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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischen Herolds ander Theil, oder, Zuverlässige Beschreibung derer europäisch-christlichen Königreichen, freyen Staaten und Fürstenthümer
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4i8 Des EuropaisthenHeroids zweyte Haupt-Handlung

keit und der blinde eyfer so hefftig tobeten/daßes schiene/man hätte mit den Gottes-Häusernkriege zu führen/und die rebellische mauren zubestraffen. Die kirchen - diencr wurden ausden pfarren ins elend verjagt/anderen zwangund trotzte man die reversalien/nicht ferner zupredigen/ ab / und schenckte ihnen/ samt dem le-ben/die sreyheit aus dem Vaterlands zu flüch-ten. Die meisten wurden wie schlacht - opfferzusammen gekoppelt/und auf die galeereu aufnie erhömund abscheuliche art verdammet/umdaselbst ihr hartes und kummer-volles leben ititrauren/gestancke/Hunger/ dürffcigkeitund ar-beit zu verzehren. Nicht weniger fuhr manmit gewaltsamen Verfolgungen und demvermaledeyeten gewissens-zwange weiter fort.

Die trauung und kinder tauffen dorfftenNur Catholische priester verrichten. Manzwang die leutc hin und wieder zu den messenund proceßionen ; wer sich widersetzen wolte/den straffte man an gelvund sonsten härtiglich.Auch die weiber selbst waren nicht aus gefahr/welche/ weil sie der beleidigten Majestät halbernicht beschuldiget werden tonten/ ihrer thränenwegen in klage genommen wurden ; wer sichdes Vaterlandes Unglück zu hertzen gehen ließ/und drüber stuffzetc/ muste flugs ein Übelthä-ter seyn. Und wurde verboten/ daß die zumrode verdammten auch von ihren freundennicht dorfften beweinet werden. Dem armenpöbcl wurde ihr schweiß und blut durch aller-hand künste und unter neuen tituln ausgeprei-set/ ihnen garnisonen zugelegt/ und wiederabgenommen/ gesche nach belieben vorgeschrie-ben/ und waren der plackercycn und drangsa-len eine unzehliche anzahl. Als nun durch die-se und andere unabwendliche härtigkeit undunrath denen Herren exulanten die äugen auff-giengen/ und sie sich numehro durch äußerste ge-malt in der höchsten gefahr des lebens/ dersreyheit/ und aller zeitlichen haabe vertieftet/auch darneben von aller christlichen hülste ver-lassen/ und ausser eintziger Hoffnung zu einemgelinderen tractamente der dienstbarkeit sahen/sind sie in diesem großen Nothstände auff die-sen schluß gefallen/ es wäre bester sich der gna-de der Durchlauchtigen OttomannischcnPforten zu unterwerssen / und wider solcheunbillige gemalt dcro schuh zu suchen/ als dasKönigreich und so viel unschuldige seelenineu-strsten ruin versincken zu lassen. Jnmassen siedenn daselbst mit ihrem flehen gar willig auff-genommen/ und denen / welche vorhin wegenallzu unerträglicher schärffe und unterdruckungdas Vaterland mit dem rücken ansehen misten/von besagter Pforten alle gnade/zuflucht/ sicher-heit/undso gar auch die mittet/ sich ehrlich zuernehren und hinzubringen / reichlich zuge-wendet worden. So pfleget es die göttli-che Vorsehung zu spielen / daß auff grausa-me exorlm-Eien/ ob deren guten lüccei, manganh sicher zu seyn meinet/ eine geschwinde rä-che folge ; damit die boshafftigcn in ihrem irr-thum nicht bekrasttiget/noch die elende tugendganh zur Verzweifelung gebracht werde. Wirwissen/ dass viele einer andern meynung seyn/und diesen äußersten nothzwang übel auslegen/auch die Ungarische Nation deßhalber/ wie-wohl sehr frühzeitig/ tadeln/ und mit dem für/

wurste belegen/ sie hätten hierinnen nicht alschristen gehandelt. Aber diese haben entwe-der von den freyheiten dieser Nation keinewissenschafft/ oder sind von der Oesterreichi-schen parthie eingenommen. Sintemahlwotzu begreiffcn/rmdzu mercken/ daß die aus Oe-sterreichischem geblüt entsprossene UngarischeKönige anders nicht/ als durch eine freye wähl(wie denn in diesem Königreiche die art vomregimente die billigste und älteste ist) zur Cronund Zepter kommen / und vermittelst eydes/welcher/ dem herkommen nach/ vor der krö--nung unter freyem Himmel abgeleget werdensoll/ verbunden sind/ die landes-freyheit unge-kränckt zu erhalten.

Aus dieser eydlichen Verbindung ist die wahr-hafftige und eigentliche Obliegenheit/ welchenicht nur zu rechtmäßiger/ und nach innhaltder gestehe und Königl. Diplom^i; eingerichte-ter führung des regiments vonnörhen war/hergeflossen: Sondern es hatte in krafft solcherLspimlarion der pslZtinu; tZeAn., als Verthei-diger und Verwahrer der gerneinen sreyheit/die macht/daß/wann einKcnig von dein ordent-lichen amte zur grausamkeit cxolbmren / undsich eines schädlichen Dominos unterfangenwolte/ er ihme nebenst den Reichsgenoffen wi-dersprechen und entgegen treten dörsste. Warihnen demnach unbenommen/ auf den fall/ dadie regiments-Verfassung ganh nicht wiederzu recht zu bringen war / sich eines andern schützund schirm / und also,auch insonderheit derOttomannischen als nächsten macht jrroceäioi,zu untergeben.

Sind demnach nun viel jähre verlausten/binnen welcher dieses unglückliche Reich zwi-schen zweyen Herrschaften gesessen/ von der ei-nen zerrissen/von der andern gedruckt/dadurchaber der gantzen wett zu einem erbärmlichen spe-ctakel worden. Jene hat die Waffen niemahlswider Ungarn ergriffen/ noch niedergelegt/oh-ne Vermehrung seines Reichs/ und ohne Ver-minderung dieser Vormauer; daher es auchdieser mächtige nachbar fast ganh an sich geristsen. Und zwar / ^nachdem dieses Reich denersten anfall des mächtigen Monarchens seinernachbarlichen gelegenheit halber jederzeit aus-stehen muß: Das Ertz- Fürstl. hauß Oester-reich aber/währender führung des Zepters/auffanders nichts / als der Ungarn ruin undder sreyheit unterdruckung/bedacht gewesen;die itzige Kayscrl. und Königl. Majestät aberbesonders die armen Reichs-genossen in einenso jämmerlichen wehestand verstärket/ und zurVerzweifelung/worein man bey trübseligen zel-ten desto leichter williget/ und hiernechst fernerzun waffen gcnöthiget hat; sich auch sonstinnerhalb zehcn jähren des exM, für die be-drängten kein billig hülffs-und bcsserungs-mit-tel fürfinden wolte/ auch dieses schwerlich zuhoffen war; haben sie vor rathsamer ermessen/dem großmächtigsten Prinhen sich schirmpfiich-tig zu machen/und dessen verspruchs und Ver-theidigung in ihrem äußersten und unabwendli-chen Nothstände/ dem gemeinen besten zum dien-ste/sich zu bedienen/als entweder in den, betrüb-ten elende veralten/oder den wenigen Über-rest des Reichs in offenbare gefahr zu verstri-cken.