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1. Der Blasenverschluss bei der Leiche wird in der Regel ge-bildet durch den Sphincter vesicae internus, welcher den am Ostiumbefindlichen Sehleimhautwülsten, die sich aneinanderlegen, als festeStütze dient.
2. Von jenen Wülsten entwickelt sich der hintere nicht selten zuansehnlicher Grösse. Er enthält zuweilen, wohl nur bei älteren Leu-ten, ausser der Schleimhaut Prostatasubstanz.
3. Ein fernerer Blasenverschluss findet bei der Leiche nicht seltenin der Pars membranacea statt.
4. Bei Frauen, namentlich solchen, die nie geboren haben, istder Verschluss ungemein viel weniger fest.
5. Es scheint, dass der Blasenverschluss viel weniger fest istan der Leiche, wenn die Blase bei Eintritt des Todes noch entleertwurde.
6. Der Blasenverschluss an männlichen Leichen besitzt für schwa-che und mittlere Füllungen reichlich die Festigkeit, welche die Blasewährend des Lebens in ruhiger Lage von den ihren Ausgang schützen-den Gebilden verlangt; bei der weiblichen Leiche erreicht die Festig-keit annähernd jenes Minimum.
7. Oft, besonders bei älteren Männern, erreicht die Festigkeit sobeträchtliche Höhen, dass sie jedenfalls auch dem durch die stärk-sten Contractionen der Bauchmuskeln vermehrten intravesicalen Druckwährend des Lebens Stand halten könnte.
8. Während des Lebens, wo der intravesicale Druck starkenSchwankungen unterworfen ist, besonders bei hohen Füllungsgraden,würden die an der Leiche gefundenen Werthe zum Verschluss meistnicht genügen. Wir entschliessen uns daher um so leichter zur An-nahme eines durch Tonus des Sphincter internus der Verstärkungfähigen Verschlusses, als dessen Vorhandensein durch genaue Expe-rimente bei Thieren bewiesen ist.
9. Die Zu- und Abnahme des Sphinktertonus erfolgt zugleich mitZu- und Abnahme des Detrusortonus, mit dem der Sphinkter auchanatomisch innig zusammenhängt.
10. Bei zunehmendem Drang setzen wir zur Verstärkung des Ver-schlusses den Sphincter vesicae externus, die ganze Urethral- undPerinealmusculatur in Contractionszustand. Auch der Sphincter aniund der Levator ani nehmen daran Theil.
11. Diese Muskeln entleeren und schliessen die Urethra ab, wennwir während des Urinirens die Entleerung anhalten.
12. Das Gefühl der vollen Blase und der Harndrang werden er-zeugt durch den Widerstand, den die in Contraction befindliche Bla-