r ' :7 -————I 0 M V6l'8ll3t3bibIl0t!'»6k 6 3 3 6 I lDSpositi^i^ Die wesentliche Lehre des Evangeliums; die Gerechtigkeit durch den Glauben an Jesum Christum. In sechs Predigten über Apost. Gesch. x. 4;. Diesem Jesus geben alle Propheten Zeugniß, daß ein jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen Verzeihung der Sünden em- pfahen solle. Herausgegeben von einem Schweizer Theologen. -n» "«» er » Zwexte Auslage. - "» Basel, Zu finden bey Augustin Scholer, Buchb. auf der Rhcinbrnck, » 7 7 6 , Vorbericht. ^Nachfolgende 6. Predigten sind in vorigem Jahr in Offenbach gedruckt und hin und wieder um 24. kr. das Exemplar verkauft worden. Ein Landsmann des Autors hat sie gelesen und so erbaulich gefunden, daß er gewünschet, sie möchten in wohlfeilerem Preiß zu haben seyn, damit sie desto gemeinnütziger werden könnten. Diesen Zweck zu erreichen, hat er kein ander Mittel gewußt, als solche in seinen Kosten nachdrucken zu lassen, und solchen Personen zu verkaufen zu geben, die sich mit einem kleinen Profit daran zu machen begnügen wurden; und auf diese Weise sind diese Predigten allhier um zween Batzen zu haben, mit dem Wunsch, daß sich viele diesen wohlfeiler» Preiß zum Heil ihrer Seelen wohl zu nutz machen mögen. kLtaloe - ^ Erste Predigt. Jesus der Vergeber der Sünden. über Most. Gesch. x> 4Z. Am Vorbereitungs-Sonntag vor dem Bethtage. Mchre Andächtigen Zuhörer! INilld )MÄ Wir kehren zu unserer gewöhnlichen ins? Textesordnung zurücke, um noch die letzte und wichtigste Stelle in ' der Predigt Petri im Hallst des Hauptmanns Cornelius in Betrachtung zu ziehen. Gerade die Stelle, die jener wichtigen Begebenheit, ich meyne, der sichtbaren, plötzlichen und außerordentlichen Ausmessung des heiligen Geistes über alle Anwesende unmittelbar vorgieng. Eine Stelle, denke ich, deren Jnnhalt für den heutigen Commrrnions- und Borbereitungstag, auf Iesirs der Vergeber den nächstbevorstehenden heiligen Bußtag nicht unschicklich ist. Sünder sind wir alle, alle mit unzähli- chen Sünden schwer belastet -- Ist dies nicht eine von den Hauptempfindungen, die wir besonders über diese Tage in unsern Herzen zu erneuern suchen sollen? Sünder sind wir M- alle bey der Sünde, die uns um und um anliegt, elend! elender, als wirs gemeiniglich glauben - elender, als es sich nicht nur der Leichtsinn vorstellt - viel, viel elender, als selbst der vernünftige, nachdenkende Mensch denken mag. Elend ,daß wir - je vernünftiger wir denken, je ruhiger und unpartheyischer wir die Sache ansehen - immer um so viel mehr uns ängstigen, der Verzweiflung immer um so viel näher kommen- daß wir tröst- und hoffnungs-los verschmachten müßten. Wenn!-O wichtiges, wenig geachtetes, vielleicht ost ausgesprochnes, aber ach! wann empftmdnes wenn- Wenn keiner wäre, durch den wir Vergebung unsrer Sünden erlangen könnten! keiner wäre der unser unerkanntes, nicht geachtetes, aber nichts desto- weniger schreckliches, schreckliches Elend geachtet, und was wir nicht zu Herzen nahmen, zu Herzen genommen hätte; keiner gekommen wäre, um uns von der Sünde und. ihren gränzenlosen unzählbaren verderbli-f chen und abscheulichen Folgen zu erlösen? - Ach! lttl! der Sünden. , s Ach! du guter, guter GOtt- wie sollte uns bey diesem Worte- Erlösung, Vergebung der Sünden zu muthe seyn ? Wie sollten wir - vor Freude und vor Furcht, unwürdig davon zu reden, zittern? - Denn wer, wer kann würdig von dieser allerwtchtigsteu Sa- che reden ? Wer aussprechen, wie unwürdig k er sey- zu zeugen von dem großen allmäch- il- tiger» und allbarmherzigen Erlöser, und Ver- M geber der Sünden? Wer von uns kaltem L unerfahrnen, buchstäblichen Wifferu, Schul- Ä und Büchergelehrten - darf stch gesellen zu der heiligen und ehrwürdigen Schaar der k Propheten und Aposteln, die alle - ach ! e Gott, mit welch ander»» Sinn und Geiste, U ^ welch andrer Empfindung und Kraft, welch m andern» Anschauen und Erfahrung der Sa- che, Zeugniß geben, diesem Jesu, daß durch seinen Namen ein jeder, der an ihn glaubt, M Verzeihung der Sünden empfahen solle. M Und doch - ich muß es mit ihnen bezeu- W gen! so gut ich kann! und wehe mir, wenn M ichs »licht bezeugen würde: - Das heißt wehe D mir, »penn ich Diener des Evangeliums, das ich Evangelium nicht verkündigen würde. Denn nd gi was ist das ganze Evangelium Jesu Christi im i B Grunde anders, als die ftöliche Bothschaft W von der Versöhnung des armen mit (^ün- de< denbeladenenMenschm,»nitGottdurchJe- -eB su»n Christum? Was arrders, als eine feyer- U!- tiche Berstcherung und.Offmbarmlg vom A! A z Hinp' O Jesus der Vergeber Himmel- daß Gott allmächtige Liebe sey- daß ers in Jesu Christo sey - zur Aufhebung und Vertilgung alles sündlichen, unordentlichen, schädlichen verderblichen Wesens? Daß durch ihn alles, was durch die Unwissenheit, Schwachheit, Sündhaftigkeit der Menschen, in Unordnung und Zerrüttung : gerathen ist, wieder in Ordnung gebracht, , wieder hergestellt, und iu den bestmöglichen Stand gesetzt Werder: solle; daß Jesus Christus in die Welt gekommen sey, die Sünder nicht nur von den üblen Folgen der Sünde zu erlösen - sondern mit einem neuen him- j lischen Leben zu beseeligen - O Sünder - > die ihr es gewesen seyd, und noch seyd - was / kann euch mteressanters und wichtiges ge- sagt werden, als dieses? Was solltet ihr mit mehr Aufmerksamkeit, mehr Befremdung und Erstaunen, mehr Theilnehmung und Entzücken hören, als diß? Wer sollte euch unter allen Menschen willkommner seyn, als ein Verkündiger dieses Evangeliums? Als ein solcher Bote des Friedens? Als einer, der euch im Namen Gottes zuruft: Sklaven der Sünde, wir haben einen Erlöser!! Ewig Verlorne! wir haben einen ewigen Seeligmacher! - Es ist nicht mit uns aus! wir sind nicht ohne Hoffnung! Es ist einer im Himmel, der einst auf Erden - Ein Gott, ^ der einst ein Mensch war, wie wir, und noch / «in Mensch ist, wie wir es seyn werden - < Der der Sünden. Der nimmt sich unser an! der kann uns hel- fen, will uns helfen! Bey dem ist viel, ist ck genug - ist alle nöthige Kraft und Güte zum A- Vergeben! lrü Es ist einer, der alles ist für alle. Hülfe !ch für alle Hülfsbedürftigen! Erlösung für alle s Leidende! Leben für alle Todte; Seeligkeit für alle Verlorne -- die nur noch des Glau- A bens an ihn, des Zutrauens auf seine Macht G und Güte, fähig sind - Mit diesem Evan- L gelio, - Es ist im Grunde eben dasselbe, das ich euch mit andern Worten vor acht Tagen, L das ich euch schon hundertmal gepredigt ha- M. be, und unter mancherley Ausdrücken und Gestalten noch so lang predigen werde, als st ^ Gott mir diese heilige Stelle zu betretten ver- H gönnen wird. ch Mit diesem Evangelio, ihr geliebten Mit- M üä sünder, tret ich auch an dem heutigen fever- lichen Tage wieder vor euch auf - und wünsch es euch mit eben dem Herzen, und K mit eben der Kraft und Würkung verkün- stiM, digen zu können, mit welcher Petrus es A .in dem Hause des Cornelius verkündigte -- M! wünsche, daß ihr es mit eben der Aufmerkest samkeit, eben der Einfalt, und Offenheit des Herzens-- eben dem Hunger und Durst nach lerim Wahrheit, Licht, Begnadigung, Erlösung M hörtet, wie die Zuhörer Petri - Das große, dm herrliche, an Trost und Freude für arme W- Sünder ewig unerschöpfliche Evangelium -- ' A A 4 Dle- r Jesus der Vergeber Diesem Jesus gehen alle Propheten Zeugniß, daß ein jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen Verzeihung der Sünden em- pfahen solle - Ja - gieb mir, gieb mir, ^. großer Geber, der alles hat, was wir be- l dürfen, und alles giebt, wofür wir mit aufrichtigem und gläubigem Herzen flehen - Gieb mir Licht, und Weisheit, und Kraft, und Empfindung, heut und so oft ich davon reden werde, von deiner Güte, deiner Macht Sünden zu vergeben so zureden», wie einer, der fie an fich selber erfahren, und von deiner Barmherzigkeit zu zeugen, wie einer, der Barmherzigkeit erlangt hat, und weis, daß er fie erlangt hat! verständlich - lichtvoll, annehmlich und entzückend sey in mei- ^ nem Mm.de dein herrliches Evangelium! ' Meine Lehre triefe, wie der Regen! Meine Rede fließe, wie der Thau! wie strömender Regen auf dürres dürstendes Erdreich. Denn ich will deinen Namen verherrlichen mein Gott, und deine Barmherzigkeit verkündigen, mein Fels und Erlöser! Laß, laß meine Worte Geist und Leben - laß fie jedem Sünder Erquickung seyn! Jedem ruf mächtig in die Seele - Wache auf der du - ^ schlafest, und stehe auf von den Todten, so j wird dich Christus erleuchten, begnadigen, ^ beseeligen - Ach! -- laß mich, wie kann ich sonst anfangen von deiner Macht und Barm- ^ ^ Herzigkeit zu zeugen - laß mich deine Nähe 5 U kD M cim )N -!o in:. iklW'/ iHt» lltW az wrii da dn m, ß digen, mit Vm' e d!^ der Sünden. 9 empfinden, laß das Gefühl deiner Macht und Barmherzigkeit mich durchdrungen, daß ich mit Kraft sage, was du uns bist- O Herr, Herr, sey nicht ferne! Eile mir zu helfen, denn meine Seele schmachtet nach Leben und Kraft, denn ich bin müde meiner Kälte, und - meine Kraftlosigkeit ist mir unerträglich - Ach! so oft hab ich schon geredet; und was hat mein Reden bey mir und andern gewirkt? Wie wenig Herzen hab ich zur Erkenntniß und Empfindung deiner Sünde vertilgenden Macht und Liebe gebracht ? Wie oft manglet auch mir diese Erkenntniß und Empfindung - O schenke sie mir wenigstens jezt in dieser Stunde, daß ich sie andern mittheilen könne, die sie bedürfen und die darnach dürsten! Amen. Abhandlung. Diesem Jesus geben Zeugniß alleProphe- ^ ten, daß ein jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen Vergebung der Sünden empfahen solle. Wie unaussprechlich viel liegt in diesen wenigen Worten! Wie vielmehr als sich in einer Stunde sagen ließe! O Geliebte, verdopvelt doch eure Aufmerksamkeit, und euer Nachdenken ersetze, was unsrer Betrachtung durch die Kürze der Zeit, und unsere Schwachheit abgehen muß! - daß Jesus ein Bergeber der Sünden sey -- A s Diese 7v Jesus der Vergebet Diese Worte was bezeugen sie anders, als: die völlige Zuverläßigkeit und Sicherheit einer allgemeine» Erlösung und Sündenvergebung für alle Gläubige durch Jesum Chri- i- stum - Um dieß recht zu faßen, und diesen Gedanken gehörig zu entwickeln, werden wir M. Th. folgende Dinge nach einander in Betrachtung zu ziehen haben. 1. Was Sünde sey, und was die Folgen -er Sünde seyen? 2. Was Vergebung derSünde sey? z. Durch wen die Sünden vergeben werden? Wie, und auf was für Bedm- f gungen sie vergeben werden. 5. Worauf die Hoffnung dieser Vergebung unsrer Sünde beruhe ; oder die Zuverläßigkeit und Festigkeit der Lehre von der Vergebung der Sünden durch Jesum Christum. I. ?M as ist Sunde ? Dieß ist die erste Frage, die wir zu beantworten haben - Sünde ist Uebertrettung des göttlichen Gesetzes-- Sünde ist Widerstrebung gegen den geoffenbarten -er Sünden. n » Harten und erkannten Willen Gottes. Wer - wider Gottes Vorschrift und Willen -- wie ^ ihm nun dieser Wille immer bekannt seyn ^ mag/ handelt/ der sündigt. t Werthut/ was Gott durch schriftliche, « oder mündliche Offenbarung als ihm miß- ^ fällig erklärt hat/ was das Gewissen / die innere Empfindung der Menschen von Recht - und Unrecht mißbilliget - oder: Wer das ^ unterläßt und nicht thut was Gott (Dieser oder jener Offenbarung und Willenserklä- ^ rung zufolge) nicht gethan haben will/ was von ihm für schädlich / und unanständig der K menschlichen Natur erkläret wird -- Der sündigt; Sündigt, wer wider seine Ueberzeu- ^ gung handelt; wider besser Wissen und Ge- wissen; wider seinen Glauben; wider sein ^ Gefühl von Recht und Unrecht - Und Hiebey W muß gerad anfangs, als etwas sehr wesent- ^ liches zum Fundament gesetzt werden, daß M Gott - nichts willkührlich zur Sünde ma- ^ che; oder mit andern Worten, daß kein Ge- ^ bot und Verbot vor; ihm herrühre, das nicht ^ dem Menschen, dem es gegeben wird - Vortheilhaft und nützlich sey - Gott kann nichts aus bloßer Willkühr weder gebieten noch verbieten. Was er thun heißt, ist dem nütz- G lich, der es thut, was er unterlaßen heißt, D würde dem, der es nicht unterlaßen würde, es - schädlich seyn. Er verbietet nur Gift, und D gebietet nur Leben! Er verbietet was über M A 6 kurz rr Iesirs der Vergeber > kurz oder lang die menschliche Natur zerrüttet, und zerstört. Er gebietet nichts, als was der menschlichen Natur anständig, Vortheilhast, zu ihrer Wohlfarth und Vervollkom- ^ mung beförderlsth ist. Sein Gebot ist, wie uns Jesus versichert, das ewige Leben. Dieß vorausgesetzt, ist klar, daß es nicht gleich ! viel seyn könne, wie wir Menschen in dieser Welt handlen, und wie wir gesinnet sind. Entgegengesetzte Gesinnungen und Handlungen können unmöglich eben dieselben Wirkungen und Folgert haben. Es kann weder für meine, noch für die Ruhe meines Nebenmenschen gleich viel seyn, ob ich gerecht oder ungerecht, sanstmüthig oder ! zornig, versöhnlich oder rachgierig, müßig ^ oder arbeitsam, nüchtern oder unmäßig - " keusch, oder der Weichlichkeit und Wollust ergeben bin. Wenn Gott alle diese Tugenden nicht geboten, alle diese Laster nicht verboten hatte- sie würden nichts destoweniger von sehr ungleichen Folgen und Wirkungen seyn. Die Tugenden würden immer der menschlichen Natur zuträglich, die entgegengesetzten Laster würden ihr immer schädlich seyn - Nicht darum z. E. ist Trunkenheit, Unmäs- sigkeit, Verläumdung, Geitz, Hochmuth schädlich, weil Gott diese Gesinnungen und Arten zu handlen verboten hat; sondern deßwegen hat Gott sie dem Menschen unter- in sagh K r! der Sünden. ^ sagt, weil sie dem Menschen schädlich sind - Nicht deßwegen ist Mäßigkeit, Demuth, A Keuschheit, Arbeitsamkeit, Gerechtigkeit, M Sanftmuth, u. s. w. dem Menschen nützlich, W weil Gott sie geboten hat, - sondern Gott A hat sie dem Menschen deßwegen geboten, B weil sie ihm nützlich sind. So ist einmal Ä die menschliche Natur eingerichtet, daß das eine ihr Vortheilhaft, das andere ihr schäd- ^ lich ist. Sie bedurfte also Unterricht, Vor- Är schrist, Gebot, Verbot, weil der unwißen- rls de Mensch nicht wußte, was ihm zuträg- ! und unfehlbar wenigstens zum Theil, dem ! k Menschen und der menschlichen Gesellschaft ^ di Schaden bringt - so gewiß hat sie auch für ^ w die künftige Fortdauer des Menschen ihre k der Sünden. i s ^ unausbleiblich schädlichen Folgen. Das ß künftige Leben hängt so genau am gegenwär- ß tigen, wie die Nacht - am Lag/ und ver- in hält sich so genau zu diesem Leben, wie die i Erndte zur Saat. Die Schrift erklärt sich Nr hierüber auf eine bewurlderungswürdige k» Weise stark, bestimmt und richtig - was der Mensch säet das wird er auch erndten - A- wer auf Fleisch oder sein Fleisch säet, der y wird von dem Fleische das Verderben ernd- L ten. Der Sünden Sold ist der Tod. Wer L Böses säet, wird Jammer schneiden. So Ä ists, Andächtige, mit der Sünde beschaffen, «k sie zerrüttet unsre Natur; sie beraubt uns ^ unsrer Freyheit; sie schwächt und zerstört k unsere Kräfte; sie macht uns unruhig und V unzufrieden; sie ist schädlich an sich, und d» sie wird noch schädlicher dadurch, daß ste eich ne förmliche Uebertrettung der ausdrückli- D chen und positiven Gesetze Gottes ist. Unse- « re Vergebungen, unsere Fehler sind Sünde, U sind Vtissethaten; sind Empörungen wider w Gott, und das Gewissen, und in so fern dem setzen sie mehr Verkehrtheit voraus, sind sie strafwürdiger, sind ihre Folgen schrecklicher W und unheilbarer, weil sie nicht nur Verge- enia! hung wider uns selber, sondern wider aus- deni drückliche Gebote Gottes sind. Immer wäre W die verbotne Frucht dem Adam tödtlich ge- »ßr Wesen, wenn Gott sie ihm auch nicht ver- P boten hätte. Gott warnte ihn dafür, ver- W bot r6 Jesus der Vergeber bot sie thm, weil sie ihm tödtlich war - Nun aber war sein Fehler doppelt, er war doppelt strafwürdig, doppelt war die Folge seiner Sünde. Er sündigte wider seine - Wohlfahrt und wider sein Gewissen ! der Genuß der Frucht brachte ihm Tod und der Ungehorsam raubte ihm die Ruhe des Gewissens , den Frieden mit Gott. So ist es mit allen unsern Sünden. Sie schaden uns auch als Uebertrettungen, sie trennen und entfernen uns von Gott dem besten und liebenswürdigsten Wesen; sie machen uns unfähig zum Umgang und zur Freundschaft mit den bester! und edelsten Geschöpfen Gottes; unfähig, in den Gegenden der Ruhe, des Friedens, des Lichts, und der Freude ^ zu wohnen - Die Sünde ist eine unerschöpf- ^ liche Quelle des bittersten Elendes, und des unaussprechlichsten Jammers. Ihre natürlichen Folgen sind so unsterblich, als es der Mensch ist, und so ewig, als die Zukunft, deren er mit jedem Augenblick entgegengeht- Man kann sie nicht furchtbar genug beschreiben , alles was man davon sagen kann ist so wenig, so nichts, als das, was man von den seeligen Folgen der Tugend, und von den Freuden des Himmels sagen kann -- Wer in diesem Leben - in Augenblicke komt,. wo er einen Vorschmack des Himmels zu ^ fühlen glaubt- ruft aus: O wer giebt mir > Worte- Meine Freude geht über alle Ausdrücke der Sünden. 17 k, drücke und Bilder - Und wer in diesem Le- ^ den in Stunden der Anfechtung, und des ^ Sündengefühls gekommen ist , der weis nicht genug auszurufen; O wer giebt mir H Worte-- meinen Jammer und mein Elend ^ auszudrücken! O daß ich allen Menschen zz zurufen könnte - wie ist unser Gott ein so ^ verzehrendes Feuer, wie ist es so schrecklich 1^ in die Hände des lebendigen Gottes zu falls len!-- Ich habe,- Gott, der Vater un- ^ sers Herren Jesu Christi, der in die Ewig- ^ keit gebenedeyt ist, weis, daß ich nicht lüge - U Ich habe dergleichen Augenblick erlebt, und h wenn ich alle Worte, die Entsetzen, Elend L und Jammer anzeigen,. zusammen häufte, ^ so glaubte ich noch nichts, noch gar nichts von dem entsetzlichen Gefühl eines Menschen M gesagt zu haben, den Gott etwas von den schrecklichen Folgen der Sünde empfinden ^ läßt. Und doch ist das vermuthlich eben so ^ wenig von dem schrecklichen Eleud eines un- 2 begnadigten Sünders, als das Gefühl der T Seeligkeit in den Augenblicken himmlischer M Entzückung- von der wirklichen künftigen ^ Herrlichkeit und Seligkeit eines auferstan- ° denen Christen ist. - „ Was ich bis dahin gesagt M. Th. mag euch einigermaßen zeigen - was Sünde sey- ^ und was ihre Folgen? und mag euch zu- U gleich zu unsrer W II. Be- i8 Iejus der Vergeber II. 4 tzLetrachtung - was nun Vergebung der j ^ Sünden sey, vorbereitet haben. Und^ was heißt dann nun Vergebung der Sün- ^ den? Was heißt das: Gott kann Sünden i vergeben? Es heißt: Gott kann unter gewissen Bedingungen, die wir hernach hören werden, und gewissen Menschen - die Folgen ihrer Sünden vertilgen oder vergüten. Er kann sie von den Schmerzen, dem Verfall, dem Jammer und Elend, den sonst natürlichen Folgen ihrer Vergehungen erlösen. Er hat Arzneymittel, wodurch diese , Zerrüttung ihrer Natur, dieser Jammer i ihrer Seele so aufgehoben werden kann, wie, < eine Krankheit und ein Schmerz durch eines j leibliche Arzney aufgehoben und vertilget i wird. Er kann das Uebel, das auf die Sün- < de folgte, seys außer, seys in dem Menschen,j , heisse man es natürliche, heiffemaneswill-; kührliche Strafe-aufheben, vertilgen, oder vergüten, und in Seegen verwandten. Er! r kann das, was den Menschen von sich und seiner Gemeinschaft trennt, aus dem Weg r räumen. Er kann den Menschen begnadi- § gen; Er theilt sich ihm wieder mit; offen-! ^ hart sich ihm in seiner Liebe und Lebens-! g traft- in seiner Vatergüte- Er giebt ihnn wieder Kinderfreyheit - Kinderfreuden -s sc Er behandlet ihn so, als wenn er nie gesün-, ß, der Sünden. 19 digt hätte. Er läßt es ihn in der zukünftigen , Welt nicht entgelten, was er in der gegen- ^ wärtigen gefehlt hat. Er entläßt ihn der Strafe; Er wendet das Uebel ab - das sonst ^ unfehlbar ihn verschlungen hätte. Er macht ^ ihn frey und ledig von allen Beängstigmi- A gen, Ueblen, Todesfurchten - Verdamm- ^ nißfurchten - Er setzt ihn wieder in seine vo- ^ rige Rechte und Freyheiten ein. DerSün- A der dem vergeben ist -- (Denn Vergeben ist ^ nicht nur ein leeres Wort -- Es ist Sache! » Es ist würkliche Lebensmittheilung - Es ist ^ Schenkung der Freyheit--) Der Sünder ^ dem vergeben ist, ist-seelig. Wie derNe- D bel vor der Sonne zergeht, so die Folge der Sünde, so das, was dem Sünder die vä- lkldk terliche Gottheit verhüllet, ihn von der Gott- heit trennt - von dem erbarmenden und ver- E gebenden Gott- Aber- wir müßen weiter O gehen, zu dem - 5! ^unkt unsrer Betrachtung- Durch wen ich t ^ wird die Sünde vergeben? durch wen, E durch wessen Vermittlung empfängt der kH Sünder Vergebung der Sünden? Durch m wen vertilgt Gott die Übeln schrecklichen Fol- A gen der Sünde?- Die Antwort desgan- bl>k zen Evangeliums, die einfältige, klare, ent- scheidende Alltwort ist- Durch Jesum Chri- B stum - Diesem geben Zeugniß alle Prophe- t« ten. 20 Jesus der Vergebet 1 ten, daß ein jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen - das ist, durch ihn selbst, durch seine eigene Person Verzeihung der Sünden empfangen solle. Und dies ist nun eigentlich das vornehmste der alten und neuen Offenbarungen Gottes! daß Jesus von Na- zareth, dieser Meßias, dieser Erl-ser von Sünden, dies Mittel der Vergebung, diese gnadenvolle Person sey, durch deren einzige Vermittlung die ewige Liebe Gottes dem armen verlorenen Sünder Gnade, Freyheit, Vergebung, neues himmlisches Leben, und Herrlichkeit mittheilt - So wie Gott alles durch ihn erschaffen, so schaft er auch alles neu durch ihn! In ihm haben wir die Erlösung- durch sein vergoßnes Blut, um sei- ^ d r h r i! nes geheimnißvollen Opfertodes willen - nämlich die Vergebung der Sünden, nach dem Reichthum seiner Gnaden! Wir werden ohne Verdienst gerecht gesprochen, begnadigt , erhalten Vergebung durch seine Gnade, durch die Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen ist - diesen hat Gott zu einem Gnadenthron und Versöhnopfer verordnet - In seinem Namen heißt er Vergebung der Sünden verkündigen allen Nationen, das ist: er heißt seine Apostel allen Menschen sagen, daß er es sey, durch den, Gott Gnade, Vergebung und neues Leben bin mittheile. Und das verkündigen und predi-s ki gen sie auch - Sey nun, sagen sie z. E. euch K kund, r der Sünden. 21 ^kund, -aß durch diesen die Verzeihung der ^ Sünde verkündigt wird -- um seines Na- A mens, um feinet willen, und durch ihn sind D euch die Sünden vergeben - Gott hat uns "?in Christo, oder durch Christum vergeben- Und daß er, dieser Menschensohn, dieser Na- ^zarener, dieser verachtete und gekreutzigte, M Macht habe den Menschen auf Erden die H Sünden zu vergeben, das hat er häufig mit ^ Worten und Thatet: bewiesen - Wie man- ^ chem hat er gesagt: Sey wohl zu muthe, ^ dir sind deine Sünde vergeben! wie man- ^ chem hat er sein leibliches Elend, die Folgen seiner sündlichen und lasterhaften Lebensart ^ würklich und eigentlich weggenommen! und UE damit bewiesen, daß er der sey, der Macht ^ habe über alle Natur, alle Uebel, und der >/» in die Welt gekommen sey, die Werke des Teufels aufzulösen, und zu zerstören - In ^ ihm also-- Mein Zuhörer! In ihm siehe, M bewundre, und bete an das Lamm Gottes, ch § welches hinnimmt die Sünde der Welt! Er G ist es - sonst keiner, weder auf Erden noch W im Himmel - Er ist es - der deine Krank- ch heit tragen, und deine Sünden dir abneh- ch rnen kann, wie er ehemals die Kranken trug K und ihre Schwachheiten auf sich lud. Er ist t k es, der deine Sünden um seiner selbst willen, ick und durch sich selber vertilget, wie eine Wol- B ke, und deine Missethat wie einen Nebel- .aii Ler deiner Sünden nimmermehr gedenket! kB ^ Er 22 Jesus der Vergeber Er ist es, der als der Herr alle Dinge, alles so leitet, ordnet und einrichtet-- daß dir die Sünde, die du begiengest, in die Ewigkeit nicht schaden-- Daß sie dir so gar noch zum Besten dienen müßen. Auch in dieser Absicht ist ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben - und auch diese Gewalt, und dieses göttliche Recht hat er sich dadurch erworben, und für immer und ewig zu eigen gemacht, daß er sich, obwohl er in Gottes Gestalt war, ausgeleert, und Knechtes Gestalt an sich genommen, und an Geberden als ein Mensch erfunden, und gehorsam wurde bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze-- Darum ist in keinem andern das Heil! Darum ist kein anderer Name unter den Himmeln den Menschen gegeben, dar- inn, oder dadurch sie errettet, und seelig werden können, als allein der Name und die Person Jesu Christi - und darum ward ihm auch schon, ehe er geboren ward, der Name Jesus, mit der ausdrücklich beygefügten Erklärung gegeben - Denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden, und sie seelig machen; So gewiß er also Jesus heißt, so gewiß ist er ein Heiland, ein Erretter von der Sünde und ihren Folgen, ein allmächtiger Erlöser, ein ewiger Seeligmacher. Und Hiebey M. Th. wollen wir nun dießmal stehen bleiben, und die beyden übrigen Punkte- von den Bedingungen der Vergebung, der Sünden. 2Z A oder wer diese Vergebung seiner Sünden 1k durch Jesum Christum erhalten könne, - t und von dem Zeugniß aller Propheten, daß er diese gnadenvolle Heilspersorr für alle Ä Gläubige sey, auf die nächste Gelegenheit >tz nach dem Bättage verspüren, weil sie mehr ch als eine blos eilfertige Betrachtung und Er- ch wagung verdienen. P Zum Beschluß unsrer heutigen Betrach- A tung wollen wir nur noch dieß einzige bey- Sr- fügen - k Die heilige Handlung, die wir heute mit m einander bedangen haben, und künftigen M Bußtag wiederholen werden-soll uns ein U Pfand und Siegel derjenigen unendlicher: ter .Liebe seyn, die unsere Sünden vergessen, ver- D schlingen, und aus uns armen elenden Simse» dern die freysten, frühesten, fertigsten Men- scheu machen will! -- Das ist mein Leib, ihm jagte die ewige Liebe kurz vor dem heilbrin- Na, aendenTode, der aller Welt Versthnung und M Leben ist- Das ist mein Leib, der für euch seinhingegeben! Das ist mein Blut, das ver- d ßgoffen wird für viele zu Verzeihung der Sün- Aden- Was heißt das anders--als: Mei- kmnem Tode habt ihr euer Leben - diesem ver- Mgoßnen Blute -- Vergebung und Unsterblichkeit -- zu danken! Ich bin das Leber; ge- Mende Brod! Ich bin die Auferstehung und Mas Leben! Ich bin die Versöhnung für eure W-Md der ganzen Welt Sünde) A O 24 Jesus der Vergeber der Sünden. O wer es fassen mag, der fasse es! O Worte des ewigen Lebens - Mein Trost im Leben, Leiden und Sterben! Meine Freude irr heitern, meine Erquickung in dun- > kein Stunden - Ihr Geliebte - sündigt nicht - so aber jemand gesündigt hätte, so > haben wir einen Fürsprecher, einen Sach- . Walter beydem Vater, einen Vergüter und Gerechtmacher im Himmel! Jesum Christum den Gerechten! derselbe ist die Versöhnung für unsere und der ganzen Welt Sünden ! Diesem Jesus geben Zeugnuß alle Propheten , daß ein jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen Verzeihung der Sünden empfahensoll-- Ja- Amen- Dem der uns geliebet, und uns mit seinem Blut von unsern Sünden gewaschen, und uns i unserm Gott zu Königen und Priestern ge- . macht hat, demselben sey Ehre und Herr- j keit von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Zweyte L Zweyte Predigt. Jesus der Vergebet der Sünden derer, K die an ihn glauben, ^ nach dem K Zeugniß aller Propheten. ^ über Apost. Gesch. x, 4z. ^ --e,» 7.'.«)) v / M ir haben vor acht Tagen diese wichtige Worte, womit der Apostel Petrus seine Predigt im Hause des Cornelius beschließt, bereits mit einander zu beherzigen angefangen. - Wir haben E. A. auf stuf besondre Punkte aufmerksam gemacht, und drey von denselben bereits in Betrachtung gezogen. Wir sprachen zuvorderst von der Sünde, und den Folgen der Sunden: Zweytens von der Vergebung der Sünden, oder der Aufhebung und Vergütung der Folgen der Sünden: Drittens von der Mittelsperson, durch welche allein uns « B die 26 Jessrs -er Vergeber die Sünden vergeben, oder ihre Übeln Fol- ! gen in uns nnd außer ur;s aufgehoben werden i können - unserm anbetenswürdigen Herren ! und Heiland Jesu Christo. Und nun blei- >? den uns noch zwo nicht minder wichtige Betrachtungen übrig -- nemlich - wem die Sän- « den vergeben werden? Oder welche die Bedingung dieser Vergebung sey ? Wer an der ! Gnade und Macht Jesu Christi, die Sünden zu vergeben-- wirklichen Antheil habe - und dann -- worauf sich diese Wahrheit - daß jeder Gläubige durch Jesum Christum Verzeihung der Sünden erlange, gründe - Dieß werderr uns weiter die Worte lehren: Diesem Jesus geben Zeugniß alle Propheten, daß ein jeder, der an ihn glaubt, durch ^ seinen Namen Verzeihung der Sünden er-" langen solle. Wären uns A. Z. die Worte: Glauben, Verzeihung der Sünden, nicht so geläufig, hatten wir sie nicht schon tausend und tausendmal ohne Gedanken und ohne Empfindung angehört- wie unaussprechlich wich- l tig würd uns die Lehre von der Vergebung l der Sünden seyn! Aber von keinen Wahr-^ > hellen ist schwerer zu reden, als von denen, « über die am meisten geredet wird. Alle ! Worte und Ausdrücke sind zu oft gehört, t und wenn ich sagen darf, gleichsam abge- t nutzt- Erweckt also, Brüder, euere Auf^s merksamkeit, um so vielmehr, und laßt euch? ii seyn der Sünden. rf U. styn, als ob ihr, was ihr hören werdch zum ^ erstenmal hörtet. Und du, der mich nie ver- ^ laßt - verlaß mich auch jetzt nicht; auch ^ dießmal steh mir mit deiner erleuchtenden § und erwärmenden Gnade bey - Oduewi- A ge sündenvertilgende Liebe! daß meine Rede Ll nicht nur töne und wieder vertone, sondern ^ als WahrheitGottessichdenSeeleneindrin- M ge und beweise, den einfältigen Seelen, die die k- Wahrheit zu erkennen fähig sind; daß sie >l- tröste, wen sie trösten, belehre, wen siebe-- iM lehren, stärke, wen sie stärken soll, Amen. , ^ Abhandlung. A Erster Theil. w HsNem werden die Sünden durch den Na- men Christi vergeben ? Wer hat An- ik theil an der Erlösung durch Christum von ch der Sünde und vorn Tode? Welches sind R die Bedingungen, unter welchen Gott dem ch armer; sündigen Menscher; durch Jesum M Christum seine Sünden vergeben, das ist, kk ihn so behandle», und so beseeligen will, als U ob er niemals gesündigt hätte? - Wird er reiu es so fort allen ohne Ausnahme, ohne einige A Bedingung thun?- Wird dazu auf Seite K des freyer; Menschen keine gewisse Gernüthö- ti Verfassung, keine Empfänglichkeit, nichts er- e^fordert? handelt Gott, der im allergering- M üen nach Ordnung handelt, in dieser wich- iq Br tigen 23 Jesus der Vergebet tiqen Sacke ohne Ordnung? Nein! M. Th. auch hierin« handelt Gott nach Ordnung, handelt der höchsten Weisheit, das ist, seiner Natur, und der Natur des Men- > schen gemäß! Gott ist bereit, allen zu vergeben - aber er vergiebt dennoch nicht einem jeden ohne Ausnahme, ohne Unterschied und Bedingung - sondern er hat uns durch stillen Sohn, und stines Sohnes Apostel ein ausdrückliches, unveränderliches Bedingniß, unter welchem er uns begnadigen, und durch Jesum Christum befreyen und erlösen will- bekannt gemacht, und dieß Bedingniß, welches alle andere in sich schließt, ist, zufolg unsers Textes, und des ganzen neuen Testaments der Glauben an ihn: Diesem Jesu ^ geben Zeugniß alle Propheten, daß ein je- s der, der an ihn glaubt, durch seinen Namen Verzeihung der Sünden empfahen solle. Und so redet, um noch eine Stelle anzuführen, auch Paulus zu den Juden, nach dem i z. Cap. der Apostelgeschichte - Es sey euch kund ihr Männer lieben Bruder, daß euch durch diesen Jesum, den Gott auf- erwecket hat, die Verzeihung der Sünde» verkündigt wird, und daß ein jeder, der da glaubt, von allem, wovon ihr durch das § Gesetz Mosis nicht mochtet gerecht gesprochen, kraft dieses Gesetzes nicht mochtet ab- solvirt, begnadigt und entsündigt werden, durch diesen gerecht gesprochen wird - Uni ebeii -er Sünden. 29 I eben diesen Gedanken führt er in den Epi- t» steln an die Römer und Galater besonders ^ weitläufig aus/ und zeiget, daß der Sünder « schlechterdings ohne alle Rücksicht aufs mo- saische oder natürliche Gesetz, welche beyde ^ ihn blos verdammen, ohne alle Rücksicht A auf sein bisheriges Leben begnadigt werde - ^ wofern er nur an Jesum Christum glaube. W Glauben also an Jesum Christum ist die evan- Vj gelische Bedingung, unter welcher wir der W großen und wünschenswürdigsten Sache, an Ä- welcher uns mehr, als an allem auf der Welt M gelegen seyn sollte - der Vergebung der Sün- folj den sähig und theilhaftig werden: Ein jeder, k der an ihn glaubt, soll durch seinenNamen,das lest ist, durch ihn selbst Verzeihung der Sünden w rmpfahen! Ein jeder, höre das Wort der K Wahrheit! Keiner ist ausgeschlossen, weß Standes, weß Charakters, welches Alters, G welcher Nation, aus welchem Zeitalter, wel- lisi cher Weltgeaend er immer sey! Nicht einer! L Bey Gott ist kein Ansehen der Person: Der »Lei gröste, der abscheulichste Sünder^ wie der tki geringere- darf Vergebung hoffen, völlige ink Vergebung und Begnadigung, wenn er )eri glaubt: Diesem geben u. s. f. Wir sind M. Th. alle, vom Grösten bis zum Kleinsten, - es« Sünder - wer von uns - Predigern oder el« Zuhörern - Fürsten oder Bettlere - wer U will sagen: Rein ist mein Herz! Ich bin -)t rein, und der Sünde frey - Stehen wir i B Z nicht ZO Jesus der Vergeber l nicht alle in einer Linie vor Gott? - Wie ^ unendlich wir- sich es also, wird sich es der ? Mühe lohnen, M. Th. da wir alle Sünder x sind, alle allen Anspruch auf Gottes Gnade, ^ x und ewiges Leben verloren haben, alle außer ^ l l l dem Glauben an Jesum Christum - anders nichts erwarten können, als daß wir den schrecklichen und ewigen Folgen unsrer Sünden überlassen werden - wie wird sich es uns als die wichtigste Untersuchung empfehlen-- zu fragen: - was heißt an Jesum glauben? Laßt uns also unsre ganze Aufmerksamkeit zusammen fassen, dieses recht wohl zu beherzigen, und diese allerwichtiqste Lehre uns in ihrer völligen Klarheit und Gewißheit unvergeßlich zu machen. Laßt es euch nicht verdrießen, Andächti- s' ge, das jetzo wieder zu hören, was etwa auch schon bey andern Gelegenheiten gesagt worden seyn mag. Es ist unmöglich daß ein Prediger zumal, wenn er auf eben dieselben Wahrheiten kömmt, sich nicht manchmal wiederholen müße, wenn er sich auch noch so sehr befleißt, stille Materie immer in ein neues, noch helleres Licht zu setzen. Wie oft mußte sich der sollst unerschöpfliche Paulus wiederholen! Wie oft Jesus selbst. - Es wäre schlimm genug, wann ein Prediger in fünf bis sechs Jahren nicht oft Gelegenheit gehabt, oder sich Gelegenheit gemacht hät- k- die Materie vorn Glauben an Chri- r s> U stum. der Sünden. z r -tz stum, als dem wesentlichsten Bedirrgniß un- ksz srer Begnadigung in ihr möglichstes Licht zu A setzen. Mithin kann es wohl nicht änderst Zni seyn, er muß diesen oder jenen Hauptgedanke ken, dieß oder jenes Gleichniß, manchen mit ch Ueberlegung gewehlten Ausdruck, für deu >l k er noch keinen bessern gefunden hat, seinen H Zuhörern wiederholen, und dabey wird er ^ auch wohl, wenn er es nicht aus Trägheit leii' oder Bequemlichkeit thut, bey fich selbst et- ,öÄ wan denken dürfen- daß er nicht jedesmal M eben dieselbigen Zuhörer vor sich habe, daß ik bald jedesmal dieser oder jener gegenwärtig W sey, der von ihm noch keine Predigt hierü- tD hergehört, oder mancher, der die gehörte wieder solchergestalt vergessen habe, daß es ikk ihm gleichviel seyn kann, als ob er sie zum R erstenmal hörte; und daß selbst die sehrwe- M nige recht aufmerksame und nachdenkende O seiner Zuhörer, die sich noch jeder Redensart, W jedes Beweises deutlich zu erinnern wissen, üU die sie etwa schon ein oder mehrmale gehört, so viel Einsicht, Billigkeit und Güte haben m werden, richtig von diesen unausweichbarm lie: Wiederholungen zu urtheilen, und ihrer M schwächernMitzuhörer eine brüderliche Rech- nung zutragen. -- P Diese Annrerkung vorausgeschickt, laßt B uns in Gottes Namen die Sache selbst vor- ^ nehmen. K ß- D4 Was Z2 Jesus der Vergeber Was heißt: An Jesum glauben?-Was j heißt glauben überhaupt ? Etwas um -es § Zeugnißes willen für wahr halten, das man ; selbst nicht unmittelbar erkennt: An einen ^ j glauben, heißt: Sein Vertrauen auf ihn *, setzen, das«für wahr halten, was von einem , bezeuget wird; das von ihm erwarten, was er oder andre von ihm erwarten gemacht haben - Was heißt also an Jesum glauben ? - Es heißt: Jesum für den und für das halten, was er ist. Es heißt: das Zeugniß Gottes, das Zeugniß der Propheten und Apostel von ihm annehmen, und mit völliger Zustimung seines Herzens für wahr halten; für so wahr, wie wir das für wahr , halterr, was wir vermittelst unsrer eignen ^ ! Sinne, und durch unser unmittelbares Ge- ^ fühl erkennen. Es heißt, sein Verträum , auf ihn setzen; das von ihm erwarten, was , sich nach seinem und der Apostel Zeugniß ! von ihm erwarten läßt. Es heißt, glauben, j für wahr und unzweifelhaft gewiß halten, , der Nazarener Jesus, der vermutliche , Sohn Josephs, der vor mehr als 1700.; j Jahren zu Jerusalem lebte, lehrte, starb - § Dieser Jesus sey der, für den er sich ausge- - geben, der höchste Gesandte, Repräsentant j, und Sohn Gottes des unsichtbaren aller- j höchsten Schöpfers des Himmels und der § Erde- In dieses allerhöchsten Gottes Na-,»h, men sey er vom Himmel auf die Erde ge-' ^ der Sünden. ZZ ^7 kommen! In des allerhöchsten Gottes Na- ' ? men hab er geredet und gehandelt! Sein 5 Wort seye gerade mit der Aufmerksamkeit, ^ der Ehrerbietung, der Unterwerfung von ^ uns anzunehmen, wie des allerhöchsten Got- tes Wort; alle seine Thaten gerade so an- 2 zusehen, als des allerhöchsten Gottes eigen- ? ste und unmittelbarste Thaten. Anihnglau- K ben, heißt mit dem Zutrauen, dem Herzen, ^ der Demuth, der Freude, der Aufrichtigkeit 7 zu ihm kommen, sich mit ihm unterhalten, ^ wie mit einer Allmacht, die lauter Güte ist - E wie mit einem Arzt, der alle Gebrechen der D menschlichen Natur kennt, alle heilen will ^ und kann -- Es heißt nochmals mit einem N Wort: Ihn für das halten, was er ist, ^ was er uns ist - wozu er uns von Gott ge- 7 macht ist. - Die Sprache des Evangeliums 7 ist die Sprache des allgemeinen Menschen- M Verstands. Das Wort Glaube, wenn es ? von Jesu gebraucht wird, hat gar keinen E andern Sinn, als wenn es von irgend einer ^ Sache in der Welt gebraucht wird. Es wird ^ in der Schrift gerade so und nicht anders ^ als nach dem Sprachgebrauch aller Völker H genommen. Nur der Gegenstand und Vor- ^ wurfdes Glaubens ist verschieden; der Glau- ^ be an Jesum ist dem wesentlichen und der ^ Hauptsache nachgerade das, was derGlau- ^ ve an jeden andern Menschen, der Glaube k- an einen Arzt, an einen Freund , der Mauke B s he 34 Jesus der Vergebet be eures Kinds an seine Aeltern u. s w. ist. ^ An einen Arzt glauben z. E. heißt, sein Vertrauen auf ihn setzen, es heißt, das Gute, was man von der Geschicklichkeit und der > Treue dieses Arztes gehört hat, für wahr halten; diesem Triebe des Zutrauens gemäß handeln - sich diesem Arzt übergeben und anvertrauen; Hülfe von ihm erwarten : nicht zweifien daß er Wissenschaft und guten Willen genug besitze, unsre Krankheit zu heben, und unsre Gesundheit wieder herzustellen, das heißt: vollkommen an einen Arzt glauben. Und gerade so heißt: vollkommen an Jesum glauben, Hülfe bey ihm suchen, und von ihm erwarten: ihn für mächtig und gütig genug halten, uns von jedem Uebel vollkommen zu erlösen. Mit diesem ein- ^ faltigen zweifellosen Zutrauen sich ihm nahen ; diese Erlösung von seiner Huld und Macht auch für seine eigne Person mitvoll- kommner Zuversicht erwarten: Sich seiner Helferskrast und Helferslust hinstellen, hin- ergeben - sich ihm ganz anvertrauen - ganz unterwerfen. So ist es, Theureste, mit dem Glauben beschaffen. Der Glaube an jemand - aller Glaube in der Welt, und so auch der Glaube an Jesum - ist Zutrauen - iß Erwartung eines Gutes, einer Hülfe, eines Vortheils von der Macht und dem guten Willen eines andern. Aller Orten ist ^ Glauben ein Zutrauen, das sich auf etwas' be- öer Sünden. 35 k. ij bezieht, das wir nicht sehen, und auf etwas Hz gründet, das wir sehen. Allemal ist dem, der etwas glaubt, etwas unsichtbares glaub- d k würdig, um etwas sichtbaren; etwas abwetzt stndes, um etwas gegenwärtigen willen. O Die Hauptsache alles Glaubens im gemeint nen Leben, und der Religion ist einerley; A der Unterschied ist nur im Gegenstand und D Grade. Der eine ist glaubwürdiger, hülf- ch reicher, mächtiger, gütiger, als der andre, ck Je mächtiger und gütiger einer ist, desto- Ztz mehr verdient er Glauben und Zutrauen - N jemchr er seinen Willen und seine Macht hni, zu helfen bewiesen und geäußert hat, desto tz glaubwürdiger ist er. So ist es mit allen ch Menschen; So ist es mit unserm Herrn- W So glaubwürdig ist niemand, wie Jesus! n s So niemand unsers Zutrauens, unsrer Zu- »tz Neigung, unsrer Dahingebung an ihn werth, cO wie erSo kann niemand helfen! Die s« Macht, und den guten Willen, unsMen- i/ lß sehen zu helfen, hat niemandDiese Mgcht B und Güte hat niemand bewiesen, geäußert, llw und dargethan, wie er; niemand darthun können, wie er! Sein ganzes Leben ist Oi nichts als ein Doeument und ewiges Denk- W mal seiner Glaubens - und Zutrauenswür- D digkeit - Alles was die Evangelisten und m Apostel von ihm erzählen - istZeugniß von B seiner Lust und Kraft zu helfen, und jeden, M -er Zutrauen zu ihm hat, wenn er sonst auch l, B 6 nicht )6 Jesus der Vergebet nicht das mindeste Verdienst hatte, voll allerley Arten des Uebels, wie dasselbe immer Namen haben mag, zu erlösen. Wer nun diese apostolische Zeugniße an- ^ nimmt, und was von Jesu erzehlt wird, auch in Absicht auf seiue eigne Person für so wahr halt, als ob er es mit seinen Augen gesehen hätte; wer die Erfahrung, die andre von ihm hatten, für so gewiß halt, als feine eigne Erfahrung; wer den entfernten sich nahe denkt, sich den unsichtbaren vergegenwärtigt, wie, wenn er sichtbar wäre- ! wer so Hülfe bey ihm sucht, als wenn er ihn § andern mit seinen Augen helfen sähe, - der glaubt an ihn, und dem ist, nach dem Maße seines Glaubens, Hülfe, Besreyung, Er- ! lösung, Vergebung verheiffen, ihn für den f halten, wofür ihn Petrus ausgab, das hieß doch wohl im Hause des Cornelius, Glauben, Erlösung, und Seeligkeit von ihm, als dem Herren und Richter aller erwarten, das heißt glauben- Leset die ganze evangelische Geschichte, die Geschichte der Aposteln, leset in Rücksicht auf diese die apostolischen Briefe, und klärers wird euch nichts seyn können, als dieß- daß glauben an Jesum, eben das im Grunde sey, was glauben an einen Arzt, was Zutrauen in eine helfende Macht und Güte; als zußuchtnehmendes Vertrauen zu einem von dem glaubwürdig ^ Verenget wird; Es fehle ihm weder an Willen der Sünden. Z7 Eks len noch an Macht, uns von diesem oder A jenem Uebel zu erlösen, und in Freyheit und Sicherheit zu setzen. Ein Vertrauen ohne Zweifel. Wie oft wird daher nicht zweifeln K oder fest erwarten mit Glauben verwechselt.' V Leset das n. Cap. an die Hebräer - ihr V werdet abermal finden, daß glauben durch- aus rrichts anders ist, als für wahr halten, E annehmen, nicht zweifeln, fest erwarten- annehmen einer göttlichen Offenbarung, ei- vkd nes göttlichen Zeugnißes - um des Zeugen willen! das Zeugniß, die Erfahrung, das A Anschaum eines anderen - statt seiner eignen Erfahrungen, seines eignen Anschauens gel- lak teil lassen - Zutrauen fassen - handeln wo b man nicht ficht, als ob man sähe, immer den im Grund eins und eben dasselbe. Es ist kein 8 Zutrauen in der Welt, dabey ein vollkomm- nes Anschauen statt hat. Alles Zutrauen, hn>! aller Glaube in der Welt, setzt eine helle und A eine dunkle Seite voraus. Eine helle, auf G die ich mich stütze, eine dunkle, die ich um ich der Heller: willen für wahr halte. Wenn ich >H das erstemal zu einem Arzt mit dem vollst kommensten Verträum hingehe, - so ist dk ilH heitere, klare Seite meines Vertrauens die llsi bisherigen Erfahrungen andrer, die mir l'E glaubwürdig genug vorgekommen find. Die M dunkle Seite - daß er mir noch nicht gehol- ich sen hat. Ungeachtet dieser dunklen Seite geh M ich doch zum Arzt -um der heitern willen- is B7 das zS Jesus der Vergebet das ist, um der glaubwürdigen Erfahrung ; gen andrer willen.- -- Aus dem Anschauen , dieser entspringt der Glauben für mich selber. Die anderen, denen er geholfen hat, ^ find das Fundament, worauf sich mein' Glaube, in Absicht aus meine eigne Person, gründet. Der, sag' ich, der andern, die so elend waren wie ich, geholfen hat, kan auch mir helfen! Der, der die andren, die so unwürdig waren, wie ich, nicht abgewiesen hat, wird auch mich nicht abweisen - Seine Güte gegen andre ist mir ein sichtbares Pfand seiner itzt zwar noch unsichtbaren Güte gegen mich. So, M.TH. handelt der Glaube in allen Fällen, in allen menschlichen Angelegenheiten: So handelt er in Re- ^ ligionsangelegenheiten. So gegen Jesum, ^ in Absicht auf unsere begangene Sunden. Er hat, denkt er -- Millionen geholfen - auch mir wird er helfen. Millionen haben erfahren, daß es ihm nicht an Macht und Güte fehlt zu helfen, oder mit andern Worten, daß er der allmächtige Herr und Heiland der Wett; oder mit andern Worten, daß er der Sohn Gottes, daß er der Herr aller, daß er von Todten auferstanden ; und der von Gott bestimmte Richter der Lebendigen und der Todten ist; daß durch ihn Verzeihung der Sünden, neue Kraft und Leben Gottes ausgetheilt wird- Diese sei- » ne göttliche Hoheit, diese seine Gottesmacht, s dich der Sünden. Z9 ^ diese seine Helfersgüte werd'auch ich fürmei- ne eigenste Person unmittelbar erfahren - 7 wenn ich mich mit dem Zutrauen zu ihm nahe, ^ wie sich jene, die er begnadiget hat, zu ihm ? nahten. Dann werd ich sehen, was ich ge- 7! glaubt, dann erfahren, was ich erwartet ha- be. Dieser Glaube, meine Freunde, dieß E einfältige Vertrauen, dieß zuversichtsvolle k Dahingeben an ihn - dieß fürwahr halten ^ alles dessen, was Gott vom Himmel, und ^ verständige redliche Menschen auf Erden von ihm bezeugt haben- dieß Annehmen seiner ^ Person für das, was ste ist; - Dieß ist nun ^ ^st das einzige Beding, unter welchem U -O der Sünder Vergebung der Sünden durch Jesum erhalten kann. Diesem Jesu M geben Zeugniß alle Propheten, daß ein je- der, der an ihn glaubt, durch seinen Na- ^ men Verzeihung der Sünden empfangen ^ soll. Glaube an Jesum ist also das einzige und Ost das allgemeine Beding. Ein Beding, das M alles in sich schließt - und für alle hinläng- « lich ist. k Glauben an Jesum - Fürwahrhaltung, w Annahme der göttlichen Zeugnißen von ihm - Zutrauen zu ihm als einem allmäch- tigen und allgütigen Arzt, das ist also die k Ge- 4S Jesus -er Vergeber ! Gemütsverfassung, wodurch der Sünder allem der göttlichen Gnade in Christo Jesu empfänglich und fähig werden kann- Ohne diese Gemütsverfassung ist Jesus dem ^ Sünder kein Jesus, kein Arzt, kein Vergebe unH Erlöser, so wenig der Arzt dem Kranken ein Arzt ist, der keinen Glauben an ihn hat, kein Vertrauen auf seine Kunst und Treue! Leset wiederum die ganze evangelische und apostolische Geschichte- und ihr werdet finden, daß Jesus da nicht würken, fich nicht als Jesus, nicht in seiner gütigen, göttlichen Helferskraft offenbaren konnte - wo kein Glaube, kein Zutrauen, kein Verlangen nach ^ seiner Hülfe, keine Erwartung da war, daß > Gott durch ihn helfen könne und wolle. Wie ^ vielmal heißt es doch - z. E. von Kranken: Er hatte den Glauben - die zuversichtliche Erwartung gesund zu werden: oder - dein Glaube, dein Zutrauen auf meine Macht, und Güte hat dir geholfen! oder, wenn du glauben magst, so mag es seyn - wenn du Zutrauen hast, wenn du es von mir erwarten kannst, daß ich dir helfen wolle und könne - oder - alle Dinge find dem, der da glaubet, das ist, nicht zweifelt, die vollkomm- neste Zuversicht, die ungezweifelteste Erwartung hat - möglich - oder: Er that daselbst keine Zeichen um ihres Unglaubens willen; ^ oder ; Es konnte dem Kranken nicht geholfen der Sünden. 4r ich sen werden, um stilles Unglaubens wil- Älen. H Durch den Glauben öffnen wir unsre M Seele der Liebe und der Macht Christi! der Glaube ist der Mund der Seele - womit hnn fie genießt; die Hand, womit man em- ck pfängt! das, vermittelst dessen man alles, Kuij ohne das man nichts von den eigentlichen besondren Gnaden Christi erhalten kann - etz Sey ich noch so elend, noch so sehr ein Sün- ch der, ich darf nicht verzagen. Ich bedarf kei- H nes andern Verdienstes, keiner andrer Grün- (G de, daß er mich begnadigen, mir die Sün- vk« de vergeben, mich auf ewig von der Sünde m erlösen soll - als sein eigenes, das ist, als ihn selber. Er soll mir um keines andern Grundes willen helfen, als weil er helfen will und kann. Glauben, daß ich seiner Hülfe bedürfe, und erwarten, daß er mir um keines andren Verdienstes willen, als deswegen helfen werde, weil ich elend bin, und seiner Hülfe bedarf, das ist alles, was er von mir fordert. Mein Elend, meine W Hülfsbedürstigkeit ist das einzige Verdienst, M das ich haben muß. Mich ihm in dieser dn; Hülfsbedürstigkeit, Hilflosigkeit darstellen, lkm und Halse sicher von ihm erwarten ; so si- Her- als ob er mir schon geholfen hätte: M so sicher, als ob er persönlich sichtbar vor mir A stünde, und bereits zu mir gesagt hätte: Sey tick wohl zu Muth, dir sind deine Sünden ver- ^ geben, 42 Jesus der Vergeben geben, dein Glaube hat dir geholfen! Geh' hin im Frieden! -- das fordert er, und mehr nicht - hast du diesen Glauben, so wird dir vergeben, so ist dir vergeben, so gewiß du diesen Glauben hast. Man muß das * Evangelium gar nicht kennen! man muß es nicht ein einziges mal mit Aufmerksamkeit, und einigem Nachdenken gelesen haben, wenn man einen Augenblick zweifeln kann, daß das nicht die klare entscheidenste Lehre des Evangeliums sey. Die Geschichte aller Kranken die Jesus heilte, setzt dieß außer Zweifel- daß Jesus seine Allmacht und Liebe an allen Elenden offenbare, die kein anders Verdienst haben, als daß ste elend sind und nach Hülfe schmachten, und Hülfe von ihm ^ erwarten. Diese Geschichten werden uns? wichtig zu unserm Zwecke, wenn wir bedenken, daß Jesus oft auch diese leibliche Krankheiten als Folgen, als Strafen der Sünden anzusehen pflegt; und ihre Heilung als eine Vergebung der Sünden angesehen wissen will: Damit ihr wisset, daß der Messias auf Erden Gewalt habe, die Sünden zu vergeben, sagt -r zum Gichtbrüchigen: Steh auf und wandle. Er vergiebt ihm seine Sünden auch dadurch, daß er ihme Gesundheit schenkt. Man zeige mir im ganzen Evangelio eine einzige klare Stelle, eine einzige Spur, daß Jesus einen einzigen Elen- » den, und wenn er sich auch sein Elend selber' durch der Sünde»:. 'hüll lcklj NW tN )irk M§ enft )) rr ,r ,r ,r ri 43 durch muLhwillige Sünden zugezogen hätte- abgewiesen, der mit Vertrauen zu ihm kam; der von ihm Hülfe oder Begrndi- gung erwartete; - einen einzigen, zu den: er etwa gesagt haben möqte - » Dir will ich nicht helfen! dir will ich deine Sünden nicht vergeben - du hast es zu arg gemacht! du verdienst kein Mitleid, keine Hülfe! - geh hin - sey erst ein Jahr oder ein paar Monate tugendhaft, geh hin und halte Gottes Gebote gewissenhaft; und dann komm wieder - so will ich dir helfen. Ich will dich begnadigen; wenn du nicht mehr .. sündigest." Macht ers nicht gerad umgekehrt? Er sagt: - Erst glaub nur, so wird dir geholfen - und wenn er geholfen hat; Jetzt geh hin und sündige fürhin nicht mehr. Wie sehr M. Th. dieß einzige Beding alle andre in sich schließe, wie wenig diese Lehre, daß Gott die Sünden aus bloßer, bloßer Gnade- ohne alles Verdienen, bloß dem der Zutrauen faßt, der an Jesum glaubt, vergebe, schädlich sey; wie sehr sie mit allen Lehren der Schrift aufs genaueste zusarn- rnenhange, wie wenig sie mit irgend einer Tugendlehre, oder strengen Forderung des Evangeliums in Widerspruch stehe - oder mit andern Worten, wie aus dem Glauben an Jesum, welchenr Gott durch Jesum die Sünden vergiebt, alles andre, was das Evangelium immer fordert, gleichsam natürlich 44 Jesus der Vergebet türlich und von selbst sich gebe, dieß Andächtige, verdient wohl eine eigne besondre Beher- Ligung, damit allem Mißverstand und allen schädlichen Vorurtheilen von beyden Sei- ^ ten- von Seiten des Unglaubens und von ^ Seiten des Leichtsinnes vorgebogen werde, und dieß werd' ich, so Gott Leben und Gesundheit erhält, in der nächsten Predigt thun - Sodann werd ich auch noch, so Gott will, die Gründe unsers Glaubens an Jesum, als den Vergeber der Sünden, und vornehmlich das Zeugniß aller Propheten , worauf sich Petrus beruft, mit euch in Erwägung ziehen. Auch die Zeugniße aus den evangelischen und apostolischen Schriften-- die unsern Satz außer allen Zweifel ^ setzen, werd ich itzt noch nicht anfuhren, s sondern sie auf die letzte unsrer Betrachtungen über diese Materie verspüren, und sie den Zeugnißen der Propheten beyfügen - auch biß dahin die nähere Application und Zueignung dieser allerwichtigsten Lehre ver- iparen. Dießmal will ich also über diese Lehre weiter nichts sagen. Aber diese heilige Stelle kann ich nicht verlassen, ohne noch mit einem paar Worten eines Vorfalls zu gedenken , zu dessen weiser Beherzigung ich mir euere Aufmerksamkeit gewiß nicht aus- bitten darf. der Sünden. 45 A Es sind M. Th. wohl wenige hier, die ^ nicht gestern Abends durch das sehr merk-- E bare und starke Erdbeben erschüttert und in ^ Schrecken gesetzt worden sind. Man muß aufhören Mensch seyn, wenn ein solcher A Vorfall uns auf keine Weise rühren soll! ^ Seine Plötzlichkeit, seine Gewaltsamkeit, M und die Folgen, die es haben könnte- find ^ i so beschaffen, daß es äußerst gezwungen und ^ unnatürlich lassen würde, wenn man nichts M davon sagen würde. ^ So ruhig, so ohne alles Sorgen und ^ Drandenken saßen, oder standen, oder gien- G gen wir - und - thaten, sprachen, - Gott M weiß was - und der Erbarmer vom Him- ^ mel sah auf uns nieder - nicht der Richter, jtz der warnende Erbarmer! - da zitterte die H j Erde! da zitterten - und krachten und wanb- ten unsre Häuser - wir horchten, Aaun- iiliß ^n - sahen uns um - wurden bleich - und riefen: Herr Jesus ! Ein Erdbeben! - und Gott gebot Stille - und stille ward - U und - nun kam - nach Schauer und Er- N Mung: So war mir's! so stand ich! da ^ saß ich! da gieng ich! das sprach ich! das ^ wähnt ich - so kams u. s. f. V Ja! Mein Freund! so kam's und du ^ bist noch da! und kannst davon erzählen, und erzählen hören - und denk- vielleicht nicht 4^ Jesus der Vergeber nicht dran, was es sey, daß du noch da bist - Nur noch 2. oder z. Stöße, nur noch einen Stoß vielleicht, und dein Haus hätte noch zehnfach fürchterlicher gekracht! und wäre ^ gesunken! zertrümert! Du und dein Weib/ und deine Kinder, und Bruder und Schwestern -- Tödtblaß! todtblaß hätten den entsetzlichsten Tod vor sich gesehen- und vielleicht Ministen, vielleichtTagelang gelitten - und dann, wenn der schnelle oder fürchterlich langsame Tod dich weggeraft hätte -- wo - wo - um Gottes willen wo - wärest du dann itzt, itzt da du dieß noch hörst - in was vor einer Verrichtung, einem Gespräche, einer Situation hätte dich der Erd- erftdütternde Gott - angetroffen, überfallen , dahingeriffen! - Frage dich - frage ^ dich - aber antworte dir auch vor Gott - dem Allwissenden - dem Erbarmer, der deiner schonte, dich warnte - als wenn er auf die Warnungen und Erweckungen, die du erst vor wenigen Tagen an dem Bettag vernommen hattest; das Siegel drücken, und dich mächtig erinnern wollte: - Vergiß meiner hohen Erhabenheit, meiner Allmacht und Weltbeherrschung nicht! Verachte nicht mit verstocktem und ««bußfertigem Herzen den Reichthum meiner Gütigkeit, Geduld, und merke, daß meine Güte dich noch zm Buße leiten will. O mein Zuhörer - be- > denke f der Sünden. 47 . denke die Gütigkeit und den Ernst Gottes! ^^Gott ist - und Gott ist allmächtiger Herr ^ der ganzen Natur, und Gott ist - warnen- Ader Vater- der uns schonet, wie ein Vater N ftines Sohnes schonet - uns an den Ab- ^ gründ des Todes in einem Augenblick hin- ^ führt, uns die Tiefesehen läßt, an der wir ^alle Augenblicke schwindlen- und mit qe- ^ wattiger Hand urrs wiederum zurückzieht. s? O Preis ihm, und Dank, daß wir noch uz, find - noch dastehn - daß unsre Häuser noch ^ stehn - dieser Tempel noch steht - Dank ^ rmd Preis ihm, daß er uns laut genug ge- L rufen, und gewarnet hat, ob wir ihn hören ^ wollen - die Ruthe nur aufgehoben, kei- nen Streich gethan - nur gewärmt - aber y so gewarnet, daß es, wenn wir nicht drauf ^ achten, bald solcher Warnungen genug seyn ins dürste.- dir Noch sind wir! Preis ihm und Anbe- ^^thung! Wer noch Augen hat, blicke, und ^ wer Hände hat, erhebe die Hände gen Hnn- W mel! und wer eine Zunge hat, lobpreise, ÜU daß er noch hier ist, und noch lobpreisen ^ kann- daß sein Haus nicht einstürzte, daß M kein Ziegel ihn erschlug, daß weiter kein j Schaden erfolgte. 7, Noch sind wir - Erbarmer! - - Laß - ihr; noch dieß Jahr - vielleicht trägt er, k wenn 48 Jesus der Vergeber der Sünden. wenn ich ihn umgrabe, Frucht; sprach dei-, ne Stimme himmlischer Fürsprecher - und! noch ein Jahr - wenigstens dieser Tag noch ward uns gegeben! - Preis dir - Aber achll zu dieser Gnade füg' auch noch die bey, daßl deine Warnung, und dein Erbarmen an uns nicht vergeblich sey! - OHerr, Herr! bey dir ist viel Vergebung, darum sollte man dich ehren! O Erbarmer, weck uns, daß wir erwachen, und wachsam bleiben, daß wir nicht erzittern - wenn deine Stimme ruft, daß wir uns freuen, wenn du im Erdbeben, oder im sanften Säuseln uns heim zu hohlen kommst. Amen. ' Drill« < 4» n. l W ^««R Dritte Predigt. «Jesus der Vergebet der Sünden -! teil» l,^ tiilii aller, die an ihn glauben Apost. Gesch. X, 4z. Weisheit Gottes im Bedinge des Glaubens. ^^ir fahren in der allerwichtigsten Materie von der Vergebung der Sünden durch Jesum Christum, die dem . Glauben an ihn verheißen ist, fort, undwer- L den uns bemühen E. A ferner - die Weisheit Gottes in der Forderung des Glaubens - an Jesum Christum, als dem einzigen Verdinge Vergebung der Sünden durch ihn zu erlangen - diese Weisheit Gottes darzu- thun, und ins Licht zu setzen, und die Einwendungen, die fich gegen diese gnadenvolle Wotleslehre, wodurch das Evangelium ei- E gentlich so" Jesus der Vergeber gentlich Evangelium wird, machen lassen, so viel in unsern Kräften steht, zu heben, und wo möglich für ein und allemal aus dem Wege zu räumen. - Habt ihr mir je M. Th. euere Aufmerksamkeit geschenkt, so schenkt sie mir jetzt, denn wichtiger und unserer ganzen Aufmerksamkeit würdiger kann wohl nichts seyn, als diese Untersuchung - Und hast du mir jemals, himmlischer Vater, Licht und Kraft zur Belehrung und Ueberzeugung meiner Zuhörer dargereicht - so reiche sie mir jetzo dar! Leite meine Gedanken und meine Worte! wecke-- und unterstütze die Aufmerksamkeit und Lernensbegierde meiner Zuhörer! wecke und unterstütze »nein Nachdenken, und meine Bemühung , deine Wahrheit deutlich, unwidersprechlich und unvergeßlich zu predigen - der Einfältigste und Gelehrteste, der Leichtsinnigste und der Nachdenkende, der Ungläubigste und der Gläubigste - Jeder müsse Nutzen-Licht, Seegen; muffe beruhigende, erleuchtende Wahrheit aus meinem, obgleich schwachen, mir selbst unerträglich schwachen Bortrag schöpfen ! Das, Vater aller Lichter und aller Gnaden, ist der aufrichtige Wunsch meines Herzens - das ist's, wofür ich dich im Namen deines Sohns Jesu Christi anflehe. Amen. Wir haben M. Th. vor acht Tagen gezeigt, daß das einzige Bedingniß, durch Jesum Christum Vergebung der Sünden zu der Sünden. sl ^empfahen, auf unserer Seite sey, der (Flau- ?5ben an Jesum Christum oder ein herzliches, !! festes, zweifelloses Vertrauen, auf seine gränzenlose Macht und Güte - ein zweifelloses A Mrwahrhalten alles dessen, was von Jesu ^ Christo durch die Evangelisten und Apostel 7 bezeuget wird. Wir haben gezeigt, daß Je- F sus schon während seines Aufentha ts auf ^ Erden über alle Kranke und Elende, die er W mit der in ihm wohnenden Gotteskrast ge- ^ heilt, weiter nichts, nicht das geringste Verdienst, gefordert habe, als den Glauben, oder ^das Vertrauen auf ihn; daß er weder auf ^vorhergegangene Laster noch Tugenden sein ^ Augenmerk genommen, sondern lediglich auf ^ die Beschaffenheit des gegenwärtigen Glau- ^ bens. >° Diese Lehre ist, M. Th. viel wichtiger, l k- als ichs aussprechen kann, und es liegt mir lk k also, wie gesagt, unendlich viel daran, euch K zu zeigen, wie sehr sie der Weisheit Gottes A gemäß sey, und wie leicht fich alle Einwen- l; >> düngen, die etwa dagegen gemacht werden M können, beantworten lassen. Lasset euch also W fürs erste zeigen, wie sehr diese Lehre, oder W dieß Verfahren, diese Methode Gottes mit >eü dem ländlichen Menschen, ein Beweis gött- lü. licher Weisheit sey? - sodann wollen wih p um dieß noch in ein helleres Licht zu setzen, ch einige Einwendungen beantworten, und A durch diese einfältige und kurze Beantwor- ? E - tuttg, sr Jesus der Vergeb er tung, die Sache noch gewisser und unwi-! dersprechlicher machen-- Das erste werd ich beute, das andere in der nächsten Stunde ! thun. ^ I. ^ch sage erstlich: dieß Betraget:, diese Me-. thode Gottes, den Glauben zum einzigen Bedinge der Vergebung der Sünden zu machen - den Menschen ohn alles Verdienst, ohne alle Rücksicht auf sein bisheriges Betragen zu begnadigen, tst ein Beweis der , göttlichen Weisheit, ist der menschlichen Na- ! tur vollkommen angemessen. Denn - der ! Glaube, ist zwar kein Verdienst, aber ein unentbehrliches Mittel der Gnade Gottes in Jesu Christo theilhaftig zu werden. Ich / sage erstlich überhaupt, ist dieß Betragen ' Gottes, den Menschen ohne Verdienst zu begnadigen, der menschlichen Natur und i Schwachheit angemessen, - auch dieser Ge- j danke kann nicht von uns vollkommen ausgeführt werden, so viel aber muß ich drüber sagen: Glaube, Zutrauen, Muth - kann den Menschen überhaupt, und in allen Fällen weiter bringen als Unglauben, Mißtrauen, knechtische Furcht, Sorge, Furcht für Strafe. Durch Gebote, Vorschriften,, Gesetze, gesetzliche Strafen, kann der Mensch zu einem äußerlichen Gehorsam gezwungen » werden; aber dieß alles macht ihm kein s Herz! der Sünden. sz Herz zu dem Herren dem er gehorchen soll. Glauben und Zutrauen ist die Seele aller U edelri rechtschaffnen Handlungen; ein Freunder blos aus Höflichkeit leutseelig gegen dich ist, der nur dich nicht beleidigen, nur sich nicht in den Verdacht des Kaltsinns gegen ,7 dich setzen will - und kein Herz zu dir hat, ^ keinen Glauben, kein Vertrauen - so gefäl- 7 lig er sich auch immer gegen dich erzeigen mag, ist im Grunde dennoch kein Freund» Ein Kind das zwar endlich seinem strengen ^ Vater in allem gehorcht, und alle seine Ge- E böte und ausdrückliche Vorschriften, mit der , ^ ängstlichsten Genauigkeit befolgt - hat, weil " ihm Glaube und Zutrauen gegen seinen Va- ? ter mangeln, bey allem seinem äußerlichen ^ noch so pünktlichen Gehorsam, kein ruhiges V kindliches Herz, und dieß Zutrauen würde ^ doch mehr werth seyn, dieß frohe kindliche r ? Herz, als alle nur erzwungene Werke des r ö strengsten Gehorsams. Ein bischen Zutrauen i ^ ohne Werke ist im Grunde mehr werth, als M Me Werke ohne Herz und ohne Zutrauen - ? und dieß Zutrauen, diese heitere, feste, zwei- "E kellose Zuversicht, läßt sich durch keine Ge- M setze, keine Vorschriften, keine Strenge er- H zwingen. - Aeußere Handlungen können M durch solche befördert oder gehindert wer- Kll den. - Ist hingegen etwas in der Weltver- E mögend, eines Menschen Herz für uns zu m k gewinnen und einzunehmen; ihm Zutrauen i C - zu 54 Iesirs der Vergebet zu uns ins Herz zu pflanzen; durch Zutrauen ihn uns unterwür fig, gehorsam und verbindlich zu machen, so ists zuvorkommende Güte und Gnade- so ists Vergessen, Richtsach- < ten voriger Fehler und Uebereilungen; so ists väterliche, brüderliche Gnade ohne und wider alles verdienen - Ich berufe mich auf jedes Menschen Herz, ob Gott ein weiseres Beding, uns die Sünde zu vergeben, habe vorschreiben k-rrnen, als blosen Glauben, bloses Zutrauen, ohne Rücksicht auf alle Werke - ob er durch irgend eine Methode so nahe an unser Herz hätte kommen können, als durch diese ? ob etwas auszufinden sey, das rmverwilderter, irgend noch einer Verbesserung fähiger Menschen Herz, mehr einnehmen, Mehrgewinnen, williger, mu- s' thiger, starker, eifriger, zum Gehorsam, zum Leiden und Thun des Willens andrer machen könne, als dieß Betragen Gottes - Der Mensch soll blos durch den Glauben, ohne alle Werke des Gesetzes, das ist, ohne Rücksicht auf Gesetze und dessen Forderungen und Drohungen, auch ohne Rücksicht auf sein bisheriges Betragen, gerechtfertigt, absolvirt und begnadigt werden - Nimmermehr würde der Sünder, wenn Gott nicht auf diese Weise D Werke gegangen wäre - . nimmermehr wurde er zur Ruh und zu Kräften gekommen seyn, das zu thun, was er in ^ dieser Wett thun, und das zu leiden/ was er der Sünden. ^ er in dieser Wett leiden soll - Ich stelle mir A den Sünder, dessen Gewissen von Gott auf- M qelveckt ist, ohngefjhr in der Gemüthsver- « sassung eines großen und schwerbeladenen ^ Schuldners vor -- der bezahlen soll , alle Au- ^ genblicke scharf getrieben wird, zu bezahlen, ^ und - nichts hat und nichts vor sich sieht - 7 Sagt diesem Schuldner, der hundert tau- send Thaler bezahlen sollte, immerhin: Er M soll nur brav arbeiten, täglich etwas auf die Seite legen, so werd' es sich nach und nach M schon geben! wird er - in diesen Umstän- l» -en, dieser Beklemmung, diesem Gedrärr- ^ ge, dieser Unerschwinglichkeit seiner Schul- llr oenlaft, Lust und Muth haben zu arbeiten? A werdet ihr ihm durch euer Treiben, und alle « Vorstellung, frohe Munterkeit und Herzens- Ruhe schenken können ? wird er nicht immer l« mit schwerem beklommenem Herzen sagen lK und seufzen müßen: „ Das hilft mir doch uk „ alles nichts, mit allem was ich mit sim- » rem Schweis verdiene, kann ich kaum M „ meinen Mund durchbringen, geschweige E „ daß ich was auf die Seite legen könnte. O „ Und wenris mir auch gelingen würde was M „ auf die Seite zu legen, wie viele Jahre iß » müßt' ich arbeiten, bis ich nur den zehenden, «, „ den zwanzigsten Theil meiner Schulden K „ berichtigen könnte - unterdessen werd ich iy! „ täglich getrieben, bin ich täglich in der äu- U » ßersten Gefahr von Haus und Hof ver- < E 4 ,> uoffen 56 Jesirs der Vergebet SS « stossen zu werden." - Wird er M. M nicht allen Muth zur Arbeit verlieren, seW das vernachläßigen, was er etwa noch er, werben könnte? wird ihm nicht unmöglich, seyn sich aufzuraffen, und zur Ruh und Frey/ heit zukommen, bis ihm von auffen her, von einer fremden Hand geholfen, oder die Schuld nachgelassen wird? in einer solchen GemüthsverMung, Andächtige, stell ich mir den Sünder vor, dem sein Gewissen aufge, wacht ist! was hilft ihm nun zu sagen: Tilge deine Sünden-Schulden mit nach, herigem Gehorsam - Erst muft du s» und so lang recht thun - und dann wirst du nach und nach Vergebung erhal- „ ten, das heißt im Grunde - Vergebung >, verdienen, deine Sünden-Schulden ab-s », verdienen können!" Ist das nicht so viel als jenem Schuldner, der nichts hat, und hundert tausend Gulden bezahlen sott, zu sagen: du must deine Schulden abverdie- nen- Ein groser Trost! Eine schöne Aufmunterung zur Arbeit! oder zur Verzweifelung- Ja, wer müßte nicht verzweifeln,! wenn Gott auf diese Weise mit uns umgehen wollt! wer würde Muth haben recht zu thun, wer Kraft tugendhaft zu seyn, wenn Gott nicht Gnade für Recht ergehen ließe? wenn er nicht erst - ohne und wider Ver dienst - dem blosen Glauben und Vertrauen vergeben wollte? Ach! Herr! wenn du die Sün- der Sünden. §7 A Sünde rechnen willst/ wer wird bestehen? f Ach! Herr! gehe nicht ins Gericht mit dei- ) nen Knechten, denn vor dir wird kein Leben- A diger für gerecht erkennt werden! - und ^ eben dieß thust du, O Gott, und thatests ? ehe wir dich darum baten- du begnadigst, 7 du begnadigst - und dadurch handelst du 7 der Schwachheit der menschlichen Natur ^ vollkommen gemäß - dadurch machst du dir 5 alle Welt schuldig! alle Menschen unend- H lich vielmehr, als durch alle Gesetze, Vor- ^ schristen, Strafen, verbindlich - weil du ^ vergibst - ohn alles Verdienst, aus bloser K Gnade vergiebst, so wirst du geliebt! so faßt ^ der Sünder Muth! so bekömmt er Kraft ^ zuthun, was er sonst nicht thun könnte, und E zu leiden, was ihm sonst zu leiden unmöa- lich wäre. So wie der Schuldner M. Thr k' - erst dann wieder Lust und Muth hat zu spa- ^ ren, zu Hausen, zuarbeiten, wenn er steht, M daß es nicht umsonst ist - daß er nun nicht ^ für seine Schuldner, und auch für diese noch I vergeblich, sondern für sich und seinen eignen 'E Nutzen, und das mit augenscheinlichem Fort- M gang arbeitet - wenn ihm alle die Schulden l m nachgelassen sind, wenn man ihm, wie wir M zu sagen pflegen, frischen Tisch gemacht hat - I'E Eben so, M. Th. hat der Sünder erst dann H Muth recht zu thun, erst dann Kraft tu- kL gendhaft zu seyn, wenn er glaubt, daß ihm ^ vergeben sey; wenn er nicht mehr denken k C s muß, s 8 Jesus der Vergeber muß, daß alles umsonst und vergebens sey: Daß er doch wegen seinen bisherigen Ueber- trettungen verloren sey; daß er seine vorige Thorheiten abbüßen, und seine bisherige. Sünden abverdienen müsse. Je sicherer er ist , -aß Gott ihm ohn' alles Verdienst aus bloßer Gnade, wie jener Herr seinem Knecht, der ihm zehen tausend Talente schuldig war, wie jener Vater seinem Verlornen, entlaufenen, ausgezehrten! Sohn, ohne ihm Vorwürfe zu machen,! ohne mit ihm zu rechnen, was er empfangen und verzehrt, ohne ihn erst Jahre lang, wie ers doch selber vorschlug, zum Knecht zu machen, und wie einen Taglöhner zu halten - Je sichrer sag ich, der Sünder iK,l. daß Gott ihm auf diese Weise, ohn alles s Verdienst auf das bloße Beding des Zutrauens hin - vergebe - desto leichter wirds ihm - Gott zu gehorchen, destomehrMuth und Kraft hat er - künftig denen Reitzungen der Sünde zu widerstehen - und den schwer-' sten Willen Gottes zu vollbringen. Ml edel und einfältig hat der Heyland diesen Gedanken in jenem Gleichniß ausgedrückt^ dessen Schlußrede diese ist: - wem viel ver-, geben ist, der liebet viel - wem wenig vergeben ist, liebet wenig. Luc. 7. Gnade zeugt Muth und Freude und Liebe! Liebe Gehorsam - ganz andern Gehorsam, reinern,/" freyern, mächtigern, thätigern, duldendem, der Sünden. - §9 ^eifrigern Gehorsam, als alle Gebote, Ver- W hott, Vorschriften, Drohungen, Strafen. !! v« Nicht völlig M. Th. zwingt die höchste Gna- ch de den Menschen zum Gehorsam, zu gutm Gesinnungen gegen Gott und gegen andere. U Es ist immer noch möglich, daß der Mensch W auch diesen mächtigen Erweckungen eine ver- A härtete Seele entgegen setzen kann. Dieß N erhellt aus dem Gleichniß jenes verruchten O Knechts, dem sein Herr die unerhörte Barm- A- Herzigkeit bewieß, ihm eine ungeheure Surn- W me, die der Thor bezahlen wollte, wiewohl eic er nichts zu bezahlen hatte, aus freyer Gnade K» auf einmal nachließ. Er gierig vorn Angeßch- zu! te seines barmherzigen Herren weg, und übte an einem seiner Miktnechten, der ihm mehr dn il nicht als hundert Pfenninge schuldig war, ! eine unmenschliche Grausamkeit aus - so daß rk sein Herr sich genöthigt sahe, ihn wegen die- ck ses unerwarteten und undankbaren Betra- A gens, aufs neue der ganzen Last von Scdul- H den, die ihm schon abgenommen waren, zu .? unterwerfen. Aber dieß Beyspiel zeigt nur, - K was etwa auch zur Seltenheit geschehen kön- M ne! wie diejenigen wiederum unter die gan- ch ze Last ihrer Sünden - Schulden fallen- njz! Die nach angebotner urrd erhaltner Berge- kr bung - der Güte und Barmherzigkeit ihres ,§,! Gottes wieder so ganz vergessen, daß sie mr- m barmherzig und unversöhnlich mit ihrem O Nebenmenschen umgehen. Es bleibt immer § Es das Iesirs der Vergeber das natürlichere/ das gewöhnlichere Betragen dessen, dem man, ohn'alles Verdienst vergeben hat, dessen, der die Barmherzigkeit Gottes in Christo nicht vergißt - Daß er. sich erweckt und gestärkt fühlt, dem zu Ge-s fallen zu leben, dem zu gehorchen und zu dienen, der ihm, besonders wann er unter der Last seiner Sünden sehr geschmachtet hat,! diese Last abgenommen hat. Dankbarkeit ist in diesem Falle immer natürlicher, als Undankbarkeit, und die glaubensvolle Hinsicht auf Jesum, und seine göttliche Kraft und Liebe - die so ganz für uns, uns arme hülflose Verlorne Sünder auf Erden geschäftig seyn will, und ist - diese Hinsicht, dieß Anflehen aus ihn - diese glaubensvolle Erhebung seines ganzen Herzens zu ihm, undf seiner unaussprechlichen Liebenswürdigkeit und Allgenugsamkeit - sollte die nicht ganz natürlicherweise die beste und kräftigsteWirkung aufs menschliche Herz haben? Sollte diese nicht mehr auf ihn vermögen, als alle Vorschriften, Gebote, Warnungen, Drohungen, Strafen ? Sollte diese nicht mehr Eifer Gott zu gefallen, sich ihm mit allen seinen Gliedern, Kräften, und Leidenschaften aufzuopfern in uns erwecken, als alles andre ? Sollte sich dann, Andächtige, das Betragen und die Methode Gottes, dein Sünder ohne alles Verdienst aus bloßer, Gnade zu vergeben, auf das bloße Bedmg s der Sünden. ^ 6; des Glaubens hin - sollte sich dann dieß Be- tragen Gottes nicht jedem aufmerksamen ^ und nachdenkenden Zuhörer rechtfertigen? ^ Sollte es nicht jedem als das Betragen der „ ^ höchsten Weisheit einleuchten ? - Wem soll- te es doch nicht einleuchten, daß der Mensch viel eher gereinigt, gebessert, Gott gehor- sam, stom und tugendhaft wird, dem Gott M aus bloßer Gnade durch Jesum Christum 7 alle seine Sünden vergiebt, als der, der M diese Vergebung erst auf irgend eine Weise m erarbeiten und verdienen muß. Wie leicht "sä muß doch dem einfältigen Gläubigen die so M ganz natürlich sich ergebende Empfindung ^ seyn - ,, Wie kann ich meinem Erbarmer E „ genug danken! wie meines über alles Hof- ,, fen und Verdienen gnädigen Erlösers mich E „ genug freuen ! wie ist alles was ich nun U »für ihn thun und leiden kann (und ich thue „ Und leide doch im Grunde eigentlich nichts - N „ für ihn, sondern alles nur für mich und ak „ mein Heil) wie ist alles das, wenn ichs n ? „ auch blos für ihn thäte, nichts gegen das, ^ „ was er für mich gethan und gelitten hat! m ^ „ wie kann ich dem genug leben, der für mich E „ gelebt hat, für mich gestorben und aufer- A „ standen ist! - wie ist alles, alles nichts, ge,! „ ewig nichts, was ich, ich Begnadigter, >,! „ Erlöster, - ihm nun für Freude machen kl „ kann! wie fühl ich mich durch die Liebe U „ Christi gedrungen, hingerissen, ermuntert, l C 7 „ge- er Jesiis der Vergebet , gestärkt- zu thun, was mir sonst zu thu« > unmöglich war! wie wirds mir, der ich , nun die Kraft seiner Liebe und seines Lk, , bens an meinem eignen Herzen so äuge», > scheinlich und unaussprechlich erfahren ha, > be, wie wirds lmir so leicht in die Fuß- ^ stapfen seiner Geduld, seiner Menschen, , liebe und Demuth cinzutretten! wie wird« nur im Aufsehen auf ihn so leicht, so an, genehm - zu vergessen das was hinter mir ist, und zu jagen nach dem herrlichen Klei, nod, zu welchem mich Gott durch Jesum Christum berufen hat! Ich weiß nicht wie mir ist - seit ich ftey bin, und die Verficherung, daß Christus mir vergebe» habe, in meinem Herzen lebendig ist! web > che Lasten, die mich sonst in den Abgrund gedrückt hätten, sind mir nun durch seine allmächtige Liebe abgenomen! was wird mir nun nicht leicht an der Hand dieser an mir selbst sich offenbarenden allmächtigen Liebe! was nicht leicht aufzuopfern, wenn ich an den glaube, der sich selbst für mich aufgeopfert hat - und gesagt hat: wer sein Leben verliert, der wird es finden! - Soll ich im glaube« an den, und durch den, der in mir ist, so gewiß Gott in ihm ist - nicht alles vermögen? Sollte mein Glaube, und die feste Ueberzeugung, daß er sey der Sohn Gottes, aller Welt, und besonders auch mein Herr und Heiland, mich der Sünden. 6z Umich nicht mächtig machen die Welt zu E „ überwinden? Ja! von Gottes Gnade 7 » bin ich, was ich bin, und seine Gnade soll I „ an mir nicht vergeblich seyn. „ Saget ^ Christen, saget, wird das nicht die natur- U liche Sprache eines Menschen seyn müssen, ^ der an Jesum glaubt, und im Glauben an , Jesum der Vergebung seiner Sünden gewiß ist! Urtheile wer urtheilen kann, ob das - Betragen und die Methode Gottes, den Menschen zu begnadigen, und ihm blos weil I er glaubt, die Sünde durch Jesum Chri- i "' stum zu vergeben, nicht der menschlichen E Natur angemessen sey, und ob die Weise, V ob sie, ich will nicht sagen, nicht schnurstracks ^ b dem ganzen Geist und Buchstaben des Evan- W geliums entgegen handle, nein, ich will nur M sagen, ob sie nicht wider alle Erfahrungen lbs und Empfindungen der menschlichen Natur m handle, die-zuerst, ehe fie dem Menschen m Vergebung der Sunden wollte angedeyhen M lassen, Tugend und Heiligkeit von dem Men- schen fordere? ob das der menschlichen Na- ! t tur gemäß gehandelt sey? ob der Mensch tel auf diese Weise für Gott und die Tugend ge- ^ Wonnen werden könne? obs nicht viel na- m türlicher, rührender, würksamer für ihn sey, e» ihm erst auf bloßes Zutrauen, bloßes An- )nehmen und Ergreifen der göttlichen Wahrer heit hin, zu vergeben, und dadurch seinHerz i!s so zu stimmen und zu bilden, wie es nach der s Be- «4 Jesus der Vergebet Bestimmung und der Absicht des Schöpfers , gebildet werden soll. i Der Glaube an Jesum ist zwar kein Ver- dienst, um deßwillen Gott uns begnadigt;^ > aber er ist ein unentbehrliches Mittel -er' Vergebung der Sünden durch Jesum Christum thcilhast zu werde»/ und dieß ist das II. !tück unserer Betrachtung. Ich fürchte Andächtige, euere Aufmerksamkeit zu ermüden, und meinen Zweck, der kein andrer ist, als euere Belehrung, Ueberzeugung, Beruhigung, zu verfehlen, wenn ich jetzt noch weiter gehe -- und doch kan ich nicht umhin, dießmal wenigstens noch dieß anzu-? merken. I Es wäre ein großer Mißverstand, und ein sehr irriges Vorurtheil -- wenn man das, was ich bis dahin vom Glaube» an Jesum, als dem einzigen Beding, mit« welchem uns Gott unsre Sünden, durch Jesum Christum vergeben will, gesagt habe, also verstünde - und sich den Begriß davon machte. Als ob der Glaube das Verdienst wäre, um welches willen Gott uns unsre Sünden vergiebt. Nein - Brüder- auch durch diesen Glauben wird die Vergebung der SLn-> den keineswegs verdient. Vergebung der Süiv t der Sunden. ' ^6s ^ Sünden ist eine Gnade - eine pure bloße . Gnade; eine Gnade, die all unsren Werken, und allem unsrem Verdienen, wenn auch der Glaube selbst ein Verdienst wär, längst vorgieng. Eine Gnade die wir allein ^ Gott, dem einzigen Urheber alles Guten, ^ und Christo, dem einzigen Mittler zwischen Gott und uns zu danken haben. - Der Glaube auf unserer Seite macht nichts auf ^ Seite Gottes, macht nicht, daß er gütig und ^barmherzig gegen uns gesinnet ist, daß er ^uns seinen Sohn zur Erlösung von der ^ Sünde gesendet hat, er sandte ihn, ehe wir H glaubten. Christus starb für uns, da wir ^ noch Sünder waren. Er war unser Mittler, ehe wir wußten und glaubten daß ers sey. Mithin konnten wir seine längst vorgekommene Erbarmung, seine Versöhnliches reit, seine Geneigtheit und Bereitwilligkeit u^uns zu erlösen, und uns unsre Sünden zu ^vergeben', mit keinem Glauben, so wenig, L als mit irgend einer andern Tugend verdünnen.- Glaube macht nicht, daß Gott geizigen uns versöhnlich ist: nicht, daß Gott uns «durch Christum vergeben will. Er giebt Gott so wenig Bereitwilligkeit uns zu vergeben , als er ihm Macht dazu giebt. Er L verändert nichts in Gott, aber er verändert Euns. Er giebt Gott keine andere Gestn- tt nungen gegen uns - aber in uns würkt er T andre 66 Jesus der Vergeber andre Gesinnungen gegen ihn. Er mach i Gott nicht williger uns zu vergeben, aba « uns williger ihm zu gehorchen. Der Glau, n be macht uns der Macht und Liebe Christi,^ l l k wodurch die Sünde mit allen ihren üblen Folgen vertilget wird, empfänglich. Die Gutthat ist schon da, die Gnade vor der Thür- Christus mit seiner Gotteskrast und Gottesliebe schon in unserm Mund und in unserm Herzen - aber, ohne Glauben ists eben so viel, als wenn von allem dem nichts um uns und in uns wäre; ohne Glaube hat das alles keine Würkung, keinen Einfluß auf uns! - Der Glaube setzt uns in die Lage, in welcher Gott durch Christum aus uns und in uns würken kann - wie glauben unentbehrlich, und demwch keinfü Verdienst sey, das laßt sich M. Th. durch " einige sehr einfältige Beyspiele und Gleichnisse zeigen. Wenn ich eine Speise vor mir sehe, die mir jemand geschenkt hat, so wirds wohl kein Verdienst genennt werden können, wenn ich im Glauben, daß diese Speise gut und daß sie mein sey, davon esse. Sie ward mir geschenkt - aus bloßer Güte; aber ich kann ihr nicht theilhast werden, es ist eben so viel, als wenn sie mir nicht geschenkt sey , wenn ich nicht glaube, daß sie gut und daß sie mein sey. Erst dadurch wird sie mir etwas. So mit jeder Arzney? die h n n> er tz -ei Her Sünden. mir geschenkt wird, sie ist mir nicht Arzeney, bis ich sie geniesse, und ich geniesse sie Arricht, bis ich glaube, sie ist mir zuträglich. ^Der Glaube macht mich dieser Arzney theil- Waft. Er vereinigt mich mit ihr. Ohne ^Glauben eß ich nichts, thue ich nichts, rede ^ ich nichts. Wenn ich nicht glaubte M. Th. Waß ihr mich jetzt hörtet, wurde ich nicht E mit euch sprechen ; wenn ihr nicht geglaubt Wället einen Prediger hier zu finden, wäret Mhr nicht in die Kirche gekommen. Dieser « Glaube war unentbehrlich, euch in die Kir- ttche zu bringen, so ists mit dem Glauben in M-er Religion. Er ist kein Verdienst, aber Her ist ein unentbehrliches Mittel, einer glitten, nützlichen Sache theilhaft zu werden.- ! !Der Arme, der seine Hand ausstreckt, im d» Glauben etwas von mir zu empfangen, khat gewiß dadurch kein Verdienst; aber n wann er seine Hand nicht ausstrecken will, A nicht glaubt etwas zu empfangen, so geht 1 k er weg. Sein Unglaube macht ihn untüchtig etwas zu empfangen. Ein Gefangener, ldem man das Gefängniß aufthut, und Erlösung verkündigt - hat er ein Verdienst, n dem er seine Erlösung zu danken hat, wann !t er diese Ankündigung für wahr hält, glaubt, x annimmt? aber wann er sie nicht für wahr 2 hält, nicht glaubt, wird die ihm angebotene Erlösung ihn etwas nützen ? wird er sich 68 Jesus der Vergeber der Sünden. seiner Erlösung freuen, wenn er sie nicht s glaubt? wird er herausgehen, wenn er Z glaubt, draussen warten Wächter auf ihn, die ihn wieder zurückführen und fester an^ schließen werden? O wie einfältig ist W göttliche Evangelium Christi - wie fühl ichs,j daß es himmlisch und göttlich ist, um seiner Einfalt, seiner Weisheit willen! Sei-> ner Schicklichkeit willen zu den Bedürfnis-. sen und Schwachheiten der menschlichen Na-! tur, -- daß es uns einen Mittler vorstellt, durch dessen Namen Verzeihung der Sünden empfangen soll ein jeder, -er an ihn glaubt. Amen. Vierte Predigt. Apost. Gesch. x, 4z. _ Eer Glaube an Iefum, das ei»!-« ^ Zige Mittel, Vergebung der r «i Sünden durch ihn zu erlangen. Einwendungen beantwortet. D ^ie Weisheit Gottes in der Forderung ^ ' des Glaubens an Jesum Christum, als des einzigen Bedings, Vergebung der Sünden durch ihn zu erhalten, diese Weisheit Gottes, wovon wir euer Andacht ^vor acht Tagen unterhalten haben - wird deinem jeden aufmerksamen und nachdenkenden Zuhörer noch mehr einleuchten - wann wir nun auch noch einige Einwendungen, welche gegen diese Lehre gemacht werden könnten, noch eigentlicher beantworten, und He wichtigsten Zweifel, wie wir hoffen, auf- q gelöstt haben werden. ' Und 70 Einwendungen gegen den Glauben Und welches sind die vornehmsten dieser Einwendungen? Sie kommen M. Th.alle ohngefähr auf eine heraus -- sowie sie alle, so verschieden die Worte sind, in die sie eingekleidet zu werden pflegen, aus einer Quelle fließen - nemlich aus unrichtigen, oder nicht genugsam deutlichen Begriffen vom Glauben an Jesum. Wenn man hievon den rechten Begriff hatte - wenn man die Natur des Glaubens überhaupt, und des Glaubens an Jesum insbesondere genug überdacht hatte, so würden alle Einwendungen, welche man wider unsere Lehre zu machen pflegt, von selbst wegfallen; so würde es unmöglich seyn diese Lehre eitlen Augenblick in Zweifel zu ziehen. So viel ich weiß, so ist das stärkste, was sich wider dieselbe sagen läßt, ohngefähr dieses. „ Diese Lehre, von dem Glauben anJe- »sum, als dem einzigen Beding, Berge- „ bung der Sünden durch ihn zu erhalten - „ sey dem Menschen schädlich; sie macheihn „ leichtsinnig; sie schwäche sein sonst schwa- „ ches Bestreben nach der Tugend; sie schla- ,) fere ihn ein; sie mache ihn nachläßig in der „ Erfüllungseiner Pflichten, und in der Aus- „ Übung guter Werke! - - Auch sey sie ei- „ nigen Stellen der Schrift, die ausdrück- „ lich noch etwas ganz anders und mehrers „ erfordern als diesen Glauben, entgegen -> „ und lasse sich schwerlich mit diesen vereint- ,> gen. '' Das vk re eil Nl de dk in hl e W 3 l't toi tie ^ an Jesum beantwortet. ^ Das M. Th. scheinet das wesentlichste Won dem zu seyn, was sich wider unsre Leh- Me, wie man sagt, nach Vernunft und Schrift hinwenden laßt - Und diese Einwendungen ^iun zu beantworten, und alle Zweifel wi- kcher dieselbe aufzulösen, das M. Th. soll mit "!der Hülfe unsers guten Gottes, und seines Mn alle Wahrheit leitenden Geistes, den Jnn- t schalt unsrer heutiger; Betrachtung ausma- mchen. ati Versage mir dein Licht nicht, Vater der / Wahrheit, daß Erleuchtung und Ueberzeu- l chung aus meinem Mund ausgehe, und das Memüth aller derer, die mich hören, erfüllen 'nÄröge, Amen. Abhandlung. i. rbtt?>ie Einwendungen, welche wir E. A. wi- der die in unsrem Text behauptete Leh- Me angeführt haben - und die sich theils auf ßidas Urtheil der gesunden Vernunft: theils Gaus entgegengesetzte Zeugnisse der Schrift ^gründen sollen, - lassen sich ebenfalls aus der Mernunft und durch Zeugnisse der Schrift- uBollkomen beantworten und heben. Ich sage, Bie Einwendungen der Vernunft lassen sich mharch Antworten der Vernunft heben. Das Mißt, es läßt sich leicht und klar zeigen, daß -- 72 Einwendungen gegen den Glauben dieEinwendungen,die mau aus der Vernunft gegen diese Lehre macht/nur scheinbar/ nicht vernunstmäßigund gegründet sind. Die Vernunft selbst muß unsere Lehre im höchsten Grad billigen/ sobald sie dieselbe recht versteht. Nur Mißverstand und verkehrte Vorstellungen derselben können die oben angeführte / oder andere denselben im Grunde ähnliche Einwendungen zeugen. Denn recht verstanden kann unsre Lehre/ welche behauptet/ daß ein jeder/ welcher an Jesum glaubt, durch ihn Verzeihung der Sünden empfangen soll - daß dieser Glaube an ihn das einzige Bedingniß / das einzige Mittel sey - der Vergebung der Sünden empfänglich und theilhast zu werden; recht verstanden, sage ich, kann diese Lehre nicht dem mindesten Mißbrauche unterworfen seyn, - recht verstanden - ist sie dem menschlichen Leichtsinn durchaus nicht günstig und Vortheilhast -- Sie kann dem Menschen nicht - schädlich seyn, kann sein Bestreben nach der Tugend nicht schwächen, ist vielmehr, wie zum Theil schon vor acht Tagen gezeigt worden, recht dazu gemacht, ihn zum frohen und höchsten Fleiß in der reinesten und erhabensten Tugend zu ermuntern- ihn in der Erfüllung seiner Pflichten treu - und in der Ausübung aller guten Werke unermüdet zu machen. Um dieß mir nicht nur auf mein blose- Wort zu glauben, sondern um es als die reinste. sl ^ an Jesum beantwortet. 72 ^ reinste, unläugbarste Wahrheit zu empsin- den, so erwäget, Andächtige, nochmal mit st mir - die Natur des Glaubens überhaupt- ^ und des Glaubens an Jesum insbesondre. ^ Der Glaube ist Fürwahrhaltnng - um st der Zeugniße eines andern willen, ist feste Ueberzeugung von eurer unsichtbaren oder M abwesenden Sache, als ob sie sichtbar und M gegenwärtig wär. ^ Glaube vertritt in allen Fällen - wo er K nicht nur Wahn, nicht nur Einbildung, M sondern würklich Glaube, würklich lebendi- ge Ueberzeugung ist - das Anschauen der ^ eignen unmirtelbaren Erkenntniß- erwacht U mich gerade so denken, so reden, so handle«, M so leiden- als ob die Sache, die ich nicht >L- sehe, die nicht gegenwärtig ist- sichtbar und «k gegenwärtig wäre - Sagte mir z. E. reck marrd glaubwürdiger, jemand, auf dessen K Wort ich mich eben so sehr verlassen könnte, A als aufweine eigne Erfahrung, als anfalle tz meine fünf Sinnen - sagt mir so jemand - iin! daß es in des Nachbars Haus brenne - und ii - ich halte - dieß Zeugniß, diese Aussage für 8 wahr - wird dieser Glaube, dieß - Für- jin! wahrhalten, keine Würkung, keinen Ein- K fiuß auf mich haben, werd ich mich bey die- A stm Glauben an diese Nachricht so verhallt ten, wie wenn ich sie nicht gehöret hätte? O-Werd ich ruhig in meinen Geschäften, oder ck meinen vorigen Reden oder Erzählungen m D fort- 74 Einwendungen gegen den Glauben fortfahren? Wer- ich mich durch diese Nachricht, in sofern ich sie glaube, nicht unterbrechen lassen? Werd ich nicht schnell abbrechen - und mit Bestürzung fragen, wo? wie? beym Nachbar brennts? und kaum die Antwort abwarten, und forteilen zum Zimmer, zum Hause hinaus - zu sehen, zu helfen, zu löschen, wenn ich kann -- was kann natürlicher seyn, als diese Würkung eines Glaubens, an die von einem glaubwürdigen Zeuge gehörte Nachricht ? wird sie nicht eben die Würkung aufmich haben, als wenn ich selbst zuerst die Flamme aus meines Nachbars Hause losbrechen gesehen hätte? Wenn mir jemand glaubwürdiger, ausdessen Wort ich so sicher, als auf meine eigne Erfahrung zehlen darf, sagt: „ Nimm dich in acht, was „ du an diesem und diesem Orte redest, wie „ du über einen gewissen Menscher; urthei- ,, lest! Dieser Mensch, wiewohl er dir nicht „ vors Gesicht kommen wird, steht hinter „der Wand, oder hinter einem Vorhang, -> und wird alles hören, was du über ihn sa- „gen wirst? Meynet ihr Andächtige, ich werde diese Nachricht glauben können, ohne mich nachher an dem benannten Ort, in sofern ich die Warnung nicht vergesse - nach diesem meinem Glauben zu richten? Wird diese Nachricht, in sofern ich ste glaube, keinen Einfluß auf mich und meine Worte haben? Werd ich § VI! ) i! an Jesum beantwortet. 75 ^ ich auch so reden wie ich geredet hätte, wenn / mir diese Warnung nicht gegeben worden l ' wäre, oder wenn ich sie für nicht wahr, oder ^ unglaubwürdig gehalten hätte? Wird der Unterthan auch über seinen König schmälen und fluchen, wenn er glaubt, daß der Kö- nig, obgleich nicht sichtbar, alle seine Work ^ höre? Wird nicht sein Glaube an des Kö- L nigs, wiewohl unsichtbare Gegenwart - ganz natürlichen Einfluß auf seine Worte, und ^ seine Urtheile über den König haben? § Den Menschen in der Welt möcht ich se- K hen, M.TH.-der nicht nach seinem Glau- Ä ven, nach seiner Ueberzeugung, in sofern sie f ihm alsdann gegenwärtig und lebendig - und in sofern er nicht durch Gewalt daran ^ gehindert ist -- handelt. ^ Man kann es zur völligen Erläuterung « der Schrift-Lehre vom Glauben an Jesum, ^ und zur hinlänglichen Beantwortung aller ^ Einwendungen, welche die menschliche Ver- nunst dargegen machen kann, nicht deutlich, H nicht oft, nicht stark genug sagen- daß alle Menschen unaufhörlich nach Glauben, und " nach ihrer Ueberzeugung handlen; nachdem ^ was sie jeden Augenblick für wahr halten; 'E' daß aller Glaube wirksam ist; daß jede Für- » wahrhaltung, jede Ueberzeugung, ihren Eilt- ^ Fuß, ihre Würkung haberr muß, und alle Augenblicke, so lange sie gegenwärtig, und ^ in dem Gemüthe lebendig ijh würklich hat. l D r Die- 76 Einwendungen gegen den Glauben Dieses läugnen, heißt laugnen, daß der Mensch Mensch sey. Wer nicht nach seinem gegenwärtigen Glauben, nach seiner wörtlich lebendigen Ueberzeugung handelt, der hört auf, Mensch zu seyn; er ist nicht nur ein Thor, sondern er ist kein Mensch mehr-- denn auch der Thor handelt nach seiner Ueberzeugung, und nach dem, was er glaubt, und fürwahr hält - Auch der raseude, der angeschlossen an Fesseln wütet - handelt nach seinem Glauben, und nach seinem Fürwahr- halten, so gut als der, der mit der höchsten und bewunderungswürdigsten Klugheit das gröste Reich regieret - Warum sollte dann nun aller Glaube in der Welt würken, und der Glaube, an Jesum allem ohne Würkung seyn können ? Warum hat jedes Fürwahr- halten, jede Ueberzeugung in dem alltäglichen Leben, einen so und so bestimmten Einfluß auf unser Thun und Lassen -- und das Fürwahrhalten des Evangeliums, und die Ueberzeugung von der Göttlichkeit der Person und der Lehre Jesu - diese wichtigste aller Ueberzeugungen, sollte allein tod, ohne Kraft, ohne Einfluß auf unsere Gesinnungen und Handlungen seyn können? Es hat die mittelbarste, die schnellste Wür- kung auf mein Herz, und mein Betragen, sobald mir jemand die Nachricht giebt, und ich die Nachricht glaube, daß mein Schuld- " Herr mir eine Summe von zehen tausend Gul- V ^ an Jesum beantwortet. 77 A Gulden nachlassen wolle - und es sollte kei- ^ ne Würkung auf mein Herze, keinen Ein- ^ ßuß auf mein Betragen haben, wenn mir . - jemand die weit wichtigere Nachricht bringt, ^ und ich diese Nachricht würklich vollkom- ^ men, und ohne allen Zweifel glaube, daß , k meine weit ungeheurere Sünden - Summe mir nachgelassen, daß mir alles geschenkt, ^ daß alles im reinen und vergütet sey, daß ^ ich von dem höchsten Richter aller Welt so ^ angesehen und so werde behandlet werden, ^ als ob ich keine einige Sünde begangen? " Das soll ich würklich glauben, und dabey k gleichgültig bleiben können, das glauben, und ^ mich nicht freuen ? das glauben, und den nicht lieben, und dem nicht danken, und den nicht ^ mit den frohesten Thränen anbäten, der ^ mir diese große Schuld schenkt, und für all "k das Elend, das sonst unausbleiblich auf mich ^ gewartet hätte, mir nichts als Barmher- E! zigkeit und neue göttliche Lebenskraft schenkt? k das glauben, und durch diesen Glauben mich U nicht erweckt, und gestärkt fühlen - um mich ,! vor der Sünde, die ihm so mißfällig, und mir so schädlich ist, zu hüten. Ich bin im Gefängnisse, ich seufze nach jc Erlösung - aber meine Erlösung scheint un- s möglich. Endlich zeigt sich jemand, der sich 5 über all Vermuthen und Hoffnung meiner annimmt - sich um meine Erlösung alle erst deutliche Mühe giebt - sich in die ärmste >L D) Unr- 78 Einwendungen gegen den Glauben Umstände versetzt/ sich selbst in Gefängnisse werfen muß/ sich für mich mißhandlen und wie einen Missethäter verhöhnen läßt - alles thut/ und alles leidet -- mir Freyheit zu verschaffen -- Man bringt mir die Nachricht, ' ich sey erlöset, und diese unvermuthete Erlösung habe ich einzig und allein dem und dem zu danken, und ich glaube diese Nachricht, und halte sie für vollkommen gewiß äind wahr- und ich zweifle nicht, der und der habe es sich so schrecklich sauer werden lassen, habe so ganz sich aufopfern wollen, was er hatte, preis geben muffen - und das alles aus reiner Absicht - Ich glaube dem- guter Gott! mit welcher Liebe werd ich, so lang ich dieß angezweifelt glaube, diesen mei- ! nen Erlöser umfangen? Wie ihm genug i danken, wie genug von ihm reden und rüh- ! men können ? wie ihn persönlich sehend, mich dankbar vor ihm hinwerfen? Wie mich freuen, wie drauf denken ihm Freude zu machen? Und es sollte keine Wurkung auf mich machen, sollte kein Einfluß haben auf mein Herz, und mein Betragen, wenn man mir das Evangelium von meiner Erlösung durch Jesum Christum verkündigt, und ich dieß Evangelium von ganzem Herzen Klaube? und es für unzweifelhafte Wahrheit halte - daß die über alle Geschöpfe ewig erhabene Person, die nun von Millionen Zungen angebethet wird, daß Jesus Christus alles ^ an Jesum beantwortet«. " 79 * alles für mich gelitten und gethan, um mich ^ Sterblichen unsterblich, um mich Verlornen der höchsten himmlischm Freyheit und See- ^ ligkeit fähig zu machen? Das sollt ich - U glauben, und diesen unvergleichbaren Erlö- ftr mit Widerwillen ansehen können? das ^ glauben, und ihm etwas weniger als mich N selbst, mit meinem ganzen Herzm und We- D sen schenken können? Das glauben, und ku mich nicht von seinen Winken, geschweige ^ seinen ausdrücklichen Gebotten leiten lassen? E Nein Brüder, aller Glaube in der Welt rd: würkt: Und jede Ueberzeugung hat Einfluß dr auf unsere Gesinnungen und unser Betra- >4 gen- aber wenn kein Glaube in der Welt ^ Würkung hätte, wenn jede Ueberzeugung ^ ohne Einfluß auf unser Betragen wäre; so ^ könnte es der Glaube an Jesum, so könnte je es die Ueberzeugung nicht seyn; - Der Sohn L Gottes ist für mich gekreutziget worden: und für mich hat der sein Leben gelassen, dessen ch Angesicht leuchtete wie die Sonne, und des- K sen Wink die ganze Natur gehorchte, k» Nein - Brüder - auf wen diese Wahr-" N heit keine Würkung thut, der glaubt sie nicht, ^ er mag sagen was er will. Wen diese Wahrer heit nicht für Christum ganz einnimmt, der r glaubt sie nicht; dem ist sie nicht Wahr- heit, wenigstens nicht gegenwärtige leben- dige Wahrheit. i Neu; - meine Brüder, der Glaube an Einwendungen gegen den Glauben diese Wahrheit kann so wenig ohne Wür- kung, und ohne gute Folge seyn, als irgend ein lebendiger Glaube/irgend eine feste Ueberzeugung in der Welt ohne Würkung und ohne Folge seyn kann. r" Nein meine Brüder, mir ist nicht bange für die Tugend, nicht bange für die Heiligkeit eines Menschen, der diese Wahrheit mit lebendigem bestem zweifellosen Glauben umfasset. Mir ist nicht bange dafür , mir kann kein Sinn daran kommen , daß der leichtsinnig mit der Sünde scherzen werde, der weiß und glaubt, wie unendlich sauer die Aufhebung und Vertilgung ihrer üblen Folgen Jesu Christo werden mußte -- mir kann kein Sinn daran kommen, daß der nachläßig in seinem Beruf, und in der Er- > füllung seiner Pflichten, und in der Ausübung guter Werken seyn werde, der es mit ganzer Einfalt, und mit der vollkommensten Ueberzeugung seines Herzens glaubt und für wahr halt - daß erschienen sey die heilsame Gnade Gottes, uns zu unterweisen , daß wir verlaugnen die Gottlosigkeit, und alle weltliche Gelüste, und mäßig, gerecht und gottseelig leben in der jetzigen Welt: und warten auf die Offenbarung und Erscheinung unsers großen Gottes und Heilandes Jesu Christi - der sich selber für uns dahin gegeben, daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm selber an Jesum beantwortet. §r ^ her ein eigenthümlich Volk, das da eifrig wäre zu guten Werken -- O du guter, herr- licher, liebenswürdiger Heiland - das sollte - - ein Mensch von ganzem Herzen, mit zwei- . ^ ftlloser Ueberzeugung glauben, und dennoch ^ ein Heuchler, ein Namchrist, ein leichtfin- ^ niger Sünder, ein Verächter deines Namens, '' ein Feind Gottes und der Menschen seyn - ^ das glauben, und der großen Absicht dei- . ner gnadenvollen Erlösung nicht entsprechen ^ können?- Und nun, meine Th. haben wir uns den Weg zur Beantwortung aller aus der ^ Schrift hergenommen Einwendungen voll- kommen gebahnt. Sie werden sich nun, wenn ihr uns bisher mit Aufmerksamkeit ' zugehört, und recht verstanden habt, gleich- sam von selbst legen: wenigstens leicht, und '' mit wenig Worten heben lassen, und dieß - wird in dem noch übrigen zweyten Theil ' unsrer Betrachtung geschehen. 5 II. - s§s ist nicht zu läugnen, Andächtige, es sind ^ Stellen und Zeugnisse der Schrift vor- - Handen, die der Lehre, die wir bisher abgehandelt, und in ihr hellestes Licht zu setzen gesucht haben, auf den ersten Anblick zu l . >' widersprechen scheinen - Die voll dem Men- " schen, der begnadigt werden, und Vergebung D s sei- L2 Einwendungen gegen den Glauben seiner Sünden erlangen will -- mehr, weit mehr zu fordern scheine»/ als den bloßen Glauben / das bloße Zutrauen zu Jesu - und das veste Fürwahrhalten alles dessen, was indem Evangelio von ihm bezeuget und' versichert wird -- Aber alle diese Stellen scheinen nur unsrem Text / und andern Stellen aus dem Evangelio, und besonders aus den Briefen Pauli, zu widersprechen. Petrus und Paulus, recht verstanden, sagen eben das, was Jacobus und Johannes, recht verstanden, mit andern Worten ausdrücken - Es ist z. E. ein scheinbarer Widerspruch mit dem, was wir, zufolge der Behauptung in unserm Text, bis dahin behauptet haben, wenn wir in dem Evangelio Matthäi lesen: - wenn ihr den Menschen ihre Fehler vergeben werdet - so wird der himmlische Vater euch euere Fehler auch vergeben: So ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergeben werdet: so wird der himmlische Vater euch euere Fehler auch nicht vergeben. Aus dieser Stelle könnte es scheinen, als wenn Gott hiemit noch ein anderes Beding, Vergebung der Sünden zu erhalten fordere - als den Glauben an Jesum Christum. Ja er fordert, dem Scheine der Worte nach, ein anders Beding. Aber dieß Beding ist, jv wahr Gott lebt, nur eins- mit dem Glauben an Jesum Christum, den es fordert. Die- ^ an Jesum beantworten ^ ^ ' ^ Dieser Glaube ist und bleibt das einzige Be- K ding: darum einzig/ weil es ganz einfältig K alle andere Bedingungm in sich schließt. ^ Da sey Gott für / und Fluch würde mich ^ treffen, lvennich läugnete, oder verschwie- ^ ge, da sey Gott für, daß die durch Jesum ^ Christum erworbene Vergebung der Sün- ^ den, oder mit andern Worten, seine Macht ?- und Güte, alle üble Folgen unsrer Sünder: A aufzuheben, dich etwas angehe - auch deiner ^ Sünden üble Folgen für dich aufheben, ver- U schlirrgerr und vertilgen werde, wenn du deinem Nächsten seine Fehler nicht von Herzen H vergäbst. Eine Wahrheit Gottes, hebtei- w ne andere Wahrheit Gottes nicht auf. Ewi- ge Wahrheit Gottes ists: wer nicht vergießt, !Ä dem wird rächt vergeben werden, und wer m vergäbt, dem wird vergeben. Aber nicht ch minder ewige Wahrheit Gottes ists, daß L. keiner leichter vergeben kann, keiner gewis- ser vergeben wird, als der da glaubt, daß H Jesus Christus ihm aus bloßer Gnade ver- i. l geben habe. nr Nicht um unsers Vergebens willen ver- ^ giebt uns Gott. Er vergab uns ehe wir tz vergeben konnten. Aber Glaube an seine . ^ Vergebung, würkt Vergebung. Begriffe >« seiner Versöhnlichkeit in Christo, würken Ver- E föhnlichkeit gegen alle unsre Feinde undBe- - Leidiger. Der ist rasend, und hat, gleich ^ jenem wüden und barbarischen Knecht im § D 6 Evair- K4 Einwendungengegen den Glauben Evangelio -er Reinigung und Vergebung seiner vorigen Sünden vergessen, der nach erhaltener Vergebung nicht vergiebt. Er hat nie geglaubt, Gottes Erbarmen in Christo Jesu nie beherziget -- vorgegeben haben mag er, geträumt und sich eingebildet haben mag er - daß er glaube: Er hat nicht geglaubt , und hat von dem Glauben an Jesum Christum nicht den einigen Begriff. Wer glaubt, daß Gott ihm durch Jesum Christum vergeben habe- O wie leicht iß dem, jedem zu vergeben, wie ihm Gott durch Jesum Christum vergeben hat - Glauben an Liebe, zeugt Liebe! fehlt die Liebe, so fehlt der Glaube. Ist der Glaube gegenwärtig und Lebendig - O mein Bruder, dann vergieb nicht wenn du kannst. Dann sey unversöhnlich - wenn dus seyn kannst - bist dus - fehlt dir ein Herz groß genug, alle Beleidigungen deiner Feinde zu verschlingen , und auf ewig zu begraben - O mein Freund, so fehlt dir auch das einzige Beding, das einzige Mittel, Vergebung -er Sunden durch Jesum Christum zu erlangen - der Glaube; denn hättest du diesen ; so hättest du Liebe. Denn durch Liebe ist der Glaube thätig, den das Evangelium fordert. Ferner, meine Zuhörer, heißt in dem Briefe des Apostels: So wir unsre Sünden bekennen , so ist Gott treu und gerecht, daß er ^ an Jesum beantwortet. Z' er uns dieselbigen vergebe, und uns von al- ler Ungerechtigkeit reinige. ^ Dem ersten Anscheine nach, wieder eine 7 andere Bedingniß die Vergebung der Sün- ? den zu erlangen/ als blos durch Glaube an ! , Jesum Christum - und dennoch im Grunde ^ kein anders- ^ Gehört das Bekennen seiner Krankheit A nicht zum Glauben an den Arzt; dasBe- kennen seiner Schulden nicht zum Glaube»/ und zum Zutrauen an und auf den: der mir ^ diese Schulden zu bezahlen verheißt? Laß sK es seyn / ein reicher großmüthiger Mann sa- ^ ge zu dir: Ich will dir alle deine Schulden bezahlen/ habe nur Zutrauen! fasse Muth! zweifle nicht! ohne alle Rücksicht auf dein ^ bisheriges Leben/ohn allen Verdienst/ ohn alle weitere Forderung als blos - trau es mir zu / daß ich die ganze Last deiner Schulst den auf mich nehmen und vertilgen werde - Sag mir nur freymüthig deine Schulden her; verschweige mir keine -- Gehörte es O M. Th. nicht offenbar zum Zutrauen / zum n st Glauben/ den dieser Großmüthige forderte - tu daß der Sckuldenbeladene seine Schulden A bekenne- wär das ein besonders - Beding? M wär vs nicht in dem Bedinge des Vertrauens offenbar mit eingeschlossen/ und mit demsel- ch ben eins? So ist das Bekenntniß der Sün- de - welches das Evangelium von dem Sün- l ^ der/ der begnadigt werden will, fordert. D 7 So 86 Einwendungen gegen den Glauben So ist auch die Buße, welche dem Glauben so oft beygefügt, und vorgesetzt wird, etwas, das wesentlich mit zum Glauben gehört. So wie das Vertrauen zu einem Arzt, die Empfindung, daß ich krank sey, voraussetzt; So wie das Vertrauen, daß jemand meine Schuld tilgen werde, nothwendig die Empfindung voraussetzt, mit fich führt, und in fich schließt, daß ich Schulden habe, daß diese Schulden eine schwere drückende Last für mich seyen. Ich werde nicht Hülfe , beym Arzt strchen, wenn ich nicht meyne krank zu seyn - Mein Glaube an den Arzt, zu dem ich gehe, schließt er nicht in fich den Glauben, daß ich krank sey. Werd' ich zu einem reichen großmüthigen Mann vertrauensvoll, daß er mir meine Schuldende- 7! zahlen werde, hingehen, wenn ich nicht glau- 1 be Schulden zu haben, wenn diese Schulden ! mich nicht drücken? Werd' ich bey Jesu Christo Vergebung der Sünden suchen, wenn ich die Last der Sünden nicht empfinde; das heißt, wenn ich nicht bußfertig bin. Gehört also nicht die Buße, die von dem Glauben gefordert wird, zum Glauben selbst? Und nun M. Th. wird aus dem bisher ge- i sagten auch klar seyn, wie leicht fich Paulus ! und Jaeobus, die fich in der Lehre vom j Glauben so sehr zu widersprechen scheinen, I mit einander vereinigen lassen -- Wenn . j Paulus sagt; So Messen wir nun, daß der > 1 Mensch ^ an Jesum beantwortet. 87 A Mensch durch den Glauben, ohne dieWerke L des Gesetzes gerecht gesprochen, begnadigt, NM absolvirt, entsündigt werde; so behauptet er , 7^ im Grunde nichts anders, als was Jacobus A behauptet - Sehet ihr nun, daß der Mensch E aus den Werken gerecht wird, und nicht aus ?!- dem Glauben allein ? Wie das zu vereinigen? ^ ^ Wie diesen scheinbaren Widerspruch zu he, ^ ben?-Ganz einfältig so: Paulus redet von ^ den Werken, die dem Glauben an Jesum ?§ Christum vorgegangen sind. Jaeobus von ^ ^ den Werken, die auf den Glauben an Jesum ^5 Christum folgen. - Ohne Gesetzes Werke, ^ durch den Glauben allein wird der Mensch ^' gerecht, das heißt in dem Munde Pauli offen- ^ bar, und nach dem ganzen Zusammenhang so viel: - Der Mensch, der an Jesum glaubt, ^ wird begnadigt, ohne alle Rücksicht aufs Ge- ^ setz, wie sehr ihn das Uebertretten desGesetzes, U das Gesetz immer verdamme - Ohne Rück- w ficht auf vorherige Werke, wird der Mensch, >k;! der glaubt, begnadigt - sagt Paulus - Und L! Jacobus - Er wird durch den Glauben beiß gnadigt, der nachher Werke zeuget, und nicht itz unfruchtbar seyn kann. Jesus, glaubt er an ck? ihn, wird ihm vergeben; alle vorige Sün- A den! - Und dieser Glaube an Jesum - wird y 1» ihn sodamr zu einem bessern, heiligern Men- schen machen, als keine bloße, noch so ernst- K - liche Vorschrift des Gesetzes, nimermehrihn Hü machen könnte - Dieser Glaube wird, wie 88 Einwendungen gegen den Glauben sich Petrus irgendwo in der Apostelgeschichte ausdrückt, sein Herz reinigen. Die Sünde, wie sich Paulus im Brief an die Römer ausdrückt, wird nicht mehr über ihn herrschen, weil er nicht unter dem Gesetze, sondern unter der Gnade ist. Und nun was sagt er anders als Jacobus, und Jacobus anders als er? Der Mensch wird nicht gerecht aus einem bloßen unwürk- samen Glauben, sondern nur durch einen solchen Glauben, der aufsein Herz und Betragen Einfluß hat, sein Glaube, sein Vertrauen auf Gott und Christum muß würken, wie jedes Vertrauen, jede Ueberzeugung in der Welt würkt, wie Abrahams Glaube Gehorsam würkte. Sein Glaube muß nicht blos Teufelsglaube seyn, der nur im Zittern besieht, sondern vertrauender Glaube, der würksam ist - würksam durch Liebe. Wie genau Jacobus und Paulus übereinstimmen- wird am klarsten werden, wenn wir die Worte, mit denen Jacobus diese Materie anfängt, mit dem vergleichen, womit Paulus diese Materie beschließt, oder doch zusammen faßt. Wie fängt Jacobus an: Ein unbarmherzig Gericht, sagt er, wird über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit geübet hat, und die Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht. Was hilft es M. B. so jemand sagte, wähnte, vorgäbe, er habe den Glauben - und ^ an Jesum beantwortet. §9 ^'und dieser Glaube äußert sich in keinen Werkten ? Mag ihn auch ein solcher Wahnglaube ^selig machen? Sollte das wahre Ueberzeugung, sollte das lebendiges Zutrauen auf M Gott und Christum seyn? Wahres lebendi- v ges Zutrauen, dem das Evangelium Verge- K bung der Sünden, und ewiges Leben verheißt? Ein solcher Wahnglaube, der zu eiln^ nem Bruder oder Schwester, die blos wäre, ^ und an täglicher Nahrung Mangel hätte, sa- ^gen könnte : Gehet hin im Frieden: wärmet lrk euch, sättiget euch: ihnen aber nichts gäbe, i Z was sie zu ihrer Leibesnothdurst bedürften ? i§: wär ein so leerer Glaube etwas nutz ? uik! Wie genau nun stimmt Paulus mit dieser E Meynung Jacobus, wenn sie recht angese- W hen und verstanden wird, übereilt, wertn es Er in der Epistel an die Galater in eben der Epi- 1 stet, in welcher er so sehr auf die Rechtferti- gung des Menschen durch den Glauben ohne n r Werke, d. i. ohne vorherige Werke, ohne ^ Rücksicht auf die Forderungen und Verdam- ki mungen des Gesetzes, dringt -- wenn er, sag z ich, in eben der Epistel so klar, so ausdrücklich, so entscheidend behauptet -- in Jesu Christo vermag weder die Beschneidung, noch Vor- ^ haut etwas, weder Judenthum, noch tzeiden- ^ thum, hindert oder bringt zu Christo-- Sey ntan vorher Sültder oder tugendhaft unter Juderl oderHeiden gewefttt -- aufdieß komts ^ nicht an -- alle sind mehr oder weniger Sün- 9Q Einwendung, gegen den Glauben rc. -er! alle verdammt das mosaische - oder natürliche Gesetz-- sondern es gilt bey Christo nichts / es ist kein ander Mittel begnadigt zu werden, als: Ein Glaube, der durch die Liebe, würket, ein Glaube der Liebe zeugt, der in der ^ Liebe würksam und geschäftig ist - Ein Liebe- glauben- Glauben an Liebe, Glauben ohne vorheriges Werk zeugt nachherige Werke. Nochmal meine Bruder,Glauben an Liebe zeugt Liebe- das ist der Schlüssel, Paulmn und Jaeobum zu vereinigen - das ist eine Wahrheit, die alle Einwendungen des Unglaubens , oder der Unwissenheit auflösen, und allen Mißbrauch, den der Leichtsinn von unsrer Lehre machen könnte, vollkommen und leicht abheben kann. Bey beyden ist der Glaube ein Stamm, aus dem tausend schöne Früchte entstehen! Und so bleibt es bey der trostvollen Wahrheit, so lang Himmel und Erde stehen - und wenn sie nicht mehr stehen, bleibts dabey - Jesu Christo geben alle Propheten Zeugniß, daß ein jeder, der an ihn glaubt, so glaubt, daß dieser Glaube Liebe würken muß, so er vorher noch so ein Sünder gewesen, könnte er durch keinGesetz begnadigt , müßte er durch alle Gesetze verdammt werden, daß ein jeder, der an ihn glaubt, Verzeihung der Sünden durch seinen Namen empfangen soll. Amen. c^> Füllst, ch ch iil! iij Fünfte Predigt. Apost. Gesch- X. 4z. Jesus derVergeber der Sünden ^ aller, die an ihn glauben, nach dem ^ Zeugniß der Propheten und Apostel. kr kiE M. A. Z. kiki LV>or acht Tagen haben wir rie Natur des ^ Glaubens, den unser Text zum einzigen gen Beding der Verzeihung der Sün- Aikl den macht, näher betrachtet, und angezeigt, M wie aus demselben sich alles andere, was !Ä das Evangelium vom Menschen erfordert, >ch wie eitle Frucht aus dem Stamm ergebe! nß nun vernehmet in dieser Stunde dieZeug- ch nisse der Propheten und Apostel, welche alle darin« übereinkommen - alle in verschiede- - nen Ausdrücken und Bildern, und auf man- nichfaltige Weise - gleichsam in dem einzi- K gen 92 Jesus der Vergebet gen Punkt zusammen treffen; wer auf den Meßias sein Vertrauen setzt, wer ihn für das hält und annimmt, was er uns würk- lich ist, wer an ihn glaubt, der empfängt, Verzeihung der Sünden! der wird frey von den Übeln Folgen derselben! der wird see- lig! - und dieser Meßias ist anders niemand, als Jesus vonNazareth. Der Meßias kann Sünden vergeben, und Jesus vonNazareth ist der Meßias. Das ist der beste Gesichtspunkt aller Zeit, gen Gottes, deren Schriften auf uns gekommen, und die von dem Meßias und der Erlösung, wodurch er das menschliche Geschlecht beseeliaen sollte, geweissagt haben. Und o, daß ich nun diese Zeugen alle vor euch hinführen, euch in ihrer ganzen f Würdigkeit lebendig darstellen könnte! daß ich euch die Aufmerksamkeit einflösen könnte, die euch alsdann eigen wäre, alsdann euch alles andere vergessen machen würde, wenn diese Zeugen in eigner Person vor euch auf- tretten, und vor euren Ohren mit eigenem Munde ihre trostvolle Zeugnisse ablegen würden. O wie würde dann glauben,' wer des Glaubens fähig ist! wie dann sich der sün- denvertilgenden Macht und Güte Jesu Christi freuen, wer fühlt, daß er ein Sünder ist, und daß er, ohne den einzigen allmächtigen und allgütigen Sündenvergeber, ohne anders verlohren wäre. O meine Bruder! Es der Sünden. 9 z t Es ist nicht darum zu thun, euch etwas vor- . zusagen; Euch eine halbe Stunde zu unterhalten, eine Predigt von der Vergebung der ^Sünden zu halten/ die, wie tausend andere ^ angehört / und wieder vergessen wird - o es ^ ist nichts Leichters als dieß - Sprüche an ^ Sprüche zu fügen/ und hie und da was zwitschert hinein zusagen/ daß die bestimmte Zeit vorbey geht/ und allenfalls hie und dort ein ,,Zuhörer sagt: das wär eine schöne evange- ^ lische Predigt - es ist, sag ich, nichts leichter, als dieß! aber wenn nur damit was ausge- ^ richtet wäre - wenn das nur den Seelen, G die sich hieher versammeln, wohl gerathen R wäre! aber ach du erbarmender Heiland - «wie schwer ist's dich würklich zu verkündigen. ^Wte schwer die Seelen, selbst die, die noch M einiges Verlangen nach dir haben, dirnä-- ^ her zuzuführen, rnit dir selber näher und ei- A, gentlicher bekannt zu machen! Ach wie schwer '.'dich den Herzen, die dennoch deiner so viel ni bedürfen, in deiner Allgenugsamkeit und Un- k entbehrlichkeit recht lebendig vorzustellen; R recht empfindbar zu machen! Ach! du un- U aussprechlich ferner, und unaussprechlich na- ^ her Heiland -- Heiland dem so viele Pro- A pheten und Apostel Zeugniß geben, Heiland 8 der Sünder, der grösten, schrecklichsten, itz hartrtäckigsten, verdorbensten Sünder, Hei- l land aller, aller, die, ohne alles Verdienst, ohne alle Rücksicht auf ihre Abscheulichkeit 94 Jesus der Vergeber und Verdammlichkeit - blos an deine neu belebende/ allgenugsame/ tausendmal mißbrauchte Gnade - glaubet! - Wirst du dich auch in dieser Stunde einigen Herzen meiner Zuhörer in deiner Herrlichkeit und Liebe offenbaren? werden auch einige dem vielfachen Zeugnisse so mancher Propheten und Apostel / mit der ganzen Einfalt des Herzens/ auch in Absicht auf ihre eigne Personen glauben? Werden wenigstens auch einige deine Helferskraft/ und deine sündenver- tilgende Liebe an sich selber erfahren? Wirst du mich / den unwürdigsten (wenn ich tausendmal hier stehe/ so möcht ichs tausendmal sagen) wirst du auch mich / den unwürdigsten/ würdigen/ hiezu ein gesegnetes Werkzeug zu werden ? o du, so unendlich viel gnädiger/ als es kein Mensch erkennen und glauben kann - o du so unendlich viel mächtiger, als die Sünde/ als der Urheber der Sünde, als alle Folgen der Sünde - o du - dem alles möglich ist/ was allen unmöglich ist- gieb mir, was mir niemand geben kann, als du! gieb mir - Verherrlichung deines Namens in meinen Mund - Verherrlichung an den Herzen aller gebeugten gnadendür- stenden Sünder - du/ der Jesus Meßias heißt, und Jesus - gottgesalbter / gottes- voller Erbarmet ist. Amen. der Sünden. Abhandlung. 95 Ä? Wl ^<7>iejem Jesus geben Zeugniß alle Prophe- ten, daß ein jeder, der an ihn glaubt, ."durch seinen Namen Verzeihung der SÄN« " den empfangen solle. I. ? fasset uns zuerst die deutlichsten und ent- scheidensten dieser Zeugnisse aus den gött- en'ilicherr Schriften des alten Bundes, und liliedann zweytens die aus dem neuen Testa- Äment, aus dem Munde Jesu und seiner Apo- »stel anführen. Ich sage i. die Zeugnisse der iMropheten aus dem alten Testament. Viele ^«derselben sind ausdrücklich und buchstäblich; iiL diele bildlich/ sinnbildlich, als z. E. die ganze imOpferlehre der Jsraeliten, darinn der Haupt- flLgedanken im Grund allemal dieser war: Auf Sünde st>lgt Tvd, und dieser Tod wird Wurch den Tod eines unschuldigen Lebens ^aufgehoben - das geschahe damals nurstnn- Mbildlich, nur bedeutungsweis, das Blut des Meopferten geschlachteten Thiers konnte den ^Sünder, der damit besprengt wurde, nicht SKerilsündigen , nicht wirkliches neues Leben , unmittelbar mittheilen. Es war nur ein bildliches Versthnopfer. Es war nur ein Ver- kbmmuiß, eine willkürliche Anstalt, Sünden- nämlich nur - politische Sünden, * " Ver- d6 Jesirs der Vergeber Verbrechen wider israelitische Policeygesetz- nicht moralische Verbrechen, auf diese Weise zu vergebet:. Es war, wie sich Paulus im iO. Cap. des Briefs an die Hebräer aus- , drückt, es war unmöglich, daß der Ochsen? und Böcke Blut die Sünden hinnehme, die! Gaben und Opfer die da geopfert wurden, mochten den, der diesen Gottesdienst verrichtete, nach dem Gewissen nicht vervollkommnen ; sie konnten sein Gewissen nicht beruhigen, sein Herz nicht von der Herrschaft und den Übeln Folgen der Sünde befreyen. Wer sie waren eine Abschattung und Vorbildung künftiger Güter; einer künftigen bessern Versöhnung ; eigentlichererTodeserlösung, wirklicher Lebensmittheilung und gänzljcherSün- denvertilgung durch Jesum Christum. Dieser war es, auf den sich die Worte schicken, in dessen Mund sie erst volle Wahrheit werden: Opfer und Gaben hast du nicht wollen, aber du hast mir einen Leib zubereitet. An den Brandopfern und Sündopfern haß du kein Wohlgefallen gehabt, da hab ich gesprochen: Siehe ich komme! in der Rolle des Buchs, in den Urkunden deiner Offem barungen ist von mir geschrieben, daß ich o Gott! deinen Willen thue. Ps. 40. und Hebr. 10. Ja vom Meßias ist geschrieben, und von Jesu gilts, was vom Meßias geschrieben ist, weils allein auf ihn paßt, uM Z tc i auf keinen andern paßt. Nicht einer ist auf- ge- der Sünden. D getretten,. auf den sich alle die bedeutungs- reichen sinnbildliche Opfer so richtig bezie- L hen, den sie so eigentlich vorbezeichnen, wie ^ Jesus -- Jesus, der nicht eines natürlichen, ^ sondern wie alle Opfer eines gewaltsamen Todes starb; wie Jesus, der, so wie die Op- ' ferthiere ohne Fleckerl und Mangel seyn muß- E ten- so unschuldig, so fleckenlos und un- sträflich war -- wie Jesus - der so offenbar ^ nicht um seiner selbst willen, sondern um an- ^ drer willen starb; starb wie die Opfer, nicht ^ nur eines gewaltthätigen, sondern eines blu- ^ tigen, eines öffentlichen Todes -- Wenn kei- § ne Weissagung von ihm, keine Zeugnisse von A seinem sündenversöhnenden Opfertod, in der P Schrift vorhanden wären, so würde schon die bloße vorbildliche Opferanstalt ein lau- tes redendes Zeugniß für die große und trost- ^ volle Wahrheit seyn - daß sein Tod das Le- ^ ben der Welt, und die Versöhnung für un- ^ sre Sünden sey- Aber, es sind noch andere ^ nicht weniger bedeutungsvolle, einfältige, ^ leicht zu verstehende Sinnbilder- von de- E neu ich nur noch eins nicht unangeführt las- M stn kann. Ich meyne jene von Moses auf Gottes Befehl aufgerichtete ehrene Schlan- ^ ge! von giftigen Schlänget: wurden unzäh- M lige Jsraeliten tödlich verwundet! welchem m treffendes Bild der Sünde, die unzählige Pst'Menschen auf den Tod vergiftete! - Was M brauchte es, um zu genesen? Welch ein Ver- E dienst 98 Jesus der Vergebe? dienst auf Seiten des tödlich verwundeten? keines - nur Glaube! nur Aufschauen auf die auf Gottes Befehl aufgerichtete Schlange. Wer die im Glauben an Gottes Verheißung ansähe, genoß, starb nicht von der sonst ohnfehlbar tödlichen Wunde, ward wieder neu lebendig! wer kann dieß beherzigen und sieht nicht, daß die Aehnlichkeit auffallend ist: wie Moses erhöhet hat die Schlange in der Wüste, also muß auch der Meßias erhöhet werden, auf daß ein jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren werde, sondern ewiges Leben habe. -- Von sinnbildlichen Zeugnissen, von Jesu und seiner sündenvergebenden Macht und Liebe in Absicht auf alle, die an ihn glauben, laßt uns zu einigen der vornehmsten ausdrücklichsten Zeugnisse fortgehen - die meisten und entscheidensten finden sich in den Weissagungen Jesaias, Jeremias, Daniels, Zacharias, Matachias und in den Psalmen Davids. Auf wen können z. E. folgende prophetische Stellen natürlicher, ungezwungener, und schicklicher gezogen und gedeutet Werder:, als auf den Meßias, als auf Jesus von Nazareth? an wem haben sie sich vollkomm- ner und buchstäblicher erwahrt und erfüllt? für wen sind sie so entscheidende Zeugnisse der Zutrauenswürdigkeit als für ihn -- Von wem in der Welt, als von Jesu, läßt sich » der Sünden. 9, ^ so schicklich, so natürlich sagen: Ich habe, ^ spricht Jehova, meiner: König eingesetzt auf Zion meinem heiligen Berg. Ich will er- ^ zählen was beschlossen ist, der Herr hat zu mir gesagt: du bist mein Sohn, heut habe ich dich geboren! fordere von mir, so will ^ ich dir die Heiden zum Erbe geben, und die Gränzen der Welt zu deinem Eigenthum. O laßt euch weisen, ihr Könige! Laßt euch unterrichten ihr Richter auf Erden; dienet ^ dem Herrn mit Furcht, und freuet euch mit ^ ^ Zittern. Küsset der: Sohn, daß er nicht zür- . ne, und ihr nicht umkommet auf dem Weg, ^ denn sein Zorn wird bald entbrennen: aber ^ wohl denen, aber seelig die, die auf ihn ver- ^ trauen. - Auf wer: schickt sich der äanzesr. E Psalm, auf wen besonders die Stelle am Ende besser, als auf Jesum von Nazareth ^ und seine Erlösung - die Elenden werden ^ essen und ersäctigt werden. Die dem Herrn ^ nachfragen, werden ihn preisen, euer Herz soll ewiglich lebe::. Alle Ende der Welt wer- M den daran denken und sich zum Herrn bekehre ren, und alle Gschlechter der Heiden werden M: vor dir anbete::; denn das Reich ist des Her- M ren, und er herrschet unter den Heiden. Alle Ä die in den Staub hinabführen, werden ihre ^ Knie vor ihm beugen. Denn er hat seine ^ Seele nicht bey dem Leben gefristet. Er wird einen Saamen haben, der ihm dienet, und lß dem Herren zu Kindeskindern zugezählt wer- E r den IOO Jesus der Vergebenden wird. Sie werden kommen, und seine Gerechtigkeit auskündigen dem Volk, das geboren werden soll; denn er hats zu Stand gebracht. Auf wen in der Welt natürlicher und schicklicher lassen sich die Weissagungen Daniels anwenden, als auf Jesum, und was Kann sein Leiden, seine Meßiasmacht, und Zutrauenswürdigkeit besser ausdrücken, als die Stelle-- Siebenzig Wochen sind über den: Volk, und die heilige Stadt bestimmt, der Uebertrettung zu wehren, die Sünde zu versiegeln, die Missethat zu versöhnen, und die ewige Gerechtigkeit zu bringen, und nach 62. Wochen wird der Meßias ausgerottet werden, aber nicht um feinet willen. Ich sirhe ein Gesichte bey der Nacht: und siehe es kam einer in den Wolken des Himmels, wie eines Menschensohn, dem ward Gewalt und königliche Würde gegeben, daß ihm alle Geschlechter, Völker und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt wird ewig währen, und nimmermehr abgethan werden, und sein Königreich bleibt uuverderbt. - Was kann bestirnter und entscheidender seyn, als die Weissagung Zacharias, Malachias, Jeremias und Michas? Ich will meinen Diener, das Zweig oder den Sohn herzubringen, und ich will die Missethat dieses Landes in einem Tag hinwegnehmen. Siehe der Mann, dessen Name Zweig ist, wird aus seinem Ort' hervorwachsen, und wird den Tempel des Herrn, > der Sünden. Herrn, Gott eine Kirche bauen, und er wird V Gottes Herrlichkeit tragen, und auf seinem Thron sitzen. Als ein (versöhnender und se- ^ gnender Priester) wird er aus Gottes Thron ^ sitzen, und es wird ein friedsamer Rathschlag 7 - zwischen ihnen beyden seyn. Frolocke sehr, i) ^ Tochter Zion. Jauchze, o Tochter Jerusa- A lem, siehe dein König kommt zu dir, der Ge- ^ rechte und der Heiland. Er ist demüthig, W und reitet auf einem Esel, und auf einem ' jungen Füllen der Eselin. Er wird den Hei- ^ den Satzungen des Friedens vorschreiben, Hü-- und seine Gewalt wird von einem Meer zum andern, und von dem Fluß an bis zu dem cn. Ende der Erden reichen. Zu derjenigen Zeit Ei wird dem Hause Davids und den Einwoh- nern zu Jerusalem eine Brunnquell aufge- tk than werden, alle Sünden und Unreimqkeit abzuwaschen. Mich. s. - Du Bethlehem L Ephrata, du bist zwar zu klein, daß du un- K ter die herrlichen und fürstlichen Städte In- ^ das gezählet werdest; Jedoch wird mir einer kL aus dir kommen, welcher ein Herrscher in ^ Israel seyn wird, und dessen Ausgänge von jm Anfang, ja von Ewigkeit her sind. Erwirb K bestehen, und in der Kraft des Herren wey- w den, und in der Herrlichkeit des Namens des ,ür Herrn seines Gottes, und er wird groß seyn, » bis an die Ende der Welt. Dieser wird der Ml' Friede seyn, und es wird geschehen, daß ein E Z jeder, Jesus der Vergeben jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird seelig werden. Aber - dieß find die prophetischen Zeugnisse von Jesus Meßias noch nicht alle - noch bleibt der vornehmste aller Zeugen des / alten Bunds, Jesaias übrig. Ein Prophet, - der von den Alten mit Recht ein Evangelist ! genennt worden ist - wer seine Zeugnisse von Jesu dem Meßias verwerfen kann - alle Zeugnisse der ganzen Welt wird er umwerfen können - höret, höret doch einige aus seinem von Gottes Wahrheit begeisterten Munde. Uns, rüst der Prophet Gottes aus, uns ist ein Kind gebohren; uns ist ein Sohn gegeben ! auf dessen Schultern wird das Reich liegen, und erwirb mit seinem Namen ge- nennt werden, der Wunderbare, der Rathgeber, der starke Gott, der Vater der Ewigkeit, der Fürst des Friedens. Der wird kein Ende machen, das Reich und den Frieden zu vermehren. Es wird dazu kommen, daß die Heiden fragen werden nach der Wurzel Jesse, die den Völkern zu einem Zeichen gesetzt wird, und seine Ruhe wird herrlich seyn. Der Herr wird auf diesem Berge hinnehmen den Vorhang, der allen Völkern vor dem Angeficht hängt, und die Decke, damit alle Heiden bedeckt find. Er wird den Tod M verschlingen. Der Herr Herr wird die . Thränen abwischen von allen Angefichtern, der Sünden. isz ^ und die Schmach seines Volkes durch die ganze Welt hinnehmen, denn der Herr hat x es geredet; zu derselbigen Zeit wird man spre- ? chen: Seht das ist unser Gott, auf den wir ^ vertraut haben, und er hat uns geholfen! das ? ist der Herr auf den wir gewartet haben! .5 Laßt uns frohlocken, und uns freuen irr sei- ? nem Heil! Tröstet, tröstet mein Volk! redet ^ herzlich mit Jerusalem. Denn ihre Misse- that ist versöhnet! Steig auf einen hohen ^ Berg, o Zion! erhebe deine Stimme mit ^ Kraft, 0 Jerusalem, die du gute Bottschaft bringest- nehmet wahr! da ist euer Gott. ^ Der Herr Herr wird wider den starker! kom- ^ men, und ihn mit seinem Arm beherrschen. ^ Er wird seine Heerde weyden, wie ein Hirt. « Er wird die Lämmer mit seinem Arm zusam- ^ men sammlen und sie in seinem Schooße tra- w gen, und die tragenden gemächlich führen. E Frolocket ihr Himmel, und jauchze du Erd- ^ reich. Erschallet ihr Berge vor Freude! ^ denn Gott will sein Volk trösten, und sich seiner Bekümmerten erbarmen. ^ Nehme: wahr, mein Knecht wird weis- ^ lich handle» ; er wird erhöht und erhebt ^ und sehr hoch seyn. Er wird viel Heiden besprengen und entsündigen, und die Könige werden vor ihm ihren Mund beschlieffen < toi denn die werden ihn sehen; denen nichts von L" ihm gesagt worden ist; und die nichts von U ihm gehört haben, werden es verstehen. E 4 Wer ,Q4 Jesus der Vergeber Wer glaubt aber unsrer Predigt/ oder weni ist der Arm des Herrn geoffenbahret? Er wird - Ist dieß nicht die Geschichte unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi? Er wird vor ihm aufwachsen wie ein Schoß, und wie eine Wurzel aus dem dürren Erdreich. Er wird weder Gestalt noch Zierde haben. Wenn wir ihn ansehen, so wird keine Schönheit da seyn, daß wir seiner begehren sollten? Er wird der allerschlechteste und verachteße unter allen; ein Mann voller Schmerzen, und der allerley Elend wohl erfahren hat. Er wird so verachtet seyn, daß man das Angesicht vor ihm verbergen, und wir seiner nicht achten werden. Fürwahr er hat unse- re Krankheit getragen, und unsere Schmerzen auf sich geladen, wir aber hielten dafür, daß er von Gott aeplaget, geschlagen und gepeiniget, aber er ist um unsrer Uebertret- tung willen verwundet, und um unsrer Bosheit willen zerknirscht worden. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden werden wir gesund. Der Herr wollte ihn also mit Leiden zerschlagen, daß, wenn er seine Seele zum Opfer für die Sünde wird gemacht haben, er einen Saamen sehe, und seine Tage erstrecke. Und der Anschlag des Herrn wird durch ihn glücklich von statten gehen. Von der Muhe seiner Seelen wird erFrem de sehen, und satt werden. Mein gerechter Knecht 4 Knecht wird durch seine Erkenntniß viel ge- W recht machen, denn er wird ihre Sünden h, Hinwegtragen. Darum will ich ihm die Menge zu theil geben , und er wird den kh Raub der Starken theilen, darum daß er ^ seine Seele in den Tod ausgeschüttet, und E unter die Uebelthäter gezehlt worden ist, der E doch die Sünden der Menge getragen, und ^ die Uebelthäter erstrecken wird. Sieh und ^ hör es, Sünder, wie tausend und mehr itzN Jahre vorher deinem Jesus voll Gottes ^ Propheten das entscheidende Zeugniß gege- ^ den worden, daß d.urch seinen Namen, ein jeder der glaubt, Verzeihung der Sünden .A empfahen solle! Zeugniß, daß ers sey, der ^ deinen ganzen Glauben, das völlige Zlt- trauen deines sündenbeladenen Herzens ver- T diene. m II. ß)lber zu diesen Stimmen der Propheten <4 geftUen sich noch andere, noch nähere ^ Stimmen! Stimmen von Menschen, die N gesehell und gehört, was so manche Prophe- ^ ten, vor ihnen umsonst zu sehen und zu hö- N ren begehrten- Stimmen von den grösten unter allen die von Weibern geboren. ^ Höre nun auch noch diese! diese noch glaubwürdigere, noch uuwidersprechlichere > lks Zeugen. Sie, die den großen allmächtigen M Sülldenvergeber in seiner sündenvertilgerl- ze E s den Jesus der vergeber den Macht und Güte sahen, ihn die Werke des Satans zerstören sahen - Höre nun auch noch diese, und Gottes Erbarmung gebe, daß du sie mit offener, theilnehmeri- der, gottglaubender Seele hörest. Du sollst seinen Namen Jesus heißen, war der Auftrag der himmlischer: Botten Gottes an Joseph -- da ihm die Geburt des Meßias verkündigt wurde - denn er wird sein Volk von ihren Sünden erretten, und seelig machen - das ist ein Zeugniß vorn Himmel! und eins der ersten Zeugniße aus Erden, ist das Zeugniß der ftomen Greisen Zacharias und Simeon. Gebenedeyt sey der Herr der Gott Israels, denn er hat uns besucht und Erlösung geschast seinem Volk, und hat in dem Hause seines Dieners Davids ein Horn des Heils aufgerichtet, wie er geredet hat durch den Mund seines heiligen Propheten, von Anfang der Welt her! Nach der himmlischen Barmherzigkeit unsers Gottes hat uns der Aufgang aus der Höhe, der himmlische Morgenstern besucht, zu erscheinen denen, die in der Finsterniß und im Schatten des Todes sitzen, unsm Füße auf den Weg des Friedens zu leiten- und auf eine ähnliche Weise giebt ihm Simeon Zeugniß. Meine Augen haben dein Heil gesehen, welches du vor dem Angeßcht aller Völker bereitet hast- Siehe dieser iß gesetzt zum Fall und zur Auferstehung vieler i« Israel. M der Sünden, IS7 - A Und was ruft beym ersten Anblick Jesu - der letzte aller Propheten, und der erste aller § Evangelisten ! Siehe das Lamm Gottes! ^ das da hinnimmt die Sünden der Welt! ' Der Vater, wie hat er diesen Sohn so lieb. ^ Wie hat er ihm alles in die Hände gegeben, ? ö Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige ^ Leben! Wer aber dem Sohne nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen: sondern ^ über ihm bleibt der Zorn Gottes. Und wie A herrlich, wie klar und unwidersprechkich be- M zeugest du selber, Sohn Gottes und der "nH Menschen, die trostvolle Wahrheit, auf deren unsere ganze Beruhigung sich gründet, inii daß mir und allen meinen Zuhörern bey An- W; hörung dieses schon tausendmal ohne Nach- denken und Empfindung angehörten Zeug- A nißes so zu Muth wäre, als ob wirs das « erstemal unmittelbar aus deinem Liebreichen I Munde selber vernähmerl. Also hat Gott die Welt, der Schöpfer ÄL der Menschen, die Menschen geliebet l Gott M den sterblichen sündlichen Menschen geliebet, lD o Mensch, o Sünder - wie sollte dir da- bey zu Muth seyn, wenn du aus dem Mun- ;«!§ de des erstgebornen urw eingebornen Gottes M vernimmst - Gott habe den Sünder seiner ^ Sünden ungeachtet - lieb - Also hat Gott die Welt geliebet, daß er vom Himmel auf ^ die Erde dahmgab feinen einigen eigensten N Sohn, daß ein jeder, der an ihn glaubt, - E6 Acht IO8 Jesus der Vergeber nicht verloren werde , sondern das ewigr Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn, o Worte, bey denen die Herzen aller Sünder aufhüpfen und jauchzen sollten. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt ge-' sendet, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn stetig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, darum, daß er nicht an den Namen, und an die Heils- und gnadenvolle Person, des eingebornen Sohns Gottes geglaubt hat. So wie der Kranke', der nicht an einen treuen, helfenden Arzt glauben will, schon krank ist und krank bleibt, weil kein Zutrauen ihn treibt, die noch einzige mögliche Hülfe des Arztes anzunehmen. Was ist M. Th. das ganze Leben Jesu anders, als ein wiederholtes, unaufhörliches , fortgesetztes Zeugniß - Jesus ist der Vergeber der Sünden! Jesus hilft von jedem Uebel, und er hilft jedem, der mit einfältigem Vertrauen zu ihm kommt. - Was ist die gewöhnliche Sprache Jesu, als Muth einsprechen! Was ist das gewöhnliche Geschäft Jesu, als Wohlthun und Helfen? ! Uebel vertilgen ? schlimme Folgen der Sünde aufheben und zernichten? vom Elend be- sreyen? Leben mittheilen? glücklich machen? Wenn kein Buchstabe stinethalben weder von ihm selber, noch von andern bezeugt > wor- der Sünden. IO9 !lisi D iW worden wäre, wäre nicht sein ganzes Leben, thätiges, sichtbar handelndes Zeugniß gewesen ? hätte es für alle Zeugen dieses hülftei- chen Lebens eines andern wörtlichen äußerlichen Zeugnißes bedurft ? -- Aber Gott, der da will, daß alle Menschen zur Erkenntniß der Wahrheit kommen; der auch auf die entferntesten Nationen, und auf noch unge- borne Geschlechter einen väterlichen Blick geworfen hat - läßt die Wahrheit, an deren dem Sünder mehr als an allem in der Welt gelegen seyn sollte, auch noch mit mannich- faltigen wörtlichen Zeugnißen auf alle mögliche Weise mit aller Deutlichkeit und Stärke bestätigen. - Das neue Testament ist voll der unzweifelhaftesten und entschetdensten Zeugniße! ist mehr, als kein Buch unter den Millionen Büchern, in der ganzen weiten Welt, ein wahrhaftes Evangelium, eine fröliche Nachricht von der allmächtigen Barmherzigkeit Gottes in Jesu Christo gegen alle bußfertige und gläubige Sünder. Erwecke deine Aufmerksamkeit aufs neue o Sünder, und vernimm die frölichste aller Bottschaften, die je vom Himmel auf die Erde gekommen. Jesus Christus selbst ruft dir zu: warlich, warlich, ich sage euch: wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben! So jemand nach Gnade, Kraft, Leben, Heil dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, aus dessen E 7 Leib HO Jesus der Vergebet Leib werden Ströhme lebendigen Wassers stießen. Ich bin die Auferstehung und das Leben ; wer an mich glaubt, ob er schon stürbe, wird er doch leben; und wer da lebt, und an mich glaubt, der wird in die Ewig- ? keit nicht sterben. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich. Der Apostel Jesu Christi ruft dir zu: Es ist in keinem andern Errettung und Heil, es ist auch kein andrer Name unterm Himmel den Menschen gegeben, keine andere Person ihnen bekannt gemacht worden, wodurch sie von der Sünde und jedem Uebel errettet und stetig werden können, als allem die Person und der Namen Jesu Christi. So sey euch nun kund , ihr Männer Gebrüder, daß euch durch diesen die Verzeihung der Sünden verkündigt wird, und daß ein jeder, der da glaubt, von allem, wovon ihr durch das Gesetz Mvsis nicht mochtet gerecht gesprochen werden, durch diesen gerecht gesprochen wird ; denn also hat uns der Herr befohlen zu predigen. Ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, daß du mein Heil seyest, bis ans Ende der Erden. - Diesem Jesu geben Zeugniß alle Propheten, daß ein jeder, der an ihn glaubt, Verzeihung der Sünden durch seinen Narm» empfahen Alk. III der Sünden. ^ Und wer M. Th. kann die Briefe Pauli > lesen, ohne beynahe auf allen Blättern die- ^ se trostvolle Wahrheit bezeugt und dann be- ^ stätigt zu finden? Ich schäme mich, sagt ^ dieser treue Zeuge Gottes, des Evangeliums A Christi nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, ^ zum Heil einem jeden, der da glaubt, denn ^ bey Gott ist keine Annehmung der Person. So schließen wir nun, daß der Mensch E durch den Glauben ohne die Werke des Ge- setzes, ohne Rücksicht auf das übertrettne Gesetz, ohne vorige Werke, gerecht gespro- ^ chen und begnadigt werde, und das ohne ^ Unterscheid der Nation : oder ist Gott allein 7 der Juden Gott ? Ist er nicht auch der Hei- ^ -en Gott? Ja freylich auch der Heiden! E Sintenral ein einiger ist, der die Beschnei- v düng, das ist, die Juden, und die Vorhaut, ^ das ist, die unbeschnittnen Heiden, durch i'k den Glauben gerecht sprechet) und beguadi- gen wird. Leset das ganze 4. Cap. an die ^ Römer und beherziget besonders den Schluß m von dem Glauben Abrahams auf den unsri- B gen. Abraham hat Gott geglaubt, und es D ist jhm zur Gerechtigkeit gerechnet worden; A es ist ihm zum Segen geworden. Denn W dem der Werke thut, wird der Lohn nicht nach der Gnade, sondern als eine Schuld O zugerechnet; dem aber der den Gottlosen * gerecht spricht und begnadigt, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet, zum . ewigen nr Jesus der Vergeber ewigen Seegen und Heil werden. Abraham hatte, heißt es, aus Unglauben an der Verheißung Gottes nicht gezweifelt, sondern ward stark im Glauben; gab Gott die Ehre, und war dessen völlig versichert, was Gott f verheißen habe, das sey er auch mächtig zu thun, drum ist es ihm auch zur Gerechtigkeit , zum besten angerechnet worden. Es ist aber, o wer Ohren hat zu hören, der ! höre, es ist aber nicht allein um feinet wil- ! len geschrieben, daß es ihm sey zugerechnet ' worden, sondern auch um unsertwillen, ' denen es ebenfalls zugerechnet, angeschrie- ' ben werden, und zum Heil gedeyen wird, l wenn wir an den glauben, der Jesum um l fern Herrn von den Todten auferwecket hat, § welcher um unserer Sünde willen dahinge- geben, und um unserer Gerechtsprechung willen und Begnadigung auferweckt worden ist. So wir nun aus dem Glauben gerecht- ! gesprochen und begnadigt sind, so haben wir ! Frieden mit Gott, durch unsern Herrn Je- j sum Christum, durch welchen wir auch den Zugang erlanget haben, zu dieser Gnade, durch den Glauben. Gott preiset seine Liebe gegen uns in dem, daß Christus für uns ! gestorben ist, da wir noch Sünder waren. So werden wir nun ja vielmehr durch ihn vor dem Zorn erhalten werden, nachdem ! wir versöhnet sind. ! Chri- der Sünden. uz R Christus ist das Ende des mosaischen (Hetz setzes sür einen jeden, der an ihn glaubt. Molch ses schreibt wohl von der gesetzlichen Gerech- tz tigkeit und Religion, welcher Mensch alle itz diese Dinge thut, der wird dadurch leben, ilk Aber die Glaubensreligion und Gerechtigkeit R spricht also - wenn du mit deinem Mund T bekennest, daß Jesus der Herr sey, und rnl,> glaubst in deinem Herzen, daß ihn Gott von W den Todter: auferwecket h«t, so wirst du see- B lig werden. Denn die Schrift spricht: ein Ui jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschan- iP den werden; denn es ist hie zwischen Juden M und Heiden kein Unterscheid, fintemal ihr D aller ein einziger Herr ist, reich genug für M alle die ihn anrufen, denn ein jeder, der den G Namen des Herrn anrufen wird, wird see- A lig werden- wie ists möglich, klärer, ent- klU scheidender, bestimmter, unzweifelhafter zu M bezeugen, daß ein jeder, der an Jesum glaubt, G im Herzen an ihn glaubt, mit dem ganzen m Zutrauen seiner Seele fich auf ihn stützt - durch seinen Namen, durch ihn selber Ver- zeihung der Sünden empfahen soll; daß er ^.uns von Gott gemacht zur Weisheit, zur M Gerechtigkeit, zür Heiligurrg und Erlösung; „ daß niemarrd möge einen andern Grund le-- ^gerr, außer dem gelegter:, welcher ist Jesus Christus; daß dieser der einzige Mittler zwischen Gott urrd uns Menschen sey, der fich selbst zum Lösegeld sür alle dahingegeben -- l- daß, r 4 Jesus der Vergeber der Sünden. daß, wann jemand gesündigt hat, wir an ihm Jesu Christo dem Gerechten einen Fürsprech haben beym Vater, einen Sachwalter im Himmel, der die Versöhnung für unsre und der ganzen Welt Sünde ist. - O ihr geliebten Seelen, könnt ich's dem laut und unvergeßlich und apostolisch genug, könnt ichs mit der Stimme des grösten aller Sünder und aller Begnadigten in euere Herzen rufen: Dae ist ein gewisses Wort und würdig, daß es in allweg angenommen werde, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder seelig zumachen; unter welchen ich der vornehmste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit bewiesen worden, daß Jesus Christus an mir dem Vornehmsten alle Lanqmüthigkeit er- zeigete, denen zum trostvollen Exempel die künftig an ihn glauben würden, daß sie ewig- Leben empfiengen. Ihm, dem König -e; Ewigkeit, dem Unsterblichen, dem allein weisen Gott, sey Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Sechste M G M - 115 ^ Sechste Predigt. ß Apost. Gesch. x, 4z. >k _ 'K- «Jesus ein vollkommner Vergebet ^ der Sünden !ltz aller, ^ -Le an ihn glauben. iu Beschluß. M einmal hab ich euch diese schon mehr- ^ ^ mals vorgelesene und beherzigte Worte vorgelesen, um noch in diKr Abendstunde das eine und andere nachzuhohlen, und euern Herzen näher anzudringen, was bis dahin noch nicht angeführt werden konnte. »Einiges wird vermuthlich nur einige wenige, s anderes mehrere, und noch anderes alle an- ^ gehen. r - Der euch M. Th. bis dahin aufmerksam gemacht, und unsere Betrachtungen über ^ die 116 Jesus ein vsllkommner die Vergebung der Sünden durch Jesum Christum, welche sich alle, die an ihn glauben, versprechen dürfen, gewiß nicht ganz ungeseegnet gelaßen hat, der erwecke auM noch dießmal euere Aufmerksamkeit, öffn^ auch noch dießmal euere Herzen der Wichen Bottschaft vom Himmel; Laße ach dießmal viel Licht und Trost und erfreuend Kraft von mir ausgehen, und in schmachtende Herzen dringen, daß sie sich freuen in der Barmherzigkeit Jesu Christi. Amen. Abhandlung. YNer ist unter uns, Andächtige, demW trostvolle Wahrheit in unserm T« nicht wichtig sey, nicht über alles in der MlW wichtig seyn sollte? Wer von uns sollte jitM ohne innigste Rührung, wer mit einem ganz gleichgültigen Herzen anhören können? M von uns ist nicht Sünder ? Wer hat keim üble Folgen seiner Sünden zu besorgen? Wer muß nicht beym Andenken an die unzähligen Thorheiten, die er begangen, an die tausend Vergebungen, Uebereilungen B Missethaten, deren er sich schuldig gemacht- erzittern? Ja, meine Freunde, tief erzittern sollte jeder vor Gott, vor dem EM gelio und vor seinem eignen Gewissen, Ä Vergeber -er Sünden. 117 schämen, jeder Sünder vor Himmel mi,md Erde, vor Engel und Mensthen und ^Satan, wenn er sich seine Vergehungen und ^ Thorheiten lebhaft vergegenwärtigt. Aber, ^ver erzittert, wer schämt sich ? Niemand beynahe, denn beynahe niemand nimmt sich Zeit ^tber sich selbst und sein bisheriges Betragen, Ai Begleichung mit den Forderungen des Evangeliums und seines Gewissens, nachzudenken! Und das ist die Ursache, warum uns ^ie allerwichtigste Lehre von der Vergebung lnserer Sünden durch Jesum Christum grö- lentheils so ganz unwichtig und gleichgültig st. So sehr wir Sünder sind, wollen wir licht Sünder seyn. Wir wollen uns nicht . ür das erkennen, was wir sind, wollen die Gefahr nicht merken, irr der die meisten aus Mlns gleichsam versenkt sind, und daher die ^Gleichgültigkeit gegen Christum: was Ret- l^er aus einer Gefahr, wenn wir die Gefahr Glicht sehen? Was Hülfe, wenn wir keiner M)ülfe zu bedürfen glauben? WasVerge- ch»er der Sünden, wenn wir nicht Sünder l bßmd, uns nicht als Sünder erkennen und > Empfinden. Da fehlts, Theureste, wer rncht Mrank ist, sich nicht krank fühlt, geht zu keinem noch so geschickten, noch so redlichen, Wewiffenhasten und bewährten Arzte, um ,L eine Gesundheit bey ihm zu suchen. - Wer Wch nicht Sünder fühlt, seine Entfernung ck)on Gott und stiller Ordnung nicht wahrnimmt, n 8 Jesus ein vollkommner jki nimmt, nicht drüber erschrickt, sich nicht an dem Abgrund erblickt, an dem er doch wirklich ist -- der ruft nicht um Hülfe -- der sehnt sich nicht nach der errettenden Hand des Erlösers, der schmachtet nicht nach Vergebung, nach Erlösung von der Last des Elendes, das ein sündliches Leben auf des Sünders Sech häufet. Dabey also muß angefangen seyn - man muß sich als Sünder erkennen, empfinden und bekennen, wenn man begnadigt, wenn man von der Sünde, und allen ihren schlimmen Folgen frey werden will. Wem die Vergebung der Sünden wichtig werden soll, dem muß die Sünde, dem müßen die Folgen der Sünde erst recht wichtig werden. Fasse dieß, mein Zuhörer, es ist leicht und' einfältig zu fassen - Ueberdenke die Krankheit, vergegenwärtige dir ihre Uebel und Beschwerden, daß dir Lust im Herzen aufgehe, ihrer Los zu werden, daß der nahe hulfrei- che Arzt dir wichtig, dir unentbehrlich werde. Erwache, überdenke und merke die Gefahr, in welcher deine Seele schwebt, da- Errettung dir wichtig werde! Steh still, und säume dich bey dir selbst und deinem eignen Herzen! Sieh es an, so wenig schmeichelhaft dir dieser Anblick seyn wird, wie sehr er dich immer demüthigen muß- wende deine Augen so schnell nicht weg. DeiW Eigenliebe und dein Stolz werden dir Hin-" dem- , i! Sünden so viel wären, als Sand am Meer, ch»daß sein ganzes Leben nur eine einzige Sün- ß! -de wäre - dennoch, will er, kann er begna- F -r digt ,24 Jesus ein Vollkomm ner digt werden! Sucht er, findt er Gnade! Klovst er an, wird ihm aufgethan! Es iß Kraft da für alle! Liebe für alle! Ein Heiland für alle, für die größten Sünder, wie für die geringere! So wie Kraft und Liebe s genug in Jefu war, für Kranke, die wenig Tage, und für Kranke, die viele Jahre lang, krank und elend waren. Hast du Glauben genug, so hat Jesus Christus auch für dich Kraft und Liebe genug, allen Schaden, alle schlimmen Folgen deiner Vergebungen, aufzuheben, zu vertilgen, oder zu vergüten - Weißheit genug, Anstalten und Ordnun- gen zu machen, daß deine Sünden, die dir und andern sonst den größten Schaden gebracht hätten, dir und andern nicht nur unschädlich, sondern sogar noch, wie die Ge- * i schicht Josephs aus dem Alten und die Ge- ! schichte des Falls Petri und der Begnadi- i gung Saulus, aus dem N. Testament, ein § Beyspiel davon abgeben kann, zum groß- z ter: und augenscheinlichsten Seegen werden. § Jesus Christus hat immer unendlich viel - mehr Macht, Weißheit und Güte als du i glauben kannst, unendlich mehr als zur Ber- § tilgung aller deiner Sünden, zur Aufhebung r aller ihrer schlimmen Folgen, zu Vergütung § alles des Schadens, der dadurch in Gottes t Welt verursacht worden, nöthig ist. Siehe l er ist das Lamm Gottes, das da hinnimmt' ! die Sünden der Mrzen Welt! Die Sünden d!- Vergebe der Sünden. 12s den der ganzen Welt, warum nicht auch deine ? Der allen helfen kann, warum dir nicht? Der allen helfen will, warum dir nicht? Der niemand abwieß/ warum dich abweisen? Der allen / die zu ihm kamen, freundlich begegnete/ warum dich hart anfahren ? O! mein Bruder/ o! meine Schwester/ was soll ich sagen/ daß du mir/ daß du nicht mir / daß du dem Evangelio Jesu Christi glaubst ? Daß du dich durch Unglauben der Gnade nicht unfähig machest / nach der du doch so sehnlich schmachtest/ und die dir doch so schlechterdings unentbehrlich ist 7 Was kann ich mehr sagen/ deine Aufmerksamkeit zu erwecken / und deinen Glauben zu stärket!/ als was ich schon über unsere Textesworte in fünf Predigten gesagt habe. So gewiß vor 1700. Jahren der Stifter der christlichen Religion lebte und starb/ , handeln gesehen! Solche Macht hat er A ,, über den Satan/ und so manche körper- A „ lich üble Folge der Sünde bewiesen. Tau- M „ ftndmal hab ichs mit meilrerr Obren ge- ^ „hört/ daß er zu sich einlud/ nicht fromme, ^ „ nicht heilige, nicht unsträfliche / sondern ^ „ demüthige Sünder/ die ein Vertrauen zu ^ „ihm hatten; daß er die segnete / absolvir- ^ v, te, begnadigte, die ihr Vertrauen auf ihn ^ „ setzte«/ wenn sie sonst ihres Elends kein W „ Ende und ihres Jammers keinen Ausweg M >, mehr wußten. Ich bin selbst ein Zeuge 7? ^ seiner allmächtigen Barmherzigkeit. Auch m d, ich war ein Sünder/ auch mich hat er be- ,, gnadigt; auch ich war voll Stolz / voll M „Weltliebe/ voll Neid/ voll Wollust und n. ^ „ Eigennutz/ voll aller sündlichen Gelüsten. >!« „ Ich schämte mich meiner Gesinnungen; ich fühlte mich elend und hoffnungslos O „ bey meinen Sünden -- da lernt ich ihn lA „ kennen! da hört ich von seiner Güte! da U „ sah ich seine hülfreiche Macht. Glaubte- Se z „ und war durch diesen Glauben der Einstufig « se seines Geistes empfänglich und fähig." Laß dir seyn, so reden die Apostel/ so reden n. andre Sünder/ die Jesus Christus begna- 5' digt/ erlößt und beseeligt hat/ mit dir; K würdest du dann nicht glauben? Nicht Muth U fassen ? nicht auch für dich seine Macht und ^ - Güte vorhanden glauben? Jsts nun nicht iL eben so viel, als wenn diese Männer vor , F 4 dir 128 Jesus ein vollksmmner dir stünden, wenn sie in ihren hinterlasse, nen Schriften von der Macht und Güte Jesti zeugen? O mein Bruder, o meine Schwester, höre diest Zeugen! willst du der Sünde, / willst du aller ihrer ewigen schlimmen Fol- gen los werden, so erheb aus der Tiefe deines Elendes dein Haupt, und deine stehende Hände zu der allmächtigen Barmherzigkeit ! die alles, was die Sünde an der mensch- ! kichen Natur zerrüttet hat, wiederherstellen, i verbessern, erneuern, unsterblich machen, i und dich aus dem Reich der Finsterniß im t Licht - aus der Gewalt des Satans in das i Reich des geliebten Sohns versetzen kann ! und will. l Hsber meine Sünden sind zu groß, als daß ^ sie mir könnten verziehen werden, hör ich, vielleicht mit einem bessern Herzen als Cain, manche angefochtene betrübte Seele sagen. Es ist wol wahr, daß ein jeder, der an Jesum glaubt, Verzeihung der Sünden durch seinen Namen empfahen solle. Aber wenn dieß Wort alle angeht, so gehts doch mich nicht an! Und warum dich nicht? - darum sprichst du, oder denkst du bey dir selber - denn du darfsts nicht heraussagen -- darum weil ich die unverzeihliche Sünde in den Vergeber -er Sünden. —129 den heiligen Geist begangen habe - Sehet ^ Andächtige, eine Einwendung, welche schon ^ viele hundert Seelen auf den Tod geängstigt ? und gleichsam gefoltert, sie gegen alle tröff- ? liche Zureden, alle evangelische Ermunte- A rungen unempfindlich gemacht hat. Würd ^ ich so glücklich seyn, diese Hinderniß des ^ Glaubens zu heben, so würde der heutige ^ Tag mir einer der wichtigsten Tagen meines ^ Lebens seyn, und wenn man aus der heuti- M gen Predigt, ja wenn man aus allen Pre- -igten, die ich über unsern Text von der Ver- gebung der Sünden gehalten habe, nicht ^ das mindeste sollte bewahrt, nicht den min- A: besten Segen, welches ich doch nicht hoffen will, geschöpft haben sollte, so würd ich mich schon glücklich schätzen, und meine Bemühungen , euch diese Lehre recht deutlich und wichtig zu machen, schon für belohnt genug t halten, wenn ich nur wenigen schwermütht- ln gen und angefochtenen Seelen, durch das, y! was ich jetzt noch sagen werde, wahre Er- ^ leichcermig und Beruhigung verschaffen kl kann- So öffnet dann, ihr theure Seelen, L so gut es euch möglich ist, der tröstenvett r Wahrheit, die euch Gott in dieser Stunde >k! gesendet, Ohr und Herzen. " Ihr könnet, e „ sagt ihr, ihr könnet keinen Trost anrieh- k » men. Alle evangelische Verhüllungen ge- D. „ hen euch nichts an; ihr könnet keine Ver- t 8 5 gebung i IZS Jesus ein vollkommner ^ aebung der Sünden empfangen, weder „ in dieser, noch in der zukünftigen Welt- „ denn ihr habet die Sunde in den heili- „ gen Geist begangen, und wer diese be- „ gangen habe, der könne sich durchaus „ keine Vergebung versprechen, er habe an- », ders nichts als das ewige Gericht zu er- „ warten." Wenn Seelen zugegen sind, die diese Gedanken bey sich hegen, oder auch schon etwa bey sich gehegt haben; wenn Seelen zugegen sind, die zu solchen schwermüthigen Gesinnungen einigen Hang bey sich merken, wenn Seelen zugegen sind, die mit solchen schwermüthigen, trostlosen undtrostfiiehen- den Herzen Umgang und Gemeinschaft ha-. ben, so bitt ich, und beschwöre sie vor dem Angesicht dessen, der in die Welt gekommen ist, nicht die Welt zu richten, sondern die Wett seelig zu machen -- mir nur einige Minuten mit Ruh und Aufmerksamkeit zuzuhören. - Denn ich habe ihnen im Namen Gottes zusagen: daß sie die Sünde, die sie glauben begangen zu haben, nicht begangen haben, - schlechterdings nicht begehen konnten. S Gott, was hätt ich gewonnen, wenn ich euch auf diese Versicherung aufmerksam machen könnte; diese Versicherung, die so wahr ist, Ätz itz- ch chi 'ir!k I1L Vergeber der Gändett. izi als das Evangelium Jesu Christi , so wahr, als es wahr ist, daß ich hier vor euch stehe. Ihr habet, sag ich, die Sünde in den heiligen Geist nicht begangen, ihr könnet sie schlechterdings nicht begangen haben, und bey der gegenwärtigen Zeit und Lage der Sachen nicht begehen. Fürs erste M. Th. ist überall, welches ihr kaum glauben werdet, und welches unwidersprechlich gewiß ist, es ist überall von keiner Sünde in den heiligen Geist in dem Eoangelio die Rede. Dieser Mißverstand ist die erste Quelle eines viele Seele martrenden Irrthums -- Nicht von einer Sünde in den heiligen Geist, redet Jesus in drey eitrigen Stellen, welche so sehr zu euerer Beängstigung mißbraucht werden, sondern von einer Lästerung, Lästerung des Geistes. Es ist ein großer Unterschied zwischen einer gemeinen Sünde gegen Gott, und zwischen einer Lästerung Gottes; ein himmelwerter Unterschied, wenn ein Kind durch gemeinen Ungehorsam sich an seinem Vater versündigt, und wenn es" seinen Vater lästert, und mit Fluch und Lä- sterworten anfährt. Es ist kein vernünftiger Mensch auf Erden, der nicht gestehen müße, daß hierum ein großer Unterschied sey. Ue- berhaupt einem Vater, einerObrigkeit, oder der Gottheit ungehorsam seyn - und den F s Vater, rzr Jesus ein v-llkommner Bater, die Obrigkeit/ die Gottheit lästern. Und nur von einer Lästerung / und zwar nicht überhaupt von einer Lästerung Gottes und Christi / sondern von einer Lästerung des heiligen Geistes/ das ist des wunderwür- kenden Gottes/ des Gottes/ der fich durch Zeichen und Wunder offenbaret/ redet Jesus. Man sollte also niemals von der Sunde in heiligen Geist/ als einer unverzeihlichen Sünde reden. Unzählige Sünden wi- der den Geist Gottes/ wider den wunder- i würkenden Gott/ und noch mehr/ wider den > uns in unsern Herzen zum Guten antreiben- I den Gott sind - durch Jesum Christum ver- I geben worden. Nicht ein einziger sterblicher i Mensch wäre im Himmel/ nicht einer, wenn ! die so verstandne Sünde in den heiligen Geist, . i das ist, Empörung wider die guten Triebe > i des Geistes Gottes, in uns nicht Vergebung d erhalten könnte. Aber Jesus redet nicht von k der Sünde in den heiligen Geist, als einer z unverzeihlichen Sünde, durchaus nicht, soll- U dern er redet von einer Lästerung des Gel- d stes. Und versteht er unter dieser Lästerung j des Geistes etwa böse, lästerliche Gedanken, § die in dem Herzen eines ängstlichen, schwa- § chen, furchtsamen Menschen wider seinen Willen aufsteigen, und die ihm selber uner- > träglich sind? Meynt er etwa solche Gedan- > tzn,- welche den, in dessen Seele sie wider l seinen I vergcber der Sünden. A seinen Willen aufsteigen, in die äußerste Ve- ^ trübniß fetzen? deren man herzlich gern los N seyn möchte, die man nicht mit Wohlgefal- ? len, sondern mit dem äußersten Abscheu an- ^ steht ? - Diese lästerliche Gedanken, die auch irr den frömmsten Herzen aufsteigen können, diese Pfeile des höllischen Bösewichts, die ^ das größte Leiden einer angefochtenen Seele W find, diese sollten eine Lästerung des heili- ^ gerr Geistes seyn, die in Ewigkeit nicht kann ^ verziehen werden? Nimmermehr M. TH. 7^ nimmermehr, nur der Urheber dieser lästere ^ lichen Gedarrten, nicht du, nur der Satan, A wird fie zu verantworten Haber;; Nicht du, ^ nur er wird am Tage des Gerichtes Scharr- ^ de davon haben, und ewig dafür gerichtet ^ und gepeiniget werden. Diese Gedanken sind überall keine Sünde, geschweige eine Sün- U de in den heiligen Geist, am allerwenigsten ^ Lästerung des heiliger: Geistes, die keine Ver- A gebung weder in dieser noch in jener Welt zu hoffen hat. Und was dann M. Th. ist .?! diese unverantwortliche, unverzeihliche Lä- L sterung des Geistes, welche heut zu Tage, A bey der itzigen Lage der Sachen nicht kann 4 begangen werden?- ^ Was auch immer etwa von unvorstchti- kü gen Lehrern, und verworrenen Schriften, und ängstlichen Andachtsbüchern davon ge- k - sagt werden mag - welches ist die Lästerung » u» 7-cr» ^7r» m. A. z. as läßt sich dem armen unruhigenMen- schen wichtigers sagen, als: Es ist jemand, der dir zuruft, -- zu mir her! zu mir! Mühseeliger und Beladener! Ich will dir Ruhe geben! Was kann ich euch, versammelte Christen, da ihr mir erlaubet, in dieser Stunde E. A. zu unterhalten - was kann ich euch wohl angenehmers und nützliches zurufen, als was ich gern allen Einwohnern des Erdbodens, was ich/ wo ich in der Welt immer hinkommen möchte, allen 142 Einladung zur Ruhe ,r rr sr r; » »r allen-ie Christen, und allen, die Menschen heißen, mit frölichem Herzen tief in die Seele rufen möchte - Zu Jesus Christus hin! Ihm näher! Sein seyd ihr! Euer ist Er! Er hat, was ihr wünscht; Er giebt, was ihr bedürft; das mannigfaltige Elend, das euch drückt, nimmt er auf stch - die See- Weit, die er genießt, wälzt er auf euch. Schaafe zerstreut, wie eine Heerde, die keinen Hirten hat - warum entfernt ihr euch von dem besten, dem treusten Hirten? - zerstreut euch hin und her in die weiten Wüsten ? Sucht hier Ruhe, sucht dort Frieden der Seele? und sucht diese Ruhe hier vergebens; und diesen Frieden dort vergebens - arme, ruhlose, -- wie lange sticht ihr zur Rechten und zur Linken? Immer ums Ziel herum? So dürstend nach Ruhe - und immer vorbey ani Quelle der Ruhe - Gedoppelte Thorheit, ihn den Brunnen lebendiger Wasser ver- „ laßt ihr, und grabt euch selber Sodbrün- nen, ja zerbrochene Sodbrünnen, die kein Wasser haben. Kommt zu Christus, alle die ihr dürstet; und die ihr kein Geld habet-- kommet hieher, zu finden, was ihr bedürft - wen dürstet, der komme zu ihm und trinke! und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens - alles, was seine Seele laben und erquicken mag, um- ,, sonst? -" Was, Andächtige, was kann » sr rr bey Jesus Christus. iLr IG stichln einer Stunde, da ich euch das ersteig mal in meinem Leben zu sehen das Vergnü, biegen habe, euch, eure besondere Denkungs- ^z art und Bedürfnisse nicht kenne, und kennt ^ ich sie, ohne Unbescheidenheit und lächerli- che Anmaßung weder zu verbessern, noch zu y < befriedigen unternehmen könnte - was kann Mich euch wichtiger^ angenehmers,nützliches 1 ml ans Herz legen, als-- ^ Die Einladlmg Jesu Christi zu sich, als M der einzigen Quelle wahrer Beruhigung 2 und Glückseligkeit für die Menschen. L Wer wird ihn nicht gern - wenigstens hören, diesen Ruf der unendlichen Erbar- ^?numg - Kommet zu mir alle, die ihr müh- A'selig und beladen seyd. Ich will euch Ruhe "Meben- Nicht alles, nur sehr wenig, was Silber diese Worte gesagt werden kann, werd' Wich in dieser Stunde sagen können. Ich begnüge mich, Andächtige, euch I. Auf die allgemeine Unruhe, Mühsee- W^ligkeit und Beladezeit aller Menschen, ein Wenig aufmerksam zu machen -- W II. Ich werde euch zu zeigen suchen, daß M. Jesus Christus die einzige Quelle aller Be- inN ruhigung für alle Mühseelige und Belade- ikune sey. in. Endlich wollen wir erwägen, was m das eigentlich heiße: zu Jesu, dieser Quelle der Ruhe kommen. - Eure 142 Einladung zur Ruhe Eure Aufmerksamkeit darf ich mir nicht ausbitten, unbekannte Gcliebte-Ich weiß, mit welcher Andacht ihr das Wort des Herrn anzuhören gewohnt seyd -- Ich sehe die Aufmerksamkeit, die die Wichtigkeit der menschenfreundlichen Einladung Jesu erfordert. Ich sehe sie schon in euren Blicken. Mir bleibt also nur der Wunsch übrig - höret ße nicht nur mit dem Ohre - faßt sie auch uns mit dem Herzen - daß ihr Ruhe findet für eure Seelen. - Und du, Jesus Christus! einzige, ewige Quelle aller Ruhe und aller Kraft, alles Lebens, und aller Freude! Allgütigster! Allmächtigster ! Allgegenwärtigwürksamer! Allbeherrschender! Einziger! Unvergleichbarer! Höchster! Nächster! Menschlichster! Göttlichster! Erhabenster! Demüthigster! Herrlichster! Freundlichster! Bester! Seligster!- Ach, deine gnadenvolle huldreiche Einladung zur Ruhe in dir - O möchte ße Mark und Gebein durchgingen - dringen bis auf die Scheidung der Seele und des Geistes ! Möchte Durst nach dir, einzige, ewige, nahe, offne, überflieffende Quelle aller Zufriedenheit und Seeligkeit in unsern Herzen erweckt - Möchtest du uns, 0 du - unsere Weisheit, unsere Gerechtigkeit, unsere Heiligung und Erlösung -- du - (O kein Mensch weiß, was du bist, als wer deine göttliche Kraft und deine ewig beruhigende Liebe ge- li< r> 4 s U r-il h! U M ll! U! 2 bey Jesus Christus. ^.z glaubt, und erfahren hat) Du - O möchtest dir uns über alles wichtig und unentbehrlich werden! Amen. Kommet her zu mir/ alle, die ihr müh- stetig und beladen seyd. Ich will euch «Muhe geben. Mr Laßt uns/ meineTheureste! vor allen ^ Dingen/ die allgemeine Unruhe/ Mühsee- Wllgkeit, und Beladenheit aller Menschen, Wtzin wellig beherzigen. W Wer ist unter uns/ Geliebte Gottes / so mAoiel unser hier vor Gott zugegen sind / der VAncht, er sey so gesund/ so glücklich/ so reich/ M!!so weist/ als man immer will/ natürlicher «Meist sich in einem mehr oder minder fühl- A! Waren Zustand der Unruhe / der Unzufrie- Ee Wenhcit befinde ? wer / derr keine Last drücke ? tckwer, der bey allem ansserlichen Wohlstände, m-kbey allen Talenten/ Kräften/ Geschicklich- eMkeiten / die ihm imnler eigen seyn mögen - W Muhe habe in seiner Seele? wer / dessen ttHerz nicht hin und her stürme - Ruhe zu MAchen? wer/ der sich/natürlicher Weist, k-ttmd ohne und außer Christo - fest halte? Min sich selber stehe? seines Daseyns sich ganz Wund ohne Furcht freue ? sich freue, zu seyn, einerund das zu seyn, was er ist? sich freue des W Himmels und der Erde? sich freue Gottes und 144 Einladung zur Ruhe und der Menschen? des Lebens und des Leidens ? des Todes und des Gerichts? der Zeit und der Ewigkeit ? -- Nicht einer, von Millionen, nicht ein einziger-- Nicht einer, der nicht weniger oder mehr unaufhörlich mit Unruhe, Zweifel, Elend und mannigfaltigen Belästigungen und Mühseligkeiten kämpfe. - Alle unsere Bemühungen, Arbeiten, Unternehmungen, unsere Zerstreuungen, unsere Ergötzlichkeiten - unser Thun und Lassen, die Beschwerden alle, die wir freiwillig über uns nehmen, was ist alles das anders, als immer würksamer, immer reger, immer forttreibender Durst nach Ruhe, nach Ruhe. - Unruhe ist das Element der gefallenen menschlichen Natur - aber ein Element, worinn sie nicht ausdauren kann - Es iß kein einziges Kind Adams auf Gottes weitem Erdboden das nicht unterm Drucke irgend eirler Last seufze, oder nicht Ruhe suche, Ruhe bedürfe, nicht in irgend einem Sinne mühselig und beladen sey. Alle rennen, wenn ich so sagen darf, die Welt auf und ab - um Ruhe zu suchen, und die wenigsten wissen wohin ? alle bettln, sozusagen, von allem, was ihm begegnet-Ruhe, Zufriedenheit-- innere- Vergnügen -- aber alles, was uns begegnet - sey's Reichthum, sey's Ehre, sey's Wolluß, sev's bey I-esus Christus. ^—145 sey's Gelehrsamkeit, sey's Erkenntniß, Wis- senschast, Weißheit- alles läßt uns unbe- -U ruhigt- alles kann uns allenfalls etwas, ^ einen Schein der Ruhe, einen Schimmer NU von Zufriedenheit, einen Augenblick von M Glückseligkeit geben -- alles kann uns zer- E streuen, einschläfern, oder betäuben - aber ^ nichts ganz innigst, sicherst, wahrhaft, be- ruhigen. Ich sage, M. Th. nichts als was jeder aus euch unfehlbar als wahr empfim Aden muß. Wertn wir zehn, zwanzig, dreißig Jahre E"hin und her gerennt sind-- wenn wir alles ^versucht haben -- alles ergriffen, umfaßt, "^verschlungen haben, was uns Beruhigung . . und Zufriedenheit zu versprechet) schien -- W sind wir nicht am Ende dieser zehn, zwanzig, M dreißig Jahre, wieder wo zuvor? Gleich weit, oder noch weiter entfernt von dem « Ziele, wornach wir strebten, von der Ruhe, die wir verlangten ? Nicht, wie zuvor, die M mühseligen, beladenen Menschen - Die '«iLast hat sich nur vervierfacht - verhundertfacht- wir haben uns nur in tiefere Laby- Wk rinthe verwickelt; in Unruhe und Elend tief- beziirfer hinab gearbeitet- unsere sinnlichen Be- m ü gierden, unsere schleichenden - oder unsere >, ^ stürmischen Leidenschaften - die, die sind im- W-k mer da, mächtiger, herrschender immer; nstz nicht nur eine zartrieselnde Quelle, ein un- gsk aufhaltsamer Waldstrom von Unruhe - G Ach! !46 Einladung zur Ruhe Ach! wie die alles trübe machen/ alles überschwemmen und verheeren - die uns mit sich hinreißen/ wo wir nicht wollen - uns mit Elend überfallen - das wir- ach wie wenig! in ihrem Schooße vermutheten- Befriedigt und unbefriedigt machen diese Leidenschaften uns gleich unruhig und elend - sie schmeicheln uns anfangs ; sie buhlen um uns- sie versprechen uns alles/ und geben uns nichts - überfallen uns wie Mörder / wenn sie sich erst zu uns als vertraute Freunde gesellen! schlaue und unüberwindliche Räuber - die uns erst was mitzutheilen scheinen - nachher uns nackt und blos ausziehen. - O Gott! wer nennt alles das Elend / beschreibt alle die Unruhe/ alle die Lasten / die auf dem armen menschlichen Herzen liegen - Wie viel Zweifel / die die Seele heimlich durchstehen und zernagen/ wie viel Gewissensbisse , die die heißesten blutendsten Wunden aufreißen - wie mancherley Furcht und Besorgnisse quälen und verfolgen den Menschen, den Sünder- wie muß er oft im Sturme seiner Leidenschaften zittern! wie oft vor den schrecklichen Folgen seiner Thorheiten und Versetzungen sich entsetzen ! ach! wie oft weiß er nicht / woran er ist ? was er zu hoffen/ und was er zu fürchten hat? wie oft wird er von einem Ende zum ander«/ von Klippen zu Klippen / von Abgrund zu M gründ fortgeworfen! - Bald will er alles,' und ke sek ni jvd lel ßn k bep Jesus Christus. 147 i?h lind bald nichts glauben - bald wünscht er H ein Heiliger - bald ein Vieh zu seyn; bald möchte er ohne Ende auf Erden leben, und ^ bald - wünscht er nie geboren zu seyn - ch O Mensch, wer du auch seyst, kannst du ^ sagen, daß du für dich selbst Ruhe gefunden ^ habest ? Kannst du über dich selber nachden- ^ ken, ohne zu empfinden, daß du mühseelig ^ und beladen, daß du arm und elend und nackt und blos und jämmerlich bist? Ein ^ Schiff ohne Steuer, eine Welle des Meeres vom Winde hin und her geworfen - ohne ^Gott, ohne Ruhe - fern von Christo - und ^ fern von Christi Zufriedenheit und Seelen- ruhe, du magst es dir oder andern gestehen . ;vder nicht- im Grunde- mühseelig und ^beladen, der Erquickung und Ruhe bedürf- 2 lind nun Andächtige, was geschah? - ^ und was geschiehet noch ?... Ist dann ^ kein Gegengift gegen diese allgemeine entsetz- ^ liche Unruhe? Ist dann niemand, der sich M alles des Jammers erbarme, und da Rath ^rrnd Hülfe schaffe, wo kein Mensch Rath ^ und Hülfe schaffen kann ? ^ Es ist jemand - hörets 0 ihr Himmel 5 ^ und du Erde vernimm's - Es ist jemand? ^ Was in keines Menschen Herzen aufgestiegen, hatte Gott, hattest du - 0 ewige Liebe, Gr dei- 148 Einladung zur Ruhe deinen lieben Geschöpfen, den Menschen bekenntet. Aufgeschlossen hast du, namenlose Erbarmung, Du, - " der du weißst, „ was wir für ein Gemachte sind, und dran „denkest, daß wir Staub sind -" aufgeschlossen hast Du -- eine herrliche, unerschöpfliche Quelle wahrer Beruhigung und Seeligkeit! Mitten in diesem Gewirre von Ulrruhe und mannichfaltigem Elende erschallt eine Stimme voll Gnade - Deine Stimme, Jesus Christus -- Kommt zu mir, alle, die ihr mühseelig und beladen seyd. Ich will euch Ruhe geben. Menschen! ihr sucht Ruhe, aber, ihr sucht sie nicht, wo sie zu finden ist. Ihr geht um die Quelle herum, und schöpft und trinkt nicht aus der Quelle -- Sucht Ruhe wo ihr wollt - Niemand kann sie euch geben, als Jesus Christus. Kommt zu mir alle die ihr müh- seelig und beladen selch. Ich will euch Ruhe geben. So - und dies ist unsere zweyte Betrachtung -- So ladet Jesus Christus uns zu sich, als der einzigen Quelle aller Beruhigung aller Mühseeligen und Beladenen ein. Jesus Christus - ach ! wie würdig unsers Glaubens, unsrer frohen Zuversicht- wie werth -.. Jesus Christus, der so gewiß lebte, als wir Evangelien und aposto-. Usche Bücher haben - so gewiß noch lebt ^ als seilw Religion in aller Welt vorhanden ist- bey Asus Christus. ^ ist - Jesus Christus - der von, hohen Hinr- ^ mel in die Tiefe und Nacht unsers Elendes herab kam -- Einst in Menschengestalt und ' Gebärde unter uns wandelte - sich mit al- len unsern Bedürfnissen, allem unsern; Elen- de bekannt gemacht - alles erfuhr, was wir ? erfahren, ohne daß er sündigte, in allen; ver- I sucht ward, wie wir, alle unsre Beschwer- ch den trug -- alle mitfühlte - seine Thränen ' / mit den unsrigen vermischte - uns vorgieng, uns nachgieng - Jesus Christus - der das ^ Beste that, der das Schlimmste litt, um '7 unsere Noth an seiner eigenen Person zu er- E fahren, und durch sich selber uns von aller ^ unsrer Noth zu rette;; - Jesus Christus, der Ei alles that, und alles litt, um uns Zutrauen zu sich und zu Gott, dem Gott, der sich in ^ jhnr und durch ihn offenbarte, einzuflößen - ^ Jesus Christus -- angebetet sey sein allein - Ei sein ewig anbethenswürdiger Name - Je- ^ fus Christus -- der alle seine Ruhe für unsere Ruhe, alle seine Freuden für unsere Freuden '?lii aufopferte- Er - der Weiseste - ohne selch nes gleichen, der Gütigste ohne seines g!ei- til!. eben, der Mächtigste ohne seines gleiche;;; ch Jesus Christus - der gottesvolle Helfer oh- M ne seines gleichen - der täglich voll Huld N'i und Kraft Gottes und mit der freundlichen ts' Demuth eines Sterblichen unter Elenden - wandelte - dem Ströme lebender Wasser entflossen, der tröstete, wo niemand trösten, G: half- " Einla-lmg zur Ruhe half, wo niemand helfen, seegnete, wie niemand seegnen konnte - Jesus Christus, der ewige Söhn des ewigen Vaters, das gna- denvolle Ebenbild dessen, den kein Mensch gesehen hat, noch sehen mag -- Jesus Christus, die sichtbare Gottheit; Allmächtige Liebe in Menschengestalt- Das Licht und Leben der Menschen, die Weisheit der Weisen, der Lehrer Lehrer, die Tugend aller Tugendhaften - die Liebe aller Liebenden, und aller SeeligenSeeligkeit- Jesus Christus- in dem alle Schätze der Weisheit verborgen liegen - in dem alle Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt- Jesus Christus - voll Gnade und Wahrheit, aus dessen Fülle jeder schöpfen kann Licht um Licht, Kraft um Kraft, Gnade um Gnade - Jesus Christus, der Weg, die Wahrheit und das Leben - das Lamm Gottes, das dahinnimmt die Sünden der Welt- Jesus Christus - aufErden einst ein sterblicher Mensch - und itzt alles regierender Gott über alles hoch gelobt in Ewigkeit! Jesus Christus der einzige, ewig allgenugsame, allmächtige, allwal- tende, allbarmherzige, allweise Schöpfer, Bruder, Freund und Erlöser der Menschen - Gott geoffenbart im Fleisch - durch den alles ist, und alles wird, der alle Dinge trägt mit seinem kraftvollen Wort - Jesus Christus - der M. Th. -- der - und kein geringerer ruft uns zu: wendet euch zu mir alle Ende bey Jesus Christus. isr W Ende der Erden, so wird euch geholfen wer- den: denn ich bin Gott, und sonst keiner! M Kommet zu mir alle, die ihr mühseelig und beladen seyd, und ich will euch erquicken und M Ruhe geben! - ach Herr - zu wem sollte« wir dann gehen, wer hat Worte des ewi- ichr gen Lebens wie du? wohin uns wenden mit G' alle dem Elende, das uns belästiget, als zu dir? Wer kann uns diese Lasten abnehmen? M unsrer Seele wer Ruhe geben, als du?- k ^ wer ists würdig, wie du, daß alle Welt dich höre, wenn du aller Welt zurufst - Kom- ^ metzumir! Kommet zu mir! Ich karm N,' euch Ruhe geben. Ja, Geliebte Gottes - Er kann sie uns W geben - Beruhigung, Sicherheit, Zufrie- M denheit, Freyheit- Entsündigung in jedenr ^ Sinne— Noch einmal - Er hat alles < was wir bedürfen; er giebt uns alles, was wir suchen, was kein Glück der Welt, keine ^ Wollust, keine Ehre, keine Talente, keine ^ Geschicklichkeit, was kein König der Erde - E und was einem weisen und guten Mensche« N mehrist, als König und Königreich- ei« nA weiser und rechtschaffener Herzensfreund- ? was niemand auf Erderr und auch niemand im Himmel dir geben kann - das kann er M Jesus Christus dir geben - Er - dich leh- rell - Er dir sagerr, was du bist, und was E du werden sollst - Er dir jeden Zweifel in ^ M die Gnade deines Gottes benehmen; Er dich t G 4 des isr Einladung zur Ruhe des Daseyns eines unendlich liebreichen Got- tes versichern; versichern deiner Unsterblichkeit und Seeligkeit; Er dich aller deiner vorigen Sünden halben vollkommen beruhigen; Er sie alle vertilgen/ wie eine Wolke und einen Nebel - Er alles wieder in Ordnung bringen/ was du durch deine mannigfaltigen Thorheiten und Versetzungen irr Unordnung gebracht hast-- Er dir solchergestalt gegenwärtig seyn/ mit solcher Huld und Kraft aus die äußern und innern Sinnen - aufdie höchsten und tiefsten Kräfte deiner Natm würken/ dich so mit Licht und Leben, mit Ruhe und Frieden/ mit Kraft und Liebe erfüllen - daß dir alles/ was dir unmöglich war/ möglich/ was dir schwer war/ leicht wird; daß du vermagst/ was du bey tausend Wünschen und Vorsätzen nie vermochtest - Er/ der so manchem Sünder Muth einsprach ; so manchen Kleinmüthigen tröstete; so manchen Verlornen suchte/ fand, zurückbrachte; Er, der den verläugnenden Petrus so liebreich ernst ansah; der den Mörder am Kreutze unaussprechlich beseeligte; Er, der den Zweifelnden vorkam und nachgieng ; Er, der Thomas Finger in die Wunden seiner Hand, und seine Hand in seine Seite legte - Er, der dem sterbenden Stephanus - und dem wider ihn wütenden Saulus vom Himmel erschien- Er, der seinen Aposteln und Evangelisten und Jüngern auf unzählige L ß L n d bey Jesus Christus. z.' ge Weise alles mittheilte/ was sie zu ihrer ^ iurd anderer Beruhigurrg bedurften - Er, ? der Gute, der Beste - der nie weniger, und ^ immer mehr giebt, als er verheißt - Er ist auch für uns unerschöpfliche Quelle, aller ^ Beruhigung! Er Jesus Christus gestern ^ und hellte und ewig derselbe. Ja, der, der, § der giebt uns Erquickung und Ruhe in jedem 7 Sinn und auf jede Weise, und giebt sie uns allen. Kommt zu mir alle, die ihr mühseellg ^ und besagen seyd - und ich will euch Ruhs ^ geben. Alle! Nicht eine einzige Seele, vom 7 Ausgangs bis zum Niedergänge, vom Ansän- ^ ge bis zum Ende der Welt, keine, die kommen ^ wollte - nicht Eine ist ausgeschlossen; die ^ Schwächste nicht; die Unwürdigste, die Ver- ^ ruchteste nicht — Er ist gekommen, das « Verlorne zu suchen und seelig zu machen! Was verloren ist - gehört in stillen Kreis - cw in den Kreis stiller Begnadigung. Bist du zc verloren, so bist du für ihn, so ist er für dich. E Bist du mühstelig und beladen - so ist er L auch für dich da, dir Ruhe zu geben. Auch irn für dich, wer du seyn magst. So wahr eine iln Sonne für alle, die Gerechten und Unge- ck rechten ist -- so wahr ist ein Gott, und ein § Mittler Gottes und der Menschen, nemlich W der Mensch Jesus Christus, der sich selbst L? zum Löstgeld für alle gegeben hat. Es ist hier H - kein Unterschied unter allen. Es ist ihr aller X ein einziger Herr, reich genug für alle, die G s thu is4 Einladung zur Ruhe ihn anrufen - Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen. Kommt zu mir alle, die ihr muhseeligund beladen seyd, ich will euch erquicken und Ruhe geben. - Wie, wie soll ich diese Einladung des menschenfreundlichsten Mittlers euch zu etwas «lehr, als einem kraftlosen Tone, wie euch gesegnet und erweckend machen? wie euch wichtig, theuer, unvergeßlich machen! - » Jesus Christus ist die einzige unerschöp-i- » che Quelle wahrer ewiger Beruhigung und Erquickung für alle Mühseelige und „ Beladene wie machen, daß ihr nicht nur unsre Predigt beurtheilt, tadelt oder rühmt - sondern, daß ihr die Wahrheit, die wir lehren, stille fühlt, innigst davon durchdrungen werdet; daß st- euch freut im ganzen Leben, daß sie Trost und Schatz wird im Leiden, daß sie Wonne und Entzückung der letzten Augenblicke euers Lebens wird - wie? - Lehre mich's, Lehrer aller, die gern bey dir lernen - Jesus Christus r Jesus Christus - was soll ich sagen, wie soll ich s sagen - Ich weiß nichts zu sagen, als - „ Wenn jemand ist in dieser ganzen Ver- „ sammlung, wenn jemand ist auf dein gan- „ zen bewohnten Erdboden, der sagen kann: » Ich habe Ruhe gefunden außer Christo! - » Ich bedarf seiner nicht. Meine Seele ist «zufrieden ohne ihn. Ohne Christus bin ich «gut - i > i i r » » 1 bey Jesus Christus. ' ' « gut und zustieden, frey und selig. Nicht ^ bey Christo, nicht von ihm, hab' ich's ge- s) „ lernt - mich über alle Furcht, Unruhe, „ Laster, Reitzurigerl, beunruhigende Leiden- ^ „ schaftell wegzusetzen. Ich kann's ohne ihn ? ^ machen - u. s. f. Wenn einer ist in dieser I' Versammlung, auf dem ganzen bewohn- „ten Erdboden einer, der das sagen kann, ^ „ der trette auf und sag' es! und ich will iu ^ » seine Schule gehen, und bey ihm lernen- ^ „ und nichts mehr sagen von Jesus Christus, § „ und nicht mehr verkündigen mit lauter ? „ Stimme, nicht mehr für wahr halten in .7 » meinem Herzen das Evangelium Jesu „ Christi- und wenn einer ist, meine Theil- A „ resten, in der Versamlung, aufdemgan- ^ »zen bewohnten Erdboden einer, der sagen ? „ kann - Ich bin mühseelig und beladen zu V „ Christo gekommen; ich habe Ruhe bey ihm A gesucht, und nicht gesunden. Er gab mir d« „ nicht, was er verhieß. Ich bin noch der „ Trostlose, Ruhlose, Elende, der ich zuvor „ war; ich bin nicht ruhiger durch ihn ge- ^ „ worden, obgleich ich mit dem ganzen Durft « „ memer Seele zu ihm kam. Ich habe au ^ »ihn geglaubt, aber dieser Glaube half mir ^ „nichts." Wenn einer ist in dieser Versam- M jung, aufdem ganzen Erdboden einer, der P das sagen kann, der trette auf und sag' es— ^ r,nd ich will kein Wort mehr reden vonJe- 5k ßis Christus, ulld keim Kanzel mehr heftet- GS AM- rs6 Einladung zur Ruhe gen, sein Evangelium zu verkündigen, und keine Kirche mehr hetretten, wo sein Name angerufen wird. - Aber es ist keiner, ich weißes, keiner, der das sagen kann, jeder, jeder fand Ruhe bey ihm, wie er sie nirgends Land. III. glber um Gottes willen, woher denn noch ^7 so unzählige unruhige unter uns? so viel mühseelige und beladene-- wenn ein solcher Jesus Christus lebt, der uns zuruft: Kommt zu mir, ihr alle, die ihr mühseelia und beladen seyd: ich will euch Ruhe geben. - Daher , M. Th. weil sie nicht kommen. Also noch vom Kommen zu Jesu, laßt > uns, Andächtige, mit möglichster Kürze das Nöthige sagen. Was heißt das: zu Jesu i kommen? wie kommt man zu Jesu? wich- > - tige Frage - und die einfältige Antwort iß , diese: Man kommt zu Jesu gerade auf die i Weise, wie ein Kranker zum Arzte kommt. ! Zum Arzte kommt der, der sich krank fühlt; ! Zum Arzte kommt der, der an den Arzt , glaubt, d. i. versichert ist - der Arzt wolle ^ und könne ihm helfen. Zürn Arzte kommt der, der die Arzney einnehmen, und des Arztes Vorschrift befolgen will. i Seht !!?'i U iiek öln!- hk m: tz bey Jesus Christus. ^157 Seht Cbristerr - So müßt ihr zu Jesus Christus kommen - oder die Ruhe, die ihr suchet, findet ihr nicht-- a) Das erste, was dieses Kommen bewirkt; was vor allen Dingen dazu gehört, und dabey voraus gesetzt wird - ist Gefühl der Mühseligkeit - Wer nicht fühlt, daß er krank ist, der geht nicht zum Arzte. Wer nicht die Unruhe und die Zerrüttung, die Kraftlosigkeit, die immer steh verbergen wollende, und dennoch allenthalben hervorbrechende Verdorbenheit und steche Unruhe seines leidenschaftenvollen Herzens, wer die nicht als eine unerträgliche Last fühlt; der kommt nicht zu Christus. Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Fühlst du, daß dich die Sünde, daß deine wider Gott und deine edlem Triebe sich auflehnenden Begierden dich elend machen ; daß du so weder Gottes noch dein eigener Freund bist; daß du wider dich selber rasest, wenn du wider Gottes Vorschriften handelst;-- Fühlst du, daß du in dir selber keine Ruhe, und keinen Grund der Beruhigung finden kannst ; daß du aus dir selber der Sünde, die dir um und um anliegt, so wenig los werden kannst, als ein Kranker, der seine Krankheit lange verhehlte, es lange mit sich selbst trieb, und aus Uebel ärger machte - fühlst du das; sagt dir das eigne tausendfache Erfahrung, daß deine Sünden und G 7 Lei- X ?58 Einladung zur Ruhe Leidenschaften die Quelle deiner Unruhe, und das lästigste und unerträglichste aller Uebel sind - Ich sage, -- sagt dir das deine eigene Empfindung und Erfahrung; nicht blos das Zeugnis der Schrift, (denn dis ist, ohne eigene wirkliche Erfahrung, gleich einem leeren Schatte) - mußt du es dir im Drang- gessihl deiner innern Beklemmung gestehen - „ Ich kann mir nicht helfen. Meine tau- „ sendmal wiederholte Treulosigkeit gegen Gott und mein Gewissen benimmt mir allen Muth. Ich bin ganz aufs äußerste gebracht; - Ich habe lange vergeblich Ruhe gesucht - so kann ich sie nicht finden. Sie ist nicht da, wo ich sie suchte. Ich bin betrogen; ich bin elend; meine Eigenliebe, meine Eitelkeit, mein Stolz, meine Prachtliebe, meine Wollust, meine Zornmüthig- keit, meine Trägheit, mein Eigennutz, meine Falschheit, meine Lügenhaftigkeit, mei- » ne Verläumdungssucht - meine Leiden- »schaften, meine Leidenschaften haben mich elend gemacht. Ich kann und weiß mir nicht mehr zu helfen. Das Vergangene kränkt mich, die Zukunft macht mir ban- „ ge; die Sünden, die ich begangen habe, » die Sünden, die ich mit dem umänderten » Herzen unfehlbar wieder begehen werde- „ diese liegen wie ungeheure Lasten auf mir- ,, Ich will das Gute sehr selten, und wenn »ichs will- so thue ich dennoch mehrmals » nicht r? r? rr 1 ? bey Jesus Christus. 159 A „ nicht das Gute, das ich will, sondern das ^ „ Böse, das ich nicht will, das verrichte ich. ^ ,, Es ist noch ein mächtigeres Gesetz in mei- ^ „nen Gliedern, das dem Gesetze meines ^ „Geistes, meiner Vernunft widerspricht. O D „ mir elenden Menschen, wer will mich von ^ „ diesem Todesleibe erretten? --" Siehe da ^ mein Bruder, meine Schwester, die wahre ^ Gemüthsverfassung eines geistlich Kranken, ^ eines der sich mühseelig und beladen fühlt - ^ Er verzweifelt an sich selber; er weint taust send heiße Thränen - oder wünschte doch, R sie weinen zu können, und ist beklommen da- rüber, daß er die Sünde nicht nach Wunsch «k verabscheuen und beweinen kann; - wen ein » solch Gefühl seiner Blöße, seines Elendes in- chL nigst durchdringt, wer sich nicht nur so mit D Worten, einem andern nachgesprochen, in ß: die Empfindung, oder vielmehr die Einbil- Ä: düng seines Elendes hinein zwingt - Nein, U wen dieß Gefühl würklich drängt; wer sich m selber nicht mehr ansehen und ausstehen m mag- der- dieser Mühseelige, Beladene, M er sey wer er sey; wes Alters, wes Ge- G schlechts - er verzage nicht; der gebe Muth ch und Hofnung nicht auf- Es ist noch Rath Vorhänden! Rath und Hülst für das, was N geschehen ist, und nun von kernen; Menschen M mehr geändert Werder; kann - und Rath !N- und Hülst für die Zukunft. Es ist ein Je- W ftrs vorharrder; - .voll Gnade und Kraft/ voll r Erbarmmrg und Hühe. d) I6O Einladung zur Ruhe K) Zu dern gehe mit demGefühl des Elends wie ein gefährlich Kranker mit dem HM» Gefühl seiner Krankheit zum Arzt geht Was hilsts- o meine Brüder- stillstehen W klagen? was hilsts liegen bleiben/ wenn man gefallen ist/ und über seinen Fall zu jammern/ statt sich von einer uns sich darbietenden Hand aufrichten und heilen zu lassen? was hilsts vor dem Arzte mit heimlichem Gefühl seines Elends stehen bleiben! -- Gegangen! gegangen zum Ärztin Gottes Namen! Kann Hunger sättigen? oder tränk der Durst? - Kann sein Elend fühlen an sich helfen ? Kann Wehklagen über sich selb- schon ein Kommen zu Jesu heißen? Nein Freunde - der Kranke- der gesund werden will, muß seine Krankheit fühlen und an den Arzt glauben. Wer Ruhe finden will - muß sich elend fühlen und zu Christus komm Oder mit andern Worten: der Bußfertig? muß glauben. Es ist nicht genug den Ar;i rühmen - warn man gesund rverden will. Man muß zu ihm gehen- oder ihn zu sich bitten. Also unter keinem Vormunde, auch dem scheinbarfrommen Vorwande der störn- sten Demuth - nicht vom Arzte weggeblieben! Nicht gedacht - Ich dars nicht kommen ! Ich bin zu elend- zu unwürdig -- Ich Habs zu arg gemacht - u. s. w. aber geglaubt; aber einfältig glaubend Hinzuge- drungen- aber mit fester Zuversicht sich den - - - r i: ?! 7 1) )) )) » » » » be? Jesus Christus. ^"i6i vergegenwärtigt, den demüthig und kühn im Geiste fest gehalten/ auf den mit dem tz- Worte voll Glauben hinzu gedrungen. „Wo ^ » die Sünde mächtig ist, da ist deine Gnade ß. „ noch mächtiger. Du hast gesagt: Ich soll r/ „ kommen- Ich komme! Ich bin mühsee- „ lig und belade«/ du kannst nur Ruhe ge- L » ben. Jesus Christus - kannst du/ so hilf / » mir. Ich glaube/ komm zu Hülfe meinem »Unglauben! Du kannst mir Ruhe gebe«/ ? „ du hast's verheißen. Du Sohn kannst ^ »mich frey machen, und wenn du mich ^ „ frey machen wirst, so werd ich wahrhaf- ^ »tig frey seyn. Du kannst mich in Ansehung ,, des Vergangenen beruhigen! Du sollst ^„ mir für die Zukunft gut seyn! Du kannst E: „ mich in jedem Sinn entsündigen, beruhtes „gen, begnadigen/ vergeben, heiligen, gut ?? „ machen - frey und seelig machen! Du ^„bist^ die Versöhnung für aller Welt Sünden und für die meinigen ; der kei- M ^nen verstieß, der zu ihm kam, der ^ „ wird auch mich nicht verflossen. Der alle E „ Mühseeligen einladet, Ladet auch mich lkk'„ein. Er ist aller Erbarmer und mein M „ Erbarmer. Ich gehe, ich hoffe, ich glau- chi„ be, ich erwarte - Gnade, und mit der rh-,, Gnade Ruhe, Kraft, Freyheit. Ich kom- . il „ me - und komme, wie ich kommen kan- ^ jLdenn Jesus nimrnt die Sünder all - sey tlß „ sie größer oder kleiner meine Last; seyn i62 Einladung zur Ruhe „ meiner Sünden mehr oder weniger, -je » Elenden, die Beladenen werden eingela, „ den. Elend und beladen also gehe ich Thor der Kranke, der erst gesund werden will, ehe er zum Arzt geht - der Krachs ruft den Arzt zu der Krankheit - Thor,' der -- der erst gut und gesund werden will ehe er zu Christo geht, ehe er sich dem nähert, den sich in seinen: Geiste vergegenwärtigt-- Gehe, wie du gehen kannst. Gehe demüthig in dir selber - aber muthig um Christi willen. Gehe! glaube! hoffe! nimm- Ruhe! c) Aber drittens noch dies. Der Krach, dem's Ernst ist gesund zu werden, fühlt nicht nur seine Krankheit, geht nicht nur demüthig und qlaubensvoll zu dem Arzt - Er nimmt auch die Arzneyen des Arztes ein, und folgt seinen Vorschriften - und das erste giebt ihm Gesundheit. Empfindung seiner Krankheit und Glauben an den Arzt waren nur Vorbereitungen - Die Hauptsache ist - Arzney nehmen und den: Arzt folgen. Höre wer Ohren hat, und wer Augen hat, sehe. Zu Jesu kommen, um Ruhe von Ihm zu empfangen - heißt nicht nur vor Jesu weinen und wimmern - nicht nur an seine Gnade und Hülfe glauben, sondern es heißt auch, im Glauben an Ihn -- der Vorschrift Jesu gehorchen wollen. Was hilsts um den Arzt herum stehen und ihn anstaunen - was hilsts, be^ Jesus Christus. ^6z 2^ ihn rühmen, ihm glauben, ohne ihm zu gehorchen? Wer znm Arzte kommt, will ^ dlrrch den Arzt seiner Krankheit los werden; ^ wer auf die rechte Weise zu Christo kommt, , ""iß Sünde los werden wollen. Das Ä muß die Absicht seines Kommes seyn. Jesus Christus ruft uns nicht zu - " Kommet zu M „ mir, ich will euch Ruhe geben, Freyheit ,K>, geben, nach dem Gutdünken euers bösen M „ Herzens zu handeln." Nicht: " Kommt „ zu mir. -- Ich habe gethan, was ihr thun ,) solltet. Ihr dürft's nun nicht thun; dürft . », euch nun um weiter nichts bekümmern. ,) Wenn ihr mir Herr Herr saget, wenn „ ihr mich nur rühmet, in meine Tempel kommt, meine Worte in euern Mund nehmet, mir nur singt und weint, mit 6lin, L „ allem andern hats nicht viel zu bedeuten - " Kch So redet Christus nicht, und verflucht sey, Mj wer ihm solche Worte in den Mund legt- sondern Erruft: Kommt zu mir, undneh- met mein Joch auf ellch und lernet von mir, il litz, denn ich bin mild und von Herzen demüthig, uM so werdet ihr für eure Seelen Ruhe finden- km) gerade, wie wenn ein Arzt zu einer Menge Hch Kranker sagt: "Ich kann euch helfen, will E » euch helfen! Kommt zu mir - Ihr sollt E » gesund werden. Nehmet nur meine Arz- WlK » ueyen an! Lernet von mir. Ich lebe so, isM « und bin gesund. Folgt nur meinen Vor- »-« -- schr'f- 164 Einladung der Ruhe n schriften. -" Wie thöricht, wieunsinm wenn dann einer zum Arzt käme - " Du „ haft mir Gesundheit versprochen, weil!, „ ich zu dtr komme- aber deine Arzneyen „ nehns ich nicht ein, und deine Vorftbch „ ten gebrauch ich nicht -" und dennoch - so unsinnig so ein Betragen in aller Augen ist - Es ist dennoch das gewöhnliche Bettn, gen der meisten Christen gegen Christum- Sie wollen seelig werden, aber nicht durch Nachahmung Christi, nicht durch Aehnlch keit und Gleichgesinnigkeit mit Ihm - ße begnügen sich mit einem bloßen Glauben an die Gute des Arztes - Allgemeine unbegreifliche Thorheit! - O Mensch ! wie kamst du auch hier trennen, was Gott zusammen geordnet hat, Glauben und Gehorsam? Ohne Liebe Christi - willst du Seeligkeit Christi - so schlechterdings unmöglich, me'§ schlechterdings unmöglich ist- ohne Zutrauen zu Christo, ohne Glauben an seine allmäch- tige Gnade, sich seine Liebe eigen zu machen. O Mensch trenne nicht, was seiner Natur nach nicht getrennet werden kann und soll- Nimm Christus an, wie er dir gegeben wird. Hörichte Menschen; die Einen wollen im- mer nur einen beruhigenden, versöhnenden vergebender: Christus! Andere nur den heiligenden ; die Eitler: nur den Lehrer; die Ändern nur das Beyspiel; die Einen reden L bep Jesus Christus. 16s ^nur von den Wunden seiner Liebe - und § wer kann genug davon reden ; die Andern rnur von seiner Tugend und Mensel enliebe, ^und wer kann diese genug preisen und sich ^satt davon sprechen; die Einen wollen nur ^an Ihn glauben, als wenn Er so statt ihrer ^tugendhaft gewesen wäre/ daß sie's nun weiter nicht seyn dürsten -- und die Andern wollten Ihn ohne Glauben nachahmen -- ohn M)n- tugendhaft seyn.-- Beyde Thoren! /Beyde trennen/ was unzertrennlich zusam- §men gehört. - Nachgeahmt muß Jesus Chri- Mus seyn/ wenn wir zur Ruhe der Seele ^-kommen sollen. Gesinnt seyn wie Er ge- Wnnt war / siehe da die wahre Gesundheit ^und Seeligkeit der Seele. -- Aber nachgerühmt kann Er nicht seyn / als durch den ^Glauben an Ihn - wer kann Ihm nächst ahmen ohne an Ihn zu glauben ? Wer folgt Wer Vorschrift des Arztes ohne Glauben an ^den Arzt. - Wer iK/ der die Welt überwindet- als wer glaubt daß Jesus sey der m'Sohn Gottes? Also - ich fasse zusammen- also - gehe beladen zu Christus. Suche da ^Begnadigung und suche da Kraft! Suche ickda Beyspiel/ suche da Alles. Lerne von AJHm! Glaube Ihm - und du wirst Ihm ick gehorchen - wirst Ruhe finden für deine ^ Seele- Ruhe/ Frieden, nicht wie siedle V Welt giebt - Gerechtigkeit, Frieden, Freude i6<5 Einladung zur Ruhe im heiligen Geist - Kraft und Freude alles Gute zu thun, und alles Böse um des Guten willen zu leiden; wirst erfahren-je Wahrheit der Worte Jesu: Komet zu mir alle die ihr mühseelig und beladen seyd, will euch erquicken ; Ich will euch Ruhe geben-- O Stimme der himmlischen Liebe, wer will Dich hören, wer Dir gehorchen? wer glauben ? wer gehen ? wer den Versuch machen? Ein Versuch, wobey gar nichts zu verlieren, und unendlich viel zu gewinnen ist? wer's nicht versucht, derglaubt's nicht - und wenn er's tausendmal sagte - wer krank ist und nicht zum Arzte geht, fühlt entweder nicht, daß er krank ist, oder er will nicht gesund werden; oder er glaubt nicht an den Arzt - O unruhige Seele! Macheden Versuch! Gehe! Gehe! säume nicht! Nicht Uebermorgen! Nicht Morgen! Gehe! Gehe! Er ist dir zur Rechten! Er hört dich in der Stille; Er sieht dich im Dunkeln. Er ruft dir gerade jetzt. Gerade jetzt höre seinen Ruf: Heute, so du seine Stimme hörest, verstocke dein Herz nicht! Such' Ihn, weil Er noch zu finden ist; klopf an, weil Er nahe ist. Der Gottlose verlasse seine Wege, und der Ungerechte seine Anschläge, und kehre wieder um zum Herrn, so wird Er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, und Er wird vielfältig W ks U bey Jesus Christus. ^67 ^ tig verzeihen - Kommet zu mir- 0 könnt* ich diese Einladung, mit deiner göttlichen MMenschen-Stimme, deinem Blicke, deiner U Gebärde, deinem Herzen voll Liebe und Erwärmung aussprechen- Kommet zu mir, M alle, die ihr mühseelig und beladen seyd. R Ich will euch erquicken. Ich will euch Ruhe m geben. - Jesus Christus - steht vor der ^Thür und klopfet an - Steh auf, geh- AIhm entgegen- stehe auf! gehe. Es wird Kleine Seele germen. Ja, amen- Keine chSeele wirds gereuen, den Versuch zu manchen. Jesus Christus! Ich habe geglaubt, b darum hab' ich geredet. Aber reden kann Eisich nur, und Du kannst würken. Würke!- rkiiDu würkest nur Ruhe! Liebe! Du würkest W tznur Liebe! Leben! Du würkest nur Leben! hl iSeeligster! nur Seeligkeit! - O wenn die GMenschen wüßten, wie gut sie's bey Dir Ghätten! - 0 wenn üe's glaubten, wie liebe- iilWoll und liebenswürdig der ist, der aller U Liebe Urbild und aller Liebe Quell ist - V,;o wenn sie dich kennten Du kennenswürdig- hkis ster- Bester - dir zu Füssen lagen; mit Waller ihrer Last und Unruhe - Du kannst Walle abnehmen; alle verschlingen ; alle ewig ^vertilgen; O wie würde Heiterkeit, Feiende, Kraft, Muth, Hoffnung, Leben, Lie- ^be, Beseeligung aus deinem Herzen strömen xzMs dürstende glaubende nehmende Herz, das 168 Einladung zur Ruhe be? Jesus rc. das vor dir sich elend, dich allgenugsani fühlt- dich Einziger/ ewiger Beruhigen Jesus Christus! dem allemal das Herze bricht/ wir komme»/ oder kommen nicht. Amen. V ilZr