat, mit Hcrrn Emanuel Noschtt dem Han- detsmann, mit deme Sie eine zwar liebreiche und vernügte, aber nicht mehr als fechsjärige Ehe besessen; gestalten Er ^742, den rsten May in die ewige Ruh, Ih- ro ? LK 8 0 ^ ^ DI 49 ro vorhergegangen, nachdeme Sie mit Ahme erzeuget hatte, ein Töchterlein welches annoch im Leben; Der grundgutige GOTT, welchem gefallen hat, demselben Vatter und Mutter, in so zarter Jugend zu entziehen, wolle nun sechsten deren Stelle, bey Ihme verwetten, mithin der ehrenden Groß - Elteren und Anverwandten , für dessen gute Auferziehung wagende Sorgfalt, zu seiner zeitlichen und ewigen Wohlfart, in Gnaden gesegnet seyn lassen. Das Zweyte mahl hat Sie sich vereh- lichet. ^nno 174z. den 22ten Heümonat, mit Herrn Larl Wrllhelm Ochs des Raths, ihrem nunmebro hinderlassenen Herren Wittwer, welcher, nachdeme Er, diese holdselige, tugendhaffte, und von ihm hertzlrch - geliebte Gehülffin, nur ein wenig mehr als ein halbes Jahr, besessen, durch derselben noch unerwarteten, gar zu frühzeitigen Hinscheid , wie leicht zu ge- dencken, in schmertzliche Betrübnuß gesetzet worden; Der HErr erscheine Ihme, wie auch der Frau Mutter, den sämtlichen Geschwisterten , und übrigen hmdertasse- G nett 5v k L v. 8 0 n ^ 1. I nen Tralrrenden, mir dem ihnen allerseits nöthigen Trost, und lasse die Grunde, so das Lhriftenthum ihnen hiezn an die Hand giebet, in ihrer aller Hertzen, durch die Gnade seines Heil. Geistes kräftig seyn. Was das Leben und den Wandet der verstorbenen Frau Meisterin sel. anbelangt ; So hat Sie nicht nur, gegen ihre Elteren, als eine gehorsame Tocbter, gegen ihre Eheherren, als eine getreue Gehütffin und gegen ihre Anverwandte, als eine wohlmeinende Freundin,sich erwiesen; Sonderen auch fürnehmtich sich angelegen seyn lassen, in einem, durch die Liebe thätigen Glauben, an den HLrren JEsum, GOTT zu gefallen und ihre Seligkeit zu würcken; Davon Sie auch in ihrer leisten, und wie es der Außgang gezeiget, tödtlichen Kranck- heit eine Herrliche Probe abgelegt; Diese bat ihren Anfang genommen, gesteren acht Tage, mit einem fiarcken Fluß , auf der Brust , darauf bald eine krampsichte Engbrüstigkeit erfolget, welche, indeme sie die freye KeHii^on gehem- met, eine ungemeine Bangigkeit verursachet, -_? Lk 8 0 N ^ 1. I ^ _N fachet, die Uro vom Ansang biß zum Ende, wenig oder gar keine Ruhe gestattet; Nun in diesen beschwärlichen und höchst- betrubten Umständen, da das Wasser Ihro biß an die Seele gienge, klagte Sie zwar über grosse Angst,doch ohne einige Ungedult, sonderen ließ sich vielmehr vernehmen, es seye alles ein geringes, gegen dem, so Sie mit ihren Sunden verdient, und davon der liebe HErr JEsus, durch sein angst-und schmertzhafftes Leyden Sie frey gemacht ; Den aus GOttes Wort Pro zugesprochenen Trost, nähme sie an mit danck; Seuf- zete darneben wohl etwann auch darnach, daß GOtt Ihro ein Ruh-und Erquickstünd- Lin schencken wolle, doch allezeit mit einer Seufzen und Batten aber, gienge dahin, daß der Heiland, der durch den Glauben in ihrem Herhen wohne, mit seiner Krafft in ihrer Schwachheit wolle mächtig seyn, biß es Ihme gefalle, Sie zu sich in die ewige Ruhe aufzunehmen; In Summa, bey der völligen Versicherung und Gewißheit, die G 2 Sie 52 _? Lv. 8 0 ^ ^ I -V_ Sie hatte, von der zukünftigen Seligkeit, bezeugte Sie eine gantz ausnehmende Ge- dult und Standhafftigkeit; So daß / die Anwesende, wann sie einerseits durch ihren anschafften Zustand, empfindlich betrübet worden, anderseits, durch ihr darinnen bezeugtes getrostes und freudiges Wesen, erbauet und getröstet werden tonten. Leicht ist zu gedencken, daß an dientich- erachteten Arßney-Mittlen, nicht das geringste, ist verabsäumet worden; So find auch ihre Frau Mutter, die Frauen Schwe- steren, absonderlich aber ihr Ehe-Herr, rmermüdet gewesen, zu allem dem, davon sie geglaubt, daß es Wo einige Erleichterung und Erquickung bringen tönte; Wofür Sie auch Ihnen allen hertztich gedancket; Dessen ungeacht bat das Übel immer fort- gedauret, und nicht nachgelassen, biß daß, nachdeme Sie dadurch gäntzlich entkräfftet worden, der liebe GOTT, durch einen sanften und seligen Tod, dem beschwarli- chen Kampf ein End gemacht, welches ge- _ 5Z schehen, vergangenen Sontag nach Mittag um 2. Uhren, da sie unter dem Gebät und Thränen der Anwesenden, seliglich verschieden , ihres Alters 28. Jahr und 14. Tage. eschluß. ,As der fromme König Hiskias von sich gerühmet: Um Trost ^ war mir sehr bang , der HErr aber hat sich meiner Seelen herßtich angenommen , daß sie nicht gar verdürbe; Das bat sich nun auch erwahret, an unserer verstorbenen mitglaübigen Frauen und Schwester selig, zwar nicht, wie bey Hiskias, durch Wiederherstellung ihrer Gesundheit und Verlängerung des zeitlichen Lebens, aber auf eine weit bessere Weise, nemlich durch eine gnädige Auflösung, nach deren Sie nun, von aller Angst und Schmerhen für immer befteyet ist, und eine selige Ruh geniesset in alle Ewigkeit; Die sämtliche hinterlassene Traurende, welche an der Verstorbenen, deutlich ba- G 3 ven Lkj. Z8 54 kLk 8 0 N ^ ._ ben können wahrnemen, wie GOTT mit seiner Krafft in den Schwachen so mächtig seyn könne, sollen sich damit trösten, daß Er auch Sie, in ihrem Laid nicht werde verstricken /äffen, sonderen vielmehr krafftig nndersiützen, und dasselbe zutetsi, zu einen guten und seligen End, ausführen. Wir allzumahl sehen zu, daß wir zu rechter Zeit, m dem Büß-und Glaubens- Kampf uns üben, und eindringen in das rechtschaffene Wesen, das in Lhristo IE- su ist, damit wir auch in dem letsten Todes- Kampf wohl bestehen, und davon tragen, das Ende des Glaubens, der Seelen Seligkeit, durch Den, der sie uns erworben hat, unseren HErren JEsum Lhristum: Amen. st? Traur- ( 55 ) Er Menschen Lebens - Laufs ist einer Schiffahrt gleich / Und Wird auch eine Reis durchs Jammerthal ge- nennet. Denn, wie man auf der See, norhdürftig oder reich, - Bald langsam, bald geschwind nach Port und Hafen rettet; * * * So geht ein Menschen - Kind, wenn's in der Wiege ruht, Wan es die Mutter noch mit holden Küssen hertzet , Wan's drauf sich sechsten kennt, als greulich oder gut - Wann es in Rosen sitzt, und voller Leicht-Sinn schertzet; , * * So geht und fahrt es stets, bey lang und kurzer Zeit, Im Schisse, da der Tod das Steuer-Ruder lencket, (Zwar nach des Höchsten Winck) zur wicht'gen Ewigkeit, Und landet, eh es recht an Ebb und Flure gedencker. * * * Dis hat die Selige einst freudig angehört, Sie sprach: O möchte doch mein Schifflein waidlich fahren! (Merckt's, Rinder! was ihr wünscht; offt wird mans bald gewährt) Sie fahrt, es siürmmt, Sie stirbt im Blust der Lebens Jahren. Daß * * * Daß GOTT erbarm (sagst du) was hat Sie nun davon? Was? Ach! das süsse Loos, der rechten Christen-Schaastn. Der Himmels-Meister ziert Sie jetz mit seiner Cron, Und lasset Sie, als Braut, in seinen Armen schlaffen. * * * O Welch ein theures Erb! Welch angenehme Ruh! Betrübte! fteuet Euch. Und schifft alsglaub'ge Christen, Der Sel'aen munter nach, dein 8aiem8-Hafen zu. Indessen mögt ihr Euch zum frohen wülkom rüsten. * * * Leser ? O Wandrers hör es doch! Und glaub an GOttesWort. Fahr nicht im Unverstand zum unbekandten Lande. Der Himmel sey dein Ziel, der Heiland sey dein Hort, Sonst kömmts (Wer weißt, wie bald?) zum grausen Höllen-Strande. * * * O Heiland! mach uns klug, Laß deines Geistes Wind, Fein lieblich und fein starck in Hertz und Segel wehen, Daß wir mir Lust und Ernst, biß wir vollendet sind, Ohn alle Scheu und Forchr zu deiner Herde stehen, Und übers rothe Meer durch süß und bitter gehen. Amen. ( 57 ) st^8AEin angezwung'mr Schein, von eüßrem Christen- Westn, , HAK. Kein angewöhnt Gewäsch, womit ein Maul Chrrff pranget, Hat Sie die Seeligste / zu Ihrem Ruhm erlesen, Ein andrer Rührn war es; Ein Rührn den Sie erlanget. Christo allein zu sein, nur Ihm sich überlasten, Das wer in banger Noth, was Sie recht hat erauicker Sein Wille war Ihr Will, und so that Sie erblaßen Im Glauben harrt Sie aus, nichts hat Ihr Ziel verrücket Anjetzo wird Sie satt von Himmlisch-susser Freüde Ihr Seele/ die durch Gluth der heißen Feuer-Proben, Bewahrt erfunden ist, prangt jetzt im weißen Kleyde Bey JESU Ihrem Freund, den Ewig Sie wird Loben. Ihr zeitlicher Verlurst, der solt uns billich schmertzen, Dann Ihre Treu und Lieb, war gegen Ihre Frmnde Beständig unverrückt, aufrichtig, und von Lertzen Falschheit und Schmeichelei), war, was Sie nannte Feinde. Doch ferne sey von uns, Sie wieder zu begehren Ach Nein! Sie lebt erMc, mit JEsus Gnad und Liebe, Sie ist verherrlichet, nichts kan Sie mehr beschwüren Diß alles werde uns, zu so viel Geistes - Triebe Daß wir gantz unverrückt, mit Glaub an Christo hangen Und durch sein Blute rein, diß ewig Leyl erlangen. i r War starb die Selige mit nicht gemeinen Schmerzen, Als setze Dich Dein GÖtt zum Ziel der Plagen aus. Denn so erlöst er nur, die er vor Andern liebet, Uvd mehr in einen: Tag, als sonst in Jahren, über: So lehret er die Welt an seiner Frommen Weh, Wie billig und wie schwär ein Sünder erst vergeh : So bricht er mit Gewalt der Seinen harte Bande, Und reistet sie mit Angst aus Sodoms Schand und Brande. Gesetzt, es wäre gar der Selgen letzter Tag Zugleich für Sie und uns der jüngste Tag gewesen, An dem kein Lebender dem Feür entrinnen mag, So wäre Sie ja nicht mit mindrer Pein genesen. Ob die Verwandlung schon in einen: Nu geschickt, So überstehn wir sie doch ohne Schmerzen nicht, Und eh wir zu dein Derrn in seine Wolken eilen, Muß uns die Laütrüngsglut von allem Jrdschen heilen. O selig, wer alsdann, ist gleich die Wandlung scharf, Nach solchem grossen Nu nichts weiters leiden darf! Ich. Jakob Spreng, der dcnrstdcn Beredßrmkcit mrd Poesie j)rofcstor.