von dem Königreiche Hungarn. 415
mancherley pr-t-xte gefunden / unter welchender Reichs-genossen fteyheit gedrücket/und diegemüther zur Verbitterung angereihet worden.Znmassen sie denn vor einen hierzu diensamenund mächtigen herrfchungö-Vortheil und ge-heimnißgehalten/ den zunder des mißverneh-mens unter die Stände auszustreuen / und diegeschicktesten gemüther / nach unterschied derfast ungleichen liebe/zur fteyheit abwcndig/undmit jedermänniglich desto füglicher sich unter-würfflg zu machen. Wobey es aber dennochnicht verblieben/ sondern man hat ausunzeiti-ger begierde zu herrschen sich bemühet / durchsehr beschwerliche wege und eine unglaublicheHurtigkeit/gleich als wenn alle riegcl Verstreuund endlichen angelobniß durchbrochen wären/gegen alle des Königreichs Stände empfindlichzu wüten; alles bloß zu dem ende / daß manmittels langsamer kunst-griffe/und im fall dießden stich nicht hallen wollen/ durch offenbaregewaltthätigkeit des Königreichs freyheitenund gercchtsameübern Haussen werffen möchte.Daher dann entweder durch des erzürntenGOTTes verhangniß/ oder weil sonst diesemblühendenKönigreiche sein rermmm f-rsli,, oderdie von oben herab bestimmte zeit nahe gewesen/geschehen/daß diejenigen / welche ihren gehor-sam dem eingebohrnen rechtmäßigen Landes-Fürstcn entzogen/ auch keinen fremden Herrnleiden mögen.
Zu diesem ungemach ist die Verachtung derReichs-Stände und des Adels noch kommen/welche man von allen würden und wichtigen eh-ren-amtern/wiewohl wider des Reichs gesehe /allmählich ausgeschlossen und entsetzet/und die-selbe der herrschenden ungewöhnlichen begier-de der fremden übergeben: Wodurch bey täg-lich zunehmenden beschimpfungen und anwach-sender gewalt/der Staat des Ungerlandes da-hin verfallen/ daß man das fast verblichene bildder alten fteyheit nicht mehr erkennen können.Was vormahln hochansehnlich und fürtreff-lich gewesen/ lag nu in der Verachtung gleich-sam zertreten darnieder. Und muste die beysolchen umständen verzagte lügend zuschauen/wie man ihren weg zum untergange bahnete.Da halff weder bitten noch flehen; man moch-te sich auff die Königliche parole und die gesetzedes Reichs beruften/ so war es, doch verge-bens. Der Wille spielete meister über die ver-nunfft; man that und vollzöge/ was mannach anleitung einer aufgeblasenen gewalt wol-le; die klage hörete man bißweilen zum scheinmit an / wiese aber mit nichtigen und leerenWorten ab/lachte auch wohl und spottete darü-ber. Der ehrgeih hatte samt den traurigenÜbungen der tyranney bey denen Königl. Amt-leuten und Gewalthabern dermaßen überhandgenommen/ daß diejenigen/ welche GOtt mitzeitlichen gütern gesegnet/ ihnen als verdächti-ge und dem gemeinen wcsen schädliche leutc vor-kamen. Drum suchten sie die leichtfertigstenfimen und hilpersgriffe geld zu gewinnen/ unddie leute um ihre güter zubringen ; nur damitdiese blut-igel ihren geldgeih stillen möchten/ alswelchen es gleich galt/ ob Ungarn bliebe oder zugründe gienge / wenn nur die einkünffte derkammer/ welche nunmehro zu einem berühm-ten magazin des gewaltsamen raubs und pla-
ckerey-vorraths worden war/ erhöhet und ver-bessert würden.
Die wahren benennungen eines jeden dingeswaren längst verrussen; und muste das gnadeheissen/wann man eines andern güter zum loh-ne der verrätherey verschenckte. Diß hielteman vor freygebigkeit/wann man unter unächt-gebohrne lerne der arm.n unschuldig - vertriebe-nen einwohner vcrlassenschafft austheilete.Denen Missethätern begnadigung zu gönnen/hatte den schönen titul der barmherhigkeit.Gesetze/ rechte/ geeichte/ und mit einem Worte /göttliche und menschliche dinge/ja alles besassendie Teutschen; in dem Reiche hergegen wararmuth/schaden/schimpf und allenthalben einabscheulicher anblick.
Indem nun die lebhaffte und der knechtschafftungewohnte gemüther durch diese und andereunsägliche lasten und beschimpffungen allzusehrbedränget wurden/hat sich ihre allzugrosse ge-dult in eine räche verwandelt/ und zu rechtmäßi-gen zugelassenen gegen-Mitteln zu schreiten ver-anlasset/ in vernünfftigeranerinnerung/daßsiedurch freye wähl nicht einen Herrn/ sonderneinen König aufden thron gesetzet/ dessen eigen-willige undungemessene regierungs-artaufdierechte bahn der Reichs-gesttze zu mäßigen undzu bringen sey. Das rettungs-Mittel suchteman im kriege; die geschwinde empörungen/die allgemeine furcht / die noch übrige fteyheitgar zu verlieren machten eine einmüthige Ver-bindung/und die gerechtsame befugniß der fa-che munterte diese edle Nation dahin auf/ daß siedie so nöthige als gerechte Waffen ergriffen/unddie fast erstorbene fteyheit nach innhalt des vomKönig Andren n, zugenahmt dem von Ie-rustrlen,/ausgelassenen Decretszudem ansetzndes vorigen wolstandes wieder aufzufecheln be-mühet waren.
Der erste/ welcher die schwülstige herr-schungs-gewalt angriffe/war der großmüthigeHeld StephanBoczkay/ ein mann sowohlvonfürtrefflichengemüths-gaben und klugheit/als ein berühmter soldat/den man schon höherals eine privat-person geachtet/ da er noch imprivat-stande lebte. Dieser hat/ aus Verbitte-rung über das erlidtene unrecht/zwar mit weni-ger mannjchafft/ doch grossem und unerschrocke-nem gemuthe/sich der wütenden macht entgegengestellt/einen theil der Kayserl. armee geschla-gen/ verjaget/ und den ersten sieg erhalten/ undalso dem Königreiche und der ganhen welk sei-ne progressen datgethan / daß er auch damitverdienet / von den gesamten HungarischenReichs-Ständen ein Fürst in Hungarn undSiebenbürgen ausgeruffen und erkieset zu wer-den; sintemal dieser tapffereretter der fteyheitdieses edle kleinod nicht nur aus dem staube unddergrufft/ zu seinem unsterblichen nachrühme/wieder aufgewecket/sondern auch dem damah-ligen Könige Nudolphen demZweyten / unddessen Nachfolgern/ eine solche maße der regie-rung fürgeschrieben/ daß sie über die von denReichs-gesehen gezogene schnür nicht schreitenund ihre gewalt weiter/ als sichs gebühret/ nichterstrecken dürften. Und dieses war das Mit-tel/ wodurch der gemeinen ruhe und öffentlichenwohlfahrt des Vaterlandes mercklich geholffenzu seyn schiene; da man nemlich unter sehr statt-