Warum ſoll ieh ein Freymaänurer von Erich Servati an ſeinen Freund in W.. Baſel bey Johann Jacob Flik,*— 1286. a Iich wurde an einen Ybend in das innerſte Heilig= thum des Tempels geführt; und hier fragſt du vielleicht neugierig, was geſagt und vernommen worden? Ich würde es ſagen, wenn ich es ſagen dürfte, und du wuͤrdeſt es erfahren, wenn es dir zu Hören erlaubt wuͤre. Unterdeſſen will ich deine Neugierde nicht ganz unbefriedigt laſſen, und dir ſagen, was ſich ſagen laͤßt. Apulejus von der Einweihung in die Fſſchen Gebeimniſſe. L. XI. 20. Editio Colnii, Vorbericht des Herausgebers. 731 . War eine Broſchuͤre uber die Freymaͤurerey!,, Warum nicht, da immer neue Zogen und Freymaͤurer wie Schwaͤmme ent: ſtehen? Das gegenwaͤrtige Schriftchen ſollte den Saft vieler vorigen enthalten, aber nicht den Moraſt grober Beſchuldigungen, die von zahlreichen Geſellſchaften blos möglich, ſelten wahrſcheinlich ſind. Daß der Orden nicht das größte Wweltnichts oder eine unbedeutende Bleinig?zeit ſey, lehret ihr Innhalt. Der Verfaſſer greift die Achte Freymaͤurerey von Seite des Staats und der Moralitaͤt an; die Pareogen, ihre Ceremonien und kleine Spielwerke, die ohnedem ſchon durch den Druck 06 2 IV Vorbericht bekannt worden, hielt er keiner Erwähnung werth. Nur ſind hie und da kurze Epiſodien eingeſtreuet, weil ſich das von unſrer Leſewelt zweymal bewaͤhret, was Horaz von ſei— ner Zeit ſchrieb: Celſi praetereunt auſtera poëmata RKhamnes. Aus dieſer Abſicht mag er einen Bajazo von Freymaͤurer ins zweyte Geſpraͤch aufgenommen haben, ohne darum die ernſthafteſten vom Orden zu beleidigen. Denn in Summa ſagt doch dieſer gleich viel, als alle Bruͤder in derſelben Lage ſa— gen wuͤrden:— nichts. Ferner bittet der Verfaſſer, daß Leute, welche die Verſuchung noch anwandelt, Freymaͤurer zu werden, ſeine Bogen nicht, wie andere Broſchuͤren, unter der Hand des Friſeurs, aufm Faulbette oder bey einer Nachtkerze mit halben Augen zu leſen; ſie ſelbſt wurden in den erſten Morgenſtunden bey hellem Kopfe gedacht, und mit offenen Augen geſchrieben. So viel Ernſt und Nachdenken glaubte er dieſer Geſellſchaft ſchuldig zu ſenn. Der Denker und der Chriſt werden darinn noch mehr Bedenkliches ent— decken, als in der bekannten Schrift eines Vorbericht. V Berliner Gelehrten, der ſchon im vorigen Decennium wider dieſen Myſtiſchen Orden zu Felde zog. Er wuͤnſchet ſehnlichſt, daß er die Brüder zum Reden bringen koͤnnte. Denn ſovlel, glaubt er entgegen, daß ſie dem Publiko und ihrer eignen Ehre ſchuldig ſind. Zwar hat die Verraͤtherey ſchon manches Geheimniß entſchleyert; und er erlaubte ſich einen Gebrauch davon, ohne die Rachbegier— de fo duldſamer Brüder zu befuͤrchten; ſelbſt aus ſeinem Namen wollte er kein Myſterium machen, weil er eben den Myſtiziſmus des Ordens hauptſaͤchlich beſtreitet, und jede unnoͤthige Geheimnißmacherey von Natur nicht leiden kann. Nichts durfte ihn von der Un— terſuchung einer Sache abwendig machen, die ſo viel Laͤrmen erreget und das Publikum mit Mißtrauen und liebloſen Urtheilen an— fuͤllt. Obgleich er ſelbſt unter den Freymaͤurern Maͤnner zaͤhlet, die er ſchaͤtzet, und Freunde, die er liebt: ſo verſpricht er ſich dennoch von den Einſichten der erſten, und von der Freundſchaft der letztern, allo von beyden, deſto eher eine Nachſicht, da ihn das VI Vorbericht. feyerliche Zeugniß gegen Vorwuͤrfe der Nie dertraͤchtigleit verſichert halten ſoll. Er beehrte mich, bey dieſer Gelegenheit, zugleich mit einer Vollmacht, aus feiner uͤbrigen Correſpondenz das auszuheben, was mir, in Betreff feines Streites mit dem Hrn. Zeitungsſchreiber von Freyburg, nicht unſchicklich ſchiene. Dieſen Herrn, wie bekannt, erklaͤrte er fuͤr den Verfaſſer des unſaubern Sendſchreibens an ihn im Fahr 1784; und im Falle, daß er es laͤugnen wuͤrde, nach dem ehrlichen Grundſatze, ſi feciſti, nega; erboth er ſich, die Zeugen auf die Bahn zu bringen. Man laͤugnete es auch in der That, oder wollte wenigſt ſcheinen, die Schande durchs Laͤugnen zu bedecken. Ich finde dann für gut, einige Stellen aus unſerm Brieſwechſel dieſem Vorberichte anzuhaͤngen, zur Belehrung derjenigen, denen an einer ſolchen Nebenſa— che je was gelegen ſeyn mag....„Freund! „Schon den 22 Junius(1785) d. i. am „fünften Tage nach der Erſcheinung meines laͤndlichen Briefwechſels von den VoröIͤſtreichiſchen KRirchenreformatoren war ich Vorbericht. VI mit einem Bogen völlig widerlegt. Sir bewundern dieſe Geſchwindigkeit. Ich ſage Ihnen noch mehr; die Widerlegung kam ſelbſt der Anklage bevor: ſie lag ſchon mehrere Monate, ehe mein Werk ans Licht trat, auf dem Pulte des Hrn. Zeitungsſchreibers fertig, und wurde da einigen Freunden vorgeleſen. Nun dann an jenem fa—talen Morgen ſah man den loͤblichen Briefträger der Stadt Freyburg die Felnerl— {che Replik 1 Bog. 8. mit dem gewöhnlichen Zeitungsblatte austheilen: und bis zu Ende dieſes allerlaͤngſten Tages wurden vor dem „Fenſter feiner Behauſung Kirſchen, das Pfund zu 3 Kreutzer, und das Sendſchrei„ben an den hochgeachten Irn. Erich Servati, „das Exemplar zu 2 Kreutzer baar Seid vers „kauſt.„....../ Das Sendſchreiben er„hielt keinen Beyfall; ein zentnerſchwerer Verdacht blied auf ihm allein liegen; und auf wem andern? Viele ſehen es fuͤr eine Abbitte an; wie oft die Abbitten noch mehr beleidigend ausfallen, als ihre Ver— — / — 1 2 ——— J ——————— ———————— — —— — 2 —— / f —— . vorbericht. „anlaſſungen waren. In der That iſt es „ein ſcheinheiliges Unding, und ein ver— „ ſchmitzter Rabuliſtenkuif.„.... Erich „Servati haͤlt noch nicht Wert; vielmehr „entdekt jeder denkende Leſer neue Beweiſe „in der Verantwortung ſelbſt. Denn da „der Herr Zeitungsſchreiber die angezeigten „Proben nicht einmal berührt; da er „das Factnum nie ausdruͤn lich verneinet, „ ſondern nur Proben gefordert: ja die ehrloſe Mißgeonrt gar gebilliget hat; wel— ches außer ihrem Winkel-Vater niemand thun konnte: ſo findet er ſich bis dahin in keine Nothwendigkeit verſetz!,, die Zeugen aus feinem Petto hervorunehmen, und unter andern jenen ganz unverwerfiichen auftreten zu laſſen, der das Original mit geſunden Augen einſah, die Hand des Ber faſſers ſelbſt, die ihm kein Geheimniß ſeyn konnte, wirklich erkannte, und auf feiner Ausſage „bis zu dieſer Stunde beharret.„...... „Ferne ſey von mir, daß ich den morali„ſchen Charakter dieſes Herrn zu Markt —————————— ———————————— I n // n I/ . H I/ / U 1. ⸗/ I / 11 * 1 n R 1 > 7 /. Vorbericht. 1X trage. Der Beweis davon ſteht in meinem letzten Worte. Anders, als es mir lieb ſeyn ſoll, wird er ſich ſelbſt noch mit Leib und Seele herausgeöen. Man kennt ihn nun ſchon von Toupee bis nnter die Denis hoͤhle aus feiner Silhouete, die er der Philoſophie eines Manns vorangeſezt. Gewiß vor einer ſo wohl gerathene: Philo ſophie, die in eine Mark gleißender, zuweilen auch ſchlüpfriger Domanſchlacken, doch ein ganzes Gran Rienſchenverſtand einzuſchmelzen wußte,— gehörte mit allem Recht die ganze Buße des modernen So— krates, wie er mit der Coeffur und den Chapeanr an einem Gynülenm uber Maͤdchen und Liebe philoſpphiret.„....„Der Sendſchreiber verbirgt es nicht, daß auch Erich Servati in ſeiner Predigerkritik ein Plaͤtzchen verdienet Hatte. Darinn hat er vollko:nmen Recht. Waren die berühmießen Nedner Frankreichs vor feiner Schulkritik nicht ſicher; wie konnte es der deu ſche Reſewitz ſeyn, deſſen Prediglen an die X vorhbericht. ſtudirende Jugend damals Servati, nach ſei„nem eignen Rathe, den er den verfolgten „ Predigern in feinen Beytraͤgen zu dieſer „Predigerkritik gegeben, drey Tage nach: einander vorlas?„...... Ja! Servati beſtaͤtiget auſs neue alle ſeine wohlmeinende „Fluͤche; nichts, gar nichts gedrucktes, wodurch der Prieſter und Lehrer das Publikum aͤrgert, ſoll ihm in Zukunft ungeſtraft hingehen. Wie erwuͤnſchlich waͤre es, daß in jedem Hauptorte eine theologiſche Geſeliſchaft zuſanmen traͤte, die dergleichen Bißlinge zu einem Exempel zuͤchtigte und enimeder zum Rerſtand oder zum Schweigen wied erbrachte! Die Mainzer Gelehrten, dem Himmel ſeys gedankt! haben wirklich eine fo gerechte als nothwend ige Fehde allen angekuͤndet, die falſche Gr:ndſatze in ihrer Stadt und Gegend verbreiteten. Sie werden ſie namentlich angreifen, um die Ber: führer vor den Augen der ganzen Welt zu entbloͤßen. Der Abgang dieſer Wachſam— keit war eine der Urſachen des ſtarken J * —— * — . — — . —— / / / l. — ————— / — Cd — — —— — 1 Vorbericht, xl Abfalls im 16en Jahrhundert. Geiler von Kaiſerberg ſchreibt es fo im Abſchnitt von den Handwerksnarren:„Es HE nit gnuͤg das einer ſpricht, ich hab mein beſttz gethon, in allen Ruͤnſten ſtot es übel, das einer meiſter wuͤrt, eb er die Runſt leret, ußgenunnnen yn der artzeney, die ſicht den leib an, und yn der theologi, die ſicht die feel an, warn wer da wil der ſtott uff, und iſt ein artzet, und ein theolo— gicus. nien: antz ſtrafft einen darumb.... Doch diesmal will ich auf ſeine, obgleich unartige Vitte— ſchweigen, und bey nächſter Gelegenheit nnr eine allgemeine Erin— nerung thun, weiche die Weiſe, fein Ge: ſchriebe bekannt z machen, belrift. Ich halte durchaus für eine wahre Entehrung, den ſchriftſtelleriſchen Namen feilſchen, oder gar den Wildpretthandler, ein Rehboͤckchen über den Schultern und einem Bogen, Autor unter dem Arme, vor allen Thuͤren klopſen, alle Fenſter der Stadt durch feine Stentorskehle erſchuͤrtern laſen. Das Hauſiren iſt XII Vorbericht. —————=———————————— — in jedem Betracht wider die gute Polizey der Gelehrten-Republik: groͤſtentheils be: truͤgt es das Volk, und ſchadet allzeit dem hohen Commerz. Herr Frlner war nicht der erſte, der dies Geſetz einer ehrhaften Nutor— ſchaft uͤbertrat. Tas Fahr 1781, womit die Neſrrmation ihre Gährung anſteng, gab ſchon ein recht romiſches Vorſpiel; man ſah fh von vergleichen Trodlern auf keinen Gaſen mehr aher: die Ehre ange— ſehener Männer warde da für ein Schnupf— tabakgeld ungeſtum euſgedrungen. Man hat zwar im naͤchſten Jahre die Bettler aus den Straßen weggeräumt; aber wann wird man wohl auch den Steuern der bettelhaften KreuzerautorenEinhalt thun?.. Was den hauſirenden Bogen des Herrn Zeitungsſchreibers angeht, gebe ich meinen gaͤnzlichen Beyfall jenem Schuſtermeiſter von Freyburg, der, boͤſe uͤber den Verluſt feines Albus, ausrief:„Haben die gelehr— ten Zerren miteinander Handel: fo machen ſie s unter ſich aus! was geht der Plunder l/ II 1 l/ l/ / / 1 ! — 1 mr 1 I / 1 / n Vorbericht. XIII uns an?„......“ Zur Empfehlung einer ſo ſeltſamen Eilſertigkeit, mit der freylich die Gute feiner Manufaktur in gleichem Werthe ſteht, hat nun der Mann ſchon zweymal einen Band von Servaii mit einem Bogen widerlegt. Ich zwei le nicht; wider den gegenwuͤ rtigen, den ich gewiß nach keiner Sekundennhr ſchreibe, wird abermal ein Traktat von 15 2kravſeiten gleich uͤber Nacht im Felde daſtehn. Um eine ſolche Fruchtbarkeit briüeide ich den gelehrten Bogenſchretber wahrlich nicht; ich erweiſe ihm zum Gegeutheil mehr Ehre, indem ich meine Antwort einem Bande einverleiben werde, der keinem Nüvekdurer zu Preiſe geht, ind wenn er auch ſein Gluͤck nicht weiter als von Züchladen bis zum Gewuͤrzkraͤmer macht, doch mehr am Gewichte halten ſoll.„... Dies iſt nun alles, was ich in feinen Briefen von dieſem Gegenſtande wich e iges fand; fre glich eine Satyre gbey mit wahrheit; da hinge— XIV Dorbericht gen die Viderſaͤcher Satyren ohne Wahrheit ſchmadern.—, Je nin! warum im Vor— bericht zu einem Berke uͤber dis Frehmaͤu— rer?,— Um dem Angeklagten die Muhe einer beſondern Duplit, dem Leſer die Koſten einer unwichtigen Vroſchuͤre zu er ſparen. Schreiben an meinen ſehätzbarſten Freund in W.. Freund! / Ach unter Ihnen befinden ſich Freymaͤurer: , unter Ihren Freymaͤurern auch ein ſogenannter „Freymuͤth ger? La)„So ſchrieben Sie letzthin Ce an mich, und verlangten lichte Rachrichten von dieſer neuen Art der Bruͤderſchaft, die über den Anmerkungen des Herausgebers. da) Der groſſe Name einer kleinen Geſellſchaft zu Freyburg im Breisgau, die ſeit dem J. 1782. Schriften heraus giebt. Doch iſt hier das Wort Freymůthig, wie es der Context erklärt, in einer aͤuſſerſt uneigen:licken Bedeutung,— anſtatt Freydenker, genommen. Eine vollſtaͤndige Nachricht davon ſteht in Erichs Servati ländlichem Briefwechſel von den vo röſtrei— chiſchen Kirche nreformatoren 1787. 2 L Trümmern hundert anderer geiſtlichen Confraternitaten gewaltig emporgepſlanzt, ſelhſt in der Kaiſerſtadt ſchon ſiebenfache Wurzeln geſchlagen habe.— Wie döorfen Sie doch ſolche Tragen an mich ſtellen, der ich kein Freymaͤurer bin?— Warum ein Freymuͤthiger, wenn es auch wahr iſt, ſich in Die Bruͤderſchaſt einſchreiben ließ: er, ſage ich, der jede hefondere V.erbruͤderung der allgemeinen Chriſtenltebe zuwider erklärt hat: dies kann ich Ihnen eben ſo wenig enträͤthſeln, als was die hochberüh:nte Freymaͤnrcrey an ſich ſelbſt ſey. Davon verſichere ich Sie: waͤre ich ein Freymuͤthiger von dieſem Schlage, nichts ſollte mich reuen um bey einer Mäurerzunft, die aus Socinianern, Arianern, Lutheranern, Kalviniſten, u. a. in. vermoͤge ihrer Verfaſſunz beſtehen darf, wenigſt ein Handlanger zu werden.(b) Um (b) Daß der Herr Sendſchreiber weder aus Mangel der Auftlaͤrung, noch aus perſoͤnlicher Feindſchaft dies Urtheil fälle, beweiſen von nenem die Gaätze aus ale len Theilen der Jurisprudenz den Sten Au— guſt 1785 öffentlich vertheidiget von Ka— ſpar Ruf, univerſitaätsbibliothekar und Lehrer der griechiſchen Sprache am Gymna— ſi um— und berufenem Mitgliede der Freymuͤthigen Geſellſchaft zu Freyburg. Seine mehr theologiſchſeyn— ſollende, als juriſtiſche Vertheidigunz verrieth noch 2 5 Um alle Welt bin ich nicht im Stande, Sie diesmal Ihrer Bitte zu gewaͤhren. Denn wie oͤnnte ich den dichten Schleyer aufreißen, der ſchon Jahrhunderte dieſe Geſellſchaft üͤberkleibet? Den Eingeweihten laͤhmet ein Eid der Verſchwiegenheit die Zunge; und oft mitten in einem vers trauten Geſpraͤche, kaum beruͤhrt man dieſe Saite, antwortet der waäͤrmſte Freund ein eiskaltes um, lenkt ab, oder ſtockt und verſtun: met. Die Buͤcher taugen gleich viel. Außer den Rachtkindern ihrer Winkelpreſſen, und andrer geheimen Correſpon— denzen, fügen alle die Freymaͤurerſchriften in of— fentlichen Buchlaͤden nichts. Nur wenige ſindet man, die von Freymaͤurern herruͤhren: aber eben darum von den Brüdern verleugnet, und weil die riehr, als die Satze. Ja; Sie, der vorausgexoſaunte Triumph der Freymüͤthiakeit,— im Treffen ſelöſt die feigherzigſte Klopffechteren von Machtſpruͤchen, Sarkaſmen und Galimatias, und eine völlige Nieder lage der Vernunft,— war, ſeit Hußes und Luthers Zeiten, der erſte feyerlich akatholiſche Auftritt an einer katholiſchen Univerſitaͤt. Da ſunſt vorhin der Des fendent den Katholiken, die Argumentanten hingegen die Akatholiken vertraten, fo gieng es diesmal, zum moͤnlichſten Beyſpiele der Toleranz, ganz verkehrt zu. Einer ſolchen Vertheidiaung kam die Auf⸗= hebung des Glaubensbekenntniſſes vor der Doktorwuͤrde vortreflich zu ſiatten; denn ohne fie mußte er ein raeineidiger Schurke, oder kein Doktor ſeyn. Der Denker und der voll kom mne Chriſt lan n dabey 4—— Verfaſſer, in ihrer myſtiſchen Sprache, den Prat gedeckt haben, unter die Mißgeburten abtruͤnniger Mammelucken oder excommunizirter Stief brüder gezaͤhlet werden.— Schon die Aufnahme in die Bruͤderſchaft iſt, wie mich daͤucht, ein tiefes Geheimniß. Wenn ich auch zugebe, daß weiſe Männer wohl Mitglieder dieſes Ordens ſeyn koͤnnen: ſo begreife ich doch nicht, wie ſie es werden. Ein Weiſer begehret nichts, was er nicht kennt; und dennoch erbietet ſich der Kanditat zur Beſchwoͤrung einer Sache, die er erſt hintennach erfaͤhrt. Eine allgemeine Verſicherung, das Inſlitut enthalte nichts gegen den Staat, nichts gegen die Religion, würde mich noch nicht genug or— densluͤſ—tig machen, weil ich vor allem zu wiſſen wuͤnſchte, was mein moraliſcher oder phyſiſcher Zuſtand damit gewinne? Und dann ſprechen die Herren Werber im dunkeln von mannigfaltigen Vortheilen auf Reiſen, und in Angelegenheiten. wie eingewurzelt, und dachten einen jungen Lord Gore don zu ſehen, der den groſſen Entſchluß in der Bruſt, die benachtete Welt auf einmal zu beleuchten, ein ſchmutziges Oehllaͤmpchen anzuͤndet, dann flugs auf einem Montgolfier 4000 Klafter hoch ſegelt, und von der Spitze einer Wolke zu den Schattenmenſchen hinabruft:„Vernunft, blick ins Licht! blick ins Licht!, Dies ſey indeß genug für einen Ueberblick * merkwürdigen Promotion; tiefere Blicke werden olgen. —— 5 „Das Mehrere erfahren Sie, Herr, wofern Sie ihr Wort geben. Nein, meine Herren, ich habe wirklich, dem Himmel ſeys gedankt! kein Anliegen: noch fuͤhle ich Luſt ſobald auf Reiſen zu gehen. Für die möglichen Unfalle der Zu— kunft laſſe ich die Milde des Monarchen, und die wohlthaͤtigen Anſtalten ſorgen, die nun jede = / ———— —— T T T N „Gemeinde für ſich ohne Ausſchluß eines emziz „ gen Mitbürgers trift. So lange Sie denn mir den wahren Inhalt Ihrer Satzungen verborgen halten, wage ich es nicht, die fremde Schale, auf meine Koſten, aufzubrechen.„ Daraus erſehen Sie, welchen dunkeln Bericht man von einer Sache erſtatten kann, die unbegreiſiche Abſichten in eine phariſche Nacht ver. huͤllet haben. Sollte ich Ihnen willfahren, fo muͤßte ich ſelber ein Bruder ſeyn: und waͤre ich der; dann verbaͤnde mich zum Schweigen die Pflicht; obgieich der heiligſte Schwur niemals die Verhehlung eines gemeinſchaͤdlichen Vorhabens rechtfertigen darf.— Ja, dieſer Satz, hoͤre ich Sie einwenden, iſt ſo nach allen Rechten eins leuchtend, daß man eben daraus auf die Gute des Ordens ſchließen ſollte.— Mag es doch ſeyn! Indeſſen gab es nicht wenige, die nicht nur da— von abſtunden, ſondern auch nach der Feder griffen, gleich jenem Sinon, der von ſeinen Bruͤdern, den Griechen, verrathen, kein Bedenken mehr trug, das Myſterium des hoͤlzernen Pferdes den B 2 / ! 1 S TC T. $ Trojanern zu entdecken. Dieſe Vergleichung werden mir die Brüder gewiß gelten laſſen. Denn. nach ihren Zeugniſſen ſind es entweder Schurken; oder Schilderer der Afterlogen, die ſie ſelbſt verabſchenen. Darunter gehörten ehrmals viele Irlaͤndiſche, deren Brüder, ſogar der Ungleichheit und Hulle der Kleidung uͤberdrüͤßig, eins Para dies-Komödie und noch mehr in ihren Zuſam— menkuͤnften ſollen geſpielet Haben. Und was ſagte man nicht, vor einigen Monaten, von den deutſchen Logen der Jiluminaten, und Miner— valen. Ihre Lehre ſey geradezu das Syſtem der Natur, oder der reine Materialiſnns des Mira— beau, und darum der obrigkeitlichen Ahndung hoöͤchſt würdig geweſen. Denn handelten ſie wirklich nac; 9. den Grundſaͤtzen, die fie unter ſich vers breiteten: ſo mußten ſie ſchlechte Leute ſeyn. Schreiben ſie anders, als ſie dachten: ſo waren ſie doch ſchwache Geiſter und elende Großvraler, allzeit aber für die noch Schwaͤchern ein Stein . Anſtoſſes. Dieß beſtaͤtige ſich endlich dadurch, ß ſie einen der toleranteſten Höfe Europens ee ſich aufgebracht, der die Schwaͤrmer der ſchaͤrfeſten Auſſicht der Polizey zu empfehlen ges ruhet habe.(c) (e) Sie hatten die Hanptlogen in Baiern aber auch eine Nebenloge der Minervalen in unſrer Gegend. Den letzten Namen führten die nicht vo, endeten Maͤurer von der Congregation der vollen— Dem ſey, wie ihm wolle! Die andern Bruͤ— der, ſcheint nir, koͤnnen nichts für ungut nehmen, wenn von dem groſſen Haufen des Jan— Hagels ein ähnlicher Berdacht auf ſie geworfen wird. Er ſeibſt thut und wähnt nichts Gutes bey geheimen Tete a Tete und Piqueniquen. Der Weiſcre, mit dem ſokratiſchen Damon bekannt/ unterſcheidet zwar die edlen Seelen, oder die Kaluskagathus, wir ſie bey den Griechen hicfn und ſieht mit unbewoͤltter Stirne, und gleichgiltigen Blicken ſelbſt dem muihwilligſten Spiele eines Ariſtopßanes zu. Alſo erhaben über das niedrige Vorurtheil, wandelt er in einer Wolke, wie Aeneas, durch die geraͤuſchvollen Straßen des Poͤbels, ungeſehen, und doch alles ſehend, von jedermann verkannt, und zugleich ein auf— geklaͤrter Menſchen- und Selbſtkenner. Nichts dedeten Illuminaten. Ueberhaupt fchöpfen ſich die Lo— gen verſchiedene Namen, die ein beſonderes Wörter» buch der Freymaͤurer anfuͤllten. Und beynahe eben fo vielerley Confoͤderationen! Und alle dieſe im Dun— keln! Die ſo beſcheidnen als aufgeklaͤrten Verfaſſer der Mainzer Monatſchrift von geiſtlichen Sachen finden zwar fuͤr unwahrſcheinlich, daß zahlreiche Geſellſchaften zuſammen treten, einen muͤhſamen Plan zur Verbreitung der Irreligion anlegen, und unver. droſſen ausfuͤhren ſollen, wie hier vorgegeben wird. S. J. B. 5. H. Ein Atheiſt, ſchreiben ſie daſelbſt, wuͤnſcht gewiß nicht, daß die uͤbrige Welt aus Atheiſten beſiunde. Aber damit ſprechen ſie einzelnen Perſonon 8————— ſioweniger wird er memals ein taͤuſchendes Phantom vorſtellen wollen; vielmehr beſtrebet er ſich in allem der zu ſcheinen, der er iſt, und derſelbe zu ſeyn, der er ſcheinen will. Wer kann mir aber wohl dieſe zweyfache Maxime einer ungeheuchelten Rechtſchaffenheit hinter dem undurchſichtbaren Deckmantel der Freymaͤurerey anſchanend kennbar machen? Mir wird zwar der bekannte Charakter mancher Mitglieder niemals den traurigen Wahn geſtatten, daß in ihren Verſammlungen irlaͤndiſcher Graͤuel ſtatt finde. Ich beſorge wenig, wenn die Verirrungen des Verſtandes nicht eher, als die Verkehrungen des Willens zu befürchten ſind. Allein die Erfahrung— wer beſcußzet ſie nicht, der nur eine Weltkenntniß ſich geſammelt?— Die taͤgliche Erfahrung lehret, daß, gleichwie inter einem blöden Kopfe ein gutes Herz oft ruhet, wieder ab, was fie ihnen kurz zuvor mit dieſen Wor— ten einraͤumten:, Daß es Leute gebe, die, weil ſie keine Religion haben, Konſorten zu haben wuͤnſchen, „und in engen Zirkeln die Grundſaͤtze des Unglaubeus „auskramen; daß es Schriftſteller(folglich auch Ge— ſellſchafter) gebe, die, um Denker der erſten Klaſſe „zu heiſſen, und aus Begierde eines falſchen Ruhmes, „oder auch aus Gewinnſucht, ſolche Grundſaͤtze wei„ter verbreiten, iſt leider! eine aus gemachte Sache. ,, Doch auch mir faͤllts zu ſchwer, dies von einer Ge— ſellſchaft zu glauben, in der man fo unerwartete Maͤnner antraf. Hingegen halte ich den Deismus, den die Mainzer Gelehrten eher glaubwuͤrdig finden, für nichts nnn% eben ſo, und vielleicht weit gewoͤhnlicher uͤber dem beſten Bruſtbilde ein ſchwacher und fehlerhafter Kopf ſitzt. Und zuletzt wird abermal die Gegen—= wirkung des verkehrten Verſtandes auf die Begeh— runqoskraͤfte, nach allen Grundſaͤtzen der Ethik, keine geringe Verheerung in der Moralitaͤt verurſachen. Wenn wir die Verbreitung der Freymaͤurerey, ſprach unlaͤngſt ein einſichtsvoller Mann, bloß hiſtoriſch unterſuchen, ſo liegt am Tage, daß ſie aus jener Inſel, die an politiſchen und religioͤſen Schwaͤrmereyen der Torris und der Hudibraſſe fo fruchtbar war, in die uͤbrigen Staaten Euros pens nach dem Maße uͤberpflanzet worden, nach welchem die Freydenkerey darinn ein ſtaͤrkeres Wachsthum gewann. Ein Fuͤllhorn von Bewei— beſſeres. Denn dieſer bildet ſich einen gan; unthaͤtigen Gott, der ſich um das Regiment der menſchlichen Wuͤrmer fo wenig annimmt, els ein menſchlicher Mo— narch um die Regierung der Fliegen. Er iſt, nach den Ideen der heutigen Deiſtem, zu groß, als daß der Menſch ihn beleidigen koͤnnte: der Menſch viel zit klein, als daß Gott ihn beſtrafen ſollte. Die Folgen eines fo beſchaffnen Deismus And mit jenen des Atheis— mus dieſelben, ein Verderbniß der Sitten, eine Ges faͤhrlichkeit fuͤr den Staat. Nun ſetze ich Ihre An— merkung mit völligen Beyfalle fort:„Andere glau— „ben, die Illuminaten ſchoön etwas naͤher zu kennen, „und ſagen von denſelben: Man hat Spuren, daß ſie „ſich auch am Rhein- und Mainſtrome umpflan zen. „Ihre Reliaion it Deismus. Dieſen wollen fie 10 fen both ihm die englaͤndiſche, franzoͤſiſche, ita lieniſche, und deutſche Geſchichte bar. Die Wirkungen davon waren ſogleich bey jeder der genann— ten Nationen auf dem Fuße gefolgt, üderall neue Erſcheinungen der ſchwaͤrmeriſchen Mißgeburten, und eine Suͤndſiuth von Schriften ſowohl wider den Staat, als die herrſchende Chriſtusrelig:on, die alle Duldung, Frevheit, oder Auf klaͤrung zu einem Monogramm in ihrem Schilde fuhrten. Ja das Volk ſeibſt, deſſen ungckuͤnſtelten Blicken nichts aͤußerliches entgehen kann, habe ſchon laͤngſt die beunruhigende Bemerkung gemacht, daß groͤß„allenthalben in die Hoͤhe bringen, und die chriſtliche „Religion mit Gewalt verdrängen. Sie find in Kor— „poralſchaften eingerheilt. Ihre Oberen heiſſen „Sali, Primo(Rrovinzial, General.) Damit fc nun A ihren Zweck allmaͤlich ſicher erreichen; fo muͤſſen ſie „auf allen Stellen, in den Kabineten, auf den hohen „Dikaſterien fo ganz ingeheim Leute haben, die Mit„glieder ihres Ordens find; um durch dieſe unter an— „deren feinen Praͤtexten und Vorſpiegelungen das Gu— „te zu verhindern, das Boͤſe zu befoͤrdern, alle Ge— „heimniſſe zu erfahren, und dann ihre Maßregeln dar „nach zu nehmen..... Der Eid, womit jedes Mit„glied dem Illuminaten-Orden zugethan iſt, geht /, über jenen, womit jeder Chriſt der Religion, und „jeder Diener feinem Fuͤrſten verpflichtet wird. ,, Traun, lieber Leſer! s'iſt mehr, als ein Concilium Burgofontanum. Karl Theodor, und nach ihm Jo— ſeph IE, Regenten beyde, die ſich die Erhaltung der Religion zu einem Hauptgeſchaͤfte machen, haben durch x 8. 2 8 8 .—_— ö—=—————— 11 tentheils diejenigen, deren Religion es gar nicht kenne, oder ſehr bezweifle, den Zutritt, und oft die anſehnlichſten Stellen bey dieſer Bruͤderſchaft erlangen. Kein Wunder, daß ſein Vorurtheil noch mehr beſtaͤrkt worden, als der aufgeklaͤrte nud rechtſchaffene Papſt Benedikt XIV die Verbothsbulle feines Vorfahrers wider dieſe neue in die Chriſtenheit ſich einſchleichende Bruͤderſchaft beſtaͤligen ließ. Genug, mein Freund! Ein großer Lirbhaber der pragmatiſchen Geſchichten bin ich eben nicht, noch weniger ein Sklav der Volksvor— urtheile. Was den berühmten Kirchenvorſteher eine landesberrliche Verordnung dieſen Orden verbo— then. Die Gruͤnde And in der Verfugung des erſtern ausgedrückt:„weil eine ſolche von ihrem allererſten Inſtitut allzuweit abgeartete Geſellſchaft für allzube— 2, dentlich gefunden werde, als daß ſie langer konnte „geduldet werden, da nichts als Verwirr- und Un— „ordnung, allgemeines Mißtrauen in publico, factio„nes in collegiis, und mehr andere auf die „Religion, JZuſtiz, gute Sitten, und den „ganzen Staat uͤberhaupt groſſen Bezug habende „boͤſe Folgerungen zu gewarten ſeyn, und groſſen„theils ſchon wirklich verſpüret worden.„ Ich laſſe den Achten Freymaͤurern die Ehre, ſolche Logen ſelbſt zu verabſcheuen: frage aber zugleich, ob nicht eben dieſe Gruͤnde auch wider das allererſte unabgear— tete Inſtitut der Freymaͤurerey an vendbar ſeyen? Und endlich, wo finde ich diefez? Die Augenbinde weg! Mit der Wahrheit und Rechtſchaffenheit, die von ſo vielen Larven begleitet find, mag ich nicht Blinjel— man ſel machen. 1. ss SS Ss —„aa 12 betritt, mag er freylich die Sache nicht gar fü unſchuldvoll und gefahrlos gefunden haben. We— nigſtens beſaß er eine vollſtaͤndige Kenntniß davon, weil Lambertini, nach der Ausſage der Freymaͤurer, ſelbſt ein Mitglied des Ordens geweſen.(d) Er verboth ſie daher, weil er ſie kannte: ſo wie nachmahls die apoſtoliſche Kaiſerinn und Koͤniginn ſie gleichfalls auf hob, weil ſie dieſelbe, wegen des hartnaͤckigen Stillſchweigens der Bruͤder, nicht kannte. Dieß iſt gewiß; eine poſitive Rechtfertigung bleibt auf Seite des Ordens immerhin un— moͤglich; indem das Geluͤbde der Verſchwiegen—heit, ſogar bis zum Throne ihrer Regenten, Ed) Eine lůgenhafte Verleumdung, fo wie es jene auch war, daß er die Freymaͤurerey autheiße wril er nicht ſogleich die Bulle feines Vorfahrers be ſtaͤtiget. So nennt es der Papſt ſelbſt in der dadurch abgenoͤthigten Beſtaͤtigungs-Bulle. Sonderbar, daß die Brüder paͤpſtlich ſeyn wollen! Als Pius VI Augsburg durchreiſte, ließ er ſich, ohne fein Wiſſen, vermuthlich in Effizie von einem Freymaͤurer aufnehmen.— Die Hanptſtuͤcke der erwähnten Bulle waren ſechs: 1. Die Vermiſchung der Religionen und Sekten unter den Freymaͤurern, wenn ſie nur Chriſten heiſſen; 2. Die allgemeine Geheimhaltung; 3. Ein feyerlicher Eid der Verſchwiegenheit; 4. Die Geſetzwidrigkeit aller WinFelgeſellſchaften nach dem roͤmiſchen und kanoniſchen Rechte; 5. Wirkliche und beſondere Verdothe der Freymaͤurerey; 6. Ueble Meynung kluger und from: mer Leute von den Verbindungen der Freymaͤurer.— Welche Beweggruͤnde! Welch ein Mann: — 1 fie aller Hilfsmittel, ſich ſtandhaft und uͤberzengend zu vertheidigen, unſtreitig beraubet. Ob nun eine bloß negative im gegenwaͤrtigen Falle für ihre eigene Ehre und Sicherheit des Staates zureichend ſey: ſoviel mögen jene Herren ohne mich entſcheiden. Sie ſchweigen? Gut: ich ſchweige, wie ſie. Nicht doch! ſchweigen kann ich nimmer, bis daß ich der Sache auf den Grund komme. Einem vernünftigen Weſen, ſo Selbſtliebe und Streben nach feiner Vervollkommnung, wie fie, fuͤhlet;— einem Mitgliede der großen Geſellſchaftskette, wie ſie; einem Sohne der allgemeinen Mutter Natur, wie ſie, fällt es verdruͤßlich und beleidigend auf, einzig wegen wilkuͤhrlicher Verſchwiegenheit ſeiner Mitmenſchen, ein ſchickliches Mittel zur Gluͤck— ſeligkeit, ein gemeinſchaſtliches Recht, und die ſo ſchuldige als füße Benennung eines Bruders zu vermiſſen. Wofern aber das Ding nicht aͤchtes Schrot und Korn haft, fo bedaure ich unſre Zeit, die eine ſo falſche Muͤnze gang und gebe werden laͤßt; beſteige, wenn mir das Herz ſtaͤrker ſchlaͤgt, mein Wachthuͤrnchen, und marne meine Bruͤder laut.— So laut, ſo uͤberlaut!— Kanns nicht zuruͤckhalten, ob ich mir gleich damit alle Wege verlege, jemals in meinem Leben in ihren geheim— nißvollen Tempel einzudringen. So lange ſie ſchweigen, hier iſt meine Verzicht! will ich nie ihr Mit— hruder, das iſt, der heißen, der ich nach dem 14 Paradiesrechte allzeit war. Halten Sie, mein Freund! dieſen Ausdruck für keine geheime Supplike! Ich bekenne; nebſtdem, daß ich weder mit jedem unter ihnen vor den Altar traͤte, noch ges meine Sache zu machen nur ſcheinen moͤchte, bin ich auch zu offenherzig, und ein bißchen plau— derhaft. Die Brüder, wenn ſie mich anhoͤren wollen, werden mir dieſe Schwachheit guͤtigſt nachſehen. Als Demonar zu Aithen angeklagt. wurde, daß er aus cen Griechen der einzige waͤre, der an den elcuſiſchen Geheimniſſen keinen Antheil genonmen hätte: befriedigten ſich die Buͤrger doch zuletzt, und trugen die Werkʒeuge zur Steinigung unbenutzt wieder nach Haufe. Seine Verantwortung war, daß er ſich in keinem Falle, die Myſterien möchten nuͤtzlich oder ſchaͤdlich ſeyn, einweihen laſſen könnte, weil er ſich zur Erfüllung der Bedingung, unter welcher ſie mitgetheilt wurden, unfaͤhig fuͤhlte. Waͤren ſie naͤmlich von großem Nutzen; fo würde er fie ausbreiten, um durch ihre Vortrefflichteit alle Menſchen zur Einweihnng zu reizen. Faͤnde er fie hingegen ſchaͤdlich, fo wurde er fie auch als: dann nicht verſchweigen, um alle Menſchen davon abzuhalten. O der gute, ehrliche Demonar! Uebrigens fuͤge ich dieſem hoͤchſtunvollſtaͤndigen Berichte noch zwey Geſpraͤche bey, die ich von ohngefaͤhr belauſchet, als ich am Abend eines ſchwuͤlen Sommertages, in unſerm ſchoͤnen Allee — 13 garten ſpazierend, oder vielmehr auf einem Sitze von Stein ruhend, den kuͤhlen Oſtwind einath— mete. Es gieng etwas gelehrt her, doch für Sie, mein Freund! gewißlich nicht zu gelehrt. Ich finde dieſen Geſpraͤchen nichts weiter beyzu— ſetzen, außer einer einzigen Klage über die Partey— lichkeit der Freymaͤurer, die Sie wenigſtens nicht ganz verwerfen werden. Alles, heißt es, was Rechtſchaffenheit hat, erlangt dahin den Zutritt; wofern alle Bruder, an deren eigenen Rechtſthaffenheit ja Niemand mehr zweifeln darf, uͤbereinſtimmen. Alles, ohne Ausnahme der Na— tion, one Unterſchied der Religion— nur Herren, Türken, Juden, und— das ſaͤmmt— liche Fraucnzimmergeſch;echt, folglich die größte und ſcliönſte Haäͤrfte der Menſchheit, bleibt davon ewig aus zeſchloſſen. Wahrhaftig die Griechen am Temvel der Ceres zu Elcuſts betrugen ſich viel artiger! Denn daß es auch Prieſterinnen, und zwar außer dem Caͤlibatsſtande, gegeben habe; daran laſſen uns mehrere Stellen der Alten gar nicht zweifeln. Porvkyr ſagt, daß ſie Bienen genannt wurden; und Pollux giebt einer den Titel der 5niginn, die die Gemah:inn desieni— gen Archonten war, der uͤber die Myſterien die Aufſicht führte. Ce) Woher mag nun wohl (ec) Chriſtonh Meiners über die Myſterien der Alten, beſonders uͤber die eleuſiniſchen Geheime nine. 16— der auffallende Kaltſinn unſerer Nachahmer der griechiſchen Myſterien entſtanden ſeyn? Trauen fie vielleicht den ihrigen weniger pythagoriſche Tugend zu? oder, wenn fie ihr Handwerk für das ſchoͤne Geſchlecht zu ſchwer erachten; warum laſſen ſie in den ſalomoniſchen Welttempel, worunter die Allegorie ihrer Benennung verſteckt liegen ſoll, einen fremden König Hiram, ohne die weiſe Roniginn von Saba kommen? Die Männer mogen fortmauren; aber die Damen, daͤucht mich, ſollten gleichfalls ihre Myſterien halten, und der männlichen Freymaͤurerey— eine Frey ſchimmerey entgegenſetzen. Keine finſtere Parzengeſellſchaft, kein eitles Hirngeſpinnſt; ſondern weiſc Anſtalten zum Erſatz der von Maͤnnern meiſt vernachlaͤßigten Erziehung des Frauenzimmers! Ich werde ein andermal dieſe Gedanken mit allem Ernſte zu Faden ſchlagen, weil doch allezeit Maͤnner die Stifter der Frauenorden waren. Doch die Bruͤder aͤrgern ſich, wenn ſie uͤber eine Geſellſchaft ſcherzen hoͤren, wodurch ſie ſich unter die Unſterblichen verſetzet glauben. Fur: wahr! dies ſey mein Thun nicht, mit Maͤnnern mein Spiel zu treiben! Allein es ſcheint, dieſt Herren wollen mit uns zuerſt— darf ich mich eines Ausdrucks aus der kleinen Spielwelt bes dienen?— die blinde Ruhe ſpielen. Oder warum ziehen ſie eine unkenntbare Maske an, murmeln in die Welt unvernehmliche Worte, und Ffff:fſẜZẜauaa 17 erlauben ſich oft unter unſern Augen eine fo ſeltſame Pantomime? Nein; ich ſpiele nicht mit; ein ſolches Beieigen der Bruder lauft ſogar wi— der allen bürgerlichen Wohlſtand, es waͤre eher vermoͤgend, die Galle zu erregen. Ich weihe ihnen hingegen meine ganze Duldung, ſo weit es ohne Nachtheil des Naͤchſten geſchehen kann. Ob ſie mir gleichfalls ihre hochgeprieſene Duldung werden angedeihen laſſen, wie ich mehr wuͤnſche als erwarte, dies wird die allwiſſende Zeit leh— ren.——— Aber Sie, mein Freund! ſchenken mir ferner Ihre Liebe, mit der ich Sie wieder, ohne ein Freymaͤurer zu ſeyn, ganz bruͤderlich umarme, bis zu jener zweyten Umarmung, wo die himmliſche Liebe, Welche wir gegen einander empfanden, erhebt uns noch hoͤher Zu der Seligkeit, dich, o Gott, Verſoͤhner zu lieben, Eine Seel uns alle, uns all Ein Tempel des Mittlers!(*) () Me. Gef, XI. | Erſtes Gefpräch. Ein Edelmann aus Venedig; ein Abbee. ar ——————*. Aobee. So fand dann Ihre Republik fuͤr gut, die Freymaͤurer zu vrrjagen? Edelmann. Wer koͤnnte dieſe Brut gedulden? — Die neueſten Jeſinten unſrer Zeit? Abbee. Freymäurer— die neueſten Jeſuiten? dies klingt ſonderbar! Edelmann. Man warf den Lojolaͤern vor, daß ſie eine Monarchie der Solipſorum oder ſelbſtfüchtiger Leute wären,(f) Ferner, daß ſie eine ganz (f) Anſpielung auf die Manarchia Solipſorum, eine Satyre uber die Regierung der Jeſuiten, 1648 in Holland gedruckt: die Anfangs dem Scioppius, dann dem Melchior Imhoſter, einem Jeſuiten aus Wien, aber von dem Jeſuit P. Oudin einem gewiſſen Eric» ſuiten, Julius Clemens Scotti zugeſchrieben werden. Dieſer Orden wird darinn angeklagt, daß ſeine Mit= alieder ſich einzig aufgeklärt und volltommen dünken, andere tief verachten, und alle nur mogliche Vortheile auf ſich allein zu leiten ſuchen, als waren fie ipũ ſoli, allein auf der Welt.— Keine geringere Begrife ſollen ſich die Gebruͤder Freymaͤurer von ſich und ih— rem Orden machen. Und wer ſieht nicht die Anwendbarkeit jener ſprichwoͤrtlichen Sage: Nemo ſeit, quid JeſuitV—(elcuthero- cæmentarius) fit, niſi qui ipſe fit,& diu fuerit? N 19 Zanz befondere Diſciplinan arcani, und geheime VBerſaͤndniſſt mit dem Auslande unterhielten. Nun ſolche Stucke, die doch nicht jedermann von dieſem Orden fuͤr erwieſen anerkannt, geſte— hen alle Freymaͤurer von ſich; indem fie bey ib— ren Werbungen gleich zweyerley Bedingniſſe vor— ausſetzen,— eine gegenſeitige Hilfe mit Vorzug der Brüder,— und tiefe Verſchwie— genheit. Abbee. Die Unſchuldigen! Man legte den ers ſtern die Pulververſchwoͤrung in England zur Laſt; und nun auch dieſen die Entzuͤndung der RVulverkammer eines venediſchen Schiffes. Sehen Sie da eine Verlaͤngerung Ihrer Parallele zwiſchen Jeſuiten und Freymaͤurern! Edelmann. Ungegruͤndete Volksſagen! Meine Republik— ich bin nun nicht mehr in Venedig, wo man von dieſem Worte das Stillſchweigen eines Freymaͤurers beobachten muß,— ja die Republik Hätte einen ſchicklichern Vorwand brauchen ſollen: aber was ſie unter dieſem Vorwande that, that fie nach Vorſchrift der Staats: klugheit. Abbee. Staatsklugheit? Hoͤren Sie, was ich im Frankfurter Staatsriſtretto vom 1. Auguſt 1785 las: die Stadt Verona— eine Ihrer Revublik zugehörige Stadt—„hat nun auch „ihren Bannſtrahl über das kleine Saͤuflein der Freymaͤurer ſchieſſen laſſen, die dortige C — „Loge zerſtort, und derſelben Meiſter, nach„dem er 25 Tage im Arreſt geſeſſen, mit „Weib und Kindern des Landes verwieſen. „—— Dieß Gewaͤchs ſcheint in dem ital: eni„ſchen Zimmelsſtriche nicht gedeihen zu wol, „len, weil dem dortigen Erdreich zwey Beſtandtheile, Auftlaͤrung, und Duldung/ „mangeln, ohne welche es nicht beſtehen „kann., Wie impertinent unſre Zeitungsſchreiber oft raiſonniren! Edelmann. Ich bedaure Ihre Unwiſſenheit. In unſern Staaten unterſagt ein unbeſchraͤnktes Verboth, geheime Rotten zu machen. Uebertrat nun der Meiſter nicht das heilige Geſetz? war er nicht ſtraf mäßig, nicht bis zur Durchſuchung der Zunftpapiere ſchuldig des Arreſtes? Heißt wohl das eine uͤbertriebene Strenge, das Haupt der Uebertretter in das Ausland, vermuthtich ſein Vaterland, zu verweiſen? Nein! eine Nepu— blik, die jederzeit die ſtrengſte Staatskunſt aus— geuͤbt; die ſogar geiſtlichen Bruͤderſchaften kein abgeſondertes Odeum, keine Nebenkirche geſtattete; wie konnte ſie den Freymaͤurern geheime Zuſammenkunfte in Privathaäuſern erlauben? Wenn die Freymaͤurerey Aufklaͤrung heißt, ſo find Aufklaͤrung und Verfinſterung, Tag und Nacht gleichviel bedeutende Worte. Abbee. Die Vaterlandsliebe, Signore, macht Sie beredt. Man weiß ſchon ziemlich, was dieſe — 271 Herren gemeinialich unter der Aufklaͤrung verſte, . Aufctäͤrung in der Religion, und Fre yden erey oder Indifferentiſ nis ſind nach ihrem Eime nicht minder S yo, Nun wiſſen wir auch, was die Fraymaͤure. ſeyn mag. sEvchnann, Furz! dieſer rt, die Religion auf;utlären, ſteht inte aur Elärte S,tadtörtinſt ganz entgegen. Nie werde ich ferner begreiſen, wie die Aufklaͤr⸗mng ſich mit ihrer Verichwiegen—heit vertrage. Das röhre, das Gute ver— ſchweigt man NICHT Abbee. Und man geduldet es aur 9 richt ſchlechtweg; man erhebt, empscerit, und verbreitet es aller Orten. Die Aufkinrung iſt mehr werth, als eine bloße Duldung. Mit welcher Ungereimtheit ſagte alſo der Zeitungsſchreiber, die Auf— if. und Duldung ſeyen die zwey Be— ſtandtheile der Freymäanrerey!— Doch dies ſagte nur ein Zeitungsſchre iber: Edelmann. Gewiß! dies macht den Brüdern ſamimt und ſonders wenig Ehr daß ſie weder von einer welttichen, noch geiſttichen Obrigkeit jemals eine förrntiche Beſtatigung erlangen konn— ten. Ihre Merſer irren, wie die Horden, im— merhin von Staat zu Staat, bald gelitten, bald mit dem Hanne ere e mar. A er auch hie rien n das gal chr und Boſe, oder wenn C 2 . —* das zweydeutige wird im eigentlichen Verſtan— de geduldet.(g) Abbee. Die griechiſchen Myſterien, mit denen die Bruͤder ſich ſo ſehr bruͤſten, waren ſelbſt nie von chriſtlichen Regenten beſtaͤtiget. Wirklich erinnere ich mich, beym Geſchichtſchreiber Zoſimus ctwas geleſen zu haben, ſo ſich hieher bes zieht. Valentinian, obwohl unter Julian ein Beichtiger, dennoch nachmahls der toleranteſte Kaiſer, der neben der Beſchuͤtzung ſeiner Reli— gionsgemeinde den Ketzern und Heyden eine voͤl(3) Schon im Jahr 1425 wurde die Freymaͤurerey in England von Heinrich VI. verbothen. Sein Befehl lautet:„Auf oͤfteres und inſtaͤndiges Anſuchen ganzer „Gemeinden unſres Reichs, nach wohlausgeforſchten „Umſtaͤnden, und reifer Ueberlegung haben wir be— „ſchloſſen, oͤffentlich zu erklaͤren und zu befehlen, „daß ins Kuͤnftige ſich niemand mehr unterfange, „ſey er, wer er wolle, Verſammlungen oder Zuſam— „menkuͤnfte der Freymaͤurer zu halten.... Wer im „mer in Zukunft dergleichen Verſammlungen Ort „oder Gelegenheit verſchaffen wird, ſoll als des ho— „hen Verbrechens ſchuldig angeſehen und beſtrafet „werden... Die Freymaͤurer ſelbſt, die man in dieſen Geſellſchaften betreten wird, ſollen in das Dr» „fentliche Gefaͤngniß gebracht, und noch uͤber das „eine Geldstrafe nach unſerm königlichen Bedunken „zu bezahlen ſchuldig ſeyn., Eine Tabelle von den Verfolgungen der Freymaͤurerey in un ſerm Jahrhundert ſiehe zu Ende dieſer Schrift, wo Ci» ne Nachricht an das Publikum anachängt fit, Ein auferbäuliches Martyrologium: x 2 lize Gewiſſensfreyheit ließ; und von dem ſich folglich die Eingeweihten alles verſprechen konn— ten: Valentinian, ſag ich, verboth nachdruͤcklichſt die nächtlichen Opſer, als Gelegenheiten zu Muss ſchweifungen, worunter auch die eleuſiniſchen Myſterien begriffen waren. Seiner unbegraͤnzten Toleranz ungeachtet, fand er ſie mit dem ſtren— gen Geiſte der orientaliſchen Monarchie nicht uͤbereinſtimmend; nur ließ er fie wieder ſtillſchweigend zu, nachdem Praͤtertatus ihm vorgeſtellt, daß den Griechen alsdann ihr Leben freudenlos ſcyn wuͤrde, wenn die allerheiligſten Myſterien, von denen ſi die Wohlfahrt des ganzen Menſcheu— geſchlechtes abhaͤngig glaubten, zerſtoͤret laͤgen. Valentinian ſchien alſo der Meynung zu ſeyn, man dürfte den Ketzern und Herden cher, als den Eingeweihten, die buͤrgerliche Toleranz crweiſen, indem Sicherheitsanſtalten wohl gegen jene, aber niemals gegen die Myſterien moglich waren, Edeimann. 1IInméöglich! wie ihre Beſtaͤti— gung, unmoͤglich! denn wie koͤnnte man die Freymäunrerey gutheißen, ohne einige Ertenntniß ihrer Satzungen? Die große Thereſia verlangte, ſie zu wiſſen; cher ſiehe! Die Brüder zogen ihre Vernichtung der Bekanntmachung des Inſtituts vor: gleichſa als vertruge ſich mit dem Staate ein Eid, den man dem Eide des Gehorſanis entgegen ſetzen, und daher den Oberſten des Staats vorenthalten durfte. — Abdee. Die Negenten ſollen den Orden von der Helle ſelbſt annchmen; und dann kommen fir hinter das Geheinnniß. Vielleicht ik des einer der Kunſtgriffe, maͤchtige und bemittelte Mitglie— der, deren fie bedürfen, für ihre ewigen Kollelten zu gewinnen. Edelmann. Ein Monarch wußte alsdann doch nicht, was in andern, beſonders auswärtigen Logen vorgeht; mit denen weönigſtens ihre Sekre— taͤre, ohne allen Verdacht, im Brie fwerchſel ſtehen. Sie haben eine allgemeine Verbindung, und wicder hundert beſordere unter ſich, nachdem die Zunftlade zulangt. Woher der Spione ge— nug? Und waͤren dieſe nicht eben darum in dei Augen der Freymaͤurer ſchlechte und meyneidige Leute? Abbee. Wenn nun das Intereſſe der Brüder cinmal mit jenem der verſchiednen Landesherren in Kolliſion kaͤme?— Ihr Landsmann von Pa— dua warnet einmal in ſeiner römiſchen Geſchichte vor allen geheimen Verſammlungen. Die Stelle faͤllt mir eben bey:„Es iſt die groͤßeſte Gefahr, „wenn du Geſellſchaften, Berſammlungen und „geheime Berathſchlagungen geſtatteſt.q„,(h) Was haͤlfe auch ein Eid der Treue gegen ſeinen Monarchen, den einige Logen ablegen ſollen; (h) Summum perienlum eſt, fi cœtus& concilia & lecretas conſultationes cſſe ſinas. Lib. XXXII. — 25 wenn auslaͤndiſche Monarchendiener und ſelbſt Republikaner die Mitglieder; wenn Raͤthe frem— der Fürſten gar die Häupter und gebiethende Her— ren Logenmeiſter ſind? In einem Staate, dem man cinen ganz neuen Umguß geben wollte, ſchiene mir jene Gefahr verdoppelt. Nicht ohne Maßgabe feiner tiefen Politit ſuchte Auguſtus, das Haupt aller Kollegien zu ſeyn; und wenn er den Schein einer Verweigerung annahm, war s blos Verſtellang, um es deſto ſichrer zu werden. Edelmann. Sie improviſiren. Halten Sie mir zu gute, wenn ich Ihnen widerſpreche. Abbee. Sie ſcherzen? oder wie koͤmmt dieſe Unerwartete Kataſtrophe? Edelmann. Keine Kataſtrophe: blos eine ſtaͤrkere Verwickelung des Knotens! Wir ſprachen bisher wechſelweiſe einen Fiuchpſalm wider die Bruder herab. Nun trenne ich mich und übers nehme ihre Partey. Sehen Sie, Herr Äbbee! ich bin der Gegenadvokat! Abbee. Ihr Diener, Herr Kollega! Das Wort kömmt alſo zuerſt an mich.— Ich behaupte: die aͤußere Sicherheit des Staates laufe bey fol chen Bruͤderſchaften Gefahr, weil dieſe ſich mit dem Auslande aufs Engſte verbinden, verbruͤdern, rerſammeln: eine Gefahr, welche gleich den Civil- und Militaͤrſtand, folglich die ganze Staats: verfaſſung von außen betrifft. Fuͤr mich bleibt 26 r—— es ewig ein Raͤthſel, wie ein inlaͤndiſcher Miniſter, Vorſteher, Rath, Beamter u. ſ. f. mit auslaͤndiſchen Miniſtern, Vorſtehern, Raͤthen und Beamten, bey einer ſo großen Ungleichheit der Staatsmaximen und Intereſſen, eine geheime Verbindung, ſo im Mittelpunkte, als an den Graͤnzen des Reiches errichten doͤrfe? Vertrauter Umgang, oder Briefwechſel, unter welchem Vor— wande, iſt an gewiſſen Stellen immerhin dem Mißtrauen und Verdacht ausgeſetzt. Wie größer unſer Antheil an den Geheimniſſen des Staates, je heiliger ſey das Stillſchweigen! Alexander, als er einmal dem Hephaͤſtion einen geheimen Brief vorgeleſen, zog feinen Ring ab, und drückte ihn auf den Mund des Miniſters. Der Mann mit dem verſicgelten Munde ſollte daher, nach dem Brauche der alten Perſer, Ei) das Still ſchweigen wie eine Gottheit verehren, und ſo die Gelegenheit als den Verdacht einer Entheiligung meiden. Es waͤre gar Ueberſſuß, die Richtigkeit meines Satzes gleichfalls von dem Kriegsſtand mit vielem Wortgepraͤnge zu beweiſen. Ich melde nichts von der Zeit eines Feldzuges, wo, obgleich Brüder gegen Brüder kaͤmpfen, das allſchende Auge des Imperators, das Befoͤrderung und Ungnade beſtimmt, den Einfluß beſonderer Ver— bindlichkeiten vielleicht eher verhindern kann. (i) Ammianus, Lib. XXI. Vielleicht, ſage ich, vielleicht auch nicht: denn lein Verraͤther hielt ſich noch für geſrhn. Unter— deſſen wer kennet die erſte Rengei dies Berufes nicht, die der große Lehrer ker Krieqskunſt, Polnbints, beylaͤuſig alſo vortraͤgt?„ Uᷓnter allem, „ was zu einem glücklichen Ausſchlage eines „Söäathſchluſſes gehoͤret, iſt das erſte und vornchm— „ ſte— Schweigeil. Deswegen ſoll man we— „der zum Beweiſe ſeiner Freude oder Furcht, „noch von einer Vertraulichkeit, Zuncigzung, „und Liebe ſich dazu verleiten laͤſſen, daß man „mit Auslaͤndern einen Umgang pſegce.—— „Man ſchweige aber nicht nur mit der Zunge, „ſondern noch vielmehr mit jeder auch ſprachloſen „Aeußerung der Gedanken. Denn manche, die zwar in Reden ſich verbargen, offenbarten ihre „Eutſchluͤßungen durch das Antlitz, durch Mienen „oder durch font eine That., CK) Ich geſtehe, dies iſt eine ſchwere, aber doch nochwendige Vor— ſchriſt. Nun dente man unſre Miniſter und . (k) Primum præcipuumque eorum, quz ad felicem Concilii exitum requirnntur, ctt-ſlere. Itagne neque Zaudii oſtentatiune, ob ſpem ſeiticet inopinatam aſtulZentem, neque metus; ſed:* ductum aut affcctu& amore, quidquam cummaänicare cum exteris oportét. Silere antem opartet non lingun tantum, ſed multo magis mente. Multi enim ſermone quidem ce'antes, inſo aſpecku& vultu, aut factorum aliguo, revelarunt fun decreta. olyb, JI. IX. = = e familiaritate in 28 Generale mit fremden Nachbarn, die wohl öfter eine religiſe, aber ſelten eine politiſche Gleich— gilligkeit nnd Duldung hegen; die zu jedem Ver— theil aufmerkſam, andere beneiden oder verach— ten; die ſich eine uͤberſchende Küngheit, und in allem ſich eine gewiſſe Superiorität einbilden, in einer Vermmlung, in einem vertrauten Zir— kel, in einer Bruderſthaſt! Kann jene Vorſchrift ohne Gefahr der liebertretung, dieſe Bruders lichkeit ohne Verſteüung beſtehen? Ich meyne nicht. Befindet ſich aher dieſe Verſtellung nur auf einer Seite, fo iſt die andere das Ziel des Geſpöttes, der Vall, der gerrellt wird. Auf beyden? Acta eſt fabula, vos plaudite! Dann haben wir eine geſnſchaftliche Komödie, komi— ſche Bruͤderſchaſt, Theater drüder. Was ſoll es hindern? man heiſſe die 5reymaäͤurer ihre Logen am Schauſpicihanſe aufſchlagen!— T2sas ſpre— chen Sie, Herr Koilega? Edelmann. Daß ſie, mein Herr?lbbee, vor unſern Dodeci ſrechen dürften, Ihre Wohl— redenheit erinnert mich an jene des Fra Paolo, der, von eben ſolchen Grunden bewogen, elle ei— nes geheimen Verſtaͤndniſſes beſchuldigte Privat— geſellſchaften aus unſern Staaten verjagt hat. Doch meine Pſlicht iſt diesmal, den Freymaͤu— rern das Wort zu führen. Wenn ihr Beweis überwiegende Gründe haͤtte, fo müßte man alles Reiſen, allen Handel und Wandel mit Auswaͤr —— 29 tigen gleick ails verbietlen. Irre Maxirne ſcheint mir iene der Cheneſer zu ſrn, die nicht nur ih— ren Retſer in inen anidenen Pallaſt anf eber lang verſchlteſen, ſfendern zar den Rüslaͤndern, auſſer der Gränzſtadt Canton, ailen Zutritt in das innere Reich verſperren. Sole unnoͤthig, und, darf ichs ſagen, berngahe lächerlich läßt dies? Sir verrathen oſſrnbar, daß Cie. keiner Verſanmilung der Irer:mäurer beg. wehnt heben. Oder glauben Sie denn, daß nian von politiſchen Eraenſcaͤnden, ven Stantszraͤtenſtonen, und ven der Taktik ſpreche! Abbee. Um Vergebung! Geruhen Sie die Vortchriſt des Polybins ganz zu erwägen. Man ſchweige, heist es daſelbſt, nicht nur mit der Zunge, ſondern——— alsdann bringe man die SiZnſen der Sande init in Lie FRieichnung; denn niemand ward auderzs, a. Bf} nweiſe ein Böſcnwich:. Zaerſt nähert man ſich dem Baum der QWüiſſenſchaft; geweß eine ehrenvolle Verglei— chung! Es ent5hinnet ſich allmaͤhlig ein vertrau— tes Geſpraͤch zwiſchen uns, und nnſerm Mitgeſchöpfe, der Bruder, eder was Sie lieber wol— len, Schweſter Schlee ze. Sogleich koſtet man, und reicht wirder audern zu koſten von der ver— bottzenen Frucht.— 2848 den Einwurf von den Feiſen, und dem Commerz betrift; fo erhellet offenbar ein Unterſthierd. Die Reinen ins Aus— land geſchehen nicht ſo haußg, und ſind ohne x 30— dem von einem weiſen Monarchen eingeſchraͤnkt. Die Handelsleute mögen verrathen, ſo viel fie von peäsitiſchen Gegenſtaͤnden wiſſen; ihr Rott iſt Mer— kür nit dem Friedensſtabe, den vereinigte Schlan— genklußheit inngiebt: ihre Abſicht, des Gottes e um jecoſum, ein ehrlicher Gewinnſt, ohne darum den Scepter Jupiters zu entwenden, wein 1 vor feinen geſpaltenen Blitzen zurüͤckbeben. Das her kam es, daß die bataviſchen und brittiſchen Handlung, hzuſer', mitten unter den blinigſten Kriegen dender Nationen, auf ihren Kömpeoirs den ewigen Frieden unterhielten. Im Gegentheil, wir ſient nicht ein, daß bey einer ſo innigen Verbindung weiſſer und blauer, roher und gel— ber Staals- und Kriegsbeamten doch immer eine, nicht weit entfernte Gefahr für die auſſere Si— cherheit möglich bleibe, und wahrſcheinlich drohe? daß eine ſelche Gefaͤhrlichkeit nicht konne blos zufällig genennt werden, ſondern, wei das Gꝛheimnißvolle cin weſcurllches Hauptſtuͤck ausmacht, mit der Natur der Freymaͤurer ver— ciniget, und daher nethwendig ſey? Ha! welch eine ſchaͤdlick!· Vernnüſet nis, venn bäarch dit Transfuſion heterägeniſcher rund ſatze die Ra— tionaiſaſte in Verdcrörnng rergesett? Juſtus Lips fügt: u Kommen dir Totengräber ins „Saus ⸗ ſo ſind es Anzeigen einer Leiche: „fremde Bäaͤlhe ins Land? Vorbothen des. „einſtuͤrzendeſt Stants.“(I) Was würde er eiſt zeſaat haben von jenen geheimen Rathen unſterct Jeheimen Raäthe, die unter dem Decks mer ed der Ir nenen e ihre Pflichten in ſrem— cn Lande thun? Eeelmanii. Wel Fantaſie! Der politi clche Schreckbilder traͤumt ihre ie! D itiſchr Janus thront in Paris, der Sele ggett zu Berlin; und die Fre. baute ſich Logen an der Sprer, wie auf den Ufern der Seine. Was fuͤr Revolutionen zeug te iemals die Freymaͤurerey? Abhee. Die Geſchichte kann eine Wahrheit nicht widerlegen, die aus den weſcntlichen Bez ſtandthrilen der Sache durch einen richtigen Ber— nünftſchluß herſließt. In ſolchen Fallen find wir mit Recht auf ſie mißt: auiſch; aber auf die Ges ſchichte der Freymaͤurerey zweymal, weil dieſe von Natur das Licht ſcheuct. Ihr Gift ſchleicht in verborgnen Gängen, und ſtiſtet unentdeckt Verderben. Ja; ich appellire an die Geſchichte, die laute Zeuginn von der Schaͤdlickkeit der Nachtenlenzunft. Verſckwoörung, Anſchtäge mis der das Leben der Könige, Ungerechtigkeit, Ver— ratherey und Zuͤgelloſtgkeit heiſſen die ſchoöͤnen Fruͤchte, die der Nottengeiſ in Winkeln auf R UID Tt in quam domum veſpillones veniunt, ſignum eſt funeris; fic reipnblicae lahentis, ad uam Fulcienam adhibentur Pere griai. Lipſius ad III. L. Polit. 4. 32— mn] jedem Erdreiche erzcuget hat.(m) Ich enthalte mich, das Allgemeine in beſondere Anekdoten auſ— zuloͤſen; denn ich kenne die Ausfucht der Beu— der, womit ſie alle Torwarſe von ſich abwenden Em) So lehret men in Schuten! Tie handelt man aber au ſſer den Hoͤrſaͤlen? Ich beruft mich auf das oͤſterreichiſche Scuulbuch des Heirn von Sonnen— fels. Im erſten Theile ſe ner Grundſaͤtze beſtaͤtinget er die Einſicht des Regenten in jede(zeſellſchaft als ein. nothwendiges Staatsrecht, und trift zur Handhabung deſſelben angemeſſene Polizeyanſtaiten.„Tie Polijey, „ſchreibt er S. 77, muß von dem Er tzwe re aller Geſeil„ſchaften und Veriammlungen von ihrer Stärke, und in„nern Beſchaffenſteit Unterricht ein ieken... Eine je „de geheime, oder 6: loſrne Geſeſchaſt, oder wel— „che dich zu dieſer Yaoefuchutrg wäirrſpenſtig ſinden „läßt, verdienet den. einer Wintelzuſam„menkunft, gegen welche der Verdacht der Polizey „gearündet iſt. Alie Beiheurunarn von ihrer Jin „ſchaͤblickteit, von der Gretel giltizteit ihrer Abſtcht „muß diese nicht ſicher machen. Die nncer dem Na— „men Sacieta di Giarcini beraunte Ber hwoͤrnnz en „geren das Hans edits, worinn N jr reeflochten war, 3e haken in einer nf; haft, die „ſieh blos, um der Garrentuſt zu genienen, zu verci— „nigen ſchien. Die Side VORTE beruner nicht auf „der Vermuthung, ſeidern der Rebersengunz von der „unſchfͤr lichen Aöſieht einer rammen: anſt. Die ze— „nige, welche der Rolizen bir Ueberscigeund ver: vri „gert, muß abgeſtellet werde de. die ioſe X.. mahnung nicht zu; ſo iſt d: Poltzez mir eitrier nach. Maß der Widerſetzung gaſenüärften(Sire: ge: n per „fahren berechtiget., Herr von Sonnenfeis ſrar Je< . — T ö 33 wollen.„Afterlogen rufen fie, Afterlogen warens, „deren Mitglieder wir ſelber nicht annehmen, oder „auf dir erſtc Entdeckung gleich wieder aus sſchlieſſen./ Gleich ſam als Dom: ten nicht auch die Nebrigen wiß, als er dieſes ſchrieb, kein Freymaͤurer; und ich wußte die Frernäurcrey ror ſeinemm Geſetze nicht an. ders zu retten, als daß zum Meiſter und Sefretär bey jeder Loge ein Muffcher der Rolizey ernannt würde. Freylich feotteln darüber die Brüder; wie ein Herr Kaſpar Ruef, der das aroſſe und gemeinnuͤtzige Fach der politiſchen Wiſſenſchaften in feinen Sätzen alſo verhöhnte:„Wenn man jeder buͤrgerlichen Familie einen Waͤchter zur Seite ſtellt, unter deſſen Aufſicht iedes Mitgli: d derſelben, und ſogar die Tiſche und „Betten eines Hauſes ſteken: fo mag wohl für un= „ordnungen ziemlich geſorgt fern: aber wer liebt die „Ordnung unter den Ruderknechten auf einer Gas „leere?, So ziemlich aus dem Tone mancher Frey» maurer, die in Vers und Proſa cine zuͤgelloſe Frey» heit predigen!— Doch ohne einen Widerſpruch zu begehen, kann ja kein Lehrer oder Kandidat der Poli— zeywiſſenſchaften ein Freymüurer ſcan. Davon verſichert mich noch ein anderes oͤſerreichiſches Schulbuch, Poſitiones de jare civitatis C. XV. Martini.$. XIX. de ſuprema Imperantis inſpectiune& jure politiæ beſchlieſſet der berühmte Verfaßer mit dieſen Worten. „ltaque compertum ef, cetus, qui naturaliter kice„rent, conſtitutis civitatihus latifyue legius civili„bus haud amplins vi propria valere.6, Es wäre leicht, mehrere Geſeze aus dem römiſschen R. chte an; ufuͤhren, waͤre dieſes Recht nicht, wic alles, 26 nur roömi ich heißt, bey vielen Leſern verhaßt oder wenigſt verdaͤchtig. x 34— ſolche Afterlogen ſeyn, oder doch werden, da ſie cile ißre Geheimniſſe den Augen anderer Recht: ſchaffenen, ja ſelbſt den Adlersblicken ihrer Mo— narchen entziehen. Nein: ich gründe mich allein auf die Vermiſt; und ſolange ich ihr Inſiitut mit der nicht vergleichen kann, muß ich es mit allen Staatslehrern gerade; u verwerfen. Edelman. Wie mehr ſich die Freymaͤurerey verbrriſet, ie weniger Gefahr erwaͤchſt daraus für den Staat. Dic zahlreichen Komiplote gelin— gen ſelten. Geſtzt alſo, die Maͤurer hätten wirklich(Gäheimniſſe; wie können Ze es bleiben, nach: dem ſie zur ſtenſchaft ſo vicler Menſchcn gelangen? Der Schwaͤtzer glaubt ſein Geteimniß, ſo er von Haus zu Hans in jedes Ohr raunet, mit einem freundſchaſtlichen, aber doch ſeiner Miene nach wichtigen Gebothe des Stiltſchwei— gens, hermetiſch zu verſchließen. Ein paar Tage; und das Geheimniß rinnt uͤberall aus; er ſelbſt machte es durch die geheimnißvolle Mittheilung zur Publizitaͤt. Mir wenigſtens gefiel immer das Bonmot, daß die Freymaͤurerey das größte Welt. nichts ſcy. Die Freymaͤurer ſagen ihre Be: heimmiſſe nicht, weil{ie keine wiſſen. Abbee. Und ſo haben fie uns wie gute Naͤrr—chen zum beſten. Aber nein; fie muͤßen ſich ſel— ber für ihr Geld wieder von ihren Brüdern fop— pen laſſen. Edel — 2 . > Edelmann. Dies wäre hoͤchſt unbruͤderlich. Ahber. Die wahren und endlichen Abſichten And anfangs allen verdeckt, bis die Logenmeiſter durch ihre Spione den Charakter der Neulinge ausgeſzräht haben. Ich berufe mich auf das Zeuquß cines Exbruders, des unwiderlegten 1Varners. Er bekennet, der Fall ſeye von 1000 Glecdern möglich, daß ſie nichts wiſſen; aber innerhalb des Heiligthums wurden Entwuͤrfe ges krürrt, wovon die übrigen unwiſſende, oft un— ſchuldige Werkt;euge ſeyn müßen. Es würde das her die VBerbreit:ing des Ordens die Gefahr nicht mindern; fie vergrößerte dieſelbe gar, indem fie den Anhang ſchlauer und verſchwiegener Generale perſtarkte. Die Streiter, die unter Katilina dienten, wußten die wahren Abſichten ihres Führers und der Mitverſchwornen nicht. Hat darum ihre aröͤßere Anzahl den Römern minder geſchadet?— Bedenke man nur obenhin die Folgen? Das We— ſen des Ordens verwandelt die beſondere Staatsbuͤrger in uͤdelverſtandene Weltbuͤrger, oder wie ſie ſich griechiſch prahlen, Koſmmopoliten. Seine Zunahme iſt dann eine Abnahme der beſondern Staaten, fein größeres Aufleben das Erſterben des Patriotiſmus und der Fuͤrſtenliebe, der Staats- und haͤuslichen Pflichten; welche Worte für den Maͤurer eitel Schall und ſinnleere Namen bleiben. Der große Monteſguien lehret mich D 36 mich ſogar in ſeinem Geiſt der Geſetze, daß auch die innere Sicherheit und Wohlfahrt des Staates von geheimen Verbindungen leide. Edelmann. Wie beweiſen Sie das? Abbee. Jede Verbindung im Staate, deren Haupt nicht der Regent iſt, muß Aufmerkſamteit erwecken. Ueberdas giebt es eine gewiſſe Eintracht unter den Gliedern, die dem Ganzen Rachtheil bringen kann. Der weiße Kato, wie Plutarch erzaͤhlt, pflegte aus Klugheit oft den Saamen zu kleinem Zwiſt oder Mißhelligkeit unter ſeine Dies nerſchaft auszuſtreuen, weil er ihre gar zu große Zuſammenſtimmung fuͤr verdaͤchtig hielt und fuͤrchtete. Naͤmlich unſere Geſellſchaft, ſpricht Seneka,(n) iſt vollkommen einem Steinge— woͤlbe gleich, das gewiß einfallen wuͤrde, wenn die Steine nicht einander ſelbſt hinderten, aber nur durch dieſen Widerſtand feſt zuſammen gehalten wird. Edelmann. Ganz verkehrt! die Vereinigung der Gemuͤther befördert die öffentliche Ruhe. Man verſicherte mich, daß Maͤnner, die vorher wie Zenit und Nadir einander entgegen waren, nun: mehr durch die Freymaͤurerey aus der feindlichen Stellung gebracht, ſich gegenſeitige Duldung und ein Bruderherz weihen. Haͤtte ich denn nicht (n) Societas noſtra lapidum fornicationi ſimillima eſt, quae caſura, niſi invicem obſtarent, hoc ipfe continetur. Sentea ep. 97. das Recht, dieſe heilſame Göeſellſchaft eint anäͤ— laͤndiſche Arzney zu nennen wider die Unruhen der Großen, die dem Staate ſo gefaͤhrtich ſuid? Abbe. Rennen Sie es beſſer eine ban sir, ein Mittel, fo uur ſchrint zu helfen, und in der That nicht hilft. Was die Natur nichl vermag, wird hier keine Kuͤnſteley erſetzen. Die Mitglie— der ciner bürgerlichen Czefril Chart ſind in gewiſſem Verſtande Bruder, ſind Söhne ciner Matter, des Baterlandes. Wozu denn eine neue Brat er— ſchaft auf den Truͤmmern des weltaiten und an— gebohrnen Bruͤderbundes aufführen? Iſt ſie nicht gicich fehlerhaft, und mit dem PVartenactſc ber— wandt, als das verſczriene Staatsgebrechen, Status in Statu? Erregt nicht ſchon ihzr verſtock— tes Stillſchweigen bey andern Verdacht, ihre unbekannte Sprache Nißtrauen, ihre lich. ſcheue Zuſammenkunfte Spaltung und Ab ſondzrung? Edelinann. Welchen Verdacht? was für em Mißtrauen“ Abbee. Wegen unſicherer Verwaltung der Ge— xrechtigkeit, die das Mein und Dein entſcheidet; die die Strafen den Verbrechen aumißt, und die alle Dienſte und Belohnungen im Staate anstheilt. „Der Richter ſey unbefangen!, So heißt die erſte Regel auf Gerichtsſtuben. Nun haͤlt aber der Richter Freymaͤurer ſeinen Bruder ſchon zum voraus fuͤr einen Biedermann, weil die Bruͤderſchaft groß damit thut, ohne ſtrenge PruͤD 2 38—. fung keinen aufzunehmen. Allein man kann lange im Stillen ein Böͤſrwicht ſeyn, den man vor der Aufnahme nicht war. Es mag zwar gerade ſo viel, und noch mehrere Rechtſchaffene in einer Stadt geben, als Freymaͤurer daſeldſt; aber daß dieſe Freymaͤurer pur lautere Biedermaͤnner ſeyn, dies bedarf noch eines Beweiſes. Wer ſindet wohl wahrſcheinlich, daß in einem noch fü volt— reichen Orte, wo in der kurzen Zeit von drey Feh— ren ſechs bis ſieben Logen entſtunden, nur die Biedermänner Freymäurer werden wollten, und die Freymaͤurer nur Biedermaͤnner ſeyn konnten? Mich daͤucht, das Schickſal aller Ordensſtaͤnde wird auch dieſen betreffen: je mehr er an der Zahl der Mitglieder gewinnt, deſto mehr verliert er von ſeiner Guͤte. Da ihn die Modeſucht allen, die nur aufgeklaͤrt ſcheinen wollen, zu einem Be— duͤrfniß gemacht, ſo wird fein innerer Werth bald mit jenem der neuen, modiſchen Waaren gleich ſtehen. Es liegt alſo der Fall gar nicht außer den Graͤnzen der Möglichkeit, daß beyde, der Delinquent und Richter, Freymaͤurer ſeyn können. Srhen Sie da ſchon eine Hemmung der eraſten Themis! Wer wird wohl ihre Wag— ſchale, die die Strafen mit Verbrechen abwiegt, der Hand eines Bruders anvertrauen? Edelmann. Nein, die Geſetze geben darinn dem Menſchheitsgefühle nach. Kein Bruder richte = ;. — — 30 ſcinen Bruder! Er trete daher für diesmal fein Amt an cinen andern ab. Ahbee. An wen? nicht wahr, an einen andern Bruder? Wer kennet ſie? Der erſte wird doch ſein Richter bleiben; weil er nicht ſich ſeiber, ihn ſein Deling:tent noch weniger verraͤth. Ja der letztere wird beym allererſten Verhöre feinem Herrn Bruder und Richter gewiß nicht die Feigen, wohl aber das unter den Bruͤdern verabredete Fingerſpiel weiſen. Auf das Bruderrerhoͤr folgt cin Bruderürtheil: unn lauft es durch die Stel len, d. i. von der Hand eines Brurers in die andere, und gelangt bis zum Throne, wo es nach einem bruͤderlichen Auszuge des bruͤderlichen Ver— hörs entweder beſtaͤtiget, oder mit Vatermilde noch tiefer herabgeſtimmt wird. Edelmann. Sie übertreiben, mein Herr. War es denn Ihnen unbekannt, daß jeder Ver— brecher ſogleich von der Loge ausgeſchloſſen wird? Abbee. Die Freundſchaft bleibt; und mit ihr das Streben, den unglücklichen Bruder von der Strafe, die Bruͤderſchaft von der Schande zu befreyen. Ferner iſt ja hier die Rede nicht blos von Staatsverbrechen, ſondern auch von burger— lichen Vergehungen, die eben nicht allzeit mit der Infamie und Ausſchließung verbunden find. Edelmann. Immerhin ſeltene Säle” —— 40— Ahbee. Immerhin moͤgliche, und was das bürgerliche Leben betrift, in weitſchichtigen Staa—ten beynahe tägliche Falle! Aber welche Gefah— ren drohen daher der Juſtiz, welche ſowohl das Recht verwaltet, als die Aemter ſamt dem Gna— dengehalte vertheilt! Ich bleibe bey der letztern ſtehen. Setzen Sie, daß um denſelben Dienſt ein Freymaͤurer, und ein Nichtſreymaͤurer bey einem Freymaͤurer, der der Referent, oder Con— ſerent iſt, zugleich ſich melden. Wer von beyden, meyncn Sie, wird den Apfel davontragen?— Antworten Sie, Signore: wer unter dieſen zween Candidaten, ein Fremdling, und ein Nepet des heiligſten Vaters, wer wird den rothen Hut erobern? Thelmann. In Italien iſts ein altes Sprich—wort:„Wer des Papſtes Vetter iſt, hat leicht den heiligen Purpur zu erlangen.„ Allein dies gehört zum politiſchen Fache, nicht in den Juſtiz— rath. Man nennet das Ding eine Gratiale, eine pur lautere Gnade fuͤr den, dem man gut will. Mit Gnaben ſpielt alle Welt. Abbee. Wenn ungeachtet der kluͤgſten Gegen— anſtalten das Spiel der Voranempfehlungen ſort— dauert; fo geſchieht dies nur zufälliger Weiſe; hingegen in dem Falle der Freymaͤurerey alles vi regule, nach der Ordensregel. Vi regulæ, daß ein jeder Bruder den andern ſamt Zuge— hörden mit bruͤderlichem Rath und That beyſtee na 41 muß ein ehrlicher verdienfivoller Mann, aber Nichtſreymaͤmtrer, den kuͤrzeren ziehen; vi regul:e wird bey Concurſen das tüchtigere Subiekt erſt ſe cundo oder tertid loco, nach einem vielgeliebten Freymaäunrer-Miethlinge, vorgeſchlagen; vi regulæ vermißt der ergraute Staatsdiener, oder deſſen Wittwe eine zureichende Penſion: weil man mit Ungeweihten gern ſtrenge verfaͤhrt; vi regulæ erhaͤlt jener alles, dieſer nichts: der erſte beſuchte die Hauptloge, kannte da alle Großen, und ward von ihnen wieder gekannt; dem letztern fehlte es am Geld fuͤr die Reiſe, und Loge.(o) Edelmann. Man daͤmme Verordnungen ent— gegen. Abbee. Welche Mühe gaben ſich nicht die Geſetzgeber, den ſchaͤdlichen Einſtuß der Partey— lichkeit, der Blutsfreundſchaft, der Landsmann— ſchaft, und anderer dergleichen Schwachheiten auf die Beſetzung der Stellen, und Belohnung der Verdienſte zu verhindern! Aber wie weit ſind ſie noch zuruͤck! Die Freymaͤurerey, ein neues, erſt einreißendes Hinderniß, verdiente allein ein neues Geſetz.— Doch wie kann ein Geſetz dieſem Uebel ſteuern, ſo in geheim fortſchleicht, und Co) In Baiern ſagt man ſprichwortweiſe zu einem, der eine Bedienung ſuchet.„Werde ein Frey— „mäurer!,, Alle angebliche Benſpiele weg! das Mißtrauen im Publiko, der Verdacht der Competen— ten bleibt doch immer, wie bittere Hefen, zuruͤck. 42 eher ausbricht als erkannt wird? Ihr Gelübde der Verſchwiegenheit veredelt alle Schntzwehren der Geſetze. Alſo nur cin Geſktz wider fie:„die Freymaͤurerey, die verkanp:e Se:ndinn cer Gerechtigkeit, werde aufgehoben, und gleich allen Werken der Fiiſterniſſe zer:iiehzet./ Kdelmann. Dies ihr Ger mögen Sie den argwoͤhniſchen Italienern, wie man fügt, vor— ſchlagen; der Deutſche denkt und handelt gerader. Abbee. Ich begreife, was Sie, Signore. unter dem Worte gerader verſtehen. Aber wiſſen Sie! auch dentſehe Fürſten haben es ſchon laͤrngſt, ohne die Autorität der heiligen Angutſition, er— gehen laſfti. Warum es andere far unnoöthig halten, iſt mir cben ſo ein Gehrinniß, als der innere Bau der Freymäurercy. Sie hatten doch meinen Beyfail, waͤren die Brüder nur abge— ſonderte Perſonen. Allein ſie machen Rotten, verbreiten ſich täglich mehr, und indem fie, ſo— gar außer den heiligen Graͤnzen des Vaterlands, Arbeiter von verſchiednen Sprachen ſich dingen, ſcheint es, daß ſie keinen Tempel Salemons, ſondern einen Thurm Babel beginnen. Wer ſoll nicht fürchten, es entſtehe zuletzt von ſo weit: reichenden Gliedern ein alle weltliche und gel: liche Rechte umſchlingender Polyp, eine wahre Krankheit des Staatskoͤrpers? Ich Hatte noch einige Sachen zu beruͤhren, die zur innern Si— cherheit und Wohlfahrt gehoͤren, und die alle 43 gleirhfalls, wie die Gerechtigkeit, darunter leiden kösnnen. Die Auswanderung des Geldes in mei— nes Erachtens kein unbedeutender Gegenſtand. ls man unlaͤngſt zwo neue Je nn, anlegte, both man aile Baun:eiſter und Irer im Reiche auf, um den Umiauf der anfzuwendenden Mil— lionen im Innern zu erhalten, und nicht die Des ſten Saͤfte dem Korper mit RNachtheil zu entzie— hen. Unſre Freymaͤurer, die Unternehmer eines gan; ünnöthigen Gebäudes, werden nach Maß des heutigen Wachsthums, bald auch Millionen abizaßſen; und nian ſchweiat Ban? Urberhaupt ſind die Fingrzier auſs auñe ze bemüht, die Quellen aller fremden Änsſüſſe zu verſtopfen. Wenn z. B. ein Ausländer unter ihnen kollekti— ren wollte, darfte er es ohne vorgehende Erlaub— niß nicht wagen. Aver in den Freymaäurerlo— gen ſindt cine immerwährende Kollekte für die Ausländer ſtatt. Welcher Wiser ſor: ich! 6p) Edelmann. Die auslaͤndiſchen Brüber opfern a mit; aiſo gibt es ſowohl rinen Einfiuß, als Ausfluß. Eines hebt das andere. p) Einige widerſprechen ſellſt dieſer Freygebiakeit der Bruͤder, wie der baicriſche Warner u. a. m. da aber doch nach der eignen Ruſſage des Warners monatliche Gelder geſammelt werden; da fie ſelber bey einer anſehnlicken Spende in die Poſaune ſtöſen; fo muß die Einnahme beträchtlich bey ‚och fo filzig: Bruͤdern fern, Schon die jährlichen Ausgaben für Hauszins, Correſponden;, Salarien, Dypforlchnuufe, Werbgels der u. a. m. verſchlingen eine groſſe Summe. Abbee. Warum verbiethet man nichts deſto weniger die auswaͤrtigen Lotterien, wo auch Ges winnſt mit Berluſt wechſelt? Fortung haͤlt den zeitlichen Vermoͤgensſiand der Brüder, wie die Numeros der Lottoſpieler, in einer Loosurne verſchloſſen. Die ſcharfſinnigſe Buchhaltung kann kein Eacit herauszEffern; zum allerwenigſten das Facit der Freymaänrcriſchen Verſchendung. Denn da die Anzahl, Qualitat, und die gaͤnzliche Bes ſchafſenheit der Brüͤber dem Regenten vorent— halten find, wird er dieſen Aus ſiuß und Einfluß dieſe Ebbe und Finth der Staatsſaͤfte niemals berrchnen, und beyde Summen in eine Balance bringen können. KEdeimann. So weit dachte ich nicht. Sa— gen Sie ihre weitern Bemerkungen! Abbee. Dies werden Sie nun von ſelbſt denken, daß die Armenanſtalten nicht minder verlieren. Edelmann. Verlieren? Man verſichert mich immer, daß die Freymaäurerey das mildtha— tigſte Inſtitut ſey. Welche Summen hoͤrte ich nennen! Abbee. Je größer die Summe, je größer meine Beſorgniß. Wenn ſolche Schaͤtze ins Ausland wandern; welche Entbloͤſung an Geld! Welche ſchreckliche Entwendung für die einhei— miſchen Armen! Die preiswuͤrdigſten Anſtalten, die ſchon angeſehene Gemeinden für ihre beduͤrf— —— 45 tigen Bürger, getroffen, machen in der That der Menſchenliebe unſers Jahrhunderts Ehre. Man ſah endlich heller ein, nicht mir, daß eine in den Natur- und Geſellſchaftsrechten gegründete Pflicht, ſo die Haͤupter als Glieder eines Ortes verbinde, die vom Himmel uͤbertragene Sorge für dieienigen auf ſich zu nehmen, die entweder die Natur, oder ein unwiederbringliches Geſchick, in eine traurige Unvermogenheit der Selbſter— naͤhrung verſetzt hat: ſondern daß das ſtreifende Betteln die Quelle mannigfaltigen Unheils, eine willkuhrliche Spende die Urgquelle des fortdau— renden Bettelns ſtih. Zu Paris, las ich juͤngſt, entſtunden in dieſer Abſicht ſeit zehn Jahren meh— rere mildthaͤtige Geſellſchaften, als im ganzen guͤldnen Jahrhundert, das eher ſchien den Stoff für die Freygebigkeit der Enke vorbereitet zu haben. Und wer liest nicht in öffentlichen Blaͤt— tern von der vortreſtichen Armenpſtege der Kai— ſerſtadt, und der übrigen Provinzen? Alles wett— rcifert; von unbckannten Seiten ſiroͤmen Wohl: thaten; und zur Stunde der Sammlung ſtürzel oft ein Taglohner die kleine Schale: woraus ein paar Silbertropfen, mit feinem Schweiße ver— miſcht, fallen, die ſein Her; mehr veredeln, als die Kaffe bereichern. Aber ſiech! da kommen die Reichen und Großen dieſes Volks, mit dem Wappen der Freymaͤureren geſtempelt, und gra— ben den Strom ab; leiten daraus vielerley Bäche 4 6—— ins Ausland; tranken fremde Fluren; ihr Va— terland liegt unter ihren Augen lechiend und öde.— Keine Deklamation! Wenn die Frey— maurer das Opfer der Logen jährlich den Ar— men ihres Ortes weihten; wenn ſie in die Wun— den der Kranken, deren wimmerndes Geſchrey in ihren Ohren ertoͤnet, von ihren Waͤnden wie— derhaltet, den wohlthäͤtigen Balſam goͤſten: glau— ben Sie nicht, Signore, daß man Wunder Das mit thun konnte? Sie müßten nicht wiſſen, welch eine theure und keſtſpielige Sache die Freymaͤu— rerey iſt. Wozu eine ſolche Verſchwendung ges gen Menſthen, die uns nicht ſo nahr gehen, und darf ich es ſagen? vielleicht gegen ſolche, die auf dieſen Hinterhalt ſtolz, den hoͤchſien Verordnun— gen Tro; bicthen, alles wagen, und ſich ſelbſt cher dem Vaterlande(Scheinphiloſovhen!) zu entziehen entſchloſſen find, als den ſtaͤrren Nacken unter den Gehorſam zu ſchmiegen?(*) So liefern dieſe Herren ihre Goldſtuͤcke in die Hände (*) Der Abbee verſteht hier vermuthlich den Hrn. Profeſſor Weishaupt, den ſteljen Martyrer der baieriſchen Illuminatenloge. Die Bruͤder-Legende erzäͤhlet freylich die Verweiſtng und Flucht des lieben Fratello im heroiſchen Tone; aber leſe man die Hofreſcrixten, die in der Mainzer Monatſchrift von geiſtlichen Sachen ſtehen, ſo denkt man ſich von ſeiner philoſophiſchen Verachtung der Penſion und des Vaterlands jenes be⸗— kannte: Calcas, ſed majore faſtu! eines Schurken, indeß die arme Wittwe ihre zwey Schaͤrflein in den SGzotteskaſen leqt. Edelmann. Sie bringen ſich. Athem. Eine kleine Pauſe!— Ihr weiſer Monarch ließ vor kurzem cine Bruͤderſchaft ſtatt aller andern errichten: ich meyne die Bruüderſchaft der all gemeinen Naͤchſtenliebe, womit zugleich die Armenanſtalten verbunden werden. Man hat alſo dafür geſorzt, was Sie ſo pathetiſch beiammern. Röbee. Wie konnen die Freymmänrer dieſer Anſtalt hold ſeyn, da ſie für Bürger gemacht, die fie nicht mit dem Namen der Bruder beeh— ren? Mir ſcheint fie ein ſtilles Gegengeſetz wi: der die ſo weit umfreſſende Freymaͤurerey zu ſeyn, die im Grunde nichts anders iſt, als cine Bruͤderſchaft der beſondern, und eingeſchraͤnken Waͤchſtenliebe. Mir ſcheint es ſo, ſagte ich: denn ſerne ſey von mir, von den Verordnungen eines Monarcken anders, als mit der moͤglich— ſten Ehrfurcht zu wrechen! Ich bin Unterthan: ich bin r er der erſte gehorcht; der letztere mengt ſich nicht in Staatsgeſchaͤſte, eingedenk deſſen, was der gelehrte Biſchof von Cyrene, Syneſius, anmerkte:„Die politiſche Wiſſen— „ſchaft mit dem Prieſterthum vereinigen wollen, „heiß: Dinge untereinander miſchen, die ganz „ungemiſcht bleiben ſollten.,(**) (**) Politicam virtutem jungere cum ſacerdotio veile, eſt mifcere omnins nen miſcenda. Susis. ep. 6. 485 t Edelmann. Gut! Dies erinnert mich an eine Anekdote, die ich unlaͤngſt in einem Zeitungsblatte las. Ein Prediger zu Linz zog auf der heiligen Staͤtte wider die Freymaͤurer los. Flugs erhielt er ein Handbillet von dieſem Inhalte, warum er ſich in Sachen miſche, die er micht verſtehe? Mein Herr Abbee! warum miſchen Sie ſich in die Freymaͤurerey, die Sie nicht vers fichen? Abbee.— Weil ich ſie nicht verſtehe. Ucbrigens waͤhlte ich die Freymaͤurerey zu keinem Ge— genſtande der Volkspredigten; wofern doch dieſe Erzaͤhlung eine wirkliche Thatſache zum Grunde hat. Denn man kennt ſchon das leichte Völkchen der Zeitungsſchreiberey; jedes Maͤrchen, ſo in ihren Modekram taugt, iſt ſolchen privilegirten Welt— lügnern willkommen.— Nein, ich bin nach den Geheimniſſen der Freymaͤurerey nicht ſo lüſtern. Das wenige Beſondere, ſo ich Ihnen davon ſage, horte ich im Vorbeygehn aus dem Munde der Bruͤder. Ich erlaube mir nicht mehr, als ſie ſelbſt bekannt zu machen für erlaubt hielten. Sollte je eine Nachreue den Wiederruf ihnen abnoͤthigen, fo mögen fie ſich huͤbſch verantworten. Altein ohne ihre Geheimniſſe zu enthuͤllen, bleibt wahr, was ich nur einwende. Denn ich habe die Frage, was iſt die Freymaͤurerey? blos nach dem ſchlichten Menſchenverſtande gepruͤft. Wer mir das verargen wollte, den fragte ich — 49 entgegen, ob die Rrieſter von der allgemeinen Wohl— that, mit beſcheidener Freymuüthigteit ihre Zwei— fel lat zu denken, allein ausgeſchloſſen ſcyen? Edelmann. Ich wünſche Ihnen zu einer Frenhrit Cüiuc, die unſre Republik wenigſt mit der Verdannunz belohnen warde. Sicht ſind die Freindlinge den Ortägeſczch unterwerfen; ſo getürt ihnen auch cin Nitgenuß der Oꝛtsſiey— heiten. Ich bediene mich aiſo Jares Pr vitcgiums und bekenne ungeſcheut meinen Wahn, daß Ihr Monarch, wie laͤngſt das Gerüchte ging, ein Freymaͤurer fon. Abbee. Das unſichere Gerücht wird eine fo ſeit ame Bebangtung nicht rechtfertigen. Ihre Einſicht iſt mir B.arge dafür; ich erwarte Gründe. Kdelinann. Die Vorſteher geſtatten nichts, was ſie nicht kennen; kennen mogen ſie die Frey— maͤurerey nicht, ohne fiber Freymaͤurer zu ſeyn: ergo— dibbee. Sacht! der Unterſatz iſt nicht fo auss gemacht. Edelmann. Der Freymaͤurer, der feine Or— densregeln, ungeachtet des Gelubres der Ver— ſchwiegenheit, zu kennen geben wurde; der ware ein Verraͤther. Abbee. Und waͤre der unmüglich? Auqguſtus ſagte, wie Plutarch erzaͤhlt„Ich liebe die Ver— raͤtherey, die Verrather billige ich nicht. ‚, Doch wie konnte ich das eine Verratherey nennen, so—— was nur thenre Pficht eines jeden Unterthans iſt? Ich wenigſt zweifle nicht, die Brüder haben dit ſe gegen Joſeph erfuͤliet, deren Verweigerung ür unter Cherefien ihren ganzen Orden gekoſtet hat. Fuͤrwahr deß er Kenntniß davon einzieht, be— wies fein letztes Berboih der Illuminaten-Logen. Die uͤbrigen geduldet er noch, ſo lange ſie ihn unſchaͤdlich dünken werden. Daraus folgt aber keineswegs, daß es für einzele Un:herthanen klug ſey, in einen blos geduldeten Orden zu treten. Wie ſchon einmal geſagt, dulden und gutheißen find zweyerley. Da nun der große Haufen dieſen Unterſchied nicht cinſiecht, macht er nothwendig falſche Schluͤſſe. Z. B.„ Der Regent verbie— thet die Freymaͤurercy nicht; folglich heiſt er ſie gut?— Was er für gut erkenm, wird er wohl ſelber mitthun; folglich iſt er ſelber ein Frey— maͤurer., Das Gerücht verbreitet alsdann dieſe Fehlſchluͤße, und leidet von Seite der Bruͤder gewiß keinen Widerſpruch, weil es ihnen nutz iſt, ſich gegen den großen Schwarm mit ſo ſtarken Fittigen zu decken. Topp! abermal ein neuer Trugſchluß!„Die Brüder widerſprechen nicht, ſie zucken die Achſel, ſie laͤcheln: folglich trotz ihrem Gelübde der Verſchwiegenheit brjahen ſie ſelber, daß der Monarch ein Freymaͤurer ſey.— Schließlich iſt ers., Sehen Sie! eine ſo ſchlech— te Logik weihte ſchon manchen Vorſteher in den Myſterien ein, die es doch tief nnter ſeiner Wurde achtete achlete. Denn wem ſollte es träumen, daß ein Regent oder Vorſteher mit ſcinen Untergebenen Romédien zu ſrielen geruhte?(4) Edelmann. Dies that ein Sicro; und er zog ſich dadurch die allgemeine Verachtung zu. Aber mit welchem Rechte nennen Sie die, Verſammlung der Frrymc nee cine Jon: die? Abbee. Wo Mäümmerenen und Masken finds was geſchieht natürlicher, als A ich da mir eine Krmodie denke? Vor der There der Aſſemblee wirſt man Ereellenzen, Gnaden, Jochwär— den und die Harzen ſamt allen Ahnen auf einen Haufen hin. Auf dem Zuße ſchleicht ein (4) Die Mainzer Gelehrten geben noch einen andern Grund dieſer Uunwalrſcheinlichkeit an:„Wenn ein „chriſtlicker Monarch unter feiner Aufſicht eine Geſell„ſchaft, deren Geheimniß er eingeſehen, dulden, ja dee „ren Haupt ſeyn will, war mn ſoll er ſie mit dem vers „ſchrienen Namen einer Freymaͤnrerloge bele„gen? Da dergleichen Zuͤnfte ſchon fo oft verbothen „worden, und beym Publikum den Verdacht rege ges „macht haben, daß ſie der Religron zum Nachtheile „ſenen. Ma ßte nicht wenigſtens das Publikum ale „ders belehret, und der Unterſchited der aͤch ten und / After logen ins helle Licht geſetzt werden? Denn „wer wurde es ſonſt den Awiranten ſagen, daß dieſe „oder jene Loge eine Afterlsge ſey? Und welche aus „allen wuͤrde dich die ſen Nemen zulegen laſſen? Vaͤ„ren nicht wegen dieſer allé:meinen Gefahr alle „Benennungen von Freymaͤurerlogen ſchon bes „denklich und verdächtig?„. X 8 = 8 — wa Bürger im Feyertagsrocke nach und umhaͤngt ſich ein Schwert. Aber auch Abbeen, gleich den Laien, ſehe ich den Hut in die Stirne gedrückt und einen Degen an der Seite einherſteigen; gewiß keine Tragödie! Lachen fie doch ſelbſt üb er den ſeltſamen Aufzug des Antonius von Padua vor Oran. Können fie ſich, wie ich ſie cinge— ſtehen hoͤrte, bey den Ceremonien ihrer Aufnahme u. ſ. w. kaum des Lachens enthalten: warum ſollen wir Ungeweihten nicht einmal entgezen laͤcheln doͤrfen? Wenn alſo der Miniſter und der Profeſſor, der Hofrath und der Kanzleydiener, der Reichsgraf und der Müͤhlarzt auf Einer Bühne, Hand in Hand geſchlungen, auſtreten; dann ſtellt ſich meiner Fantaſie die Protaſis einer komiſchen Handlung dar. Wer ſoll mirs ver— wehren? Man laſſe unter ſie den beinenen Senſemann ſchreiten! Nun ſbin ich tragiſch geſtimmt, und die Haut ſchauert mir vor dem maſ kirten Todtentanze. Endlich wenn die Brüder nach einer ſtundenlangen Vorleſung und naͤchtlicher Gemeintafel, bey dem Ausgange alle ihre Titeln unter dem Haufen hervorſuchen,— der Adeliche keinen der ſechszehn Ahnen zuruͤcklaͤßt,— der Handwerker den Degen mit ſeinem Maß— ſtabe vertauſchet,— jedes Geſchoͤpf feiner Puppe entſchluͤpft, und in den natürlichen Zuſtand, d. i. in eine der drey menſchlichen Geſellſrhaften zuruͤcktritt; dann, o! dann denkt ſich mein frohes J——— — Herz:„Bravo! Alles hat wieder ſeinen Rang, die Natur ihre alte Weiſe, die Farße ihr Ende. u Edelmann. Die Fare hat noch kein Ende; ſie wird auch außer dem Schauſpielhauſe fortgeſetzt. Traun! man iſt in Geſellſchaften, auf Spatziergangen, bey Berathſchlagungen vor ges Heimen Verſtaͤndniſſen nicht mehr ſicher. Die Bruder verſtecken ſich hinter aͤgyptiſche Hicroglyphiken, kleine Deutungen, Gebehrden, Loſungs— worte, alles auf die Koſten der allgemeinen Naͤchſtenliebe.— Abbee. Und der Civilitaͤt.—— Signore, ſehen Sie ſich um! Ein Bekannter eilet Ihnen auf dem Fuße nach,— wenn ich mich recht erinnere, ein Freymaͤurer! Zweytes Geſpraͤch. Ein Freymaͤurer; die Vorigen. Freymaurer. Buona Sera, Signore! Fratello mio! Edelmann. Che cerca V. S. che brama? Freymaͤurer. Herr Bruder! Keine Verſtellung! Laſſen Sie ſich umarmen! Edelmann. Herr, wer Sie immer find, bis hieher hatte ich nicht die Ehre, Sie zu kennen. Freymaͤurer. Nicht zu kennen? Aber ich kannte das Zeichen. Ja, ja; Sie ſind mein Bruder Freymaͤurer. Sehen Sie dahin! meine Hand antwortet Ihnen. Edelmann. Welches Zeichen? Doch mag es ſeyn, daß meine Finger von ohngefaͤhr es trafen; aber ich verſichere: dazu gab nur eine Priſe Tabak Anlaß, die meinen Fingern zu ent: fallen drohte. Freymaäͤurer. Ich bin verrathen!(*) Edelmann. Nein; ein Freymaͤurer bin ich nicht; aber noch warm von einem Geſpraͤche, (*) Ein wahres Anekdoͤtchen von einem neugeworbnen Bruder der Loge zu Fr, 1708 ſo ich eben mit dieſem Herrn Abbee daruͤber geführt. Sreymaäurer, Um Vergebung, Herr Abbee! Ich hatte Sie bis auf dieſe Minute nicht be merkt. Abbee. Dies halte ich Ihrem Ordenseifer zu Gute. Es iſt doch ein bezauberndes Ding um einen Ordensſtand! Man opfert ihm Eltern, Brüder, Freunde, Alles auf. Sie ſahen, Sie hoͤrten mich nicht, der ich ſchon ſo lange Ihre wertheſte Bekanntſchaft genoß. Freymaͤurer. Ich muß meine Uebereilung nur bekennen. Unſere Loge wird mich erſt zu Ende des Decembers aufnehmen. Ich war alſo noch nicht ſo gluͤcklich, ſie alle zu ſehen. Edelmann. Wohlan! Sie irrten nicht. Eine Bedingung; und wir alle find Ihre Novizen. Abbee. Es bringt mir ein wahres Vergnuͤgen, Freund, wenn ich ein dutzend guͤldene Ludwig in Ihr ſcidenes Retz treiben kann. Er) Aber zum Er) Ein Bruder, der einen Kandidaten nach dem vorqeſchriebenen Maße anwirbt, erhaͤlt dafür ein Ho» norariu:n. Dieſes wird dem Handgelde abgezogen, ſo der Angeworbene, anſtatt eines zu empfangen, vor dem Aufſchwoͤren in die Kaffe liefern, und ſelbſt wieder durch die monatlichen Kollekten hoch verintreſſiren muß. Ein wichtiger Gegenſtand für einen aufmerkſamen Finanzier! Man weiß ſogar Beyſpiele, daß das durch ganzen Familien tiefe Wunden geſchlagen wor— den. Es trat zwar, in fo zerruͤtteten Umſtaͤnden, die 6 Voraus, der Signore moͤchte wiſſen, was die Freymaͤurerey iſt? Freymaͤurer. Die göttliche Freymaͤurerey! ein Himmelskind! der Morgenſtern der Auflaͤrung! der Stein der Weiſen! das Füllhorn alles Guten! Edehmann. Sie durchdringen mich mit Ehrfurcht. FSreymaͤurer. Von allen menſchlichen Geſellſchaften, welche die Sterblichen von Anbeginn der Welt unter ſich haben errichten können, iſt niemal eine angenehmere, eine muͤtzlichere/ und ſonderbarere geweſen, als die Geſellſchaft der Freymaͤurer; ſie wird bleiben bis an das Ende der Welt. Ein Freymäurer kann unmög—lich ein gequälter Sklav der Sinne, der Eins bildungskraft, der Leidenſchaften ſeyn: ein wah— rer Bruder kann unmöglich ſo tief ſich neigen, daß er ſich unter ihr beſchwerliches Joch bequeme, und ſich durch dieſelben beherrſchen laſſe. Sein Gewiſſen beißt ihn nicht ſcines ganzen Lebens halber. Sein Geiſt richtet ſich bey allen Gele— Freygebigkeit der Bruͤder zum Theil ins Mittel; aber wie konnte wohl aus dem Grunde geholfen werden? und welch ein mißlicher Vertauſch des gewiſſen Vers luſtes mit dem ungewiſſen Gewinnſte, der Betteley mit dem Eigenthum, der unnoͤthigen Freymaͤurerey mit der pflichtmuͤßigen Familienliebe! ——— 57 genheiten zu ſeinem Schöpfer, dem wahren Baus meiſter des Himmels und der Erde, empor.(s) Abbee. Dies war alſo eine Lobrede von den Vorzuͤgen der Freymaͤurerey. Aber mir er— gieng es dabey, wie bey den gewohnlichen Lob— reden; wo man nach tauſend kyperboliſchen Machtſyruͤchen nichts weiß. Wohlan, machen wir den Anfang ihrer Beſchreibung gleich von der Ge— burt. Was für Eltern, welches Vaterland hatte die hochgeprieſene Freymaͤurerey? Freymäunrer. Myſterien! Myſterien! Ihr Urſorung iſt ſo verdeckt, als der Quell des Nils ſtroms. (s) So lauten die eignen Worte eines Freymaͤurers. Sieh die kleine Schrift: was in die Freymàure— rey? Er nennet ſeine Geſellſchaft die angenehm ſte wegen des guten, vertrauten Ninaangs in den Logen; die nützlich ſte wegen der vorgeblichen Moralitaͤt und Unterſtützung; die ſonderbarſte wegen der ſymbolischen Vorſtellunz und der tiefen Verſchwiegenheit. Die uͤbrigen Lobſeruͤche zielen offenbar auf einc blos natürliche Religion, wevon gegen Ende des zweyten Geſpruͤches Meldung geſchieht. Uebrigens heiße man es eine gaskoniſche Ruhmredigkeit, oder verführeriſche Lockpfeife! Die Bruder muͤſſen beydes tragen, fo lang ſie uns die Alten von der Heiligſprechung ihrer Geſellſchaft nicht einſehen ſaſen. Keine Autorität ſpricht uns in einem ſolchen Falle von der Prufung frey.— Sonſt lobe man auch einem Tauben die Muſik, einem Blinden ein Gemaͤhlde! Loauere, ut vidcam! 58— Edelmann. Gleich ven Anfang der Welt, ſchreibt ein Bruder, waren alle Menſchen Frey— maͤnrer. Ich verſtehe ihn: er deutet damit auf die Gleichheit der Menſchen, ein Hauptſtück der Bruͤderſ. haft, ob fie gleich ſelbſt verſchiedene Abs ſtufungen vom Mitter bis zum Novizen De ſtim me. Frevmänrer. Myßerien, Myſterien! 2Adbee. Wenn ſie ſo alt iſt, als die Myſterien unter den Menſchen, ſo reichet ihr Alter bis in die Zeitẽn der mien thlichen Wildheit hin. Die Jongleurs und Zauberer unter denſelben hielten die erſten Myſtericn. Edelmann. Unter Myſterien verſtehe ich ent— weder gewiſſe gottesdienſtliche Gebrauche, oder gewiſſe auf die Religion eines Volks ſich bezie— hende Lehren der Prieſter und andrer fuͤr heilig gehaltenen Perſonen, deren Mitfeyer, oder Mittheilung nur nach vorhergegangenen Prüfungen, und mit der Bedingung einer cwigen Verſchwie—genheit erlaubt wurde. Es giebt noch eine dritte Art der Myſterien, die die Lehren und Ge— braͤuche verbindet. Man nehme fie nun in welcher Bedeutung man will: ſo finden ſie ſich nicht unter denjenigen wüden Bölkerſchaften, die noch keine gemeinſchaftliche Religion, keine bez ſtimmten Feycrlichkeiten, keine feſten Lehren has ben. Die Egypter waren unter den erſten kul— tivirten Nationen, und bey ihren HPrieſtern trift man die erſten Myſterien an. Herr Abbee, Sie ſagten eine Beleidigung. Abbee. Meine Anſpielung gieng blos auf die Verſchwiegenheit, die bey allen Jongleurs und Zauberkuͤnſten das erſte Geſetz iſt. Ihr Angriff verſetzt mich in die NRothwendigkeit einer Gegen— wehre. Ich ſage denn geradezu: Die Myſtcrien der Alten taugen cher zur Verdammung als Rechtfertigung der Freymaͤurerey. Denn ſie waren entweder Betrug oder Menſchenfurcht. Betrug, wenn die Prieſter dadurch vor dem Pöbel groß ſcheinen und leere Künſte theuer verkaufen wollten. Menſchenfurcht, wenn ſie das elende Hirngeſpinnſt ihrer Götter nicht offentlich wegzukehren wagten. Aus dieſen zwoen Urſachen leite ich ihre Geheimhaltung her. Die ictztere wirkte am meiſten in den elruſſchen und iſiſcken Myſterien. Auch die Philoſophen mußten dabey einen geheimen Damon annehmen, oder das ſtrengſte Stillſchweigen auferlegen. Pytha— goras theilte in der Stadt Kroton feine Zuhörer, bisweilen zweytauſend an der Zahl, in exoteriſche und eſoteriſche ab.(t) Jenen trug er allgemeine (t) Ein Verbild der un vollendeten und der vollendeten Freymaͤurer. Jene wiſſen nur die Ges meinfaͤcher, woben ihre Schriften anzefuͤllt werden. Der Harirtarund ihres Daſeyns in den Logen iſt eine vermehrte Seyſtener. Denn wie geſagt, die Brite der haben ſewahl für ſich, als für die Profanen, Ge— 69— moraliſche Lehren vor, und jedermann hatte freyen Zutritt; dieſe hingegen, welche erſt nach einer langen und ſchweren Probe, und 2 bis z jährigen Stillſchweigen gan; in ſein Csnebium aufgenom— men wurden, einpſiengen allein in der geheimen Philoſophie von ihm Unterricht. Dieſe war nach der Art der espptiſchen Prieſter an ßerſt dunkel, und unter arithmetiſchen, geometriſchen und ſynboliſchen Zeichen verſteckt, deren eigentliche Bedeutung nur ſeinen geheimen Schuͤlern bekannt war. Sie blieben auch nach ſeinem Tode ihrem Gelbde ſo getreu, daß die Sthriften der Pytha— gorarr nichts verraten, die Philolaus ven deſſen ſraͤtern Schülern beſaß, und welche Plato von denſelben um vieles Geld an ſich r hat, Wahrhaftig kanft: auch ſchon manches Buch der Freymaänrer; ich hatte aber ſo. als Plato. Ldelmantt. Betrug oder Menſchenfurcht, nennen Sie die Grundurſache des Stillſchweigens. Ein tranriges Dilemma! Koͤnnte man nicht, wie Warburton glaubt, den erſien Einſetzern der Geheimniſſe ſo vice Nenſchenkenntmß zuciznen, daß ſie von den Einzuweihenden drßwegen das Geluͤbde der Verſchwiegenhcit verlangt haben, heimniſſe. Man muß lachen, wenn man einen Novi— zen mit einen Meiſter auf die bleße Vorweiſung der Kelle oder des Winkelmaßes einen vertrauten Un: gang pflegen ſieht. — 51 um den Andern eine deſto großere Begierde nach ieſen ſo ſorgfältig verhülltin Myſterien einzu— floͤßen, und dem wirklichen Theilneinner eine deſto großere Meynung, und tieſere Ehr'ur bt gegen die Myſterien benzubringen? So lic ne ſich auch die Verſchwiegenheit der Freymaͤurer entſchul— digen. Abbee. Warburton trauct den Alten zuviel phiioſophiſchen Geiſt zu, wie Herr Profeſſor Meiners annierktt. Am wahrſcheintichſten iſt es, daß die Stifter der Ryſterien die Verſchwiegenheit zu einer ſo allgem-incn Bedingung der Sin— zuwcihenden machten, damit durch dies Geſetz alle freye Reden, alle öffentlich? Unterſurhingen und Reſonnements uber dieſen wichtigen Punkt der Rel: gion zurückgehalten würden. Denn der Inhalt der Gcheimniß'e war cine Sanmiung von Lehrſatzen, die der ſfentlichen Vwoiesrelisien ent— gegen geſetzt waren, und entweder durch Ucher. oder in heligen Sthtriſten aufbewahrt ind fortge pflanzt wurden, um Frieſter ſowohl, als Zuührer des Voltz, von der wahren Söeichichte und Beſchafenheit des al zerneinen Goöͤtterdienſtes, und ihnen über viele Gzeegenſtände Crlänternungen zu geben,, die der Pöbel nickt faſſen konnte, und von denen die Serien Areiigion weder was ſagte, nech ſagen durf.e. Zu dieſem Ende hielt man zu. Urarmatiich-ſymboliſth Verſtellungen, die ren allegoriſchen Sinn der — nnd Mythologie erklären ſollten; man unterſchied ſogar die kleinern und groͤßern Myſterien: zu den letztern wurden nur wenige nach einer vieliaͤhrigen ſtrengen Pruͤfung zugelaſſen. Freymaͤurer. Von den Myſterien der Alten, ja, davon habe ich kein Geluͤbd zu ſchweigen.— Sie laſen alſo den Herrn Meiners, Herr Abbee? folglich laſen Sie auch, daß unter jedwedem Volke, das ſich ausbildete, und Beobachter der Natur, wie nachdenkende Männer erzeugte, dieſe letzte Art von Myſterien nothwendig entſtehen mußte. So eben fallt mir auch eine Erzählung aus Wielands goldenem Spiegel ein. Die Geſchichtſchreiber von Scheſchian, ſchreibt er im vierten Theile, erwähnen eines geheimen Gottesdienſtes, welchen der Sultan Tifan, mit Hilfe der Prieſter feiner Partey, für alle diejenigen, welche ſich geneigt erklaͤrten, den Dienſt der beyden Affen zu verlaſſen, angeordnet habe; ſie druͤcken ſich aber ſo dunkel uͤber dieſe Sache aus, daß es unmöglich iſt, etwas uniſtaͤndliches davon zu ſagen. Alles, was ſich davon vermuthen laͤßt, iſt, daß dieſer geheime Gottesdienſt mit den Myſterien bey den Egyptern und Griechen eine große Aehnlichkeit und zum hauptſaͤchlichen Gegenſtand gehabt habe, diejenigen, welche darinn initirt wurden, theils durch ſymboliſche Vorſtellungen, theils durch deutlichen Unterricht, von der Ei, telkeit des Göͤtzendienſtes zu uͤberzeugen, und vermittelſt einer Art von feyerlicher Verrſtichtung auf die Grundwahrheiten der naturlichen Reli— gion, ſie zu beſſerer Erfüllung ihrer menſchiichen und bürgerlichen Rfichten verbindlich zu machen. Edelmann. Vortrefflich! Ein geheimer Got— tesdienſt, der auf den Grundwahrheiten der naturlichen Religion beruhet.—— Symboliſche Vorſiellungen und deutlicher Unterricht— zu beſſerer Erfüͤliung der menſchlichen und buͤr—gerlichen Pflichten.— Halten fie auch ein Ges luͤbde der Verſchwiegenheit? Freymänurer. Wie wären ſie ohne dieſes vor dem Volke ſicher geblieben, deſſen Religion in ihren Zuſammenkuͤnſten verworſen und widerlegt wurde! Insbeſondere mußten die Einge— weihten eine allgemeine Sanftmuth und Dal dung der Irrenden, in Abſicht alles andern aber, was fie bey dieſen Myſterien geſehen oder gehört hatten, ein unverletzliches Stielſchwe: nen angeloben. Dieſe Veranſtaltung, ſagen die Ges ſchichtſchreiber, wirkte mehr als all's ührige, die große Abſicht des weiſen Tifans zu befördern, Die Begierde, zu dieſen My Trien zugelaſten zu werden, wurde nach und nach eine Leiden ſch aft bey den Scheſchſianern; und je mehr Schwierigkeiten ihnen dabey gemacht wurden, deſto heftiger war das Verlangen, Antheil an einer Sache zu neh— fuen, die ihnen durch die geheimmißvolle und 64 t— feyerliche Art, womit ſie behandelt wurde, von unendlicher Wichtigkeit zu ſeyn ſchien. Edelmann. Ich betrachte Ihre Erzählung als eine ſchöne Idee von der Freymnaͤurerey. Abbce. Nun eine Anmerkung! Die Myſte— rien, ſagt ferner Herr Meiners, finden nicht ſtatt, wo die Grundſaͤtze der Religion mit den Grund ſaͤtzen der Weltweisheit übereinſtimmen, und rie Prieſter alſ keine wahre, dem Aber— glauben des Volks emgegengeſetzte Kenntniſſe zu verſtecken haben. Dieſer Fail triſt nun bey der chriſilichen Neligien ein, deren Lehren erhabene Philo ſophie ſind, und nichts verlieren, wenn fit am alle enicinſten varhrrittt werden. Lebten wir roch unter den Hayden, do mare ich heute ein Eingeweißter; oLafeich aisdann noch die wichti— ge Frag: übrig blicbe, ob ich durch dieſe unſicht— bare Religion Gott fo chren warde, wie ich ihn erkannte. Die Weiſen der Völker, antwor— tet der heilige Paulus Röm. 1. 21, thaten es nicht.— Wie, mein Freund, beruſen Sie ſich noch auf den Gottinger Profeſſor? Was ant— worten Sie? Freymäurer. Was alle Freymaͤurer,— ichts. Es ſind Myſterien über Myſt'rien! Edelmann. Ich übernehme Jar Wart. Die Freymäͤnrerey betriſt keine Glautenstehren: die Moralitaͤt, die Erfüllung der menſchlitden und uͤrgerlichen Plfichten iſt ihr heiligſter Endzweck. | Abbee. So bald wir eine Offenbarung zulef fen, muß unſre Sittenlchre iwas mehr, als die eines Epiktets ſeyn. Der Stifter der chriſt— lichen Religion,— Leſſen Wille es iſt, daß alle Menſchen ſeiin werden ind zur Erkäninniß der Wahrhril gelangen; der ſelbſt jeden Menſchen erleuchtet, welcher in die Welt Kommt, — machte trinrn Unterſchied zwischen den Glau— bens- und Sittenlehren, als er ſeine Bothen in die ganzen Welt ſendete, um Fas Evangelium allen Geſchoͤpfen zu predigen. Doch ich gerathe auf die Kanzel ohne Noth: Lie Bernunſt lehret mich zum Voraus: was gemeinnützig iſt, dies werde allgemein bekannt genigcht! Waͤre der Orden eine eigne Schule der Weisheit, wozu der Myſtiziſ— mus? Wer ſichert den Staat und die Kirche, daß nicht unter dicſem Schleyer die eingeführte Religion untergraben, nicht mit den Vorur— theilen, die man ausreuten zu wollen rorgicht, den Gemüthern clles dasjenige entriſſen werde, was mit Grunde heilig gehalten werden ſoll? Wir ſehen die Früchte ſolcher Aufklärung: wahre Tugend wird immer ſeitner, je mihr ſich der Orden ausdehnrt: Frey naͤurer wachſen wie Schwämme hirvor, und der rechtſchaſſnen Men— ſchen werden weniger.(u) Die Iltuminirten und ihre Inſimiſten, die Minervenbruͤder, gaben (u, ueber Frevmaͤtrer, die erſte Warnung. 66 den neueſten Beweis der Ausartung. Die thoͤrichte Verſchwiegenheit nämlich machet jede Schule der Weisheit gefährlich, ja lächerlich. Wem fiel es je ein, eine oͤkonomiſche, phyſikaliſche, mediciniſche Geſellſchaft in Winkeln zu errichten, alle darin gemachte Entdeckungen zu vergraben, und den Mund der Mitglieder, gleichſam den Grab— ſtein mit einem Geluͤbde der Verſchwiegenheit zu verſiegeln?! Freymaͤurer. Myſterien! Myſterien: Edelmann. Sie werden mir immerhin ein— raͤumen, daß es eine natürliche Religion, d. i. Pſlichten gebe, die wir durch das bloſe Vernunft— licht erkennen; und daß unter den Heyden Maͤn— ner entſtanden, die es in der Sittenlehre weit gebracht. Nicht mir ein Mark Aurel; ſondern ſelbſt Auguſtin, und ein Karl Borromee laſen die Werke des Epiktets mit groſſem Vergnuͤgen. Der Jeſuit Mourgues erzaͤhſt ſogar von einem alten Mönchskloſer, daß es deſſen Handbuͤchiein, mit wenigen Abänderungen, far feine Regel au» genommen habe. Abbee. Wenn wir gelaͤutertes Gold erwerben koͤnnen, warum ziehen wir ihm das mit dem Zu— ſatze von unreinem Metalle vor? Ja wohl auf Schulen mag ein Raturrechtslehrer ſolche Stufen graben, deren Schlacken der Theolog nachmals abhebe, oder wie immer durch kuͤnſtlithes Schmeljen abſondern. Aber bey einem vollſtändigen Unterricht ————— —'M 1éinterricht lieſſen die Kirchkenvaͤter nie cine ſolche Scheir ang zu; ſo wenig wer es in der Ausübung thun dörſen: wir handeln nicht itzt als Menſch, itzt als Chriſt, ſondern ais Menſth und Chriſt zugieich, ein Concreium der Vernunft und Oſ— ſenbarung. Edehnaiin. Was den andern Einwurf bes trift, den Sie von dein 6 fentltenen Srediafamte hernehmen, wie? Hatten nicht ſelbſt die Chriſten auch ihr? Mo tere? Sie verbargen ſich und ihre 8. vren vor den m,. der Hennen; ſie Diele ten nächtliche Zuſam:: cu k:nnfte ‚ gebennen Unterricht, Agapen eder r, nahe, wobey wie in den Freymäͤureriogen, der Arm mit dem Reichen an einer Tafel ſaß; ſie bedienten ſich zur gegenſeitigen Erkenntniß verborgener Zeichen, die ſie mit den Fingern in Schalt des Kreuz galgens bald auf ihre Stirne, bald auf die Bruſt oder uber den Mund. Ig ich las, daß ſelbſt ihre Grasſtaiten, zun Unter— ſchiede der heydniſchen, nicht ſren don dieſen Myſterien blieben. Man fand züweilen darauf das Sort J— ch— th— y— 8/ ſo griechiſch ein Sit, aber nach einzelnen AÄnfangsbuchſta— ben in ihrem Sinne hieß Jeſus— Chriſtus— Gottes— Sohn— der Heiland. Ihre eigenen Kar'chumenen ſchloten ſie endlich von der Abhaltung der Myſterien aus. Die Myſterien find alſo unter den Chriſten auch keine Neurrung. F 68 ö Abbee. Was Sie da für Saͤchelchen zuſam— menhaͤuften! Das Gegentheil bezeuget beym Minutius Felix ein gewißer Caͤcilius Natalis: „Wir find, antwortet er den Heyden, keine „ Schwaͤtzer in Winkeln, wenn ihr euch ſchaͤmet „oder fürchtet, uns“ Öffentlich anzuhören... „ Meynet ihr wohl, wir ſuchten zu verbergen, gr was wir anbethen?, Man legte ihnen zwar zur Laſt, daß ſie ſich durch gwiſſe Zeichen zu erkennen gaͤben, und einander Bruͤder und Schweſtern nennten. Allein die Chriſten erwiederten daſelbſt:„Wir erkennen uns untereinander , nicht an einem koͤrperlichen Zeichen, wie ihr „meynet; ſondern an dem Charakter der Unſchuid „ und Zucht. Wir nennen uns Brüder, als „Menſchen Eines göttlichen Vaters, Mitge— „noſſen Eines Glaubens, Miterben einer derſel„ben Hoffnung.„(w) Wo if zuletzt der Freymaͤurer, der ſo unerſchrocken und ſtandhaft ſich fuͤr einen Freymaͤurer bekennet, als jene unter das Antlitz ihrer Feinde riefen: ich bin ein Chriſt, ich heiße ein Chriſt? Die Brüder errö(w) Nec in angulis garruli, ſi andire nos puhlice aut eruheſcitis aut timetis..... Putatis antem, nos occultare, quod colimus?........... Sie nos denique non notacula corporis, ut putatis, ſed innocentiae ac moldeſtiae ſieno facile dignoſcimus.... Fratres vocamus, ut unius Dei parentis homines, u conſortes fidei, ut ſpei cohaeredes, —— 67 zhen ia, oder erblaſſen über eine ſolche Frage, und verſtummen. Freymänrer. Mein Bekenntniß haben Sie, meine Herren! Aber ſeyen Sie zugleich verſichert! vergebens ſpüren Sie dem Urſprung unſerer Bruderſchaft nach. Ein Myſterium, wie geſagt; ein Myſterium! Myſterium! Edelmann. Schweigen Sie immerhin; ich laſſe Ihre Brüder dafur reden. Einige unter ihnen gaben den Cromwell für ihren Stifter an. Abbee. Cromwellen, den ſelbſt gelthrte Britten unter die Rebellen, Koͤnigsmoͤrder und Tyrannen zaͤhlen! Die Scheitel eines ſolchen Ordensſtifters wird gewißlich nie der heilige Strahlenſchein umſechten. Freymäunrer. Unſere Heiligen ſtehen auf dem Berge Sion, den din kle Wotken vor den ſckwa— chen Blicken der Ungeweihten verhuͤlien. Sie ſind in meinen Augen groͤßer, als die Aufruͤhrer Hildebrand und Thomas Becquet, die Rom an den Altar geſtellt hat. Heilige Freymaͤurer find Myſterien! Edelmann. Mehr als freymuͤthig! doch andere Brüder goͤnnen Ihnen dieſe Ehre nicht, und ich halte mit. Denn die Freynnaͤurerey wurde ſchon im Jahr 1425 wenigſt in Enaland vertügt; und Cromwell erſt im Jahr 1603 daſelbſt gebehren. Seine Geſellſchaft, deren Entwurf zu jens n Gerüchte Anlaß gab, beſt:ind allein aus F 2 F 2 — proteſtantiſchen Zeloten. Man haͤlt für wahrſcheinlicher, daß ſie von den Zeiten der Kreuzzuͤge herſtammen; wo man die alte Stätte des ſalomoniſchen Tempels haufenweiſe beſuchte, Tempelorden ſtiftete, und alles auf gut Orientaliſch ſchwaͤrmte. Daher entſprungen die vervollkommneten Freymaͤurer, die Meiſter in Iſrael, die Zuͤter des Heiligthums, die Ritter von Orient, die Kados, die Ritter vom Adler; und da unter dieſen auch der Schott- und Irlaänder vorkommen; da der Ramen Freymaͤurer zuerſt in der Englaͤndiſchen Geſchichte unter K. Heinz rich VI geleſen wird: fo hat die Meynung vieler Gelehrten Grund, daß die erſten Architekten dickes nachgepfuſchten Tempels ſchott⸗ und irlaͤndiſche Bitter waren. Abber. Demnach eine Geburt des Mittelal— ters! Möchte nicht darinn gebohren ſeyn; denn alles, was es erzeugte, heißt ſchlechtwes eine Mißgeburt oder gar ein Bankart der Pfaffen und Ritter. Annwenigſten aber gereicht es einem zur Ehre, den Vater oder die Mutter nicht anges ben zu konnen. Fſreymäurer. Sie machen ſich luſtig, Herr Abbee, auf fremde Koſten. Wiſſen Sie; der Urſprung blieb darum unbekannt, weil er aus den fernſten Zeiten und von Maͤnnern abſtammt, die ihr eigen Geboth, die Berſchwiegenheit, firenger als ihre Enkel, zuerſt erfüllten, Und — 7* endiich was thut der Anfang zur Sache? Kurz! Alles und alles Ein Myſterium! Abbee. Ich weiß! Sie werden nicht böfe; ein wahrer Freymaͤurer zoͤrnet nie. Zu einer nenen Empfehlung Ihrer Sanftmuth verfolge ich den Gedanken dieſes Herrn. Der Tempel Salomons beſchaͤftigte ſchon die erſten Chriſten ſtart. Seine Wiedererbauung war der ſehnlichſte AWunſch ihrer Gegner, der Juden, um die Weiſſagnung des chriſtlichen Geſezgebers zum Theile zu vernichten. Wem iſts unbekannt, was für Berſuche vornehmlich unter dem abtrinnigen Junien gemacht worden? Die Chriſten auf der andern Seite betrachteten den Tempel Salomons als ein Vorbild des nunmehr vollendeten Ge— ſckes. Sein Vorhang, der beym Tode Jeſu zerriß, werde nicht mehr ergaͤnzt werden; der ciniig: wahre Tempel fey die Kirche Chriſti; wie denn der Heiland ſelbſt ſeinen Leib mit demſelben, er Apoſtel jeden Rechtglaͤubigen mit dem Tempel Gottes verglichen habe. Dieſer Temvel werde aber erſt in dem Himmel, welcher das himmliſche Jeruſalem fen, durch Chriſtum, als den wahren Salomon und friedfertigen König, ausgebauet werden. Die Steine dieſes Gebäudes {ind wir, aber zuvor, nach Belieben des Bauz meiſters, ciner Bearbeitung und des Zuſchnitts bedürftig. Dies geſchieht außer dem Platze des Gebäudes, außer dem Himmel, d. i. auf der ———* Erde. Man hoͤrte in dem Tempel Salomons bey feiner Aufbauung keinen Harmmerſtreich: und im Himmel, ſchreibt der heilige Johannes, wird keine Traurigkeit, weder Geſchrey, noch Schmerz ſeyn. Die Steine, die nicht vom Baumeiſter verworfen ſind, werden durch die Salramenten, Widerwaͤrtigkeiten, Drangſale, Selbſtzuchtigung u. ſ. f. gleichſam zugeſchnitten und zubereitet. Alle aber, die immer auserwaͤhlt ſind, bringt darauf der Bauherr jeden an ſeinen beſtimmten Ort: fie alle vereinigt auf das Engſte das Band der Liebe, das von der Erde ausgeht und bis in den Himmel reichet. Alldort iſt das Heilig thum Gottes, deſſen die Bundeslade ein Vorbild war. Der Vorhang, welcher in dem ſalomo— niſchen Tempel das Allcrhöiligſte von dem Heiligen abſonderte, ſtellte nach der Meynung des Avoſteis vor, daß der Weg zum himmliſchen Heiligthum noch nicht eröffnet geweſen, bis Chriſtus durch den Tod den Vorhang ſeincs Fleiſches zerriſſen, und durch fine Auferſtehung und Himmelfahrt den Zugang in die ewige Gluͤckſeligkeit uns eröffnet hatte. Der Altar des Nauchwerkes war ein Vorbild des Heilandes im Himmel, durch welchen immer das Gebeth der Heiligen, wie ein Rauchwerk, vor dem An— geſichte Gottes hinaufſteigzt. Der aus ungehauench Steinen gebaute Altar, der im aͤußerſten Vorhofe zum Opfer der Thiere beſtimmt war, zeigte ader 11e| 72 ir Freymäurer 1hrhundert. . aufgehoben, weil der Logenmeiſter die Geheimniſſe vor dem Throne aufzudecken ſich geweigert. IV. zerſtreut und beſtraft. arl alle Winkel⸗Geſellſchaften aufs ſchaͤrfſte verbothen. dem verbothen und der Meiſter mit der Verbannung beſtraft. h II. die Illuminaten und Minervalen, Zweige der Freymaͤurerey/ verbothen und der Aufſicht der Polizey ſcharf empfohlen. cx C d belle der Verfolgungen der Freymaänurer im achtzehnten Fahrhundert. Jahrgang. Staaten. 1735. Holland 1ñ 737. Frankreich 1738. Rom ———— Schweden ———— Flandern 1739. Polen 1740 Spanien 1741. Italien, als Florenz/ arma Maltha/ u. 4. m. 1743. Portugall 2751. Rom 1764 Oeſterreichiſ. Staaten. 1781. Neapel 1785. Baiern w——— Venedig ———— Oeſtreich Regenten. Geſetz e. Die Freymaͤurerey aufgehoben, und ſelbſt der Name Freymaͤurer verbothen. — auch die Bekanntſchaft und der Umgang mit Freymaͤurern wird als ſtrafbar erk laͤret. ipſo Kaiſer Karl VI.— aufgehoben und verjagt. Koͤnig Auguſt II.— aufgeſucht, und die Excommunication an allen Kirchen angeſchlagen. König Philipp V.— mit Band und Eiſen beſtraft. Verſchiedne Herzoge und Republiken. — auf Befehl der Regierung von der Inquiſition verſcheucht. König Johann V.— verfolgt und die Bruͤder eingekerkert und beveſtet. P. Benedikt XIV.— aufs neue verbothen, und die Ex— communicationsbulle P. Clem. XII. beſtaͤtigt. K. K. Mar ia Thereſia. — aufgehoben, weil der Logenmeiſter die Geheimniſſe vor dem Throne aufzudecken ſich geweigert. K. Ferdinand IV. zerſtreut und beſtraft. alle Winkel⸗Geſellſchaften aufs ſchaͤrfſte verbothen. — verbothen und der Meiſter mit der Verbannung beſtraft. Kaiſer Joſeph II.— die Illuminaten und Minervalen, Zweige der Freymaͤurerey, verbo— then und der Aufſicht der Polizey ſcharf empfohlen. Churfuͤrſt Karl Theodor IV. Der Doge mit dem Senat. Generalſtaaten. Koͤnig Ludwig XV P. Clemens XII.— mit der Excommunication facto belegt. Konig. Ulrik. Eleon. bey Lehensſtrafe verbothen. — 73 mal Chriſtum in der Sterblichkeit, der außer der Stadt auf dem Hügel Golgotha ſich ſelbſt am Kreuze Gott geopfert. Es iſt alſo Chriſtus der Gott, Baumeiſter, Altar, Prieſter, das Schlachtopfer, und der Grundſtein dieſes Tempels. Er wird aber von Chriſto nicht eher vollendet werden, als am Ende der Zeiten, wann alle Steine, zu die rm Gebäude zubereitet, jeder an feinem Platze, zu ſtehen kommen. Alsdann wird das Gebäude eingerichtet werden, deſſen ewige Dauer die vier Ecken vorbedeuten.(x) Edelmann. Wozu dieſe hermeneutiſche Vorleſung? Abbee. Um zu beweiſen, wie groͤblich die Allegorie des ſalomoniſchen Tempels von unſern Freymaͤurern mißhandelt und profanirt werde. Orer nehmen ſie dieſelbe im naͤmlichen Verſtande, ſo waren ſchon Hieronymus, Auguſtin, Gregor der Große, und andere Kirchenvaͤter chriſtliche Freymaurer; aber ſie theitten dieſe Geheimniſſe durch öffentliche Schriften mit, die ich alle ans führen wurde, ware hier der Ort und die Zeit dazu. Unſere Freymaͤurer entfernen ſich darinn von dem Sinne der erſten Chriſtenheit, nach welchen der Tempel Gottes aus keinen verworfe(x) S. Hieronym. Comment. in Ezech. c. 4. et L. 1. Comment. in Epiſt. ad Enheſ. c. 2. S. Auzuſt. L. 16, de Civ. C. 8. n. 2 et 3. S. Gregor. M. L. 34. Moral, in Job e. 10. pp. 74 nen Steinen, den Yrrlehrern, vielmehr aus lauter gehaue: nen und geſchnittenen Rrchtglaͤut igen beſtehen kann. Und was ganz klein lautet, tren— nen fie ſich ſogar von ihr in der cirrchnung; die ſie nicht, wie andere Chriſten, von der Geburt des Weltheilandés, ſondern mit dem Stiftunns— jahre des ſalonmeniſtihen Te:npels anfange;. Greift ihre Göeſcellſchaft noch weiter um ſich, ſo iſts der Mühe werth, in der Bernhreibung der Chronologie eine nere Epoche einzuzrück:rn. Es hriße:„Die Jiwwen zahlen von Erſchaffung der „ Welt: die hetd niiſchen Romer von Erbauung „ihrer Start; die Curie von der Tlucht des „Malionieds; die Chriſten von der Geburt des „Meſſ as; die Frertnäunrer von der Stiftung des můdiſcheii Ten prls. Edeln: ann. Ich erwartete eine Erläuterung über den Urſprung der Freymaͤurcrey. Ihr Ein— gang war nun ein langes Eviſod um. Frevnuitrer. Ja, wäarc der kein Myſteri: m! Abbee Kein Seitenſprung, ḿeinr Herren! Ich praͤrmhirlirte nur ein wen 13 niciner Vermuthung von der aufgeworfen rage. Sie folgt, Die wahre Allegorie. ich allmählich in den harbariſchen Zeilen: nur eine unvonſtändige Erinnerung hatte man den jahrlichen Firchweih— feier zu verdanken, an welchen der Tempel Saiomons in Kirchenreden und„ bethen wieder zum Vorſchein kant. Qs darauf im 121 Jahr — an| 2 75 hundert die Prediger der Kreuzzuͤge die verkehrte Fanta in ein neues Feuer ſ.tzzten; als man aus Driend, anfalı Der Lorbecrn, pure pure verpa— laͤſtin rte Ideen nach Hauſe braächt?. Ohngefähr in Jahre MMONNX ſit der ſa! e: chen Temwpelsſtiftung halte ein ritteriicher Edenierrer bey einer ſatten Kirchweihtafel den EinfallU, Diete Lerzcinnehn,nde Geſtliſchaft über die Oktave des Jeſttages hinenszuſtraken, die 2 yon ſamt dem Schmanſe untern Jahr zu wiederholen, und damit aues dabey chrenveſt und rittermaßis zugienge, die Rettung der Unſchuid und weiß nickt was für aroße und menſchensreundliche Pläne mit ſolcher luſtigen Bruderſchaft zu vereinigen. Aser ſich! gleich ſaͤete der leidige Teuſel Unkraut darein; Truntenbelde von Schildknappen, Venus knechte von Rittern, die Ueberdoleibſein der allge— nein verfolſten Waldenſer und Albigenſer er— zeugten argeriiche Afterlogen, die nachmal von den Fraticellen, Beguarden und Beguinen, in den letztern aufgeklaͤrten Zeiten von den Deiſten und Frergeiſtern{ind fortgepſlanzt worden. Dies daͤucht mich der vollnkaͤndige Stammbaum ſamt allen den eingepropften wilden Sproͤßlingen der FIrrymaͤurerey. delimnann. Groß war meine Erwartung: aber nun, verzeihen Sie mir, Freund! nun fällt mir der Vers ein:; karturinet montes,—— [rat FSreym àaͤurer. Ridieulus mus! Poſſen! Mys ſterien! Myſterien! Abbee. Ich halte anch nicht mehr von der wahren Freymaͤurerey, als Hera; ven dem kreiſ— ſenden Berge. Feſtliche Spferſch:mäuſe, Nittergeiſt und Allegorie des ſalomoniſchen Tempels waren die Elementen der donquichotiſchen Ver— bruderung in der mittlern Zeit, Was kann ich mir anders vorſtellen, wenn ich in einc Loge trette, wo ſalomoniſche Maurer mit Seitenge—wehren um eine wohlbeſetzte Tafei ſitzen, und Geſaͤnge von Freyheit und Lebensfreude anſtim— men? Wiſſen Sie von der Sache etwas mehr, denn alle übrigen Bruͤder; fo bitte ich um Belehrung! Freymäurer. Nur keine Frage an mich! Meine Antwort ſey immer Myſterien! My⸗— ſterien! Eden: am. Myſter ien, Myſterien! Zum Er— ſtaunen! Die Freymaͤurerey iſt die Schule des Stillſchweigens: ſie befiehlt eine ſtrengere Ver— ſchwiegenheit, als iene der Beichtvaͤter iſt. Dieſe doͤrfen bekennen, daß ſie Beichtvaͤter von dieſer und jener Perſon find. Die Brüder hingegen nähern ſich durch Zweydeutigkeiten der unehrlichen Lüge, um weiß zu machen, daß ſie keine Brüder von dieſer und jener Loge ſeyen. Abbee. Freund, Sie aͤngſteln ſich ab. Wie lautet wohl Ihr Gelübde? — 27 Freymaͤurer. Ein wahres Myſterium! Abbee. Ha! reden die Bruder nichts; fo gab es doch Bruͤder die ſchrieben. Ihr Gelübde der Verſchwiegenheit lautet weſentlich alſo:„Ich“ „N. verſoreche und ſchwore in dem Angeſichte „des allmmaͤchtigen Gottes und dieſer ehrwürdigen „BVerſammlung, daß ich die Gehcimniſſe der . er n cerey, die mir zu feiner Zeit wer— „den ersjſnet werden, nienanden mittheilen oder Hagen werde, als nur denjenigen, von „denen ich gewiß wißen werde, daß ſie Bruder „ſind. y«Y; Run nichts mehr von dem zu melden, daß dieſer Myſtiziſmmus an ſich unbe— greiſlich ſey: ſo frage ich nur, ob man eine ſolche dor nie ein vernünftiges Gelübde neunen kann? Gegenſtand eines ieden Gelübdes ſey a) . und erlanbt, b) zur Ehre Gottes, d. i. zur allgemeinen Wohlfahrt mehr, als das Gegen— heil, beytragend, und e) der Atsübung höherer Pflichten nicht hinderlich.(2) Wie weiß ich 2 8 y) Siche die ſchon oft erwähnte Schrift: was if die Freymaurerey? (Ez) Der Herr Abbee memoriret hier die Worte aus den anfangs gemeldeten Satzen der Jurispru— den;, welche der freymuͤtbize Trinnvir,(wie fie in der 5 ſtreichiſchen Bidermaännerchronik heit» fen) Herr Kaſpar Ruef zu Freyburg den 9 Auauſt 1785 heraus aab. Noch einmal muß ich meinen Leſer verſichern, daß dieſer F reymůth ige kein Freymaͤurer werden lönne. Seine Crundſaͤtze von Ge lub den #8— aber, ob die Geheimniſſe der Freymaͤurerey dieſe drry Bedingniſſe erfüllen, die mir erſt zu ſeiner Zeit werden erocfnet werden?„Mir darf ich mir alſo mitten in ſolcher Gefahr die Augen verbin— ſtehen ihm entgegen. Denn S. 5 ſchreibt er entſcheidend:„So ſehr ein vernünftiges und wohlcingerich— tetes Gebeth zu empfehlen it: fo wenig find Ge1408e auzurathen.„ Ich folgere: erg iſt ein(Ara luͤbde gar nicht nnd niemal rathſam, fo wie das Gebeth durchaus und allemal ratliſam bleibt.— Was niemal rathſam wird, dies wird niemal thunlich: ergo wird der Freymuͤthige niemal ein Gelübde, geſcipveige jenes der freynaͤurertſchen Verſchw: ezenheit, ablesen und alſo kein Freymäurer werden wollen, werden ſage ich; denn ward er es einmal, fo muß er es allemal bleiben. Der Ungrund und das Unrathſame des getha— nen Geluͤbdes befreyet ihn nicht mehr, weil er gleich in der naͤchſten Zeile fortſchreibt:„Hat man aber ein Geluͤbde gethan; fo würde es fehr großen Leichtſinn verrarcen, wenn man es nicht erfuͤllen wollte., Durch dieſen San verwandelt er alle Be, luͤbde in le Sens ing liche; und doch mißbilligt er die leytern be nal. Welrch'e Widerſarüche! Man mißraͤth jedes Geltkd; und nennet die Nichterfuͤuung einen großen Trichtſin n: Man verwirft jedes Geluͤbd für alle; und beſtimmt gleich darauf die Bedingniſe eines vernůnftigen Geluͤbdes: In der angehüngten Note verdreht er die weiſe Einſchraͤnkung, die Herr Schelle, Benedütiner und wirklicker Prefeſſor zu Sal; burg, ſeinem Rathe von den kuren Friſten der Geluͤbde, einem Rathe, der ſich nicht auf der Verwerꝗichteit der Gelyuͤhde, ſondern auf der unte ſtindiakeit des Cut» äzetts oder des Gelzben den gründet, geben mußte; den laſſen? Wie einer ſo theuren Pflicht mich unterziehn, deren Vernunftmaͤßigkeit wenigſt ein Geheimnmß noch iſt? Edelmann. Leſen Sie weiter, Herr Abbee, daß nämlich beſondere umſtaͤnde auch Gelbde auf die ganze Lebenslänge fordern koön— nen. Reinr Perſchafung eins ſichern Ruͤckens, wie der Herr Defendent gern mochte; wahre Nothwendigkeit und Vernunft! Ja wohl nach dem freymüthigen Satze wuͤre weder das ehliche, noch das milita— riſche oder bürgerliche Geluͤbze der ewigen Treue vernünftig und ratkſam. O Mänchenhaß: quo non mortalia cozsis prctara! da er auf Mönche los— geht, wirft er aus Linder Wut die ganze Welt übern Haufen. Denn daß er die Ewigkeit der Ordens gelnlde im Ange hatte, beweiſen nicht nur andere feine Schriften, ſendern anch einer eben dieſer Satie, worinn er den im Jahr 1259 verdammten Irrtbum eines Doktors von Paris Gailielms de 8. Amore, die freywillige Abdankung der Güter zum Dienſte Got tes betreſend, klar vertheidiget. Daß er aber nebſt dieſen erwieſnen Wider ſpruͤ— chen auch eine arobe Un wiſſenheit verrathe, kann ihn jeder angehende Theolog uͤberweiſen. Es iſt kein Moraliſt, der nicht die Ungiltigteit der Geluͤbde leh⸗— re, fo bald dieſe einem groͤßern Gut im Wege ſtehen. Allein welche Schwierigkeiten in der Erfüllung fo wichtig werden; wann wirklich ein größeres Gut in beſondern Füllen in den Weg lomme: das iſt es, warum man feinem eignen Urtheile nicht trauen, fone dern die Obriakeiten befragen maß. Das iſt es end lich, was ſelbſt unter den raͤpſtlichen Diſrenſationen jene merlwu rdige ungleichheit bewirkte. Kein Geluͤbde Na] ED in Ihrem Sreymäurer= Kedelbuüchlein; che die letzten Stralen der Abendſonne ſich gaͤnzlich verlieren. Abbee.„Beſchreibung der Frermaͤure—„rey.— Die zu unſern Zeiten ſo berühmte „Trey: näurercy iſt ihrem Weſen nach nichts „anders, als eine Geſellſchaft kluger Perſonen, „welche durch das Band der bruͤderlichen Liebe „unterhalten, und durch die Regeln der mora— „liſchen Tugenden gefuhret werden: anbey ſich „ brſtreben, eine vernünftige Geſellſchaft zu beob— „ächten, wozu jedes Mitglied alles, was dieſelbe verbindet mehr, wenn es ein größeres Gut des Gelobenden oder einer ganzen Gemeine merklich hin— dert. Nun if dies der Fall bey N. und N.; folalich p. Siehe! den zweyten Satz machte Papſt Clemens XIV viel geſchwinder, als Papſt Pius VJ. Drum hat der erſte in einem Jahre oft 1000, dieſer kaum zo Mönche ihrer ewigen Geluͤbde entlaßen, oder wie man will, entlaſſen erklaͤrt. Uebrigens war die Ewig— keit dar Gelühde, auch außer den Kinſtern, von jeher in der Kirche 4a wähnlich; ob fie aber ourch Einſchraͤn—= kung, dur Erweiterung des Nltertermins u. ſ. f. beſ— fer gender würde, geberr nicbt bicher. Nun iſt allein die Rede von Gelürden des Freymaͤurerordens, woſnit ſi int Feinde und Freunde der evangeliſchen Sicher, nie eine ſehr großen Leichktſtun, in Die Weite belaſteti. Wer ſich van ihnen losgeſprochen wenchte, dedarf, auf mein ort, teiner Einwilli— gung von Rem; denn direſes hac langſt üer die Ab— legung ſolcher Gelübde den Kirchensann ausgeſprozhen. — 81 „mit immer nützlich und angenehm machen kann, „ber atrazen verbunden iſt. Der Grund und die Scele dirſer Gzeſenſchaft iſt die Miidthaͤtigkeit; indem dieſelbe alle ihre Mitglieder, den einen mit dem andern in einer brüͤderlichen Liebe verknlnfet, und ſich ein: unablägliche Schul— digkeit Daraus machet, denienigen, welche des Mitleides wahrhaftig werth ſind, ihre Wohlthaten angedeihen zu laſſen. Grund ſatze.—„Unſcre bewunderungswuͤr„dige Kunſt hat vor allen andern meuſchlichen „ Geſchichaften darinn einen Vorzug, daß ſie auf „feſtru und beſtandigen EGrundſaäͤtzen beruhet, und „nicht eher als die Weit ein Ende nehmen kann. „ Dieſe Grundſaßze And, nach der Maurer Art „ zu reden, die Verſchrziczenheit, die Mora—A lität, und die gute Geſeliſchaft: welche dies ganze „ vornehme Gebande heüten und unterſtutzen. „Jedem dieſer drey Grundſaͤtze zuſolge, haben „wir beſondere Pſlichten, zu welchen wir auf „ das allerheiligſte verbunden ſind. O welch herr„liches Gebäude! Welch unumſtößliches Weſen! Geſttze.— 1. Die Freymaͤurer, die das Unglück haben, den Namen Gottes unnuͤtzlich zr fuͤhren, oder auf eine andere Art zu fluchen;(aa) — s. ü. 1 1 1 4 4 Dv T T T T T T X TCæ T (aa) So zimlich a la Herrnhut! Man findet üuͤberhanvt vielen ehnlichẽeiten zwiſchen dieſer Naͤhriſch en, und jenen Freymuurer⸗ Drasern, Doch ſcheinz die er= 2. die ſonderbare oder zweydeutige Worte heraus ſtoßen; 3. die wider die Einigkeit oder Gutherzigkeit gegen einen ihrer Bruder, oder wider den dem Meiſter der Loge ſchuldigen Ge— horſam handeln, und die Ruhe ſtören: dieſe ſind zu einer groößern oder deri, Geldbuße verdammt, wie und nachdem der begangene Fenler gering, oder groß iſt. 4. Bey. Geldbuße verbicthet unſre Geſellſchaft Religionsn; aterien abzuhandeln. Da ſehe man die Myſterien! Freymäurer. Da ſehe man das Richts! Als les Geſchriebe der Freymaͤurer iſt unbedentend: die Brüder unterlieſſen es beſſer. Myſterien bleiben Myſterien. Edelmann. Doch iſis möglich, daß unter der großen Menge junger ſchreibſeligen Bruͤder zuweilen ein verraͤthrriſcher Herr Urian ſich bes . Indeß glaube ich dennoch nicht, daß ſie alle Göehrimniſſe auskramen. Selbſt unter den Geſetzen vermiſſe ich ein ungemein wichtiges, fo ein Deſertenr der Frevmaͤurer, der baieriſche Warner, verrathen hat. Ich ſetze es daher mit allein Rechte den 4 andern bey: 5. Man verpflichte ſich, die Feinde res Ordens als ſeine eignen ſtere eine mehr chriſtliche und ſuüßere Schwürmeren zu fen, Ja lieber noch ein Bruder von Herrnhut und Philadelphia, als vom bairiſchen Epheſus und Athen (Ingolſtadt und München!) — 83 eignen zu betrachten, und nach empfangener Vorſchriſt zu behandeln. O einſeitige Duldung! O Bruͤder gegen hunderte, Sticfbruͤder gegen Millionen der Menſchen! Abbee. Nun auch kein Geheimniß mehr, warum Sie mich, Freund, gleich anfangs dieſes Geſpraͤches gar nicht achteten. Ich bin wenig» ſiens kein Freund der Freymaͤurerey; ob ich gleich gerne der Freund einzeler Freymaͤurer ſeyn moͤchte. Dies wußten Sie! Edelmann. Ein Geſetz, das hoͤchſt bedenklich, und des ſchrecklichſten Mißbrauches faͤhig waͤre! Abbee. Ich bin verloren, ſobald ich mich wider die Freymaͤurerey verſündige. Feinde mit— ten in meiner Vaterſtadt: Feinde in den geheim— ſten Kollegien und Rathſtuben, Feinde von allen Seiten!— Nein: fo thaten es ehemals die Voͤl— ker, ſie aber nicht ſo: nicht ſo die helldenkenden Weltbuͤrger; nicht fo die wahren Menſchenfreunde; die Bruͤder nicht ſo! Freymaͤurer. Und das glauben Sie von einer Geſellſchaft, die aus fo vornehmen und edelmuͤ‚ thigen Maͤnnern beſteht? Abbee. Warum ſoll ich nicht fürchten? Der: ſelbe Warner geficht zwar, daß er in dieſem Dr. den große und wuͤrdige Maͤnner kennen gelernt habe; die aber nach ſeiner ſorgfaͤltig gemachten Beobachtung gerade nur von ihren ſchwachen 6 33— A Seiten mit dem Orden zuſammen hiengen: am Großen und Edeln derſelben habe dieſer keinen Antheil; was aber Todeswuͤrdiges an ihnen waͤre, gehoͤre dem Orden ganz zu.— Was das für ſchwache Seiten find? Sein Kontext giebt fie zu verſehen,— Abſicht vortheilhafter Verbindungen,— Geringſchaͤtzung der Religion.— Gleichgiltigkeit gegen die Sekten der Chriſten,— ein unverdauter SEpikurifinus(bb)— ich ſage (bb) Kein Wunder, daß ein unreiner Epikuriſmns die Pallaͤſte der Großen beherrſcht, da er ſchon an Of» fentlichen Stellen feine Vertheidiger ſindt; und das zu einer Zeit, in welcher die allgemein erichwerten Dienſtpflichten vielmehr eine Stoiſche Apathie zu erbeiſchen ſcheinen! Noch liegen die Saͤtze des Herrn Ruefs vor mir; und kaum ſchrieb ich das Wort Epikuriſmus, fo fiel mir einer derſelben ins Ange, der ihn merllich empfiehlt. Jede boͤrperliche Selbſt; cht igung wird darinn aus dieſen Gruͤnden verworfen, weil ſie die Kraͤfte verletzt und kein Tugendmittel ſeyn kann. Ich bin eben nicht in dem Laune, der Geißel das Wort zu fuͤhren, deren Gebrauch in den Kloͤſtern erſt zu den Zeiten des Petrus von Damian, außer den Kloͤſtern im 16. Jahrhundert, zu einer zu weit getriebenen Wis derlegung der damaligen Feinde aller Buſhwerke, vera breitet worden. Ich betrachte die Selbſt;üchtigung Ice der Art als eine Entkraͤftung, und frage: find Entkraͤftungen des Körpers wohl jemal er— taubt? Vor allem aber bin ich die Erklärung ſchuldig, wofuͤr ich meinen Leib anſehe. Ich halte ihn für eine Miethwohnung meiner Seele. Dieſe darf ich weder durch den Selbſtmord zerſtoͤren, noch | mm 85 nichts weiters. Karl Theodor von Pfalzbaiern ſey ein giltigerer Zeuge, als der namenloſe Warner immer ſeyn mag. Seine Verordnungen wider alle Freymaͤurer bekennt namentlich, daß durch Uebelhauſen ſchwaͤchen und mit meiner Schuld unbrauchbar machen. Mit meiner Schuld, ſag ich; denn daß ſie durch einen vernuͤnftigen Gebrauch und endlich von der Länge des Bewohnens ſelbſt Scha— den leidet, und zuletzt gar einfallen wird, das iſt theils Pſich:, theils nicht meine Schuld. Es waͤre luͤcherlich, wenn ein Miethling nie den Boden des fremden Hauſes betreten, nie die Fenſter oͤfnen, keinen Nagel in die Wand ſchlagen u. ſ. w. wollte. Die Sache iſt klar, und die Allegorte ſchon alt; man kann ſie ausführlich beym Plautus leſen. Von dieſer Idee ziehe ich nun die Klaſſifikation der koͤrperlichen Ente kraͤftungen ab. Es giebt a) Entkraftungen, zur Erhaltung oder Wiederherſtellung des Korpers, Ari— neymittel; b) zum beſſern Gebrauche der Vernunft, Tugendmittel;( zur Strafe der Verbrechen, Buße übungen. Alle drey konnen merklich groß oder klein, gebothen oder freywillig fern. Die era ſten gebiethet der Arit; und in dieſe Klaſſe gehoren alle abfuͤbrende, ausieerende, ſchneidende: c. Arzneymittel. So ſind auch die meiſten von der Kirche gebothene, ſelbſt unter Pretenanten nicht ungewohnliche, aber mehr diaͤtetiſche als merklich entkraͤftende Faſttage. Die zweyte Art enthält Einſchraͤnkungen ſinnlicher Luͤſte, das Kreuzigen des Fleiſches, evangeliſche Abtoͤdtung, ja Marter und Tod zur Erlangung oder Beybehaltung der Tugend. Solche Entkraͤftungen, ſeyen fie freywillig oder von Menſchen gebothen, doͤrfen nie merke lich groß ſeyn, außer wenn es der Beruf vorſchreibt G 2 86— durch fie Verwirr- und Unordnungen,... wie auch Factiones in Collegiis verurſachet worden. Die Sicherheitsliebe und traurige Nothwehre ſcheint es bald zu erfordern, daß alle oder das Opfer fuͤr ſeine Bruͤder erfordert. Alsdann wird ſtatt des Geſetzes: Rette das Leben, erhalt deinen Leib, das andere eintreten: Rette die Tu» gend, erhalt deine edlere Seele! Durch die Kleinern erlangt die Vernunft, wie die Erfahrung lehrt, eine immer größere Herrſchaft: fie find Vorübungen und zugleich Ausübungen der Tugend. Wer jede Bekraͤnkung ſeiner Sinne flieht, wird mit den Sybariten die Hahne aus der Stadt jagen, wird ein Weichling ſeyn, und am Ende Epicuri de grege porcus. Die letzten, die Buß übungen, wurden uns aus der Offenbarung, z. B. aus der heilſamen Buße der Niniviten u. a. m. bekannt gemacht. Das Bey» ſpiel der erſten Chriſten, vam apoſtoliſchen Geiſte bes ſeelt, beſtuͤtiget die alte Tradition der rechtglaͤubigen Patriarchen und Juden. Denn woher anders wußten dieſe, daß der Verlurſt durch die Einaͤſcherung unſchuldiger Opferthiere, und die ſchmerzbafte Benehmung der Vorhaut kraftige Verſoͤhnungen und gottgefaͤll ige Werke ſeyen? Der Herr ſelbſt beſtraft uns jenſeits des Grabes durch das Gefühl eines wahren Feuers an Leib und Seele. Man bemerkt uͤberhaupt, daß die neuen Reformatoren von jenen in der aͤlteſten Kirche weit abgehen. Sie haſſen alle Bußuͤbungen, da die letztern die Milde derſelben tadelten. So ſtark war damals jedermann von der Goͤttlichkeit dieſes Bußgeiſtes überzeugt. Chriſtus und fein Apoſtel kannten gewiß die Pflichten gegen unſern Leib; aber keiner fand es noth= pendig, mit einer ſo wichtigen Miene, wie bier Hert OO— 4 ſich zu der Maͤurerbande ſchlagen, und durch dieſe Aligemeinheit die beſondern Gefahren von ſich. und ihrer Gemeine abwenden. Freymaͤurer. Verleumdungen! Abbee. Vor dem Verbothe hieß Karl Theodor auch ein Freymaͤurer; es war dann eine lautere Verleumdung. Man ſindt ſich nicht mehr in dieſem Gehaͤge von Myſterien und Verleumdungen. Wer darf es noch wagen, ein Freymaäͤurer zu werden? Freymäͤurer. Drum ſinds Myſterien uͤber Myſterien! Edelmann. Aber doch gewiß keine Schandthaten, keine allgemeine Irreligion, keine offen: bare Staatsverraͤtherey! Tauſend baicriſchen Warnern glaubt ichs tauſendmale nicht. Ich halte dergleichen Graͤuel für bloße Möglichkeiten:; wahrſcheinlich koͤnnen fie von ſolchen Maͤnnern, Rucf thut, uns vor dem langſamen Selbſtmorde zu warnen. Sie beſtimmten die Ehe, aber die Lob— rede weihten fie dem Coͤlibat. Der Herr Defendent hingegen deklamirt S. 43 zur Ehre der erſten eine jus gendlich blühende Panegyrik mit einem angehängten merkwürdigen eteetera. Von den Beyſpielen der Heiligen wollte ich nichts melden, weil er ſie nicht fuͤhlen kann, der in feiner Rede für den Doktorshut feyerlich ausrief:„Ein Aufklaͤrer, deſſen Namen(wie „der ſeinige, ſich die freymüthige Anmerkung. „S. Nachrichten) auch an den Galgen angeſchlagen „wird, verdient doch immer mehr Hochachtung, als „mancher Schurke, den Rom auf den Altar ſtellet., 88— und fo zahlreichen Geſellſchaften nimmer werden.— Von allen dem, ſo ich bisher von Ihrem Orden erfuhr, ziehe ich drey weſentliche Stücke ab: 1. die Verſchwiegenheit, freylich fuͤr meine Vernunft das allergrößte Geheimniß, und die alles befürchten laͤßt; 2. eine gute Geſellſchaft, ein komiſches Ding, das ich ihnen gerne gönne; 3. die moraliſche Bildung, ohne Zweifel die Hauptſache. Allein ebendieſe letztere ſetzet mich wieder in eine Perlegenheit, aus der ich mir nicht helfen kann. Mich quälet der wichtige Zweifel,— ob die moraliſche Bildung nach der Vorſchrift einer durch die Offenbarung ausgebildeten Vernunft, in einer ſolchen Geſellſchaft moͤglich ſey,— wirklich geſchehe? Freymaͤurer. Ey! Ey! ein Edelmann gar fo ſcrupulös! Edelmann. Herr Abbee, übernehmen Sit mein Wort! Abbee. Ich ſpielte vorhin Ihre Rolle, und machte einen venctianiſchen Staatsmann. Nun vertreten Sie die meinige! Edelmann. Ich bin kein Theolog. Abbee. So wenig ich ein Staatsmann bin. Nein: man hat es ſchon ſo weit in der Aufklaͤrung gebracht, daß unbeweibte Geiſtlichen ganz außer Kredit kamen.„Zum Unterrichte, ſchrieb dies Jahr jemand an einen der größten Monarchen, „taugen die Pfaffen ſo wenig, als Caſtraten „zur Bevölkerung. Ich bitte, Signore! Edelmann. Auf Ihren Befehl nehme ich Ihre Abdankung ſamt dem neuen Auftrage an. Mein Zweifel beruht darinn, ob die Moralitaͤt der Bruder einig und rein ſeyn könne? FSreymäurer. Sie greifen an der empfinde lichſten Seite an. Unſere Siltenlehre iſt rein; dies iſt kein Myſterium. Edelmann. Sie iſt nicht einig, nicht homogeniſch; alſo auch nicht rein. Nicht einig iſt ſie, weil in Betreff der Offenbarung, ohne welche ſie nicht beſtehen kann, keine Einigkeit unter den Brüdern herrſchet. Lreymäurer. Wir legen die evangeliſche Sittenlehre zum Grunde, die mit der natuͤrlichen eincrley it. Die Moralitaͤt war ſchon fixirt von Anfang der Welt, wie ſie zu Ende der ſelben ſeyn wird. Gott, der Schöpfer, konnte uns durch die Vernunft nicht anders lehren, als Gott, der Erloͤſer, durch fein Evangelium. Daher kann die Moralitaͤt ohne unmittelbare Offenbarung beſtehen. Ich nenne das Evangelium eine unmittelbare Offenbarung, zum Gegenſatze des Vernunftrechtes, das auch eine Offenbarung, aber eine mittelbare iſt. Jene verkindigte uns der allgemeine Menſchenvater unmittelbar durch Jeſum von Nazaret/ ſeinen Ausfluß und Abglanz; dieſe vermittelſt der aller 90—— leuchtenden Vernunft. Beyde mußten alſo uͤbereinſtimmen, wie die zwo Gebothstafeln mit dem Geſetze, ſo der Schöpfer in das Herz des aller. erſten Menſchen grub. Edelmann. Nunmehr werden Sie beredtſamer, mein Freund! Aber Ihr gaͤnzlicher Vortrag verraͤth einen Irrthum, daß die unmittelbare Offenbarung für unnöthig und uͤberſaͤßig könne gehalten werden. Sehen Sie doch! Niemal gab es gottgefaͤllige Menſchen, aller Offenbarung gaͤnzlich entblöſt; und wenn wir die Geſetze in das Natürliche, Moſaiſche und Chriſtliche abs theilen, fo wollen wir dennoch durch dieſe Un— terſcheidung keincswegs dem Natürlichen eine völlige Verneinung der Offenbarungen zuſchreiben. Das Daſeyn der Erbſuͤnde, die Möglichkeit und Hoffnung der Verſoͤhnung, die beſtimmte Weiſe der gottesdienſtlichen Opfer u. dergl. And theils weſcntliche Pflichten der Sittenlehre, theils ſolche Zuſaͤtze, die einen ſtarken Einfluß in die Moralität der Menſchen haben; ſie ſind wahre Beduͤrfniſſe unſrer Natur, die allein durch eine uͤbernatür— liche Offenbarung konnte befriedigt werden, und wirklich durch die muͤndliche Ueberlieferung in den Patriarchen-Familien bis auf Moſes ſind fortgepflanzet worden. Ja, was ſelbſt die uͤbrigen Pflichten betrift, die' wir durch die Vernunft ohne Mangel und Luͤcke vollkommen erkennen; fo fand der liebreiche Gott eine uͤbernatuͤrliche, ——— 9* beſtaͤtigende Offenbarung derſelben zur Aufrechthaltung der Moralitaͤt unter feinen Menſchen nicht minder nothwendig. Zu weit waren die Kinder Abrahams von dem Naturgeſctze abge— wichen, als Gott ihnen durch Moſes die zwo Gebothstafeln ſchenkte, und ſie waren es wieder, da Chriſtus unter ihnen wandelte. Ich melde nichts ron den andern Boͤlkern des Erdbodens, nichts von ihren beruͤhmteſten Weiſen, die oft die helleſten Vernunftgebothe aus angebohrner Kurzſichtigkeit des Verſtandes, von Vorurtheilen und alten Herkommen getaͤuſcht, meiſt aber wegen der unnatuͤrlichen Verkehrtheit des menſchlichen Herzens rerkannt und gelaͤugnet haben. Aus dieſem ſolgt, daß Ihre Bruderſchaft, in Betreff der Moralitaͤt, entweder ſich in die nämlichen Gefahren des Verderbniſſes wieder ſtürze, oder niemal von der uͤbernatuͤrlichen Offenbarung xraͤſcindicen doͤrfe, worauf ſchon die allererſte Moralitaͤt der Menſchen im Gottesgarten ges gruͤndet war.(cc) (ec) Denſelben Irrthum enthält aleich der erſte Satz des Freyburger Kandidaten aus dem Naturrechte. Er traͤnt darinn den Puffendorfiſchen Grundſatz auf eine recht anſtoͤßige und zweymal falſche Weiſe vor. Da eine Geſellſchaft auch ohne Offenbarung, mit dem bloßen aber an Belolnung und Strafe glaubenden Deiſmnus, wie die alte Geſchichte es lehrt, abſolute beſtrßen kann:: fo bleibt die ganze uͤberngtuͤrliche geoffenbarte Religion nach ihm von unſern Pfichten aus— — 8 Abbee. Ich umarme Sie, Signore! Sie drangen wirklich in die innerſte Burg der Freymaͤurerch, worinn Jerthum und Freydenkerey, unter der Fahne der Aufklärung, ſich vers ſchanzet haben. Aber erlauben Sie, wider meine Verzicht, nur ein Kollarium Ihrem gruͤndlichen Beweiſe anzuhaäͤngen. Eine ganz natürliche Folge die cs frevmaͤureriſchen Grundſctzes find die Deus tigen Erſcheinungen der ruchloſeſten Werke, die wie die Anzahl der Logen, von Tag zu Tage noch ſteigen, und zuletzt eine ſchrechliche Revolution in der Denkens- und Lebensart ganzer Nationen, vielleicht auch Erſchütterungen der Throne her— geſchloſſen. Gott, der ſchon Anfangs der Welt der Urheber der Natur und der Gnade war, iſt nichts mehr, als der Urheber der Natur, d. i. der Ger ſellſchaft, welche ſeine einzige moöraliſche Welt ausmacht. Zuerſt erfuͤlle die Pflichten gegen die Se ſellſchaft, dann jene andere gegen Gott! Die Geſellſchaft ik nunmehr fein Gott, ein unabhängiges, uoth= wendiges Weſen. Iſt dies nicht der Gott des Spt» noza? Das Beſte der Menſchheit nennet er die nächte und einzige Abſicht der Erfuͤllung unſrer Pflichten. Wir muͤſſen daher nicht nur den Menſchen dienen wegen Menſchen, ſondern dem ewigen Vater der Menſchen einzig wegen der Menſchen, ſeiner Ge ſchöpfe. Welcher Unſiun! Die ſtarken Ausdrücke, die ſich Servati in den freymüthigen Anmerkun— gen über den Freymüthigen hin und wieder er— laubte, nein! ſie waren nicht übertrieben, nicht ſtark genug! ——— 5 vorbringen werden. Ich uͤdertreibe nicht. Kein ſo ungereimtes, gehirnloſes Syſtem heckte das blinde Heydenthum aus, das nun durch die Britz der nicht wieder aufgewaͤrmt und den neuen Hey—den vorgelegt wird. Wer kennet nicht die Schrif— ten von der Serlenwanderung, zu denen ein Des ruchrigter Logenmeiſter den Pendant aufgeſteckt? Die Regenten erfuhren, wie maͤchtig letzthin die JIkuminaten und Minervalen den Deiſinus, von jenen groͤbern Anklagen bey dem baicriſchen Wars ner zu geſchweiJen,(dd) an der Donan, am Rhein- und Maynſtrome verbreiteten. Horus, ein Produkt der Saͤchſiſchen Freymäurerey an der Pleiße,(Cee) Horus wäre allein werth die Ber— tilgung des ganzen Freymaäurerordens. Man weiß es gar zu wohl auch von jenen Logen, die ſich die achten und unverdorbnen nach dem aller4d) Daß feine Anklage von der Widerſetzlichkeit der Bruder, die des Churfuͤrſtlichen Verbothes unge— achtet, ihre Logen fortſetzten, gegruͤndet war, beſtütiaen die neueſten Nachrichten aus München vom 10 Ang. 17385. (ce) Sein Verfaſſer heißt Joh. Chriſt. WunſchDotter der Redicin und Weltweisheit zu Leipzig; weite Entdeckung wir dem berühmten Herrn Kano— nik. s zu Zurzach, Joſ. Anton Weißenbach, zu ver» danken baren. Da er es als ein Leſebuch und zu einem Denkzedel der Freymäurerey anımpfabl, war es der Tue werth, den Urheber eines der ruchloſeſß en Werke an ſzudecken. 94 t erſien Inſtitut nennen wollen, was fuͤr irrige und gefaͤhrliche Denkzedel unter ihnen kreiſen. Mancher Freymaͤurer ſcheint ſich ſchon des Chris ſtenthums zu ſchaͤmen; denn er iſt der Schüler der heydniſchen Philoſophie, ein Schüler des Plato, des Pythagoras, des Epikurs, des Lu— crez; Aber kein Schuͤler des Jeſus von Nazaret, kein Schüler des göttlichen Salomons, kein Schuler der ewigen Weisheit. Freymaͤurer. Sie laſen doch ſelbſt in Ihrer kleinen Scharteke, daß unſere Geſellſchaft bey großer Geldbuße verbiethe, Religionsmaterien abzuhandeln. Abbee. Das heißt: chriſtliche Meynungen ſind verbothen, aber heydniſche Meynungen allein zugelaſſen. Man trägt die Irrlehren nicht unter dem Namen eines Arrins, Pelagius, Wiklefs, Luthers, Calvins vor. Die alten Philoſophen müßen ihre Namen darleihen, und man ſchwaͤrmt ſodann noch aͤrger, als alle Schwaͤrmer unter den Chriſten thaten.(fk) (ff) So find gemeiniglich alle die Werke beſchaffen, die man heut zu Tage mit den ſonderbaren Titeln zum Gebrauche aller Religionen, für alle Staaten und Kirchen, ohne unterſchied der Religton u. ſ. f. verziert heraus giebt, um die Une ſchuldigen in das Garn zu treiben. Je weniger Chris ſtenthum, d. i. der geoffenbarten und aſſecurirten Wahrheit; deſto mehr Empfehlung fuͤr das Werk, und Kaufbegierde unſrer unglaubigen Buͤcherleſer. Mit 95 Freymaͤurer. Die achten Logen verwerfen die Sittenlehre des Evangeliums nicht; darinn find alle Bruder einig. Nur koͤmmt es auf die Ertenntniß an, die bey verſchiednen Menſchen nach Maß ihrer Einſichten verſchieden und abaͤnderlich iſt. So helfen wir einander uns aufzulaͤren, und alle Vorurtheile unter die Füße zu treten. Edelmann. Einig, ſo wenig in der Sittenlehre, als in der Glaubenslehre! Wie darf ein Katholik nach Maß feiner Einſichten die Sittenoder Glaubenslehre andern, er, der feinen Verſtand zum Dienſte des Glaubens gefangen giebt, oder ohne dieſe Unterwerfung wirklich ein Katholik zu ſeyn aufhoͤret? Doch ich rede im Allgemeinen. Die Freymaͤurer koͤnnen überhaupt in der durch die Offenbarung ſowohl beſtaͤrktent als vollendeten Sittenlehre nimmer einig ſeyn, weil ſie alle Sekten der Chriſten zulaſſen. Wenn ich auch zugebe, das Evangelium habe die natürliche Moralität mit keinen neuen Lehrſaͤtzen welchem Erſtaunen las ich in einem Muſeo, daß man einen Preis ausſchrieb für die beſte Biographie des Doktor Martin Luthers mit der Bedingniß, daß man ſich keine Religion anmerken laſſe: Lebte noch Luther; er proteſtirte ſo ſehr wider eine ſo unchriſtli= che Lebensbeſchreibung, als er es wider die von einem Johan Cochleus wurde gethan haben. Siehe! ſo nahe hat uns die allerneueſte Reformation dem Glauben an die evangeliſche Wahrheit gebracht! 96—ᷣ—— bereichert: ſo enthält es doch die kraͤftigſten Hilfsmittel, ohne welche dieſelbe nicht large beſteht, und durch die allein, nach dem Willen des oſſenbarenden Gottes, alle unſre Werke des göttlichen Wohlgefallens und der uͤbernatuͤrlichen Belohnung fähig werden. Ich verſtehe 3. B. die heiligen Sakramente, die ſieben Hauptznelien der zur Ausuͤbung der Moralitat nothwendigen Gnade; die evangeliſchen Raͤthe; den(Gehorſam gegen die Kirche, u. a. m. worüber die Mernungen der Brüder gethrilt und einander entgegengeſent find. Sie ſehen daher, daß der Inbegriff der menſchlichen Pſlichten, nut einem Worte, die Moralität ohne die unmittelbare oder uͤberng— turliche Offenbarung weder vollſtaͤndig, noch in der Handhabung und Ausuͤbung genug verſichert ſeyn kann. Mein Vernunftſchlaß leidet keine Einrede: die Moralität kann ohne die Offenbarung nicht beſtehn; nun ſind acer die Brüder in Biſtimmung der geoffenbarlen Lehren getrennt, weil ihre Geſellſchaſt einen Roachskaſten von allen Sekten vorſtellt. Folg— lich kann auch ihre Moralitaͤt weder einig, noch durchaus rein verbleiben. Die Erfahrung bezcugt es: ich hoͤrte dies Geſtändniß aus dem Munde angeſchener Brüder,(gg) sg) So wenig in einer Loge die Sackuhren der Maͤurer, wenn fie ſchon alle mit ſilbernen Kellen behaͤngt find, uͤbereinkommen: fo wenig werden ihre Seeymdurer. Wahr iſts; wir leſen und Hören zuweilen Aufſaͤtze, die Irrthümer enthalten; aber wir widerlegen ſie dann mit Beſcheidenheit und Sanftmuth; wir beleuchten ihre Schriften durch Randgloſſen, und im Falle, daß ſie ſich nicht überzeugt fühlen, laſſen wir ihnen die Wohlthat der bruͤderlichen Duldung angedeihen. Edelmann. Unter dieſem Geſichtspunkte glich Ihre Verſammlung einem Kirchenrathe oder Glaubenskolloquium, worauf man die Irrenden anhoͤrt und des Beſſern belchrt. Der Proteſtant ſoll ſich alſo daſclbſt vom Katholiken, der Katholik vom Proteſtanten in Sitten: und Glaubenslehren, weil doch beyde, wie geſagt, nicht ganz trennbar ſind, unterrichten und ausbilden laſſen. Ich ſehe aber nicht, wie die Kopfe in den Meynungen zuſammenſtimmen, obgleich ſie, als Bruͤder, Einen Sinn, Ein Herz zu haben, ſich einbilden. Karl V. ein beſonderer Liebhaber der Uhrmacherkunſt, erinnerte ſich oft im Kloſter St. Inſt an feine fo große und fruchtloſen Bemuhungen, die Proteſtanten zu vereinigen; wann er durch keine Muͤ⸗— he und Anſtrengung zwey Uhren konnte zuſammen tref= fen machen. Wie war es möglich, da ihnen der Grund der Einigkeit, ein untruͤglichtr Richter, fehlte? Doch das klingt zu chriſtlich! Man denke ſich aiſo, um philoſophiſch zu reden, die Schule zu Kroton, die Stoa, den Peripatus, die Arademie und alle heydni⸗— ſche Kollegien in einer Loge verſam melt? Welches Wirrwarr! welches Laͤrmen, nicht der Fühlen, wohl aber der getrennten Gemuͤther! 98 Bruͤder mit ſolchen Lehrern zufrieden oder einig ſeyn koͤnnen?— Haben Sie auch einen Vorſteher bey dieſem moraliſchen Concilium? Freymaäͤurer. Der Meiſter iſt unſer ſichtbares Oberhaupt, iſt unſer Papſt, dem wir Ehrfurcht und Gehorſam ex voto ſchuldig ſind. Wer entgegenhandelt, uͤber den ſprechen wir ein bruͤderliches Anathema ſamt einer Geldbuße. Edelmann. Und dieſer Ihr Papſt iſt bald ein Socinianer, bald ein Katholik: itzt ein Evangeliſcher, itzt ein Reformirter. Ein Ober— haupt, dem die untergeordneten Glieder anſtehen werden, wie Humano capiti cervicem pictor... Jungere ſi velit et varias inducere plumas.— Sie verſtehen mich! Freymaͤurer. Socinianer, oder Pietiſt, ein Barth oder Spener!— Liegt nichts daran. Der Logenmeiſter hat, wie der Papſt, nur die Vollmacht, unſre Einigkeit zu erhalten: unſre Meynungen bleiben frey. Edelmann. Gut! Alſo waͤre ihre Verſammlung eine Ziſterne von zuſammenlaufenden Menſchen⸗Meynungen. Möchte nicht draus grinken. Abbee. Beſſer; eine Kloake! Edelmann. Eine Frage noch! Wie iſt der groͤßte Theil der Menſchen dem Verſtand und Herzen nach? — 5 FSrcymanrer. Gewiß eines verruͤckten Vers ſtanz es, und noch ſchiefer verkehrten Herzens. Edelmann. Da aber nur eine Meynung unter allen über denſelben Gegenſtand die Wahrheit erreichet; woyin werden wohl die meiſten Vota der freymaͤureriſchen Menſchenbrüuͤder ſich neigen? Auf die Seite der Wahrheit, oder Falſchheit?— Ich erinnere Sie an Ihr voriges Wort. Freymaͤurer. Freyheit! Freyheit! Abbe. Ja Freyhrit, ein Tollhäͤuſer zu werden! Freyheit, ein Selbſtmoͤrder ſeiner Seele zu ſeyn! Edelmann. Ich haͤtte lieber ausgerufen: Duldung! Duldung!— Allein ich begreife auch nicht ganz, wie man ein Inſtitut dulden darf, das zur Verkehrung der Mehrern weſentlich anfuͤhrt und jene naͤchſte Gelegenheit zum Uebelthun herbeydringt, deren Vermeidung das Naturrecht unſtreitig gebiethet. Mein! finden Sie das Urtheil der Buͤcherzenſur nicht billig, ſo alle die Werke unterſagt, die einen groͤßern Theil der Unterthanen in eine nachtheilige Irre, oder gar zu einer Auflehnung wider den rechtmaͤſ ſigen Monarchen verführen konnte? Freymaͤurer. Nichts billiger als ein ſolches Verboth. Edelmann. Sie ſind Vater; wurden Sie wohl Ihren Soͤhnen, die ich when ſchaͤte/ 100———} cinen freyen Umgang geſtatten mit Leuten von verkehrten Grundſaͤtzen, und verdorbnen Herzen? Freymaͤurer. Dies wollte ich keinem rathen. Ich wuͤrde da einen Gebrauch der väterlichen Gewalt zu ihrem eignen Beſten machen. Edelmann. Laſſen Sie mich alſo ein gewiſ— ſcuhaſter Beobachter des Naturrechts, ein kluger Menſchenfreund fuͤr meine Mitgenoſſen ſeyn! Ich mißrathe Ihnen die Freymaͤurerey, fuͤr den großen Haufen der Idioten und Halb— gelehrten eine toͤdtliche Fallbruͤcke; ich verwehre ſie Ihnen, ſoviel in meinem Vermoͤgen ſieht. Handle ich nicht vernünftig,— gerecht,— liebevoll? Freymaͤurer. Aber Sie, ein fo veſter Theolog, Sie entſchließen ſich doch, ein Frey: maͤurer zu ſeyn! Edelmann. Warum ſoll ich es werden? Ihre gute Geſellſchaft ſcheint mir komiſch; Ihre Verſchwiegenheit unbegreiflich; aber Ihre Moralitaͤt— gar verdaͤchtig. Freymaͤurer. Ich habe die Ehre, Sie zu verſichern, daß der Orden weder etwas wider den Staat, noch wider die Religion enthaͤlt. Edelmann. Was enthalten denn feine Satzungen? Freymaͤurer. Myſterien! Myſterien! —— to. Edelmann. Um Vergebung! Myſterien find keine Antwort.(hh) Was meine Perſon ins beſondere betriſt, ſo ſcheue ich alle Myſterien von Natur, und die Myſterien der Freymaͤurer zweymal, weil ſie einem, wie ein zentnerſchweres Joch, aufm Halſe liegen, bleiben. Denn ich hoͤrte immer ſagen: wenn die Freymaͤurer auf die Profanen Ein Auge richten, ſo heften ſie beyde auf diejenigen, die ihren Platz freywillig, oder aus Noth gedeckt haben. Freymaͤurer. Aber Sie, mein Freund, Herr Abbes?—— Abbee. Der Orden erlange vor allem einen beſſern Ruf! Ich wiederhole meine vorige Bitte:; Haben Sie die Gnade, feine Gebraͤuche zu entdecken, damit ich mich und ihn gegen die Vorurtheile des Publikums vertheidigen kann. (hn) Ich bin verſichert, daß dieſe Schrift über dis Freymaͤurerey un widerlegt bleiben wird. Die Gegner haben ſie ſelbſt, wider meinen Wunſch, durch ihre angelobte Verſchwiegenheit un widerleg bar gemacht; wofern fie wirklich widerlegen, nicht ſchlechtweg laͤugnen oder ſchimpfen ſollten. Indeſſen bis ſie ihr Ge— Uuͤbde brechen, muͤſſen ſie ſich jede Art der Verfolgung gefallen laſſen, ohne darum auf den Ehrennamen der Martyrer Anſpruch zu machen; denn dieſen tragen die Bekenner und Zeugen der Wahrheit; ſie aber halten für beſſer, als Verhehler der Wahrheit zu leiden. H 2 * 162 FSreymaͤurer. Myſterien! Myſterien! Um Verzeihung! Abbee. Um Verzeihung! Durch Myſterien erwirbt man keinen guten Ruf.— Aber die Nacht bricht an, das dunkelſte Myſterinm der Natur. Dieſe allein trenne nun unſre Geſellſchaft, aber keine Freymaͤurerey unſre Gemuͤther. Beehren Sie mich ferner mit der ſuͤßen Benennung eines Freundes. Als ein Chriſt, Menſch und Oeſtreicher verbleibe ich, ohne es zu heißen, Ihr Bruder in Chriſto, Adam und Joſeph. Freymaͤurer. Ihr Diener, meine Herren! Edelmann. Buona notte, Signore, Fratello mio! Nachricht des Herausgebers an das Publikum. Det die Verfolgung der Freymaͤurerey keine Matel des mittlern Alters, oder blos eine Erzeugniß der eiferſuͤchtigen Pfaffheit ſey, beſtaͤtiget unſer Jahrhundert, in welchem beynahe das ganze chriſtliche Europa, ohne Convention, zur Vera treibung derſelben uͤbereingeſtimmt hat. Woraus ich ferner ſchlieſſe, daß die Bruͤder nicht nur feit 1425, in welchem Jahre das erſte uns Des kannte Verboth wider ſie in Engeland ergieng, nach den weſentlichen Stücken unverbeſſert was ren, ſondern auch in Zukunft umverbeſſerlich bleiben werden. Die Sammlung jener hoͤchſten Verordnungen, ein ſchoͤner Beytrag zum Corpus diplomaticum der Freymaͤurer, wird naͤchſtens in Druck erſcheinen, wofern das Publikum ein Verlangen darnach aͤuſſert. Unterdeſſen liefere ich hier zu einem Vorgeſchmack die verkuͤrzte Tabelle der Berfolgungen der Freymaͤurer im acht» zehnten Jahrhundert. O04— Staaten von jeder Regierungsform, Landesart und Kirche!— Verbothe bis in die lezten Zeiten der Duldung!— Und itzt noch kloſe Duldung!— Wer immer landesherrliche Ver— ordnungen einer Achtung wuͤrdig haͤlt; wer von keiner Neomanie dahingeriſſen, auf dem naͤch— ſten modiſchen Steckenpferde fortgaloppiren will; wer jeden ſeiner Schritte nach der Vernunft und Religion abmißt: der ſtelle, bevor er ſein Wort und ein theures Handgeld ſelber dem Werber giebt, zu erſt an ſich die wichtige Frage: warum folk ich ein Mitglied der fo oft gebrandmarkten Ge: ſellſchaft,— warum ein Freymaͤurer werden? Erſter Nachtrag. Nicanor oder die Aufnahme eines Bruͤderdieners. Ein ragitomiſches Schauſpiel. ——— Montags Abends um 5 Uhr. Vos aeterni /gmes!. se us vos arae, enfe/que nefandi, Quos fugi; vittacque,.. quas hoſtia geſſi! Fas mihi(Fabrorum) ſacrata reſolvere jnra: Fas odiſſe viros, atque omnia ferre ſuh auras, Si qua tegnet: teneor(Fratrum) nec legihus ullis; EXELEUTHEROCAEMENTARIUS, We ſchrecklich auszuſtehn, ſo laͤcherlich zu leſen find die Ceremonien bey der Aufnahme eines Freymaͤurers. Zu einem Beyſpiele diene ein Bruͤderdiener! Ihre Klaſſe pflegt die niedrigſte, die Anzahl nach Groͤße der Logen verſchieden zu ſeyn; die Art der Aufnahme hingegen unterſcheidet ſich von jener der Lehrjungen und Geſellen bloß in den Titeln, und andern unbedeutenden Saͤchelchen. Ich feße ihre Beſchreibung in einem Anhange bey, theils zur Warnung der Ordensluſtigen, theils zu einem Beweiſe, welche abgeſchmackte und kindiſche Gebraͤuche dieſe Herren ſelber unter ſich pflegen, die doch allen aͤußerlichen Prunk der Religion gemeiniglich verlachen. So nannte z. B. der Freyburger Sreymuͤthige das heiligſte und einzige Opfer der Meſſe, das ſelbſt im proteſtantiſchen Sachſen mit Ceremonien begleitet wird,— eine Romödie; aber ſchaͤmet er ſich wohl in der Loge eine wahre Sarlequinade mitzumachen? Kein Ritter- oder Moͤnchsorden, keine Roſenkranz- oder Guͤrtelbruderſchaft war je mals mit fo vielen körperlichen Nebendingen uͤberladen, als dieſer Moͤrtelorden, und die ſaͤmtliche Schurzfellbruderſchaft. Fuͤrwahr das glaͤnzende Geſtirn der neuen Philoſophie 195— konnte noch nicht in den freygemaurten Tempel der Wahrheit eindringen. Schurzfrlle, Klöpfel, Trommeln u. d. m. tragen dort Maͤnner, die öffentlich erroͤthen, wenn ſie ſich und andere mit dem Doktormantel und den uͤbrigen akademiſchen Prachtſtuͤcken behaͤngen ſollen. Wie recht thun ſie, daß ſie nicht nur ihre Lehren hinter Symbolen, ſogar mit Unterſcheidung der eigenen Bruͤder bis zu den Schotten und Logemeiſtern, ſondern auch überhaupt alle Gebraͤuche mit der Nacht der Verſchwicgenheit bedecken! Ich wuͤnſchte nicht zu ihrer Ehre, daß die Tragikomoͤdie der Auf: nahme nur einmal auf unſerm neuen Stadttheater auſgefuͤhrt wuͤrde. Romani tollent equites» peditesque cachinnum! Der dumme Fan Hagel hielte es gewiß fuͤr einen Auftritt auf dem Blocksberge, die andern fuͤr eine bauchgrimmige Farße. Dieſe Beſporgniß hat ſie vermuthlich ſchon zu unmenſchlicher Beſtrafung einer unſchuldigen Vꝛrraͤtherey verleitet. Einen Beweis davon gab der ungluͤckliche Englaͤnder, Pachard, der um das Jahr 1736 zu Luͤttich in einem franzoͤſiſchen Duodezbaͤndchen ihre Geheimniſſe nur halb bekannt gemacht. Man führte ihn bey Nacht mit Gewalt in die große Loge zu Londen, wo viele Bruͤder beyſammen waren. Man riß ihm die Zunge bis auf die Wurzel aus dem Halſe, aus dem Leibe das Herz; worauf man ihn ſo lange, als die Zuſammenkunft der Bruͤder dauerte, an 4 * — 109 einem Nagel haͤr gen ließ. Endlich wurde der Koͤrper verbrannt, und die Aſche in die Luft geſtreut. Alle Logen in der Welt bekamen davon Nachricht, und ich, ſagt der Verfaſſer, dem ich dies nachſchreibe, ich, der ich keine Urſache etwas zu erdichten habe, kann verſichern, daß ich den Beſchrieb von dieſer Begebenheit in Holland, Berlin und Frankfurt geſehen habe. Ich mußte auch ſehr oft, führt derſelbe fort, von den Mits bruͤdern des Ordens ſagen hören, daß dies die Strafe aller Verraͤther waͤre. Aber dieſes weiß ich gewiß, daß man in allen Logen ein Buch hat, worinn der Namen der Berraͤther mit Buchſtaben, die dem Orden eigen ſind, verzeichnet ſtehen. Dem ſey, wie ihm wolle; die Brüder ſchwoͤren insgeſammt ihr moͤglichſtes dabey zu ihun. Wenn ich auch der deutſchen Kalibluͤtigkeit, bey allen den freymaͤureriſchen Grundſaͤtzen von der Gleichheit und Freyheit, das jus gladii nicht zumuthe; ſo bleibt es noch immer bedenklich, ſich dem Verfolgungsgeiſte ſo verdeckter Leute bloß zu geben. Sehr tragiſch! aber nun folge die Stitze einer höoͤchſt komiſchen Scene, die Aufnahme eines Briüderdieners! Ihre Autenthicitaͤt kann kein erſahrner und wahrheitliebender Freymaͤurer laͤugnen. Die Originalworte ließ ich alle unabgeaͤndert: nur einige wenig wichtige Zuſaͤtze erheiſchte mein Plan. Die Quelle, woraus ſie durch einen Zufall geſchoͤpft worden, 119— bin ich bereit, auf eine vernün ge Ausforderung, Öffentlich anzugeben. Kein Bruder doll dabey Gefahr laufen; denn keiner aus aden, die es find, oder erſt waren, vörrieth es mir. Roch weniger belauſchte ich, gleich einem niedertraͤchtigen Waͤndehorcher, ſelbſt eine Loge: oder mengte mich unter einer betruͤgeriſchen Maske in die Geſellſchafſt. So bald ich jemals darinn erſcheinen werde,(mein Name ſteht auf dem Titelblatte) ſogleich rufe wer da will die in ſolchen Faͤllen acwoöͤhnliche Loſung: Es regnet! Er führe mich dann, ſo wie es die Pariſer-Loge im Hotel von Soiſſons 1736 n Aut Perezu gethan, gerade unter das Reher der Pomoe, und gieße uͤber mich eine Sündiuth; aber damit zufrieden, laſſe er mich zu Hanse:rocknen, und umkleiden. Der Vortheil iſt vie! in gering, und mein Nerven— ſyſtem zu ſchwarch, daß ich mich ſo toͤdtlichen Ceremonien untee: verfen konnte. Ich ehre darum doch die Weisheit, Gleichheit, und Freyheit, aber keine nit ſo vielem Tand uͤberladene Weis,; heit, keine nach der nothwendigen Entſtehung der Regenten chimaͤriſche Gleichheit,— keine Cromwelliſche Sreyheit. Nun, lieber Leſer, ruͤſte dich über und über mit Geduld aus; meine Feder hebt an, freymaͤuriſchen Unſinn zu kritzeln! w— 1 NN SS A} — Grundriß. Erſter Aufzug. x Auftritt. Die Eroͤffmuig der Loge. 2 Atiftritſ. Vorſchlan des neuen Kandidaten. z Auftritt. Vorſuhrung des Katechumenen. Z3weyter Aufzug 1è Auftritt. Die Einkerk rung des Rovtzen. 2 Auftritt. Das Verhoͤr und die Auskleidung heſſelben. z Auftritt. Die Ueberantwortung des entblöͤßten Taͤnſings.(*) 4 Auftritt. Die Gefangennehmung. 5 Auftritt. Die Freymaͤurer-Taufe. Dritter Aufzug. 2 Auftritt. Ein abenthenerliches Gefecht auf dem Wege zur Thre des langen Tempelganges. (C86) Anmerk. Kandidat, Katechumen, Noviz;, Taͤufling bed uten ein erley ſo wie Virgils Ausdrücke donum exiti 1 2, mel es im: anis equi, ſacrum robur fa mackina, monſtrum inſelix ein und daſſelbe hölzerne Xrerd der riechen vor Troja bezeichnen. 112 2 Auftritt. 3 Auftritt. 4 Auftritt. 5 Auftritt. 6 Auftritt. 7 Auftritt. 8 Auftritt. 9 Auftritt. Die Einführung des Taͤuflings in den ſalomoniſchen Tempel. Die Welt wird nach einer Schlacht, worinn alle Unheilige bleiben, vom blinden Taͤufling eingenommen. Einſchreibung in das Tauf buch. Der Eid des Taͤuſflings. Die Erlöſung des neuen Bruͤder— dieners. Die Inveſtitur. Die Unterweiſung. Die Proklamation und Entlaſſung des neuen Bruͤderdieners. Die Aufnahme eines Bruͤderdieners. Erſter Aufzug. Das Theater ſtellet die Loge vor. Beſchreibung der Loge. Der Boden der Loge, oder eine beſondere Tafel wird mit gewiſſen Fi— guren bekreidet, die den Tempel Salomons ganz, oder zum Theile vorſtellen, aber bey jeder Klaſſe wieder verſchieden find. Man beſchreibt ein laͤnglicht Viereck, deſſen Breite zwiſchen Morgen und Abend, Länge zwiſchen Mittag und Mitternacht liegt. Die Figuren für die Aufnahme der Brüs derdiener ſind in dieſer Ordnung: Mittag 15 13 14 Die aufgeh. Ein ſtiralender Der volle Sonne. Stern. Mond. 12 10 11 Ein Scepter. Salomons oder Eine Waage, vielmehr ein griechiſcher Tempel. 7 9 8 Ein Karren Eine San le unter Kleine Kugeln a mit Stein. einem Thor, uber mit rinem** dem die Welt⸗ Hebeb aum. Fe kugel fehr= 4 6* Ein Joch. Ein Gang mit 5 Säulen Zween Degen und möoſagirchem treuzweiſe . Pflaſter. gelegt. 3 Ein.Waſchbecken. Ein Bath ecteũn. 1 En ẽnſ ret Ein Thor mit Ein fa ere Zinimer. einer& Stiege. i muer-==. Mitternacht. 114— Geraͤthſchaften. Gegen Mittag ſteht ein Tiſch mit einem a la Freymaͤurer figurirten Teppich bedeckt; darauf liegt das Schurzfell der Lehriungen, ein kleiner Hammer, eine Bibel, oder nur das Evangelium des heiligen Johannes, und ein Degen. Ferner ſtehen daſelbſt z ins Dreyeck ge» ſtellte Lichter. Nebenzu ein Lehnſtuhl für den Meiſter, 8 halbe Armſtuͤhle für die Oberbeam— ten. Das innere Zimmer hat nur eine Thüre, von Innen durch den juͤngſten Lehrling mit zween bloßen Degen bewacht, deren eine Spitze aufs waͤrts, die andere zur Erde gekehret wird. Vor der aͤußern Thuͤre paradieren 2 Bruͤderdiener gleichfalls mit entbloßtem Degen. Die Fenſter ind vermacht, fo daß nur die 3 Altariichter, und ein anderes auf dem Boden zwiſchen dem Norge mach und Gebäude die ganze Geſellſchaft bes leuchten. Rang in der Loge der Lehrlinge. Alle Brüder umgeben die Figuren des Bodens. Der Meiſter ſteht gegen Mittag zwiſchen dem Altar und Stuhle: zur Rechten und Linken der Redner und Sekretaͤr; dann die Oberbeamten des Ordens und der Nation, als Großmeiſter, u. a. m. Der Schatzmeiſter mit 2 Aufſehern; die Schotten, oder Baumeiſter; die Geſellen und Jungen; zuletzt an den Ecken der Figur nach Mitternacht zween Oberaufſeher. Klei — 115 Kleidung. Jedes Mitglied traͤgt ein Schurz— fell nach feiner Wuͤrde und Klaſſe; der Logemeiſter eine Trommel von Pergament, die an einer blauen Seidenſchnur am Halte hängt, und wor— auf der Klöpfel gemalt iſt. Die Oberbeamten haben, nebſt den beſondern Schuͤrzen, eben dieſe Schnur, woran eine Wage, oder Trommel, oder cin Hammer, oder ſonſt cine von den Bodenſiguren der Bruͤderdiener angehängt if, Die Auf— ſeher führen einen Schlegel in der Hand, und alle Bruder einen bloßen Degen. Gemeiniglich erſcheinen ſie alle karhaurt; doch giebt es unter ihnen verſchiedene Schismaiiter; einige waͤhlten ſich nicht nur ſtatt des Degens eine Art der Lanz zen, ſondern erlaubten ſich mit bedecktem Haupte beyzuwohnen. Erſter Auftritt. Die Eröffnung der Loge. Meiſter, indem er auf den Altar klopft: Brüder, helſt mir die Loge öffnen!(So— gleich ſtellen ſich die Bruder um die Figuren herum.) Aufſeher 1.(ſchlaͤgt auf den Schlegel des andern.) Bruͤder, helft mir die Loge offnen! 7 16— Aufſeher 2. Cerwiedert den Schlag) Brüder, helft mir die Loge öffnen!—(Dann geht er zum juͤngſten Lehrling, der bey der Chuͤre Wache hält, und ſagt:) Bruder Thuͤr— Hüter, man offnet die Loge. Thuͤrhuͤter(er Öffnet die innere Thuͤre halb, und ruft zu den 2 Bruͤderdiener, die mit bloßem Degen das Vorthor hüten: Bruͤderdiener, die ihr euch hier ſchlagt,(verſtehe mit den Unheiligen, die nach ihrer Rinkiſ—dung in die Loge eindringen wollen, die Loge wird geöffnet. meiſter, nach gemachten Lehrlingszeichen und Verbeugung, die von allen Bruͤ— dern erwiedert worden: Dreymal ehrwürdiger Großmeiſter des Ordens,— Großvrotektor— Oberaufſeher,— Großſekretaͤr des Ordens: c.: c. Meiſter, Geſellen und Lehrlinge, die Mitglieder find! Ich bin willens, die Loge zu eroͤſsfnen. Oberaufſeher, beyde wiederholen es nacheinander. Meiſter. Nun laſſet uns den Katechismus der Bruͤderdiener und Lehrjungen abhalten, wel: chen alle zu wiſſen verbunden find.(Wer nich: s weiß, giebt es durch eine Verbeugung zu verſtehen, muß aber die Antwort einem andern, den der Meiſter aufruft, nach— ſprechen. — — 117 Fra. Seyd ihr ein Freymaäͤurer? Auw. Der Pedell(der erſte 3 w. iß es. F. Wer hats ihm geſagt? A. Eine lante Stimme(der vornehniſte Thuͤrbier.) F. Was hat dieſe Stimme gerufen? A.* E iſt aufgenommen! F. Zu wem hat Ko es gerufen? A. Zu meines SICH F. Wo bat ſie hr gerufen? A. Von der Thurſcaw le. F. Wie viclmal hat ſie wirdergeſchallt? Bruͤderdiener) 2. Drrym l, 9d. i. durch den Meiſter der 4000 gegeilt STEG; durch den andern Aufſcher zur linken Seine; und endlich fehr durch den Wächter, der auf der Figur des Bodens:; viſchen Abend, und zMitte mr nacht ſcehr.) F. Wo hat He angefangen? A. Bem Mittage. F. Wo iſt ſie zum erſtenmale laut ercbolen?A. Im Winkel zur Rectten nach Mitternacht. F. Wo hernach“ A. In dem linken Winkel an eben dieſer Seite. FX. Wo zum letzten maie 7 A. Zwiſchen Abend und Mitternacht, in einem Loche, ſo gan; und gar außer den vier Hauptgegenden der Welt führet. Dije Thuͤre J 2 e——— heißet das Loch, wodurch man aus der Welt geht: denn die Toge wird als der 5immel und Ort der üuser— wählten betrachtet.) Fr. Wo hat ſie ſich endlich ganz verloren? Antw. An der Seite eines unendlichen Raums, wo der Pedell war.(Der unendliche Raum bedeutet wieder die ganze Loge mit allem Zugehor, weil fie allen offen ſtehn und durch die ganze Welt verł reitet ſeyn ſoll. Was außer dieſem Raume liegt, iſt das Chaos, die Welt der Umheiligen.) F. Woher kann ich wiſſen, daß euch ſolches bes gegnet fen? A. Ihr koͤnnet es aus meinem Stillſchweigen, aus meinen Griſſen, und Worten ſchließen. F. Schweigt! Ruͤhrt mich an! Redet! A.(Er macht das Zeichen der Bruͤderdiener: namlich, er hebt die Rechte gleich der Schulter, und ſtreckt den Ürm nach feiner ganzen Länge aus, doch fü, daß der Daum von den uͤbrigen Fingern entfernt, einen Zirkel machen ann. Dies iſt das erſte Tempo. Dann ſchließt man die Hand, und reckt allein den Zeigefinger aus. Beym dritten Tempo legt man die Hand aufs Geſichte, ſo/ daß der Zeiger mit ſeiner Lange den 119 Mund genau zuſchließt, der Arm mit: ten auf dem Magen, und der Ellbo— en auf der Bruſt aufliegt. Der Zei: er, indem er den Mund ſchließt, Dat ine beſondere Lage. Die Fauſt liegt „runter, ſo daß die Breite zwiſchen cin Daum und Zeiger das Knie bes hr re, und das erſte Gelenke des letztern die Lippen unmittelbar bedecke; die zwey andern aber, die gerade uͤber der Naſe ſind, muͤßen die Stirne be: rühren.—— Was die Griffe betrift, ſo ſolgen fie auf die Zeichen. Beydt Bruder treten zuſammen, und faßen einander bey der Rechten, kruͤmmen erderſeits den Daum uber dem letzten Gelenke des Zeigers. Nach einer Pauſe ſalen fie: Gehet weiter! wenn ſie endlich aufs letzte Gelenke fo kommen, ruft nan: Haltet ein! Kinige ſpre— chen dabey ordentlich die zeichen, eins, zwer drey aus. Die Loſung der Bruͤderdiener iſt Wik anor, wie bey den Lehrlingen Jakin, und bey den CGeſellen Boat: womit das Zeichen, ud die Griffe ſich endigen. Sie ſprechen es wechſelweiſe alſo: 1. n; 2. i; 1. c.; 2. a; 1. n; 2.; 1. 7. dann nach den Sylben 1. ni; 2. ca; 1. nor; I und 2 23* BY ME A. F. A. A 5 A. = ö. A. A. F. A. * r— Nikandor. Mit den Sranzoſen buchſtabirt man Niquanor, init Italienern Nichanor, mit Engländern und Hollaͤndern ikanor.) FIr. Wo kommt ihr her? Aus dem Chars. Wo geht ihr hin? An einen Ort, wo jede Sache an ihrem gehörigen Platze ſich beſindet. F. Wer iſt der Fuͤhrer? Nikanor. Wie heißt der Ort?! Das Haus der Sonne, des Mondes, und der Sterne.(d. i. die Lage, wo die Wahrheit leuchtet.“! In was fuͤr einem Zuſtande ſeyd ihr hinge— kommen? Im Stande der Blöße und Reinigkeit, wie ein Kind, wenn es auf die Weit kommt; und mit einer Unterwerfung, die mit der Biegſamkeit des Wachſts verglichen werden kann. Wo habt ihr eure Kleider abgelegt? In der Finſterniß. Und euren Unflat? Im Bade, Lein Vorſpiel folgender Cere— monien:) Wohin ſeyd ihr aus der Finſterniß gekommen? — A 121 Antw. Vor das Thor auf der Treppe.(des NUiranors, oder des Siegers Treppe grnannt.) F. Nu welcher Seite der 4 Weltaegenden? n * 2A 2. Gegen Mitternacht.(Sieh die Figur des Bodens!) „Wer hat euch die Augen geoͤffnet? ‚ Die Hand des Herrn.(die Hand des Auf— jehers, der ihm die Binde abnahm.) Wie viel Schwierigkeiten habt ihr angetroffen? Drey in dem Chaos, und 4 in der Welt. (Chaos bedeutet das finſtere unmer, 100 der Candidat eingeſperrt wird, und zugleich den Zuſtand feiner Unwiſſen— heit. Die Welt aber wird durch die Bodenfigur ausgedruͤckt.) Wie habt ihr Ne uͤberwunden? Die Kraft meines rechten Arms hat mir funf, und Nikanors Huͤlfe noch zweymal den Sieg erworben.(Waͤmlich den Sieg über den Unheiligen bey dem Eingan— ge, und die vier Siege wieder uber die Umbeiligen auf den vier Ecken der Dos denſigur, als die Bruͤder ihre Degen wenzten. Die zween noch übrigen Siege bedeuten den Ausgang aus der finſtern Bammer, und die Ueberſtehmng des — Bade, Nikanor heißt hier der Aufſeher, fein Suͤhrer.) Fr. Womit hatte man euch die Augen ver— bunden? Antw. Mit einer Art von Thierkreiſe.(D. i. mit einer drey Ellenlangen Binde, die vier bunte Figuren nut, Wie viel hatte er Zeichen Vier. Von was für Farbe? Die erſte und vierte ſind weiß, die andere roth, die dritte grün. Was ſtellen dieſe Figuren vor? Eben diejenigen, ſo man meinetwegen auf dem moraiſchen Eſterrich gezeichnet. Was bedeuten die ſo verſchiedenen Farben? Einen Oehlzweig, zween Fluͤgel, damit zu fliegen, und eine Wage. Von was für Farbe iſt dieſer Thierkreis? Von der Farbe der Finſterniß;(d. i. ſchwarze Seide.) Mer hat euch die Augen damit verbunden“ Aletto, Tiſiphone, Nieg ara.(Die Ma: nen der drey ollen ien, hier Sinnbil— der des Aber glanbens, der linwiſſentzeit der Vorzucte der Natur, und der linfaͤhigkeit feine rare zu gebrauche;z.) Wer hat ihn euch abaens: men“ Nitanor.(Sein Fuhrer, der zlufſeher.) * 333 Na * 2 Ra + ** ——— 123 Fr. Durch weſſen Gewalt? Antw. Durch die Gewalt der R. N, und k. (d. i. franzoͤſiſche Religion, Matur, und Force, die Stärke. Der Sieg beſteht in der Gleichheit und Frevheit. F. Was habt ihr anfänglich geſehen? A. Nichts deutliches; es ſchien mir alles vers wirrt, ob es ſich ſchon in einer vollkom— menen Ordnung befand. F. Woher kam Dies? A. Von der Müdigkeit, oder Furcht, und Verwunderung. Was machte euch zu fuͤrchten? „Der Anblick der Waffen, der mir ein Bild des Krieges vorſtellte. Wodurch habt ihr euch ermuͤdet? Indem ich mich aufhielt, und ſachte fort— gieng. F. Woruͤber habt ihr euch verwundert? A. Ueber das Eſterrich von moſaiſcher Arbeit, über das Licht, und die blinkenden Degen. F. Wozu diente dieſe Vorſtellung des Kriegs? A. Mich zu hindern, die angefangene Reiſe fortzuſketzen. F. Habt ihr ſie alſo geendigt? 2A. Ich bin uber Berge, Hügel, eine Ebene, und über Süße gegangen.(Die Berge und Yügel bedeuten die Stiegen und Thore, 22 2 27 i A 124— mm die Ebene das Zimmer, die Fluͤße das Bad. Fr. Wie vielmal? Antw. Viermal. F. Durch was für einen Weg? A. Zweymal außer der Welt, und zweymal in der Welt.(Die zwo Reiſen außer der Welt, d. i außer der Loge, beſtehen an dem Gange aus dem finſtern Zün— mer zu dem Bade und daraus zur Thure der Koge, beyde noch mit verbundenen Augen. Die berden andre Neiſen ge— ſchehenn in der Welt, d. i. in der Men, nämlich von dein Thore nach der nut ternächtlichen Seile der Bodenfigur, und endlich über die Higur ſeilſt.! Ff. In was für einem Zuſtande ſeyd ihr gereist? A. Wahrend meiner zwo Reifen außer der Welt, und der erſien, die ich in der Welt gethan, bin ich blind geweſen; bey der vierten aber habe ich helle geſehen. F. Waret ihr allein, oder in Geſellſchaft? A. Ich bin abermal in Geſellſchaft geweſen. F. Waren die, ſo bey euch waren, eures gleichen? A. Nein— Ja— Nein! F. Wer waren ſie alſo? A. Ein Engel, und ein Geiſt waren meine Ges faͤhrten.(Er nennt feinen Suhrer Engel.) Fr. Wo haben Ge euch anfaͤnglich hingeſüͤhrt? 2. Zu einer Mauer, welche uns weiter zu aehen hinderte. Die Thuͤre der(nic Ze mer an die man 3 mal anfechten nitiß.) F. Wie ſeyd ihr durch ſie hindurch detommen? A. Indem ich dreymal daran geſennagen habe. Der dreyfache Schlag bedrztei allzeit die Natur, Religion und Starke.) Ff. Was hart ihr hinter der Mauer angetroffen? A. Einen Fluß, über den ich ſchwimmen mußte. (Die Badwanne, deren Waſſer dem getarchten andidaten über den Kopf gehen muß.) F. Wie tief war er? A. Das Waſſer gieng mir uͤber den Kopf. F. Wie ſerd ihr darüͤder gekommen? A. Durch Hülfe des Engels, und des guten Geiſtes. F. Was habt ihr nach dem Fuße angctroſſen? A. Einen Unheiligen, und einen Auserwaͤhlten, die ſich ſchlugen. F. Warum? A. Der erſte widerſetzte ſich meinem Zutritte, und der andere wollte ihn mir verſtatten. F. Welcher von beyden hat uͤberwunden? Si. Kriner von beyden. F. Wis hat: ihr alſo durchkommen koͤnnen? *. 2 126 21. Der Auserwaͤhlte hat mir einen Degen in die Hand gegeben, womit ich den Unheiligen durchbort habe. Dies Gefecht, wovon die Ceremonie handelt, ſoll den Streit der Oernunft zum Beſten des Ordens wider die Vorurtheile vorſtellen.) F. Wohin hat man den todten Korper des Unheiligen gebracht? In ein rauhes Land außer der Welt, wo man ihn ſehr wohl bewacht. F. Was habt ihr weiter gefunden? A. Einen Felſen, über den man unmöglich kom— men konnte.(Die innere Thuͤre der Loge.) F. Wie ſah er aus? A. Ich habe ihn nicht geſehen; allein ich habe aus der Erfahrung gelernt, wie ſchwer es ſey, ihn zu überſteigen. F. Wie ſeyd ihr hinaufgeſtiegen? A. Vermittelſt einiger Worte. Ff. Ihm habt euch alſo der Zunge, und nicht der A F X Füße zum Gehen bedient? Meine Worte haben den Schoos des Felſens geöffnet. . Was verſteht ihr durch den Schoos des Fek ſens? A. Seine Mitte, die ſich aufgethan. F. Durch welche Kraft? C. — 7 Darch das Bellen des Cerberus.(Die Stimme des Thuͤrhuͤters. Cerberus iſt bey den Poeten der Thuͤrhuͤter des Crkus, der 5ôilenhund.) Was habt ihr bey der Fortſetzung eurer Reife angetroffen? Einen neuen Himmel, eine neue Erde, neue Einwohner, und eine neue Manier zu gehen. (Beym erſten Eintritte in die Loge.) Wie ſerd ihr alſo in der Welt in der Loge) fortgegangen? Wie die Planeten am Firmament. Was habt ihr zuerſt an dieſem Orte ges funden? Einen großen Streit zwiſchen den Einwohnern.(Der Streit, den die Bruder mit dem Klirren der Degen vorſtellen.) Wo war der Kampfolaz? 2 In den vier Gegenden der Welt. Wie habt ihr mitten durch dieſe Streitende durchgekönnt? Die Gewalt meines Arms hat ſie alle in die Flucht gejagt. Was habt ihr weiter angetroffen? Niemanden; ſondern man hat mich zwiſchen die zween guten Engel geſtellt. Die zween Aufſeher; die Bruder heißen uberhaupt die guten Engel.) Was haben ſie euch gleich gegeben? 128 Hurt. Das Licht. Fr. Mic?! A. Indem ſie mir die Binde abgenommen. X. Au weſſen Befehl? A. Anf des erſten und vortrefflichſten Engels Beſehl.(Des meiſters der Loge.) F. Was hat euch dieſer oberſte Engel befohlen? A. Nach Art des Auserwählten zu gehen.(So daß die Fuͤße allzeit ein Winkennaß vorſiellen.) FT. Wer hat euch den Weg gewieſen? A. Einer der beſten Engel.(Ein AÄufſcher.) FJ. Wo hat er euch hingefuhrt? A. In das All erheiligſte. F. Auf was für einer Straße? A. Auf einer Straße, die viele Abwege hatte. (Die Prozeſſion um die Figuren aufn Baden.) x vieh Schritte habt ihr gemacht? Was habt ihr, da ihr in dem Allerheiligſter angelangt ſeyd, gethan? A. Ich habe das rechte Knie acbengt.(2Als er . ärecklichen Eid abe! T. Mie Hatt ihr eure Older geſt-nt? A. Ich her de© fie aufgerichtet, gebeg⸗ n, und aus— geſt F. 2. 6 iſt das erſte Geſchenk, ſo man ei. 9 deiacht hat? 139 Antw. Ein Reck,(das Schurzfell.) Fr. A. 2 R 2 ** * —2— *2 A. Und das andere? Ein vaar Stiefeln,(die 5andſchuhe.) Habt ihr nicht noch andere Geſchenke er halten! Nein, keine Kleider mehr. Was habt ihr alſo betömmen? Geiſtliche(ze chenke. Sant mir, was r welche?! Die Erkenntuiß des Willens des großen Bau— mriſters, der Natur des M feen, der Ordnung, und des Platzes aller Dinge. Ich verſtehe guch nicht; ertlaret euch Deutz licher! Ich thue es, indem ich ſchweige. 2. s habt ihr aiſo erhalten? lnendlich viel, ſo ich durch mein Stillſchweigen erzaͤhle. Was habt ihr geſagt, da ihr in das Aller— heiligſte gekommen waret? Dinge, die ich nicht erzählen kann. In was für einer Sprache? In einer ganz neuen Sprache. Wie habt ihr ſie ſogleich reden koͤnnen? .Der oberſte Engel ſagte mir, was ich reden ſollte; der id, den der Meiſter der Loge ihm vorſprach.“) Was het ihr verrorocren? Zu ichwelgen, zu reden, und Mitleiden iu haben. F. A. * © * 7 —— 130 Was habt ihr auf dem Wege, den ihr mit verbundenen Augen angetreten, angetroffen? Ein Eſterrich auf egyptiſche Art(das mo— ache Eſterrich in der Bodenſigur.) Was für ein Licht erleuchtete denſelben? Ein neues Sonnenlicht, ſo aber nicht hin— derte, das Licht der Sterne zu ſehen;(das Licht, ſo ailein in der Mitte ſteht, iſt ie Some.) Wie viel waren Sterne? Drey. Wo waren fc? In dem Allerheiligſten. Was habt ihr am Ende eurer Reiſe gethan? Ich bin an einen Ort, der auß rhalb der Welt, und wohl bewacht war, gegangen. (Die aͤußerſte Thuͤre der Loge.) Was habt ihr da für Leute angetroſſen? Auserwählte meines gleichen.(Die Bruͤderdiener.) Wie ſeyd ihr an dieſen Ort außer der Welt gegangen? Vermittelſt der lauten Stimme, ſo einen dreyfachen Woiderſchall machte, und mich in die Welt gefuͤhret hatte. Habt ihr gegeſſen, und getrunken? Ich habe Manna gegeſſen, und Nektar qe: trunken.(Das Vergnügen an der Ta— fel der Freymäurer.) Fr. Fr. Wo? A. F. A. Da An der Tafel der Auserwaͤhlten. Was hattet ihr fuͤr einen Platz? Ich ſaß neben den beſten, und vor den guten Engeln. Die beſten En gel find hier die Beamten und dir gäüten die Meiſter.) F. Welche Zeit iſt es? Es iſt die erſte Tagesſtunde.(Weil die Bruͤderdiener nur den erſten Grad des Lichtes, und der Erkenntniß empfangen.) Wie gehen die Bruüͤderdiener? Gerade, und wenden ſich bald auf dieſe, bald auf jene Seite. „In was für einer Stellung? . Als Gefangene, als Streiter, und Ueberwinder.(Gerade von der Thuͤre der Loge an die mitternaͤchtige Seite der Figur, dann wenden fie ſich zur rechten, und zuletzt zur linken Seite. Als Gefangene mit dem Stricke um den Bals; als Streiter ſchlagen ſie ſich mit den Unheiligen. ꝛc.) Wie iſt der vortreſſiche Engel gekleidet?(Der Logemeiſter.) Wie ein Mann, der zum Krieg, und Fries den bereit iſt. Wie die beſten Engel?(Die Beamten.) Als Faͤndriche. Und die guten Engel?(Die Meiſter.) K 2944 * ö HMLNLQLANLQA * ö * 132 Antw. Als Kriegsofficier und Friedensrichter. Fr. Wie die bloßen Engel?(Die uͤbrigen Bruͤder.) Wie auserleſene Soldaten. . Wo kommt ihr her? Von dem Lichte, und der Finſterniß. Wo geht ihr hin? Zum Lichte. Durch welchen Weg? Durch das Licht. Wo kommt der Wind her?(Die Stimme des Meiſters.) Von Mittag. Wo legt er ſich? Außer der Welt. Von welcher Seite koͤmmt er wieder? Von Mitternacht, und gehet hernach in eine Höhle,(Die innere Thuͤre der Loge.) Wie ſeyd ihr uͤber den Fluß gekommen? Wie ein Miſſethaͤter.(Bey der Tau chung.) Wo habt ihr eure Unſchuld dargethan? In dem Allerheiligſten. Wie vielerley Laſter gab man euch Schuld? Drey, davon jedes beträchtlich war.(Der Aberglauben, die Unwiſſenheit, und Zaghaftigkeit der Unheiligen.) Wie viel Gründe habt ihr zu eurer Vertheidigung angewendet? Antw. Drey, von denen gleichfalls jeder wichtig, und der Sache den Ausſchlag zu geben vermoͤgend war. C Die Religion, die Watur, und Staͤrke.) Me iſter wiederholt die Titeln, ſchlaͤgt auf den Altar und ruft: die Loge iſt geöffnet! Sberaufſeh er, beyde ſchlagen wechſelwer, und wiederholen: die Loge iſt g. offnet! Die Bruder machen das zeichen der Lehrlinge und die Verbeugungen. Die Thuͤrhuͤter rufen eben dies einander zu, wie von Anfang: Die Loge if geöffnet! Die Loge iſt geoͤffnet! Anmerkung. Dieſer Katechiſmus iſt ein wahres Vorſpiel aller Ceremonien, die bey der folgenden Auf— nahme des Bruͤderdieners vorkommen. Wer ihn daher noch nicht völlig aus meinen Zwiſchener— klaͤrungen begriffen hat, der leſe ihn abermal, nachdem er die ganze Farße vollendet. Jede Klaſſe der Loge hat einen eigenen. Wenn aber der für ihre Jausknechte ſchon fo dunkel und raͤthſelhaft ausſieht: ſo ſchließe man ſelbſt, wie hell und faßlich die übrigen geſchrieben ſeyn mögen. Unter allen Myſterien der Loge iſt das allergroͤßte— der ſchlichte Menſchenverſtand. K a2 Zweyter Auftritt. Der Vorſchlag des neuen Candidaten. Der vorſchlagende Lehrling.(a) Ehrwuͤrdiger anderer Aufſeher, ich muß feiner Hochehrwuͤrden einen Bericht erſtatten. Zweyter Aufſeher. Cerwiedert ihm, anſtatt der Antwort, das Lehrlingszeichen: wendet ſich dann zum erſten Aufſeher, ſchlaͤgt dreymal auf deſſen Schlegel. Ehrwuͤrdiger erſter Aufſeher, der Bruder Lehrling hat ſeiner Hochehrwuͤrden etwas vorzutragen. Meiſter(macht das Lehrlingszeichen(b) ſchlaͤgt dreymal mit ſeinem Hammer auf den Altar, der gerade vor ihm ſteht.) Ehrwuͤrdiger erſter Aufſeher, ſagt dem Bruder Lehr(a) Man nennt die neuen Mitglieder des Ordens, welche zu den hoͤhern Stellen Anwartſchaft haben, Lehrlinge. Im Gegentheil bleibt ein Bruͤderdiener ewig, und iſt gemeiniglich ein Koch, Zuckerbaͤcker, Caffeeſchenke u. ſ. f. (b) Alle Bruͤder, denen man das Lehrlingszeichen macht, find verbunden, auf gleiche Weiſe zu antworten, ob fie ſich ſchon in einer hoͤbern Klaſſe befinden, Es folgt aus dem Grundſatze des geheimnißvollen Ordens, daß man die Myſterien einer Klaſſe den Mitgliedern der niedrigern nicht verrathen ſolle. 335 ling, daß er mir vortragen koͤnne, was er wolle. Erſter Aufſeher. ſchlaͤgt nach der des woͤhnlichen Kopfneigung und wiederholtem Lehrlingszeichen, wieder dreymal auf den Schlegel ſeines Collegen. Man verſtehe dieſe Ceremonie bey allen folgenden Reden.) Ehrwuͤrdiger anderer Aufſeher, ſagt dem Bruder Lehrling, Seiner Hochehrwuͤrden den Vortrag zu thun; er habe die Erlaubniß dazu. Lehrling. Peter Zimmerer, Buͤrger und Muͤhlarzt von Freyburg im Breisgau, bittet ſich aus, die Ehre zu haben, ein Freymaͤurer, und Bruͤderdiener zu werden. Mei ſter.(RKlopft dreymal auf den Altar, verneigt ſich nach gemachtem Lehrlingszeichen gegen die ganze Geſellſchaft, die es ihm erwiedert.) Dreymal Ehrwuͤrdiger Großmeiſter des Ordens, dreymal Ehrwuͤrdiger Großprotektor des Ordens, dreymal ehrwuͤrdiger Oberaufſeher, dreymal ehrwuͤrdiger Großſekretaͤr: Ehrwuͤrdiger National- Großmeiſter, ehrwuͤrdiger National- Großprotektor, ehrw. National⸗Oberaufſeher, ehrw. NationalGroßſekretaͤr! Hochgeehrter erſter, und anderer Ober⸗Aufſeher, Redner, Sekretär, Schatz meiſter, Aufſeher, Bruͤder, Schotten, neuaufgenommene Brüder,(c) Meiſter, Geſellen, und Lehr(c) Die oberſten Mitglieder mögen zugegen ſeyn, oder nicht, fie werden allemal genennt. Nur die Schotten 336 r— linge!!! Peter Zimmerer, Bürger und Muͤhlarzt von Freyburg im Breisgau, wunſchet unter die Freymaͤurer als ein Bruderdiener angenommen zu werden. Hat jemand gegen ſein Anſuchen etwas einzuwenden, ſo thue er es; wo nicht, ſo hebe er die lincke Hand in die Höhe! Das Chor der Brüder hebt die linke Band in die Hohe: aber der Bruder, den ich IJlluminat heiße, unterlaͤßt es allein, weil er entgegen iſt. Mei ſter. Bruder Illuminat, ſagt, was ihr einzuwenden habt. Br. Illum inat. Die Müller ſiehen nicht im beſten Rufe; ich weiß daher nicht, ob die Auf— nahme eines Muͤhlarztes unſrer Geſellſchaft Ehre macut? Lehrling. Ehrwuͤrdiger Bruder Illuminat. Peter Zimmerer hat den allgemeinen Ruf fuͤr ſich, daß er unter ſeines Gleichen der ehrlichſte ſey. Uebrigens bedarf die Menſchheit vor allem des Brods; des Brods bedarf auch unſere Geſellſchaft zum Brüͤdermahl. Br. Ill u m. Ehrwuͤrdiger Meiſter, ich bin zufrieden.(Hebt zugleich die linke Hand empor.)(d) und Neuaufaensmmene bleiben weg, wenn ſich deren keiner in der Loge befindet. (4) Es geſchieht ſelten, daß ein vorageſchlagener abgewieſen wird; indem die Beamten ſchon im voraus Nachricht bekommen. Einige Logen geben ihre Stim 137 WMeiſter. Bruder Lehrling, ſeyd ihr für das Stillſchweigen, und die genaue Beobachtung der Geſetze des Ordens ſowohl, als für den Eifer euers Clienten gut? Br. Ill um. Ich bin gut dafur. Meiſter nach 3 Schlägen auf den Altar: der Candidat wird angenommen; und weil wir von ſeiner Tuͤchtigkeit ſchon genug uͤberzeugt ſind, mird er gleich heute aufgenommen.(Ce) Erſt. Au ffeh. Der Canditat wird angenommen! Der Canditat wird aufgenommen! And. Aufſe h. Der Candidat wird angenommen! Der Candidat wird aufgenommen! Dritter Auftritt. Die Scene iſt der Platz vor der erſten aͤußern Thur der Loge. Die Vorführung des Katechumenen. Der Pathe, oder der Bruder Lehrling; der Taͤufling, oder der Candidat. Zween Bruͤderwaͤchter; ein Thuͤrhuͤter; ein Aufſeher. Der Pathe(führt den Taͤufling zu der erſten außern Thuͤre, macht mit dem Mittelmen durch ſchwarze und weiſſe Kuͤgelchen; allein darinn weichen ſie von der Ordensregel ab. Ce) Das Noviziat dauert ſonſt gewöhnlich drey Mo= nate, in welcher Zeit der Candidat von dem Bruder, bey dem er ſich gemeldet, Unterricht im FreymuͤurerKatechiſmus bekommt. Bis dahin iſt der fein Patron; nun aber bey der Aufnahme heißt er ſein Pathe. 138 Wenn finger der rechten Zand einen Zalbzirkel, und klopft dreymal an.) Ein waͤchter(beyde machen die Thuͤre halb auf, und zeigen ſich da mit bloßen Degen. Wer ſeyd ihr? Dathe. N. der Bruder Lehrling. Wachter. Wer if der andere? Dathe. Es iſt ein Neuaufzunehmender. Wächter. Was wollt ihr alſo? Und was vers langt der andere? Dathe. Ich muß mich in die Loge begeben; und was den neu anzunehmenden Bruder betrift, fo habe ich Befehl, ihn hereinzufüͤhren, um ihn vorzuſtellen. Wächter. Iſt die Zeit ſeines Noviziats geendiget? Pathe. Ja! Ein Wächter klopft dann an der innern Thuͤre. Thurhuͤter Öffnet halb und fragt: Was verlangt ihr, Bruͤderdiener? Wächter. Ich habe einen Bruder, der in den Orden aufgenommen zu werden wuͤnſchet, herbeygeführt. Thürhuter, legt zween Degen kreuzweiſe, und macht ein Geraͤuſche, worauf aus der Loge hinaustritt ein— Au fſeher. Was will man? 139 Thuͤrhuͤter. Es if ein Brüderdiener da, der in den Orden treten will. Der Aufſeher geht zuruͤck, und bringt dem Meiſter die Nachricht, der ſogleich einen dem Taͤufling unbekannten Bruder zu ſeinem Eraminator ernennt. Zweyter Aufzug. Erſter Auftritt. Die Einkerkerung des Novizen. Die Scene ſtellt eine ſtockſinſtere Kammer vor. Der Taͤufling wird darinn eine ganze Stunde allein gelaſſen. Die erſte Prufung! Zeit genug, ein wichtiges Soliloquium mit ſich zu halten! Der Muſikchor auf dem Parterre begleitet ſeine Todesangſt. Zweyter Auftritt. Das Verhör, und die Auskleidung de ſſel ben. Der Erxaminator, und der Taͤufling. Er aminat or. Mein werther Freund, ich gruͤße euch von Grund des Herzens. Habt guten Muth, wie befindet ihr euch? 140—— Taͤu fl in g. Langweilig, und ziemlich ſchlaͤfrig. Exrxaminator. nini ihn bey der Hand, und: Faßt guten Muth, und zeiget Beftandias keit, ohne alle Merkmale der Furcht!— Mein Freund, hört mich aufmerkſam an; ich will einige Fragen an euch thun. Seyd ſo gut, und ant— wortet mir met aller moglichen Aufrichtigkeit, und entdeckt mir das Innerſte eures Herzens! Wie iſt ruer Geſchlechts- und Taufname? Töufling. Peter Zimmerer. Ezaminat. Von was für Stande, Alter, und Religion ſeyd ihr? Täu fl. Ein Muͤhlarzt, so Jahr alt, und bis— her der katholiſchen Religion zugethan. Eraminat. Sagt mir euer Vaterland? Tau fl. Freyburg im Breisgau, vorderoͤſtreichiſcher Regierung. Erxaminat. Aus was für Abſichten ſeyd ihr hieher gekommen? Taͤu fl. Daß man mich zum Bruͤderdiener un: ter den Freymäurern aufnehme. Eraminat. Ich wuünſchte, daß dieſer Vorſatz eine reiche Quelle der Zufriedenheit, alles er: ſinnlichen Vergnügens, und des vollkommenſten Gluͤckes ſeyn moͤge. Auch ich werde euch alſo kuͤnftig nicht blos den Namen eines Freundes, ſondern eines Bru ders, der in unſern Orden treten will, geben. Ehe ich euch aber in die Loge führe, und zum Mitgliede unſrer vortreſichen Geſellſchat mache, fo muß ich euch eine Nachricht davon geben, und ſagen, was das fuͤr Dinge ſind, die ihr thun, vermeiden, oder ſuchen ſont; ich muß euch von dem, was in dem Orden ans genehm, und unangenehm iſt, unterrichten: da— mit ihr, wenn ihr beydes kennet, und nicht Luſt habet hineinzutreten, euch mit allen Ehren wie— der wegbegeben koͤnnet, oder auch damit ihr, wenn ihr bey dem Vorſatz, ein Mitglied zu wer— den, beſtehet, im Voraus wiſſet, wozu ihr cuch anheiſchig macht, und zu was fuͤr Pflichten ihr euch verbindet, damit es nicht hernach, wenn es geſchehen iſt, euch gereuen moͤge.—— Die Geſellſchaft der Freymaͤurer iſt eine Ver ſamm— lung großer Maͤnner, deren edle Abſicht iſt, eine großmüthige Empfindung bey dem Elende der Ungluͤcklichen, eine einnehmende Höflichkeit gegen die fremden Bruͤder, eine allgemeine Zaͤrtlichkeit fuͤr das menſchliche Geſchlecht, Gehorſam gegen die Obern, die allertiefſte Ehrerbietung gegen Gott, Frömmigkeit, und Treue bey aller Gelegenheit, und mit einem Worte ein von allen Laſtern entferntes Herz zu zeigen. Dieſe Tugen— den, die man bey allen Menſchen wuͤnſchen möchte, leuchten in der Aufführung aller Mitglieder un ſerer Geſellichaft hervor.(f) Es iſt aber noch (F) Eine großprahleriſche Lobrede, die weder der Geſellſchaft, noch den einzeln Mitgliedern angemeſſen iſt. Aber ſo aͤffet man oft die gutmuͤthigen Leute! Siehe die vorſtehenden Dialogen. 142 etwas, fo die Freymaͤurer von andern unterſcheidet, nämlich ein tiefes, und unerforſchliches Still ſchweigen von allem, was man bey der Geſell— ſchaft in dem Innern der Loge hört, ſieht, und thut, ſo daß es verbothen iſt, durch Zeichen, Wörter, Kupferſtiche, oder andere Vorſtellun— gen jemanden, der krin Mitglied des Ordens iſt, Nachricht zu geben. Ich muß alſo, li ber Bruͤ— derdiener, wiſſen, ob ihr dieſes vollkommene Stillſchweigen zu beobachten feſt entſchloſſen ſeyd? Tau fl. Ja, mein Herr! Ich bin es feſt, und unverbruͤchlich zu halten entſchloſſen. Eraminat. Ihr ſeyd ferner der Geſellſchaft, und denen die die obern und Haͤupter derſelben find, den vollkommenen Gehorsam ſchuldig. Die Früchte einer fo blinden Unterwerfung find für euch, und alle andere Brüder, der größte Bor: theil, das größte Vergnuͤgen te. Ihr wollet dem: nach gehorſam ſeyn? Taͤu fl. Ja, mein Herr! Eraminat. Nun muͤßet ihr auch eure be: ſondere Pflichten, als Bruͤderdiener, kennen lernen. Seyd ihr bereit, ſolche recht zu beobachten? Tau fl. Ja, mein Herr! Eraminat. Wenn es dem alſo iſt; und da jedes Werk ſeinen Lohn verdient, ſo koͤnnet ihr verſichert ſeyn, daß ihr alle Monate einen Lohn; — 143 der nach euren Verdienſten eingerichtet ſiy, von der Geſellſchaft bekommen werdet. Wollt ihr aber mit dem Gelde, das man euch zahlen wird, vergnuͤgt ſeyn? Eg) Taͤu fl. Ja, mein Herr! Eraminat. Wiſſet demnach, lieber Bruder, daß man nicht in die Loge kommen, oder ein Mitglied der Geſellſchaft werden kann, ehne ſich gewiſſen Ceremonien, aus denen die Aufnahme nothwendig beſtehet, zu unterwerfen. Wollt ihr euch demnach ſolchen unterwerfen? Taͤu fl. Ja, ich bin dazu bereit. Eraminat. Aber, mein Bruder, ſo hald die Sache angefangen worden, kann man nicht wies der zuruͤcke. Werdet ihr wohl genugſamen Muth, und Beſtaͤndigkeit haben? Taͤu fl. Ja, mein Herr! Eraminat. Ihr ſeyd demnach bereit, mir in allem zu folgen? Tau fl. Ja, mein Herr! Eraminat. Damit ihr euch aber alles Verdachtes, und aller Furcht entſchlagen moͤget, ſo ſeyd verſichert, daß alle Diener, die jemals in den Orden aufgenommen worden, alle die Ceres monien, die ihr zu beobachten habet, gleichfalls ausgeſtanden, und daß man bey eurer Aufnahme (38) Eine ſeltſame Aufdinaung, wobey man die Pflichten und den Lohn verheimlichet! Ein Deſpor dinget ſich eben fo feine Selaven. 144——— weder eine hinzuthun, noch hinweglaſſen werde. Da es nun keinen von euren Vorgaͤngern j: mals gereuet, noch jemand, der angefangen, auf die Hinterbeine getreten, ſo hoffen und verſprechen wir uns ſolches gleichfalls von euch.— Bedenkt euch demnach, lieber Bruder, noch einen Augenblick wegen der Geſellſchaft, worein ihr treten wollet, wegen desjenigen, wozu ihr euch verbin— det, und wegen der Vortheile, die ihr erhalten werdet. Hier pauſirt man eine Viertelſtunde: Indeſſen mag eine Symphonie den Kampf feis ner Gedanken ausdruͤcken————— Er amin at. Lieber Bruͤderdiener, beharrt ihr noch allemal bey eurem Entſchluße? Taͤu fl. Ja, mein Herr! Eraminat. Gehorchet alſo, und beobachtet alles genau, was ich euch heißen werde.— Legt zuerſt all euer Metall, euer Gold, eure Schnal— len und ſogar die Nadeln ab! legt ſie auf jenen Tiſch hin!— Habt ihr keines mehr bey euch? Taͤu fl. Nachdem er die Boͤrſe, Schuh und Zoſenſchnallen ꝛc. abgelegt: Nein, mein Herr! Eraminat. Zieht nun die Schuhe ab!— Beharrt ihr auf dem Vorſatze? Taͤu fl. Es iſt geſchehen. Eraminat. Legt die Peruͤke weg!— Be— harrt ihr auf dem Vorſatze? Taͤu fl. Ja, es iſt geſcheben. 14; Erxaminat. Zieht die Strümpfe aus, und erſcheint barfuß.— Beharrt ihr auf dem Vor— ſatze Taͤu fl. Ja, es iſt geſchehen! Erxaminat. Entkleidet euch bis anf die Hoſen, und das Hemde: zieht alles aus!— Beharrt ihr auf dem Vorſatze? Taäufl. J;————— Es iſt ge: ſchehen.(h) Dritter Auftritt. Die Ueberantwortung des entbloͤß— ten Rovizen. Zween Bruͤderdie— ner; die Vorigen. Eraminat.— Er ſchlaͤgt mit einem kletnen zꝓam̃mer an die innere Thuͤre der Loge; dieſe offnet ſich ſogleich, und zween Bruder: diener treten heraus.— Bruͤderdiener, es iſt hier ein neuer Diener, der ſich feſt entſchloſſen hat, in unſ re Geſkellſchaft zu treten, und der ſehr gerne alles, was ich ihm befahl, beobachtet (h) Die Dunkelheit des Orts man hier allein das Decorum ein wenig retten. Wie gejagt, dieſer Cere—= monie muͤßen ſich alle unterwerfen. Dies mag nun wohl der Freyburger Freymüthige eine Cyniſche Blöße nennen! Sieh feine Süße aus allen Theilen der Furispradenz. 146 hat. Ich habe alſo mein Amt bey ihm verrich— tet, und ich überlaſſe ihn euch nunmehr, um das Eurige zu verwalten. Bruͤderdiener der aͤlte re. Wir werden unſere Schuldigkeit mit der Sorgfalt, welche uns die Geſetze und Verordnungen unſrer ehrwürdigen Geſellſchaft vorgeſchrieben, beobachten. Eraminat. Nun, lieber Bruder, macht euch gefaßt, und gehorchet den Bruͤderdienern, was ſie euch befehlen werden. Ich wuͤnſche euch alles Wohlergehen.(Er tritt ab.) Vierter Auftritt. Die Gefangennehmung. Die Vorigen. Bruͤderdiener, der ältere. So viel wuͤnſche ich euch gleichfalls. Beharrt ihr aber noch auf eurem Vorſatze? Tau fl. Ja, ich beharre. Bruͤderdien. So muͤſſet ihr demuͤthig, urd gehorſam ſeyn. Taͤufl. Ich will demuͤthig, und gehorſam ſeyn. Bruͤderdien. zum juüͤngern: Wohlan, mein lieber Bruͤderdiener, verbindet ihm die Augen.(i) Bruͤ(i) Die Auzgenbinde iſt von ſchwarzer Seide, uns geführ 4 Finger breit, und 3 Ellen lang; auf jeder Elle jſt eine Figur geſtickt, weiß— roth— gruͤn— — 147 Bruͤderdien. 2. Sie Am verbunden. Brüderdien. 1. Legt ihmdas Zeichen der Dienſtharkeit, den Strick, an. Brüder dien. 2. Der Stick iſt um feinen Hals 4 wunden. Brüderdijen. 1. Gebet hm auch das Zeichen der Gefang mmtirft. Brüderdign. 2. Gebleuch gefange. lieber Bruder! Haltet die Haͤnt', dannt ich fir mit dieſem Faden kreuzweiſ: han Puls, nnd wo ſie mit dem Arme zuſammemefuͤgt ſind, draymal binden kann.— Die Haͤnd ſind gebunden. Bräͤderdien. 1. Bruker, beſteht ihr immer noch auf dem Vorſatze, in den Orden zu treten? Tau fl. Ja, mein Her! Bruͤderdien. 1. zun zweyten: So führt ihn denn an den Ort, wohn es gebraͤuchlich iſt. Fünfter Auftritt. Die Freymaͤurertaufe. Ein Wachs ter, die Vorigen. Ein Wächter tritt hervor hinter einem Durchzuge, der ſich auf:hut, und wo eine mannshohe Badwanne ſteht. Wachter, indem er das Ende des Stricks, den der Taͤufling um den Hals hat, mit der weiß. Sie geht dreymal um das Haupt, und wird im Nacken geknuͤrft.£ 148 rechten faßt: Bruͤderdiener, folgt mir ohne Furcht! Bruͤderdiei. 1. zum andern: Waſcht ihm die Fuͤße, ud troͤcknet ſie wohl ab!—— Waſcht ihm die Laͤnde!—— den Kopf!— und den Leib!(Jedes geſchieht auf der Stelle.) (Alsdann ergreifmn beyde Bruͤderdiener den Novizen, heben ihn in die HShe, und tauchen ihn unter. C) Der Taͤufling erhält hierauf ein ander zemd, und ein paar neue Beinkleider auf Roten der Geſellſchaft.) Dritter Aufzug. Erſter Auftritt. Ein abentheuerliches Gefecht auf dem Wege zur Thuüre des langen Tempelgangs. Zween Fechter; die Vorigen. Bruͤderdiener 1. Bruͤderdiener, der ihr aufgenommen zu werden wuͤnſchet, wollt ihr in eurem Vorſatze beſtaͤndig ſeyn? (k) Der heruͤhmte von Crouſaz, der im so Jahre ſich dieſen unphiloſophiſchen Ceremonien unterwarf, ward theils vor Furcht, theils durch die Verkaͤltung —— 149 Taͤ u fl. Ja! Bruͤderdiener 1. zum andern: Brüder, diener, laßt uns fortfahren. Bruderdien. 2. zum Tau fling: Brüder: diener, folgt mir ohne Furcht. Tau fl. Ich folge. Drey Schritte vor dem Thore höret er das Getoͤſe zweyer Fechter, oder Bruͤderdiener.) Bruͤderdien. 1. Es find hier zwo Perſonen, davon eine euch in den Orden aufnehmen will, die andere hingegen ſich widerſetzet; und das iſt die Urſache, warum ſie ſich ſchlagen. Der, ſo euren Eintritt in die Geſtllſchaft verwehret, if ein Unheiliger, der andere ein Bruder. Ihr koͤnnt ihren Streit beylegen, und wählen, wel— chen von beyden Parteyen ihr annehmen wollet. Hit ihr denn Luſt, in die Geſellſchaft zu treten? Taͤu fl. Ja. Bruͤderdien. 1. Wohlan, Bruͤderdiener, bindet ihm die Haͤnde auf, und gebt ihm einen Degen! Der Taͤufling mit verbundenen Augen, einen Strick am Halſe ꝛc. kriegt einen Degen in die Hand! —— Neuaufzunehmender Braͤderdiener, zieht vom Leder, und ſchlaͤgt cuch tapfer mit dem fo geſchwaͤcht, daß er eine vierzehntuͤgige Unpaͤßlichkeit ausſtehen muͤßen. 9 2 * — 150 Unheiligen, fo ſich euren Abſichten widerſetzt!— Aber trägt die Spitze hoch, gerade, und unbeweglich! (Der Unheilige ſchlaͤgt dreymal mit feinem Degen an.) —— Ihr habt überwunden, Bruͤderdiener! Der Unheilige iſt todt; ihr ſeyd wuͤrdig, in den Or den zu treten.(1) Ihr andrer Bruͤderdiener, fuͤhrt ihn dann am Stricke in die Geſellſchaft hinein!(Sie gehen bis zur Thuͤre.) Zweyter Auftritt. Die Einführung des Taͤuflings in den ſalomoniſchen Tempel. Bruͤderdiener 1. zum andern: Klopf dreymal an! waͤchter,(tritt heraus, Öffnet aber die Thuͤre nur halb. Wer ſeyd ihr? Bruüuͤderdiener 1. Was mich betrift, fo bin ich der erſte Bruͤderdiener; der aber, welchen wir am Stricke herfuͤhren, einer, der willens iſt, in die Geſellſchaft zu treten. (1) Wer kein Freymaͤurer iſt, heißt ein Unheiliger. Wir alſo, liebe Leſer, wir alle ſind Unheilige, und wirklich todt, von einem blinden Fechter mauſetodt gemacht. Ein vortreffliches Sinnbild der allgemeinen Naͤchſtenliebe EEE 351 Wächter. Was wollt ihr alſo? Bruderdiener 1. Ich will meine Schuldigkeit beobachten, den Neuaufzunehmenden der Geſellſchaft vorſtellen, und alsdenn meine andere Verrichtungen in Acht nehmen. Wächter macht die Thuͤre zu, die ſich aber bey jeder Frage wieder auf- und nach jeder Antwort wieder zuthut, ein Manovre des Thuͤrhuͤters. Nun macht er ein Geraͤuſche mit ſeinen verſchrenkten Degen, zum Zeichen, daß er der Geſellſchaft etwas zu hinterbringen habe. Denn ſeinen Poſten darf er nie verlaſſen. Oberaufſeher 2.(Die Thuͤre Öffnet ſich: nach gemachtem Lehrlingszeichen ſchlaͤgt er dreymal mit feinem Schlegel auf des ers ſtern Oberaufſehers ſeinen und ſagt:) Ehrwuͤrdiger erſter Aufſeher, der Thuͤrhuͤter ſchlaͤgt an. Oberauf ſeher 1.(Erwiedert den dreyfachen Schlag ꝛc.) Hochehrwuͤrdiger Meiſter, der Thuͤrhuͤter klopft an. Me iſter. Nach einem dreyfachen Schlage auf den Altar, und dem Lehrlingszeichen: Ehrwuͤrdiger erſter Aufſeher, ſeht, was der Thuͤrhuͤter verlangt. Oberaufſeher i. zum andern.(NB Sie reden niemals einander an, ohne den dreyfachen Schlag, und das gewohnliche Zei tt— 152 chen.) Ehrwuͤrdiger anderer Aufſeher, ſeht, was der Thuͤrhuͤter verlangt. Aufſeher 2.(geht bis auf drey Schritte zur Thuͤre, bleibt ſtehen, ſieht unbeweglich den Thuͤrhuͤter ſcharf an.) waͤchter(macht ein Geraäͤuſche mit dem Degen, und das Zeichen des Bruͤderdieners, welches von dieſer Minute, fo lange die Aufnahme des neuen Bruͤderdieners dauert, allein vorkoͤmmt. Der Aufſeher erwiedert es.) —— Ehrwuͤrdiger Oberaufſeher, hier iſt der Bruder, ſo ein Mitglied der Heſtlſcheft zu werden verlangt. Aufſeher 2. Wer iſt er? waͤchter(Öffnet die Thuͤr ganz, und fragt den erſten Bruͤderdiener:) Wie nennet ſich der Neuaufzunehmende? Wo iſt er her? was hat er für Qualitaͤten? Bruͤderdiener 1. Peter Zimmerer, von Freyburg gebuͤrtig, ein Muͤhlarzt.(Thuͤre zu!) Aufſeher 2.( Thüre auf!) Bruder Thuͤrhuͤter, hat der Neuaufzunehmende einen rechten Beruf?— Iſt die Zeit ſeines Examens aus?— Hat er es, wie ſichs gehört, ausge— ſtanden?(Thuͤre zu!) Waͤchter(wiederholt dieſe Fragen an den erſten Bruͤderdiener, der ſie unter lau 155 ter Complimenten und Bruͤderdienerzeichen beantwortet.) Aufſeher 2. zum erſten: Ehrwuͤrdiger erſter Anſſeher, der Bruͤderdiener iſt hier, um ſeine Aufnahme zu bitten. Aufſeher 1. Wie nennet ſich der Neu— aufzunehmende? Wo iſt er her? Was hat er für Eigenſchaften? Iſt fein Beruf richtig?— (jener antwortet)— Hochehrwuͤrdiger Meiſter, der neut Bruͤderdiener iſt hier, um ſeine Aufnahme anjuſuchen! meiſter. Wie heißt der Aufzunehmende?— — Hat der Bruüderdiener, ſo in die Verſammlung treten will, einen Beruf dazu?—— So laſſet, ehrwuͤrdiger erſter Aufſeher, den neuen Bruͤderdiener hereinkommen. Aufſeher 1. zum andern. Ehrwuͤrdi— ger anderer Aufſeher, laßt den neuaufzunehmenden Bruͤderdiener hereinkommen! Auf ſeher 2. Bruder Thuͤrhuͤter, man laſſe den neuaufzunehmenden Bruder hereintreten! Wächter oder Thuͤrhuͤter, Öffnet die Thuͤre ganz: Bruͤderdiener, laßt den Neuauf— zunehmenden hereintreten!(Der zweyte Bruͤderdiener uͤbergiebt dann dem Thuͤrhuͤter den Strick, der am Zalſe des Taͤuflings haͤngt, und begiebt ſich mit dem erſten Bruͤderdiener zu ſeiner Arbeit, ohne bey den uͤbrigen 154 Ceremonien der Aufnahme weiter zu vr: feinen.) Dritter Auftritt. Die Welt wird nach einer Schlacht, worn alle Unherligen bleiben, vom blinden Täunfling zrobert. Aufſeher 2. Guͤbernimmt den Strick vom Thuͤrhüͤter, der auf feiner Wache zu— ruͤckbleidt. Nenangchender Bruͤberdiener, zicht euren Degen hercus, haltet die Spitze in die Höhe, und fürchtet euch nicht! Alsdann führt er ihn am Stricke von Morgen gen Mit— ternacht, von da gegen Mittag und Abend der Bodenſigur, bis daß er bey mitternacht dem Meiſter gegenüber ankommt. Bey je der Weltgegend gehen mehrere Brüder die mit ihren Degen ſchrecklich klirren und lar— men. Allemal wiederhole ſich, was folgt:) Uufſeher 2. bey jedem Geklirre: oerſchiedene Unheilige, und Brüder ſind untereinander ſtreitig; die erſten wollen euch hinderlich, die an— dern befoͤrderlich ſeyn, in die Loge zu treten. Es ſteht alſo bey euch, ob ihr euch wieder zerſckbe—geben, oder fertgehen, und euch aufnehmen laſAn wollet. Tau fling. Ich will in die Geſellſchaft tres ten, und von meinem Vorhaben nicht abſtehn. Aufſeher 2. Neuaufzunehmender Bruders diener, haltet euren Degen feſt, un. d fechtet mu— thig mit den Unheiligen, die ſich euch widerſe— tzen— Drey Bruͤder ſchlagen mit ihren Degen dreymal auf den des Täuflings.)— Ich wuͤnſche euch Gluͤck, neugufzunehmender Bruͤderdiener! Die Unheiligen ſind todt; ihr habt gezeigt, daß ihr würdig ſeyd, ein Muglied der Geſellſchaft zu werden!!! Vierter Auftritt. Die Einſchreibung in das Taufbuch. Aufſeher,(beyde treten in den Kreis, an die Stiege der Thuͤre in die Gallerie, und klopfen dreymal mit den Schlegeln an.) Thrwuͤrdiger erſter Aufſeher, der neügufzuneh— niende Bruͤderdiener iſt hier, um a4ſgenommen zu werden. meiſter,(ſchlagt dreymal auf den Altar, macht das Zeichen des Brüden dic;iers) Ehr— wärdiger erſter Aufſcher, wie heißt ver Neuauf— zunchniende? 156 Aufſeher 1. Peter Zimmerer. Meiſter. Aus was für einem Geſchlechte und Lande iſt er? Auf ſeher 1. Ein Muͤhlarzt, von Freyburg im Breisgau gebuͤrtig. Meiſter. Was für Jahre? Was fuͤr ein Naturell hat er? Auf eher 1. 50 Jahre; ein phlegmatiſches Temperament. Me iſter. Iſt er examinirt und vorbereitet? Hat man einen rechtmaͤßigen Beruf bey ihm wahrgenommen? Aufſeher 1. Alles iſt geſchehen. Sekretaͤr ſchreibt aufm Altare in das Los gebuch:„den 1 Jenner 1785 hat ſich Peter „Zimmerer aus Freyburg gebuͤrtig, ein Mühl „arzt von Profeſſion, feines Alters so Jahre, „als ein Bruͤderdiener bey der ehrwuͤrdigen Loge „ zu Freyburg im Breisgau angegeben., Fünfter Auftritt. Der Eid des Taͤufings. Meiſter. Neuangehender Bruͤderdiener, wollt ihr in den Orden treten? Taͤuflin g. Ja. Meiſter. Ihr wollt demnach die Ordnun— gen, und Geſetze des Ordens genau beobachten? — mamma 157 Tau flin g. Ja. Meiſter. Ihr wollt alſo deſſen Geheimniſſe unter der Decke der Nacht begraden? Tau flin g. Ja. meiſter. Wollt ihr euch alſo zu dieſem Stillſchweigen von den Geheimniſſen des Ordens, zu dem dem Meiſter ſchuldigen Gehorſam, zu dem Eifer fuͤr das Wohl der Bruͤder, und zu allen euren uͤbrigen Pflichten durch einen Eid verbinden?(m) Taͤufling. Ja. Mei ſter. So ſetzet euer rechtes Knie auf die Erde, nicht weit von der Stufe nach dem Thore gegen Mitternacht nieder, und ſprechet mir nach.(Der Taͤufling faͤllt darauf mit dem rechten Rnie auf den Boden, die rechte Hand halt den bloſen Degen in die Hohe, der linke Arm iſt mit and und Fingern ausgeſtreckt.) Der Eid eines Bruͤderdieners. „O Gott, großer Baumeiſter der Welt, der „du alle Dinge durch deine unumſchraͤnkte Macht Em) Kein Orden verlangt fo ſtrenge Geluͤbde! Der Eid der Lehrlinge iſt derſelbe, und wird ſo zu London, zu Berlin, zu Frankfurt am Mayn, und zu Hamburg: c. ** ** * ** 22 2 ** 22 * * * 27 8 d * 22 * *2 22 * 2 » » * * ** 22 22 158— m erschaffen haſt, und deſſen unendliche Weisheit fir in die ſchoͤne Ordnung, die ſie zuſammenhaͤlt, geſetzt: der du dem Menſchen ein lehrbegierig Herz gegeben, und in ſolchem den Saamen von allerley Tugenden ausgeſtreut, daß fic in ihrem zäandel Rrüchte des Verſtandes und der Froͤmmigkeit herverbringen möchten: der du endlich ihnen die Rothwendigkeit, geſellig zu leben, eingenflanzt haſt; ſey du jetzo durch deine Gnede nutten unter uns, und verleihe niir Peter Zinm:rer die beſondern Gaben mid Geſchenke, die dieſe Reigung zum geſell gen Leben unter alten lörinen, damu ich auf ſoiche Art die Perrichtungen, Kaundlungen, und die Schulwiak. it, wozu ich mich jetzt verbinde, indem 10 beine Güte und Huͤlfe anrufe, erfüllen noͤge. Ich verſpreche demnach, und ſchwöͤre dir, o Gott! und gelobe der vortrefflichen Geſellſchaft der Freymaäͤurer, in deren Namen ſie in dieſe Loge gekommen iſt, die Geheimniſſe, Zeichen, Griffe, Worte, Lehren und Gebraͤuche derſelben, ſie moͤgen in oder außer der Loge uͤblich ſeyn, niemals einem Un—heiligen zu entdecken. Vielmehr will ich ein tiefes Stillſchweigen mit dem Munde, der Feder, mit Zeichen, und Geberden beobachten, geſprochen. Dafür iſt ein Mann Buͤrge, der als Freymaͤurer alle dieſe Logen beſuchet hatte. 155 „ fo daß ich mich weder Szrachen, noch Zeichen, „noch Sinnbilder, fie 6en h. kannt, oder „nicht bekannt ſeyn, weder im Neden, noch „Drucken, noch im Schreiben, oder Graben „in Steine, Pflanzen, und Metalle bediene. „Mit einem Worte, ich verſpreche weder mit— „telbar, noch unmittelbar Urſache zu ſeyn, daß „eines von den Geheimniſſen der Geſellſchaſt, „ fo man mir jetzt, oder in folgenden Zeiten „anvertrauen wird, kund und ruchbar werde. „Ich verbinde mich dazu bey der Sirafe, Wels „cher ich mich, wenn ich nicht Wort halte, unz „terwerfe, namlich daß man mir die Lippen , mit einem gluͤhenden Eiſen abbrenne, die Hand „abhaue, die Zunge ausreiße, und endlich mei„nen Koͤrper in einer Loge der Freymaͤurer, waͤhrender Ceremonie der Aufnahme der Britz „derdiener, zur ewigen Schande meiner Untreue, „und zum Schrecken der übrigen aufhenke: , wenn aber die Geſellſchaft geendiget iſt, ihn „verbrenne, und die Aſche den vornehmſten Los gen zuſchicke, damit ſie die andern Brüder ſehen, „und ſich entſctzen;(n) endlich fie aber in die „Luft ſtreue, und ſie vertilge, damit bey allen „Bruͤdern ein ſchreckliches Andenken meiner uw u m 8 (En) Wer entſetzt ſich nicht, der dies liest? Darf fich fo viel eine Herfengecelſchaft anmaßen? Pechard mußte wirk' ch im Jahr 1736 dieſe rech:swidrige und numenſchliche Barbarey erfahren. 160 „Verraͤtherey uͤbrig bleibe. Gott helfe mir, und „ſein heiliges Evangelium! ,, (Hier ſtreckt der blinde Taͤufling die ande nach Mitternacht, hebt fie mit dem Kopf gerade in die Hohe und fährt fort nach: zuſprechen:) „O Gott, großer Erbauer der Welt, ich rufe „dich an, und ſchwoͤre dir, und gelobe der vor— „trefflichen Geſellſchaft der Freymaͤurer, in deren „Namen fie hier in dieſer Loge verſammelt iſt, „daß irh die Geheimaiſſe, fo man mir heute, oder „kuͤnftig anvertrauen wird, allen denen, ſo ich „nach einer ſcharfen Unterſuchung für wahre „Bruͤder erkennen werde, anvertrauen, ſie, „wenn ſie unwiſſend, unterrichten, oder wenn „ſie weiſe find, um ihren Unterricht bitten will, „ fo daß ich niemals einen andern Bruder, es „ſey, unter was für einem Vorwande es wolle, „daß ich ein Bruder ſey, zu bekennen mich ent— „brechen werde. Indeſſen will ich mich durch „Zeichen, Griffe, und Worte entdecken, ſo daß „die Zeichen, und Griffe, blos in Geberden bes „ſtehen ſollen: die Worte will ich blos mit dem „Munde vorbringen, ohne daß es auf einige „Weiſe erlaubt ſey, etwas, ſo die Geheimniſſe „ der Geſellſchaft offenbaren koͤnnte, zu ſchreiben, „zu drucken, oder zu ſtechen. Gott heife mir, „und fein heiliges Evangelium!> 161 (Er ſtreckt abermal die Hände, wie vor— her, gegen Mitternacht aus, und fährt fort: „O Gott, großer Erbauer der Welt, ich „rufe dich an, ſchwoͤre dir, und gelobe der vortrefflichen Geſellſchaſt der Freymaͤurer, in deren Namen ſie hier verſammelt iſt, den armen Brüdern, fie mögen Fremde, oder von met: ner Nation ſeyn, in ihrem Elende nach allem meinen Vermögen beyzuſtehen, ſie mit brüͤderlicher Liebe aufzunehmen, fe zum „Meiſter der Loge, den Beamten der Geſellſchaft, „ zu den Bruͤdern, und zu der Verſammlung ſelbſt zu führen, damit fie bey ihnen die ges „wuͤnſchte Hilfe finden mögen, Gott helfe mir/ „und fein heiliges Evangelium!,(Die Cere— monie der Ausſtreckung der Haͤnde wieder: holet ſich da zum letztenmale. Dieſes dreymalige Abſetzen des Eides nennt man die drey Zeiten des Sakraments.) Meister. Stehet auf, Bruͤderdiener, der bald voͤllig aufgenommen werden ſoll. Streckt noch einmal, Bruͤderdiener, die rechte Hand aus, und traget die Spitze des Degens empor! 2 ð 2 8 * * * . 2 6 * . > U 8 162 ee Sechſter Auftritt. Die Erloͤſung des neuen Bruͤ— derdieners. Meiſte r. Ehrwaͤrdiger erſter Aufſeher, zeigt dem Bruͤderdiener, welchen man bald vollig auf: nehmen wird, wie er gehen ſoll. Aufſeher 1. Brüderdiener, der nun völlig aufgenommen werden wird, erlaubt mir eure Fuͤße zum Gehen einzurichten. Er ſtellt ſie in die Form eines Winkelmaßes, ſo daß der linke Fuß den untern Theil, der rechte die Seite bezeichnet.‘— Hebt nun den rechten Fuß in die Höhe, und ſetzt ihn auf die gemalte Stufe nach der Thuͤre! Hebt den linken, und ſetzt ihn gleichfalls drauf, ſo, daß ſie wieder ein Winkelmaß vorſtellen!——(Dann ſchlaͤgt er auf den Schlegel des zweyten Auffehers.) Aufſeher 2. Was wollt ihr, ehrwuͤrdiger erſter Aufſeher? Auffeher 1. Ich will hineingehen.(In den gemalten Tempel Salomons.) Auf ſeher 2. Wer iſt der andere? Aufſeher 1. Es iſt ein Bruͤderdiener, deſſen Aufnahme man vollenden will. Aufſeher 2. Gehet hinein! Meiſter. Ehrwurdiger erſter Aufſeher, ſagt dem Bruͤderdiener, weicher aufgenommen werden ſoll, ——— 163 fell, daß es nicht erlaubt ſey, mit verbundes rn Augen in die Loge zu gehrn, und fragt ihn, ov er ſie frey haben wolle? Aufſe her 1. Die Finſterniß vergeht in der dreymai ehrwürdigen Loge; ſie iſt ganz von dem Scheine cines außerordentlichen Lichts angefüllt. Wollt ihr allo, Bruͤderdiener, dieſes Licht ſehen, welches ihr ganz neu, und vortrefflich ſinden werdet? Taufling. O ja, ja doch endlich, ja, ja! (Der zweyte Aufſeher entnimmt ihm die Augenbinde nach einer zwoſtuͤndigen Blind heit. Indeß aber machen alle Bruder mit der rechten and das Bruͤderdienerzeichen, mit der andern halten ſie die Spitze ihrer Degen dem nunmehr wieder ſehenden Ran—didaten vor.(0) Aufſeher 1. Gebt mir euren Degen; ihr habt nunmehr alle Schwierigkeiten uͤberſtiegen, und ſeyd in die dreymal ehrwürdige Loge aufs (o) Ein erſchrecklicher Aublick der blinkenden De. gen unmittelbar nach dar ſo langen Blindheit! Viele ſollen dabey erblaſſeit, und zittern. Einige wandelte ſchon eine Ohnmacht an. Es iſt auch alles fo angelegt, daß die Sinne ganz betaͤubt werden müßen. Man erinnere ſich an jenes grauſame Gaſtzeboth eines roͤmi ſchen Kaiſers; und man hat ein treffendes Bild? Waͤrde mancher Kandidat zuvor Wiſſenſchaft davon haben; oder ſeinen Leibarzt daruͤber um Rath fragen: ich weiß nicht, ob er noch eine Luſt zum Orden hehielte? M 164 genommen.(Nun wird ihm erſt die Binde ganz aufgelöst. Me iſter.(Nach Verlauf einiger Minuten, inner welcher zeit alle Bruͤder mit der rechten Zand ſich bezeichnen, mit der linken ihn durchzubohren drohen, thut er einen Schiag, und ruft:) Brüder, es iſt genug!—— Ehr— würdiger erſter Aufſeher, führet den Bruͤderdiener, der bald vollkommen ſeyn wird, in die Loge, und bringt ihn auf die bey ſolchem Fall gewöhns liche Art zu mir. Auf ſeher 1. Bruͤderdiener, macht einen Schritt! alsdann wird er am Stricke in die Bodenſiguren eingefuhrt, und ſchreitet fo fort bis zu dem ſtralenden Stern. Er hält dabey allzeit die Fuͤße in Geſtalt eines Winkelmaßes.) Meiſter. Ehrwuͤrdiger erſter Aufſeher, nehmt dem Bruͤderdiener, der bald vollkommen ſeyn wird, den Strick vom Halſe. Ich glaube, daß es Zeit iſt; und laßt ihn in meinen Haͤnden. (der Strick wird abgenommen.) meiſter. Bruͤderdiener, betrachtet unter euren Fuͤßen den Stern, welcher Stralen wirft, und die Sonne, und den Mond, die zur rechten und linken ſind. ———— Bruͤderdiener, der nun bald vollkommen ſeyn wird, ſetzt das rechte Knie auf die Erde, und das andere ſo, daß es einen rechten — 165 Winkel macht. Legt eure rechte Hand auf die Bibel, ſtreckt die linke aus, und wiederholt den Eid, welchen ihr zuvor abgelegt, von Wort zu Wort.(Der Eid wird abermal abgelegt nach den drey Zeiten des Sakraments, nur miü dem Unterschiede, daß er die Bibel nach jeder Zeit kuͤßet, wenn er vor dem Altar auf den Zieh liegt.“) Meiſter. Steht auf, Bruͤderdiener, der ihr nunmehr vollkommen ſeyd; ſetzt euch zu meiner Rechten! Siebenter Auftritt. Die Inveſtitur des neuen Bruͤderdieners. Der Schatzmeiſter, die Vorigen. Meiſter. Ehrwuͤrdiger Schatzmeiſter, bringt dem neuen Bruder, welchen wir jetzt aufgenommen haben, die gewoͤhnliche Geſchenke oer Ge— ſellſchaft. J Sch anz meiſter bringt Sc ihm mit ausgeſtreckten Armen: Brüderdiener, der ihr jetzt vollkommen ſeyd, nehmt das euch zugehoͤrige Schurzfell, und legt es, wie ſichs gebuͤhret, an. (Er ſelbſt bindet es dem neuen Bruder um, fo daß der Knoten auf den Rüden kommt.) — Brüderdiener, wiſſet, daß Könige, Fuͤrſten M 2 i 2 1 66 er. Potentaten und große Herren in der Welt dieſes Schurzfell zu tragen wuͤnſchen, und es doch nicht haben koͤnnen, wo es ihnen der Orden nicht geſtattet.(p) Schaͤmet euch deshalben der Bemuͤhung und Unterwerfung nicht, wozu ihr euch verbindet. Denn die Großen wollten gerne allein arbeiten. Was uns betrifft, ſo ſind unſere Werke vor den Augen der Unheiligen unbekannt. Ihr werdet fie mit der Zeit erfahren.(Dierauf giebt er ihm die Handſchuhe.)— Bruͤderdiener, ziehet die Handſchuhe, welche ich euch gebe, als ein Zeichen der guten Abſicht, der Ehrbarkeit/ und einer vollkommenen Verſchwiegenheit, an. Achter Auftritt. Die Unterweiſung. Der Redner. Die Vorigen. Meier. Bruͤderdiener, der nunmehr voll; tommen iſt, nachdem ihr alle Ceremonien, welch: (p) Ein bedenkliches BGekenntniß aus dem Munde eines Herrendieners: Sieh den erſten Dialog. Sie haben zwar die Oberbeamtenſtellen fuͤr Perſonen vom hoͤchſten Range, als der Prinzen, Fuͤrſten und Monar—chen find, beſtimmt, aber alle Geheimniſſee ihnen anzuvertrauen, bezeugt ein alter Freymaͤurer, dies haben ſie noch nie fuͤr gut und thunlich gefunden. — 167 die vortreffliche Geſellſchaft verordnet, genau, und ſtandhaft betrachtet; ſo iſt es an der Zeit, daß ich euch die Geheimniſſe derſelben, in ſoweit fie für eure Klaſſe gehören, entdecke. Wir haben erſtlich beſondere Zeichen, Griffen, und Woͤrter, woran die Bruͤderdiener ſich einander kennen und von den Unheiligen unterſcheiden. (Dieſe werden da gezeigt, und von allen Bruͤderdienern wiederholt.) —— Neuer Bruͤderdiener, kommt zu mir her! — Ihr habt bey eurer Ankunft viele Figuren auf dem Boden geſehen; und da deren noch viele ſind, die ihr nicht wahrgenommen, ſo iſt es nöͤthig, daß ich fie euch erklaͤre. Sehet hier! Das Joch bedeutet.. die Unterwerfung und den Gehorſam. Die kreuzweiſe gelegten Degen.... den Muth und die Staͤrke in Vollſtreckung der Befehle. Die Kugel mit einem ebel.... die Schwierigkeiten der Auftraͤge unſerer Geſell ſchaft. Der Wagen mit Steinen...+. die Zufuhr aller Bes richte an die uͤbrigen Logen der Welt. 168— Die Wage. die Gleichheit unter den Bruͤdern 16, die Macht und das Re— giment des Ordens. Die 5 Saulen. die fünf Klaſſen deſſel—ben. Die einzige Saͤule.. die Säule der Brüder: diener und den Grund ihrer Wuͤrde. Die Weltkugel.. die Herrſchaſt der Freymaurer über die ganze Welt. * Der Zepter + Das Gebaͤude, uͤber dem der Stern, neben dem die Sonne und der Mond.... den Pallaſt der Ehre, 647 der Freyheit, und Gleichheit, durch die drey Geſtirne, die Vatur, Religion, und Starke belenchtet. Meiſter. Ehrwuͤrdiger Redner, redet! Redner.(Er macht das Zeichen des Bruͤderdieners, und die Verbeugung, und (4) Dieſe Figuren find vieler anderer Erklaͤrungen faͤhia. Allein man ſagt ihrn ſogleich weder alle verbor— gene Abſicn ten des Ordens, noch ſelbſt alle Geheim— niſſe der Brůderdiener. x— 169 hält aus dem Stegreife eine Tobrede auf den ganzen Orden, und insbeſondere auf den Stand der Bruͤderdiener. Zu einem Muſter ſetze ich eine Rede hieher, die in einer Verſammlung der Freymaͤurer bey der Aufzahme eines Lehrlings gehalten worérn, worinn freylich die beſondern Sinnkilder der Lehrlinge, dennoch auch viele allgemeine Zuge, vorkommen.) Habet guten Muth, liebe Brüder, erfreut cuch, ſingt Triumphlieder und verbannet alle Unruhe. Die Finſterniß iſt vertrieben; die Berge, die Huͤgel, und Fluͤße ſind uͤberſtiegen. Eine angenehme Ebene, und die bezauberten Gaͤrten des irdiſchen Paradieſes ſind unſer Aufenthalt. Hier iſt keine Schlange, und keine Frau, die uns rerfuͤhren koͤnnte. Hier treffen die Finſterniß und das Licht in einer wunderbaren Vereinigung zuſammen, unſern Orden groß zu machen. Der da iſt, der da war, und ſeyn wird, vollfuͤhret ſeinen Weg in gerader Linie, im Zirkel, und in die Quere, wie ein Pfeil, wie ein Geſtirn, oder wie ein fliegender Drache. Er iſts, der uns liebkoſet, verwundet, und heilet. Was unten iſt, iſt eben das, was oben iſt, und was oben iſt, iſt eben das, was unten iſt. Es wird einerley Wunder durch das Winkelmaß und den Zirkel auf einer Kugel, und in der Finſterniß durch das Licht thun: nicht zwar durch das Licht der Sonne, 170 der Sterne, des Tages oder der Kerzen, ſondern durch die Huͤlfe eines unſichtbaren Lichts, fo blaß und ſchwach ſcheint, ob es ſchon Kraft und Staͤrke hat. Dieſes Licht iſt die Laterne des Diogenes, und wir ſelbſt And die Fakeln dieſer Leuchte. Iſt cuer Herz nicht entzündet? Merke ihr nicht, daß es fo erleuchtet fen, als maͤre es lauter Licht? Habt ihr nicht den mächtigen Geiſt, der, ob er ſchon ruhig iſt, dennoch droht, mit dem Schlegel pocht, in einem Buche liest, ſich unterwirft, fortgeht, und in das Allerheiligſte hineintrilt? Seine funf Stützen machen nir eine einzige aus: dieſe iſt eckicht, rund, drey- und viereckicht. Die Welt wird untergehen, ihre Bruchſtucke aber werden uns treffen, ohne zu erſchrecken. Die Verblendung iſt vergangen, die Nachteule gelödtet; das Licht wird den Löwen zu Boden ſchlagen, und unterdeſſen doch durch den Löwen zerfiöret werden. Der Fuchs wird umkommen, und der, welcher ihn toͤdten wird, wird ein Fuchs ſeyn. Der Affe wird ebenfalls durch feines gleichen gefällt werden, Dieſe Wun— der werden auf dem Muſiviſchen Eſterrich durch das Muſiviſche Eſterrich ſelbſt geſchehen. Die fuͤnf Ordnungen, die Toskaniſche, Doriſche, Joniſche, Korinthiſche und zuſammengeſetzte, werden kuͤnftig einerley, und einander gleich ſeyn. Schweigt! Redet! Schweigt! Nein! Ja! ganz und gar nicht! Der große Erbauer der Welt gebe euch das Vaugeraͤthe, die Geſchicklichkeit, GE 171 die Gelegenheit, und Zeit zum Bauen. Wir woüen uns mit unſerm Vorſatze, unſern Kleidern, und Hemden umguͤrten. Amen, Amen. Wir wollen die Welt mit einem Hebel von ihrer Stelle bewegen. Wohin? In die Gärten von Engeddi. Aus was für Urſachen? Um ſie in der Wage zu wagen. Was wollen wir endlich machen? Wir wollen ſie fo theilen, daß die Linie, die Oberſlaͤche, und der Körper ſelbſt in geraden Winkeln ſcyen. Amen. Amen.— Neuaufgenommener Bruder, ich bitte, verzeihet mir! Der Geiſt, deſſen Hauch mir dieſe Rede eingeblaſen, hat ſich der Raͤthſel bedient. Ich will fie euch erklaren. Amen. Amen! meiſte r. Lieber Bruͤderdiener, ich habe euch alles, was von unſern Gebraͤuchen offendaret werden konnte, entdeckt. Jetzo will ich euch in wenigen Worten dasjenige, ſo ihr zu beobachten habt, und die Vortheile, die der Lohn dafür ſeyn werden, erklaͤren.— Selbſt der Name des Bruͤderdieners zeigt genug an, daß derjenige, der ihn fuͤhret, die Nothdurft und das Ver— gnuͤgen des Ordens willig befördern, und die Befehle der Loge, des Meiſters, und der andern Beamten, ja ſelbſt jedes Bruders beobachten muͤße. Indeſſen ſoll das, was man von ihm fordert, zum gemeinen Nutzen und Vortheil der Loge gereichen. Denn ein Bruͤderdiener iſt nicht verbunden, alle Befehle eines andern Bruders, als waͤre er fein beſonderer Diener und Aufwaͤrter, zu befolgen. Er darf ſolches nur in 5— 172— der Loge, und in dem, was deꝛu gehoͤret, thun; deraleichen die Verrichtungen ſind, die er ben der Aufnahme ſeiner Mitbrüder zu verwalten hat; die Sorge, alles zu reinigen und auszukehren, was an den Tagen der Verſammülung rein und ſanber ſeyn muß: die Bader mit friſchem Waſſer zu füllen: die Küche, und was zum Schmauſe gehört, zu beſtellen: den Vorrath und das Geraͤthe zu beſorgen: auf die Körbe, worinn die Menbeln des Ordens liegen, acht zu haben: die Thuͤre auf- und zuzumachen, daſelbſt Wache zu ſtehen, und alle Unheilige abzuhalten: den Tiſch zu decken und abzuraäͤumen: kurz, den Bruͤdern, fo oft fie beyſammen find, aufzuwarten. Außer der Loge werden ſiũe zu Bothen gebraucht, ſo daß, wenn etwas neurs und merkwuͤrdiges vorfaͤllt, der Meiſter, oder ein anderer Bruder es ſogleich einem Bruͤderdiener, der den Namen des Pedells fuͤhrt, aus: urichten auftraͤgt. Alsdann iſt feine Schulz digkeit, von Hauſe zu Hauſe zu gehen und jeden Bruder zur außerordentlichen Loge einzuladen. Ferner muß er im Fall, daß einige Mitglieder in Noth gerathen, auf Befehl des Meiſters das nöthige Geld ſammeln, und eintreiben.— Was die Vortheile der Bruͤderdiener betrifft, ſo habt ihr, außer der Ehre eicdn Mitglied des Ordens zu ſeyn, einen Gehalt, der alle Monate vorausge— zahlt wird. Wir bedanren, daß das Vermögen — 173 unſrer Loge uns keinen groͤßern Gehalt erlau— bet.(Er) Neunter Auftritt. Die Proklamation und Enttaſſung des neuen Brüͤderdieners.. Meiſter(ſchlagt dreymal auf den Altar, macht ſamt dem Zeichen des Brüderdieners die gewohnliche Verbeutzung, und ſpricht fer erlich:) Hochehrwuͤrdiger Großmeiſter des Ordens! Hochehrwuͤrdiger oberster Protektor! Hochehrwuͤrdiger Oberaurfcher! Hochehrwuͤrdiger orerſter Sekretär des Orbens He chehrwürdiger Groſmeiſter, Protektor, R Eäafſeher, und Sekretär der Ration!!! Peter Zimmerer iſt als Brůderdiener Koch, nach den Satzungen des Ordens, unter die Freymaͤurer aufgenommen worden. Aufſeher, beyde klopfen, bezeichnen, und verbeugen ſich, und wiederholen die Worte des Meiſters. Sekretär ſchreibt in ſein Buch zu den vorigen Worten nun auch dirſe hinzu:„ünd iſt auf die durch die Geſetze vererducke Art aufgensmmen worden.„ Rreiſter(ſchlgt dreymahl auf den Altar ꝛc.) Chrwůrdi ger erſter Auf her. d da die Aufnahrne des Brüderdieners geendet iſt/ ſo ähret ihn aus der Loge. Er) In England hat ein Brüͤderdiener monatlich eine Hu ine, in Deutichlend einen Dukaten, in Frankreich zwoͤlf Livr. in Holland einen Gußtden, und noch weniger. 174 mm Auf ſeher 1. zum zwey ten. Ehrwürdiger anderer Aufſeher, führet den neuen Bruͤderdiener aus der Loge. Aufſeher 2. Bruͤderdiener, kommt her!—— (ſtellt ihn hernach auf die Linie des Vierecks) Bruͤderdiener, macht allen Bruͤdern das Zeichen des Brüderdieners und die Verbeugung, und folget mir!— Nun fuͤhrt er ihn gegen die Thuͤre; die Bezeichnungen und Verbeugungen werden beyderſeits gemacht.)— Bruder Thurhuͤter, laßt den Bruderdiener hinausgehen; denn er iſt aufge» nommen. Thuͤrhuͤter. Bruͤderdiener, gehet hinaus und ſehet, was euch euere Mitbruͤder ſagen werden Ler klopft dreymal an die Thuͤre, oͤffnet fie, und ruft:) der neue Bruder iſt aufgenommen. Aufſeher 2. Ehrwuͤrdiger erſter Aufſeher, der Bruͤderdiener iſt hinaus. Meiſter, wie anfangs. Bruͤder, helft mir die Loge ſchließen! Aufſeher mund 2. klopfen, und wiederholen: Bruͤder, helft mir die Loge ſchließen. Meiſter.(Nachdem er alle Titeln hergeſagt) Brüder, ich will die Loge ſchließen.— Die Loge iſt geſchloſſen! Au fſeher 2. zum Thuͤrhuͤter: die Loge iſt geſchloſſen! Thuͤrhuͤter zu den aͤußern Waͤchtern: die Loge iſt geſchloſſen! 2 Be ſchluß des Erſten Rachtrages. So viel albern Zeug, fo baren Unſinn, ſo laͤcherliche, und alle Menſchheit entehrende Pedantereyen biſt du, lieber Leſer, nicht mehr muͤde zu leſen, als ichs auszuſchreiben bin. Hab zwar noch mehrere Nachträge in Petto, noch andere Tragikomodien, die ſich, wie dieſe Nikanor, nun Jakin, Boatz, iram, Adonai übers ſchreiben; die als wahre Bruchſtuͤcke des myſtiſchen oder beſſer ſchwaͤrmeriſchen Mittelalters, in die allegoriſche Welt des juͤngſt zu Paris verſtorbenen Erzmyſtagogen Court de Gebelin gez hören. Allein vor allem muß ich meinen Kopf ein bißchen ruhen, und den in der Loge beynahe verlohrnen Menſchenverſtand wieder aufſuchen laſſen. Haſt du nicht gleich alles verſtanden; ſo troͤſte dich damit, daß es mir um nichts beſſer ergieng; daß ſelbſt vieljaͤhrige Meiſter nicht alles deutlich zu erklaͤren im Stande ſind; daß endlich ſogar der ausgeſtochene Gottſeybeyuns, der doch eher den Menſchen vor- als nachſtudiert, ſich uͤber drey Stuͤcke vergebens den Kopf verbrechen ſoll, nämlich uber einige Oden Rlopſtocks, 176 öſtreichiſche Yrormaltabellen, und Sreymaͤurerſymboien. An der Authentizität, wie geſagt darfſt du nicht zweifeln; das Theaterſtuͤck, ſo von mir nicht viel mehr, dann die bloßen Ucber— ſchriften bekam, hat ſchon einmal die Öffentliche KBritik vaſſirt. Es ſey nun, daß es geſtern einige Logen ins Hochden t ſche uͤberſetzt, und nach der Haynatzu then, oder Adelungiſchen Orthographie verbeſſert haben; ja es ſey, daß fie hin und Mies der Abkuͤrzungen, wie ich ſchon Brüder wunſchen hoͤrte, wirthch anbrachten: fo bleibt es doch im Grunde einerley Myſiziſmus, immer dieſelben Hauptceremonien, welchen meine Ueberſchriften vorſtehen. Die Umarbeitung weſentlicher Stuͤcke verbiethet ihnen die Abſicht, eine Gemeinſchaft mit den auslaͤndiſchen Logen zu unterhalten, die nicht leicht eine Aenderung zulaſſen. Entſchlieſſen ſich einmal dieſe Sonderlinge von Menſchen, den alten Quark zu reformiren: ſagen ſie es laut, wiſchen ſie den offenbaren Flecken der Mittelzeit vor dem Publikum ab, und legen ſie einen vernünftigen chriſtlichen Plan vor die Augen der Welt! Die Wahrheit liebte allzeit die paradicſiſche Blöße ohne Deckmantel und Schminke, die ſich mit der vorgeblichen Philoſophie unſers Jahrhunderts gar nicht mehr vertragen ſollten. och mehr haſſet das Chriſtenthum jede Ver— ſchleierung der guten Lehre: ſeine Grund ſaͤtze von der evangeliſchen Geſelligkeit und Freyheit ſind AN —— ad 77 177 nicht em Licht, ſo unter den Metzen, ſondern auf einen Leuchter geſetzt wird, damit es denen allen leuchte, die im Haufe, in der großen Weltloge ſind. Es läßt daher ſein Licht vor den Menſchen leuchten, daß ſie die guten Werke ſehen, und den Vater preiſen, der im Himmel iſt. Doch was melde ich vom Chriſtenthum? Gleichwie die Freymaͤurerey gegen jede Sekte der Chriſten ſich gleichguͤttig anſtellt: ſo muß fie es nicht weniger überhaupt gegen das Chriſtenthum ſelbſt ſeyn, indem ſie ihre Sittenlehre, ihre Vorſchriften eines geſelligen Lebens nicht aus den Quellen der Offenbarung ſchoͤpfet. Wenn man den Beyſpielen trauen darf; nahm ſie nicht ſchon Juden zu Amſterdam in ihren Schoos auf, und ließ dieſe Feinde des Evangeliums uͤber das Evangelium Johannes den Eid der Verſchwiegenheit ablegen? Ich weiß nicht, ob der Logemeiſter, oder die Hebraͤer mehr Gleichguͤltigkeit durch dieſe That bewieſen haben. Wie gefährlich fur die Religion und den Staat ihre Grundſaͤtze werden koͤnnen, bezeugen die allerneueſten Beyſpiele der neapolitaner Frey: maͤurer, deren mehr als Machiavelliſchen Satzungen durch die öffentlichen Blatter der Zeitungs ſchreiber, die gewiß keine Bigotten ſind, belannt gmacht worden; die Beyſpiele der baieriſchen Fieymaͤurer, deren inſtiturmaͤßige Wider ſvenſtigkeit ſchon ein zweytes landesherrliche Verboth abgenöthigt hat; das Beyſpich der ſuchſiſchen 178————— Freymaͤurer, deren Mitglied das Ungeheuer des Horus zur Welt, und in die Loge als ſeinen väterlichen Stammort gebracht. Was Wunder, wenn Maͤnner, denen die Religion und das Wohl ihrer Nebenmenſchen am Herzen liegt, wider die Heckenmutter ſolcher Graͤuel von einem gerechten Zornrifer entbrennen, und ihre Vertilgung zu einer Zeit erflehen, da der Unglauben mehr als ehmals, und virlleicht durch ehen dieſes Mittel, um ſich greift, ganze Staͤnde verheeret, und dafür die Straſſen und Zuchthaͤuſer mit Boͤſewichten anfuͤllt? Ich gebiethe meiner Urtheilskraft, ich gebiethe ihr, ſo viel in meiner Macht ſteht, von gewiſſen Logen beſſer zu denken; aber wer nimmt mir den Verdacht, wer die Furcht, daß fie wenigſt nicht bald auch fo ausarten werden, wie es ihren gebrandmarkten Schweſtern in der Nachbarſchaft widerfahren iſt? Die ſchoͤnen Worte Sanftmuth, Wohlthaͤtigkeit, Menſchenliebe, Toleranz, die die Freymaͤurer ſtets im Munde führen, find noch lange keine zureichende Buͤrgen.„Vor ſolchen Leuten, ſchrieben die Mainzer Gelehrten Monatſchr. von geiſtlichen Sachen 1 B. 2 H.„ ſoll man ſich wohl Hüten, „Sie ſind öfters nichts weniger, als ſan ftmuͤthig, „ wohlthaͤtig, und menſchenfreundlich. Sie ſuchmn „nur jene geprieſene Eigenſchaften aͤuſſerlich zu „ affektiren, damit fie unter dieſer ſchoͤnen Maske „in geheim deſto ſicherer menſchenfeindliche Hand t- 179 „Handlungen begehen, und ihre giftigen Pfeile auf jene, die ſie ſich zur Zielſcheibe geſteckt haben, abſchießen koͤnnen. Dieſes iſt die abſcheulichſte, und gefahrvolleſte Politik der heu„tigen aufgeklaͤrten Geiſter! Hierbey bleiben fie „nicht einmal ſtehen. Ihre gottloſe Abſicht iſt „auch auf die gaͤnzliche Untergrabung der Ne„ligion und Tugend gerichtet. Um einen offe„nen und freyen Eingang in unverdorbene „Gemuͤther zu gewinnen, fuͤhren fie eine ganz „erhabene, und enthuſiaſtiſche Modeſprache von „ſchriſtlichen und bürgerlichen Tugenden. Das „durch erlangen ſie Kredit, und bemaͤchtigen „ ſich unerfahrner, gutmuͤthiger, und biederer „Seelen, foͤßen denſelben ihr Gift durch ihre „ verzuckerten Worte unvermerkt ein, und vera „peſten fie endlich dergeſtalt, daß fie ferner zu „guten Chriſten und Bürgern unfaͤhig, und „ohne Rettung verlohren ſind.„ Da ich dieſen Nachtrag noch nicht ganz vollendet hatte, erfuhr ich ſchon, daß mein Vorhaben, ſo ich nur in den Schoos weniger Freunde gelegt, bey der hieſigen Loge verrathen ſey. Wie! befand ſich unter jenen wenigen ein Freymaͤurer, der die natuͤrlichen Pflichten der Freundſchaft der Liebe feines Ordens zum Opfer brachte“ Nicht doch, es kann kein Freymaͤurer ſeyn; denn ſchweigen konnte er ſo wenig, als ich. Er glaube darum nicht, daß ich über das Ausplcudern gar N ——— ——— ¶ 86 fo böͤſe bin. Lichtſcheu war eben nie meine Seele, und alles, was ſie zu ſchreiben fuͤr gut fand. Traurig waͤre es wohl, aber eben darum meine beſte Rechtfertigung, wenn ſich das bewaͤhrte, was mir ein Namenloſer, vielleicht nach dem Auftrage der Geſellſhaft, daher ſagen laͤßt:— daß ſchon alle Stellen, und Dikaſterien von Freymaͤurern wimmelten. Soll ich denn glauben, daß eine ſolche Anzahl der ernſthafteſten Maͤnner, die erſt geſtern die vermoͤnchiſirten Skapuliere und Gürtel wegwarfen, dafür nun eine blaue ſeidene Schnur am Halſe, ein Schurzfell um ihre maͤnnliche Lenden tragen? Daß ſie ſich den Strick anlegen, in einer Badewanne wiedertaufen, den Eid eines ſtockblinden Gehorſams vorſagen: kurz, von einem Logemeiſter ſich am Narrenſeile fuuͤhren, und ſchaukeln laſſen? In unſern unglaubigen Zeiten, was muß man nicht glauben? Bald entfiele mir der alte Ausruf; o tem pora! o mores! oder, wie ihn die Modeherrchen nun geben, o Fauſtin! o achtzehntes Jahrhundert! Trotz aller ausgepoſaunten Toleran;, Des theuren mir die Kenner der Freymaͤurerey, daß wenn mich ihr bekannter Verfolgungsgeiſt nicht geradezu beſtuͤrmet, doch mein naͤchſter undedeus tendſter Fehltritt mit der möglichen Strenge geahndet, jede meine unterthaͤnigſte Bitte, obgleich ſie mehr um Billigkeit als Gnade fleht, «u. — 1 8 1 mit hundert und ein Gruͤnden oder ſchlechtweg ex plenitudine poteſtatis bey allen Stellen wis derlegt werden wird. Sie geben mir die troͤſtliche Zuſicherung, daß ich in Zukunft das Vergnuͤgen haben werde, mich in Geſellſchaften, wie einen Auswuͤrfling, verabſcheuet zu ſehen, als ein Haupt der Unheiligen tief gehaßt zu fühlen, und in allen Zirkeln und Winkeln verleumdet zu hoͤren. Ein Meiſter, der mir auf der Straße begegnet, wird uͤber mich den ſchrecklichſten Fluch herabmurmeln; jeder Bruder ſeitwaͤrts ſchauen und die Schritte vervierfachen, ja der letzte Brüderdiener in meine Fußſtapfen ſpucken. Endlich wird der mitleidigſte Menſch bey den immer neuen Schlaͤgen des Schickſals, die von der Hand der Freymaͤurer geleitet, ohne Unter— laß mich treffen, die Achſel zucken und warnend ſprechen:„Was giengen den Mann die Frey— „maͤwrer an? Es geſchieht ihm recht., O Servati! O Freymuͤurerey! ein neuer Ausruf, den man vielleicht bey mancher Scene meines kuͤnf— tigen Lebens wird wiederholen konnen! Indeſſen danke ich dem hohen Goͤnner, der mir die Aus— führung meines Vorhabens autmuͤthig widerrieth: und vernchere ihn, daß feine Warnung viel waͤ— ter zu meiner Wiſſenſchaft, als die erſte Schrift unter die Breſſe, kam. Jacta eſt alen! Nur noch eine Bitte an den ehrwürdigen Sekretär der hirſigen Loge, wie er immer heiße! Wenn je die N 2 182—— Stimme eines Unheiligen in dem Allerheiligſten erſchallen darf,— ſie koͤmmt von Mitternacht aus dem Chaos gegen den helleſten Mittag— Schreiben Euer Ehrwuͤrden mich, den Unheiligen, verlornen Mann, in das Buch der geheimen Offenbarung; dies kann ich nicht verwehren; aber bitten darf ich doch, daß die verdeckten Schriftzeichen der Freymaͤurer-Annalen folgen: den Sinn ausdruͤcken:„Erich Servati, ein „Feind der Freymaͤurerey, und aller Freymaͤurer Freund. ⸗/ Zweyter Rachtrag. tak ⸗Bena k, oder die Aufnahme eines Meiſters. In Briefen an meinen Freund in W.. Coelum ipſum petimus ſtultitia. Horat. Zweytes Schreiben. Mein 1g8unzaEL Verwundern Sie ſich nicht, daß ich Ihren thenerſten Namen in einem Winkelmaße ums ſchreibe. Seitdem ich es ſo in dem Briefe eines Eingeweihten beobachtet habe, bin ich von dies ſem Hieroglyphikum bis zur Bezauberung eingenommen. Sehen Sie doch! Ich und Sie be— ſtehen aus einer ſenk- und wagrechten Linie, machen einen geraden Winkel, 90 Grade, den vierten Theil des Zirkels; konnte ich Ihnen meine Freundschaft beſſer demonſtriren? Geheimnißvolle Figur! Darum ſtelle ich wirklich die beyden Fuße, in dem ich ſchreibe, in Form eines Winkelmaßes: und ſo oft ich den Kiel ins. Dintenfaß eintauche, bildet mein geſtreckter Arm mit der horizontalen Bruſt wieder ein Winkel maß. Dieſe Kunſt beſitze ich ſchon ganz, bis auf des Gehen; wozu ich von einem ordentlichen 1865 t Tanzmeiſter Lektion nehmen muß. Sie ſollten mich nun bey Tiſche ſehen, wie ich da mein Geſteck in ein Winkelmaß zu legen weiß, das Trinkglas winkelmaͤßig ergreife, mit dem Ellen: bogen ein zweytes, und zuletzt mit dem Glaſe ſelbſt und meiner Kehle ein drittes ſtrackes Winkelmaß hervorbringe! Denn Se ſollen wiſſen, daß man unter andern Stuͤcken der FreymaͤurerMimik aus dieſem Zeichen den aufgeklaͤrten Koſmopoliten erkennt; ſo wie eine ſenkrechte Linie mit einer durchkreuzenden Querlinie das alte Zeichen der Chriſten war. So erſetzt die Wahrheit den Aberglauben, das neue Manoͤvre das veraltete. Naͤchſtens werde ich die Ehre has ben, auch einen Brief in der geheimen Bruͤderſchrift, die um die Mitte dieſes Jahrhunderts in franzoͤſiſchen Logen üblich war, ſamt dem Schluͤſſel, zuzuſchicken. Die der deutſchen Bruͤder, die Wahrheit zu bekennen, hab' ich noch nicht ent: deckt. Liegt wenig daran; genug, daß ich Sie wieder einen der Kunſtgriffe lehre, deren ſich ehrlithe Leute bedienen. Woher ich alles dies ſelber lerne? Gewiß, nicht aus mir; denn ob ich gleich ſtark von Traͤumen geplagt bin, ſo glaub ich doch nicht, daß mir jemal der Gott Phantaſus ſo abentheurliche aegrae ſomnia mentis vorzaubern könne. Ich habe Sie ſchon im erſten Nachtrage verſichert, daß meine Nachrichten aus den Schriften und — 187 Ausſagen der Freymaͤurer geſchoͤpſt find, Itzt ſage ich noch mehr: auf meinem Zimmer paras dirt eine kleine Freymaͤurerbibliothek, die ich Ihnen, ſobald Sie mich mit einem Beſuche beehren, und jedem Freymaͤurer, der an meiner Rechtſchaffenheit zweifelt, zur Einſicht vorlegen werde. Kein Werk davon geht unter die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts; woraus Sie ſelbſt ſchließen mögen, wie wenig indeſſen habe abı geändert werden koͤnnen. Zur nähern Ueberzeugung beſchen Sie einige neuere Brochuͤren, z. B. in den Kupferſtichen des Herrn Schellenbergs nach Hollbeins Manier, die Schule der Verſchwiegenhcit, d. i. die Freymaͤurerloge, in welche der Freund Zein einen Novizen mit verbundenen Augen einführt. Selbſt Brüder der hieſigen loͤbl. Freymaͤurerloge zur edlen Ausſicht, wie ſie ſich ſelbſt in den neueſten Gedichten des Herrn Ratſchgi genennt hat, ließen ſchon manches durchſcheinen, oder entfallen, das mit den gedruckten Dokus menten völlig uͤbereinſtimmt. Wie viel mehr darf ich ihnen Glauben beymeſſen, da ſie ſchon ohnehin von Männern geſchrieben find, die fel ber vom Orden waren, und die Hauptlogen von England, Holland, Frankreich, und Deutſchland beſucht hatten? Ha! die Fähigkeit der Sprache iſt eine beſondere Gabe des Menſchen; die Nas tur, ſagt Horaz, effert animi motus interprete lingua: und da der Mensch feine Faͤhigteiten 135—— gern in Ausdbung bringt, könnten wir ihn ein ſchwatz haft es Thier mit größerm Rechte heißen, als Plato denſelben ein federloſes zweybeinigtes Thier nannte. Freund! kam es Ihnen je wahrſcheinlich vor, daß unter einer ſo großen Anzahl der Brüder, in einem ſo langen Zeit— raume, gar keine Renegaten, und Berraͤther entſtanden ſeyen!“ Credat Judaeus apella! Aber was thun die Br uber, wenn man ihre Mast: n aufdeckt? Sie moͤgen alles eher ſeyn, ls freymnüth:g; fie ſehweigen, oder laͤugnen; . alten Zeuzen laͤugnen ſie; und es ſcheint, einig- unter ihnen haben jenen Grundſatz der ſchwarzeſten Sekte, für deren Abkoͤmmlinge man auth die Freymaurer halten will, ganz angenom— men, ich meyne den gottloſen Grundſatz, den min in den bekangten Vers band: Jura, per— ura; ſecréetum pandere noli:„Thu Schwur auf Seinpur; verraih nur dein Geheimniß icht!, Allein wer kann das bloſe Laͤugnen für eine Tziderltan 3 der Klagen anſchen, welche mehr: ährige Fr ⸗hmaͤurrr gegen Freymaurer, rechtſchaſſene Männer gegen verdaͤchtige RottenmeiGew, und in mehrern Staaten gebrandmarkte ziedertreler der landesfuͤrſtlichen Verordnungen durch öffentlichen Drück bekannt gemacht, und bis zu ihrem Grabe nimmermehr wiederrufen haben? — 189 Ich fahre daher fort, ans den angezeigten Quellen, die alle Bemuͤhung der verrathnen Bruͤder zwar ſeltner machen, aber nicht völlig ver— ſtopfen konnte, ferner zu ſchoöͤpfen, und die ge— rechte Wißbegierde des gereizten Publikums daraus zu befriedizen. Naͤchſtens werden Sie, mein Freund, die Aufnahme eines Meiſters leſen, nachdem ich Ihnen vorher meine Gedanken über den Werth dieser neumodiſchen Brüͤderſchaft, und die Verbindlichkeit der paͤpſtlichen Verbothbullen werde vorgeplaudert haben. Ein neuer Beweis, daß ich eher Anſpruch auf den Namen eines Freymuͤthigen habe, dann alle die Brüder, die ſtets ſchweigen, und alle die Schwaͤrmer, die nur ſchreiben, was man heut zu Tage ohne alle Gefahr ſchreibt und mit Vergnügen liest, d. i. die inwahrheit. Doch ſchweigen werden diesmal die Bruder nicht. Sie ſcheinen bald alle Jahr-Monat- und Wochenſchreiber von dem hundertkoͤpfigen Verfaſſer der allgemeinen deutſchen Bibliothek bis zu dem zweymal entſohenen Mönch Winkopp in Sold genommen zu haben. Freund! mir wirds um kein Haar beſſer ergehen, als meinen Vorfahren. Die Brüder werden mich als einen Verleum— der ausrufen; und wenn fie recht gütig find, entweder zum Beweiſe, den ich ihnen ſchon ne ier undneunzigmale gab, oder zum Wiederrufe, d ohne Zernichtung des Beweiſes. 198— unmoͤglich iſt, unter ſchaͤrfſten Bedrohungen herausfodern. Das iſt ihr alter, abgenutzter Kunſtgriff, den fie juͤngſt wider den baieriſchen Warner erneuerten, aber itzt durch obrigkeitliche Ahndungen zu Schanden gemacht ſehen, und buͤßen. Ich wuͤnſche ſehnlichſt, daß Rarl Theodor theils zu ſeiner eignen Rechtfertigung, theils zur fremden Warnung die ſchaͤndlichen Grundſaͤtze, und die fuͤr ſeinen Staat daher ſchon erfolgten, für andre Staaten wenigſt möglichen Gefahren der Freymaͤurerey allgemein bekannt machte. Vielleicht wird er es nicht thun, weil er weiß, wie ſpitzfindig die heutigen Vertheidiger der züz gelloſen Freyheit jede unbedeutende Muͤcke auf dem Konzept eines Kriminalrichters zu einem Elephanten vergroͤßern, und ihren ungerechteſten Widerſpruch mit den taͤuſchendſten Mißfarben der Menſchenliebe und Gerechtigkeit beſchminken; weil ihm der abgedroſchene Einwurf nicht unvorgeſehen ſeyn kann, daß feine Freymaͤurer hoͤchſtens ausgeartete Brüder waͤren, folglich ihre Ausſchweifungen den uͤbrigen Mitbruͤdern zu keinem widrigen Vorurtheile gereichen möchten. Mit deſto größerm Rechte verlanget das erwartungsvolle Publikum, daß der ſaͤmtliche Koͤrper der Freymaͤurer eine wahrhafte Beſchreibung ſeines Inſtituts jeder unaͤchten, ausgearteten, unterſchobenen, und verleumderiſchen an die Seite ſtelle, und alſo ſeine Mitmenſchen vom gegruͤn . — nam 191 deten Mißtrauen, die Regenten hingegen von der erprobten Gefahr befreyc. Kleine Abaͤnderungen, die man entgegen vorgeben wird, kön— nen es auf keine Weiſe beruhigen: ihm liegt wenig daran, ob z. B. die Bruͤderdiener per immerſionem, infuſionem oder afperfionem ge— taufet werden, und ein ganzes, oder nur ein Viertelbad bis uͤber die Waden brauchen: ob man den Lehrling bey der Aufnahme noch das Knie entbloͤßen, und einen Schuh als einen Pantoffel niedertreten heiße? Der Endzweck und Gegenſtand, die Satzungen und Regeln ſind fein vorzuͤgliches Augenmerk. So lange man dabey nur den ſtummen Advokaten ſpielt, und alle ſchon hundertiaͤhrige Terminen vorbeyſtreichen laßt, hat es Grund, nicht nur jenen gedruckten Dokumenten, ſondern auch andern weit unſiche— rern Geruͤchten, ex capite contumacis ſilentii, vollen Beyfall zu geben. Meine Stimme iſt alſo die Stimme der ſaͤmtlichen profanen Welt, die conzentrirte Menſchheitsſtimme gegen einer kleinen, unbedeutenden Portion ihrer Mitbürger: „Redet! Bekennet! Iſt eure Sache gut: ſo laſſet uns, eure Bruͤder, Antheil nehmen; wo nicht, ſo verdenket uns nicht, daß wir euch als Boͤſewichte oder wenigſt gefaͤhrliche Leute anſehen, und vermeiden.„Sehen Sie! Hier iſt mein Creditiv, hier meine Vollmacht! SEE [mamma 192 Ja in allem Ernſte,— bey dem hoͤchſten Bau, meiſter der Welt!— hey dem Wohl der menſch— lichen Geſellſchaft!— bey der Ehre der ſaͤmtlichen Freymaͤurer-Clubb! ich fodere im Namen des Publikums, die Brüder ſamt und ſonders;— doch nein! ich fodere nur vieljaͤhrige und bis zur innerſten Meiſterſchaft gewanderte Brüder auf, die allein aus der unzaͤhligen Zahl der Lehrlinge und Geſellen das wahre Geheimniß wiſſen kön— nen, und muͤſſen:— daß ſie uns in einem ausführlichen, redlichen, und ehrlichen Manifeſ von ihrem Endzweck und Gegenſtande, von ihren Satzungen und Regeln, von ihren geheimen Ge— braͤuchen und Deutungen, ſicher und ſorgenlss zellen; vor allen aber einen förmlichen Eid we— gen anerkannter Ungiltigkeit ihres Freymaͤurereides ablegen, und zugleich geloben wollen, hin— fort zur groͤßern Sicherheit keine geheime Zuſani— menkuͤufte, Briefwechſel und Preſſen mediate und immediate, cis und trans Rhenum, und wie immer die Ausſuͤchte heißen mogen, durch ſich oder andere zu hatten. Zuletzt nenne die fo kennbar, wie der meinige auf dem Titelolatte ſteht. Sollten fe aber den Eid ber deim höch— ſten Baumeiſter der Weir voerabſcheuen, den auch wirklich einige Logen, wider dere Ordens, regel, entweder als eine For. ne litet, oder aus * Gewiſſenhaftigkeit unteclaſſn; ſo ſchwören ſie — 193 wentgſt, wie die, bekannten Schwaͤrmer in Hol— land;— bey der menſchlichen Lahr pri Die Ant! ge iſt nichts geringers 5, als daß die loͤhliche Freymaͤurerey, wie vorhin eine Werk— ſtäte der Roſentreuzer und Alchiniſten, ſo nunmehr die Pflanzſchule der Freydenker, und Deiſten unter dem ſioljen Vorwande der To— leranz und Wohlthatigteit ſey. Dies ſcheinet, wie im zweyten Geſpraͤche bewieſen worden, die Vermengung aller Sckten nothwendig mit— zubringen; dies bezeugen theils oͤffentliche Urkunden, iheils glaubwuͤrdige Werle von den Nea— politaniſchen, Saͤchſiſchen, Preußiſchen, und bat riſchen Logen; dies beſtaͤtigen ihre eigne Win— elſchrifien, die ſie untereinander wechſeln, und zuweilen zu den Ungeweihten tranſpiriren laſſen. Ano kein Vorurtheil, ſondern ein auf Thatſachen gegründetes Nacht: rtheil! Ich übergehe her die Angelegenheiten des Staats, und ſchraäͤn— te mich allein auf die Religion,(li eine Grunö— veſte aller Staaten, ein. Viele behaupten, daß dieſe, ich verſtehe die geoffenbarte, nicht bloß natuͤrliche Religion, um aller Zweydeutigkeit der Bruder ſprache vor— zubecugen, daß dieſe allein wahre und beſtimmte Art, Gott zu verehren, durch die Aufhebung famtlicher Bruͤderſchaften großen Schaden ges litten habe: aber ohne Vergleich gewiſſer iſt es, daß ſie in jedem Verſtande durch die Zerſtöͤrung 194[nm der noch einzig beſtehenden Bruderſchaft der Freymaͤurer gewinnen wuͤrde. Freund, Sie werden ſich erinnern, ich beruͤhrte ſchon einmal dieſen Punkt. Run dachte ich ihm reifer nach, und zog zwiſchen beyden folgende Vergleichungslinien: Die aufgehobenen Die geduldete Geiſtlichen FreymaͤurerBruͤderſchaften. Bruͤderſchaft. A. Errichtung und Fortgang. a) mit Erlaubniß⸗⸗⸗ a) ohne Erlaubniß; b) Beſtaͤtigung⸗⸗⸗ b wider Verboth; C) und Schutz geiſtlich c) oder unter bloßer und weltlicher Obrig⸗ Duldung geiſilichkeiten. und weltlicher Obrigkeiten. B. Endzweck und Gegenſtand. a) Jedem Mitgliede= a) außer der Loge niemand, b) und Nichtmitgliede b) ſelbſt vielen in der allbekannt.= Loge unbekannt. C. —=] C. Verſammlung und Zuſammenkunft. a) in oſſenen Bethhaͤuſern/ 2 2 8 7% 3 b) und Kirchen;== C) bey Tag... a) in ver ſchlo fenen Privathaꝛ ſern, b) und Winkeln; c) bey der Nacht. D. Satzungen a) in oͤffentlich gedruckten ö 22 2 2 b) und allgemein kaufbaren Bruͤderſchaftsbůchelchen.= und Regeln. a) in Produkten der Winkel preſſen, b) und allein fuͤr die Brüder kaufbaren Freymaurerbuͤchern. E. Nitglieder. a) Katholiken; b) von jedem Stande, Geſchlecht und Alter; a) alle Religionsſekten, die mehreſten Freydenker, oft erklaͤrie Religionsfeinde; bh) mit Ausſchluß des weibl. Geſchlechts; O 25. ) Viele der angeſehenſten Vorſteher der Kirche; ⸗. a) die mehreſten From— men... Chriſtkatheliſcher Unterricht ind Aredigt. 5, Prozeſſiouen durch die Stadt. Willlührin hes pe fer ber der Aurn ahn, und hoͤchſtens zwen— mal des Jahrs. ) Ein? Mahljeit im Jahr fuͤr die Vor— ſtrher.© ——— ¶ we ö BE rige und meiſtens är. i* ö eſter, . Ceremonien und Gebräuche. ) Bridertater. 1a3uns nnd Vorieſumgen über Freydenkereh und Deiſinns. b) Prozeſſionen um dit Loge oder Bodenſtgu⸗— ren. ö taxirte Einlage ron 3 bis 190 Cou: s*r ind drüber bey der Aufnahme, ferner monatlicht und außerordentliche Collekicn. d) in vermoͤglichen Lo— gen mit jedem Con— vente ein Schmaus. — a ) Außer dem Brüder: Krone kein geheiies Einverſtaͤndnis; in der Geſeliſchaft keinẽ ne Sonderdarkeiten.* 10 e) außer der Loge ein gehrimes Ei: verſtaͤndniß durch Brirfwechſei mit In- und Auslan— dern; in der Geſell. ſchaft beſondere Zei— chen, Geberden, und Loſungsworte. G. Geraäathſchaften. czürtel⸗· 2= 2 2 Efapulier 2= Bethſchnur⸗=© Kreuze Fahnen ö Bidnie= 2 Schilde Kerzen£ 2© z 2 w w. Weihbrunnen⸗Mitar 2 2 2 2 Bruͤderſchaftsſtaͤbe Regelnbuch: c. w. * uw v v w M Schurzfell, Handfeſſel. Seidene Halsſchnur, Augenbinden. Bꝛeyſchnur und Stricke. Dreyeck, und Winkel maß. Die Wappen. Die Bilder der Loge. Klöppel und Kellen. In drey Lichter in Ges ſtalt eines Dreyecks. Badwanne. Logenaltar. Die bloſen Degen. Bibel oder das Evangelium Johannis.: c. O 2 198 t— Es waͤre eben kein außerordentlicher Witz, noch mehrere Linien zu ziehen, wenn man das Gehaͤßige nicht zu ſehr zu befuͤrchten haͤtte, und ohnehin in dieſer kleinen Tabelle zum Nachdenken Stoff genug laͤge. Die Wahrheit erzeuget Haß; aber bey Ihnen, ich kenne Ihr edles Her;, gebiert ſir mir nur mehr Liebe. Wie glücktich ſchaͤtzte ich mich, wenn ich dieſe auch mit frenidem Habe verdienen koͤnnte! ——— NW*7 3 Drittes Schreiben. Der Fuͤrſt zu N.. empfahl, vor feiner Reiſe in fremde Lande, ſeinen noch minderjaͤhrigen Prinzen einem Obriſthofmeiſter, und einem ans geſehenen Abbee. Jener ſollte die hoͤchſte Auf— Acht uber die phyſiſche und politiſche Erziehung, dieſer uber die Religion und gute Sitten tragen: beyde bekamen eine unumſchraͤnkte Vollmacht, aber zugleich den Auftrag, in dem, was nicht anders als gemeinſchaͤftlich koͤnnte ausgeführt werden, einander treulich beyzuſtehen. So lautete der ausdruͤckliche Befehl des Fuͤrſten; und er ließ noch ein gnaͤdigſtes Handbillet zurück, fü der Prinz bis zu ſeiner Ruͤckkehr aufbewahren, und befolgen ſollte. Als der Prinz es aufbrach, las er darinn:„ Gehorſame deinen Vorgeſetzten! Thu, was jeder befiehlt; denn wiſſe: wer ihnen gehorchet, der gehorchet mir. j Nicht lange nach der Abreiſe des Fuͤrſten ſieng der Prinz an, ſich mehr und mehr Freyheit anzumaßen: beſonders kam ihm der Gehorſam gegen den geiſtlichen Vorſteher bald ſchwer und unertraͤglich vor. Unter andern entfernte er fich * 3———— öſter einige Stunden des Abends; und man erfuhr, daß er zu den Söhnen der Heſöakeyen in das Zimmer ſchlich, und alle Thürcn hinter ſich verricgelte. Eine fo gehrime und ung! eiche Verbindung mußte den Abber aufmerkſam machen: er ſtellte den Prinzen darüber zu Rede; dieſer ent— ſchuldigt ſich, und antwortet, fc pflegten unter ſich einen untadeihaften Wandel.—„Was der Endzweck, was der Gegenſtand ihrer gehrimnif— vollꝛn Verſammlung ſey?,— Hier verſtummte der Prinz, und erſt nach langem adringen vers ſctzte er:„ Er habe einmal{ein Faͤrſtemwort „gegeben, von allem dem, was darin „vorgehe, nichts zu bekennen., Man ſtelle ſich vor, wie unzufrieden mit dieſer Antwort der Abbee war! Alle feine Vorſtellungen verſiengen nichts. Das her, als der Prinz wieder zur beſtimmten Stun— de beym Religionsunterricht erſchien, verſagte ihm dieſen der nin ernſthaſtere Asbee:„der „Unterricht, ſprach er, tauget nur den Ge— „horſamen: der Prinz hat noch die allerer„ſte Lektion zu lernen, die heißt: man verſchweige nichts den Vorgeſetzten, und letz „ſte ihrem vernünftigen Verlangen in allem Folge.. Dieſer Verweis ſchien dem Prinzen nahe zu gehen; aber fein Fuͤrſtenwort wollte er doch nicht brechen: er ſchwieg wie zuvor, und 1er — — a 281 fuhr fort, die geheime Gefellſchaft, al incognito. wie er ſante zu beſuchen. Es und nich: in der Macht des Abbec, Die phyſeſche Freyheit des Prinzen einzuſchraͤnken; ayınal befürchtete er, die laͤngere Verſagung Des Unterrirhts wurde ihm vielmehr zum Nachtheil, als zu einem Arineymittel gereichen. Deſſentwe. gen begab er ſich, der Vorſchrift gewaͤß, zum Obriſthofmeiſter, trug den ganzen Hergang vor, und bath um Beyſtand. Dieſer davon betroffen, und innigſt beſorgt, der ganze Charakter des Prinzen mochte durch eine fo ſeltſame Verbruͤderung Gefahr laufen, gab ſich zuerſt Muͤhe, von dem eben das Geheimnis zu erforſchen, und da er nicht glücklicher war, als der Abbee, ergieng an alle Hofdediente der gemeſſenſte Befehl, bey Veriuſt des Dienſtes die geheime Verbindung zu trennen; dem Prinzen ſelbſt geboth er, ſeinein Religions- und Sittenlehrer unterthaͤnig zu ſeyn, und in Zukunft keine Geſellſchaft wider fein Wiſſen, und Gutheißen anzuzetteln. Was meynen Sie, mein Freund! wird wohl der Fuͤrſ, wenn er zuruͤckkehrt, das Verfahren beyder Hofmeiſter gutheißen, und beſtaͤtigen?— Da ſehen Sie eine Abbildung der Geſchichte der zwo vaͤvſtlichen Verbothbullen contra i liber Muratori oder Franc. Macons! Die Benennung eines Obriſthofmeiſters und Abbees darf Sie nicht irre machen, wenn Sie unter der Per ſan 2012 des Füͤrſten ſich denienigen denken, der alle Bez wait auf Erden bekam, aber bevor er gen Him— mel fuhr, fie unter zwo Mächte theilte, und feine angenonr mne Kinder ſo dem Kaiſer, als Gott, fü* Kirche, als dem Staate in feinem Nas men zu gehorchen befahl.- Die Vorſteher der Kirche ſahren die an ſich verdaͤchtigen, von den angeſehenſten Mannern verworfnen, durch lan— desherrliche Versrdnungen verbothnen Zuſammen— künſte der Freymaͤurer mit j'dem Tage zunehnien; wie durften die Lehrvaͤter ſchweigen? Sie verlangten ihr Inſtitnt kennen zu lernen; wie durften ſich gehorſame Kinder der Kirche veigern? Und doch weigern ſie ſich bis auf die gegenwartige Stnnde, ſetzen den tahlen LogenEid dem Eide des Grbrrfams, ihr gegebnes Wort dem Gottesworte entgegen. Was geſchah nun billiger, als daß die Kirche das alte Zuchtmittel wieder ergriff, und die mit dem ſtum men Teufel (EErlanden mir die Brüder dies Wort wenigſt als cine Neander zu brauchen!) beicfene Kin— er von ſich zu ſioßen, bis daß ſie abſtehen, und ſich unter nerfen wirt en? Dees thaten die Paͤpſte Cleniens XII, und Benedikt X; fie thaten es zu ciner Zeit, wo die Bruͤder ſelbſt proteſtantiſchen nnd katholiſchen Staaten gefaͤhrlich ſchienen; da die Loge mit dem Gefaͤnsniß, dort das Vater— land mit verſchiednen Verweiſungsoͤrtern vertau— ſchen mußten. —— 203 Ich finde nichts tadelwürdiges, nichts unge— rechtes in ihrem ganzen Verfahren. Die Kirche hatte Gründe genug, die Freymaͤurerey zu vers werfen; fie hatte alſo auch das Recht, dieſlbe zu verüicthen; obwohl ſie weder Vollmacht, noch Mittel, einen koͤrperlichen Zwang anzuihun, be— ſitzt, und darum des weltlichen Armes, oder der Fuͤrſtenhuͤlfe bedarf. Ihr Reich iſt nicht von dieſer Welt, das iſt, ihren Nichkierſtuhl umgiebt kein ſo blendender Glan, wie jenen der Welt— regenten: die Ucbertretung ihrer Gente verfol— gen keine fo ſichtbare Strafen, wie in der ls diſchen, und erſien chriſtlichen Kirche zu Jeruſa— lem geſchah. Indeſſen wirken vor Gott ihre Verbothe, fo lange feine Worte, die Kirchenſtra— fen, fo lange ihre VBerbothe danuren. Wer ſoll es gleuben? Wird wohl der Herr eine ſelt ſt— mitgetheilte Autoritaͤt entweder in Anſchung der Menge der Uebertreter; oder aus Nachſicht gegen einen von Freydenkern, und ſalſchen Toleranz propheten verführten Fůͤrſtenhof, unwirkſam und kraftlos, das Urtheil feiner apoſtoliſchen Kirche unerfuͤllt, und ohnmaͤchtig ſcyn laſſen? Nein; der Excommunicirte trägt in den Augen Gottes das Brandmal des Kirchenfluchs mit ſich herum, er wandle in oder außer den Mauren des mate— riellen Kirchengebaͤudes. Er nimmt feinen An— theil mehr an den geiſtlichen Verdienſten der Iehendigen Kirche: alles, waß er thut, iſt tobt, wie er ſelbſt. Doch ich gerathe in einen unnöthigen Zornei— fer; ich wöiß feinen chriſtlicken Hor, der jemals durch eine ſoͤrmliche Verordnung die nächtliche Truppe der Freymaäurer zu berzchtigen für gut fand. Eine verabſcheunngswürdige Brut dec— ſelben; die Illuminaten, und minervalen— ſekte vortilate ſelbſt ans feinen Staaten das große Fuͤrſtenhsupt, Joſeph I. Mit deko groͤßrer Verwunderung las ich in der berühmten Main— zermonatſchrift von geiſtlichen Sachen, mont. Jun., daß der Verfaſſer der zten Nachricht S. 720 geradezu behaupte, die Sage, welche noch nicht lange durch einige Zeitungen bekannt worden, daß Stine Majeſtaͤt der Kaiſer in den oͤſtreichiſchen Landen die Frenmaͤurerlogen beſtaͤtigt, und in beſondern hoͤchſten Schutz genom— men habe, ſolle nicht un zegruͤndet geweſen ſeyn. Wenn man auch keine Zeitungen gegen Zeitungen. ſtellen könnte; welchen Grund liefert überhaupt ein Zeitungsblatt? Schade, daß dieſer auffallende, und vielleicht(Er verzeihe mir dieſes Wörtchen, mit velchem er ſelber noch groͤßere Beſchuldigungen daſelbſt erzaͤhlet!) vielleicht von einem maͤchtigen Gönner der Freymaͤurer abgedrungene Wies derruf um einige Wochen fruͤher kam, als neue Beweiſe für den baieriſchen Warner in den mic: derholten Verbothen und vollzognen Strafgeſetzen — 205 von Seiten des pfalzbaieriſchen Hoſes erſchienen! ilnd ſiehe, wie ſchnell ſich die Windfahne der Zeitungsſchreibtr gewendet hat! Sogleich hieß es bey ihnen, daß ſchon viele das nämliche Schick= Jul den Treymaͤurern in Oeſterreich prophezeyhten. Til wäre der Verfaßer, nach ſeiner Logik zu ürtheilea, nun einen Wiederruf feines Wieder— en ſchuldig. Die ſaͤmtlichen Bearbeiter dieſer ren beliebten und aufgeklärten Manatſchriſt möz gen ſclkſt erachten, od ſie ſich nicht durch der— gleichen Verbeſſerungen, ohne ihre einne Gründe zu widerlegen, den ſchon einmal gemachten Vor— wurf einer varteyiſchen Hof- und Modetheo— logie mit Recht zuziehen werden? Wahrhaftig, die Erjeſintten, denen ihr Nachrichter alle Schuld des verſchrienen Freymaͤurerordens beymeſſen will find noch fo thaͤtig, als es die Jeſinten waren. Man zernichte ſie auch, wie man dieſe aufhob! Es geſchah: in Baiern jagte man ſie von allen Kathedern und ſetzte ſie außer der Sphaͤre der Activitaͤt. Und dennoch ſollen ſie einen fo ſtarken Einſuß in die Hof- und Staatsgeſchaͤfte beybehalten haben? Auch im Staube kruͤmmet ſich noch der ſterbende Wurm? Recht ſo; dies liest, und glaubt man gerne. Kein Uebel kam ohne ſie in die Welt; derſelbe Wurm, man glaube es dem Dorfſchulmeiſter war die verfuͤhreriſche Paradiesſchlange; und wer die peinliche Ohrenbeicht unter den Kathealiken einführte, war, wie es im letzten 206— Stuͤcke der allgemeinen deutſchen Bibliothck ges druckt ſteht, der tyranniſche Jeſuitenorden. Rifum teneatis, amici! Uebrigens, daß die Treymaͤurer die paͤpſilichen Bul. en nicht befolgen, dies darf Sie, mein Freund, gar nicht befremden. Wenn fie vor 50 Jahren dieſelben nicht amnahmen, ſo werden ſie, nach der itzigen Herabſetzung des Kirchenhaupts, oder des 3zNäannes am Capitolium, wie unlaͤngſt ein Bruder eine ſogenannte Ode üserſchrieb, ſie gar verla ben, und unter die Füße treten. Wie koͤnnen Sie von ihnen Gehöorſam gegen Biſchoͤffe fordern, den die Landesfürſten, mit Androhung der aßeing: fürchteten zeitlichen Strafen, niemals erhalten haben? Thereſta hatte die Logen verbolhen; und iuͤngſt pralte ein andrer Bruder, daß ſie dieſelben in Geheim immer fortgeſetzt. Rarl Theodor unterſagte ſie zum zweytenmale; und die Widerſpaͤnſtigkeit des Ordens zwang ihn, nach der Schaͤrfe und Strafe zu greifen, Man nenne nur einen Staat, in welchem er nach dem obrigkeillichen Verboth gänzlich verloſchen iſt. Auſ der ganzen Karte von Europa finde ich keinen, außer dem Bezirke der Inquiſi— tion, die, ohngeachtet ihrer ungegruͤndeten und oft harbariſchen Verfaſſung, dennoch der Menſchheit zuweilen eine Wohlthat erwies; hinc illæ lacrimæ! Daß aber dieſe Veraͤchter der kirchlichen und weltlichen Autoritaͤt in andern Provinzen ——“—— Ad D CD AA)— mr auch untadelhafte Laien in ihre Metz, locken, wird leicht begreiflich, wenn man bedentt, wie fein einerſeits ihre Kunſtariſſe, anderſeits wie groß die Unwiſſenheit mancher Frommen in Kirchenſachen iſt. Sie ſprachen ja ſogar aufge kiarte Geiſtlichen und Pralaten an, deren ausge— zeichnete Gottesfurcht, auferbauli zer Wansel, und geprüfter Gehorſam gegen die Kirche allge— meinen Glanz verbreiten. Gewiß geſchieht dies nicht allein in der Hoffnung, durch eine erſchli— chene inwilligung ſich eines Theils ihrer reichern Einkuͤnfte zu bemaͤchtigen, ſondern vielmehr um in dem Falle einer abſchlaͤgigen Antwort, we— nigſtens dem Publikum vorzuſpiegeln, ihr Inſiitut muüße nichis ſo ſchlimmes enthalten, als es bisher vermuthete: ſonſt würde man nicht mit einer ſo offenen Stirne ſeine bewaͤhrteſten Tugendlehrer darum anſuchen. Ich habe Ihnen ſchon einmal gemeldet, mit welcher Unverſchaͤmtheit fie ſelbſt den gelehrten Papſt Benedikt XIV als einen wahren Freymaͤurer den Einfaͤltigen vormalen. Weit anders betrugen ſich die froͤmmern Katholiken in Deutſchland, als Clemens XII im J. 1736 durch eine Bulle an die allgemeine Kirche, die nachmals ſein Nachfolger nach dem ganzen Inhalte beſtaͤtiget, alle Bruͤder und Goͤnner der Bruͤder in den Bann gethan hatte. Freylich gieng es auch dabey zu, ſo wie Horaz von den ungeſchickten Kuͤnſtlern anmerkt: in Vi 20%— tium ducit culpae fuga, fi caret arte, Dein da nicht alle ſich entſchließen konnten, die Annehm— lichkeiten zu entbehren, welche ſie in dieſem Orden zu finden ſich geſchmeicheſt hatten: ſo machten ſie den Entwurf, eine nene Geſellſchaft zu errichten die, ohne dem Bannſtral des Vatikans ansgeſetz! zu ſeyn, den Berluſt der vorigen wieder verguͤten ſollte., Man muß auch geſtehen, ſagt der „Geſchichtſchreiber von dem Geheimniß der „„Mopsgeſellſchaft, daß ſie in dirſem Stuͤcke „ihr Muſter weit übertrafen. Sie far in „der Perſon eines der durchlauchtigſten Regenten „des deutſchen Reichs einen Beſchützer, und „nahmen einen der maͤchtigſten Herren in Deutſch— „land zu ihrem Obermeiſter. Man kann ſagen, „daß auch die Wahl ihrer Glieder vollkommen „damit uͤbereinkam, wenn man nach einer von „ihren Logen davon urtheilen darf, die ich in „Frankfurt ſah, und die aus Perſonen von „dem vornehmſten Range beſtund. ,, Vielleicht find Sie luͤſtern, dieſen neuen Mus: wuchs des geſellſchaftlichen Triebes, die Mops— geſellſchaft, naͤher zu kennen. Sie machte in kurzem viele Proſelyten, und verpflanzte ſich von Denuſchland nach Frankreich, Holland, und Großbritannien: gewiß gehört ſie in die Geſchichte der menſchlichen Thorheiten, und fie verdiente in Brants nuͤbem Schapff von narragoniga die naͤchſte Kammer an der Freymaͤurerloge. Ich * ————— —— 2— 209 werde fe Ihnen kurz ſchildern, in ſo weit ſie von der Kellen-Clubb abwich. Sie ſetzlen alſo, nach dem Beyſpiele der Freymaͤurer. Verord— nungen auf; erfanden ein Wort und Zeichen, beſtimmten Ceremonien für die Tafei und Auſ— nahme, und ernanuten Ordensbegmte. Woher aber ein neues Sinnbild? Weil die Treue und Ergrbenheit das Weſentliche ihrer Geſellſchaft aus— Iten, ſo nahmen ſie das treueſte Thier, den und, zum Pendant, und gaben ſich, um der verhaßten Benennung der Cyniker auszuweichen, den Namen znops, welches in Deutſchland eine Art kleiner Doggen bedeutet. Ihr Stifter, Des merktet der obige Geſchichtſchreiber, hatte vers muthlich cine Vorzugsliebe gegen dieſe Gattung von Handen: denn ſonſt war es wenigſtens eben fo naturlich, einen Waſſer- oder Budelhund zu wählen, der aus dem ganzen Hundsgeſchlechte für den getreueſten gehalten wird. Alle die Glieder mußten römiſchkatholiſch ſeyn: obwohl ſie bald in dieſem Stucke ſehr nachgiebig geworden, deſſen Beobachtung ſie nichts deſto— weniger verſprachen. Sie foderten keinen Eid der Verſchwiegenheit, ſondern ließen den Neuling bey ſcinem ehrlichen Namen und Worte betheu— ren, daß er die Geheimniße der Geſcuſrhaſt nicht offenbacen wolle. Ein dritter Grändartikel der Mäuceres die Lusſchiieſſung des ſchoͤnen Ges ci, icchts, ward gleichfalls abgeändert, Man ———— ————— weiß welches Weheklagen über dieſe Grauſamkeit das Frauenzimmer durch ganz Europa ertönen ließ. Die Mopſe nahmen daher Anſtand, ſo furchtbare Feinde ſich über den Hals zu ziehen. Sie waren darinn galanter, als die ungeſchliffene Maͤurerzunſt, die alle Grazien verbannet. Man befoͤroerte ſie ſogar zu den Ehrenſtellen und Wür— den, außer des Obermeiſters: ſo daß in jeder Loge zween Logenmeiſter, ein Großmops, und eine Grosmoöpſinn waren. Ueberhaupt voraus derte man die Beamten alle halbe Jahre, und wahlte allzeit einen Chapeau, und eine Dame für jede Stelle. Die Regierungszeit ward alſo getheilt. Die Loge wurde 6 Monate von dem Großmors, und ſechs Monate von der Groß— moͤpſinn beherrſchet, doch fo, daß jeder Theil die Aufnahme ſeines Geſchlechts allein zu beſorgen hatte. Uebrigens gab es unter ihnen, außer den Bruͤderdirnern, keine verſchiedene Grade der Lehrjungen, Geſellen, und Meiſter. Freund, urtheilen Sie ſelbſt, ob ſie dem paͤbſtlichen Verbothe damit voͤlliges Genuͤgen gethan. Denn pflogen fe unter ſich eine bloße buͤrgerliche Vereinung; ſo hatten ſie keinen Grund, die Proteſtanten auszuſchlirßen. Dieſe war nicht, und konnte auch nie der Gegenſtand kirchlicher Verordnungen ſeyn. War es hingegen eine religioͤſe und ſittliche Verbindung; wie durften fie nach jenem natuͤrlichen und göttlichen Geſetze, 211 Geſetze, einen ketzeriſchen Menſchen ſollſt du meiden Tit. 3, 10. darinn nachgiebig und gleichgiltig werden? Was die Unterlaſſung des Eides betrift, ſo verpfaͤndeten ſie, anſtatt des göttlichen Namens, ihren eignen; und wenigſt blieb ſo die Wirkung dieſelbe: denn wer weiß nicht, wie heilig der Wohlerzogne auf ſeine Ehre haͤlt? Eine ſo heilige Verbindlichkeit des Stillſchweigens mußte dann in den Augen des Volks die Zulaßung des Frauenzimmers nur verdaͤchtiger machen. Solche Beweggruͤnde, ſamt dem noch mehr entehrenden Sinnbilde eines Doggen, konnten dem Orden keine Dauer verſprechen; und vielleicht kommt es daher, daß er ſchon eine lange Zeit vergeſſen, und von der erſtgebornen Freymaͤurerey feiner angemaßten Regierung wieder entſetzt worden. Ich fürchte, Sie durch die Erzaͤhlung ihrer Lappereyen zu ermuͤden. Die Aufnahme ſtellte mehr eine Hundspantomime, als Menſchenhandlung, vor. Der Kandidat, der verlangte gemopſelt zu werden, mußte dreymal an der Logenthuͤre, nicht klopfen, und bitten,— kratzen und heulen,— dann eine Kette, ſtatt des Degens, an den Haͤnden, und ein Band von Kupfer am Halſe tragen. Wahrend des Uniganges um die Bodenſiguren, deren Mitte ein P r— a] Mos einnahm, ſchrien die Brüder, unter einem ſchrecklichen Getöſe der Ketten und Degen, memento mori! in ihrer Sprache: denk an das Verrecken! Zu den Prüfungen gehörte gleichfalls, daß er die Zunge herausſtreckte, und ſie von dem Getreuen, ſeinem Fuͤhrer, befuͤhlen ließ: zum Beſchluß einen kleinen Mops von Wachſe, oder Stoffe kuͤßte, da, wo der gekruͤmte Schw—— doch ich fürchte itzt gar Ihre Schamhaftigkeit zu beleidigen. Die Formel ihres Verſprechens bringe Sie wieder zur guten Laune zuruͤck; ſie lautete alſo:„Ich verſpreche dieſer erlauchten Verſammlung, der ganzen Geſellſchaft der Mopſe, ihre Geſetze „und Verordnungen genau zu beobachten, und ihre Geheimniſſe niemals weder mündlich, noch ſchriftlich, noch durch Zeichen zu entdecken. Ich verbinde mich bey meiner Ehre, das Verſprechen zu halten, welches ich jetzt gethan habe; ſo daß ich, wenn ich es uͤbertrete, darein willige, daß man mich fuͤr einen un— ehrlichen Mann(eine unehrliche Frau „oder Fraͤulein) halte; daß man in allen Gefellſchaften mit Fingern auf mich weiſe; daß ich niemals berechtiget ſey, auf das Herz „einer einzigen Dame Anſpruch zu machen, „Cniemals für ſchoͤn, noch ſinnreich gehalten 4 u werden, noch wuͤrdig ſeye, von einer eine ——————— ——— T= T T T T — ä a — 213 „zigen Mannsperſon geliebt zu werden, und allen Annehmlichkeiten abſage, welche das Frauen„zimmer von ihrem Putztiſche erhaͤlt.,— Ey, der galanten Fluͤche! Sie erwecken in mir das Andenken der poetiſchen Verwuͤnſchungen der ehrenveſten Ritter am ſchwaͤbiſchen Kaiſerhofe, bevor ſie auf Ebentheuer, oder ſonſt um eine Lanze zu brechen, ihren Rozinante anſpornten. Aber die guten Damen! Schweigen muͤßen ſie nun, und dafür hilft nichts. Der unmenſchlichſte Maͤurerſluch, ſich beyde Lippen abſchneiden und die Zunge von der Wurzel herausreißen zu laſſen, kaͤme ſie nicht ſo ſauer an, als der, allen Anſpruch auf Schoͤnheit, Verſtand, Maͤnnerliebe, und Putztiſch zu verlieren. O ihr grauſamen Mopſe! Doch es iſt Zeit, daß ich die Hundsaſſemblee perlaſſe. Die Glocke ſchlaͤgt halb neun Uhr: ſchon flattern die Fledermaͤuſe; und die Freymaͤurer eilen der Loge zu; keine Geſellen, keine Lehrjungen, eitel Meiſter, Mi-aͤk-Benak! es gilt die Aufnahme eines Meiſters, der nur Meiſter mit ihren über das Schurzfell herabhangenden Latzen beywohnen Dorfen. Mein Daͤmon winkt mir! Aber ſiehſt du nicht, guter Dämon, den Bruder Schildwache mit zween Degen vor dem Eingange des Paradieſes ſtehen?—„So werd' ein Nachtfalter, und ſiattre nach!, Er— P 2 214 r— ſchrecken Sie nicht; ich bin ein Nachtfalter und Ihr Freund. Der letztere wird Ihnen im naͤchſten Briefe alles erzählen, was der erſte mit ſeinem Guckaugelein ſah. Sie wiſſen, daß man bey einem bal maſqus nicht in Natur erſcheinen darf; und die Maske eines Schmetterlings laͤßt noch immer zierlicher, als die gewöhnliche einer Fledermaus. Das Ganze iſt doch keine Cana thgeſtæ; ich halte es für ein erzkomiſches Ding. SA* ER (RR Viertes Schreiben. Boſcovich ſchreibt, daß der große Weltball in den kleinen Raum einer Erbſe koͤnnte gebracht werden. Das glaub ich ihm; denn die ganze Circumferenz meines Koͤrpers war wirklich in den engen Umtreis eines Nachtfalters verſchloſſen, und doch ſah und hoͤrte ich alles, ja noch viel feiner und deutlicher als bey vergrößerten Organen. Allcin um dem blendenden Schimmer der vielen Wand- und Bodenleuchtern zu entgehen, mußte mein lichtſcheues Aug gegen der ſinſtern Kammer der Loge, gerade hinter dem größten Hute eines NMeiſters, den Standpunkt ſuchen. Was es nur immer von dieſer Warte ausſpaͤhte: was nur mein verengtes Ohr vernahm, dies alles ſollen Sie, mein Freund, bis auf die kleinſten Nuͤancen erſahren. Bevor ich Ihnen aber die Ob ſervationen des ſeltſamen Nachtfalters mittheile, iſt es allerdings nothwendig, daß Sie die Erzaͤhlung anhoͤren, woher alle die Ceremonien der löblichen Maͤurerzunſt und Meiſterſchaft ihren Urſprung nahmen. Ich bitte um Geduld und ein geneigtes Gehoͤr! 216 Em Hiram hatte vom König Salomon die Auf— ſicht über die Arbeiten feines Tempels erhalten, aber zugleich eine fo große Anzahl der Arbeits—leute, daß er fie nicht alle kennen konnte. Das mit er alſo nicht Gefahr liefe, die Lehrjungen wie die Geſellen, und die Geſellen wie die Meiſter zu bezahlen, verabredete er mit jeder Claſſe gewiſſe Wörter, Zeichen, und Berührungen. Das Wort der Lehrjungen hieß Jachin oder Jakin, der Geſellen Boaz, oder Booz, die Namen zweyer erzenen Säulen, die in der Halle des Tempels ſtanden, und bey denen ſie ſich zur Empfangung ihres Lohns allzeit verſammeln mußten. Die Meiſter hatten das Wort Jehova, fo aber nach Hirams Tod in Mak-Benak veraͤndert worden. Das Zeichen der erſtern war, die rechte Hand auf die linke Schulter zu legen, ſie in eben derſelben Linie nach der rechten Seite zuruͤckzunchmen, und von da wieder auf die Hüfte fallen zu laſſen, alles in dreyen Abſaͤtzen. Die Beruͤhrung hingegen beſtund darinn, daß ſie den rechten Daumen auf das erſte und dicke Gelenke des Zeigefingers an der rechten Hand desjenigen drückten, dem fie ſich zu erkennen gaben. Die zweyte Klaſſe, die Geſellen, mußte zum Zeichen die rechte Hand auf die linke Bruſt legen, die vier Finger dichte beyſammen, und ausgeſtreckt, und den Daumen abgeſoͤndert. Ihre t— 217 Beruͤhrung kam mit jener der Lehrjungen überein, außer daß fie dieſelbe auf dem andern Ge lenke, und die Lehrjungen auf dem erſten, machten. Das Zeichen und die Berührung der Meiſter wird in der Beſchreibung folgen. Die Ungleichheit erwecket Eiferſucht. So er— gieng es auch hier; drey Geſellen, die um den Lohn eines Meiſters buhlten, verſchworen ſich, von Hiram das Meiſterwort, oder ſein Leben zu verlangen. In dicſer Abſicht verbargen fie ſich einsmal in dem Tempel, wo der Baumeiſter alle Abende allein die Runde hielt. Sie beſctzen die drey Thore, einer gegen Mittag, der andere ge— gen Mitternacht, der dritte gegen Morgen. Als nun Hiram nach Gewohnheit durch das Thor gegen Abend hineinkam, und nach vollbrachter Runde durch das mittaͤgige Thor wieder hinaus gehen wollte, hielt ihn der Geſell an, hob den Stock oder Hammer wider ihn auf, und ſoderte das Meiſterwort. Jener verſetzte, er haͤtte ſelbſt nicht auf dieſe Art das Meiſterwort erhalten. Sogleich bekam er einen Schlag auf den Kopf, der ihn doch nicht zur Erde ſtürzte. Das nam liche widerfuhr ihm bey Mitternacht, wohin er ſich geflüchtet hatte. Aber der dritte Geſelle beym Morgenthore ſchlug ihn vollends todt. Die Möoͤrder verſteckten indeſſen den Leichnam unter einem Steinhaufen, bis die Nacht heran brach, von 215—— deren Schatten bedeckt, ſie ihn auf einen Berg (im Meiſterkatechismus heißt er Sinai, der doch ſehr weit von Jeruſalem entfernt liegt) getragen, und zum Merkmale ſeines Grabs einen abgehauenen Aſt von einem Acacia darauf ge— pflanzt haben. Gro war die Betruͤbniß Salomons über die Abweſenheit des Baumeiſters; er befahl neun Meiſtern, drey vor jedem Thore, Wache zu ſte— hen, und zuletzt ihn allenthalben aufzuſuchen. Drey davon, muͤde des vielen Umherlaufens/ ruheten von ohngefaͤhr nahe an dem Begraͤb— nißorte; einer, um ſich deſto gemaͤchlicher niederzulaſſen, ergriff jenen Aſt des Acacia, und ſieh! er bleibt ihın in der Hand. Daraus ſchloß der Meiſter, daß die Erde unlaͤngſt muͤße umgegraben worden ſeyn, grub nach, und fand Hirams Körper. Welche Schrecken! Einer nahm die Leiche bey einem Finger, und dieſer ſchaͤlte ſich: der zweyte ſaßte ſie bey einem andern Finger, und die Haut gieng gleichfalls h. Da endlich der dritte die ganze Fauſt ergriff, ſo zog er die Haut, wie einen Handſchuh ab, und ſchrye: Mak-Benak,(oder wie andere leſen Maca—Benaca) d. i. in der Freymaͤurerſprache, das Fleiſch geht von den Beinen ab, der Korper iſt verweſet. Sogleich wurden ſie einig, daß dieſes in Zukunft das neue Meiſterwort ſtyn ſollte. FL 219 Man giebt dem König davon Nachricht, dieſer den Befehl, ihn auszugraben, und mit größter Pracht in dem Tempel beyzuſetzen. Unter waͤh—rendem Leichenzuge trugen alle die Meiſter Schurzfelle, und Handſchuhe von weißem Leder, zum Zeichen, daß keiner von ihnen ſeine Haͤnde mit dem Blute ihres Oberhaupts beſudelt habe. Die Moͤrder blieben mit bloßen Haͤnden unentdeckt.— Hiemit endiget die tragiſche, herzbrechende Hiſtoria, nein! Das froſtige talmudiſche Maͤhrchen, worauf die ganze Wuͤrde eines Meiſters beruht. „In allen Logen, ſagt der Geſchichtſchreiber, „dem ich es abgeborgt, habe ich zwar einen Uns „terſchied gefunden, allein nur in Anſehung der „Umſtaͤnde, nicht aber wegen des Weſentlichen. „Die Art, wie ich die Geſchichte erzaͤhlte, iſt „nder meiſtes angenommenen Meynung gemäß.> Meinerſeits bin ich zu gewiſſenhaft, als daß ich Ihnen die verſchiedenen Sentenzen der Kritiker, und die Varianten vorenthalten duͤrfte; ob man gleich von dem Ganzen weder in der heiligen Schrift, noch bey Joſeph dem Geſchicht— ſchreiber, die geringſten Spuren ſindet. Damit meine Kritik von der wichtigſten Sache in der Welt, dem Namen des Baumeiſters anhebe; ſo nenuet der letztere denſelben Adoram; jene hingegen Adoniram. Noch weit mehr irren diejenigen, die ihn für den Hiram, Konig zu Tyrus, 220— nn 1 oder gar für jenen berühmten Arbeiter in Erz, der bey Joſeph Chiram heißet, ausgeben wollen. Ob aber aus allen dieſen verwandten Namen doch zuletzt durch eine Sprachkaprize das Wort ZSiram ſey abgeleitet worden, das mögen die Rabiner der Loge unterſuchen. Sie geben ohnes dem vor, daß ſie die ganze Erzaͤhlung aus dem Talmud geſchöpfet haben. Wer ſoll ihnen nicht zu einem fo vornehmen Stammbuche Glück wuͤn— ſchen. Daſelbſt ſteht geſchrieben, daß Gott oͤfters ſich in ſein innerſtes Himmelskabinet verſperre, um über die Zerſtoͤrung des Tempels geheime Thraͤnen zu weinen: und die edlen Freymaͤurer beheulen bey jeder Aufnahme eines Meiſters die Ermordung feines Baumeiſters.— Audere gleichfalls erhebliche Umſtaͤnde erſodern einen tiefen Blick in die Alterthumskunde, als z. B. ob es die drey Mörder, oder die drey Meiſter was ren, die den Aſt von Acacia auf Hirams Grab pflanzen?— Ob die Männer feinen Körper motu proprio ausgegraben; oder ob Salomo die Leiche habe ausgraben laſſen? u. ſ.. Es behaupten auch einige, daß der erſte Schlag, den Hiram bekommen, mit einem Ziegelſteine, der zweyte mit einem cubiſchen Steine, und der dritte mit dem Hammer geſchehen ſey. End— lich ſoll Salomo ſelbſt auf den Einfall gekom— men ſeyn, das Meiſterwort zu veraͤndern: dem aber andere widerſprechen, und mit vielen Gründen beweiſen, daß die Meiſter dieſe Vers Anderung, ohne den König um Rath zu fra— gen, gemacht haben. Dieſes find die intereſſirenden Streitfragen, worüber die Panſophen der Loge eine bruͤderliche Zwietracht getheilet halt, et adhuc— ſub judice lis eſt! Der beweinungswuͤrdigſte Meuchelmord des beſten Hirams geht mir ſo zu Herzen, daß ich wider meinen Vorſatz abbrechen muß. Leben Sie wohl, und trauren Sie mit mir! Fuͤnftes Schreiben, * Bruder, helfet mir die Loge eroͤffnen! ſo rief, nach einem dreymaligen Hammerſchlage, der Logemeiſter; als ich, unheiliger Nachtfalter, cben über der Thuͤre des Heiligthums hieng. Dreymal wiederhallte es von Schurzfell zu Schurzfell, und drang bis zum aͤußerſten Vorpoſten; wo der Huͤter zwey blinkende Schwerter pro aris et foris, d. i. zur Vertheidigung des Logenaltars und der Maͤurertafel, mit auf- und abwaͤrts gekehrten Spitzen in ſeiner rechten Hand hielt. Alsdann vernahm ich einige Fragen aus dem Ratechismus der Meiſter, womit ich Sie, mein Freund, diesmal nicht ennuyren will. Es iſt ein Meiſterſtuͤck des Aberwitzes; und hätte unſer Eraſmus Kenntniß davon gehabt, ich wette, es ſtuͤnde in ſeinem Encomio Moriae oben an. Aber itzt erhebt der erſchreckliche Bruder, ſo nennt man den Fuͤhrer des neuen Meiſters, ſeine fliehende Stimme, und verlanget, die Aufnahme des ausgepruͤften Geſellen.„Bruͤder, die Loge iſt eroͤffnet!, Sogleich auf Befehl des Logen— Chefs, gieng unter mir ein anderer, der Examinator, durch das aͤußere Thor, und oͤffnete das ——— z — 22 Novizenkaͤmmerlein; worinn der Kandidat, das Schurzfell nach Art der Geſellen angethan, eins ſam und duͤſtern ſaß. Die Oeffnung der Thuͤre entdeckte mir mit ſchwarzem Tuch bekleidete Waͤnde, und den matten Schein eines einzigen Lichts, der die Grauen des ſchwarzen Grundes verdoppelte. Meinem Auge kam es eben recht, um deſto beſſer durch eine Ritze alles auszuſpaͤhen. Hören konnte ich weiter nichts, als ein dumpfes Gemurmel, deſſen Reſultat war: ob er einen vollkommnen Beruf habe, in die Klaſſe der Meiſter zu treten? und zur Antwort ein wiederholtes Ja, Ja! Dies war das Signal zum Anfang einer tragiſchen Pantomime. Der Examinator geberdet ſich jammervoll, ſchneidet ſchreckliche Geſichter, recket die Arme, beweget den Kopf und alle Glieder, und ruft dreymal im tiefſten Trauer. tone:„Bruder Geſelle, unſer erſter Baumeiſter iſt todt, ermordet, umgebracht. ‚> Ich habe nicht Luſt, die ganze Leichenrede nie— derzuſchreiben, die auf dieſen Vorſpruch folgte. Die Peroration gieng dahin, ob er mit den andern Brüdern weinen wolle? Durch das troͤſt liche Jawort des Kandidaten wieder aufgerichtet, tritt der Redner ab, und uͤbergiebt den tragiſchgeſtimmten Neomeiſter dem Erſchrecklichen, der ihn mit ſchwankenden Schritten zum Logenthore 224 führt, und dreymal, allzeit mit drey Schlägen, allzeit piano— forte— fortiſſimo, anklopfet. Drauf entſtund ein kurzer Dialog mit dem Cerberus der Loge, wie in der Tragikomödie der Beuͤderdiener zu leſen iſt. Hier hatte ich viele Geſchicklichkeit vonnoöthen, um mich uber die Degenſpitzen und hohen Hüte wegzuſchwingen, als die nur halbgeöffnete Thuͤre den Kandidaten ſamt der Suite hineinlicß. Eh ich aber den oben beſchriebnen Platz einnahm, waͤre ich beynahe verloren geweſen. Die hohe Friſur eines Abbees hatte ihre gepuderten Retze ſo weit ausgeſpannt, daß ich mit den Fittichen darinn hangen blieb, und eine ſtarke Portion von meinem Federnſtaube dabey einbüßte. Zum Gluͤcke half mir die ewige Unruhe feines Koͤpf— chens, unbemerkt mich wieder loszuwinden. Dies war nun freylich eine wichtige Anekdote in der Inſcektengeſchichte meines Lebens.— Die Loge, oder was ſie im eigentlichen Verſtande iſt, die mit der Kreide abgezeichnete Bodenſigur ſtellte, wie jene der Lehrjungen, den ganzen Tempel Salomons mit ſeinen drey Mauren vor. Aber, Himmel! welche Zerſtoͤrung! hæc facies templi cum capetetur, erat. So ſah er einſt aus, als er unter den babyloniſchen oder roömiſchen Feldherren mit ſchrecklichen Ruinen Sion be— deckte. Seine Thore find zerbrochen, feine 225 Mauren durchlöchert, die Treppen eingeriſſen, die Säulen zertruͤmmert, und die Seitengebaͤude verwuͤſtet. Die Sonne, der Mond, und die Sterne geben kein Licht; die Fenſter lechzen eingeſchlagen; die Huͤtte und der Altar liegen umgeworfen; alles verraͤth einen betruͤbten Zuſtand, und die aͤußerſte Verwirrung. Nur gruͤnet noch zur Linken auf dem Berge Sinai der Zweig von Acacia, Coder Caßia,) der Verraͤther der ſchwaͤrzeſten Mordthat. O Hiram, Hiram, wo biſt du? Sieh! hier, ach! hier ſteht ſein Sarg, uͤber dem aufgeriſſenen Muſiven Pflaſter, von tauſend Thraͤnen umgeben, mit dreymaldrey Lichtern, in Geſtalt eines Triangels, ſchrecklich erleuchtet. Maͤchtig iſt die Zauberkraft! Hiram erſcheinet nun in Perſon: der juͤngſte Meiſter übernimmt auf Geheiß des Praͤſidenten ſeine Todtenrolle, wirft ſich auf den Sarg nieder, ſtrecket die Füße nach dem Altar, die linke Hand laͤngſt der Hüften aus; aber die rechte beruͤhret über dem Saume des Schurzfells die linke Bruſthoͤhle: ſein aashaftes Angeſicht verhuͤllt ein mit Blute gefaͤrbtes Leichentuch. So iſt denn Hiram nicht mehr! O trauret, und weinet, trauret, und heulet, ihr Bruͤder! Hiram, der der beſte Hiram iſt nicht mehr! O daß doch unſere lagen gluͤcklich, und wohl aufgenommen werden! Alles iſt unſerer Thraͤnen 226———— 22— wuͤrdig/ der Ort, die Zeit, und die Urſacht des Todes! In einem Ru umringen die Brüder den Sarg, laſſen weiſſe Schnupftuͤcher wehen, zeigen einander ſchnecweiſſe Handſchuhe und Schurzfelle, zum Beweis ihrer Unſchuld an Hirams Ermordung: begleiten es mit untroͤſtbarent Seufzen und Aechzen: bald wiſchen ſie ſich die roͤthlichten Augen, bald ſtuͤrmen ſie mit beyden Armen himmclan: und grimaſſieren ut qui conducti plorant in funere; wie vor Alters die gedungenen Klageweiber. Indeſſen beginnt der Neuling den dreyfachen Umzug um die lebende Leiche. Aber wer beſchreibet mit Wuͤrde den kuͤnſtlichen Meiſtergang, den ihn jetzt der Erſchreckliche lehrt? Göͤttinn der freymaͤureriſchen Tanzkunſt, leite du ſelbſt meinen Kiel, um alle die unnachahmlichen Pas nach deiner Vorſchrift zu bezeichnen! Anfangs ſiellet der Meiſterling, von feinen Führer gegaͤngelt, beyde Fuͤße in Form eines Wintelmaßes auf die Thuͤre nach Mitternacht: dann ſchreitet er mit dem rechten fort, tritt auf die erſte Stuffe der Treppen, und ſetzet den linken auf die dritte; ſo daß die Zahl der Stuffen, woruͤber er weg iſt, allemal ungleich bleibt; damit faͤhrt er bis an die ſechſte Stuffe fort, wo die Fuͤße ruhen, und ein Wins kelmaß ſchlagen. Nach einer kurzen Pauſc, Marſch! mit dem rechten Fuße geht er nun nach der — 227 der zerſtoͤrten Saͤule des Hirams, und mit dem linken auf die Treppe, die er gleichfalls nach ungeraden Zahlen(das Geheimnißreiche derſelben war nur den Alten bekannt) hinaufſteigt. Hier bilden die Fuͤße das zweyte Winkelmaaß. Halt!— da ſteht er nun eingewurzelt; vor ihm der Sarg; auf dem Sarge— der erblaßte Hiram. Ach erblaßt, todt, mauſetodt! Uns glaublich! Darum verlaͤßt itzt der Hoheprieſter der Loge ſeinen Platz hinter dem Altar, und nimmt den Augenſchein: mit aͤngſtlichen Blicken durchbohrt er den ausgeſtreckten Bruder; alles verdoppelt das Weinen, Seufzen, und Heulen. Der blutige Geſchichtsſchleyer wird aufgedeckt; und das Klagen erreicht eine höhere Linie der Tonleiter. Jener verruͤcket die Beine Hirams, ſtellt ſich zwiſchen die zween Schenkel dieſes Dreyecks, und ruft:„Unſer erſter Baumeiſter iſt todt, ermordet, umgebracht! Neuer ers höͤhter Jammer erſchallet durch den Saal. Endlich ergreift er ihn bey der rechten Hand, zieht ihn an dem Zeigefinger, und ſpricht leiſe:„Er iſt todt!, Dann an dem Mittelfinger, und ſeufzet: ver iſt ermordet!, Zuletzt hebt er ihn empor, und ſchreyt aus vollem Halſe:„er iſt umgebracht! ,, Der Todte, Ermordete, Umgebrachte wandert ſogleich an ſeinen vorigen Platz unter den Bruͤdern: aber der Neuling ſetzet ſich aufs O i t Neue in Bewegung, und faͤhrt fort, die Loge zu umreiſen. Unterdeſſen hab' ich Zeit eine Bemerkung anzubringen, die ich bey der Aufdeckung jenes blutigen Tuchs machte. Ich beobachtete, daß ſich das Geſicht des Ermordeten in eine laͤchelnde Miene verzog, aber von dem ernſtvollen Blicke des Logenmeiſters, wie vom Blitze getroffen, ſich plötzlich wieder in eine Todtenlarve verwandelte. Sie werden mir kaum glauben, mein Freund, welchen Ernſt bey ſolcher Pantomime die groͤßten Staatsmaͤnner, Generale, und Philoſophen (denn von allen dieſen Ständen waren Brüder zugegen) durch Mienen und Geberden verriethen. Was vermag eine Begeiſterung nicht, die durch alles unterſtuͤtzet wird? Die Menſchen haben ſich ſchon zu Göttern und zu Narren geſchwaͤrmt. Die heiligen Schauer der Nacht, daͤucht mich, kommen dieſer Taͤuſchnng vortrefflich zu ſtatten. Ucberhaupt gerathen alle Mummercyen der naͤchtlichen Schauſpiele, der naͤchtlichen Bälle, u. ſ. f. ohne Bergleich beſſer. Gleichwie nun dieſe bey Tages ſcheine gewiß verlieren wuͤrden: ſo fiele auch manche Ceremonie der Loge, ohne ihren Nachts mantel) ins Laͤcherliche: die Nacht bedeckt mit ihren Schattirungen viele Lücken, Gebrechen, und Verbrechen. Tantus amor noctis, latebræ tam dira cupido!— Der Nachtfalter raͤſonirt wieder erbaͤrmlich; und iſt er doch ſelber ein Nachtvogel. Dies Hätte ich unter einer ſolchen Maske nie thun ſollen; ich lenke alſo auf die Erzaͤhlung zuruͤck. Der Umgang iſt zu Ende, die drey großen Schritte find gethan; und der Aufzunehmende befindet ſich dem Großmeiſter gegenuͤber. Dieſer greift nach ſeinem kleinen Hammer, oͤffnet den Mund, und fragt: ob er verſpreche, unter eben derſelben Verbindlichkeit, mit der er ſich zum ausgelernten Geſellen habe aufnehmen laſſen, das Geheimniß der Meiſter gegen die Geſellen zu bewahren, wie er der Geſellen ihres gegen die Weltlichen verwahret habe, und die Partey der Meiſter wider die aufruͤhriſchen Geſellen zu nehmen? Kaum antwortet er dem Ehrwuͤrdigſten mit Ja, ſo erhaͤlt er drey ſanfte Hammerſchlaͤge auf ſeine Stirne; die beyden Aufſeher, welche ihn umfaßt halten, werfen ihn ruͤcklings auf die Figur des Sarges, ein andrer verhuͤllet ſein Geſicht mit einer blutfaͤrbigen Leinwand; der erſte Aufſeher klatſchet dreymal in die Haͤnde, und ſieh! ſtat ferri acies mucrone coruſſo ſtricta, parata neci: ſogleich ziehen alle Brüder die Degen, und zielen mit der Spitze nach des aufzunehmenden Koͤrper. Sie bleiben in dieſer Stellung einige Minuten, und ſcheinen ihm drohend zu bedeuten:, Schweig/ oder ſtirb!Dann wieder dreymal geklatſcht, und eins geſteckt. Q 2 — 239 Freund, vergeben Sie mir, daß ich das Vifum repertum wegen des erſchlagenen Hirams, und das Mirakel feiner Wiedcrerweckung noch einmal beſchreibe. Ich ahme darinn nur dem Logenmeiſter nach; und obendrein, wer kann ſich an einer ſo wunderſamen Begebenheit ſatt ſehen? Der Meiſter alſo naͤhert ſich dem Todten, nimmt den Zeigefinger ſeiner rechten Hand mit aufgedrucktem Daumen auf das erſte und dicke Gelenke, laͤßt aber den Finger wieder abglitſchen, und ihn gutwillig fahren, und rufet: Jackin. Daſſelbe geſchieht mit dem Mittelſinger, und er ruft, Boatz. Sie werden von ſelbſt erkennen, daß das Leben durch einzelne Finger nicht Hinz eingehen kann. Darum faſſet er ihn zuletzt bey der ganzen Fauſt, und legt die vier ausgeſtreckten, und wie Vogelklauen halbgebogene Finger auf das Fauſtgelenke uͤber der flachen Hand, und ſeinen Daumen unter den Daumen und Zeiger des Todten, die geheimnißreiche und wundervolle Meiſterberuͤhrung. Lazarus lebt auf! Tod, wo iſt dein Sieg? Unter dieſem Handedruͤcken gebiethet ihm der Wundermann, ſeinen rechten Schenkel nach dem Leibe zu ziehen, und auf die Art zu biegen, daß der Fuß platt auf dem Boden aufſtehe, und folglich mit dem Knie eine ſenk—rechte Linie mache; alsdann der Leib ausgeſtreckt, feſt, und gleichſam ſtarr zu halten. Zugleich naͤhert er ſich ſelbſt mit ſeinem rechten Schenkel — 831 jenen des Neuerweckten, ſo daß das Innwendige von dem Knie des einen das Innwendige von dem Knie des andern beruͤhret; und darauf heißt er ihn, die linke Hand um den Hals zu ſchlagen: und fo hebt er ihn, indem er ſich buͤcket, und ſeinen Arm gleichfalls um den Nacken deſſelben windet, augenblicklich auf, wobey er Fuß gegen Fuß, Knie gegen Knie, Bruſt gegen Bruſt, Geſicht gegen Geſicht ſetzet. Da fie aber noch einander ſo am Halſe hangen, raunet der Todtenerwecker ſeiner erneuten Kreatur halb in ein und halb ins andere Ohr das heiligſte, und niemals, oder nur ſelten, und dann mit der innerſten Erſchuͤtterung der Seele auszuſprechende Meiſterwort— meine Rechte zittert, es ſchreibend,— Mar ⸗Benat. Nunmehr verſteht es ſich, daß er in den Meiſtergeheimniſſen den vollkommnen Unterricht erhaͤlt. Ihr Amt beſtehet im Weinen und Klagen uͤber Hirams Tod; über die Grauſamkeit feiner Mörder, im Seufzen nach ſeiner Auferſtehung. Ferner ſteht es den Meiſtern zu, den Geſellen ihre Arbeit und was ſonſt zur Wiedererbauung des zerſtoͤrte Tempels, wo man Gott gebehrlich dienen und die natürliche Ordnung beobachten ſoll, gehörig anzuweiſen. In dieſer Abſicht machen dieſelben Riße, und geben den Unwiſſenden den noͤthigen Unterricht. Sie heißen fie alle Bruchſtuͤcke ſammeln, bearbeiten, und von neuem zu rechte 232 hauen. Sie, mein Freund, mögen ſich leicht vorſtellen, woher dieſe Bruchſtuͤcke genommen werden; ſie kommen nicht aus dem Tempel, den Chriſtus wieder erbaute, und wovon er ſelbſt der Eckſtein ſeyn wollte. Sie graben ſie hinter der Kirche Jeſu, aus chaldaͤiſchen, egyptiſchen, phoͤniziſchen und griechiſchen Ruinen hervor. Horus iſt offenbar ein ſolcher Stuͤckwerker; und ich ſelber ſah Riße, die zu keinem Tempel Gottes, ſondern zu einem Thurm Babel, einer blos natuͤrlichen, unvollſtaͤndigen, und ohnmaͤchtigen Religion paßten. Ich habe ſchon oͤfter erinnert, daß die Frey maͤnrer unter dem Tempel Salomons die Sreyheit und Gleichheit verſtehen. Deswegen ſtellen ſie ihn bey der Aufnahme der Meiſter zerſtöͤrt, und alle feine Theile in einer entſetzlichen Zerruͤttung vor, um dem Kandidaten veſt cinzu— praͤgen, daß ihr Verlurſt der Quell alies Uebels auf Erden ſey. Der Tod des Hirams bezeichnet den Verlurſt dieſer Freyheit, die ihm durch die Gewalt und Liſt der Feinde entriſſen worden. Die Sterblichen lebten einſt goldene Tage; der Tempel der Freyheit ſtund ihnen oſſen, und Ueberfluß ſtroͤmte von allen Seiten zu. Hör wehe! Tyrannen folgten bald, die ihre Gewalt mißbrauchten, und nur das Leben noch ließen, um es durch eine vieliaͤhrige Sklavcrey bis zur Todesgrube fortzuſchleppen. Traurige Veraͤnde — 233 rung! Unglüuͤckſeliger Stand der Dienſtbarkeit, wider den die Natur ſich empoͤrt! Doch ſeyen wir guter Dinge! Die Maͤurer verſprechen, wenigſt den Maͤurern, daß das eingeriſſene Gebaͤude wieder werde aufgeführt, und die untere druͤckte Freyheit aufs Neue hergeſtellt werden. Die Finſterniſſe der Sonne, der Sterne und des Mondes bedeuten die Irrthuͤmer in der Religion, die Unwiſſenheit und den Leichtſinn, die uns beſtaͤndig unter dem elenden Joche halten und unglücklich machen. Dieſe Geſtirne glänzen unaufhoͤrlich in der Loge, weil die Bruͤder durch keine Vorurtheile geblendet werden, die aufge: klaͤrten, die ehrwuͤrdigen, die heiligen Bruͤder! Und dieſe Ehre, dieſes Gluͤck, dieſe Erlöſung gönnen ſie nicht jedermann; ja ſie ruͤhmen ſich noch, daß ſie keine Proſelyten(verſtehe, nachdem ſic den für die gegenwaͤrtigen Umſtaͤnde noͤthigen Fond bevſammen haben,) anzuwerben verlangen. Eine ſehr eingeſchraͤnkte Menſchenliebe; oder uns begreiflicher Hochmuth, der fie überzeugt Hält, daß ſie allein die undefangnen, lichtvollen, und tarke Koͤpſe unter Millionen der Mutterkinder ſchen! Sie anerkennen nicht fo bald, daß das Velk Iſracl die vornehmſten Lieblinge des Urhe— bers der Gnade enthalten habe; aber man glaube ihnen auf ihr Wort, daß ſie, die einzigen Lieblinge des Schoͤpfers, excluſive die Quinteſſenz der Vernunſt, und das Praedikat, animal rationale, verzugsweiſe beſitzen. 234———— Daraus erhellet, daß ich ihnen nicht ſo faſt einen gefährlichen Empoͤrungsgeiſt wider ihre Potentaten, obwohl es auch diesfalls nicht an Beyſpielen fehlet, ſondern vielmehr einen hyperboliſchen Stolz zumuthe, der hoch uͤber der ſichtbaren Erde ſeinen Thron aufſchlaͤgt, und auf das uͤbrige Menſchengeſchlecht als einen Schemmel unter ſeinen Fuͤßen hinabſieht. Haͤtte ich hingegen von ihnen den gegruͤndeten Verdacht iner Anarchie und Zuͤgelloſigkeit, fo fände ich mich in die traurige Nothwendigkeit verſetzt, ſie nicht in einer Brochuͤre vor dem Publikum, ſondern geradezu vor dem hoͤchſten Richterſtuhle meines Imperators anzuklagen.(lber nein! dies glaube ich von den Bruͤdern nicht, unter welchen ſich fo viele geprüfte Staatsdiener befinden, Das, was ich ihnen zur Laſt lege, und weswegen jeder Unbefangene ihre kraͤnkliche Fantaſie bedauret, beſteht darinn, daß fie einem ſachleeren Iteal der Gleichheit nachhangen, anſtatt der ſchoͤnen Goͤttinn eine Dunſtwolke umarmen, und gleich den chineſiſchen Malern ſich Freyheitsſchlößer in den Luͤften bauen. Sie machen alſo, in meinem Sinne, eine beſondere Klaſſe hypochondriſcher Schwaͤrmer aus, die ſich nur den Stuffen nach von den berüchtigten Viſionnairs und Convulſionnairs unterſcheiden. Zum Beweiſe vernehmen Sie den Beſchluß dieſer Rufnahme: er konnte nicht ſchwaͤrmeriſcher feon.„ Unſer erſter Baumeiſter iſt wieder auferſtanden! Er lebe, er lebe, er lebe!!!“ ,, Dieſes iſt der fröhlichſte Ausruf des Logenmeiſters, der die Ceremonie der Auferſtehung vollendet: und alle Bruͤder wiederholen ihn dreymal im hochſchallenden Triumphtone. Noch vorher pflegt der Redner einen feyerlichen Spruch an den neueingeweihten Meiſter zu halten: ich ſetze ein Muſter bey, welches Sie vielleicht mit Vergnuͤgen leſen, und woraus Sie auf din Geſchmack der übrigen ſchließen werden.„ Brüder, hob der „Logenredner an, weinet, und heulet! Lachet „und huͤpfet vor Freuden hoch! Er iſt todt, „ und lebt; er iſt umgebracht, und befindet ſich „wohl; er iſt ermordet, und triumphirt. Man „hat niedergeriſſen, was erbanet war: und > wieder aufgebauet, was eingeriſſen war. Die „Macht, die Tugend, das Licht wirken, regieren/ „und erleuchten. Die Sonne, die Sterne, „und der Mond verſinſtern ſich, und glänzen „in ihrem völligen Lichte. Die Mauren ſind „eingeriſſen, und doch unbeſchäͤdigt. Die „Saͤulen find zerorochen, und unverſchrt. Die „Huͤrtte und der Altar find eingeworfen, und „erbauet: hier it das Grab, und das Leben. „Iſt der Berg nicht unbeweglich! Bluͤhen die „Baͤume nicht(der Acacia)? Der Fruͤhling „findet ſich im Wini, und der Winter im „Frühling. Die Dinge ſind verwirrt, und 236— „nicht verwirrt; ſie ſcheinen es, und ſcheinen „es nicht. Wie endlich? Es wird die Zeit „kommen; da ſich das Waſſer und das Feuer, „der Tyger und der Hund, die Schlange „und die Daube mit einander vereinigen werden. „Arbeitet; ſeyd weiſe, ſcharfſinnig, unermuͤdet! „Die Hand und der Geiſt des Baumeiſters „leiten uns. Wir wollen es zu Stande bringen. „Bruͤder, weinet, und klaget! Lachet, und „ſpringet vor Freuden!!, Ein Meiſterſtuͤck von nonſens und kindiſchen Antitheſen! Drauf folgte das Meiſtermal, mit Geſang und laͤcherlichen Gebraͤuchen begleitet. Meine Koſt fand ich dabey nicht, flog zum Loch hinaus, als eben der Brüͤderdiener die clapes ſaliares hereintrug. Uebrigens wie meine Einbildungskraft auf dieſt froſtige Metamorphoſe gerathen ſey, muß ich Ihnen noch kurz erzählen. Das Buch, worinn ich die Beſchreibung der vorigen Ceremonien las, ſtellte dieſelben in mehrern Kupferſtichen vor. Ueber dem Logegebaͤude ſah man Fledermaͤuſe und verſchiedene Nachtraben, als Eulen, Reiher, und Schwalben umherſegeln, vermuthlich die Sinnbilder der freymaͤureriſchen Nachtwanderer. Aber in dem Innern des Saales hatte der Kuͤnſtler, nach jenem uͤbelverſtandnen Machtſpruche bictoribus atque Poetis quidlibet audendi etc. eine große Menge von Nachtfaltern angebracht. Ich vergaß das Ungereimte, und dachte blos den 237 Schmetterling. Dieſes Lieblingsgeſchlecht aller Modeherrchen, imd der ſtark bearbeitete Gegen ſtand der heutigen Naturgeſchichte verdiente es ja, alle meine Blicke an ſich zu ziehen; und weil ein fo leicht gefiedertes Voͤgelchen ſich ungenirt übers all durchſchlagen, und folglich alles beobachten kann, fo war ganz natuͤrlich mein Wunſch, ein Schmetterling ſelber zu werden: Verargen Sie mir nicht, daß ich ein vernunftloſes Thierchen zu ſeyn verlangte! wuͤnſchte ſich ja Ovid in ſein lebloſes Buͤchgen verwandelt zu werden, um das liebe Rom wieder anzuſehen. Nun war das Ziel meiner Sehnſücht nichts geringers, als das Als lerheiligſte des Maͤurertempels. Sehen ſie dann: der bizarre Einfall des Kupferſtechers, das heiße Verlangen nach der Loge, und die mit jedem Winter zuruͤckkehrenden Traumnaͤchte wirkten jene abentheurliche Verwandlung. So wiſſen Sie nun, mein Freund, dem Weſentlichen nach, die Aufnahme des Zerrn, und des Dieners, das Alpha und Omega der Loge. Jene der Lehrjungen und Geſellen enthaͤlt nicht viel beſonders; mir iſt ſie gewiß zu ekelhaft, als daß ich ſie nachtragen ſollte; da ohnedem nicht ſo faſt die Sattigung der Neubegierde, ais die vernuͤnftige Abſicht, von dem beruffenen Dinge der Freörnaäͤurerey einen richtigen Begriff mitzutheilen, meine Feder bisher leitete. In meinem er— ſten Schreiben an Sie ſtellte ich mich ganz uns —* wiſſend an, und machte Bemerkungen, die jedem, der nachdenkt, beyfallen muͤſſen: und ſchon von dieſem Geſichtspunkte ſchien die Frage; warum ſoll ich ein Freymaͤurer werden? uneroͤrtert, und mehr, dann der gordiſche Knoten, unauf—loͤbbar. Die angehängten Geſpraͤche verbreiteten mehr Licht uͤber die innere Beſchaffenheit der Bruͤderſchaft. Das Reſultat fuͤr den Staat und die Moralitaͤt uͤberlaſſe ich gerne jedem un parteyiſchen Richter. Nur bitte ich die Leſer, daß ſie ſich durch die Bibel auf dem Altar der Loge nicht taͤuſchen laſſen. Auch Voltaire trug fie immer bey ſich in einem niedlichen Taſchen— format; und wenn ich eben nicht ſchlechthin eine völlige ruchloſe Irreligion aufbuͤrde: fo weiß man doch aus der heutigen Behandlung der Bis bel und aller Symbolen ſchon genug, daß alle ihre Panegyriken der Gottesfurcht und guter Sitz ten, fo wie ihre ganze bibliſche Exegeſis, zuletzt auf eine blos natürliche Religion, oder neupla— toniſche Philoſophie ausgehen. Das geſellſchaftliche Wohl, dieſer falſche Grundſatz des Natur— rechts und der Sittenlehre, it auch der Grund: ſtein ihres Tempels; und daß dieſer ein ganz heydniſcher Tempel ſey, ſcheinen die Namen der alten Weltweiſen, die ſie gegen die chriſtlichen eintauſchen, ſchon zur Genüge zu verrathen. Mir drohete noch ein Vorwurf, als foͤchte ich im dunkeln, und ſpraͤche von der Maͤurerey, wie a39 der Blinde von den Farben. Dieſem zum Theile vorzukommen, entdeckte ich in zween Nachtraͤgen, was ich anfangs nicht thun wollte, manche Gebräuche und Ceremonien der Brüder, Muͤßte ich das vollſtaͤndige Ritual herausgeben, Traun! Sie bekaͤmen einen ſo ſtarken Band zu leſen uͤber, als der gelehrte Alterthumsforſcher Abt Gerbert, de Liturgia alemanica geliefert hat. Ich verbitte mir dieſen Zeitverlurſt. Viel lieber wollte ich Ihnen noch ausfuͤhrlicher meine Gedanken ſagen von den unedlen und traurigen Ausſichten, womit die Verbreitung des Ordens die wahre Chriſtusreligion und ſowohl die natürliche, als geoffenbarte Moralitaͤt, bedrohet. Das Hirngeſpinnſt der Gleichheit unter den Menſchen, das Luftgebaͤude eines allge, meinen Freyſtaates, der Vorgeſchmack eines aͤthexiſchen Vergnuͤgens an der Bruͤdertafel u. d. m. gaͤben mir noch reichen Stoff zum Schreiben Aber die kleinen Neffen laͤrmen ſo ungeſtuͤm auf meinem Zimmer, daß ich unmoͤglich aushalten kann. Sie kamen mit ihren Spielgefaͤhrten aus der Nachbarſchaft zu meinem Schreibtiſche hingelaufſen. Da baueten fie einige Minuten Chartenhaͤuſer, die ihnen wieder unter der Hand einſtuͤrzten; endlich, müde und verdruͤßlich des ewigen Bauens und Wiederaufbauens, ſetzten ſie ſich zu Tiſche. Die lieben Aeſchen! Sie machen, nach ihrer Sprache, Herr Vetters und Frau Baſis, und halten eine Gaſterey, wor— 249 Km über alle zinnene und irdene Clauſen- und Chriſtgeſchenke paradieren. Die Puppe der ſprö— den Creſcenz, das Steckenpferd des tuͤckiſchen Ignaz, der martialiſche Karl mit feinem hoͤl— zernen Sabel, und der ſaure Pepe mit einem Degelein von Lebkuchen, alles praßt und ſchwebt in Vergnügen; zuweilen ſingt das luſtige Gretchen ein Wonnelied darein, und alle Herr Vet— ters und alle Frau Baſis ſtimmen mit ein. Ha! wie freund ſchaͤftlich und vertraut die kleinen Schaͤlke itzt untereinander thun, die ſich kurz vorher ſchlugen, und gleich nach dem Pique— nique ſich wieder ſchlagen werden!— Freund! vergeben Sie mir dieſen Seitenblick! Die gu— ten Kinderchen, dieſe kleinen Baumeiſtere von Chartenhaͤuſern, eroͤffneten, daͤucht mich, ihre D Loge: und fie ſpielen halt Zerrvetteris, wie die Maͤurer Zerrbruͤderis. Man laſſe ſie Gaſtereyis machen, wenn nichts weiters da— hinter ſteckt. Ja doch, immerhin! man laſſe beyden ihren Spaß! Aber warum ſoll ich mit— machen? warum ein Freymaͤurer werden?— Ich verbleibe unmaßgeblich Ihr profaner Freund 1=) Anhang. Eine ſolche Nachricht, wie ich ſie eben erhalte, iſt einer Nachſchrift werth. Sie wird von den heutigen Zeitungsblaͤttern(10 Nov. 1783) ein haͤllig beſtaͤtigt; unter vielen Lobeserhebungen erzauͤhlen dieſe, daß der Edle Herr von Born, der ſich durch Schriften einen großen Namen, juͤngſt durch eine glückliche Erfindung auch an— ſehnliche Einkünfte erworben, ſein akademiſches Diplom nach Muͤnchen an den Herrn Baron von Kreitmaier zuruͤckgeſchickt habe, aus dem Grunde, er wolle kein gelehrtes Mitglied in ei: nem Staate ſeyn, der die Freymaͤurer verfolge. Dieſer kuͤhne Schritt, der von Fülle feines Gluͤckes und Sinnes zeugt, ſeheint vielen auffallend, und unbeſcheiden,— mich führt er auf eine be, ſondere Bemerkung. Ich ſchloß daraus, daß entweder Herr von Born ein Illuminat und kein Freymaͤurer, oder daß jeder Illuminat ein Freymaͤurer ſey. Nun iſt er aber, wie er ſelbſt bekennt und ganz Wien weiß ein Erzfreymaͤurer. WE Folglich muß ich die Illuminaten für aͤchte, zunftmäßige Sreymaurer halten. Sonderbar! Warum Folien ſich denn die Brüder in Wien alle Mühe gegeben haben, die Iltuminaten-Sekte unter ihnen aufzuheben; obwohl fie wegen Ueberlegen—heit der Anhaͤnger, da wenigſt zwey Drittheile gegen einen ſtunden, nichts verfangen konnten“ Warum verbothen zuletzt, unter Androhung der Polizey, der greße Kaiſer und der Herzog von Wuͤrtemberg die Illuminaten allein; Karl Theo: dor hingegen die Illuminaten und Freymaͤurer zugleich? Tiefes Geheimniß! Unterſcheiden ſich etwan dieſe von jenen, wie Hebraͤer von Juden, Anabaptiſten von Wiedertaäͤufern? Oder gieng der Baier, feinem Rationalcharakter gemäß, zu Werk, da indeſſen andere den Faden feiner zu ſpinnen wußten, und nicht jeden vergoldeten Springinsfeld in den innerſten Myſterien ein— weihten? Sehen Sie! Eines der angeſehenſten Haͤupter der Freymaͤurerey will uns aus dieſer Verlegenheit ziehen. Vor ſeinem freymuͤthigen Selbſtbekenntniß hatte der vorgebliche Unterſchied zwiſchen Illuminaten und Freymaͤurern noch immer den Schein eines Grundes, den ſelbſt der baieriſche Warner nicht gaͤnzlich verkennte, und wieder von ſeinen Kunſtrichtern in Baiern und zu Mainz Hören mußtꝛ. Dieſe menſchenfreund—liche Diſparitaͤt hat ſie und andere getaͤuſcht. Der Edle Herr von Born iſt nun Buͤrge dafuͤrdaß daß fie eitel Dunſt vor den Augen des Publikums war.— Was bleibt denn dem Verfaſſer der Schrift, Auch eine Beylage zur erſten Warnung über Freymaͤurer,zu feiner Rechtfertitigung übrig, der die Gefährlichkeit der Illuminaten zugiebt, aber fie als unaͤchte, abgeartete Maͤurer verſchreyen will?— Wofern aber die Illuminaten und Freymaͤurer Ein Concretum ausmachen, und miteinander die Aemter im Staate beſitzen, wer wird dem weiſen Verbothe Joſephs gehorchen? Wer daſſelbe vollziehen? Sf nicht die Handhabung der Geſetze, zu der ſich die Brüder einer Baieriſch, PreußiſchSaͤchſiſch- Badiſch⸗ Schweizeriſch⸗ Oeſterreiſchen Loge aͤußerlich bekennen, ein ſachleeres, widerſpruchvolles Vorgeben? Man liest uͤber dem Thore einer neuerrichteten Loge:„ Iſta ſola eſt juſta multitudo, cujus univerſitas in legum obſequium conſentit., d. i.„ Wir allein find das auserwaͤhlte Volt, deſſen ſaͤmtliche Zuͤnfte zum Dienſt der Geſetze uͤbereinſtim men.„ Ich weiß nicht, ob das Widerſpre— chende, oder das Zochtrabende dieſer Aufſchrift uns arme Profanen mehr befremden ſoll? Das allererſte Geſetz eines Staates iſt: Reine Geheimniſſe; kein Staat im Staate!— Freund! Die Sache des Ordens wird fuͤr den Staat und die Religion von Tage zu Tage viel * ——— 244 wichtiger, als einige Oberſlaͤchler ſie zu beurtheilen pflegen. Wenn noch mehrere enthuſiaſtiſche Sektirer von dieſem Schlage die Wolken, die ſie bisher decken, durchbrechen, ihre Ideale von Gleichheit und Freyheit realiſiren, und den Monarchen unter das Angeſicht trotzen; fü mögen dieſe letztern ſelber erachten, ob ſie nicht gefaͤhrliche Schlangen in ihrem Buſen waͤrmen; der Adel ſehe zu, daß er durch feinen haͤufigen Bey tritt in die Logen keine Waffen wider ſich ſelbſt ſchmiede; und die Geiſtlichkeit, daß fie nicht una ter der Maske der Toleranz die intoleranteſten Chriſtenfeinde zuͤgle, und zuletzt die Religion in eigner hohen Perſon zu Grabe begleite.— Eine lange Nachſchrift; aber welcher Stoff zu einem weit laͤngern Nachdenken! Genug, o Freund! die Illuminaten find Freymaͤurer, die Freymaͤurer Illuminaten!! Ver zeichniß einiger Bücher, die in dieſem Werkchen nebſt andern ſind benutzet worden. Verordnungen, Geſchichte, Geſetze, Pflichten, Satzungen, und Gebräuche der Hochloͤbl. Bruͤderſchaft der angenommenen Freymaͤurer, aus ihren eigenen glaubwuͤrdigen Urkunden und ſichern mündlichen Nachrichten 1c. aus dem Engliſchen üͤberſetzt von Johann Kuͤenen, abgeordueten Obermeiſter der ordentlichen Logen in Holland:c. 3c. 8. Frankfurt und Leipzig, bey Michael Blochber— gern, 1741. Der entdeckte, und von allen ſeinen Geheimniſſen entblößte Freymaͤurer. Strasburg, bey Johann Heinrich Belker, 8. 1745. Der verrathene Orden der Freymaͤurer, und das offenbarte Geheimniß der Mopsgeſellſchaft, aus dem Franzoͤſiſchen uͤberſetzt, mit Kupfern. 8. Frankfurt und Leipzig. 1725. 2. Der zerſchmetterte Freymaͤurer, oder Fortſetzung des verrathenen Ordens der Freymaͤnrer. Frankfurt und Leipzig. 8. 1747. Anmerkung. Die neuern Schriften fuͤr und wider den Orden find im Werkchen ſelbſt angefuͤhrt, und uͤberhaupt zu bekannt, als daß man ſie hier wiederholen ſollte. Die kuͤnftigen Meßen werden ohne Zweifel eine Suͤndſluth von Freymaͤurerbrochuͤren uͤber Deutſchland ergießen, die von den caßirten, exilirten, jubilirten, ſuſpendirten widerſpenſtigen Illuminaten, oder ihren gedungenen Skriblern im Schmerzen gebohren werden. Der Weiſe, auf den die Mode, der herrſchende Ton, das Menſchenanſehn keinen Einfluß haben koͤnnen, der prüfe fie— nach der Vernunft und Religion! Kaiſerl. koͤnigl. Verordnung von der Freymaͤurerey. Se. K. K. Maj. haben in Anſehung der Freymaͤurergeſellſchaften, mittelſt allerhoͤchſten Handbillets vom 11 dieſes Monats, allergnaͤdigſt zu erkennen zu geben geruhet:„da nichts ohne gewiße Ordnung in einem wohlgeordneten Staate beſtehen ſoll, ſo ſinde ich nothwendig, folgende meine Willensmeinung zur genauen Befolgung anzugeben: die ſogenannten Freymaͤurergeſellſchaften, deren Geheimniſſe mir eben ſo unbewußt ſind, als ich deren Gaukeleyen zu erfahren wenig vorwitzig jemals war, vermehren und erſtrecken ſich itzt auch ſchon auf alle kleinſten Staͤdte; dieſe Verſammlungen, wenn ſie ſich ſelbſt ganz uͤberlaſſen und unter keiner Leitung ſind, koͤnnen in Ausſchweifungen, die fuͤr Religion, Ordnung und Sitten allerdings verderblich ſeyn konnen, beſonders aber bey Obern, durch eine fanatiſche engere Verknupfung in nicht ganz vollkommene Billigkeit gegen ihre rx—— 248 Untergebenen, die nicht in der naͤmlichen geſellſchaftlichen Verbindung mit ihnen ſtehen, ganz wohl ausarten, oder doch weniaſtens zu einer Geldſchneiderey dienen. Vormals, und in andern Landern, verboth und beſtrafte man die Freymaͤurer, und ſtoͤrte ihre in den Logen ab— gehaltenen Verſammlungen, bloß, weil man von ihren Geheimniſſen nicht unterrichtet war; Mir, obſchon ſie mir eben ſo unbekannt ſind, iſt genug zu wiſſen, daß von dieſen Freymaͤurerverſammlungen dennoch wirklich einiges Gutes für den Naͤchſten, für die Armuth und Erziehung ſchon iſt geleiſtet worden, nunmehr fuͤr ſie, als je in einem Lande noch, geſchehen iſt, hiemit zu verordnen; naͤmlich: daß ſelbe auch un wiſſend ihrer Geſetze und Verhandlungen, dennoch ſo lange ſie Gutes wirken, unter den Schutz und die Obhut des Staates zu nehmen, und alſo ihre Verſammlungen foͤrmlich zu geſtatten ſind. Jedoch iſt folgende meine Bors ſchrift von denſelben genau zu beobachten, und zwar 1)„ Kann hinfuͤro in einem jeden Lande, in der Hauptſtadt, wo die Landesregierung if, nur Eine Loge beſtehen, und abgehalten — 249 werden, dieſes aber, fo oft ſie es für gut finden. Dieſe Loge hat die Tage, an welchen ſie ihre Verſammlungen abhaͤlt, dem Magiſtrate, oder jenem, dem die Polizey in der Stadt obliegt, allemal mit Bemerkung der Stunde zu melden; ſollte in einer großen Hauptſtadt Eine Loge nicht alle Verbruͤderte in ſich faßen köoͤnnen, fü wäre hoͤchſtens noch eine zweyte oder dritte zu geſtatten, welche aber von dem Chef der Hauptloge ganz abzuhaͤngen, und ihre Verſammlungstage und Stunden ebenfalls auch anzuzeigen haͤtten. 2)„Soll in keiner Kreisſtadt, wo nicht eine Landesſtelle, noch weniger auf dem Lande, oder bey einem Partikulier auf ſeinem Schloße, geſtattet ſeyn, dergleichen Freymaͤurergeſellſchaften hinfuͤr abzuhalten, und wird auf die Abhaltung derſelben der naͤmliche Preis zu deren Entdeckung und Beſtrafung geſetzt, der auf die Hazardſpieler patentmaͤßig beſteht; weil jede Verſammlung von unterſchiedlichen Staͤnden der Menſchen ſich ſelbſt nicht kann uͤberlaßen bleiben, ſondern unter bekannter Leitung und Aufſi= — gepruͤfter Maͤnner ſtehen muß; und wuͤrden die dawider Handlenden auch des Ungehorſams wegen perſoͤnlich beſtraft werden. z), Die Vorſteher, oder wie fie nun immer den Namen unter ſich haben, einer jeden in der Provinzſtadt hinfuͤro beſtehenden Loge haben dem Landesſchef auf Ehre und Reputation in einer Liſte die Namen aller ſich verbrüderten Maͤurer, weß Standes und Karakters ſie immer ſind, einzureichen, welcher ſelbe hieher einzuſchicken haben wird, und ſolle alle Vierteljahr der Abgang und Zuwachs an Neuaufgenom— menen von den Logen-Vorſtehern nachgetragen werden, jedoch, ohne ihre Vorruͤckungen oder Karakter und Titeln in der Geſellſchaft ſelbſt anzumerken; wenn aber der Logenmeiſter abgeändert wird, fo muß der Neuernannte es ebenfalls der Landesſtelle melden; da hingegen, 4)„Wenn dieſe Logen fo eingeleitet ſeyn werden, ſollen fie von aller weitern Unterſuchung, Ausfragung, oder was immer für vorwitzigen Auskunftsbegehrungen, auf beſtaͤndig — 251 befreyt ſeyn, und frey und ungezwungen ihre Verſammlungen abhalten koͤnnen, und auf dieſe Art kann ſich vielleicht dieſe Verbruͤderung, welche aus ſo vielen mir bekannten rechtſchaffenen Maͤnnern beſteht, wahrhaft nuͤtzbar für den Naͤchſten und die Gelehrſamkeit auszeichnen; zugleich aber werden alle Neben- und Winkellogen und Verſammlungen, welche ſchon zu mehreren mir bewußten Unanſtandigkeiten Anlaß gegeben haben, gaͤnzlich und auf das ſtrengſte beſeitiget., Ich zweifle nicht, daß dieſe meine Entſchlieſfung allen rechtſchaffen und ehrlich denkenden Maͤurern zum Vergnuͤgen, und zur Sicherheit, allen uͤbrigen aber zur billigen Enthaltung von weitern dergleichen ſtrafbaren Nebenverſammlungen oder Aus ſchweifungen dienen wird. Dieſe allerhoͤchſte Entſchließung, welche mit 1 Jaͤnner 1786 ihren Anfang zu nehmen hat, wird daher zur allgemeinen Wiſſenſchaft und genaueſten Erfuͤllung mit dem Beyſatze durch die K. K. N. O. Regierung hiemit bekannt gemacht, daß jeden Fall der Uebertretung nach Inhalt des wegen der verbotenen Hazardſpiele beſtehenden Patents mit zoo Dukaten beſtrafet, der Anzeiger derley abgehaltenen verbotenen Verſammlungen und Logen aber 100 Dukaten als den zten Theil ſogleich empfangen, ſelbſt dann, wenn er von derley verbotenen Verſammlung mitgeweſen iſt, auch nach der Strafe enthoben, und fein Name jedesmal genauſt verſchwiegen bleiben ſoll. wien, den 16 December 1785. Anmerkung. Dieſe allerhoͤchſte Verordnung, die erſte in ihrer Art, erſchien kurz nach dem Abdrucke meines Manuſtripts, das ſchon laͤngſt in fremden Haͤnden war. Sie konnte daher weder einen Einfluß auf daſſelbe haben, noch mehr zurück wuͤrken; ja haͤtte ſich nicht ein Hinderniß darein gelegt, das ich itzt nicht nenne: fo würde meine Brochure wenigſt um zween Monate jener noch vorgekommen ſeyn. Joſeph entſchied alſo für ſie, noch ehe ſie ans Licht trat; Er warnet in feinem Worte an das Volk vor Gankeley und Geldſchneiderey; Er haͤlt die ſo ſchnelle Verbreitung des Ordens(die Verbreitung des Guten bliebe doch immer gut) für einen würdigen Gegenfiand der Aufſicht der Polizey; Er zerreißt einen Theil ihres myſtiſchen Schleyers, entlarvet die Unterthanen und Nichtunterthanen, und daͤmmet hiemit den hochgeſchwollenen Kalkſtrom, deſſen zůͤgelloſer Ausbruch Stadt und Land unter einen vergiftenden tiefen Schlamm zu verſetzen drohte. Weg zum Theile, weg iſt das Hauptgeſetze der Verſchwiegenheit, und mit ihm das blendende Wunderbare des Ordens.— Aber ihre übrigen Geſetze?— Ihre Winkelpreſſen? — Ihre geheime Briefwechſel?——— Doch was moͤgen nur Wenige ſchaden; Wenige, deren Namen alle Vierteljahre dem Fuͤrſten vorgelegt werden? Bekannte ja ſelbſt ein heiliger Meiſter, was mir aber laͤngſt aus ihren eignen Schriften bekannt war,— daß unter 40 Bruͤdern kaum drey gefunden werden, die wiſſen, was ein Freymaͤurer ſey. Fuͤrwahr eine ſeltſame Akademie der Vierziger, wo zween oder drey ſich verſammeln, um andere ſieben und dreyßig Adepten an einem Narrenſeile zu fuhren, das jeder fuͤr ſich mit z Louisd' or und daruͤber bezahlen muß! Doch es ſey ihnen geſtattet, ſich aͤffen zu laſſen/ weil fie fo wollen: Maͤurer, die doch einiges Gute geſtiftet, und vielleicht in Zukunft wieder ſiiften werden/ 254— gehören unter die Geduldeten Oeſterreichs. Denn wer wird wohl jene Verordnung(ich glaube, ein Sachdeuter darinn zu ſeyn) für eine Beſtaͤtigung und Gutheißung des Ordens ſelbſt anſehen; wie zwar einige Bruͤder im Publiko vorſpiegeln, unter ſich aber das Gegentheil mit innigſter Beklemmung beſeufzen? Die Polizey, die Stundenuhr in der Rechten, in der Linken die Straftaxe der Hazardſpieler, tritt ihnen auf dem Fuße nach; alle ihre Verſammlungen werden abgezaͤhlt und protokollirt; und die Geſetze, die zu kennen der Monarch nie begierig war, wie konnten ſie von Ihm eine Beſtaͤtigung erhalten? Gewiß, bald wuͤnſche ich, gar nichts geſchrieben zu haben, indem die befohlene Einſchränkung den Gefahren, wie man hofft, genug vorbeugen wird. Fernere Anmerkungen uͤberlaſſe ich andern, mit aller moͤglichſten Ehrfurcht gegen meinen Monarchen; vor allem aber ſtelle ich der Zeit die Entſcheidung heim, ob nicht mehrere Logen, wie ſchon das Geruͤcht geht, bey Anmeldung de kaiſerlichen Befehls ſogleich die Thuͤre hinter ſich ſchließen, und vom Fenſter hinab ihr Zuhauſeſcyn verlaͤugnen: ob fie alsdann, wie nach The reſiens Verboth, im Geheimen ihre Winkellogen, nach Weiſe aller Hazardſpieler, nicht fortſetzen? 255 kurz, ob die Maurer mehr einem Joſeph, als dem Barl Theodor und den übrigen Volksbeherrſchern, ſich gehorſam bezeigen, und ihre Begriffe von Gleichheit und Freyheit Seinen Befehlen aufopfern werden?———— Kaum hat mich dieſe neue Verordnung gegen die Kabalen einiger fanatiſchen Brüder ſicher geſtellt: ſo eben erhalte ich ein Schreiben von einem bekannten Freymaͤurer, der ſich ſelbſt zu Ende nennt, und im Falle, daß ich mein Manuſcript nicht zurücknaͤhme, mit einer Satyre drohet, die mir und allen denen, ſo mich lieben, hoͤchſt empfindlich fallen wurde. Aus gegenſeitiger Freundſchaft enthalte ich mich zur Zeit, daſſelbe ſamt meiner Antwort bekannt zu machen, bis daß er mir ſelbſt dieſen unangenehmen Schritt abnoͤthigen wird; und wiederhole indeſſen nur das, was ſein und mein Monarch auf die Vorſtellung, jene zween Ausdruͤcke, Gauteley und Geldſchneiderey, bey der Publikation ſeiner Verordnung auslaſſen zu daͤrfen, jur Antwort gab:„Littera ſcripta manet.;, Was die angedrohte Satyre belangt: dabey, denk ich, koͤmmt es immer auf den Stoff an. Meine Schrift ſey jedermann preis; meine Perſon [rn mn m kann allein von niedertraͤchtigen Brüdern ange: griffen werden.—— Auch dieſes würde ich nicht geruͤget haben, wofern er nicht ſelbſt, zu wiederholtenmalen, ſein eignes Schreiben an mich ganz, meine Antwort nur halb, angefuͤhrt haͤtte. Ich habe die Ehre, ihn und alle ſeine Mitbruͤder zu verſichern; ich ſchrieb wider ihr Inſtitut, nicht wider ihre Perſonen: ich ſchrieb gewiß nicht aus einem Kitzel der Schriftſtellerey, ſondern weil ich in dieſem Punkt, wie Tauſende, anders denke: ſchrieb, ungeachtet daß ich unter den Freymaͤurern viele rechtſchaffene Maͤnner, Freunde— und Gönner zaͤhlte; weil das verſchiedene Denken weder bey mir, noch bey ihnen jemals das Wohlwollen hindern wird. So viel verſpricht ſich wenigſt ein Profaner von den heiligen Koſmopoliten. An den Buchhinder. Die Tabelle S. 72 wird erſt nach S. 104 eingerückt. Druckfehler. Seite III. Zeile 13. ſtatt Parrogen lies Parergen. — 11111 II l V.— 18. ſt. zu leſen l. Seren, 1x. 2 10. ſt. Domanſchlacken J. Romanſchlacken. —— 13. ſt. Buße J. Buſte. XI.— 26. fl, einem l. einen. Erſtes Schreiben ic. 5.— 2. der Schuß der Gaͤnſeaugen nach geben. 9.— 12. ſt. Torris l. Whigs. 16.— 12. ſt. Freyſchimmerey l. Freyſpinnere. 18.— 4. in der Anmerkung ſt. Imhoſter l. Imhoffer. 5. ſt. Dudiu€ Oudin. | 11 37. 4. ſt. Palliatirkur I. Palliativkur. z8.— 2. fl, den l. der. 48.— 15. fi. Freymaͤurerey J. Freymaͤurer. Co.— 4. fl. Coöͤnebium l. Coͤnobium. 69.— 20. ff. an l. auf. 75.— 3. ſt. pure pure l. pur lautere. —— 4. ſt. Ohngefaͤhr l.: ohngefaͤhr. ——& 27. ſt. parturinet[, parturiunt. 84.— 3. ſt. Todeswuͤrdiges J. Tadelwuͤrdiges. 353.— 3. ſt. Verordnungen J. Verordnung. Seite 92. Zeile 6, ſtatt Kollarium lies Korckaz rium. — 106.— 6. fl. tegnet l. tegunt. — 110.— 26. ft. freymaͤuriſchen l. freymaͤtreriſchen.. — 1I9.— 7. fi. Knie l. Kinn. ———a 23. ſt. 7 I. 2. — 123.— 3. ſt. franzoöͤſiſche l. franzöſſch. ... 137.— 5. ſt. Br. Illum. J. Lehrling. — 175.— 7. fl. Adonai l. Mak⸗-Benak. — 202.— 21. ſt. Metaphor J. Metapher. ——— Q 24. ſt. Benedikt X I. Bene: dikt XIV. — 209.— 2. ft. der J. dem. — 214.— 8. ff. ihgeſtæ I. thyeſtæ. — 215.— 9. ſt. Bodenleuchtern J. Bodenleuchter. — 222.— 8. fl. foris JI. focis. — 227.— 14. ft. Geſchichtsſchleyer J. Geſichts ſchleyer. — 222.— 22. ft. coruſſo I. coruſco. — 230.— 27. ſt. der Leib l. den Leib. — 236.— 5. ft. Daube l. Taube. ———ů!3. ff. clapes l. dapes. ) S. 189. 3. 21. Anmerk. Nun erſt leſt ich in der Mainzer Monatſchrift r. g. S. Novemoö. 1785. S. 5150. daß Hr. Winkopp zwar cin/ nach eignem Geſtaͤndniß zweymal aus dem Er— furter Benediktinerkloſter entwichener Mönch, aber doch zuletzt vor dry Jahren ein halb und halb diſpenſirter Ermoͤnch geworden fen, —