Bes ch r e»bung der Gemeineidgnößischen Truppensendung nach Basel, und der Abreise der Zürcherschen Manüschaft. Am ;rten May, 1792. Von Leon a rd Meiste r. Zürich, bey David Bürklt. Marsch - Lied. i. Hoch laßt die Bundesfahne wehn Und schlagen Hand in Hand: Laßt uns zu treuen Brudern gehn Zu schüren ihr und unser Land: Wir waafnen uns, — doch nur, S Vaterland, für Dich: Min, nimer mischt cinSchweizer sich In fremde Händel ein. Zu groß zum Sklaven fühl ich mich,. Und zum Eroberer zu klein l Wir waafnen uns, — doch nur, O Vaterland, für Dich! Durch Eintracht schirmst du Wir zichn der stolzen Lorbcerkron besser dich Des Friedens Oclzwcig vor; Als durch ein Panzcrhcer. Wir sprechen goldncm Blendwerk Ha, wir verbinden brüderlich Hohn; Die Herzen auch, wie das Gewehr! Mit freiem Blik sehn wir empor; Wir waafnen uns, — doch nur, Wir waafnen uns, — doch nur, O Vaterland, für Dich! O Vaterland, für Dich! 3 » 7 . O so wagt keine Frcflerhand Nicht Niederlage und nicht Sieg Sich an der Freiheit Hut; Wird unser Nusgang seyn: L so zerreißet unser Band Und Vortheil doch bringt uns der Nie Höflingslist, nie Kriegeswut! Krieg : Wir waaftwn uns, doch nur, Die Harmonie wird er erneun, O Vaterland, — für Dich: Wir waafnen uns, — doch nur, O Vaterland, für Dich: 4 . 8 . Uns kümmern aüssre Stürme nicht O jeder auch für eigne Haut, Im sichern AlpenschooS, Für eigen Gut und Blnt; Es lenkt ein höheres Gericht Für die Geliebten, für die Braut; Der Fürsten und der Volker Loos. Ihr treücr Kuß, oder giebt Mut! Wir waafnen uns, — doch nur, Wir waafnen uns,—doch nur, O Vaterland, für Di eh: S Vaterland, für Dich ! ^^o klein das Schwerzerland ist/ so merkwürdig ist nicht nur die Höhe und Anstcht seiner Gebirge, sondern voruemmlich auch die Geschichte und die Verfassung des Volkes. Unter so vielen Seegnungen Gottes ist wol eine der herrlichsten, daß seit drey Jahrhunderten tiefes kleine Land von auswärtigen Kriegesflam, wen immer verschonet geblieben. Nächst Gott, dankt es diese Wohlthat den Vatern, theils ihrer bescheidenen Zurükhaltung, theils ihrer biederherzigen Neutralität , theils auch freilich der bewaffneten Vorkehr. Heil unsern Waffen > Werkzeuge des Friedens sind sie; nicht Werkzeuge der Eroberung. Während daß von Zeit zu Zeit, während daß Jahre lang Linksund Rechts der Feüerbrand des Krieges die umliegende Gegend verwüstete, wohncte in Berg und Thal bey uns jeder sicher unter seinem Wcinstocke und Fruchtbaume. Wenn auch einmal ein kleiner Funke von den Kricgsflammcn an unsern Grenzen herabfiel, so löschte er bald und ohne Gefahr aus. Um ihres eigenen Vortheu les willen schonen die auswärtigen Krieger den unftigen; den unserer Neutralität gewinnen sie fflbst nicht weniger als wir; un s sre Brustwehr ist auch Brustwehr für sie. Auf solche Weife all fettig durch die feierlichsten Zusage» gesichert, werfen wir von der geheiligten Höhe der Alpen wechselweise den Vlik hinauf zum Himmel, und hinab an den Fuß unsrer Gebirge, — den Blik voll Dank zu Gott, dem Schuzgotte des Vaterlands, — den Blik voll Rührung auf den blutigen flammenden Schaupla; des Krieges. O Gott! So viele hundert und taufend Menschen, unsere Bruder, fürwahr mehrere von ihnen eben so gut oder besser als wir, zittern für ihr Haus und ihr Feld , zittern für den Verlust, für das Leben eines Vaters - eines Bruders, Sohnes und Gatte»; sie sehn ihr ganzes Glük, ihre Ruhe, ihr Daseyn auf dem Spiel: — Und wir gemessen der Freiheit, des Friedens, der Ordnung und Sicherheit, der Arbeit unserer Hände! —Die einzige Unbequemlichkeit, die der auswärtige Krieg auch für uns hat, ist—Bestzung der Grenzen. Sehr klug und mit Recht folgen wir auch hierum dem Beyspiele der Vätcr. So hatten sie im Iahe 16,-2. während der blutigen Verwirrung in Frankreich 500. Mann nach Bafel und eben so viel nach Solothnrn in Besazung gelegt; so erst noch eine solche in diesem Jahrhunderte beym Ausbruchc des Krieges nach dem Hinschied Kayscr Karls VI. Die Hauptaustalten zu solcher bewaffnete» Vorkehr datieren sich schon vom Jahr 16Ü8. Schon damals dachten sie im Ernste auf bessere Anordnung gegenseitiger eidgenößifcher Schnz- Icistung. Es schien ihnen nicht genug, daß jeder Kanton nur für sich selbst auf besondere Verthäidignngsanstalten eingeschränkt bleibe. Aufder Taglcistung zu Baden im Jahr 1663. vereinig, tcn sich die meisten Kantone über folgende Punkten: — Jeder soll bey erster Aufforderung des andern auf dreyfachen Zuzug be- reit seyn; auch soll jeder ausser dem Oberbefehlshaber noch ein Rathsglied zu dem Kriegcsrathe ernennen, welcher alsdenn mit gehöriger Vollmacht versehn wird. * — Ohne Rüksicht aus dieses alte Defensionale, und ohne sich buchstäblich an jeden Punkt desselben zubinden, fanden es nunmehr in dem Jahr 1792. die Eidgenossen nicht ausser dem Wege, bey dem Ausbruche des Krieges zwischen Frankreich und Oesterreich über die Sicherstellung der Grenzen in Unterhandlung zu tretten. Im Maymonate wurde zu Frauenftld eine außerordentliche allgemeine Tagleisiung eröffnet. Wie dringend die Sicherstellung selbst sey, bezweifelte niemand. Ungeachtet nämlich die Kriegsführenden Mächte selbst die schwcizersche Neütralität anerkennen, wie leicht kann sie nicht, auch gegen ihren Willen, wenigstens mittelbar auf diese oder auf jene Weise beunruhiget werden? Wenn auch der Schweizerboden von den Feldherrn und von den regelmäßigen Trup. pen verschont bleibt, so ist er doch nicht völlig sicher vor den Unordnungen entweder eines Streifzuges oder der Ausreissung. Zur Abtreibung solcher Unordnungen , und der daher entstehenden Raubsucht und Mordbrennerei wünschte der Kanton Basel begründet einen gemeineidgenößischen Zuzug von vhnge- fähr lass. Mann. Für unser gemeineidgenößifches Vaterland wird selbst das Uebel zum Guten. Die Unruhen von Aussen befördern die )( ; * S- Manen Dekade III. L. 7. c. in Handschrift auf , der Zürchersichen Stadtbibliothek. Ruhe von Innen; die Besorgnisse erzeugen Wachsamkeit; die Gefahr bringt die Kantone näher zusammen- Wie ? Bey der geringsten Gefahr des entlegensten Grenz-Kantons sollte auch nur einer gleichgültig bleiben ? Sind sie nicht alle verbrüdert? Stehn nicht auch den innern Kantonen bey einheimischen Unfällen die entferntem mit Gut und Blut zu ? Leidet nicht der ganze Körper, die Brust und das Herz, wenn die Glieder vcr- lezt werden? Nimmt die Unsicherheit nicht auch im Schvosse der Eidgcnoßschaft in gleichem Grad überhand , wie an den Grenzen derselben? Wenn wir also für die Sicherheit von diesen sorgen, sorgen wir nicht — mehr oder weniger — jeder für sich selbst? Und gefeit, in dem Innern der Schweiz haben wir nichts zubesorgen, sollen wir denn gleichgültig und ohne Theil- nemmung unsrer Ruhe gemessen ? Sollen wir denn nicht gerne zur Erleichterung der entfernten Brübcr das Unstrigc beytragen ? O wie viel bequemer, wie viel süsser ist es nicht, Zuzug zugeben, als ihn zubedürffen! — In Kraft ihrer Vollmacht vereinigten sich also auf der Taglcismng die Abgesandten von Zürich, Bern, Luzern, reformirt Glarus, Freibnrg, Solo- thurn, Schaf Hamen, Appeuzel! ausser Roden, Abt und Stadt St. Gallen, nebst der Stadt Viel, sogleich zu einem Zuzugs von vhngefähr ivoo. Mann nach Basel. Die Gesandten der übrigen Kantone traten, nach erhaltener neuen Instruktion, dem gleichen Plane bey. — Gemeinschaftlich also verabredete man einen bewaffneten Zuzug von i;?;. Mann, als den Acht. theil von einem Corps von nooo. Mann, für einmal mit Aus, lehliessung des Kontingents aus den gemeineidgenößischen Vog« teyen. Von Zürich — 17;. Mann. Von Bern — 2;o. Mann. Von Luzern — i;o. Mann. Von Ury — so. Mann. Von Schweiz — 7?. Mann. Von Unterwalden — 50. Mann. Von Zug — 50. Mann. Von Glarns — so. Mann. Von Basel — so. Mann. Von Frciburg — 100. Mann. Von Solothurn — 75. Mann. Von Schafhausm — so. Mann. Von Appenzell — 7;. Mann. Vorn Abt zu St. Gallen 12;. Mann. Von der Stadt St. Gallen 25. Man». Von der Stadt Viel 2s. Mann. r ;7 s. Zum Etat - Major geben und ernennen der Kanton Zürich einen Obersten Kommandanten; der Kanton Bern einen Oberst- Lieütenant; der Kanton Luzern einen Groß - Major. Der Etat-Major erwält für sich aus denjenigen Befehlshabern» die noch nicht zum Etat - Major bestimmt sind / zween Aide - Majors und zween Unter-Aiden. Majors. — Den katholischen Feldprediger erwält man von Tornach aus ; den reformirten von Basel aus. Von Basel aus werden auch der Chirurgus und der Büchsenmacher ernennt. Das ganze Corps besteht aus zwey Bataillons, jedes zu sieben Compagnien. I. Bataillon: a. zwo Compagnien von Zürich, 200. Mann/ nämlich 175. von Zürich/ und 2s. von der Stadt St. Gallen. Bey der erster» befinden sich lauter Offi- ciere von Zürich; bey der lezten ebenfalls/ ausgenommen der Obcr-Lieüteuant von der Stadt St. Gallen. t> Zwo Compag- * Für einmal noch behält dieser Kanton seinen Beytrag zurük. nie», nämlich r;o. Mann von Luzern, und ?«,. vvn Basel. Bey der erüern alle Officiere von Luzern; bey der lcztern der Hauptmann und Unter-Licütenant von Basel. — c. Zwo Compagnien, nämlich 7;. Mann von Schweiz, und 12;. von dem Abbte zu St. Gallen. Schweiz giebt zur zweiten Compagnie den Hauprmann und Unter - Lieutenant; der Abbt die übrigen Officiere. ä. Endlich noch eine Compagnie, nämlich 7;. Mann von Solothurn, und 2;. Mann von Viel, wozu Solothurn den Hauptmann und Unter-Lieutenant giebt, Viel aber den Ober-Lieütenant. II Bataillon. 2. Drey Compagnien, näm. lieh Bern 2Mann, Ury ;c> Mann. Bern giebt zu zwo Com- pagnien alle Officiere, und zur dritten den Ober - und Unter- Lieutenant ; Ury hingegen zu dieser leztcrn den Hauptmann. — b. Eine Compagme, nämlich Unterwalden zo, und Zug ;o, wozu jener Kanton den Hauptmann und Unter - Lieutenant, dieser Kanton aber den Ober-Lieütenant giebt. —0. Eine Compagnie, nämlich 50 Mann von Glarus, und 50 vvn Schafhausen ; von Glarus der Hauptmann und Unter-Lieutenant; von Schafhausen der Ober-Lieütenant. — 6. Eine Compagnie von Freiburg, unter ihren eigenen Anführern. — e. Eine Compagnie von Appenzell, 75 Mann, nebst ihren eigenen Befehlshabern. — Jede dieser Compagnien bekömmt vier Wachtmeister und vier Korporalen, die nach dem Maasse der Kontribution vertheilt werden; auch hat jede Compagnie zwey Tambours. — Die Artillerie besorgen die Kantone Bern, Basel und Solothurn. Bey dem ganzen Entwurffe behalten sich die Kantone das Recht vor, entweder selbst Abänderungen zutreffen, oder sie dem Etat - Major anzuvertrauen. Auch soll die gegenwärtige Einrichtung für die Zukunft ohne Folgen seyn. 9 Und NUN, um einen Begriff zu geben, wie in einem Lande und unter einem Volke, wo man kein stehendes Heer unterhält, die Aufgebote geschehn, verweilen wir noch besonders bey dem bewaffneten Wegzuge von Zürich. Die Miliz dieses Kantons wurde beträchtlich verbessert. Sie besteht aus Fußvolk und Reü- terei. Jenes begreift zwanzig Regimenter, oder so geheissene Quartiere. Jedes derselben besteht aus zwey Bataillons, oder zehn Compagnien, unter welchen sich zwo Frey Compagnien befinden. Zu diesen beyden leztcrn zieht man nur die ansehnlichsten Leüte aus der jungen, meistens unvcrchlichten Mannschaft. Die eine der Frey Compagnien jedes Quartiers, nebst noch zwo an« dern Compagnien sind jederzeit auf den ersten feindlichen Wegzug bereit; zu einem solchen ersten, einfachen Wegzüge gehören 1400 Mann.—Jedes Regiment oder Quartier hat seine eigenen Sam- melpläze und Musterungen. Von Ostern bis Pfingsten üben sich alle Compagnien unter den Waffen. Von Zeit zu Zeit werden aus allen Quartieren grössere oder kleinere Corps zum Theil auf obrigkeitliche, zum Theil auf Privatunkosten zur Uebung in eine Garnison oder in ein Feldlager berufen. Die sämtlichen Regimenter oder Quartiere formieren vier Brigaden, jede unter der Aufsicht eines besondern General - Jnspectors aus dem täglichen Rathe. — Das Artillerie-Corps besteht aus acht Compagnien, welche aufdie Quartiere und aufdie Parc-Artillerie vertheilt sind. Die Reüterei besteht aus vierzehn Compagnien. Hiezu kommen noch die Jäger-Corps und Schiff-Compagnien. —Kein Landmann darf sich verehlichen, ohne ein Billet von dem Quartierhauptmanne, daß er mit Gewehr und Uniform versehn sey. Die, se Unkosten kommen in keine Verglcichung mit denjenigen, welche anderswo der Bürger und Bauer für Mietsoldaten bezalt. Auch ist es für eigne Schnzwehr, für sich selbst/ für Weib und Kinder, für Haus und Boden, für Freiheit und Vaterland, daß der Eidgenosse, und zwar ohne Unterschied, der einewie der andere, die Waffen ergreift. Indem er sich selbst bewaffnet, behauptet er umso viel sicherer von Innen so wol als von Aussen die Freiheit. Seine Waffenübungen sind zugleich Nationalspiele. Bey wirklichem kriegerischen Aufbruche bekömmt jeder Bcfchlhaber und Söldner seine Besoldung, und zwar beynahe in jedem Kantone aus dem öffentlichen Schaze, ohne die geringste Bedrükung des Volkes. * In dem Kanton Zürich wurden gegenwärtig zu weiterm Wegzüge nach Basel aufdcn 29, May 1792. drey Compagnien nach der Hauptstadt berufen, so wie sie die Reihe unter den marschfer-tigen traf. Ocffentlich wurden sie bis zu ihrer Fort- reise den ;i. May auf den Znnsthäusern bewirthet. Jeder, Bürger wie Landmann, Vornehmer wie Geringer, Herr oder Knecht, ist in seiner Ordnung zum Dienste verpflichtet: keiner darf sich entzichn; keiner an seiner statt einen andern hinschiken. Die drey Compagnien, welche diesmal die Reihe zum Wegzüge traf, waren aus drei verschiedenen und von einander entlegenen Bezirken, nämlich 1°. aus dem Quartier der Hauptstadt, 2°. aus dem von Wäddenschweil, ;°. aus dem von Trül- likon. Eine Kommitts des Kriegsrathes zog aus jeder dieser drey Compagnien ?->. Mann aus. Hiezu kamen noch 2;. Scharfschüzcn, 4- Ordonanzreuter, und 14. Kanoniers, nebst zwo vierpfündlcr-Kanonen. Die Kriegs-Kommitts nahm die Auswahl in Beyseyn der Offiziere bey verschlossener Thüre vor, * Nur selten und in dringenden Fällen erfolgt in dem einen oder dem andern Kanton irgend eine sehr mäßige Bcsteürung. indem sie jede Compagnie besonders vortretten ließ. Aus der gesummten Mannschaft erwählte man zuerst die Freywilligen/ dann die jüngsten, die unverehligten, und (so viel möglich) ganz wohlhabende, oder doch solche, die bey Hanse am wenigsten verabsäumten. Zur Schonung ihrer eigenen Waafen, gab man ihnen aus dem öffentlichen Zenghause in Zürich ganz neue Flinten, Säbel, Patrontaschen und Kuppel. Auf hohen Bc- fehl mußte sich auch jeder Sgldat auf den Marsch mit einer Bibel oder einem Andachtsbuche versehen. Den May wurden die Ausgchobencn zur Cidleistung zusammenberuffen. Es geschah unter folgenden Zierlichkeiten. Abends gegen vier Uhr erschallte beym Frauenmünster das Kir- chengeläute. Schon um drey Uhr war die Kirche mit Mensche» angefüllt. Inzwischen blieb der Plaz für die Truppen mit Schildwachen besezt. In ungedultiger Erwartung sah man da bey 6200. Personen, — noch so verschieden sswol in Kleidung und Aussetzn, als an Rang und Herkunft, am Geschlecht und an Alter, alle nichts desto weniger gleichsam Ein Sinn und Ein Herz; —ohne Unterscheid neben dem aufgechürmten Hanptschmuke die bescheidene Haube, neben dem Galakleide des Städters der ländliche Kütel, neben der kriegerischen Uniform der geistliche Schwarzrok. Wie sehr nährt sich nicht in solchem Gedränge die Liebe zum Vaterland? Wie sehr pflanzt sich nicht die allgemeine Theilnehmung auch auf die Nachkommen fort? Du, kleine Tochter in dem Schosse der Mutter, du, kleiner Junge auf der Schulter des Greises, auch Ihr schon saht gerührt zu; einst rührt Ihr die noch ungebohrnen Enkel durch die Beschreibung des heutigen feyerlichen Auftritts! 12 Um vier Uhr geschah unter dem Ehrfurcht einflössendcn Trommelschlage mit fliegender Fahne der kriegerische Einmarsch zur Kirche. In voller Waffenrüstung besezten die Soldaten das vordere Geflez. Mit entblößtem Haupte begrüßte sie,—die Söhne und Wächter des Vaterlandes, —eine ganze Versammlung.—Dem Range nach nahmen die Befehlshaber Plaz gegenüber der Kanzel; hinter denselben die Artilleristen und Jäger. Auf dem erhöheten Plaze rund um den Taufstein hatte sich m ftnatorischem Feycrkleide der gesummte Kriegesrathnebst einem anwesenden General und dem Oberst in Uniform, niedergclas- scn. — Ueberhaupt war auch beynahe der ganze Senat zugegen. Unter heiliger Stille begann das Kricgesfest mit dem Gesänge, dem ersten und dritten Stüke des I.XXXIXten Psalms, Unter dem hochschallenden Gestänge erhob sich die Stimme der bewaafueten Krieger. Ohne Buch, sangen sie aus dem Gedächtnisse und aus dem Herzen. Mit andächtigem BM begleiteten sie den Prediger auf die Kanzel. Der verdienstvolle Prediger, Herr Diakon Hcß, verlas ein salbungsvolles Gcbett, das er selbst für diese Feyerlichkeit verfertiget hatte. Zum Texte wählte er die Geschichte im 2 . Buch der Chronik XXXII., 2 ., 6. — 8. Sehr kraftvoll stellte er die gegenwärtige bcwaaf- nete Versammlung, unter welcher Kriegesspeere und Fahnen hervorragten, in Gegensaz mit seinen gewöhnlichen Zuhörern, besonders mit denjenigen, die erst noch vor ein paar Tagen an dem Pfingstftstc in gleicher Kirche bey dem Nachtmahle erschienen. Nach Anführung des Zwekes von der jezigen Zierlichkeit, schilderte er mit vieler Anmuth sowol den schönen Anblik des Schweizerlandes, als seine gesegnete Verfassung. Mit Recht verglich er, besonders auch in Rüksicht auf äussere Gestalt, die Schweizergebirge mit jenen Gebirgen von Judäa. Dann be« rührte er kurz die Maaßregeln, deren sich (nach dem Texte) Ezechia zur Verteidigung seines Landes bedient hatte. Der fromme König, sprach er, hatte dazu alle nur möglichen Mittel, er hatte die schiklichsten und wirksamsten benuzt: Weise Berathschlagungen; starke Verschanzungen; streitbare Völker, und bey denselben genaue Mannszucht; herzliches Zureden ; endlich aber und vor allem aus Verbreitung des Vertrauens zu Gott, Verbreitung religiöser Gesinnungen. — Welch ein Beyspiel für unsere Regenten? Freilich, fuhr der Prediger fort, freilich sind wir nicht in gleicher Gefahr mit Judäa; freilich bedroht uns kein Senacherib; freilich gehn wir eigentlich keinem Feinde entgegen; wir beschränken uns ausungcstörte Bewachung der Grenzen: Und wie viel klüger nicht ist es, wie viel bequemer und leichter, wenn man zum voraus feindlichem Ueberfall vorbiegt, als erst bey wirklicher Überraschung aus Vorkehr und Gegenanstalten bedacht ist? — Auf die Aufforderung lieber treuer Nachbarn, Eid. und Bundesgenossen bewaffnet Ihr Euch; treuen Brudern zieht Ihr zu Hilfe, so wie auch sie im ähnlichen Falle Euch zu Hilf eilen würden. Indem Ihr dies thut, erfüllt Ihr jene Vorschrift: Alles, was Ihr wollt, das Euch Andere thun, das thut auch Ihr ihnen. Indem Ihr es thut, behaltet Ihr mit Recht die ehrenvolle Benennung der Eidgenossen. Welche ehrwürdige Benennung? Woran erinnert sie Euch'? An die Thaten und an die religiostn Gesinnungen der Väter. Worauf gründet sich unser Glük, worauf die Grundlage und die Erhaltung der eidgenößischen Verfassung? Auf den hochheiligen Eidschwur, auf die Religion also, auf Gott im Himmel, den wir bey allen unsern gememeidgenoßischen Unternehmungen als Zeugen, als Scliuzherrn, als Vergelter betrachten. — Indem Ihr Euch nun zum Wegzuge bereitet, so werft, biedere, dapfere Krieger, werft den Blik rund umher auf die zalreichc Menge, auf fo viele hundert und hundert Söhne und Töchter des Vaterlandes, eure Landslcute ; Euch begleiten ihr Dank, ihre Gelübde, ihre Segnungen. Ihr, Vater des Vaterlandes, werft den Blik auf des Vaterlandes bewaffnete Söhne; Ihr Söhne, werft ihn auf eure Vater!- Zuerst noch ein Wort an diese, und dann auch noch eines an jene: Geht, fromme dapfere Waffenbruder, geht hin zu frommen dapfern Waffenbrudern! Gott sey es gedankt, keineswegs ausserordentlichen Gefahren geht Ihr entgegen; Gott sey es gedankt, in sicherer Ruhe und bey ungehinderter Arbeit laßt Ihr die lieben Eurigen zurük. Freilich wechseln in dem mensch, kichen Leben trübe Stunden mit heitern; freilich ist vor Unfall Lein Sterblicher sicher. Laßt Euch darum für die lieben Eurigen mÄ't bang seyn! Auch in eurer Abwesenhcir schenkt ihnen Gott gute Nachbarn und Freunde; unter Gottes Beystande sorgen für sie ein frommer Pfarrer, ein kluger und treuer Dorfvorsieher, eine väterliche Regierung. Gott rst überall; hier bey den Emsigen; dort bey Euch. Auch im Feldlager steht am Morgen nir auf, und geht Nachls nie zur Ruhe, ohne daß Ihr die lieben Eurigen und Euch dem Herrn, dem Vater im Himmel, empfehlt.— In euerm Berufe seyd pünktlich. Bey dem kriegerischen Berufe kann die geringste Unordnung im Einzelnen grosse Verwirrung im Ganzen erzeugen. Genauheit im Dienste ist eine ehrenvolle Tugend; sie erwirbt Euch Sie Liebe der Anführer, und Achtung selbst bey den Feinden; sie ist eine Lugend, die auch das Evangelium .Match- VIII. y ) anpreißt. Neben dem Dienste bezeigt Euch eidgenößisch gegen die eidge« nößlschcn Mttkriger; besonders auch bezeige Euch bescheiden und dienstfertig gegen diejcnnigen, die Euch an den Grenzen mit so viel Zutrauen unter ihr Dach aufnehmen. Habt immer den Rath und die Warnung des Johannes im Auge. (Luc. III. 14.) O welch ein schönes Denkmal könnt' Ihr Euch stiften! O, wie werden eure Bcwirlher lange noch, wenn Ihr schon wieder bey Hause seyd, sich Eurer mit Dank und Ruh. rung erinnern: O, mit welcher Freude empfangen sie, nicht einst jeden von euern Anverwandten, wenn ein solcher zufälliger Weise durch den Ort reiset, wo Ihr einen so guten Ruhm zurüklassen werdet! Und nun, von Euch wcnd' ich mich an eure Befehlshaber, an euer Haupt. Was ich Euch sage, das sag ich auch Ihnen. Gott beglerte auch Sie, den verdienstvollen obersten Chef, und die edlen würdigen Befehlshaber; auch Sie halten Gott in dem Auge; Gott, die unüberwindliche Brustwehr; Go t, den besten Mitstreiter; Ihn, ohne dessen Dienst kein Dienst gesegnet seyn wird. Welchen glänzenden Beweiß hat nicht unlängst noch bey dem kriegerischen Feldlager unweit der Stadt das Haupt dieser Mannschaft so wol von seinem Eifer als von seiner Klugheit gegeben? Welch einen Beweiß, daß bey den Untergebenen zur Behauptung der Mannszucht und des Gehorsams kein Mittel so kräftig wirkt, als eine Anführung, die mit väterlichem Ernste lheilnehmende Liebe, und mit gesezlicher Ordnung menschenfreundliche Sanftmuth verbindet? So weit einige von den Hauptcrinnerungen der Predigt. Der fürtrcfliche Redner beschloß sie mit bündiger Darstellung von der Wichtigkeit der Eidlcistung. Euch und euerm redlichen Herzen, Euch und euerm gesunden Verstände, —sprach er,— trau ich es zu, daß Ihr auch ohne Eibieistung den Befehlshabern, dem Vateriande, den Vätcrn des Vaterlandes Treue und willige Folgsamkeit beweisen würdet; allein zur Verstärkung eurer guten innern Hcrzensgesinnungen, zur Belebung eucrs Muthes, zur Unterhaltung des gegenseitigen Zutrauens, zur Verstcherung des göttlichen Beystandes änssert Ihr eure Gesinnungen auch sichtbar und sicherlich vor dem Volke, vor der hohen Obrigkeit, vor Gott im Himmel, und unter An- ruffung seines dreymal heiligen Namens! — Der Prediger beschloß mit rührendem Gebette. Nach kurzer bündiger Anrede ließ hierauf der oberste Chef durch den Sekrctair des Kriegsrathes die Kriegsartikel verlesen, und dann sprach er der gestimmten bewaffneten Mannschaft den Eid vor, den sie mit aufgehobener Hand und entblößtem Haupte schwor. Zum Beschlusse erschallte der religiöse Gesang; das siebente und achte Stük des neun rmd achtzigsten Psalms. Unter den zahlreiche» Anwesenden befand sich wol auch von den marichsrtigen Kriegern hie und da ein Vater, ein Sohn oder Bruder, eine Schwester, die Gattin, die Verlobte. Geht nun, gute Leute, geht aus der Kirche und ausser die Stadtmauren zurük aufs Lande unter das friedliche Obdach- geht, I und theilt cuern Nachbarn und den Eurigen das gerührte Herz mit; beschreibt ihnen auf der eine» Seite den würdigen Anstand und die fromme Aufmerksamkeit der Waffenbruder; auf der andern Seite ihren frohen Muth und die ehrenvolle liebreiche ' Bcwirthung, womit man sie aufnahm; begleitet sie in Gedanken mit frommen Vcegnungen! Ja, solcher Krieger bedarfst du, o Vaterland! Männlich entschlossen und dapfcr, hören sie nicht auf gute Bruder, gute , Sohne zu seyn; auch unter den Waffen vergessen sie den Pflug, ! und unter dem Gezelte den heimischen Feuerheerd nicht. Auf die Reife bekam mancher von den weniger Begüterten ein Geschenk mit; alle bekamen für den Marsch gedoppelte Besoldung. Solche kenn ich unter den Aermcrn, die beym Wegzüge einen Theil des vorausempfangcnen Geldes zurükliessen — zur Er- quikung der Ihrigen. Den ; i. May Morgens um halb fünf Uhr machte sich die Avantgarde auf den Weg; um halb sechs Uhr das übrige Korps, mit bedeklem Gewehr. Wegen schlechter Witterung erleichterte I man die Truppen, indem man ihnen die Haberfäke abnahm. ! Nach genossenem Frühstüke zogen sie bey finsterm Wetter, aber ! mit heiterer Stirne hinab. Unterwcgcs schon zu Diettikon bot ihnen der menschenfreundliche Prälat zu Wettingcn ein Frühstük 'an. In Baden genossen sie das Mittagmal; in Lcnzburg brachten sie die Nacht ! zu. — Den i. Brachmonar, am zweyten Tage des Marsches, > nahmen sie das Mittagessen in Aarau, und übernachteten zu ! Ölten; den 2. Brachmonat, am dritten Tage, bl cben sie zu Mittag in Laufelingen, zu Nacht in Lissach; den Brachmonat, also am vierten Tage des Marsches, trafen sie in Basel ein. Je unfreundlicher die Witterung war, desto mehr kam man ihnen aller Orten mit freundlicher Begegnung zuvor. So z. B- in Lenzdurg, in Aarau, überall cmpfi ng man sie unentgcldlich in den Bürgerhäusern; man wärmte für sie die Zimmer, gab ihnen Better und Kleider, troknete die ihrigen, und an jedem Orte thaten die Einwohner f um sie ausruhen zu lasse»,) die Nacht über für sie die Wache. ' / '.L »5^ >r^E 'LE-: » »v! V.-7> < .<>: < '«L. .M. 67M- i.r-/ '7-'E ».. »:> >, *> > -^- -» *>L. < / . >--^ 7 ^ >- L" 7^ 7^-.^ >M-?. O,—' MM<-> ik2k-4"« —.', r > ><- . -^7'^ << ^ >«; > ^°) ' X-'''ö -- -.