hristliche B öcr reich Vom // redigt/ crechten, eg man Md durch was Kittel und darzu gelange/ Aus Turner. XXIII. io. Gehalten zu St. Martin, Donnerstags den-. Noveml,. 1741. Als daselbst unter Hochansehnlichem und Volckreichem Geleit zur Erden bestattet worden, Der Kmivqs / Wünichm / Uürsichtia md Weise Mbailiies Deeenfsl« M B ött Vom mchtcil, Wnd durch was Mittel und Weg man darzu gelange/ Aus Turner. XXIII. io. Gehalten zu St. Martin, Donnerstags den 9 . Novemb. 1741 . Als daselbst unter Hochansehrilichem und Volckreichem Geleit zur Erden bestattet worden, Der Whrenvest / Wmchm / Würsichttg und Weise Johannes erenfels des Wachs: Don Theodor Uurckhardt/ Lccleli^K. ketrino. BASEL, Gedruckt, -ey Johann Conrad von Mechels sel. Wittib. -7 t - ttumsr. XXIII. 10. Meine Seele müsse sterbendes Todes der Gerechten / und mein Ende werde wie dieser Ende. bhandlung. Eben denen falschen Aposteln und trüglichen Arbeitern, von welchen der H. Paulus schreibet, daß sie sich verstellen zu Christus Aposteln. Und das ist auch kein Wunder; dann er selbst, der Satan verstellet sich zum Engel des Liechts. Da- ... rum ist es nicht ein grosses, ob sich auch seine Diener verstellen als Prediger der A r Gerech- r.Cov. n li, -4, i; 4 Christliche Gerechtigkeit: welcher Ende seyn wird nach ihren werden. Ich sage neben diesen untreuen und falschen Lehreren überhaubt , wird in h-ecie noch dreyer mit Namen gedacht / welche durch die Heil. Schrifft sonderlich berühmt sind, als Bileam im Alten, Judas und Caiphas im Neuen Testament. Der Erste ist umso viel merckwürdiger, als seiner hin und wider bey den H. Scribenten gedacht wird, und wir eine zimltch ausführliche Beschreibung seines Verhaltens und Redens in Numcr. Lsxp. 22. 2Z. und 24 . finden. Joh. 11: Caiphas weissagte als Hohepriester, von um rc. serm HErren IESU sprechende über ihn solche Wort, welche er selber gantz änderst gemeynet, GOtt aber in seiner allweisen Regierung exprelse dahin hat lassen ausgesprochen werden, daß sie zur nachdrücklichen Weissagung von dem Tod des HErren Christi haben dienen können und müssen : an welchen HEr- ren Christum er doch gar nicht geglaubet hat. Iudas Ischariot ist von Christo dem HErren Matt. 1°: sowol als die übrigen Elss Jünger ausgesandt wor- den das Evangelium zu verkündigen, und mit Wundern zu bekrafftigen: Eine seligmachende Lehr, die er aber selber nicht glaubte, noch sein Hertz und Leben darnach richtete, sondern seinen Mammon lieber hatte als GOtt und seinen Lehrmeister IEsum, welchen er um dreyßig Silberling hat können verrathen- Bileam hat zwar herrliche Weissagungen über das von GOTT gesegnete Volck Israel, und auch wie es scheint, auf den damahls künfftigen Meßiam hervorgebracht; aber alles wider seinen eigene« Danck und Willen, als dessen Meg verkehrt war vor dem Leich-Predigt. 5 E dem HErren : das ist; er wünschte heimlich, und «: hoffte dem Moabiter König zu Willen zu seyn, und -: dadurch die ihm verheissme zeitliche Ehr und Geschen- ! i cke zu gewinnen, mit Verfluchung des Volcks Israels; L- da indessen GOtt der allmächtige ihme das Wort in » seinem Mund gewandt, und bald nicht änderst als ^ zuvor seine Eselin, dasjenige den Bileam hat reden : gemacht, was weder er sechsten genugjam wußte, noch ^ dem Israelitischen Dolck im Hertzen gunnete, daß es ^ nemlich vor allen Völckern von GOTT wurde gesegnet seyn. R Sonderlich aber ist merckwürdig und so viel aus ! vorgelesenem Text zu schlössen, daß er das Volck Israel ^ nicht allein in der gegenwärtigen Lebens - Zeit glück- ^ selig schätzt und rühmet, sondern so gar auch nach mL dem Tod, also daß er sich einen gleichen Lebens-Aus- u- gang und Ende mit ihnen wünschete: Meine Seele ^ müsse sterben des Todes der Gerechten rc. Welche Wort wir in dieser hochansehenlichen und volckreichen Leich - Versammlung zu betrachten vorgenommen, da wir einen so theuren und lieben Herren zur Erden ^ bestatten, welcher bey allen denjenigen viel gegolten, bey welchen immer die Ehrlichkeit, Witz, Tätigkeit 5 und Bescheidenheit etwas gtltet; nemlich den Ehren- c vesten, Fürnehm, Fürstchtig und weisen Herrn r Johannes Werensels/ des Raths, dme GOtt nach einer kurtz gewährten Kranckheit zu seinen ^ Gnaden aufgenommen hat. . ^ Zwey Dinge wollen wir mit gutem Beystand H GOttes verrichten. 6 Christliche i. Was zu weiterem Verstand der Worten dienen mag eins und das andere erin« ii. Die Haupt - Lehr so sich aus dem Text an Hand gibt, etwas mehrers ausführen. i. Meine Seele rt. verstehet dadurch sich selbsten, seine eigene Person: wie dergleichen Redens-Artenm heiliger Göttlicher Schrifft gemein sind; und es solcher Meynung von dem HErren Meßias lautet im 16. Psalm: Du wirft meine Seele nicht im Grabe lassen, und nichtzugeben, daß dein Heiliger verwese ia. Dein Heiliger, das ist, den der Vatter geheiliget und in die Welt gesendet hat; dessen Seele; das ist, desten Person sollte nicht im Grab bleiben, die Verwesung nicht sehen. So auch ju 6 ic. 16: zo. Meine Seele fterbe mit den philifteren. Bewahre deine Seele wohl. veur. 4: 5. Das ist, hüte dich, wie solche Wort unmittelbar vorhergehen und zur Auslegung dienen: Und ist es ein fast gemeines in Heil. Schrifft; daß Meine, Deine, Seine Seele nicht mehr sagen will, als Ich, Du, Er. O daß ich stürbe des Todes der Gerechten l Versteht durch die Gerechten , entweder das gantze Volck Israel insgemein, als welches von der damahls unter allen andern Völckern herrschenden Sünd und Ungerechtigkeit , nemlich der Abgötterey, allein befreyet wäre. Oder ins besondere meynet er die wahrhafftig Gottsforchtigen und Frommen unter dem Israeliti- Lcich- Predigt. z schen Volck: Da er dann nach der Meynung des rvei- ^ festen Königs Salomons hatte geredt: Der Ge- ' ^ rechte hats besser, als sein Nächster, der nemlich , nicht gerecht ist, besser; beydes im Leben, und auch lli' im Tod. E Daß ein so grosser Mann als Bileam, den auch Balak der Moäbiter König hoch ehrete, und noch immer höher ehren und beschencken wolle, an den Tod, an seinen Tod gedencket, und davon so nach- K drucklich redet, ist allerdings verwunderlich, und nicht m minder löblich; hätte ers nur nicht beym blossen Wün- schen allein bewenden lassen; O daß ich s einmahl) m stürbe des Todes der Gerechten rc! Zwar vermeynen 5 einige der Auslegern; Bileam sehe hiemit mehr auf ic das glückselige lange Leben der Gerechten in dieser ü Zeit, nach der Verheissung GOttes an Israel, als : aber auf den Tod; und anstatt mein Ende, ( n'inx) K geben sie es , meine Nachkommenschaft^ werde wie dieser Nachkommenschaftt; wie das Grund- r Wort genommen wird, van. 11:4. Amos. 5: 2. Psalm. 109: iz. O > daß ich auch so lang und glückselig leben möchte, und mir der Tod auch so spath kä- ^ me wie diesen Glückseligen ; daß auch meine Nach- § kömmlinge so gesegnet blieben, wie dieser gerechten Israeltten l Jedoch dunckets uns einfältiger, natürlicher und dem Hebräischen 8lylo und Redens-Art gemässer, daß wir es eigentlich von dem Tod und vom Ende des menschlichen Lebens verstehen, und eines zur Aus- - legung des andern dienen lassen; der Gerechten Tod, i dabist, ihr Ende. Nach- 8 Christliche Nachdeme dann dieser Weissager zu erst von der Glückseligkeit des Volcks Israel in diesem Leben ge- redt, von ihrer Menge und wie sie GOtt in seine besondere Obhut und zum Seegen habe auf- und angenommen; so redt er jetzt in unserm Text auch von ihrem gesegneten und seligen Lebens - Ende oder Tod, wodurch all ihr zeitlicher Wohlstand erst recht gecrönet und zur Vollkommenheit befördert werde. Ein erwünscht, ein selig und vortrefflicher Tod und Ausgang des Lebens, dergleichen er seiner Zeit auch gern haben wolte: Meine Seele müsse sterben des Tods der Gerechten, und mein Ende werde wie dieser Ende. Sagst du; hiemit müßte Bileam ein ander Leben nach diesem gewußt und geglaubt haben; der Seelen Unsterblichkeit; ihr Leben und Empfinden nach dem Tod, und daß so bald nach dem Tod es die Gerechten höchst gut und erwünscht haben werden, wie hingegen die Gottlosen das Gegentheil ? Und woher wolte dieser Heydnische Weissager so viel gewußt haben, als kaum je ein Israelit mit Deutlichkeit und Gewißheit gewußt? Antwort: Er kan es aus einer ausserordenlichen Offenbahrung von GOtt gewußt und gelernet haben: Dann sintemahlen ihme so viel kund worden, daß er vom Stern aus Jacob und von einem Scepter aus Israel, oder vom König Meßia hat können weissagen, warum konnte ihm nicht ebenmäßig von GOtt geoffenbahret werden, wie gut es die Gerechten in-und nach dem Tod haben sollen? Es kan seyn daß er diese Lehr per rrackrionem von den frommen Patriarchen her bekommen und erlernet Leich - Predigt. 9 Ev!' erlernet hat, wie man viel solcher Lehr-Sätzen und W- deren Merckzeichen unter allerley Heydnischen Völ- !!« ckern auch bey unsern Zeiten hat wahrgenommen, dis E: man nirgend anderswoher als von einer uhraltcn E Lehr und Trillion ihrer Vorfahren herholen und ü t ableiten muß. Und wie weit mag sich nicht Enochs Ä r Weissagung von den letsten und ewigen Vergeltungen i rc ausgebreitet haben? H - Insonderheit ist bey den alten Rabbinen und Iü- bischen Lehreren (wie unter anderm auch bey dem M Hurkore 120) zu finden, daß schon vor altem ein rvec anderer Zustand, ein ander Leben nach diesem seye geglaubt worden; obschon es nicht so deutlich als an- oere Dinge von den Propheten beschrieben werde, kiö Dann, sagt erstgemelter Author, da findet sich durch n L den Heil. Geist Weissagung , und ein Gebätt von ei- U nem der gewünschet zu sterben des Todes der Gerecht ! - ten. k>arr. I. 8eÄ. 11 f. damit ein ander Leben bewei- ^ send nach diesem Gegenwertigen. § Wie sollen sich nicht bittich schämen so viel un- gläubige freche Gemüther heut zu Tag, welche mitten im Liecht des Christenthums nach so vielen Gött- ki' lichen und mit Wundern bestätigten Ossenbahrungen, »c nach der Aufferstehung Christi, seiner Himmelfahrt, 7. und der Ausgiessung des Heil. Geistes, nach so vielen ^ Beweißthummen des Gegentheils dennoch zweiflen wollen an der Seelen Unsterblichkeit, Leben und Em- ü pfindung auch nach dem Tod, zweiflen an denen künff- ^ tigen Belohnungen, der ewigen Seligkeit für die Gerechten, oder ewigen Verdammnuß für die Unge- « rechten ? Hat der sonst eitele Prophet Bileam fei- ^ ner Zeit Ursach und Beweißthum genug gefunden, l B eme Job.?:", Matt. i i 2Y> Apoc. 14 1;. Psalm. Z7. 10 Christliche _ eine Vergeltung für die Gerechten nach ihrem Tod zu glauben, so ist warlich hoch zu vermuthen , daß die viel mehrer und starckern Beweißthummen solcher Wahrheit, bey unseren Frey - Geisteren heut zuTaß, sdenen Llprirs forrs) nur deßwegen so wenig vermo> aen, weilen sie noch mehr als Bileam vormahls, ihre Hertzen ans Eitele verhefftet, und sich noch vester entschlossen haben als er, durch keinerlei) Betrachtung oder Vorstellung sich davon im geringsten abwendig machen zu lassen. Vor welchem bösen Sinn uns alle und jede GOtt in Gnaden bewahre. Mein Ende werde wie dieser Ende: Ist, wie gesagt, eins mit dem Vorigen, nemlich dem Tod der Gerechten. Aussert, daß vielleicht mit dem Wörtlein Ende noch näher auf die so bald nach dem Tod folgende Belohnung der Gerechten mag gesehen werden: Ihr gantz Leben ist Streit, Mühe und Arbeit, Anfechtung und Gefahr; aber ihr Ende ist Fried und Ruhe : Muß nicht der Mensch iinmer im Streit sezm auf Erden, und seine Tacte sind wie eines Taglöhners. wie ein Knecht sich sehnet nach dem Schatten, und ein Taglöhner, daß seine Arbeit aus sep. Also hab ich wol gantze Monat vergeblich gearbeitet, und elender Nächte sind mir viel worden. Der Tag des Lebens der Gerechten ist mühselig und beladen; aber am Ende desselben hebt sich die Ruhe und Erquickung an: Selig sind die Todten die in dem HErren sterben von nun an. Ja der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, dann ihre wercke folgen ihnen nach. Die Summa dann der Lehre die hieraus sich ergiebet, ist diese: Bleibe fromm, und - .in! :Ä Leich-Predigt. ir halte dich recht, dann solchen wirds zuletzt wohl gehen ; Dann sie tragen davon das Ende des Glaubens, der Seelen Seligkeit, i. Petr. i : 9. So viel seye gesagt zu weiterem Verstand unserer Text-Worten. 11 . Nun die Haupt-Lehr, so sich daraus an Hand gibt, und etwas weiters auszuführen stehet, ist diese: wir sollen immer begierig seyn zu sterben des Todes der Gerechten. Auch wir , sag ich , die wir je gehöret haben und wissen was die Christliche Religion vermag und ausweiset, sollen dieses unseren grossen Zweck und Absehen seyn lassen zu sterben wie die Gerechten. Da haben wir aber wiederum under- schiedlich zu bedencken, Erstlich, wie dann die Gerechten sterben, und wie erwünscht ihr Tod seye. Zum Anderen, welches der Weg und Mittel seye, daß man dazu gelange? i. Wie sterben dann die Gerechten? Wie schön, tröstlich, und erwünscht ist ihr Tod? und warum? Antwort dämm ; sie sterben in der Liebe GOttes; in Christo; mit einem aufgeräumten guten Gewissen; in der Fähigkeit, himmlischer Güter bald habhafft zu werden und zu gemessen; und der Tod ist ihnen ein Eingang in einen freudenvollen Zustand. Dieses alles machet den Tod der Gerechten selig und erwünscht: :. Sie sterben in der Liebe GOttes. Ich sage , die Bußfertigen und Gläubigen haben nicht allein GOtt erkannt, sondern auch in ihrem Leben mit Ihme sich wohl bekannt gemachet: Sind gern und viel mit B L fernem 12 Khristliche seinem Wort umgegangen, mit dessen Lesung , An- hörung, Betrachtung; haben ohn Underlaß zu Ihm ^ gebätten , in seinem Lob und in Betrachtung seiner Göttlichen Tugend, Eigenschaffcen und Wercken sich ^ immerdar geübt und aufgehalten, und daraus ein so preis - und liebenswürdige läea und GOtts - Gedacht- W nuß in ihrem Sinn und Hertzen aufbehalten, daß sie -- mit der schönsten und herrlichsten Liebe sich immer- ^ P5-8.-/z.dar nach Ihme sehnen , sprechende mit David: i'"- Hertzlich lieb hab ich dich HERR, meine Star- we, HErr, mein Fels, meine Burg, mein Er- ^ retter, mein GOTT , mein Hort auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heyls und -' mein Schutz. Die Liebe zu GOtt machet daß alles . - 6 . andere wie nichts gegen Ihme ist: HErr wann ich rr nur dich hab, so frag ich nichts nach Himmel : und Erden; und wann mir gleich Seel und ^ Leib verfchmachtet, bist du allezeit meines Her- ^ tzens Trost und mein Theil. Diese Liebe machet " zwar nicht daß der Gerecht oder Fromme einer unanständigen Familiarität oder verächtlicher Worten gegen GOtt sich gebrauche: wohl aber als ein ehrerbie- ^ tiges Kind schüttet er all sein Anligen in die Schooß seines himmlischen Vatters; erwartet von Ihm alle nöthige Hülff und Beystand, mit David sprechende: - Ps. : 4, Mein GOtt , hilff mir , dann du bist meine Zu- 7 ,,y/i 2 . verficht, HErr, HErr, meine Hoffnung von meiner Jugend auff, verwirff mich nicht in mei- ^ nem Alter, verlaß mich nicht wann ich schwach werde. GOtt sey nicht ferne von mir, eyle mir zu helffen mein GOtt. Die Liebe lindert allen Schmertzen, hilfft alles tragen , alles überwinden; 7 alles Leich-Predigt. iZ Ps42- alles muß dem Gerechten nur zur Förderung der näheren und unzerstörlichen Gemcinschafft mit seinem himmlischen Vatter dienen, in dessen Hauß , unter dessen Augen wünscht er mit allen Heiligen zu seyn, und mit dessen Anschauung sich zu ersättigen allezeit: wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser , so schreyet meine Seele GDtt zu dir. Meine Seele dürftet nach G(Dtt, nach dem lebendigen GOtt: wann werd ich dahin kommen , daß ich GDttes Angesicht schaue? wie lieblich sind deine Wohnungen HERR Zebaoth ? Meine 84-. Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhäfen des HErren, mein Leib und Seel freuen sich in dem lebendigen GOtt. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Wer also als ein Freund und Liebhaber GOt- tes stirbt, und sein Leben endet, der kan unmöglich übel fahren: ja sein Tod ist höchst erwünscht und selig : Meine Seele müsse sterben des Todes der Gerechten , und mein Ende werde wie dieser Ende! 2 . Sie sterben in Christo; und wie dann änderst als höchst erwünscht? In seiner Erkanntnuß und Bekanntnuß, im Glauben und Gehorsam gegen sein Evangelium, in völligem Vertrauen auf seinen unendlichen Verdienst und Fürbitt, in Hoffnung seiner theursten Verheißungen; als solche, die durch die Tauffe, Christi Eigenthum, und Er ihr ewiges Heyl und Theil worden ist: und der Heilige Geist , der ohn Underlaß in ihnen wohnet und würcket, ist das state Pfand der Versicherung der Liebe Christi gegen sie, und daß auch ihre Liebe gegen Christum satt und rechtschaffen seye. Christus ^ welcher dem Todein B z Glffc, Rom. 8:i. Phil. i-rk. Job. iy: 14 Christliche Gisst, und der Hollen eine Pcstilentz worden, der ist ihr Leben, und Sterben ist ihr Gewinn, anstatt der Tod denen, die ausser Christo sind, höchst schrecklich und schädlich seyn muß, ein Röntg des Schreckens , als der den unversöhnten Sünder mit dem Last aller seiner Sünden - Schulden laßt befallen, und dadurch ohn alle Hoffnung biß in die Hölle hinunter gedrucket werden; so ist hingegen der Gerechte auch in seinem Tode getrost, wissende , daß keine ver- dammnuß ist an denen die in Christo IEsir sind, die nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist; und kan ein jeder von ihnen mit Hiob triumphierend sagen: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und Er wird mich hernach aus der Erden aufserwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch GL>tt sehen. Denselben werd ich mir sehen, nnd meine Augen werden Ib" schauen, und kein Frembder. z. Sie sterben mit einem aufgeräumten guten Gewissen. Welches einen guten Muth , und wie der weise König sagt, ein tägliches Wolleben giebet. Es ist zwar kein Mensch ohne Sünde, keiner der seinen Tauff- Bund ohne Tadel gehalten hätte. Wer kan sagen, ich bin rein von meiner Missethat, und lauter von meiner Sünde? Der Underscheid aber ist dieser: Die Gerechten hüten sich vor ihrer Sünde, und lassen ihren den Willen nicht; tragen gleichsam mit grosser Behutsamkeit ihre Seele immer auf ihren Handen, dieweil sie mit allem Ernst sich wider alle Sunden vor GOtt entschlossen, und die vorher gegangene bereuet und bewäinet haben. Die Ungerechten Leich-Predigt. 15 kni än aber leben sorgloß dahin, achtens nicht ob sie sündigen n L oder nicht sündigen; oder wo sie dieses Letztere an sich wahrnehmen, machts ihnen doch keinen oder wenig 2Ä Kummer: Da häufft sich dann eine solche Last der niii k: Sünden - Schulden, die da erst auffwachet wann der L: Sünder soll von hinnen fahren , und seines Lebens im und Thuns Rechenschafft geben; und muß da noth- chikc wendig nichts als Unruhe, Verwirrung, Schrecken U h: bey einem solchen Sterbenden sich befinden, wann ne- W ben den grösten Schmertzen und Schwachheiten des r»! ^ Leibs eine noch viel übler zugerichtete Seele das Heil- m und Ltnderungs - Mittel der Büß zu gebrauchen ver- E säumet hat. Das aber, wie gesagt, ist des Christen M beständige Übung gewesen: Dadurch hat er sich ent- l laden dieses quälenden Sünden - Giffts, und durch ckl Christi Gnad seiner Seelen Ruhe geschafft, daß er sa- , ^ gen kan: Mein Gewissen beißt mich nicht mei- n 1 yes gantzen Lebens halben. In deinselbigen aber Act.24: -s. übe rch mich zu haben ein unverletzt Gewissen M- allenthalben, beydes gegen GOtt und gegen die ^ Menschen. Also durch Büß sein Hertz erleichteret, B und der Seelen Ruhe geschafft, macht einen erwünsch- B ten Todes - Schlaff, ein sanfft und seliges Ende. K 4. Die Gerechten sterben in guter Verfassung xj und Zubereitung, und nachdem sie sich eine Fähigkeit Zum Genuß himmlischer Freuden erworben , und ^ durch GOttes Gnad angewehnt haben. Und das nach D den Kräfften ihres Sinnes und Verstandes, Willens P und der ^lleäien oder Gemüths - Bewegungen; wel- s ches eben das ist, was der Apostel sagen will, daß wir Hebr. i- r p neben dem Frieden sollen nachjagen der Heiligung. s Also befletssen sich die Gerechten mit hohen,Göttlichen, jik herltgen Christliche 16 heiligen Dingen umzugehen, und solche inofftereBe- trachtung zu nehmen; 'wodurch es dann bald gcschicht, daß sie einen weit weitem Underscheid machen zwd» sehen himmlischen und göttlichen, und dann zwischen irrdischen und eitelen Dingen, und jene diesen unendlich weit vorziehen: Da sehen sie immer besser, wie wahr der HErr JESUS von dem Himmelreich und seiner Gerechtigkeit als von dem fürnehmften, nützlichsten , und bald einig nothwendigen Dinge geredt und geurtheilet habe; es nennende ein Königreich, einen verborgenen Schatz, eine kostbare Perle , eine Hochzeit und hochzeitliches Mahl, eine Versammlung der allerreinsten und vollkommensten Freuden und Anmuthigkeiten, und so f. a. Und dieses neiget dann den Willen des Gläubigen dahin, wohin es die hohe Würdigkeit dieser Dingen erforderet: Gern will ein solcher Gerechter alles andere dahinden lassen, gern alle andere Verricht-und Übungen underlassen, wann er nur dasjenige vornehmen, üben, und ihm bekanntmachen kan, wodurch er erstgemeldter hoher und hochvernügender Dingen habhafft werden, und deren gemessen kan. Und ist da leicht zu erachten, wo einsen Schatz ist, daß eben da auch sein Hertz ist; Verlangen, Beruhigung, Freud, Trost und Erqutckung , gehet allzumahl auf solche geistliche und hohe ObjeÄa, und hingegen die conuari Ps 4-L. auf deren Gegentheil. So wäre David cii. siionirr , nachdem daß er im 4. Psalm zeuget: Du , 0 HERR, erfreuest mein Hertz, ob jene gleich r?: 14, i;- viel wein und Korn haben. So setzet er sich entgegen den Leuten dieser Welt, welche ihr Theil haben in ihrem Leben, welchen der HERR den Bauch 17 Leich-Predigt. Bauch füllet mit seinem Schatz. Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden wann ich erwache nach deinem Bilde. Das ist meine Freude , daß ich mich zu GOTT ?r:-r. halte, und meine Zuversicht fetze auf den ZEr- ren,HErren,daß ich verkündige alle dein Thun. Solre man einen Tartaren, oder gar einen Canü baln, bey uns zur Tafel aufs niedlichste tractiern und bewürthen; er wurde uns des schlechten Danck wissen, und vielmehr nach Roß - oder Menschenfleisch, als aber nach unserer Gattung Speisen begierig seyn, deren er gar nicht gewohnt ist: Eben so kan Fleisch und Blut das Reich GOttes nicht ererben: Das ist : Wer zwar in dieser Zeit des Leibs nach Nothdurfft gepfleget hat, hat aber in seinem Inwendigen nicht gelernet und sich gewehnet mit geistlichen und himmlischen Güteren umzugehen, darnach zu verlanaen, und darinn sich zu ergötzen, sondern bleibet nur am Indischen kleben, an dem was nur Fletsch und Blut ohne Massen verlanget; der kan das Reich GOttes nicht ererben, als welches solche Dinge in sich begreifet, nach welchen der Erden-Wurm gar keinen Appetit noch vilpolmon dazu hat. Don den Gerechten aber heißts: Ihr aber seyd nicht fleischlich , fon- Rom r dem geistlich: und also geistlich zu seyn , und je 2. 9. länger je mehr zu werden, ist der Gerechten tägliche und beständige Übung in ihrem Leben gewesen; darum so sterben sie auch mit dieser Heil. Zubereitung und mit der Fähigkeit himmlischer Dingen theilhaff- tig zu werden, und deren zu gemessen. In welcher Betrachtung sie dann einen unendlich grossen Vortheil haben , und ihr Ende höchst erwünscht ist. C 5. In- Eccl.ir: 7. P 5 16: y, IS, II. i.Cor.r: 9. 18 §hri stliche __ 5. Insonderheit da man bedencket, wie daß ih-- ^ nen der Tod ein gewisser und unfehlbarer Durch - und K kim Eingang ist in das himmlische und ewig selige Leben. M Dann der Staub (der Leib anfänglichen aus Staub M, gemacht und formieret) muß wieder zu der Er- M den kommen wie er gewesen ist; und der Geist «O wieder zu GOTT, der ihn gegeben hat. Und A zwar, was das geringere Theil , den Leib betrifft, Dt spricht der Gerechte mit, und nach seinem Heyland: Darum freuet sich mein Hertz, und meine Ehre r. ist frölich : auch mein Fleisch wird sicher ligen. -Ä Dann du wirft mich nicht in dem Grabe lassen , ^ und nicht zugeben, daß dein Heiliger verwese. M Du thuft mir kund den weg zum Leben: vor Ai dir ift Freude die Fülle, und liebliches Wesen ^ zu deiner Rechten ewiglich. Derjenige Lebens- Fj Zustand aber, in welchen fie, (die Gerechten durch ß2 den Tod versetzet werden, ist mehr als erwünscht; An, Dann kein Aug hat gesehen, kein Ohr gehöret, L noch Lfts in einiges Menschen Hertz gekommen, ^ was GOtt bereitet hat denen, die Ihne lieben, ^ und was er ihnen alsbald nach dem Tod zutheilen ^ wird, Aufs kürtzeste wird alles unter diesen zweyen ^ Titeln oder Benennungen verfasset, was die Gerech- H ten nach diesem Leben gemessen, und worzu ihnen der ^ Tod ein gewisser und unfehlbarer Eingang ist; nem- tz lich ^blenr'iÄ omn'l8 mal', 8c ^Kuemia vmnis boni. ^ Das ist: Alles Böse wird für ewig ab und weg seyn, > und alles Gute wird da in aller Fülle vorhanden und ^ zu gemessen seyn. ^ Es wird da keine Sünd, keine sündliche Versu- > chung, kein Unglück und Widerwärtigkeit,keinMangch ^ Leich-Predigt. ^9 Kranckheit, Schmertzen, kein Tod noch Laid mehr seyn, kein Verlmst solch guter Freunden, die uns zu rechtem Hertzens Trost und Erquickung gelebt hatten. Auch alle Gefahr, Sorge, beschwerliche Mühe und Arbeit und Kummer mit alle dessen Ursachen wird für ewig aufgehaben seyn, zusamt all unfern Leibes-Ge- brechen, Schwachheiten und Unvollkommenhetten: Und noch viel weniger wird da die Hand der Böstn uns mögen berühren oder im geringsten zu förchten seyn. Kurtz, der Tod (mit alle seinem Vortrab und Begleit) wird nicht mehr seyn, noch Geschrey noch Schmertzen wird mehr seyn, dann das erste ist vergangen. Man bedencke ein wenig, wie groß diese Lebens-Giückfeligkeit seyn müsse, darinnen nur nicht das geringste beschwärlich, noch zu beklagen noch zu sorgen ist. Wann jetzt auf Erden auch der schönste Wohlstand da ist , so gefchicht es doch , daß neben anderen Zufälligkeiten und Unglück, das Ende und der Tod herbey rucket, und alles auf einmal rui- nirr und zu Grund richtet; welche Betrachtung allein dieses Wohlseyn um ein grosses verringeret. Aber der Tod der Gerechten förderet sie in ein solches Leben, das nicht allein von allem Übel, sondern auch von aller Gefahr desselben immer und ewig frey ist. . Und ist dieses noch das wenigste Theil derjenigen Glückseligkeit in welche die Gerechten durch ihren Tod eingeführt werden; dann dazu kommt noch aKuen- liaomnis bom, ein stäter Zu-und Überfluß alles Guten: Da sie zwar das Gute, davon sie bereits in diesem Leben einen Anfang gehabt, zu einer weit grösseren Vollkommenheit werden beförderet sehen; aber neben solchem auch zu ihrer glückseligen Vergnu- C L gung 20 Christliche gung und Freude, neue und zuvor noch unbewußte, und in der Erfahrung noch nie erlehrnte Dinge sehen und empfinden werden / wie wir rechter Massen aus vor angezogenem Spruch i. Cor. 2: 9. schliessen mögen in Ansehung derer Dingen, dieGOtt bereitet hat seinen Liebhaberen; und die biß dahin noch in keines Menschen Erkanntnuß noch Hertze kommen sind. Die Seele wird viel reiner, schöner, fähiger werden , als sie niemahls zuvor gewesen: Fähig und tüchtig himmlische Dinge zu betrachten, verstehen, und darinnen sich zu belustigen. Der Leib (da solcher am jüngsten Tag auferstehen wird) wird seinen ten nach zu solchem fürtreffltchen Zustand erhaben und beförderet werden, daß es deßwegen heißt, die From- men werden den Engeln gleich seyn, geistlich, 4?'. ' werden leuchten wie die Sonne in ihres Vatters Reich; Ja der HERR JESUS wird vom Him- 44/^' mel hernieder kommen, und diesen unsern nichtigen Leib verklären, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leib, nach der Würckung, damit erkalt auch alle Ding ihm unterthänig machen. Selig sind die Gerechten in Ansehung der Gesellschafft deren sie droben gemessen, als die da umgehen mit den Engten diesen liebreichen Geisteren, welche so eyferig und unermüdet gewesen denen Frommen zu dienen : Mit denen heiligen Patriarchen, Propheten, Aposteln, Märtyrern, in welchen sie (die Gerechten auf Erden) wohl viel und manchmahlen bewundert und ge- liebet und gepriesen haben den Reichthum der Gnade GOttes in ihnen, die biß ans Ende der Welt zum Exempel dienen sollen im Glauben, in der Liebe GOttes und des Nächsten. Die 21 _ Leich - Pr edigt. Die Gerechten nach dem Tod werden umgehen mit Christo; sie folgen dem Lamm nach wo es hingehet. Wo ist ein wohlgestelltes Christen - Hertz, das über dem was es von dem vertrauten Umgang der Jüngeren mit Christo auf Erden lifet, es nicht für einen höchst erwünschten Vortheil halte , solches Umgangs sich gebrauchen, und dessen gemessen zu können? Nun zu diesem ewigen Glück und Vortheil gelangen die Gerechten durch den Tod. Und wie viel will nicht das fagen, daß wir zu GOTT selber kommen sollen, ihne schauen, mit ihme wandeln sollen, und ihne sehen, wie Er ist? Er ist aber die Quelle aller Vollkommenheit und Glückseligkeit; Je mehr wir auch jetzo diesen Vortheil in Betrachtung nemmen, je mehr muß unser Hertz in Liebe und Freud darüber zerfließen. Es werden die Gerechten Cdas ist allezeit, die Gläubigen und Bußfertigen) glückselig seyn an ihren Verwandten und lieben Freunden, als deren Wohlstand völlig, unabnemlich und ewig seyn wird. Wie aber, wann die Seligen droben eines und anderer ihrer Verwandten und Gefreundten missen ; wird ihnen diese Abwesenheit (ja, teutsch zu sagen,) ihre Verdammnuß nicht zu Verringerung ihrer Himmels- Freud gereichen? Antwort, keineswegs; dann die Liebe GOttes wird in ihnen so völlig und vollkommen seyn, daß sie änderst nicht als zum höchsten sich erfreuen können über allem was GOtt will und Jhme wohl- gefallt. Glückselig sind die Gerechten in ihren himmlischen Ergotzungen und Lustbarkeiten , weilen sie in lauter Unschuld, Reinigkeit, Sicherheit und in realer und C z wesent- 22 Christliche wesentlicher Vergnügung ihrer Hertzen bestehen, und U keiner desto weniger davon hat, wann schon ein aride- rer dero mehr hat, so hat doch ein jeder seine Fülle. sN Sie seynd auch nach dem Tod in Ehr und Herr- k A lichkeit, wie aus vorgemeldtem leichtlich abzunehmen: ck § und werden sie keinen Neid noch dessen böse Würckun- ^ !i gen zu befahren haben, noch irgend eine ruinöse pol,- »k ric, die einem manchen den Sturtz - und Undergang M miniret in dieser Welt. GOTT selber , der ewige mn! GOtt, ist ihnen für alles gut; GOtt ist ein Fels ewig- K lich , darum bleiben sie fest wie der Berg Zion, und M wird ihrer Glückseligkeit die Crone so zu reden, aufge- Ä setzt durch die unendliche Ewigkeit. Niemand besor- »i ge da ein Erlaiden, dann der Mensch bleibt doch al- ^ lezeit eine Creatur, und als solche kan er ohn Ende G immer und ewig neue Freuden schöpffen aus dem un- ch erschöpfflichen Meer aller Seligkeit, das ist, GOTT, ck der ewig ist und bleibt alles in allem. Mit heiliger M Verwunderung gebühret es uns anzubätten den, der H da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit, und daß Er nach seiner unbegreiflichen Güte seine armen Creaturen, L uns sündige Menschen, seiner himmlischen Güter, ja ^ seiner eigenen göttlichen höchstseligen Gemeinschafft ^ Ps-würdiget, und das in alle Ewigkeit: HERR! was tz 144.jst her Mensch, daß du sein gedenckeft, und des -j« Menschenkind, daß du dich seiner also annimft? ^ Zu so verwunderlich grosser Glückseligkeit ist de- ^ nen Gerechten der Tod ein Durchgang ; sintemalen wir dann alle sterben müssen, wer wolte nicht sterben wollen des Todes der Gerechten, und daß sein Ende ^ wurde wie dieser Ende? Ä Leich - Predigt. 2z e Das aber jetzund noch als das Andere Theil un- W serer Betrachtung übrig ist, so müssen wir sehen durch M was Mittel und Weg zu einem so erwünschten Tod, H oder Ende zu gelangen seye. Einmal nicht durch blosses Wünschen, durch läre Wort. Bileam , die- weil er so wenig darzu that; dieweil sein Hertz gantz i ^ änderst beschaffen und gerichtet war, so sturb er nicht kT unter - und mit den Gerechten, sondern er kam um L unter - und mit den Feinden GDttes und seines Volcks, und ward erschlaget; durch die Schärfe des 1 ^ Schwerdts. Es gehöret dann würcklichen ein alle « Tag fortgesetzte Bemühung und Fleiß darzu , wann ^ einer nicht vergeblich wünschen will zu sterben des To- 1; des der Gerechten. Erforsche und bewäine dein vo- N riges Sünden - Wesen Wende dich zu GOtt. Glau- M be an den HErren JESUM Christum zu Vergäll! bung deiner Sünden, zu deiner Rechtfertigung, und L' Erneuerung deines Hertzens. Jage ohne Aufhören der Heiligung zusamt dem Frieden nach. Meditire ^ öfters über die vier letzten, wichtigen und gewissen 5 Dinge. Laß dich nicht zu liess in Welt-Händel eyn; is und lebe in stäter Erwartung des Todes. Sind alles solche Puncten , die an sich selber höchst wichtig, und würdig sind, daß sie nicht nur ^ von uns täglich betrachtet, sondern auch zu ernstlicher i Übung gebracht werden. Alsdann , so werden wirs auch gewiß zu einem seligen Ende bringen. Ich läge: - i. Wir müssen allervorderst unser voriges Sun- Z den-Wesen erforschen, entdecken, und vor dem < allwissenden Hertzenkundiger gestehen und bewainen. Dencke nur, 0 Sünder, wie sich GOtt in lauter Liebe und Freundlichkeit gegen dir erzeiget in seinem Sohn; Rum. ; 8 . 24 Khristliche Cor. i ,o. Sohn; dencke an seine nochwährende Gedult und -7 Langmüthigkeit; dencke an so viel Heyls - und Gna- 71 den - Mittel die er dir jetzt und immerzu verleyhet und ^ gunnet, und fahre weiters fort, warm du kanst, einen ^ solchen GOtt zu schmähen und deine Seele zu ver- 7' wahrlosen / die so viel gekostet hat. ' ? 2. wende dich zu GOTT, den du bisher « so wenig geachtet , und in dessen Betrachtung und 77 Hochachtung oder Anbättung du so gar wenig Zeit ^ und Mühe angewendet hast. Was dir zuvor rar und 7" ftembd gewesen, daraus mache dein tägliches Merck. GOttesdienst, und was dazu gehöret, und alle GOt- r tes- Verordnungen dazu, und was auch die gantze ^ Kirch zu verordnen gut befunden hat; das alles brau- B che du in Einfalt und Hertzens - Demuth fleißig, so L wirst du endlich durch Erfahrung lehrnen, wie gut es :: dir ist zu GOtt zu nahen, und daß dieses der Weg Ä seye , daß er dir zeige sein Heyl- Ps. 7;: 28. so: u!r. 2 z. Glaube an den HErren IEsum Christ, : so wirst du und dein Hauß selig. Glaube aber an Ihn, wie er uns ist von GOtt gemacht zur weiß- 7 heit , zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung; so findest du genügsame Zuflucht wider die Anklag des Gesetzes, genügsame Hertzhafftig- keit, dich der Huld GOttes zu versicheren, genügsame Unterweisung dein Heyl zu würcken , und auch r genügsame Hoffnung in dieser deiner Bemühung nicht 7 fehl zu schlagen; und so gelangt man zu einem tröstlich und seligen Ende. - 4. Jage nach dem Friede gegen jederman und der Heiligung, ohne welche wird niemand den HEr- : ren seyen. Sehr weißlich setzt der Apostel diese zwey zusam- Lcich-Predigt- 25 E / zusammen! unser eigene Heiligung , und Friede mit d L jederman; zumahlen"es geschicht daß man im Eyfer ^ für seine Selbshetligung etwann dessen vergißt, was ,!M zum Friede, zur Liebe, Sanfftmuth, Demuth, Ge- dult gehöret, gegen unsern Nebenmenschen zu erzeigen , und unvermerckt einen heimlichen Hochmuth O emschletchen laßt, daß es auf ein Pharisäisches Wesen P ausgehet: davon man wohl zu wünschen hatte mit :: > den Worten Jacobs : Meine Seele komme nicht Ge».4-: s. ^ in ihren Rath, und meine Ehre sey nicht in ih- Ai! rer Rirche. K s. Dencke der Vier letzten und wichtigsten Dingen ; des Todes, des Gerichts , des Himmels und der Hollen. Deren rechtschaffene Betrachtung machet uns zu allem Guten willig; vom Bösen aber, ^ oder was ssmdlich ist, schreckets ab; machet gedultig 2 unterm Leyden, begierig nach einem besseren Leben, und immer besser 6ispomn und gerüstet dazu. 7 6. Belade dich nicht zu viel, noch vertieffe dich in allzu weitlauffige Welt - Handel und Sorgen, ' als welches den gantzen Menschen hinnimmt; Eben wie nur ein wenig Vogel - Leim kan den Vogel vom Flug hindern, und ihn das Leben kosten; so könnte 7 einer durch ein oder andere allzu hefftiqe Welt- Sorg alles andere Gute an sich unnütz und unbrauchbar machen. Ein Christ denckt allezeit: Das Wesen dieser Welt vergehet, i. Cor. 7:; i. Insonderheit wann ! 7. Wir alle und jede Ursach haben des Todes zu erwarten. Er bleibet bey unser keinem aus; Er ist uns nahe; vielleicht kommt er Morgen, vielleicht noch Heute; vor seiner Ankunfft aber giltets sich rüsten ; nach dieser Zeit ist keine Zeit mehr dazu. Da- D rum 26 Christliche Leich - Predigt. rum Heut, Heut, so lang ihr /eine Stimme höret, M so verstocket euere Hertzen nicht: Lebe des Lebens der M Gerechten, wer da will sterben des Todes der Ge- M rechten, änderst ist kein Mittel dazu zu gelangen: K Fürwahr bey Zeit rüst dich zur Sach / W Biß allzeit nüchtern/ bätt und wach: Dann wann aufs mindst gedcnckst daran/ v So kommt dcr HErr und klopfft dir an. Genug aber aus Anlaß verlesener Textes-Worten: MVEr Ehrenvest, Fümehm, Furstchtigund LW Weiß Herr Johannes Werenftls (NE sel. deme wir auf dißmalen das Geleit zu seiner Ruhestätte gegeben haben, ist an dieses Welt - Liecht gebohren worden den 5. vecenibr. AMW 1675. UNd das V 0 N Ahnst- lichen, Frommen und wohlansehenlichen El- teren; nemlich, Herren Peter Wermfelsm sel. Heil. Schrifft weitberühmtem voöiors und Professors, wie auch um unsere Kirchen hochverdienten ^.mMre; dessen Gedächtnuß bey uns in Ehren und Segen bleibet; und Frauen Margaretha Grynäm sel. Die Gwß-Elteren väterlicher Seite, waren Herr Ich. Jacob Werenftls/ Pfarrer zu St. D 2 Martin, ?L 880 bIäI.Iä. 28 Martin, und Frau Iahet Rytt: Mütter- lichcrSeits aber, Herr Samuel Grynälls/ Pfarr-Herr zu St- Leonhard,u»d Frau MüM Blixtorffm; alle längst in GOTT ruhend. Nachdeme Er die 01^8 mehren- theilö durchloffen, ist er Anno 1691. naher Mümpelgard zu einem Kauffmann gethan worden / allwo er etliche Jahr verblieben/ und hernaher sowol in Stuttgard als Franckfmt zu Vermehrung der Kauffmanns-Wissenschafft in Lonäirionen getrettm und gestanden, biß Er nach seiner Ruckkunfft allhero, Anno 1697. den 25. Oktober in Stand Heil. Ehe getretten, mitJungfr. Anna Maria Stern/ Herren Johann Bernhard Stern/ des Raths/MitFrauen Jacobea Fürstenberger/ beyden selig, ehelich erzeugten Tochter, welche ihrem Ehe-Herren zu dessen grosser Be- trubnuß bereits vor eilff Jahren in die Ewigst vorher gegangen. Mit dieser hatte der Herr sel. m einer 34. jährig vernügten Ehe durch göttlichen Seegen drey Töchteren erzeu- get; von denen aber die zwo ältesten schon in der Kindheit verstorben ; Die noch lebende M 5 kill W M Ä!l K ^1 ?LK80N^I.I^. 29 M Frau Tochter aber der Herr sel. nicht allein M, wohl verheyrathet, sondern auch von Zhro ^ sieben Groß - Söhne und zwey Groß - Töchte- .« ren zu seiner grossen Freude gesehen. Von denk- nen sind noch fünffSöhne und ein Töchterlein, G so lang es GOtt gefallt, bey Leben; ob wel- N chen Groß - Kinderen sämtlich mit dero hoch- E betrübten ehrenden Elteren der GOTT alles N Trosts, Gnad und Seegens für und für Molch le walten. A Anno 1721. hat unser Ehrende Herr Mei- ^ ster selig mit Jhro Excellent seinem Herrn III Äruder Docöore 8Li7iuele sel. eine K Reiß in Franckreich gethan. Beneben aber lM! mit denen von GOtt Jhme verliehenen schö- 2 nen Gaaben auch dem kudllco zu dienen sich gehalten. Anno 1706. ist derselbe an E. E- OolleN. k Anno 1724. auf einer E- Junfft zum Schlüs- sel zu einem Sechser; auch ferners zu verschie- ^ denen Ehren - Aemteren , als vepmitter ! Lmrium; an ein Ehrwürdigen Bann zu St. Peter, und an ein Lobl. Reformation gezogen worden; biß Er Anfangs des verwichenen ! ^ahrs zu einem Meister vorgedacht seiner Eh- ! ren-Zunsst öenomimrr wurde. Obwohlen Er D z von ZO von dieser Zeit an von dem lieben GOtt nach feinern unerforschlichen Willen in einen kränck- lichen Leibes - Zustand gesetzet worden- der Ihm verhindert dieser letzter« Ehren - Stell nach feinern Wunsch abzuwarten- fonsten Er wie in Versetzung seiner vorherigen Ehren-Aem- teren sich als einen Patriotischen, fleißig und sorgfältigen Liebhaber und Beförderer des Besten des Vatterlands und seiner Mitbürgern zu erweisen nicht wurde ermanglet haben, da- hero sein tödtlicher Hinscheid um so mehrers bedaurt und betrauret wird. Im übrigen seinem Leben und Wandel erwiese er sich Gottöförchtig und fromm; fleißig in andächtiger Besuch - und Verrichtung des öffentlichen GOttesdienstS, auch daheim in Lesung gottseliger nützlicher Bücheren ; also daß er viel Liebe zu GOtt, seinem Wort und seinen Dieneren von sich verfpühren ließ; und seine Familie und Groß - Kinder zu gleichem Khristlichen Wohlverhalten anwiese. Zn dem Umgang mit demNebenmenschen war er nicht nur angenehm- sondern auch ehrlich- real und gewiffenhafft; auch friedfertig- freundlich-gütig - ja demüthig gegen jederman. Es hat Jh- me unserem ehrenden Herren selig der liebe GOtt k>LK 80 N^I.I^. Zr GOtt auch viel Gnade erwiesen / darinnen, daß er sich in allerley Widerwärtigkeiten, Laid n^ und Beschwarden Christlich zu fassen, und mit , > Gedult die Ihm auferlegte Last zu tragen wuß- te. Welches sich sonderlich auch in seiner letz- 7 tm Kranckheit hat erschienen: Dieselbe nahm erst vor eilst Tagen mit ei- nem starcken Fieber ihren Anfang, das Jhne plötzlich überfallen/ und ungeacht aller ange- wandten Mühe und Hülffs - Mitteln immer ? zugenommen. Indessen nahm er den Zuspruch - aus GOtteö Wort und Lhristl. Fürbitt mit allem Willen und danckbarlich an; tröstete sich KIs mit GOtt und der Gnade JESU Lhristi - har- G rete also und stritte biß daß seine selige Veran- ^ derung käme / nemlich vergangenen Montag ^ Morgens zwischen 5. und 6. Uhren/ da Jh- ^ ne der Allerhöchste aus diesem müheseligen Le- 7' den abgeforderet , seines Alters 66. Jahr, we- 7: niger einen Monat. jA Wie wir einseits für ein grosses Laid anzu- L sehen haben, wann uns gottsförchtige weise ^ Männer entzogen werden; also sollen wir auch . anderseits GOtt bitten, daß er deren Abgang i nach seinem Gefallen zum besten der Kirche und . des lieben Vatterlands würdiglich wieder erse- i tze. Jhme dem grundgütigen GOtt seye Lob l und Z2 und Danck für alle das Gute das Er mit un- serm lieben Herrn Meister sel- uns beschehret II und so lang gegonnet, und aber auch wieder * in Gnaden zu sich genommen hat: Der HErr V hatö gegeben ; der HErr hatö genommen; ^ der Nahme des HErren sey gelobet. Er tröste kräfftiglich die dadurch in Tram gesetzte Ehren- Familie und Verwandte; Gebe uns allen die Ä Gnade unermüdeten Fleisses , in unserm gan- ^ tzen Leben uns dahin zu bestreben, daß unser Tod seiner Zeit möge erwünscht, Lhristlich und selig seyn; er möge auch kommen wie und wann er wolle; auf daß wir auch durch den Tod zu unserm Heyland JEsu Lhristo gelan- g gen , und bey Ihme unserem HErren und Erlöser allezeit seyn und bleiben mögen ewiglich, durchZhneunfern cheuren Mittler und Heyland JESUM LHristum, welchem samt dem Vat- " ter, und dem werthen H. Geist seye Preiß und Ehre in Ewigkeit, Amen.