Chriſtliche Leichenrede über die Worte 2. B. Sam. 23, 3. bey der unter hochanſehnlichem Geleite eines Hochedeln und Hochweiſen kleinen und groſſen Rathes und E. E. Buͤrgerſehaft, den 1. Aug ſtm. 1789. im Muͤnſter zu Baſel geſchehenen Leichenbeſtattung des weiland Hochgeachten, Wohledeln, Geſtrengen, Frommen, Vornehmen, Fuürſichtigen und Wohlweiſen Herrn Daniel Mitz, regierenden Buͤrgermeiſters der Stadt Baſel, vorgetragen von Emanuel Merian, Pfarrer im Muͤnſter. Baſel, gedruckt bey Wilhelm Haas, dem Sohne, * * Te x 2. BS. Sam. 23, 3. Es hat der Gott Iſr: zel zu air geſpzochen, der Hort Iſrael hat geredet, der gerechte Herrſcher unter den Menſchen, der Herrſcher in der Furcht Gottes. Oder B zer uber die Menſchen herrſchet, der ſoll gerecht ſeyn; er ſoll herrſchen in der Furcht Gottes. IE 0 2—— ⁊ * SE iſt unter den Menſchen gewöhnlich, und es iſt auch ganz billt, daß ſie die letzten Worte eines Sterbenden einer beſondern Aufmerkſamkeit und Achtung wuͤrdigen. Wenn es nun an dem iſt, daß der Menſch den ernſten Schritt in die Ewigkeit hin— über thun fol, ſo kann man alsdann mit Rechte erwarten, daß alle Verſtellung bey ihm aufhören, und daß er ſich in feiner wahren Geſtalt, ſo wie er iſt, darſtellen werde. Die letzten Reden ſterbender Kinder Gottes ſind um ſo viel merkwürdiger, weil ihre Seelen zu der Zeit, da ſie fo nahe vor den Pforten der Ewigkeit ſtehen, gemeiniglich von einem Stral der höoͤhern Welt erleuchtet, und über ihre gewohnliche: Begriffe und Enwndungen erhoͤhet zu werden viegen. Der Geiſt Gottes beweiſet ſich in ihren letzten Stunden meiſtentheils am geſchaͤftigſten an ihnen, und legt ihnen beſonders wichtige und nachdenkenswäͤrdige Worte in den Mäand, wehe in den Herzen der Ucberlebenden unvergetlich bewahbret zu warten ver dienen. Von ſoicher Beſchaffenheit ſind diejenigen Worte Davids, die ich eurer Liebe ſoeben vorgeleſen, und bey gegenwaͤrtigem Traucranlaſſe zum Grunde unſrer Andacht gelegt habe. Denn venn wir auf die vor denſelben hergehenden Worte zurückſehen, ſo werden wir finden, daß dieſelben einen Theil der letzten Reden Davids ausmachen. Denn ſo heißt es im Anfang unſers Text— kapitels: Dieß find die letzten Worte Davids: Es ſpricht David, der Sohn Iſai; es ſpricht der Mann, der hoch erhaben, oder von oben her beſtaͤtigt iſt zum Geſalbten des Gottes Jakob; der liebliche Sänger, oder Lieder: dichter in Iſrael. Der Geiſt des Ferrn hat durch mich geredet, und Sein Wort iſt auf meiner Zunge. Es hat der Gott Iſrael zu mir geſprochen, der Hort, oder Fels Iſrael hat geredet, der gerechte Zerrſcher unter den menſchen, der Herrſcher in der Furcht Gottes; oder, wie dieſe Worte eigentlich in der Grundſprache lauten: Wer uͤber die Menſchen herrſchet, der ſoll gerecht ſeyn; er ſoll herrſchen in der Furcht Gottes. Ich hoffe, es werde ein Wort ſeyn, das zu ſeiner Zeit und an feinem Orte geredet it, wenn ich der gegenwärtigen hochanſehnlichen Trauerverſammlung, welche dem erblaßten Leichname unſers hochverdienten, nun ſeligen Herrn Bürgermeiſters das Geleite hieher zu feiner Ruheſtaͤtte gegeben hat, unter dem Bey— ſtande Gottes, diejenigen zwo Haupteigenſchaften vorſtelle, welche Gott ſelbſt in unſerm Texte von einem jeden fordert, der ein obrigkeitliches Amt bekleidet, naͤmlich: Gerechtigkeit und Gottesfurcht. Wer uͤber die Menſchen herrſchet, der fol gerecht ſeyn:«r ſoll herrſchen in der Furcht Gottes. Er, der Herr, unſer Gott, begleite auch in dieſer Stunde Sein Wort mit Krack and Segen, und laſſe es reiche Fruͤchte X 5 der Gerechtigkeit und eincr ungehenchelten Gottesfurcht bey uns allen hervorbringen, die Ihm wohlgefaͤllig ſeyen in unſerm Herrn und Heilande Jeſn Chriſto! Amen. Erſter Theil. David ſahe nun ſein Ende mit ſtarken Schritten herbey rücken. Er entſchloß ſich daher, Krone und Scepter niederz;— legen, und ſie feinem Sohne Salomo zu übergeben, Bey dieer Gelegenheit fand er nöthig, feinem Thronfolger einen vaͤterliyen Rath und Unterricht uͤber die rechte Art, auf welche er das Volk Gottes regieren ſollte, zu ertheilen. In dieſer AWſicht konnte er demſelben wohl keine heilſamere Regel vorſchreiben, als diejenige, welche Gott ihm ſelbſt, entweder durch eine un— mittelbare Offenbarung, oder durch den Mund eines ſeiner treuen Knechte, eines Samuels, Rathans, Gads, eingeſchaͤrfet hatte; eine Regel, von welcher David aus eigener Erfahrung am beſten wußte, was die Beobachtung derſelben fuͤr Segen ſowohl uͤber den Regenten, als uͤber ſein Volk bringe; und was hingegen die Hintanſetzung derſelben fuͤr Unheil und Schaden nach ſich ziehe; eine Regel, welche das weſentlichſte von der wahren Staatsklugheit und Regierungskunſt in ſich ſchließt, nämlich: wer uͤber die Menſchen herrſchet, der ſoll gerecht ſeyn; er ſoll herrſchen in der Furcht Gottes. Die erſte Haupteigenſchaft eines Regenten iſt alſo die Gerechtigkeit. Ein Regent, bey dem ſich keine Liebe zur Gerechtigkeit, kein Eifer fuͤr die Handhabung derſelben ſindet, iſt des Regentennamens im höoͤchſten Grade umpuͤrdig; inden: er der Abſicht, wozu ihn die göttliche Fuͤrſehung über feine Untergebenen geſetzt hat, vergiſſet, oder derſelhen zuwider handelt. 6 Denn der Entzavech, wozu Gott den obrigteittchen Stand ein— geſetzt hat, iſt doch tein aubrır, als der, de: chemals die Königinn von Sha als die Urſache der Erhebung Salsmons alf der iſraelitiſtiſen Thron angegeben Katte: Weil der Herr, ſo ſorech ſie zu ihm, Weil der Herr, dein Gott, Iſrael lieb hat, fo hat Er dich uber fie zum Ronig geſetzet, daß du Recht und Gerechtigkeit handhaeſt. 924 denn ein Regent fein Amt dieser göttlichen Rhächt gmäß verwalten, ſo muß er ſich ſorsfaltig hüten, daß er weder ais Bosheit, noch aus Schwacuhcit, den Raeln der Gzerechtig— keil zuwider handle. Er muß ſich, zu dieſem Ende, nach einer grätzlichen Einſicht in die göttlichen, ſo wohl naturlichen als gécfftnbarten Geſketze, und in die aus dieſen hergeleileten menſch— licken Wererdnungen und Landesrccihte beſtreben. Er müß mit ſtinen Urtheilen nicht leichtſinnig und unbedachtſam zufahren, ſondern eine jede vorkommende Sache von allen Seiten her, und nach allen ihren Umſtaͤnden, reiſlich überlegen. Er muß alle Bei ce Affekten und Leidenſchaften, alle unlautere Reben— abſchten beyſtite ſetzen; er muß dieſen verkehrten Rathgebern ein gaͤnzliches Stillſchweigen auferlegen, inn lediglich der Stimme Gottes und ſeincs Gewiſſens Gehör zu geben. Einennitz, Parteylichteit, Menſchenſurcht, MenſchengefaͤlHalt, Haß, Reid und andre dergleichen ſundliche Triebe muͤſſen niemals ſein? Augen verblenden, noch ſein Herz verführen, das echt zu bangen, und zu irgend einer ungerechten Sache zu räthen oder zu helſen. Bey allen ſeinen Rathſchläͤgen und Unternehrnnneen muß er das größe Ziel, wozu der obrigkeitliche Stent ven Ciett cinzeretzt iſt, niemals gus den Augen verlieren, * I enter une eidg darauf fein ünd{ich dahin bearbeiten, daß ud lietiſchlicht Gy in ihrem Anſetzen unverletzt erhalten, gute Zucht und Ordnung in dem ganzen gemeinen Weſen gepflanzet, ein jeder bey feinen Rechten und Freyheiten geſchuͤtzet, der Allergeringſte, wie der Größte, gegen Frevel und Gewaltthaͤtigkeit geſichert, der Laſterhafte gebeſſert oder geſtrafet, und alſo, nebſt der Ehre Gottes, die Wohlfahrt des Staates aus allen Kraͤften durch ihn befoͤrdert werde. Auf dieſe Weiſe muß ein Regent der ſo billigen Forderung des Allerhoͤchſten ein Genüge leiſten: wer uber die Menſchen herrſchet, der ſoll gerecht ſeyn. Zweyter Theil. Mit dieſer erſten Haupteigenſchaft eines Regenten muß aber noch eine andere unzertrennlich verbunden ſeyn, nämlich die! Gottesfurcht: Wer uber die Menſchen herrſchet, der folk herrſchen in der Furcht Gottes. Von einem Regenten, der viele Gewalt in ſeinen Haͤnden, aber keine Gottesfurcht in feinem Herzen hat, kann man natüͤr— licher Weiſe nichts anders erwarten, als daß er ohne Scheu die groͤbſten Ungerechtigkeiten und Gewaltthaͤtigkeiten veruͤben werde, ſo bald er ſeinen Vortheil dabey erſichet, oder von feinen ungezaͤhmten boͤſen Luͤſten dazu gereitzet und gelocket wird. Wir ſollten durch Beobachtung und Nachdenken gar leicht überzeugt werden koͤnnen, wie vieles die Empfindungen der Reli— gion bey einem Regenten zur Unterſtuͤtzung und Ermunternnz« einer unvarteyiſchen Gerechtigkeit und Redlichteit bentre gen; wie viel Verſtärkung und Belchung die Aufrichtigkeit, Recht. ſchafenheit und Gewiſſenhaftigkeit von ciner lebhaſten Ertenntniß nnd Furcht Gottes erhalte; und wie viel auch in dieſem Säcke 8 der groſſe, heilige Gedanke wirken muͤſſe: Wie ſollte ich ein ſolch groſſes Uebel thun, und wider den Herrn meinen Gott ſuͤndigen? Nie aͤuſſert ſich die Kraft der Religion zur Befeſtigung in der Gerechtigkeitslieche, und zur Bewahrung eines unverletzten Gewiſſens ſichtbarer, als zur Zeit der Verſuchung. Wir werden uns die Faͤlle leicht vorſtellen koͤnnen, und ſie zum Theil vielleicht ſchon aus eigener Erfahrung kennen, wo die Eindruͤcke des Eigennutzes, der Eitelkeit, der Menſchenfurcht und Menſchen— gefaͤlligkeit, oder andrer unordentlichen Leidenſchaften, ſo ſtark werden, daß ſie uns leicht von der ebenen Bahn des Rechts und der Gerechtigkeit ablocken, und unſre ſonſt guten un rerlich gemeynten Vorſaͤtze uͤberwaͤltigen und umreiſſen koͤnnen. Setzet, zum Exempel, den Fall, daß ihr, bey der Verwaltung eines obrigkeitlichen Amtes, mit einiger Verletzung der Billigkeit und Ordnung, ohne zu deſorgende aͤuſſerliche Gefahr, einem Freunde gewiſſe Vortheile zuwenden, oder einen Feind kraͤnken und drücken koͤnnet; oder daß ihr, bey der euch obliegenden Hand—habung der Gerechtigkeit, mit einiger Beugung des Rechts euch die Gunſt eines Groͤſſern und Maͤchtigern erwerben, und dage— gen einen Niedrigern ſeiner Unterdrückung Preis geben, oder eurer eigenen Rachſucht aufopfern köͤnnet: da iſt doch gewiß nichts in der Welt, das euch mit ſolcher Kraft, und mit einem ſolchen ſichern Erfolge zu Huͤlfe kommen kann, euch vor der Verletzung euers Gewiſſens durch dergleichen Ungerechtigkeiten zu bewahren, als eine ernſtliche Empfindung von Religion und Gottesfurcht, als der groſſe lebendige Gedanke: Es iſt ein Gott über mir; Der ſichet mich in der Unlauterkeit meines Vor— habens, und Er wird mich daruͤber richten. Ich kann es vor den Menſchen verbergen; aber Seinem allſehenden Auge kann 9 ich es nicht entziehen. Ich kann mein Verfahren, als ob es erlaubt und recht waͤre, vor der Welt bemaͤnteln; aber ich kann meinen höchſten Richter in Seiner Beurtheilung nicht verblenden, noch beſtechen. Ich kann mich vielleicht durch mein Anſehen und meine Macht uͤber die Klagen und Vorwuͤrfe derer, die meine Ungerechtigkeiten empfinden oder wahrnehmen, dreiſt Hinz wegſetzen; aber ich kann doch dem Allmaͤchtigen nicht Trotz bieten, Deſſen Hand ich nicht entrinnen, Deſſen Gerichte ich mich unmöglich entziehen kann. Meynet ihr nicht, Geliebte in dem Herrn, daß dergleichen Gedanken der Religion und Gottesfurcht, dergleichen lebhafte Vorſtellungen, daß wir es nicht allein mit Menſchen, ſondern auch mit Gott ſelbſt zu thun haben, am beſten vermoͤgend ſeyn werden, euch von der Begehung einer jeden Ungerechtigkeit zuruͤckzuhalten? Wer uͤber die Menſchen herrſchet, der ſoll gerecht ſeyn; und, um es deſto gewiſſer und beſtaͤndiger zu ſeyn, fol er herrſchen in der Furcht Gottes. Nur die Gottesfurcht und Religion lehret die Regenten, die Gewalt, die ſie von Gott empfangen haben, recht gebrauchen; ſich deſto tiefer vor Gott demuͤthigen, je mehr Er ſie erhoͤhet hat; nicht Tyrannen, ſondern Beſchuͤtzer, Wohlthaͤter, Vater ihres Volkes werden. Von der Gottesfurcht und Religion lernen ſie, ſich beſtreben, dem Gott, deſſen Statthalter ſie auf Erden ſind, an Weisheit, Guͤte, Gerechtigkeit nnd Heiligkeit Ähnlich zu werden, und ſich einer rechtſchaffenen Gottſeligkeit beſleiſſigen, die fie zu einer weit groͤſſern Hoheit erheben kann, als alle ihre irdiſche Herrlichkeit, die ihnen doch nicht ins Grab und in die Ewigkeit nachfolgen wird. Wie viel Gutes konnen wir uns nicht von ſolchen Regenten verſprechen, die den Herrn lindlich fürchten! Zu ihnen koͤnnen wir das beſte Zutrauen faſſen, 18 daß ſie uns bruͤderlich lieben, und mit vaͤterlicher Treue fuͤr unſre Wohlfahrt ſorgen werden. Dieſe Furcht Gottes iſt die vornehmſte Tugend eines Re— genten, und der Grund aller uͤbrigen Eigenſchaften, die er an ſich haben fol. Wenn jener Befehl: Fuͤrchte Gott, und halte feine Gebote, alle Menſchen angeht: fo können Regenten ſich nicht nur nicht von dieſer groſſen Pſticht ansnehmen, ſondern ſie muͤſſen ſich vorzüglich dazu verbunden achten. Wie wichtig und nachtruͤcklich iſt iene Erinnerung, welche der fromme König Joſaphat an die Richter in Juda ergehen ließ: Sehet zu, was ihr thut; denn ihr haltet das Gericht nicht den Menſchen, ſondern dem Herrn; und Er iſt mit euch im Gerichte. Darum laſſet die Furcht des Herrn bey euch ſeyn! Wie ſtarke Eindruͤcke ſollte nicht dieſe Vorſtellung auf das Herz eines Regenten machen, wenn er bedenkt, daß er ſein Amt von Gott empfangen habe; daß er es in Gottes Namen und an Gottes Statt verwalte; daß Gott bey ihm zugegen fen, ſo oft er Rath oder Gericht halte; daß Gott nicht nur alle ſeine Handlungen ſehe, ſondern auch die geheimſten Abſichten, die innerſten Ges danken ſeines Herzens durchforſche; und daß Er an jenem Tage eine genaue Rechenſchaft von ſeinem ganzen Thun und Laſſen fordern werde! Dieſe groſſen Wahrheiten ſollen ſich obrigkeitliche Perſonen lebhaft vor Augen ſtellen, und das Andenten daran, die Ueberzeugung und Empfindung davon ſorgfaͤltig in ihren Herzen unterhalten. Sie ſollen, darneben, den Herrn, ihren Gott, aufrichtig und ernſtlich anflehen, daß Er den Geiſt der Erkenntniß und Furcht ſeines Namens in ihre Herzen ausgieſſen wolle. Wie angenehm muß es nicht dem oberſten Beherrſcher der ganzen Welt ſeyn, wenn dicjenigen, die Er in okbrigkeitliche Aemter 11 geſetzt hat, in demuͤthiger Erkenntniß ihrer gaͤnzlichen Abhaͤngigkeit von Ihm, ſich zu Ihm wenden, und taͤglich aus der Fulle eines glaͤubigen Herzens die Bitte vor ſeinen Gnadenthron kringen: Weiſe mir, Herr, Deinen Weg, daß ich wandle in Deiner wahrheit. Erhalte mein Zerz bey dem Knigen, daß ich Deinen Namen fürchte. Lehre mich thun, o Zerr, nach Deinem Wohlgefallen; denn Du biſt mein Gott; Dein guter Geiſt führe mich auf ebener Bahn! Um dieſe Gabe der Gottesfurcht zu erhalten und immer mehr in ſich zu erwecken, muͤſſen{ich Regenten, über dieß, im Worte und Geſetze Gottes ſieiſſig üben, und die andaͤchtige Forſchung und Betrachtung deſſelben ihre Luſt und ihre taͤgliche Beſchuſtigung ſeyn laſſen. Da findet ein Regent die dringend ſten Beweggründe, den Herrn zu fürchten, in den lebhaften Beſchreibnngen feiner herrlichen Vollkommenheiten. Da findet tr die kraͤftigſten Ermunterungen zu einer kindlichen Ehrfurcht vor Gott, zu einem willigen und freudigen Gehorſam gegen ſeine Gebote, in den nachdruͤcklichſten Vorſtellungen des uͤber— ſchwaͤnglichen Reichthums feiner Güte und Enade, die Er uns beſonders in Chriſto Jeſu, durch ſein theures Erloͤſungswerk, erwieſen. Da finder er fo manche Beyſpiele ſo wohl von gottes— fuͤrchtigen, als auch von gottesvergeſſenen Regenten, und von den reichen Segnungen, womit Gott jene bekrönet, und von den ernſtlichen Strafgerichten, womit Er ſeine Ehre an dieſen gerochen hat. Wie weiſe iſt der Regent, der ſich dieß alles recht zu Nutze macht, und, nach dem Beyſpiele Davids, die zeugniſſe und Ausſpruͤche Gottes zu feinen Vathsleuten erwaͤhlet! Laßt ein Regent eine aufrichtige Ehrfurcht für Gott in ſeinem Herzen herrſchen, ſo wird ſie auch bey ihm der Anfang 12 und die Quelle der wahren Weisheit ſeyn, und ihn recht klug und vorſichtig machen in allen ſeinen Geſchaͤfften und Unternchmungen. Sie wird innige, thatige Liebe zu allem, was recht und gut iſt, in ſeiner Stele hervorbringen. Ein xrechtſchaffener Gottesperehrer wird allemal auch zugleich ein redlicher Menſchenfreund ſeyn; er wird nicht allein Gott lieben und vertrauen, und in Ihm ſeine Freude und Beruhigung finden, ſondern er wird Ihm auch gehorchen, ſeinen Willen gern ausrichten, alſo mit Wiſſen und Vorſatz niemals unrecht, ſondern ſtets recht handeln. Denn Gott liebt das Recht, be— ſiehlt das Recht, und will es in Zeit und Ewigkeit belohnen. Der gottesfurchtige Regent wird alſo in dem Stande, darein ihn Gott gefeist hat, deſſen Abſichten treulich zu erfüllen be— muͤhet ſeyn. Er wird in dem groͤſſern oder kleinern Kreiſe, in welchem er wirken kann, Gutes ſtiſten, ſich feinen Reben— menſchen nuͤtzlich machen, und alſo zum Beſten des gemeinen Weſens das Seine redlich beytragen. Gott, mein Schoͤpfer und Oberherr, will dieß oder das, und Er will es zu meinem cigenen und Anderer Beſten; und eben darum will ich es auch. Dieſer Gedanke wird die herrſchende Triebfeder aller ſeiner Handlungen ſeyn. Wenn ſich Regenten nach dergleichen Grundſaͤtzen richten, und alſo in der Furcht Gottes herrſchen, ſo werden die— jenigen, die unter ihrer Aufſicht und Herrſchaft ſtehen, um ſo viel williger werden, ihnen in der Furcht Gottes unterthan zu ſeyn; und ſo wird ihr Thron durch Gerechtigkeit und Froͤmmigꝛeit befeſtiget, und ihre Regierung reichlich von Gott geſegnet werden. Denn der Herr ſegnet, die Ihn fürchten, beyde Kleine und Groſſe. 13 Laßt uns nur noch eine Betrachtung anſtellsn über den Umſtand der Zeit, zu welcher David unſre Textesworte ausge— ſprochen hat. Dieſe Worte gehören, wie ich oben bereits angemerkt habe, unter feine letzte Reden. Welch einen tiefen Eindruck muß da die Erinnerung an dieſes wichtige Wort des Gottes Iſrael auf ſein Gemuͤth gemacht haben! Mit welcher Freude, mit welch einem goͤttlichen Vergnuͤgen, mit welch einem lebhaften Danke gegen Gott, als den Urheber alles Guten, muß er ſich da fo manche von feinen Gott gefaͤlligen Thaten im Geiſte vorgeſtellt haben, die aus der reinen Quelle der Gottesfurcht und der Gerechtigkeitsliebe hergeſloſſen! Welch eine tiefe Beugung und Beſchaͤmung, welch eine bange Bes kltmmniß hingegen muß ihm das Andenken an jene Vergehun— gen verurſacht haben, da er die Furcht des Herrn aus den Augen geſetzt, und den Weg der Gerechtigkeit verlaſſen! Und was fuͤr unertraͤgliche Aengſte und Schrecken wuͤrden erſt ſeine Seele uͤberfallen und daniedergeſchlagen haben, wenn er nicht bey Zeiten die Vergebung aller ſeiner Suͤnden in wahrer Reue und lebendigem Glauben an den von Gott verheiſſenen Mittler und Erloͤſer geſucht, und die troſtvolle Verſicherung feiner Bes gnadigung vor Gott durch ihn erhalten haͤtte! Eben der Schritt, den David vor ſich hatte, als er die Worte unſers Textes ausſprach, eben dieſer ernſte Schritt ſtehet einem jeden unter uns unvermeidlich bevor; und wer weiß, wie bald wir denſelben werden thun muͤſſen? Auch ihr, die ihr von Gott in den Regentenſtand erhoben ſeyd, ihr heiſſet zwar Götter, aber ihr werdet ſterben, wie andre Menſchen. Gleich dem Geringſten eurer Unterthanen, muͤſſet ihr vor dem Richterſtuhle Jeſu Chriſti erſcheinen, um zu empfangen, nachdem ihr gehandelt habt bey Leibes 14 Leben, es ſey gut oder böͤſe. Was meynet ihr nun, wenn einſt die Stimme an euch erſchatlet, die vormals den Konig Hiskias auff orderte: Beſtelle dein Haus; denn du wirſt ſterben, und nicht lebendig bleiben? Was wird euch als ann auf euerm St erbebette Troſt geben? Was wird euch Muth ein: floͤſſen, vor den ſtrengen Richterſtuhl Gottes zu treten? Iſt es das Andenken an die Vorzuge, die ihr hier beſeſſen und genoſſen?“ an die Hoheit und Würden, an das Anſehen, worinn ihr bey den Menſchen geſtanden, an die Gewalt, die ihr in Handen gehabt, an den Staat, den ihr geführet? Ach nein! wenn man es auch fruher nicht einſehen lernt, ſo muß man es doch gewiß alsdann, wenn man an der Pforte des Todes und der Ewigkeit ſtehet, innen werden und erfahren, daß das alles ganz eitel ſey, und daß die Welt vergehe mit aller ihrer Luſt und Herrlichkeit. Aber was euch einen ſanften Tod, was euch einen ſreudi— gen Eintritt in die Ewigkeit verſchaffen kann, iſt das Zeugniß des Geiſtes Gottes, daß ihr am erſten nach dem Reiche Gottes und nach ſeiner Gerechtigkeit getrachtet; daß ihr in der Gnade Gottes ſtehet, und durch den Trieb und Bepſtand derſelben ein unverletztes Gewiſſen bewahret habt, beydes vor Gott und vor den menſchen; das ihr die Furcht Gottes und die Gerechtigkeit zur Grundregel aller eurer Rathſchlaͤge und eurer ganzen Regierung gemacht; daß ihr die euch von Gott anvertraute Gewalt, nach ſeinem Wilien und Befehle, zur Handhabung der Gerechtigkeit, zur Beſchutzung der From— men, zur Ausbreitung der Ehre und des Reichs Gottes, und zur Beſtrafung der Bosheit und Gottloſgkeit gewiſſenhaft ange— wandt, daß ihr euern Untergebenen nicht nur heiltame Geſetze und Ordnungen vorgeſchrieben, nicht nur feſt und ernſtlich . 15 darüber gehalten, ſondern ihnen auch in euerm Wandel ein reitzendes Muſter des Gehorſams gegen dieſelben vor Augen geſtellet; daß ihr das Bild Gottes nicht nur als Regenten, ſondern auch als Chriſten, als rechtſchaffene Kinder Gottes, und als treue Nachfolger Jeſu Chriſti, an euch getragen, und daſſelbe in cinem rechtſchaffenen Fleiſſe der Heiligung und der Gerechtigkeit aus euerm ganzen Wandel habt hervorleuchten laſſen. Ein Regent, der ſo geſinnet und beſchaffen iſt, kann auch in ſeinem Tode getroſt ſeyn; er kann, nachdem er dem Rathe und Willen Gottes die ihm beſtimmte Zeit uͤber treulich gedienet, und ſeinen Lauf in der Furcht des Herrn vollendet, im Frieden von dieſer Welt ſcheiden, und ſich im Glauben an Jeſum der feſten Hoffnung getroͤſten, daß er als ein frommer und ge: treuer Knecht erfunden, und zu feines Herrn Freude werde eingefuͤhret werden. Eigenhändiger Aufſatz des ſel. Herrn Buͤrgermeiſters. Io Daniel Mitz bin an das Licht dieſer Welt geboren worden den 20. Chriſtm. 1724. Meine in Gott ruhenden geehrten Aeltern waren: Herr Da— niel Mitz, der Aeltere, Beyſitzer E. E. Stadtgerichts der mindern Stadt, und Frau Agnes Frey. Meine Großaͤltern auf vaͤterlicher Seite waren: Herr Andreas Mitz, der Handelsmann, welcher um deſto freyerer Religionsuͤbung willen von Coͤlln ſich hieher nach Baſel begeben, und Frau Katharina Saraſin; auf mütterlicher Seite aber: Herr Johann Ludwig B 18 Frey, des Raths, und Frau Maria Magdalena Gernlerinn. Von gedachten meinen geliebten Aeltern bin ich chriſtlich und wohl erzogen, auch von Jugend auf unſrer Schule auf Burg anvertrauet worden; und nachdem ich alle Claſſen derſelben durchgelaufen, bin ich den 8. Aprils 1738. ad Lectiones publicas, und den 9. Brachm. 1740. ad gradum primæ Laureæ von Herrn Nikolaus Harſcher, der Arzneykunſt Doktor und berühmten Profeſſor der Weltweisheit, ſel. Gedaͤchtn. befoͤrdert worden. Unterdeſſen habe ich ſo wohl der oͤffentlichen als beſondern Unterweiſung beruͤhmter Maͤnner genoſſen, und inſonderheit die Lektionen Herrn Peter Ryhiners, berühmten Pro— feſſors der Vernunftkunſt, und Herrn Andreas Weiſ— ſen, beyder Rechten Doktors, und der Sittenlehre, wie auch des Natur- und Voͤlkerrechts wuͤrdigſten Profeſſors, beſucht, unter Deſſen Vorſitz ich auch meine Streitſchrift von der geheimen Hiſtorie um die Wuͤrde eines Lehrers der Weltweisheit den 12. May 1741. verfochten. Ueberdieß genoß ich auch der Unterweiſung Herrn Johannes Bernoulli, des Juͤngern, beyder Rechten Doktors, damals der Beredſamkeit, nun aber der mathematiſchen Wiſſenſchaften Vrofeſſors, wie auch des ſel. Herrn Johann Jakob Pfaffen, welcher die Stelle eines Profeſſors der morgenlaͤndiſchen Sprachen verſehen, und Herrn Johann Georg Erzbergers in der griechiſchen Sprache; bis ich endlich den 8. Brachm. 1741. von Herrn Benedikt Staͤhelin, der Arzneykunſt Doktor und der Natur—| 19 wiſſenſchaft rofeſſor, zu einem Lehrer der Weltweisheit befoͤrdert wurde. Hierauf habe ich mich auf die Rechtsgelehrſamkeit gelegt, und mich darinn der Unterweiſung Herrn Andreas Linders, beyder Rechten Doktors, und Beyſitzers der Fakultaͤt der Rechtsgelehrten allhier, bedient. Inzwiſchen habe ich um mehrerer Uebung willen mich bereden laſſen, den 29. Merz. 1743. aus Anlaß der damals erledigten Stelle eines Profeſſors der Beredſamkeit, eine Streitſchrift von den Em—pfehlungsſchreiben zu verfechten. Als ich bald meiner Pruͤfung für die höchſte Wuͤrde in beyden Rechten gewaͤrtig war, ſo wurde ich noch vorher den 24. May 1744. zu einem Beyſitzer des akademiſchen Consistori erwaͤhlt; auch habe ich um die Stelle eines Profeſſors der griechiſchen Sprache eine Streitſchrift von der Verbindung der griechiſchen Sprache mit der Rechtsgelehrſamkeit den 16. Herbſtm. 1744. vertheidiget; bis ich endlich den 8. Jenn. 1745. mich in den Rodel der Candidaten beyder Rechten eingeſchrieben, nach vorher abgelegten beſondern Pruͤfungen, den z. Horn. die erſte oͤfentlich, und den 6. deſſelben die zweyte Pruͤfung überſtanden. Nachdem nun ſolches geendigt war, iſt mir von der Loöͤblichen Fakultät der Rechtsgelehrten die Freyheit, die hoͤchſte Würde in beyden Rechten anzunehmen, vergoͤnnet, und der gewöhnliche Eid der Candidatorum der Rechten abgenommen worden. In dem gleichen Jahr 1745. nahm ich einen kleinen Excurs nach Frankfurt vor, um daſelbſt die 28 kaiſerliche Krönung nebſt dem uͤbrigen Gepraͤnge zu ſehen; welches mich aufgehalten, meine oͤffentliche Streitſchrift von der Freyheit der Schweitzer zu verfechten, bis auf den 8. Horn. des folgenden Jahrs. Im Jahr 1747. meldete ich mich unter der Zahl der Candidatorum fuͤr die damals offen geſtandene Profeſſion der Hiſtorie, bey welchem Anlaß ich eine Diſputation von dem Urſprung der roͤmiſchen Rechtsgeleyrten gehalten. Im gleichen Jahre gegen herannahenden Sommer machte ich eine Reiſe durch die Echweitz und die merkwuͤrdigſten Städte Frankreichs, und hielt mich den Winter hindurch bis gegen den nachfolgenden Sommer in Paris auf, um ſo wohl die franzoͤſiſche Sprache gruͤndlicher kennen zu lernen, als auch insbeſondere einige Kenntniß der franzoͤſiſchen Rechten unter Anleitung damals beruͤhmter Maͤnner zu erlangen. Nach meiner Ruͤckkunft ins Vaterland wurde ich im J. 1750. in E. E. groſſen Rath befoͤrdert, und im Jahr 1751. an E. E. Stadtgericht erwaͤhlt. Im Chriſtm. des gleichen Jahrs begab ich mich in den Stand der heiligen Ehe mit damals Jungfrau Anna Katharina Merian, einer Tochter Herrn Peter Merians, des groſſen Raths und Directors E. Loͤbl. Poſtamts, und Frau Maria Wetſtein, mit welcher ich, durch Gottes Segen, 4. Kinder, namlich 1. Sohn und z. Tochter, erzeuget, von welchen ich die aͤlteſte Tochter wohl verheyrathet geſehen, und 1. Großſoͤhnlein erlebt. 21 Im J. 1760. wurde ich, auf Abſterben meines Herrn Großſchwaͤhers, des weiland Hochverdienten Herrn Buͤrgermeiſters Samuel Merians ſel. zu einem Rathsherren E. E. Zunft zu den Kaufleuten erwaͤhlt. Im J. 1773. wurde ich Landvogt zu KleinHüningen; den 27. Jenn. 1777. Oberſter Zunftmeiſter, und den 17. Apr. darauf Buͤrgermeiſter unſers Freyſtandes. Das italieniſche Syndicat in den ehnetbirgiſchen ſchweitzeriſchen Vogteyen habe ich in den Jahren 1767. 1775. und 1776. zu dreyen malen als E. Geſandter beſucht, und dabey das erſte mal eine weitere Reiſe durch den oberſten Theil Italiens, als Mailand, Genua und Turin, gemacht. Verſchiedene eidsgenoͤſſiſche Geſandtſchaften wurden mir von Meinen Gnaͤdigen Herren und Obern, und beſonders im J. 1781. das Schiedsrichteramt zwiſchen Sr. Fuͤrſtl. Gnaden von St. Gallen und der Stadt Lichtenſteg aufgetragen. So weit geht der eigenhaͤndige Aufſatz unſers ſeligen Herren Buͤrgermeiſters. Die Gaben und Eigenſchaften, die Derſelbe beſeſſn, und zum Beſten des Vaterlandes ſo treulich angewendet, find allzuwohl bekannt, als daß es noͤthig ſeyn ſollte, weitlaͤuftig davon zu reden. Wie Er Sich von Jugend auf dem Dienſte des Staates gewidmet, ſo erwarb Er Sich auch frühzeitig alle die Kenntniſſe und Einſichten, die Ihm noͤthig waren, um denſelben mit der Zeit recht nuͤtzliche und wichtige Dienſte zu leiſten. Nachdem Ihn die göttliche 22 Fuͤrſehung an das Steuerruder der Regierung unſers Staates geſetzt, ſo nahm Er Sich aller davon abhangenden Geſchaͤfte mit unverdroſſenem Fleiſſe und Eifer an, und bewies Sich durch Klugheit, Gerechtigkeitsliebe, Freundlichkeit, Leutſeligkeit und andre Regententugenden als einen wahren Vater des Vaterlandes. Auch zeigte Er Hochachtung und Ehrfurcht für Gott und die Religion, und war ein zaͤrtlicher und treuer Ehegatte, und liebreicher, ſorgfaͤltiger Vater Seiner Familie. Der ſelige Herr Buͤrgermeiſter, Welcher vor einigen Jahren, durch Gottes Huͤlfe, eine ſchwere Krankheit gluͤcklich uͤberſtanden hatte, wurde verwichenen Mittwoch Abends in der Geheimen-Rathsverſammlung auf einmal mit ſtarken Kraͤmpfungen, Leibesſchmerzen und Bangigkeiten uͤberfallen, und dadurch genoͤthiget, Sich eilends nach Haufe bringen zu laſſen. Dieſe kraͤnklichen Umſtaͤnde,(wozu die bey Nachtzeit oftmals ertheilten Audienzen durch daher entſtandene Erkältungen vieles beyzutragen vermoͤgend geweſen,) dieſe Umſtaͤnde, ſage ich, wurden immer anhaltender und heftiger; und die Bangigkeiten nahmen, bey ſinkendem Pulſe und hoͤchſt beſchwerlichem Odemholen, von Stunde zu Stunde uͤberhand, bis endlich durch die lang anhaltende Dauer derſelben, und die ſtarke Preſſung des Zwerchfelles gegen der verengerten Bruſt, ein Stickfluß folgenden Morgens fruͤh zwiſchen 1. und 2. Uhr Seinem ſchaͤtzbaren Leben ein Ende machte, und Er, unter dem Gebete und den Thraͤnen der geliebten Seinigen, Seinen Geiſt in die Haͤnde Seines ee 23 treuen Schöpfers und Erloͤſers uͤhergab, Seines Alters 64. Jahre, 7. Monate und 10. Tage. Billig, Geliebte in dem Herrn, billig laſſen wir es uns ſeyn, als wenn unſer ſeligverſtorbener Herr Buͤrgermeiſter uns aus Seinem Sarge die Worte zuriefe, mit welchen Jakob auf ſeinem Todbette ſeinen Kindern Troſt zuſprach: Ich ſterbe, aber Gott wird mit euch ſeyn. Nun, Gott ſey mit Deſſelben hinterlaſſener hoͤchſtbetruͤbten Frau Wittwe und tiefgebeugten Kindern und Großſohne, wie auch Deſſelben betagten, verehrungswuͤrdigen Herrn Schwaͤher und Frau Schwieger! Er troͤſte Sie alle mit Seiner Huͤlfe und mit der erquickenden Hoffnung, den zaͤrtlichen Ehegatten, Vater und Schwiegerſohn, Deſſen Verluſt Sie nun ſo bitterlich beweinen, einſt vor dem Thront Gottes und Ihres Erloͤſers wieder anzutreffen, und mit Ihm bey dem Herrn zu ſeyn allezeit! Gott ſey mit unſern Theuerſten Landesvaͤtern, und insbeſondere mit den Wohlweiſen Herren Amtsnachfahren unſers ſeligen Herrn Buͤrgermeiſters! Er ſtaͤrke Ihre Geſundheit und kroͤne Ihre Sorgen und Anſtalten für die gemeine Ruhe und Wohlfahrt mit den gluͤcklichten Erfolgen! Er ſalbe und weihe Sie zu Prieſtern der Gerechtigkeit, und zu Regenten, die in Seiner Furcht und nach Seinem Wohlgefallen herrſchen! Er gebe, daß Sie durch Ihr Beyſpiel die Tugend und Gottſeligkeit dem ganzen Volke verehrungs⸗ und liebenswürdig machen; und laſſe Sie dann auch reichlich erfahren, was die Gottſeligkeit für herrliche Verheiß ungen habe, fo wohl für dieſes, als für das zukuͤnftige Leben! Gott ſey mit uns allen, und mit unſrer ganzen Stadt und Landſchaft! Er, Der allein Unſterblichkeit hat, wenn uns auch unſre beſten, weiſeſten, ge— rechteſten und guͤtigſten Regenten abſterben, Er ver— laſſe uns nicht, beſonders in den gegenwärtigen unruhigen und gefaͤhrlichen Zeiten; Er ziehe Seine Hand nicht von uns ab, ſondern neige unſre Herzen zu Ihm, daß wir uns durch Jeſum mit Ihm verſoͤhnen laſſen, vor Ihm wandlen, und Ihm dienen in kindlicher Furcht, in willigem Gehorſam und getroſter Zu ver— ſicht, daß wir Ihm in Chriſto Jeſu wohlgefaͤllig ſeyen! Gott, Seine Gnade, Sein Beyſtand, Troſt und Friede ſey mit uns, auch wenn unſre letzte Stunde koͤmmt! Dann laſſe Er uns zik unſrer Beruhigung erfahren, wie nahe Er mit Seiner Huͤlfe ſey denen, die Ihn fuͤrchten! Er helfe uns den letzten Kampf alfo kaͤmpfen, daß wir in demſelben überwinden, durch Den, Der uns geliebet, und Sich ſelbſt fuͤr uns in den bitterſten Tod dahin gegeben hat! Er oͤffne alsdann die Arme Seiner Barmherzigkeit, um uns zu Sich in Seine ewige Herrlichkeit aufzu— nehmen, durch unſern Herrn und Heiland Jeſum Chriſtum! Amen.