!j!l DDZD M MW «SüiLdÄ ! r-h i UM :>!>:ij! : >!t! Z " ^ ^ .s> « AiWM > ' I' 1 Oc^>- Johann Peter Hebel Erinnerungsgabe zum hundertsten Todestage -c^>k3 '' , -*> ^ MWU MW «tzE Johann Peter Hebel Erinnerungsgabe Z u m hundert st en Todestage Im Auftrag der Basier Hebelstkftung herausgegeben von Wilhelm Aliwegg Ein Brief und drei Gedichte in des Dichters Handschrift Basel - Helbing L Lichtenhahn - 1926 LstsI«^ /V uf den hundertsten Geburtstag des mit der Stadt Basel durch Geburt ^ ^ und Liebe so eng verknüpften Dichters haben die Basler Hebelfteunde einst jene stattliche „Festgabe" herausgegeben, die unbekannte Schätze Hebel- schen Geistes ans Licht zog und die heute noch die köstlichste Sammlung seiner Briefe darstellt. Bei der Feier selbst legte derselbe Kreis verdienter Männer den Grundstock zur „Basler Hebelstiftung", die fortan Jahr für Jahr am 10. Mai beim heiter bescheidenen Hausener Hebelmähli, in Erfüllung eigener Wünsche Hebels, die zwölf Ältesten seiner ländlichen Heimatgemeinde bewirtet, dem einen, später den zwei Brautpaaren die Hochzeitsgabe spendet und die vier Schüler erfreut mit dem Hebelgedenkbüchlein. Inzwischen ist manches Andere geschehen zu Hebels Ehren und Gedenken,- manches Neue wird auch der Tag bringen, da Hebels Tod zum hundertsten Male sich jährt. Da kann die Gabe der Basler Stiftung keine so große mehr sein. Aber der Dichter möge doch selber wieder zu Worte kommen, und zwar diesmal mit den Zügen seiner eigenen Hand. Denn wenn Goethe einst Schillers letzten Brief zeitlebens „als ein Heiligtum unter seinen Schätzen bewahrt" hat, und wenn er im Jenaer Gartenhaus ausgestellt wissen wollte „in Glas und Rahmen ein bedeutendes Blatt seiner eigenen Handschrift", so verbindet der Freund Hebels ein ähnliches Gefühl mit Blättern von dessen Hand, und aus ihren Zügen auch tritt ihm entgegen die heiter klare Anmut seiner beglückenden Persönlichkeit. Alle Blätter stammen aus Basler Besitz. Ihrem Eigentümer, Herrn K. Geigy-Hagenbach, gebührt der herzliche Dank, sie in freundlichster Hilfsbereitschaft zur Verfügung gestellt zu haben. 2hm und einigen weiteren Hebelfreunden sind auch die Mittel zu danken, die eine Veröffentlichung dieser Art erheischte. Zu aufrichtigem Danke verpflichtet ist endlich der Herausgeber ebenso den Herren Gehekmrat Dr. K. Obser in Karlsruhe und Dr. Th. Engelmann in Basel für allerlei Auskünfte wie für die liberal gewährte Erlaubnis der Benützung der von ihnen verwalteten oder ihnen gehörenden Hebelmanuskrkpte. Z Brief an Fr. D. Gräter. Der große Brief, nun auch abgedruckt bei K. Obser (Briefe von I. p. Hebel. Eine Nachlese usw. Karlsruhe 1926. S. 11 ff.), aber bisher unbekannt und noch nicht ausgeschöpft, ist eine der wichtigsten Äußerungen Hebels überhaupt, als das Zeugnis, das mit einem Male die ganze Entstehungsgeschichte der „Alemannischen Gedichte" aufhellt. Am 6. Februar 1801 hatte Hebel zum erstenmal dem treuen Freunde Hitzig gegenüber den Schleier von dem bisher ängstlich gehüteten Geheimnis seines alemannischen Dichtens und des Planes einer ganzen Sammlung gelüstet, hatte ihm „Iamben" beigelegt und berichtet, daß er den „Dengelengeift" in Arbeit habe (Festgabe, S. 106 f.). Am Ist. April muß er gestehen, der „Dengelengeift" gerate ins Stocken, und er schickt dem Freunde die bisher gelungene Einleitung, in der Hoffnung, vielleicht von dessen Phantasie einen Gedanken zur Fortsetzung zu erhalten (a. a. O. S. 110 ff.). Am 20. Juni kann er von weiterem Fortschreiten melden und den Anfang der „Wiese" schicken, zu der er den „Dengelengeift" verwertet hat (a. a. O. S. 115), und der Besuch im „Oberland und Weil" führt ihm die Landschaft der Gedichte erneut auch vors leibliche Auge und mehrt noch seine wehmütige Sehnsucht darnach (Briefe an Gustave Fecht, herausg. von W. Zentner, S. 6? unten). Aber schon am 11. Februar muß er schreiben: „Der alemannische Pegasus will nimmer fliegen" (a. a. O. S. 11?), wie er dann später auch in dem Brief vom 22. Mai 180st gesteht: „Ich bin kein geübter und fruchtbarer Dichter, der kann, wenn er will. Die Muse wohnt nicht bey mir, sie besucht mich nur und ich besorge, an ein paar Gedichten, die ich schon an die ,2ris' gegeben habe, bereits meinen Beytrag zu den Beweisen geliefert zu haben, daß kein Segen dabey ist, wenn man's in böser Stunde erzwingen will." (Besitz Geigy-Hagenbach, jetzt Obser S. 22.) Doch kann er immerhin von Zuwachs melden — „Freude mit gutem Gewissen", „Das Habermus", „Der Storch", „Sonntagsfrühe" — und von der Fertigstellung des Idiotikons. Und schon wird die Frage des Verlegers diskutiert: ob Hitzig schon Frkck, dem Basier Buchhändler, „den Angel vorgeworfen", daß Günttert zu Haas, dem bekannten Basier Schriftgiesser und Buchdrucker, geraten habe. (Vgl. dazu W. Zentner, Basl. Nachr. 1922, Sonntagsblatt Nr. 11). Das ist das wenige bisher Bekannte. Unmittelbar vor den zuletzt genannten Brief fällt nun aber unser neuer vom 8. Februar 1802. Den Namen des Adressaten trägt er nicht mehr, aber ein Brief vom Z. August 180? aus demselben Basier prkvatbesih (jetzt Obser S. 49) läßt keinen Zweifel, daß er an Friedrich David Gräter, den damaligen Gymnasialprofessor in Schwäbisch Hall, gerichtet ist. Gräter, den auch später Jakob Grimm des brieflichen Verkehrs würdigte, hatte damals schon sich verdient gemacht um Förderung und Popularisierung der alldeutschen und nordischen Studien. Schon 1?9Z hatte er ein Wörterbuch der Schwäbksch-Hallkschen Mundart veröffentlicht und gab dann in Verbindung mit andern eine eigene Zeitschrift heraus, die seit 1?91 unter dem Titel „Bragur. Ein Literarksches Magazin der Deutschen und Nordischen Vorzeit," seit 1?96 mit dem Untertitel »Braga und Hermode oder Neues Magazin für die vaterländischen Altertümer der Sprache, Kunst und Sitten" erschien, und zu deren Subskribenten, seit eben diesem Jahre 1?96, auch Goethe gehörte (vgl. Goedecke, Grundriß VII 2, 20Z —216,- Allg. Deutsche Biographie IX, 599,- Krauß, Schwäbische Lkteraturgeschkchte I, Z?1 ff. Jetzt auch Obser, a. a. O. Anmerkung 18). Neben Abhandlungen über sprachliche, literarische, kulturhistorische Themata brachte die Zeitschrift vor allem auch reichlich proben. So standen im 5. Bande von 1?9? neben anderem schweizerische Volkslieder mit Musikbeilagen, im 6., dessen erste Abteilung 1?98, die zweite erst 1800 herauskam, eine »Blumenlese aus den Minnesingern", gleichfalls mit einer Musikbeilage, »Altdeutsche Volkslieder", darunter »Ein Mülner ist gesessen zu Basel an dem Rein", außerdem, von I. Fr. A. Kinderling in einer umfänglichen Abhandlung erläutert, „Ein altteutscher oder alemannischer Gesang", d. h. das bekannte schöne Melker Markenlied vom Anfang des 12. Jahrhunderts. Man begreift, daß Hebel an diesen. Mann gelangte mit der Bitte nicht nur um ein Urteil über sein der Vollendung entgegengehendes Gedichtbuch, sondern auch um Aufnahme eines Gedichtes in die viel gelesene Zeitschrift. Ja, das letzte ist offenbar der eigentliche Zweck von Hebels Schreiben, und so fügt es sich ein in die Reihe von Versuchen, den Kindern seiner Muse zur Veröffentlichung zu verhelfen. Aber wichtiger ist der Brief durch das neue, helle Licht, das er eben auf das ganze Werden der »Alemannischen Gedichte" wirft und damit auch auf den Platz, den Hebel in der Geschichte deutscher Dichtung einnimmt. 5 Mag noch so sehr der Wunsch mitgewirkt haben, das eigene Unternehmen in eine Beleuchtung zu rücken, die es dem Adressaten empfehlen mochte, an Hebels Aussagen über die Absichten, die er mit seinen Gedichten verfolgte, ist nicht zu zweifeln. Denn auch die Beigaben zum erschienenen Bande erhärten es, wie, nur eben in bloß andeutender und scherzender Kürze, jene erste Mitteilung an den Freund dasselbe aussagt. Dann aber wird mit einem Male klar, in welcher Zeitströmung der Schöpfer der »Alemannischen Gedichte" drknstand. Er, der scheinbar von der Zeit unberührt, unbewußt nur seinem Genius gehorchend, nur um sein heimwehkrankes Herz zu erleichtern, seine Dichtungen schuf, er gehört zu jener jüngern Romantik, die von den spekulativen Höhen der Frühzekt und ihrem leidenschaftlichen Interesse für das Griechentum die Wendung vollzog zum patriotischen zugleich und zum Wissenschaftlichen, die mit dem Studium der deutschen Vergangenheit und ihrer Sprache die Hingabe verband an das lebendige deutsche Volkstum und seine Mundart, die auch in der dichterischen Gestaltung sich zuwandte dem schlicht volkstümlichen Gegenstand und der einfachen deutschen Form. Man darf noch weiter gehen, überlegt man den Inhalt gerade jenes 6. Bandes der Gräterschen Zeitschrift aus den Jahren 1?98 und 1800, dem Jahre also vor der ersten Mitteilung an Hitzig, gedenkt man daran, daß auch Gräter ein Wörterbuch seiner heimischen Mundart herausgegeben hat, und hält man nun daneben Hebels so merkwürdig genau übereinstimmende Äußerungen, so kommt man kaum um den Schluß herum, Gräter, eben sein Zeitschristenband habe Hebel den ersten Anstoß gegeben, in der »Mundart der Landgrafschaft Sausen- berg", d. h. also in der seiner Heimat Hausen, sich als Dichter zu versuchen, diese Sprache als alemannisch zu bezeichnen, in ihr das alte Deutsch wieder zu erkennen und auch Musikbeilagen mitzugeben. Von anderer Seite her erhält der Schluß zudem seine Bekräftigung. Denn in dem bisher noch nicht veröffentlichten Briefe vom 28. Januar 1811 (im Besitze von Dr. Th. Engelmann in Basel) heißt es: »Schon als Knabe machte ich Verse. Meine Muster waren das Gesangbuch und ein Manuskript, später Gellert, Hagedorn, und sogar Klopstock. Je mehr mein Urteil über Dichterwerke reifte, desto mehr überzeugte ich mich von dem Unwert meiner eigenen und von dem Unvermögen, besseres zu machen. Zuletzt hörte ich ganz auf ohne Vorsatz, wie ich ohne Vorsatz angefangen hatte. 2m 28. Jahre, als ich Minnesänger 6 las, versuchte ich den alemannischen Dialekt. Aber es wollte gar nicht gehen. Fast unwillkürlich, doch nicht ganz ohne Veranlassung fing ich im 41. Jahre wieder an. Nun ging's ein Jahr lang freilich vonstatten." Hier wird also ausdrücklich gesprochen von der äußeren Veranlassung im Jahre 1801, und ein früherer Versuch auch zurückgeführt auf die Lektüre der Minnesänger. Zugleich aber zeigt dieser selbe Brief, der an Wichtigkeit unmittelbar neben den unsrigen gehört, daß der äußere Anstoß nicht genügte, sondern jene Dop- pelheit der zeugenden Kräfte auch hier im Spiele war, die uns immer wieder beim künstlerischen Schaffen entgegentritt, und für die als eines der schlagendsten Selbstzeugnisse etwa Hebbels Widmungsgedkcht zu seinen »Nibelungen" genannt sein möge. Vorhergegangen waren llbungen im dichterischen Handwerk, bereit lagen dichterische Stoffe und Motive — wie manches Motiv der Gedichte ist ja z. B. vorgebildet in den Briefen an Gustave! So brauchte es nur noch den einen Anstoß, daß gewissermaßen aus der Lösung der Kristall zusammenschoß. Deshalb ging das Schaffen auch gleich so glücklich vorwärts, waren die ersten Gedichte schon Meisterstücke. Aber eben auch: wenn der Anstoß von außen kam und die Form bot, so füllte die Sehnsucht des Herzens diese Form mit innerm Leben und mit der Fülle der bunten Bilder und atmenden Gestalten, zum romantischen Teil kam in Metren, Motiven, Gehaben das klassische Element, aus der klassischen deutschen Dichtung sowohl, in der Hebel aufgewachsen war, wie aus den Klassikern der Antike, die, ihm wohl vertraut, auch tiefere Spuren in seiner Dichtung hinterlaß en haben, als bisher gesehen wurde, — und Hebels Geist endlich gab jenes Licht und jene Wärme, die alles zu seiner eigensten Schöpfung werden ließen. Hebels Bitte um Aufnahme des beigelegten Gedichtes in die Grätersche Zeitschrift fand keine Erfüllung, wohl einfach, weil der ?. Band, dessen Vorwort vom 22. April 1802 datiert ist, keinen Platz mehr bot, der 8. erst 1812 erschien. Eine Antwort muß Hebel bekommen haben. Allerdings weniger mit Anerkennung der poetischen Werte, als guten Ratschlägen zu den geplanten philologischen Beigaben und Bedenken wegen der Gefahr, die eine »zu eifrige provinzialkultur der Dialekte" bedeuten könnte für »die Einheit der deutschen Sprache, die uns fast allein noch als eine Nation zusammenbindet und charakterisiert." Es läßt sich das schließen aus dem Begleitschreiben zu dem Rezensionsexemplar der Alemannischen Gedichte, das am 22. Februar 180Z 7 an Gräter abging (Hoffmann von Fallersleben, Findlinge, I 474, jetzt auch Obser, S. 1?) und aus der Bemerkung zu Hitzig: „An den Verfasser von Braga und Hermode habe ich schon eines gesandt, aber der Kamerad hat nur Sinn für alte angelsächsische und norwegische Radices" (Festgabe, S. 143,- Obser, Anm. 28.). Dann hat sich aber doch ein freundschaftlicher Verkehr angebahnt. Das schon genannte Schreiben vom 3. August 180? ist nun auf den Ton herzlichsten Einvernehmens gestimmt (Besitz Geigy-Hagenbach, jetzt Obser, S.49.) Hebel spricht seine Glückwünsche aus zu einer Gräterschen Dichtung, und nachdem er halb humoristisch deren aus Goldast bezogenen altdeutschen Namen pehela als „Bärlein" gedeutet hat, fügt er in sonniger Laune noch bei: „Daß in jenen rauhen Heldentagen pehlekn oder Bärlein für ein hübsches Schwarzwäldermädchen noch ein recht artiger Name könne gewesen seyn, wird wenigstens niemand bezweifeln, da selbst noch in unsern Tagen, die doch gar nicht zu unsern Heldentagen gehören, noch manche schöne Ur8uln geküßt, und wer weiß, ob nicht auch besungen wird." Auch die Anrede lautet jetzt 'ganz anders vertraulich: „Mein verehrtester Herr Professor und Freund", und der Brief schließt: „Leben Sie wohl, . . ., und glauben Sie mir, daß ich Ihre persönliche Bekanntschaft und Ihr Wohlwollen zu den schönsten preisen rechne, mit denen mich die alemannische Muse erfreuen konnte." Begreiflich, daß dann Hebel auf Gräters „Lyrische Gedichte nebst einigen vermischten" (1809) subskribierte, und vielleicht ist an niemand anders als Gräter jener Hebelbrkef vom 28. Januar 1811 gerichtet, der zu dem hier faksimilierten das unmittelbare Gegenstück bildet. Der Nachtwächter. Mitternacht. Das Gedicht ist die von Hebel seinem Brief an Gräter beigelegte probe. Der Wortlaut der feierlichen, von tiefster Empfindung erfüllten Dichtung, die im Thema und in den Blankversen an die „Vergänglichkeit" erinnert, stimmt schon fast völlig zu dem Text der Erstausgabe der „Alemannischen Gedichte" (1803). Nur kleine Einzelheiten werden noch gebessert, Belege dafür, welche Sorgfalt Hebel der Form seiner Schöpfungen angedekhen ließ. So sind nicht nur eine schriftsprachliche Form durch die mundartliche erseht, eine unklare Konstruktion klarer gemacht. Hebel hat auch an mehreren Orten den Ausdruck bezeichnender, sinnlicher 8 oder dann allgemeiner verständlich gewählt, unfreiwillige Reimklänge getilgt, zwei Verse sinngemäßer umgestellt, und wie er aus den beiden zur Auswahl hingesetzten Überschriften die eine zusammengesetzte bildete, so erhält der Schluß statt einer bloßen Wiederholung der Verse 8/788 eine kräftigere Fassung und stellt durch den Hinweis auf das beginnende Tagewerk das Nacht- und Auferstehungsbild in den größeren Zusammenhang des ganzen tätigen Menschenlebens: „Doch Gott im Himmel lebt und wacht, Er hört wohl, wenn es Viert schlacht/ Der Schwarzwälder im Breksgau. Wenn ein Hebelsches Gedicht in eine Basler Erinnerungsgabe gehörte, so die „Erinnerung an Basel," das „Z'Basel an mym Rhy." Da davon aber keine Handschrift mehr zu finden war, mag an seiner Stelle das nicht minder berühmte Stück stehen, das denselben Strophenbau hat und auch auf dieselbe Melodie von Franz Abt gesungen wird, in der dank I. I. Schäublkns „Kinderliedern" und in jüngster Zeit dem „Röseligarten" von Otto von Greyerz das Baslerlied Volksgut geworden ist auch weit hinaus über das Weichbild der besungenen Stadt. 2n den „Alemannischen Gedichten" erscheint „Der Schwarzwälder im Breisgau" erst von der 5. Auflage (1820) an. Vorher war er schon abgedruckt im „Wochenblatt für das Land Breisgau" vom 11. Juli 1807, und zwar unter dem Titel „Der verliebte Hauensteiner." Der Titel zeigt, daß unsere, übrigens keinerlei Varianten ausweisende, Handschrift jedenfalls nach diesen ersten Abdruck zu sehen ist. Er erlaubt wohl weiter, die sonst nicht mehr bekannte Entstehungsgeschichte der Verse aufzudecken und damit vielleicht auch die „Erinnerung an Basel" zu datieren. 2m Frühjahr 180b schreibt nämlich Hebel an Hitzig (Festgabe S. 201): „Hier noch ein Carne- valsstücklein. Der Akt war im Hause des kayserlkchen Gesandten, wo unter anderem eine Bauernhochzeit vorgestellt wurde. Die Braut Marek war Präsidentin von Marschall, der Bräutigam Rittmeister von Andersen. Die Anrede an die Frau Markgrävin gerichtet, was besonders u<1 siznum 9 bemerkt werden muß." Mit Recht wohl citieren Behaghel (Hebels Werke 1,118, Anm.) und nach ihm auch Zentner (I.P.HebelsWerkel, 244, Anm.101undS.248, Anm. 119) diese Stelle zu dem Gedicht „Die Hauensteiner Bauernhochzeit." 9 Denn wenn auch dessen Text in der jetzigen Form erst zu einer Aufführung zu Ehren der Großherzogin Stephanie an einem Maskenball des 2?. Dezembers 1814 diente, so paßt doch sonst die Briefstelle so genau, daß offenbar für diese Gelegenheit von 1814 nur ein älterer, einst mit Beifall aufgeführter Text hervorgeholt und angepaßt wurde. Ja, es mag sogar die erste Aufführung derselben Stephanie gegolten haben, die als älteste Tochter des Grafen Llaude Beauharnais sich am 8. April 1806 mit dem badischen Erbgroßherzog vermählte, nachdem Napoleon sie adoptiert hatte. (Vgl. Briefe von I. p. H. herausg. von Behaghel, Anm. zu Nr. 40.) Dann hätte also — dasselbe Phänomen wie bei den „Alemannischen Gedichten" überhaupt — der äußere Anlaß der Aufführung einer solchen Hauen- stekner, also Hohenwälder Hochzeit mit der Pracht der Gestalten und der Kostüme Hebel die Figur des verliebten Burschen geschenkt, und durch Hineinfließen wieder der eigenen Empfindung wäre daraus unser Gedicht geworden. Wenn anders das Rollenlied die durch keinen Reiz der Fremde zu stillende Sehnsucht nach der Heimat und einem dort geliebten Wesen ausdrückt, also doch eben Hebels persönlichste Erfahrung fern vom Oberland und fern von Gustave, die er beide 1805 zu sehen gehofft und dann doch nicht gesehen hatte. Kommen wir so für unser Gedicht auf das Frühjahr 1806, so darf auch die „Erinnerung an Basel" mit ihrer völlig übereinstimmenden Anlage, wie schon Zentner es tut, ganz nahe daran gerückt werden. Umso eher, als die Frau Susanne Miville geb. Kolb, der die „Erinnerung" gewidmet ist, die Schwester war jenes bekannten Obersten Kolb aus Basel, der 1?96, also in Hebels Lörracher Zeit, „wo der Franzos so uding gschosse het," die schweizerischen Vorposten kommandierte (vgl. Basier Jahrbuch, 1894, S. 18 ff.) und mit welchem laut dem Brief vom 1?. Juni 1806 an Gustave Fecht (a. a. O. 8Z/86) Hebel eben damals den neuen Mittagstisch teilte und als mit einem „mir gar lieben Mann" .... „wie oft" gesprochen hat „von Basel, von der alten und neuen Zeit, von Weil und dem Wkesental." Wie aber unser Gedicht vom „Schwarzwälder im Breisgau" aus Theater- spiel und eigenem Leben geflossen war, so sollte es bekanntlich später, in Verbindung wieder mit dem Theater, noch einmal auf dieses Leben zurückwirken. Es knüpft sich daran jene Geschichte aus dem Herbst 1809, die Hebel sowohl Hitzig (Festgabe, S. 246 ff.) wie der Familie Haufe (Briefe von Hebel 10 herausg. von O. Behaghel, S. 1Z4 ff.) so lustig und so wehmütig zugleich erzählt hat. Wie die von Hebel nicht nur übersinnlich angeschwärmte Schauspielerin Hendel-Schütz im Theater Hebelsche Gedichte deklamierte, statt der Szene aus „Macbeth", die nach dem Zettel folgen sollte, den „Verliebten Hauensteiner" beginnt, bei der Stelle, wo es heißen sollte: „Minen Auge gfallt. . . s'isch e Sie, es ksch kei Er," sich nach Hebel umdreht, ihn anlächelt und vor Großherzog, Hof, Fürsten von Thurn und Taxis, vielen Fremden und 600 anderen, auf den Kirchenrat deutet und sagt: „Es isch kei Sie, es isch en Er," und wo sie dann nach dem lauten Beifall laut auch ihrem Freunde Hebel dankt, dessen Gegenwart sie begeistere, und Hebel endlich nach der solennen Abendgesellschaft beinahe zu der Balkontüre hinausgefallen wäre, die er in Begeisterung und Verwirrung für ein Fenster gehalten hatte. Die glückliche Frau. Gegenüber dem ersten Drucke in der Ausgabe von 18Z4 zeigt unser, offenbar aus der Spätzeit stammendes, Blatt mit seiner schönen Antiqua einige kleine Abweichungen. Interessant ist davon die Variante in Zeile 20. Denn hier steht in der Erstausgabe, und seitdem in allen folgenden, das doch sinnlose „Am Feld", in der Handschrist dagegen das offenbar richtigere „2m", geschrieben aber mit einem 2, das leicht als A gelesen werden kann. Das scheint auch Hebel selber getan zu haben, als er eine weitere Handschrift herstellte, die dann nach feinem Tode als Textvorlage für die Ausgabe von 18Z4 diente. Die zwei Worterklä- rungen am Rand deuten wohl daraus hin, daß die Handschrift jemandem zugeschickt wurde, vielleicht dem Redaktor einer Zeitschrift zum Abdruck, ohne daß dann allerdings etwas daraus geworden wäre. 11 Druck der Faksimtlka Graph. Anstalt W. Wassermann, Basel Text und sonstige Ausstattung Buchdruckerei Werner-Riehm, Basel -E-^rX^ ^/^r ^LL^XX <-L-r^< ^-L-L> > X ^/^L <^S^r ^ ^ /^L^-- -XX^. ^c- ^rXX «^2x^L-xx-r>x2x-^xrx-L^x^ä,xL< ' x-r-^xr X-Lx^x^x^xx xX-L-^x-i-^ x^^rx-x ^^^^1^7 xc^rx xT-^- -^L-Xx-<^>^-rx . >? X, x-^7- x,x, -. 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