^7 ^ ^6K0^E^ ^'r /t'/r 7-7-/-^ .»/- V, //^« L<». K. /^^/ - ^ Fk »U MWU 'KW;DWW ^KALA^N - 7 ' E^W s 8 UWKDDMWTZ^D^WMAK- MÄLZ MGMW LÄMtMK MM KWW WWW M« auf den weiland Wolgebohmen und Hochgelehrten Herrn, rollinaer Beider Rechte Licentiaten, Kadm-MurlachischmUoftcht, und geheimen Archivhalter, wie auch der Deutschen Gesellschaft in Leipzig Mitglid, in hohansehnlicher Versammlung zu Uasel, den4. Brachmonats d3 locc XLHI. vorgetragen, und nebst einigen noch ungedruckten Trauergedichten auf den Wolseligen, herausgegeben von m« Wremeli/D.«.«. der deutschen Beredsamkeit und Poesie öffentlichem Lehrer, wie auch der Deutschen Gesellschaften in Leipzig und Bern Mitglide. BASEL, in der Christlichen Buchdruckerev. Opitz. -Ihr armen Musen, weinet! GOtt hat Ihn abgehohlt, der es so gut gemeynet Mit euch und eurer Schaar; der Keinen von sich stieß, So auch der Tugend Schein nur an sich blicken ließ. Du aber, liebe Seel! hast jetzund Dich zu freuen In der gestirnten Luft. Oe la Motte. I'our meurt:, piMjue kinäars eli mort. Der deutsche Pindar stirbt; So muß wol alles sterben. WMngsschrist. Es ist nun eben ein Jahr, daß an dem weiland Wolgebohmen, Hochgelehrten Herrn, rolliiMr und geheimen Archivhalter dem Durchlmchtigstm Hause v. Baden-Dursach ein eifriger, unschätzbarer Diener, unserer werten Vaterstadt Basel ein, zwar nicht dem Namen nach, doch in der Taht, getreuer Naht und Bürger, den edlen Wissenschaften und Künsten ein grosser Kenner und Beförderer, den Armen und Nohtleidenden ein wirklicher Vater und Erretter, A 2 und und der Kirche des Herrn überbaust ein hohes Beyspiel wahrer Gottesfurcht und aller Christlichen Tugenden durch einen schnellen Tod entzogen worden: Welche ruhmwürdige Verdienste und Eigenschaften, den 4. dieses lauffenden Brachmonats, um io. Uhren vor Mittage, in dem Doctorsaale des grossen Münsters, bey dem Antritte seines akademischen Lehramtes, in einer feyerlichen Gedächtnißrede unter göttlichem Beystande vorstellen soll Johann Jakob Kpreng / K. G. P. wie auch der deutschen Beredsamkeit und Poesie Professor; Da denn alle Gönner und Verehrer des Drollingerischen Namens, und sonderlich die Erlauchten Haübter und Vorsteher unserer Republik, hohen Schule und Kirche, diese Handlung Ihrer Gegenwart und Aufmerksamkeit zu würdigen, nebst Erbietung aller möglichen Gegendienste, ganz gehorsamst und ergebenst gebeten werden. Unter dem Vectorate Seiner Hochwürden, Herrn IvhüNtl Grytlälts, H. S. D. und des N. Testaments Professors. Unter dern philosophischen Decanate Seiner Hohedelgebohrnen, Herrn SütIMl BüttieiB, der Artzneykunst Doctors, und der griechischen Sprache Professors. Basel, den i. Brachmonats clo Iscc xi-m. Hochgebietender, Hochwürdiger Herr Rector. Hochwolgebohrne, Hochweyse, Gnädige Lan- desväter. (i.) Hochwolgebohrner Herr Marchese. Wolgebohrne, Wolweyse Herren Scholarchen. Hochwolgebohrner Herr Reichsyof-und Pfalz- graf, Wolgebohrne Herren Hofrähte, und Ber- tteter der trauernden Anverwandten. Hochwürdige, Hohedelgebohrne, Hoherfahrene, Hochgelehrte, Insonders zu verehrende Väter und Lehrer unserer hohen Schule. Hochwürdiger, Hochgelehrter Herr Oberster Pfarrer, und Vorsteher unsers vaterländischen Zivils. Az (i.) Seiner Excellenz, Herrn Marchesen von Prie, Königlich-Hnngarischen Botschafters in Hochlövlicher Eidsgenossenschaft, einziger Herr Sohn. (-.) Hochwürdiger, Hochgelehrter Herr Superintendent. Wol-und Hohedelgebohrne, Weyse, Gestrenge, und Hohansehnliche Herren Geheime, und übrige Nähte unsers Freystandes. Höh-und Wolehrwürdige, Höh-und Wolgelehr- te, Treueifrigste Väter und Lehrer unserer Kirche, Hochgeschätzte Herren Brüder; Wie auch nach Stande, Verdienste und Würden allerseits Hochwerteste Gönner und Freunde. §hwärlich ist auch der geschickteste Redner jemals aufgetreten, den Verlust grosser Männer zu beklagen, und den Ruhm ihrer Verdienste der Vergänglichkeit zu entziehen, welcher (2.) Herr Johann Christoph Wenkebach, der Rötelischen Kirchen Superintendent, eines Hochwürdigm Eapituls Vorstcher, und Pfarrer in Lorach. _ Gedächtnißrede auf Herm Hofraht Drsllinger. _^7 cher sich/ entweder aus wirklicher Empfindung seines Unvermögens/ oder aber aus lediger Beysorge, wider das Gesätze einer alten Gewohnheit zu sündigen, nicht verbunden geachtet hatte, vor allen Dingen seine Unbe- redsamkeit zu bekennen, und den Eingang seines Vor- trags mit weitlaüfftigen Entschuldigungen und Beweggründen seines kühnen Unternemens zu machen. Wie anstößig würde denn mein Verfahren seyn, wenn ich heute von einer solchen Pflicht abgienge, wel- . che durch den langen Gebrauch unumgänglich gewor- ' den, und die eigentlich nur ich und meines gleichen hätten aufbringen sotten! Wie groß wäre meine Eitelkeit, wenn ich vor einer so erlauchten Versammlung meine Schwachheit zu verhehlen gedächte, die doch Keinem, der mich höret, verborgen seyn kan! Ich gestehe derowegen freymühtig und zum Überflüsse, daß meine Tüchtigkeit durchaus nicht zureiche, die edeln Geistes- und Herzensgaben des weiland Wol- gebohrnen und Hochgelehrten Herrn, HMN Eüvl Medwch Dwlltngers, meiner würdigen Trauer- und Lobrede abzuschildern. So viel aber dieselbigen auch von ihrem Glänze unter meiner Hand verlieren mögen, so müssen gleichwol aus meinem rohen Gemählde hier und dar noch genügsame Naturzüge und erhabene Merkmahle hervorblicken, aus welchen rechtschaffene Kenner von der Trefflichkeit des Urbildes nicht ohne Vergnügen und Bewunderung werden schlössen können. Ja eben diese Unvollkommenheit, die mich auser Stand setzt, von der Kunst einigen Firniß zu entlehnen, läßt 8__ Gedächtnißrehe mich hoffen, daß meine Vorstellungen desto mehr Auf- > merksamkeit und Glauben verdienen werden. Möchte gleichwol Jemand wider Vermuhten den Verdacht auf mich werfen, als ob ich mich ohne Recht und Beruff dieser Verrichtung unterfienge: So ist nichts leichters, als diesen Zweifel zu heben, wenn ich nur kürzlich die Ursachen andeute, die mich zu gegenwärtiger Handlung, wenn auch schon die Gewohnheit dar- widerstritte, dennoch haubtsachlich verbinden. Kan auch wol eine gerechtere Hohachtung und Liebe seyn, als diejenige, welche Sich der Wolselige beides in seinem und unserm Vaterlande erworben? Und sollte wol irgend ein Verehrer unsers Drollingers grossem Anteil an solcher nemen, und über dessen Hinschied inniger trauern , als ich, mit welchem Er über Zwanzig Jahre lang die vertrauteste Freundschaft schriftlich und mündlich unterhalten, und welchem Er bey unzähligen Anlässen die Einsicht in seine geheimen Umstände und Neigungen erlaubet? Als ich, mit welchem Er alle verschiedene Schicksale geteilet; und der ich vielleicht der Einzige bin , dessen Wehmuht zuweilen seine Lippen verschlossen, und mit dessen Trähnen Er die Seinigen vermänget? Als ich, den die Gesätze der Deutschen Gesellschaft, in welche wir Beide zugleich eingetreten, vornemlich verpflichten, für die Beförderung seines Nachruhms zu sorgen? Als ich, sein erster und letzter Jünger, dessen dunkeln Namen seine unsterbliche Muse der Vergessenheit zu entreißen bemühet gewesen, und _auf Zerrn Hofraht DrsULnger._§ und welchen Ey nebst seinem wertesten (*) BUptovfM/ insonderheit zum Vormünder seiner Poesien ernennet? Wahrlich! Jedermann/ der nur solche Umstände weiß / und einer guten Empfindung fähig ist , müßte wol gar wider meine schnöde Unempfindlichkeit eifern, wenn ich nicht meine letzten Kräfte anstrengte, ein Denkmahl meiner Erkänntlichkeit für die so bewährte und unschätzbare Drollingerische Liebe zu hinterlassen! Ja unmöglich würde ich mich vor manchem hier anwesenden Gönner rechtfertigen, wenn ich eine solche Dankpflicht versaümte, deren feyerliche Erstattung schon bey geraumer Zeit bis zu meiner Beschämung von mir gefordert worden. Billig weihe ich denn einen Versuch meiner verwässeren Muse dem Andenken desjenigen, welcher ihr das Leben und ihre deutsche Zunge verliehen; und der Sich vor Andern, aber leider vergeblich, gesehnet, mich auf einem vaterländischen Lehrstuhle zu sehen. Billig erwähle ich den Tag, den trähnenwürdigen Tag hierzu , an welchem vor einem Jahre ein ganzes Volk Dessen Leiche zu der Ruhe begleitet. Diese schmerzliche Erinnerung ist allein vermögend, den Mangel meiner Beredsamkeit zu ersetzen, da ich eben die öffentlichen Verrichtungen eines deutschen oratorischen und poetischen Professors antreten, und zugleich der unverdienten Hoffnung der Väter unsers Vaterlandes und unserer hohen Schule, die mir ein so neües Amt zu vertrauen geruhet, entsprechen sott. _ B I ch (*) Nämlich (8.I.) Herrn August Johann Buxtorfen, Pfarrern bey St. Elsbethen «Wer zu Basil. rc>__Gedachtmßrede__ Ich bedaure, daß ich mich so lang über mir selb- sten aufhalten müssen. Es ist Zeit, daß ich mich zu Demjenigen wende, welchem eigentlich diese Rede gewidmet ist. Solchem börste ich um so viel weniger einen Augenblick noch entziehen, weil ich wegen des Angrisss einer unvermuhteten Krankheit in Sorgen schwebe, ob ich meiner auch nur für eine Stunde mächtig seyn werde. Laut einer eigenhändigen Nachricht des Wolseligen würd Derselbige zu Durlach den sechs- und zwanzigsten Khristmonats des i688ten Jahres gebohren. Das Elend dieses Lebens mußte Er schon, als ein zarter Saüg- ling, empfinden, als durch den französischen Überfall, und darauf erfolgte gänzliche Einäscherung seiner Vaterstadt, nicht nur seine Eltern all das Ihrige verloren, sondern Er auch den Schrecken und Drangsalen, welche Muter und Kind aus diesem Anlasse betroffen, seine schwächliche Gesundheit muhtmaßlich grossen Teils zu danken hatte. Sein Vater war HM Martin Drvllinger, damaliger Hochfürstlich- Markgräfischer Rechnungöraht, nachher aber Burgvogt in der Herrschaft Badenweiler: Ein bewährter Nathanael, welcher Sich durch seinen lautem Eifer für die Ehre GOttes, und für das Beste seiner Durchleüchtigsten Herrschaft, durch seine exemplarische Redlichkeit und Kinderzucht, wie auch durch seine uneigennützige Dienstgefiiffenheit bey Hohen und Nidri- gen so beliebt, so achtbar und unentbehrlich gemacht hatte, daß, wie Er im i 7 i 8 ten Jahre mit Tode ab- gieng, auf Herrn Hofraht DroMnyev. _ rr gieng , beides Fremde und Einheimische die mildesten Trähnen bey seinem Grabe vergossen; ja daß der feinste Kenner der Verdienste, der höchstselige Karl Wilhelm sechsten, sein grosses Beyleid über Dessen Ableiben nachdrücklich bezeüget, und an den hinterlassenen Kindern die gnädigste Fürsorge eines wahrhaften Landes-und Pflegvaterö erwiesen. Wie schmerzlich unser Wolseliger durch diesen Fall müsse gebeügt worden seyn, ist unter anderm daraus abzurinnen, daß Er Fünf ganze Jahre hernach, binnen welcher Zeit insgemein auch die tiefsten Wunden zu verharschen pflegen, darüber noch ein so bewegliches Trauergedichte verfertiget, als wäre solches bey frisch blutender Wunde seines Herzens von Ihm geschrieben worden. Seine Muter hingegen war FMU Katharina SlbtM, eine gebohrne Müllerin, und würdige Eh- gattinn seines gottsäligen Vaters, welchen Sie nach einem betrübten Wittwenstande von etlichen Jahren durch göttliche Führung zu ihrem zweyten Gehülfen erwählet hatte. Aus ihrem ersten Bette ist noch vorhanden Herr Mann Jakob Bader, Hochfürstlich - Ba- den-Durlachischer Hofraht und geheimer Secretar; aus dem letztem aber Herr Karl Willhelm Drollinger, Hochfürstlich - Markgräfischer Rechnungsraht, welche beide Herren Brüder der zärtlichen und getreüen Liebe des Wolseligen, gleichwie Er der Ihrigen, bis in sein Ende ohne Unterschied genossen, so daß Sie nunmehr B 2 auch ir_ Gedachtnißrede ___ auch ihren unverwindlichen Verlust änderst nicht, als mit gleichem Schmerzen, empfinden müssen. Gedachte Eltern, welche mitten in ihren grösten Trübsalen allen ihren Fleiß und Schweiß an die Auferziehung ihrer Kinder wandten, liessen auch an Sorge für ihren hoffnungsvollen Larl Friederich nichts ermangeln; zu welchem Ende Sie Ihm nicht nur besondere Lehrmeister im Hause hielten , sondern Sich auch der Hülfe der Herren Prediger in Mühlheim bedienten, damit Er in seiner ersten Jugend so wol zu dem Lhristen- tum, als auch zu den nichtigsten Sprachen und Wissenschaften, einen festen Grund legen möchte. Dieses geschah mit so gesegnetem Fortgange, daß Er im i^ozten Jahre solchen Lehrern bereits entwachsen, und sein seliger Herr Vater Ihn auf die hohe Schule allhier zu Basel versenden mußte, allwo Er Sich in den abendländischen Sprachen, in den Geschichten, in der Naturkunde, in der Sittenlehre, in der Wißkunst, und in den übrigen Teilen der Weltweysheit, haubt- sächlich aber in den Rechten, bis in das sibende Jahr aus das fleißigste umgesehen. Die mathematischen Wissenschaften trieb Er bey dem seligen HMN Istkob HMIMNN, von welchem nachgehends Süden und Nord solche zu hören und zu lernen verlanget. Der Juridischen aber würd Er mächtig bey dem weiland grossen Rechts-und Staatölehrer, Herrn Johann Jakob Battier. Diesen verehrte Er; _ auf Herrn Hofraht Drollinger. _ rz Er; diesen beweinte Er auch nach seinem Tode, als einen Vater; Diesem schrieb Er , nächst GOtt, der Quelle aller vollkommenen Gaben, sein vornemstes Wissen und die Grundlage seines ganzen Glückes zu. (*) Alle diejenigen, welche von selbigen Zeiten an sich aus dem Umgänge unsers Wolseligen zu erbauen das Glücke hatten, versichern einhelliglich, daß Er von Natur zu den schwarsten Wissenschaften aufgelegt gewesen, und das Geheimniß besessen, solche gleichsam spielend zu erlernen, und so wol in seinen eigenen, als auch seines Nebenmenschen, Nutzen zu verwenden. Gleichwol war Er durch keine Vorstellung zu bewegen, daß Er damals einige öffentliche Proben seiner bündigen Gelehrsamkeit gegeben hätte. Er schützte immer die Regel jenes Weysen vor: Eile mit Bedacht! Diese Regel, die Er, als eine Richtschnur seines Lebens , nimmermehr verließ, war auch nebst gewissen Umständen, welche Er auszuwarten gedachte, die Ursache , warum Er seine akademischen Übungen bis in das i/rote Jahr verschoben. _B-Z_Wie (*) Ein immerwährendes Zeügniß hiervon findet sich in seiner poetischen Klage über dessen Absterben, da Er in diese Worte ausbucht: — — — Gepriesner werter Schatten! was soll dein Schüler Dir für eine Pflicht erstatten? Ich dank es einig Dir, und Deinem treuen Fleiß, wofern mein schwacher Geist noch etwas kennt und weiß. O war ich nicht zu schwach! Dir sollten Werk und Schriften, Dir sollte Mund und Riel ein ewig Denkmahl stiften. Dein Name würde bald in ferne Zander gehn, Und Dein gekröntes Bild im Themis-Tempel stehn. 14 Gedächtnißrede ^_ Wie aber die Zeit erschien , da Er eben nach der Ordnung seiner klugen Langsamkeit Sich hierinnen dem Wunsche seiner Verwandten und Freunde überlassen, und seine Fähigkeit zur höchsten Würde in beiden Rechten bewähren sollte, so erwies Er in den strengsten Prüfungen , daß Er von langem her genugsam bereitet gewesen, solche mit dem größten Ruhme zu überstehen. Jedermann würd in dieser Meynung gestärkt, als Er inner der bestimmten und überaus beklemmten Frist eine sehr nett aus einander gesetzte Abhandlung über eine der verworrensten Staatsfragen, nämlich (*) Voll dM Verwährungen unter Fürsten und Völkern, aus der Feder unter die Presse lieferte, und wider die Einwürfe seiner gelehrten Gegner, zu ihrer und aller Anwesenden Vergnügung, verteidigte. Was Er hiervon gemein gemacht hatte, hieß Er eigentlich nur einen Versuch, welchen Er gleichwol zum Grunde einer grös- sern Abhandlung zu legen, und bey dem ersten Anlasse in ein vollständigeres Licht zu stellen Vorhabens war. Er blieb aber nicht lange mehr seiner Zeit Meister, und hatte Sich durch diesen Versuch bereits solche Gönner erwecket, daß er allerdings besser taht, Sich nach ihren Absichten zu bequemen, und die angefangene Arbeit ruhen zu lassen. Sonderlich mußte Er dem Winke seines gnädigsten Landesfürsten untertähnigste Folge leisten. Solcher wollte eines so nützlichen Dieners nicht länger ent- beh- (*) äe krsetcriptivmbvs Inter Lentes. _ auf Zerrn Hofraht Drolling er._ behren, sondern übergab Ihm das Amt eines Registra- tors bey dem geheimen Archive; zu welcher Verrichtung man eben einen tüchtigern Mann, als noch niemals, bedurfte. Diese besorgte dann unser Drollinger nicht alteine nach der Oeütung und Erforderniß seines Lha- racterö, sondern wol gar, als ein Vorsteher des Archives , dergleichen schwärlich Einer vor Ihm gewesen. Wie nun die Geschaffte allmählich zunamen, so mußte nicht minder die Belohnung steigen; derowegen Ihm auch sein Durchleüchtigster Beförderer, ehe noch Zwey Jahre vergangen, die erste Stelle mit dem Rang und Gehalte eines Secretars zu verbessern, die Gnade hatte. Höchstderselbe war einmal von Dessen unermüde- ter Stetigkeit und durchdringendem Verstände so über- zeüget, und empfieng immerfort so manigfaltige Proben von Dessen vortrefflichem Geschmacke und allgemeinem Geiste, daß Er Ihm die Registrirung und Einrichtung der Bücherey, wie auch der zahlreichen Münzensammlung , ingleichem der Gemählde und der Kunstkammer, zusamt der beständigen Aufsicht über alle die Schätze, welche stch in hiesigem Markgräfischen Pallaste befinden,zu verschiedenen malen anvertrauet, und es bey Dessen unverbesserlichen Anstalten jederzeit bewenden lassen. Über alle diese Aufträge unterzog Sich der Wol- selige vielen Pflichten , die Er Sich nach der buchstäblichen Vorschrift um ein Grosses hätte erleichtern können. Seine Gemühtsart erlaubte Ihm nicht, seiner Herrschaft nur aus einem geschlichen Zwange zu dienen. Gegenteils r6_ Gedächtnißrede _ teils machte sie Ihn vor Andern glücklich in Erfindung sinnreicher und angenemer Mittel, dem Willen Derselben, wo nur Treü und Liebe solchen zu errahten wußte, vorzukommen. In allen seinen Bemühungen strebte Er vornemlich nach dem höchsten Beyfalle GOttes und seines Statthalters. Sold und Ehre wäre Ihm unerträglich gewesen, wenn Er Sich in seinem Gewissen diesen Beyfall nicht hätte versprechen dörfen. Dieser war die erste und einige Vergeltung, welche Ihn befriedigen konnte. Diesen erhielt Er auch, und mit solchem Alles. Ein so edelgesinnter Untertahn verdiente demnach die Aufmerksamkeit des großmühtigsten Fürsten, welcher Ihn hinwiederum aus eigener Bewegniß im i722ten Jahre zu seinem Hofrahte zu ernennen, und Ihm die damit verknüpfte Besoldung beyzulegen geruhte. Wozu, nach etwann Vier Jahren, noch die Stelle eines wirklichen geheimen Archivhalters erfolgte, welche Er schon lange vorher unter einem andern Namen auf das eifrigste versehen hatte. Nimmermehr seyn die Dienste zu schätzen, die Er in diesem Amte geleistet. Er fand das Fürstliche Archiv in einer so graülichen Zerrüttung, daß es nicht einmal zu erkennen, geschweige zu gebrauchen war. Die wichtigsten Urkunden waren ein Raub der Motten, und so unleserlich worden, daß sich Niemand mehr selbige zu entzifern getraute. Verschiedene davon schätzte man vollends für verloren, und mit solchen auch die herrlichsten Rechte und Ansprüche des Badischen und Hach- bergischen Hauses. Drollinger aber brachte ein Werk zu auf Herrn Hoftaht Drottinger. _-f zu Stande / welches vor den Augen aller Verständigen unmöglich schien, und aber Seiner desto würdiger war. Die verblichenen Pergamente und Papyre empfiengen unter seiner Hand ein neues Licht und Ansehen. Ihre Wahrheit und Giltigkeit würd durch unbetriegliche Merkzeichen bestimmet. Das Verzogene und Verirrte kam wieder zur Stelle. Die ungeheuern Lücken wuchsen zusammen. Die geringsten Ubcrblewsel erhielten ihren Preis und Rang. Alle Stücke, so gar auch die Gestümmelten, hiengen unzertrennlich an dem Ganzen. Moder, Nacht und Würmer waren verschwunden; die Todten lebten; die Stummen redten; Und an Statt des alten Lhaos herrschte durchgehends die heiterste und vollkommenste Ordnung. Wer auch nur einen Teil desselben noch gesehen, der hat Mühe, diese wundersame Schöpfung eines Archives zu begreiffen, vermittelst deren einem Nachfolger die Einrichtung so leicht und sicher gemacht worden , daß ein Solcher in Einer Stunde mehr finden, mehr vergleichen und eintragen kan, als vorhin viele Helfer mit einander in Monats- oder Jahresfrist , oder gar in ihrem ganzen Leben, nicht würden getahn haben. Damit ja der Wolselige diesen grossen Zweck desto gewisser erreichen möchte, so trug Er aus den Urschriften der mittlern Zeiten die dunkelsten Wörter und Redensarten zusammen, und begleitete solche mit ihren Bedeutungen und Erklärungen, dergleichen anderswo schwärlich anzutreffen, und ohne welche die meisten Basischen Urkunden noch Vielen würden unverständlich ge- K blie- r r_ Ge dächkni ßrede _ blieben seyn. Seme Stärke in der alten fränkischen, gotischen, keltischen, wendischen und angelsächsischen Sprache, benebst seiner tiefen Einsicht in alle, und son- derheitlich des deutschen Reiches, Geschichte und Rechte, samt seiner übrigen Vielwissenschast, mußte Ihn nohtwendig zu dergleichen Glossarien vor Andern geschickt machen. Derowegen auch die Durchleuchtigste Herrschaft selbtge von den Erben kaüfflich zu überne- men, und, als einen Schlüssel ihres geheimen Archives, aufzuheben befohlen. Bedenklich ist, daß das peinliche Halbkopfwehe, von welchem unser Drollinger bis in seinen Tod verfolget worden , um eben diese Zeit seinen Anfang genommen, da Er Sich in dem Schimmel und Staube der Altertümer Tag und Nacht wie vergrub , und seine teure Gesundheit darinnen erstickte. Was aber aus dieser Ihm so verderblichen Arbeitsamkeit beides der Durchleuchtigsten Herrschaft und seinem ganzen Vaterlande für ein Heil und Segen erwachsen , wäre leicht mit Hundert Exempeln zu bewähren, wenn Er solche nicht unter dem unverletzlichen Siegel einer heiligen Verschwiegenheit verborgen gehalten hätte, und die Klugheit nicht verböte, dasjenige, so man etwann davon in Erfahrung bringen können, und eigentlich in den Archiven und Staatscabineten verschlossen bleiben sollte, aller Welt gemein zu machen. So viel darf man gleichwol versichern, daß Er mit seiner unüberwindlichen Feder Lande und Leute erfocht _ auf Herrn Hofraht DrsMnyer. r§ fochten und beschützet; und daß Er der Erste gewesen/ der die Lehnsrechte und Herrlichkeiten des uralten Ba- den-Durlachischen Heldenhauses glücklich auögeheitert und unumstößlich befestigt, wenn es nicht nur kleine Vasallen, sondern auch die mächtigsten Reichöfürsten und gekrönte Haübter betroffen. Ein Beyspiel hiervon wird uns erlaubt seyn anzuführen. Höchstgedachtes Haus hatte die rechtmäßigste Ansprache auf die vornemsten und einträglichsten Aemter eines benachbarten Herzogtums, konnte aber aus Mangel urkundlicher Beweistümer so bald nicht zu einem gedeihlichen Endurteile gelangen; bis Drollinger kam, und durch Vergleichung gewisser alten Verträge und Vermächtnisse die Sache so unwiderleglich behaubtet, daß vermöge unterschiedener Reichöhofrähtlicher Aussprüche die streitigen Aemter schon wirklich sollten geraümet worden seyn, und, ob es gleich mit der Vollstreckung bis dahin angestanden, zu seiner Zeit geraümet werden müssen. Nicht wahr, Erlauchte und Hochgeschätzte Anwesende? Ihr werdet diesen Sieg unsers Drollingers mit mir so ansehen, als ob Er solche Länder gleichsam erst erworben, und den Durchleüchtigsten Trohnfolgern des grossen Karl Willhelms erblich vermacht hätte. Bey so vielen Ermüdungen mußte der Wolselige nohtwendig auch eine erquickliche Beschäfftigung suchen: Solche war mehrenteilö die Poesie. Anfänglich mochte Er wol mit den Hofmannswaldauen, Lohensteinen, und andern dergleichen Flittergeistem und unnatürlichen §2 Dich- rc» Gedächtnißrede __ Dichtem einige Zeit verloren haben, weil man dazumal wegen der schier allgemeinen Herrschaft des falschen Geschmackes nicht viel besseres Zeüg zu lesen fand. Seine poetische Genesung aber haben wir (*) einem seiner ältesten , hier gegenwärtigen, Freünde zu danken. Dieser beredte Ihn, des Herrn von Besser Schriften zu lesen. Solches taht unser Poet, und machte Sich dieselbigen, nebst den Kanitzischen Gedichten, in kurzem so bekannt und eigen, daß man beides in seiner freyen und gebundenen Schreibart von Tage zu Tage eine grössere Veränderung wahrnam, bis Er endlich seine Vorgänger sechsten in vielen Stücken übertroffen. Seine Jugend war ungleich fruchtbarer in Poesien, als die letzten Zwanzig Jahre seines Lebens. Dessen ungeachtet verwarf Er nachgehends alle Gedichte, die Er vor dieser Zeit verfertigt hatte; dasjenige nur ausgenommen, welches Er über den Bau von Karlsruh geschrieben, und nicht ohne merkliche Verbesserungen wollte an das Licht kommen lassen. Was für treffliche Meisterstücke Er uns von Zeit zu Zeit bis nahe vor seinem Ende geliefert, wäre überflüßig hier zu erzählen, weil solche zum Lobe des Schöpfers, wie auch zur Erbauung und Ehre der Deutschen, sonderlich aber zum Preise unserer Vaterstadt Basel nächstens in offenem Drucke erscheinen sollen. Ich sage bedächtlich, zum Preise unserer Vaterstadt. Denn diese kan Sich berühmen, daß Sie _ Ihn (*) 8- r. Herrn Nie. Bernoulli, der RechtSgelehrtbeit Pros. und crnennter Rector auf hiesiger Universität. _ auf Zerrn Hofraht Drollmgev. _sr Ihn groß gezogen, gelehret und aufgestellt habe; Diese, diese ist vorzüglich berechtiget, Ihn, als Ihr Schooßkind, Sich zuzueignen, und Ihren DwlliNgev zu nennen. Billig mag Er allso der erste Schweizer- Dichter heissen, welchen man nicht nur den übrigen Deütschen, sondern auch den Franzosen, Jtaliänern und Engelländern, wo nicht gar den Römern und Griechen, ohne Schamröhte entgegenhalten darf. Bern kan zwar ein gleiches von Hallev, Dessen würdigem Freünde, als unserm deütschen Pope, melden. Selbiger sang aber später, obschon Er der Welt durch frühern Druck bekanntworden. Unser Dichter hatte zwar vor, noch unterschiedliche poetische Arbeiten auszuführen, würd aber darinnen durch seine unendlichen Kopfschmerzen und Geschäffte, und letztlich durch seinen unversehenen Tod gestöret. Er war erstlich bedacht, noch mehrere Psalmen zu übersetzen , und suchte in dieser Abstcht bey jeder Gelegenheit, mit seinem auserwählten Freunde und Beichtvater, Herrn Pfarrer Beüter von Grenzach, allerhand critische Unterredungen darüber anzustellen. Nicht minder faßte Er vor etwann Drey Jahren den Entschluß, aus Anlasse seiner Selbstprüfungen, ein Gedichte über den Menschen zu verfertigen, ohne aber den berühmten Menschenergründer Pope zu seinem Muster zu wählen. Deßgleichen gab Er mir einige Zeit darauf noch starke Hoffnung zu einer Klagode über den Hintritt unsers wahren Gottsgelehrten, HMll Samuel L z We- Gedächtnißrede 22 Wermfelfm, weil Solcher eine Lücke beides in der Welt und in der Kirche gelassen. Vermuhtlich würde Er auch nicht ermangelt haben, die bereits von Ihm angefangene Verdeütschung des komischen Heldengedichtes (*) vom Ehorpulte zum Ende zu bringen. Seine Neigung zur Dichtkunst war so außerordentlich, daß Er nach und nach alle europäische Poeten, die sich vor Andern einen Namen erworben , in ihrer Mu- tersprache wollte verstehen lernen. Nur die Griechischen blieben Ihm noch zurücke. Um aber auch diese nachzuhohlen, lag Er mir zum öftern mit vieler Inständigkeit an, ich möchte Ihn, wenn uns die göttliche Fürsehung einmal in Basel beysammen wohnen liesse, mit selbigen bekannt machen. Ich meynte Ihn zwar von diesem Vorhaben abzubringen. Aber vergeblich. Er wollte mein Wort. Solches gab ich Ihm denn, mit dem Bedinge, daß ich hoffen dörfte, es würde Roms und Athens Bürger, und lebender Sprachschatz, Herr Anton Btvv/ mit welchem Er ohnedem viel umgienge, bey dergleichen Übungen unser dritter Mann seyn; als mit Dessen Raht und Hülfe man sich getrauen könnte, zu seiner Zeit auch die erhabensten Oden des Pindars, auf welchen eigentlich unser Augenmerk gerichtet war, den Deütschen in einer getreüen, obwol ungebundenen, Übersetzung mitzuteilen. Manchem hätte dieser Vorsatz unsers Drollingers verwegen geschienen. Wer aber weiß, mit was für einem hart- näcki- (*) I-e I-utrin cle Loilesu. _ auf Herrn Hofraht DvoMntker. _^ näckigen und stählernen Fleijse Er in alles eindrang) was Er Sich einmal zu lernen und zu ergründen um ternam, und mit was für einer erstaunlichen Leichtigkeit Er die schwärsten Sprachen, und insonderheit die Sprache der Poeten, auch ohne die geringste Anleitung begriff, der wird änderst von Ihm urteilen, und gestehen müssen, daß Er den hochschwebenden Pindar bald genug würde mit eigenen Flügeln erreicht, ja Sich Selbsten in solchem angetroffen haben. Eine edle Ersetzung fand Er ebenfalls in der Betrachtung der Naturschätze, und vornemlich der Kraü- ter und Blumen. Er untersuchte teils allein, teils mit Herm Professor StähellN, einem der erfahrensten Kraüterkündiger unserer Zeit, ihre Arten, ihre Teile, ihre Gebaüde , ihre Kräfte, ihre Schönheiten, ihre Entwickelung und Fortpflanzung, samt ihren übrigen Eigenschaften, so genau und so lang, daß Er nicht nur, was Andere davon schreiben, als ein sichtlicher Früge und Selbstforscher, entweder widerlegen, oder erweisen, sondern auch zuweilen die Lehrbegihrde seiner Freünde und Bekannten mit ganz neüen Entdeckungen aus dem Reiche der Blumen vergnügen konnte. Indem Er allso den Schöpfer allenthalben suchte, und allenthalben fand, teilte Er schon im Vorschmacke die Freüde mit jenen Geistern, die immer um die Gottheit schweben. „ In Erwartung der ewigen Glücksäligkeit ist uns „ allezeit erlaubt, (lauten seine eigene Worte,) uns eine „ solche unschuldige Freüde, wie die Blumenlust ist, zu „ verschaffen, um unsere Beschwärlichkeiten, mit denen „ „ wir 24 _ G edächtnißr ede „ wir in diesem Leben behaftet, einiger Massen dadurch „ zu versüffen. " Inzwischen pflegte Er auch einen guten Teil seiner Erquickstunden über auserlesenen Schildereyen zuzubringen, als welche Er gleich einem gelehrten Künstler zu beurteilen wußte. Zu einer so gründlichen Kämt- niß derselben gelangte Er nicht nur durch seine natürliche Empfindungs-und Verstandesfertigkeit, zu welcher noch eine vieljährige Begleichung und Erfahrung kam; sondern haubtsächlich auch durch die Lehren, welche Er aus den Untersuchungen und Gesprächen unsers vortrefflichen Mahlers und Kunstrichterö, Ht'MI Rahtsherr Johann Rudolf Hubers, sammelte, mit dessen Meisterstücken unsere Nachwelt prangen wird, und Dessen östern Umgang Er unter seine zeitlichen Glücksäligkeiten zählte. Aus Dankbarkeit schrieb Er zu Dessen unsterblichen Ehren eines seiner vollkommensten Gedichte, welches das Einzige in seiner Art ist, und eine rechte Schule der Mahler und Poeten heissen kan. Darneben verschaffte Er Sich einen nützlichen Zeitvertreib mit unzähligen alten und neuen Münzen, die in Ansehung ihrer Seltenheit, Erfindung und Schönheit , wie auch wegen der Vorstellungen berühmter Männer und Begebenheiten seine Aufmerksamkeit und Auswahl verdienten. In Eröffnung des Verstandes derselbigen war Er so glücklich, daß der wolselige Herr Jakob Christoph Will, das gröste Orakel in Alter- _ auf Herrn Hofvaht DwUmger. _2f Altertümern, so jemals aufgekommen, von Ihm urteilte , Er hätte einen eigenen Schlüssel zu den rätselhaftesten Bildern und Aufschriften. Auch in dieser Belustigung setzte Er Sich einen Haubtzweck vor, nämlich die Ordnung und Ergänzung des Fürstlichen Münzcabi- nets desto vollkommener machen zu können. Von den Münzen der mittlern und neüem Zeiten allein hatte Er eine so erstaunliche Mänge durchforschet, daß Erderen bey Fünftausend mit eigener Hand auf das netteste in Gyps abgedrucket; welche Sammlung erst neülich gegen eine Summe Geldes ermüdetem Aabinete einverleibt worden. Über dieser Arbeit kam Er auf die Gedanken, einen Unterricht V0N der Nutzbarkeit UNd Känntniß der neüem Münzen und Schaustücke zu verfertigen, welchen die Erben Eingangs gedachtem Herrn Pfarrer Buxtorsen übergeben, damit Er solchen zum Drucke befördern möchte. Mit Einem Worte: Seine täglich wachsende Liebe zu den schönen Künsten lidt keine Ausname mehr, sondern lehrte Ihn alle Meisterstücke, die Ihm nur vor die Augen kamen, mit der feinsten Beurteilung schätzen, sie mochten alsdann gestochen , geschnidten, gegraben, ge- schmelzet, gegossen, getrieben, oder von irgend einer andern Gattung seyn. Ein so allgemeiner, und dennoch ausbündiger, Geschmack brachte Ihm endlich einen solchen Ruhm zuwegen, daß manchmal Fürsten und andere Standespersonen, sonderlich aber Künstler, aus den entferntesten Ländern, nicht so wol die Ihm an- D ver- 26_ Gedächtnisrede _ vertrauten Seltenheiten in Augenschein zu nemen, als aber Ihn darüber zu sprechen, ihre Reise über Basel gerichtet, und sich auch einen ziemlichen Umweg deßhal- den nicht reüen lassen. Diese Nebenverrichtungen allein schienen schon einen ganzen Mann zu erfordern. Gleichwol trieb Er es darinnen auf das höchste, ohne Sich darüber zu verteilen , weil selbige entweder eine Verbindung mit seinem Berufte hatten, oder Ihm nohtwendig waren, seine vielmals erschöpften Kräfte wieder zu sammeln, und hernach desto erweckter an ernsthaftere Bemühungen zu wenden. Er hatte Sich oft mehrere Ruhe noch geben können, ohne dessentwegen den Namen des Eifrigen zu verlieren, unter welchem Ihn sein scharfsichtiger und selbst arbeitsamer Fürst vorlangst zu unterscheiden gewöhnet war. Als Solcher bey dem vorletzten Kriege seine Zuflucht hierher zu nemen nöhtig erachtet, leistete unser Droüinger unter Dessen Augen, und in ganz neüen Umstanden , ungemein strenge und wichtige Dienste, aber ohne Geraüsche, und ohne Sich viel zu zeigen. Man würd zwar seines Einflusses in alle Geschäffte, nicht aber seiner Mühe, gewahr. Wie man Ihn auch veränderte und versetzte, kam Er doch niemals aus seinem Elemente. Demnach erforderte die Ehre und das Beste der Durchleüchtigsten Herrschaft selbsten, daß einem so unentbehrlichen Manne, gleich übrigen Herren Räh- _ auf Herrn Hofraht DroMnger. 27 ten, Sitz und Stimme in der Regirung übertragen würde. Eigentlich konnte die Manigfaltigkeit und Be- schwärniß, wie auch der alltägliche Nutzen seiner Dien- ste weder unter Einem Lharacter begriffen , noch mit einer gewöhnlichen Bestallung vergolten werden. Er aber war nicht zu bereden, daß Er irgend eine höhere Glücks-und Ehrenstuffe in dieser Welt bestiegen hatte. Schon mit Anfange des i^ten Jahres stund es bey Ihm, die Stelle eines Lehnpropstes anzunemen, welche Er aber zu Gunsten eines Freundes großmüh- tig ausschlug. Es war auch vor Vier Jahren an dem, daß Ihm der Lharacter eines geheimen Hofrahtes sollte verliehen werden, welchen Er gleichfalls mit einer verwunderlichen Dehmuht ableenete, worbey jedoch der mildeste Landesvater nicht umhin konnte, Ihm seine Besoldung mit einer namhaften Besserung zu verstärken, und sonsten öftere Merkmahle eines ausnemenden Vertrauens zu geben; wie Ihn denn Höchstderselbe, so wol zur Ausfertigung seines letzten gnädigsten Willens, als auch zu andern geheimen Aufträgen, vorzüglich erwählte. Um gleiche Zeit kam allhier der prächtige und feste Bau zu Stande, in welchem künstigs die Badischen Archivschätze vor Kriegs- und Feuersflammen verwahret ligen. Wir müssen solches darum bemerken, weil unser Wolseliger der erste Angeber und Betreiber dieses heilsamen Rahtschlages gewesen, und Sich nicht vergnü- D2 get, sr_ Gedachtnißrede _ get, das neue Markgräfische Archiv gleichsam erschaffen zu haben, sondern auch durch seine Fürstcht dessen Erhaltung versichern wollen. (*) Mittlerweile hatte sich der Ruff von seinen Poesien,. dergleichen man von keinem Oberdeütschen bis dahin gesehen, immer weiters ausgebreitet. Unter andern würd seine Ode ZUM Lobe der Gottheit, die Er vergeblich noch eine Weile zurückhalten, und hernach erst völlig ausarbeiten wollte, ohne sein Vermuh- ten,der Deütschen Gesellschaft in Leipzig zugefertigt, welche Ihn so fort im i?ZZten Jahre mit sonderbaren Ehr- bezeügungen der Welt unter ihren Mitglidern darstellte, und Sich durch diese Wahl ein neues Ansehen samt andern merklichen Vorteilen versprach. Er bezeügte hierüber in seinen Briefen so wol an Dieselbige, als an mich, eine wahrhafte Freude, und lieferte nachgehends unterschiedliche Beyträge zu den Sammlungen ihrer eigenen und übersetzten Schriften; bey welcher Gelegenheit Er nicht nur, als ein grosser Poet, sondern auch, als ein gründlicher Natur- und Gottsgelehrter, von den Kennern bewundert, und in öffentlichen Schriften angeführet worden. (*) Der wolfelige Herr Hofraht zielet hierauf in dem Gedichte an sein Vaterland mit nachfolgenden Versen: Auch ich genieße nun der lang gewünschten Freude: was meiner Hut vertraut, beschirmt ein fest Gebäude, Das der verblichne Carl, auch in Gebäuden groß, Eh Ihm des Todes Nacht sein wachsam Auge schloß, Für Letzte noch befahl, vor künftigen Gefahren Der Schriften teuern Schatz gesichert Zu bewahren. auf Herrn Hofraht Drollingev. _29 Einen §haracter, welcher Ihn ehedeffen auch ohne den Titul unterschieden, sollen wir keineswegs allhier übergehen, nämlich den Lharacter eines getreuen Achtes und Bürgers unsers werten Basels. Ich beruffe mich auf das Zeügniß vieler Anwesenden, daß Er Ihnen in den gefährlichsten Rechtskriegen und Verwickelungen ohne Entgelt, mit der gewissenhaftesten Verschwiegenheit , und so nachdrücklich, als ganze juridische Facultäten, gedienet. Ja nicht nur unsere Bürger für sich sechsten, sondern auch verschiedene hohe Gerichte allhier, hielten Ihn für das Orakel Basels, wie Badens, und richteten Sich in Ihren Rechtösätzen und Aussprüchen sehr oft nach dem Rahte, dessen Sie Sich bey Ihm erhöhtet hatten. Seine recht helvetische Treü und Redlichkeit ließ es weder an Sorgen noch Bestrebungen erwinden, unserer Stadt alle nur erstnnliche Vorteile zu verschaffen, welche je derselben von Seite seines Hofes und seines Vaterlandes zufließen konnten. Ja, Er leistete hierin- nen so viel, als immer der Eifrigste unserer Mitbürger, und machte heimlich durch seine klugen Berichte und - patriotischen Vermittlungen vieles an seinem Hofe wieder gut, was Einige von hieraus dort mochten verderbt haben. Seine Liebe hieng so aufrichtig und beständig an unserer Vaterstadt, daß Er mir öfters mit vieler Bewegung gestund, Er schätzte Sich alle Tage glücklicher, aus der Ursache, weil Er weder Zeit noch Geld auf den D z Rei- zo _Gedächtnißrede___ Reisen verloren, indem Er sonsten des annemlichen nno lehrreichen Basels desto weniger genossen, und/ was Er zu Hause, das ist, hier erlernet, drausen versäumt haben würde. Daher faßte Er auch den unverrückten Entschluß, seine Gebeine nirgend, als allhier, zu lassen, und die ansehnlichsten Beförderungen auszuschla- gen, die Ihn etwann, seinen Sitz zu verändern, ge- nöhtigt hätten. Hingegen liebte Ihn auch Basel auf eine bisher ganz ungewöhnliche Weise. Schwärlich geht die Afterrede und Tadelsucht irgendwo mehr im Schwange, als allhier; und schwärlich wird sich auch der Unschuldigste unter uns berühmen können, daß er von selbiger immerfort verschohnet geblieben. Gleichwol hat unser Drol- linger, und vielleicht der einige Drollinger, diesen Ruhm mit Sich in das Grab genommen, daß Ihm nicht nur von seinen hiesigen Nebenbürgern die Acht- und Dreyßig Jahre hindurch, die Er unter ihnen zugebracht, nichts Ungleiches nachgeredt worden, sondern auch, daß Keiner derselben jemals Dessen Namen änderst, als mit sonderbarer Achtung und Verehrung, angezogen. Mehrenteils pflegt man in den freyen Städten, und allso auch hier, die Fremden mit stolzen oder scheelen Augen anzusehen. Ganz änderst ergieng es unserm Wolseligen. Kinder und Greisen, Reiche und Arme stunden vor Ihm auf. Jedermann wollte Ihn kennen, lesen, und hören; Jedermann konnte auch zu diesem Glücke gelangen, und seiner Zuneigung versichert seyn, der auf Herrn -Zofraht Drollmgev. _zr der nur Künste/ Tugend und unser Vaterland liebte. Kaum hatte ein solcher Dessen edles Herz geprüfet / so fand er Ihm aus helvetischer Eigenliebe/ auch würdig, ein Miteidsgenoß und ein nicht geringer Teil Basels zu seyn. Dessen Ehre war allso unsere eigene und unsers Vaterlandes Ehre. Man erfreüte sich immer, grössere Verdienste an Ihm zu entdecken, gleich als wäre man sechsten dadurch um so viel reicher worden. Man lobte und liebte den Aharacter seines Gemähtes, als ein Beyspiel unsers Volkes. Seine Freünde gewannen durch seinen Umgang einen neüen Glanz und Wert. Einen Jeden setzte Er in seinen Vorteil. Was man immer schönes wußte und konnte, das wußte man bey Niemand schöner, und brachte es bey Niemand teürer an, als bey Ihm. Gelehrte und Ungelehrte genossen Seiner, und wurden von Ihm zu Richtern seiner geistreichen Werke angenommen. Sie Alle beriefen sich hinwieder so emmühtiglich auf seine Urteile, als waren sie durch eine Pflicht oder Abrede dazu verbunden gewesen. So bald es von Jemand hieß, er stünde mit Selbigem in Verbindung, so würd er gleich in das Buch der Redlichen eingetragen; so sah man ihn für einen Günstling der Musen an; so erzählte und glaubte man von ihm Hundert rühmliche Dinge, an die man ohne Drollinger nicht gedacht hätte. Wer hingegen in seinen Neigungen, in seiner Wahl, in seinem Betragen, in seiner Art zu denken, keine Aehn- lichkeit mit Ihm zeigte, den hielt man richtig für einen Mann ohne Brauch, ohne Welt, ohne Geschmack. So _ Gedächtnißrede So gar auch bey unserm Frauenzimmer begonnte man seit den Drollingerischen Zeiten eine neue Lehrbegihrde, einen neüen und bessern Geschmack wahrzunemen. Vorhin mußte sich daffelbige bald scheuen, belesen zu seyn, und eine Erkänntniß von bündigen Schriften zu haben. So bald aber einige Gedichte von unserm Poeten zum Vorscheine kamen, machte sich ein Geschlechte, wie das Andere, ein auserordentliches Vergnügen , und gleichsam ein Verdienst, daraus, selbige mit eigener Hand abzuschreiben, dem Gedächtniß und Gemühte einzuprägen , und bey Gelegenheit schickliche Stellen daraus anzubringen. Wie groß, wie gesegnet war denn der Wucher, mit welchem der Wolselige unserm Vaterlande alles wieder vergolten, was Er jemalen angenemes und schätzbares von Solchem empfangen ! Und wem hätte Basel wol seine Huld würdiger zuwenden können, als Ihm, welcher vermittelst der reizenden Exempel und Übungen seiner Vielgelehrsamkeit das Reich der Künste und Wissenschaften unter uns erweitert; welcher so manche ersprießliche Veränderungen in allen Ständen allhier gewirket, und seinen unver- rückten Eifer für die Wolfahrt und Herrlichkeit unsers Staates, ohne Pflicht und Eide, ohne Eigennützen, und aus freyer Neigung, zur Beschämung vieler Einheimischen, bewähret! Die zärtliche, die allgemeine Gegenliebe Basels für den seligsten Drollinger aüserte sich durch die beweglichsten Ausbrüche an dem Tage seines Todes. Dieser äuf Hervn ^ofraht Drollingek. 8 z ser Schreckenötag erschien den ersten Brachmonats des letztverwichenen Jahres/ da Ihn des Morgens/ zwischen Neun und Zehn Uhren hiesiges Zeigers / ein Steckfluß, oder/ wie Einige glauben/ ein Geschwärgen, welches in seinem Haubte geborsten/ plötzlich des Lebens beraubte , nachdem Er ein so schnelles Ende von geraumer Zeit her vorgespüret, und alltäglich vermuhtet hatte. So bald erfuhr kein Bürger diese betrübte Zeitung/ daß er solche nicht in der Bestürzung Allen / die ihm vorkamen/ und diese sie hinwiederum ihren Nachbarschaften kund machten. Allso flog das eilige Gerüchte von Hause zu Hause / von Strasse zu Strasse, daß von selbigem / und zugleich von Leide und Klagen, inner wenigen Stunden die ganze Stadt erfüllet war. Dergleichen Exempel, wenn wir solche Fürsten und gekrönte Haübter nur ausnemen, deren Stand und Fall uns sehr nahe gehen muß, versichert in Basel noch von keinem Fremden jemals erhöret worden. Bewundert mit mir. Hohe und Nidrige, das ruhmvolle Leben unsers teüersten Drollingers, darinnen so viele herrliche Stellen, und gleichwol keine prahlende, keine heftige Wechsel vorkommen. Darinnen alles leüchtet, nichts aber spielet, noch blendet; darinnen wir alles edel und groß, und lauter ursprüngliches, finden ! Bewundert an Ihm ein Urbild, welches stch kräftig erhebet, ohne daß es mit tiefen Schatten verstärkt, oder durch ein geborgtes Kunst-und Glückslicht verhöbet werde! Wie Z4 _ Gedächtnißrede __ Wie seine Schreibart, so war auch sein Leben, sanft, rein, heiter, gleichflüßig, natürlich, von kurzen und netten Sätzen, wolgeschlossen, lieblich, und reicher an Sinn, als Worten. In beiden unterschied Er Sich durch die lauterste und dehmühtigste Ehrfurcht für das allerhöchste Wesen, welches Er auch in seinem gemeinsten Gespräche niemals ohne sichtbare Herzensbewegung zu nennen pflegte. Er las überhaubt wol, am besten aber zum Lobe der Gottheit: Sein Tohn gab einer jeden Sylbe Kraft und Leben; seine lichten Blicke waren so viele Winke zu dem Schöpfer; seine Salbung, seine Wallungen wurden unser; und der Geist des HErrn, der Ihm aus Mund und Augen redte, gerieht auf Alle, die Ihn hörten. Trockene und abgezogene Wahrheiten trug Er leicht und angenem,und dennoch aus das bündigste, vor. Kanaans und seines Herzens Sprache verstellte Er keines Wegs mit der Sprache der Schüler; und Secten. Irr allem seinem Reden, Schreiben und Tuhn vermied Er sorgfältig , was Ihm etwann einigen Zank oder Verdacht hätte zuziehen können. Vielmehr befliß Er Sich einer tähtigen und erwecklichen Sittenlehre, und der Gabe der Erbauung. In den Urteilen über Worte, Meynungen und Streitfragen, die das Wesen des Glaubens nicht berührten, war Er friedlich, enthaltsam, und von Vorurteilen unbefangen; in Ausübung heiliger Pflichten so wol, als in seinem ganzen übrigen Wandel, unfähig einiger Heücheley und leerer Gebährden- spiele; in den Selbstprüfungen tief und erleüchtet; und in den Andachten ämsig und brünstig. Die auf Zerrn Hoftaht DroM nger._zs Die Rechtschaffenheit seiner Liebe zu GOtt bewies Er vollkommen durch seine ungeschminkte und diensteifrige Liebe für den Nebenmenschen. Solche war der apostolischen Zeiten würdig, und erklärte sich durch so über- zeügende und so haüffige Merkmahle, als nur immer nach den Umstanden geschehen mochte. Welche unsers Drollingers bedurften, die konnten seiner voreilenden Aufname, seines aufmerksamen Mitleidens, seiner verschwiegenen Treü, ja eines mehreren, als Er zu versprechen gewöhnet war, versichert seyn. Er sprang ihnen bey nicht nur mit Troste, mit Nahte, mit Fürsprache, und mit Schriften, sondern auch mit bahrer und kräftiger Hülfe, wie Er denn zu dergleichen Liebtähtigkeiten immerfort ein Gewisses von seinen Einkünften zu heiligen pflegte; ohne dargegen eine andere Vergeltung zu suchen, als das unschätzbare Vergnügen, daß Er seinem Nächsten nützlich gewesen. Wie glücksälig waren denn diejenigen, welchen Er insonderheit sein Herze gegeben hatte ! Solcher Freün- de suchte und fand Er nicht viele, weil Er in Erwäh- lung derselben sehr bedächtlich und langsam verfuhr, und eine geheime Ordnung unter ihnen hielt. Einige mochte Er wol um Sich leiden; Andere schätzte Er wegen irgend einer Kunst oder Wissenschaft, oder wegen ihrer sonderbaren Treü an seinem Fürsten. Noch Andere, aber sehr Wenige, hatten die Ehre seiner Vertraulichkeit und auönemenden Liebe. Von diesen wich Er nimmermehr; von dielen war Er durch keine Veränderungen des Glückes und der Zeiten, durch keine Nachrede, durch keine E 2 Ent- zs_ Gedächtnißrede __ Entfernung jemals zu trennen. Die Aeltesten dieser Geheimfreunde, mit denen Er Sich / wegen allseitiger Übereinstimmung des Geistes und Gemähtes / seit den ersten Jahren seines hiesigen Aufenthaltes verbunden, warm ein (i) Schaub, (2) Raillard, (;) Khrist, und (4) Bmwulli. MchgchmdS kamen noch hinzu ein (s) Mangold,(6)Burkard,(7)Huber, (8) StälMn, und (y) zween Buxtorfcn. Zu diesen grossen und teüern Namen setze ich billig einen stillen (io) Beüter / und endlich auch mich, als im fernen Verschaffe. Schließlich fassen wir die seltenen Eigenschaften und Vorzüge des Wolseligen ins Kurze: Wie Ihm von mehr als Einem Lande, von den unverwerflichsten Kennern und Durchleüchtigsten Zeügen nachgewiesen wird, war Er ein Ausbund deutscher Redlichkeit; ein allgemeines Muster evangelischer Tugenden; ein Lhrist mit Auswahl; ein Gottögelehrter ohne Eigensinn, ohne Schul- (l) 8 .1. Herr Lucas Schaub, Ritter, welcher Sich an dem Britannischen und allen europäischen Höfen, als Einer der feinsten Staatsmänner unserer Zeit, berühmt gemacht, und wegen seiner wichtigen dem Vaterlande geleisteten Dienste zum ersten RaWglide allhier ernennet worden. (r) 8 . "I. Herr Jeremias Raillard, ältester Scholarche und Pfleger der Kirchen und Schulen allhier zu Basel. (;) 8.1. Herr Franz Christ, Stadtcanzler und Scholarche allhier. ( 4 ) 8 .1. Dessen oben am roten Bl. Meldung geschehen. (;) 8 . 1 . Herr Petrus Mangold, dcs H. R. R. Hofpfalzgraf, und Hochfürstlich-Ba- den-Durlachischer Hofraht. ( 6 ) 8 .1. Herr Johann Rudolf Burkard, Geheimer Naht unsers Standes. ( 7 ) Basels Apelles, dessen oben am rgten Bl. gedacht worden. ( 8 ) 8 .1. Herr Benedict Stähelin, der Arzneykunst Doctor und der Naturlehre Professor allhier. (-) 8 .1. Herr Johann Buxtorf, der Arzneykunst Doctor und allhicsigcr Stadtarzt; , Und Herr Pfarrer Buxtorf, welchen man bereits am -reu und asten Bl. angeführet. _auf Herm Hofraht DrolliiMr._zy Schulwitz, ohne Galle; ein gründlicher und heilsamer Rechts-und Staatsgelehrter; einselbsterfahrner, ächter Weyser; ein nützliches Haubtglid menschlicher Gesellschaft; ein Inbegriff vieler unentbehrlichen Diener seines Herrn; ein Arbeiter/ dessen Stetigkeit der augenscheinliche Tod nicht unterbrach; der Raht seines ganzen Vaterlandes; die Ehre Germaniens; ein eidsgenoßischer Eiferer für das Heil unsers Freystaates; ein feüriger und unwandelbarer Freünd; ein Verehrer würdiger Geistlichen; der Armen und Verlassenen Pflegvater und Vertreter; der schönsten und seltensten Künste Richterund Beförderer; ein unerschöpster Geschichtökündiger; ein wandelndes §abinet und Archiv der auserlesensten Altertümer ; ein Kenner und Meister der vornemsten Wissenschaften und lebenden Sprachen; ein geheimer Jünger der Musen und der Natur; ein mächtiger Redner/ zierlicher Schriftsteller, und göttlicher Dichter; ein nie vergnügter Besserer seiner selbst und seiner Arbeiten ; dankbar gegen vernünftige Tadler; ehrliebend ohne Einbildung, ohne Geiz und ohne Neid; und nicht fühlloö für ein gerechtes Lob von Verständigen; so still, vorsichtig und klug im Unternemen, als ausharrend und glücklich in Bewirkung seiner Entschlüsse; gegen die Grossen gefällig und ehrerbietig, aber weder kriechend, noch ni- derträchtig; gegen Seines Gleichen höflich, gesellig und verbindlich; gegen die Geringern und Untergebenen leüt- sälig, zutähtig und gesprächsam; bey seinen Bekannten offenes und heiteres Gemüthes, unterhaltsam, von lebhaften Einfällen und gewürztem Scherze; Sich immerdar E z gleich; z8_ Gedächtnißrede _ gleich; immerdar vortreffend, auch in Herunterlassung Seiner Selbsten. In allen seinen Einrichtungen und Geschafften, ja in seinem gewöhnlichsten Reden und Cuhn, herrschte ein Geist der Ordnung/ der Deütlich- keit und der Zierde; Seine reinen und edlen Sitten machten auch Gereisete glauben/ Er hätte/ zu Erlernung des Weltbraucheö und aller Anständigkeiten, Europens bestgesittete Völker und strengste Höfe besuchet. Er glich dem Golde, welches die gütige Natur ohne Schlacken zeüget; und leuchtete mit eigenem Glänze, wie eine Sonne / die, ohne von der Stelle zu weichen, alles um sich her bestrahlet und belebet, und von welcher die Wandelsterne ihren Schein borgen müssen. O wie viel denn hat Baden, 6 wie viel hat Basel, 6 wie viel habe ich ins besondere an Ihm verloren ! Ich, der ich Ihm das meiste Leid, den meisten Dank, den meisten Nachruhm schuldig bin l Ich ruffe die Poefle zu Hülfe, meinen Verlust und mein Herze noch einiger Massen auszudrücken: auf Herrn Hofraht Drollinger. zs ABlMT^S-!SöMSr!Sr!SLSkSgS8Sr;SSSSWS°Tk)»» !de. »r * !U, welche Davids Trauettöhne Beym Falle Jonatanö gestimmt; Von welcher ich oft Trost entlehne. Wenn Aug und Herz in Trähnen schwimmt O treüe Dichtkunst, laß dich wieder Zu meiner Wehmuht jetzt hernider! Du selbst ja leidest mit mir Noht. Dein Opitz in der Sueven Lande, Dein Asaph an des Rheines Strande, Drollinger, unser Ruhm, ist todt! * * * Mein Ziel war allbereits erschienen, Aus Harans langem Dienst zu fliehn, Und dir im Schooß der Raüracinen Auch deütsche Jünger zu erziehn. Ach aber! da ich Ihn verloren, Ist auch die Stadt, die mich gebohren. Mir Waisen kaum mehr unverwandt. Mit Ihm war Basel annoch meine: Jetzt stirbt mir nicht ein Freünd alleine; Mir stirbt mein halbes Vaterland. Zu 42 Gedächtnißode Zu früh muß ich den Lehrer missen, Der deine Harfe göttlich schlug! Zu früh wird mir der Schwan entrissen, Der mich auf seinen Schwingen trug! Nun ist mir Glut und Muht entsunken; Nun lodern meine letzten Funken Mit seinem Geiste Himmelwerts. Umsonst willt du mich noch erheben! Ich bleib an seiner Asche kleben; , Und dicht ich noch, so tuhtö der Schmerz. O welche Schrecken, welche Plagen Erschüttern täglich meine Ruh! O welche Blitz und Fluten schlagen Allein auf mich Betaübten zu! So daß, von Jugend an, mein Leben, Von schwüler Angst und Noht umgeben, Als wie zu Nacht der Himmel, siht, Wenn solcher von der Strahlen Mänge Bey allgemeiner Wetter Strenge, Wie nur von Einem Feüer, glüht. Ein auf Herrn Hofraht DroULnger. 4r * * * Ein Jedes von so manchen Leiden War schon genug für meinen Tod; Und dennoch schien er mich zu meiden. Wie nah er auch mich oft bedroht. Da rieht ich traümend hin und wieder, Woher mir noch in Geist und Glider Ein neüeö Licht und Leben kam. Jetzt, leider! bey Dwllitlgevs Grabe, Jetzt, da ich keine Zuflucht habe, Empfind ich, wo ich Kräfte nam. So bald ein Prast mich heimlich drückte, Vertraut ich ihn nur seinem Schooß; Wenn sonst kein Treuer mich erquickte, So würd ich da des Grames los. Dann floß nicht nur aus Kiel und Munde, Dann quoll aus tiefstem Herzensgründe Sein Beyleid und sein Trost für mich. War meiner Seelen Schmerz am größten, So taht Er mehr, als nur mich trösten: Er trähnte, lidt, und schwieg, wie ich. 8 Kaum 4 » Gedachtmßode * * * Kaum half Er mir aus Staub und Leide Mit kluger Huld und Sorg empor, So brach auch seines Herzens Freüde Aus Blick-und Worten schon hervor; So lebten seine Saiten wieder, Und ruhten nicht, bis seine Lieder Mit neuem Feuer mich entsteckt, Dergleichen ich wol nie empfunden, Als seit den ewig-werten Stunden, Da seine Liebe mich erweckt. Durch meine Sehnsucht nur getrieben, Vertrug Er seiner Muse Spiel, Und sang, alleine mich zu üben, Ihr Erstes, das Ihm wolgefiel. So schöne stimmen nicht zusammen, Die gar aus Einem Herzen stammen, Als vormals sein und mein Gemüht. Wie stolz war meine Lust zuweilen, Wenn uns auch in gebundnen Zeilen Kein Reim, noch Ausdruck unterschied. aufHerrn Hoftaht DrsNinger. 4; Was (i) Flacms von der Freündschast zeüget, Die den Virgil und Variuö, Wenn schon ihr Heldenlied auch schweiget, Allein unsterblich machen muß: Was (2) Pope, der nur Wahrheit dichtet, Und Kunst und Tugend strenge richtet, Von Walschen, seinem Führer, preist: Ja mehrerö ließ in Zwanzig Jahren DwllMgers Liebe mich erfahren, Der jetzt noch ewig meine heißt. O Du, den ich nie gnug beweine ; Du Wunder einer göldnen Zeit l Du Erzfeind von geborgtem Scheine, Und Urbild achter Redlichkeit! Dich hat nicht nur Dein Geist erhaben: Dein Herz erwarb durch eigne Gaben Ein Lob, das auch vor GOtt besteht. Du warst, was David einst gewesen, Und was wir sonst kaum einzeln lesen, Ein Freünd so groß, als ein Poet. F 2 __ Du ( 1 ) -Vkirius - Virgiliusque Occurrunt, rmimse neyus crm6idiores lerrs culit, neciue yueis ms 6c UevmAior (2) In dessen critischem Versuche vvm 7)6. Verse bis zum 74;trn. 44 Gedächtnißöde Du hattest alle Treü und Tugend, Ein Beyspiel unsers Volks zu seyn; Drum namDich schon in Deiner Jugend Helvetie, wie eigen, ein: Dich, dem die Wolfahrt ihrer Kinder, Dem Basels Ruhm und Heil nicht minder, Als Badens selbst, zu Herzen gieng; Und den sie, gleich den Eidsgenossen, In die ihr reinstes Blut geflossen, Mit müterlicher Huld umfieng. Wenn mancher Bürger ihrer Staaten An Fremden kein Verdienst verträgt; Und das nur, so bey uns gerahten, Zu schätzen und zu krönen pflegt: So wollt er doch, zu seinen Ehren, Dir gleich, als Landömann, angehören, So bald er Deinen Wert ersehn, Und läßt die Klage nun erschallen: Der schwäre Riß, da Du gefallen, Sey unserm Vatterland geschehn. Du auf Herm Hoftaht Drollingev. 4^ * 4« »c Du leüchtetest mit sanfter Wonne In aller Augen und Gemüht; Und stachest nicht, als wie die Sonne, Wenn sie der Erden Dünste zieht: Man sah den Grossen, mieden Kleinen, Bey Dir in seinem Vorteil scheinen, Den ihm Dein holder Umgang lieh. Du wußtest Niemand zu beneiden; Und brauchtest, Dich zu unterscheiden, Der Neider und der Schmeichler nie. Ein Andrer mag dergleichen Schatten, Der Riesen oft aus Zwergen macht, Mit nidrigen Verdiensten gatten, An die man sonsten kaum gedacht. Du fielst in Deinem wahren Lichte Uns nur vollkommner ins Gesichte, Und machtest Dich vergeblich klein. Du hattest Würden ausgeschlagen, Nach welchen Viele dürftig jagen; Und bliebest groß durch Dich allein. F Z So 4 § Gedächtnißode * * * So reich und stark sich auch hiernidm Dein Geist in allen Proben wies, War er doch nie mit sich zufrieden. Bis GOtt ihn selbsten ruhen hieß. Du Inbegriff von Wissenschaften, Die schwärlich sonst beysammenhaften, Und einzeln unerschöpflich seyn: Du drangst in aller Weysen Sätze, In der Natur und Gnaden Schatze, In Zeit und Ewigkeiten ein. Du laütertest die Heilgen Rechte Vom Tand und Wust der Barbarey, Und schuffst die zweifelsvollen Nächte Der Altertümer licht und neü, Du kanntest gründlich alle Reiche, Der Kirchen und der Völker Braüche, Und der Geschichte hohes Meer; Und höhltest, was im Leben nützte, Und Badens Trohn und Vorrecht schützte, Aus ihren Quellen glücklich hek Wie Gedächtnißode 47 * * * Wie spieltest Du nicht mit den Sprachen, Du mehr als doppler Geryon! Die Deinem Wunsche heüt gebrachen, Die übtest Du des Morgens schon. Was hier und dar mit ewgen Zungen Europens Musen je gesungen, Das prüftest und empfandest Du; Und hörtest mit so feinen Ohren, Als wärest Du, wo sie gebohren, Und, als ein Richter, ihnen zu. * * « Wie durch den Einfluß Deiner Liebe Der Künste Reich und Heil geblüht, So schienen auch für Dich die Triebe Der dankbaren Natur bemüht. Sie wollte für die Schwestern lohnen, Und führte Dich durch alle Zonen Bis in ihr inners Heiligtum. Da zogest Du aus neüen Spuren, Die andre Jünger kaum erfuhren, Des Allerzeügerö Wunderruhm. Du 48 Gedächtnißode Du schwungest Dich der höchsten Sphäre Mit Deines Geistes Flügeln vor; Und drangst durch jene Feüermeere Zur unerschaffnen Sonn empor. Wie die dem Schöpfer nächsten Geister, So machtest Du Dich nicht nur Meister Vom kleinen Punkt der rudern Welt. Du' hieltst den Himmeln selbst Gerichte Mit Neüton, der das Gleichgewichte Der Sternenreiche hergestellt. Doch eitel ungeheüerö Missen War Deiner Seelen viel zu klein; Drum war Dein Geist und Herz beflissen, In GOtt und sich gelehrt zu seyn. Wenn Andre sich in Sterne wagen, Und nach unzählbarn Welten fragen, Sich aber selbst vergeßlich fliehn, So wolltest Du Dich erst erfinden, Und Deines Wesens Zweck ergründen, Weil sonst Dir alles übrig schien. Dir auf Herm Hofratzt Drollmger. 49 * » » ^ Dir wurden auch des Heilands Werke So herrlich in dem innern Grund, Als je die Weysheit, Huld und Stärke Des Schöpfers in dem Aüsern, kund; Und meyutest Du es zu verschweigen, So lasens gleichwol Tausend Zeügen Aus Deinem Wandel offenbar, In welchem nichts nach Schul und Secte, Nach Kunst und Eigendünkel schmeckte, Und alles evangelisch war. » * Dein Christentum war eine Quelle, Die ohne Brausen sich ergoß; Die immer sanfte , gleich und helle, Und zu des Nächsten Segen floß. Man sah ein allgemein Vertrauen Auf Deine Treü und Klugheit bauen: Nun darben solche Kirch und Staat. Nun darben die verwaisten Armen Dein mildes Opfer und Erbarmen, Und schmachten ohne Deinen Naht. G Du Gedächtnißsde 50 Du fandest und erfülltest Pflichten, Die sonst ein Sterbender nur fühlt; Und darauf gieng Dein stetes Dichten, Was je ein Lob von GOtt erhielt. Um stündlich vor ihm zu erscheinen, So triebst Du allzeit hier im Kleinen, Was Du ins Grosse dort gebracht, Und was Dir in den Ewigkeiten Die englischen Vollkommenheiten, Und GOtt und Himmel eigen macht. O schau, mit welchen Freüdenblicken Dir seine Schaar entgegensiht! O eile, sie auch zu entzücken! Sie hofft, sie fordert schon Dein Lied. Sie schwinget sich mit regem Flammen Vertraulich rings um Dich zusammen. Du stimmst; und alles horcht in Ruh. Wol mir! Wo bin ich hin gestiegen? Ich selbst ja fühl auch ihr Vergnügen, Und höre Dir noch immer zu. * * * n « « Unsterb- Beschluß. s. KPNsterblicher Drollmger, gedenke Deines Jüngers, Uh wie du tuhst, auch Lm Schoosse der Seligkeiten! Gedenke noch, Vater, Deines Waisen, weil uns doch unsere Leidenschaften überleben! Dein unverleschliches Bildniß, Dein verewigter Name, Deine holde Stimme soll hingegen auch meinem Gedächtniß, meinem Ge- mühte, meinen Augen immerdar gegenwärtig, immerdar in meinen Ohren kräftig seyn, so lang ich werde denken und sehen, so lang ich werde hören können. Wenn ich mich aus der Asche dermaleinst erhebe, soll auch die Sehnsucht nach Deiner Gemeinschaft mit mir erwachen. Wenn ich mit diesen meinen Augen den Erlöser in seiner Majestät erblicket, will ich Dich vor seinem Trohne unter den Heeren seiner Engel unterscheiden und unzertrennlich umfangen. Habe Dank inzwischen, habe ewig Dank für Deine Lehre und Liebe! Lebe wol, mein Drollmger! Lebe ewig wol! Du aber, 6 erbarmungsvoller GOtt! sammle meine Trähnen, die noch immer für den unwiederbringlichen Drollmger fliesten ! Zähle meine Seüfzer, die ich Ihm in die Ewigkeit nachsende, bis mich eine neüe Erquickung von dir beruhige und erwecke, oder bis mich die selige Stunde meiner Auflösung mit Ihm wieder vereinige. Richte auf mit deiner kräftigsten Gnade die schmerzlich gebeugten Anverwandten! Geuß aus in Ihre blutenden Herzen den mildesten Balsam deines heilsamen und unerschöpflichen Trostes! Es ruhe sein Geist und Segen auf mir, auf seinen Hinter- G 2 laste- Beschluß. §r__, lassmm, und Ihren Nachkommen, auf seinem ehemals geliebten Basel, auf seinem teüerwerten Baden, auf dem Durchleüchtigsten Hause, und auf allen Dienern der Beherrscher desselbigen, bis an das Ende der Tage, zu Ihrer Aller zeitlichem und ewigem Heil, und zur Verherrlichung deines allerheiligsten Namens! Amen. Tram- "4Z (;;)?>' Umuer- und Kobgedichte auf den sel. Herrn TEM. WNJch hat es jüngst gedeücht, es sey mein Geist ent- AM bunden, Und einsmals in den Ort der Seligen entzückt; Da habe Sich bey mir mein werter Freünd gefunden, Den uns der schnelle Tod vor kurzer Zeit entrückt: So bald Er mich ersehn, sey Er auf mich gegangen, Und habe ganz erfreüt zu mir so angefangen: Wie? Bist du denn auch los von deines Leibes Banden, Und kömmst du zu mir her in deine wahre Ruh? Ist deine Müh zu End? Ist deine Lust vorhanden? So koste sie mit mir, und hör mir willig zu l Wol! sprach ich; Müßt ich nur nicht wieder zu der Erden, Und noch mit meinem Leib allda vereinigt werden! Ist dies, versezt Er drauf, so denke wol der Lehren, Die wir oft unter uns zu unserm Trost bedacht! Es bleibt der Satz doch fest, will man ihn schon verkehren: Der einzig ist beglückt, so GOttes Willen acht. Der Seel unsterblich Feür muß ewig sich entzünden, Und immer mehr und mehr der Wahrheit Ursprung finden. G z Hier 54 Trauer- und Lobgedichte. Hier fühl ich eine Lust , ließ Er Sich Wetters hören, Von deren ich kein End und nur das Wachstum seh; Nichts kan hier die Begihr, nichts meinen Fortgang stören; Hier weiß ich nichts von Müh; hier quälet mich kein Weh. Je mehr ich denn begreiff, je mehr auch wachst mein Lieben, Mich darinn gegen GOtt in Ewigkeit zu üben. Ich dorfte meinem Blick auf Erden niemals trauen, Und sah der Gottheit Glanz durch weite Nebel an. Nun ist es mir vergönnt, ins volle Licht zu schauen, Worbey ich ungeblendt mich nur erquicken kan. Doch sterblich muß der Mensch hierzu sich vorbereiten, Und wider alle Macht der Finsternisse streiten. Nachdem Er dies geredt, verlor ich sein Gesichte, Und war, ach leider! noch auf Erden, wie vorher. Doch halt ich seinen Spruch durchaus für kein Gedichte, Und wünsch: O daß ich nur sein treüer Jünger wär! O wol mir! folg ich Ihm im Leben und im Sterben; So werd ich ganz gewiß nebst Ihm das Heil erwerben. Zum Andenken seines weiland vertrauten Freundes , Herrn C. F. Drollingers, und zur eigenen Aufmunterung setzt'es bey Franz Mist, Stadtschreiber zu Basel. Trauer und Lobgedichte. s s - peten 8 I)K0i.i.M6Mi inen 8 em 6 ea creäit breve tenipU 86 unio corpori 8 exu- VM8. In coelo per^it) 6 cm conüieverat LMe, 8 ublirni canm concelebrare Oeurn. Grabschrift. ^ ^^Jer ist DwlliNgevs Leib für kurz ins Grab geleget, Indem sich Gottes voll sein Geist gen Himmel schwingt/ Und droben ewiglich, wie Er vorhin gepsteget, Ein Lied im höhern Tohn zu GOtteö Ehren singt. In memorlam Lmici votsrir mosrens p. ^ico 1 au 8 Kernoulli, z. II. O. Loä. L ^uris. m ^csci. Lsül. krcrt^ M- Trauer- und Lobgedichte. s 6 III. ueterni ÜML exl^ibimru8 amori8, ^ ()uo prosec^ueretur, alt: 8cril)ite Pieriäe8 in ckari Vlurrnore VuU8: LONDI^ 8M1 18^0 VI8LM^ 1 ^ 08 ^^ I.OLO. Grabschrift. MkPollo wollte jüngst der Liebe Merkmahl geben, Die er unausgesetzt DwllitlgMI zugewandt. Ihr Musen, sprach er, helft ein Grabmahl hier erheben, Und macht e was Solcher war, der letzten Welt bekannt! Des werten Dichters Ruhm, und mein und eüer Schmerz Erscheine durch die Schrift: HIER LIGET UNSER HERZ. Uemoriae Viri ürmmi x. ^uAnKu8 soI^rme8 8uxtor6u8, Lasil. I.. N. Lccl. LIi5ab. ksüor, 8oc. 6erm. Lern. Nembruin. IV. Trauen und Lobgedichte. s7 IV. * * * M^Ein Freünd! Dein David kömmt / sein Schicksal IM zu beklagen. Mein Jonatan ist todt! O Schlag/ der mich betaübt! Ich soll den Namen selbst ins Buch der Todten tragen. Den doch die Ewigkeit in ihre Bücher schreibt. * * * O müßt ich jetzund Dir ein würdig Lied zu singen! Der treüen Freündschaft Band erfordert diese Pflicht. Jedoch der Schmerze will des Geistes Kraft bezwingen. Ich weiß nicht, wie mir ist. Leb, oder leb ich nicht? * * * Doch fliesten Worte nicht, so fliesten milde Trähnen: Wer seinen Freünd beweint, der hat Ihn gnug geehrt. So strömt, ihr Zähren, denn, und zeügt von meinem Sehnen! Der grosse DrollitWV ist dieses Opfers wert. * * * Bey aller Kummerlast, bey allen Herzenöwunden Hat sonst Dein holder Mund mit Troste mich erquickt. O angenemste Zeit, die mir bey Dir verschwunden! Weh Deinem Freünde nun, der sie nicht mehr erblickt! H Wir <8 Trauer-und Lobgedichte. Wir unterredten uns von unsers GOttes Wesen. Wie mancher dunkle Spruch würd besser aufgedeckt! Wir wollten dessen seyn, der uns sich auserlesen, Und schwuren vor ihm ab, was die Gewissen fleckt. Des grossen Schöpfers Ehr würd dann von Dir besungen In manchem schönen Lied, das aus der Seelen floß; Dergleichen nie so rein im Vaterland erklungen, Und das so manche Lehr, als Zeilen, in sich schloß. Du hast des Höchsten Lob Dir hier stets auserkohren, Und stimmst nun in den Khor der Engel dorten ein. Das Unvollkommne nur hast Du anjetzt verloren; Für mich ist der Verlust, und kan nicht grösser seyn. Doch wird des Todes Raub der Himmel wieder schencken; Indessen ruht der Leib, bis jener Tag entspringt. Du aber bleibst bey mir in stetem Angedenken, Bis daß des Höchsten Wink auch mich zur Ruhe bringt. David Beüter / Pfarrer in Grenzach, des Wolsel. Herrn Hofrahts chmaliger Beichtvater. V. Trauer- und Lobgedichte. v. I ^näorern veteri8 rec^uiri8 aevi: innocui, aureic^ue Laecli, UeAa limplieitLte perpo1it08: Ornnes in^enü 8eLtit3te8; l'eriuru judielurn ele^ai^iururn: fulLm per Aeriu8 ornne litterLruin; 8eci iuliu procul eruciitulorurn, fatiu riäiculoc^ue putiäo^ue, Lr pleno lniierarrnn inepLiururu: 8errnone8, lepiäa dicaeltate, ^tro ieä 6 ue feile, perpo1it08 ? Ifaec, §5 plurirnu. c^uue referre lonZurn eK, kauci8 Lc bona. nota., viia puuci8, floe iunt conäitL, ^uo meu8 iepulcro DKOi.llX6LXV8 erit äelrinL repoiiu8. 8eä non in^enü teret iepuleruin DoLe8 , <^uLe volitLnt virürn per ora z coelurnc^ue ferent pü nepote8, ()uo8 nrox uureo1u8 äabit Iibe11u8, ^luiae lne11iüuo8 viri 1epore8. tu, ^uerri uetlrerÜ8 viäere carnpi8 I^LetLMern cupio brevi §c bea.Mru, 8a1ve, 1*eutoniäo8 rueäulla. Luaclue. Viri ipeÄstMmi, c^rlllimicius 6bi, ci. v. ms- lNoriLS LäponsbLt lnaeiiu; ^monm8 LirriuS) k^ili^Ler. Trauer- und Lobgedichte. SO Deütsch. Keuchst du die deutsche Redlichkeit, Die Sitten jener göldnen Zeit, Da Rlugheit unschuldsvoU regirte, Mnd Weisheit sich mit Einfalt zierte: . "Was man des Geistes Reichtum nennt: - X ' Ein Urteil, so das Feinste kennt: Ein sattes und erleüchtes wissen, Bey nahe jeder Runft geflissen, Dom Wahnwitz der pedanterey Und lächerlichen Hochmuht frey: Ein geist- und anmuhtsvolles Scherzen Aus einem unvergallten Herzen: Gespräche, wo Geschicklichkeit Verstand mit Dehmuht unterstreüt? Die und noch mehr dergleichen Gaben, Die wenig kennen, minder haben, Bedecket dieser Leichenstein Mit meines DwllLngerö Gebein. Doch wird der Moder nicht zerreiben Die Gaben, die unsterblich bleiben. Nein, Seliger! Du schwebst empor. Dein Ruhm berührt der Sterne Chor, Und lebt bey frommer Nachwelt wieder Durch Deiner Muse süffe Lieder, Die uns bereits die presse weist, Und aller Renner Beyfall preist. Mein Wunsch ist, da bald anzulangen, wo Heil und Leben Dich umfangen: Inzwischen sey dir Ruhm und Ehr, DuRernvorndeütschen Dichter-Heer! *** V Bin. An die Herren Verfasser obiger Traucrgedichte, welche über das Absterben Herrn Hofraht Drolllngers Ihre ersten deütsche Verse verfertigt. ^An durch die Rraft prophetischer Gebeine (*) Ein Todter aus dem Grabe-gehn, So -nacht allhier DwlÜNgers Lcich alleine wol Fünf Poeten aufersteh». «*) H. B. der K. XIII. ri. Spreng. AWMS E" i ' . . ... ..it.' ^ K8EWWA »«»«