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des jugendlichen Colliculus. Einen ähnlichen Abguss erhielten wirbei einer Blase, wo ebenfalls kein Gyps durch die Harnröhre abge-flossen war. Auch hier fand die Unterbrechung in der Pars mem-branacea statt. Der erste Fall, jener Knabe, hatte hochgradigeTodtenstarre bei einer leeren Blase gezeigt. Die Blase war, wiemir von seiner Wärterin versichert wurde, bei Eintritt des Todesentleert worden. Wahrscheinlich war die Blase in dieser Stellungmit offenem Ostium erstarrt, während der in Todtenstarre begriffeneConstrictor urethrae die Harnröhre an jener Stelle abschloss. Beimzweiten enthielt die Blase viel Urin; es wurde zugleich viel Gypseingespritzt. Eine weniger reichliche Injection würde ohne Zweifeleinen Abguss mit Verschluss am Anfangstheil der Harnröhre gelieferthaben. Durch die reichliche Eingiessung wurde der Ausgang forcirtund der Gyps drang bis dahin, wo ihn der in Todtenstarre begrif-fene Constrictor urethrae aufhielt.
Es geht indessen hieraus die Thatsache hervor, dassder Blasenverschluss bei Leichen auch in der Pars mem-branacea statt finden kann.
Forcirt man den Ausgang, so fliesst in der Regel der Gyps durchdie ganze Urethra und man findet denselben nach der Erstarrung da-selbst überall. Zuweilen freilich wird der Sphincter internus nichtdefinitiv gesprengt. Er zieht sich wieder zusammen und bewirktbeim Abguss eine Unterbrechung an jener Stelle, wie z. B. Abgussauf Tafel Figur 11 zeigt.
Bei Frauen ist der Verschluss viel weniger fest, schon bei ge-ringer Anfüllung öffnet sich der Ausgang und fliesst Urin durch dieHarnröhre ab. Die Abgüsse zeigen dabei stets Unterbrechung imBeginn der Urethra . Doch war hier unser Material ungenügend. Wirhaben nur bei 3 Frauen Abgüsse haben können; alle 3 waren jugend-lichen Alters, die über solide, wenig dehnbare Blasen verfügten. Alle3 hatten im Tode den Urin entleert und es war vermuthlich dieBlase mit offenem Ostium erstarrt.
An sämmtlichen Blasen sieht man deutlich das Ligamentuminteruretericum als vorspringende Falte, welche bogenförmig voneinem Ostium uretericum zum anderen zieht. Das Ostium der Ure-teren selbst verschliesst sich in der Regel nach der Injection so gut,dass man im Abguss keine Andeutung desselben findet. In einemFalle entsprach im Abguss demselben eine unregelmässige Hervor-wölbung (s. Tafel Figur II 3), in einem anderen bei stark ausge-dehntem Ureter sieht man die Oeflfnung (s. Tafel Figur IV 2) deut-lich. Wahrscheinlich hatte dieselbe schon längst nicht mehr ge-
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