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Hindernisse des Descensus testis.
bringen und dort mittelst einiger Hefte fixiren. Der Hoden hattebloss die Grösse einer Haselnuss. Nebenhoden und Vas deferenswaren normal. Die folgende Figur illustrirt die Verhältnisse.
Fig. 172.
V.L.
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V.L. = Vorderer Leisteuring. Str. = Abnormer Strang, den untern Pol des Hodens an derVorderfläche des äussem Leistenpfeilers anheftend. Sa. = Samenstrang.
§. 1146. Zu den accidentellen Hindernissen des Descensus zähltdas Tragen eines Bandes bei verspätetem Vortreten des Hodens. Beider Mehrzahl der Individuen nämlich, welche zur Zeit der Geburtihre Hoden nicht im Scrotum haben, steigen dieselben hernieder imVerlaufe des ersten Jahres, seltener bis zur Zeit der Pubertät, etwashäufiger noch in der Zeit der Pubertätsentwickelung. Ein Descensusin späteren Jahren, wie er von Godard, Mayor 1 ) beobachtet ist,gehört zu den Ausnahmen.
Bei einem Knaben, welchen wir gegenwärtig noch in Beobachtunghaben, dessen Vater ebenfalls verspäteten Descensus testium zeigte,besteht im 14. Jahre links eine Hydrocele communicans. Der Hodenlässt sich noch sehr leicht in den Bauch reponiren, liegt aber ge-wöhnlich vor.
§. 1147. Ein schon herabgestiegener Testikel kann wieder inden Leistencanal oder Bauch zurücktreten. Wir haben schon bei denEktopien Beispiele erwähnt. Berchon 2 ) sah das plötzliche Zurück-treten eines Hodens in Folge eines Fehltrittes, Gintrac den nämlichenZufall mit heftigen Schmerzen beim Turnen 3 ). Nach G. Fischersah Salmuthius beide Hoden in Folge zu heftigen Coitus in denBauch zurücktreten.
§. 1148. Ob man den Fall von Hulke 4 ), wo neben einemBauchhoden rechts und einem Leistenhoden links beiderseits ange-borene Leistenhernien bestanden und nicht bloss nach dem Scrotum,
Mayor (Gaz. med. 1836) beobachtete einen Descensus im 35. Jahr. Yergl.auch Oustalet, Gaz. med. Paris 1843.
2 ) Berchon, Comptes rendus d. 1. soc. biol. 1860; s. auch Le Den tu.
3 ) Gintrac, Recueil de med. milit. 1863 (Le Dentu).
4 ) Hulke, Med. chir. Transactions. Juni 1866.