WWW !-!:!! WWW ::;i:k::nrnn: u»r:ui !r.;K:^r:x «;;:r DsDWWi«; L1^U"LLr5ll.L r^^vEiA «tLN ^ ^ , //I7. /.7 ^ ^ -2- -7?«,:«, ^7-5^. ^ <7^ 5 , 5^.^--^./^-^-^ /.'>'- 7-/. /. ^ --^. >4 >, ^<<^7-^7 ^ ^ ^-§ F -^ v /--^-^/^ 77 . / //^ s . 7 ) 7 /. < 7 . 7 / 7 ' 7 . ^ ^7»-/ /7^. /< 77 7-. /. -. '——//,, ^'Z^- L5< 7. --- /Vv ^7—-/^/ ^ . ^ 74/4^ ^7'«' ------^ E '7"^/^/ /77^- /7. /?< <7»^^/7. L 4 . 7 <^ /^ 7 /, / 7^.-§//7 /-. A . F.K 4> <-- /7^^/ '4-7^^. <>, E-^^7 / 7^^.^V/7 ^ ^--< c . <7, 7.77 / L , ^-/ //^?, / 77z . 7 ^. ^ ^ E /-^/. ^ ?/ ^7§7-.< ^ > < , ^-7^//.z-7.., -/-/. ^ 27 ^ /7 77.7^ ^ ^5/^< 7^ /^7^7 7^7! " > " ^ ^ ^ ,-^I. 17/. ^///E, L.7^, -^7, ^ ^777^ E/7 --7. E77/7, 77/^.'^^ /7^ , /^. ?s- ^7. ^ ^7^.7^,^ ^ 77 ^ /^<^7 / 7 ^-/^--^ 7 , / 7 ^ L . » X /' -^- ?^/ ML, 7-Ä, /--/-, x,^ ^ ^ ^ //7-r^7 ^ 7^ ^7' —^ 17^7. ^7. / '/-/'« ^r, ^-7-^ ^ ^ ! ^ sÄ 7 x - / 2 -<^>-->// / 77 ^ - /7 . -- 7-^^^7 — ! ///.,. 7..... ^ /.. <-^/ "LÄ ^7^ E N ^ .,, ,7'.-,^ 7^ ^--- --7"7-' -^7^"7 7/7^" ^.--7?- ^ '77 ^7i.< / 77' ,, 7«> ^ ^7^-7^ / ^ 7 7 7^ / 7'" >7-4.^-^' L 7^7,5/,^7LL. ^ ^ i-^4 . /^. -/ . ^ 7 )^/' ^ ' c> L-N- " ' 7, >> ^ / v^7 ^ /!/ 7 7i)^ /"X - 7-^. /7>^ > ^ ^/7/ E 7^M77-,»-- Der hohe Werth eines rechtschaffener: christlichen Lehrers wurde bey dem Leichenbegängniß deS weiland Wohlehrwürdigen und Wohlgelehrten Herrn N. Johann Werner Besten, gewesenen treucifrigen Helfers bey St. Lconhard, in der Kirche daselbst vor einer zahlreichen Trauerversammlung den 7 May 178s. vorgestellt von Emanne! Merian, Pfarrer im Münster. ( 7 ^ Basel, bey Joh. Heinrich Decker. Text. Luk. ir, 42 — 44. Der Herr aber sprach: Wie ein groß Ding ist es uln einen treuen und klugen Haushalter, welchen sein Herr setzet über sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit ihr Gebühr gebe? Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also thun, wenn er kömmt. Wahrlich, Ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen. schwerem, beklemmtem Herzen trete ich heute vor euch auf, da mir aufgetragen worden, euch mit dem Andenken euers gegen 2;. Jahre gewesenen, geliebten und billig werthgeschätzten Lehrers zu unterhalten, der, nach dem uncrforschlichcn Rathschlusse Gottes, dieser christlichen Gemeine zu einer Zeit entrissen worden, da sie steh noch manche wichtige Dienste von ihm versprach. Wie schmerzlich muß es mir fallen, diese letzte traurige Pflicht a 2 4 einem Amtsbruder und Amtsnachfahr zu leisten, mit dem ich von Jugend auf durch die engsten Bande der Freundschaft verbunden gewesen! Meine Absicht ist nicht , meinem seligen Freunde eine Lobrede zu halten, welches auch um so viel weniger nöthig seyn wird, da die häufigen Merkmale des Schmerzens und der Betrübniß über seinen Verlust, die an euch wahrzunehmen sind, an sich selbst schon das beste und beredteste Lob ausmachen, das ihm gegeben werden könnte. Ohnedem sollen wir ja nicht uns selbst predigen , und also auch nicht Einer dem Andern Lobreden halten, sondern Jesum Christum, daß Er der Herr sey, wir aber Seine Knechte, und auch eure Knechte um Jesu willen (a). Der Endzweck meines gegenwärtigen Vertrags wird also nur der seyn, die Rührung, in welche diese christliche Gemeine durch das Absterben ihres würdigen Lehrers ist versetzt worden, zu ihrer Stärkung und Befestigung im Guten zu benutzen. Diese Absicht, das Andenken eucrs ftligverstorbcnen Lehrers mit der Erweckung und Erbauung unsrer Seelen zu vereinigen, glaubte ich am besten erreichen zu können, wenn ich eure Andacht mit einigen Betrachtungen über die vorgelesenen Worte unsers Heilandes unterhielte, da Er sprach: Wie ein groß Ding ist es um einen treuen und klugen Haushaltet', welchen sein Herr setzet über sein Gesinde, daß er ihnen Zu rechter Zeit ihr Gebühr gebe? Selig ist (») r. Kor. 4, ?. 5 der Knecht, welchen sein Herr findet also thun, wenn er kömmt! Wahrlich, Ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen. Nach Anleitung dieser Worte wollen wir, unter Gottes gnädigem Beystände, Den hohen Werth eines rechtschaffenen christlichen Lehrers mit einander betrachten. Wir wollen dabey so zu Werke gehen, daß wir unsre Aufmerksamkeit richten, Theils, auf die Eigenschaften eines solchen Lehrers, die der Heiland in unserm Texte beschreibet; Theils aber, auf die Seligkeit, die Er ihm zueignet. theuerster Herr Jesu, gieb Kraft und Segen zu unsern vorhabenden Betrachtungen, damit sie den Traurcnden zum Troste, und uns allen zur wahren Erbauung unsrer Seelen gereichen! Wir sind alle, o Herr! zu Deinem Dienste berufen, in was für einem Stande wir uns auch immer befinden mögen. Ach, darum erwecke und stärke uns alle zur gewissenhaften Treue in dem, was Du uns anbefohlen hast, damit wir einst auch die Gnadenbelohn- ungen empfangen mögen, die Du Deinen treuen Knechten vcrheissen hast! Amen! 6 i. Heiland wollte Seinen Zuhörern in unserm Texte eine überaus wichtige Lehre zu Gemüthe führen, nämlich, die: Wer mit den Gaben, Kräften, Fähigkeiten und Gütern, die ihm Gott anvertrauet hat, treu und gewissenhaft umgehet, und sie fo gut, als er nur immer kann, zum Wohl feiner Ncbcnmcnschcn, und zum allgemeinen Besten anwendet, der hat sich in der Ewigkeit von Gott die herrlichsten Gnadcnbelohmmgcn zu versprechen. Dieß ist für alle Menschen in allen Ständen, insonderheit aber für Lehrer der christlichen Kirche, eine kräftige Ermunterung zur gewissenhaftesten Treue in ihrem Berufe. Um uns diese Lehre desto nachdrücklicher einzuprägen, bedienet Sich der Heiland eines Gleichnisses von einem Knechte, der von seinem Herrn zum Haushalter über sein Hausgesinde gesetzt worden, und den der Herr, wegen der in seiner Verwaltung bewiesenen Treue und Klugheit, über alle seine Güter gesetzt. i. Die Lehrer der christlichen Kirche sind also, vor allen Dingen, Haushalter. Wie ein groß Ding ist es, spricht Jesus, um einen treuen und klugen Haushalter? Dafür erkläret sie auch der Apostel Paulus mit ausdrücklichen Worten, da er im 4. Kap. seines i. Briefes an die Korinthcr sagt: Dafürhalte uns jedermann, nämlich , für Christi Diener, und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Ein Haushalter ist , wie bekannt, ein 7 -,' solcher Bedienter, den ein Herr über sein Hauswesen, über sein Gesinde und seine Güter bestellet hat, daß er darüber die Aufsicht führe, demselben vorstehe, alles in guter Ordnung erhalte, einem jeden der Untergebenen das ihm gebührende Theil, so wohl von Arbeit, als von Nahrungsmitteln , anweise? die ihm anvertrauten Güter in Aufnahme zu bringen suche, und, mit Einem Worte, alles so anzuordnen beflissen sey, wie es mit dem Willen seines Herrn übereinkömmt, und wie es zum Nutzen und zur Ehre desselben gereicht; damit er im Stande sey, von seinem Haushalten Rechnung zu geben, wenn solche von ihm gefordert wird. So sind nun zwar alle Christen Haushaltcr über die ihnen von Gott verliehenen Gaben und Güter. Dieß erhellet aus der Ermahnung des Apostels Petri: Dienet einander, ein jeglicher mit -er Gabe, die er von Gott empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherley Gnade Gottes (K). Insbesondere aber werden die Lehrer des Evangelii in der heiligen Schrift als Haushaltcr vorgestellt, weil sie von dem Herrn über Seine Kirche gefetzt sind, daß sie darüber die Aufsicht haben, und das Beste derselben zu Seiner Ehre wahrnehmen und beforgen, und bey der ganzen Verwaltung ihres Amtes so zu Werke gehen sollen, wie sie es gedenken vor Ihm zu verantworten, wenn sie von Ihm werden zur Rechenschaft gefordert werden. (b) i. Petr. 4, lo» 8 s. Werden aber christliche Lehrer gleich als Haushaltcr vorgestellt, so stnö und bleiben sie gleichwohl weiter nichts, als Knechte, nämlich, Knechte des Herrn, Der sie zu Haushaltcrn gesetzt hat. Wie ein groß Ding ist es, sagt Jesus, um einen treuen und klugen Haushalter, welchen sein Herr fetzet über sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit ihr Gebühr gebe? Selig ist der Knecht, ! welchen sein Herr findet also thun, wenn er kömmt. Die Apostel selbst haben alle ihre Ehre darein gesetzt, > daß sie sich Knechte Jesu Christi nennen konnten. Gleich- j wie in ihren Augen niemand grösser und herrlicher war, als Jesus Christus , Der selbst in Seiner Erniedrigung die Gestalt eines Knechts angenommen, aber bald darauf zum Herrn über Alles, und insbesondere zum Haupte über , Seine Gemeine, ist gesetzt worden: also konnten sie sich auch nichts grösseres und ehrwürdigeres vorstellen, als Knechte eines so grossen Herrn zu seyn. Haben sich nun die Apostel für weiter nichts, als Knechte, erkannt und erklärt: so sollen noch vielmehr die christlichen Lehrer in unsern Tagen dessen stets eingedenk seyn, daß sie nicht Herren, sondern Knechte, nämlich, Knechte Christi, und um Seinetwillen auch Diener Seiner Kirche sind. Und diese Betrachtung soll uns bewahren, daß wir uns nicht von Stolz, Ehrgeiz und Herrschsucht einnehmen und aufblähen lassen; daß wir uns keines An, schens, das uns nicht gebühret, keiner Herrschaft über die Gewissen, die keinem Menschen zukömmt, anmaßen, noch von unsern Zuhörern einen blinden Glauben und Gehorsam fordern. Denn unser Amt ist nicht, über das Volk zu herrschen (c), sondern unsre Zuhörer zu bitten und zu ermähnen, daß sie sich versöhnen lassen mit Gott (6). unser Amt ist, Vorbilder der Heerde zu werden , unsre Lehren mit unserm Wandel zu bekräftigen, und, nach dem Beyspiele unsers Herrn und Heilandes, uns einer herzlichen Sanftmuth und Demuth zu befleißigen (e). z. Es sind hauptsächlich zwo Eigenschaften, welche Jesus Seinen Knechten und Haushaltern , die Er selig preiset, beylegt, nämlich, Treue und Klugheit. Wie ein groß Ding ist es , sagt Er, um einen treuen und klugen Haushalter? Die erste und vornehmste Eigenschaft ist also die Treue. Wie vieles darauf ankomme, lehret uns der Apostel Paulus, da er sagt: Man suchet nicht mehr an den Hans- haltern, denn daß sie treu erfunden werden (k). Wie vieles wird aber zu dieser Treue eines Dieners Christi und Haushalters über die Geheimnisse Gottes erfordert! Wollen wir treu erfunden werden, so müssen wir eben die Lehre verkündigen, welche Jesus Christus den Menschen verkündiget, und uns, Seinen Dienern, zu verkündigen befohlen hat. Unser Wort muß nicht Menschenwort, sondern es muß wahrhaftig Gottes Wort seyn (g). Wir müssen mit dem Apostel sagen können: Wir 10 sind nicht/ wie ihrer viele/ die das Wort Gottes verfälschen / sondern als aus Lauterkeit/ und als aus Gott/ vor Gott/ reden wir in Christo (tt). Wir müssen nicht nur einen Theil des Evangelii, sondern wir müssen es ganz und völlig predigen. Wir müssen unsern Zuhörern zurufen: Glaube an den Herrn Jesum: so wirst du selig (i)! aber wir müssen dabey nicht vergessen/ ihnen auch das ernstlich einzuschärfen/ daß ohne die Heiligung niemand den Herrn sehen werde (lc); und daß Jesus nur denen eine Ursache zur ewigen Seligkeit worden sey/ die Ihm gehorsam stnd 0). Wollen wir treu erfunden werden / so müssen wir uns mit allem Ernste bestreben/ Jesu Christo/ dem besten und vollkommensten Lehrer/ in Seinem treuen und uuermüdeten Eifer/ an der Besserung und an dem Heil der Sünder zu arbeiten / so ähnlich zu werden / als uns immer möglich ist. Zu dem Ende müssen wir uns von Seinem Geiste Agieren / und unsre Hauptabsicht immer darauf gerichtet seyn lassen / die Ehre Gottes zu befördern / und die Seelen derer / die der Herr unsrer Aufsicht anvertrauet hat/ selig zu machen (m). Zu dem Ende müssen wir darauf sehen / daß die Jugend frühzeitig in den vornehmsten Wahrheiten und Pflichten der Religion unterrichtet / und zur Gottseligkeit geleitet werde; wir müssen rohe / sichere Sünder mit liebreichem Ernste warnen und bestrafen / den Bußfertigen mit Rath und (U) 2. Kor. i, 17. (i) Ap. Gesch. iü, zi. (K) Hcbr. 12/ 14. (t) Hebe. 5, (m) 1. Tim. 4, 16. II That an die Hand gehen , die Trägen erwecken, die Angefochtenen beruhigen, die Niedergeschlagenen aufrichten, der Kranken pflegen, und die Sterbenden trösten. Die Treue eines Knechtes Jesu muß steh auch darum offenbaren, daß er alle Beschwerden und Hindernisse, die ihm bey seiner Amtsführung aufstossen, mit standhaftem und unerschrockenem Muthe besieget ; daß er keine Mühe noch Arbeit, keinen Verdruß, keine Gefahr, kein Leiden scheuet; daß er weder aus Mcnschenfurcht, noch aus MenschcngcfäLigkcit, zu den im Schwange gehenden Aergernissen schweiget, sondern mit Paulo denkt: Wenn ich Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht (n); daß er, mit diesem Apostel, es bey sich heissen läßt: Ich achte der keines ; ich halte auch mein Leben selbst nicht zu theuer, auf daß ich meinen Lauf mit Fröuden vollende, und das Amt, das ich empfangen habe von dem Herrn Jesu, zu bezeugen das Evangelium von -er Gnade Gottes (c>). Wollen wir treu erfunden werden, so müssen wir, endlich, unsern Zuhörern mit einem unsträflichen und erbaulichen Wandel vorleuchten ; wir müssen in den Fußstapfen Jesu getreulich einherwandeln, damit unsre Zuhörer nicht nur durch unsre Lehren, sondern auch durch unser Leben, überzeugt werden, daß es um die Nachfolge Jesu weder etwas unnöthiges, noch etwas unmögliches sey. Wir müssen uns sorgfältig hüten, daß wir niemand (») Gab i, lo. (o) Ap. Gesch. ro, 24. 12 irgend ein Aergerniß geben, damit das evangelische Predigamt um unsertwillen nicht verlästert werde (x). Wir müssen unablässig nach dem Ruhme und Troste streben , ein gutes und unverletztes Gewissen zu haben, beydes vor Gott und vor den Menschen (g). 4. So nöthig aber die Treue einem christlichen Lehrer ist, eben so nöthig ist ihm auch die Klugheit. Daher verbindet unser Heiland diese beyde» Eigenschaften mit einander: Wie ein groß Ding ist es, sagt Er, um einen treuen und klugen Haushalter? Die Klugheit eines christlichen Lehrers besteht darinnen, daß er die Mittel recht zu gebrauchen weiß, wodurch ein so guter und nützlicher Endzweck, als die Verherrlichung Gottes und das ewige Heil der Menschen ist, befördert und erreicht werden kann. Ist die Klugheit in allen wichtigen Angelegenheiten nothwendig, so ist sie vorzüglich in dieser allcrwichtigstcn Angelegenheit höchstnöthig und unentbehrlich. Treue ohne Klugheit kann oft mehr schaden, als nützen. Mancher christlicher Lehrer hat oft die beste Absicht bey seinen Reden und Handlungen; aber wenn er, aus Mangel der Klugheit , nrit Unverstände eifert (r), so reißt er oft dadurch mehr nieder, als er aufbauet. Darum gab Jesus Seinen Jüngern, da Er sie in die Welt sandte, die Erinnerung: Sey- klug, wie die Schlangen, und ohne Falsch, wie die Tauben (s). Ein christlicher Lehrer hat, besonders in grossen Städten, mit allerley Arten von Menschen um- (l>) Kor. 6/ Z. (<<) Ap. Gesch. - 4 , I<>. r. Aor. I, II. Hebr. rz, 18. (r) Röm. 10, I. (s) Matth. 10, 16. IZ zugehen. Er hat Hohe und Niedrige, Gelehrte und Un- gclchrtc, Starke und Schwache, Fromme und Gottlose vor sich. Wie viel Licht, Weisheit, Klugheit und Bc- dachtsamkett wird dazu erfordert, daß er, nach der» Beyspiele des Apostels Pauli, Allen allerley werde (rH ohne sein Gewissen zu verletzen, oder der Wahrheit und der Ehre Jesu etwas zu vergeben! Wie viel Klugheit gehört dazu, bald wider den Unglauben, bald wider den Aberglauben zu streiten; immer auf Zeit, Personen und Umstände Rücksicht zu nehmen; zu wissen, wie er das Wort der Wahrheit recht theilen (u), wie er bald den Sünder strafen, bald mit den Müden zu rechter Zeit reden Ov), und den über seine Sünden geängstigtcn und um sein Heil bekümmerten mit Troste erquicken soll! Haben wir nun bisher die Eigenschaften eines rechtschaffenen christlichen Lehrers, so wie sie der Heiland in unserm Texte beschreibet, mit einander betrachtet, so laßt uns jetzt, für das Zweyte, auch noch die Seligkeit, die Er einem solchen Lehrer zueignet, in möglichster Kürze erwägen. II. , sagt der Heiland in unserm Texte, selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also thun, wenn er kömmt. Wahrlich, Ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen. (Y i. Kor. (w -. Tun. i;. G') Ics. 50, 4. 14 Die Seligkeit treuer Knechte Jesu Christi wird in ihrem vollen Glänze erscheinen, wenn Er / der Herr, kömmt, das ist, am Tage Seiner sichtbaren Zukunft, welche am Ende der Welt erfolgen wird. Wir wissen alle, daß Er zwar der Welt Seine sichtbare Gegenwart entzogen hat, da Er gen Himmel fuhr, und Sich zu der Rechten der Majestät Seines Vaters setzte. Wie Er aber Derjenige ist, in Welchem Gott beschlossen hat, den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit zu richten (x): so wird Er auch einmal, zu der von Gott bestimmten Zeit, vom Himmel wieder hernieder kommen, dieses grosse Geschäffte hinauszuführen. Wenn nun Jesus, der Erzhirte (^), an jenem Tage in solcher Absicht Sich offenbaren wird, so sollen alsdann rechtschaffene Lehrer für ihre in Seinem Dienste bewiesene Treue die herrlichsten Gnadcnbclohnungcn aus Seinen Handen empfangen. Rechtschaffene christliche Lehrer haben, zwar oft auch bereits hier in diesem Leben manche selige Frucht ihrer Arbeit, manche selige Vergeltung ihrer Treue zu gemessen. Wie hoch ist nicht schon der Vortheil zu schätzen, daß der Herr, Der uns zu Haushaltcrn gesetzt hat, unsre gewissenhafte Treue mit,gnädigem Wohlgefallen bemerkt! Wie hoch ist die daher entstehende Ruhe der Seele, und der Trost eines guten Gewissens zu schätzen! Welch ein Vortheil ist für rechtschaffene Lehrer der Segen, den ihr Amt bey vielen Seelen stiftet! Ja, so manche Seele durch sie (x) Ap. Eesch. 17, Zl. (7) I. Pet. 4. erweckt, errettet, erleuchtet, bekehrt und geheiligct wird, so manche neue Krone wird gleichsam auf ihr Haupt gesetzt, zur unaussprechlichen Freude ihres Herzens. I» dieser Absicht nennet Paulus die gläubigen Phiiipper seine Freude und seine Krone (r). Doch rechtschaffene christliche Lehrer erwarten die völlige Vergeltung und Belohnung ihrer Treue nicht himieden. Nein! sie erwarten sie in jener bessern Welt. Wir verdienen zwar keine Seligkeit mit aller unsrer Arbeit und Treue. Wenn wir alles gethan haben, was uns befohlen ist, so müssen wir sprechen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben gethan, was wir zu thun schuldig waren (n). Desto grösser und herrlicher aber wird die Gnade, die unsre geringen Arbeiten, wozu sie uns selbst tüchtig macht, mit so grossem und ewigem Segen bekrönen will. Wir finden in der heiligen Schrift eine Menge von Verheissungen des Segens, der in Zeit und Ewigkeit auf treuen Lehrern ruhen soll. Die Lehrer, heißt es, werden mit vielem Segen geschmückt (d). Die Lehrer werden leuchten, wie des Himmels Glanz, und die, so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne, immer und ewiglich (c). und was für ein grosser und treuer Zeuge ist Jesus selbst von der Seligkeit Seiner Knechte, die Er ihnen sogar mit einer Bethcurung verheißet, da Er in unserm Texte spricht: Selig ist der Knecht, welchen i6 sein Herr findet also thun. Wahrlich/-Ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen. Ey / du frommer und getreuer Knecht/ so wird Er einst zu jedem rechtschaffenen Lehrer sage»/ du bist über wenigem getreu gewesen; Ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude (ck). Sie sollen / nach der Vcrhciffung Jesu / dort über grosse Güter gesetzt werden. So köstlich auch die Schätze der Gnaden/ so theuer auch die durch Jesu Blut erkauften Seelen sind / die ihnen auf Erden anvertrauet worden: fo hat der Himmel doch für sie noch weit höhere und schätzbarere Güter. Dort sind sie mit den heiligen Engeln und mit den Geistern der vollendeten Gerechten (o) umgeben, und schauen Gott von Angesicht M Angesicht (tz. Da höret das Stückwerk auf ; da haben alle Beschwerden des Leibes und des Geistes ein Ende; da wandeln sie nicht mehr im Glauben / sondern im Schauen (g) / und bewundern mit heiliger Ehrfurcht und himmlischer Lust die Werke und Wege Gottes / die sie in einem ganz neuen Lichte erblicken. Da dienen sie dem Herrn Tag und Nacht in Seinem Tempel (K) / und empfangen ewig, als verklärte Prediger der Gerechtigkeit/ den allerfeligstcn Lohn ihrer Treue von Icf»/ ihrem Herrn. Da erweitert sich ihr Wirkungskreis; ihre Thätigkeit im Dienste des Herrn wird mit Kraft zu immer gröf- (ä) Matts. -i. rz. (c) Hebr. i:, rz. (k) i. Kor. iZ/io. ir. (») 2 . Kor. 5/ 7. ch) Offenb. 7 / i;. 17 grösserer Thätigkeit belohnt. Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe (i). Wer hier ein treuer Haushalter war, dem wird dort mehr anvertrauet. Wer hier in nützlicher Thätigkeit sein Vergnügen fand, der wird dort noch grössere Seligkeit gemessen; eine Seligkeit, die nie gestört noch vermindert, sondern stets wachsen, von beständiger und ewiger Dauer seyn wird. Ich zweifle nicht, Geliebte in dem Herrn , daß ihr von dem, was ich über die Eigenschaften eines rechtschaffenen christlichen Lehrers vorgetragen habe, die Anwendung auf denjenigen Lehrer machen werdet, der euch jetzt durch den Tod entrissen worden. Ihr werdet ihm die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß er in seinem Amte so wohl Treue , als Klugheit bewiesen, und tue Gabe eines deutlichen, rührenden und eindringenden Vertrags, womit er von Gott ausgerüstet war, zu eurer Erbauung fleißig angewandt habe. Billig ist es daher , daß sein Verlust von euch betrauert und noch lange beklagt wird. Sein Andenken müsse unter euch im Segen bleiben t Gedenket nicht nur an ihn, sondern gedenket auch an das, und folget dem, was er euch so oft aus dem Worte Gottes gesagt hat (k). Freylich muß es schmerzen, den Tod eines solchen Mannes zu bctraurcn; aber beruhiget euch damit, daß die allcsrcgicrende Für- sehung Gottes eure Traurigkeit wieder in Freude verwandeln kann, indem sie euch einen Mann zusendet, der (i) Matth. r?. G) Hcbr. IZ? 7. b 18 würdig ist, sein Nachfolger zu seyn. Bittet nur -en Herrn der Erndte, daß Er einen treuen und klugen Arbeiter in Seine Erndte sende (i). Werden gleich die Diener der Kirche Jesu besonder- mit dem Namen Seiner Knechte und Haushalter beehret: so hat Gott doch nicht nur ihnen, sondern auch einem jeden Menschen gewisse Gaben, Kräfte und Gelegenheiten zum Guten verliehen, über welche Er ihn.zum Hanshaltcr gesetzt hat. Daher muß denn auch ein Jeder in der Anwendung dieser Gaben Gottes alle mögliche Treue und Gewissenhaftigkeit- beweisen. Ein Jeder muß die Kräfte seines Leibes und Geistes , welche beyde Gottes Eigenthum sind, zu Seinem Preise gebrauchen (m). Der, der wenig empfangen hat, soll in dem Wenigen, und der, dem viel gegeben ist, soll im Großen treu erfunden zu werden, sich mit allem Ernste bestreben, damit wir, wenn heute oder morgen die Stimme an uns erschallet: Thue Rechnung von deinem Haushalten (n)! davor nicht erschrecken dürfen, sondern hoffen können, die tröstliche Anrede aus dem Munde unsers Herrn zu vernehmen; Ey, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen; Ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude (o). (t) Match. 9, Z8. (m) i. Kor. 6, ro. (n) Luk. rL, (v) Match, r;, -l. -z. M P L M ch E k«! M, IN» L e b e n s l a u f. ^/er wohlehrwürdige und wohlgelehrte Herr Ll. Johann Werner Best ward an das Licht dieser Welt geboren im Jahr C. 17z«. den n.Horn. Seine schon lange in Gott ruhenden geehrten Aeltern waren Herr Emanuel Best/ der Messerschmied, und Frau Esther Falkeisen. Von Denselben ward Er zur Erkenntniß und Furcht Gottes, zur Kirche und Schule und allem Guten fleissig angehalten. Nachdem Er die Llallss des hiestgen durchgangen, ward Er im I. 174;. sä I^eüione 8 xMicas promovirt, im Jahr 1745. erhielt Er den Fraäum xrimas I^ursas, und im Jahr 174-6. den §raäum lVlaZittsrii; und darauf widmete Er Sich dem 8 mäio tlieoloZico. b r Nach rühmlich »verstandenen leummimdus imd LxLmins ward Er den 9. Wintermonats I 7 si. zu einem LLnäjäaro 8. MiMern angenommen. Von dieser Zeit an übte Er Sich fleissig im Predigen und im Unterrichte der lieben Jugend / begab Sich auch für einige Zeit nach Genf, um die französische Sprache zu lernen. Den 8. Horn. 176?. ward Er zum Prediger- dienste in Klein-Hüningen, den 2;. Apr. 1764. zur Pfarrstelle bey den Vaarfnsscrn und im Spital, und endlich den 19. Augstm. 1766. zur Helferstelle bey dieser christlichen Gemeine berufen. Mit welchem unverdrossenen Fleisse und Eifer Er diesen wichtigen Aemtern vorgestanden, ist jedermann bekannt; daher auch Sein Hinschied von dieser christlichen Gemeine so wohl, als auch von andern Personen, die Ihn gekannt, und gute Eigenschaften und Verdienste zu schätzen wissen, billig recht sehr betrauert wird. Den 14. Jenn. 1765. trat der seligverstorbene Herr Pfarrer in den Stand der heiligen Ehe mit Frau Salome Bulacher, Seiner nunmehr hinterlassenen, schmerzlichst betrübten Frau Wittwe, mit Welcher Er über 24. Jahre liebreich und ver- 2l gnügt zugebracht, und durch Gottes Segen eine Tochter erzeugt, welche, so lange es dem Höchsten gefallt, sich noch im Leben befindet. Der Gott aller Gnaden beruhige und erquicke mit Seinem reichen Troste die tiefgebeugte Frau Wlttwe und Jungfrau Tochter, wie auch die geehrten, hochbetagten Schwiegerältern, Herren Stiefsöhne, Stief- tochtermann, Stiefgroßkinder und Geschwister unser s seligverstorbenen Herrn Pfarrers! Allerdings muß Ihnen der noch unvermuthete Verlust eines solchen zärtlich liebenden und geliebten Ehegatten, Vaters und Großvaters, Tochtermanns und Bruders überaus schmerzhaft vorkommen. Aber der Herr lehre Sie auf Ihn sehen, Dessen Wege allemal lauter Weisheit und Güte sind! Er lehre Sie die glückliche Veränderung bedenken, welche mit dem Seligverstorbenen vorgegangen; wie Er nun von aller Arbeit ruhet, allen Leiden und Beschwerden auf immer entgangen, und in Seines Herrn Freude aufgenommen ist! So werden Sie die Hand auf den Mund legen, und in stiller Demuth und Gelassenheit die göttliche Regierung anbeten, die Alles wohl macht, und denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten lenket! Das Lebe» und der Wandel des seligverstorbenen Herrn Pfarrers, die Führung Seines Amtes unter Euch während einer Zeit von mehr als 22. Jahren, die Gaben und Fähigkeiten, welche Gott Ihm beygelegt hatte, und der Gebrauch, den Er davon gemacht hat, Sein Eifer für die Ehre Gottes und für das Beste Seiner Kirche, Sein Fleiß in der Unterweisung der lieben Jugend , Seine Dienftfertigkeit und andre gute Eigenschaften mehr, die Er an Sich gehabt, bedürfen meines Zeugnisses und meines Lobes nicht; sie sind Euch allen schon langst bekannt, und werden Euch hoffentlich , so wohl als mir, unvergeßlich bleiben. Die verwichene heilige Passionszeit über, und auch am heiligen Ostertage, wartete Er noch Seinen Amtsverrichtungen, wiewohl mit etwas kränklichem Leibe, ab. Von dieser Zeit an ward Er von Kopfschmerzen und Seitenstechen angegriffen. Man wandte sogleich alle nur mögliche Hülfsmittel an, welche aber nicht anschlugen. Es folgte ein Husten und Gallen- steber. Einigemal ließ sich einige Hoffnung zur Besserung blicken; diese verschwand aber, leider! gar zu bald wieder. Verwichenen Sonntag überfiel Ihn ein Fluß, der immer mehr zunahm, und Sein Ende beschleunigte. 2Z Mit ausnehmender Geduld und Gelassenheit ertrug Er Seine Schmerzen, übergab Sich gänzlich dem Willen des Herrn, richtete die bangen Gemüther der geliebten Seinigen auf, sprach Ihnen Muth ein, dankte Ihnen für die Ihm geleistete treue und uner- müdete Verpflegung, wandte Sich in gläubigem Gebete zu Seinem Gott und Heilande, an Den Er Sich mit festem Vertrauen hielt, und erwartete also Seine selige Auflösung, welche erfolgte verwichenen Montag Morgens zwischen z. und 4. Uhr, da Er, unter dem Gebete und Thränen der lieben Seinigen, sanft und selig in dem Herrn entschlief, nachdem Er in dieser Welt zugebracht 59. Jahre, 2. Monate und 24. Tage. Der Seligverstorbene hat am verwichenen heiligen Ostertage Seine Amtsführung mit einem Zeugniß von unserm auferstandenen Erlöser beschlossen, Der dem Tode die Macht genommen, und Leben und unvergängliches Wesen an das Licht gebracht hat. Laßt uns alle, die wir Ihm mit Wehmuth und Thränen nachsehen, zu unserm Troste bedenken, daß Er nun -er Seele nach zur Unsterblichkeit eingegangen ist, und daß, weil der Glaube an Jesum in Seiner Seele gewohnt hat, auch Sein Leib dereinst verklärt wieder auferstehen wird. Laßt uns bedenken, daß Er uns 24 zwar entrissen/ aber nur auf eine kurze Zeit entrissen ist/ und daß wir Ihn dort in der Unsterblichkeit wieder sehen, und alsdann an die Angst und Traurigkeit nicht mehr gedenken werden, welche wir jetzt wegen Seines Verlustes in dieser Sterblichkeit empfinden müssen. Dieß wird uns wahren Trost gewähre»/ Den, Den unsre Seele liebte, der Sterblichkeit und allem Elende entrückt, und in die frohe, selige Unsterblichkeit versetzt zu sehen. O möchten wir uns doch alle in die selige Verfassung setzen lassen, daß wir es an uns selbst lebendig erfahren könnten, wie wahr jenes Wort unsers Heilandes sey: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an Mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an Mich, der wird nicht ewiglich sterben! Amen.