Chriftliche Leichenrede über die Worte aus Eſaja LIII. v. II. bey der unter Hochanſehnlichem Geleite den 1. Aprill 1790 zu St. Peter geſchehenen Leichenbeſtattung des Ehrenveſten und Vorgeachten Herrn Emanuel Ryhiner des Handelsmanns vorgetragen ö Joh. Rudolf Burekhardt Dfarrer daſelk it. Baſel, cdrꝛickt ben Wilbelm Haas, Sohn — Text. Eſaijia LIIL II. Darum daß ſeine Seele gearbeitet hat, wird Er ſeine Luſt ſehen, und die Fuͤlle haben; und durch ſein Erkenntniß wird Er, mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen, denn Er traͤgt ihre Suͤnden. Eingang. Dieſer wird uns tröften in un ſerer Mühe und Arbeit auf der Erde, die der Herr verfluehet hat: Alſo ſprach Lamech dort,(a) als ihm ein Sohn gebohren wurde, welchen er eben des wegen Noah, das if, einen Troͤſter, nannte, 2) 1. B. Mol, 5. 20. — 4 4—' well er waͤhrſcheinlich niein;e verheiſſene 23 ei besſỹanne Ter...mich der den Jluch van der Carr we gurl; die DMubjeligieit dieſes Lebens aufhe den Sin en fall gut machen und die torene iünſchuld und Gian ſeiiskei pꝛr at ſſchen Lebens wiederbringen werde; Allein er irrte ſich eben ſo wohl als unſer aller erſte Mutter bey der Geburt ihres Erſtgehohrnen Cb). Noch ſonten mehr als zweytauſend Tahre vorbeyflieſſen bis auf die in dein z—athſchluß Gottes beſtimmte Zeit, in weicher der Sohn Gottes,(c) der Herr vom Himmel ſelbſt, ein Menſchenſehn werden und uns recht und wahrhaftig troͤſten ſollte in unſerer Mühe und Arbeit auf Erden, ja das ewige Leben wieder verſchaffen ſollke. Freylich iſt die. ſes Erdel ben, wenn es auch lange ge— wahrer und kañlich geweſen, doch nur Muͤhe und arbeit geweſen(d); zwar h) 1. B. Mol. 4. 1. c) I. Cor. 18, a7. d) Pi. 90. 10. 11 ſollen wir's auch nicht im Undant vergeſſen, daß wir doch noch in unſerem Leben auf Erden manche Freude und Erq:iicung, viel Gutes genieſſen; aber doch werden die mwehreſten aus ihrer Erfahrung hinzu— ſenen und ſagen: Es iſt ein elendes und zamnierliches Ding um aller Menſchen echen von Mutterleiße an, his ſie in die Erde begraben werden; da iſt inmer Sorge, Furcht, Hojnung und zuletzt der Tod, die Felge und der Sold der Sande C). Wer iſt's aber, der uns gegen Sünde, Tod und Elend troſten kann? daß wer nicht im ganzen Leben in Furcht des Todes und der Dinge, die nach dem— ſelörn konmen ſpllen, aͤngalich beben maͤſen f). Wer kann uns ein ruhiges(5ewiſſen verſchaſſn, des Friedens mit Gott und der Hofnung eines ewig ſeligen Lebens verſicheren; Wer kann uns unter allen Lei— den und Truͤbſalen erquicken, Auswege aus allem Elende zeigen und durch den Tod ins ö oe} Syn. 40. 1. Roͤm. 6.:3. k?) Hebr. 2. 1.. * w—— Leben fuͤhren? Gewiß niemand anders und beſſer als Der, ſo fuͤr uns gearbeitet hat, unſere Suͤnde auf ſich genommen und getragen hat, der durch ſeinen Tod dem Tod die Macht genommen und Leben und unvergaͤngliches Weſen ans Licht gebracht hat durch ſein Evangelium(g); und dieſen wiſſen wir, daß es if Feſus, der von Gottes Gnaden fuͤr uns alle den Tod in feiner groͤſſeſen Bitterkeit geſchmecket, ihm aber auch den Stachel genommen und nachdem er durch Leiden des Todes vollendet iſt, eine Urſach ewiger Seligkeit worden iſt allen denen, die ihm gehorſam ſind.(h) Da wir nun in dieſen chriſtlichen Feyer— tagen ohnehin mit der Betrachtung der Muße und Arbeit beſchaͤſtiget ſind, welche unſere Suͤnden und deren Verſohnung unſerem Erloͤſer gemacht, und nun die Leiche eines chriſtlichgeſinnten Herrn und Mitbruders . 2. Tim. 1. 1.(h) Hebr. 2.2. Kap. 5. 2 8 *. z hieher zu feiner Ruheſtaͤtte begleitet haben, der ſich an dieſen Troͤſter im Leben und Sterben gehalten, und nun, wie wir es hoffen doͤrfen, an den Ort der ewigen Ruhe und Erquickung getommen iſt, ſo gedenke ich, es werde eine den Zeitumſtaͤnden ge: maͤße Betrachtung ſeyn, wenn wir uns, nach Anleitung der prophetiſchen Worten unſeres Textes, noch ein wenig mit dem Nachdenken unterhalten, uͤber J. Die Arbeit der Seele unſeres Hei landes II. und uͤber die Fruͤchten und Folgen derſelben in Abſicht auf Ihne und auf uns. J. Wir haben nicht noͤthig zu fragen, wie dort der heilsbegierige Kaͤmmerer fragte: Von wem redt der Prophet ſolches, von ihm ſeibs oder einem andern?(1) i) Ap. Geſch. 8. 3a. R ö— Denn alles was der allwiſſende Geiſt des Herren in dieſem merkwuͤrdigen Capitul von den Leiden und der Herrlichkeit des Meſſias geweiſſaget, kann ohne gewalt-. ſame Verdrehung von niemand anders als von ihm verſtanden werden, und ſo haben es ſelbſt alte juͤdiſche Ausleger erklart und die in alle Wahrheit geleitete Apoſtel des Herren haben uns verſichert, daß es alles an unſerem Feſu teils ſchon erfüllt worden, teils noch fortfahrt erfullt zu werden.(E) Er iſt folglich der gerechte Kneeht des Herren, nach ſeiner menſchlichen Natur und dem Stande der Erniedrigung, denn ſonſt heißt und iſt er freylich der Herr über alles, der Herr der Herr— lichteit, der Herr aller Herren und König aller Koͤnigen.(1) Aber, wiewohl er in goͤttlicher Geſtalt und Herrlichkeit war, hat er es doch nicht für einen Raub (k) 1. Pet. 2. 22— 25.(1) Ap. Geſch. 10. 30. 1. Cor. 2. 8. Offen. 19. 16. a Ze 9 gehalten, damit nicht als mit einer Beute gepranget, Gott gleich zu ſeyn, ſondern ſich ſelbs geaͤuſſeret, die Geſtalt eines Knechts angenommen— und iſt gehorſam worden bis zum Tode am Creutz,(m) nur damit er uns Knechte der Suͤnde und des Verderbens wieder zur herrlichen Freyheit der Kinder Gottes bringen möchte;(n) Des Menſchen Sohn, ſagt er ſelbs, iſt nicht kommen, daß er ſich dienen laſſe, ſondern daß er diene und gebe ſein Leben zum Loͤſegeld für viele. Co) Eben das war auch die Arbeit ſei— ner Seele, davon unſer Text redt: Seine Seele vornemlich arbeitete, wiewohl auch der Leib daran Theil nahm, beſon— ders, da er um unſerer Miſſethat willen verwundet und um unſerer Suͤnden willen zerſchlagen und zu einem Mann der Schmerzen gemacht wurde. Sein ganzes heilig und Em) Philip. 2. 5.(in) Roͤm. 8. 231. (o) Matth. 20. 28. 1—— unſchuldiges Leben war verdienſtlich und ſegensvoll für uns; Er lebte, litt und ſtarb für uns; Da er in die Welt tam, ſprach er: Siehe, ich komme, daß ich deinen Willen, o Gott, thun ſoll.(p) Und am Ende ſeines Lebens konnte er ſagen: Va— ter, ich habe dich verklaret auf Erden und vollendet das Werk, das du mir gegeben haft, daß ich es thun ſoll.() Diß Wert war unendlich groß und wichtig, es war für alle Engel und Creaturen zu ſchwer; Die Welt ſollte verſohnt werden mit Gott. Die Welt mit ihren unzaͤhlbaren Wunder— werken hervorzubringen war ein Wert der Allmacht und Weisheit Gottes und Gott ſprach nur: Es werde und es ward. Aber dieſe gefallene, ſuͤndige und verlorene Welt ſelig zu machen, mit Gott zu ver— ſohnen, das göttliche Ebenbild in dem Menſchen wieder herzuſtelten und ihn in der Freundſchaft mit Gott ewig gluͤcklich zu machen, das war nicht nur ein Werk (p) Hebr. 10. 5— 11.(4) Joh. 17. 4. —m——— 11 der Macht und Weisheit ſondern auch der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes; Aus unendlicher Liebe ſandte(r) Er ſeinen Sohn zur Verſoͤhnung unſerer Suͤnden; und das machte dem, der alle Dinge tragt mit feinem kraͤftigen Wort, fo unausſprechliche Muͤhe und Arbeit.(8) O wie oft und ſtark druͤckte das Lamm Gottes die Laſt der Suͤnden der Welt, die es trug!(t Wie oft wurde er im Geiſt betruͤbt! Wie viel Gebet und Flehen mit ſtarkem Geſchrey und Thraͤnen opferte er?(u) Wie betruͤbt ward dort ſeine Seele in Getſemane und welchen Schweiß preßte ihm die Arbeit derſelben aus! Und wer kann das ausdenken, was das Wort ſagen will: Mein Gott, mein Gott! warum haſt du mich verlaſſen? Das in die Sinnen fallende der Leyden Feſu war groß, beſonders, wenn wir dabey die Hoheit der leydenden Perſon bedenken; aher doch noch groͤßer (Er) 1. Joh. 2. 106.(5) Hebr. 1. 3. Et) Joh. I. 23.(u) Hebr. 5. 7. 32* ꝛ. war die Arbeit ſeiner Seele, bis er ſagen konnte: Es iſt vollbracht, das große Werk der Erloͤſung einer ſuͤndigen Welt; Ware es nur um die Belehrung und Erleuchtung der Welt, um ein Vorbild und Muſter der Tugend und der Geduld zu thun ge— weſen, fo hätte es einer ſolchen Erniedrigung des Herrn der Herrlichteit nicht be— dorft; Dazu hätte Gott Menſchen begaben und ausruͤſten konnen; Er hatte feines eigenen Sohnes geſchont, wenn Er ihn nicht fuͤr uns alle haͤtte dahin geben wollen;(w) Freylich iſt auch die Erleuchtung und Bekehrung der Menſchen, ihre Erneuerung nach dem Bilde Gottes und ihre Begluͤckung eine Frucht feiner Arbeit und dieſes Vornehmen des Herren, wie es gleich vor unſerem Text heißt, geht durch ſeine Hand immer noch fort; aber vorher mußte er ſein Leben zum Schuld opfer darlegen. w) Röm. 8. 32. xz. 13 IL Das iſt eben der Lohn, der ihm für ſeine Arbeit verheiſſen wird, wenn es nun ferner in unſerem Text Von den ſeligen Fruͤchten und Folgen ſeiner Arbeit in Abſicht auf Ihn heißt: Er wird feine Luft ſehen und die Fülle haben. Eigentlich heißts: Er wird es ſehen und ſatt werden; ſein Wunſch und Verlangen ſoll erfüllt werden: Fragen wir, was denn der Wunſch und das Ver— langen unſeres arbeitenden Heilandes war, fo ſagt er uns ſelbſt:(x) Er fen gekommen zu ſuchen und ſelig zu machen das Verlorene. Das war der Endzweck ſeiner Arbeit und die Erfuͤllung deſſelben iſt ſein Lohn, ſeine Luſt. Er hat ja ſeine Luſt an den Menſchenkindern(y) und iſt deswegen ihr Bruder und Mittler worden. (x) Luk. 19. 196.(y) Syruͤch. Sal 8. 31. 8— 2. 14 Viele Kinder zur Herrlichkeit zu führen; ſein Haus voll Gaͤſte zu haben, ſo die Fruͤchten ſeiner Arbeit genieſſen und ihm ihre ewige Erloſung verdanken.(2) Das, das iſt ſein Verlangen. Iſt Freude im Himmel, fo oft ein Sander bekehrt, ein verirrt und verloren geweſen Schaf ge— funden wird; Sehen die Engel mit einem freudigen Gefühl die Schar derer heran— wachſen, welche die Seligkeit ererben ſollen, Ca) die ihnen der Heiland ſo theuer erworben, ſo iſt es gewiß auch der Wunſch deſſen den alle Engel Gottes anbeten und der ſie zur Freude mit ſich auffordert. Es war der Wunſch und das Anliegen ſeines Herzens, dieweil er auf Erden wan— delte, es iſt gewiß noch ſein Wunſch und ſein Werk im Himmel; Dahin arbeitet er ja auch immer durch ſein Wort und durch ſeinen Geiſt die bey uns ſind. O daß wir alle fein Verlangen an uns erfüllen und (z) Hebr. 2. 10. Luk. 14. 23. Luk. 15. 1— 10. (a) Hebr. 1. 14. 2. 1—— uns durch fein Erkenntniß gut, gerecht, und ſelig machen liefen! Ein Arbeiter iſt doch feines Lohns wert und wie ſehr hat es der Heiland um uns ver— dient, daß wir etwas zu ſeinem Lobe werden? Wir werden doch nicht ſo unge— recht ſeyn wollen, daß wir ihm feinen ſo wohl verdienten Lohn entziehen; das wuͤrden wir aber thun, wenn wir ihn im Un: glauben verkennen und ſeine Arbeit an uns vergeblich ſeyn lieſſen. Er kann zwar ohne uns, aber wir nicht ohne Ihn, ſelig ſeyn und wenn wir nicht wollen, daß er uͤber uns herrſche, fo wird er doch einen Sa: men haben, der Ihm dienet.(b) Wenn aber fein Wunſch an uns erfüllt wird, ſo hat Er Freude daran, der Nutze und Vortheil aber iſt auf unſerer Seite, darum heißt es in unſerem Text von den Fruͤchten ſeiner Arbeit, in Abſicht auf uns, Er mein Knecht der gerechte wird durch ſein Erkenntniß viele gerecht h) Luk. 19. 27. Vſ. 22. 31. *=; 6 machen, denn er trägt ihre Sun de; Eben darum kann Er durch ſein Er— kenntniß uns Suͤnder und Gottloſe gerecht machen, weil Er unſere Suͤnden auf ſich genommen und getragen hat, denn Gott hat den, der von keiner Suͤnde wußte, für uns zum Suͤndopfer gemacht, damit wir in Ihme wuͤrden die Gerechtigteit Gottes.(c) Wer an Dieſen glaubt, der iſt gerecht. Cd) Durch feine Gnade wer: den wir gerecht und Erben des ewigen Lebens.(Ce) Er kann Gottloſe gerecht und Suͤnder ſelig machen.(f) Das iſt ſein Ruhm und unſer Gluͤck; Denn wenn das nicht waͤre, Ach! wer wuͤrde vor Gott beſtehen konnen? Sind wir nicht alleſamt wie die Unreinen und unſere Gerechtigkeit wie ein beſudelt Kleid?(g) Aber wenn wir nun unſere Ungerechtigkeit von ganzem Herzen c) 2. Cor. 5. 3.() Ap. Geſch. 13. 30. Ce) Tit. 3. 75.(f) Roͤm. 4. 5. 1. Tim. 1. 15. 8) Eſai. 63. 6. MD 1 7 Herzen erkennen, uͤber unſere ſuͤndliche Verdorbenheit beſchaͤmt und gebeugt ſind, nach Gerechtigkeit hungern und duͤrſten, den Herren Jeſum als unſeren Mittler und Heiland im Glauben anſchauen und mit Gebet und Flehen anlauffen, ſo wird uns dieſer Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet und wir erfahren die Seligkeit des Men: ſchen, deme feine Uehertrettungen vergeben und ſeine Suͤnden bedecket ſind, dem der Herr nicht feine Miſſethat ſondern die Ge⸗— rechtigkeit ſeines Sohnes zurechnet.(h) O dann erſt, dann koͤnnen wir uns unſeres Daſeyns und Lebens freuen, dann konnen wir auch im Leyden getroſt und dem Tode ſelbſt unerſchrocken entgegen ſehen; Nun wir denn ſind gerecht worden durch den Glauben an unſern Herren Jeſum Chriſtum, ſo haben wir Friede mit Gott und ruͤhmen uns der Herrlichkeit die Gott geben wird.(i) O welch eine herrliche Frucht der Arbeit nh) Rom. 4. 5— 3.(i) Roͤm. 5. 1. 2. 38 Mm 3. unſeres Heilandes! wie viel Troſt und Beruhigung im Leben, Leyden und Ster— ben konnen wir nun davon haben! Wel— chen Dank find wir Ihm denn für die Mühe und Arbeit ſchund g, wodurch Er unſeren Seelen Ruhe und Erquicd ung in dieſem und jenem Leben verſchaffet hat! Der beſte Dank wird wohl der ſeyn, wenn wir das, ſo Er uns verdient und erworben hat, heils begierig und glaͤubig ſuchen und annehmen, wenn wir uns durch ſeine Gnade gerecht und ſelig machen laſſen, wenn wir zu dem End unſere Un— gerechtigkeit von gan em Herzen erkennen, oft mit dem Zollner beſchaͤmt vor Ihm erſcheinen und ſo von Zeit zu Zeit eine neue Verſicherung unſerer Begnadigung erlangen, ſo daß wir uns in dem Herren freuen und froͤlich ſeyn in unſerem Gott, der uns den Rog feiner Gerechtigkeit an— gezogen und mit den Kleideren des Heils bekleidet hat.(K) Alſo wird fein Wunſch k) Eſaj. 61, 10. t T. 19 an uns erfuͤllt, denn er will ein Volk haben, das über feinem Namen aͤglich froͤlich und in ſeiner Gerechtigkeit herrlich iſt,(1) und dieſe Freude an dem Herren gibt uns denn auch Luft und Kraft Ihme zu dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit und unſer ganzes Thun und Laſſen alſo einzurichten, daß fein Name an uns und durch uns verherrlichet werde; denn, ſollte derjenige ſo es erkennt und glaubt, daß er dem Heiland auch feine Mühe und Arbeit vermehren helfen mit ſeinen Sanden und daß Er ſie doch vertilget hat und ihrer nicht mehr gedenken will,(m) ſoltte der, dem viel vergeben iſt nicht auch viel lieben (n) und wer Ihn liebt, befleiſiget ſich gewiß Ihm wohlzugefallen, preiſet ihn am Leib und am Geiſt, ruͤhmt feine Gnade und Liebe auch andern an, freut ſich wenn fein Haus voll wird, wuͤnſcht daß faͤglich hinzugethan werden, die da ſelig werden, ja (1) Pſ. 59. 16. 17. Luk. 1. 7. 75. Um) Eſaj. 43. 23. 25.(n) Luk. 7. 47. 20 I daß die Erde voll Erkenntniß des Herren werde, freut ſich gewiß nicht der Ungerechtigkeit, ſondern wenn Wahrheit und Gottſeligkeit bluͤhen und der Menſchen zeitliche und ewige Gluͤgſeligteit beforderen, tragt dazu ſo viel an ihm ligt bey und ſucht auch in dem ſo ihm vertraut iſt, treu erfunden zu werden, veſt und unbeweglich zu ſeyn und immer zuzunehmen in dem Werke des Herren, weil auch unſere Arbeit in dem Herren nicht vergeblich ik;(o) Iſt es gleich Gott, der zu allem das Wollen und das Vollbringen gibt, ſo ſieht er doch auch unſer Mitwuͤrken gnaͤdig an und belohnt die kleine Treue auf eine unvergleichlich herrliche Weiſe;(p) Er gedenket des Werks des Glaubens und der Arbeit der Liebe und der Geduld in der Hofnung. Jeder Seußer zu Ihm; Jede Thraͤne um Ihn wird gezaͤhlt und was wir aus Glau— ben und Liebe zu ihm auch an unſeren Bruͤderen gethan, wird er einſt öffentlich (o) 1. Cor. 15. 58,(p) Phil. 2. 12. 13. 1. r— 21 vergelten. Am Abend unſeres Lebens ſchon, aber noch herrlicher am Abend der Welt wird Er den Arbeiteren ruffen und ihnen ein ewiges Gewicht der Herrlichkeit aus Gnaden zum Lohn geben; Ey du frommer und getreuer Knecht, wird es denn heiſſen, du biſt uber wenigem getreu geweſen, ich will dich über viel ſezen. Gehe ein zu deines Herren Freude.(4) Dieſe Gnade hoffen wir auch wieder— fahren zu ſeyn unſerem ſelig verſtorbenen Herrn und Mitbruder, von deſſen Lebens— umſlaͤnden wir noch diß wenige beyfuͤgen. (4a) Pſ. 56. 9. Matth. 25. Matth. 20. 1— 3. OA CE 2374 | ws Lebenslauf. Dar Ehrenveſte und Vorgeachte Herr Emanuel Ryhiner erblickte das Licht dieſer Welt im Jahre 1704 den Sten Herbſtmonats. Seine ſchon lang in Gott ruhenden El: teren waren Herr Emanuel Ryhiner der Handelsmann und des Großen Raths und Frau Maria Werenfels. Da Er feinen Herrn Vater noch in feiner Minder— jaͤhrigkeit durch einen fruͤhzeitigen Hin— ſcheid verloren, fo wandte ſeine chriſtliche und kluge Frau Murter deſto mehr Fleiß und Sorgfalt an Ihne in der Erkannnuß und Furcht des Herren und in den zur 24 ww f Handelſchaft nötigen Sprachen und Wiſſen— ſchaften wohl zu erziehen, davon Ihm bis in fein hochſtes Alter das Andenten unver: geßlich blieb. Er trat, nach Gottes Schickung in den Stand H. Ehe im Jahre 1730 den 21ten Augſtm. mit damals Jungfrau Eliſabet Leißler, einer Tochter Herrn Achilles Leißlers des Handelsmanns und Frauen Gertrud Ortmann beyde laͤngſt ſelig, mit welcher feiner nun hinterlaſſenen acht— ungswuͤrdigen Frau Wittwe Er in einer beynahe 60 jaͤhrigen zufriedenen und ver— gnuͤgten Ehe gelebt und drey Sohne erzeugt, deren der juͤngſte in ſeiner Kind— heit, der aͤlteſte Herr Sohn aber erſt vor ungefehr 2 Jahren zu allſeitigem empfindlichen Leyd Ihme in die Ewigkeit vorher t— x. 25 aegangen; Von beeden verheuratet geweſenen Herren Söhnen erlebte unſer ſeligverſtorbene Herr zu feiner Freude 3 Groskin— der, von welchen noch ein Herr Grosſohn und 3 Frauen Grostoͤchtern im Leben, welche Lezteren Er wohl verheuratet und von denſelben 5 Enkel erlebet; auf welchen ſaͤmtlich hinterlaſſnen Ehrenden Traurenden Frau Wittwe, Herrn Sohn, Frauen Sohnsfrauen, Frauen Groskoͤchteren, Herren Grostochtermaͤnneren und Enklen der Hoͤchſte ſeinen Troſt, Geiſt und Segen, nach dem Wunſche des Seligen wolle ruhen laſſen! Was den Lebenswandel und die Denkensart unſers ſeligen Herrn Mitbruders be— trift, fo find ſolche als chriſtlich und wohl geſinnt jedermaun bekannt. Von dem -— 96 göttlichen Urſprung und der Vortreflichten unſeres Chriſtentums vollig uͤberzeugt, las und hörte Er die goöͤttlichen und menſch— lichen Schriften und Reden davon oͤffentlich und beſpnders gerne, die ihm daſſelbe in feiner wahren und ſchoͤnen Geſialt, in feiner Annehmungswuͤrdigkeit, in ſeinem Troſte fuͤr arme Suͤnder und in ſeinen Lehren, Geboten und Verheiſſungen darſtellten, beſonders hatte Er von unſerer ſuͤndlichen Verdorbenheit und unzulaͤnglichteit eigener Gerechtigkeit und Wuͤrdigkeit und von der Allgenugſamkeit der Verdienſten unſeres Heilandes ſchoͤne Einſichten(*) und ſetzte ſeine Hofnung ganz auf die Gnade, die uns in der Erkanntnuß unſeres Herren (*) Herveys Betrachtungen über die Herrlichkeit der Schöpfung und die Mittel der Gnade ze, waren ſeine Lieblingslektur. AG 27 Jeſu Chriſti angeboten iſt, welche Erkanntnuß ihn aber auch nicht unfruchtbar ſeyn ließ in guten Werken; Daß Er wohlthaͤtig und huͤlfwillig gegen Arme geweſen iſt, fo ſehr Er darinn unbekannt und verborgen zu ſeyn ſuchte, iſt doch nicht verborgen geblieben; Er begehrte zwar keine Ehren— ſtellen, nahm aber doch an dem Wohl unſers Vaterlandes Antheil und freute ſich alles des Guten, das zum Beſten der Menſchheit geſchah; ohne von ſeinen haͤus— lichen Tugenden etwas zu reden, die Er als Hausvater als Vorſteher eines großen Gewerbs und als Freund ausuͤbte. Er genoß uͤbrigens bis vor ungefehr 10 Jahren eine dauerhafte Geſundheit; aber eine damals ausgeſtandene ſchwere Krank— heit ſchwaͤchte Ihn an Leib und Geiſt fo 28——— ſtark, daß Er beſtaͤndige Uinterſtützung, Abwart und Piſege noöthig hatte, die Er aber auch auf die ſoraceltigſte Weite von feiner wardizen wiewohl auch keragten Fraun Eheliebſten genoſen; zu Ende der vorigen Woche wurde Er mehr als ge— woͤhnlich angegriffen, durch Ar;ney und Sorgfalt aher ſchien es beſſer zu werden; Allein verwichenen Montag Abend gegen 4 Uhr ward Er unruhiger, ſuchte Er— quikung durch eingenommene friſche Luft, ſank aber in ſeinen Seſſel und verſchied ſo in den Armen einer ihn leitenden und haltenden Perſohn, ohne gleichſam das Herannahen feiner Auſtoſung zu merken, welcher Er aber ſeit mehreren Jahren entgegen geſehen, nachdem Er ſein Leben in dieſer Pilgrimmſchaft gebracht auf 85 Jahre, 6 Monate, 21 Tage. Bft[2 29 Selig iſt Er nun der in dem Herren Verſtorbene und ruhe: von feiner Arbeit und ſeine Werke des Glaubens, der Liebe, der Hofnung und der Geduld folgen ihm nach und werden durch die Verdienſte des Erloſers angenehm gemacht worden ſeyn— Ats ein gerechtſertigter und in dem Blute des Lammes gewaſchener armer Suͤnder kann und darf Er nun ſtehen vor dem Throne Gottes und Ihme dienen in ſeinem himmliſchen Tempel; Der ſo Ihn gerecht gemacht, wird ihn nun auch herrlich machen, (s) Ihm ſey von uns auch dafür Lob und Dank gebracht; Er laße ſeine Guͤte und Treue auch feine Hinterlaſſenen und Nach— kommen erfahren! Uns allen ſchenke der Herr die Gnade, daß wir es uns immer Er) Off. Joh. 14. 13. Kap. 7. 14— 17. ) Roͤm. 5. 30. zo— das wichtigſte Anliegen ſeyn laſſen Chri „ſtum zu gewinnen, in Ihm erfunden zu werden und ſeine Gerechtigkeit zu erlangen, die Kraft ſeiner Auferſtehung und den Segen ſeiner Leyden zu erfahren und in unſerem Tode ſeinem Tode aͤhnlich zu werden,(t) damit er uns ein Eingang ins Leben und ein Anfang ewiger Ruhe und Freude ſeyn möge,” Am en. Et) Phil. 3. 8— 11. * * S * * * * * * * * *