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Zur Kritik über den gegenwärtigen Stand der Frage von den Blasenfunctionen / von Fritz Born
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Schilderungen etwas corrigirt werden, da er bei dem Mangel einerentwickelten mikroskopischen Technik Vieles für elastische Fasernhielt, was später von H e n 1 e als glatte Muskelfasern entlarvt wurde.Barkow wies zuerst bestimmt nach, dass der Blasenverschluss imLeben sowohl, wie an der Leiche nicht mehr zur Blase gehöre, son-dern bereits zur Urethra zählt. Er theilt die Pars prostatica der Harn-röhre ein in eine Pars cervicalis von der Harnröhrenöffnung bis zurMündung der Ductus ejaculatorii, und eine Pars ejaculatoria von jenerMündung bis zum unteren Ende der Prostata. Seine Schilderung derPars cervicalis beim Mann lautet folgendermaassen:

Die Pars cervicalis zeichnet sich durch eine grössere, nach obenmehr und mehr zunehmende Dicke ihrer Wandungen aus. Diese istvorzüglich dadurch bedingt, dass zwischen dem submucösen Zellge-webe und der Substanz der Prostata der Annulus cervicalis elasticuss. prostaticus eingeschlossen ist. Letzteren kannte schon Lieutaud 1 * )(Anneau ligamenteux). Er besteht hauptsächlich aus kreisförmig ver-laufenden elastischen und sehnigen Fasern, die mit Zellgewebe undzahlreichen Blutgefässen durchflochten sind. Am äusseren Umfangnimmt das Gefüge des Ringes an Festigkeit und Dichtigkeit durchZunahme des Zellgewebes und der Gefässe ab. Am oberen Rande, zu-nächst der Blase, sind die Wände des elastischen Ringes am stärksten.Am dicksten erscheint der obere Rand an den Seitentheilen, l 3 /44",dann folgt die vordere Wand, l 3 /43, dünner ist die Mitte der hinte-ren Wand (1 'fr2"). Die Mitte der hinteren Fläche der hinteren Wandzeigt gewöhnlich eine schwache Vertiefung. In dieser verlaufen zwi-schen der Substanz des Annulus und der Prostatasubstanz die Ductusejaculatorii bis zum unteren Ende des Annulus, wo sie am Colliculusseminalis in den oberen Theil der Pars ejaculatoria urethrae einmtin-den. Der Blasenhals liegt demnach ausserhalb derBlase.Der Annulus stützt die Blase, wie der Hals den Kopf unddient einem grossen Theil der Muskelfasern der Blase zur Ursprungs-stelle. Vermöge der Spannung schmiegt er sich an derLeiche wie am Lebenden genau um den oberen Theil desColliculus semin. an. Erträgt am meisten zur Verschlies-sung des Ostium vesicae urethrale bei und verhindert sodenAusfluss desUrins während desZustandes der Ruhedes Blasenmuskels. Umgekehrt verhindert er beim Mann beimErguss des Samens das Aufsteigen desselben in die Blase, ohne den

1) Observations anatomiques sur la structure de la vessie. Histoire royale des

Sciences. Paris 1853. 4. 1857.