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Letzteres scheint uns nicht ganz richtig, wenn man den Sphinkternur wenig überwindet, gerade so, dass Flüssigkeit auszufliessen be-ginnt, so zieht er sich wieder zusammen und bewirkt z. B. in Gyps-abgüssen eine Unterbrechung des Gypses an jener Stelle. Wird erfreilich forcirt, so schliesst er sich nicht mehr.
Etwas anderer Meinung über den Blasenverschluss bei Leichensind Mosso und Pellancani, welche den Verschluss durch denSphinkter blos am Lebenden gelten lassen und sich über die Ver-hältnisse am Cadaver folgendermaassen ausdrücken: „On peut exercerune pression notable sur la vessie, sans qu’il en Sorte de l’urine.Evidemment dans les cas, il n’est plus question du sphincter vösical,mais on comprend sous le nom tous les muscles extrinseques et lestissus qui peuvent mettre obstacle au passage de l’urine dans l’ur^thre.Ce sont spöcialement Wittich, Lesser et Rosenthal qui ontvoulu exclure l'action du tonus et attribuer la fermeture ä l’elasticitede son sphincter.“
Diese Schilderung ist sehr undeutlich und vage. Abgesehen da-von, dass Lesser und Rosenthal ein und derselbe ist, indem derbetreffende Autor Lesser-Rosenthal heisst, geht der Irrthum die-ser Ansicht hervor aus den erwähnten Versuchen v. Wittich’s, wel-cher bei Durchschneidung der verschiedenen Theile der Urethra fand,dass der Urin auch an der Leiche erst austrat, wenn er die Prostatadurchschnitt, an der Stelle, wo eben der Sphincter internus liegt.Darin haben die Autoren Recht, dass allerdings jene peripherwärtsgelegenen Muskeln und andere Gewebe zum Blasenverschluss nachSprengung des Sphinkters beitragen. Es bleibt uns noch übrig,eine Ansicht zurückzuweisen, die sich geltend machen musste, nach-dem der Sphinkter als Haupthinderniss entdeckt worden war. Esist das die von Hermann geäusserte Vermuthung, es könnte derBlasenverschluss an der Leiche einfach Folge der Todtenstarre oderpostmortalen Contractur, zwischen welchen kein Zwischenstadium be-stehe, sein. Ein Blick in Rosenthal’s Dissertation oder auf diefrüher mitgetheilte Tabelle der Rosenthal-v. Wittich’schen Arbeitgenügt, um zu zeigen, dass auch nach der postmortalen Contractionund nach Ablauf der Todtenstarre der Verschluss noch ein ganz er-heblicher ist.
Wenn wir einen Rückblick werfen auf die Geschichte, welchedie Deutung des Blasenverschlusses an der Leiche erfahren hat, so
1) Sülle funzione delle vesica. Real academia dei Linies. 220; französisch Ar-chives italiennes par Emery et Mosso. 1882. I. u. II.