Diss var 1023 ■BSW lieber die pvi$\)Vfd)e tlurcnhrnnkl)ftt. Inaugural - Dissertation Eur Erlangung der Doctorwiirde in der Jftcfcijm un> Cijirnrßic vorgelegt ier l)ol)cn mci3iuifet)en /aniltat der Universität Bern den 16. August 1847 von 3 u c 0 b Baud) von Diessenhofen im Kanton J£hfurga*\ \ ■4-d>j> r 7oCy50 IhySfrfclW&blßiMfiok *’>öm 9 ® « 0/0 ... . , Diessenhofen, Buchdruckerei von Lonis Stephan. 1 8 4 7 . \nh » f C; *# % f ff ft -i *,■ 4 li % 113 k i r % M r.tn - rawÄ ! -1 h < . 4iü.. i ilthUi-. 1 >t *1 -I ii t i > i '-'■ ■• i ti : ! . V' , \ **M. -ititr&ti-t.. .M r■*s * im jj* ft it \f ff i! Tf •-. .) !f;ttjC)il(!i(jf:Hjlic;'K3^i(tW_ ? [ .0 ji 3 ( j i i f i < >! r.i •>**•4 ...a^T , :i> r'" Ul).* , Mt 4 • S t Seinem verehrten Lehrer Herrn pr. /net er, Professor der Pathologie und Director der policlinischeu Anstalt an der Hochschule zu Hern, widmet diese Schrift ans tmtfyrer unti pankbarkeit der Verfasser. n *s j ’s 4 's i» > 4 ä■ ft-w-i 'rki. .I’tl'tut. -7tl K’JI'i ^ •*> N*' f ■Hsl'Mtfitl teiir rtJ» 'im ^ -m ♦ II i 1 «t '** ■ * % i fc Hü Ä*s i-4*!?ülf A w a t o in i f d) e € I) u v a k t c r c. Hokitnuski stellt in seinem Handbuch der pathologischen Anatomie 8 Formen auf, die indess nicht so strenge von einander abgegränzt werden können, sondern Uebergänge zn einander bilden und als die ver- scliiedenen Stadien der Krankheit betrachtet werden müssen: denn häutig sieht man an beiden Nieren verschiedene Formen auftretcn, ja auf einer und derselben Niere sind die verschiedenen Entwicklungsstufen neben einander gesehen worden. Eigentlich nimmt Rokitanski drei Species an. die acute Erkrankung, wozu er die 5 ersten Formen als verschiedene Entwicklungsstufen ansieht, dann die chronische mit der Cten und 7tcn Form und dann als eigene Species die 8te Form. . Die erste Form ist selten, tritt tumultuarisch auf, verläuft rasch, sie kann schon in 14 Tagen tödten. Man bemerkt an der Leiche eine Vermehrung des Volumens und Gewichtes der Nieren, seröse Infiltration der Corticalsubstanz und der Nierenkapsel, die Nieren sind blutreich, die Blutgefässe bilden eine dunkle, gesprenkelte, streifige Ilöthe: hie und da sind Echymosen im Parenchyme bemerkbar. Beim Durchschneiden tritt eine grauröthliche, flockige Flüssigkeit heraus. Bei der 2ten Form sind die Veränderungen schon bedeutender, die Corticalsubstanz ist breiter geworden, an den einen Theilen erblasst, an den andern noch hyperämisch, die Nieren sind lockerer geworden als bei der ersten Form. Das Infiltrat ist gelblich, röth- lich, dicklich, klebrig. Bei der 3ten Form findet man eine noch stärkere Vermehrung des Volumens, vollständige Anämie der Nieren; diese sind blass, nur einzelne Gefässknäuel und rothe Streifen durchziehen das Gewebe: die Gor- ticalsubstanz ist strotzend, mürbe, von einer milchigen Flüssigkeit angefüllt; an den oberflächlichen Parthien der Gorticalsubstanz, aber auch in der Tiefe, entstehen weisslich gelbe, lockere Granulationen von der Grösse eines Mohnkorus bis zu der eines Stccknadelkopfes, die Massezunahme der Niere dringt bis zwischen die Pyramiden hinein und drängt sie auseinander. Hei der 4ten Form findet eine theilweisc Rückbildung statt, die Niere hat an Vergrösscrung nicht zugenommen, ist noch weich, körnige Massen durchziehen das Parenchym, gruppiren sich aneinander, daher an einzelnen Ausbuchtungen, während an andern sich Vertiefungen vorfinden, so dass die Niere ein unregelmässiges, blumenkohlartiges Aussehen bekommt. Die 5te Form ist das Endstadium der acuten Erkrankung , hier ist wieder Verkleinerung der Niere eingetreten; diese ist unregelmässig verschruinpft, die Gorticalsubstanz ist entweder grobkörnig, locker, blutreich, die Geiasse varikös oder es ist bedeutende Anämie da, bedeutende Zähigkeit oder Derbheit verbunden mit Verkleinerung der Niere, die Kapsel ist fest mit dem Organe verwachsen. Bei der chronischen Bright’sehen Krankheit findet man 2 Formen der Nierenveränderungen. 6te Form. Hier ist unbedeutende Volumens- und Gewichtsvergrösserung, die Gorticalsubstanz ist an einzelnen Parthien blass, an andern unverändert mit einer consistenten, dicklichen, rahmartigen Masse infil-* trirt; die Pyramiden, die Nierenbecken und die Nieren-* kelche sind unverändert. 8 7(c form. Oie Nieren sind verkleinert, consisten- ter, die Uorticalsubstanz an ansgebreiteten Stellen blass, was von einer geronnenen, speckig aussehen- den Materie herrührt, in welcher das Nierengewebe unterging; die Niere ist an diesen Stellen geschwollen oder sie erscheint zusammengeschruinpft, von knorplig ledrigcm Aussehen. Die 8te Form geht immer ohne Keaction aus einer inveterirten Scrophulosis, vorzüglich aber aus Syphilis und Mercurialcachcxio hervor und ist immer mit einem ähnlichen Leiden der Leber oder Milz verbunden. Hei dieser Form ist die Niere selten bedeutend vergrössert, die corticale Substanz ist schmutzig röth- iich und ledergclb von wächsernem Glanze, ungewöhnlich hart und brüchig. Zu bemerken ist, dass bei Fettdegenerationen der Nieren (Cyrrhosis) oft auch albuminöser Harn beobachtet wird. Vielleicht hat man manche Erkrankungen der Nieren in diese 8te Form der Bright’schen Nierenkrankheit geworfen, welche nicht hierher gehören. Abgesehen von diesen im Leben nicht diagnosti- nirbaren Formen theilen wir für die Praxis richtiger die Erkrankung in eine acute und chronische Form. Anatoinische Veränderungen in andern Organen. Hauptsächlich wird Oedem bemerkt namentlich der untern Extremiteten, bisweilen ist das ganze Unterhautzellgewebe serös inliltrirt (Anasarca), die Quantität des Blutes ist bei den acuten Erkrankungen normal, zeigt feste und reichliche Coagula, bei der chronischen ist Anämie und geringe Neigung zur Coagulation 9 Das Gehirn und seine Häute blutreich bei dem Heuten, blutleer beim chronischen Verlauf der Krankheit; in den Ventrikeln normale Menge von Serum. Oefters Hydrothorax bei der chronischen Form, pleu- ritisches Exsudat bei der acuten, Oedem der Lungen, die Schleimhaut der Luftwege zeigt Symptome von Catarrh. Das Herz ist bei der chronischen Form blass mit geringer Coagulis in den Höhlen, überdies sind häufig Herzfehler und andere Complicationen vorhanden; das Pcricardium ist bei dem acuten Verlaufe mit plastisch serösem, beim chronischen nur mit serösem Exsudate ungefüllt. Zeichen von Entzündung des Peritonäums, seröse Exsudation mit wcisslichcn Flocken vermischt bei der chronischen Form; die Quantität dieses Serums ist verschieden, seine Coagulabilität geringe. Im Magen nicht selten Zeichen von Catarrh, Oedem der Intestinalschleimhaut, der Dickdarm zeigt meistens die Symptome von chronischem Catarrh, weist nicht selten catarrhalische Geschwüre, oft einen dysenterischen Process nach und überdies wird selten Oedem vermisst. Die Leber wird schlaff, blutleer, nicht selten gra- nulirt gefunden. Milz dunkel, vergrössert und consistenter. Die Harnblase contrahirt, mit geringer Menge von Urin angefüllt. Symptome: Der Verlauf der Krankheit ist sehr verschieden. Es giebt Fälle, wo der Tod schon in den ersten 14 Tagen erfolgte: meistens tritt der Tod in der 3ten % 10 oder 4ten Woche ein. Die acute Form kann nach und nach sich in die Länge ziehen, 6 Wochen, seihst 2 Monate dauern, ohne dass sie zum Tode oder zur Genesung führt. Die Ausgänge der acuten Form sind häufig in Genesung; selten sind die Fälle, wo der Tod in kurzer Zeit eintritt, dieser erfolgt durch Unterdrückung der Harnsecretion, Lungenödem, unter Coma, Delirien, Convulsioncn, Exsudationen in die Lungen, Pleura und Herzbeutel. Zuweilen geht die acute Bright’sche Nierenkrankheit in die chronische über, diese dauert auch verschieden lang von '/ 4 Jahr bis mehrere Jahre: die chronische macht Exacerbationen und Remissionen, in den meisten Fällen geht sie in den Tod über, sie zeigt eine grosse Neigung zu Recidiven. Symptomatologie der acuten Krankheit. Der Beginn dieser Krankheit ist ein rapider: Fieberfrost und Fieberhitze leiten die Erkrankung ein; zuweilen sind die Anfangssymptome unbedeutend, erst nachher treten heftigere Erscheinungen hervor. Bei der Betrachtung der Symptome können wir diese in 3 Reihen eintheilen: in locale, in Symptome der alienirten Harnsecretion und in die secundären sympathischen Symptome. Locale Symptome. Diese bestehen hauptsächlich in Lendenschmerz, so dass manchmal die Kranken den Sitz desselben angeben können; meist ist aber der Schmerz so unbedeutend, dass er für den Patienten nicht wahrnehmbar ist, manchmal wird der Schmerz im Kreuze gefühlt, manchmal fehlt derselbe vollkom- 11 men, nie ist er heftig: Druck und Percussion vermehren denselben. Anschwellung wie hei Nephritis ist nicht wahrzunehmen. Veränderungen des Harns. Diese betreffen die Menge des Harns, das physicalische, chemische und microscopischc Verhalten desselben. Die Quantität des Harns. Diese ist verschieden; im Anfang Verminderung der Harnsecretion bei heftigen Anfällen und namentlich bei Hecidiven, welche Fällt* in der Hegel gefährlich sind, zuweilen fühlen die Kranken ein leichtes Brennen: später kann auch Vermehrung der Harnsecretion beobachtet werden. Physicalische Eigenschaften. Der Harn ist meist dunkel gefärbt, blass bei Bright’scher Krankheit, welche nach Scharlach entsteht, oft ist er klar, oft trüb, mit dem Fleischwasser ähnlichem Geruch und Farbe: beiin Schütteln wird er schaumig, weil er viel Eiwciss enthält. Bei der chronischen Erkrankung ist das specifische Gewicht vermindert, nicht oder unbedeutend bei der acuten Form. Microscopische Eigenschaften. Bisweilen enthält der Harn eine Menge Blutkörperchen, die aber nicht allemal Vorkommen: häufig werden sie auch rasch aufgelöst, trüben den Urin; sie kommen meistens nur in den ersten Stadien vor, geben aber kein Griterion ab: dagegen findet man eine grosse Menge von Cylindern, die schuppenförmig mit runden Zellen besetzt sind: Heule glaubt, dieselben entstehen durch Exsudation in die Harnkanälchen, dafür spricht die Form der um den (Minder gelagerten 12 Zellen und die Form, sowie die («'rosse und Weite der Cylinder selbst, welche derjenigen der Harnkanälchen entspricht. Ferner sollen im Harne Entzündungskugeln, Eiterkörperchen gefunden werden. Wichtiger ist die chemische l Untersuchung des Urins. Er rcagirt meistens sauer, bisweilen auch neutral und basisch, die Menge des Harnstoffes und der Harnsäure ist gewöhnlich vermindert: Bayer entdeckte auch eine ungewöhnliche Menge fettiger Materie. Immer aber findet man im Harne bei Bright’scher Krankheit eine grosse Menge von Eiwciss. Salpetersäure, Alkohol, Sublimat, Kreosot schlagen dasselbe als flockige, wcissliche Materie nieder, gewöhnlich wird Hitze und Salpetersäure angewandt und es ist nothwendig, dass man immer die Resultate beider Reagentien erforsche und vergleiche. Wenden wir nur Hitze an, so könnte man einen Niederschlag von phosphorsauren Salzen für coagulirtes Eiweiss halten; gegen diese Täuschung schützt uns die naehherige Anwendung der Salpetersäure. Avelche die Salze auflöst, das Ei weis aber unberührt lässt. So wird auch, wenn der Harn alkalisch reagirt, durch Hitze kein Eiweissniederschlag gebildet, wohl aber durch Salpetersäure. Ucbcrdics ist es nothwendig, dass der Urin vorher liltrirt werde, damit nicht Schleim. Eiter und Blutkörperchen Täuschung veranlassen. Die Gegenwart des Albaniens im Harne, wenn cs nicht in zu geringer Menge vorkommt, ist immer ein sicheres diagnostisches Moment der Brightschen Krankheit, namentlich wenn zugleich auch das speci- lisclie Gewicht vermindert wird. Indcss ist wohl zu 13 beachten, dass in vielen Fällen Albuinen iui Harne vorkommt, ohne dass die Scction Bright’sche Nierenkrankheit nachweist, indem Morb. Br. vorhanden sein kann, ohne Degeneration der Nieren und Albuminurie in vielen andern Krankheiten beobachtet wird. Dr. Finger (Frager Vierteljahrschrift) fand nach zahlreichen Untersuchungen in folgenden Fällen Albuminurie: ln vielen Fällen von Tuberculose, Typhus, Febr. puer- puralis, Uarcinom. Pneumonie,Herzfehler,Epilepsie u.s.f. Was den Allmmengehalt bei Pneumonie und andern Entzündungen betrifft. \so scheint das Eiweiss nur 1 % ' als Bestandtheil der Entziindungslymphe im Harne enthalten zu sein. Eine häufige Ursache von Albuminurie scheint auch Pyaemie zu sein. Finger erwähnte eines Falles, wo bei Abscess der Bauchwandung Albumen im Harne nachgewiesen wurde, welches vom Augenblick der Eröffnung des Abscesses an abnahm und zuletzt verschwand. Entsteht in solchen Fällen Morb. Br., so ist der Grund wohl weniger in der Alteration der Nieren zu suchen als in der Pyaemie der Crase, welche die Eiterung bedingt. Ebenso mögen Circulationshemm- nisse in den Luiigen und im Herzen nur durch die folgende Blutentmischung Albuminurie bedingen. Sympathische Symptomc. Zunächst fällt der Hydrops am meisten ins Auge; er tritt auf als Anasarca der untern Extremitäten, häufiger jedoch zuerst im Gesichte; der Hydrops kann die Extremitäten , den Rumpf befallen und nicht lange dauert es, so entsteht Ascites. Hydrotborax, llydro- pericardium etc. 14 Diese Hvdropsie wird wahrscheinlich bedingt durch eine abnorme Beschaffenheit des Blutes, dieses ist nämlich ärmer an festen Bcstandtheilen geworden, ln der acuten Form ist es im Anfänge noch reich an festen Bestandteilen, coagulahcl. bildet eine starke Crusta phlogistica. in späteren Stadien dagegen nnd bei der chronischen Form ist Verminderung des Cruors, des Eiweisses vorhanden. Von dieser Hydrämie kommt auch das geringere spccilischc Gewicht des Serums her. Viele Beobachter wollen auch Harnstoff im Blute gefunden haben, dafür spricht wohl der auffallende urinöse Geruch, welcher die Leichen vieler an Morbus Brighii gestorbenen durchzieht; dieselben Beobachter weisen eine Verminderung des Harnstoffs im Harne nach, diese Erscheinung (Typhus urinosus) mag wohl eintreten, wenn die Harnabsonderung stockt. Die Affektionen des Digestionsapparates treten bald auch zur Erkrankung hinzu, Mangel an Appetit, Eckel, Erbrechen einer säuerlich grünlichen 31aterie, stark belegte Zunge. Stuhl Verstopfung, meist aber hartnäckige nicht zu stillende Diarrhöe, dabei Stocken der Hautfunktion, trockene, heisse Haut. Allmälig treten Störungen des Nervensysteme* auf, Apathie, Delirien, Coma, bisweilen aber plötzliche Gonvulsionen. Geht die Krankheit in Genesung über, so beginnt allmälig reichlichere Harnsekretion, von Tag zu Tag vermindert sich der Albumingehalt, Ab- nähme der Fieberbewegung, der localen Schmerzen in der Nierengegend. Wenn dagegen nicht reichlichere Harnsekretion, keitte Abnahme des Albaniens erfolgt, so steht der Tod bevor. 15 Symptomatologie der chronischen Form. liier ist namentlich der Anfang sehr dunkel. Meistens fallen zuerst die Hydropsien auf. Hat man hier die Bemerkung gemacht, dass die Augenlieder geschwollen sind, so unterlasse man die chemische Untersuchung des Harns ja nicht. Der Schmerz ist bei dieser Form dumpf, undeutlich, Druck ruft keine Steigerung desselben hervor, der Harn soll in einigen Fällen in grösserer Menge abgehen; meist ist aber Verminderung der Harnsekretion da, dabei ist er blass, trübe, manchmal schmutzig braunröthlich, es bildet sich ein Sediment, das vom normalen unterschieden werden muss; der Harn verliert seinen eigenthümlichen Geruch, wird specifisch leichter, schäumt beim Umschütteln. Der Albumengehalt ist indes im Verlaufo verschieden, manchmal ist gar kein Albuinen im Harne, [nach einigen Tagen erscheint es wieder. Es kommen öfters auch Blutkörperchen im Harne vor; Verminderung des Harnstoffs und der Salze. Das Hauptsymptom ist der Hydrops, dieser erscheint meistens zuerst im Gesicht, bald treten aber auch Wasseransammlungen in der Pleura und Lungenödem auf. Bayer will gefunden haben, dass bei Hydrops in der Gehirnhöhlenflüssigkeit Harnstoff vorkomme. Symptome von Digestionsstörung, Erbrechen, hartnäckige Diarrhöe abwechselnd mit Verstopfung, der jAppetit nimmt ab, heftiger Durst stellt sich ein. Fieber wird in der Regel keines beobachtet ausser bei inter- mittirenden Krankheiten, Pneumonie, Catarrh etc. Der Puls wird allmälig schwach, frequent, auch treten in diesem Zustande des Organismus bisweilen Coma, Delirien, Convulsionen ein. IG Die chronische Bright’sche Nierenkrankheit geilt , meist in den Tod über, heilt sie, so sind unsere Mittel gewiss nicht daran Schuld. Zuweilen, namentlich bei Fettnieren, stirbt der Patient in Folge einer anderweitigen Erkrankung; man ist dann überrascht, Krankheit der Nieren zu linden. ln vielen Fällen von Pneumonie, Exdocarditis findet Albuminurie statt, was ein sehr ungünstiges Zeichen ist, indem man auf Ablagerung ins Nierenparenchym schliessen kann. A c t i o I o g i e. Die verschiedenen Alterspcriodcn sind verschieden empfänglich für die Krankheit. Bei den Kindern tritt sie am häufigsten auf, seltener bei Erwachsenen und noch seltener bei Greisen. Das männliche Geschlecht disponirt mehr, ebenso sollen schwächliche Individuen leichter daran erkranken. Man hat kalte, feuchte Luft. Abusus spirituosorum, als Ursachen angesehen. In einseitiger Ernährung mag wohl ein wichtiger Grund zu dieser Erkrankung liegen. Erkältung bei feuchtem Wetter, z. B. bei Leuten, die am Wasser arbeiten, ist vorzugsweise Gelegenheitsursache, daher die meisten Fälle dieser Krankheit im Herbst und Frühling auftreten. Von grossem Belange sind gewiss die mancherlei dyscrasischen Zustände, Exantheme, na- | mentlich Scharlach, Typhus, Tuberculosis, denen so | gerne die Bright’sche Nierenkrankheit nachfolgt. j Es sei uns erlaubt, einen Blick in das Wesen der Krankheit zu thun. Es sind die Ansichten ausge- j sprochcn worden, ob die Nierenaflektion und der dys- J n (Musische Zustand dos Blutes das ursächliche Moment seien. Oll'enbar ist das Nierenleiden nicht das primäre, sondern eine Blutentmischung erzeugt zuerst eine Al- buminurie und Degeneration der Nieren; dafür spricht das Auftretei! der Krankheit in beiden Nieren zugleich, tun! woher anders iiesse sich der l'instand erklären, dass die acute -Form so leicht in Heilung ühergeht, als wenn man annimmt, dass es hier noch zu keiner Degeneration der Nieren gekommen sei. Für die Dys- erasio spricht ferner, dass Albuminurie da ist, ohne dass man ein Nierenleiden wahrnehmen hann, letzteres oft erst auftritt. und dass diese Albuminurie in keinem Verhältnis« mit der Stärke der Niercnaflektion steht. Für diese Ansicht sprechen ferner die ätiologischen Momente, das Auftreten der Bright'schen Nierenkrank- beit nach gewissen Dyserasien, z. B« acuten Kxanthe- men'. dafür das Vorkommen des Leidens bei organischen Fehlern des Herzens, der Leber, welche theils als Frauchen, theils als Folgen von Blutkrankheit angesehen werden müssen. Therapie der acuten Form. Die Prognose ist im Allgemeinen günstiger bei i der acuten Form als bei der chronischen.. Die Krankheit wird um so gefährlicher, je heruntergekommener der Organismus wird, je länger die Krankheit dauert und je grösser ihre Ausbreitung. Heilung kann erwartet werden, wenn die Krankheit noch frisch* der ! Patient noch kräftig ist, wenn viel Urin und wei|jg j F.iweiss abgesondert wird und wenn keine Uompliea- ! tionen da sind. Bei der Therapie sind die Uitusal- } momente %u entfernen. 3 18 Der Kranke hüte sieh vor Erkältung. vor Lenuss von Spirituosen, knappe Diät hei der'-»eilten Form, geräumige, sonnenreiehe Wohnung, reine Luft. lndieatio morhi. liier hat man die Heaction zu massigen, die Dluterasc zu heilen. Vertheilung der Fongestion, der Infiltration zu bezwecken, frisehen Ex- sudationen vorzuheugen. Dekommt man die Krankheit bei Zeiten, so mäeht man eine allgemeine Blufeutzie- hung, man sei jcdoeh nirht zu freigebig damit, mache das Wut nicht zu arm an festen Bestandtheilen. Oert- lirhe Wutentziehungen. Schröpfköpfe. Blutegel in die Lendengegend sind ebenfalls zu empfehlen, namentlich bei Kindern, wo keine allgemeinen Wutentziehungen institufrt werden können. In späteren Stadien, wenn die llcactioii gemildert ist. kann mau selbst Sinapismen, Setaeeen. Fontanellen in die Lendengegend bringen. I m* die Heaction zu dämpfen: Oleosa. Mucilaginosa, letztere namentlich, wenn Diarrhoe da ist, verbunden mit Mittelsalzen. Ist Verstopfung da, so gebe man milde Laxanzen. man hüte sich aber solche zu wählen, welche die Nieren reizen. Tamarinden, Falomel, Natron, sulphuricum. Magnesia sulphii- rica, Liquor digestivus, Ol. Ilicini. selbst (»ummi gutta und Jalapa sind hier am IMatze. Diuretica dürfen bei hvdropisehen Erscheinungen, so lange noch Heizung vorhanden ist, nicht angewendet werden, Mittelsalze, Nitrum genügen. Bei solchen hvdropi- schen Erscheinungen suche man hauptsächlich di» Hautfiinctionen in Lang zu setzen, daher Nitriim. Pulv. Doweri. Bayer empfiehlt Bäder von einfachem Wasser. Dampfbäder. Ferner hat man Wacholderräucherungen angewandt, man hat Opium in kleine«. 10 Dosen als Diaphoretieum gegeben, t'm die Infiltration in den Nieren zu entfernen, reiehe man Calomel erweichende O ‘iismen. Yesieantien. I lcera artilicia- lia von Tart. stibiat.. Kali hydrojodinicum. Anfälliges Erbrechen wird dureli , ‘ Blut- f entziehung. Oleosa. Brausepulver. Potio Riveri, Nel- I ters- und Rippoldsauer Wasser gemildert. Tritt t'oina ein. so suehe man dieses »l»»re{» allgemeine Blutdeple- tion, dureb lokale Blutent/.ichung, Derivation naeh dem Darm (Nenna, Calomel u»it Jalapa. Essigklystiere) Synapismen zu mildern. Therapie der ehroniselten Form. Diese ist für die Therapie noeh unglücklich. c* ! tritt selten eine (Jenesung ein. Wir kennen bis dato ! keine Mittel, diesen Zustand zur Norm zuriiekzuführen: | versiiehen wir jedoch durch Diät und Heilmittel das 1 lieben zu verlängern und die beschwerlichen S # : zu entfernen. Blutentziehungen sind nur bei allfäliig i vorhandenen Herzkrankheiten anzurathen. sonst immer zu vermeiden. I in die Blutentmischung z»»r Norm zu- riiekzuführeii. hat man Phosphor. Kali j . Ammoniumpräparate angewandt, aber ohne Nutzen: ! Salmiak. Inq. ~ ri geben nur vorübergehende Linderung. Besser wirkt die roborirende .Methode verbunden mit g»iter Nahrung bei Torpiditat. Bei Hydrops haben die englischen Aerzte Dinretica empfohlen. Digitalis. (Yemor tartari. Tartarus lartarisat. Nützlicher scheinen noch die leichten Toniea Herb, uvae ursi. Ehenopodium ambros' ‘ ’ s zu wirken. Man hat selbst Tcrpenthin. Bais. copaivae. Hanthariden. Sipiilla. Bettig. Meereitiir etc. empfohlen. Erfolgt keine Diurese. >o 20 muss mau natürlich zu den schon erwähnten stärkeren Diureticis übergehen. Die Diuphoi'Cse int eifrig in <*ang zu bringet Hader sind kailm zweckmässig, eher Dampfbäder, Häiicheriiugen. Man gebe Diaphorctica Sambuca*. Sj»ir. Miiplereri, Ammon. carbonie., zweckmässig sind Dowersche Pulver, namentlich auch zur Beruhigung bei Diarrhoe. Der Purgantien muss mau sich bei der Neigung zu Diarrhoe enthalten, da man den Kranken zu sehr schwächt. In seltenen Fällen wendet mah Salze. Drastica an. um kurze Wirkung hervorztibrin- gen Aloe, (iummi gutta, ül. Hicini. Fahnne!. Hei chronischem Verlaufe der Hrijjlif'schcn Krank« heit hat man auch Acid. Jiitrirum, Actd. muriaticum empfohlen, allein ihre Wirkungen sind noch nicht con- statirt. Man gieht sie scrupelweise, hat sich aber zu hfl- teil, dass sie nicht zu sehr die Darinschleifiihaut reizen, Sympathische Symptome, Diarrhoe, Coma, sind durch geeignete Mittel zu besänftigen. Hei hartnäcki- ger Diarrhoe wendet man Oleosa. Murilaginosa, Alaun, Nareotiea an. (Anna ist meist lethal. Man kann noch topische Hliitentziehungeii. kalte Hcgiessungen an wenden , bei vollständigem Sapor Stimulantia, Vesteanfia. Die Diät sei hei der chronischen Form niefit so streng wie hei der acuten; Fleischspeisen, selbst M ein können gegeben werden; dabei warme Kleidung, troduie Wohnung, sorgfältige Hautkiiltur, Reiben der Haut mit Flanell, russische Schwitzbäder. l'omplirationcn, die eintreten sollten, müssen entsprechend behandelt werden, manchmal »st seihst Autiphlogose indicirt. 5A7 /£ 77 9 7c3 r i *5 :BN