/>.-L r^^v ^>>- A)^-A?L5! ^^57/^r ^/X>- >.>-L !-.'^>E 7.L-;, < >,S>: W-Ä 'r^-"» V-^r. ,>->-x^!-. Nir-k?. >-??/»- LL-Ä '>^ vocAkus deus Ädrrit^ Christian Wilhelm Franz Walchs der Theol. Doctorö und derselben und der Philosophie ordentl. Professors zu Göttingen Entwurf einer vollständigen istorit der Kezereien, Spaltungen und Rrli- gionsstreitigkeiten, bis auf die Zeiten der Reformation. Zweiter Theil. Leipzig bey M. G. Weidmanns Erben und Reich. 1764. ^ - H-- »-. -? ^ ? V » - .r. 7 - Vorrede. ielleicht erwarten meine Leser zu erst eine Entschuldigung, daß dieser zweite Theil meiner Kezerhistorie spater ans Lrchr tritt; als sie nach meinem Versprechen zu erwarten, ein Recht gehabt. Da die Ursachen des Verzugs nicht in meinem Willen; sondern in den Umstanden, in denen mich die gute Hand meines Gottes nach der Beschaffenheit meines Amts gesezet,zu suchen, und diese wenigstens meinen Freunden bekannt sind; so hoffe, daß auch von andern mir desfals nichts zur Last geleget werden sol. Wenn bei einer solchen Arbeit nicht auf eine viel nachteiligere Art die Erwartung der Leser hintergangen werden sol, so ist nicht so wol ein kleiner Verzug, als eine jede, unter andern Zerstreuungen unvermeidliche, 2 Ueber- Vorrede. Uebereilung derjenige Fehler, den der Schriftsteller zu vermeiden verpflichtet ist. Obgleich dieser zweite Theil an der Bogenzahl dem ersten ganz nahe kommen dürm; so ist doch die Anzahl der in demselben abgehandelten Religionstrrungen ungleich kleiner, wovon die Ursachen gar nicht in einer Veränderung meines Entwurfs; sondern in den Sachen selbst liegen. Die Kczereien, die iezt vorgetragen werden, sind wegen ihres Einflußes in die Geschichte der Glaubenslehre und daher entstehenden theologischen Brauchbarkeit ungleich wichtiger; als die gnostischen Schwärmereien und verdienen daber recht vorzüglich untersuchet zu werden. Die verschiedenen Lehrbegriffe von der heiligen Dreieinigkeit der Sabellianer, derSamosate- maner und der Arianer sind vor den Theologen weit unentbehrlicher; als die Aeonenketten und Geisterzeugungen. Eben diese Streitigkeiten haben auch gröstenrheils wichtigere Folgen an Veränderungen in der gottesdienstlichen und oft in der bürgerlichen Gesellschaft gehabt. Doch dieses alles würde unsere Erzehlung nicht weitlauf- tiger machen, wenn sich nicht die Menge von Urkunden Vorrede.' künden und glaubwürdigen Nachrichten zugleich vergröserte, welches zwar vor den Gescbichtschrei- ber ein groser Vortheil ist; seine Erzehlungen aber auch zugleich erweitern mus. Unrerdeßen habe ich doch meinenVortrag nie ohne Noht verlängert und würde ich besonders bei dem Artikel von den Arianern noch viel weitläufiger haben seyn können, wenn ich nicht mir Sorgfalt das Entbehrliche zu vermeiden, gesucht hätte. Ob ich was Neues; oder vorhero unbekanntes gesaget? ist eine so unbestimmte Frage, die ein jeder Leser nach feiner Einsicht beurtheilen mus. Ich seze nicht in dem Neuen; sondern in dem Mahren den Vorzug solcher Arbeiten. So viel kan ich aber doch versichern, daß die Vorstellungen mancher Kezerei; oder auch einzelnen Begebenheit in meinem Buch ein anderes Aussehen bekommen; als sie bishero gehabt. Es gehet in der Kezerhistorie, wie in vielen andern Wissenschaften, daß gewiße verjährte Meinungen ohne allen Beweis sich behaupten, deren Ungrund sich so bald entdecket, als man die Quellen selbst gebrauchet. Die neuern Gelehrten sind zwar schon mistrauischer; allein^ sie gerahten oft auf z den Vorrede. den andern Abweg, und die Begierde, etwas Neues zu sagen, und oft vielleicht, noch schlimmere Bewegungsgründe verleiten sie zu neuen Vorstellungen, die gewis nicht bester gegründet sind. Man wird in diesem Theil, sonderlich in dem Artikel von der Kezerei des Paul von Samosata, von der novatiamschen Spaltung und von dem Streit über die Rezertaufe hin und wieder merkwm'dige Beyspiele antreffen. Dadurch ist es geschehen, daß ich oft etwas sagen müßen, was meines Wißens so noch nicht gesaget worden. Ich hoffe auch, daß die wichtige Arianerhistorie nach einem netten Plan ausgearbeitet, welcher nicht allein mehr Ordnung und Deutlichkeit in die Erzehlung bringet; sondern auch die Gründe vernünftiger Beurtheilung in ihr nöhtiges Licht sezet. Man wird auch damit zufrieden seyn, daß ich einige wenigstens als besondere Artikel in den Kezergeschichtbüchern ungewöhnliche Streitigkeiten eingerükt habe, wohin der Abschnitt von dem Streit mit dem Dionysio und der gröste Theil des Abschnitts von den altern Chiliasten gehöret, indem dadurch die Vollständigkeit der andern damit verbundenen Merkwürdigkeiten gewinnen mus. An Vorrede. An der Art des Vertrags habe im Grund nichts geändert. Vielleicht dürften einige das vor eine Aenderung halten, daß ich mehr Aus- züge aus den Quellen mittheile; als es im ersten Band geschehen. Allein es würde auch damals geschehen seyn, und ist auch oft, wenn es geschehen können, geschehen, wenn wir von den ältesten Kezereien so viele wichtige Quellen und besonders Urkunden hätten. Da durch dergleichen Auszüge die Beweise dem Leser selbst unter die Augen gestellet werden und er dadurch in Stand gesezet wird, selbst des Zeugnißes Inhalt und Wehrt zu beurtheilen; so habe dieses vor das sicherste Mittel angesehen, zumal verworrene Fragen aufzuklären. Da in diesem Band aus der Kezerhiftorie des vierten Jahrhunderts nur ein einziger Artikel geliefert ist, so dürfte dieses bey manchen die Besorgnis erweken, daß das Werk selbst zu einer grosen Anzahl vor: Banden erwachsen müße. Nun kan ich zwar noch nicht sagen, wie viel derselben werden sollen; allein zu einigem Trost vor mich und meine desfals besorgte Leser kann dieser Grund dienen, daß nur das vierte und fünfte 4 Jahr- Vorrede. Jahrhundert an so vielen wichtigen und durch die Menge vorhandner Quellen weitlaustigen Artikeln reich sind; in den folgenden Zeiten aber theils wenigere Irrungen entstanden; theilsvon denen, die Bewegungen gemacht, oft nur kurze und trockene Nachrichten uns überliefert worden. Wenn der Herr wil und mir Leben und Gesundheit fristet und keine wichtigere, von meinem Willen nicht abhängende, Arbeiten dazwischen kommen, so sol der dritte Theil binnen Jahresfrist folgen. Ich habe nichts weiter beizufügen; als den Wunsch, daß Gott auch diese Arbeit zur Ehre seines Nahmens und zum Nutzen derer, die sich den: Dienst seiner Kirche gewidmet, mit seinem Segen begnadigen wolle. Geschrieben auf der königlich grosbrittanmschen und churfürst- lich braunschweiglüneburgischen Georgau- gustusuniversitat zu Goettingen, den 24 April 1764. Chr. Wilh. Franz Walch, D. Anzeige Anzeige der in diesem zweiten Theil abgehandelten Kezereien, Spaltungen und Religions- streitigkeiten. ' ^^as erste Buch von den in den ersten drei Iahrhunder« ten entstandenen Kezereien, Spaltungen und Streitigkeiten. Das dritte Haupstük von K. St. und Sp. die im dritten Jahrhundert entstanden. Der zweite Abschnitt von den Feinden der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit. Die erste Abtheilung von der Kezerei des iTloeti, S. z Die zweite Abtheilung von Kezerei des Sabellii, S. 14 Die dritte Abtheilung von der Streitigkeit mit dem B-D'0- nysro von Alexandrien über seinen Widerspruch gegen die Sabellianer, S. 50 Die vierte Abtheilung von der Kezerei des B. Paul von Samosata, S. 64 Die Anzeige. Die funfre Abtheilung von demIrtum des B.Berplli von Bostna, S. 126 Der dritte Abschnitt von den Streitigkeiten mit den Lehrern des tausendjährigen Reichs, mit Nepote. 1. von ältern Lhiliasten, S. iz6 2. von Nepote, S. 152 Der vierte Abschnitt von einigen kleinern kezerischen Partheien. Die erste Abtheilung von den Arabiern, S. 167 Die zrveite Abtheilung von den Valestern, S. 171 Die dritte Abtheilung von den Angelikern, S. 177 Die vierte Abtheilung von den «sypststariern, S. 182 Die funfre Abtheilung von dem Kezer privaro, S. 18 r Der fünfte Abschnitt von den Spaltungen des dritten Jahr- Hunderts. Die erste Abtheilung von der novatianisthen Spaltung, S. 18s Die zweite Abtheilung von den Unruhen zu Carthago, besonders der Spaltung des Felicistuni, S. 288 Der sechste Abschnitt von der Streitigkeit über die Rezer- raufe, S. zio Das zrveite Buch von den im vierten und fünften Jahrhundert entstandenen Kezereien. Das erste Hauptsiük von den Kezereien, Streitigkeiten und Spaltungen, die im vierten Jahrhundert entstanden. Der Anzeige. Der erste Hauptabschnitt von den Feinden der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit. Die erste Abtheilung von der Kezerei der Arianer. Der erste Abschnitt von den persönlichen Umständen des Arii S. z8s Der zweite Abschnitt von der Geschichte der arianischen Kezerei im römischen Reich. I. Von dem Ausbruch der arianischen Kezerei, S-4O s II. Von den Begebenheiten des Arius und seiner Freunde, bis auf die Kirchenversamlung zu Nicäa, S. 424 III. Geschichte derArianer von der Kirchenversamlung zu Nicäa bis auf Arii Tod, S. 468 IV. Von den Geschichten der Arianer von Arii Tod bis auf den Tod Constantii, S. sn V. Von der Geschichte der Arianer vom Tod Constantii bis zu ihrer gänzlichen Unterdrükung im römischen Reich, S. sZ9 Der dritte Abschnitt von der Geschichte der Arianer unter andern Völkern. I. Unter den Gochen, S. ssz II. Unter den Wandalen, S. 559 III. Unter den Sueven, S. 56z IV. Unter den Burgundiern^ S. 564 V. Unter den Langobarden, S. 566 ^Der Anzeige. Der vierte Abschnitt von dem arianischen Lehrbegrif und den mancherlei Partheien unter den Arianern, S. 569 I. Lehrbegrif des Arii und der Arianer bis auf die Zeit der nicanischen Kirchenversamlung, S. ^72 H. Von den Streitigkeiten mit den Arianern nach der Kirchenversamlung zu Niraa, S. 607 Der fünfte Abschnitt von den gelehrten Anhängern und Gegnern der arianischen Parkhei. ' S. 6z6 Der secbfte Abschnitt. Beurtheilung der arianischen Streitigkeiten, S. 689 Entwurf Entwurf einer vollständigen Historie der Kezereien, Spaltungen und Rellglons» streitigkeitm bis auf die Zeiten der Reformation. Zweyter Theil. A 3 Das erste Buch von den in den ersten drey Jahrhunderten entstandenen Kezereien Spaltungen und Streitigkeiten. Das dritte Hauptstük von den Kezereien.. Streitigkeiten und Spaltungen, welche im dritten Jahrhundert entstanden. Der zweyte Abschnitt von den Feinden der Lehre von der heiligen Drei» einigkeit. < Die erste Abtheilung von der Kezerei des Noeti. K. l. ie öfentliche Bestreitung des biblischen Lehrbegrtfs von drey Personen in emem göttlichen Wesen ist in dem dritten Jahrhundert weiter getrieben worden; als es in dem zweyten geschehen. Es ist auch gewis, daß A 2 mehrere 4 Rezerei mehrere Personen und Partheien sich durch Vertheidigung solcher Irtümer, welche jener entgegen stehen, bekannt gemacht, und eben so gewis, daß nicht alle einerlei Vorstellungen davon gehabt; sondern hierinnen erheblich von einander verschieden gewesen. Wir wollen in den Erzeh- lungen dieser Kezereien von der gewöhnlichen Ordnung, die in der Zeitfolge gegründet ist,uns nicht entfernen und dem Noeto den ersten Plaz einräumen. 2 lnm. i. Aus dem Theodoreto hoeretic. ladulsr. /r'ö»'. III. cax. z. lernen wir, daß schon vor dem Noeko, ein gewißer Epigonus eben diese Irtümer vorgetragen und ein anderer, LIeomenes, sie noch mehr befestiget. Weil uns aber von diesen Männern außer ihren Nahmen nichts aufbehalten worden; so müßen wir es bey dieser Anzeige bewenden laßen. Anm. 2. Von den Quellen der Nachrichten vonderKeze- rei des Noeri müßen wir folgendes erinnern. Einmal diejenigen Schriftsteller, denen das meiste Ansehen gebühret, sind des chppolyti Schrift contra liLrelln Xos- ti, in seinen Werken, nach Fabricii Ausgabe, tonr. II. p. Epipkanius dssres H.VII. U. in der anacepk. §. XI. und TheoSorerus stör. III. ra/). z. bey welchen das merkwürdig, daß die beyden ersteren genau mit ein- ander übereinstimmen. Hingegen sind die lateinischen Schriftsteller, wie Philastrius hoeres. zz. und Augnstinus äe dsores. ca/,. zv. von geringern Wehrt; der leztere redet auch von ihnen cqo. 41. Noch weniger Ansehen haben die noch neuern Geschichtschreiber, wie der V. des l^roecielrinatus, Johann von Damasker«, u. d. g. Zweyten« man kan wol mit Grund annehmen, daß der obengedachte Aufsaz des -Hippolyri als die erste Quelle anzusehen, bey welcher denn verschiedene Fragen zu bemerken. Die erste, ob derselbe eine eigne, mit besondern Fleis den Noetianern entgegen gefezte Arbeit; oder ein Stük einer allgemeinen Polemik des Noeri. 7 remik des -Hippolyti sey ? ist zum Theil nicht znverlaßig zu beantworten; zum Theil vor uns an diesem Orte von geringer Erheblichkeit. Hingegen ist die xweyte, wer der wahre Verfaßer deßclben sey ? uns allerdings wichtig, da selbige in die Entscheidung der Frage von der Chronologie einen grosen Einflus haben kan. Daß rr bisher» dem Hippolvro zugeschrieben worden, hat seine Richtigkeit; es ist aber auch gewis, daß es an überzeugenden Gründen hier sehr fehle, und wahrscheinlich ist der Mangel einer beßern und erweislichem Meinung die wahre Ursache, warum jene angenommen worden. LarSnev in creäibil. ok tke 6. Ü. xart. II. r/o/. z. p. g;. 5 g. u. r-o/. 4. p. 44!. hat gesucht, einige Ursachen anzugeben, warum diese Schrift vor -Hippolyri Arbeit nicht gehalten werden könne; sie sind aber ge- wis nicht hinreichend, dieses außer Zweifel zu sezen. Unterdeßcn erkennet doch LarSner, daß die Schrift selbst ein hohes Alter habe und in der Historie glaubwürdig sey. Wir wollen daher zwey Regeln ableiten: einmal, es ist vernünftig, in der Geschichte derKezerei des Noeti dieser Schrift nicht allein ein Ansehen ; sondern auch den Vorzug vor den übrigen einzuräumen, weil sie in der That die älteste Quelle ist, die auf unsere Zeiten gekommen; hernach alle Schlüße, welche voraus sezen, daß -Hippolyrus ihr Verfaßer sey, sind von sehr zweydeutigcn Gewicht, weil eben dieses noch sehr ungewis ist; sie sind aber noch von geringern Wehrt, wenn die persönlichen Umstände dieses Kirchenlehrers zum Grund liegen sollen, die ebenfals vieler Ungewis- heit unterworfen. §. n. Von dem Noeto haben uns die älteren Geschichtschreiber nur diese kurze Nachricht hinterläßet Er war aus Smyrna, und wenn ein alter Schriftsteller meldet, er sey eilt Epheser; so hat er entweder den Ort seines Aufenthaltes anzeigen wollen; oder, welches wahrscheinlicher ist, geirret. Ob er eine dfentliche Bedienung A z beklei- 6 Rezerei bekleidet, ist unbekannt. Er hatte einen Bruder, den er Aaron, wie sich selbst Mosen, nannte. Es ist dieses eine grose Kleinigkeit, die doch zu den neuern Zeiten einige Anmerkungen gelehrter Männer veranläßet. Wie er zuerst ansieng, seine Irlümer zu hegen, wurde er von den Ael- testen der Gemeine, wo er sich aufhielte, vorge- fordert. Dieses mal half er sich durch das Leugnen durch. Allein die Klaget, wurden erneuert und er bekam durch die vermehrte Anzahl seiner Anhänger, die doch an sich klein war, den Muht, seine Gedanken von Gott frey zu bekennen und zu vertheidigen. Weil sich die Hof- nnng, ihn znbeßcrn, verloren haue, wurde er mir seinen Anhängern von der Kirchengemein- schaft ausgeschloßen. Er ist bald darauf mit seinem Bruder gestorben. Man meldet den Christen zur Schande, daß Niemand sich mit ihrer Beerdigung beschäftigen wollen. Ob er etwas schriftlich hinterläßet,, ist ebenfals nicht berichtet worden. Die Zeit seines Lebens läßet sich nicht anders; denn durch Muhtmaßungen I. C. bestimmen und diese machen wahrscheinlich, daß 220 er in die erste Hälfte des dritten Jahrhunderts gehöre. Anm Diese Nachricht ist aus den Berichten der drey angeführten Schriftsteller Hippoy-ri, Epipbanii u. Theodoren genommen. Zu ihrer Erläuterung ist noch beyzufügen : i) daß Noerus aus Sinyrna gebürtig gewesen, sagen -Hippolyrus und Theovoretus; die Stadt Epheftrs aber nennet Epiphanius llserel'. HVII. §. I. Wir stnd deßwegen geneigt, dieses vor einen Fehler zu halten, weil eben dieser Geschichtschreiber in der -mace- xiiLl. des Noeti.' 7 pl-a!. §. XI. den beyden ersten beystimmet: 2) eben so scheinet es ein Versehen zu seyn, wenn Philastrius äs irreres, cn/r. ;z. meldet, daßNoetus seinen Brudernicht Aaron; sondern Eliam gencnnct: z) was die Verglei- chung selbst, durch welche Noetus sich mit Most und feinen Bruder mit Aaron in eine Achnlichkeit gcsczet, vor einen Grund oder Zweck gehabt, ist eine sehr unnü- ze Frage. Beausobre in der lMoiee äll Klanich. tom, I. p. zz4. glaubet, daß er nichts weiter sagen wollen, als daß sie beyde, wie jene alte Knechte Gottes, das Amt haben, die reine Lehre von der Einheit Gottes vorzutragen und den heidnischen Jrtümcrn zu widersprechen. Mosbeim commentar. p. 6F2. lg. kommt diesem ganz nahe. Beyde sezen hinzu, daß her Kezermacher- geist diesem nicht übel gemeinten Vorgeben eine so verhaßte Gestalt gegeben. Larvner am a. O p. 451. kommt »och kürzer weg. Er halt die ganze Erzehlung vor eine Fabel. Wir sehen aber die Unwahrscheinlich- keit nicht, welche hier voxausgesezet wird. Solche Thorheiten sind bey dergleichen Leuten geivis nicht selten gewesen: 4) Der Umstand, daß Noetus von den Aeltesten und nicht von einem Bischof zur Verantwortung gezogen worden, hat Mosheim veranläßet, zwey Muhtmaßungen zu machen, unter denen die lejte, daß an demselben Ort damals kein Bischof gelebet, wahrscheinlicher; als die erste ist, daß Noetus selbst Bischof gewesen, z) Die chronologische Frage beruhet aufzwey Merkmale- Epiphanius saget, Noetus habe i zo Jahr gelebet, ehe er seine Historie geschrieben, welche in das ' I- C- Z7Z. u. Z76 gesezt wird. Dieses ist der Grund, warum die meisten den Anfang der Kezerei des Noeti zwischen die Jahre 240 - 245 sezen. Sobald man aber annimmt, daß -Hippolyrus der wahre Verfaßer der vbengedachten Schrift sey, welcher gewis eher gestorben, und doch schon von Noeti Tod redet, so mus mau auch den Noerum alter machen und nach einigen in die ersten Jahre des dritten Jahrhunderts sezen; nach andern aber ihn um das Jahr 220. wenigstens seine Kezerei anfangen laßen. Man sehe Basnagens snnal, eccles. polit. snn. LUVI- §. 14. Tillomonts memai- res pour tervlr ä 1' histoire ecclel. tom. IV. l>- 2 z 8. A 4 Beaer- 8 Rezerei Beansobre bi^oire äu INsnicb. tom. I. x. zzz, Larv« ner ebendas. x. 2Z8- §. m. In Ansehung des eigentlichen Lehrbegrifs des Noeri sind die Nachrichten der alten so klar und deutlich nicht, daß wir uns davon eine zu- verläßige und vollständige Vorstellung zu machen getraueten. Es ist wahr, daß einige unter denselben versichern, NoetUS habe eben die Jr- tümer gelehret, durch deren Vertrag, kurze Zeit darnach, Sabellius die Kirche beunruhiget, und eben so wahr ist es, daß die meisten neuern sich begnügen, dieses zu wiederholen und nach diesem Grundsaz ein Lehrgebäude des Noeti entwerfen , von dem sehr wenige Theile einen erweislichen Grund haben; allein, aufrichtig zu reden, kan dieses einmal nur aus neuern, fremdem und mit der Geschichte des Noeti weniger bekannten Schriftstellern hergeleitet werden: hernach ist so wol die Frage, ob es wahr sey, daß Sabellius ein Schüler und Nachfolger des Noeti gewesen, als worinnen Sabellii Jrrum eigentlich bestanden, noch vielen Dunkelheiten und Schwierigkeiten unterworfen. Beyde Fragen müßen von uns in dem folgenden Abschnitt untersuchet werden, und wir können daher von diesem Erkäntnisgrund des noetianischen Lehrbegrifs keinen Gebrauch machen. Man gehet daher sicherer, wenn man die wenigen Nachrichten, so von des Noeti eignen Lehrjazen und deren Gründen uns übrig sind, dazu nuzer, daß man des Vtoeci. 9 man eine zwar weniger vollständige; aber doch gewißere Vorstellung von denselben erlanget. Wohin folgendes gehöret: I- Es ist sehr wahrscheinlich, daß Noetus in der Lehre von der heiligen Schrift keine Irrü- mer gehabt; sondern darinnen mit dem rechtgläubigen Theil der Christen einstimmig gewesen : A„m. Man lernet dieses aus dem Gebrauch, den er von biblischen Stellen zur Unterstüzung seiner Irlümer gemacht. Larvncr, p. 456. hat diese sorgfältig gesamlet. II. Keinen Lehrsaz hat Noetus mehr vertheidiget und durch biblische Beweise zu unterftü- zen gesucht, als diesen, daß nur ein Gott sey: III. welches er dahin erkläret, daß er die Lehre der Christen von der Mehrheit der Personen in der Gottheit verwarf. Er erkannte in der That nur eine Person, welche in der Schrift durch den Nahmen des Vaters bezeichnet werde: Anm. Diese beyden Saze werden den Noetianern von -Hippolyro, Epipbanio und TkeoSoreto ausdrnklich beygeleget. Sie sind auch nothwendige Grundsaze der Folgerungen, die sie in der Lehre von Christo daraus herleiteten. Man thut ihnen nicht Unrecht, wenn man sie unter die Unitarier rechnet, ob es gleich wahr ist, daß sie sich von andern, die dahin gehören, merklich unterscheiden, wenn sie von Christo reden. IV. Christus wird in der heiligen Schrift Gottes Sohn und wahrer Gott genennet. Er A 5 mus Rezerei is mus daher von dem Vater nicht unterschieden seyn. Wir müßen dahero auch von dem Vater das sagen, was die Schrift voll Christo behalt-, ptet. Es ist dahero richtig geredet, daß der Vater zugleich der Vater des Sohns und der Sohn: geboren worden, gelitten, gestorben. V. Weil aber der Vater doch auch als Gott ungeboren, unveränderlich, mithin des Leidens unfähig und unsterblich ist; so mus beydes zugleich wahr seyil, das ist, der Vater ist nach einem Verhältnis unsterblich, nach einem andern sterblich, u.s.w. Anm. Wir haben hier die Lehre des ttoeti, welche nach dem Urtheil der Alten die wahre Unrerscheidungslehre dieser Parthct ausgemacht, so vorgestellet, wie sie die Alten, denen wir folgen müssen, uns berichtet. Es find fast die eignen Worte, welche Epiphanius den Noetianern in den Mund leget. Theodoren,« /rö,-. III. hseretiosr. fsbulsr. ca/r. z. hat diese Säze am deutlichsten. Unter den neuern kan auch darüber kein Streit seyn , ob nach den Berichten der Alten die Noetianee so geredet, daß sie gesaget, der Vater sey der Sohn: der Vater hab« gelitten; wol aber, wie sie diese seltsame Ausdrüke verstanden. Es sind uns davon dreyer, let Meinungen bekannt worden. Die erste und gewöhnlichste erkläret die Lehre des Noeti so, daß sie völlig mit den Vorstellungen, welche in den Schulen der Gottesgelehrten der sabellianische Lehrbegrif gcnennet worden, einerlei ist. Der Irrum gehöret iu den Artikel von der Dreieinigkeit. Der innerliche Unterschied der Personen wird aufgehoben, und ein bloser Unterschied der Nahmen bleibet übrig. Man kan nicht leugnen, daß schon alte, zumal Augustiners äs kseresi cax. 41. diese Vorstellung sich gemacht. Und die neuern sind ihnen ge- folget. Die zweyte Meinung sol den Irtum der Noe- tjaner vernunstmäßiger und erträglicher machen; ver- des Nocti. ii sthlimmert ihn aber merklich. Noetus ist ein Soci- nianer. Er erkennet nicht allein nur eine Person in der Gottheit; sondern halt auch Christum vor einen blosen Menschen. Dieser hcise aber der Sohn Gottes und Gott, entweder, weil sich die göttliche Barmherzigkeit durch das von jenem vollendete Erlösungswerk offenbaret, wie Souverän; in plaronilme äevoilö I. ca/>. 12. oder, weil Gott durch sein Wort, oder Offenbarung ihm diejenige Erkantnis mitgetheilet, durch welche er den Menschen den Weg zur Seligkeit zeigen sollen, und damit eine grose Kraft verknüpfet. Dieses hat Beausobre in der kilroire äu Nanick. kam. I. p, 5zz. lg. vorgetragen nndLarDner ist, ihm zu folgen» nicht abgeneigt. Endlich ist die dritte Meinung diejenige, Ivclche Mosheim in conimentsriis . am weiklauftigsten vorgetragen und mit Eifer vertheidiget , nicht allein den Beyfall sebr gelehrter Männer, wie des schon angeführten Pekavs, Kasnagens jn der lnstoire äe I'erlist to,». I. /ibr. II. csp. z. §. z. Buvdei in Institut. tkeoloF. stammst, libr. II. ca/>. i. §. ;i. Stakhousens in dem kralle completstela tkeo- lo^ie tom. I. p. 2yz. u. anderer erhalten; sondern auch Gründe vor sich habe, die nicht unerheblich sind. Es ist einmal klar, daß die älteren Schriftsteller dem Sa- bellio folgendes beylegen, daß er den Unterschied der Personen aufgehoben, wieAthanasiusäe aävent. 6Iiri- ki, tom. I. «per. p. 6z?. Gregorius von Nazianzus orat. IV. p. 22 l. daß er nicht allein ein Wesen, sondern auch nur eine Person gelehret, wie Theoöorerus kseretic. tabular. übr. III. cap. y. und Basilius der Gross epiü. LLX. p. zis. im dritten Theil seiner Werke, nach derBene- dicriner Ausgabe: es waren nur drey Nahmen einer Person (ie V7ro5« zerrt hat schon Alexander Moru» In äistr. sä osp. ^es. p. 7. und in den vbiervst. in N. 'p. p. Fl- 82. vorgetragen: in der Hauptsache, wie wol mir einiger Verschiedenheit, Sauverain in dem ?istonisnie äe- voile tom. I. 12. p. 74. angenommen; niemand aber mit mehrerer Gejchiklichkei'r und Eifer behauptet, als Beaufobre in der iüstoiro äu iNsuicti. /§/». t. p. L 4 5ZZ- 24 Rezerei zzz. welchen denn Vkies in der 6lss. 6sprilcillisvlst. x. zz. z6. und nicht undeutlich Laconer in der creäl- bilitz, ok tke 6. 16. xa» t. II. r-o/. 4. p. 622. sqq. beyge- treten. Die Gründe dieser Erklärung, wie sie Beau.« sobre gesamlet, lind folgende, einmal, das Zeugnis des Epipbanii, KZsres. I.XÜ. §. I. daß die Sabellianer den Unterschied des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes durch das Verhältnis des Sonnenkörpers, der Kraft zu scheinen und der Kraft zu warmen ausgedrü- ket, welches Bild sich auf diese Vorstellung am besten anwenden laße: hernach der Bericht des Abnlpharai Hills,-, llvoall. p. 8>- daß nach dem sabellianischen kebrbegrif die drey Personen das Daseyn, die Weisheit und das Leben, solche aber nur Eigenschaften und Verhältniße Gottes wären: ferner, die Anmerkung des Lasilii des Grasen Spill. I^XIl. der sabellianische Jr- tum sey im Grund mit der jüdischen Lehre völlig einerlei. Es läßet sich dagegen aber billig erinnern, daß der zweyte Zeuge wegen seines jünger» Alters ungültig: der dritte nichts entscheide, weil Basilius die Gränzen der Vergleichung zwischen den Irtümcrn der Juden und der Sabellianer nicht bestimmet; der erste Beweis aber auf ein Bild und Gleichnis beruhe, welche ebenfals eine» Lehrsaz mehr erläutern, als bestirnt erklären. §. VI. Ein noch neuerer Gelehrter hat alle diese Wege, den sabellianischen Jrtum zu erklären vor unerweislich gehalten: und hierinnen hat er wol nicht Unrecht. Er hat gesuchet das wahre Lehrgebäude des Sabellii auszusuchen, und nach stiller Vorstellung hat es in der That eine ganz andere Gestalt gehabt; als sie von andern abgebildet worden. Es ist ganz richtig, worin- nen alle übereinstimmen, daß die Sabellianer ge- lehret, es sey nur Eine göttliche Person. Die heilige Schrift unterscheidet den Vater, den Sohn wld den heiligen Geist, und Sabellius gab zu, daß des Sabellii. °s daß zwischen den dreyen ein Unterschied seyn müße; er sezte aber diesen Unterschied nicht blos in der Verschiedenheit der Nahmen, indem er nickt allein eine Dreieinigkeit gelehret; sondern auch diejenigen verfluchte, welche dieser Lehre nicht beypflichteten. Er nahm einen wirklichen Unterschied an ; doch dieser war weder wesentlich; noch persönlich und diese drey sind keine vor sich bestehende Personen; sondern drey Theile der göttlichen Natur, die von Gott abhingen: von ihm aber und unter sich . unterschieden sind. Der Theil durch welchen Gott die Welt erschaffen, ist der Vater. Er ist auch der Vater Christi , weil er ihn im Leib der Mariä erschaffen. Der Theil welcher sich mit dem Menschen Christo vereiniget, um das menschliche Geschlecht zu erlösen, ist der Sohn, weil er in dem Sohn Gottes (welcher Nahme sich auf seine wunderbare Zeugung beziehet) gewöhnet, durch ihn gelehret und Wunder gethan, und mit ihm gcwißer Maßen eine Person ausgemacht. Der dritte Theil, der alles in der Welt belebet und die Menschen erleuchtet, wiedergebieret und zum Guten antreibet, ist der heilige Geist. Diese drey sind also von Gott auf der einen Seite gerrennet; auf der andern aber mit ihm vereiniget. Man kan aus dieser Erklärung auch die wichtigsten Folgen ziehen, welche die alten aus Sabellii Lehrbegrif herleiteten, weil nach diesem dasjenige, was der Sohn gethan, zwar nicht dem Theile, den die Sabellianer den Vater nannten; sondern Gott, von dem beyde zwei Theile sind, zukommen muste. B 5 Anm. 26 Rezerei Anm. Der gelehrte Man, dessen Gedanken wir hier in der Kürze vorgetragen, ist der sei. Mosheim. Er hat sie in den comm. >) die Kraft zu erwärmen (i--> und die runde Figur (i-o ""d von diesen dreyen soll das erste dem Sohn, das zweyte dem heiligen Geistj und das dritte dem Vater ähnlich seyn. Nach Epipbanii fernern Bericht, soll Sabellius den Sohn mit einem Sonnenstral verglichen haben, der in die Welk gesendet worden, und nach Vollendung des Erlösungswcrkes wieder zum Vater, als in dieSonne, zurük gekehret, und ebenso werde der heilige Geist, wie ein Stral, zur Erleuchtung und Heiligung in die Welt gesendet. Man stehet leicht, daß diese Begriffe der Sendung und des Zurükkehrens nicht statt haben, wenn nur von einer blosen Nahmcnoerschiedenheit die Rede seyn solte, und daß sie wirklich etwas mehreres sagen; als wenn der Sohn und der heilige Geist nur eine blose Kraft; oder Wirkung derselben seyn selten: 5) die Stelle des B- Alexanders von Alerandrien in dem Schreiben an den B- Alexander zu Constankinopel, welches Theodoretus tiistor. eccles. sth»-. I. ca/>, z. tom. III. oper. p. 5Zg. uns überliefert Er saget, er glaube, daß Jesus von dem Vater gcjeuget worden, nicht durch ein körperliches Zerschneiden und Ausfließen, wie Sabellius und Valenrinns lehnten. Wenn man voraussetzet, daß Alexander hier gna» rede, und weil der Ausdruk vom Ausfliesten von dem Valentins verstanden werden müße, der erstere Sabellii Irtum anzeigen solle; so ist es klar, daß dieser eine Zeugung des Sohnes zwar gelehret; aber auch sehr körperlich erkläret und den Sohn vor einen vom Vater abgeschnittenen Rezerei sr tenen Theil gehalten. Es ist aber nicht zu lerchnen, daß diese Stelle sehr dunkel und gewis dem Sabellro mehr beyleget; als es sonst erweisltch ist. 6) die Stelle des Arri beym Eplphanio hseres. l^XIX. p. 7 Z 2 . wo er meldet, Sabellias trenne die Einheit Gottes und nenne eben dieselbe Person Vater und «Aobn. Es ist schwer zu begreifen, wie bendes beysammen bestehen könne, wenn nicht eine solche Erklärung zu Hülfe genommen wird, wie Hr. von Mosheim gegeben. tz- vn. Diese Vorstellung der sabellianischen Lehre von der heiligen Dreieinigkeit unterscheidet sich von der gewöhnlichen so merklich, daß man leicht emsiehet, derJrtum, den man mit diesem Nahmen beleget, führe denselben ohne Ursach. Un- terdeßen aber können wir uns bey einer kritischen Prüfung der geführten Beweise nicht überzeugen, daß sie völlig richtig sey. .Wir wollen da- hero dasjenige, was uns in dieser dunklen Materie am wahrscheinlichsten ist, nebst den Ursachen, welche uns, so zu denken, bewegen, kurz anzeigen. I. Die alten, welche den Sabellium und seine Anhänger am besten gekannt, sagen, daß sein Lehrbegrif der Lehre von Gott, und allen drey Personen nachtheilig sey. Anm. Diefts lehret Dionyslus von Alexanderen bey dem Eusebio dillor. eccles /rhe. Vll. cax>. 6. II. Es ist als eine unter den alten ausgemachte Sache anzusehen, daß der sabellianische Lehrbegnf einer von den zwey einander so entgegengesehen Irtümern sey, daß der arianische der des Sabellii. -9 der andere sey und die Wahrheit zwischen beyden in der Mitte bleibe; ja Artus durch Uebertreibung des Widerspruchs gegen Sabellium, auf seinen Irtum verleitet worden. Man kan daraus folgern, daß Sabellius, der nicht geleugnet, daß Vater, Sohn und heiliger Geist sey, in Bestimmung des Unterschieds zu wenig gethan, da der erstere diesen leztern zu weit getrieben. Anm. von dem ersten Saz hat Arhamrstus häufig Zeug. mße hinterlaßcn, da er die beyden Abwege zu widerlegen sucht. Don dem zweyten aber mus unten gere, det werden. III. Es ist gewis, daß Sabellius nur eine Person erkannt und den Sohlt Gottes vor keine subsistireude Person gehalten. Und daher hat er auch keinen persönlichen Unterschied der drey Personen lehren können. Anm. Hieven find die Beweise §. IV, angezeiget worden. Man kan beyfügen Gregor» des Wunderchaters, Stelle, tonr. III. bibl. NILX. pLtr. p. Z04. wenn anders die Schrift von ihm ist. IV. Sabellius hat durch das Wort; oder die zweyte Person nach unserer Vorstellung, eine Wirkung verstanden, durch welche eben der Mensch Christus seine Thaten verrichtet. So lange Christus auf Erden war, war auch diese göttliche Wirkung in ihm; hörte aber nachhero auf. Er war daher dem Stral ähnlich, welcher Wirkungen der Sonne in den Körpern hervorbringet, ohne eine Person zu seyn. Anm. zo ' Rezerei Anm. Diefts bier angezeigte Gleichnis Meldet Eu'pha- niu«, womit Gregorii des Wunderthaters Stlle zu vergleichen. V. Eben so verhalt es sich mit dem heiigen Geist. Nur werden dadurch die Wirkrngen Gottes in den Menschen verstanden, durä welche die Erkäntnis der Wahrheit und die Trgend erhalten und befördert wird. 2 lnm. In einer etwas jüngern Schrift: consp. Htkan. cum >^rio I. in -Hilarii lidr. II. trinicatc : bey dem Epiphanio: bey deni Basilio epiil. LLX. u. LLX vXV. Dabin gehöret auch, daß dem Sobn ein u. s. w. vom Achgngsio und andern beygeleget wird. VII. des Sabellii. sr VII. Man kan hieraus begreifen, wie so wol SabellMS und seine Anhänger in dem einem göttlichen Wesen drey Gestalten ^os-E«) lehren können, ohne deswegen drey besonders bestehende Personen zuzugestehen; als seine Gegner daraus folgern, daß Sabellius nur einen Unterschied dreyer Nahmen annehme. Anm. Die hieher gehörige Beweise sind oben schon angezeiget worden. VIII. Die gröste Schwierigkeit lieget darinnen, daß nach einigen Berichten Sabellius zwischen dem Vater, Sohn und heiligen Geist einen Unterschied und Trennung ge- lehret; nach andern eine solche Einheit behauptet, welche bey jener nicht bestehen kan. Diese wird aber am leichtesten gehoben, wenn die erstere nur von einer eingebildeten; oder nur im Verstand; nicht aber reellen Theilung erkläret wird. Lnm. Diese sehr richtige Erinnerung macht der Hr. D. Gemler, in der historischen Einleitung zur Baum- gartenschen Polemik Th. I. S. 246. u. f. Vllll. Die Gegner der Sabellianer bestätigen durch ihren Eifer in Behauptung der Sä- ze^ daß der Vater eine eigne Person, (-»uTr-?-«- -r-5) der Sohn eine eigne Person, («vTro^sx) der heilige Geist eine eigne Person («on-o^a-r-oc) sey, und in Widerlegung des Ausdruks einer Person 0^üA-<>?-«ro-lx)daß die hier gemachte Vorstellung eben diejenige sey, welche sie von dem sabelltamschen Lehrbegrifsich gemacht. Anm. S. Epiphgnium am a. O. §. vu. Rezerei Z2 §. vm. Wir verbinden damit die oben versprochene Nebenfragen. Von diesen ist die erste, was den Sabellium bewogen, diesen Lehrbegrifvon der Dreieinigkeit anzunehmen und vorzutragen? Es ist sehr wahrscheinlich, was ein alter Schriftsteller ausdrücklich meldet, daß die Furcht, als wenn durch die Lehre von den drey Personell im göttlichen Wesen eine Vielgötterei in der christlichen Kirche eingeführet werden möge, die Sa- bcllianer veranläßet, so unrichtig zu denken. Wir können dieses desto leichter glauben, da auch von andern ähnlichen Irlehrern eben dieses berichtet wird. Nächst diesem scheinen einige ältere Lehrer diesen Jrtum aus dem Judentum herzuleiten und dieses hat neuern Gelegenheit gegeben, zu muhtmaßen, daß Sabellius selbst eilten nähern Umgang mit Juden gehabt und durch diese sich zu dem Jrtum verführen laßen. Wir können aber nicht leugnen, daß es dieser Meinung an historischen tüchtige»! Beweisen fehle, und müßen noch beyfügen, daß sie nicht wahr seyn könne, weil die Juden das, was Sabellius von dein Sohn und dem heiligen Geist gelehret, nie gut heißen werden. Endlich können wir auch nicht einsehen, wie erwiesen werden könne, ein Misverstaud des griechischen Worts, so die Gleichheit des Wesens der drey Personen anzeiget, (s^aso-.--?) sey die Ursache der sabellianifchen Jrtümcr gewesen, da unsers Wissens nicht einmal gemeldet wird, daß Sabellius sich dieses Worts bedielter, ob wir gleich nicht leugnen wollen, des Sabellii. ZZ len, daß die Arianer behauptet, dieses Wott fty den Sabellianern günstig. Anm l) Die von den Sabellianern bezeigte Sorgfalt, die Vielgötterei zu vermeiden, meldet Epiphanius Kse- rel. dXII §. 2. womit Beausobre Inüoir. llu INsnicti. to,». I. p. ;z;. lg zu vergleichen. 2) Die Beschuldigung, daß Sabelln Lehrbegrif mit dem Judentum übev- einstimme, erweisen die von Vvorm billor. 8 sbell,gn. p. I2O. angezeigte Stellen Arhanasii uiidBastliidesGro- sen, richtig; nicht aber das, was dieser daraus folgert : z) daß das Wort L^<> 8 a-,or dem Sabellio hierzu Gelegenbeil gegeben, hat eben dieser Schriftsteller p. 11z. zu beweisen gesucht; allein was hier mit historischer Gewisbeit gesagct werden kan, müßen wir in dem folgenden Abschnitt von den Samosalcniauern. »ersparen. §. vim. Die Zwenke Frage stehet mit der vorigen in einer nahen Verknüpfung. Wir haben schon oben bemerket, daß ernige ältere, obgleich nicht an sich gültige, Schriftsteller den SabeiLlUM vor einen Schüler des Noeti ausgeben, und die Ursache angezeiget warum wir es nicht vor wahr halten, wenn dieser Ausdruk im eigentlichen Verstand genommen werden soll. Ob es aber als- denn gegründet sey, wenn wir es von einer Aehn- lichkeit des Begrifs verstehen? dieses ist eine Frage, welche zwar von den meisten neuern Gelehrten schlechterdings behauptet wird; doch aber noch nicht außer allem Zweifel gesezer ist. Es giebt in diesen Fällen Stufen der Aehnlichkeit, die vorher bestimmet werden müßen, ehe em solches Urtheil gefallet werden kan. Wir hoffen, daß unsere Vorstellung der beyden Lehrbegriffe u Theil. , C unsere Z4 RezereL unsere Leser in Stand sezen könne, beyde unter einander zu vergleichen. Es wird daraus die Folge, unserer Einsicht nach, entstehen, daß eine vollkommene Gleichheit nicht zu finden, und die gewöhnliche Meinung nicht anzunehmen. Anm Daß ein Unterschied zwischen den Vorstellungen des Noeci und des Sabellii sey, hat schon Epiphanias IiLres. I.X1I. §. i. jedoch unbestimmt bemerket. §. X. Die dritte Frage verdienet eine besondere Aufmerksamkeit. Was lehrete Sabellius von Christo? Ueberhaupt ist gewis, daß die alten in diesem Theil ihrer Polemik den Artikel von Christo von dem Artikel von der Dreieinigkeit nicht abgesondert und dadurch der erstere in den Systemen der alten Kczer dunkel und ungewis wird. Es ist auch alsdenn kein anderer Weg; als aus dem, was von der Dreieinigkeit gelehret worden, eirrige Folgen zu ziehen und mit den Aussprüchen der Kezer von Christo zu vergleichen ; weil es gewis ist, daß auch in den Kezer- systemen beyde Artikel genau zusammen hängen. Man kan daher den algemeinen Saz als gewis ansehen, daß Sabellius und seine Anhänger von Christo nicht ^rechtgläubig gelehret. Insbesondere aber läßet sich alsdenn, wenn wir nach der Pflicht eines Geschichtschreibers auf das, was historisch erweislich ist, sehen wollen, die ganze Frage »richt eher richtig beantworten; als wenn wir vochero eine andere untersuchet haben, welche wir bis hieher verspüren müßen. Sie ist diese: des Sabellii. 35 se : ob die Sabellianer mit Recht unter die Pa- rripaßianer gerechnet iverden? Es ist allerdings ein historischer Grund da, diese Frage vor strittig anzusehen, indem einige von den alten Schriftstellern sie ausdrücklich bejahen; andere aber eben so klar verneinen. Und dieses hat eilte Unahniichkeir der neuern nach sich gezogen, von denen viererlei Antworten bekannt. Die erste und zweyte tritt einem von den beyden Urtheilen schlechterdings bey. Die dritte und vierte sucht beyde zu vereinigen, so daß jene zwischen dem Sabellio und einigen seiner Anhänger einen Unterschied machet und die Beschuldigung nur dorr dem Stifter; nicht aber von allen Nachfolgern vor gegründet halt, welches jedoch ohne historischen Beweis geschiehet; diese aber aus dem angenommenen Grundjaz, daß Sabellius zwar keinen persönlichen; aber doch reellen Unterschied zwischen dem Vater und Sohn gelehret, die Folge ziehet, daß in einem wettern Verstand der Parripaßianismus dem Sabellio allerdings zuzuschreiben ; nicht aber in einem engern. Wir können nicht anders; als denen beylreten, welche glauben, daß Sabellius das nicht gelehret, was man den Patripaßianismum nennet. Dieser Jrtum sezer voraus, daß der Lehrer deßelben Christum vor eine Person halte, in der zwey Naturen persönlich vereiniget sind, und daß nicht die göttliche Natur des Sohnes, als einer Person; sondern die göttliche Natur der einzigen Person des Vaters, die nur allein angenommen wird, Mit der Menschennatur vereiniget worden. Wer C 2 daher Rezerei z6 daher gar keine persönliche Vereinigung zweyer Naturen lehret, der kan auch keine Gemeinschaft der Griösungswerke () zugeben und wird niemals lehren, der Vater sey gestor- den. Nach unserer Vorstellung hat Sabellius den Sohlt vor keinen wirklichen Theil des Va-> ters gehalten, welches bey der vierten Antwort vorausgesezet wird; »loch viel weniger gelehret, daß eine persönliche Vereinigung zweyer Naturen in Christo gewesen: mithin ist er auch kein Patripaßianer. Zugleich aber ist zugegeben, daß die Vorstellung, welche sich die alten von Sabellu Jrtum machten, bei» Jrtum der Patri- pasiianer als eine Folge nach sich zog, welche aber Sabellius als richtig zu erkennen, nicht verbunden war. Anm. i. Unter den altern, welche die Sabellianer dieses Jrtums beschuldiget, stehet Dionysiun von Alexandrien billig oben an, von deßen Bestreitung dieses irrigen Lehr« fazes Athanasii Schrift äs tententis Oion>s>i Ale- xanär. urtheilet haben, kan zugleich zur Einsicht in einige ähnliche Fragen und deren Beurtheilung dienen, die wir hier nur kürzlich anhangsweise beyfügen wollen. 1. wie Sabellius beschuldiget wird, gelehret zuhaben, 6er Vater habe gelitten und sey ge- kreuziget; so wird solches auch selbst auf dieGe- burth, ja körperliche Wirkungen, wie hungern dürsten, u.d.g. ausgedehnet. Anm. Dieses lehren die vorhero angezeigte Nachrichten des Dionxsli von Alexanderen. H. aber das ist gewis noch unerwarteter, daß Sabellius gelehret, dem Sohn kamen die persönlichen Werke des Vaters zu: Anm. Diese Beschuldigung hat keinen ältern Urheber; als Worm x. 22. Der Beweis, den er aus dem Evi- C z phanio z8 Rezerei phanio führet, beweiset nur / daß Gabellius den persönlichen Unterschied geleugnet, welches eine solche Vcr- Mischung persönlicher Werke deswegen unmöglich macht, weil sie, wenn es kein Wortstrcit seyn sol, einen persönlichen Unterschied voraussezct. Man siedet es freilich als eine nothwendige Folge des patripaßianifchen Irtums an, wenn man aber bemerket, daß doch zwischen den Werken der Menschcnnatur Christi, an denen die Gottesnatur wegen ihrer persönlichen Vereinigung mit der erstem Antheil genommen, und den persönlichen Werken ein Unterschied sey, so wird sich leicht die Unrichtigkeit der Schlußart begreifen laßen Es koint dazu, daß wer, wie Sabcllius nach Worms eigner Vorstellung, den innerlichen Unterschied der drey Personen leugnet, nohtwendig auch das Daseyn der persönlichen Werke leugne» müße, und daher nicht könne von diesen diejcuige, so einer gewißen Person nach unserm Lehrdegrif eigen sind, einer andern beylegen. III. Hingegen ist in einigen Schriften der alten gewöhnlicher, den Sabellianern und ihnen ähnlichenKezern zur Last zu legen, daß sie behauptet, der Sohn wäre zugleich Sohn und Vater. 2 nm i. Von diesem Stük müßen wir einige Erinnerungen »lachen. Einmal ist es gcwis, daß die Gegner der Sabelliancr sie beschuldiget, Christus sey wovon Worm p. 17. sg. die Zeugnisse gesamlel; was aber Loceliec not. in moniment. ecoles. 6rwc. tm». I. p. 777. meldet, daß die Sabelliancr selbst gemnnct worden, laßen wir dabin gestehet seyn Zweyten.-, ist ebenfals als richtig anzusehen, daß kein Zeu- gms vorhanden, Gabellins habe selbst so geredet. Dritten-, ist dieses Wort sehr zwcydeutig, nachdem man den Nahmen Sohn hier verstehen wil. Nimmt man ihn in dem der orthodoxen Lehre gemäßen Sinn, so würde der Saz dieser seyn: die zweyte göttliche Person des Sohms ist eben die Person, welche der Vater ist, und daraus folgen: also hat der Sohn sich selbst gezeuget. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die alten Kirchenlehrer den Sabelliancr» diesen ungereimten Lebrsa; beygeme- ßen, weil eben das, worinncu die Alten übereinstimmen. des Sabellii. 39 daß dieSabcllianer den persönlichen Unterschied geleugnet, denselben völlig widerleget. Sol er aber nur den Verstand haben: es ist kein persönlicher Unterschied zwischen dem Vater und dem Sohn, und also, wer Vater heißt, heißt auch der Sohn, so ist er freilich sabel- lianisch; ka» aber vor keinen besondern Lehrsaz angese- hen werden. 2snm. 2. Beausobre hat in der hlfioi're 6u INanich. ta»r. I. p, 5;^ zur Zreysprechung der Sabelliancc von dieser Beschuldigung diesen Weg eingeschlagen. Er erinnert, daß die alten Kezer die Nahmen des Worts und des Sohns Gottes sorgfältig unterschieden, und zwar durch den leztern allein Christum nach seinerMenschen- narur; durch den erstem aber das, was wir die göttliche LTatur; nennen, jedoch unter verschiedenen Vorstellungen , verstanden: mithin hatten sie wohl sagen können, der Vater und das Wort; nicht aber, der Varer und der Sohn sind eine Person; welche Erinnerung vom Lardner ebendas. p. 452. und Seniler eben- vas S. 250. gebilliget worden. Der angenommene Erundsaz hat zwar in einigen kezerischen Ausdrüken seinen Grund, wie er denn von uns TH.I. S- 544. nüz- lich gebraucht worden; allein bey den Sabellianeri, ist er gewis nicht algemein wahr. Z.E. Basilius der Grose ez,. LLX. tom. III. Oper. p. Zl7- last Sabelliunr nicht sagen, 7r«rkL«, sondern 7t- «- Epiphanius tiserel'. i^XII. sezt gar häufig v',o>» wenn nach Beausobren» Meinuiig stehen solle. Richtiger scheinet uns Mosheims Vorstellung zu seyn, daß in der Sprache Sabellii das Wort Sohn die Person Christi anzeige. §. XU. Wenn wir nun dieses alles mit einander verbinden ; so läßet sich der Begrif des Sabellii von der Person Christi näher entwikeln, und die verschiednen Vorstellungen, so andere sich von demselben gemacht; oder gemacht zu haben scheinen, (denn auch hier müßen wir uns an Muht- C 4 maßen 4» Rezerei , maßen oft begnügen) gründlicher einsehen und beurtheilen. Unserer Einsicht nach, lcmen sich die leztern in drey Hauptarten theilen. Einige glauben, Sabellius habe von der Person Christi darinnen mit den Rechtgläubigen übereinge- stimmet, daß er zwey Nacnren Christo beygeleget, uiid nur darinnen von ihnen verschieden gewesen, daß er die göttliche Natur nicht einer, vom Vater verschlednen Person; sondern dem Vater selbst beygeleget. So müßen alle denken, welche dieSabellianer vorPampaßianer im eigentlichen Verstand halten. Andere stehen diesen entgegen; Sabellius hat keine persönliche Vereinigung zweyer Naturen in Christo lehren können. Christus ist nach seinen Gedanken ein blo- ser Mensch, in dem eine göttliche Kraft gewöhnet und dasjenige hervorgebracht, was wir vor Wirkungen der mit der menschlichen verbundenen göttlichen Natur ansehen. Diese Vorstellung ist demLehrbegris, vollkommen gemäs, den nach unserer Einsicht Sabellius von der Dreieinigkeit angenommen. Noch andere erklären die Gedanken des Kezers voii der Person Christi viel seiner, und suchen dadurch zwischen beyden vorhergehenden Theilen in die Mitte zu treten. Die erstem haben, nack dieser Meinung, Recht, daß Sabellius eine persönliche Vereinigung gelehret; sie irren aber, wcnu sie glauben, daß derselbe deswegen behauptet, eine göttliche Person habe sich nur der Menschennatur vereiniget. In der zweyten sol die Bestreitung dieses lezten Sazes richtig seyn; nicht aber dieses, daß Sabellius keine persönliche des Sabellii. 4 » che Vereinigung angenommen. Man darf nur den orrhodoxen.Lehrbegris umkehren, so entdekt sich die sabellianische Vorstellung. Jener lehret eine persönliche Vereinigung zweyer Naturen in Christo; daß aber nicht daraus eine zweifache Person entstehe; so wird der Menschennarur die eigne Persönlichkeit abgesprochen. Sabellius behauptet den ersten Theil, wie wir, läßet aber der Menschennatur ihre Persönlichkeit, und nimmt sie der Gottesnatur. Solre diese Vorstellung nicht zu künstlich, zu fein und zu scholastisch vor einen alten Kezer seyn, rvieSabellius gewesen. Anm. Da die Vertheidiger der beyden ersten Meinungen schon angezeiget worden; so ist hier nur beyzufüaen, daß Mosbeim commentsr. ite rebus ckristisn. p. 698- die dritte vorgetragen. §. XIII. Zweyten^ müßen wir einiger falschen Beschuldigungen gedenken, die dem Sabellio zur Last 'geleget werden. Einmal wird geklaget, er habe die Ewigkeit der Welt gelehret. Der Beweis lieget in der Nachricht einiger alten Schriftsteller, die nur unten prüfen wollen, daß die Anhänger des Sabellii auch Hermogenia- ner gcnennet worden, und der daraus übereilt gezogenen Folge, daß die Sabellianer alle Meinungen des Hermogenis, von dem wir schon geredet haben, genehmiget. Er ist aber schon an sich uukräftig und wird durch das von den alten Gegnern beobachtete algemeine Stillschweigen über diesen Jrtum ganz ungültig. Hernach ist C 5 eme X 4» Rezerei eine alte Nachricht vorhanden, daß die Sabellia« ner den Genus des Käses und der Eyer gänzlich verboten: eine Verordnung, die den ältern Kirchenlehrern ebenfals ganz unbekannt gewesen. Anm. Die erste Klage hat Baronius »nnsl. ecclel. snn. dXX. tom. II. p. 4ZO. und an». LdX. §. 64. to»». HI. p. 58. der mansiscben Ausgabe erhoben. Die altere Nachricht stehet in eines ungenannten nomocrmon. bey dem Hotelier moniment. ecclef. Orsec. to-n. I. p. i2Z. deßen Noten. p. 724. als von beyden vvorm tii- stor. 8ade11i«ll. p. 4;. stz. zu vergleichen. §. XlV. Noch erheblicher ist die Frage, was Sabel- lius von den göttlichen Schriften gehalten? Die alten haben uns darauf eine sehr deutliche Antwort hinterlaßen. Die Sabellianer, sagen sie, haben die ganze Samlung der biblischen Bücher des alten und neuen Bundes angenommen. Zeugniße derselben sind von ihnen zum Beweis ihrer Jrtümer und von ihren Gegnern zu ihrer Widerlegung angeführet worden. Allein sie sezten ihnen apokryphische Bücher an die Seite, unter denen nahmentlich das Evangelium der Aegyprier bemerket wird. Anm. Dieses alles meldet Epiphanius liseref. I-XII. p. 51z. U- 514. Man sehe LarSners creäibillt^ ok tde 6osxel-ÜIstor/,/-a»-t. II. vo/. 4. p. 627. sg. §. XV. Es ist noch der dritte Theil dieser Abhandlung übrig, in dem die Nachrichten von den Schicksaalen der sabellianischen Parthei zu samlen sind. Sie betreffen theils seine Anhänger, theils des Gabellii. 43 theils seine Gegner. Von den erster« haben wir einige; aber zu einer zusammenhangenden Historie nicht zureichenden Berichte. Ueberhaupt erzehlen sie uns, daß zu der Zeit, wie Sabelltus seine Lehre bekannt zu machen angefangen, verschredne Bi- schösse inAegyplen und aiidern benachbarten Gegenden von Africa ihm beygetreren, daß bey nahe in den Kirchen aufgestöret worden, von den Sohn Gottes zu predigen. Es ist aber wahrscheinlich, daß der Eifer, den sonderlich der Bischof Diony- sius von Alexandnen bewiesen, die Sabellianer öscntlich zu bestreiten, die Wirkung gehabt, daß sie in den dasigen Provinzien bald unterdrükt worden. Ein Schriftsteller des vierten Jahr- I C. Hunderts versichert, daß zu seiner Zeit noch viele 375« Anhänger dieser Parthci in Mesopotamien und zu Rom gefunden worden. 6)b sie auch um eben diese Zeit zu Constantinopel ihre eigne Gemeinde gehabt, beruhet auf einer Muhtmaßung eines neuern Schriftstellers, vor deren Richtigkeit wir nicht wagen Bürge zu seyn. Wahrscheinlicher schließet ein anderer aus der häufigern Meldung dieser Kezer in den Schriften des Augustini, daß zu seiner Zeit und wahrscheinlich rn den Gegenden seines Aufenthalts der Anhang dieser Parrhei nicht gering gewesen. Noch klarer läßt sich aus Basllii Schriften dieses von der Provinz Ponro schließen. Endlich wird der 472. Abc Euthymius, der im fünften Jahrhundert gelebt, gcrühmet, daß er mir Eifer Sabellu Jr- tümer widerleget, welches wahrscheinlich einige Anhänger derselben veranläßet. Ai,m. 44 Rezerei Anm. i) Die algemeine Nachricht ertheilet Achanasius «je lententia Dion^sii p. 246. und bestätiget Eusebius hisior. ecclef. siö»-. VII. ca^. 6. 2) der alte Schriftsteller ist Epiphanius tiserel. I.XII. p. ziz. z) der neuere istTillemont in den memoir. pourlervir äl'ki- üoire ecclel. to»r. IV- P- 241. Sein Beweis liegt in dem siebenden Kanon der zweyten algemeinen Kirchen- versamlung zu Constantinopel, der die Taufe der Sa- bcllianer vor ungültig erklärt: 4) der zweyte ist Lard- ner, p. 627. die Stellen des Augustini und Lasilii sind schon oft bemerket worden: ;) von dem Enrhymio meldet das angezeigte Lyrillus von Scyropoliv in de- ßen Lebensbeschreibung bey dem Loreiier monun. ec- cles. 6rsec. to-». II. y. Z2. §. XVI. Insbesondere können wir von den Säbel- lianern zwey Anmerkungen nicht übergehen. Einmal ist denkwürdig, daß sie nach dem Be- grif der alten verschiedene Nahmen geführet. Einige von diesen beziehet: sich auf ihren Lehr- begris. Sie heißen Patripaßianer und Mo- narchianer*. Und dahin ist auch der Nahme der Unioniten zu rechnen. Andere sind aus der Vergleichung zwischen den ältern Kezern und den Sabellianern entstanden. Unter diesen ist der Nahme der Praxeaner der begreiflichste. Warum sie aber auch Hermogemanev genennet worden, ist schwer zu bestimmen. Anm r Uebcrhaupt sind hier die Quellen Philastriusäs liLres cax. 54. Angusiinus «je Irserosidus 41. und der Derfaßer des prsedesiinsti ca/). 41. welche drey die Nahmen der Patripaßianer, Prareaner und -^ermo- genianer anführen. Daß die Sabellianer Monar- cbianer genennet worden, davon ist mir kein klares Zeugnis der alten bekannt; die neuern haben aber Recht, daß die Kirchenlehrer mit diesem Nahmen dieje- des Gabel!«. 4s nigen bezeichnet, welche das so genannte fabelllanische System angenommen, wie denn die Praxeaner allerdings so vom Tertnllian gencnnet worden. S. unsern ersten Theil. S- 546. Anm. 2. Der Nahme der Unioniten stehet in der Ueber- schrift eines Theils des Gedichts des Prudemii sogpo- rkeolls heißet, p. 272. der cellarischen Ausgabe, wo aber Lcllarius gar recht erinnert, es sey noch zweifelhaft, ob Pruoenrius Urheber der Abschnitte und ihrer Überschriften sey. In dem inäiculo äe dseresibus» (S- unsern ersten Theil S-46. z)) wird Sabelliu» Omon jgenennet, welches Wort Totester not. in inooim. eccles. 6i-sec. p. 777. durch einen Schreibfehler aus HInionlts entstanden zu seyn glaubet. Anm. z. Ueber die Frage, ob und warum die Sabellia- ner nach dem Zeugniß des Philastrii und seiner Nachfolger -Hermogenianer genannt worden? finden fich dreyerlei Meinungen. Einige, die voraus sczen, daß hier die Rede voll dem -Hermogene sey, von deßen Ke- zerci wir im ersten Theil S- 576. u. f. geredet haben, erklären die Erzehlung vor falsch, weil es ganz uner- weislich sey, daß dieser ein Patripaßlaner gewesen. So urtheilet Labricius not. in kinlailr. p. 108 An- dece nehmen ebenfals den gedachten Grundsaz an und behanpien, daß die Sabellianer, wie^ermogenes, die Ewigkeit der Welt gelehret. Daß Baronius so gedacht , ist oben ftdon gemeldet worden. Dicsein seze» wir nun den Tillcmont am a. 1.1". p. Y87. -Hamber- gers Nacbr. von den vornehmsten Schriftstellern, Th II. S- 605. und Larvners creäibistt^ ok tke got- pel-Iiistor^ part. II. rot. 4. P. 557. §. III. Vielmehr müßen wir zum zweyten von dem, was Dwnysl'us gegen die Sabellianer unternommen, hier reden. Es läßet sich zwar dieses in einige Handlungen und in Schriften abtheilen ; weil aber die Abfaßung der lezten mit den ersten in einer Verbindung stehen; so können diese beyde Gattungen von uns nicht getrenner werden. Ein hier glaubwürdiger Schriftsteller berichtet, daß weil die sabellianischen Irlümer sich in den ägyptischen Kirchen sehr ausgebreitet, Dionysius, indem diese Gemeinen mit unter seiner Aufsicht standen, es vor seine Pflicht gehalten, deswegen an sie jemand abzuschiken, um sie zur Verlaßung solcher falschen Lehrsäze anzumahnen. Wer nun die gewesene Person, und ob mehrere zu dieser Gesandschaft gebrauchet worden, das wißen wir nicht; wol aber dieses, daß dieses gelinde Mittel fruchtlos gewesen. Hieraus hielte D>onysius vor gut, sich diesem Unwesen durch Briefe entgegen zu fezen. Daß dieses geschehen, ist beynahe das einzige, was mit wegen der Sabellianer. sz mit Gewisheit behauptet werden kan; die besonderen Fragen aber, wie viel lind an was vor Personen er dergleichen Briefe geschrieben, sind durch die Verschiedenheit der vorhandenen Nachrichten noch verworren. So viel ist aber doch klar, daß der an den römischen Bischof Siptum II. gerichtete Brief hieher nicht gehöre, weil er zwar einige fruchtbare historische Naebrichten von den sabellianischen Unternehmungen; aber keine Widerlegungen ihrer Jrmmer enthalt. Es ist auch richtig, daß Dionysius diesem Brief Abschriften der obigen Schreiben beygeleget. Anm. l. Der glaubwürdige Schriftsteller, dem wir den ersten Theil dieser Erzehluny zu danken haben, ist Arha- nasius, i» dcßen unten naher zu beschreibenden Buch ae iententis I) on^lu, in dem ersten Band des ersten Theils seiner Werke nach der Benediktiner Ausgabe §. z. p. 247. hier nachzulesen. Anm. 2. Weil wir bemerken, daß die neuern in der Anzeige der schriftlichen Widersprüche des Dionysii, die vor den Handeln mit dem römischen Dionysio vorhergegangen, zu wenig Gnautgkeit beobachten, so wollen wir versuchen, dieses verworrene Srük der Kirchenge- schichte in einiges Licht zu sezen, und zu dem Ende crst- Uck die Nachrichten der altern Schriftsteller, so hier als Quellen zu betrachten, mittheilen. Eusebia» in der Lirchenhistorie stör. VII. cax. 26. erzehlet, Dionysius habe wieder den Sabellium Briefe geschrieben i) an den Ammon, Bischof zu Lerenike: 2) an den Telesphorus: z) an den Euphranorund 4) abcrmal an den Ammon und Euporus. Achanasius a, D- §. y u. §. lo. p. 249. u. §. i z. p. 252. redet nur von dem Brief an den Ammon und Euphranor und zwar s', daß es nur ein, an zwey Personen gerichtetes Schreiben zu seyn scheinet. -Hieronymus cle viris illulrnbus caz». hat wol seine Nachricht aus Eusebii gemeldeter Stelle genommen ; ist aber ihr nicht gna« qefolqet, indem es einmal scheinet, als wenn er Dionysii Schriften wieder D z den 54 Von der Streitigkeit mir dem B Dionysto den Sabellium von den folgenden Briefen unterscheide, so doch offenbar falsch ist; hernach nennet er nur drey Männer, an welche die leztcre gerichtet gewesen, den Ammon, den Telespkwrus und den Euphranor, mit Auslastung des Euporus. Man stehet hieraus ;roey« tens, daß es eigentlich auf folgende Frage» bierbcy an» komme: einmal, ob man vier Briefe: oder nur einen anzunehmen habe? in deren Beantwortung wir den ersten Tbeil zu bejahen sehr geneigt stnd, in dem i)Arha» nasti Stillschweigen von mehreren Briefen der ausdrük- lichen Anzeige derselbe» bey dem ohnehin etwas ältern Lusebio nicht entgegen gesezct werden darf, weil des erster» eigentliche und bestimmte Absicht nicht gewesen, alle wieder die Sabelliancr vom Dionysio abgefaßte Brie» fe zu erzehlcn; sondern nur von dem zu reden, in welchem die anstößigen Stellen sich fanden: 2) nach Aeha« nasti eignem Geständnis in mehreren ägyptischen und Dionysij Aufsicht enipfolnen Gemeinen sich sabellianische Bewegungen hervorgethan und dahcrv wahrscheinlich, daß an derselben Bischöfe eben so, wie an den Bischof von Lercnike geschrieben worden: hernach, da Euse- bius den Brief an den Ammon und den Brief an den Euphranor unterscheidet; Alhanastu« aber immer nur von einem Brief an den Ammon und Euphranor redet, wie diese Verschiedenheit zu hebe»? Bey dem Mangel umständlicher Nachrichten stnd zwey Muhtmaßnngcn uns wahrscheinlich vorgekommen. Entweder ist es wirklich nur ein Brief gewesen, der sowol an den Am- U'.on; als an den Euphranor abgeschikt worden : mithin kcnte E.rscbius mit Recht sagen, Dioiy'sius Habs an den Ammon und an den Euphranor einen Brief geschrieben, ohne zu bestimmen, ob ste dem Inhalt nach verschieden gewesen, weil er ste vielleicht beyde zu sehen und unter einander zu vergleichen, keine Gelegenheit gehabt ; oder Eusebius hat bey dem vierten Brief an statt Euphranor den Nahme» Euporus aus Versehen gcsetzet, und Athanasius redet von diesem, und vielleicht ist dieses die Ursach, warum Hieronymu« den Nahmen Euporus gar nicht nennet. Drittens merken wir noch an, daß außer der von den Arianern gemts- brauchten Stelle des Briefs an den Ammon und Eu- phranor, von welcher wir nachhero reden wollen, uns nichts von allen diesen Briefen aufbehalten worden. Anm. 5s wegen der Sabellianer. Anm.z. Der Brief des Dionysii an den Si'xtiim betraf zunächst die Streitigkeit von der Kezcrraufe und wird daher unten von demselben mehrere« geredet werden müßen. Daß er darinnen von dem Sabcllio eine Nach» richt gegeben, hat nicht allein Eustbius tiüior. ecc-lef. /-b»-. VII. cax. 6. gemeldet; sondern auch das Stük selbst mitgetheilet. §. IV. In diesen Briefen, welche Dionysius wieder die Sabellianer geschrieben, fanden einige, Denen selbst die Tadeler ihres Betragens das Lob der rechtgläubigen Lehre eingestehen, anstößige Stellen. Da Dionysius die Lehre von der Menschwerdung Jesu Christi vorgetragen und aus derselben den Beweis des wirklichen Unterschieds zwischen dem Barer und dem Sohn hergeleitet hat; so wurde dieses so verstanden, als habe er den Sohn, in so fern er Gott ist, vor eine Creatur gehalten und geleugnet, daß der Sohn mit dem Vater gleiches Wesens sey. So viel ist gewis, daß diese Leute bey dem damaligen Bischof von Rom, Dionysio, darüber ^ Beschwerde geführet. Ueber die Richtigkeit ' dieser Erzehlung ist kein Zweifel; es ist aber damit eine Nebenfrage verbunden worden, welche zu mehreren Untersuchungen Anlas gegeben. Denn die Vertheidiger der vom römischen Bischof angemaßten Oberherrschaft über dle Kirche haben diese Anzeige des dem Dionysio von Alexandrien zur Last gelegten Jrtums bey dem römischen Dionysio als ein entscheidendes Beyspiel des von den Aegyptiern anerkannten rich- D 4 terlichen 56 Von der Streitigkeit mit dem B. Dionysto terlichen Ansehens des leztern ansehen wollen, und sich dadurch einen gegründeten Widerspruch zugezogen, da aus ähnlichen Fallen erweislich ist, daß nicht allein dem römischen; sondern auch andern ansehnlichen Bischdffen dergleichen Nachrichten und Beschwerden mitgetheilet worden. Dionysius von Rom nahm die Sache vor bekannt und gewis an und trug solche einer Kir- chenversamlung vor, welche natürlicher Weise die angebliche Lehre des Bischofs von Alexan- drien verdammte, worauf der erstere im Nahmen der übrigen es dem lezrern anzeigte, Anm 7. Die Hauptquellen lind Arbanasii Berichte indem Buch 6e ciecretis i^nocli dliesenL, §. 25. tom, I. oper, I. p. 2Zv. cie senrentia Oion^iu §. iz. p. 252. 6s t^nyäis heimln. er .^eleac. xart. II. 9,^57, und dev epillola scj ^Iros. p. 896. Anm. 2. Von derNebenfrage, die sonderlich durch Baro, nii Vorstellung dieser Begebenbcit veranlaget worden; hieher aber nicht gehöret; ist sonderlich Düpin 6e 61 -. sciplin. eccles. p. 1 §4 zu lesen Vergleiche unser rie der römischen Päpste. 66. und dep Rirchen, vers S, m. u. f. § v. Auf diese schriftliche Vorstellung hat Dio? llyslus geantwortet. Die Nachrichten der alten von dieser Antwort scheinen nicht alle gleichlautend zu senn, Wenn wir aber. nicht ganz irren; so können sie durch die Vereinigung der angeblichen Bestimmungen gar wol zusammen stehen. Es hat Dionysius zwey Hauplzweke, sich zu vertheidigen, und die Irtümer zu widerlegen. 57 wegen der Sabelliqner. legen. Ob er nun beydes in einem Vertrag gethan ; oder einen Haupttheü seines Werks dem ersten und den andern dem zweyten bestimmet, können wir nicht sagen. Er har wenigstens es in vier Bäcker getheilet und weil sie alle an den römischen Dionysium gerichtet, hatte entweder das ganze; oder auch wol jedes Buch die äus- ftrliche Einrichtung eines Sendschreibens; oder Bness. Es sind ansehnliche Stäke dieser Arbeit uns aufbehalten. Man siehet daraus, daß Dionysius seine Meinung vertheidiget, daß er die Klagen, so gegen ihn erhoben worden, vor sehr übel gegründet und nur aus einem Misver- stand seiner Worte hergeleitet, erkläret und die reckte Lehre von der Gleichheit des Wesens der drey Personen in der Gottheit vorgetragen. Besonders aber ist denkwürdig, daß da es scheinet, seine Gegner haben ihm den Nichtgebrauch des Worts gleiches Wesens übel genommen, er darüber sich erkläret, daß wenn er gleich dieses Worts, weil es in den göttlichen Schriften nicht anzutreffen, sich ebenfals nicht bedienet; er dennoch dem dadurch bezeichnetet» Lehrsaz vollkommen beypflichtete. Anm. l. Die hier vereinigten Berichte -er alten sind: i) des Eusebii tiisior eccles, /rbr, VII. ca/i. 26. und des -Hieronymi 60 viris illukr. 6y. daß Dionysiu» vier BKcker wieder die Sabeljianee an den Dlony- sium von Rom htnterlaßen habe: 2) des Athanasii, der in dem B. «je öecreti« s^nocli dlicsenX. §. 25. p. 2zo. saget, daß er einen Brief an den Dionysium von Rom geschrieben: in dem B. sententis vion^iii §. 15. p 25z. sg. redet er bald vorn Brief: bald p. 26-2. vom zweyten Buch und saget, er habe eine D z wieder« y8 Von der Streitigkeit mit dem B. Dionysio rviederlegung und eine Vertheidigung, Ab- lehnung geschrieben: Z) des Lasilii des Grasen lls spiritu 8. cax. 72. tom. III. oper. p. 6o. der BeneSictt- ner Ausgabe, der den Ausdruk: 1-^ ^<70^1, Ttk^i ^ hat. Unter den neuen sind zu lesen Fabricius bibuoellec. 6>L0. tonr. V. p. 264. Lave killor. Utternr. sengtor. ecclelisüicor. tom. 1. p. y6. Bull äefens. 6ä. l^ic:. p. 146. Des Sanvens Vorgeben daß die ganze Apologie des Dionysii erdachtet sey, wiederleget Mosheim cornmemsr. p 697. Leillev am a. D. p. 272. und Laröner am ». V. p. 295. Anm. 2. Die Ueberbleibsel dieses Werks hat Alhanasiu» in den schon angeführten Büchern aufbehalten, aus denen sie Loustant eplllol. pomiüc. p. 279. t^. am besten gesamlet. §. VI. So viel ist uns von dem, was bey Diony- sii Leben vorgefallen, bekannt worden. So sehr sich nun Dionysüls Mühe gegeben, sich aus dein Verdacht eines irrigen Lehrbegrifs von der heiligen Dreieinigkeit zu sezen; so hat doch die Erfahrung gelehrer, daß der Erfolg mit seiner Erwartung nicht übereingestimmet. Und dieses ist der bestimmte Inhalt des zweyten Theils unserer Abhandlung. Wir werden erstlich auf die ältere Zeiten sehen. Und da finden wu zweierlei Gattungen von Leuten, die von Dionysti Gesinnungen in der Lehre von der Dreieinigkeit nachtheilig geurtheilet. Zum ersten war Dwnyfius eine Hauptperson, auf deren Ansehen sich die Arianer beriefen. Wenn wir bedenken, daß Alexandrien so wol der bischöfliche Siz des Dionysius, eines sonst hochberühmten und in der ganzen Kirche hdchstange- sehenen 59 wegen der Sabellianer. fthenen Lehrers; als der Wohnplaz des Arms gewesen; so können wir leicht einsehen, warum die Arianer behauptet, Dionysius habe keine andere Vorstellung von den drey Personen in der Gottheit gehabt; als Arms und seine Anhänger. Dieses Vorgeben gab ihrem Jrtum mchr allein das Ansehen des Altertums; sondern auch ihrem sehr gewöhnlichen Beweisgrund, daß ihre Gegner sabellianisch denken müsten, einen grosen Schein. Daher beriefen sie sich auf einige Stellen aus dem Brief des Dionysli an den Ammon und Euphranor und zogen aus denselben die Schluße, daß Dionysius den Varer und den Sohn so gnau unterscheide, daß er sie unmöglich vor zwey Personen eines und eben desselben Wesens halten können, und daß er den Sohn ausdrükllch vor ein Werk; oder Geschöpf des Vaters erkläret. Insbesondere drungen sie auf einige vom Dionysio, den Unterschied zwischen dem Vater und dem Sohn aufzuklaren, gebrauchte Gleichniße, indem, er gesaget, daß zwischen beyden eben der Unterschied sey, der sich zwischen dem Weinstok und dem Weingartner: ingleichen zwischen einem Schis und dem Schifs- zimmermann findet. Es scheinet, daß dergleichen Beschuldigungen einen tiefen Eindruk bey andern gemacht haben. Anm. Dieses alles meldet Athanasius äe sententm Oio> n^lu §. 4. x. 246. §. VII. Wenigstens gab dieses alles dem grosen Bereiter der arianischen Kezerei, Alhanasio, die Gele- 6s Von der Streitigkeit mit dem B-Dionysio Gelegenheit, eine besondere Schrift zu verfertigen, um den Ungrnnd dieses Vorgebend zu zeigen uud die Ehre eines Mannes, den er als seinen Vorfahren im Amt vorzüglich ehrte, zu ret- I k. ten. Sie ist uns noch aufbehalten. Es sind AO' von derselben so wenig Spuren von der Zeit, wenn sie geschrieben worden, anzutreffen, daß man nur mir Muthmaßungen sich behelffen mus. Das merkwürdigste vor uns ist dieses, daß Acha- nasius den Dionysium schlechterdings vor rechtgläubig erklärt. Sein erster Beweis, daß Dio- nysius in der Gemeinschaft der Kirche gestorben und von derselben nie, wie Anus, ausgeschlossen worden, war wol der schlechteste, weil den Arianern die Ausflucht immer übrig bliebe, daß die ältere Kirche nicht so, wie die zu Nicäa ver- samlete Vater, gedacht. Allein desto richtiger ist die Antwort, daß Dwnysü Redensarten übel verstanden worden: daß er, wenn er von Christo so, wie oben erzehlet worden, rede, nur auf deßen Menschennatur sehe und dieses eben so wenig von ihm; als einige Aussprüche der Apostel von diesen erweise, daß sie Christum vor einen blosen Menschen gehalten, und daß er durch seine Vertheidigungen an den Bischof von Rom, als eine spatere Schrift, dergleichen Anklagen von sich selbst abgelehnet. Lnm. Wir haben schon oben angezeiget, wo diese Schrift des Athanasii anzutreffen. §. vm. Man mus dem Athanasio den Ruhm lassen, daß er ein eifriger Advokat des Dionysii gewe- 6i wegen der Sabellianer. gewesen; es mus aber seine Schrift entweder nicht allen altern Kirchernlehrern bekannt; oder in ihren Augen zu gänzlicher Rechtfertigung des Dionysii unzureichend gewesen seyn. Denn wir müßen zum zweyten hiezu sezen, daß außer den Arianern auch einige rechtgläubige Lehrer nachtheilig von dem leztern geurtheilet. Umer diesen ist Basilius, der große Bischof, einer der merkwürdigsten. Er hat in einem noch vorhandenen Brief geklaget, Dionysius habe in der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit sich nicht überal gleich ausgedrukt und zu dem Jrtum der Anomder, welche eine Ungleichheit der Personen lehreten, viel beygetragen: daher er nicht denjenigen beytrete, welche alles, so von diesem Mann herkomme, bewunderten. Daß Bast- bius so gedacht ist viel gewißer; als daß er von der Sache nicht wol unterrichtet gewesen seyn; oder seine Meinung vom Dionysio nachher geändert haben sol. Noch härter hat von ihm Gennadius geurtheilet, wenn er ihn vor die Quelle erkläret, aus welcher Artus seine Irtü- mer geschdpfet. Endlich müßen wir noch an den Rufinum gedenken, welcher nicht allein bestätiget, daß die Arianer sich aus des Dionysii Schriften berufen; sondern auch die gewis um wahrscheinliche Muhtmaßung äußert, daß die Arianer durch Einrükung der anstößigen Stellen die Schriften des Dionysii verfälschet: eine Klage, welche nicht einmal AthanaslUS erhoben. Anm, i. Die berühmte Stelle des Bastln stehet in seinem Xt oder nach andern XlX Brief, to-n. III. oxer. p. 90. bey 62 Von der Streitigkeit mir dem B. Dionysto bey welcher wir noch anmerken, theils, daß Ruinart in der M'. ile Oion)s>o -^lex. so in den seleü. msrc^r. stebek p. , ;6. der italiänischen Ausgabe, gt, meinet, Basilius habe Dionysii Schriften nicht selbst gelesen, und ihm vveismann in memorab. liiftor. ev- des. vo/. I. p. 261. beygctrcten; diese Meinung aber vom LarSner p. gründlich wiederlcget worden; theils daß Tillemonk, p. 282 gemuhtmaßet, Lasilius habe, ehe er Bischof worden,- so hart vom Dionysio ge- urrheilet; nachhero aber sein Urtheil geändert, wovon ebenfals ein sehr unzureichender Beweis gegeben wird. 2 lnm 2. Die Stelle des Gennadij findet sich in seinem Buch äo klommst, eccles 4. vom Ruffino ist Hie« ronymi /iör. I. aävers. liullm. tom. V. oxer. p. 250. 5 h, nachzulesen. §. IX. Aweytens hat Athanasii Eifer, Dionyr ftum zu vertheidigen, auch die neuern Schriftsteller nicht beruhiget. Wir können die verschiedenen Urtheile voll Dwnysii Lehrbegrif von der heiligen Dreieinigkeit in vier Klaßen bringen. Einige sind hierinnen den Arianern beygetreten, daß Dlonystus durch einen übertriebenen Eifer, die Sabellianer zu bestreuen, den persönlichen Unterschied des Vaters und Sohns so weit getrieben, daß er von dem Verdacht, den ariani- schen Lehrbegrif veranläßet zu haben, nicht frey zu sprechen. Andere hingegen finden in Dio-- Nysli Schriften Gedanken und Ausdrüken nichts; als Orthodoxie und zwar nicanische Orthodoxie. Die dritten treten zwischen benden in die Mittelstraße. Sie glauben, Dionnfius habe wie Athanafius gedacht; aber, wie Anus geredet. Sie billigen stille Lehren und tadeln seine Aus- wegen der Gabellianer. 6z Ausdrüke. Endlich sind die vierten dazu gekommen, und haben DionystUM und seine Ankläger zugleich getadelt: jenen, daß er geirret; diese, daß sie den rechten Irtum, in welchen er verfallen, nicht bemerket. In der Lehre von der Dreieinigkeit hat, nach ihrer Vorstellung, der Bischof von Alexandrien nicht geirret; allein darinnen hat er gesehlet, daß er, indem er zwi- . scheu dem Wort, das ist Christo nach der Gottesnatur, und dem Sohn; oder Christo nach der Menschennatur billig einen Unterschied machte, diesen so hoch trieb, daß er dem erstem dem aus der persönlichen Vereinigung beyder Naturen fließenden Antheil an den Veränderungen , des leztern gänzlich ableugnete: mithin mit mehreren Recht als ein Vorläufer des Nestor»; ! denn des Arii anzusehen ist. Wir sind unsers Orts geneigt, die dritte und vierte Meinung zu verbinden; doch so, daß wir den alten Lehrer i wegen des lezten Fehlers leichter; als wegen der unvorsichtigen Ausdrüke entschuldigen. Anm. l. von den viererlei Meinungen ist die erste nicht allein von dem Arianer Sanden enucl. llillor. eccies /r-r. I. p. i22. sondern auch von Huet in den Ori§e- oisn. üör. II. 2. §. io. lg. ca/>. z. §.6. undperao «lo^mst. tdeolvA. p. i 22 . 5g. bey. Die vierte Abtheilung Von der Kezerei des Paul von Samo» sata, Bischofs zu Antiochien. 4 4nter den feindseligen Bestreitern des ächten Lehrbegrifs der Christen von der heiligen Dreieinigkeit hat Paul von Samosata zu allen Zeiten eine der ersten Stellen erhalten. Man hat seine Geschichte vor eines der fruchtbarsten und zugleich der dunkelsten Stüke der Kezerhi- stone gehalten. Und beydes hat seinen völligen Grund. Vielleicht sind wenige Kezereien des ersten Altertums uns durch eine solche Menge von Urkunden bekanntworden; als die samosa- tenianische, und gewis keine ist in den neuern Zeiten von gelehrten Männern mit so vieler Sorgfalt untersuchet worden; als eben diese. Wenn nun die Zuverlässigkeit und Richtigkeit der erstem außer allen Zweifel gesczet waren, und noch dazu ihre Nachrichten und die durch der lezten ruhmwürdige Bemühungen entstandene Meinungen und Vorstellungen mit einander übereinstimmten, so würde unsere Erzehlung mit leichter Mühe vollständig und angenehm gemacht werden können. Allein das gemeine Sänksaal alter Begebenheiten hat die Historie der samo- fareiiianischen Kezerei recht vorzüglich betroffen. 6s des Paul von Samosaea. fen. Eine Urkunde wird von einem Haufen gelehrter Männer als die sicherste Quelle unserer Historie angepriesen, und von ebenfals einsichtsvollen Schriftstellern als falsch und untergeschoben verworfen. Wenn die Vorstellung des einen von der Beschaffenheit einer Sache; oder Meinung geprüfet wird; so scheinet sie unsern Beyfall zu verdienen, und doch »nacht eine andere mit eben so viel Recht eine,» ähnlichen Anspruch. Wir werden dieses alles durch die Erfahrung beweisen und versuchen, wie uns die Bestimmung des Wahrscheinlichern glüken werde. Es sol zu erst von des Paul vor, Samosata Person: hernach von den wieder ihr» wegen seiner Lehre und seines Lebenswandels erhobenen Klagen: endlich von den Schiksaalen seinerKe- zere» geredet werde»». 2lnm. Damit dasjenige, was von den Quellen der Geschichte der samosarenianiscben Kezerei qesaget worden, richtig verstanden werde, halten wir vor nöhtig, von denselben einige Vorerinnerunge» zu machen; jedoch mit dem Vorbehalt, dasjenige hierzu übergehen, was in der Erzchlung von Gegnern davon zu sagen seyn wird. Wir wollen diese Quellen in zwey Hauptgatkungen abtheilen. Die erste bestehet aus den Nachrichten der altern Schriftsteller, unter denen Eusebr'us von Cäsa- reen wegen seines Alters und erweislichen Gebrauchs der damals noch vorhandenen Urkunden die oberste Stelle verdienet. Man kau es vor gewis ansehen, daß er unter den christlichen Lehrern, in deren noch vorband- ncn Schriften vom Paul von Samosara Nachricht zu finden, der älteste sey. Die zweite Stelle verdienet Arkanafius, den die Streitigkeiten mir den Arianern genöthigt, sich um die altern Feinde der richtigern Dreieinigkeitslebrc zu bekümmern. Nach ihnen beyden ist Lasilius der Grose, Epiphanias, Johann Lhr^so. II Theil. E stomus, 66 Rezerei siomus, philasirius, Apgllftinus, Hilariu», Marius Meccaror zu ftzen, von den noch jünger« Schriftstellern jezt nichts zu gedenken. Die Stellen ihrer Bücher werden wir unten an gehörigen Orten anzuzeigen, nicht ermangeln. Man kan zwar nicht sagen, daß ihre Berichte durchgehende gleichlautend sind; allein der Wie- derspruch dürfte uns hier nicht aufhalten, weil es eben so schwer nicht ist, die Glaubwürdigkeit derselben gegen einander zu bestimmen, und einem vor den andern einen Vorzug einzuräumen. Dieses gilt aber von der zweiten Gattung nicht. Und diese begreift die Urkun- ven, welche wir wiederum in zwey Hauptarten abtheilen wollen. Eine wird von allen vor ächt erkannt, und diese ist das Schreiben, so die lezte Synode zuAn- tiochien ausfertigen laßen. Es ist aber von demselbe» nur der historische Theil, denEusebiusin lullor. ecelell /rb»-. VII. cax. zo. uns erhalten; theils noch ein Stük dogmatischen Inhalts übrig. Das leztcre stehet inLe- onrii von Byzanz libr. III. contr. Xellor. im rrsten Theil von Basnagens tkelsur. monim. eccies. p. 594. nur lateinisch; den griechischen Text aber dcßelbcn liefert Ehrlich in äiil'. 6 e orroribu!» krulli §. X V. p. 2Z. aus einer boolejanischen ^anvsclirifr. Andere sind von zweifelhaften Ansehen, das Schreiben der sechs Bischöffe an den Paul: des B. Dionysii von Alcxan- örien Schreiben an eben denselben: eben deßelben Antworten auf Pauls zchen Fragen: und einige Glaubens- bekanntniße, nebst einigen kürzern Ueberbleibscln. Man kan sie sämtlich in den ersten Theil von Manft concil. tom. I. p. lvz2. sg. gesamlet finden. Von jedem Stük sol unten mchrcrcs gesaget werden. Unter den neuer» haben verschiedne Gelehrte von grosen Verdiensten, wie Mosheim, Jablonski, Lenerlein, und andere, deren wir ebenfals unten gedenken werden, diese Historie zu erläutern, Versuche gemacht und überaus viel neues und merkwürdiges gesaget; allein ihr Fleiß ist nur ei- nem Sink, den Lebrbegrif des Kezers fest zu sezen, bestimmt und ihre Vorstellungen unter einander find so verschieden, daß die Prüfung derselben einen eignen und mit den grösten Schwierigkeiten verknüpften Theil unserer Arbeit ausmachet. 6 ? des Paul von Samosata. §. n. Wir machen also den Anfang, in dem ersten Theil von den persönlichen Umstanden des Paul hon Samosata zu reden, wobey wir jedoch weder von seinem sittlichen Charakter und daher gestoßenen Lebensart; noch von seinen Scblksaalen nach seiner öfenrlichen Verdammung handeln können. Jener ist ein wichtiger Theil der wieder ihn erhobenen Klagen; diese werden erst durch die Reihe der wieder ihn erregten Bewegungen klar: beyde müssen daher, wenn nicht einerlei Sachen zweimal gcsaget werden sollen, von uns an andere Orten verspätet werden. Es bleiben aber daher auch wenig Umstände hier zu bemerken übrig. Paul war aus Samosata gebürtig, einer syrischen Stadt nahe am Euphrat. Von semen Eltern wißen wir nur den einzigen Umstand, daß sie ihm kein Vermögen hinterlassen und daher wahrscheinlich selbst arm gewesen. Er selbst kam unter die Lehrer von Amiochien. Die algemeine Meinung, daß dieses von demAn- tiockien in Syrien zu verstehen, hat zwar in den neuern Zeiten einigen Widerspruch gefunden, es sind aber weder die Zweiselsgründe erheblich; noch der Beweis, daß es iir Pisrdien zü suchen hinreichend. Er erhielte eben daselbst die bischöfliche Würde, nach dem Demetrianus, der solche bishero bekleidet hatte, mit Tod abgegangen. Es laßt sich das Jahr, wenn dieses geschehen,. I. C. gnau nicht bestimmen; doch mit vieler Wahr- scheinlickkeir angeben. Daß Paul wahrenden ^ dieses Amts als Kezer bekannt und verdammt E 2 worden, 08 Rezerei worden, ist gewis; was er aber nachhero vor Schiksaale gehabt, haben uns die älteren Schriftsteller mchr berichtet. Es ist auch kein Zweifel, daß er in den Wissenschaften nicht unerfahren gewesen. Anm. i. Das Vaterland des Pauls melden Eusebiu» /rö»-. VII. kisior. ecclesi cax. 27. p. 57. der reavingi- scben Ausgabe: Theodoretus kseret. Iskul. /rb»-. II. cax. 8- Epiphanias kseres. I.XV. §. l. Es ist überhaupt eine algcmeine Gewohnheit, diesem Mann nicht von dem Ort seines bischöflichen Amtes; sondern von seinem Vaterland den Unterscheidungsnahmen zu geben. Anm. 2. Daß er nichts von seinen Eltern empfangen, berichten die zu Anriocbien versamlcte Vater in der epikols s^noäics beym Eusebio libr. VII. killor. eccles. c«)o. zo. p. z6o. und in Mansi concil. tom. I. p. 1095. Anm. z. Don seiner Gelangung nach dem Tod des B. Demetriani zur bischöflichen Würde redet Eusebürs ausdrükltch siö»'. VII. kisior. ecclef. cax. 27. und aus dieser Nachricht kan man so wol von der Gewishett, daß Paul zu Antiochien in Syrien Bischof gewesen; als von der Richtigkeit des angegebnen Jahres Beweise nehmen. Nom leztern Umstand ist Tillemone memoi- res pour iervir s l'kiüoire eccleiissiigue tom.I V. p. 289. pagi criric. in »nnsl. ösron. an». LdXI. §. 6. Basnage snn. politico-eccles. «»». LLKXIV. §. z. und Leguien orient. ckrMsn.tonr.il. p. 705. nachzulesen. Anm. 4. Die Muhtmaßung, daß ein anderes Anriockien gemeiner sey, ist schon von deni Derfaßer des trsölscus contr» Lrrecos, in Basnagens tkei. rnonim. to»r. IV. p. 72. vorgetragen worden. Der Hr. Conststorialr. Leuerlein in der 6111. cie kseresi ?sulli 8smolsteni p. 5. hat sie gebilliget. Allein der erstere Schriftsteller ist zu jung, da er in das dreyzehende Jahrhundert gehöret, als daß wir ibm allein trauen könten und die Nachrichten von dem Vorfahren Demctriano und Nachfolger Domno laßen keinen Zweifel übrig, daß Antiochien in Syrien gemeiner sey. 69 des Paul von Samosata. §- m. Außer diesen jezt erzehlten Umstanden des Paul von Samosata müßen wir noch folgende besonders anmerken: I. Daß er bey der, in der Geschichte der damaligen Zeiten so berühmten Königin von Pal- myra, Zenobia, in sehr grosen Ansehen gestanden. Diese königliche Gnade ist desto merkwürdiger, weil sie von vielen alten Schriftstellern als eine Ursache angegeben, warum Paul von Sa° mosara von dem gewöhnlichen Lehrbegrif der Christen abgegangen. Anm. Der älteste Zeuge ist Arhanasius episiol. »ä loli- tsr. ton». I. oper. p. Z86. der Benedicrinrrausgabe. Ihm stimmen bey TheoSoretus kseret. Lbul. />-»-. II. Z p. 222. Lhrisostomus komil. VIII. in^osnnem, ton». VIII. oper. p. 48- nach Monkfauco Ansusgabe: philastrius cie kseres. cax. 64. p. 127. welcher jedoch nicht ganz richtig sich ausgedrukt. LabriciuH hat in den Anmerkungen p. >28- noch bemerket, daß auch Ab»!, pharai diesen Umstand, ohne die Zenobiam zu nennen, mit berühret; dieser leztere begehet aber wol einen Ge- dachtnisfehler, wenn er denEusebium als einen Zeugen davon angiebet, da meines Wissens dieser nichts davon berichtet. Von der jüdischen Religion; oder doch derselben sehr geneigten Gesinnung der Zenobia, so hier vornehmlich in Betrachtung kommen mus, s. Euvoy -Haureville kisioire äe ^enobie, p. 184 aus welchen Buch man überhaupt diese grose Prinzeßin beßer kennen lernet; als wir hier von ihr reden können. . II. Daß er ein öfentliches obrigkeitliches Amt bekleidet. Die alten sagen, daß er lieber den Ehrentitel Ducenarius; als den Nahmen eines Bischofs angenommen und in Begleitung vieler Leute öfentlich Briefschaften gelesen: E z Anm. 72 Rezeret Dieses stehet mit unter den Klagen über den Paul von Samosata im antiochenischrnSynodalschreiben bey dem Lascbio üb»-. VII. csp.zo. p. z6i. Es sind dabey, folgende Fragen aufgeworfen worden: .1) was dieses vor ein Amt gewesen? Die gelehrten Forscher der Al^ Irrtümer haben aus des Dio Historie erwiesen, daß es xrocurskores cin^ensnos unter den römischen Kaisern gegeben haben, welche von den ihnen zur Besoldung angewiesenen zweihundert Sesterzien ihren Nahmen haben. Siehe die Noten zu Suctonii Lisnä. 24, p. 492. der grävisclien Ausgabe: Salmasii not. in Ospitv!. stsr- ri»ac p. 125. Duvalois scj lsuleb. am a. G. Zur Erläuterung des gegenwärtigen Falles dienen die Sreinauf, schriften in Seilers allticiuicies okpsim^ra, p. 166. s^. aus welchen erhellet, daß dieses Amt besonders in der Provinz von Syrien statt gehabt : 2) wie ein christlicher Bischof zu einem so vornehmen Amte gelangen können? Dieses hat Moshe,m in oommentar. äs redus ekriieian. 9.705. sorgfältig zu erklären gesucht, und nach Vorstellung der mancherlei sich hier eräugenden Schwierigkeiten, die Muhcmaßung gemacht, daß er diese Würde von der Zenobia erhalten: z) ob die darüber zu Antiochien erhobenen Klagen gegründet gewesen; odcr Äicht? worauf wir erst unten antworten wollen. III. Daß er ein Schriftsteller gewesen. Ueber die algemeine Frage: ob Paul Schriften versaßet und hinterlaßen, darf wol nicht gestritten werden; desto zweifelhafter aber sind die Fragen, ob noch etwas davon übrig ist, und welche von denen Ueberbleibseln vor ächt zu halten? Anm. Die Frage von den Schriften des Paul von Sa- mosara und deren Ueberbieibseln ist allerdings sehr wichtig, da darauf die Richtigkeit der Vorstellung von seinem Lchrbegrif beruhet. Wir haben davon folgendes zu bemerken. Ueberhaupt ist kein Zweifel, daß Pa rl allerdings ein Schriftsteller gewesen. Ein alge- nirin Zeugnis hat Vincentirrs von Lcrins im commo- nirorio. des Paul von Samosara. 7i lütorlo. §. Z5- p. z;6. der baluzischen Ausgabe hinter- laßen. Insbesondere aber sind die dem Paul von Sa- mosara beygelegte Schriften in drei Klaßen zu theilen. Don einigen ist es zuverlaßig, daß sie von ihm herrühren. Dahin gehöret theils sein Schreiben an die zu Antiochien versamlete Lehrer, deßcn Athanasills fie s^no6. 8eleuc. et ^rim. tom.I. p. 922. gedenket; theils seine Reden an den Sabianum. Von diesen ist unsers Wißens kein nahmentliches Zeugnis eines alten Schriftstellers vorhanden. Man hat aber in einer al. ten Handschrift des Cvllegii von Clermont zu Paris mehrere aus denselben ausgezeichnete Stellen gefunden, welche zu erst Hr. D.Lcuerleinama.V. Z.V.p. rz.tgq. nach einer vvm seligen Magn. Lrusen genommenen Abschrift abdruken laßen. In eben diese Klaße sezen wir noch einige andere Ueberbleibsel, von denen wir nur nicht wißen, wie die Aufschriften der Bücher gelautet, aus denen sie genommen sind. Einmal ist eine sehr alte Schrift unter dem Titel: contesistio pro olencis Lloriüsntinopolitsriis unter den Akten der Kirchenver- samlung zu Ephesus vorhanden, von deren Verfaßer und Inhalt wir unten mehr sagen müßen. In derselben werden Worte des Paul angeführet. Man kan die Stelle in -Harduins concil. tom. I. p. 1272. finden. Hernach hat Leontius, der den Beynahme» von B7- xam führet/ in seinem Werk wieder die Nestorianer uild Eutychianer ebenfals mehrere Stellen angeführet. Sie sind bishero nur aus der lateinischen Uebcrftzmig in Basnagcns rfiesaur. monim. eccles. tonr.I. p. 594. bekannt gewesen; wir haben nunmehro diese wichtige Ue- berbletvsel griechisch, nachdem sie Hr. Feuerlcin am a. O> §. III. p. lo. aus einer Handschrift der königlichen Bibliothek zu Paris; und Ehrlich in der äiü'. cie erro- ribus ?sulli 8smosateni §. XV- p. 22. sgg. aus einer Dodlejanischcn ans Licht gestellct. Von anvern ist noch viel Uneinigkeit unter den Kunstrichtern. Es ist unter den Nahmen desB. Dionysii.von Alexandrien ein Schreiben an den Paul von Samosata vorhanden, welches in den Samlunge» der Concilien zu finden. Es stehet in der mansischen tom. I. p. roZ9. Aus diesem weitläufigen Schreiben lernen wir nicht allein, daß Paul schon vorhero einen Brief an den B. Dionysium abgc- E 4 laßen, 72 Rezerei laßen, der ohnehin schlechterdings vor verloren zu ach« ten; sondern auch, nachdem er darauf eine Antwort er« halten, zum zweitenmal an eben den Bischof geschrieben, und ihm »ehen Fragen zur Beantwortung vorgeleget, welche denn nebst den Antworten den Hauptinhalt dieses Schreibens selbst ausmachen. Diese zehen Fragen würden unstreitig nicht allein das ansehnlichste Stük von Pauls uns übrig gelaßrnen Aufsäzen ; sondern auch zur Entscheidung der zweifelhaften Fragen von seinem Lehr, begns sehr fruchtbar seyn; allein darüber sind eben die Meinungen scharfsinniger Kenner gekheilet, ob dieses Schreiben des Dionysii zu den ächten Schriften zu zeh- len sey; oder nicht. Weil wir unten von dem Schreiben mehrercs melden müßen; so wolle» wir hier nur kurz bemerken, daß sowvl die Fragen; als die Antwor« ten von gleichen Wehrt sind- NurMosheim am a. V. p. 707. ist der Meinung, daß zwar die Fragen von Paul von Samosara; nicht aber die Antworten vom Dio« si^sio herkommen. Der scharfsinnige Larvner in crc> äibiiitzc of riie Loipel - II. voi. 4. p. 64z. zweifelt mit Recht an beyden und getrauet sich nicht, aus den Frage» Beweise von der eigentlichen Beschaffenheit des samosakenianisthen Lebrbegrifs herzuleiten. Hr. D Seniler hat sich in der, dem ersten Theil, der Baumgartenfchen Polemik vorgesczten Einleitung S. szO. sehr deutlich erkläret, daß diese Fragen unächt; aus welchen allen wir den Schluß machen, daß wenig, stens allein aus diesen Fragen keine sichere Erzehlung der samosatenianischen Jrtümer herzunehmen. Endlich muß n wir noch von andern hinzufügen, daß sie gewis von Paul nicht versaßet worden. Wir werden unten bemerken müßen, daß Paul an statt der gewöhnlichen Lieder andere Psalmen zu singen erlaubet. Die anriycheniscken Bäter bey deut Eusehio, die dieses er, zehlen, melden nicht, daß er sie selbst aufgesezet. Doch hat dieses Ha^mo kistor. ecclek, p. 74. vorgegeben, und Tave in kistor. iicterar, icriptor, eeolesi tom. I. p. izz, ist ihm unvorsichtig gefolget. §, IV. Wir kommen jezr zum zweiten Theil unserer Erzehlung, und dieser belrifr die Klagen, so wieder 73 des Paul von Gamosata. wieder den Paul von Samosata ehemals erhöhen worden und noch geführet werden. Sie sind von einer zwiefachen Gattung. Einige gehen die von ihm vorgetragene Lehrsaze an, weiche ihm eben mit einem so algemeinen Beyfall unrer den Kezern eine Stelle erworben. Daß Paul Jrtümer gelehret und daß diese Jr- tümer dem Lehrbegrif der ältern und neuern Rechtgläubigen von Christo widersprochen und daß sie zugleich in die Lehre von der Dreieinigkeit einen Einfluß gehabt, ist bey nahe das einzige, was man mir Gewisheit davon sagen kan. So bald mait aber nähere Bestimmungen der Lchr- säze selbst verlanget, so findet sich zwischen den mancherlei Vorstellungen, die davon bey ältern und neuern Schriftstellern gemacht werden, eine so grose Verschiedenheit, daß sich bey nahe kein Weg finden laßen wil, allen daher entstehenden Verwirrungen abzuhelfen. Wir glauben daß wir vor diesesmal so wol uns selbst; als unsere Leser am sichersten vor Jrtümer und einem voreiligen Beyfall verwahren werden, wenn wir erst die Nachrichten der alten samten. Wir wollen sie in einige Klassen theilen, und in die erste diejenige stzen, so wir als Berichte glaubwürdiger Geschichtschreiber ansehen. §. V. Die vornehmste historische Urkunde ist das Schreiben, welches die zu Amiochien versam- lete Väter an den B. Dwnyssum zu Alexan- drien und einige andere angesehene Bischdffe ab- gelaßen haben; Eusebius aber uns nur aus- E z zugsweise 74 , Rezerei zugsweise aufbehalten. In demselben reden sie sehr wenig von den Lehrsazen, des Kezers, den sie verdammet haben. Sie sagen nnr überhaupt: er habe seinen Gott und Herrn verleugnet und den Glauben, den er ehemals gehabt, nicht bewahret: ferner: er wäre von der Glaubensregel abgewichen und auf falsche und unachte Lehren verfallen; insbesondere: daß er die Christo zu Ehren gemachte Loblieder, als wenn sie neu und von jüngern Personen verfertiget wären, abgeschaffet; weiter: er habe sich geweigert, zu bekennen, daß der Sohn Gottes vom Himmel gekommen : ingleichen er habe gefaget, daß Christus von hieniedcn sey: endlich : er sey ein Verrähter des Geheimnißes ober der Religion, und zur verabscheuungswehrten Keze- rei des Arremas (denn diesen habe man vor seinen Vater zu halten) übergetreten, und daher könne er und seine Anhänger nur mit dem Artema die kirchliche Gemeinschaft unterhalten. > 2lnM. . 27.2g. 29. P Z 57 - üj. 2) k'lior. ecctek. /rör. V. cax, 2Z. P. 251. UNd ckro- nic. p. 176. II. Alexander Bischof von Alexandriett, fezet die Jrtümer des Ebions, des ArtemaS Und des B. Pauls von Antiochien in eineKlaße und saget, daß sie von der gemeinen Lehre, Christus sey der Natur nach der Sohn Gottes, abgewichen: Anm. In dem Schreiben an den Bischof Alexander zu Constantinvpel, welches TheoSorerus kikor. ecctes. I. ca/,. 4. p. 15. der reavingischen Ausgab» liefert. III. Athanafius hat in den, ihm mit Recht beygelegten Schrrften verschiedne Zeugniße, die hieher gehören, hrnrerlaßen. Er jaget aneinem Ort, daß Paul das Wort Gottes verleugne, und, daß dieses Wort ins Fleisch gekommen: an einem andern; die Samosatenianer leugnen, Rezerei ?6 daß Christus von Ewigkeit Gott sey; sondern daß er erst nach der Menschwerdung nach und nach Gott geworden, da er von Natur nur ein bloser geringer Mensch sey: noch an einem andern: Paul bekennet, daß Gott von der Iung- ftau und zu Nazareth geboren worden: allein damals habe er erst den Anfang des Daseyns und seines Reichs genommen: das kräftige Wort Gottes und die Weisheit sey in ihm; im göttlichen Rahtschluß sey er zwar von Ewigkeit; allein dem wirklichen Daseyn nach sey er erst zu Nazareth sichtbar worden, und zwar, daß der Vater Gott über alles sey: noch an einem andern Ort: Paul von Samosata saget, Christus sey ein Mensch und von dem Wort, das Gott ist, unterschieden. Anm. Die erste Stelle stehet in dem Brief »6 epilcopos ton. I. vo/> I. p. 27z. die zweite, denen auch wol Hr. D. Semler in der Eintest. in Sie Geschickte See Glaubenslehre, vor dem ersten Theil der Baumgar- tensckcn Polemik S-2Z8 u. f beytritt, welcher wenigstens der im folgenden L zu berührenden Meinung wie- derspricht. §. XII. Andere meinen, Paul von Samosata habe nicht in der Lehre von der Dreieinigkeit; sondern allem in dem Artikel von der Person Christi geirret» 92 Rezerei irret. Es ist in ihren Augen die ehemals so gewöhnliche Vergleichung des Nesrorü mit dem Paul von Samosata völlig gegründet und der leztere dachte von den beyden Naturen Christi, aber von ihrer Vereinigung schlecht. Anm. Es sind schon oben solche Schriften der älteren Kirchenlehrer bemerket worden, in denen Vergleichun- gen zwischen dem Nestorio und Paul von Samosata angestellet worden. Da diese doch zugeben, daß sich zwischen ihnen beyden auch ei» Unterschied finde, soka» man nicht sage», daß sie schlechterdings den samosate- nianischcn Lehrbegrif vdr nestorisch angesehen, welches auch unter den neuern vom Jablonski wol zu merken. Man rechnet noch hiehcr Anastasium von Sinai do- oder vor sich bestehende Dinge sind: iz) beydr bringen vcrschiedne und nicht mit einander zuvermischen- be Wirkungen hervor. Der göttliche Verstand redet durch Christum, überzeuget und beweget die menschlichen Herzen, thut Wunder, ohne alleZwischenkunfc des Menschen; dieser aber wird geboren, hungert, schlafet, reiset, leidet, stirbet, ohne alle Zwifchenkunfr des göttlichen Verstandes: 14) Dieser hat endlich den Menschen, nachdem er sein Gesandschastsqeschafte verrichtet, gänzlich verlaßen. Der zweite ist Hr. Joh. Gottlied Ehrlich, der in der cllsi'. lle erroribus ?auiii 8amoiäce- oi unstreitig grosen Fleiß aus die Untersuchung des sa- mosatenianischen Lehrbegriss gewendet. Nach seiner Vor- 97 des Paul von Gamosara. Vorstellung hat Paul gelehret: i) Christus sey ein blo, fer Mensch; aber allerdings von einer Jungfrau üd-r- natürlich geboren: 2) Dieser Mensch ist mit dem Wort Gottes vereiniget: z) dieses Wort ist in Gort keine Person; oder Substanz; sondern verhalt sich eben so, wie der Verstand des Menschen zur Sele. 4) man kan ihn nicht schlechterdings einen Sabellianer nennen; wol aber sagen, daß er mit einer Gattung von Sabekia- ncrn übereinstimme, welche wie er, vom Wort dachten: 5) Paul lehrte, daß in Christo wirklich zwey Personen: oder waren, davon 6) die eine der Sohn der Maria, die andere das Wort, das Gott ist, sey: mithin 7) daß das Wort, sobald es sich mit dem Menschen vereiniget, seine eigne Subsistcnz erhalten. 8) Diese Vereinigung bestand darinnen, daß das Wort i» de'M Menschen, wie Gott in den Propheten, gewöhnet: durch denselben gewirket und ihm Vorzüge verschaffet, so daß ste beständig zwey verschiedne Personen geblieben : 9) diese Vereinigung ist zu eben der Zeit geschehen, da die Maria Jesum empfangen; habe aber zur Zeit seines Leidens aufgehöret, da er über göttliche Ver- laßung geklaget. Amn. s- Wir müßen zn den Gelehrten, welche das Lehrgebäude des Pauls von Samosata untersuchet, und was eigenes gesaget, billig noch den Jesuiten Johann Garnier sezen, welcher der ersten llist. cle kserell et li- bris sseüorü, so dem zweiten Theil seiner Ausgabe von LNacii Mercarors Werken angehänget ist, «ine Abhandlung dieses Inhalts p. ZO7. einverleibet hat. In dieser hat er dem Paul folgende Lchrsäze zugeschrieben: i) daß er das Wort vor ewig gehalten, das aber ohne eigne Subsistenz in Gott gewesen : 2) »achhcro aber, da es sich mit dem Menschen Christo vereiniget, eine Substanz worden und also z) in Christo wirklich zwey Hypostasen gewesen: 4) daß er Christo nach seiner Menschennatur nur eine natürliche Geburt aus zwey Eltern zugeschrieben: 5) daß er eine zwiefache Periode der Vereinigung des Worts mit Christo gelehret, davon die eine von der Empfängnis, bis daß er zu einer vollkommenen Stufe der Lugend gelanget: die andere bis an fein Leiden gedauret: jene war nur eine abwech- 96 Rezerei selnde Gegenwart; diese eine Einwohnung: jene nur Gnade, diese aber Lohn. §. XIV. Wir wollen nun drittens unsere eigne Meinung von den samosarenianischen Lehrbegrif sagen, lind dabey einmal die Hauptsaze vortragen und von ihnen einige Nebenfragen absondern. I. Paul von Samosata hat gelehret, daß ein Gott sey, welcher m der heiligen Schrift den Vaternahmen führe. Anm Weil wir eben die Zeuqniße der altern Schriftsteller schon mitgetheilet, so wollen wir bey jeden Sazdie Nahmen derjenigen, auf deren Außage der Beweis desselben beruhet, nur nennen. Hier bestehen wir uns auf Arhanasium und pbilastrium. Ihnen stimmet das Schreiben der sechs Lstschöffe bey. II. Er hat nicht geleugnet, daß die heilige Schrift vom Varer, Sohn und heiligen Geist rede. Anm. Dieses saget Epiphanias. m. Was er durch den heiligen Geist vel> standen; wissen wir in der That nicht. Anm. Mosbeim hat diesen Mangel durch Muhtmaßen nur zu ergänzen gesucht. I V. Hingegen hat er desto mehr vom Wort und der Weisheit geredet. Daß er hier unter dem Wort in Gott und dem von Gott hervorgebrachten Wort einen Unterschied gemacht, ist zweifelhaft.. Anm. 97 des Paul von Saniosara. Anm. Es meldet es nur Marin« Mercaror. Mosheim leugnet es. Semler S. 262. Not 27z. vertheidiget es. Beyde haben Recht. Wenn durch ^»cho- fncse eine Substanz verstanden werden sol, so ist es falsch; wenn man aber darunter die Wirkungen des göttlichen Verstandes außer dem Wesen Gottes verstehen wil, so hat Paul allerdings zwischen dem Wort in Gort, und den, außer Gott in und durch Christum hervorgebrachten Wirkungen deßelben einen Unterschied gemacht. V. Dieses Wort, diese Weisheit in Gott ist keine Substanz; oder Person. Anm. Dieses folget nicht allein aus dem nächsten Lehr- saz; sondern es sagen es auch Malcbion, Marin« Mercaror, die sechs Bi schaffe, die Ueberbleibsel des antiochenischen Sxnodalschreibens. VI. Sondern ist der göttliche Verstand, wie die Vernunft in dein Menschen. Anm. Dieses lehret Epiphanias. VII. Christus ist ein bloser Mensch. Anm. Hier sind Eusebiu«, Alexander, Arhanasius, Phi, lastriu«, Augustinus, Theodocerus Zeugen. Ihnen stimmen bey, Dionxsius, die sechs Bischöffe, die con- leüstio, Gimeon von Bctharsama, und die Zehen Fragen. VIII. Er hat erst angefangen da zu seyn, da er voll der Maria geboren worden: Anm. i. Dieses lehren Athanasius, Lhr^sosiomus, Au, gustinus und die couteüstio. Anm. 2. Hier ist die Frage, ob Paul die Geburt Christi vor übernatürlich aus einer Jungfrau; oder vor natürlich durch eine gewöhnliche Zeugung gehalten? zu bemerken. Da Marius Mercaror das leztere allein ihm Schuld giebt; so ist billig das erstere zu bejahen, wenn gleich Garnier x. zcg. lieber das lejtere vertheidiget. U Theil. G 3hm Rezerei 98 Ihm haben Tillemont menioir. pour servir L l'hikoir. ecclef. tom. IV. P. 664. und Ehrlich in gedachter clich. §.111. x. 5. billig widersprochen. IX. Allein in diesem Menschen hat das göttliche Wort und die Weisheit gewöhnet und ist in ihm wirksam gewesen. Anm. Die Einwohnung des Worts in Christo bezeugen fast alle oben bemerkte Stellen, sonderlich aber Epiphanias. Nur kommt es hier als bey dem vornehmsten streitigen Saz auf zwey Fragen an: i) ob Paul gelehrct, daß in Christo zwey und TrLss-wTr« gewesen, bey welcher wieder zweierlei zu unterscheiden: einmal, ober diese Zahl selbst bestimmet? welches denn die neuern, so ihn vor einen Nestorianer halten, behaupten. Da aber in der That kein Zeuge vorbanden; als Dionysius, deßen Schrift noch vielem Zweifel unterworfen, und es der Nachricht der andern, daß das Wort; oder Weisheit keine Substanz, wiederspricht; so sind wir geneigter, diese Frage zu verneinen: -Hernach, wenn das erstere wahr, wie er diese griechische Nahmen verstanden? Da denn nach einigen dem Wort allein zum Unterschied des Menschen, in dem es gewöhnet, diese Nahmen zukommen, wie wahrscheinlich Moshcim gedacht; andere aber meinen, daß auch dieses Wort vom Vater persönlich unterschieden gewesen: 2) ob nach Paulli -Meinung das Wort beständig eine v'71-05«--^ gewesen ; oder erst eine solche Persönlichkeit erhalten, da es sich mit dem Menschen vereiniget, da denn das erstere wiederum von allen, welche den samosatenianischen Lehrbegrif vor nestorianisch gehalten, bejahet wird; das leztere aber ist eine, allein auf Dionysii und noch dazu dunkles Zeugnis,(denn die aus dem anriochenischen Glaubensbekännrni« und dem Mario Mercatore beygefügte Stellen sagen dieses in der That nicht) beruhende Meinung des Garnier» p. 709. dem Tillemonc ebenS. p. 66z. widersprochen, und Ehrlich» §. X. p. 17. wieder welche» Hr. D. Scmlcr S-264. gründlich gestritten. Am sichersten ist, beydes zu verneinen. X. Die 99 des Paul von Samofara. X. Die Vereinigung nahm ihren Anfang mit der Empfängnis in dem Leib der Maria: Anm Dieses stehet in der conteKstione klar, und ka» sehr wol mit den übrigen bestehen. XI. Durch diese Weisheit erlangte Christus nach und nach seine Erkänntnis und Fertigkeit in der Tugend. Er wurde dadurch Gort und Gottes Sohn; aber beydes irr uneigentlichen Verstand. Anm. Dieses lehret Athanasius. Ihm stimmen die zweifelhaften Zeugniße, sonderlich die;ehen Fragen bey. XII. Allein bey feinem Leiden hat ihll diese Welsheit verlaßen. Anm. Dieses saget Eplphanius. §. XV. Wir können nicht leugnen, daß wir aus den zuverlaßigen Zeugnißen mehrere Lehrsaze zu folgern, uns nicht getrauen. Sie scheinen uns aber auch hinreichend zu seyn, den Zusammenhang der samosateniamschen Jrtü- mer einzusehen, und da diese richtig zu beurtheilen, noch zweitens einige Nebenfragen nüzlich seyn können, wollen wir sie iezo in Betrachtung ziehen. Die erste wird durch die unter den älteren und neuern Theologen gewöhnliche Vergleichung dieses Lehrbegriss mir andern Kezereien veranläßet, wovon wir einmal überhaupt bemerken müßen daß die alteren Kirchenlehrer wol niemals eine schlechterdings algememe Aehnlichkeit zwischen zwey Par- G 2 lheren Rezerei iheien die sie unter sich vergleichen, zu behaupten verlange! Habens Hernach insbesondere folgende Anmerkungen machen: I. Paul ist unstreitig am häufigsten mit dem Artema verglichen worden und dieses in den zuverlässigsten Schriften geschehen. Allein da uns von dem wahren Lehrbegrif des Artemas selbst wenig gewißes bekannt, so ist uns diese Nachricht zur Bestimmung des samosateniani- schen Lehrbegrifs in der That unnüz. Anm. Es sind oben die Zeugniße des Svnodalschreibens, Ensebii, Alexanders, Epiphanrr, Auguslkni, Theodoren schon bemerket worden. Man vergleiche diese Rezerhrstorie Th. I. S. 56z. II. Wir sezen diesen gleich die Juden bey. Die alten haben den Paul beschuldiget, daß er von Gott nicht anders denke, wie Juden, und haben es durch die oben bemerkte Nachricht von der Gnade der K. Zenobia gegen den Paul sehr wahrscheinlich gemacht. Im strengsten Verstand ist die Angabe gewis falsch. Paul war allemal ein Kezer und so unrichtig er dachte von der Person Christi; so leugnete er doch nicht, daß Jesus von Nazareth Christus sey. Allein in einem weitem Verstand kam er allerdings mit den Juden überein, daß er die Dreieinigkeit leugnete und in einem göttlichen Wesen nur eine Person erkannte. Anm. Die alten sind Epiphanias undpbilaftrius. Don der Zenobia sind oben die Zeugniße schon bemerkn. III. Es 101 des Paul von Samosata. III. Es ist oben hinreichend erwiesen worden, daß ansehnliche Lehrer den Paul von Samosata, vor einen Sabellianer halten. Von den neuern ist es gewis, daß sie durch den jabel- lianischen den Jrmm, welcher den persönlichen Unterschied der drey Personen in einem göttlichen Wesen leugnet verstehen. Ob aber die alten ebensals hierinnen den Vergleichungsgrund gesezet, ist nicht allein wegen der Verschiedenheit ihrer Vorstellungen von Sabellii Lehrbegrif noch zweifelhaft; sondern auch deswegen unwahrscheinlich, weil Epiphanias beyde Lehrbe- griffe unterschieden wißen wil. Wir glauben, daß in einem weitlauftigen Verstand Paul und Sabellius darinnen übereingekommen, daß beyde geleugnet, daß drey Personen in dem göttlichen Wesen; aber im gnauern Verstand auch von einander so verschieden gewesen, daß Paul viel weiter gegangen und besonders von der Person Christi weit unerträglicher gelehret; alsSa- bellius, wenn man diesem, wie hier geschiehet, den Jrtum beyleget, welcher gewöhnlich der ja- bellianische heißt. Wenn wir aber annehmen, daß unsere vorhero gegebene Vorstellung vom Sabellii Lehrbegrif ächt sey; so treten beyde viel naher zusammen. Anm. S- oben Abch. II. §. 7. u. f. Es ist also nicht! nöthig, eine doppelte Gattung von Sabellianern hier anzunehmen, wie Ehrlich §. VIII. p.9. gethan. IV. Daß Paul von Samosata mit dem Nestorius verglichen werde, haben wir oben durch ältere und.neuere Schriftsteller erwiesen. G z Wenn 102 Rezerei Wenn wir unpartheiiscb urtheilen dürfen; so ge- hen die neuern hiermnen viel weiter; als die älteren, an denen man doch deurlich merkt, daß sie die Absicht gehabt, Nesiorium durch die Gesellschaft mit dem Paul von Vamosara zu verunglimpfen; dem ungeachtet aber erkannt, daß sich zwischen beyden ein groser Unterschied finde. Wir können zwischen beyden keine andere Aehn- lichkeit finden; als diese, daß beyde geleugnet, m Christo sind zwey Naturen persönlich vereiniget; allem da dieser verneinende Saz eine Folgerung zweier ganz verschiedener Grundsaze ist; so verlieret sich auch in der That dadurch selbst diese Aehnlickkeit. Nestorius war in der Lehre von der Dreieinigkeit rechtgläubig; Paul aber gar nicht. Nestorius bekannte, daß unser Erlöser wahrer Gott und Mensch sey; Paul leugnete das erste; und gab das lezrere allein zu. Nestorius hielte das Wort vor eine Person; Paul aber nicht. Wie tonte nun gesager werden, daß beyde einen Lehrbegris gehabt? 2 tnm. Wir finden noch zu dem, was oben gesaget worden, folgende historische Nachrichten beyzufügen i) daß Nestorius selbst diese Beschuldigung, daß er samosate- nianisch lehre, abgelehnet, in seiner zwölften Rede §. 12. i'gq. im zweiten Theil der Werke deSMariiMer- catoris p. 86. sg. 2) daß Marius Mepcator bey allem übertriebenen Eifer, den Ncstorium zum Samosatcnia- ner zu machen, doch selbst erkannt, daß sich zwischen ihnen ein Unterschied finde, «per. ton». II. p. 17. lqg. , worüber noch Garniers Erläuterung p. ZIO. nachzule, sen: z) daß dieser Beschuldigung unter den neuern außer Ehrlich, Mosheim eommentar. p. 714. Semlei: «m a. O. S. r6v. mein Vater in lüstor. ecclel. x. 1 188' und -es Paul von Samosata. roz und vversmann memorsb. kiKor. ecclet. vo/. I. p. 26z. »viedersprochen. V. Derjenige, der dem Paul von Samosata vielleicht am nächsten gekommen, ist Photinus. Es findet sich zwar zwischen ihren Vorstellungen und noch mehr zwischen ihren Redensarten ein merklicher Unterschied; allein in dem Hauprir- tum, daß Christus ein bloser Mensch und nur durch vorzügliche Gabe über andere Menschen erhaben sey, find sie doch völlig einstimmig. §. XVI. Die zweite Nebenfrage, die wegen ihres anderweitigen Einflußes in die Geschichte der Glaubenslehre wichtig ist, betrift den Gebrauch deS Worts gleiches Wesens, welchen einige diesem Kezer zuschreiben. Es ist voraus zu sezen, daß eine alte Nachricht vorhanden, welche sich auf einige, einander nicht völlig gleichlautende Stellen des Athanasli, Hilarii und Basilii des grosen gründet, daß im vierten Jahrhundert die Arianer zur Bestreitung des Ansehens, welches die »manische Kirchenversam- lung diesem Wort beygeleget, sich dieses Grundes bedienet, daß eben daßelbe auf einer zu An- tiochien wieder den Paul von Samosata gehaltenen Kirchenversamlung sey als anstößig verworfen worden. Hierinnen kommen die Nachrichten überein; daß es aber deswegen geschehen, weil Paul selbst dieses Wort in einem unrichtigen Verstand genommen, saget nur Hila-- rius allein. Je gröser nun der Eifer auf der G 4 eiiren io4 Rezerei einen Seite der richtig denkenden Parthei gewesen, dieses seit so vielen Jahrhunderten eingeführte Merkmal der Orthodoxie zu vertheidigen, und auf der andern der neuern Feinde der Lehre von der Dreieinigkeit, diese Benennung zu tadeln, desto mehr ist über diese Nachricht von beyden Theilen gestritten worden. So viel uns davon bekannt worden, laßen sich die verschiedne Meinungen und Muhtmaßungen m diese zwey Hauptklaßen bringen. In die erste sezen wir diejenige, welche die ganze Erzehlung als eine Fabel ansehen und sich dadurch alle Mühe, in die übrigen Fragen sich einzulaßen,glüklich überheben. In die zweite diejenige, welche die Richtigkeit der Nachricht erkennen und voraus- sezen. Diese fragen billig, in was vor einem Verstand die antiochenischen Vater dieses Wort genommen, da sie es verworfen, und da diese Verwerfung unfehlbar eine Beziehung auf die samosarenianische Jrtümer gehabt, worinnen diese Beziehung zu suchen? Da denn wieder zwey Hauptantworten gegeben worden. Die erste ist, die Kirchenversamlung zu Antiochien hat es in kemem andern Smn genommen, als die zu Nicäa: mithin die erstere das verworfen, was die leztere gebilliget, welche denn abermals von zweierlei Leuten gegeben und verschieden bestimmet wird. Einige sagen, es sey aus Ueberzeugung von der Unrichtigkeit des Lehrsazes,der durch diese Benennung ausgedrukt werden sol; andere, es sey deswegen geschehen, weil Paul von Samosata aus diesem von den Rechtgläubigen des Paul von Samofara. ios bigen häufig gebrauchten Wort sophistische Folgerungen, die dem achten Lehrbegrif nachtheilig seyn müßen, gemacht und daher die Klugheit erfordert , den Gebrauch dieses Ausdruks wegen der Gefahr des Misbrauchs zu untersagen. Die zweite Antwort leugnet, daß die Ktrchenversam- lung von Antiochien das Wort in eben dem Verstand gemisbilliget, in welchem es die jüngere zu Nuäa in ein solches und algemetnes Ansehen ge- sezet. Diejenigen, welche diesen Grundsaz annehmen, verbinden gleich damit einen andern, daß Paul von Samosata in seiner Dreieinig- kettülehre das Wort selbst gebraucht, mit demselben aber einen so irrigen Begrif verbunden, daß daher seine Gegner Ursach gnug gehabt, dieses Wort in der samosatenianischen Bestimmung zu verdammen. Nichts natürlicher ist; als daß dabey eine neue Frage entstehet: was hat denn Paul diesem Wort vor eine anstößige Bedeutung gegeben ? welche denn wiederum zweierlei Meinungen veranläßet. Ein Theil glaubet, Paul habe es im sabellianischen Verstand genommen, und alsdenn heißet der Saz: der Sohn ist mit dein Vater gleiches Wesens, eben so viel, als: der Vater und Sohn ist nur eine Person; der andere aber saget, Paul habe das Wort blos auf die Menschennatur eingeschränket, welche nach seinem Lehrbegrif nach und nach vergöttert worden. Wenn wir bey der verwirrten Verschiedenheit dieser so mancherlei Muhtmaßungen unsere Gedanken sagen sollen; so glauben wir, daß wir G 5 folgende io6 Aezerei folgende Grundsäze anzunehmen, berechtiget sind: i) es ist hart, die ganze Crzehlunq vor falsch 'zu erklären, da verschiedne Schriftsteller solche überliefert, deren Vortheil gewesen wäre, sie ganz zu verwerfen, wenn sie dazu euugen Grund gehabt hätten. Die gegenseitige Grunde erweisen nur theils eine Möglichkeit, daß sie falsch sey; theils nur dieses, daß einige der angeführten Erklärungen falsch sind, welches aber die Sache selbst nicht zur Unwahrheit machet: 2) es ist gar nicht historisch erweislich, daßPaul von Samosata dieses Wort gebrauchet. Dieses saget nur Hilarms, dem wir hierinnen nicht so viel trauen können, wie dem Athanasius, der ausdrüklich bezeuget, daß Paul diesen Ausdruk bestritten. In dem ganzen System des Paul ist kein Grund vorhanden, warum er dieses Wort gebraucht haben sol- te. Ein Sabellianer war er nicht und es ist noch dazu unerweislich, daß diese leztere Parthei dieses Wort gebrauchet. Und von der Menschennatur Christi konte wol niemals in irgend einem vernünftigen Verstand, am wenigsten nach den geringschäzigen Vorstellungen des Pauls, gesaget werden, daß sie mit dem Vater sey, man mag nun das Wort «-r-i» vom Wesen; oder von der Person nehmen: z) es ist auch allerdings falsch, daß die rechtgläubige Lehre, der Sohn sey mit dem Vater gleiches Wesens, vor irrig angesehen und erkläret worden, weil theils allerdings derselbe in dritten Jahrhundert bekannt und vor richtig angesehen worden; theils kein des Paul von Samosirra. 107 kein Grund vorhanden, warum die antiocheni- schen Vater, da sie eigentlich mit den samosate- nianischcn Jrtümern besclaftiget waren, einen Saz hatten verwerfen sollen, der entweder mit diesen in gar keiner Verbindung stand; oder doch, wenn er dahin gezogen werden sol, demselben eher widersprochen; als günstig seyn würde. Aus diesem allen machen wir den Sckllus, daß es am sichersten sey, dem Athanar sio zu folgen und anzunehmen, daß Paul von Samosata sophistisch ( das ist das eigene Wort des alcpandrinischen Lehrers) aus dem, bey den Orthodoxen gewöhnlichen Ausdruk ö^s^.oc verhaßte Folgerungen gezogen und die Vater zu Annochicn deswegen lieber denselben gar nicht gebraucht wißen; als durch deßen Billigung zu einer solchen Msdeutung Anlaß geben wollen. Anm Zum Beweis und Erläuterung dieser Vorstellung dienen folgende Nachrichten: i)daß die alten Berichten in Akbanasii Buch äe h?noö.-^rim. er 8eleuc. tom. I. p.yry. lqq. -Hilarn libr. cle l^nocl. contra t^rianos x. Zyo. und Basilii des Grasen epiliol. I.II. tom. III. «per. p. 145 der Benedicriner Ausgabe: 2) daß die gan;e Erzeblung von Maran in der llillertat. lur les 8emisrien8, in Vogts bidliotb- bsereliolo^. tom. II, /a/r. 2 P-115. 5qq. und Hrn. M Job. Mick. Lern in der unter des Hrn. bonststorialratbs Feuerlein Vor- tu albicr 17z; gehaltenen äillerr. 6ei üüum patrr eile o^ts8«a>', snriqui eccleliX dotroies in concilio -^ntio- cbeno utrum ne^arint? als eine Fabel verworfen worden: z) daß eine uneingeschränkte Verwerfung des Worts mit Misbtlligung des ächten Lchrfazes selbst auf der antiocheniscben Kirchenversammlung, von Sam den in nuc!. bilior. ecelel. p. ry6. 1^7. AMbitb^ in 6is- quill in 6ull. lief. 66ei dlieenLs /iör. I. /sKl. 7« Ambition in col!e6iion ok sncienr monuments, relatin^ tc» rbs anä incarostion x. 117. auch s>etav behauptet : Rezerer ir>8 hauptet: 4) daß die Meinung, es sey nur wegen Pauls sophistische Folgerungen geschehen im Bull äelens. title l dlicen. /et?. II. §. y. p. 27. Tillemont memoires pour servir s t'kitloire eceles. to«. IV p. ZOi Aorn opuscul. sscr. tom. I. p. 8? tg. Jablonski 6iss äe Tannins ksuttl 8sm. lententis §. V. Ehrlicb am a. -. 1 l. 11. Man sezet ihnen zwar den Augustinum entgegen, der in seinem Luch Eusebium äe vits Lonkantini /rör. III. ca/i. 64. x. 620. / tz. XXII. Von denKirchenversamlungen, die wieder den Paul vorNLamofata gehalten worden, wißen wir mehr zu sagen. Es ist kein Zweifel, daß dieses zu Antiochien geschehen. Es giebt aber bey diesen antiochenischen Concilien verschiede Zweifelsknoten aufzulösen. Weil wir schon an einem andern Ort davon gehandelt; so wollen wir hier daß nöthigste nur kurz wiederholen. Bey der Frage: wie oft die Bischdffe wegen der samosatenianifchen Kezerei zusammen gekommen? haben diejenige am meisten Grund, 264^ welche drey Versamlungen annehmen. Unter 265. diesen ist die erste, auf welcher der B. Knin- lian und Gregorius, der Wunderthäter, gegenwärtig gewesen. Auf dieser wurde nichts ausgerichtet. Von der zweiten wißen wir, daß Firmilian ebenfals anwesend war, und sie 269. keinen beßern Erfolg gehabt. Die dritte machte der Sache ein Ende. Malchion, der die Aeltestenwürde bekleidete und ein guter Philosoph war, trieb den Mann in die Enge und sez- te die Richtigkeit des wegen feiner Irtümer gefaßten Verdachts in ihr völliges Licht. Anm. des Paul von Saniostrra. 117 Anm. Wir verweisen hierauf unsere Historie der Rir- chenversamlungen S- H2. u. f. Ueber die Chronologie ist auch viel Uneinigkeit. Eigentlich kan nur die Zeitrechnung der dritten Versamlung ausgemacht werden , und da hat Tillemonr und pagi die Sache so wahrscheinlich bestimmet; als bey den Umstanden geschehen kan. §. XXIII. Von diesen antiochenischen Kirchenversam- lungen haben wir noch zwey Umstände hier besonders zu umersuchen. Einmal sind zwey Glaubensbekänlniße vorhanden, welche auf diesen Versamlnngen gemacht seyn sollen. Unter dem ersten verstehet man das Schreiben an den Paul, in deßen Aufschrift die sechs Bisthöffe, Hymenäus, Theophilus, Theotecnus, Mari- mus, Proklus und Bolanus, als Verfaßer angegeben werden. Es ist seinem Inhalt nach allerdings ein Bekanntnis deßen, was sie von Gott und der Dreieinigkeit glauben, und hat die Bestimmung gehabt, daß sich Paul darüber erklären mdgte, ob er darinnen mit ihnen übereinstimme. Bey diesen Aufsaz sind zwey Fragen aufgeworfen und ganz verschieden beantwortet worden. Erstlich ist gefragen ob dieser Brief ächt, das ist, wirklich zu den Zeiten des Pauls abgefaßet worden? welches einige verneinen ; die meisten aber bejahen. Wenn wir aufrichtig unsere Meinung sagen sollen; so sind nur geneigt, die Sache vor unentscheidbar zu halten. Wir finden in dem Aufsaz selbst keine Gründe, ihn zu verwerfen; daß wir ihn aber auch nicht schlechterdings vor ächt halten, hindert H z uns n8 ' - Rezerei uns das algemeine Stillschweigen der alteren Schriftsteller von demselben. Er ist in der That em so richtiger Vortrag der Lehre von der Dreieinigkeit, daß er den altern Vertheidigern dieser Lehre in der historischen Frage, ob die vor Avis berühmte Lehrer ananische, oder athanasianische Vorstellungen gehabt? und selbst den Bestrei- tern des nestorianischen Lehrbegrifs nicht hätte unbekannt seyn können. Man findet auch nichts davon bey dem Eusebio, auch nicht alle hier gemeldete Nahinen, da er doch verschiedne berühmte Männer genennet, die auf den Versamlungen zu Anriochlen gegenwärtig gewesen. Da er drey nennet, Hymenäum voll Jerusalem, Theo- tecnllin von Cafarcrn und Marimum von Bo- stra; so würde er leicht die drey beygefüget haben, wenn ihm dieses Schreiben bekannt gewesen wäre. Zweitens wird gefraget, auf welcher, Kirchenversamlung dieses Schreiben abgelaßen' worden, da einige es zur ersten; andere zur drittelt rechnen; jedoch so, daß es vor dem Sieg, den Malchion über den Paul erhalten, geschehen; noch andere lieber meinen, es sey zwischen beyden geschehen, welches leztcre auch wahrscheinlicher ist, dadurch der Zweifel gehoben wird, warum diese sechs Bischdffe bey einer persönlichen Zusammenkunft doch schriftlich mit Paul gehandelt. Anm. i. Dieses Schreiben stehet in den Conciliensamlun- gen und zwar in der mansiscben tom. I. p. rvyz. La- bricii b'bliock. 6rXc. not. XI. p. Zg6. Die hier bemerkte Stelle des Eusebii stehet tiillor. eccles. üö»'. Vll. 28. Anm. HZ des Paul von Samosirta. Anm. 2. Die Richtigkeit desselben haben bestritten Lupin bibliotliegue cles suteurs eeclelislli^ne!; tom. I. p. 58?- u. Basnage annsl. polltico-ecclef. tom. II. p. 41 l. hingegen behauptet Tillemont memoir. pour servir ä I' bistoire eccles. tom IV. p. 208 und sonderlich Hr Con- ststorialr. Leuerlein in der gedachten llii'p.§.VII. p. 21. Anm. z. Auf die zweite Frage geben die erste Antwort, Baronius arm»!, eceles. ann. LLI-XX^I. §. 4. sgg. die zweite Duvalor'-r und Pagi: die dritte Lasnage, wie schon Lardner ebendas. x. 629. erinnert. H. XXIV. Das zweite ist ein kürzerer Aufsaz in welchem die reuie Lehre von der Person Christi und seinen beyden Naturen und ihrer Vereinigung sehr bestimmt vorgetragen ist. Derselbe ist cben- fals in den neuern Zeiten angefochten worden und wir können nicht bergen, daß die Art, wie das Geheimnis von der Person Christi ausge- drukt ist, die Meinung sehr wahrscheinlich macht, daß solcher nicht allein nach entstandenen ariani- schen; sondern auch selbst nestorianischen und eu- tychianischen Streitigkeiten abgefaßet worden. Anm. 1. Er stehet griechisch und lateinisch in tNansicol- ledl. concil. smpl. tom. V. p. 177. und wird verworfen von Duvalois not. inLuseb. p. z6z. der rcadingiscben Aufgabe, Basnage in annal. politioo-ecoles. tm». ll. p- 418- Pagi critie. in annal. staron. au». LLI^XXI. K.6. Tillemont ebeirdas p. zoi. Leiller killoir.llesan- teuis eccl. tom. III. p. 607. und vor acht erkannt von Baronio, Locke» inllrnK. tdeol. /röc. I. ca/z. 2. §. 4. Buddeo iss^o^. in tkeol. univ. lröe.Il. ca/i. 2. §. 2. und vorzüglich Leuerlein ebendas. K. IX. x. 27. Anm. 2. Hier wäre der Ort, auch von dem Synodalschreiben der dritten Kirchenversamlung zu Antiochien zu handeln; weil wir aber so wol von den ansehnlichen H 4 Stt'iken 12 » Rezerei Stüken deßelben, so uns Euscbiua aufbehalten; als den vermeinten Ueberbleibseln oft geredet: so wollen wir nur einige Anmerkungen hier nachboblen: i)daß der Derfaßer deßelben der gedachte Maickion gewesen, welches aber nur-Hieronymus äe vir. illuürib. cax. 72. meldet: 2) daß von demselben eine altere lateinische Uebersezung in Mansi colleLb conc. tom. I. p icyl. igg. angetroffen werde: z) daß sie an den B. Diony- sium von Rom, B. Maximum von Alexandrien und alle übrige Bischöffe gerichtet. §. XXV. Hernach ist hier der schiklichste Ort, von dem Erfolg der dritten Kirchenversamlung zu Annochien zu reden. Aus dem Synodalschrei- den lernen wir, daß die Barer den BischofPaul aus der Kirchengemeinschaft ausgeschloßen: seines Amtes enrsezer, und an seine Stelle einen andern Bischof zu wehlen und diese Wahl auf des ehemaligen Bischofs zu Autiochien, Dcmernani, Sohn Domnum gefallen. Eusebius sezet noch eine merkwürdige Nachricht hinzu. Paullus habe das Haus der Gemeine nicht räumen wollen: man habe sich an den Kaiser Aurelianum »l wenden müßen und der habe den gerechten Ausspruch gethan, daß demjenigen das Haus zu überlasten, welchen die christlichen Bischöffe in Italien und zu Rom vor ihren Mubruder erkennen. Auf diese Art, sezer er hinzu, ist Paul mit der äußersten Schande durch die weltliche Obrigkeit aus der Kirche gejaget worden. Anm. Dcyde Nachrichten finden sich in Eusebü Kirchen- historie Lb»-. Vii. cax. ZO. Die lejtere ist besonders fruchtbar gewesen, allerlei Fragen und verschiedene Beantwortungen derselben zu veranläßet,. Wir wollen sie des Paul von Samosara. i-rr sie kürzlich anzeigen, und so weit sie mit unserer Historie in Verbindung sieben, erläutern, r) es ist höchstwahrscheinlich, daß nicht allein Paul; sondern auch seine Anhänger sich an den Spruch der Kirchenver- samlung nicht gekebrct; sondern vielmehr eine förmliche Spaltung zu Antiochien entstände», und Paul in dem Besiz der bischöflichen Würde sich erhalten. Dieses lehret TbeoSorerus bserotic. 1'sbul. triu-. ll. cax. 8- Od die versamlikcn Bischöffe bey der Wahl des B- Domni die Gemeine zu Antiochien ganz ausgeschieden, wie Moobeim behauptet, ist aus ihren Worten so ge- wis nicht zu folgern. 2) es ist allerdings höchstwahrscheinlich , wie Duvalois not. in Luleb. p. z6g. erinnert, daß der Schuz, den Paul bey der Regenrin dieser Lande, der Zenobia, gefunden, die vornehmste Ur- sach gewesen, warum man den Paul zum Weichen nicht bringen können, und dieses nicht eher geschehen; als bis die Aenvbia vom Kaiser Aureliano überwunden worden, so imJ. C. 272 erfolget, z) was unter dem Haus der Gemeine zu verstehen? ist eine Frage, die am füglichsten so zu verstehen, daß es ein Haus gewesen, so den Christen zu Antiochien eigentümlich gehöret und wahrscheinlich zu den gottesdienstlichen Versam- lüngen und der Wohnung des Bischofs bestimmt gewesen. 4) daß man sich an den Kaiser gewendet, in wie weit daraus zu beweisen, daß die alten Christen die Majestälsrechte der weltlichen Obrigkeit in Kirchensa- chen erkannt, gehöret an einen andern Ort. 5) wer sich an den Kaiser gewendet, meldet Euscbius nicht. Die meisten glauben, daß es die Bischöffe gethan, welche das Urtheil gesprochen: Monheim aber, daß es von den beiden Partheien zu Antiochien geschehen. 6) das Urtheil des Kaisers erkläret bNoshcim so, als wenn in Italien eine neue Kirchenversamlung gehalten worden, welches Eusebius nicht sqgct, Es ist bekannt, und selbst aus dem Synodalschrciben klar, daß dieBl- schöffe einer Parlhei unter sich einen Briefwechsel unterhalten, und also derjenige von ihnen vor einen Rechtgläubigen erkannt worden, an dem sie ihre Briefe gerichtet. Und daher verstehe ich das Urtheil des Kaisers so. Derjenige von den beyden Bischöffen der Christen zu Antiochien, Paul, oder Domnus, sol in den Ke- H 5 str 122 Rezerei siz des Hauses gelezet werden, an welche» die italiäni^ schon und besonders der römische Bischof ihre Briefe Maßen. Es legte also den Partheien einen Beweis auf, den nur ein Theil so gleich führen konte und die Oberhand behalten muste. Nichts ist wahrscheinlicher; als daß der Kaiser sich hier nach den, bey der christlichen Kirche damals angenommenen Grundsazrn gerichtet , und daher den römischen Bischof allein nicht ge, nennet; sondern ihm die übrigen italiänischen Diftdöffe beygefüget. Man sehe Tillemont tom. IV. x. ZQ2. und Mosheim comnientsr. p. 715. §. XXVI. Wir würden außer diesen antiochenischen, noch eine kölnische Kirchenversamlung wieder den B. Paul von Samosara annehmen müßen, wenn wir Baronjo glauben wollen. Allein nichts ist gewißer, als daß seine Unwißenheit in der griechischen Sprache ihn verleitet, eine Begebenheit zn entdeken, die gar keinen historischen Grund hat. Anm. s. die Historie der Lirchenv. S- i i6. §. XXVII. Endlich sind einzelne Lehrer übrig, welche sich durch Bestreitung der siunosalenianischenKe- zerei hervorgethan. Unter diesen sind zu bemerken: I. Dionysius, Bischof von Alexandrien. Daß dieser Mann geschäftig gnug gewesen, den Paul zu niederlegen, ist kein Zweifel; ob aber die unter seinem Nahmen vorhandne Schriften acht sind, ist eine andere Frage, die wir lieber verneinen; als bejahen wollen. Anm. des Paul von Samssara. I2Z Anm. i. Daß Dionysius wieder den Paul von Samosa- ta Schriften und zwar Briefe hinterlaßen, erhellet aus dem Synodalschreiben: aus Eusebii eigner Nachricht /iö»'. VII. llillor. eccies caz?. 27. -^ieronymi lle viris iilultrib. rax. 6y. und Theodoreti ksereticar. säkular, /rör. II. Z- Anm. 2. Wenn über Dionyfti Schriften wieder den Paul gestritten wird; so ist die Frage theils von dem Schreiben an diesen Paul; theils von den weitläuftigen Antworten auf deßelbe» xchen Fragen, welche nach der ersten, von Lran; Turriano besorgten Ausgabe in die groscn Kirchenväterbibliolbcken, und in die Loneilien- samlungen eingerußet worden. Sie stehet in Mansi colledk. concil. tom. I. p. IOZY. lq. Man darf sich nicht verwundern, daß ehemals bey dem algemeinschlechten Gebrauch der Kritik an der Richtigkeit derselben nicht gezweifelt worden, und wir glauben, daß aus dieser Ursach, wenn ja in solchen Fallen die Mehrheit der Stimmen gelten sol, solche Männer, die wie Baronius, nicht wissen können; oder doch, wie Bull, nicht ge- wust, daß scharfsinnige Gelehrten Bedenken gefunden, sie vor ächt zu erkennen, gar nicht zu berechnen. Von solchen Männern, welche wol unterrichtet, ihre Urtheile gefallet haben, sind uns viererlei Meinungen bekannt worden. Einige haben diese Schriften schlechterdings vor unacht erkläret. Sie sind in ihren Augen Arbeiten eines Betrügers, der vielleicht erst im fünften Jahrhundert nach entstand»«: eukychianischen Streitigkeiten, sie abgefaßet. Der erste, der dieses entdeket, ist Duvalois not. in Lui'ed. p. z6o. Ihm sind gefolget: Basnage annal. politico-eccIes.tE.ll. p. 241. 1 H. Du- pin bibliotk. lles auceurs eccies tom.I. p. ryo. Le- guien lliC II. Osmakc. §. 2z. sgg. -^arduin not. inepiik. Lkrvsoll all Osekar. p. 40. oper. ielect. kl^ontfaucon «per. -Ithanas tonn II. p. 716. SaliglleLut) ckianikm. ante Lut^ck. p. z6i. iq. Gemler am a.V. S- 251, LarOner in crellib. ok tlle6. H. xart. II. not. 4. p. 6;;. kg. lind (leiller killoire lles auteurs eccies to,?r. 111 . 276 1 h. Andere glauben, daß sie allerdings vom ale- xandrinischen Bischof herrühren, wie Tillemont me- inoir. pour lervir ä i'hilloire eccies tE. IV. p. 662. Stillingflcet in vinllicstion os tlle lloürine ok tlle trinit/ 124 Rezerei trimt^ p. zi. Labricius hibliotbee. 6 rXc. vo/. V. p. 26z. Garnier oper. I^Isr. Nercat. to>». II. p. zoy. und Leuerlein in 6 , 11 '. he ?. 8. §. XI. lg. p. Z7. Nock andere geben zwar den erstern zu, daß Dionysius nicht Urheber sey; allein sie halten sie doch vor alte Schriften, welche wol in diese Zeiten zu sezen, wie Pagi cri- tic. in annal. llaron, snn. LLI.XIV. §. Z. Und Mos- heim eornmentsr. 6e rebns ckrillisnor. p. 707. Endlich die vierten, enthalten sich ihres Urtheils; als Lave liillor. littersr. Icriptor. eccles vo/. I. p. I2Z. Wenn man unpartheiisch beyde Schriften prüfet, wird man bald finden, daß dem Dionxsio es zu keiner Ehre gereichen könne, sie ihm beizulegen. Eine Menge von sehr unschiklichen Antworten auf die samosatenianischcn Einwürfe können bey der Achtung nicht bestehen, die man sonst dem Lehrer von Alexandrien schuldig ist. Und die gar zu gnaue Bestimmung der Lehre von der Person Christi und dessen beyden Naturen verrahtet in dem Derfaßer die Kanntnis der über dieses kchrstük entstandenen Streitigkeit mit den Nestorianer» und Eutychia- nern. Wir leugnen nicht, daß das Wort homousios im dritten Jahrhundert bekannt gewesen und gebraucht worden; allein daß es, wie in diesen Schriften geschehen , zu einem so entscheidenden Merkmal der Orthodoxie gemacht worden, kan mit Recht gezweifelt werden. II. Malchion, von dem wir oben schon geredet und die ihm beigelegten Ueberbleibsel bemerket. m. Mhanasl'us. Daß dieser eifrige Mann in seinen Schriften auch den Samosatenianern widersprochen, ist kein Zweifel; allein die Nede von der Menschwerdung, welche er ihnen entgegen gesezr haben sol, ist gewis eine Arbeit des fünften Jahrhunderts. Anm. im zweiten Theil seiner Werke p. z. I V. Felix Bischof von Rom, von dem Nachrichten aus dem fünften Jahrhundert versichern, daß des Paul von Samosaea. 12 s daß er in einem Schreiben an den B. Maximus von Alexandrien die Lehre des Paul von Samo- sata verdammt habe. Ein klein Stük ist nur davon übrig. Anm. Man sehe Loustanr epifiol. pontistc. p. 292. V. Endlich könten die obengedachte Schriftsteller genennet werden, welche theils überhaupt bey Gelegenheit ihr Misfallen an dem samosate- manischen Lehrbegrif bezeuget haben; theils insbesondere die Uebereinstimmung deßelben mit dem uestorianischen zu erweisen, gesucht. Lez- tere werden aber billig bis zu demjenigen Ort verspüret, welchen ihnen die eigentliche Bestimmung ihrer Arbeiten anweiset. Anm. Wir beschließen diesen Abschnitt mit der Nachricht von den neuern Schriftstellern, die sich um die Geschichte der samosatenianischen Kezerei verdienet gemacht. Dom Tillemonr, Basnage, Feuerlein, Ia- ' blonski, Mosheim, Ehrlick, habest wir schon oft geredet, und sezen nur hinzu, theils, daß Jablonski ciis- lertatic>Infiorirc>-theoIoAics,exiiii>ens ^enuinsm?sui- 1 i 8 smotsteni, epitropi ^ntiocireni, ciotlrinsin, zu Franks, an der Oder t?z6. Leuerlein riiliertstio Hi 6 o- lico-ecriefiLfiicu cie stserell ksulii 8 »mvlsteni, e soiis trs^mentis tcriptornm ipllus et tefiimoniis pstrum ^ntiockenorum, alhier zu Göttingen 1741. und Ehrlich« ciili'ertstio «je erroridns hsulii 8 smoisteni, zu Leipzig 1745. herausgekommen; theils daß ihnen beyzufügen: Bull in illilic. erriet', cstholic. cie neress cre- äenäi, guoci O. hi. x. L. 6 t verus Oeus p. 28. Nata- lis AiexanSec hifior. erriet, dt. III. ca^. z art. 8. Joh. Vvilhelm Baier llillert. cie paniio 8smc>sste- no, 8ocini2norum patrisrcsts ezusgue ksereü, exsmi- ne et conäemnstione, so in der ersten clecs. 20. p. 284. rühmet die Kirchenbibliothek von Jerusalem, welche der B. Alexander angeleget und er sehr genuzet habe. Unter den Schriftstellern, deren Werke er da vorgefunden, nennet er den Lerxllum, Bischof xu Bostra in Arabien, von dem er theils Briefe; theils andere Schriften theils angetroffen. An einem andern Ort cax. zz. p. 297 meldet er, daß von Berxlli Jr- is und Tillemonr, tom. III. p. 771 Ihnen hat schon Lheaufepie in lliKiori. tiillor. unter dem Work Ler^Ils p. 268. wiederfprochen. 2) vor einen Photiniancr halten den Bervllum Fabricins 6. 6r. vo/. V p. 272. und mein Vater tt. L. lp. yy6. z) vor einen Sabellianer -Hueriu» OriAenisn. p. IZ. und Ebeaufepie ebenvas. Eben das hat auch wol LuOSen» inllirut klleos p. ZO 2 . sagen wollen, wenn er Bervllum vor einen Nachfolger I 2 des IZ2 Von dem Irnrm des Praxeas erkläret. 4) die lezte Meinung hat Mos- heim commelltsr. p. 7QO. vorgetragen. §. V. Wenn wir endlich unsere Meinung sagen dürfen; so sezen wir voraus theils daß zwischen Hieronymo und Eusebio keine wahre Verschie- denheit weiter sey ; als daß die Nachricht des lezrern vollständiger und bestimmter sey; theils daß unter den Zeugen der Eusebius vorzüglich glaubwürdig sey, zumal da Origenis Ausdmk, wenn wir ihn dahin ziehen, wol mit ihm völlig übereinstimmet. Dieses vorausgesezet betrift der Jrtum des Berylli zwey Fragen von Christo. I. Ist Christus vor seiner Menschwerdung da gewesen? Hierauf sagete Beryllus: ja; aber mit der Einschränkung, nicht als eine göttliche Person. Anm. Es kömmt hier eigentlich auf die Frage an, was Eusebiu« durch die oben angezeigte Worte: X«1-' «»-/«k sagen wolle? Duvalois erkläret es von der Persönlichkeit. Leclerc art. critic. vo/, I. p. 2yz. sg. und Lheaufepie am a. V. tadeln diese Auslegung, weil nicht die Person; sondern das Wesen bedeute. Mosheim ebenvas vertheidigt sie mir Recht, weil man hier nicht fragen mus, was heißet son» dern was heißet -^5 ^<>§>«4»? und das leidet keine andere Erklärung; als die Individualität, die Persönlichkeit. II. Was ist Christus nach seiner Menschwerdung? Da antwortete Beryllus: ein Mensch, in dem Gort und zwar der Vater wohnet. Anm. des B- Beryll» von Bostra. izz 2nm. Wenn Eusebius keinen wahren Saz zum Jrtum machet; so mus die Z-k-i-n von der Person des Vaters genommen werden. §. VI. Diese Säze sind gewis. Nun folgen einige zweifelhafte Fragen. !. Was lehrete Beryllus von der Dreieinigkeit. Aus beyden Sazen folget dieses, daß er nur eine Person in dem göttlichen Wesen geglaubt. Ob er aber ein Sabellianer gewesen und durch Leugnung des persönlichen Unterschieds der drey Personen geschloßen, Christus sey nicht als eine vom Vater verschiedne Person da gewesen; oder ob er geglaubt, daß Christus nur in der göttlichen Vorhersehung und in dem ewigen Rahtschlus vorhanden gewesen; oder ob er lehren wollen, daß nur dre göttliche Wirkungskraft, die sich nachhero in Christo geäußert, dagewesen, dieses alles läßet sich nicht bestimmen. II. Was lehrete Beryllus von der Person Christi? glaubtet, daß in derselben* zwey Naturen , die göttliche und die menschliche persönlich vereiniget? Wenn hier die göttliche Natur auf die zweite Person nach unserm Lehrbegrif eingeschränket wird; so mus man die leztere Frage schlechterdings verneinen. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß er gelehrt, die Person des Vaters habe die Menschennatur angenommen, weil Eusebius ein Wort braucht, das blos eine thätige Gegenwart; aber keine persönliche Vcr- I z einigung I z 4 Von dem Irrum einigung anzeiget; sondern vielmehr, daß er gemeiner, Gort habe durch ihn gemietet. A„m. Daß er gemeinst, Christus habe eine Sele aus dem göttlichen Wesen gehabt, ist eine Muhtmaßung des sel. Hrn. pon Mosheim, der wir nicht beytreten können, weil dazu kein erweislicher Grund vorhanden. HI. Was lehreteBerylkus von Christi Menschennatur; oder gnauer, leugnete er, daß Christus eine Menschensele habe? Diese Frage beruhet eigentlich auf einer andern; ob bey dem klaren Stillschweigen des Eusebii und Hier»? nymi dem jungem Sokrares allein zu glauben? welche wir uns zu beantworten nicht getrauen. Es kommt dazu, daß Sokrates nicht einmal saget, der Lehrsaz sey vom Berylls geleugnet ; sondern nur daß er von der Synode vorgetragen worden. §. vn. Es ist noch das dritte Stük unserer Crzeh* lung übrig, welches die glükliche Bekehrnilg des Berylli von seinem Jrtum betrift. Eusebius erzehlet, daß mehrere Bischdffe deswegen Untersuchungen und Unterredungen angestellet. Es kommt uns nicht wahrscheinlich vor, daß dieses von Kirchcnversamlungen zu nehmen. Allein endlich kam es zu einer solchen Zusammenkunft zu Bostra, auf welche der grose Origems eingeladen war. Man glaubet, daß sich dieser Mann damals zum zweitenmal zu Athen aufge- I. C. halten und nach diesem wahrscheinlichen Grund- Z44' saz bestimmt man die Iahrrechnung. Orige- nes des B. Berylli von Bostra.' iz 5 nes unterredete sich mit Berylle freundschaftlich, um zu erfahren, worinnen die in Verdacht gezogene Lehrsaze bestünden. Da er nun überzeuget war, daß der Mann nicht richtig glaubte; so suchte er ihn durch Gründe und Beweise von der Unrichtigkeit seiner Meinungen zu überführen, und hatte das seltene Glük, seinen Zwek zu erreichen. Beryllus nahm die Wahrheit an, die er vorhero verlaßen hatte. Dieser rühmliche Ausgang gereichet dem Irrenden und seinem Gegner zu groser Ehre und giebt ein vortrefllches Muster theologischer Streitigkeiten, welches unstreitig noch fruchtbarer seyn würde, wenn uns die Akten der Synode aufbehalten wären. Daß Beryllus schriftlich dem Origeni vor seine Bemühung gcdanket, haben wir oben schon bemerket. Anm. l. Mes dieses meldet Eusebius lMor. eccles. /iör. VI. cax. zz. Anm.2. Es sind Hiebey noch zwey kritische Fragen zu bemerken : i) wie viele Synoden sind wegen des Berylls gehalten worden ? Wir erkennen nur eine, auf welcher Origcnes anwesend gewesen. Diese Zusammenkunft nennen Eusebius und Sokeates ausdrüklich eine Synode. Es werden zwar in dem bekannten libello h?no- ciico ca/r. 17. in Mansi Concil, tom. I. P.787. zwey solcher arabischen Synoden, auf denen (yrizenes gegenwärtig gewesen seyn sol, angeführet, der Derfaßer aber irret und ist ohnehin zu jung; daher wir auch von seiner Anzeige, daß Beryllus den Jrtum des Theodoti des Garbcrs wieder aufgewärmet, keinen Gebrauch machen wollen. Leiller in der lüüoire cies suteurs eccles. ton,. III. p. 280. u. 575. scheinet auch Concilien in den gedachten Unterredungen der Bifchöffe mit Berylle vor Grigenis Ankunft zu finden; allein Eusebius, der sonst wol wüste, was Concilien sind, weis nichts davon. 2) in welchem Jahr diese Begebenheit vorgefal- I 4 len. i z6 Von den Streitigkeiten mir den Lehrern len, welches mit völliger Gewisheit nicht zu bestimmen. Die Gründe der wahrscheinlichen Rechnung geben-Huet OriZen. x. lZ. und Tillemom am a. V. p. 542. Anm. z. Den dem Ber/llo sind außer den btshero ge, nannten Schriftstellern noch zu vergleichen Bull in iu- chc. eccies. cstllolic. p. 28 Lemo^ne not. Lcl vsr. sscr. x 2ZZ. u. 1 uz. Larvner in creäibilit^ ok tko 6. U. r/o/.z. p. iyg. llzg. Der dritte Abschnitt. Von den Streitigkeiten mit den Leh* rern des tausendjährigen Reichs, besonders dem Nepote. §. i. HHansezetdenNcpotcm, von dem wir hier vorzüglich reden wollen, unter die Kezer des dritten Jahrhunderts und weis keine Klage wieder thu vorzubringen; als daß er ein tausendjähriges Reich Christi auf Erden geleh- ret. Dieses mus billig Verwunderung bey denen erweken, welche wißen, daß eben dieser Lehr- saz in den altern Zeiten von Lehrern der christlichen Kirche vorgetragen und vertheidiget ist, welche mtt algemeinem Beyfall als rechtgläubige Männer gerühmet werden. Es ist daher auch eiue natürliche Folge geworden, daß da sich der Grundsaz'selbst vom tausendjährigen Reich in der christlichen Kirche nie verloren; sondern beynahe in jedem Jahrhundert seilte Gönner und seine des tausendjährigen Reichs. iz 7 seine Gegner gehabt, die Urtheile über Nepotis Lehre und ihre Verwerfung ganz verschieden ausgefallen. Bey einer gnauern Prüfung derselben wird sich finden, daß da die meisten, beynahe würden wir sagen, alle den wahren Zusammenhang der Begebenheit, als Begebenheit, nicht eingesehen, in der That das Vorurtheil vor die Meinung selbst, der jeder beygepflichtet, der lezte Grund gewesen, warum einige den Nepos gelobt; andere getadelt. Wir wollen daher uns zur Pflicht machen, das historische in ein rechtes Licht zu sezen, und aus dieser Ursach uns auf die klemm Bewegungen, die wegen des Nepos vorgegangen nicht einschränken; wol aber aus das, was vor seiner Zeit in Ansehung des Lehrsazes vom tausendjährigen Reiche sich eräugnet; von denen Begebenheiten aber, so nachhero deswegen vorgefallen, iezt nicht reden, weil das vorhergehende und nicht das nachfolgende uns hier einiges Licht giebt. Es sol daher dieser Abschnitt in zwey Theile zerfallen. Erstlich wollen wir überhaupt von den Chiliasten der drey ersten Jahrhunderte und ihren Gegnern reden; hernach vom Nepote handeln. ^ §. U. Bey dem ersten Haupttheile wollen wir zürn ersten einige algemeine Nachrichten von -drn ältern Chiliasten liefern. r l. Phllastrius giebt eine kezerische Parthei an, die er mit dem Nahmen der Chilionetiten blleget; er erzehlet schlechterdings nichts von I 5 histori- iz8 Von den Streitigkeiten mit den Lehrern historischen Umstanden: wer, wenn, wo, diese Leure gewesen; beschreibet aber ihre Lehre desto gnauer. Sie sey gewesen: wenn Christus vom Himmel kommen werde; so würden wir bey ihm tausend Jahr so seyn, daß wir leben, Kmder zeugen, und eßen, wie wir iezt in dieser Welt es täglich thun. Er füget eine kurze Widerlegung bey, die aber wol keinen Chiliasten bekehren wird. Anm. kseresib. ;y. p. ny. nach Labricii Ausgabe. II. Hieronymus hat bey mehrern Gelegenheiten historische Nachrichten ertheilet, daß in der christlichen Kirche der Saz vom tausendjährigen Reich Beyfall gefunden. An einem Ort saget er: Papias habe zuerst ihn gelehret. Ihm wären Jrenäus und Apollinarius gefol- get. Sie lehreten, der Herr werde nach der Auferstehung im Fleisch mit den Heiligen herrschen. Tertullian, Victorin von Poitiers und Lactantius wären eben dieser Meinung. Bey einer andern Gelegenheit heißet es: erklären wir die Offenbarung Iohannis buchstäblich, so müßen wir jüdisch denken; wollen wir aber sie geistlich verstehen; so müßen wir den Meinungen vieler alten wiedersprechen, unter den Lateinern, des Tertullians, Victorins, Lactantii; unter den Griechen des Irenäi und anderer. Dionysius von Alerandrien habe Jrenaum widerleget und die Fabel von tausend Jahren, von dem goldnen und aus Edelsteinen erbaueten Jerusalem , der Wiederherstellung des Tempels, der des täusendiahngen Reichs. rzz der blutigen Opfer, des Sabbaths, der Be- schneidung, daß man würde heurathen, gebäh- l ren, Kinder erziehen, herrlich speisen und alle Volker zu Knechten haben: ferner grofe Kriege führen und Siege erfechten, u. s. w. lächerlich gemacht. Dem Dionysio habe Apollinarius in zwey Büchern geantwortet und nicht allein bey seiner Parlhei; sondern auch bey den Rechtgläubigen so viel Anhänger erhalten, daß er, Hieronymus, schon vorher sehe, er werde sich einer rasenden Wuht dadurch aussezen, daß er anders denke. Noch an einem andern Ort bezeuget er, daß er die algemeine Meinung vom tausendjährigen Reich zwar nicht annehmen; aber auch nicht verdammen könne, weil sie von Vielen berühmten Kirchenlehrern und Märtyrern vorgetragen worden. Es ist noch eine ähnliche Stelle vorhanden, die aber nichts saget, was hier als neu angesehen werden könte. 2 lnm. Die erste Stelle stehet in dem Buch äe virls illu- ürib, i Z. die zweite in der Vorrede des stör. X VIII. cornmeutsr. in lessisiQ, tom. IV. oper. der vallarsi- sckenAusgabe, p. 767. die dritte comm. in lerem. XIX, in eben diesem Band p. 97z. sy. und die vierteln Lomm. jn Lrrecb. XXXVI. tow. V- P- 422- III. Auqustinus redet auch von der Lehre vom tausendjährigen Reich mit vieler Vorsicht. Er erkennet, daß sie von vielen Lehrern der christlichen Kirche angenommen worden, und saget, daß sie alsdenn erträglich sey, wenn man in den tausend Jahren die Heiligen nur durch den Genus geistlicher Güter ergniket werden laße; hingegen 142 Von den Streitigkeiten mit den Lehrern gegen gebe es einige, welche glaubten, daß sie in einem unglaublichen Ueberfluß aller sinnlichen Erblichkeiten die tausend Jahre zubringen würden. Anm. äs civitate Oei /r'ö»'. XX. 7. IV. Gennadius, der von diesem Grund- saz mir so viel Ordnung und Deutlichkeit redet, daß wir seine Nachricht ganz mitzutheilen vor gut finden. Läßet uns, saget er, bey den göttlichen Verheißungen nichts irdisches; oder vergängliches erwarten, wie die Melitaner hoffen; auch nicht den Genus des Ehestandes, wie Co- rinthus und Marcion; auch nicht Eßen und Trinken, womit noch Papiä Vorgang Jrenäus, Tertullian, und Lactantius sich begnügen; auck nicht, daß nach der Auferstehung der Toden das Reich Christi tausend Jahre auf Erden seyn werde, wie Nepos gelehret, der zwischen der ersten Auferstehung der Gerechten, und der zweiten der Gottlosen einen Unterschied erdichtet. Zwischen diesen beyden Auferstehungen werden die Völker, die Gott nicht erkennen, an den Enden der Erden im Fleisch erhalten werden ; nach tausend Jahren aber durch Anreizung des Teufels wieder die Gerechten einen Krieg anfangen, und von Gott durch einen Feuerregen getddet; aber mit den übrigen verstorbenen Gottlosen zur ewigen Strafe in unverweslichen Körpern erwekt werden. Anm. äe äoAlnst. ecclef. 55. p. Z2. des tausendjährigen Reichs. 141 §. III. Aum zweiten müßen wir von einigen besondern Umstanden dieser Geschichte Nachricht geben. Es kommen hier einmal diejenigen in Betrachtung, welche als Vertheidiger der Lehre vom tausendjährigen Reich zu merken. Es ist nicht unbillig, daß man hier die vor Kezer erklärte Personen von den sonst unbescholtenen Kirchenlehrern absondert. Zu den Kezern gehören: I. Die Cerinthianer, welche von den meisten vor die ersten Chiliasten gehalten werden. Man mus hier nicht vergehen, daß Cerinthus sehr viele jüdische Grundsaze angenommen. Lnm. s. unsern ersten Theil, S. 266. II. Die Marcioniten. Daß sie ein tausendjähriges Reich gelehret, ist gewis falsch, ob es gleich von ältern und neuern behauptet wird. Anm. S. ebenvas S-; lZ. , UI. Die Montanisten. Man weis es nur eigentlich von Tertulliano, der ein eignes, iezt Verlornes, Buch von dieser Materie unter dem Titel von der Hofnung der Gläubigen hinter- laßen und sonst davon geredet. Ein neuerer Gelehrter erinnert, der alte Schriftsteller rede davon so, daß er es vor keinen zwischen den Montanisten und ihren Gegnern streitigen; sondern beyden Partheien angenehmen Lehrsaz halte. Dieses hat nun seine Richtigkeit; es ist aber deswegen 142 Von den Streitigkeiten mir den Lehrern wegen noch wahrscheinlicher, daß jener unter den Montanisten Beyfall gefunden. 2 lnm. S- ebendas. S-261.U. tNosheim comment. x. 722. IV. Die Melitaner ; oder nach andern Melitonier. Anm. <§. cbenfals den ersten Theil S. 602. H. IV. Unter den altern Kirchenlehrern, welche hieher gehören, sind zu bemerken: ' I. PapiaA der allerdings das tausendjährige Reich gelehret; ob er aber diesen Lehrsaz zu erst in die Kirche gebracht, wie EusebiUs versichert, ist noch zweifelhaft. Anm. S. Eilsebn Rirchenhiirorie libr. III. Zy. p. undIrenäum an aiijuführenden Ort. II. Justinus der Märtyrer, dermitgro- ser Zuverläßigkeit die Lehre vom tausendjährigen Reich vor eine eben so algemeine Meinung der durchgehens richNg denkenden Christen ausgiebt; als den Lehrsaz von der Auferstehung der Toden. Anm. s.deßen äialoA. cumlr^pli. p. 24z. 246.nachIcbba Ausgabe. III. Irenäus, von dem die eben angezeigten Schriftsteller, Hieronymus und Genna- dius, es als eine besonders merkwürdige Meinung anführen, daß er das tausendjährige Reich in einem sehr groben Sinn gelehret und eben des tausendjährigen Reichs. 14z dieses bestätigen auch seine noch vorhandene Schriften. 2lnm l. S. /rö^.V. LcZvers. fisoreil Zz. iq. p. ZZZ. Anm. 2 . Jüngere Kirchenlehrer gehören hieber nicht, ob« gleich der Beyfall, den diese Lehre bey denselben gefunden, einen Beweis enthalt, daß sie vor ihren Zeiten von den Cbristen häufig sey angenommen worden. Die Schriftsteller, so ihre Zeugniße gesamler, sollen nachher» angezeiget werden. §. V. Hernach müßen wir von der Meinung selbst einige historische Anmerkungen machen. Die erste sol ihren Ursprung betreffen, über den sich die Gelehrten nicht vertragen. Diejenigen, welche den CerinthUM vor den ersten Urheber der Chiliasten ausgeben, irren gewis, weil dieser Mann mit Recht unter den Rechtgläubigen viel zu verhaßt war; als daß sie von ihm einen Grundsaz hätten annehmen sollen. Andere geben den Papiam an, als den ersten Chiliasten unter den Christen und die sagen etwas, so die alten Schriftsteller bestätigen. Es kan auch damit die dritte Meinung sehr wol bestehen, welche die Hofnung des tausendjährigen Reichs vor einen jüdischen Jrtum halten, der von den Christen beybehalten worden. Doch ist wol zu merken, daß, wenn etwas von den Juden erborgtes hler gewesen, solches nicht sowol die Frage: ob ein tausendjähriges Reich zu erwarten? sondern die Frage von der Beschaffenheit deßelben betroffen haben müße. Denn wir müßen viertens hin- zusezen, daß die bekannten Stellen der Offenbarung 144 Dou den Streitigkeiten mit den Lehrern barung Iohannis hier nicht auszuschließen, da es einmal schon an sich unglaublich ist, daß die alten Christen ohne allem biblischen Beweis einer solcher Lehre einen so algemeinen Beyfall sollen gegeben haben; hernach aus der folgenden Er- zehlung von den Widersprüchen gegen die Lehre vom tausendjährigen Reich klar wird, daß mit der Hauptfrage gleich die andere Frage vom Urheber und Ansehen der Offenbarung Iohannis verbunden worden : mithin daraus gcschloßen werden mus, daß die ältesten Vertheidiger dieses Lehrsazes auf die apokalyptischen Zeugniße sich vorzüglich gegründet. Bey diesen Umständen glauben wir, daß der Saz selbst unter den ersten Christen einen biblischen Ursprung gehabt; die Erklärung aber deßelben von den Juden entstanden. , Anm. Man hat hier die Lehre der Juden vom herrlichen Reich des Mcßias auf Erden sich bekannt zu machen, wovon Hoktingers xeutsä. ciiÜ'. milcellsii. p. 17. nachzulesen. §. VI. Die zweite Anmerkung betrift die verschiedene Beschaffenheit dieser Meinung. Die meisten unter den neuern haben gar Recht, daß sie behaupten, die älteren Chilrasten wären von ver- schiedner Gattung gewesen: auch darinnen urtheilen sie recht, daß man den groben von dem feinen Chiliasmo unterscheiden müße und mit Augustino den Unterschied darinnen sezen, daß bey jenem die Vorzüge des tausendjährigen Reichs des tausendjährigen Reichs. 145 Reichs vor dem gegenwärtigen allein in dem vor» zuglichen' Genus geistlicher Vortheile und Erqui- kungen, ohne alle sinnliche Ergdzungen völlig auszuschließen, gesezet worden; bey diesem aber damit alle Gattungen des sinnlichen Vergnügens und der Befriedigung aller, auch ausschweifender Lüste verbunden wurden. Allein zwei Fehler werden damit gemeiniglich verbunden: ein? mal, daß man den fleischlichen Sinn des tausendjährigen Reichs gar zu gern allein den Ke- zern überlasten mdgte, da doch theils noch sehr zweifelhaft ist, ob die Cerinthianer, denn auf diese kommt es vorzüglich an, auch wirklich ein solch fleischliches Reich gelehrer; theils die Beschreibungen des Hieronymi, des Augustini, des Gennadij, und das Beyspiel des Irenai erweisen, daß die Rechtgläubigen von der fleischlichen Erklärung so entfernet nicht gewesen, wie man wünschet: hernach, daß man die verschied- ne Gattungen von Chiliasten nicht sorgfältig unterscheidet, welche aus der angezogenen Nachricht des Gennadij können gelernet werden. Wir tragen daher kein Bedenken, nach dem Beyspiel eines gelehrten Mannes vier Arten unter den alten Chiliasten anzunehmen. Die ersten werden von dem alten Schriftsteller Melitaner genennet. Ihre eigentliche Meinung ist zwar nirgend deutlich und bestimmt vorgetragen; ich halte aber vor wahrscheinlich, daß sie unter allen die gelindesten gewesen und Gennadij Tadel mr dahin gehe, daß sie eine Erfüllung der göttlichen Verheißungen, welches vermuhtüch auf n Theil. K die 146 Von den Streitigkeiten mit den Lehrern die Weissagungen in der Offenbarung zu ziehen ist, hier auf Erden und die aufhören sol', erwartet: mithin auf die eigentliche Beschaffenheit der Glükseligkeit im tausendjährigen Reich sich nicht eingelaßen. Die zweite Art war diejenige, so am ausschweifendesten dachte. Sie lies im tausendjährigen Reich nicht allein den Genus der unentbehrlichsten Vergnügungen der Sinnen zu; sondern auch das Heurachen. Sie erwartete alles, was nur unser sinnliches Vergnügen ausmachet. Von dem Zusaz des Schriftstellers, daß Cerinthus und Marcion so gelehrer, haben wir schon unsere Gedanken erdfnet. Die dritte Art war etwas gelinder. Sie versprach allerdings sinnliche Vergnügungen und Ergdz- lichkeiten, auch als Belohnungen vor den Verlust derselben und als Ersezungen der äußerlichen Leiden, welche die Heiligen vor ihrem Tod ertragen müßen; allein die fleischliche Vermischung der beyden Geschlechter wurde davon ansge- schloßen. So sollen nach Gennadij Zeugnis die Kirchenlehrer, Irenaus, TertullianuS und Lactantius sich die Sache vorgestellet sahen; es ist aber gewis, daß sie auch wol stufen- weis von einander verschieden gewesen. Endlich folget die vierte Meinung, jo eben Nepos vertheidiget und wir zu einer nähern Untersuchung uns vorbehalten. Anm. i. Der gelehrteMann, so einen ähnlichen Gebrauch von Gennadij Nachricht gemacht, ist Mosheim in commenn äe rebus cknstian. P.72Z. 2 lnm 2. Weil wir hier die Nachricht von den Vertheidigern des Grundsazes vorn tausendjährigen Reich schließe», d.s raustndjähn§en Reichs. 147 ßen, wollen wir einige neuere Schriftsteller anzeigen, welche die Geschichte dieftr Lehre theils überhaupt; theils unter den Kirchenvatern untersuchet haben. Sie sind: Georg Lalixrus, in deßen schönen Buch he hicic» exrremo p. 124. sg. der zweiten Auflage sich eine gelehrte Abhandlung he oeiFine er errore ekiiisllaruia findet: Joh. Wilhelm Barer, in deßen h>ll'. he re^nü eceielise ^loriold, perLkriltum in kis terns eri^enho ca^. i viel gutes, so hieher gehöret, gcsamlet worden: örresr Ulrich Lalirrus, der zwar ein eigen Buch he clnlissmocum rinciguo; tnm gnclem rensco, zu Helmst. 1692. in Qu. herausgegeben; zu unserm Zwck aber wenig erhebliches gesagel: Lkriftoph Lorenz Meelfüh- rer, der unter Ruvranfs Vorftz eine hichumr. he cin- liasmo verernin et reeenrimum zu Giessen 1678 ge- balten, in der ca/,. 1. u. Z hier zu vergleichen: Job. Wilhelm Perersen, von deßen vielen chiliastischcn Schriften nur vor uns das Buch: nudes tellium ve- ritatis he re^no cliriki Alorioso, in lepcima tubs >;Io- ridie futuro, tellantiutn, 1694. in Qu. gehöret; aber Mit vieler Partheilichkeit und destewcniger Kritik geschrieben ist: Tillcmonr, der in den memoires pour servir ü l' liitloire ecclelislliczue tot». II. p. ZOO - Z06. eine grose Samlung alter Nachrichten von den alrem Cbiliasten liefert, womit noch -Heideggers hell', leieöd. XXIII. he ckiliasmo: Dalläus he ut'u pstrum p. 287. sg. Sagircarius introh. in hillor. ecclet tom. I. p.920. und Buddeus inüitut. tlieol. ho^in. /ibr. II. ca/-. z. §. 29. zu verbinden. §. VH. Zum dritten ist nun zu bemerken, daß wenn gleich die Hosnung des tausendjährigen Reichs eine grose Anzahl christlicher Lehrer in den ältesten Zeiten eingenommen; sie dennoch nicht so algemein gewesen, daß sie nicht solle Wie- derspruch gesunden haben. Eine algemeine Nachricht, daß im zweiten Jahrhundert sehr vie» le rechtgläubige Christen solchen Grundsaz ver- K 2 worfen, »48 Von den Streitigkeiten mrr den Lehrern worfen, haben wir dem Märtyrer Justins zu danken, welche desto merkwürdiger, da sie von einem eifrigen Vertheidiger deßelben herrühret und seine eigne offenbar übertriebene Versich- rung, daß, wer nur in allen Dingen ein recht» gläubiger Christ sey, das tausendjährige Reich erivarte und glaube, offenbar einschränket. Wir halten, es vor unbillig, dem ehrlichen Mann, seinen Wiederspruch der vieleicht nur in der Unbe- dacktsamkeir des Äusdruks lieget, als einen sehr grosen Fehler, anzurechnen. Vielmehr lernen wir daraus, daß zu diesen Zeiten beide Theile, welche das tausendjährige Reich angenommen; oder verworfen, einander liebreich getragen und keiner geglaubet, daß die Behauptung; oder Verwerfung einem Christen den Ruhm der Orthodoxie beuehme. Anm. Justini Nachricht stehet an dem angeführten Ort. Es ist freilich wahr, daß der Ausdruk: n's-«» e§- diese erwarten tausend Jahre im neuen Jcnualeni, u. s. w. mit dem Aus- drut: 7ro-./.oi lvo'kIsr s^kr > die erkennen das Geheimnis nicht, wol zusammen zu räumen, wie D rille cie uiu patrum p. 2;8 erinnert, allein der Fehler kan doch leicht entschuldiget werden. §. vm. Gegen das Ende des zweiten Jahrhunderts finden wir den ersten dfenrlichen Bestreuer des Lehrsazes vom tausendjährigen Reich. Dieser war Cajus, der als ein Lehrer der Kirche zu Rom, und wie einige glauben, nachhero Bischof von Athen sehr berühmt war. Von diesem Mann des tausendjährigen Reichs. 149 Mann meldet Eusebius, daß er in einer Schrift wieder Cerinthum behauptet, daß dieser das tausendjährige Reich erdichtet und zum Beweis Offenbarungen vorgegeben, die von ei»iem grosen Apostel geschrieben wären. Wir haben schon an einem andern Ort Gelegenheit gehabt, von dieser Stelle zu reden, und die kritische Streitfrage: ob Casus geglaubet, daß die Offenbarung Johanms eine Arbeit des Cerimhi sey; oder ob er von einer andern, von Johanms Offenbarung ganz verschiedenen Schrift des Cerinthi rede ? in ihr Licht zu sezen. Wir haben damals kein Bedenken gefunden, denen beyzutre- ten, welche den ersten Theil dieser Frage bejahen und sehen noch keine Ursach, unsere Meinung zu ändern. Wenn wir dieses voraussezen; so lassen sich aus dieser Nachricht die Folgen ziehen, einmal, daß Casus gewis gar kein tausendjähriges Reich zugeben wollen. Alle, welche die Offenbarung Johanms vor ein göttlich Buch halten, können nicht laugnen, daß darinnen von einem tausendjährigen Reich geredet werde, mithin ein solches tausendjährig Reich keine leere Einbildung sey; wer aber das erstere in Ziveifel ziehet, der hat denn Ursach, allen biblischen Grund dieser Hofnung abzusprechen; hernach, daß schon Cerinthus ; oder doch seine Anhänger . aus der Offenbarung Johannas ihr tausendjähriges Reich zu beweisen gesucht: endlich, daß Casus viel lieber die Offenbarung vor kein Werk des Apostel Johanms halten; als sich in eine nähere Bestimmung des ächten K z Begrifs i 5 v Von den Streitigkeiten mit den Lehrern Begrifs vom tausendjährigen Reich eiulaßen wollen. 2 lnm. i. Die wenigen Nachrichten von diesem Lass bat niemand mit mehrere» Fleiß gesamlet und fruchtbarer erläutert; als LarSnec in der ^reclibilit^ ot tbe 6. lt. II. vo/. Z. p. l 8 lq^- Zlnm 2. Eusebli angezogener Bericht stehet liistor, ecoles. /chr.ill. cax. sZ. p. I?2. wir baden von demselben iiii er« sien Theil dieser Re;orkis?orie S 2;Z gehandelt und sezen noch hinzu, daß außer denen S 26c. angeführten Schriftstellern zu lese» Larsner am a. (!) p. zz. und r-ot. l V. p. 697. »nd Stoscli cie librorum bl. 1. csnons p. 19;. welche ebenfals erkennen, daß Casus die Offen» barung Iohannis verworfen, welches auch rperstejn in dl. 11. x. 745. aniisinnst. §. ix. Man kan vor gewis ansehen, daß Caji Wie- dersprnch gegen eine Lehre wenig ausg-'richlet, welche durch die angenehmsten Vorstellungen die Hofnung der alten Christen so sehr belebte und das Ansehen der berühmtesten Männer unter- stnzke. Es ist auch glaubt', daß der persönliche Gegenstand, den sich Casus in seiner Bestreitung erwehlet, andere ihm beyzufallcn mehr gehindert; als bewogen haben mus. Allein nach einigen Jahren trat ein ganz anderer Mann aus und stellte sich an die Spize derer, welche die Einbildung vom tausendjährigen Reich be- stritten. Dieses war Origenes. Er nahm öfters Gelegenheit, von diesem Lehrsaz seine Gedanken zu sagen, und wir halten es vor ein Gl"k, daß uns noch eine Menge solcher Zeugniße aufbehalten wachen. Er betrat einen ganz andern Weg; des tausendjährigen Reichst isr Weg; als Cajus, und dadurch brachte er die Streitfrage in eine ganz andere Lage, weiche unstreitig naher zur Wahrheit führete. Er hütete sich sehr, das kanonische Ansehen der Offenbarung Iohannis zu bestreuen uno dadurch gab er zu, daß eine göttliche Ver heißung von dem tausendjährigen Reich vorhanden sey. Allein er fragn: in was vor einem Verstand solche Weißagungen anzunehmen? und behauptete, daß solche allegorisch, wie er redete, zu erklären , das ist, daß der Prophet von dem Genus des geistlichen Vergnügens, wie es der Natur vollendeter Geister gemäs sey, unter Bildern äußerlicher Herrlichkeit rede. Es kam nun darauf an, daß ein Grund angegeben würde, warum man dergleichen Weißagungen nicht im eigentlichen Sinn der Worte nehmen mäße und diesen Grund scheinet OrigeneF aus seinen philosophischen Lehrsazen vom Körper und den aus deßen Verbindung mit der Sele entspringenden Beschwehrlichkeiten hergeleitet zu haben. Denn diese können bey einem seligen Zustand nicht statt haben und man mus alle körperliche Glükselig- keit ausschließen. Es scheinet nun, hieraus zu folgen, daß Origenes nur die beftntten, welche ein fleischliches tausendjähriges Reich erwartet. Allein da überhaupt nicht erweislich ist, daß in diesen ältesten Zeiten Jemand ein blos geistliches tausendjähriges Reich gelehret habe; so ist auch das Gegentheil daraus zu erkennen, daß Ori- genes schlechterdings kein Reich Christi auf Erden angenommen. 152 Von den Streitigkeiten mit den Lehrern Anm. i. Die Aauptstcllen des Geigen,.-, stehen /--»-.II. äv Princip, caz-,. l l. tom. !II. oper. p. 826. und proivx. comm. in csncic. csncic or. tm», III. p. 28. Unter dm neuern hat dieses schon Tillemonk tam.II. p. zog. L« lireus cie juäie. extrem, p. lZ7> der gar recht die Einsicht des Vrigenj.-, aus seiner Liebe zu den Allegorien herleitet, und andere bemerket; au, sorgfältigsten aber ttlosheim comm. P.72Z. erkläret. Anm 2. Wir haben mit Fleiß erinnert, daß Drizene» die Offenbarung Johann,.-, angenommen. Dieses ist ein Hauptumstand, der durch die von Lardnern xant. II. vo/. z p. 272. acsamlcke Zeugniß« hinlänglich envie, sen ist. S- auch Troels vinäic. apoo. in Wolfs cur. pkll. et critic. ta»». IV. P. Z42. §. X. Die Zeitordnnng führet uns nun zu dem zweiten Theil unserer Geschichte, in dem wir vom Nepote handeln müßeil. Cs wird dieses am fugltchsteil in drei Theilen geschehen können. Wir wollen von seiner Person und Schriften? von seiner Lehre und von seinen Anhängern und Gegnern reden. § Xl. Bey dem ersten Slük wißen wir von seinen persönlichen Umständen nur vier. l. Er hat Nepos geheißen und nicht Nepo- tianus. Anm. Den ersten Nahmen legen ihm die gleich anzuführende Schriftsteller, Dionysius, Eusebius, Hierony- mn«, einstimmig hey; den falschen aber der fehlerhafte libellus l^noäicus in Mansi cvlleüiou. concll.toni.I. p. wig. II. Er des tausendjährigen Reichs. esz H. Er war ein Bischof in Aegypten. Wir wißen weder die Provinz; noch die Sradt. Ob aus dem unten zu bemerkeuden Umstände, daß zu Arsinoe viele Anhänger deßclben gewesen, die lezre zu errahten, getrauen wir nicht zu bestimmen. Änm. Das erste versichert Eusebius kill. eccles. //ö»-. VII. cr/x. 24. p. 449. «ziecon^mnÄ 0» X«« eben die allegorische Erklärungen. III. Hieronymus begnüget sich, ganz kurz zu jagen, Nepos behaupte in seinem Schriften ein leibliches tausendjähriges Reich. Anm. -es tausendjährigen Reichs. 157 2lnm. 6e scripwr. illullr. cax.6z. IV. Gennadius, deßen Nachricht wir oben schon mitgetheilet haben. Man lernet daraus, daß Nepos die zukünftigen Begebenheiten in diese Ordnung gebracht. Zu erst erfolget die erste Auferstehung, so nur die Frommen betreffen wird: dann das tausendjährige Reich, in weichem deßen Glieder Vergnügen (OellclL8) . genießen werden: hernach grose Kriege: endlich die zweite Auferstehung, der Gottlosen, ewiges Leben und ewige Verdamniö. Anm. S. oben §. 11. §. XlV. Aus diesem machen wir folgende Schlüße, welche des Nepos Lehrgebäude ziemlich deutlich machen werden: I. Die Offenbarung Iohannis ist eine göttliche Schrift, die von dem untrüglichen Apostel herrühret: mithin sind die darinnen enthaltene Welßagungen wahr und ihre Erfüllung zu erwarten. Anm. Dieses lernen wir 1 ) aus dem klaren Bericht Eu- sebii: 2 ) aus dem unten zu bemerkenden Wiederspruch desDionysn: z) aus der beobachteten Ordnung der Begebenheiten, welche mit Gffenb. XX. verglichen, die Quelle derselben anzeiget. II. Man mus aber von dem eigentlichen Verstand der Worte nicht abgehen; noch daher diese Verheißungen allegorisch nehmen. 2nm. Dieses folget nicht allein aus dem Titel desBucks; sondern auch aus der Klage des Disnysii, daß die Ne- potianer »s8 Von den Sneirigkeiren mit den Lehrern potianer nichts erhabenes und grosts; oder mystisches zulaßen wollen Man merke wol, daß Eusebius diese Hermenevlik jüdisch nennet, und vergleiche die oben §. II. angeführte Stellen des Hieronymi. III. Man mus daher auch alles, was in der Offenbarung Iohcmms von einer zweifachen Auferstehung der Toden, dem tausendjährigen Reich u. s. w. stehet, buchstäblich verstehen. IV. Es ist also ein tausendjährig Reich Christi auf Erden zu erwarten: Anm. Dieses sagen Eusebius, HieronMns, Eennadius. V. Nimmt man es im eigentlichen Verstand ; so mus auch leibliches und sinnliches Ve» gnügen darinnen seyn. Anm. Eusebias und -HierdnyNms lehren das deutlich; Gennadins redet unbestimmt; bemerket aber doch zwischen dem Nepos und den andern Lhiliasten einen Unterschied. Worinnen ist dieser zu sezen? rNosheim meinet, daß Eßcn, Trinken und Heuralhen ausgeschlossen; aber die übrigen den Hinnen angenehmen Empfindungen zugelaßcn. commentar. p. 726. Der selige Kanzler hat nicht die Worte des Dionysii: o.«i-«rvr, beachtet, welche wol die erster» gänzlich auszuschließen, nicht verstatten. Wahrscheinlich ist darinnen der Unterschied zu sezen, daß Nepos steh gnauer an die Vorstellungen Johannis bindet, und nicht so viel dazu gesezel, wie diejenigen Chiliasten, von den -Hiero- nymus geredet. S oben § II. Zwar saget -Hierony- mns, daß Dionysnr» diese Zabeln wiederlegct: mitbin solle man fast glauben, daß er fie als Irtümer des Ne- pos wiederleget; allein es ist merkwürdig, daß-Hiero- n^ma.-, in dieser Stelle denNepos nicht einmal nennet; sondern ausdrüklich saget, Dionysürs wiederspreche dem Irenas, mitbin glaube bierinnen einen neuen Krund zu baden, daß Nepos erträglicher geleh-ret; als Ire- näus. §. XV. des tausendjährigen Reichs. 159 §. XV. Das dritte Slük ist noch übrig, in dem wir theils von seinen Anhängern reden müßen. Des Nepos Sckrifr fand einen solchen Beyfall, daß nickr allein einzelne Lehrer; sondern auch ganze Gemeinden ihm beitraren, und den Fehler begierigen, daß sie dein Grundsaz vom tausendjährigen Reich Christi auf Erden ein solches Gewicht beilegten, daß sie die Kirchengemeinschaft mit andersdenkenden Gemeinden aufhoben. Dieses saget Dionysius und meldet, daß Spaltungen und Abfälle ganzer Gemeinden erfolget. Er nennet auch die arsinoitische Provinz, so von der bekannten Stadt Arsinoe in Aegypten ihren Nahmen hatte, in welcher diese Unruhen entstanden. Von einzelnen Anhängern kennen wir nur ^ einen Mann, den Dwnysius Korakion nennet und ihn so beschreibet, daß wir ihn vor einen gottesdienstlichen Lehrer und Oberhaupt dieser chiliaftischen Parthei nach des Nepos Tod halten müßen. Anm. Dieses alles wißen wir aus dem Bericht des Dis- nysil bey dem Euscbio, ebendas p. ZZ i. Daß Rotation ein Lehrer gewesen, hat Mosheim x>. 726. zu erst bemerket. Z. XVI. Theils von seinen Gegnern. Um diese Unruhen beizulegen, arbeitete sonderlich Dio- NystUs, vorr AleMwrien, deßen Eifer vor die reine Lehre bisher» oft von uns gerühmet worden. Wir haben von fernen Bemühungen wieder ,6o Von den Streitigkeiten mit den Lehrern der die Nepotianer eine doppelte Gattung zu Z C. bemerken. Einmal begab er sich persönlich in 356. He arsmoitische Provinz. Von dem, was er da ausgerichtet, wißen wir nichts; als was er uns selbst mit diesen Worten erzehlet: „da ich in „der Provinz von Arsmoe war, so fände tch, „daß seil langer Zeit daselbst diese Meinung so „tief eingerißen, daß Spaltungen und Abfälle „ganzer Kirchen darüber entstanden. Ich be» „rief daher die Aelresten und die Lehrer der Brü- „der auf den Dörfern zusammen. Da diejenigen, welche wollen, zusammen gekommen wagen, ermahnere ich sie, eine öfemllche Unrersu- „chung dieser Sache anzustellen. Sie sezren „mir sonderlich dieses Buch als ein Bollwerk „und unüberwindliche Mauer entgegen. Ich „sezte mich daher mit ihnen drey ganze Tage „vom Morgen bis zum Abend nieder, um alles, „was in dem Buch enthalten war, zu untersu- „chen. Ich bewunderte der Brüder Beständigkeit, Wahrheitsliebe, Folgsamkeit und vernünftiges Betragen. Wir trugen unsere Fragen, Zweifel und Entscheidungsgründe einan- „der in der besten Ordnung und mit aller Bescheidenheit vor. Wir nahmen uns in Acht, „vorgefaßte Meinungen, wenn sie auch wahr zu „seyn, schienen, harrnakigt zu vertheidigen; oder „die gegenseitige Einwürfe zu verachten. Wir „bemüheren uns vielmehr bei der Hauptsache zu „bleiben und sie zu berichtigen: wir schämeren „uns nicht, wo Gründe waren, unsere Gedan- „ken zu ändern, und nach unserm Gewißen, ,.unge- des tausendjährigen Reichs. i6r „unqeheuchelt mir Richtung der Herzen zu Gott, „dasjenige anzunehmen, was durch Lehren und „Beweise der heiligen Schrift konte erwiesen „werden. Endlich bekannte Korakion, das „Haupt und Anführer dieser Parthei, vor den „Ohren aller anwesenden Bruder, und versicherte, diesem Lehrsaz nickt mehr anzuhangen: da- „von nickt mehr zu streiten: seiner nicht mehr zu „erwähnen; noch ihn zu lehren, nachdem er durch „die Einwürfe völlig überzeuget worden. Die „anwesenden Bruder freueren sich über diese Uebereinstimmung in der Lehre und über diese getastete Vereinigung.,, Diese Nachricht enthalt so viel rühmliches von dem Verhalten beyder Theile gegen einander, daß das lezrere wol verdienet als ein seltenes Muster des pflichtmaßigen Betragens gegen andere angemerket zu werden. Es Verdiener diese Versamlung unter den EoN; cilien einen Plaz, ob sie gleich sich eben kein richterliches Ansehen gegeben. Und diese Meinung ist gegründeter; als daß man die arsinomsche Bruder zu München macht. Anm. i. Dieses alles haben wir aus Dionysn Bericht bey dem Eusebio p. z;l. übersezet, wie wir geglaubet, ihn am besten zu verstehen. Denn es finden sich in dieser Stelle einige Dunkelheiten, die wir hier nicht bemerken dürfen. Anm. 2. Diese Versamlung haben wir in der Histor. der Rirchenvers S m. zu den Concilien gerechnet: wop- jnnen Teiller kistoire elos sut. to»r III. p. Z94. uns vorgegangen. Den unerwarteten Einfall, hier Münche zu suchen, hat Lollano sLI. Lnhb. tom. II. jan. p. 109. gehabt. II Theil. L §. xvu. ,62 Von den Streitigkeiten mir den Lehrern §. XVH. Hernach niederlegte Dionysius die Lehre des Nepos in einer eignen Schnft. Von dieser Schrift macht uns Eusebius, nebst Mittheilung ewiger Auszüge diese Vorstellung. Es hatte die Aufschrift von den Verheißungen und, wenn wir nicht sehr irren, so handelten dieselbe die Frage ab, ob die göttlichen Verheis- sungen im eigentlichen Verstand von leiblichen; oder im Eigentlichen von geistlichen Gütern zu nehmen? Es ist eine algemeine Gewohnheit, diese Schrift als eine Streitschrift anzusehen, welche den Nepos zum nächsten und persönlichen Gegenstand gehabt, und doch saget dieses der alte Schriftsteller, dem man folgen mus, keines- weges. Aus dieser Ursach ist es »»gegründet, daß man den Hieroliymum und Theodoretum eines Irrums beschuldiget, weil jener geschrieben, Dionysius habe dieses Buch gegen den Irenaum ; dieser wieder Cerimhum gerichtet, indem es sehr wahrscheinlich ist, daß er wieder die Chiliasten überhaupt gestritten und wie hätte hier Irenaus Übergängen werden können? Es hat das Buch selbst zwei Theile gehabt. In dem ersten hat er seine eigne Meinung von der aufgeworfenen Frage vorgetragen. In dem zweiten handelt er von der Offenbarung Johannis, und da nimmt er Gelegenheit, vom Nepos zu reden. Er erkläret sich deswegen umständlich. Wenn Nepos am Leben wäre, sagt er, und seine Lehre nur mündlich ausbreitete; so könte eine freundschaftliche Unterredung hinrei- des tausendjährigen Reichs. i6z hinreichend seyn, die Uneinigkeit zwischen ihnen beyden zu heben; allein da er tod und sein Buch in allen Handelt wäre; so sey eine schriftliche Widerlegung nohtwendig. Die Gründe, «reiche DronyslUS den Chiliasten entgegen gesezet, wißen wrr eben nicht gnau. Allein aus dem, was Eufcbius von deßelbcn Meinung von der Offenbarung Iohannrs mittheilet, kan mit vieler Wahrscheinlichkeit geschloßen werden, daß er gar richtig die Streitigkeit auf zwey Fragen bestimmet. Die erste ist, ob die Offenbarung Johannis eine göttliche Schrift und des Apostels sey? m deren Beantwortung DionyslUs zwischen den beyden Partheien, die beyde Smke entweder schlechterdings bejahen; oder verneinen, und in diesem Fall das Buch lieber dem Cerinrho beylegen, in die Mitte tritt und zwar so, daß er daS erstere zu leugnen sich nicht getrauet; das leztere aber leugnet und einen von dem Apostel verschiedenen Iohannem davor ausglebet. Es lst hier der Ort nicht, die Gründe dieser Meinung zu untersuchen; so viel aber siehet marr leicht, daß Dwllysius dadurch den Wehrt des biblischen Buchs, auf welches alle Chiliasten sich allein gründeten, herunter zu sezen suchte. Solte dieses nicht wol eine kleine Par- theiligkeit verrathen ? Die zweite ist: ob die in demselben enthaltene Weissagungen buchstäblich; oder allegorisch zu verstehen? Hier antwortet Dlonysius mit vieler Bescheidenheit. Er gestehet aufrichtig, daß er das Buch nicht verstehe; glaube aber, daß unter diesen Worten geheime L 2 und 164 Von den Srremgkeiren mir den Lehrern und erhabene Sachen vorgetragen würden; ja es sey unmdglich, es so zu verstehen, wie die Worte lauteten. Mai, siehet also, daß Dwny- sMö sagen wil, man müße die Offenbarung allegorisch erklären. Und hier erweiset er sich also als einen ächten Schüler des Origenis. Anm.i. Dieses alles wißen wir aus dem oft angezogenen Bericht des Eusebii Irö»'. VII. tlillor. ecclef. csp. 24. 2;. Daß Dionfsius zwey Bücher wieder den Nepos geschrieben habe, nieldet auch -Hieron)?mus cle virin II- Illüribus ca/,. 69. Hingegen saget eben dieser, in der oben § II. angeführten Stelle, es sey wieder Irenäum, und Theodorer kseret. Isdulsr. /rö^. II. csp. 2. es sey wieder Lerinchum gerichtet gewesen. Anm. 2. Von diesem iezt Verlornen Buch des B. Liony- sei von Alexandrien s. Tillemont memoir. pour seovir a I' kiüoire ecciel. to>«. IV. p. 264. sg. Leillcc dilloir. on den Arabiern haben wir nur eilten ein- zigen glaubwürdigen Bericht, den uns EUr sebius hinterlaßen, und wir hier wiederholen müßen: »»Abermals, sagt er, entstanden um die „gemeldete Zeit in Arabien Lehrer, welche eine „von der Wahrheit entfernte Meinung^vortru- „gen. Sie sagten, daß die menschliche Selen in L 4 »dieser i68 Von den Arabiern. „dieser West mit dem Körper zugleich sterben „und verwesen; zur Zeit der Auferstehung aber „mit ihnen wieder lebendig werden würden. Da „deswegen keine kleine Versamlung zusammen „berufen worden, wurde Origenes abermals ersuchet, sich daselbst einzufinden. Er hielte von „der aufgeworfenen Frage eine so bündige Rede, „daß er die Anhänger des Jrtums zur Veränderung ihrer Gedanken bewog.,, Anm. IMor. ecclek. cap. Z7. p. 2yy. der reavim gifthen Ausgabe. Diese Nachricht wird vrm AugrlF stino äe liLres. cay. Zz und Niccpkoro lMor. ecc>es. tröv. V. rap. 2Z. wiederbolet. Ob die Thetnopstcviti'n bey dem Johann von Damaskus on den Valesiern, welche man unter die Kezer des dritten Jahrhunderts zu sezen, gewöhnet ist, haben wir nur eineu emzigeu Zeugen. Und dieser ist Epiphanias, von oem hier vorzüglich zu bemerken, daß er ruckt allein schlechterdings das, was er meldet, nur von Hörensagen habe; sondern auch noch dazu mehr denn einmal sich über den Mangel hinreichender Nachrichten beklaget. Er erzehlet, er wiße nicht, von wem; oder wo die Kezerei entstanden; noch was 172 Von den Valesiern. der Valens gesaget; oder gelehret habe. Weil aber dieser Nahme arabisch sey (andere würden ihn eben so leicht vor lateinisch halten) so glaube er, es sey wahrscheinlich, was ihm einige gesaget, daß solcheLeute zuBakatcha in der Provinz von Philadelphien jenseits des Jordans sich fänden. Die Einwohner des Landes nennten sie Gnostiker; allein die lezteren hatten ganz andere Lehrsäze. Es waren mehrere in der Kircke gewesen; wie aber ihr Unsinn bekannt worden, habe man sie von derselben ausgeschloßen. Sie wären alle verschnitten. Wenn sich jemand bey ihnen in die Lehre gäbe, so dürfe er so lange, bis er entmannet worden, kein Fleisch von Thieren cßen. Wenn sie ihn aber überredet; oder mit Zwang verschnitten, dürfe er alles, was er wolle, eßen, weil er den Kampf überstanden und nun- mehro von der Gefahr durch die Wollust verführet zu werden, befreiet wäre. Sie enrmanne- ten nicht allein ihre Schüler auf diese Art; sondern auch öfters fremde, die bei ihnen herberge- ten. Sie ndhtigten sie in ihre Häuser: bänden sie und verrichteten denn mit Gewalt die Ab- schneldung der Glieder. Auf diese Nachricht folget eine Widerlegung der Scheingründe dieser Thorheit, die hier desto entbehrlicher ist, da Epiphanias solche mögliche Beweise selbst erst erfinden müßen. Anm. Epipbanius redet von den Valesiern; oder, wie andere lieber sagen, von den Valestanern kseret. I.VI1I. to>». I. opei. p. 489- und snscepk. II. p. IZ?. Es ist wahr, daß Augustiners lie kseneüb. Z7- eben- fals von ihnen handelt; allein nur aus dem Epipha- Von den Valesiern. i7z nio. Nur fezet er diese Worte hinzu: man giebt ih- nen noch anvere kezerisckc und schändliche Lehren schuld; (dieses saget auchEpiphaniusinder snacepk. und versichert, daß sie das Gesez und die Propheten verworfen) aber was das vor welche sind, hat weder Epiphanias gemeldet; noch ich sonst wo finden können. Man tönte hieraus schließen, daß Augustl- nus sonst Nachrichten von ihnen gehabt; sie bleiben aber doch nur unsicher und sind alle aus einer Quelle gestoßen. Aus beyden haben Johann von Damaskus und der Verfaßer des prsecie- ülnskus ca/,.z7. eben diese Erzehlungen wiederhohlet; es ist also wahr, daß wir nur einen Zeugen haben. §. II. Man hat grose Ursach zu'zweifeln, ob nicht diese ganze Historie eine blose Fabel sey? Es haben zwar neuere Schriftsteller nicht ermaygelt, von den Valesiern Epiphanii Nachricht zu wiederhohlen; allein, wenn man nicht ganz mir dem ungegründeten Vorurtheil eingenommen ist, daß der heilige Mann keine Lügen sich aufbinden laßen können; so wird man gnug Ursach finden, diese ganze Erzehlung vor erdichtet zu halten. Sie hat in der That gar keinen historischen Grund. Denn Epiphanias berufet sich blos auf das Hörensagen und überzeuget seine Leser, daß zu seiner Zeit es ungcwis gewesen. Es mangelt auch gänzlich an Umstanden, durch deren Verbindung eine solche Geschichte wahrscheinlich werden kan. Hingegen haben wir Gründe, welche die Errichtung einer solchen Parthei sehr unwahrscheinlich, oder vielmehr moralisch unmöglich machen. Wenn die Dalesier in der Welt gewesen, so sind es keine Kezer; sondern Miße- r«74 Von den Valeftern. Mißethäter, die in keiner bürgerlichen Gesellschaft haben können gedulret werden. Ein einziger Fall, da sie eine solche grausame Handlung an einem Fremdeil ausgeübet hatten, würde unfehlbar die Obrigkeit gcwis gnug erwekt haben, solche Feinde des menschlichen Geschlechts, die in einer Person einige tausend seiner Nachkommen zugleich ums Leben gebracht^ zu vertilgen. Wir können auch mcht vor wahrscheinlich halten, daß man zur Errichtung einer Reli- gionsparthei ein Mittel brauchen würde, welches ihren schnellen Untergang befördern mus lind ihr nicht einmal eine Dauer von einen Menschenalier versprechen kan. Umerdeßen glaube auch hier, daß die ganze Fabel doch einen Grund möge gehabt haben. Und diesen finde ich in der Nachricht des Epiphami, daß ihre Mitbürger sie Gnostiker genennet. Der Bischof hat Recht, daß von keiner gnostischen Parthei erweislich ist, daß sie eine so gewaltsame Entmannung gelehret; oder geubet; allein desto gewißer ist es, daß wo nicht alle; doch die meisten Gnostiker Feinde des Ehestandes und der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts gewesen. Man weis, daß es eine algemeine; aber böse Gewohnheit ist, die Lehrjäze einer Religlonsparrhei durch Verdrehungen ihrer Lehrsaze und daraus gezogene Folgerungen verhaßt; oder lächerlich zu machen. Wie die Heiden voll den alten Christen tausend Mahrgen erzchlten, die aus solchen boshaften Vorstellungen ihrer wahren Grundsaze entstanden r wie selbst die rechtgläubigen Lehrer es in andern r?5 Von den Valesrern. andern Fällen gegen die Kezer gemacht; so tonte auch gar leicht die gnostische Lehre von der Emhalrung vom Ehestand, durch den Ausdruk der Selbstentmannung, deßen erste Urheber ihn vielleicht im uneigentlichen Verstand, wie solches selbst vom Gnostiker Iulio Caßiano geschehen; andere aber hernach im eigentlichen genommen und durch Zusäze recht sinnlich gemacht haben, verunstaltet werden, und daher diese Fabel ihren Ursprung haben. Wir werden in dieser Muht- maßung bestärket, wenn wir betrachten, daß das Verbot des Fleischeßens allerdings bei den Gnostikern sehr gewöhnlich gewesen. Endlich wollen wir auch nicht vor unmöglich halten, daß vielleicht einer; oder der andere gnostische Schwärmer eine solche unnatürliche That so an sich selbst begangen haben könne, wie von dem Origene gemeldet worden. Und in diesem Fall kan die bei den Fanatikern sonst gewöhnliche Mis- deutung biblischer Sprüche, z. E. von dem Abhauen der Leibesglieder, wenn sie einen zur Sünde reizten; oder von den um des Himmelreichs willen Verschnittenen eine Gelegenheit, wenigstens zur Vertheidigung solcher Mrshaud- lungen gegeben haben. Anm. r. Unter den neuern haben diese Erzehlung vor eine Fabel gehalten Perrsch in dem Versuch einer Rir- chenhrst des Dritten Jahrhunderts S. 40z. und mein Vater kistor. eccles. p. 1215. Anm. 2. Daß Gnostiker die Enthaltung vom Kinderzeu- ge» vor ein wichtiges Stük der Religion gehalten baden, lehren die Beyspiele des Sarurnini, im ersten Theil dieser Rezexh. S. 279. des Takiani, S-4Z7- der Sevv> 176 Von den Valesrern. -Severianer S- 440. des Irrli'i Laßiani, der selbst die Entbaltunq vom Ehestand gcneniicr, S-44i. der Marcioniren, S- Z17. der Manichäer S- 771. der Hierakiren, S. 821. §. m. Wenn diese Muhtmaßung vorausgesezet wird; so fället der Nuze aller lveitern Untersuchung weg. Es sind auch nur noch einige kleine Umstände, die wir bemerken können. Wenn Valesier gewesen; so wißen wir doch die Zeit ihrer Entstehung nicht. Eine algemeine Gewohnheit rechnet sie zu den KeZern des dritten Jahrhunderts; sie hat aber keinen andern Grund; als die Stelle, welche ihnen Epipha- nius zwischen den Noetianern und Novattanern, anzuweisen beliebet. Er ist aber irberaus schlecht, weil Epiphanius keine chronologische Ordnung gnau beobachtet und weil der gute Mann ja selbst von ihnen nichts gewust, welches ihn die Zeit ihres Ursprungs lehren können. Ein jüngerer Schriftsteller hat noch gemeldet, daß wieder sie eine Kirchenversamlung m Achaja gehalten worden, die mit grosem Recht zu den erdichteten zu zehlen ist. Anm. 1. Von dieser Kirchenversaml. s. Misere -Historie ver Rirckenv. S 99. Anm. 2 Man sehe noch Danäum not. in ^uxustin. lisores. p. 102. Naral. Aleranver kistor. eccles. /ec. III. p. 577. Tillemont memoir. ponr servir a I'lMoire ecclet. tom.III. p. 262. u. Lardner creäibil. o 5 tke6. li. II. V0/.4. x. 461. Die Von den Angelikern. 177 Die dritte Abtheilung Von den Angelikern. §. i. den Angelikern hat es eben dieBewand- nie; als mir den Valesiern. Alles, was wir von ihnen wißen, haben wir dem Epipha- Nio zu danken und dieser hat abermals nichts Hon ihnen gewust; als daß ihm Leute gesaget, es -gebe eine kezerische Parlhei, die Angelici genen- yet würden; er habe aber nicht erfahren können, wer sie gewesen, wenn sie entstanden; oder aufgestanden, woher und warum sie diesen Nah- Mn geführet. 2lnm. Epiphanius handelt von ihnen kseref. L.X. tom. I. p. 505. U. snacexh. tom. II. p. 146. §. n. Die Geschichte solle also hier aufhören. Was sie aber nicht weis, das hat der Wiz der Geschichtschreiber durch Mutmaßungen zu ergänzen gesucht. Und diese betreffen die Frage: warum sie ihren Unterscheidungsnahmen erhallen ? Epiphanius hat nicht weniger denn drey erfunden. Vielleicht, sagt er, haben diese geleh- -rer, daß diese Welt von Engeln erschaffen worden : vielleicht sind sie so stolz gewesen, daß sie sich wegen ihres vorzüglich strengen Lebens den Engeln gleich geschäzet: vielleicht haben sie in n Theil. M IMr 178 Von den An gelikern. Ingelina einer Gegend jenseits Mesopotamien, ihren Wohnsiz gehabt. Augustinus , der sie nur aus dem Epiphanio gekannt, sezet noch ein vielleicht hinzu: vielleicht haben sie die Engel qot- tesdienstlick verehret. Em noch neuerer Schriftsteller, Zonaras, ungeachtet er selbst anzeiget, er habe auch seine Nachrichten aus dem Eplpha- nio, füget dock bei, daß sie enrweder ein englisches Leben zu führen, vorgegeben; oder daß fle behauptet, sie wären von den Eiigeln zum Glauben; oder göttlicher Erkänntnis berufen mordest. Noch ein anderer, dem eben sein Alter keinen sonderlichen Credit verschaffen kan, vermehret 'Augustini Nachricht damit, daß er saget, der Bischof Lheophiltls von Apamea habe sie überwunden. Dieses alles aber ist so ungewis, daß man am besten thut, wenn man nichts von ab- lem glaubet. -l"' .7' ' . 1 . - 7 . - 2lnm. S- Epipbanrum ebendas. Hsnarss not^ sa c^gnon. z6. c-oricil. I^sociic. p. z §2 Augustinum äe tiXres.ca/». Z9- und den krseäeü. csx. 'V . §.111.' " - Den nerrern Schriftstellem ist also beinahe die freie Wahl übrig, was vor eine Meinung sie den übrigen vorziehen wollen? Allein man wird hier zu keiner Wahrscheinlichkeit kommen, bis vorhero erst ausgemacht worden, ob überhaupt eine eigne Parthei vorhanden gewesen, welche den Nahmen der Angeliker geführet. In der Lbat läßet sich dieses durch einen scharfen historischen Beweis mcht folgern. Und daher bin Von den Angelikern. 179 ick ebenfals geneigt, diesen Nahmen bor eine Benennung zu hallen, welche mehreren gnostischen Partheien vielleicht als ein Spottnahme aufgeleget worden. Der Grund dieses Nahmens würde alsdenn wol eher in der gnostischen Lehre von der Weltschdpfung durch die Engeln; als in der ihnen erwiesenen gottesdienstlichen Verehrung zu ftlchen seyn. Anm. i. Des Augustini Meinung billiget Vofiius öe ori- et pro^rellu iciolstr. I. ca/). 9. von der Welt- fchöpfung aber erkläret es Suicer XioLno- Lonstantinop. expolic. z. p. 9. Anm. 2. Vor einen algemeinern Nahmen mehrerer Par> theien hat ihn schon Sagirrarius gehalten intrognäk. in kittor. eccles. tom.I. p. 837- das Gegentheil aber behauptet Dde anxelig/-LIX. ca/,. 5. §. 5. allein ohne historischen tüchtigen Zeugen. Ihm hat mein Vater liistor. eceles. 1216. wiedersprochen. Anm z. Die Weltschöpfung durch die Engel lehreten, wie wir in dem ersten Theil bewiesen, die Lerinrhia- ner, S 26 t. Sarurnius, S. 278-BasrliSes, S. 296. Larpocrates, S. z 19. u. a. §. IV. Epiphanius versichert, daß sie nur eine kurze Zeit gedauert, und der jüngere Schriftsteller, daß sie von einem Theophilo B. Zu Apa- mea verdammt worden. Das leztere ist ganz unsicher und das erste nur alsdenn wahrscheinlich, wenn man annimmt, daß eine eigne Sekte dieses Nahmens vorhanden gewesen. Anm. Vergleich, noch Larvner ebendas. x. 464. M L Die i zo Vsn den Hypsistariern. Die vierte Abtheilung Von den Hypsistariern. §V>on den Hypsistariern haben wir einige Nachrichten, welche der Gewohnheit, sie zu den christlichen Kezern zu rechnen, nicht günstig sind. Wir wollen uns daher begnügen, aus dem vornehmsten Zeugnis, das wir von ihnen haben, hier zu bemerken, daß sie gar keine Christen seyn wollen; sondern eine eigne, aus der jüdischen und heidnischen vermischte, Religion gehabt. Von den Juden hatten sie die Verab- scheuung alles Gözendienstes, die Beobachtung des Sabbaths und der Enthaltung der verbotenen Speisen. Hingegen hatten sie die Beschnei- dung nicht angenommen. Sie beteten nur den Allerhöchsten an, wie sie ihn nennten und führten daher diesen Nahmen, welches aber ohne Abgötterei geschehen seyn mus. Aus dem Umstand, daß des Gregorn von Nazianzus Vater vor seiner Bekehrung zur christlichen Religion dieser Secte beigethan gewesen, schließet man, daß sie am Ende des dritten und im Anfang des vierten Jahrhunderts bekannt gewesen; nicht aber, daß sie erst damals entstanden. 2lnm i. Diese Nachricht giebt uns Gregorius von Na- zianzns oeLt. XIX. I. oper. p. 28y. Mail kan dazu sezen, daß die beyden Wörlerbuchschreiber, Hesy- chius und Suisas einen eignen Artikel dieser Parchei gewied- Von den Hypslstariem. r 81 gewiedmet; sie sagen aber nichts; als daß es eine Ke- zerei sey, deren Anhänger, nach ihrem Vorgeben, den Höchsten verehren; oder anrufen. Grego, rius von Nyßa orat. II. contra Lunom tonr. II. oper. v. 440. redet auch von ihnen; meldet aber, daß sie den Allerhöchsten, oder Allmächtigen; nicht aber als Vater verehren: mithin die Lehre von der Dreieinigkeit leugnen. Aus allen diesen Umstanden so wol; als der ausdrüklichcn Versicherung des nazianzenischen Grego« ' rii wird billig der Schluß gefolgert, daß sie zu den christlichen Religionspartheien nicht gehöret haben. Anm. 2. Wir wollen hier anmerken, daß Joh. Jac. Wer- stein in prole^om. tanr. I. dl. I'. p. ZI. z8- und Hr. D. -Harenberg in der brem- u. verdischen Bibliothek B. III. S uz. der Meinung sind, die Hypsistarier waren mit den Proselyren ves Thors der Hebräer, die so oft im N T. gorresssirchtige genennet würden, und mit den coelicolis in den kaiserlichen Gesezen einerlei Personen. Diese Fr-me braucht eine weitere Untersuchung; als hier angestellet werden kan, da sie doch in diesem Fall noch keine christliche Kezer seyn würden. Untcr- deßcn kan man die Schriftsteller von den -Himmelsver« ehrcrn nachsehen, welche ich in der hillor. Patriarchat. ^Uliscor. P.7. ig. angezeiget: Wersteins Erinnerung, daß die hypsistarier eben so gedacht, wie die Leisten in Engelland, ist ebenfals ungegründet. Anm.z. Man sehe Suicers theiaur. eccles. ton». II. p. 1425. und meines Vaters lüsior. eccles. p. 1217. Die fünfte Abtheilung Von dem Kezer Private. §. i. AAir müßen auch des Privati gedenken, eines Mannes, der in christlichen Kirchen von Afnca nicht wenig Unruhe gemacht zu haben M z scheinet, 182 Von den, Rezer private». scheinet, und, weil wir nur zwei Nachrichten von ihm haben, deren Inhalt wenigstens verdienet in einige Ordnung gebracht zu werden, wollen « ^ wir den Anfang damit machen, sie hier mitzu- 250. theilen. In dem Schreiben, welches die Aelre- sten und Diakoni der römischen Kirche, ehe Cornelius daselbst Bischof wurde, an Cyprian, Bischof von Carchago abgelaßen, finden wir folgenden Bericht: „so viel aber den Privarum von „Lambesa benift, so hast du nach demer rühmli- „chen Gewohnheit gehandelt, daß du uns diese „wichtige Angelegenheit gemeldet. Denn es ist „vor uns alle eine gemeinschaftliche Pflicht, vor „das Wol der ganzen Kirche, deren Glieder „durch alle Provinziell zerstreuet find, zu wa- „chen. Wir haben aber schon vor den Empfang „den Betrug des verschlagenen Mannes rinderen müßen. Denn da vorher einer seines bos- „haften Anhanges und des Privari Waffenträger (vexillarius) mit Nahmen Futurus, zn „uns kam und von uns Briefe zu erschleichen „suchte, haben wir nicht allein bald gemerket, „was für ejn Mensch er sey; sondern ihm auch 252. „dre verlangten Briefe abgeschlagen.,, Cypri- an hat in einem Brief an den B.Cornelium von Rom dieses einstießen laßen: „ich habe dir, lieber „Bruder, durch den Felicianum gemeldet, daß „der alte Kezer Privarus, der schon vor vielen „Jahren auf einer Kirchenversamlung von neunzig Bischöffen in der lambesitanischen Colonie „wegen vieler und grober Verbrechen verdammtet, auch, wie euch wol bekannt seyn wird, „von Von dem Rezer privaro. iZz „von unsern Vorfahren, Fabians und Donato, „durch Briefe sehr hart bestrafet worden, nach „Carrhago gekommen. Er verlangte, in der „Versamlung, welche wir den leztverwichenen „funszehendcn Mai gehalten haben, sich zu vertheidigen; da man ihn aber nicht verlies, hat „er den Fortunatum, einen seiner Gesellschaft „würdigen Mann, zu einem so genannten Bischof „gemacht. Es war zugleich mit ihm ein gewisser Felix gekommen, den er ebenfals außer der „Gemeinschaft der wahren Kirche m der Kezerci „zu einem so genannten Bischof verordnet hatte.,, 2 tnm. i. Das erste Zeugnis stehet in dem 0re, sigs?e,i der Krtcfc des Lyprians p. 41. das zweite in dein fünftens, fünfzigsten/ p. 84 der Werke dieses Bischofs, nach Baluzenrr Ausgabe. Anm. 2. Zur Erläuterung dieser Nachrichten fügt» wir nur bei i) daß durch die vonprivaro verlangte Briefe, wol iitterse communiestoriL zu verstehen, die als c Zeugniße der von dem, so sie ablies, anerkannten kirchlichen Gemeinschaft mit dem, an dem ste gerichtet, ge- j halten wurden. S- die in meinen GrunSsazen öer ' Rirchcngefcb. L 7 .T. S-140. angezeigte Schriftsteller: 2) daß Lyprian unter den Vorfahren den B. Fabian von Rom, der vom I.-z6 bis 251. das Amt verwaltet, und den B. Donatum von Karthago verstehe. Der lezteistwahrscheinlich der nächste Vorfahr des L>prians gewesen, welcher im I. 248. das Amt erhalten. S. Tillemont naenaoiies pour l'ervir » i' iiistoire ecclef toi». IV. x. 54. §. n. ' Aus diesen Erzehlungen laßen sich die Begebenheiten des Privat! in folgenden Zusammenhang bringen. M4 l-Zu 184 Von dem Rezer privaeo. I. Zu der Zeit, da zu Rom Fabian und zu Carthago Donatus Bischdffe sind, fallt Privar tus in eine Kezerei und begehet andere grobe Verbrechen. Anm. Daß Privat«« ein Kezer gewesen; wird aus dem öfters wiederholten Nahmen iiLlvricus geschloßen. Es - scheinet aber billig noch eine Frage zu seyn, ob hier das Wort im strengen Verstand zu nehmen. Wenigstens meldet Lfprian den Irtum nicht, durch welchen er von der Reinigkeit der Glaubenslehre abgewichen; giebt ihm aber er Arsvis. lleliAs schuld. II. Privatus scheinet Bischof zu Lambeja gewesen zu seyn: Anm. Theils, weil er sich andere DIschöffe zu ordiniren unterstanden; theils, weil er an die römische Gemeinde geschrieben. I. C. m. Eine Kitchenversamlung von neunzig 240- Bischdffen verdammet den Privatnm. Wahrscheinlich wird dieses nach Carthago und Rom gemeldet und veranläßet, daß die dasigen Bischdffe, Donatus und Fabianus, dieses Urtheil billigen. Anm. S- die Historie der Rirchenvers S 96. IV. Unterdeßen scheinet Privatus seine Anhänger gehabt zu haben. Er verbindet sieb mit andern Misvergnügten und ordiniret Bischdffe. 250. V. Suchet auck, nach dem Tod des B.Fa- biani, durch eine,» Abgeordneten, Futurus, von der römischen Geistlichkeit dfentliche Zeuqniße ihrer kirchlichen Vereinigung mit ihm zu erhalten; dieses aber wird ihm abgeschlagen. VI. Zu Von dem Bezer privaro. »8s VI. Zu Carthago ist eine Kirchenversam- z. x lnng. Auf dieser erscheinet Privarus in Gesell- 251. sckaft anderer gottesdienstlicher Lehrer seiner Parrhei und verlanget um sich vertheidigen zu können, dsentliches Gehör; findet aber auch dieses nicht. VII. Hierauf erweitert er seinen Anhang, in dem er wieder einen Bischof machet. Anm. i. Weiter wißen wir von diesem Privat» nichts. Ob ex sich mit der Parthei des Felicistimi vereiniget, versparen wir bis auf die Abhandlung von des lezrern Spaltung. Anm. 2. Die neuern baben nichts erhebliches hier zu sagen gehabt. Doch kan man Tillemont» memöires prmrlervir a l'tMoire eccles. tonr.Ill. p. Z64 und Leil- lers dilioire »uteurs tom.IH. p. 57z. vergleichen. Der fünfte Abschnitt Von den Spaltungen des dritten Jahrhunderts. Die erste Abtheilung Von der Novatianischen Spaltung. §. I. /As sind uns von einigen Unruhen und groftn ^ Bewegllngen in dem dritten Jahrhundert Nachrichten überliefert worden, welche zwar zu nächst keine Grundlehren der christlichen Reli- M z gion i86 Von der novatianischen Spaltung. gion zum Gegenstand gehabt; aber doch das Band des Friedens, welches billig die christlichen' Gemeinden vereinigen solle, zum Theil auf viele Jahrhunderte zerrißen und sonst denkwürdige Folgen gehabt. Wir wollen sie daher in diesem Abschnitt von den eigentlichen Kezereren unterscheiden und zu erst von der novaliamschen Spaltung reden. Wir werden erstlich die Personen kennen lernen, welche als Haupturheber derselben angegeben werden; hernach von der Zwietracht selbst handeln, durch welche diese Spaltung entstanden; ferner die Schiksale der dadurch erwachsenen novatianischen Parthei er- zehlen und endlich mit einer unparrheiischen Beurtheilung dieser langwierigen Trennung beschließen. 2lnm. Wir finden vor nöthig, hier noch einige algemeine Erinnerungen vorauszusezen. Die Entstehung der durch so viele Jahrhunderte erhaltenen novatianischen Parthei ist eine Begebenheit , welche in einer noch groftn Verwirrung und Dunkelheit sich befindet, wovon gar verschiedene Ursachen vorhanden sind. Erstlich haben wir davon gar viele Nachrichten, welche dem ersten Anschein nach überausschazbar zu seyn scheinen und viel versprechen: einmal, weitste von Hauptpersonen, die zu nächst an diesem Streit Antheil gehabt, von dem D. Cornelio zu Rom: von dem B. Lyprian zu Carthago: von dem B. Dionysio zu Alexandrien, herrühren; hernach weil sie zu eben der Zeit, da die Unruhe ihren Anfang genommen, abqesaßct worden, und daher so wichtige Merkmale historischer Glaubwürdigkeit in sich faßen; als wenig Quellen anderer theile der Kezergeschichie an sich haben. Zweitens verlieren diese Berichte auf einmal zu viel von ihrem Wehrt, wenn man betrachtet, theils daß alle diese Schriftsteller Gegner des Nvvatiani gewesen, und wir in der That nur immer einen Theil der Parthcicn hören müßen: theils daß es noch dazu Leute gewe- Von der novanämschen Spaltung. 187 gewesen, deren persönliches Ansehen und Amt gerade zu in Zweifel gezogen worden : mithin ein sehr gegründeter Verdacht unrichtiger Vorstellungen der wahren Beschaffenheit der Sachen entstehen mus; theils daß in der That Lornelirrs und L^prian in ihren Briefen und Nachrichten ihre Leidenschaft verrathen und dadurch den gedachten Verdacht mehr bestärken. Drittens ist aus dem leztern die Folge entstanden, daß die Erzehlungen gewis unvollständig sind und es ihnen mehr an Zusammenhang fehlet; als sich viele von den neuern vorgestellet. Don diesem Zusammenhang müßen wir hier etwas mehreres sagen. Die gewöhnliche Vorstellung der neuern ist, daß die Streitigkeiten über die Gefallenen zu Cartbago beyde Spaltungen, des Novation und LeUcissimi veranläßet: daß daher beyde in einer Verbindung gestanden, und daß der Anfang der Erzehlung damit gemacht werden müße. Man sezet daher wilkürlich eine Reihe der Begebenheiten feste, und veranläßet dadurch Nebenfraqcn, welche eben die Hauptsachen verwirren, z. B. ob Novatns von Cartha- go; oder Novatianus der erste Urheber der novatiani- fchen Spaltung sey? ob Novatus vorher» die gelindere Meinung vertheidiget und nachhero diese geändert? ob die Bischofswahl; oder der Streit von den Gefallenen die erste Veranlaßung gegeben? u. d. al. Wir glauben, daß man erst die Begebenheiten wißen müße, und dann die Chronologie fcstsezen, und alsdenn kei, neu logischen; sonder» wahrhaftig historischen Zusammenhang aufsuche und lieber Luken erkenne; alsMuht- maßungen einfiechte. Aus der Ursache haben wir uns vorgcsczet, die historischen Nachrichten zu samlen: die Schwierigkeiten, woher die Verwirrungen entstanden, sorgfältig zu bemerken, und wenn Grund vorhanden, sie zu heben. Allein aus eben dieser Ursach müßen wir unsere Leser bitten, unsere Vorstellung ganz zu lesen, ehe sie solche beurtheilen, weil es nicht anders sey» kan; als daß wir in vielen erheblichen Stükcn uns hier von dem gewöhnlichen Weg entfernen werden. Anm. 2 Wir wollen hier anmerken,'daß wie die Originalurkunden unstreitig die Briefe des Lornelii und Ly- priani sind, so gröstenthcils unter des leztern gesamle- ten Briefen zu finden; also man solche nicht allein in den rz 8 Von der novarjanischen Spaltung. den Loncitiensrmtungen und zwar tn der mansiscken tom. I. p. Zoz.t'q. eingerükt; sondern auch solche Lou- fiant in den epiikol. pontistc. p. 125. fq. mit verschiedener gelehrter Männer Anmerkungen wieder abdruken laßen. §. H. Wir machen also erstlich den Anfang mit den Nachrichten, die uns von den beyden Hauptpersonen, welche die novatianischen Unruhen veranläßet, bekanntworden. Man kanals bekannt und erwiesen voraussehen, daß darunter ein Lehrer der Kirche von Carthago und ein Lehrer der römischen Kirche verstanden werde. Je- nevwird Novatus und dieser gemeiniglich No- vattanus genennet. Ob es gleich noch zweifelhaft und dahero erst unten zu untersuchen ist, welcher von beyden im eigentlichen Verstand der rste Urheber der Spaltung sey; so kan man 'och nicht leugnen, daß der römische Lehrer vorzüglich die Hauptperson gewesen und der Par- thei selbst den Nahmen gegeben. Wir wollen daher zu erst von diesem reden. Und da findet sich gleich die erste Schwierigkeit, wie dieser römische Lehrer geheißen? Nach den lateinischen Urkunden milßcn mir ihn Novatianum nennen; nach den griechischen Schriftstellern aber Nova- tum. Obgleich einige glauben, der leztere sey der achte Nahme des Lehrers zu Rom; so laßen sich doch nicht allein ihnen wichtige Gründe entgegen sezen; sondern es würde auch unser Vertrag manchem Leser unverständlich werden, wenn wir hier von der algemeinen Gewohnheit abweichen wollen. Anm. Von der novarianischen Spaltung. 189 Anm. Man kau als bekannt voraussezen, theils, daß in den lateinischen Briefen des Lornelii und Lypriani, wo von dem Lehrer der römischen Kirche geredet wird, derselbe überal Novatianu« heiße, und diesen auch andere lateinische Schriftsteller, als -Hieronymus ete viris illullrib. es?. 70. der Verfaßer des unter L^'priüns Werke ohne Grund gerechneten Buchs säverlus dlova- tianum, im Anhang der baluftscken Ausgabe p. 7. i'gq. Pacianus in den dre^ Briefen contra dlovatisnos, und andere folgen, die aus dem folgenden kennen zu lernen; theils daß die griechischen Geschichtschreiber Eusebius, (ausgenommen VII. 8 p- Z29.) Soccares, Soxomenus, (der doch auchNovatianus schreibt/röc. II. kitkor. eccies. ca/>. Z. p. lvz.) Epiphanius, Pho- rius, ihn Nooarus; oder Navatus nennen. Um diesen Scheinwicderspruch zu heben, haben die gelehrten Männer zwey Wege bishero eingeschlagen. Einige geben den Lateinern den Vorzug und folgern daher, daß die Griechen geirret. So denken Duoalois nor. in Lullet). tiiltor. eccies. /iin . VI. ca/o.gz. p. ziF der readin- gischen Ausgabe: Perav not. in Lpipk tom. II. opee. p. 226. Ruinact sÄ. seiend, msrt^r. p. 180. Luve bi- ftor. litcer. scriptor. eccies tonr. I. p. 129. Fabricius not. in Hieron. in der bibliotk. eccies p. i;8- denen denn beinahe alle gefolget, welche davon geschrieben. Andere hingegen find der gegenseitigen Meinung und glauben, die Griechen hatten richtiger den Rahmendes Mannes aufbehalten. Niemand hat dieses gelehrter und mühsamer zu erweisen gesucht; als Lardner in einer eignen Abhandlung, welche in der creeiibiiit^ oktke 6. II. II. vo/. 9. p. z6s. zu finden ist. Da diese eine wahre Neuigkeit in der kritischen Historie ist und seine Gründe viele besondere Beobachtungen in den alten Schriftstellern liefern, wird es unsern Lesern nicht unangenehm sey», wenn wir solche auszugsweise hier mittheilen und mit einigen Anmerkungen begleiten. Sie find diese: l) alle griechischen Schriftsteller nennen ihn Novatn«. Sie verdienen destoir.ehr Glauben, da Eusebius Originalurkunden von Lornelio und Dio- Nfsio von Alexandrien vor sich gehabt, und zum Theil liefert; Gocraee« aber und Sozomenus offenbar mit Novarignern Umgang gehabt: 2) es ist falsch, daß ,92 Von der nsvatianischen Spaltung. alle lateinische Schriftsteller ihn Novarianus nennen. Ruftnus hat ihn in seiner lateinischen Uebcrsezung der Kirchenhistorie des Eusebii beständig Novarus genen- net. In der römischen Ausgabe von Ambrosii Werken, stehet übr. I. 6e poonir. caz,. Z. der Nahme Nova- rus, welches zwar die Bcnedictiner in ihren Noten tom.II. oper. p. Z9Z. tadeln; es ist aber nicht wahrscheinlich, daß der römische Herausgeber, ohne allen Grund in den Handschriften zu haben, dieser Leseart ge- folget. In -Hilarii trn^m. p. iz2o. der Bencdicliner Ausgabe stehet Nooarus. Auch Hieron^mus cvwm. in loel. to,» III. oper. p. iz;8. in^moz. p. 1407. epl- Ilol. XXXVIII. to»r. IV. p. Z07. ep. ftVI. p. 586. ep. I.XXXIV. p. 659 der martianayischcn Ausgabe uen- net Novanim, wo er offenbar von dem Aeltcsten zu Rom redet: ferner Philalkrins cie llserellb. cax. 84. Augustinus eie iiL-ref cax. zZ- , Diese Er- zehlung verdienet manche Erläuterung, die wir II Theil. N in , 94 Don der novarianischen Spaltung. in die Anmerkungen verspüren. So nachtheilig aber diese Vorstellung von Novatiano seyn kan, so ist doch gewis, daß einer von Corneln Amtsvorfahren, man weis nicht, welcher, eine viel vortheilhaftere Gesinnung gehabt. Er beförderte ihn durch Auflegen der Hände zum Amt und Würde eines Aeltesten. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß er vorhero die Unterbedienungen der Kirche nicht bekleidet. Cornelius versichert, daß hier die Gunst und die Gewogenheit des Bischofs alles gethan, ungeachtet,diese Beförderung einen algemeinen Widerspruch der übrigen Geistlichkeit und des Volks gefunden. Von seiner Auffürung bey diesem Amt erzehlet Cornelius einige Umstände, die ihm eben keine Ehre; aber auch ihn noch mcht zum lasterhaften Mann machen. Zur Zeit der Verfolgung habe sich Novatianus verschloßen und da er von den Diakonis ersuchet worden, den seines Beystandes bedürftigen Christen zu Hülse zu kommen, ihnen solches mit Unwillen abgeschlagen und sich erkläret, er wolle kein Aeltester mehr seyn; sonder», auf ei»»e andere Philosophie sich legen. So viel wißen wir von den Begebenheiten des No- vatiani, ehe die Bewegungen wegen Cornelii Wahl entstanden, deren Erzehlung wir bis ins folgende verspüren. Was ihm nachhero begegnet, wißen wir nicht. Ob er ein Märtyrer worden ist eine zweifelhafte Frage, die in ältern und neuern Zeiten von einigen bejahet; von andern aber verneinet worden. Anni. Von der novarianischen Spaltung. 195 Anm i. Daß Novarianus aus Phrpgien gewesen, mel» det allein philostorgius hiüor. eccles. sth»-. VIII. i z. Duvaloi» not. sä 8ocrst. killor. eccles IV. ks^. 28. halt es vor sehr wahrscheinlich aus dem Grund, weil er in Phrygien viele Anhänger gefunden. Wir werden unten die wahre Ursach, warum er unter den Phrygiern Beyfall erhallen, anzeigen. Philostorgii Nachricht halten Jakson prseist. sä d>Iovst. opers p. 8. Ulld Laroner in creäib. os tke 6. II. ./?a, t. II. no/. 9. p. 17. vor unwahrscheinlich, und zwar mit Grund. 2 lnm. 2. Von h^ovatiani erlangter Gelehrsamkeit und Beredsamkeit zeugen nicht allein seine Schriften; sondern auch seine Feinde L^prian epistol. LII. p. 7z. p«, cian epill.II. sä 8^mpron. in der ö. N. ?. ta»'. IV. p. zc8- und -»äreronMus epist. sä Osmss. to,«. II. oper. p. 56z. Diese Nachrichten sind algemcin, daßL^ovatia, nus ein Philosoph gewesen, und werden durch die Worte Novatiani, er wolle kein Aelteffer mehr seyn, als ein Liebhaber einer andern Philosophie, -. VI. caz7.4z-p.Zi4. bestätiget; sie bestimmen aber nicht, welcher Philosophie er beigethan gewesen. Einige neuere, wieDupin, Spanheim, Leiller, begnügen sich, ihnen zu folgen. Allein andere wagen es, gnauer zu reden und ihn vor einen stoischen Philosophen zu halten. Dieses thun Ttllemonr memoir. pour servir s 1 'hi'üoire eccleL tom. III. p. 496. Cave kiüor. Ilttersr. Icript. ecclelrsstieor. tom. I. p. 129. Jakson prüfst, oper. hlovst. p. 8- Mosheim commentsr. äe rebus clirillis- nor. p. 514. Hingegen scheinet Lardnee p. 18- ty. daran zu zweifeln. Wir glauben, daß die gemeine Meinung nicht ohne Grund sey. L^prians Stelle epistol. H p. 70. scheinet dieses wahrscheinlich zu machen. Er saget, die stoische Lehrsäze, alle Sunden wären einander gleich, und ein rechtschaffener Mann müße standhaft und unbeugsam seyn, welche offenbar dem Novariano zur Last gelcget werden, waren nicht christlich. S- Suyskens vit. Lornelii §. 84. in sei. lsnklor. tom.IV. iept. p. i;;. Die ganze Denkungsart und Betragen des Mannes, wenn nicht sein natürliches Tcm- perament daran Antheil gehabt, scheinet stoisch gewesen zu seyn. N 2 Anm. 196 Von der novarianischen Spalnmg. Anm z. Bey dem Bericht des Lornelii von der Bekehrung des Novatiani haben wir folgendes beizufügen: i) daß dieser in deßelben Brief an den B. Fabium von Antiochien bei dem Eusebio liiüor. ecclet. /ih»-. VI. cax. iz. zu finden. 2) daß überhaupt wahrscheinlich , Novarianus sey schon einige Zeit vorhero einKatechumenus gewesen und Cornelius gar nichtvon dem allerersten Anfang seines Uebertrikts zur christlichen Religionsparthci; sondern nur von deßcn Vollendung durch die Taufe rede. Wir haben diese Anmerkung Coustant not. in epifi. pontik. p. 152. zu danken. Es ist unwahrscheinlich, daß Novarianus sich als ein Heide des Dienstes der christlichen Teufclsbeschwörer würde bedienet; oder diese ihm als einem Heiden solchen geleistet haben würden, wenn er nicht vorhero mit der christlichen Gemeine in einer Verbindung gestanden hatte. Es ist unwahrscheinlich, daß ihn der Bischof so gleich zur Aeltestenwürde befördert habe, wenn man voraussezet, daß er keinen andern Unterricht in der christlichen Religion gehabt; als den, welchen er als Beseßener und Kranker empfangen hatte. Es ist end, lich unwahrscheinlich, daß Novarianus nach einem so gar kurzen Unterricht eine so feine Käntuis der Theologie gehabt, als seine Briefe und Schriften ausweisen. Wenn man diese» Grundsaz vor richtig erkennet, so wird man freilich Bedenken finden, die wizige Zusäze zu billigen, so Mosheim p. 515. zur Erzehlung Lorne- lii gemacht, obgleich wir ihm dariune gerne beitreten, daß Novarianus nur eine starke Melancholie gehabt. Hieher rechnen wir auch seine Ungeselligkeit, die ihm Cornelius Schuld giebt, z) von der Taufe der Kranken auf dem Bette ist Losens exerc. cle clinicis in ec- clefia veter. p. 574. der von meinem Vater herausgegebenen introcluK. in notit. icriptor. eccles. und Cou- stanr am a.G, zu lesen, wo zugleich die Ursach angezeiget wird, warum Cornelius an der Gültigkeit dieser Taufe zu zweifeln scheinet. 4) die Worte, Novarianus sey von dem Bischof nicht versiegelt ,ffZ-k,r)wor- den, und könne daher den heiligen Geist nicht empfangen haben, erkläret Duvalois vom Auflegen der Hände bei der Taufe, Lonftanr voin Sakrament der Confir- mation in der römischen Kirche. Jener hat mehr Recht. Von der novatianischen Spaltung. 197 Wir haben in der kleinen Schrift, oirlervationes eccle- liallicse cie trsäitione spintus sanöll p. VIU. davon gehandelt und mehreres gesaget, das hier zur Erläuterung dienen kan. Anm. 4. Die Nachricht von der Beförderung zur Aelte- stenwürde haben wir dem Lornelio zu danken, eben- vas p. zi;. Bey dem Umstand, daß der Bischof zur Ordination eines Presbyters die Einwilligung der Geistlichkeit und des Volks nöhtig gehabt, so wol; als daß in Rom die Regel gewesen, keinen, der im Bette getauft worden, unter die gottesdicnstlichen Personen aufzunehmen, brauchen wir uns nicht aufzuhalten. Vielmehr erinnern wir r) daß der Nahme des römischen Bischofs, der eine so unregelmäßige Beförderung vorgenommen, uns ganz unbekannt sey. Tillemonr P.4Z7. und Laröner p. iy glauben, daß es Fabian, Lornelii nächster Vorfahre, gethan. Allein es scheinet uns glaubwürdiger, daß es schon eher geschehen. 2) daß Nova- tianus vorhero keine niedere Kirchenbedienuiigcn verwaltet, schließet man nicht allein aus dem Ausdruk des Lornelii; sondern auch daraus, das Lyprian epillol. I.II. p. 68- von Lornelio das Gegentheil versichert, weil es wahrscheinlich ein Vorzug seyn sol, den er diesem vor dem Novariano beileget. S Tillemonr ebcn- das. Ob Novariani unleugbare Verdienste; oder des BischofsHofnung, denMann bei bezeigterWankelmuht an die christliche Gemeinde fester zu verknüpfen, wie Mosheim p.7i6. mubtmaßet, diese unmittelbare Beförderung zur höher» Bedienung veranläßet, läßet sich nicht bestimmen. Die falschen Nachrichten des Eulo- gii wiederleget Suysken LÄ. isuü. tom. IV. lepr. p. 156. Anm. 5. Es gereichet dem Novatiano allerdings zur Ehre, daß feine Gegner ihn keinen lasterhaften Charakter beilegen. Unterdeßen ist sein Betragen zur Vcrfolgungs- zeit allerdings tadelhast, welches ebenfals Cornelius p. Ziz. berichtet hat. Aus Duvalois Note und Tille- montp- 4 Z 8 - auch Lorrftants Anmerkung p. 1Z4. lernet man, daß in einigen Handschriften daßelbe blos auf die kranken Katechumenen eingeschränket wird, welches wol unrichtig ist, da eine Stelle Theodoren kseretic. ksbu- N ,z lar. i g8 Von der novarianischen Spaltung. lar. /rb^.III. cax. p. 229. es von den gefangene» Christen verstanden zu haben scheinet. Larvnev p. 20. kzg. .. ist sehr geneigt, diese Stelle, wo niedt ganz zu verwerfen ; doch als eine ungleiche Vorstellung der wahre» Beschaffenheit der Sache anzusehen. So viel ist gewis, daß der sonst gegen Novarianum heftige Ver- faßer des Buchs contra dlovstian. welches dem Ly- prian unrecht beigeleget, jedoch deßen Werken ange- . hanget wird, p. XlV. gerade das Gegentheil von seiner Amtstreue versichert. Was wir bald von dem tm Nahmen der römischen Geistlichkeit von Novatiano abgefaßten Schreiben sagen werden, zeiget ebenfals, daß er zur Zeit der Verfolgung in Rom in gutem Ansehen gestanden haben müße, welches mit einer solchen Aufführung nicht bestehen kan. Anm.6. Die Nachrichten von dem Martyrertod des No« variani beruhen vornehmlich auf dem Zeugnis des So- cratis, liiüor. ecclel. //br. IV, cax. 2Z. 2ZO. Im vierten Jahrhundert haben es seine Anhänger geglau- bet; ihr heftiger Gegner aber, Pacianus epikoi.lll.aä 8^mpron. p zoz. geleugnet; allein dieses Lengnen beweiset in der That nichts, weil es gar nicht gnug ist, daß es nicht wahr sey, wenn Lrprian nichts davon - hatte, Photips bibllotd. coci. 208. p- zzo. u. coci, 280. ' x. 62 l. hat uns aus eines alexandrinischcn Patriarchen Enlogii, der im sechsten Jahrhundert gelebet, Schrift eine Stelle aufbehalten, darinnen er eben das leugnet und meldet, daß man falsche Acten des Martyrtods des Nyvqtiani gehabt. Alles dieses ist so beschaffen, daß man die Sache am sichersten in Ungewißheit läßet. S- Tjllemonr memoir. pour lervir ä 1' iiiüoire ecclest tonr. III. p. 478. Jakson prsekat. oper. dlovat. p. 9. Leillcr Kisioire cies auteurs tom. III. ^>. 292. Aardney ebenvas. x. 2tz, §. IV. Novatianus verdienet allerdings unter den gelehrten Schriftstellern den Plaz, den ihm schon Hieroymus angewiesen. Wir müßen die von ihm abgefaßten Schriften in.Zwei Klaßen theilen, Von der novarianischen Spaltung. 199 len, indem einige von denselben entweder gewis noch vorhanden; oder doch wahrscheinlich davor noch gehalten werden; andere aber verloren gegangen. In die erste Klaße gehöret: I. Das Schreiben, welches die römische Geistlichkeit, wahrender Erdfnung des Stuhls an den B.Cyprian zu Carthago ergehen laßen. Es betrift dle Frage von den Gefallenen und ist als ein Meisierstük der Beredsamkeit angesehen worden. Anm. i. Dieses Schreiben ist der einunddreysigsre unter Lxpciün« Briefen, p. 42. nach der balurischen Ausgabe. Er stehet auch in Mansl collett. conoil. tom.I. p. 8oi. sgg. und in Jaksons Oper. Nervst. p. 287. Änm. 2. Daß dieser Brief vom Novariano herrühre, bezeuget epistoi. UI. x. 67. Man glaubet mit Recht» daß wenn p>acianus epiü. III. sä 8^mprc>n. p. Z IV. meldet, chdovaeianus habe ein klein Buch von der Aufnahme der Glauhensverleugner geschrieben, er von diesem Brief rede.. Anm. z. Da um diese Zeit mehrere Briese zwischen der Geistlichkeit zu Rom und Larrhago gewechselt worden; so haben schon ältere Handschriften dem Novation» den vrefslgffe^ der cyprianischen Briefe beigeleget. S. Baluzcns Noten P.416. Lave am a.G. pearson LN- nsi. L) prisn. att-r. LLI,. §. 16. Page oritic. snn. Ls- ron. a»n. LLI,. §. 12. Jakson oper. d^ov. p. zoy. und Larvncr p. gl halte» es auch vor wahrscheinlich; es bleibet aberchoch ungewis. n. Die Schrift von der heiligen Dreieinigkeit. Außer der Hauptfrage, ob auch No- vatiaiius der Urheber sey, wird sehr gestritten, zu lvclcher Zeit er es geschrieben', ob vor; oder nach dem Ausbruch der Spaltung. N 4 Anm' 2OQ Von der lwvatianischen Spaltung. Anm. Daß Novatianus ei» Buch von der Dreieinigkeit hinterlaßcn, meldet -Hicron^mus 6e idripror. illullr. cax.7O. und füget hinzu, daß es ein gros Buch sey, »nd gleichsam aus Terlullians Schrift von dieser Lehren einen Auszug liefere. An einem andern Ort, spät. contra Kulm. /lö^, II. tom.IV. »per. P.415. tadelt'er Ru- finum. daß er geschrieben, Terrullian« Buch von der Dreieinigkeit werde unter Lyprians Nahmen von den Macedonianern zu Constantinopel fleißig gelesen, iveis diese Schrift weder Lyprian; noch Tertullian aufge- sezct; sondern Novarian, dcßen Nahme aus den» Titel stehe und deßen eigentümliche Schreibart eben das beweise. Man kan also gewis annehmen, daß ttova- rianus ein Luch dieses Inhalts hinterlaßen, W»r haben noch eine trcfliche Schrift; cis re^ula Lciei; live 6s irinitate, welche nicht allein in-den altern Samlungen der Werke des Tertullians und des Lyprians abgr» drukt worden; sondern auch in den neuern Zeiten dreimal besonders herausgekommen. Whiston lies es den zu London herausgegebenen iormons sucl eil») »,, npon idverai lubjeüs, anhängen und zwar in der Absicht, den Schriftsteller als einen Arianer anzupreisen. Eduard welchmann besorgte zu London 1724. inOct. eine neue Ausgabe und vertheidigte Novarianünz. Endlich bekam es in der Samlung der Werke des VlH- variani, die Ioh. Jakson zu London 1728 in Oct. ans Licht stellte, den ersten Pla^ Ob nun dieses eben die Schrift sey, welche Hieronrmv». gekannt? das ist ebm die Hauptfrage, welche von einigen verneinet; von den meisten aber bejahet wird. Die zweite Frage ist, ob Novarianus das Buch vor seinen Strettiakeiten mit chocnelio; oder nachher» geschrieben ? Da denn einige auch im leztern Fall ihr ein gröseres, andere ein geringeres Alter beilegen, sie beruhet eigentlich auf dem Zeitalter des Sabcllii, weil deßclbcn in dem Buch, ca-0. XII. p.tzi. der jaksoniscben Ausgabe, ausdrüklich gedachtwird. Die dritte Frage betrift den Lehrbegrif desNovariani von der Dreieinigkeit selbst, in wieweit derselbe mit der nicäniftben Lehrart übereinstimme, da denn IHhiston und Iakson erster» zum Vortheil der Arianer, andere, als Bull 6e5enL siäei Xic. p. 1Z7. tnd Grabe sänotar. r>. 140. und welchmann in seiner Aus- Von der novariamsthen Spaltung, sor Ausgabe, zum Vortheil der Orthodoxen vorstellen. Da aber das ganze Buch: mitbin die über dasselbe «ntstandtic Streitfragen mit unserer Historie in keiner Verbindung stehen, so verweisen wir unsere Leser auf Tillemonr ebendas p. 7;2. Leiller killoire 6es sutenrs tom. lll. p 294. Iaksons Vorrede x. rz. und Laröner ebendas. H.Z6.7Z IN. Eine Abhandlung von den jüdischen Speiftn. Es ist gewis.zur Zeit einer Verfolgung geschrieben, ob aber diese unter den K. Decro; oder Valeriano geschehen, wißen wir nicht, und doch beruhet darauf die Frage von der Zeit^ wenn sie aufgesezct worden. Anm. Auch dieses meldet Hieronymu», daßi?opaUanus ein Buch von den jüdischen Speisen geschrieben Es wird darinnen die Rcchtinaßlgkeit des Genusscs.deppon Mose verbotenen Speisen behauptet. Auch dieses ist ehemals'unter Lerrullians Werken gestanden. !w«lcb- mann und Iatson haben es in ihre» Samlungcn dem achten Versaßer zugeschrieben. Man sehe Leiller ^29;. und Larsner. p. 22. 2 z. 71. tczq. - tV. Wir wtßen nicht, ob wir die AWnd- lmig vyli> der Beschneidung hieher rechnen dürfen; da es mehr als zu wahrscheinlich ist, daß das micer dieM Titel vorhaudue Buch yogNor vatiano uicht herrühren kömte. Anm. Hieronymus ebendas ist Zeuge, daß Novatrany« «in Buch dieses Inhalts hintcrlaßen. Man hat ge- glaubet, daß das Buch von , der Deschneisnng, welches unter den Werken des heil. Hi'eron)-mi torr. V. p. 150. der marrianayischen Ausgabe stehet, Ltovatiani Arbeitsey; weil aber darinnen der Manickäer undder Arianer gedacht wird, so ist es gcwis falsch. Man lese des Marrianay cenlur, ebendas. Leiller x. 29z. Lardnerp. 82. Ns §. V. 202 Von der novariamschen Spaltung. §- V. Zur zweiten Klaße; oder zu den gewis Verlornen Schriften des Novatiani rechnen wir. I. Alle diejenigen, welche außer den genannten, Hieronymus als Schriften des Aelteften von Rom angezeiget. Die darinnen abgehandelte Materien sind von Ostern, vom Sabbath, vom Priester, vielleicht vom Priestertum des alten Testaments, vom Gebet, vom Anhalten, vom Attalo. 2nm. i. S. -Hieronymum äe viris illusir. ca^. 70. Anm.r. Einige haben Augustini Brief vom Osterfest /i-r. H 55. nach der Benedicrmer Ordnung vor Novatiani Arbeit gehalten. S. Larvner p. 82. Anm. z. Unter den Titeln ist der 6« inLautia der dunkelste. Der griechische Uebersezer giebt es 71^- -rw» eee?«- -r-«-. Vielleicht hat er äe inksntibus gelesen. Ich verstehe es vom Anhalten im Gebet. S- Laronec p. 21. '. II. Alle Briefe, welche Novatianus nach seiner Trennung von Cornelio an die fremden Kirchen geschrieben. Zlnm. l. Lyprian bezeuget öfters, daß Novatianus nach ^ der angenommenen Bischofswürde an andere Bischöffe Briefe abgelassen, wie wir zu seiner Zeit bemerken werden. Hier ist nur anzuzeigen, daß hieronymus episi:.- X. sä ?aul. Loncorcliens. tonr.IV. oper. p. 17 von diesen Briefen rede. Sie müssen also zu feiner Zeit noch vorhanden gewesen seyn. 2 lnm. 2. Von dem Novaeiano und seinen Schriften sind außer den am Ende dieses Abschnitts zu erzehlenden Schriftstellern und den schon angeführten Tillemontp. 478- Leiller, LarSner, Iakson nachzulesen r Lave ki- Kor, Utterar. scriytor. eccleL tom. I. x, 129. Vuvin com- Von der novatianischen Spaltung, soz commentsr. 6e lcriptor. eccle5 r/o/. I. p.2Zl. Labri- cius kibliock. 8,Ltin. me6. et ivilm. setstis r/o/. V. x. 426. und 8.6r. vo/. V. p. 274. - §. VI. Zweitens wird Novatus aus Carthago, als eine Hauptperson bei diesen Unruhen angegeben. ÄZir können ihn allein aus dem Eypri- an. Er war Aeltester zu Carthago und kein Bischof; vielleicht aber doch Vorsteher einer besondern Gemeine. Er hat schon zu Carthago Antheil an den Unruhen genommen, welche über die Gefallenen daselbst entstanden; ob er aber damals des Felicissimi Parthei gehalten, ist einigen gelehrten Männern noch sehr unwahrscheinlich. So viel ist gewis, daß er von Carthago nach Rom gegangen und auch da denKir- chenfrieden gestöret. Cyprian macht von ihm folgende nachtheilige und traurige Schilderung: „er ist allezeit Unruhen zu erregen geneigt: von „einem unersättlichen Geiz und Raubbegierde „rasend: von Stolz und Hoffarth ganz aufge- „blasen: den Bischöffen auf einer bösen Seite „bekannt: als ein Kezer und Treuloser von al- „len Priestern einmühtig verdammt: neugierig, „um andere zu verachten: ein Schmeichler, um „andere zu betrügen: niemals in der Liebe treu: „eine brennende Fakel, um einen Brand der Empörung anzuzünden: ein Sturmwind und Un- „gewitter, zumachen, daß andere am Glauben „Schifbruch leiden: ein Störet der Ruhe: ein „Feind der Stille und ein Friedensbrecher.,, Nach einigen andern Nachrichten, die wir im folgenden 2c>4 Von der novariamschen Spalnmg. genden brauchen werden, sezet er hinzu; „die „von ihm beraubten Waisen; die von ihm betrogene Wuwen, und die der Kirche entzogene „Gelder verlangen diese Strafen, womit er iezt „wegen seiner Raserei beleget ist. Seinen Vater hat er auf einem Dorf vor Hunger sterben „Und ihn nachhero nicht einmal begraben laßen. „L>eine Frau hat er vor ihren Leib geschlagen „und da sie nachhero einen Umschlag gehabt, so «ist er als einKindermbrder anzusehen.,, Es ist allerdings merkwürdig, daß man nachhero von ihm nichts findet. Er ist auch kein Schriftsteller« Anm. r. Des Novati gedenket Lyprian «pigol.VI. p. li. aber nur das von ihm, daß er nebst drey andern Nettesten an ihn ein Schreiben abgelaßen. Das übrige alles stehet im epitloi. Xl^IX. p.6z. lg. Sonst ges denket seiner noch Pacianus epitt. III. sä 8^mpron. p. Z07. Ob er unter den fünf Nettesten gewesen, die we- . gen der Spaltung des Felicissimi in Kirchenbann gethan worden, so wol; als was seinen römischen Auft ' enthalt und dasige Unternehmungen betrift, verspäten wir an andere Oerter. Anm 2. Daß Novatn» Nettester zn Carthago gewesen, ' meldrtpaeianus ebenvas. ^ieron^musiäe(,vii-i8 illuttr. Tillemont inernoires xour servir» l'Iiilloide eccles. tom. IV. p-YZ- Sussken in SÄ. LnÄor. tom.IV. sept. p. 157. Anm. Von der novarianisthen Spaltung, ros Anm z. Die nachcheiligen Berichte des Lyprians von r-ovaro werden von den neuern Schriftstellern ohne Lederikm wiederholet. Wenn man das Vorurchcil, daß ein Mann, der nach feine,» Tod als ein Heiliger verehret wird, keine Unwahrheit sagen kan, nicht bei sich wil herrschen laßen, so inus die heftige Leidenschaft des Zorns, den Lyprian durch seine hier übel ange« brachte Beredsamkeit überall offenbahrech in uns den Verdacht erregen, daß wenigstens hier etwas übertrieben sey. Mosheim ebenöas. p. 501. hat schon deswegen eines und das andere erinnert. Daß Novatus ein unruhiger Mann gewesen, ist wol richtig; allein da er einmal den Haß der Brüder sich zugezogen; so konte die Zahl der ihm angeschuldigten Verbrechen leicht vergrößert werden. A»m.4. riooanrs ist kein Schriftsteller. Wir haben nicht allein nichts von ihm; sondern auch kein Alter hat erweislich gemeldet, daß er etwas schriftlich hinterlaßcn. Wenn eiuige von Novari Schriften reden, so verstehen sie den Novarianum, wie oben schon erinnert worden. Man lese nach Labcicium bibliotliet:. I.»r. mell. Lj inllm. setstis vo/. V. p. 428. und Basnagens srmsl. xolltico-ecclellalt. tom.II. p. ZZ4. §. VII. Zweitens wollen wir die vonNovatiano zu Rom erregte Unruhen erzehlen. Um unsere Leser in Stand zu sezen nicht allein den wahren Zusammenhang der Begebenheiten; sondern auch die verschiedne daher entstehende Zweifel, die damit verbundene Nebenfragen und ebenfalö verschiedne Beantwortungen neuerer Gelehrten desto richtiger einzusehen und zu beantworten, wollen wir vors erste die Nachrichten der alten und glaubwürdigen Schriftsteller samlen, ehe wir uns über den Zusammenhang und gedachte Schwierigkeiten und Nebenfragen erklären. vo6 Von der novarianischen Spaltung. Wir sezen dabei das einzige voraus, daß die Klagen über den Novatianum selbst von zweifacher Gattung gewesen. Einige betrafen die von ihm angenommene Würde eines römischen Bischofs, und die dadurch erregte und ausgebreitete Spaltung; andere seine Gesinnung gegen die Gefallenen. Anm. Wir wollen hier auf die erste Gattung der Klage vorzüglich sehen , weil die leztcre die ganze novatiani- sche Parthei angehet, und daher süglicher unten abgehandelt werden kan. . S- vm. Von dem, was wegen Spaltung der römischen Gemeine durch Cornelii Wahl und erfolgte Annehmung der Bischöflichen Würde desNo- vatiani, und deren unmittelbaren Folgen vorgegangen, haben wir folgende Nachrichten: I. Cornelius in dem Schreiben an dem B. Fabium von Antiochien,aus welchem Eusebius uns Auszüge erhalten hat, berichtet, ,»nachdem die fünf Aeltesten und andere Bekenner, die es mit dem Novatiano gehalten; ihn aber nach- hero verlaßen hatten, sich wieder mit Cornelio vereiniget, hätten sie die ganze Historie erzehlet: es habe Novatianus vorhero mit erschrecklichen Eidschwüren versichert, daß er nicht verlange Bischof zu werden: da er aber nachhero das Bis- thum an sich zu reißen gesuchet, habe er zwei seiner Theilnehmer in einen kleinen und im geringsten Theil von Italien gelegenen Fleken abgesendet, welche von daher drei Bischöffe, bäuri- Don der novarianischen Spaltung. 207 sche und einfältigste Leute, geholet, und ihnen betrügrisch weis gemacht, sie müsten eilig nach Rom kommen, um mit andern Bischöffen die daselbst entstandene Uneinigkeit beizulegen. Wie sie gekommen, hätten einige dazu bestellte Anhänger sie eingeschloßen und mit Gewalt gendhtiget, pm zehen Uhr, da sie besoffen gewesen, durch ein eingebildetes und unkräftiges Händeauflegen, ihn zum Bischof zu weihen: einer von diesen Bischöfen habe sich bekehret: die Gemeinde um Vergebung gebeten und sey zur Laiencommunion gelaßen worden: er, Cornelius, habe an die Stelle der beyden andern Bischöffe, zwei andere geweihet und sie an die bestimmten Oerter ge- schlket: Novatianus, wenn er das Abendmal ausgetheilet, habe mit beyden Händen die Hand des Communicamen ergriffen, sie gehalten und nicht eher losgelaßen, bis sie geschworen hätten, indem er gesaget: schwöre mir bei dem Leib und Blut unsers Herrn, Jesu Christi, daß du mich niemals verlaßen, und dich zur Parthei des Cornelii schlagen wollest : der Communicant habe daher anstatt Amen gesaget: ich wil nicht zumCornelio zurükkehren: iezo wäre er verlaßen, da täglich Bruder von ihm sich absonderten: wie auch der selige Märtyrer Moses, der vor kurzen einen bewundernswürdigen Martyrertod ausgestanden, noch bei seinem Leben, da er Novatiani Verwegenheit und Thorheit erkannt, nebst funf Aelresten deßen Gemeinde verlaßen.,. In einem Brief an den Cyprian meldet er; nachdem die novatiani-- 'trotz Von der novananischen Spaltung. schen Abgeordneten, Maximus, Longinusund Machäus, zu Carrhago abgewiesen worden, Hache er aufs neue dergleichen Leute, und zwar den Nikostratum, den NovatUM, den Eveiristum, den Prnnum und den Dionysilun dahin abgesandt. Man habe daselbst Ursach, sich Vorsitz Hu hüten: Nikostratus sey ein Betrüger, der ffmerHerrschaft und der Kirche vieles entwandt: Evaristus aber sey der Urheber der Spaltung und Zetüs an seine Stelle zum Bischof der Gemeine, weicherer vorgestanden, verordnet worden. In einem andern, da er von einigen Bekennen:, die Novariani Parthei ergriffen und sich mitCornelio auszusöhnen, gewünfchet, Nachricht giebt, heißt es: sie hatten ausgesaget, daß neuerlich an alle Kirchen (von der novatianir schen Parthei) in ihren Rühmen Briefe voller Lästerungen und Lügen abgeschiket und dadurch beinahe alle Kirchen beunruhiget worden: sie, die Bekenner, waren dazu verleitet worden und wüsten nicht, was in den Briefen stehe: sie hätten durch Verführung die Spaltung befördert und waren dadurch Urheber der Trennung, daß sie verstattet, daß man den Novatianum durch Handeauslegen gleichsam zum Bischof geweihel habe: er, Cornelius habe Hoftmng, daß die übrigen verführten sich auch einsinden würden, da sie sahen, daß ihre Anführer iezt auf seiner Cornelii Seite waren. Änm. Die erste Stelle stehet in dem Brief an Fabium, beym Eusebio, kiklor. ecclel. VI. cnp. 4Z. die zweite epiü.Xl,VIII. p.62. u. exjÜ-XlbVI. p. 60. u. Cy- Von der novarianischen Spaltung, soy II. Cyprian hat in mehrerern Briefen hierher gehörige Nachrichtei: überliefert. In einem erzehlet er, daß von Novatiano, der Aelreste MaMus, der Diakonus Augendus, einer Machaus und Longinus »«ach Carrhago gekommen. So bald man erfahren, daß Novatianus Bischof worden, habe man die Abgeordneten zur Kirchengemeinschaft nicht gelaßen: man habe die nach Rom geschikten Collegen, Caledonium Und Fortunarum zurük erwartet, von denen man die Umstände näher erfahren kdnte: es wären unterdeßen (vermuhtlichvom Cornelio) ab- geschlkte, Pompeiuö undStephanus dazitgekom« men, und hatten fo klare Beweist der Wahrheit vorgebracht, daß es unnöhtig gewesen, die no- vatianifchen Abgeordneten langer zu hören. Diese Leute brächten allerlei Lästerungen vor und hätten verlanget, daß die Verbrechen (wahrscheinlich des Cornelii) welche sie erweisen wölken, mdgten untersuchet werden: man habe es vor unanständig gehalten, die Ehre eines erwehl- ten und geweiheten Collegen, den schon so viele davor erkannt, einer solchen Untersuchung zu unterwerfen: sie unterließen aber nicht, zu Car- thago sich eine Parthei zu machen, und giengen deswegen von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt: man suche dieses zu verhüten, und stelle den Leuten vor, daß es eine Sünde sey, die Kirche zu verlaßeu, und daß, wenn einer einmal durch das Zeugnis und Urtheil seiner Collegen und des Volks zum Bischof erwehlet worden, kein anderer mehr Bischof werden könne. In ln Theil. O ' einem Lio Von der novakianischen Spaltung. einem andern Brief, der auf Cornelii Bericht von seiner Wahl abgegangen, wird gemeldet, daß beyde Parrheien Cornelii und Novaliani, nach Carrhago Briefe gefchtkt, daß man aber nur des erstern Briefe der Gemeine dfentlich vorgelesen, des Novaliani aber, die mit heftigen Beschuldigungen wieder Cornelium und die, es mir ihm haltende, Geistliche angefüllet gewesen, verworfen: man halte es vor Lügen und Unwahrheit und vor nohtwendig, dergleichen Schriften zu umerdrüken. Daß man aber nicht sogleich Cornelio Glauben beigemeßen; sondern erst den Bericht der disseitigen Gefunden abgewartet, sey nichts treues. Seine eigne Nachricht würde alsdenn gnug gewesen seyn, wenn sich keine gegenseitige Parthei hervorgethan hätte, die durch ihre nachteilige Erzehlung die Getuschter irre mache. Der Bericht der Abgeordneten habe vielmehr ihm ein gutes Zeugnis in Ansehung der Sitten, des Lebens und Wandels und der Kirchenzucht ertheilet, wodurch man zn Carthago in dem, ihm, dem Cornelio, vortheil- haften Urtheil bestätiget worden. Aus . dem drittelt Brief lernen wir, daß Cyprian ein Ermahnungsschreiben an die, vom Novatiano und Novato verführten römischen Bekenner erlaßen; jedoch.dem Abgeordneten Mettio, den Befehl ertheilet, wegen der Uebergabe sich nach Cor- nelii Gutbefinden zu richten. Der vierte Brief ist eine Antwort auf ein iezt Verlornes Schreiben des Cornelii, darinnen er sich höflich beschrvehret: harte, daß die Aeltesten und Diakoni zu Adru-. meta von der irovatiattlfchcn Spaltung. 2 l r meta ihre Briefe nicht an Cornelium; sondern nur an die Aeltesten und Diakonos von Rom gerichtet. Aus dieser Antwort sehen wir, daß die afrikanische Bischdffe auf die erhaltene Nachricht von der römischen Spaltung auf einer Kir- chenversamlung beschloßen, sich aus keine Parthei zu schlagen bis die von Carthago abgesendete Abgeordnete, Calcdonius und Fortunatus zu- rükgekommen und entweder den Frieden hergestellet; oder doch die wahre Beschaffenheit des Vorfalles erfahren hätten. Da nun dieses ge- scheben, erlaße man iczt an alle zur afrikanischen Provinz gehörige Kirchen Briefe, daß man des Cornelu Wahl vor ächt und billig erkenne. Im fünften Brief bezeiget Cyprian feine Freude über die Ankunft des von Cornelio abgeschikten Akolythi,Nicephori und der durch ihn erhaltenen Nachricht, daß so viel Bekenner von Novatiani zu Cornelii Parthei übergetreten. Er redet vom Evaristo und Nikostraro, welche in Afrika ihren Anhang zu verbreiten suchten. Sobald Novatus von Rom abgereiset, wäre die Ruhe zum Theil durch die Rükkehr der Bekenner wieder hergestellet worden. Nachdem dieser Mann zu Carthago so viel Unruhe gestiftet, wäre er nach Rom geschiftet, die dortige Kirche zu zerstören und habe einen Theil des Volks von der Geistlichkeit abwendig gemacht und die Einigkeit der untereinander verbundenen und sich liebenden Bruder unterbrochen. Sein Verbrechen zu Rom sey größer; als das zu Carthago, hier habe er nur einen Diakonum; dort einen Bischof O 2 gemacht. 212 Von der novarianischen Spaltung. gemacht. Man gebe sich alle Mühe, die verführten Gemühler zurük zu bringen. Im sechsten Brief wird nur dem Cornelio zur Wiedervereinigung der Bekenner, des Maximi, Urbani, Swonii und Macarii Glük gewünschet. Der siebende ist desto merkwürdiger. Ein Bischof Antonianus hatte sich in Briefen an den Cy- prian erkläret, daß er es mit Cornelio halte; nackhero aber, da er durch des Novatiani Briefe wankend gemacht worden, erst angefraaet, was denn Novatianus vor eine Kezerei gelchret und was es damit vor eine Bewandnis habe, daß Cornelius die kirchliche Gemeinschaft mit dem Trophimo und den Thurificatis unterhalte. Hierauf erzehtet Cyprian, daß zur Zeit der Verfolgung er die Regel wegen der Gefallenen angenommen, daß man darüber zur Zeit der Ruhe einen gemeinschaftlichen Schlus machen müsse; wer aber vorhero mit den Gefallenen die kirchliche Gemeinschaft erhalte; solre selbst davon ausgeschloßen seyn. Dieses habe er nach Rom, wo eben der bischöfliche Stuhl erlediget gewesen, gemeldet. Dieses habe die römische Geistlichkeit durch ein Schreiben, das Novatianus selbst geschrieben und selbst vorgelesen hätte, gebilliget, daß man den Kranken bei Todesgefahr den Kir- chensrieden geben solle. Dieses römische Schreiben sey durch die ganze Welt tzeschiket worden. Nachdem die Verfolgung in Afrika aufgehdret, wären die Bischdffe zusammen gekommen und hätten nach reifer Ueberlegung wegen der Gefallenen ein Mittel getroffen, ihnen nicht durch gänz- Von der novatianischen Spaltung. 21 z liche Verweigerung der Aussöhnung mit der Kirche, den Weg zur Verzweifelung und heidnischen Leben zu erdfnen; aber auch nicht durch Unterlaßung der Kirchenzucht, ihnen die Wiederaufnahme gar zu leicht zu machen. Man habe beschloßen, ihnen eine längere Kirchenbuße aufzulegen, damit sie von den Umständen und Absichten desto bester sich unterrichten mögen. Eben diesen Schluß habe auch Cornelius auf einer römischen Kirchenversamlung genehmiget. Cornelius sey auf eine rechtmäßige Art zum Bischof erwehlet und von allen Biftböffen davor erkannt worden. Er habe alle Stufen der Kir- chenämrer durchgangen und sey vielmehr zu dem Amt gezwungen worden, als daß er andere gezwungen, ihn zum Bischof zu machen. Viele Bischdffe, die damals zu Rom anwesend gewesen, hätten der Wahl beigewohnet und dreRecht- mäßlgkeit in ihrem Briefen bezeuget. Er habe einen göttlichen Beruf und zwar durch das Zeugnis beinahe aller Geistlichen und des anwesenden Volks Wahl, aus dem Mittel alter und ehrlicher Priester, ehe noch sonst jemand an die Stelle des Fabiani gesezet worden. Cornelius habe sich auch in seinem Amt unter äußerster Lebensgefahr treu verhalten, daß man ihn unter die Märtyrer zu zehlen, Ursach habe. Die wieder ihn ausgesprengten Gerüchte wären Lügen, wie denn der Teufel allezeit redliche Knechte Gottes durch Lästerungen zu verunglimpfen suche. Die Africanischen Abgeordneten hätten die Beschuldigungen untersuchet und erfahren, daß Corne- O z lins 2 l 4 Von der novarian ischen Spaltung. lius an dem Verbrechen der Libellatiker keinen Antheil habe, auch mit keinem Bischof, derben Göttern geopfert, die kirchliche, Gemeinschaft unterhalten; sondern sich nur mit denen vereiniget, deren Unschuld erwiesen. Mir Trophimo verhalte sich die Sache anders; als vorgegeben würde. Trophimus, der sich mit einem grosen Theil des Volks bishero von der Kirche abgesondert, habe die Wiederaufnahme gesucht, habe Kirchenbuße gethan; seinen Fehler bereuet und sey so mit einer grosen Anzahl von Brudern wieder aufgenommen worden, die niemals zurükge- kchret waren, wenn man nicht Trophimum an» genommen hatte, und so habe man aus der Noht eine Tugend machen müßen. Doch habe man ihn nur zur Laiencommunion gelaßen. Daß Cornelius mit den groben Glaubensverleu- gncrn, die den Göttern geopfert, die Kuchenge- memschaft erhalten, sey falsch. Im achten Vries wird wieder des Novatiani gedacht, daß er fortfahre, die Spaltung zu unterhalten und zu verbreiten: er habe die Kirche verlaßen, sey eirr Feind der Barmherzigkeit, ein Mörder der Buße, ein Lehrer des Stolzes, ein Verfälscher der Wahrheit und Verderbet der Liebe. Aus den Verfolgungen, denen Cornelius und seine Freunde ausgesezt waren, könne er erkennen, wer der rechte Bischof, und welche die ächte Kirche sey. Der Teufel sey nur den wahren Kindern Gottes feiNd; hingegen greife er diejenigen nickt an, welcher schon durch die Spaltung in seinen Sinken habe. Wenn aber auch einer von die- Von der novatiamschen Spaltung. 215 ftn Leuten (Novatianern) leiden solte; so erhalte er doch außer der Gemeinschaft mit der wahren Kirche die Martyrerkrone nicht. Endlich fügen wir noch aus einem neunten Brief, der etwas spater an den B. Stephanum von Rom abgelaßen worden, diese Auszüge bey: es fty der B. Marcianus zu Arles auf die Seite der Novatianer getreteir lind vertheidige die ke- zerische Lehre, daß denen Knechten Gottes, die doch ihre Sünde bereuen und beklagen, und mit Thränen und Seufzen die Kirchengemeinschaft verlangen, aller Trost und Hülfe abgeschnitten und sie ohne alle Hofnung dem Wolf zum Raub und dem Teufel zur Beute werden müsten. Novatianus sey schon lang vor einen Feind der Kirche erkläret und man habe seinen Gesanden, welche gesucht, mit den Afrikanern eine kirchliche Vereinigung zu erhalten, im Nahmen einer Kir- chenversamlung die Antwort ertheilet, daß er schon außer der Kirche sey, und man mit keinem eine Gemeinschaft unterhalten könne, welcher, nachdem Cornelius rechtmäßig zum Bischof er- wehlet worden, einen Nebenaltar aufrichten und noch einen bischöflichen Stuhl aufstellen wolle. 2lnm. Die Briefe, aus denen diese Auszüge geliefert wor- den, sind nach unserer Ordnung unter Lyprians Briefen 1) XXXXI. p. 55. 2) der XXXXII. p. 56. z) der XXXXUl. p. ;8- 4) der XXXXV. p. 59. 5) der XXXXIX. p.6z. 6) der XXXXVII. p.6i. 7) dert.1l. x.66. 8) der 1.VII. p.94. und 9) der l.XVll. p. 115. III. Eusebius meldet, daß zur Zeit des B. Dionysii zu Alexandrien Novatus (Novatia- O 4 nus) 216 Von der novatianischen Spaltung.' nus) sich aus Stolz gegen die, so zur Zeit der Verfolgung aus Schwachheit gefallen, gesezet, als wenn ihnen, ihrer dfentlichen Buße ungeachtet, keine Hofnung der Seligkett mehr übrig sey, und eine eigne Secte gestiftet, die aus Hochmuht sich selbst die Reinen nenneten. Eine Kirchenversamlung zu Rom, welcher sechzig Bischdffe und noch mehr Aeltesten und Diakoni beigewohnet, habe den Schius gemacht, Nova- rus und seine Anhänger waren von der kirchlichen Gemeinschaft auszuschließen; der ins Unglük gefallenen Bruder habe man sich anzunehmen und sie durch dienliche Mittel zu heilen und zu pflegen. Man habe noch Briefe von Cornelio an den B. Fabium zu Antiochien, auch lateinische, welche Cyprian und die mit ihm m Afrika versamler gewesene Bischöffe abgelaßen, die eben diese Meinung, so wol wegen der Gefallenen; als wegen des Novati, äußerten. Hierauf liefert der Kirchengeschrchtsckreiber die oben mitgetheilte Auszüge aus Cernelii Brief. Nach einigen andern Erzehlungen bemerket er, daß Novatus (Novatianus) einen Brief an den B. Dwnysium von Alexandrien geschrieben und darinnen die Schuld seiner Trennung auf einige Brüder geschoben, die ihn wieder seinen Willen dazu genbhtiget. Dionysius habe ihn irr dem mitgetheilten Brief zur schleunigen Wiederkehr ermähnet. Endlich theilet er aus Dwnysii Brief an den B. Dionnsium von Rom diese Stelle mit: „wir verdammen billig den Nova- «tianum, welcher die Kirche gespalten und einige «Brüder Von der novarianischen Spaltung. 217 „Bruder zur Gottlosigkeit und Lästerung verführet. Er hat eine unheilige Lehre von Gott „aufgebracht, und lästert, daß unser gnädigster „Herr Jesus Christus unversöhnlich sey: über „dieses verachtet er die heilige Taufe und den „Glauben und das BekänmiS, so vor derselben „vorhergehet und jaget gleichsam den heiligen „Geist aus denen, von welchen man doch Hof- „nung hat, daß er entweder in ihnen noch sey; „oder doch m sie zurük kommen werde.,, Anm. Die erste Stelle stehet /-ör. VI. ki'stor. ecclell 4;. p. zoy. h. die zweite, ca^.4;. p.ZlZ. und die vrit« re ttür. Vll> cax. tz. x. zrg- IV. Pacianus, aus deßen Schrift aber hinreichend erhellet, daß er aus Cyprians Briefen seine Nachrichten gescböpfet, mithin diese unter die ersten Quellen unserer Historie nicht zu zehlen. Unterdeßen erzehlet er doch die Begebenheit in einem Zusammenhang, und zwar auf diese Art. Cornelius sey von sechzehen Bi- schdffen zum römischen Bischof erwehlet worden und habe einen offenen Stuhl eingenommen. Der Aelteste Novatus sey aus Afrika, nachdem er die oben aus Cyprians Briefen wiederhohlte Mßethaten begangen, nach Rom gekommen, um sich daselbst zu verbergen, weil der Tag herangekommen, da auf Verlangen vieler Bruder seine Sache untersuchet werden solte. Er suchet den Novananum, der über die Wahl des Cornelii, da er gehoft, sie werde auf ihn fallen, misverguügt war, und nebst einigelt seiner O 5 Gönner 2 l 8 Von der ndvatianischen Spalmng. Gönner nicht wüste, was er thun solle, anzutreiben, seine Zweifel zu heben, und ihm alle gute Hofnung zu machen. Er fände einige Be- kenner, bei denen er Cornelium wegen der aufgenommenen Gefallenen verhaßt machte und bringet von ihnen Briefe an Novatianum. Dieser läßt sich dadurch bewegen, obschon zu Rom ein Bischof war, dennoch den Nahmen eines andern Bischofs anzunehmen: den Cornelium der Kirchengemeinschaft mit den Gefallenen zu beschuldigen, und sich vor unschuldig auszugeben. 2lnni. epÄol. m. »ä 8^rnproll. -om. IV. der höllischen L. Kl. ?. x. z io. V. Socrates, der, wie wir unten bemerken wollen, zwar bei einigen im Verdacht einer überwiegenden Neigung gegen die novatianische Parthei ist; aber unstreitig hier zu hören, da es scheinet, daß er das, was er erzehlet, von No- vatianern selbst habe. Er bemerket: Novarus (Novalianus) Aelrester der römischen Kirche, habe deswegen die Spaltung verursachet, weil Cornelius die Christen, welche zur Zeit der Verfolgung des K. Decii den Gdzen geopfert, zur Kirchengemeinschaft gelaßen. Da er sich deswegen von Cornelio abgesondert, und von Bi- fchöffen die mit ihm eines Sinnes waren, zum Bischof geweihet worden, hat er allenthalben an die Kirchen geschrieben, daß sie diejenigen, welche den Gdzen geopfert, nicht solten zum KlLendmal laßen: sie solten sie zwar zur Buße ermah- Von dernovariamschen Spaltung, srg ermähnen; die Vergebung aber Gott überlasten, der das Recht md die Macht habe, grobe Verbrechen zu verüben. Diese seine Meinung, daß diejenigen, so räch der Tauft eine Todsünde begangen, nickt plren zum Gebrauch der Sacra- mente geiaßen verden, fände bei einigen Beifall; bei andern nich:. Und da auch Briefe von Cor- nelio kamen, )arinnen denen, welche nach der Taufe sündigtm, Vergebung versprochen wurde, so wurde de Uneinigkeit noch größer. 2lnm KMor. eoces. tr-r.IV. ca^.s8- k>. szo. der readin- giscven Ausgabe. VI. Thecdoretus berichtet, daß da man in Rom vor gut gefunden, den in der Verfolgung gefallenen Christen hülfreiche Hand zu leisten, sich der dasige Aelteste, NovatUs ( Nova- tianus) entgegen gesezet und ihnen alle Seligkeit abgesprochen. Die zn Rom versamleten Bi- schdffe hatten sich bemühet, ihn zur Aenderung seiner Meinung zu bewegen, da es aber vergebens gewesen, ihn aus der Kirche ausgeschlosten. Er sey hierauf, nachdem er einige Anhänger bekommen, nach Italien gereisct und hat drey Bi- schdffc kleiner Städte verführet, unter demVor- wand, daß sie vor ihn bet dem Bischof zu Rom eine Fürbitte einlegen sollen, und wie stein ein Dorf gekommen, sie gcndhtiget, ihm, wie bei der Bischofsweihung gewöhnlich, die Hände aufzulegen. Diese haben nach ihrer Ankunft zu Rom, das, was geschehen, mit Betrübnis bekannt gemacht. So hat er die Bischofsweihung gestoh- 220 Von der novarianischen Spaltung. gestohlen und eine Sekte gestiftet, die er selbst nicht allein Novatianer; sondern auch die Minen genennet. - - Wieder ihn haben Cornelius, Dionysius von Alerandrien und andere Blschdf- fe damaliger Zeit viel Briese geschrieben. Anm. i. Dieses rrzeblet Theodoretus sadulsr. hseretic. /rö»'. III. ca/,. 5. p. 228- to»», IV. 2lnm. 2 . Wir übergehen hier mit Fleis diejenigen Nachrichten, welche nicht so wol Novakianum; als die nachher» entstandene novarianische Partheten betreffen. §. ix. Bors zweite wollen wir nun versuchen, aus diesen Berichten die wahre Beschaffenheit dieser durch ihre Folgen wichtigen Begebenheit ans Licht zu bringen. Und zu diesem Zwek finden wir vor gut, theils unsere eigne Vorstellung von dem Zusammenhang des ganzen Verlaufs, wie wir ihn in diesen Berichten gegründet zu seyn glauben, unsern Lesern mitzutheilen. Die gross Menge derer, welche sich unter der Verfolgung des K. Decii zur Verleugnung des Glaubens verleiten laßen und ihren Fall bereiteten, mitbin wünschten, wieder in die gottesdienstliche Gesellschaft der Christen aufgenommen zu werden, veranlaßte die grose Gewißensfrage, wie mit denselben zu verfahren? Zu Rom war durch den Tod des B. Fabiani der bischöfliche Stuhl erdf- net. Die Geistlichkeit war unter sich getheilet. Einige hatten gelinde; andere strengere Grund- säze. Unter diesen war Novatianus ; unter jenen Cornelius, beyde Aeltcsten zu Rom. Nova- Von der novarianischen Spaltung. 221 Novatiano traten einige andere Bekenner bei, das rst solche Personen, welche, ohne den Glauben zu verleugnen zur Zeit der Verfolgung allerlei Lelbesstrafen standhaft ausgestanden, und dadurch stolz, ihre schwachgewordene Bruder mehrentheils verachteten und sehr hart gegen sie sich bezeigten. Von Carthago aus wurde nach Rom berichtet, daß man daselbst die Gefallenen annehmen werde, nach einer langen Kirchenbuße, und nur bei der äußersten Lebensgefahr, denen, so es verlangen würden, die Wiedervereinigung Mlt der Kirche angedeihen laßen. Zu Rom wurde dieses in einem Schreiben gebilliget, welches Novatianus abgefaßet. Es kam iezt zur Wahl. Es waren allerdings die beyden Partheien, der gelinden und strengen, auch hier getheilt. Novatianus erklärte sich feierlich, daß er die Bischofswürde nicht verlange. Cornelius wurde gcwehlet, nicht einmühtig, obgleich durch die mehresten Stimmen. Nicht allein Novatianus; sondern auch die Bekenner, und einige Aeltesten waren mit der Person des Cor- nelii nicht zu frieden, weil er der gelindem Par- thei anhieng. Sie scheinen sich so gleich von ihm gerrennet zu haben. Um dieseZeit warNo- vatus aus Earthago zu Rom. Dieser Mann war mit seinem Bischof, Cyprian, zerfallen und wüste vielleicht, daß dieser Cornelii Freund fty. Er betrog sich wenigstens nicht. Cornelius berichtete dem Cyprian seine Erhebung. Man hatte schon Nachricht, daß jener zu Rom keinen algemeinen Beifall habe, und getrauen er 2 Von der irovatianischen Spaltung'. sich nicht, so gleich vor ihn sich zu erklären; sondern schlkte vielmehr zwei afrikanische Bischöffe, den Caledonium und Forrunatum mir Briefen nach Rom, welche mchr an Cornelium als Bischof; sondern an die Geistlichkeit zu Rom und an die fremden Bischöffe, so bei der Wahl gegenwärtig gewesen, gerichtet waren. Cornelii Parthei berichtete nochmals, deßen Wahl sey richtig, und die afrikanischen so wol; als die beyden ihnen gefolgte römischen Abgeordneten, Stephanus und Pompeius bestätigten eben dieses. Hierauf wurde Cornelius erkannt. Zu Rom liefen die Sachen anders. Die Mlsver- g,rügten drangen auf eine neue Wahl und No- vatus uud Evaristus waren die geschäftigsten, den Novatianum zu bewegen, daß er sich zum Bischof verordnen lies. Weil nun wenigstens drei Bischöffe einem Neuerwehlren die Hände auflegen musten; so wurden drei solcher Lehrer aus einigen kleinen Städten von Jralicn,dazu geholet und mit List überredet es z.u thun. Und es geschahe zu einer ungewöhnlichen Zeit. No- vananus scheinet^ es nicht gern gethan zu haben; suchte aber nachgehende! sich zu behaupten. Er schikte überal Briefe hin, auch zweimal Gesunden nach Afrika. Ob nun gleich diese lezters bei Cypnan und seinen Anhängern kein Gehör fanden; so war es doch nicht ohne Wirkung.- Auch an andern Orten fände er Leute, die sein Misvergnügen über Cornelii Person und Betragen gegen die Gefallenen vor gegründet hielten. Unterdeßm hatte Cornelius zu Rom Don der novatianischen Spaltung. 22z eine Kirchenversamlung gehalten, welche die gelindem Grundsäze billigte. NovatianuS war auf derselben und wiedersprach, und wurde nut ftlnen Anhängem iu Kirchmbann gethan. Sein Anhang minderte sich, da viele von seinen Freunden lieber dem grosen Haufen folgten. Dieses wird wol die Gelegenheit gewesen seyn, daß er seine Anhänger bei dem Genus des heiligen Abendmals zu dem Versprechen gendhtiget, ihn nicht zu verlaßen. §. X. TheilS wollen wir nun einige, sich hier ausi sernde, Schwierigkeiten einzeln erörtern. Und da bemerken wir erstlich den Umstand der Zeit, bei welchem zweierlei gefraget wird. Einmal wird überhaupt gefraget, wenn diese Unruhen zu Rom entstanden? da denn zur Beantwortung folgende Grundsäze anzunehmen: r l. Es ist gewis nach dem Tod des B. Fa- I. e. biani geschehen, als welcher eben die Gelegenheit 250. zur zwiespältigen Bischofswahl gegeben. Anm. S- Tillemont memoir. tom. III. p. z6z. sg. und die in der Historie ver Päpste S. 159. angeführte Schriftsteller. II. Zwischen der Wahl des Eornelii und ftlbft der Weihung des Novatiani ist nur eine kurze Zeit verstoßen. Anm. Dieses «folget ganz natürlich aus dem, was wip oben aus Lyprians epiü. XU und XUI. mitgetheilet. S. Tillemonr v.aaz. und ^aroner v. 44. m. Dir L24 Von der novatianischen Spaltung. I. C. III. Die Wahl des Cornelii ist nach einer ^25». längernZeit seitdem Tod des Fabiani erfolget; als gemeiniglich geglaubet wird. Anm. Einige sezen diese Wahl den 4. Juki. 2ZÖ. andere beßer den 4. Jun. 2;i. Wir können hier die Gründe nicht ausführen, warum wir die leztere Rechnung vor richtiger halten. Man kan sie im Tillemonr p. 7z;. und Saysken 26:. 88. to»r. IV. sepc. p. iza. finden. .,52. IV. Und da Cornelii Tod erfolget, nachdem er wahrscheinlich nur ein Jahr, drey Monat und zehen Tage das Amt verwaltet, so wißen wir die tzeit, worinnen diese Unruhen vorgefallen, über« haups zu bestimmen. Anm. S- Su/sken x. 177. §. XI. Hernach wird über die Zeitfolge der einzelnen Begebenheiten ins besondere gestritten und zwar > I. ob Novatianus vor der Wahl. Cornelii; oder nachbero erst angefangen, der Parihei des Cornelii sich zu wiedersezen; oder füglicher, ob schon ehe man zur Wahl des Cornelii geschritten, in der römischen Kirche sich Uneinigkeit er- äugnet, welches denn vbn einigen vemeiyet, von andern aber bejahet; von noch andern füglicher so beantwortet wird'/ baß zwischen dem ersten Anfang und völligen Ausbruch der Trennung ein Unterschied gemacht und jener vor, dieserl nach der Wahl Cornelii gesezt wird. ,. . Anm. 1. Unter den verneinenden ist Tillemowt p. 7Z7. , unter den bejahenden' Pökrson Lünnt. c^prisn. «»». » Vor; der novarianisthen Spaltung. 22s eel.l. §. I. unter denen so den Mittelweg einschlagen, Maran vit. p. 8Z- Su/sken sLd. tsnäor. x. 4z. nachzulesen. Anm. 2 Eine von den vornehmsten Schwierigkeiten lieget darinnen, daß Cornelius in dem oben bemerkten Brief an den Fabium nicht undeutlich zu verstehen giebt, der Märtyrer Moses habe es mit dem Novation» gehalten; seine Unternehmungen aber noch vor seinem Tod gewisbilligct; dieser aber in den Anfang des I. 251. zu sezen. Die oben angeführte Vertheidiger der mittlern Meinung haben Recht, daß Cornelius nur von den geheimen ersten Bewegungen rede. Vrst in der äillerc. gua oUenäitur, cardoUcsm ecclelism tribus peioribus ieouiis capiralium criminum reis pseem et »bsolutionem nenticzusm eiene^aile, p. 2 Z 8 Zerschneidet diesen Zweifelskiioten mit dem Schwerd und glaubet, daß die Nachrichten von des Märtyrers Moses Verhalten gegen den Novarianum ein Zusaz einer fremden Hand ftp. H. Wenn Novatus aus Carthago nach Rom gekommen? Man kan hier nur das mit Gewiebelt behaupten, daß es geschehen, ehe Cornelius Bischof worden. 2 lnm. Diese Frage hanget eigentlich von der andern ab, ob Novatus der allererste Urheber der römischen Unru. hen gewesen? davon unten gehandelt werden sol. Die dieses behaupten, und doch den Moses im Jennerazr. sterben laßen, finden hier eine unüberwindliche Schwierigkeit; weil nach Lyprians Briefen Novatus noch im Merz zu Carthago gewesen; allein so bald das a«- genommen wird, was bei der vorhergehenden Frage behauptet worden, so verlieret stch diese Schwierigkeit. Man lese Suysken p. 157. sy. u. LarSner p.45. auch Maran ebendas. wo Pearsons und Duvalois Irtum wiederleget wird. III. Wenn dieKirchenversamlung vonCorr Mlio gehalten worden? Daß es geschehen, nach- n Theil. P dem 226 Von der novatiünischen Spaltung. dem die Spaltung völlig ausgebrochen, scheinet wol geww zu seyn. Allein es entstehet die Frage, ob vor; oder nach dieser Versamlung dieBe- kenner, so es mit Novakiano gehalten, deßen Parthei verläßet, ? Liim. l. Zu den Schriftstellern, die wir in der-Historie Ser Rirchenvers S- 102. angezeiget, ist sonderlich Suysken ebendas p. l6y.sgg. beizufügen. Don der angeführten Frage wird vom Tillemonr der erste und vo» Maran der zweite Theil bejahet, in deßen vic. prisni p. y2. nachzulesen. Anm. 2. Es tönten noch einige andere dergleichen chronologische Fragen berühret werden. Weil aber dabei keine Gewisheit zu erwarten; so begnüge» wir uns bei diesen wichtigen Umstanden, und fügen nur bei, theils daß Baronius in der ganzen Historie der Papste dieser Zeiten um 2 Jahr sich irre, die er später binaussezet, und von Pagi, Tillemont und andern zu recht gewiesen worden; theils daß alles übrige auf die chronologische Folge der cyprianiscben Briese, aus denen wir oben die Nachrichten mitgetheilet, beruhe. Es wird daher aus tNarans gedachtem Leben folgende Ordnung derselben zu bemerken styn. Es ist geschrieben worden im I. 2Zi. der Xll. »ach L^prians Zurükkunst, durch Primitiverm der Xl.II. u. XI. 1 II. ehe dieser zurükge- kommen: der Xl.V. u. XI^IX. nach derselben: und der XI^VII. 252. der l>II. im Anfang des Jahres. . der l-VII. in der Mitte des Maimonats. 254. derI.XVII. §. XII. Zweitens könuen wir nun auch die Be- schaffenheit des Ursprungs dieser Trennung gnauer bestimmen. Und da finden sich wiederum Von der novatianisthcn Spaltung. 22-7 um verschiedene Fragen zu beantworten. Einmal, wer ist der Urheber derselben? Wenn man den Cyprian allein hören wil und seine starke Ausdrüke im strengsten Verstand nimmer; so würdeNovatus von Carthago als die Person anzusehen seyn, welche das Feuer der Uneinigkeit zu Rom angezündet. Allein da Cornelius doch eine andere Person, mir Nahmen Evari- stus als Urheber der Spaltung angieber, und noch dazu wahrscheinlich ist, daß Novatus spater nach Rom gekommen; so haben verschiedene Gelehrte hierinnen einen Grund gesucher, dieses in Zweifel zu ziehen. Wir müßen ihnen hierinnen heitreren. Es ist höchstwahrscheinlich, daß der erste Ursprung des Streits über die Gefallenen älter; als die Ankunft des Novati, allein das scheinet auch sehr wahrscheinlich zu seyn, daß dieser unruhige Mann das Feuer unterhalten und mehr ausgebreitet und Novatianus es wol niemals zu dem Schritt, die bischöfliche Würde anzunehmen, würde haben kommen laßen, wenn mcht Novatus durch seinen geschäftigen Eifer ihn dazu verleitet hatte. Anm. Daß 27 ovar»s von Carthago der erste Urheber dieser Trennung sey, ist eine sehr gemeine Meinung. Vor sie streitet Lyprians Nachricht der es sehr klar saget. Unter den übrigen Schriftstellern kan man nur den -Hieronymum mit Gcrvisbeit angeben, der dieses ebenfals bezeuget äe viris illustrib. Man sezet zwar ihnen noch Augusrinum lle H«:re0 cax. z8- und Philaskrium lle llssref. cnz,. 82. p. 156. andre Seite. Allein da diese nicht so, wie Lyprian und Hie- ronymus den Novarum vorn Novariano unterscheide»; sondern den leztern Nahmen gar nicht brauchen; P 2 so 228 Von der novarianischen Spaltung. so bleibet es wenigstens zweifelhaft, ob sie von dem Ael- testen zu Karthago; oder dem römischen Lehrer reden, welches leztere wir nach dem, was oben U. II. gesaget worden, vor wahrscheinlicher halten. Dagegen streitet i) das Stillschweigen des Cornelii, der epill. 1 ^. den Novarum nennet; aber nicht von ihm saget, daß er der Haupturhebcr der Trennung gewesen; sondern 2) auedrüklich saget, Evarifttts sey suüor scliilmstis: z) das gänzliche Stillschweigen des Eusebii und der andern griechischen Schriftsteller und 4) die bemerkte Schwierigkeit wegen der Zeit seiner Ankunft zu Rom. Wir wollen nun eben nicht sagen . daß Lyprian aus einem übertriebenen Unwillen gegen Novarum die Unwahrheit geschrieben, wozu LarSncr p. 4; sgg. sehr geneigt zu seyn scheinet; sondern wir geben es zu, daß Lyprian die Sache wissen können; und glauben vielmehr, daß man beyde Nachrichten vereinigen könne. Und so stellet auch pacianus epill.III. sei 8vmpron. die Sache vor. Unter den neuern ist noch Mo'sl-eim Comment. äe red. ctiriüian. p. 517. zu lesen. §. xm. Hernach können wir die Frage leichter beantworten, ob der Streit über die Gefallenen zu der Trennung; oder diese zu dem erstern die Veranlaßung gegeben. Einige stellen die Sache so vor, daß bei Novatiano der pers önliche Neid gegen Cornelium der wahre Bcwegungsgrund der von dem ersten erregten Spaltung gewesen, und man nur zur Ursach und Schcingrund die Frage von den Gefallenen gebraucht. Allein aus dem, was wir bishero gesaget haben, folget das Gegentheil. Man sezet Hiebei voraus, daß Corneln Wahl ganz einmnhtig gewesen, welches doch gewiö gnug falsch ist, weil Cyprian und die afrikanischen Bischdffe im Anfang Bedenken getragen ihn vor einen zuverläßig rechtmäßigen Von der novatiamsthen Spaltung. 229 mäßigen Bischof zu erkennen, bis sie durch ihre eigne Abgeordneten die Sache untersuchen laßen. Es ist auch nicht glaublich, daß die Aellesten und Bekenner, so es mir Novatiano gehalten, sich so leicht von Cornelio haben abwendig machen laßen, wenn sie vorhero ihn gewahler harren. Anm Zu den oben angezeigten Schriftstellern ist noch hier Grsi beizufügen, in der angeführten äiL x. 2z6. §. XIV. Wenn wir dieses voraus sezen; so können nun endlich einige andere Fragen, die zu dem Ursprung des SrrettS gehören, ausgeworfen und untersuchet werden. Wir rechnen dahin, zum ersten, in Ansehung des Streits von den Gefallenen, was wegen der Gesinnungen des Nova- tiani und des Novati hier zweifelhaft ist. Es wird Hiebei voraus gesezet, was an einem andern Ort beßer untersuchet werden wird, daß beyde Männer in Beantwortung der Krage, ob die Gefallenen zur Kirchenbuse zuzulaßen, übertrieben streng gewesen. Und hier entstehet denn die Zweifelsfrage: haben beyde Männer beständig so gedacht; oder ihre Meinungen nach und nach geändert. Von dem Novato wird das leztere gemeiniglich so behauptet, daß man ihn beschuldiget, er sey von einer Gattung des übertriebenen bei dieser Streitfrage auf die andere gefallen. Der Schlus ist ganz richtig, wenn man erweisen könte, was doch immer voraus gesezet wird, daß er eben so des Felicißimi übertrieben gelinde Meinung von der Aufnahme ge- P z billiget; 2Z0 Von der novatianischen Spültungv billiget; als daß er sonst an deßen Unruhen zu Carthago Antheil genommen. Allein da ersteres keinen glaubwürdigen Zeugen vor sich hat; so ist es billiger, diese Sache im Zweifel zu laßen. Von Ndvatiano scheinet es gewißer zu seyn, daß er ehemals etwas; aber nur etwas weniger gelindere Grundsaze gehabt, als er nachhero geäußert. Allein ob er erst nach der Wahl des Cor- nelii strengere Gedanken angenommen, und wodurch er dazu bewogen worden, das sind Fragen, die wir wegen Maiigels historischer Nachrichten mit Gewisheit nicht beantworten können. 2 nm. i. Die gemeine Erzchlung, daß Novarns zu Car- thago übertriebe» gelinde und hingegen zu Rom übertrieben strenge von der Aufnahme der Gefallenen gedacht, hat Mosheim cbendas p-518-gründlich wie- derlegct. 2 nm. 2. Da Llovatiainr» wie oben gedacht, den XXXI. der c/prianistlici, Briefe abgefaßet; so kan nicht geleugnet werden, daß er damals gelinder gedacht, worauf auch Cyprian epist. I.II. p. 67. zielet. Man findet aber nicht, daß weder Cornelius; noch Cyprian ihm Schuld gegeben, daß er erst nach Lornclii Wahl angefangen , hart zu seyn. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, daß die stoische Philosophie einen grosen Antheil an dieser Gesinnung des Nooariani gehabt. C/- prian hat wenigstens selbst dieses gemuhkmaßct, und insbesondere den berufenen Lebrsaz der Stoiker, daß die Sünden einander gleich waren, zu den Quellen der no- vatianischen Lehre gerechnet, epist. I.II. p. 70. Außer den §. III. angeführten Schriftstellern kan Grsi eben, Sas k-2gz. verglichen werden. §- XV. Zum zweiten wollen wir insbesondere von Novatiant Hiebei geäußerten Characrer unsere Gedanken sagen. Mau leget ihm hiebet sonderlich Von der novatiamschen Spaltung, sz r lich zwei Fehler zrir Last. Einmal, jaget man, ist es ein Kennzeichen entweder emer grosen Bosheit; oder doch nicht geringen Leichtsinns, daß er sich vorhero so hoch verschworen, nicht Bischof zu werden und doch nachhero solche Würde angenommen. Hernach beschuldiget man ihn eines persönlichen Neids und Misgunstes gegen Cornelium. Allein wir glauben, daß man ihm Unrecht thue. Er hat nach Cornelii Bericht, nicht geschworen, nicht Bischof zu werden, sondern daß er es nickt verlange. Und das konte dieWahrheit seyn. Seine heftigsten Gegner müssen lhm das zum Ruhm nachsagen, daß er sich bei der Spaltung so geschäftig nicht erwiesen; als einige seiner Freunde, und daß er selbst nöhtig gehabt, von diesen ermähnet und angereizet zu werden. Daß er bei Cornelii Wahl gehoffet, sie solle auf ihn fallen, melden weder Cypriau; noch Cornelius- Wir sehen daher Nicht, warum Novatiani Versicherung, daß er von andern dazu gezwungen, beßer gendhtiget worden, so schlechterdings falsch seyn solle. Ob Nova- tianus eine persönliche Abneigung gegen Cornelium gehabt, ist ebenfals nicht erweislich. Wenn wir annehmen, daß Novatianus nach seiner Einsicht die Grundsäze des Cornelii vor irrig gehalten; so hat er nicht unrecht gehabt, über die Wahl einer Person misvergnügt zu seyn, welche in seinen Augen dem Wohl der Kirche so gefährlich war, und dieses that er noch dazu nicht allein; sondern auch andere und Leute von Verdiensten. P 4 2lnm. LZ2 Von der novatianischen Gpalmng. Anm. Der Umstand von Novariani eidlicher Perstche« rung ist aus Lornctii Brief qn Fabium klar. Daß er aus Nerv gehandelt, meldet allein Pacianus, welcher aber doch selbst gestehet, daß Novarus qrose Mühe gehabt, ihn zur Annahme der Bischofswürde zu bewegen. Die neuern folgen ihm. S. Aubespine oblerv. Iscr. ttö»-. II. cax. 20. p. lyZ. ^Ä.8.8. to/n.IV. tepr.p. IZ7- und Vveisman memorab. kistor. eccles. tom.I. k- 2ZZ. §. XVI. Zum dritten müßen wir doch auch etwas von Cornelio sagen. Es ist sehr billig, daß wir auch die Ursachen wißen, warum No- vatianus und seine Freunde über ihn misver- gnüget waren. Es ist aber dieses eine deswegen schwere Frage, weil wir nur die Freunde des Cornelii hören können. Umerdeßen wißen wir doch, daß dle Novatianev außer und in Rom wieder ihn allerlei Klagen erhoben. Ueber- Haupt beschwerten sie sich über Cornelii Gelin- digkeit gegen die Gefallenen. Mau hat Ursach zu glauben, daß Cornelius schon vor seiner Wahl solche geäußert. Nach der Erhebung folgte die Kirä-enversamlung zu Rom, auf welcher eben diejenigen Grundjaze gebilliget und bestätiget wurden, welche Novatianus verwarf. Der Erfolg muste seyn, daß viele Gefallene wieder aufgenommen und zum Abendmahl gelaßen wurden. Nun schrieen die Novatianer, Cornelius unterhielte die Kirchengemeiuschafl mit denen, die den Gdzen geopfert. Cyprian erkläret dieses vor eine Lästerung. Solte aber hier nicht eine Zweideutigkeit seyn? Uns scheinet vie Von der novariaiüschen Spaltung, szz die Sache richtig zu seyn; die Frage aber, ob Cornelius Recht thue, hatte Cyprian nicht sollen blos nach seiner Einsicht beurtheilen. Ins- besondere war der Fall mit dem Trophimo den Novatianerii sehr ärgerlich. Dieser Mann war keiner von den Bischdffen, die dem Novatiano die Hände aufgeleget; sondern ein Bischof, wenigstens Aeltester, der in der Verfolgung durch das gottesdicnstliche Räuchern die christliche Religion verleugnet und seine Gemeinde zum ähnlichen Fall verleitet. Auf seilt Bitten, nahm ihn Cornelius, nach vorhergegangener Kirchenbuse wieder an, doch so, daß er nicht mit den Nettesten; sondern mit den Laien das Abendmahl em- pfieng. Es tst gewis, daß Cornelius die sonst gewöhnliche Grundsaze übertreten und den No- vatianern Gelegenheit gab, ihn als einen Freund der Gefallenen auszuschreien. Anm. l. Daß die Novatianer über die von Corneliomit den Gefallenen unterhaltene Kirchengemeinschast gekla, get, lehren Lyprian epifi. LV. Socraces und ^Zierony- mus. Man findet noch andere, aber weniger deutliche Nachrichten in Lyprians epifi. XLIX. u. XI.V. Anm. 2. Die Historie von dem Trophimo wißen wir nur aus Lrprian epik. I.II. und LV. Daß er unter denen gewesen, welche den Göttern Weyrauch gcstreuek, erkennet Baronius, snnal. endet. an». LLl.IV. §. Yi. Duvalois not. in Luleb. p. zis. meinet zwar, daß dieser Trophimus einer von den Bischöffcn sey, die den Novatianum ordtniret; es hat ihm aber Tillemont tom. III. p. 740. wiedersprochen. Auch Loustant not. in epifi. Pont. p. IZ9- ist der gegenseitigen Meinung. Es ist gar nicht wahrscheinlich, daß unter denBischöf- fen, die Novatiano die Hände aufgeleget, ein Gefal- lrner gewesen. P s §. XVII. 2 Z4 Von der novartanischen Spaltung. H. XVH. Drittens wollen wir noch einige Umstände, die bei dieser Trennung zu bemerken sind, hier verbinden. I. Der erste Anhang desNovatianiinRom waren Bekenner, das ist, solche Leute, welche in der Verfolgung viel ausgestanden und dadurch mehrentheils zur stolzen Verachtung ihrer schwachgewordenen Bruder verleitet wurden. Wir wißen von ihnen wenig. Genennet werden Maximus, Aeltester, Nikostratus, Diakonus, Urbanus, Sidonius, Macarius. Man kan ihnen noch beifügen, diejenige»,, welche Novatiano beständig angehangen. Eyprian erlies an sie ein besonderes Ermahnungsschreiben , sich mit Cornelit Parthei zu vereinigen. Ob dieses; oder eine andere Ursach sie dazu bewogen, wißen wir nicht. Das ist gewis, daß Maximus, Urbanus, Sidonius, Macarius und Eelerinus mit mehreren es gethan und mit Beibehaltung ihrer Würde wieder aufgenommen worden. Sie meldeten es in einem eignen Schreiben dem Cyprian und erhielten davor einen Glükwunsch. Anm, i. Außer dem, was wir oben aus Lyprians epik. Xl.Vl- XI. VII. und Lornelii Schreiben an Dionysium schon beigebracht, gehöret hieher von den Briefen des Lyprians, der Xl.IV. p. ;8- darinnen er die Bekenner ermähnet: der l.. p. 64 darinnen die Bekenner dem Ly- prian ihre Vereinigung melden, und der i.I. p.6; desselben Glükwünschungsschreiben. Aus Eusebii ll. L. VI. cax. 46. p. 919 sehen wir/ daß Dionysius eben- fals so wol Ermahnungs; als Glükwünschungsschreiben an sie ergehen laßen. Amn. Von der novatianischen Spaltung. 2Z y Anm. 2. Da unter den von riovatiano nach Carthago abgefertigten Gesandcn sich nuch ein Maximus findet, der zu Carthago „ooarianiscker Bischof worden, nach epifi. I>IX. so fraget fichs, ob zwei Marimi unter den ersten Anhängern des Nonakiani gewesen, welches zwar von Balurcn not. in L^prum. epist. p. gzo. verneinet, von Duvalois aber not. in Lnleb. p. zn.u. z l6 bcßcr bejahet wird. S- Rock cie Ie§ac. eocles. k 67. Anm. z. Eine ähnliche Frage betrift den Lelerinnm, die aber noch unerheblicher vor uns ist, da ohnehin kein Zweifel ist, daß mehrere Personen einerlei solche Nahmen gcsübret. Tillemonm Muhtmaßung, daß Ma- cariug und Lclccinus eine Person sey, tom.IU. x.726. ist unwahrscheinlich. II. Volt der vorgenommenen Bischofsweihe des Novatiani durch drey andere Btsckdffe ist Cornelii Bericht wahrscheinlicher; als Theo- dorets, was Novatiani eigne Unternehmungen und den Umstand betrift, daß nicht einer; sondern alle drey sich zu Cornelii Parthei geschlagen. Da die zuverlaßigen Quellen ihre Nahmen verschweigen, und die in den unächten angegeben werden, keinen Glauben verdienen; so ist es unsicher, sie zu errahten. Anm. Die unächte Quelle, in welcher Marcellug, Alexander von Aquileja und Agamemnon von Tivolt ge- nenuct werden, ist eine Stelle des Eulogii beim Pho<- tio bibliotk. raxr. 280. Duvalois not. in lautet,, p. z>2. muhtmaßet, daß Trophimus und Evariftus darunter gewesen. Von dem ersten ist es gewis falsch; von dem andern sehr unwahrscheinlich. S. Suysken sät. sankt, tom. IV. sept. p. i6l. m. Cornelius und Novatianus sind beyde sehr geschäftig gewesen, andern Kirchen ihre Wahl az6 Von der novariamschen Spaltung. Wahl bekannt zu machen, und selbige auf ihre Parthei zu ziehen, worinnen dem erstern Cy- prian bergestanden. Beyde haben auch wenigstens nach Carthago Gesandschaften abgehen laßen. Von Novatiano ist es zweimal geschehen. Zur ersten sind der Aelteste Maximus, der Diakonus Augendus Machaus und Lon- gimus; zur zweiten Nikostratus, Novatus, Evaristus, Primus und Dionysius gebraucht worden. Anm. Da dieses alles aus Lornelii, Lyprigns, Eusebii und anderer mitgetheilten Berichten klar ist; so sezen wir nur hierzu i) daß Cornelius wenigstens einen Theil der Briefe griechisch geschrieben, wie Duvalois not. in Luieb. 9. z io. und Cousrant not. in epill. vontif. 9. 144. wol erinnern: daß Llovarianu« seine Triefe im Nahmen der Bekennn, abgelaßen. Ob die Klage, daß er hier ihren Nahmen gemisbrauchet, wie sie, nach Lornelii Zeugnis epik. L^prisn. XI^VI. vorgegeben, gegründet, ist eine zweifelhafte Frage: 2) daß von bey- derseitigen Gesandschaften Roch» Tr. äe Ie§st. ecclef. 9.6z. zu vergleichen. IV. Nichts istgewißer; als daß diese Briefe des Novatiam nicht ohne Wirkung gewesen. Was deswegen in Afrika vorgegangen, haben wir schon hinreichend bemerket. Wir sezen nur bei, daß Cyprians Eifer nicht verhindern können, daß nicht mehrere Kirchen sich daselbst ge- rrennet und diejenigen, welche Novatiam Par- thei hielten, ihre eigne Bischdffe verordnet. Anm. So wißen wir, daß Nikostrarus einer solchen no- varianischen Gemeinde an einem unbekannten Ort in Afrika und Maximus einer andern zu Karthago vor» gesezet worden. S. Cyprians epik. l.V. 9.7z. und Tillemonr tom.M. 9 458- Ob der B. Antonianusan den Von der novarianischen Spaltung. 2z- denLyprian ep.UI. geschrieben, ihnen beygetreten, ist noch zweifelhaft. S. 8.8. tanr. IV. lext. x. t 72. V. Besonders haben wir hier die Berichte des Eusebii von den morgenländischen Unruhen nachzuhohlen. Aus denen ist wahrscheinlich, daß der B. Fabius zu Antiochien sehr geneigt gewesen, dem Novariano beizutreten, und deswegen nicht allein Cornelius Briefe an ihn ergehen laßen; sondern auch Dionysius vonAle- pandriensich viele Mühe gegeben, ihn auf andere Gedanken zu bringen. Allein dem ungeachtet blieb die novatianische Parthei daselbst stark, so daß man zu Antiochien deswegen eine Kir- chenversamlung halten wollen. Die Bischöffe Helenus, zu Tarsus, Firmilian in Kappado- cien und Theoctistus in Palästina ersuchten den Dionysiuni, derselben beizuwohnen. Sie scheinet aber durch Fabii Tod unterbrochen worden zu seyn. Wenigstens wißen wir nichts davon. Erst dem Nachfolger des Cornelii, Stephan, meldet Dionysius, daß die Kirchen, die es mit Novatiano gehalten, sich wieder mit den andern vereiniget. Es erweiset aber der Erfolg, daß dieser Friede nicht algemein gewesen. Anm S- Eusebium diiior. cooles. /rL^. VI. cax. 4Z- 46. /rö»-.VII. ca/?. 12 Tillemonr ebendas.p. 162. Ob wirklich ein Concilium zu Antiochien gehalten worden, f. 8. 8. tonr. IV. sepr. p. 172. und (Drsi in der 6ili. P.24Y. und die in der-Histor. Sex Lirchenvers. S- roz. angezeigte Schriften. VI. Daß auch in Gallien Novatianus Anhänger gefunden, lehret das Beispiel des B. Mar- 2Z8 Von der novarianischen Spalmng. Marciani von Arles, der gleich im Anfang dieser Parthei beigetreten zu seyn scheinet. Anm. Was wir von dieser Sache wißm, meldet L)-prian epiü.^XVII.P. 115. Die hier vcrkcmmendeStreitfragen betreffen eigentlich das Verhalttn des P. Skcphani in dieser Angelegenheit, ob aus demselben eine von den Galliern anerkannte Obcrherschaft herzuleiten, und ist von unserm Zwek zu weit entfernet. Man lese die von «ns in der -Historie Ser Päpste S. 6z. u. f. angeführte Schriftsteller. §. XVIII. Wir können diesen Theil unserer novatia- Nischen Geschichte nicht schließen, ohne vorhero von dieser römischen Trennung einige Betrachtungen mitzutheilen. Man kan als ganz ausgemacht ansehen, daß die meisten Urtheile der neuern Schriftsteller dahin gehen, daß Novatianus hier ganz Unrecht gehabt; wir finden aber, daß eben diese Urtheile nicht gnau gnug bestimmt werden. In der römischen Kirche sind Cornelius und Cyprian beyde Heilige und in den Verzeichnissen der römischen Papste hat von den ältesten Zeiten nicht der Nahme Novatiani; sondern Corneltt gestanden. Dieses ist gnug, einen derselben beipflichtenden Schriftsteller zu bewegen, Novatianum schlechthin zu verdammen. Wenn wir aber uns von solchen Vorurtheilen losmachen, und die Sache unpartheiisch prüfen, so müßen allerdings Bedenklichkeiten entstehen. Wir glauben, daß man bei der Beurtheilung weder das voraus sezen müße, daß Cornelius rechtmäßiger Bischof sey, denn hernach lst der Schlus Von der novarianischen Spaltung. 2Z9 Schlus leicht; noch die jungem Kirchengeseze zur Regel machen. Uns kommt es vor, daß der Theil, welcher über Cornelii Wahl misvergiiü- ger war, nicht ganz ohne Grund gewesen. Was sie von der Strenge gegen die Gefallenen dachten , war ihnen nicht eigen, und handelten sie nach einem irrenden Gewißen, so handelten sie doch in so fern gewißenhaft, daß sie eine Wahl inisbtlligten, welche nach ihrer Einsicht der Kirche gefährlich seyn muste. Es scheinen auch sonst Fehler dabei vorgefallen zu seyn, welche wenigstens den Cyprian bewogen, nicht so gleich Cornelium vor den rechtmäßigen Bischof zu erkennen und wenn es so ganz klar gewesen wäre, so würde Novatianus wol schwerlich an so vielen Orten Anhang gefunden haben. Novatianus hat in unsern Augen darinnen am meisten gefehlet, daß er sich von seiner Parthei zum -Bischof weihen laßen, und seine Entschuldigung, daß er dazu gezwungen worden, ist zwar nicht ganz ungegründet; aber doch auch nicht hinreichend, ihn von allen Fehlern freizusprechen. Man tadelt an seiner Ordination insbesondere folgendes, einmal, daß sie nicht ohne vorhergegangene Wahl geschehen. Allein seine Anhänger haben ihn gewehlet; ob sie aber ein Reckt dazu gehabt, ist eine Frage, die von den übrigen abhänget: hernach, daß die drei Biscköffe dazu hinterlistig verleitet und gendhtiget worden; ferner, daß sie geschehen, nachdem schon Cornelius gewehlet worden. Dieses ist der Hauptfehler, nicht aus der Ursach, daß man Mißvergnügten 242 Von der novatianischen Spaltung. tenzumuhten solle, CorneliiWahl vor recht« mäßig zu erkennen; sondern sie hätten einen andern Weg einschlagen sollen; als zu Rom zwei Gemeinen zu errichten. Aus dem allen folget, deyde haben gefehlet, und der Eifer, womit sich beyde Bischdffe zu behaupten gesuchet, ist ihrem Amt und Charakter nicht anständig, besonders misfallen uns die Heftigkeiten in den Handlungen und Ausdrüken, die aus Cornelii und Cyr prians Briefen überall hervorleuchten. Anm. l. Es ist hier Bingbcms äiitertsUo, «lemonkran» ex csnoüe oödsvo conciln vierem, dlovatianum kse- reticum uunguam veri nomlnis epilcopum in a>Ia ec- clelise catkolicLe parte fuiU'e creäiturn, zu vergleichen. Sie stehet in den äiü'ertation.bus gustuor p. Z4Z sg. ist aber nach den heftigern Episcopalgrundsaze» des Der« faßcrs eingerichtet. Anm. 2 . Von der bishero erläuterten Geschichte der Trennung zu Rom sind noch die Schriftsteller der Historie der römischen Papste zu vergleichen, unter denen wir nur den Bower TH.I. S. 88- «- f- nennen. §. XIX. Wir kommen nun zum dritten Stük unserer Abhandlung, in welcher wir von der durch die römische Trennung entstandnen novatiani- scheu Parthei reden wollen. Es ist theils aus dem, was wir bishero erzehlet haben, klar gnug, theils wird es durch den Verfolg noch mehr bestätiget werden, daß diese Uneinigkeit in Rom nicht eingeschloßen gewesen; sondern sich in ver- schiedne Provinzien verbreitet. Auch m andern Städten theilten sich die Gemeinden. Ein Haufe erkann- Von her novatranischen Spaltung. 241 erkannten Cornelium und deßen Nachfolger vor rechtmäßige Bsichöffe; andere denNovana- num. Jeder Haufe hatte feinen eignen Blfchof. Man kan leicht erachten, daß die blofe Frage: wer von den beyden römischen Lehrern der rechtmäßige Bischof daselbst sey? bei allen, zumal in Afrika erwiesenen, übertriebenen Eifer vor die Einheit der Kirche, entweder keine so ausgebreitete Trennung vorhin in Einigkeit lebender Gemeinden erregen; oder doch nicht durch Jahrhunderte unterhalten können, da zu vermuhten gewesen wäre, daß wenigstens der Tod des Cor: nelii; oder des Novatiani diesen Bewegungen ein Ende gemacht haben würde. Und so ist es auch in der That. Der wechselweise Widerspruch gegen einander hatte nunmehro, da von der novatianischen Parthei die Rede ist, andere Gegenstände. Die einander meidende Hansen musten doch eine Ursach angeben, warum sie mit einander die kirchliche Gemeinschaft nicht fortse- zen; oder nicht erneuern wolten. Und diese Ursach muste in der Verschiedenheit der Lehrsäze liegen. Da nun wirklich dieses geschehen, daß sich beyde Theile einander Jrtümer in der Dog- matik; oder Moral Schuld gegeben; so wollen wir hier zu erst von den zwischen den Nova- tianern und ihren Gegnern strittigen Lehrsa- zen handeln; hernach der ersten angenehme und unangenehme Sckiksaale erzehlen. Nur vorher merken wir noch an, daß diese Par- chei verschiedene Nahmen gesühret. Unter diesen sind die Nahmen , Novatianer und 11 Theil. Q die 242 Von der novütiernischen Spaltung. die Reinen am bekanntesten und gewöhnlichsten. Anm. Don den' Nahmen der novatianifthen Parthei merken wir hier an i) daß sie von dem Urheber derselben Novatianer heißen. Der Nahme dlovstisni ist bei den lateinischen und griechischen Schriftstellern so gewöhnlich, daß wir keine Zeugniße nöhtig haben. Außerordentlich hat Lrprian ep. DXIII. p. 128- welche Stelle Augusiinus 6e bsptlllno contra Donstill. kör. III. csx. 12. anführet, sie Xovstisnense8 genennet, so richtiger ist, wenn man annimt, daß ihr Stifter nicht No- vatianus; sondern Novarus geheißen, wieschonAu- gusiinus contra Lrelcon. kör. II. ca/i. i. § 2. bemerket. Daß sie sich selbst diesen Nahmen gegeben, läßet sich aus der Stelle des, dem L) prian fälschlich beigelegten Buchs »6vers. Xovat. p. 12. sich. oper. L^pr. nicht beweisen, ob es gleich wahrscheinlich, daß sie diesen Nahmen nicht ausgeschlagen, ohne deswegen den Lhristennahmen zu verachten. 2) den Nahmen der Reinen haben sie nur im griechischen geführet, wie -Hieronymus 6e viris illullr. ca/>. 70. nicht undeutlich zu verstehen giebt. Daß Novananus ihn selbst erfunden, meldet zwar Theodoretus tiaeretic. iabular. kör. III. cax. 5. allein es ist unwahrscheinlich, da weder Ly- prian; noch Cornelius ihm dieses Schuld gegeben. Viel richtiger ist, daß die Novatianer ihn selbst sich beigeleget, um aus einem geistlichen Hochmuht die Vorzüge ihrer Parthei vor den andern Kirchen, welche Gefallene unter sich dultcren, anzuzeigen. S- Ensebium hillor. eccles. Kör. VI. cax. gz. Augusrinum 6e hosre- 1 ibu 8 z8- Epiphanium HZsres. D 1 X. 6. Eulo- gium bet dein Phons co6. 280. Die Lateiner übersezen es durch Munäi. S- außer dem Augustino u. Hiero- N)tmo, denAmbrosimn 6s posnit. kör. III. cax. Z to»r, II. oxer. p. zyo. der Benesicnncr Ausgabe. S. Labri- cium not. in Hieron^m. p. iz8- bibliotk. eccles. z) Aus Epiphanio tom. 1 I Oper. p. 18. lernen wir, daß sie zu Rom KIonren1e8 genennet worden. dNosheim comment. p. ;co. muhtmaßet, mittelst einer unten zu prüfenden Derbeßerung einer Stelle des Lyprians, daß dieser Nahme voo einer zu Carthagd auf einem Berg gele- Von der novatianischen Spaltung. 24z gelegenen Kirche, welcher Novarns vorgestanden, herzuleiten. Wir halten es vor wahrscheinlicher, daß man dlcNovaciancrmidMontanisten gern vermenget, wovon unten ein Grund angegeben werden sol. Es wird dieses dadurch bestätiget, daß in den spätern Zeiten die Don.rtisien, ebcnfals INuntenles, und INontamsta: ge- nennct worden. Es ist auch zwischen den Montanisten, Novarianecn und Donalisten so viel Aehnlichkeit der Grurdsäze von der Kirchcnzucht, daß es gar wohl begreiflich ist, wie man die neuer» Partheicik durch Beilegung der Nahmen der altern verhaft zu machen gesucht. 4) Tillemonr to,». III. p. 478. jezl noch bei, daß sie auch das Gols und die Linken geiiennet worden. Das leztere ist sehr zweifelhaft und das erstere gewis falsch. Man lese in dem schon angezogenen Buch contra I^ovacian. 0.8-selbst nach, so wird man finden, daß die Rede von keinem Partheinahmen; sondern von einem sich angemaßten Lovspruch die Rede ftp. §. XX. Wenn wir denn erstlich von den Unterschei- dungslchren der novatianischm Parthei reden wollen; jo ist es billig, das wahre von dem falschen : das gewiße von dem ungewißen zu unterscheiden. Und da bemerken wir einmal, daß überhaupt den Novatianern in Ansehung ihrer Remigkett in der Lehre gute Zeugniße ertheilet worden. Mai: siehet dieses nicht allein aus dem Stillschweigen ihrer Gegner von erheblichen Grundirtnmern; sondern auch aus demBekant- nis derselben, daß die Novatianer in der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit rechtglältbig gewesen. Anm. Man stehet das leztere theils aus dem Zeugnis des Lyprians epist. I.XIX. p. i;z. theils aus des novatia- nischen Bischofs Akesii Genehmigung des nicänischen Glaubensvrkantnißes beym Sokrare kistor. eccles. hör. Q 2 l- oa/. 2,>4 Von der novarianischen Spaltung. I. cax. 10. p. z8 aus des B Arrici Zeugnis, ebendas. /r-»-. VII- ca/>. 25. und Philastrii «ie keei-ef. cax. 8Z. theils aus dem, was unten von dem Urtheil der Concilien über der Novatianer Taufe gemeldet werden sol. Man kan dieses durch die Zweifel nicht umstoßen, welche wegen des, in Novatiani Buch 6e trirnt»te enthaltenen Lchrbcgriss gemacht werden, wovon wir oben §. IV. geredet. Denn es ist gar nicht ausgemacht, daß die NSvatianer unter sich diesem Buch einen vorzüglich groftn Wehrt beigeleget; oder sich darauf berufen. Zu den daselbst angezeigten Schriftstellern ist noch Hr. D. Semler beizufügen, der in der, dem zweiten Theil der Banmgarlenschen Polemik vorgesezken Einleitung §. 68- S- 2gi. diese Frage untersuchet, und auch erinnert, daß Naralis Alexanocr eine eigne Abhandlung dieses Inhalts seiner Lirchenhistorie eingerükt. H. XXI. Hernach bemerken wir, daß die Hauptklage wieder die Novatianer und nachhero das wichtigste Unterscheidungsmerkmal derselben in ihrem Betragen gegen öfentliche Sünder, besonders die Gefallenen zu suchen. Es ist aber die Frage: worinnen diese Verschiedenheit bestanden? nach allen ihren Bestimmungen zu beantworten, so leicht nicht und wir wollen daher wiederum, um desto unpartheiischer zu seyn, vors erste die davon überlieferte Nachrichten der alten samlen und mit denen anfangen, welche dieser Parthei beigethan gewesen. I. Novatianus selbst ist billig zu erst zu hören. Sokrares versichert, daß er in seinen an die fremden Kirchen erlaßenen Schreiben ermähnet, „daß sie diejenigen, welche den Gdzen geopfert, nicht sotten zum Abendmahl laßen; sondern Von der novarianifchen Spaltung. 245 „dem sie nur zur Buße ermähnen; die Bergs» „bung aber Gott überlaßen, der Macht und „Recht hatte Sünde zu vergeben.,, Anm. Liüor. ecciet. //->'. IV. 2Z. P. 249. II. Akesius, einmovatianifcher Bischof zu Constaiuinopel, hat auf die Frage des Constan- tins des Grosen, warum er bei dem Beifall gegen das nicanische Glaubensbekenntnis, dennoch von der Kirchen sich absondere, diese strenge Regel vertheidiget, „daß diejenigen, welche nach „der heiligen Tauft m solche Sünden verfallen, „fo die heilige Schrift vor Todsünden erkläre, „zum Genus des heiligen Abendmahls nicht zu „zulaßen; man müße sie zur Buße ermähnen; „die Hofnung aber ihrer Vergebung kdnten sie „nicht von den Priestern; sondern von Gott erwarten, welcher Macht und Recht habe die „Sünden zu vergeben.,, Anm. Bei ebenvemselben, cax. 10. p.z8. III. Asklepiades, ebenfals ein novatiani- scher Bischof, hat auf des B. Attici zu Con- stantinopel gethane Erklärung: „ich lobe den „Novatum, daß er mit denen, welche den Gö- „zen geopfert, keine Gemeinschaft unterhalten „wollen; denn das würde ich auch selbst gethan „haben; aber die Novatianer kan ich nicht loben, „daß sie auch die Laien wegen geringerer Fehler „von derselben ausschließen,, diese Antwort gegeben: „es giebt außer dem Gözenopfer nach „der heiligen Schrift noch mehrere Todsünden, Q z „um 246 Von der novariünischen Spaltung. „um derentwillen ihr nur die gottesdienstlicken „Personen; wir aber auch die Laien ausschlies. „sen, und die Vergebung Gott allem vorbehalten. „ Anm. Ebenfals bei dem Sokrate /r'L»-. VII. cax. 25 p. 374. §. XXII. Unter den Gegnern des Novatiani wollen wir vornemlich folgende hören. I. Cyprian, der recht vorzüglich Gelegenheit hatte, von Novatiani Meinung Nachricht -u geben, da ihn der B. Antoniaiius fragte, was vor eine Kezerci Novatianns lehre? Aus der Antwort, in der eben Ordnung und Deutlichkeit nicht herrschen, siehet man so viel, daß Cy- prian zugicbr, Novatiani Gedanken von dem Betragen gegen die Gefallenen seyen weder neu; noch unerträglich, wenn nur nicht damit die Trennung verbunden wäre. Nach seiner Vorstellung hat Novatianns nur die Gefallene; nicht aber andere dfentlrche Sünder, namentlich nicht Hurer und Ehebrecher, von seiner Gemeinschaft gänzlich ausgeschloßen. Er bestätiget, daß Novatianns die Gefallenen zu einer rechtschaffenen Buße und ernstlichen Reue ermähnet; dabei aber auch ihnen alle Aufnahme in die Kirche versaget und sie also außer der Kirche sterben laßen. An einem andern Ort, saget Cyprian, Novatianns habe die Kirche verlaßen: sey ein Feind der Barmherzigkeit, ein Mörder der Bu- Von der novatianischen Spaltung. 247 ße: ein Lehrer des Stolzes, ein Verfälscher der Wahrheit und ein Verderber der Liebe. Anm. i) epill. t-II. P. 72. 54 2) exik. I.VII. P-YZ. II. Dionysius von Alerandrien saget, No- vatianus stelle den gütigsten Heiland als unver- sdnlich vor. Anm. Die ganze Stelle ist aus dem Ensehio VII. cap. 8- ?- Z28- oben §. VIII. Num. III. mitgetheilet worden. III. Der Verfaßer des Buchs wieder No- vatianum, giebt uns folgende Nachrichten: Novatianus benehme den Gefallenen die Hof- nung des Heils: schlage ihnen die Barmherzigkeit des Vaters ab und verwerfe die Buße der Bruder. Die Novarianer verlangen, daß die Glaubensverleugner nicht zur Buße zu laßen, weil Christus gesaget: wer mich verleugnet vor den Menschen, u. s.w. Ob gleich Novatianus ehemals selbst gelehret, daß grobe muhtwillige Sünden tönten durch die Beßerung der Sünder vergehen werden; so leugne er doch iezr, daß die Gefallenen anzunehmen, die durch die Gewalt dazu verleitet worden. Anm. S- den Anhang zu Lyprians Werken p.7. n. i;> Vergleiche LarSner creäibilit^ ok ttie 6.H. II. V0/.4. p. 87 r . IM- IV. Pacianus saget überhaupt, Novatianus schneide den Brüdern den Weg zum Heil durch eine unerbittliche Religion ab. Insbesondere aber erzehlet er folgende Säze, welche Q 4 der L48 Von der novarianifthm Spaltung. der Novatianer Sympronianus in einem eignem Aufsaz zu vertheidigen gesucht: nach der Tauft habe keine Buße statt: die Kirche habe keine Macht, Todsünden zu vergeben: ja sie gehe selbst durch die Aufnahme der Sünder verloren. Er führet die Beweise dcßelben an, die aus den Lobsprüchen und erhabenen Beschreibungen der Kirche Christi in der Schrift hergenommen sind. Er hat behauptet, daß die Kirche dadurch, daß sie die Gefallene aufgenommen, allen Schmuk verloren und aufgchdrer, Christi Kirche zu seyn: die Bistbdffe hätten kein Recht, dergleichen Sünden zu vergeben, weil Christus säge, wer mich verleugnet, u. s. w. Die Taufe würde vergeblich seyn, wenn die Buße vor die Sünde hinreiche: man veranlaße dadurch Sünden, daß man die Sünden vergebe: die Verheißung Christi: was ihr auf Erden binden werdet, u. s. w. gehe auf die Katechumcnen: das beweisen auch die Worte Christi von der Sünde wieder den heiligen Geist: ferner Paulli Befehl, den Bösen von sich zu thuen. 2lnm. exiü. II. p. zcy. u. epik p. zog - z 14. V. AmbroslUs, da er sehr weitlauftig die Buße der Gefallenen und ihre Wiederaufnahme vertheidiget, ist sehr unbestimmt, wenn er die eigentliche Meinung der Novatianer vortraget. Darinnen stimmt er mit den andern überein, daß sie die Buße aufgeleget; aber nicht aufgehoben, das ist, die Sünder zur Buße ermähnet; ihnen aber keine Vergebung zugestanden. Allein darinnen Von der novarianischen Spaltung. 249 innen ist er mit sich und andern uneinig, wie weit sie hierinnen gegangen. Einmal saget er, daß siehierinnen nach dem Grundsaz, alle Sünden sind einander gleich, handelten, und an einem andern Ort, daß sie auch die, so geringere Sünden begangen, mit solcher Hurtigkeit abwiesen, daß sie dadurch solche in Verzweifelung ftürzeten. Und doch saget er, daß zwar die Novatianer, nicht aber Novatianns zwischen den grdbern und geringern Sünden einen Unterschied gemacht und wegen der leztern Vergebung zugestanden. No- varianus habe allen die Vergebung abgeschlagen. Anm. Die erste Stelle ist /ibr.I. äe p«mit. l. §.4. tom. II. oper. p. ZyO. die zweite ebenSas §.2. die dritte /st?»'. II. cqo. 5. p. 422. die vierte /st?»-. 111 . ca/». z. k- 49 Z- §. xxm. Diesen wollen wir noch einige andere beifügen , die wir iezt blos als Geschichtschreiber betrachten wollen. I. Eusebius meldet daß Novatianus denen, welche zur Zeit der Verfolgung gefallen, alle Hofnung zur Seligkeit abgesprochen. Anm. st-»-. VI. Kisten-. cax. 4z. S- oben § VIII. L 7 um. III. Ebendas. ist Nnm. V. auch das, was Sokrares berietet, schon mitgetheilet. Er redet algcmcm von der Ausschließung derer, so eine Todsünde begangen. u. Hieronymus saget kurz, -Novatianus habe nicht wollen die busfertigen Glaubensver- - leugner aufgenommen wlßen. Anm. 6e scriptor. illustr. 70. Q 5 lll. Epi- 2so Von der novatianischen Spaltung. Hl. Epiphanius drukt sich so aus: Nova- tianus lehre, es sey die Seligkeit nur durch Eine Buße zu erlangen; nach der Taufe könne kein Gefallener Barmherzigkeit erlangen. Anm. tiscres. I>IX. §. i. tom. oxer. p. 49z. IV. Philastrius giebt die novatianische Lehre so an: einem Gläubigen sey nach der Taufe kein Raum zur Buße gelaßen. Anm. äe Iiseres. cap.82. p. 156. An einem andern Ort 89. p. 70. meldet er, es hatten einige den Brief an die Hebräer verworfen, weil die Novarianer sich darauf berufen. V. Ein älterer Schriftsteller, den man fälschlich vor den Augustinum gehalten, bezeuget, Novatianus habe den grdsern Sündern, besonders im Fall der Abgötterei und Hurerei, nach der Taufe, die Vergebung versaget. Anm. qusek. IvII. in V. öc 1 ". im Anhang des dritten Theils der Werke des Augustini. VI. Theodoretus, deßen anderweitige Fehler unten vorkommen werden, saget, daß so gar der Nahme der Buße aus ihren Versamlun- gen verbannet sey. Anm. kseret. fabulsr. /r'ör. III. 5. p. 229. VII. Vincentius von Lerins nellnet No- vatianum den grausamsten Menschen, der Gott zum grausamen gemacht, als wenn er den Tod des Sünders wolle, und nicht, daß er sich bekehre und lebe. Anm. i. commorüt. ca/».Z4. x.2ZZ. Anm. Von der novarianischen Spaltung. 251 Anm.2. Wir übergehen das, was in Gregor» von Na, zianzlrs „nd einiger anderer Schriften vorkommet, da es nichts neues; noch entscheidendes ist. §. XXIV. Vors zweite wollen wir aus diesen verschiedenen Nachrichten versuchen, die eigentliche Streitfrage in ein näheres Licht zu sezen. Zu diesem Ende ist es ndhtig, vorhero einige hier sich eräugende Zweifel zu bemerken: I. Die Personen, gegen welche Novatia- Nils harter sich erwiesen; als andere, werden nicht auf einerlei Art benimmt. Einige erzeh- len, daß er nur diejenigen, welche durch die Glaubensverleugnung gefallen, abgewiesen wissen wollen; andere aber, daß man es auch mit andern, eben so gehalten. Man bemerke hier sehr wol, daß hier nach einigen gar kein Unterschied stattgefunden; sondern alle Sünder nach der Tauft einerlei Schiksaale gehabt; nach andern aber die Novatianer doch zwischen grobem und geringern Verbrechen einen Unterschied gemacht und die erstem durch den Nahmen der Todsünden von den leztern hinreichend unterschieden. Bei diesen Schwierigkeiten ist die erste Frage: ob die Novatianer den Gefallenen allein oder auch andern die Wiederaufnahme abgesprochen ? am füglichsten so zu beantworten, daß bei dem Anfang des Streits nur von den Gefallenen die Rede war; nachhero solche auch auf die übrigen ausgedehnet, ohne daß wir mir Ge- wisheit bestimmen, ob solches schon Navatia- ss 2 Von der novatianischen Spaltung. rius gethan; oder erst seine Nachfolger seine Meinung erweitert. Bei der zweiten Frage, ob alle Sünden; oder nur die Todsünden hier in Betrachtung kämen? muS wol das lezrere bejahet werden. Die dritte Frage würde seyn, was nenneten diese Leute Todsünden, welche durch die angegebene Beispiele zu erläutern. Endlich ist nicht zu vergeßen/daß der äußerliche Stand der Sünder keinen Unterschied bey den Novalianern machte und sie die Laien wie die gvttesdienstlichen Personen ansahen. Anm, i. Daß Novatianua den Glaubensverleugnern die Wiederaufnahme versaget, ist aus den Zeugnißen des riovarians, Lypxians, des Verfaßers des Buchs wieder Novarianum, des Euscbii und des Hieron^mi klar; hingegen daß es von allen groben Sündern zu verstehen, die Todsünden begangen, aus den Nachrichten des Akesu, Asklepiadis, Ambrosn, Sokralis, Epi- phanii, Philasirii und des Verfaßers der qusellioo. in V. und 's. aus deren Vergleichung zugleich erhellet, daß die Novatianer selbst einen Unterschied zwischen grösern und kleinern Sünden zugelaßen. 2) daß die Novatianer die Laien eben so bestrafet; wie die Geistlichen, lehret Askieprade». Anm. 2. Unter denjenigen, welche meinen, daß Novatia- nns gelinder gewesen; als seine Nachfolger, ist Tille-- nionr tom.Ill. p 57z 746. und unter denen, welche das Gegentheil behaupten, Mosheimcomment.p. zri.sgq. zu lesen. II. Wenn man fraget: was denn die No- vatianer den groben Sündern abgesprochen; so ist wol leicht zu erweisen, 1) daß ihre Gegner geglaubet, es wäre dieses die Seligkeit; da sie aber doch 2) die Sünder zur Buße ermähnet und ausdrüklich gesaget, daß man sie Gott über- Von der novarianischen Spaltung, ssz laßen müße, der Recht und Macht habe, die Sünde zu vergeben; so kan dieses nicht seyn; sondern sie haben nur geleugnet z) daß die Kirche und ihre Lehrer befuget wären, solche Sünder wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufzunehmen. Man siehet auch leicht aus der Gegner Wiederlegungsgründen, daß sie ihre harte Beschuldigung nur auf den Saz gebauet, daß Niemand selig werden könne, der nicht in der Gemeinschaft der wahren Kirche stehe. Wenn dieser zugegeben wird; so ist es wahr, daß die Novatianer den groben Sündern alle Hofnung zur Seligkeit abgesprochen; sonst aber falsch und ist höchstwahrscheinlich, daß die Novatia- ner den ersten geleugnet« Anm l. Von dem ersten s. die Zeugniße des Euftbii, Lyprians, Pacrani, des Verfaßers des Buchs wieder Novatianum: von dein andern des Novarians, Ake- s>i, Lyprians, Ambrosii: von den; dritten des Akesii und des Pacianr. Anm. 2. Hier sind zu vergleichen Aubespine odiervst. eccles rap. 21. p. IY2. Beveridge not. in cs- non. 8- concil. dtic. p 6Z. Äona rer. ÜturFic. ütv.It cnp. 17. §. Z. p. I2O. Gagittarius intros. in tn'stor. ec- des. tom. I. p., 108- Binghamoi-i^in. eccleL vo/. Vlll. x. i70.rNosheirn ebendas. p. 524. §. XXV. Gleichwie dieses voraus gesezet werden mus, hie eigentliche Streitfrage einzusehen; so sind damit einige Nebenfragen zu verbinden, welche theils aus den Folgerungen entstanden, welche die Gegner der Novatianer aus der leztern Grundsazen und Gewohnheiten schloßen; theils aus vs4 Von der novatianischcn Spaltung. aus der Novalianer Beweisen entstanden; in beyden Fällen aber der erstem viel Licht geben. Dergleichen war: I. Ob überhaupt eine Buße nach der Taufe statt gehabt? Die Verneinung'wird den Nova- tianern zur Last geleget, da es doch klar ist, daß sie selbst die in ihren Augen gröbsten Sünder zur Buße ermähnet. Wenn die Rede von der Kirchenbuße mit der folgenden Vergebung und Wiederaufnahme in die Kirchengemeinschafr ist; so hat es wol seine Richtigkeit, daß die Novatia- ner solche wenigstens in Absicht auf die groben Sünder geleugnet. Allein dieses hebt doch dir Buße vor Gott nicht auf. Anm. Es lehren Pacianns, Philastcins und Epiphaniu«, daß die Nov »rianer keine Buße nach der Taufe reißen wollen - und dahin gehöret auch, daß Lyprian, Theo« vorer und der Verfaßer des Luchs gegen den Novatia- num sagen, sie hatten die Buße gar aufgehoben. II. Ob Gott; oder Christus grausam sey? welcher Lehrsaz abermals den Novatianern von ihren Gegnern Schuld gegeben wurde; von ihnen aber gar lerchr abgelehnet wurde, da nach ihrem Lehrbegrif, die ganze Grausamkeit allein in der Einschränkung der Gewalt der Kirche bestehen muste. Anm. Das erste geschiehet von Typrian, Dionysio, dem Buch göverr. ^ovstiqn. und dem Vincemio von Le« »ins. Larvner p. 8; hatte nicht nöhtig gehabt, No« variani Lehrbegrif von Gott zu retten, da man vorhero einstehet, daß hier nur Consequenzmacherei ist. , III. Ob Von der novarianisthen Spaltung. 25s III. Ob in der Kirche Leute zu dulten, die in öffentliche Sünden verfallen? Die Verneinung dieser Frage war ein Grundsaz, woraus die Novatianer folgerten, theils daß man solche nicht wieder annehmen tönte; theils daß die Kirche aufgehdret, die Kirche Christi zu seyn, nachdem sie solche Glieder wieder angenommen; theils daß ihre Kirche allein die reine und wahre Kirche sey. Der in den Schulen unseren Theologen gewöhnliche Unterschied zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Kirche wurde von beyden Theilen nicht gebrauchet, eine Frage zu entscheiden, welche ohne demselben stets verworren und dunkel bleiben wird. Anm. i. Hier ist, L^prian epiLI.V. der V. säverL dlo- vat. und Pacianu« zu vergleichen. Anm. 2. Um nicht zu weitlauftig zu werden, wollen wir hier nur beifügen, daß die Novatianer sich auf Maerh. X, zr. i.Lor. V, iz. Ebr. VI, 4 5. X, 26. berufen. Bon den Gründen ihrer Gegner hat Vrsi in der ge, dachten öilp. p. 252. einiges gesamiet. §. XXVI. Wir hoffen nunmehr» die wahre Beschaffenheit des Hauptstreits näher bestimmen zu können. Erstlich machten die Novatianer mit Recht einen Unterschied theils unter der Buße vor Gott und der Kirchenbuße; theils unter der göttlichen Vergebung der Sünde und der Wiederaufnahme in die dfentliche Kirchenge- meinschaft. Ihre Gegner leugneten wol den Unterschied nicht, weil sie zugaben, daß sie durch Heuchler betrogen werden könten und verlangten, die Ausrottung des Unkrauts unter dem Waizey Ls6 Von der nov.'.tiamsthen SpLükttNI. Warzen dem jüngsten Tag zu irberlaßen; allein sie glaubten, daß dre göttliche Vergebung mit der Kuchenvergebung so grrau verknüpfet sey, daß Niemand die Früchte der göttlichen Vergebung, auch die Seligkeit, erhalten tönte, wenn er nicht ein Glied der christlichen Kirche aus Erden sey, mithin wenn er nicht, im Fall daß er wegen eines Verbrechens davon ausgeschloßen worden, in dieselbe wieder durch die Krrchenver- gebung aufgenommen worden. Es war also die erste dogmatische Frage, ob jemand, der gefallen unter Verlust der Seligkeit nohnveudig in die Kirche aufgenommen seyn müße; oder ob ein solcher durch eine aufrichtige Buße, uner» achtet daß er außer der Gemeinschaft der Kirche bleibet; dennoch Vergebung der Sunde und die Seligkeit erlangen könne? da denn die Nova? tianer den lezten, ihre Gegner den ersten Theil der Frage bejahet. Hernach meinten die No- valianer, die Gewalt der Kirche, die Sünden zu vergeben, und ihre Urheber zur Gemeinschaft der Kirche zu laßen, sty durch die stellen der Schrift, in denen gewißen Sünden eine gewiße Verdamnis angedrohet werde, eingeschränket: mithin sey sie nicht befuget, solche Todsünden zu vergeben. Ihre Gegner behaupteten, die Gewalt der Kirche sey uneingeschrankec und tönten daher auch die gröbsten Sünder, wenn sie Kir- chenbuße gethan, wieder in dre Kirche ausgenommen werden: mithin war die zweite Frage: ob die Kirche berechtiget sey, denen, die Todsünden begangen, Vergebung derselben zu ertheilen und Von der novarianischen Spaltung. 257 als Gemeinglieder wieder anzunehmen? welche die Novatianer verneinet, ihre Gegner aber bejahet. Endlich glaubten die Novatianer, es sey eine Eigenschaft der wahren Kirche Christi, daß sie keine Glieder habe, die sich mir Todsünden befieket; ihre Gegner aber, daß der Reinigkeit der Kirche durch solche Glieder nichts abgehe, welche zwar gefallen; aber nicht mehr als solche; sondern als von Gott und der Kirche begnadigte Sünder anzusehen: mithin war die dritte Frage, ob zur wahren Kirche erfodcrr werde, daß kein Glied derselben iemals eine Todsünde begangen? welche die Novatianer bejahet, ihre Gegner verneinet. A»m. Wir können nicht sagen, däß die Novatianer und ihre Gegner ihre gegenseitigen Meinungen so bestimmt vorgetragen; allein die angeführten Stellen beweisen klar, daß über diese Frage eigentlich gestritten worden. Auf der lezren beruhet der Vorwurf des Stolzes, des Mangels der Menschenliebe, u.d.g. welcher der nova- tianifchcn Parthei so oft gemacht worden, und zwar nicht ohne Grnnd. Wir sezen nur hinzu, daß von der innerlichen Unstraflichkeit der Gemühtsfaßnng nicht die Rede gewesen: mithin die Novatianer des Jrtums, daß ste eine aus lauterWiedergebornen zusammengesezte Gemeine darstelleten, nicht schuldig gewesen. Man lese noch Focbese inüruöb. liiltonco - rdeol. /r^r. XlV. cax. z, sgg. und Budvei intlitut. tlreol. äoAm. //ör. V. ca/,.z.§. 20. §. XXVII. Endlich kommen zu dieser Hauptklage noch einige andere Lehrsäze, welche den Novatianern rls Jrtümer angerechnet werden. Diese betrafen : .. H Tbeil. R I. Die R 2s 8 vsn der novatianischeir Spaltung. I. Die zweite Heuraht, welche sie verworfen haben sollen. Es sind hier zwei Fragen noch zweifelhaft. Einmal, ob es eine alge- meine Lehre der novatianischen Parthei gewesen; oder nur von demjenigen Theil derselben, welche in Phrygien wohnten, angenommen worden : hernach, ob dieser Jrthum von Novatia- no selbst; oder nur von seinen Nachfolgern ge- lehrer worden. Anm i. Bei der ersten Frage ist zu merken, daß es überhaupt und ohne Bestimmung vor eine novatianische Lehre ausgegeben wird vom Epiphanio Kseres. I. 1 X. §. z. TheoSorero baeret. sttbular. /rb^. III. ra/7. z. Au- gustino lisores. zZ äe bono viciait. ca^.4. äe sFoue cknkian. cax. zo. Eben so kan man auch dieses aus dem achten Kanon der nicanischen Kirchenversam- lung schließen, welcher bcfichlek, daß diejenigen, so pon den rrovakianccn zur orthodoxen Parthei treten würden, schriftlich versprechen sollen, daß sie mit denen, so in der zweiten Ehe leben, die Kircheiigemcinschast unterhalten wölken. Hingegen macht Sakrales Killor. ecclef. V. 22. zwischen den Novatianern ei- nen Unterschied. Nach seinen Bericht haben nur die Nooarianer in Phrygien, die zum andernmal Heurahteten, vom Abendmal ausgeschloßen: die in den Abendländern solche frei dazu gelaßcn, und die zu Coustanti- nopel die zweite Ehe weder gebilligct; noch verworfen. Und dieser Bericht scheinet desto wahrscheinlicher, da überhaupt diejenigen in Phrygien scheinen die Ucber- bleibsel von den Montanisten gewesen zu seyn, von deren Aufenthalt in Phrygien und »achtheiligen Gesinnungen von der zweiten Ehe, im ersten Theil dieser Reyerzesch. S- 629. 11. 649 nachzulesen Anm. 2. Daß Novarianus selbst diesen Irtum gelebret, saget nur Xuffinus expos. l^mbol. apoilol. im fünften Theil der Werke des -Hieronymi, »ach der Bene- dictiner Ausgabe p. 142. das Gegentheil aber versichert Thcovoretus ebenv. co/>. 5. und dieses ist desto wahrscheinlicher, da seine ältesten Gegner davon schweige». Anm. Von der novatianifthen Spaltung. 259 Anm. z. Man sehe Bevcridge tonr. II. csnon. p. 66. Til« leinonc memoir. tom. lll. 9.475. igg. Binzbam ori- xin. eccles. l/o/.IX. 9.281. und LarSner crellibilit^ ok tlie 6. U. M»-t.II. vo/. 9. 9.57. Igij. II. Die Lehre von der heiligen Taufe. Man bemerket, daß sie diejenigen, welche zu ihnen übergetreten, wieder getauset. Doch ist auch dieses noch manchen Zweifel unterworfen. 2 lnm. L)-prian»s epiK.I>XXIII. p. 129. saget dieses aus- drüklich, und da er selbst der Meinung gewesen, daß die von Kezern ertheilte Taufe ungültig, so hat er es an Novariano nicdk misbilligen können, allein er saget, daß es nur eine Nachahmung der katholischen Kirche sey, weil riovarianus selbst nicht in der Kirche wäre. Hingegen scheinet der novaliaiüsche B. Pauk zu Con- staiitinopel nach dem, was Sokraces llillor. ecciell /iör.VII. oa/>. 17. p. z6z. crzehlet, anderer Meinung gewesen zu seyn. Man glaubet auch, daß die vomEuse- bio VII. ca/7. 8 9. Z29. angeführte Worte des Dionysii von Alepandrien, daß Novatianus die heilige Tauft verachte, hieher gehören. Es ist aber viel wahrscheinlicher, daß diese Verachtung sich auf dieganz^ liche Verwerfung der Gefallenen beziehe, welche doch getauft waren. Vielmehr scheinet der Lerfaßer, der oben schon angezogenen guseftion. in V. er X. T. LII. Recht zu haben, daß die Novatianer die Kraft der Taufe von der Beschaffenheit desjenigen, der ste ertheilet, hergeleitet. S. Tillomont, 9.475. III. Die nach der Taufe gewöhnliche Salr bung, welche die Novarianer sollen unterlaßen haben. Anm. Dieses saget Theodorecus am a. D. ganz allein. Es ist möglich, daß Nopariam eignes Beyspiel hiezu was beigetragen. S- Marin comm.cle sacris vrllinur. tom. 111 . p. 127. und Moskoim comw.ontor. p. 527. Es entgehet hier eine kleine Schwierigkeit. Thcooo- rcr sezet hinzu, daß deswegen angesehene Kirchenvater R 2 vererb- 262 Von der novartanlschen Spaltung. verordnet, die sich bekehrende Novananer erst zu salben, welches doch auf der Kirchenversamlung zu Nicäa nicht befolen worden. Man lese Tillemonk x. 476. und Loustanl not. in exiL. pontik. x. 624. IV. Die Verehrung der Märtyrer und ihrer Reliquien. Diese Klage gründet sich blos auf den Bericht eines neuern Schriftstellers. Dasi sie überhaupt den Märtyrer Tod verworfen, kan nicht seyn, weil sie allerdings unter sich Märtyrer gehabt; sondern sie glaubten, daß diejenigen, welche in einer unreinen Kirche sterben, keine wahre Märtyrer seyn kdnten. Und damit thaten sie nichts; als was ihre Gegner selbst sagten. 2 tnm. Der neue Schriftsteller istEulogius bei dem pho- tio bibliock. roch 280. p. 1617.1620. Lgrdner cbcndas. p. 42. hat recht »vol davon geurtheilet. §. xxvm. Zweitens wollen wir nun die uns bekannte Begebenheiten und Veränderungen der novatia- nischen Religionsparthei erzehlen und sie in zwei Hauptgartungeu theilen. Die erste sol ihre angenehme Begebenheiten in sich faßen, und diese sind wieder von zweifacher Art. Einmal wollen wir von den novatianiseben Gemeinen überhaupt reden, und da auf drei Umstände Achtung geben. Der erste Umstand sind die Provinziell und Städte, wo die Novatianer solche Gemeinen errichtet. Wir sind nicht der Meinung, hier dasjenige zu wiederholen, was oben schon von dem Beifall, den Novatiam Trennung in den Von der novatianifthen Spaltung. 261 den Morgenländern, Afrika und Gallien gefunden, gefaget worden. Dasjenige, was hier bemerket werden sol, sind die Nachrichten von den grdsern; oder auch kleinern Gemeinen, 'welche die Novatianer im vierten und fünften Jahrhundert gehabt. Wir finden solche I. zu Rom. Obgleich der Wiederfpruch gegen die Novatianer daselbst am heftigsten gewesen; so harten sie doch eine zahlreiche Gemeinde, mehrere Kirchen und einen eignen Bischof daselbst. Anm. s. Sokratis Rirchenhistorie V. rax. 14. /rör. VH. 9. n. II. In den Morgenländern, wo sie zu Con- stammopel, Nice, Nikomedien und Coriäus in Phrygten ihren vornehmsten Siz hatten: Anm. i. Diese Nachricht giebt Sakrales stör. IV. ca/>. 28. Anm. 2. Die Schiksale der Novatianer zu LonstantMo- pel, und die berühmten Lehrer derselben daselbst, welche beyde noch unken vorkommen werden, bestätigen dieses. Man lernet aus eben diesem Schriftsteller stör. II. caz?. z8- daß sie in Constantinopel drey Kirchen gehabt. Anm. z, Phrygien war ehemals der Hauptsiz der Montanisten. Die gross Aehnlichkett der Grundsaze und Uebungen beyder Partheien muste nohtwendig die Novatianer ihnen empfelen. Wir werden noch von dem Osterstreit reden, daran die Phrygier grosen Antheil gehabt, welches wieder beweisen kan, daß sie von den Montanisten abstammen. Hier wollen wir nur noch bemerken, daß schon Pacianus theils den Novatianer Sympronianum vor einen Montanisten gehalten epist. II. p.zo8. theils erzehlet, die Novatianer hatten dem Terrullian viel zu danken. Sokrates stör. IV. ca/>. 28. R z giebt 262 Von der novatiaillschen Spaltung. giebt zu verstehen, daß die natürliche Neigung der Phry-- gier zum strengen Leben viel dazu beigetragen. III. Zu Cyzikum: Anm. S. Sokrarem /tü»-. II. zZ. IV. iuBithynien, undiuPonto: Anm. S- Sokratem ///,»-. I. cn/,. iz. und Gozomenum /ihr. I. ca^. 14. Theodorerlll. dseret. 5 sb. cax. 6. V. in Afrika, besonders in Mauritanien: Anm. S. Leo des Grasen epik. I. ca/>. 6. VI. zuAlexandrien: Anm. S- Sokratem /ihr. I. ca/'. 67. /ihr. VII. c-777.7. VII. in Scythien: Anm. s. ebendenselben /ihr. VII. ca/,.46. VIII. in Gallien: Anm. Man stehet, daß daselbst und zwar in der Gegend von Rouen Novatianer gewesen, aus Innocenrii I. zweitem Brief §. n S. Loustant» epiUol. pontif. k- 752 . , VIIII. in Spanien. Anm. In der Gegend von Barcellona lebte Sympronia- nus, wieder den Pacianus seine drey Briefe geschrieben. §. XXIX. Der zweite Umstand betrift die Zeit, wie lang diese Parthei gedauert. Diese Frage läßet sich wegen Mangels zuverläßiger Nachrichten nicht bestimmt gnug beantworten. Aus dem, was in dem folgenden gejaget werden sol, ist klar, daß gegen die Mitte des fünften Jahrhunderts man an mehreren Orten sie zu unter- druken Von der novatianischen Spaltung. 26z drttken gesucht. Dieses muste denn natürlicher Weise die Wirkung haben, daß sich ihre Zahl minderte; allein daß sie nicht ausgerottet wor- I C. den, schließet man billig daraus, daßEulogius, Patriarch von Alexandrien, noch vor nbhcig gefunden, gegen sie ein polemisches Werk aufzu- ftzen. Anm S. Photium didlioth. coÄ. tZ2. u. 280. Tillemont memoi,-. to,». lll. p. 4yz. berufet sich noch auf eine, dem Lhrysostomo fälschlich beigelegte Rede, welche in dem Anhang des achten Bandes der Werke deßelben y. 275. nach Montfancons Ausgabe gefunden wird, und nach Ti'llemonts Meinung im Jahr 672. von einem Bischof in Asten sol seyn gehalten worden. Weil aber dieses lezrere unerweislich, so getrauen wir uns nicht, diesen Beweisgrund zu brauchen. §. XXX. Der dritte Umstand ist die Einrichtung ihrer gottesdienstlichen Verfaßung. Ueberhaupt ist es gewis, daß die Novatianer sich hier von den andern Christen nicht unterscheiden, wenn man das ausnimmt, was oben von ihrer strengen Kirchenzucht, von der Wiedertaufe derer, die zu ihrer Gesellschaft übertraten, und von der Un- terlaßung der Salbung schon gesaget worden. Außer diesen Srüken bemerken die alten Schriftsteller nichts, das den Novatianern eigen gewesen. Insbesondere aber haben wir in ihren Nachrichten noch folgende Umstände angezeiget gefunden: I. Die Novatianer haben unter sich eben die Würden gomsdienstlicher Aemter gehabt. R 4 Sie 264 Von der novatiamsthen Spaltung. Sie hatten ihre Biscbdffc, ihre Aeltesten, ihre untere Geistliche und es ist gewis, daß die andern Christen an ihrer Ordination nichts auszusezen gefunden. Anm. 1. Wir haben schon Beispiele gnug angeführet, von den npvatianischen Bischöffen und im nachfolgenden §. sollen mehrere bemerket werden. Anm. 2. Der achte Kanon der nicänischen Kirchcnver- samlung verordnet, daß die novatianischen gottesdicnst- lichen Personen, wenn sie sich bekehren, nach geschehener Auflegung ver Hände, in der Clerisei bleiben sollen . Dieses wiederholet Innocencius I. e^ist. XVIII« §. io. p. 8Z5- Ob nun durch dieses Händeauflegen ei- ne neue Priesterweihung zu verstehen; oder nicht, ist eine unter den Kanonisten sehr strittige Frage. Unter den bejahenden ist Morin cle sscr. oräinst. tom. 111 . p. i2v. I'cig. und von den verneinenden, Tillemont in den Noten zum tom.III. der memoir. p 748 zu lesen. S. auch Bingham ori^in. eccles vo/. II. p. 201. und in der oben angeführten 6111 . IV. äe csnon. oÄ. con- cil. Xic. II. Sie hatten nicht allein in der Stadt; sondern auch aus dem Lande Bischdffe. Anm. S- Soromenum histor. eccles. /rT'»-. VII. ca/?. ry. p. Z07. wo er wieder die Novarianer und Montanisten in phrygien verbindet. III. Seit dem unter den Christen das Mmichswesen bekannt worden, fände es auch unter den Novatianern Beifall und sie hatten Leute unter sich, die wegen ihrer strengen Lebensart sehr berühmt waren. Anm. S- Sokratem /rbr. VI. ra/,. 17. IV. Eben so hatten sie auch mit den andern Christen das gemein, daß sie ihre gemeinschaftlichen von der novatl'anischen Spaltung. 265 lichen Angelegenheiten auf Kirchenversamlungen behandelten. Anm, Dahin gehöret das Concilium zu paza, bei dem Sokratc IV. cax. 27. /iö»-. V. caz,. 2i. und bei dem Soxomeno /rb»-.VI. 24 zuSangari, bei dem So- krare ül». V. cax. 21. und Soxomeno///>»'. Vll.caz,. iZ- V. Sie verwalteten unter sich bevde Sakramente und zwar die Taufe so, daß sie vor gültig erkannt worden. Anm. Davon ist oben schon geredet worden. Lvprian und Lasilius der Grosc haben sie zum Theil verworfen; jum Theil vor zweifelhaft angesehen. Beide hatten von der Kezcrtauft überhaupt irrige Grundsaze. S-Tille- monr tom. III. p. 476. VI. Sie feierten auch die Feste, besonders Ostern. Anm. Davon unten ein mehrcres zü sagen. §. XXXI. Hernach fügen wir diesem ein Verzeichnis der in den Denkmalen der Kirchengeschichre vorzüglich berühmten cinzelen Glieder dieser Parthei desto lieber bei, da uns dieselben Gelegenheir verschaffen werden, noch ein und die andere merkwürdige Begebenheit hier nachzuholen. Sie folgen nach der Buchstabenordnung. ' I. Ablavius, ein gelehrter Mann und Schüler des berühmten Lehrers der Beredsamkeit Troili. Er wurde vom B. Chrysantho zum Aeltesten gemacht und hielte vortrcflichc Predigten» die noch zu Sokralis Zeiten mit Beifall R 5 gele- s66 Von der novananisthen Spaltung.' gelesen wurden. Nachhero wurde er zu Nicaa, novattanischer Bischof und gab zugleich daselbst Unrerrickt in der Redekunst. Anm. s. Sakralem liiüor. eccles./rö»'. VII. cHv. I2.P.ZZ2. II. Agelius Bischof der Novatianer zu Con- stantinopel, der unter vielen Verfolgungen der Arianer sein Amr beinahe fünfzig Jahr verwal- tet und erst unter der Regierung des K. Theo- dosli mit Tod abgegangen. Er hatte eben keine grose Gelehrsamkeit; noch Gabe zu reden; führte aber ein unsträflich Leben: Anm. Von ihm reden Sakrales Lör. IV- ca/,. y. /rör. V. cap. lv. 12.2i. und Sozamenits /rör. VI. ca/,.y. Der erste giebt ihm nur vierzig Amtsjahrc; es scheinet aber ein Fehler zu seyn. S- Tillemont in den Noren lom. III. P.7ZZ. IH. Akesius, ein Bischof der Novatianer. Es ist gewis, daß er zulezt dieses Amt zu Con- Z25. stantinopel verwaltet; allein das ist noch zweifelhaft, ob er daselbst Bischof gewesen, wie ihn K Constantin auf die KirchenversamlungzuNi- caa berief. Er erklarete sich auf den Antrag des Kaisers, daß er mit den, wegen der Glaubenslehre und wegen des Osterstreits gemachten Schlüßen vollkommen zufrieden sey; die Kir- chengemeinschaft aber mir den andern Christen deswegen nicht unterhalte, weil sie die unter Decii Verfolgung von» Glauben abgefallene Christen wieder aufgenommen, und bekam vom Kaiser die bekannte Antwort: lege eine Leiter an, Akesi, und steige allein in den Himmel. Anm, Von der novariamschcn Spaltung. 267 Anm. l. Dieses berichten Sakrales liiiior. eccles /rö». I. ca^. iv. p. 97. sg. und Sozamenus kiKor. eccles. libr. I. ^r/A.22. 9.40. <4. Der leztere saget noch/rör.II. ca/». 92.9.91. daß Akesius zu Cvnstantinopel Bischof der Novatiancr gewesen: wegen seiner Heiligkeit bei dem Kaiser in grosen Gnaden gestanden, und viel dazu beigetragen, daß die Novarianer von den harten Gesezen wieder die Kezer ausgenommen worden. Anm. 2. Von der strittigen Frage s. Tillemont tom. III. 9. 482. Basnage snnsl. politico- eccles. ann. LLLXXV. 99 und Larvners creäibilic^ oktke Avlgel-liiüo- II. V0/.9. 9. zz. Anm. z. An der Wahrheit dieser Geschichte zweifelt Du« valais not. in äocrat. 9. 97. Basnage aber ebendas. vertheidiget sie. IV. Asklepiades, ein fünfzigjähriger Bischof zu Nicäa, im Anfang des fünften Jahrhunderts. Anm. S- Gokcatem Üör. VII- cax. 25. 9.974. V. Auxanon, ein novatianischer Aeltester, der mit dem Akesio zu Nicäa gewesen und ein sehr hohes Alter erreichet. Anm. S. Sakralem /ri?»-. I. ca/,. 19. 9. 40. lg. VI. Chryfanthus, ein Sohn des B.Mar- ciani. Nachdem er von Jugend auf unter der kaiserlichen Leibwache Kriegesdienstc gethan, begleitete er die wichtigsten Staaisbedienungen. Er war Stadthalter in Italien, denn in Britannien, und kam nach Constantinopel znrük, um Präfectus dieser Stadt zu werden. Der ster- I. §. bende Bischof, Sisinnius, empfal ihn der nova- 4«?. tianischen Gemeinde zu seinem Nachfolger. Ob er 268 Von der novatianischen Spaltung. er gleich selbst entflöhe und Sabbatius eine Spaltung zu erregen suchte; so drang doch das Volk durch und holte Chrysanthum, wohin er geflohen war, zurük. Er übernahm das Amt und verwaltete es sieben Jahr mir grosem I- C. Ruhm der Uneigennüzigkeit und Mildthätigkeit. Unter ihm war die novatianische Gemeinde zu Constantinopel im guten Aufnehmen. Anm. Dieses alles wißen wir aus dem Sakrale Killor. eccles. /-ör. VII. cax. 12. p. ;;6. Noch ist zu vergleichen /rbr. VII. ca/,. 6. P. ZZ2. und cax. 17. p. Z62. Ueber seine Zeitrechnung ist hier ein Streit, wovon Tillcmont tom.III. P.75Z. nachzulesen. 44,. VII. Donatus, BischofderNovatianerzu Salica in Mauritanien, vereinigte sich nebst der Gemeinde mit der rechtgläubigen Parrhei. Anm. S. Leo des Grasen epill. I. 6. VIII. Eusebius ein überaus gelehrter Mann, der im fünften Jahr seines Alters blind worden, und doch in allen Wißenschafren eine gründliche Erkänrnis erlangt hat, mir welcher eine ausnehmende Belesenheit und Deutlichkeit im Vorrrag verbunden. Er lebte in Asien und zwar »m sechsten Jahrhundert. Anm. Ihn rühmet Lafiiodorins inültut. Ilbr. V. p. 512. oper. S- Lardner ebendas. p. 67. IX. Entychianus, einnovatianischer Münch auf dem Berg Olympus in Bithynieu, unter K. Constantin dem Grosen. Man erzehlet von ihm viele Wunder. Anm Von der novarianischen Spaltung., 269 Anm. s. Sakralem //ön. I. ca/n iz. und So;omcnum cax. 14. X. Leontinus, novatianischer Bischof zu Rom, that bey dem Kaiser Theodosio dem Gro- sen eine sehr wirksame Fürbitte für den bekannten Symmachum. Anm, S- Sakralem /rön. V. 14. p. 280. XI. Marcianus. Da wir von dem Bischof zu Arles dieses Nahmens schon oben geredet; so reden wir hier von dem Bischof zu Con- stantinopel. Er war auch ein Soldat gewesen; hatte aber dabei so vielen Fleiß auf die Wißeu- schaften gewendet, daß er nicht allein bei seiner Parthei die Aeltestenwürde erhielte; sondern ihm auch der arianisch gesinnte Kaiser Valens den Unterricht seiner beyden Prinzeßinncn, Ana- ftasiä und Karesä in der schönen Gelehrsamkeit auftrug. Diese Gelegenheit nuzte Marcianus zum Besten der Novatianer und verschafte ihnen die verbotene Freiheit des dfentlichen Gottesdienstes wieder. Solche Dienste erwarben ihm so viel Liebe, daß die Gemeine bei dem annähenden Ende des B. Agelii ihn zum Bischof verlangte und auch erhielte, ob gleich der Bischof lieber den Sismnium zu seinem Nachfolger gehabt hätte. Anm. S. Sakralem /rön. IV. 9. p. 221. und /rön. V. ca/,. 2z. p. 289. XU. Marcianus ein zweiter Bischof der I C. Novatianer zu Constannnopel, nach dem Tod 439- des B. Pauls. Xltt. 270 > Von der novarianischen Spaltung. XIII. Marcus, ein novatianischer Bischof in Scyrhien, der bei dem Tod erst gedachten B. Pauls gegenwärtig gewesen. Anm. S. Sokrarcm ebenvas p. ZY4. XIV. Paul ein gelehrter Mann und Lehrer der lateinischen Beredsamkeit. Er legte sein Amt nieder und wurde ein Münch, in welchem I. C. Stand er ein strenges Leben führte. Er wurde nach dem Tod des Chrysanthus Bischof seiner Gemeinde, und verwaltete sein Amt mir so viel Ruhm, daß bei seinem Leichenbegängnis eine al- gemeine Vereinigung der verschiednen Religions- parkheien gestiftet zu seyn schien. Er soll auch Wunder gethan haben. Anm. Dieses erzehlet Sokr»rcg //ö»-. VII. 17. u. 46. 4 >7- XV. Rufticula, novatianischer Bischof zu Rom, unter welchem P. Cälestinus dieser Par- thei den öscntlichcn Gottesdienst untersagte. Anm. S. cbenvensetben /rtn'. VII. io. p. zz6. XVI. Sisinnius, ein Mann, den die Geschichtschreiber mit grosen Lobsprüchen beehret. Er hatte in Der Gesellschaft des kaiserlichen Prin- zens, Iuliani, den Unterricht des berühmten Philosophen Maximi gcnoßcn. Die Natur selbst schien ihm zum Redner gebildet zu haben. W 5 - Er wurde Bischof der Novananer zu Constan- tinopel und hatte gros Ansehen, selbst bei den kaiserlichen Staatsbedienren. Man tadelt an ihm, daß er die Pracht geliebet und zu viel gesucht , zu gefallen. Er war ein Schriftsteller, doch Von der novarianifthen Spaltung. 271 doch hörte man ihn lieber als daß man ihn laß. Mit dem Bischof der Rechtgläubigen, Johann Chrysostomo, stand er in keinem guten Vernehmen. Er starb nachdem er zwölf Jahr sein Amt verwaltet. Anm. i. Was wir von ihm wißen, melde» Sokrates/rö,-. VI. 2i. U. /ihr. VII. ca/). 22. und Sozomenus/rör. VIII. cax.l. 2 nm. 2. Wir wißen, daß Sisinnius wieder Lbrysofto- mum ein Buch von der Buße geschrieben, und darinnen deßelben kehre, daß ein Sünder auch tausendmal solche wiederholen könne, wiederleget. So hat ersuch ei» Srnovalsckreiben wieder die Meßalianer hinterlaßt, aus welchem Photius bibliorli. co 4 . 52 p. 40. einiges mittheilet. S- Lave liiüor. littersr. scrixcor. ec- clel. to»«. I- p. 2yO. XVII. Theopemptus, novatianischer Bi- I schof zu Alexandrien muste von dem dasigen Bi- schof Cyrillo eine harte Verfolgung und Unter- drükung ausstehen. 2 lnm. S. Sokratem/iör. VII. rax. 7. x. ZZ2. §. XXXII. Wir haben in diesem Verzeichnis zwei Männer mcht genennet, welche unstreitig die berühmtesten Novatianer seyn würden, wenn es anders erweislich wäre, daß sie dieser Parthei beigethan gewesen. Diese sind die zwei Kirchengesckicht- schreiber, Sokratcs und Sozomenus. Beyde hat man beschuldiget, daß sie Novatianer gewesen, jedoch mit dem Unterschied, daß der Verdacht gegen den erstem algemeiner und scheinbarer ist; als gegen den lezrern; ja dieser ganz 272 Von der novariamschen Spaltung. ganz wegfallt, so bald der erstere wahrscheinlich entschuldiget wird. Und in der That müßen beyde Schriftsteller losgesprochen werden, weil die Gründe der Anklage gewis unstatthaft sind. Man bemerket, daß Sokrates, dem Sozome- nus nur gefolget, theils die Geschichte der No- vatianer, zumal ihrer Bischdffe zu Constantino- pel sorgfältig erzehlet; theils von diesen Bischöfen sehr viel gutes jaget; theils auch von einigen Novalianern berichtet, daß sie Wunder gethan. Da aber auf der einen Seite dieses alles nur den F.'cis und eine rühmliche Unparteilichkeit des Geschichtschreibers erweiset, welche doch wol bei der anderweitigen Orthodoxie bestehen karr; auf der andern sich keine Abneigung - und Tadelsuchr gegen die rechtgläubige Parrhei, welche lezterc den Novalianern eigen gewesen zu seyn scheinet, bei ihm äußert; aus der dritten endlich er auch die Fehler derNovatiancr,z.B. des Sisinuii, nicht verschweiget; so können wir nicht anders; als diese Beschuldigung vor unge- gründet zu erklären. Anm. Unter den Ankläger» ist riikephorus, Baronius, Lübbe, sonderlich Billius oblervst. ///,»-. I. 26. Und vtaralis Alexander Iiillor. eccles. /ee. V. cn^-lg. srt. iZ. p- izy zu bemerken. Hingegen hat Lmvaloi» in der, seiner Ausgabe der Kirchengerichte dieser bei« den Schriftsteller vorgeseztcn comm cle vita er seeipris ^ocratis et 8 o^omeni sie hinreichend vertheidiget. Man lese noch Lar»e hiüor. litterar. icriptor. ecclef. to/n. 1. p. 427. Labricium L. 6 r. ro/.VI. p. 117. und 12 l. Leiller Uitroire cies suteurs tom. XIII. p 66y 68y- Basnage annsl. politico-eccles. s»». LLLLXXX1X. § 5 . und rveisman memorsb. iliüor. eccles. tonr.I. k 48». z. xxxm. Von der novananischen Spaltung. 27 z §. xxxm. Die zweite Gattung der uns bekannten Begebenheiten der Novananer wollen wir unter dem Nahmen der unangenehmen Begebenheiten zusammen faßen und sie in zwei Hauprarten abtheilen. Innerlich entstand unter ihnen eine Spaltung zu Constantinopel, welche durch die Frage vom Osterfest veranläßet wurde. Überhaupt war Novatianus, als Nettester der römischen Kirche, der m dieser Gemeine herrschenden Gewohnheit beigethan und es ist gewis, daß die novatiamschen Gemeinden dieser gefolget: sich auch erkläret, daß sie an den Schlüssen der nicä- nischen Kirchenversamlung, welche derselben ebenfalls günstig waren, nichts aussczten. Anm. Dieses bezeuget Sokrates I. ca/>. 10. p. Z8- von dein Akesio und /rö»-. VI. ca/,. 2i. p. 290. von den Novakianer» zu Rom. §. XXXIV. Gleichwie aber nicht alle Christen durch das Ansehen gedachter Kirchenversamlung sich bewegen ließen, von der Gewohnheit, auf jüdische Art Ostern zu halten, abzugehen, welche ihnen von ihren Vätern war empfolen worden, so glaubten insbesondere die in Phrygien wohnende Novatiauer verbunden zu seyn, ihr altes Herkommen aufrecht zu erhalten. Sie hielten in einem Fleken Paz deswegen unter der Regierung des Kaisers Valens eine Kirchenversam- lung und machten den Schlus, daß man den Juden folgen: ungesäuerte Brode eßen und mit ii Theil. S ihnen 274 Don der novarianischen Spalrung. ihnen das Osterfest feiern solle. An demselben harren dre vier vornehmstenBrMffe der Nova- tianer zu Constanrinopel, Nrcäa, Ntkomedien und Cowäus kernen Antheil: sie billigten ihn nrchl; noch befahlen sie ihren Gemeinden, sich darnach zu richten. Es lebte aber unter ihnen zu Constanrinopel Sabbatius, der aus dem Judenrhum zu den novarianischen Christen übergetreten und von dem B. Marciano unter die Aellesten aufgenommen worden. Er sonderte sich von dem Gottesdienst der Novatianer ab: verband zwei andere Aeltesten, Theoctistum undMakarium, mit sich: pflegte den gedachten pazischen Schlus eifrig zu loben. Er gab sich dabei den Schein einer besondern Heiligkeit und gab zur ttrsach seiner Absonderung vor, daß unwürdige zum heiligen Abendmahl gelaßen würden. Der Bischof Marcianus merkte, daß Sabbatius weitere Absichten habe und hielte deswegen zu Sangari die novarianische Kir- chenversamlung und befahl dem Sabbatio, auf selbiger zu erscheinen. Er that es und behauptete eine Notwendigkeit, Ostern mit den Juden zu feiern und die pazische Verordnung zu beobachten. Die versamleten Bischdffe hielten es vor nbhrig, Sabbatium mit einem Eid zu belegen, daß er niemals die Bischofswürde annehmen wolle; wegen des Osterfestes aber wurde der Schlus gemacht, es sey eine gleichgültige Sache und stehe jedem frei, nach seinem Gefallen Ostern zu feiern, wenn er wolle. Sabba- tius büeb nun zwar in der Gemeine; fastete aber eher; Von der novarianischen Spaltung. 275 eher; als die andern und feierte Ostern nach seinem Kopf, bewegte auch, zumal die, welche aus Galatien und Phrygien gebürtig waren, daß fie ' seinem Beispiel folgten. Dadurch wurde er verwegen giiug, durch allerlei Künste, selbst durch Verfälschung der Schrift, seinen Anhang zu vergrößern und veranlaßte, da einmal eine Menge derselben des Nachts sich in einer Kirche verfam- let hatten, um nach ihrer Art das Osterfest zu begehen, und sich ein blindes Schreken, als wenn der B. Sisinnius sie angreifen würde, unter sie ausgebreitet, daß über siebenzig Personen im Gedränge ihr Leben verloren. Nach dem Tod des Sisinmt versuchte Sabbatius, Bischof zu werden und da die Gemeine aufdemChrysantho bestand, beredete er einige Bischdffe von geringen Orten, daß sie lhm die Hände auflegten. Er wurde davor auf die Insel Rhodus verwiesen und da nach seinem Tod seine Anhänger feinen Leichnam nach Consrantinopel brachten und bei deßen Grab beteten, lies der katholische Bischof I. C. Attikus denselben wegschaffen. Wir sezcn nur 42z. bei, daß die Sabbatianer auch ProWpaschitM genennet worden. Anm. l. Wir liefern hier einen Auszug aus dem Ostek- anschlug dieser Universität vom I. 1760. in welchem wir kiüorisin proto pLscKitsrvim durch mehrere Anmerkungen erläutert. Uebcrbaiipt sezen wir zu den angeführte,, neuern Schriftstellern noch den P. Da« niel im Sritten Theil feiner Oeuvres p. 49Z. llzg. bei, und berufen uns insbesondere von der eigentlichen Streitfrage auf den ersten Theil dieser Rezergesch. S- 671. Eben daselbst ist S.642. erinnert worden, daß die Montanisten ebenfals Quarlodecimancr gewe« S 2 ftn, 276 Von der „ovarianischen Spaltung. sei», welches denn abermals erweiset, daß die novatia- nischen Phrygier von dieser Parthei abstammen. Anm.2. Die Quellen sind Sakrale» ttb»-. Vl. cax. 21. //ör. VII. ra/,. 12. 25. Soromenus /rör. VII. cax. lK. und folgende kaiserliche Gescze! I.. 6. coä. 'pkeoci. ne ssnkl. bsptifm. leer. k.. 59. u. 65. äe doereticls u. I> 24. cle §. XXXV. Von außen hatten sie Verfolgungen auszustehen. Einige hallen sie mit andern chnstlt- chen Partheien gemein. Ehe die römischen Kaiser zur christlichen Religion sich bekannten, wurden sie, wie andere Bekenner des christlichen Nahmens, angesehen und wenn gleich zu mancher Zelt sie vielleicht einige Ruhe hatten, so ist es doch gewis, daß auch sie mit Leibes und Le- densstrafen beleget worden. Ob ihnen, wegen ihrer Trennung von der Parthei des Cornelii, so schlechthin die Martyrerehre abzusprechen, ist eine Frage welche leicht zu beantworten, wenn nicht Vorurtheile zu «»erwiesenen Grundsäzen gemacht werden sollen. 2 lnm Man lese hier die Vorstellung des Lyprians epiK. I.VII. x. 94. §. XXXVl. Nach der glüklicken Veränderung, welche den Christen Ruhe schafte, finden wir nur zwei arianische Verfolgungen gegen die Bekenner der reinen Lehre von der Dreieinigkeit, unter de- I x. nen auch die Novananer ihr Leiden zu tragen hat- z;6. ten. K. Constantius war so hart, daß der B. Agelius Von der novatianischen Spaltung. 277 Agelius von Constantinopel fliehen muste, und auf Befehl des B. Macedonius daselbst wurden verschiedene Kirchen in mehreren Städten ihnen uieberqerißen und dieses Sänksaal wurde auch ihre Kirche zu Constantinopel betroffen hadert, wenn sie nrchk solche selbst abgebrochen und Holz und Steine in. Sicherheit gebracht hätten. Der arianische Bischof Eleusus zu Cyzicum lies eben- fals die novatianische Kirche zerjiöhren. Nach- I. C. hero erneuerte diese Bedrukllng der K. Valens und schlkte den B. Agelirim ins Elend. Ob gleich durch die Fürbitte des Marciani solche gemindert wurde; so hörte doch das Leiden der Novarianer nicht auf. Anm. Dieses erzehlen Gokcares tr-»-. II. cax. z8 u. IV- y. und Soxonienus /rö»-. IV- ca/?. 20. u. /r^. VI. ca^.9. §. XXXVII. Andere waren ihnen eigen. Weil die Schiksaale der Novatianev unter den übrigen römischen Kaisern verschieden sind; jedoch in einer Verbindung mit einander stehen, wollen wir sie ebenfals zusammen nehmen. l. K. Constantin gab sich erst Mühe, auf der Kirchenversamlung zu Nicaa sie mit den andern Christen zu vereinigen; es war aber vergeblich. Unterdeßen machte man daselbst keine harte Schlüße gegen sie. Er gab zu ihrem Be- 326. sten eine Verordnung, die ihnen eigne Kirchen und Gortesäker verstattete und nur diejenigen ausschloß, welche von der, Rechtgläubigen zu ih- S z neu 278 Von der novatianischen Spaltung. I. C. pen übergetreten. Nach einigen Jahren erfolgte zz6, ein hartes Gesez, welches sie mit den Valenti- nianern, Marcioniten, und andern Kezern in eine, Klaße sezte.' ihnen die gottesdienstlichen Versamlungedrter zu nehmen, befahl: allen dfentllchen Gottesdienst verbot, und verordnete, ihre Bücher aufzusuchen und aus der Welt zu schaffen. Doch scheinet es, daß dieses Gesez in Ansehung der Novatianer wenig Wirkung gehabt. Zlnm. Das erste Gesez stehet I>. 2. cook.l'Iieoä. öekDret, das zweite bei dem Eusebio cle vits Oonil. /rb»-. III. eax. 64 p. 6ro. über welches Sozomenus II. ca/,. Z2. nüzliche Betrachtung anstellet. II. Unter dem K. Conftantio drukte die Novatianer die vorgedachre arianische Verfolgung. IH. Iuligni algemeiner Schuz der ver- schiednen Religionsparcheien war auch den No- vatianern nüzlich. Er befahl dem B. Eleusus bei Strafe, ihre Kirche zu Cyzicum auf seine eigne Kosten wieder aufzubauen, und verstattete ihnen, zu Constantinopel eine prächtige Kirche zu bauen, die den Nahmen Anastasia führte: Anm. S. Sokraecm II. cax. zZ. U. üh»-. III. cax. 11. und Gozomenum /iör-, V. z. lV. Valens verfolgte sie, wie schon bemerket worden: ;8z- V. Theodosius versuchte abermals, durch ein Religwnsgespräch die Partheien zu vereinigen. Von der novarianischen Spaltung. 279 gen. Die Novatianer erwiesen ihre Orthodoxie in der Lehre von der Dreieinigkeit so nachdenklich, daß der Kaiser ihnen eine freie Religions- übung verstattete und ihren Kirchen alle, den ähnlichen Gebäuden seiner eignen Gemeinde anhangende Freiheiten erstattete. Man bemerket, daß in den oft heftigen Gesezen dieses Prinzens wieder die Kezer, der Nahme Novatianer nicht gelesen werde. 2 tnm. S, Sokcatem V. ra-?. io. und 22. und Soxomenum /iör. VII. cax. 12. u. /kür. Vlll. l. Von der Reliqionsunrerredung selbst habe die Schriftsteller in der Histor. der Lirchenversaml. S. 2Zl an- «ezeigt. VI. Unter den folgenden Kaisern genoßen sie diese Ruhe nicht und man findet sie in den scharfen Gesezen wieder die Kezer genennet, sonderlich unter K. Honorio und K. Theodosio ^ C. dem jungern: Wahrscheinlich gab dieses dem sonst berühmten B. Cyrillo von Alexandrien die Veranlaßung; oder den Vorwand, die Kirchen der Novatianer zu verschließen und die heiligen Gefäße weg und dem Bischof dieser Parthei alles, was er hatte, zunehmen. Anm. Das Gesez des K. -Honorii stehet I.. ;2. coö.l'he- 06. 6e ksoretic. u. des Theovosn, ebenvas. Ie^. zy. vom Verfahren des Lyrilli giebt Sokrates kistor. ec- cles. VII. cax. 7. Nachricht. VII. Ein ähnliches Verfahren Misten die Novatianer in Rom leiden. P. Jnnocen- cius l. machte den Anfang und nahm ihnen ver- ^ ^ schledene Kirchen weg. Ueber seine zwei unmit- S 4 telbare 280 Von der novarianischen Spaltung. telbare Nachfolger, Zosl'mum, und Konifa- cium, finden wir keine solche Klagen. Allein I. C. Calestin 1 . war desto gewaltsamer und ndhtigte 422- Novatianer, nur in ihren Häusern zusammen ^ ' zu kommen. Anm. S. Sokratem kikor. eccles. üö»-. III. caz». y. u. 11. VIII. Hingegen lehret die vorher gegangene Geschichte, daß sie selbst zu Constantinopel um diese Zeit noch ihren eignen Gottesdienst gehabt. Anm. Bei diesem ganzen §> ist noch Tillemonr memoi- res tonr. III. p.Htzl. und LarSner ebenvas. x. Z l -70. zu vergleichen. §. xxxvm. Die Ordnung würde uns auf die, wieder die Novatianer gehaltene Concilien führen; allein da außer denen schon oben bemerkten gleich im Anfang der Trennung zu Rom, zu Antio- chien und zu Carthago veranstalteten Kirchen- versamlungen keine uns bekannt worden, welche die novatianische Parthei zum eigentlichem Gegenstand gehabt; diejenigen aber, die nur bei anderweitiger Gelegenheit der Novatianer gedacht, wie die zu Nicaa und Constantinopel, ebenfals schon bemerket worden, so haben wir nur noch von den gelehrten Gegnern und den, von ihnen unternommenen, schriftlichen Angriffen zu reden. Sie find nach der Zeitordnung diese: I. Cornelius, Bischof von Rom, deßen mehrere Briefe wieder den Novatianum , von denen Von der novarianischen Spaltung. 281 denen die meisten schon verlohren gegangen, oben schon bemerket worden. Anm. S Eusebinm Hitler. eccles. /ihr. VI. ca/i. 4z. ^ieron^mum cie viris iiiullribus ca^.66. II. Cyprian, Bischof zu Carthago, ein I-C- heftiger Gegner des Novatiani, deße»^ Briefe ebenfals schon angezeiget sind. III. Ein Ungenarmter, deßen Buch wieder 255. den Novatianum noch vorhanden. Ehemals wurde es dem Cyprian beigeleget; allein in den neuer» Zeiten hat man darinnen Umstände bemerket, welche nicht verstatten, diesen Bischof als Urheber anzusehen. Dieses ist wahrscheinlich , daß der Verfaßer ein Bischof gewesen, in Afrika gelebet, mit Cyprian von gleichen Alter und Gesinnungen gewesen. Die Lobsprüche, die man dieser Schrift ertheilet, verdienen eme Mäßigung. Anm. Diese Schrift siehet im Anhang der»Werke des Lyprians, nach Balu;cns Ausgabe, p. 7. ti^. Man lese von ihr Tillemonk in den memoires pour servir äl'hitloire eccIcsi-Mque tom,IV. p. kz5.11. 622. Ma« ran in vit. l^prian. p. 127 und Lerller Hitloire cies auteurs eccles. tom. II i. x. izz. IV. Dion»)sius von Mxandrien, von 252. deßen Briefen, die er in dieser Sache geschrieben, schon geredet worden: Anm. Aus Enscbio Hitler, eccles /ihr. VI. 45.46. und -Hrcronsmo cie viris iilutlr. ca/>. 69. S. Leiller ebcndas p. 24^) 250. S 5 V. Rhe- 282 Von der novarianlschen Spaltung. I. e. V. Rheticius, Bischof zu Autun in Gal« ziz lien. Er hat ein gros Buch wieder dre Nova- tianer hinterlafien, das verloren gegangen. Anm. Wir wißen dieses aus -Hieronymo äe vlr. illnkr. cax. 82. Z40. VI. Eusebius, Bischof zu Emisa in Syrien. Er hat wieder die Novatianer ein Werk geschrieben, das gleiches Schiksaal gehabt. Anm. S- ^ieconMum, ebendas. 91. 370. VII. Pacianus ein berühmter Bischof zu Barcellona. Er wurde in einen Briefwechsel mit dem Novatianer, Sympronigno einge- flochten, dem wir die drei noch vorhandene, uns sehr brauchbar gewesene Schreiben wieder diese Parthei zu danken haben: Anm. Sie stehen unter andern in der bibliork. msx. patr. tonr. IV. p. Zvz. sM und Agmrre concll. Hilpan. tom. 11.9.79.14. Z84. VIII. Ambrosius B. zu Mailand, der zwei Bücher von der Buße wieder die Novatianer hinterlaßen. Anm. Sie stehen im Zweiten Theil seiner Werke nach der Benediktiner Ausgabe p. zgo. 412. IX. Isidorus von Petusium, unter deßen Briefen zwei wieder die Novatianer gerichtet sind. Anm Sie sind der MXXXVIII. und cccxxxix. des ersten Buchs. X. Eu- 1 Von der novatiünischen Spaltung. 28z X. Eulogius, Bischof von Alepandrien, I, C. der ein nun Verlornes Buch wieder die Novatia- 58 r. ner geschrieben. 2lnm. i. S.pbotivm wÄ. 128 p. 528 u.co. 22 p. zgi. ins Gesicht : Du bist ein Rezer. Die angeführten Zeugniße des Lyprian» stnd eben da gewesen. Unter denen, welche der Novarianer Lehre von der zweite» Buße vorstellen, kan Epiphanias ein Beispiel sey», deßen weit- läuftige Widerlegung seine Gegner nicht trift. Anm. 2. Von der römischen Kirche kan Baronius, Na« raliü Alexander, PaZi, Tillemonr und andere zur Probe L86 Von der novarianischen Spaltung. be dienen. Einige unterscheiden noch gnauer beide Begriffe. Sie sagen: ^ov»tisnu8 scliismsti s^unxit tiL?» reüm, und das ist ihrem Lehrbegrif gemäs. S. Sott- dini kiüor. pontisic. p. 4 Z. Von den Protestanten urtheilen gelinder. Basnage snnsl-politico-eocles. tom.II. x. zzy. Weismann memorabil. kiidor. ecclef. to»». I. p. 2;6. Larvner indem ostangezogenenBuch und mein Vater tiiüor. eccles. IV p. 1224. Arnold hat in seiner Riechen- und Rezerhisiorie auch hier nach seinen gewöhnlichen Neigungen geuttheilet, welchem Friedrich Men; eine eigne äiip. stuälo psrtium 0.^. in ria dlovstianor. Leipz. 1718- entgegen gesejt. tz. xxxx. Wenn wir unsere Gedanken davon sagen sollen, so würden solche eine zweifache mögliche Bestimmung der Streitfrage voraus sezen» Einmal würden wir uns in die Zeiten der Novatia- ner znrük sezen und alsdenn müsien wir sie vom Verdacht der Kezerei lossprechen, theils weil diejenigen Vorstellungen, durch welche sie, nach ihrer Urheber Meinung, wahre Grundirtümer gelehret hätten, falsch sind; theils weil die Lehr- säze, in denen sie wirklich geirret, entweder damals nicht zu den Glaubenslehren gerechnet wurden; oder doch die ihnen entgegen stehende Säze erst nach dem Ursprung der Novatianer solche Bestimmungen erhalten, daß der dawieder gemachte Widerspruch vor kezerisch gelten tonte: Hevnüch wenn wir ihren Lehrbegrif an sich betrachten und nach den Grundsäzen der christlichen Religion, die wir vor wahr halten, beurtheilen, so müßen wir von ihnen so, wie ehemals von den Montanisten, urtheilen. Sie sind fanatische Leute, nur keine Enthusiasten, gewe- Von der novarianifchen Spaltung. 287 sen. Dasjenige, was die fanatische Partheien so kenntlich machet, daß sie sich vor die einzige wahre Kirche gehalten, ist mein wichtigster Grund. Da aber em solcher Schwärmer auch in Grundartikeln irren kau, so würden wir zwar der No- vatianer Lehre von der gänzlichen Ausschließung der gefallenen Sünder von der Gemeinschaft der Kirche: von der Taufe: von der zweiten Heurath höchst misbilligen; können aber doch keine Unmöglichkeit des Glaubens an Christum bei diesen Irtümern einsehen. Wenn es nur erweislich, daß diese Leute wirklich den Jrtum gehabt, daß man in diesem Leben die höchste Stufe innerer Vollkommenheit erlangen könne, so würde dieses der erheblichste Jrtum gewesen seyn. §. XIT Aus diesem ist die zweite Frage, was überhaupt von den Novattanern zu halten? leicht zu beantworten. In unsern Augen ist Nova- tianus eher zu entschuldigen; als seine Anhänger. Bei diesen bemerken wir nicht allein einen fanatischen Stolz; sondern auch einen Eigensinn, eine Spaltung zu unterhalten, deren wahre Ur- sach mit Novatiani Tod hätte können vor begraben geachtet werden. Unterdeßen hätte dieses alles die rechtgläubigen Bischdffe bei weiten nicht berechtiget, an ihrer Ausrottung zu arbeiten, da sie sonst ruhige Leute gewesen und doch als einstimmig in den Religionslchren angesehen werden musten. Gewis diese Historie ist ein klarer und trauriger Beweis, daß auch in der Kirche 288 Von den Unruhen zu Carthago, Kirche durch Heftigkeit und Eigensinn aus einem kleinen Funken ein groö Fener entstehen könne. Änm. Da wir die vornehmsten und brauchbarsten Schrift, stcllcr, unter denen Tillemont, Larvner, Suysken, Mosheim, Mrst die vornehmsten stnd, bishero oft angeführet , so fügen wir noch bei, daß Sreph. Renket, Joh, Christoph Vrro, Perer Musaurr, Jok. Ulrich Mater, Arnold Pasch, und Samuel Schelrvig eigne doch unerhebliche Abhandlungen von den Novarianern geliefert, von denen in Sagicrarii intcoä. in iustoe. ec- clef. tom, I. p. ili2. n. tom. 1t. p. 694. und meines Vaters biblisch, cheol. uol.III. p. 77;. die Aufschriften zu finden. Die zweite Abtheilung Von den Unruhen zu Carthago, besonders der Spaltung des Felicissimi. S. I. ( 7 >afi zu eben der Zeit, da die römische Kirche sich in zwei Theile trennete, eine ähnliche Spaltung zu Carthago entstanden und ein Mann Felicifsimus vor die Hauptperson angesehen worden, ist bekannt. Allein die wahren Umstände derselben, sind noch in groser Dunkelheit und Verwirrung, wovon sich die Ursachen leicht begreifen laßen. Wir wollen uns bemühen, die Wahrheit etwas gnauer zu untersuchen und zu dem Ende zu erst die entferntere Veranlaßung, hernach die Geschichte der aus-. besonders der Spaltung des Felicjsitmi. 289 ausgebrochenen Spaltung crzehlen; endlich auch diese beurtheilen. 2nm Es ist zwischen der Geschichte der novarianiseben Spaltung und der Trennung des Felicissimi ein merklicher Unterschied. Einmal ist die leztere so wol nie,, sucht, deren Verantwortung z» hören, man außer allein Stand ist. Der daher entstehende gegründete Verdacht wird zweiten» dadurch größer, daß man zu viele Spuren findet, daß der Mann sehr wichtige Umstände verschweiget, wovon sich unten Beispiele finden werden. Drittens entstehen merkliche Luken in der Geschichte. Alles dieses hak veranläßet, daß die neuern gewöhnlich eine unrichtige Vorstellung von diesem Streit machen. Nach dieser sol die Streitftage gewesen seyn, ob man die Gefallenen ohne alle Kirchenduße in die Kirchengenieinschaft aufnehmen solle ? so daß solche von Lelicisstmo und seinen Anhängern bejahet; von prian aber verneinet worden. Diese Vorstellung ist nur zum Tbcil wahr. Diese Frage ist wahrscheinlich nicht die Ursach gewesen, warum sich Lelicisstmus von Lyprian getrennet. Wir haben bemerket, daß eins Hauptursache dieses Fehltritts darinnen liege, daß man den Ursprung dieser Unruhen nicht weit genug herhoh. let, und den Zusammenhang vernachläßigcr, durch welchen diese iml einigen altern Begebenheiten verbunden find. Es wird daher unsere Pflicht seyn, diesen Fehler zu verbeßern, und wir fügen hier nichts bei; als daß wir dankbar anzeigen, daß der selige Mosheim auch hier uns den Weg, zu einer richtigern Kantnis dicstr Angelegenheiten zu gelangen, unter den neuern Schriftstellern am meisten gebahnet habe. T §. ll. ll Theil. SYS Von den Unruhen zu Carchago, §. U- Wir reden zu erst von den entfernteren Ver- anlaßungen dieser Unruhen. Wir hoffen, nicht zu irren, wenn wir davon zwei angeben. Eim mal verdienet bemerket zu werden, daß wenn gleich Cyprian unleugbar durch die meisten Stimmen derer, welche den Bischof zu Cartha- go zu wehten, das Recht hatten, zu dieser wichtigen Stelle gelanget; dennoch es an Mlsver- gnügten nicht gefehlet, welche mit dieser Wahl nicht zu frieden waren. Wir müßen hier billig beklagen, daß uns von den Umstanden dieser Wahl und von den Ursachen des gedachten Mis- vergnügens nichts aufbehalten worden. Aus sehr vielen Briefen des Cyprians ist klar gnug, daß sich eine Parthei der Heimlichmisvergnügren beständig erhalten habe, ehe es zu einem öffentlichen Bruch gekommen. Und auch dieser erfolgte nicht pldzlich. Den ersten Anfang, welchen wir vor die zweite Veranlaßung halten müßen, gaben die Zwistigkeiten zwischen dem B. Cyprian und den Märtyrern, wodurch wir keine andere Personen verstehen können; als welche entweder Eeibesstrafen ausgestanden; oder noch im Gefängnis lagen und den Tod zu erwarten hatten. Die Verfolgung der Christen unter dem K.De- cio harre unter andern die traurige Folge, daß sehr viele sich zum Abfall und Glaubensverleu- gnung verleiten ließen. Ein großer Theil bereuet«: die Sünde bald und wünschte, wiederum an der christlichen Kirchengemeinschafr Antheil zu haben. Sie wendeten sich an die Märtyrer und besonders der Spaltung des Lelicisslnii. 29/ lind verlangten Friedensbriefe; oder dfentliche Zeugnisse, daß die Märtyrer sie vor Bruder erkennten und ihre Wicderaufnehmung wünschten. Solche Briefe hatten ein gros Ansehen und die Wirkung, daß die den Gefallenen aufgelegte Kirchenbusse dadurch wenigstens verringert und abgekürzet wurde. Es konte nicht fehlen, daß nicht nach und nach mit Ertheilung der Friedensbriefe grofe Misbräuche verbunden wurden, welche mit den Absichten der unter den alten Christen eingeführten Kirchenzucht garnicht bestehen konten. Einmal wurde zwischen den Personen, die solche suchten und erhielten, kein Unterschied beobachtet. Man unterlies die nöh, tige Prüfung, ob ihre Besserung auch ernstlich gemeiner und sie daher dieser Wohlthat würdig waren; oder nicht ? Dadurch wurde die Anzahl derer, so dergleichen Empfelungsschreiben brachten, über die maßen gros und die Gefahr noch gröser, die leichtsinnigsten und muhtwilligsten Ueberlaufer, die es bei der nächsten Verfolgung nicht besser machen würden, in die Kirche aufzunehmen. Hernach stetigen die Märtyrer an, in ihren Friedensbriefen sich ganz unbestimmter Ausdrüke zu bedielten. Man verlangte mit Recht, die Nahmen aller Personen anzuzeigen, denen ein solcher Friedensbrief nuzen solle, und beschwerte sich, daß ein uneingeschränkter Aus- druk, z. B. Cajus mit den Seinigen, tausend Betrügereien veranlassen muste. Endlich un- terfiengen sich einige, im Nahmen Hingerichteter Märtyrer algemeine Friedensbrieft vor alle Ge- T 2 fallene, 292 Von den Unruhen zu Larchago, fallene, ohne alle weitere Einschränkung; oder Bestimmung auszustellen. Beydes die Märtyrer und die von ihnen mit Friedensbriefen versehene Gefallene verlangten eifrig, den leztern eine grdsere Achtung zu erweisen; als es die Auf- rechrhaltunq der Kirchenzucht verstatten tonte. Und es war kein Wunder, daß B. Cyprian emen Ernst anwendete, diesem Unfug zu stemm. Er that es auf eine glimpfliche Art. Konto er aber wol überal Zufriedenheit sich versprechen? Nichts ist wahrscheinlicher, daß der Saame des Misverqnügens über sein Betragen, so der alge- meinen Hochachtung gegen die Märtyrer mehr gemäs zu seyn schiene, tiefe Wurzeln geschlagen und dadurch den Ausbruch der Trennung befördert? Anm i Daß eben die fünf Aeltesten, welche nachher» des Leliciffimi Partbei ergriffen, sich der Wahl des Lf- prirns zum Bischof von Carthago entgegen geftzet, meldet der leztere selbst, epiüol.Xl.. p. ;2. nicht aber die Ursach, warum sie es gethan. Wir werden von diesen Leuten unten reden. Anm. 2. Von dem Streit zu Carthago über die von den Märtyrern den Gefallenen gegebenen rLrievensbriefe sind unter Lyprrans Briefen der 10. n. 14 16.21.22. u. 29 als die Quellen anzusehen. Unter den neuern hat Mosherm oommentsr. ile rebus cknffianor. snte ' eonffsnc. lil. p. 490. sg. die Sache am richtigsten vor- '' getragen. Doch sind zu vergleichen: Daille ele poenis et satisksklionibus tiumsnis /ihn. VII. ca/>. 16. p. 706. Trllemon.t wemoir. pour iervir ä I'tiiffoire eccles. tom. IV. p.69. sg. jTarairs Alerander biffor. eccles. novl rekam. /«c.III. 706. Su^sken vit. L^prian. tom. IV- »6Ivr. kindror. p. 218- <9- Be^er «ie wa- xno veteris eccleüoe circs pEnirenres ri^cue, p. 89.lg- besonders der Spaltung des Felicistrmi. 29z §. m. Was nun zweitens die zu Carthago ausge- brochene Spaltung selbst berrift; so bemerken wir zum ersten die Personen, welche als Urheber derselben anzusehen. Die algemeine Frage, wer vor den Stifter dieser Unruhen zu halten? ist so klar nicht; als gewöhnlich geglaudet wlrd. Es ist unleugbar, daß Cyprian sich in seinen Nachrichten wiederspreche. An einem Ort meldet er mit sehr bestimmten Ausdrillen, daß eben der Novatus, Aeltester zu Carrhago, von dem wir vörhero reden müßen, die Quelle aller Uneinigkeit sey, welche den Kirchenft reden zerstöret. Hingegen stellet er an mehreren Orten den Kelicifsimum als die Hauptperson der entstandenen Spaltung vor. Es ist nicht leicht, diese einander enrgegengesezte Berichte zu vereinigen, und die Muhrmaßungsgründe müßen erst aus dem Verfolg genommen werden. Um unsere Leser in Stand zu sezen, selbst davon zu urtheilen, bemerken wir, daß die Entscheidung der Frage, auf zwei Umstände ankomme, die aber eben, wie unten erhellen wird, noch in Dunkelheit sind. Erstlich ist es gewis, daß Novatus den Felicisstmum zum Diakons bestellet; aber ungewis, wenn solches geschehen? Ist es geschehen, ehe der leztere sich den Befehlen des Eyr prians wiedersezet, so kan diese Handlung, als der erste Anfang der Trennung angesehen werden und Novatus wird alsdenn der Stifter derselben heißen können, obgleich alsdenn seilte Schuld sehr zufällig stylt würde. Zweitens ist auch T z gewis, 294 Von den Unruhen zu Larrhago, gewis, daß fünf Nettesten zu Carthago sich mit dem Felicisiuno im Wiederspruch gegen den Cypnan vereiniget; allein ganz ungewis, ob Novatus unter denselben gewesen? Wenn dieses bejahet wird; so würde abermals ein starker Verdacht auf den Novatus fallen, daß er die förmliche Trennung bewirket. So bald aber diese beyden Fragen verneinet werden, so bald bleibet uns gar nichts übrig, das eigentliche Vergehen des Novati zu bestimmen, und bei dem ersten Anfang, so weit er uns bekannt ist, wird Felicissimus stets als der erste Urheber erscheinen. 2 lnm. Hier haben wir nur anzuzeigen i) daß Lyprian den Novatum, der nachhero zu Rom die Unruhen angerichtet, vor den Urheber der Spaltung zu Carthago ausgicbt opill. XI^IX. p. 6z. 64. 2) daß hingegen er nicht allein in den andern Briefen mit gänzlichen Stillschweigen von Novato, den Felicissimum allein nennet; sondern auch epistol. XXXVlll. p. 51. ausdrük- lich meldet, der leztere habe inkinddu luo gehandelt. Die neuern begnügen sich, dieses zu wiederholen. Mos- heim erkennet, daß, da es uns an Nachrichten fehle, es schwer sey, den eigentlichcn Antheil des Novati zu bestimmen; erinnert aber gar recht, daß die Verbindung des Novati mit dem Lelicistlmo nicht lange gedauert haben müße, da steh der erstere zu Novariani Parlhei geschlagen, und selbst die Bestellung eines no- vatianischen Bischofs zu Carthago befördert, comment. k- 504. §. IV. Von dem Novato wollen wir hier weder das wiederhohlen, was wir oben gesaget; noch hier dasjenige berühren, was sich in dem Verfolg der!Erzehlung filglicher berühren läßet; sondern besonders der Spaltung des Felicissimi. 29s dem nur einige Anmerkungen beifügen. Einmal fraget es sich, ob der Novatus, der den Felicissimum zum Diakons gemacht, eben derselbe sey, welcherzu Rom an den novatianischenUn- ruhen so vielen Antheil genommen, und eine Person sey? welches billig bejahet wird. Zweitens es ist höchstwahrscheinlich, daß Novatus schon lang mit dem Cyprian im üblen Vernehmen gestanden und eine Parthei wieder den Bischof gemacht. Die Ursach dieses Misverstandnißes ist uns nicht berichtet. Drittens scheinet dieses den Cyprian veranläßet zu haben, auf die Sitten dieses Mannes Achtung zu geben. Mithaben oben gehöret, daß Novatus gar grobe Verbrechen zu Schulden kommen laßen. Wie es zur Untersuchung kam und er sich nicht allein die Absezung von seinem Aeltestenamt; sondern auch die Ausschließung von der Kirche befürchtete; der Ausspruch des Urtheils aber durch die vom K. Decio erhobene Verfolgung der Christen verzögert wurde; so nahm er daher Gelegenheit, die Verwirrung zu stiften. Daß er darüber nach Rom gegangen, ist gewis; allein ob es eine Art Flucht gewesen, läßet sich noch zweifeln. Anm. i. Daß es nur ein Novatus gewesen, erweiset Suysken ebendas. p. 157. Anm. 2. Das übrige alles lernen wir aus Lyprians epi- llol. Xl.IX. p. 6z. 64. Vergleiche Mosheim ebensa^ ?- Zoi.Igg. 5 §. V. 4 S96 Von den Unruhen zu Carchago, §. V. Felicifsimi Begebenheiten, außer denen, welcl-e den eigentlichen Gegenstand unserer Er- zehlung ausmachen, sind uns beinahe unbekannt» Es ist wol gewls, daß mehrere diesen Nahmen geführet; allein das ist falsch, daß zwei Felicis- simi bei den Unruhen zu Carthago bekannt worden , und daher fallt auch das weg, daß einer von ihnen Aellester daselbst gewesen. Die Nachricht, daß Novarus diesen Felicisstmum zum Diakono gemacht, hat mancherlei Fragen und die Begierde, diese aufzulösen, mancherlei Mutmaßungen veranläßet. Einmal wird gefraget, wie ein Aeirester einen Diakonum machen können? Diejenigen irren, welche deswegen den Nooatum vor einen Bischof halten. Andere, welche glauben, daß NovatUs durch einen fremden Bischof es thun laßen, haben keinen historischen Beweis ihrer Meinung. Noch andere nehmen die Erzehlung in ihrer eigentlichen Bedeutung und bemerken, daß Novatus einer besondern Kirche vorgestanden und daher sich vor befugt gehalten; sich selbst einen Diakonum zu sezen; allein eben dadurch den Bischof, der nichts davon gewußt, beleidiget. Zweitens wird gefraget, ob dieser Eingrif in die bischöfliche Gerechtsame vor; oder nach dem von Felicis- slmo unternommenen Widerspruch gegen den Cypriatt erfolget? Das erstere scheinet der Wahrheit gemäßer zu seyn. Aus dieser Vorstellung ist begreiflich, wie von verschiedenen Gelehrten behauptet werden können, daß Felicissi- besonders der Spa lrung des Lelicisttmi. 297 Mtts ein Laie, ein Diakonus, ein Presbyter gewesen. Von seinen Sitten macht Cyprian eme sehr traurige Schilderung. Er beschuldiget ihn, daß er Betrügereien und Diebstahl an fremden ihm vertraueren, Geldern begangen, mehrere ledige Frauenspersonen geschwängert und viele Ehen zerstöret und geschändet. Anm. I. Daß mehrere Felicissimi zu Karthago gewesen, lehret das Beispiel eines Märtyrers, deßcn Cyprian epilrol. I.XXXI. p. 165. gedenket. Baronin« snnsl. eccies. an». dLI. 1 V. §. 6v.6i. stehet in den Gedanken daß der Lelicisslmus, welcher der Stifter der Spal. tung zu Karthago gewesen, von demjenigen, welcher Nooaru« zum Diakons verordnet, zu unterscheiden sey; allein das Gegentheil erhellet aus Cyprian« Stellen, und habe» ihm daher Peacson snnsl. L^prisnio. an», dl.. 2l-22. Tillemont memoir. ton». IV. p. 612. und Guysken abl. l'snbb. tonr. IV. iept. p 248. mit Recht wiedersprochen. Eben diese gelehrte Männer haben daselbst den Irtum, daß unser Felicistrmn» Zielte- ster gewesen, welchen auch Baronin« angenommen, gründlich wiederleget. 2 nm 2. Die gemeldete Nachricht des Cyprian« epitlol. Xl.lX. p. 6z. lautet so^ Xovscu« bHicilllrnurn, sstei- litem suuna» elisconum, nec permittente nie, nec sciente, ins ssblioneet smbitiune conliitnit. Beider ersten Frage geben die erste Antwort Baronin«, Pe- tavius, Labbe, wie oben schon bemerket worden: die zweite, Suysken ebendas p. izi.u. 2zi. und Maran vit. L^pr. p. 76. und die dritte, Mosbeim p. 502. Die zweite Frage wird von Tillemonr p. 614. tzny«ken p. 25 z. und Maran p. 76. so beantwortet, daß der Dorfall sieb erst nach dem Ansbruch der Vcrdrüslich- keiten des Cyprian« mit Leliciffiino ereignet, mitbin lezrcrer nnr ein Laie gewesen, da er sich seinem Bischof zu wiedcrsezen angefangen; hingegen behauptet Pear, son ebendas §. 20.22. daß es vorbero geschehen, web chcm Mosbeim bcitritt. An sich läßet sich in Cyprü an« Bericht kein tüchtiger Entfcheidungsgrund entde- T 5 kcn; 298 Von den Unruhen zu Larrhago, keil; indeßen ist Pearsons Muhtmaßung deswegen wahrscheinlicher, weil sich daraus begreifen lastet, wie Leli- cWmus über das Austheilen der Allmosen mit feinem Bischof habe zerfallen können. Wir sezen dazu, daß Lyprian offenbar hier dem Novaeo mehr zur Last leget; als dem Feliciffimo, und überhaupt diese Einweihung nirgends zu den Beschwerden wieder den leztern rechnet. Es würde aber geschehen seyn, wenn er seine Wlcdersezlichkeit gegen den Bischof durch eigenmächtige Annehmung eines gottesdicnstlichen Amtes vermehret hätte. Anm.z Die Nachrichten von LelicWmi verderbten Sitten giebt Cyprian epiüol. XXXVU1. p. ZI. und existol. I.V. P 7tz- §. VI. Um den Zusammenhang unserer Erzehlung nicht zu unterbrechen, wollen wir diesen beyden vornehmsten Urhebern der Spaltung zu Cartha- go, noch die fünf Aeltesten beifügen, welche des Felicisstmi Parthei ergriffen und allem Ansehen nach sehr grosen Antheil an derselbe gehabt, da auch über diese zwei Streitfragen sich erhoben. Cyprian beklaget sich über fünfAeltesten in einem Brief sehr heftig, daß sie sich ehemals seiner Wahl entgegen gesezet und nun ihren Haß erneuert: daß sie sich mit Felicissnno vereiniget und nun offenbar werde, aus welchen Quellen diese Trennung gestoßen, u. d. g. Es ist ganz gewis, daß Cyprian in dem ganzen Schreiben, keinen einzigen mit Nahmen nenne uud nur einen, den Fortunatum, den nachher» diese Parthei zu ihrem Bischof verordnet, an einem andern Ort nahmhaft mache. Wer sind nun die Vier übrigen gewesen? wie haben sie geheißen? besonders der Spaltung des Felicisslini. 299 dieses ist die erste Frage, welche die neuern Gelehrten zu beaitworlen, bemühet gewesen. Man kan ab er sicherlich behaupten, daß die Muhtmas- sungeni einiger von andern beßer wiederleget; als etwas zuverlaßiger gcjaget worden. Am wich- tigsten, wenn wir überhaupt hier von Wichtig- tigkeit reden dürfen, ist dabei die Frage, ob der oft gedachte NovalUs unter diese fünf Aeltesten zu rechnen? welche von den meisten bejahet; von andern aber wegen sehr guter Gründe verneinet wird. Die zweite Frage betrift nur eine dunkle Stelle des Cyprians, in welcher er diese fünf Aeltesten mit fünf andern Personen vergleichet, die den Christen lästig gewesen. Anm. i. Die Hauptquelle ist hier der XI.. Brief des Ly« prians, p. 52 indem er von diesen fünfAeltestcn redet. Daß Lortunarus unter ihnen gewesen, meldet er aus- drüklich epiü. dV. x. 8Z- Anm 2. Die neuern Gelehrten haben keinen andern Weg einschlagen können, die Nahme» der übrigen vier Acl- testen zn finden; als daß sie auf die Personen aufmerksam gewesen, welche zur Partheides Feliciffimi gehöret. Wie diese Regel sehr unbestimmt ist, wenn die andern Merkmale, sonderlich, daß es Aeltcste gewesen, und nicht vorhero von der Kirche zu Carthago ausgeschlo- ßen worden, nicht dazu genommen werden; so hat es nicht an Fehltritten mangeln können. So hat Pear- son Recht, daß Felix und Repostus, welche Pamelius hierunter zehlet, hiehcr nicht gehören können, und eben so hat Tillemonr mit Grund Pearson wiederleget, der den Iovinnm und Marimum unter die fünf Aeltesten sezct. Wir halten uns hier bei diesen Nahmen nicht auf, weil fie unten so werden vorkommen, daß man ste beßer wird kennen lernen. Maron vit. < 7 ^pr. p.77. hat einen andern Weg eingeschlagen. Lyprian mel- det epifi. V. p. n. daß die vier Aeltesten, Donatus, Fortungtus, Novatus und Gordius an ihn geschrieben; z oo Von den Unruhen zu Larthago, den; er aber ihnen nicht antworten könne, weil er in seiner Abwesenheit den guten Naht seiner Gemeine nicht erhalten tönte. Wir wißen aber nicht, was diese Leute geschrieben, und daher läßet sich nichts weiter daraus folgern; als daß sie damals mit einander verbunden gewesen. Den fünften glaubet auch Naran beim Lvprian zu finden, in der Person des Gau von Didda; es hat aber Sufsken aÄ. ssnüor. tom. IV. p. 252. wol erwiesen, daß diese Muhtmaßung falsch sey. An den Novalum, der wirklich Aeltester zu Karthago gewesen, und nach Lyprians Zeugnis an Felicisftmi Unternehmungen so vielen Antheil genommen, muste man beinahe natürlich zuerst gedenken; allein Pearson fände grose Bedcnklichkeiten, ihn unter die fünf Aeltesten zu sezen. Tillemonr p.öiz. und Su^sken p. 2Z2 haben diese zu heben gesucht; allein Moskeim p. 508- hat des Bischofs Meinung aufs neue unterstüzet. Anm. z. Die sehr strittige Stelle des Lyprians epift. XI,. x, zz. ist diese: guingne ilft pretbvteri lllbilLlinätunr; ousm r/ü, gui eciiktc, nuper ma^i- uratibus suerune copulsti, ut iiäem nollram subeus- rent, und die Frage: was hat man durch d»e czuingue primorsb zu verstehen? Pamelius läßet hier den Ly- prian ein göttlich Gesicht sehen, welches durch die Empörung der fünf Aeltesten in die Erfüllung gegangen. Hier bat nicht Lyprian; sonder» der gute Pamelius geträumet. Baronius »nnsl. eccles. a»u. §. Z i. erdichtet, daß fünf Aeltesten, die in der Verfolgung abgefallen, den Verfolgern hülfreiche Hand geleistet. Am besten verstehet man fünf Personen von der Stadt- obrigkeit ; oder Bürgerschaft zu Karthago, welche an der Der'olqung Antheil genommen. So haben Rigaue, Tillemonk, Maran, Suysken und andere gedacht. §. VII. Zum zweiten wollen wir nunmehro die Unruhen selbst in ihrem Zusammenhang erzehlen, wie wir ihn aus den, in Cyprians Briefen zerstreuten, Nachrichten herleiten können. Cyr Man, besonders der Spaltung des Lelicisstmi. zor prian, der noch an dem Ort seiner Entfernung war, hatte nach Carthago zwei Bischöffc, Cal- Donium und Herculanum, und zwei Aerre- ften, die zugleich angesehene Bekenner waren, Regatianum und Numidicum, geschikt, um an seiner Statt Allmosen auszutheileiu Er hatte ihnen den dreifachen Befehl ertheilet, einmal, ganz armen ihre völlige Nohtdurft zu reichen: hernach, andern, die eine Kunst gelernet, so weit unter die Arme zu greifen, daß sie arbeiten und ihr Brod verdienen tönten: endlich die Umstände dieser Leute gnau zu untersuchen, damit er die würdigsten zu gottesdienstlichen Aemtern befördern könne. Wie die Abgeordneten anlangten und ihr Geschäfte ausrichten wollen, widerstand ihnen Felicissimus und verhinderte, daß die erste und zweite Absicht nicht völlig und die lezte gar nicht erreichet werden tonten. Er gieng soweit, daß er mit einem algemeinen; oder besondern Bann diejenigen, und selbst die Armen bedrohet, welche den Befehlen ihres Bischofs gehorchen wollen. Dieses ist der erste Anfang der Unruhen, bei dem viel dunkel ist und man klaget billig, daß Cyprian die Hauptsachen nicht gemeldet. Es kömmt alles auf zwei Fragen an: einmal, wie hat Felicissimus dieses nüzliche Geschäfte hindern können? Diejenigen, welche diesen Mann blos vor einen reichen Privatmann halten, haben hier unüberwindliche Schwierigkeit; so bald man aber anmmmt, daß er damals schon Diakonus gewesen, und sich aus der K»r- chenhistorie erinnert, daß den Diakoniö das All- » . mosen- ZO2 Von den Unruhen zu Carrhago, mosenwesen anvertrauet, so läßet es sich eher begreifen, wie er in diesem Geschäfte dem Bischof sich wiedersezen können; hernach warum ist Fe- licisilttius mit den Anordnungen seines Bischofs nicht zufrieden gewesen? Dieses hätte Cyprian vorzüglich melden sollen, und da dieses nicht geschehen; so behelfen sich die neuern Gelehrten mir Muhtmaßungen. Das wahrscheinlichste ist, daß er die Absendung der Abgeordneten als einen Eingrif in die wolhergebrachte Diakonatsrechte angesehen. Wir wagen es noch eine Muhtmas- sung beizufügen. Da Felicijsimus wegen der Wiederaufnahme der Gefallenen gelinde Grund- säze gehabt; so kau es seyn, daß ihm die den Abgeordneten anbefolne Untersuchung bedenklich gefallen, weil solche eine Gelegenheit geben können und vielleicht sollen, zwischen den Gefallenen und nicht Gefallenen einen Unterschied zu machen, der mit seiner Denkungsart nicht übereilt kam. Anm. i. Wir lernen die erzehlte Begebenheit aus Lxprk an epist. XXXVIII. P.Zl. Anm. 2. In Lyprians Erzehlung ist nichts dunkler; als folgende Stelle VVM FelicWmo: connninatus eli iratribus noiiris, gui primi expunZi Ll.cell'ersnt, po- tentstn imyrodo er terrore violento, gnoä secum m non eommunicarent - - Was hcist hier inmon- te? Es giebt zwei Hauptklaßen der Ausleger. Die erste sezet voraus, daß dieser Text acht und richtig sey, und folgert billig, daß hier die Rede von einer Kirche sey, bei der Leticifsimus als Diakonus gestanden; theilet sich aber so, daß einige eine Stadt außer Car« thago annehmen, welche den Nahmen IVlons geführet, wie Fell in not. sll L^prisn. p. Zo. anvere aber lieber dadurch eine Gegend nahe -ei; oder wol in der Stadt besonders der Spaltung des Felicissinn. zog selbst verstehen, welche wegen ihrer höher» Lage den Nahmen eines Berges geführet, wie pamelius, Tille- mont, p. 614. Su^sken p. 249. Mosheim p. ;oi. Die zweite glaubet, daß hier eine falsche Lesart sey, und aus einigen Handschriften in mone gelesen werden mäße, wie Baluze not. in t^pr. p. 426. und Böh« mer lliffert. zur. eccies. sntigui p. 120. t» welchem Fall es wol so viel beißen solte, daß er auch im Fall des Todes solche Leute nicht wieder aufnehmen wolle. Unter diesen verschiedenen Erklärungen dürfte wol die mitlere den Vorzug verdienen, ob sie gleich selbst keine historische Erweislichkeit vor sich hat. Daß aberMa- ran vit. L^pr. p.77. beifüget, Feliciffimus habe den andern den Tod selbst gedrohet, ist offenbar ungegrüm- det, wie Suysken wol erkennet. Anm. z. Von.den beyden Fragen haben wir alleizi von der zweiten etwas zu erinnern, da die erstere aus §. IV. ihr Licht empfanget. Man siehet gar bald ein, daß die ganze Beurtheilung der Unternehmungen des Leli- cijsimi auf die Ursache beruhet, die ihn zum Wieder- stand gegen die Verordnungen seines Bischofs wegen der Allmosen bewogen. Diejenigen, welche in solchen Fallen geneigt sind, solche verdiente Männer, wie Ly- prian gewesen, immer außer aller Schuld, solte es auch eine kleine Uebereilung seyn, zu sczen, geben sich Mühe, zu den Handlungen ihrer Gegner immer die Nachtheil ligsten Bewegungsgründe aufzusuchen. So muhkma- ßet hier Tillemont memoir. to,». IV. P-Yi. Lelicist»- mus habe sich gefürchtet, wegen seiner Verbrechen ge- strafet zu werden, und um dieser Gefahr zu entgehen, sich gegen seinen Bischof aufgelehnet. Eben solche Gedanken äußert auch Suysken, p. 248- Wenn auch ein solcher Bewegungsgrund in Felicifsimi Herzen geseßen, welches doch billig dem Herzenskündiger zu überlaßen; so konte er ihn doch nicht zum Verwand einer Sache brauchen, die bei andern Beifall gefunden. Mosheim p. zoZ. hat wol Recht, daß Lelicifiimu» hier als Diakonus darauf gedrungen, daß die Austheilung der All- »nosen seinem Orden gehöre. Er sezet hinzu, daß vielleicht die Flucht des Lyprians zur Zeit der Verfolgung wie andern Misvergnügten; also auch dem Leliciffimo einen Verwand verschaffet, feine Verordnungen als ungültig z<-4 " Von den. Unruhen zu Carchago, gültig anzugreifen. So viel ist gewis, daß von denen, so sich zu Cartbago vom Lyprian gctrennet hatten, diesem bittere persönliche Vorwürfe gemacht worden, wie der l^XIX. Brief p. 121. ausweiset. tz. VM. Felicissimi Wiederspruch mus Beifall gefunden haben. Caldonius und Herculanus und die anderen Abgeordneten erstatteten an den noch abwesenden BifchofCyprian ihren Bericht. Er ertheilte ihnen eine Antwort, die noch vorhanden. Er befahl, den Felicisstmuln in Bann zu thun und einen Augendum, der sich mit jenem vereiniget hatte, zu bedrohen, daß, wenn er sich nicht beßern würde, er gleiche Strafe zu gewärtigen habe. Es ist hier billig bedenklich, daß der Bischof sogleich eigenmächtig mit dem Kirchenbann verfahren, der doch sonst in solchen Angelegenheiten dre Einwilligung des Volks vor so nichtig gehalten. Die Abgeordneten waren un- terdeiren mchr nachläßtg, den Befehl zu vollziehen und durch eine noch vorhandne Schrift es bekannt zu machen. Lnm. i. Die Antwort des Lyprians auf den Bericht seiner Abgeordneten ist eben der XXXVtll Brief p. bei welchem wir hier noch zweierlei zu erinnern haben. Erstlict) man siehet aus dem Schluß deßelben, daß noch mehrere Glieder der Gemeine zu Carchago es gleich im Anfang mtt Felieistimo gehalten haben. Unter diesen nennet er den AugenSum. Es verstehet sich von selbst, daß dieser mit dem Bekenner Augenvo epik. Xs.VltI. p.62. nicht zu verwechseln. Zweitens findet sich am Ende des Briefes ein Befehl, ihn nach Karthago an die dafige Geistlichkeit zu fchiken, welches desto unerwarteter, da kein Zweifel ist, daß die Abgeordneten selbst nach Carchago geschikt worden. Man lese Tille- monr besonders derSpalmng des Fellcistlmi. zvs Enonr p.612. Baluzo not. in l^xr. p.426. undSu^s, ken p 2ZQ. Änm. 2. Unter dcnDn'efcn des Typrians ist der XXXIX. A..52. ein kurzer Aufsaz im Nahmen der Abgeordneten, ub>r den viele kritische Frage» entstanden, und zwar i) was dieser Aufsaz eigentlich sey, da ihn einige vor einen Krief an den Lyprian; andere vor eine schriftliche Gannerklariing halte»: 2) wie zu den beyden Bi- schöffcn noch ein dritter Victor komme ? z) was es mit den hier in Kann gethanen Personen vor eine Bewand- yis habe? Sie sind Felicijfimus und Augendus: ferner Repostus, mit den Zusaz äe extorribug, das ist, welche um der Religion willen zur Zeit der Verfolgung ins Elend gegangen: Irene, mit dem Beifaz kutHo- rum, so ihr Geschlechtsnahme zu seyn scheinet. Paulla,. eine Nahrerm (laccinaciix) »och weiter Sophromus, der mit Reposto gleiche Schiksale gehabt, und Solias, sus mit dem Beisaz öudinscius, wodurch ebenfals ein Handwerk angezeiget wird. Man lese über diese Schwierigkeiten Tillemonr g. 612, Baluw p-426 liz. Su^ ken. p. 2>o. Wir bemerken hier nur die Schwierigkeit, daß die Abgeordneten weit mehr Personen in Bann gethan ; als Lfprian ilmen befohlen, und daß schon hier unter Felicilfimi Anhängern Lckcnner erschienen. §. IX. Dieser Schritt gab denn die Gelegenheit zum völligen Bruch. Die fünf Aeltesten, von denen wir öden geredet haben, verbanden sich mit Fell: cifsimo und feinen Anhängern, und suchten feme Parthei durch den Beitritt der Bekenner und der Gefallenen zu vergröfern. Sie versprachen diesen die Wiederaufnahme in die Gemeinschaft der Kirche. Hier ist also das erstemal, daß die Streufrage von der Wiederaufnahme der Gefallenen iil dieser Historie vorkommt. Man kan sie dahero. nur als eine Nebensache ansehen, II Theil. u welche Z s6 Von den Unruhen zu Carrhago, welche aber die Gegner sehr geschikt gebraucht, sich auf der einen Seite einen grosen Anhang zu verschaffen; auf der andern aber den Cyprian verhaßer zu machen, über deßenStrenge die Bemühter unter den Gefallenen so wol, als den Bekcnnern schon aufgebracht waren. Wie weit diese Leute ihre Gelindigkeit getrieben, läßet sich sehr schwer bestimmen. Es scheinet nemlick allerdings zweifelhaft, ob sie alle Kirchenbuße aufgehoben wißen wollen; oder ob ihnen nur die langwierige Buße miöfallen. Es sey dem, wie ihm wolle, diese Leute machten in der Gemeinde ein gros Aufsehen und Cyprian hielte vor nichtig, an dieselbe schriftliche Vorstellung zu thun, weil ihn eben diese Händel ndhrigten, seine Zu- rükkunfr bis nach Ostern aufzuschieben. Man siehet, wie sorgfältig er ist , die Bemühter durch das Versprechen zu besänftigen, daß er die Frage wegen der Wiederaufnahme der Gefallenen auf einer Kirchenverfamlung untersuchen wolle. Doch mischet er auch Drohungen ein gegen die, welche es ferner mit den Felicissimo halten würden. Anm. Diese hier erzehlten Begebenheiten meldet Cyprian epikol. Xl> p, 52. IgH- Mit dem, was er hier von der Gelindigkeit der fünf Aeltesten gegen die Gefallenen saget, ist noch epiüol. I^V. x. 87- jn vergleichen. §. X. Cyprian kam, nach wieder hergestellter öfemlicher Ruhe, wieder nach Carthago und veranstaltete die versprocheneKirchenversamlung, die besonders der Spaltung des Felicifstmi. zoy die sehr zahlreich war und nicht allein aus Bi- schdffen; sondern auch aus Aelresten undDiako- nis bestand. Es ist zu beklagen, daß die von den versamleten Geistlichen an die auswärtige Gemeinden abgelaßene ausführliche Berichte verloren gegangen. Unrerdeßen wißcn wir doch einiges, das uns nüziich ist. Die Hauptfrage von dem Betragen gegen die Gefallenen wurde abgehandelt und gnau bestimmet. Es wurden auch die funfAellesten und Felicifstmus verhöret und durch einen ConcMenschlus in den Kirchenbann gethan. Wir haben Ursirch, zu wünschen, daß wir die wahre Gründe dieses Urtheils wißen mögren. Nach Cl-prians Vorstellung war der vornehmste, daß sie die Kirchengemem- schast mit den Gefallenen unterhalten und die Kirchenbuße derselben zu verhindern nicht unter- laßen sotten; doch so, daß damit zugleich ihre persönliche Verbrechen verbunden worden. Allein von den ersten Handeln des Felicifsimi mit dem Cyprian wegen der Austheilung der All- mosen wird in den wenigen Nachrichten nichts gedacht. Man kan daher nicht bestimmen, ob die Kirchenvecsamlung das Verfahren des Bischofs gebilliqet; oder nicht. Es verdienet auch dieses bemerket zu werden, daß man denFelicisi stMUM erst gehöret. Mithin mus die Versam- lung die vorhergegangene Bannerklarung durch Cyprians Abgeordnete nicht vor so rechtmäßig gehalten haben, daß sie keme weitere Untersuchung zulaße. »i u 2 F 2lnm. ZO8 Von den Unruhen zu Carchago, Anm. Die Quellen sind Lyprians eplll. Xl.II. p. § 7 . und epiü l.V. p. 87 - ll>d S. noch tNansi coliskl. consil. tom. I. p 86 z. und meine Historie ver Lirchenver- saml. S- rc». H. XI. Dieser Concilienschlus war nickt fähig, der Kirche zu Carthago die völlige Ruhe wieder zu schenken. Felicifsimus und die fünf Aelresten müßen nock Freunde umer den dasigen Christen gnug gehabt haben, daß sie eine eigne Gemeinde ausmachen und sich einen eignen Bischof erweh- len komm. Dieses war Fortunatus, einer von den fünf Aelresten. Ob sie gleich ausstreue- ten, daß fünf und zwanzig numidische Bischbffe zu seiner Einweihung nach Carchago kommen würden; so waren es doch nur fünf, die dieses verrichteten. Sie hießen Pnvatus, Felix, Jo- vinus, Maximus und Repostus, lauter Männer, die entweder wegen der Kezerei; oder wegen des Abfalls in einem schlechten Ruf standen. Der neue Bischof suchte sich auch den Beitritt der auswärtigen Bischbffe zu verschaffen. Keli- cifsimus lies sich selbst zum Abgeordneten an den B. Cornelium von Rom gebrauchen. Cornelius, der selbst mit dem Novatiano seine Hände voll zu thun hatte, wolle ihn nicht annehmen. Allein Felicifsimus machte ihn durch feme Drohungen und Lermeir beinahe wankend. Doch Cyprian ermangelte nicht, durch eine feurige Gegenvorstellung ihn auf andere Gedanken zu bringen. Der Anhang des Feliclssr- mi hat sich auch zu Carchago vermindert und wir besonders der Spaltung desFelicifsinn. Z09 wir wißen von wettern Schiksaalen deßelben nichts. Anm. Von allen diesen Begebenheiten giebt Cyprian epiL. bV. x. 79. sg. allein Nachricht. §. XU. Znm dritten können wir nun auch die Frage von der Zeit, wenn diese Begebenheiten vorgefallen, untersuchen. Die Merkmale sind hier sehr leicht und deutlich. Wie die Händel anmengen, war Cyprian noch an dem Ort seiner Entfernung, an welchem er beinahe vierzehen I- 6 Monate sich aufgehalten. Da er in den ältern ^o- Briefen davon nichts gedenket, so ist wahrscheinlich, daß man den ersten Anfang entweder in das Ende des I. 250, oder noch beßer in den An- 251. fang des folgenden sezen müße. In eben diesem Jahr kam Cyprian nach dem Osterfest, welches m das Ende des Merzmouats fiel, zurük und wahrscheinlich hielt er die Kirchenversam- lung im Maimonat. Anm. Diese Rechnung beruhet auf die von Pearson, Til- lcmont, Pagi, Maran und Suysken mit grosen Fleis berichtigte Chronologie der Begebenheiten des Lfprians. §. xm. Es ist noch drittens übrig, von dieser Spaltung unser Urtheil beizufügen. Alls dem, was bisher» vorgetragen worden, ergeben sich die Gründe von selbst, warum es sehr schwer fället, etwas zuverläßiges zu sagen. Wenn man freilich voraus sezet, daß die Schilderung des Ehalt z racters z l« Von der Streitigkeit racters des Felicissinn, welche Cyprian gemacht, in allem nut der Wahrhell üderenlstim- me; jo wird sehr leicht die Folgerung in die Augen fallen, daß er völlig und ganz Unrecht gehabt. Wir wollen ihn auch hier nicht vertheidigen. Nur können wir nicht bergen, daß uns Cyprian auch grose Fehltritte gethan zu haben scheinet. Beyde Theile haben ihren Leidenschaften zu viel Gehör gegeben und es ist zu be- dauren, daß der Mangel christlicher Nachsicht und liebreichen Betragens gegen einander solche den christlichen Gemeinden so nachkheilige Unruhen veranläßet und unterhalten, zumal zu einer Zeit, da eine der heftigsten Verfolgungen von außen der christlichen Kirche die gröste Gefahr drohete. 2 t»m. Zu den bishero oftgedachten Schriften des Pear- sons, Tillemonrg, Mosheims, Marans und Gu/s-> kens können noch beigefüget werden: Lasnagens »nnsl. poiitico-eccles. tom.ll, p. ZZZ. Leillers Inttoire >ie» autsu 78 eccies. tom. III p. n, l und Eusebius bistor. ecclsf. //hr. VII. eax. z. 2) daß andere ebenfals ein solches ja apostolisches Altertum der römischen Gewohnheit geglaubet, beweiset das Exempel des ungenannten Verfaßcrs des Buchs cie re- - dspnlmiwe p zzz. der Werke des Typrian» nach der - balnzisehen Ausgabe und des Augnstrni äe bapt. eon- - trs Oonst. /ihr. V. cazr 2Z. /am. IX. oper. p. 126. z) den Typrian scheinet Eusebius kiilor. eccles. /ihr. VII. ca/,. z. vor den ersten Urheber seiner Meinung zn halten, und wird deswegen von seinem gelehrten UebersezerDu- valois getadelt. Allein da dieser Irkum deswegen ganz unbegreiflich ist, weil, wie unten vorkommen wird, Eu< sebius selbst Lionpsii Zeugnis liefert, daß in den Morgenländern lange vcrhcro L^prians Meinung die Oberhand gehabt; sohakPearsonsnns>.L)'pr. ann. dl.VI. §. 6. wo! Grund zu glauben, daß Euscbii Bericht nur Einschrankungsweise auf die Z?jt der entstandenen Streitigkeit zu verstehen. Ihm ist 'Wilb. Lorvrh hcigetre- ten. S- ReaSings Ausgabe von Eusebio p. Z2Z. 4) gewißcr ist, daß Vincentius vonLcrins den Agrippi- num vor den ersten Bestrciter der Kezcrtaufe gehalten in commonitor. 5) Unter denen, welche dieKe« zertaufe verwerfen, hat Lyprian epitl. bXX. und I^XXIll. nicht geleugnet, daß sein Gegentheil das Altertum vor sich habe; wol aber theils, daß es eine U tz aposto- Z!4 Von der Streitigkeit . apostolische Tradition sey; theils daß sie algcmeinsey; hingegen haben Firmilian epistol. Ozcprisn. H.XXV. ' und Dionysius bey dem Eusebio H. L. übr. VII. cax. 7. behauptet, daß in den morgenlandtschen Gemeinden die Gewohnheit sey, die Kezertaufe zu verwerfen. Der erstere bemerket den Unterschied, der sich zwischen den afrikanischen und morgenländischen Kirchen fände, ganz gnau. Jen« habe ihre ehemalige Gewohnheit, die Kezertaufe zu billigen, nach der Wahrheit verketzert; diese aber verbände Altertum und Wahrheit zugleich und beobachte, was ihnen von Christo und den Apo, jkeln überliefert worden. 6) Unter den neuern vertheidigen die erste Meinung, daß die Billigung der Kezertaufe vor den Streitigkeiten, wenigstens vor Agrippi- ' no, algenicin gewesen und eine Tradition vor sich habe, fast alle römischkatholische Gelehrten, bei denen freilich Stephan» Versicherung ein groses Vorurtheil ist, unter andern Tillemonc memoin pour lervir s I' hiüoire eccles. tom. IV. p. l ZY- Sondini Alp. IM. VII. sä vit» pontis p. 65. und Suysken vit. L^pnsn. tom. IV. lept. »öd. ssnÄor. p. 296. und von Protestanten, Forbes in- struÄ. hiilor. rbeol. p. 479. die zweite, daß L^prians Meinung die älteste Gewohnheit gewesen, Launoi tom. VIII. exrst. i;. Sam. Basnage snnsl. politico-ecclef. tom. II. p- Zl. Jac. Basnage killoire äe I'6^115« ton». I. p. 179. die dritte, daß in verschiedenen Kirchen hier- . innen verschiedene Gewohnheiten statt gehabt, weis- man memor. kistor. ecclet. tom. I. p. 247. Selbst scheinet dieses Peter Bosch vit. 8. 8tepk. tom. I. su- xuü. sÄ. smÄ. p. 118 erkannt zu haben. §- m. Die Entscheidung dieser Streitfrage kan nur auf zweierlei Art untersuchet werden. Man läßet entweder die Versicherungen, die im dritten Jahrhundert beyde Theile van dem Altertum ihrer Meinung und Gewohnheit geben, als einen Beweisgrund gelten. In diesem Fall würde es sehr unbillig seyn, wenigstens nicht ohneVor- ausse- über die Aezernmfe. z 7 5 ausseznng einer Untrüglichkeit des Papstes, auch in historischen Dingen, welche von nnparcheii- schen Geschlchtschreiberii nicht erwartet wird, geschehen können, daß wir einem Theil allein glauben. Nach diesem Weg bleibet kein anderer Schliis übrig; als daß beyde Theile hierinnen die Wahrheit geredet: mithin in einigen Gemeinen die Kezerlaufe gebilliget; in andern verworfen worden: welches desto eher glaublich, da theils gewls gnug keine bestimmte und verbindliche Vorschrift über diesen Fall in den göttlichen Büchern vorhanden: umbin die christlichen Gemeinden desto leichter von einander abgehen können ; theils ja ähnliche Falle vorhanden sind, da zwischen verschiedenen Kirchen eine Verschiedenheit der Kirchengebraucke sich gefunden. Odev man suchet selbst, durch anderweitige Zeugniße Uiid Nachrichten älterer Schriftsteller es auszumachen. Obgleich dieser Weg an sich der beste und sicherste ist, so ist er doch hier nicht möglich. Es ist ausgemacht, daß überhaupt kein älterer christlicher Lehrer etwas von der Frage: ob die Ke- zertaufe gültig sey? gestrget; als Lertullianus. Es ist auch durch mehrere Stellen desselben klar, daß er diese Frage schlechthin verneinet. Dieses ist nun wichtig gnug zu beweisen, daß Eyprian nicht der erste gewesen, der eben so gedacht, allein es läßet sich nur keine Algemeinheit dieser Meinung unter den alten Christen daraus folgern; theils weil, was Tertullian saget, von den Gemeinen in Afrika zu verstehen ; theils weil er hier als Montanist schreiben z l 6 Von der Streitigkeit den kan, in deren Lehrbegrif diese Grundsäze statt hallen. Anm. i. Es ist hier merkwürdig, theils, daß Auguftinus bet aller Heftigkeit in Bestreitung der c^prian,schon Meinung eingestellet, daß zu L^prians Zeiten diese Frage noch durch keine Vorschrift entschieden gewesen/ und daher sein Irtum Entschuldigung verdiene. Man sehe deßelhen üöc. I. cle bspt. contra IDonatist. cax. iZ- /ri-c. II. ca/i. 4 z. Z. tom. IX- oper. p. 66. Igg. /rö»-. II. contra Lrelcon. cax. zz theil» daßLirmilian epist. I.XXV. Lz/pr.. p 144. ebenfals die Anmerkung, daß in dergleichen Fallen die Gewohnheiten der Kirchen verschieden gewesen, gemacht und durch das Beispiel des Oster- streits sehr schiklich erläutert. Anm. 2. Die Stellen des Tecrullians, so hieher gehören, stehen cle baptism. ca/>. i;. äe piscicript. rax. 12. u. äe xmiicit. raz). ih. Man sehe Bingham hillor. scholast. bapt. laicorum. l. cax. i. §. 20. p. 41. der gar wol erinnert, daß dieses Mannes Grundsäze von der Kezertaufe nicht vor montanistisch zu erklären, da 6e mit den Schlüßen der afrikanischen Lehrer unter dem Agripptno wol übereinstimmen. Anm. g. Man kan noch als Zeugniße von dem Altertum der cypcianischon Meinung die canon. apoll. 4;. II. 46. n. conlllt. apost. hör. VI. rax. 15. bemerken, nur läßet sich weder die Zeit; noch die Provinz mit völliger Ge- wisheit bestimmen. H. IV. Dem sey nun wie ihm wolle, so ist kein Zweifel, daß vor dem Ausdruck) der Slrettigkeil in mehreren Kirchen nicht allein die Kezertaufe verworfen; sondern auch von Kirchenversamlun- gen, die diesem Grundsaz gemäße Verordnung gemachet worden, daß wenn Personen von einer kezerischen Parlhei zur rechtgläubigen Kirche übertreten, solche erst getaufet werden müßen. über die Rezerraufe. z 17 Die älteste Kirchenverjamlung scheinet diejenige gewesen zu seyn, welche unter Agrippino zu Carlhago gehalten worden, obgleich das Jahr selbst so gnau nickt bestimmt werden kan. Es vereinigten sich auf derselben siebenzig Bisckdffe aus dem eigentlichen Afrika und Numidien in dem Schlus, baß die Taufe, welche von Kezern ertheilet worden, ungültig und solche Personen, die von ihnen gerauft worden, dem ungeachtet die Taufe in der rechtgläubigen Kirche empfangen müßten. Ob man überall in Afrika diesen Schlus beständig bis auf Eyprians Zeiten beibehalten, ist eine Frage, die nicht gewis beantwortet werden kan. Anm r. Wir kennen diese Kirchenversamlung aus dem l^XXI. u.b,XXIII. Brief des Lyprians, p. 126. u. 129. Die jünger» Schriftsteller, Augustinus, Vincenrius von Lerins, Lacunvus, von denen ich die Stellen in der -Historie ver Rirchenvers Syl. angeführet, haben aus diesen Quellen schöpfen müßen. Zu dem, was ich an dem a.D. schon gesaget, seze nur bei, daß Au, Austin I. Ä. lsn- öbor. tom.I V. iept. p. 204. Anm. 2. Die aufgeworfene Frage scheinet Augustinus zu bejahen; allein er hat keinen historischen Beweis; sondern macht nur Folgerungen aus unerwiesenen Grund- sazen. S. die iiöta 8 8. ebenoas. p. 206. und Tille- monrp. 144. Das ist gewis, daß zu Lyprianrr Zeiten einige F C. 200. 2tZ. Z18 Von der Srrettlgkeic einige Bischcffe an der Rechtniäßiqkeit dieses Schlußcs - gezweifelt, wie im folgenden vorkommen wird. §. V. In den morgenländischen Gemeinen haben gewis mehrere Concilien ähnliche Schlüße ge- I. C. macht, obgleich uns nur die Nahmen zweier Oer- 2Z5- ter angezeiget worden. Eines wurde zu Jco- nien von den Bischdffen in Phrygien, Kappa- dociell, Galatien, Cilicicn und andern benachbarten Provinzien gehalten. Man weis, daß die Montanisten dazu die Gelegenheit gegeben und daß nicht allein dieser genannten; sondern auch anderer kezerischcr Parrheien Taufe verworfen worden. Es ist nur wahrscheinlich, daß mair dieses Urtheil auch auf die Taufe solcher Bischöffe ausgedehnet, welche zur Verfolgungs- zeir m die Glaubensverleugnung gefallen. Eben ein solch'er Schluö wurde zu Symiadm gemacht. AniU Das ecsrcre meldet Lirmilian epill. I^XXV. t^pr, p. ig;. be^Ve aber mit dem Zusaz von andern, Dio» N)'s>us , bei den» Eusebio 14. L./kö^. VII. cazo.H. Man vergleiche meine Loncilienhisior. S. 9 ;. wo auch von der Chronologie geredet worden. §. VI. Es findet sich hingegen von dem andern Theil gar keine Nachricht, daß von demselben vor die Gültigkeit der Kezertaufe ähnliche Verordnung gemacht worden. Unterdessen waren die Concilienschlüße wieder dieselbe allezeit nur Vorschriften einzelner Provinziell, die daher weder eine algemeine Verbindlichkeit haben tonten; über die Rezerraufe. z 19 noch in der That eine vollkommene Uebereinstimmung der ganzen christlichen Kirche über diese Frage einführten. Es trugen aber beyde Par- theien einander mit christlicher Liebe, ohne einander Wechselsweise ihre Gebrauche aufzudringen; noch viel weniger einander zu verkezern; oder das Band der Einigkeit aufzuheben. Man kan daher von einer darüber entstandenen Streitigkeit nichts sagen. Diese wurde erst durch die Heftigkeit des Widerspruchs, den Stephanus gegen die Afrikaner und Morgenländer erhoben, wirklich veranläßet und dieses ist das zweite Stük unserer Abhandlung. Wir werden bei dieser Untersuchung erstlich einige vorläufige Fragen zu beantworten haben: zweitens die Geschichte des Streits selbst erzehlen. Lnm. Daß durch Agrippini Schluß der Friede und das Band der Einigkeit mit den anders denkenden Gemei» nen nicht zerbrochen worden, bemerket schon Augustiners äe baptilm. contra Oonat. /r'ör, III. ca/i. 2. Und dieses wird dadurch bestätiget, was wir unten von Ly-> prian« eigenen Gesinnungen über diesen Punct sagen werden. §. VU. Was nun erstlich die vorläufige Fragen betriff; so ist die erste freilich die allerwichtigste, von der das übrige alles abhänget. Ist es auch wahr, daß im dritten Jahrhundert zwischen dem Bischof von Rom Stephans, eines, und dem B. von Carthago Cyprian und deßen Freunden andern Theils, über die Gültigkeit der Ke- zertaufe gestritten worden? Ist es wahr, daß Z2S Von der Streitigkeit Stephanus gegen den Cvprian und die Morgenländer in solche Heftigkeit gerahten, wie ge- memiglich erzehlet wird? Die Beantwortung dieser historischen Fragen kan wol keinen andern Grund haben; als die Glauwürdigkeit der Quellen, aus denen alle Kanrnis dieser Streitigkeit von ieher geschdpftt worden und geschöpft! werden mus. Beyde Theile, die vorstehende Fragen entweder bejahen ; oder verneinen , kommen darinnen überein, daß die unter Cyprians und Firmilians Nahmen vorhandene Bl iese, in denen von diesen Handeln geredet wird, die vornehmsten und schlechterdings die ersten Quellen sind. Es wird also auf den Wehrt und Umvehrt dieser Urkunden ankommen, und daher mus die eigentliche Frage, die- hier vorausgesezet wird, so bestimmet werden, ob die Briefe Cyprians und Firmilians, in denen vom Betragen des (Dtephani gegen diejenige , welche die von Kczern ertheilte Taufe vor ungültig erklärten, so viele dem leztern nach- theilige Nachrichten der Welt überliefert worden, ächt sind; oder nicht ? Ob nun gleich gewis ist, daß seit dem dritten Jahrhundert der allergrößte Theil derer, so die Kirchenhistorie auch kritisch gerrieben, den ersten Theil der Frage bejahet; so ist doch auch das nicht zu leugnen, daß in den ältern Zeiten einige daran gezweifelt; in den neuern aber sich gelehrte Männer gefunden, welche diese schäzbare Denkmale des Altertums vor untergeschobene Schriften zu erklären gesuchet. Hierdurch ist in unsern Tagen ein gelehrter Streit über die Rezertaufe. z 21 Streit entstanden, deßen Folge die gewesen, daß bei unparteiischer Prüfung der von beyden Theilen angegebenen Gründe diejenige wol das Recht behalten, welche diese Briefe vor achte Arbeiten der ehrwürdigen Männer, deren Nahmen sie an der Stirne sichren, erkennen, denen wir denn selbst aus wahrer Ueberzeugung beitreten. Anm. Die hier vorgelegte Frage ist bei dieser Historie si> wichtig, daß wir uns es zur Pflicht machen müßen, unsern Lesern eine vollständige Nachricht von derselben zu geben. Um einige Ordnung zu beobachten, wollen wir erstlick von den Quelle» der Historie des Streits überhaupt reden. Nach ihrem historischen Ansehen müßen sie in dren Klaßcn gebracht werden. In die erste gehören theils Lzprians Briefe. Weil mehrere dieser Schreibe,1 sich mir der Streitfrage von der Kezertaufe beschäftigen, und wir von allen in der Geschichte selbst einzeln reden müßen; so wird eö guug seyn, anzuzeigen, Laß überhaupt die Rede von den I.XX. I^XXI. HXXII. I^XXlll. I^XXIV. und H.XXVI. Briefe sey; insbesondere aber der I.XXIV. recht vorzüglich in Betrachtung komme, weil sich dieser zu nächst mit Stephan» Wie- derspruch beschäftiget; theils Lirmilians Antwort au L)'prian, welche unterdes leztern Schreiben das HXXV ist. Da von Stephans selbst nichts vorhanden, so find die erstgetachten Briefe die einzigen Urkunden, welche zu der Zeit, da der Sreit entstanden und gcfüh- ret worden, ausgefertiget sind. Zur zweiten nehmen wir blos das wenige, was Eusebius von diesen Handeln in seiner Kirchenhistorie einstießen laßen. Er ist etwas jünger; als Lyprian. Ob er des leztern Briefe selbst gebrauchet, solle man beinahe zweifeln, weil er sonst mehreres, und, was er erzehlet, zum Theil richti. ger erzehlet haben würde. Er hat aber auch Uinstän. de bemerket, die Lyprian und Lirmilian nicht berühren: mithin kan man ihn nicht zu denen zehlen, welche blos die zweite Hand sind. Diese leztern machen die Vriire Klaße aus, wie Augustiner, Hieron/mus, Vincentius von Lerins, FacunSuo, u. a. Alle diese H Theil. Zb haben Z2S Von der Streirigkerr haben das, was sie sagen, aus Lxprians Briefen, und ibre Zeugniße stehen und fallen mir diesen. Unter diesen >st keiner so merkwürdig; als Augusiinns, der an mehreren Orten von dieser Streitigkeit geredet, welche in dem Verfolg werden vorkommen. Don diesen Stellen des Bischofs von Hippon müßen wir zwei algemei- ne Anmerkungen beifügen, welche in die richtige Beurtheilung seiner Vorstellungen und eignen Unheile von diesen Streitigkeiten einen grosen Cinfuß haben. Einmal diese Scyllen sind dadurch veranläßet, daß zu seiner Zeit die Donarissen, welche aus eben den Grund- sazen, die L^prian angenommen, die Taufe aller übrigen Parlhcic» verwarfen, und also alle, die sich zu ihnen schlugen, wicdertaustcn, auf das Exempel des grosen Mannes beriefen. Man sehe z.E. /rür. I.äe dspri- imo cax>. r 8 ton,. IX. «per. p. 6z. //ä,-. II. 6 H. epist. XLIII. »U Vincent, lio^acilkum. to,».II. opcr. p. i Z6. lqg. Angustinus ist daher nie Geschichtschreiber; sondern allezeit Partbei, der entweder seinem Gegner den Beifall eines grosen Mannes entziehen; oder doch den daraus gezogenen Schlus entkräfte» wil. Ob nun bei diesen Umstanden und Absichten eine völlige Gleichgültigkeit, welche den Zeugen glaubwürdig macht, bei einem Mann, der in seinen theologischen Streitigkeiten Feuer und Eifer zu zeigen gewohnt ist, zu erwarten sey, ist leicht zu beurtheile»; doch wollen wir ihn deswegen keines vorsäzlichcn Betrugs beschuldigen, da wir bald sehr klare Beweise seiner Ehrlichkeit rühmen werden. -Hernach ist nie zu verhetzen, daß Augustinus selbst über de» Mangel vollständiger Erkäntnis dieser Streitigkeit klaget. Seine Worte: negue oninia, ^uos illo tempvre inter cpil'copos Aelka tunt, momoriee Iltleris- gue msnäsri pvtnerunt; aur omnis, guos rnsnästa lunt, novimus, //ör. II. 277. an andern insbesondere an dem I.XXIII. cypria, irischen Brief stör. II. contra Oelcon. cax. zz. Da er aber auf dcr einen Seite keine Gründe, warum sie erdichtet seyn sotten, anzeiget; auf der andern aber an andern Orten sie vor acht erkennet, und selbst vertheidiget, und insbesondere den I,XXlII. Brief stör. III. IV. U. V. cle baptilin, contra Qonat. weitläuftig wie- derleget, so mns man wol die ersten Ausdrüke vor ge. lehrte Fechterstreiche halten. Es haben ihm daher auch gelehrte Männer von der römischkathelischen Parthei, wie Daln-e not. in V)pr. p. 499. und Su^sken eben- das. p. 298- zu wiedersprechen kein Bedenken gefunden. In den ncnern Zeiten haben sich die Umstände merklich geändert. Die Furcht, den Donatisten Waffen wie- X 2 der Z24 Von der Streitigkeit der die Rechtgläubigen in den Handen zu laßen, hat Leinen Antheil mehr an den Bemühungen, diese Briefe zu bestreiken. So lang diese Briefe in der Welt sind, und vor glaubwürdige Zeugniße dieser Handel angesehen werden; so lang erscheinet B. Srephanus von Rom in einer Gestalt, die mit dem Charakter eines untrüglichen Lehrers und von der ganzen Kirche anerkannten Oberhaupts derselben sich nicht zusammen räumen laßer. Die Verehrer des römischen Stuhls machen es sich zur Wicht, die Ehre eines Mannes, der zugleich Märtyrer, Heiliger und Papst ist, zu retten. Sie baden bishero verschiedene Wege eingeschlagen, diesen Awek zu erreichen, welche wir an ihren gehörigen Orten zu bemerken, nicht vergeßen werden. Unter diesen ist denn auch der leichteste wieder bervorgesuchet worden. Die Briefe sind falsch, und die betrügerischen Donaristen äffen die Welt, daß ste ihr unter den ehrwürdigsten Nahmen Lügen aufbinden. Es sind uns nur drey Männer bekannt worden, die auf diese Art dem Stephans seine Ehre zu erhalten gesucht. Christian Lupus ioliol. sä 'I'ertuII. iibr. eie prselhript. leugnet nur, daß Lirmilian» Brief von ihm herkomme. Er waget nichts gegen Lyprians Schreiben, Balnre nor. in Ovpr. p. ;i z. hak ihm sehr ernstlich widersprochen. Es nnd dreyßig Jahr, seit dem ein italienischer Fran- ziscanermünch, Raimund Mifiori, mehrgewaget. Er hat alle Briefe, die von der Kezertaufe handeln, zusammen vor falsches Gut erkläret, in zwei Schriften, von denen die eine die Aufschrift hat: in pspL I, non itersnilo hooretirorum daprisino 6>stercstione8 criticse; die andere aber: in epistolsm stompe^um inter L^prisnicss H.XXIV. sstverlu8 «iecretum 8.8tepksni I. pspse 6e non iteran- «io liseretiorum baptisino äistercstio critics, guse il- lsni uns cum slii8 guingue el concilio tüartksßinlenli III. Ksölenu8 pro L)'prignici8 hshici8, L^priano nunc primurn sh^usticst sc I)onslist:8 sttribuit, u. s w. Beide sind zu Venedig 17ZZ. in Qu gedrukt. Auch diesem bat es nicht an gelehrten Gegnern gefehlet. Der vor kurren zu Augsburg verstorbene Prediger, Georg Gottlieb preu, schrieb eine «iistertstionem orlüco- rlieo- IvLicam» über die Rezerraufe. zsf lo^lcsm, «zu» t^priani sc ?irmilisni epistolsrum asi- verlu-, 8tepkani I. papse sie-cretum sie- liLrecicorum dapkismo vinsiiciris opposica« Uu^m. I^llsior^o extiibot» und vertheidigte sie als eine akademische Streitschrift unter meines Vaters Vorsiz zu Jena >7)8- Da der lezre Umstand dieser Arbeit mein Hob verdächtig machen kan; so wil ich keines beifügen, ob ich gleich überzeuget bin, daß sie es sebr verdienet. In Italien selbst übernahm Johann Heinrich Sbaralea eine ähnliche Arbeit und lies zu Bononien im 3 -1741. Aerwrmam 8. priani et^frorum; oec non kirmil^ni er orlen aljun» opinionem innerliche und äußerliche Gründe zu unterstüzen. Jene liegen theils in dem Inhalt derselben, da einmal keine blose Möglichkeit; sondern aus andern historischen Zeugnißen besonders Terrulliani von den Gesinnungen der afrikanischen Lehrer von der Ke- zertaufe, und aus Lyprians auch an andern Orten geäußerten Sazen von der wahren sichtbare» Kirche entstehende bistoriscbe Gewisbeit vorhanden, daß dieser Bischof von Carthago wirklich von der Kezertause so ge- X z dacht? z 26 Von der Streitigkeit dacht, wie bei diesem Streit vorausgesezet, und in den Briefe» selbst gelchrer wird; auf der andern Seite aber von dem Gegenlbeii selbst nicht geleugnet wird, daß in der römischen Kirche die gegenseitige Meinung herrschend gewesen; hernach durch das Beispiel des Osterstreits sehr faßlich wird, wie der römische Bischof einen solchen Wicdcrspruch gegen anders handelnde Gemeinen erhoben, und denselben mir Vernachläßigung christlicher Liebe übertrieben, so wol; als von diesen muhtiqen Wiedcrstand erfahren können; endlich überhaupt in dem erzehltcn Betragen beyder Theile nichts zu finden, welches ihrem bekannten moralische» Charakter; oder anderweitigen erweislichen Gesinnungen so entgegen wäre, daß sich daraus eine sittliche Unmöglichkeit folgern ließe; theils in der Schreibart, wobei einmal in Betrachtung kommt, daß L/prian in der Art des Vertrags und Ausdruks, zumal wenn er mit Eifer schreibet, etwas eigenes und unterscheidendes hat, wovon Augustiners, außer dem oben angezogenen Brief, ü-r. IV. eis tioöbriua cliristisn. oax. 14. u. 2l. -Hicro- nvmus epistol. HXXX 1 II. tom. IV- »per. ^art. 2. p. 6z;. der mareianaiischen Ausgabe: Lacrantius ioüi- tur. üb»-. V. cu/>. 1. und andere, die seine fließende; oder beßer, einem reißenden Strom sehr nahe kommende Beredsamkeit gelobet, und deren Stellen Leiller lü- Aoire lies riuteurs tom. III. p. 21z. u. f. gesamter, hinreichend zeugen; welches auch die neuere Kunstrichker bemerken: S. Funccium cie ve^et. hat. lini-. ienedruts p.y2z. iqg. hernach unleugbar ist, daß sich zwischen diesen und den übrigen cvprianischcn Briefen gar kein Unterschied finde, wie Augustinus epilr. XLII 1 . sä Viuo. p. >87. selbst eingestchct; endlich was Lirmi- lians Schreiben anlanget, wol zu merken, daß wir an stch wegen Mangels anderer Aussaze dieses Bischofs von seiner Schreibart nichts wißen; der hicher gehörige Bries aber, wie ww unten wahrscheinlich machen werden, keine Urkunde; sondern nur eine Uebersezung und zwar von L/prians Handen ist, mithin die gross Aehn- lichkeit der Schreibart abermals einen Beirimmungs- grund abgiebt, sie vor acht zu erkennen. Die äußerliche Gründe sind theils, daß die Wahrheit derGeschich- te selbst auch durch Eusebium bestätiget wird; theils. über die Rezertaufe. Z27 daß Ängnstinus, -^icronrmus, Vincentrus und Fa- cunOus diese Briefe; oder doch die wichtigsten, wenn ihnen allenfals auch nicht alle bekannt gewosen seyn sollen, vor acht erkannt, welche doch vielmehr Fähigkeit, und was den erster« betriff, auch vorzügliche Neigung gehabt haben würden, einen Sonacistischen Betrug zu vermuhtcn; theil» daß die besten alteren und neuern Herausgeber versichern, in ihren Handschriften keine andere Dcrfaßer angegeben gefunden zu haben. Man kan die Gründe des Gegentheils gar füglich in zwei Arten abtheilen. Einige sind von solcher Beschaffenheit , daß sie als offenbare Periliones Principit billig i» keine Betrachtung kommen können. Man saget, Lyprian und Lirmilian waren tugendhafte beute und Heilige gewesen, und der erstere habe sonst so gross Hochachtung gegen den römischen Bischof bezeuget, daß daher von ihnen so viel dem untrüglichen Ansehen und der Oberherrschaft des Papstes nachlheiliges nicht hatte geschrieben werden können. Ändere sind etwas beßer. Einmal bedienen sie sich des Beweises, dev vom Stillschwei ic» hergenommen, wobei doch theil« das Vorgeben, daß die Sachen selbst den Alten z. G. demEusebio unbekannt gewesen, entweder ganz falsch; oder doch eingeschränkt werden mus, daß z. E. Augustiners von Lirmilians Brief nichts gewust, wol aber Lvprians Briefe ihm bekannt gewesen; theils die Umstände der alten Schriftsteller, da Augustinu« selbst seine Unwissenheit bekennet, mit klaren Geständnis, daß mchreres geschehen, auch aufgeschrieben worden; als ihm zu Handen gekommen; Ponrius aber, der Der- faßer der Lebensbeschreibung des Lyprian» nie zur Absicht gehabt, eine vollständige Historie dieses Lehrers, viel weniger eine kritische Nachricht von allen dcßelben Schriften zu lrefern; oder dieUnvollständigkeit der uns nur stükweise aufbehaltenen Schriften, wie des Diony- sii von Älaxanvrien, nicht verstatten, ein in dem Un» tersaz des Schlußes erforderliches Stillschweigen zu erweisen. Hernach stehet Tournemine in den Gedanken , daß zu schlechte Gründe wieder die Kezenaufe in dem strittigen Schreiben angebracht würden, welches zugegeben werden kan, ohne daß die Folgerung selbst bestehet, da L^prian auch bei andern theologischen Fra- X 4 gen Z28 Von der Streitigkeit gen sehr oft schlechte Beweise zu führen gewohnt ist. Ferner bat es ebenfals seine Richtigkeit, daß sich zwischen Lyprians Briefen und dem firmilianiscben Schreiben eine grose Aehnlichkeit der Schreibart fin- det, daß aber daraus folge, daß beide von einem Bes irüger herkommen, kan gar nicht behauptet werden, weil entweder aus eben dem Grund alle übrige Briefe des Lfprians untergeschoben seyn; oder dieser Bischof selbst den Brief des Firmilianr, erdichtet haben mnste, da hingegen die wahrscheinliche Muhtmaßung, daß Ly« prian Uebersczer sey, weniger Schwierigkeiten unterworfen ist, und die Ursach der Aehnlichkeit der Schreibart begreiflich macht. Ei,stick glauben wir, daß der Zweifel, den Mifiori aus dem Verlust des Briefs, den Lyprian an den Lirmilian geschrieben, und dieser beantwortet, hergeleitet hat, viel mebr der andern Meinung aus der Ursach günstig sey, weil, wenn die Dona« eisten den Briefwechsel erdichtet hätten, sie gewis eben so gut vor ein Schreiben des L^prians; als vor eine Antwort des Lirmiliano gesorget haben würden. Bei Liesen Umständen treten wir denn dem Urtbeii des Ba« lnxe not. in L^pr. p. ziz. von Lupi Meinung mit einiger Ausdehnung auf LNisiori und Tournemine Versuche völlig bei: certeistalscllitss, sciculltnäl lUllcsris lcripta veterum, vsltle temeraria est et periculosa. 6 euiczue llcost, inanes e^urmoäi con^eüuras legal, nullum erlt sntiguitstis rnommencum, guocl inl- quas stispioiones estu^iat. Man darf sich auch daher nicht verwundern, daß selbst neuere römischk.nbolische Schriftsteller von solchen seltsamen Einfällen keinen Gebrauch gemacht. §. VIII. Die zweite vorläufige Frage, die noch mit weit mehreren Dunkelheiten verknüpfet ist, betritt die Streitfrage selbst, worüber gestritten worden, die denn am süglichsten hier abgehandelt werden kan. Wir schranken uns iezr allein auf die Pflicht des Geschichtschreibers ein, das wahre zu über die Rezerkaufe. z 29 zu untersuchen, und verspäten die theologische Beurtheilung an einem andern Ort. Es sollen daher erstlich die Meinungen beyder streitenden Theile vorgestellet und der Unterschied zwischen beyden daraus hergeleitet werden. Bei dem ersten Stük machen wir den Ansang mit derPar- thei derer, welche die Kezertaufe verwarfen und sezen das als bekannt voraus, daß Cyprian, Firmilian und die es mir ihnen haltende Bi- schdffe in Afrika und den Morgenlandern derselben beigepflichtet: mithin dieser ihre Briefe die Hauptquellen sind, woraus diese historische Nachrichten zu schöpfen sind, ohne die andern Schriftsteller ganz bei Seite zu sezen. Alles was nun bei diesen Theil zu bemerken läßet sich füglich auf drei Umstände bringen, und diese sind ihre Meinung selbst mir allen ihren Bestimmungen : die Gründe, worauf sie solche gebauet und das Gewicht; oder moralischen Wehrt, den sie denselben beigeleget. §. ix. So viel nun zum ersten ihre Meinung und deren Bestimmung betrifl; so bemerken wir folgende Säze; I. Ueberhaupt ist der algemeine Lehrsaz: Niemand kan außer der Kirche, worunter allem die rechtgläubige Parthei zu verstehen, ge- taufer werden; und die algemeine Folge: also müßen alle, die außer der katholischen Kirr cheugemeinschaft getauft worden, wenn sie zu derselben kommen, getaufet werden. rk 5 Anm. Z z» Von der Gtreitlgkeie 2 lnm. Der algemeine Lehrsaz stehet in Lyprians epist. Dxx. p. 125. welcher ein SynoSalschreiben ist; und die algemeine Folge beim Augustino eie bsptistno contra Donar. /rör-. l. ca/>. lZ tom. IX. oper. p. yz 94. II. Insbesondere sind diejenigen zu taufen, welche in kezerischen und schismatischen Parlhereu sie lndgen seyn, welche sie wollen, die Taufe empfangen, wenn sie zur rechtgläubigen Kirche treten. Es ist eben dieses von denen zu sagen, welche sich von solchen Bifchdffen taufen laßen, die zur Verfolgungszeit den Glauben verleugnet und, ob sie gleich in Bann sind; dennoch solche gottesdienstliche Verrichtungen fortzusein, sich unterstehen. Hingegen sind diejenige m emem ganz andern Fall, welche vorhero in der Gemeinschaft der wahren Kirche geraufet worden und sich nachher» mit eitler kezerischen Parrhei vereiniget, wenn sie wieder zurük zur rechtgläubigen treren. Denn diese müßen nur, wie andere, die von der Gemeinschaft der wahren Kirche ausgesckloßen gewesen, durch Auflegung der Hände mit derselben versöhnet werden. Anm. I. Den ersten Saz, daß alle, welche von Leiern und Gcbismarici-, gckaufet worden, bei ihrem Ueber- tritt ,ur wahren Kirche gctauset werden müßen, traget Lfprian in allen Briefen vor, die so wol in seinem Nahmen geschrieben; als Snnodalschreiben sind, epist. t,XX. p. 124. epist. DXXI. p. 126. epist. I.XXII. p. 12g. epist. l^XXIll. p. 120. epist. l>XXIV. p. 142. epist. I.XXVI p. ,;6 die afrikanischen Bischtffe in concil. t^arck. p zz r. sqq. Lirmilian epist. I.XXV. p 144.549. Eben dieses versichert von dieser Parthei Euscbiug tst- stor. eccies. /,-»-. VlI. 2. p. Z22- und Angnstinus an den oftgedachten Orten, von den neuern nichts -u gedenken. Von dem »weiten Saz haben wir nur ein über die Rezerraufe. zzr klar Aeugnis in Firmiliansepillol.I.XXV. p. 145. lgg. der zugleich den Fall erzehlet, daß eine begeisterte Frauensperson sich vor eine Prophetin ausgab und viele kaufte. Dom dritten versichert zwar Nikephorus killor. ecclest /i-r. VI. ca/). 2. das Gegentheil, daß er aber gewis irre, lehren L/prian epik. UXXI. p. 127. epist. r,xxill. p. iz2. epillol. I^XXlV. p. 142. und das Concilium zuCarthago, p. zzi. u zzz. Anm. 2. Wir fügen hier noch bei, daß die Bestimmung des Subjects eine nohtwendige Folge des algemeincn Sazes sey. Weil diejenigen Christen, so außer der Kir- chcngemeinschafl waren/ entweder Kczcr sind; oder Gefallene, so war ganz natürlich, daß die von beiderlei Arten getaufte hierinncn gleich geachtet wurden; weil aber der Fall, daß ei» wegen eines Falles ausgeschloße- ner Mann andere gecaufet, sehr selten seyn muste; so ist es ganz begreiflich, daß diese Frage vorzüglich von den Kezern aufgeworfen wurde. Weil alle kezerische so wol; als schisniatische Partheien ihre eigene gottcs- diensiliche Gesellschaften errichteten, und sich dadurch von der rechtgläubigen Gemeine absonderten, so war es „chtwendig, daß nach dem Krundsaz keine ausgeschlo- Ken worden. Man stehet das nicht allein aus den häufigen Ausdrüken der Algcrneinheit in L^prians Briefen, in denen tiLretici et srhll'macici oft verbunden werden ; sondern auch theils aus denen, in Lirmilians Drief nahmentlich angeführten mehreren kezerische» Par- theien, theils aus dem Beispiel der Vkovarianer, die freilich im strengsten Sinn keine Kezcr waren, undvcr- uuihtlich in Afrika die Erneuerung des ganzen Streits veranläßet hatten. S. epilr.I^XXVI. p. izi. IN. Es ist die Taufe, die solchen Personen, die ehemals von Kezern und Schismatikern getauft worden, in der wahren Kirche ertheilet wird, gar nicht vor eine Wicderhohlung der Taufe zu halten; sondern sie empfangen zu erst die rechte Taufe. Mithin thut man denen, die dieser Meinung beipflichten, Unrecht, wenn man sie vor Wiedertäufer hält. Anm. gzr Von der Streitigkeie 2 lnm. Hierüber stehen die deutlichsten Erklärungen ksti de« Lvprian epiü. l^XXI. p. 126. epiü. I.XX 1 II. p. 12g. und im coocil. Lsrtks§. p. ZZ4. IV. Es hat daher in diesem Fall die Taufe nicht die Absicht, daß sie wegen ihrer kezerischen Jrrümer mit der Kirche erst versöhnet werden; sondern daß sie erst Christen werden. 2 lmn. Das erstere scheinet Eusebius /rör. VII. cax, 2. anzuzeigen ; allein in den oft angezogenen Briefen desLy- prian» und Lirmilians wird das leztere deutlich geleh- ret, und es ist auch in dem System gegründet. §. X. Wenn wir zum andern die Gründe untersuchen , welche diese Parthei vor sich annahm, so ist klar, daß man wol die wahren Grundsäze von einigen rednerischen Nebenbewcisen unterscheiden muße. Die wahren Grundsäze sind diese: !. Es ist nur eine Kirche. 2lnm S- Cyprian epill. l^XXVI. p. 152. Hier ist der Ort nicht, den Beqrif der Einheit zu untersuche», welchen Cyprian überall einschärfet. Man leseMoskeim commemsr. p. Z84. undBöhmers äiil. III. jur. eccles. anci^ui. n. Es ist nur eine Taufe und zwar diejenige, welche in der einen Kirche ertheilet wird. Anm. Cyprian schreibet: llstuenteg» unum ba/rtr/ma eile, guocl in ecclelm catkolica üc eonlkitutum, epill. I^XXIIl. p. I2y. und unum tcilieet eü, czuia eü uns ecclelia ec ell'e bsptilma extra eccleüam nun poteü, ' exik.I.XXl. 9.126. III. Die über die Rezertarrfe. zzz III. Die eine Kirche hat allein das Recht, die Taufe zu ertheilen und also ist nur die Taufe gültig, welche in der einen Kirche ertheilet wird. Anm. L/prian lchret: br,ptismanonnill«m et /ö/r eccle- Lse ciscum^ii, e/,r/k. I^XXIII. p. lZ2 und: /o/a sgULM vitalem et atgueadllleväillo- minis poreliatem, epr/k. d,XXVI. P- lZ2. I V. Wer daher nicht in der wahren Kirche ist, hat auch kein Recht zu taufen. Anm. Lypri.m epillol. I.XX. p. 125. und Augustiners 6e bsprilmo contra Oonat. /rb»-. VII. ca/>. 6. V. Da nun die Kezer nicht zur einen Kirche gehören, so folget, daß auch sie kein Recht haben zu taufen. Also ist die von ihnen ertheilte Taufe ungültig und diejenigen, so von ihnen ge- taufet, werden als ungetaufet angesehen. Sie müßen also erst getauft werden, ehe sie Glieder der wahren Kirche werden. Anm r. S. die im vorstehenden §. ttum I.u. 11 . angezogene Stellen. Anm. 2 Wir haben noch der Nebenbeweife gedacht, die entweder nur einen dieser Säze bestätigen sollen; oder den Hauptsaz erläutern, gedenken uns aber dabei, um nicht weitläufkig zu werden, nicht aufzuhalten. Sie Knd mehrentheils von schlechter Erheblichkeit. §. XI. Zum dritten ist noch die Frage'zu untersuchen, von was vor Wichtigkeit diese Parrhel ihre Meinung zu seyn, geglaubet habe? Aus dem Elfer, weichen Cyprian, Firmilian und lhre Freunde in Vertheidigung derselben und im Wie- derspruch zz 4 Von der Streitigkeit derspruch gegen ihre Gegner erwiesen, solle man wol Ursach haben, zu vermuhten, daß sie ihr eine grose Nohtwendigkeit beigeleget. Allein nichts ist gewißer; als daß sie häufig erkläret, sie wollen ihre Meinung weder andern aufdringen; noch anders denkende Lehrer und Gemeinen verdammen; noch viel weniger den Frieden und kirchliche Gemeinschaft mit ihnen unterbrechen. Diese gewiö rühmliche Bescheidenheit ist die Quelle der Lobsprüche, welche andere verdiente Lehrer dieser Parthei ertheilet haben. Ob dieses Lob völlig gegründet; oder vielmehr die Mäßigung dieser Männer andere Ursachen gehabt, ist eilte Nebenftage. Anm. i. Dergleichen Versicherungen finden sich vom Ly- prim eplsi. I.XXIII. p. IZ7- I^XXVI. p. izZ Lirmi- Uan, eM. I^XXV. P. 14z- Und in concil. LarctisA. p Z29. Anm. 2 Unter den anderweitigen Bestätigungen verdienen die Stellen Augnftini cie bapr. V. caz». 2Z. /r'ör. VII. c-r^o. 49 ;ü. und -^icron^mi llisl. contra I.u- ciser. tom IV. Oper. xa, t.2. P.ZOZ. bemerket zu werden. Von der Nebenfrage s. Mosheim cowm. x. Z42. Z. XII. Es ist nun billig, daß wir auch den andern Theil eben so verhören und ebenfals versuchen, ob wir eben diese drei Stüke bei seiner Meinung in das Licht sezcn können. Der erste Punct ist hier den meisten Schwierigkeiten unterworfen. Man fraget: was eigentlich die Meinung der Gegner des Cyprians gewesen? Auf der einen Seile hat der Mangel eigner Urkunden von die- über die Rezerraufe. zzs ser Seite, auf der andern verschiedene unbestimmte Nachrichten anderer Schriftsteller und auf der dritten die Parrheilichkeit, den P. Slephanum entweder der Welt ganz fehlerfrei vorzustellen; oder ihn eines wichtigen Jrrums zu überführen, dieses veranläßet, daß die Erklärungen neuerer Gelehrten über diese Frage ganz verschieden ausgefallen. Man kan sie füglich in drei Gattungen eintheilen. Die ersten behaupten, Sre- phanus habe ohne alle Einschränkung alle Ke- zerraufe gebilltget und keinen, der in irgend einer kezenschen Parthei die Laufe empfangen, bei deßen Uebertritt zur rechtgläubigen Kirche getauft wißen wollen. Die zweiten meinen, Stephanus habe nur die Taufe derjenigen Ke- zer vor gültig erkannt, welche solche richtig ertheilet und zwar entweder im Nahmen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes; oder wie andere reden, im Nahmen Christi; welches denn nach ihren Gedanken eben so viel ist; als im Nahmen der Dreieinigkeit. Endlich stehen die dritten in den Gedanken, daß die Sache so dunkel und ungewis sey, daß man was zuverläßiges zu entscheiden, Bedenken finde. Anm. Alle, welche die Richtigkeit der historischen Umstände vom dein Streit über die Kezertaufe zugeben, müßen auch zugestehen, daß die Gegner des Lyprians anders gedacht; als dieser und seine Freunde; ste sind aber nicht einig, woriunen die Verschiedenheit zu sezen sey. Wir haben gefunden, daß bishero drey Hauptantworten auf die Frage: was hat Stepkanus von der Kezertaufe gelehret ? gegeben worden. Einige meinen, Stephanus habe gerade das Gegentheil von dem gelehret, was Lyprian behauptet. Dieser habe alle Kezcr- zz6 Von der Streitigkeit Kezertaufe, ohne weitere Einschränkung, verworfene mitbin jener alle Kczertaufe cbenfals ohne alle Einschränkung gebilliget. Weil die älteren hier Zeugen seyn sollen, von denen hier nicht die Rede ist; so bemerken wir, daß schon im vierzehenden Jahrhundert der Kardinal Jacob Furnier und nachheriger P Beneoicc Xll. bei dem Nicol. Eymerico in deßen von Lran; pegna herausgegebenen klireÄorio ingniste. xa»-t. ll. 8 . Peacson rm- vsl. L^peian. snn.LLH.Vl. §. z. Dasnage snnsl. poli- tioo-cccles. ton». II. P. Z78- lgg Geiser Lsunoi tost. vsiie. p. 261. lgg. gelesen zu werden, wie denn wol die allermeisten Protestanten, so Ktrchenhistorien geschrieben ; oder in historischen Schriften das Ansehen des Papstes bestritten, wie LlonSel, Lyprian, Pfaff, dieser Meinung beitreten. Unter den römischkatholischen Schriftstellern folgen ihnen Dupin bibbotk. cies su- tenrs eocles ton» h p. i;2.176. und Lgunoi/rb»-. VUl- epist. 1;. § 4. Andere stnd ganz anderer Gedanken. Die Glieder der römischen Kirche erkennen nach ihrem eignen Lehrbegrif den Saz, daß alle Kezertaufe gültig sey, vor einen Jrium. Sollen sie nun zugeben, daß «in Papst, den sie doch vor untrüglich halten, einen Irluin vorgetragen ? dieses ist denn wol die vornehmste Ursach, warum so viele gelehrte Männer unter ihnen sich die Mühe gegeben, die Meinung des P. Stephani zu mildern. Wenn der Saz: die Taufe, welche von Lezer» ertheilet wird, ist zu billigen, ein wenig eingeschränket wird, so ist er ein wahrer Saz. Sie kommen darinnen überein, daß man also Stephani kehre eingeschränket annehmen müße Er redet nicht von aller Taufe; sondern von der Laufe, welche im Nahmen des Vaters, und des Sohnes, und des h. Geistes verrichtet wird. Dieses ist die gemeine Lehre der Schriftsteller, die wir gleich nennen wollen. Weil sie aber bemerket, daß die Vollständigkeit dieser Einschränkung überaus schwer zu erweisen; desto grösern Schein der Wahr- über die Rezerraufe. z z? Wahrheit glauben sie einer andern Einschränkung gebe» zu können, nemlich, daß er nur von der Taufe im Nahmen Christi rede, so hat unsers WißensCoustanr zu erst versucht zu beweisen, daß durch die Taufe im Nahmen Christi bei den alten die Taufe im Nahmen der Dreieinigkeit zu verstehen. Weil dieses eine Ne- benfrage ist, deren Untersuchung uns zu weit von unserer Hauptsache verleiten würde, so laßen wir es nur bei dieser Anzeige bewenden, zumal da die in den neuern Zeiten zwischen dem Kardinal Drsi und seinen Gegnern geführte Streitigkeit über die Gültigkeit der Tauft ii» Nahmen Christi, andern gelehrten Federn Gelegenheit gegeben, aus den Altertümern dieses hinreichend zu erläutern. Von den römischkacholischen Vertheidigern empfclen wir hier zu lesen: Naralem Alexander histcrr. eccles novi reit. /er. III. alA 14. p. 696. Tho- mastin silll'ert. in concil. tom.I. p. 20. Tillemonr me- rnoir. pour iervir sl'kistoirc ecclss. tonr. III. p. 626. lg. Pagi critic. in snnsl. sturon. a»n. CCH.V1. §. 4. Ma- ran prüfst, inoper. L)pr. §.IV. p. II. sgg. Coustant in epistol. poncisic. p. 227. stzg. Serry in siist. I. 6s stomuni pontisicis in t'erensio sie stsie moribu8gue fuäi- cio uudtoritsre 8 §-Z- Äoscl) in sät. 8 8. tom. I. ' Lu^. p. i lZ lgg- und Sandini in VIl. sä vitas pnntisic. p 6». Igg. Diese Meinung hat unter protestantischen Schriftstellern unsers Wißens einen einzigen Vertheidiger gefunden, und dieser ist Bingham in ki- stor. scliolsstic. baptistn. luic. I. rax. 1. §. 2O. p. 4z. Man kan nicht leugnen, daß beide Theile nicht ohne Gründe sind, und das ist wol die Ursach, warum sich eine dritte Parthei der Entscheidung enthält, wie Mooheim Comment, sie rebus Christian, p. §46. sg. H. xm. Wir hoffen den sichersten Weg bei diesen Schwierigkeiten zu gehe», wenn wir die wenigen Quellen anzeigen, die als historische Zeu- gniße hier angeführet werden und dabei bemerken, was daraus gefolgert und was dagegen eingewendet wird. Wir wollen sie in drei Maßen u Theil. V theilen. Z z8 Von der Srreitigkeic theilen. Erstlich müßen wir diejenigen Stellen bemerken, in denen die ehemaligen Vertheidiger der Kezertaufe selbst reden. Hiehcr gehören I. Diejenigen afrikanischen Bischdffe, welche den Eyprian die Veranlaßung, den Brief an den Quintnm zu schreiben, gegeben. Sie haben nach deßen Bericht behauptet, daß, welche bei den Kezern getauft worden, wenn sie zu den Rechtgläubigen übertreten, mchk dürfen geraufet werden, weil nur eine Taufe sey. 2lnm epik.I.XXI. p guiöam äe colle^is oolkris pu- tsnt, eos, i guis er^o s />«> e/r venerit sä vos, niiiii inlivvetnr, guoä trsäicum ell, ut msnus iili im- ponscur in pLenicentiam , gnum ipfi lirxretici propris slrerurrum sä ie venienres non bspti^ent; leä cc»m- municent rsntum. Dieses ist das Zeugnis, welches die Vertheidiger der ersten Meinung vor ganz entscheidend ansehen. Die Vertheidiger der zweiten Meinung leugne» nicht, daß den Worten nach diese Stelle alle Einschränkung ausschließe; meinen aber, dem Verstand und verwahren Meinung des Stephan: nach müßedie Einschränkung dazu gesezet werden. Wenn jene aus andern Gründen nur erweislich wäre; so würden wir die Forderung an sich vor -ächt unbillig halten. So lang aber der Beweis nicht überzeugend ist, wird man Recht haben, bei der eigentlichen Bedeutung der Worte zu bleiben. 2. Welche in dem Nahmen JEsu Christi, es sey wo und wie es wolle, getaufet werden, diese hat man vor erneuert und geheiliget zu halten. 2lnm. msjefisti nominis tribuunt, ut, gui in «o»rr«s (A'e/r« L/r.rM äe t«,-, innovsti et ssnbUficsti jnäicentur. Diese Worte sieben cbenSss p. i zy es ist aber nicht so klar angezeiget, obgleich höchst wahrscheinlich, daß sie aus Stephan» Brief angeführet werden. Beide Theile stimmen hier überein. Es ist klar, daß hier eine Einschränkung zu finden; aber nicht klar, worinnen sie bestehe; hingegen scheinen die algemeinen Bestimmungen der ersten Meinung günstig. ZchS Von der Streitigkeit z. Man hat nicht zu fragen, wer getauft habe, dieweil der Getaufte die Gnade erlangen können, durch die Anrufung der Dreieinigkeit, in dem Nahmen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. 2lnm. von putsnt, gnsorenänm elfe, guis llt lUe, gui daptl^sverit, eo guoä czui bapti^atus lit, ^ratisknron- se^ui potent, rnr/ocata trrn/tatc ^ /» V /prrltat /a»R, in Lirmilian« epistol. I.XXV. p. 145. Mit diesen Worten bat es eben die Bewandnis. Es ist nur wahrscheinlich, daß sie aus Stephani Brief genommen. S>e sind sonst der zweiten Meinung günstig; aber doch nicht eben entscheidend. S. Mosheim k- 547- 4. Es mag einer außer der Kirche getaufet seyn, wre er wil, so kan er durch ferne ehrliche Gesinnung und durch feinen Glauben die Tauf- gnade erlanget haben: 2tnm. äicunt, eum, gui /orit bspti^L- tur, rnente et iiäe sns bsptisriti ^istisrn conlegui passe. ebenSas Wir müßen das voihergesagte wiederholen. Nur ist diese Stelle der ersten Meinung günstig. 5. Endlich hat Stephanus ausdrüklich die Taufe der Marcioniten, Valemianer, und Apelletianer vor gültig erkannt. Anm. S C^prian epist. I.XXIV. p. 140. Diese Nachricht scheinet deswegen sehr entscheidend zu seyn, vor die erste Meinung, weil in den spätern Zeiten, da man mit mehr Sorgfalt die Kezcr, deren Taufe gültig, von denen, bei denen es nicht ist, unterschied, die Taufe der Marcioniten verworfen ist. S. oben unsern ersten Theil S 518 Man schließet daraus, daß sie in der Form der Taufe geirret. Die Vertheidiger der zweiten Meinung mubtinaßen, daß die Marcioniten zu Stephani Zeiten richtig und nachhero unrichtig getaufet. S. Tille- über die Rezertaufe. 341 Trllemont p. 628. und Sandini p. 67. Da lle aber von einer bei den Maccioniren geschehenen Taufverände- rung nichts erweisen können; so wwd dadurch der Zwei, fel nicht gehoben. §. XIV. Zweitens kommen ihre Gegner in Betrachtung. Cyprian und Firmilian haben in ihren Widerlegungen keinen Unterschied zwischen den Kezern beobachtet und hieraus ist die Folge richtig, daß sie geglaubet, Stephanus billige alle Kezerraufe ohne Ausnahme: Ob nun diese Zeugen hier gültig sind, ist eine schwere Frage. Daß sie aus Bosheit dem Stephans eine un- ächre Meinung angedichtet, ist ein sehr hartes und ganz unerwiesenes Urtheil. Mit mehrerer Wahrscheinlichkeit kan gegen sie eingewandt werden, daß sie nach ihrem System auf den Unterschied, wenn auch Stephanus ihn richtig bestimmet hatte, keine Rüksicht nehmen können. Unterdeßen ist doch auch das nicht gewis und daher sicherer, sie lieber von der Reihe der Zeugen auszuschließen, wie wol auch hierzu kein hinreichender Grund vorhanden. Anm. epik.I.XXIV. u.eplll.I.XXV. Es wird alles auf die Frage ankommen, ob Stephan, Meinung von beiden Lehrern richtig eingesehen worden. §. XV. Drittens werden anderweitige Schriftsteller als Zeugen aufgestellet. Sie sind l. Eusebius, der zweierlei berichtet, einmal, daß es eine alte Gewohnheit, denen, wel- 2) z che 342 Von der Streitigkeit che in irgend einer kezerischen Parthei getaufet worden, bei ihrem Uebcrtritt zur kechtglaubigen nur die Hände mit Gebet aufzulegen; hernach, daß Stephanus davor gehalten, man dürfe in der von Alters her beibehaltenen Ueberlieferung keine Neuerung machen. 2 lnm Eusebins meldet das erste histor. eccles /rör. VII- caz?. 2. p. Z22. und das zweite ca/>. z. p. Z2Z. Die er, fie Stelle ist der ersten Meinung günstig Die Vertheidiger der zweiten suchen die zweite Stelle zu nü- zen; sezen aber voraus, daß die Lehre der alteren Kirche die Einschränkung der richtigen Taufe nvhrwcndig gemacht, welches ganz uneriveisltch ist. Air haben oben schon in Ensebii Erzehlung Fehler bemerket, die uns eine sehr mangelhafte Käntnis der ganzen Sache verrahten, und daher würden wir ihm auch hier nicht trauen. II. Augustinus, dem wir eine gute Einsicht in die Beschaffenheit der Streitfrage billig zutrauen können. Er scheinet aber nicht einerlei zu melden. An einem Ort träget er die Meinungen beider Theile als einander gerade entgegen gefezt vor und saget bestimmt: Stephanus halte davor, daß die Taufe in keinem Fall zu wiederholen; in andern aber giebt er dem Stephans mehr Recht. 2 lnm. Die Hauptstelle stehet lidr. äe unico daptismo caz». 14. tom. IX. oper. p. z66. und ist offenbar der ersten Meinung sehr günstig. Die Vertheidiger der zweiren haben bis iezt aus Augustini so häufigen Nachrichten von diesem Streit nicht eine einzige Stelle anführen können, welche gerade zu anzeigte, daß Stephanus eine Einschränkung zugclaßen hätte. Sie berufen sich aber auf solche, darinnen ck entweder dem Cyprian Unrecht; mithin dem Stephane Recht giebt; oder nur über» über die Rezertaufe. 34; überhaupt bezeuget, Stephanus habe die alte Gewohnheit der Kirche beibehalten, zE. /rb,-. V. 6e bsptiimo cap.2Z. tm«. IX. p i;6. Allein die leztern sagen gar nichts, weil immer die Frage entstehet, ob die alte Gewohnheit der Kirche die Einschränkung erfodert; oder nicht. Und das saget Angustinus nirgends. Bei den ersten ist auch sehr deutlich, daß Augustinus Cyprian tadeln und Skephani Wiedcrspruch gegen ihn billigen kenne, ohne daß daraus folget, Stephanus habe völlig Recht gelehret. Hl. Vincentius von Lerins und Facun- dus von Hermione. Beide billigen Ste- phant Eifer, die alle Gewohnheit zu erhalten; keiner aber saget, daß Stephanus eine eingeschränkte Regel vorgetragen. Anm. Der erste commonit. p. zzi. nach Balu, xens Ausgabe; der andere iibr. contra Noc. p. 577. nach Sirmonvs Ausgabe. §. XVI. Wir tönten es hier unsern Lesern überlaßen, nach eigner Prüfung zu urtheilen, welche von beiden Meinungen historisch gegründeter sey; dock hoffen wir auch die Erlaubnis zu haben, unsere eigne Gedanken noch beizufügen. Uns scheinen zwei Säze beinahe historisch gewis zu seyn, erstlich daß Stephanus unbestimmt von aller Kezerraufe geredet, zweitens, daß er und seine Anhänger dabei von der Taufe im Nahmen JEsu Christi geredet. Sind nun diese beiden Säze einander völlig entgegen; so ist kein Mittel vorhanden, den Streit zu entscheiden. Wir bekennen, daß wir das erste nicht vor wahrscheinlich halten. Man mus erst vorher ausmachen, P 4 wie 544 Von der Streitigkeit wie die damalige Kezer getaufte. Es ist uns sehr wahrscheinlich, daß Vtephanus und die übrigen Vertheidiger seiner Meinung allemal voraus gesezt, daß alle Kezer im Nahmen Christi taufen und wir glauben, daß sie einen sehr guten Grund gehabt, dieses zu behaupten. Es sind einmal keine erweisliche Beispiele solcher Kezer, die in einem andern Nahmen getauftt, vorhanden; ja unsers Wlßens nicht einmal solcher, die deßen beschuldiget worden; hernach, da doch alle Kezer Christen seyn wolren, musten sie wol hierinnen mir tnr andern übereinstimmen: endlich haben Cyprian und Firmilran dieses zugegeben. Wir schließen daher, daß die beiden Saze, alle Kezertauft ist gültig, und, die Tauft aller Kezer, die solche im Nahmen Christi taufen, ist gültig, völlig gleichgültig und also dieses vor keine Einschränkung zu halten. Ob nun aber, wie die Vertheidiger der zweiten Meinung behaupten, im Nahmen Christi taufen, und im Nahmen des Vaters, Sohnes und heiligen Geistes taufen, hier ebenfaw einerlei sey, ist die erste, lind ob, wenn auch das zugegeben würde, die Tauft der Kezer nach allen ihren übrigen Umstanden rechtmäßig sey? mithin Stephanus durch den ersten Ausdruk nur die Tauft dcrKezer, welche vollkommen untadelhaft taufen, genehmiget, das ist die zweite Frage, woran wir fo zweifeln, daß wir sie lieber verneinen wollen. Wir glauben daher, daß die erste Meinung an sich völlig gegründet; in der zweiter; etwas wahres lieget, daS die erste nicht aufhebt ; über die Rezerraufe. Z4 5 hebt; ob aber Stephanus geirret, verspareil wir an einem andern Orr zu untersuchen. Anm. Wir sejen hier nur noch die Stelle des Augustini bei, daß man leichter Kezer finden werde, welche gar nicht taufen; als solche, welche ohne die Einsezuugs- worte die Taufe verrichten, Vl. bspritm. contra Oonatifiss cap. 2Z, Hat Stephanus eben so gedacht; so hat er desto leichter ohne Einschränkung rede» können. Nur dieses, daß er die Tauft der Mar- eioniten gebilliget, ist sehr wieder ihn. Allein die Taufe der Marcioniten konte doch im Nahmen Christi ertheilet werden, und doch dabei solche Fehler haben, welche sie verwerflich machten. §. XVII. Der zweite Punct von den Gründen dieser Parthei hat desto weniger Schwierigkeit. Alle Vertheidiger der Kezertaufe drungen aufdeu biblischen Saz, es ist nur eine Taufe, den sie ganz wieder Paulli wahre Meinung ohne alle Einschränkung in Absicht auf den Täufer vor al- gemein ansahen. Stephanus insbesondere bediente sich zweier Beweise, die seine Gegner ganz ungültig und beinahe lächerlich fanden. Der erste war, es sey die Genehmigung aller Kszer- taufe eine Tradition. Seine Gegner hatten wol Recht, daß sie meineten, eine alte Gewohnheit könne der Wahrheit nicht nachtheillg seyn, und noch dazu die Algemeinheil der alten Gewohnheit leugneten. Der zweite war der vermeinte Vorzug der römischen Kirche, deren Beispiel ändert, zum Gesez werden solte. Aber auch hier fanden die Gegner gnug zu erinnern. Was endlich den dritten Punct anlanget, von P; dem Z4.6 Von der Streitigkeit dem Wehrt dieser Meinung, so sezte ihn Ste- phanus so hoch an, daß er die anders denkenden Lehrer und Gemeinden der Ktrchengemeinschaft unwehrt achtete. Anm. i. Dci dem zweiten Punct ist von dem ersten Grund die oben Z. XIII. I. angeführte Stelle der Beweis; von dem zweiten und dritten sind L^prians epist. I^XXIV. und Firmilians epist. d,xx V. ganz voll. 2lnm. 2 . Dom dritten Punct ist Augustini Stelle 6e bspt. contrs Oonst. /iör. V. cnp. 2 ;. nachzusehen, und der ganze Verfolg unserer Erzehlung ein Beweis. §. xvm. Es wird nun das zweite Stük; oder die eigentliche Streitfrage desto leichter zu bestimmen seyn. Man kan füglich drei Hauptfragen festsezen. Es wurde gefraget I. ob alle Taufe, mithin auch die Taufe, welche von kezerifchen Personen verrichtet wird, gültig sey, oder nur diejenige, welche in der wahren Kirche ertheilet wird, vor gültig und kräftig All halten? da denn Cnprian und Firmilian, mit ihren Freunden gewis den lezten; Stepha- nus aber und seine Anhänger wahrscheinlich den ersten Theil der Frage bejahrten: II. wenn solche Personen, die in kezerifchen Partheien die Taufe empfangen haben, zur rechtgläubigen Kirche übertreten, sind sie, weil ihre Taufe ungültig, erst zu taufen und ihnen hernach die Hände aufzulegen? oder, weil sie schon getaufet sind, nur durch Auflegung der Hände in die Gemeinschaft der wahren Kirche aufzunehmen? Z47 über die Rezertaufe. nehmen? da denn Cyprian und seine Freunde den ersten und iLtephanus den lezrcu Theil der Frage bejahet? Anm. Wir kennen nicht Umgang nehmen, hier eine Ne- bcnfrage zu berühren. Aus den angeführten Stellen ist klar, daß Cyprian und Stephane,« beiderseits zur Aufnahme der von Kczcrn getauften Personen das Auslegen 0er -Hände erforderten. I» der alten Kirche war sonderlich dieses -HanSaufiegen bei zweierlei Fällen gewöhnlich: einmal/ gleich nach der Taufe, welches wol die Confirmarion hieß, und in den spätern Zeiten von der römischen Kirche zu einem Sacramente gemacht ist; hernack bei denen, welche entweder wegen Kczcrei; oder eines groben Verbrechens in Bann gethan worden, und nach vollendeter Kirchcnbuße wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen werden sollen. Nun fraget stch, zu was vor einem Eud- zwek forderten es beide Theile bei den von Kezern getauften Personen. Von denen, welche die Kezertaufe verwarfen, ist es vor stch klar, daß sie es als cin Stük ansahen, das zur Taufe gehörcte; allein von der andern Parkhei ist mehr Schwierigkeit. Cyprian epUr. I.XXI V. x. 140. Lirmilian opist. I,XXV. p. ,.47. baden sie eben so verstanden. Nach ihrer Erklärung sol Grephanus gelchret haben, durch die Tauft der Kezer erlange ein Täufling zwar Vergebung der Sünden; nicht aber den heiligen Geist, und deswegen wüsten solchen Personen die Hände aufgeleget werden, damit das ersezet werde, was ihrer Tauft abgehe. Allein nach Stepbani eigner Erklärung, §. XIII. III. I. msnus ei imponatur in pccnirevtism, mus das Gegentheil behauptet werden. Srepdanns fahr die von Kezern getaufte Personen nicht anders an, als Cyprian die von den Rechtgläubigen zur Kezerei übergetretene Christen, die bei ihrer Umkeh- rung durch Auflegung der Hände wieder aufgenommen wurden. Man lese Couftant epistol. povtilic. p. 2ZZ- und unsere ohservst. äe trsäitione spiritus lsnöki, ?- 6. ftg. III. Ob die Verschiedenheit der Beantwortung der beiden ersten Fragen von so groscr Erheblich, Z48 Von der Streitigkeit heblichkeit sey, die von ihm verschieden denkende Gemeinen und Lehrer von fernerer kirchlicher Gemeinschaft auszuschließen; oder ob vielmehr hierinnen jedem Theil feine Freiheit zu laßen und jeder von dem andern, des Wrederfpruchs ringe- achtet, vor Glieder der einen wahren Kirche zu halten? da denn Cyprian den lezten Theil der Frage bejahrte und den ersten heftig bestritte; Stephanus aber den ersten sehr thätig behauptete. 2lnm. Das Gegentheil von der wirklichen Verschiedenheit beider Meinungen hat Alexander -Herdr in äilcorSis concoräe inter 8tepl,snnm er L^prianum, Mainz r?55- Zu behaupten gesucht; wir haben aber diese Schrift zu brauchen keine Gelegenheit gehabt, daß wir daher von den Gründen dieses Borgebens hier nichts sagen können. §. XlX. So viel von der zweiten vorläufigen Frage. Wir verbinden damit die dritte von der Chronologie. Sie saßet aber zwei Fragen in sich, von denen die algemeine, wenn sich der Streit zwischen dem Stephans und seinen Gegnern über die Kezertaufe erhoben? sehr leicht und gnau entschieden werden kan, wenn die besondere erst ausgemacht worden. Es ist ge- wis, wie unten erwiesen werden sol, daß Ste- phanus einen doppelten Streit gehabt, mit den Morgenländern und mit den Afrikanern. Nach der gemeinen Vorstellung ist zu erst mir den Afrikanern gestritten worden und dann find die Morgenländer dazu gekommen, um mit den ersten gemeine 349 über die Rezerraufe. gemeine Sache zu machen. Es giebt aber sehr gelehrte Männer, welche das Gegentheil behaupten und meinen, Srephanus habe erst mir den Morgenlandern gestritten; Cyprian aber sey darein geflochten worden. Nach dieser Verschiedenheit wird auch das Jahr des Anfangs der Unruhen verschieden bestimmt. Da gar wahrscheinlich, ^ ^ ist, daß Cyprian im Amfang mit P. Stephans in guten Vernehmen gestanden: wenigstens in einem noch vorhandenen Schreiben an Stepha- num von der Kezertaufe nichts gedenket, so dürfen wir den Anfang der Handel mit Cnprian nicht eher sezen; als nach dem gedachten Schreiben von Cripian an Stephanum. Ferner enthalt der Brief des Firmilians sehr deutliche Merkmale des Jahrs seiner Ausfertigung und 256. ist er der lezte unrer denen, welche in dieser Sache geschrieben worden: mithin können wir das Ende des Streits bestimmen, und so bleibet uns eine Zwischenzeit von zwei Jahren übrig, binnen welchen diese Handel vorgefallen seyn müßen. Nehmen wir an, wie wir es denn vor wahrscheinlich halten, daß StephüNUS noch vorhcro mit den Morgenlandern gestritten; so müßen wir noch ein Jahr höher den Anfang sezen und so ist die algemeine Frage, durch die Bestimmung dreier 25z. Jahre beantwortet; das übrige aber mus zu den 2^ einzelnen Jahren verspüret werden. Anm. i. Daß die Morgenlander zu erst mit Stephans gestritten , wird aus den unten anzuführenden Berichten wahrscheinlich. Dieses ist eine Entdekung, welche, so viel wir wißen, Maran vlr. t^pr. §.29. p. 127. zu erst Zso Von der Streitigkeit erst gemacht, Moshcim aber commemLr.p. 2zy. wiederholet. Anm.2. Das biergedachte Schreiben des Lyprians an Sleph.inum ist sein d,XVIl. Brief p. n;. Mit guten Anmerkungen liefert ihn Loustam eMol. xonüf. p. 2H. sgg. Anm. z. Daß die afrikanischen Handel nicht eher als ins Jahr 254. und Lirmilians Bries nicht später; als in das Ende 256. zu sezcn, erweisen Pearson rmnsl. pri:en. n»n. LdVI. p. 4Z. Tlllemonr memoir. tom. IV. 9.62 z. und die oft genannten Lollandisten, to»r. I.su- t;uK. p. 1 iZ. u. tom. I V. 5 ept. p. 296. daß aber die Bewegungen in den Morgenländer» wenigstens im 1 .25z. angefangen, zeiget Maran am a. V. §. XX. Wir hoffen, das; wir nun zweitens die Er- zehlung der^eitigken selbst liefern können, nachdem wir alles, was zu deren richtigen Einsicht ndhrig ist, aufgeklaret. Hier müßen wir aber um Erlaubnis bitten, von den Lebensumstanden , der Hauptpersonen nichts zu sagen. Cypriail und Ftrinilian sind zwei so berühmte und verdiente Lehrer der Kirche, daß es eine Art von Ungerechtigkeit seyn würde, ihre Geschichte in der Kezerhlstorie zu erzehlen, der wir an einem andern Ort einen Plaz anweisen müßen, der ihrem wahrem Character angemeßen ist. Von Stephane haben wir aber schon ehemals zu reden Gelegenheit gehabt und das wenige, was uns von ihm überliefert worden, erzehlet, daß es iezr überfiüßig seyn würde, solches zu wiederholen. Änm. In der -Historie der Päpste S- 62. u. f. §. XXI. 35 - über die Rezerraufe.' §. XXI. Was die Begebenheiten selbst anlanget, so machen wir den Anfang mir den morgenlandi- schen Händeln. Von diesen haben wir nur zwei Nachrichten. Dwnysius von Alerandnen meldet dem B. Sixto, Srephanus habe in Briesen von Heleno, und Firmiliano und allen Lehrern, in Citieren, Kappadoeien, Galatien und allen benachbarten Provinzengeschrieben, daß erwögen dieser L>ache die Kirchengemeinschast nickt unterhalten werde, weil sie die Kezer, nach seinem Ausdruk, wiedertauften. Er sezct hinzu, daß diese Sache von desto gröserer Wichtigkeit gewesen, da in den grdsten Kirchenversamlungen der Schlus gemacht worden, daß die von Ke- zern getaufte Personen bei ihren Uebertritt zur rechtgläubigen Parthei erst Katechumeneit und getaufet werden sotten; er, Dionysius, habe deßwegen sehr ausführliche Vorstellungen an ihn ergehen laßen. Hiezu kommt Firmilian und bestätiget dieses. Er redet im Eifer den B. Ste- phanum selbst an: „was vor Streitigkeiten und „Zwiespalt hast du durch die Kirchen der ganzen „Welt angerichtet? was vor eine grose Sünde „hast du dadurch dir ausgeladen, daß du dich „von so vielen Gemeinen getrennet hast? (te 2 „tor §re§ibu8 scicklH) Du hast dich selbst von „ihnen abgeschieden. Betrüge dich selbst nicht. „Denn der ist wahrhaftig ein Schismaticus,wel- „cker sich selbst von der Gemeinschaft der einigen „Kirche absondert. Da du meinest, du könnest alle von der Kirchengemeinschast ausschließen, Zs 2 Don der Streitigkeit „ßen, so haft du dich selbst allein ausgeschloßen. „ Und nachhero: „Srephanus lebet in Uneinigkeit „mir so viel Bischdffen in der ganzen Welt; er „bricht mit allen den Frieden, bald mit den Morgenländern, welches ihr, zu Carrhago, wie wir „hoffen, wißen werdet, bald mit euch, die ihr „gegen Mittag wohnet. „ Anm. i. Den Auszug aus Diory-sli Brief liefert Eusebi- us li.L. /rör. VlI. ra/1.5 p. Z24. Die Stelle des Lir- milians stehet opill. L^pr. I^XXV. p. 150. Anm. 2. Mißori Vorgeben, daß die ganze Geschichte einer Streitigkeit zwischen Stephane und den Morgen- landern erdichtet sey, wiederleget Preu in vmclic.epiL. L^pr. ot b'inn. 9.71. Anm z. Aus den hier gelieferten Berichten folget l) daß Srephanus wegen der Meinung von der Kczertaufe an die Morgenländer Briefe geschrieben: 2) daß dieseseher geschehen; als die Händel mit den Afrikanern erfolget, wovon die oben angeführte Maran und Mosheim nachzusehen/ welche denn auch den aus Euscbii osp. z. entstehenden Einwurf beantwortet: z) daß Srephanus sich erkläret, er werde die kirchliche Gemeinschaft mit den Morgenländern nicht forlsezen, wie Dionystus, und den Frieden mir ihnen gebrochen, wie Lirmilian sich ausdrukt. Von diesem Punct wollen wir noch im folgenden mehrcres anmerken. Allein die Hauptfrage, wie diese Händel entstanden, wer; oder was dem Stephans dazu die Gelegenheit gegeben? läßet sich hieraus nicht beantworten, und da es an anderweitigen Nachrichten schlechterdings fehlet; so müßen wir uns dabei begnügen. tz. XXH. Null kommen wir zu den Afrikanern. Wir wißen unleugbar mebr Umstände und zwar theils von gewechselten Schriften; theils von vorgefallenen über die Rezerraufe. z sz fallenen Handlungen. Es ist auch gewis, daß sie m der Reihe der Erzehlung mit einander verbunden werden müßen; allein die Frage, wo wir den Ansang machen sollen, ist deswegen schwer zu beantworten, weil wir die Folge der cypriamschen Briefe nicht gnau bestimmen können. Anm. Unter Lyprians Briefen, von denen wir einzeln viel sagen müßen, wollen wir hier eine algemeine Anmerkung voraussezen. In den Samlungen derselben finden sich sieben, die wenigstens von der Kezertaufe handeln , und diese folgen in der Baluzischen Ausgabe in dieser Ordnung: der LXX. an den Januarium und übrige numidische Bischöffe. der l.XXl. an Guinenm. der l>XXII. an den B. Srephanum. der l^XXIIl. an den Jubaianum. der I^XXIV. an den Pompeirim. der I^XXV. Firmilians an Lyprian. der I.XXVI. an Magnum. Diese Folge ist dann der chronologische Leitfaden, den die meisten neuern in der Erzehluug der aus denselben hergeleiteten Begebenheiten beobachten. Ob aber diese Folge auch gegründet sey, ist eine neue Frage, von welcher dieses zu bemerken. Es ist kein Zweifel, daß die sechs ersten in der Ordnung geschrieben worden, in welcher fie hier gesezet find. Sie beziehen fich immer so auf einander, daß wir leicht sehen, wie einer auf den andern gefvlget, und unsers Wißens ist auch darüber kein Streit. Allein in dem I.XXVI. finden sich wenig Merkmale der Zeit, und noch dazu so »»bestimmet, daß sich die Meinungen darüber getheilct, und zwar so ge, theilet, daß ihn einige vor den allerersten; andere vor den allerlezren, der wegen der Kezertaufe geschriebenen cypriamschen Briefe halten. Jenes behaupten Baro- nius srmsl. eocles. ann.LdVIII. §. 22. Pearson gn- vsl. L^prisnic. a«»r. LdV. §. 5 - und Triller tiilioirs lles suteurs eccleLsliiguestom.III. p. 127. dieses aber II Theil. Z außer 354 Von der Streitigkeit außer dem pamelio, Tillemonr memolr. tom. III. p. i;8 6z2. Macan vit. p. uz. und Su^sken ssnöbor. to»r. IV. lepr. p. Z07. Diese Frage scheinet aus der Ursach wichtig zu seyn, weil man daraus die Gründe des Anfangs bestimmen kan. Wenn wir aufrichtig unsere Meinung sagen sollen; so scheinen uns beide Theile Recht und Unrecht zu haben; die Entscheidung selbst aber unmöglich zu seyn. Die leztern haben, nach unserer Einsicht, Recht, daß Lyprian diesen Brief geschrieben . da ihm wegen der Kezertaufe schon wieder- sprochen worden, und er schon im Streit in Heftigkeit war; daraus aber folget noch nicht, daß er der lezte gewesen. Die erster» haben Recht, daß es scheinet, Lyprian habe damals mit Stephans noch nicht die Verdrieslichkeit gehabt; es folget aber auch nicht, daß der Brief der allererste gewesen. Weil wir selbst ihm einen gcwißen Ort anzuweisen uns nicht getrauen; so wollen wir ihn doch lieber zulezt; als zurrst sezen. §. xxm. Nach diesen Quellen wollen wir die Anfrage der numidischen Bischdffe bei den zu Carthago versamleren Lehrern als die erste Begebenheit ansehen. Es waren achtzehen Bischdffe, welche über die Frage, ob die von den Kezern geraufte Christen bei ihrem Ueberrritt zur rechtgläubigen Parthei zu taufen sind? eine Belehrung erbaten. Ihre Nahmen sind uns aufbehalten, nicht aber des Orts, wo jeder sein Amt verwaltete; wir wißen aber, daß sie sämtlich Bischdffe in Numidien gewesen. Was sie zu dieser Anfrage bewogen, ist die Frage, welche wir nicht historisch beantworten können, und uns mit unsicher» Muhtmaßungen zu behelffen, halten wir vor bedenklich. So viel ist gewis, daß die anfragende Bischdffe an der Ungültigkeit der Kezertaufe nicht Z 55 über die Aezerraufe. nicht gezweifelt und wenn darüber ein Streit gewesen, solcher von andern Personen erreget seyn mus. Zu Carthago sind damals ein und drei- ^ ßig Bischöjfe versamler gewesen: wenigstens wer- den so viel im Anfang des Schreibens genennet. Dieses ist also die erste Kirchenversamlung zu Carchago wegen der Kezertaufe gewesen. Sie ertheilte den numidischen Bischöffen die Antwort, daß weil die Gnadenmittel an eine Kirche gebunden , keine Taufe der Kezer kräftig und gültig sey. Das Vynodalschreiben, welches Cy- prian ausgesczet, ist noch vorhanden. 2 lnm. i. Dieses Synodalschreiben ist die Hauptquelle. Es ist der l^xx. cyprianische Brief, p 124. sgg Von der griechischen Uebersezung beim Zonara und Balsa- mon, s. Tillemonr wemoir. tom. IV- P. 146. Anm. 2. Daß es numioische Bischöffe gewesen, lernet man aus Lyprian epist. l,XXII. p. 728. Don der Der» schiedenheir der Lcseart in dem Nahmen des ersten Ja« nuacii, s. Balurens not. in Lz-pr. p. 4Z6. Daß auch Aclkcsten da gewesen, meldet Lyprian exist. I^XXI. 126. Anm. z. Von der Veranlaßung der Anfrage findet man im Tiliemont, ebendas. tNarans vit. L^pr. p. uz. u in sL simLf. to»,. IV. sevt. p. 296. allerlei Muhtma- ßungen. Das wichtigste ist, daß Augustiners XXIl. Brief des Lyprians p. 128. Lonstant hak ihn epistol. ponEc. p. 216. recht schön abdruken laßen. Manst liefert ihn im ersten Band der Conciliensamlung zweimal, p. 895 u 926. warum ? wißen wir nicht. Man mus aber den I.XXIII. Br/p. 129. damit verbinden, in dem einige andere hi, siorischen Umstände allein bemerket werden. Anm.2. Es wird bemerket, daß der I^XXII. Brief dem Angustino nicht bekannt gewesen, wol aber dem -Hie- rory'mo. S. (teillev am a. V. p. IZ2. Anm. z. Daß aus der Ablaßung des Svnodalschrcibens an den Bischof von Rom kein Primat deßelben zu er. weisen, ist viel zu bekannt; als daß wir uns hier dabei aushalten tönten. §. XXVI. Ehe nun die Antwort von Rom einlief, erhielte Cyprian von einem Bischof eines unbekannten Orts, Jubajano, ein Schreiben, in welchem er abermals wegen der Kezertaufe befraget wurde. Der Verfaßer dieses Schreibens scheinet in der algemeinen Meinung der Afrikaner irre gemacht worden zu seyn, theils durch eines Ungenannten Schreiben zur Vertheidigung der Kezertaufe, welches einige neuere Gelehrten, jedoch nicht ohne Widerspruch, dem Stephans beilegen; theils durch einen ihm selbst aufgcstoßenen Zweifel, ob nicht durch die cypria- nische Meinung die Parthei der Novatianer ge- billiget worden, welche alle zu ihnen übertretende Glieder anderer Partheien taufeten. Auf diese Anfrage erlies Cyprian eine sehr ausführliche Antwort, in der er theils seine Grundsaze vertheidigte; theils die ihnen von Jubajano und dem Z z Unge- ; f 8 Von der Streitigkeit Ungenannten entgegengesezte Gründe ausführlich beantwortete. Er legte demselben die beiden erstem Schreiben und eine theologische Abhandlung von der Gedulr bei. 2 lnm. i. Dieses lernen wir aus dem I.XXI 1 I. Brief p. izi. hg. welcher eben die Antwort an Iubajanum ist. Zlnm.2. Es ist bekannt, daß Angustin a» diesem Brief an einem Ort gezweifelt; an niedreren aber ihn als Ly- prians Arbeit anerkannt. S- Baluxe not. in L^prün. p- 499 - Anm. g. Bei diesem Brief ist ein Zweifel zu bemerken. Die meisten neuern glauben mit Grund, daß Lfprign den Brief des Iubajani erhalten svwol; als deßen He. antwortung erlaßen, ehe die römische Antwort eingelaufen, weil davon keine Spur in der erster» zu finden. S- Tillcmonr to«r. IV. p. 147. und die sccs 8 8. tom. IV- lept. P. 298- Hingegen bat tNaran vit. L^nriani p. 114. das Gegentheil zu behaupten gesuchet; ist abeö von Pren vinliic. epiit. Lvpr. et b'irmil. p. 8- sg^- mit guten Gründen niederleget worden. Lnm. 4. Noch wichtiger ist die Frage, wer der Ungenann,. te sey, deßen Aufsaz Iubajanus dem Bischof von Car- thago überschikct, nach dem Painelius und Laronius »anal. Rnn. XXXIV. § 246. gcmudtmaßct, daß Stephane,» derselbe sey. Die meisten neuern haben ihnen wiederchrochcn, z. B. Tillemonc, p. 148 Leiller iZ7. Macan p. m. Allein Loustanr ezM. pontif. p. 226 hat doch sehr wahrscheinlich gemacht, daß dieses der Brief gewesen, den Sreplianns vor den afrikanischen Streitigkeiten an die Morgenlander erlaßen. §. XXVII. Es folgen denn die Händel, die mit Stephans vorgefallen. Die Quellen , aus denen wir hier schöpfen müßen, beobachten in ihrer Erzeh- lung die Ordnung so gnau nicht, daß wir solche mit über die Rezerraufe. z 59 mit einer völligen Gewisheit bestimmen könten. Und daher entstehen mehrere Zweifel. Um nicht hier zu weirläuftig zu werden, wollen wir diefesmal einem neuern Gelehrten folgen, der in den Quellen mehr Begebenheiten gefunden; als seine Vorgänger und sie in einer natürlichen Verbindung vorgetragen. Dadurch werden wir den Vortheil gewinnen, daß wir die strittigen Fragen deutlicher aus einander fezen können. Die Begebenheiten sind denn diese: l. Stephanus erläßet an Cyprian und die Afrikaner eine Antwort. Sie ist stolz abgefaßet. In derselben vertheidiget er alle Kezertaufe, und misbilliget die gegenseitige Meinung. Er pocht auf die Tradition und Vorzüge seines Stuhls. Anm. Von diesem Brief redet Cyprian eoiL I.XXIV. x. i z8 Mit diesem cyprianiscken Schreibe» überschikt eben der Verfaßer den verlorengegangenen Brief Srs- phani, und wiederleget ihn. II. Hierauf erhält er von den Afrikanern eine Antwort. Diese ist ganz verloren; man weis aber, daß Srephani Gründe nachdrüklich beantwortet worden. Anm. Von diesem Brief redet Firmilian epiü. I.XXV. k- i4Z- m. Stephanus erläßet den zweiten Brief. Er wird grob: schilt den Cyprian einen falschen Christum, einen falschen Apostel, einen be- trüglichen Arbeiter, und erkläret sich, daß er mit den Afrikanern die Gemeinschaft aufhebe. Z4 Anm. z6s Von der Streitigkeit Anm. Von diesem Brief redet Lirmilr'an epiüol.l>XXV. x. 144. i;o. Weil Cyprirn in dem, doch m,t groser Heftigkeit geschriebtnen Brief von diesen Umstanden nichts meldet; so ist dieses der Grund, warum zwei Briefe angenommen worden. IV. Die Afrikaner suchen diesen gänzlichen Bruch zu hintertreiben, und schiken Blschbffe als Abgeordnete nach Rom, welche Stephanus nicht allein nicht vor sich läßet; sondern auch schlechthin allen Christen verbietet, sie zu beherbergen. Anm. Dieses erzehlet Ficmilian epilk.I^XXV. p. 150. V. Dritte Kirchenversamlung zuCarthagi) von der bald ein mehreres. Anm. Der gelehrte Mann, dem wir hier folgen, istMos- hejm coimnentar, p. 541. 6^. §. XXVIII. Die bey diesen Begebenheiten strittige Fragen sind nun diese: I. Wie viele Briefe hat Stephanus an Cy- prian geschrieben? Alle übrigen Schriftsteller sagen einen; Mosheimzwei? Und er scheinet hier Recht zu haben. II. Haben die afrikanische Bischöffe auf den ersten Brief eine Antwort gegeben, die iezt verloren ist ? Auch diese ist den übrigen unbekannt und eine Entdeknng, die in Firmilians Brief einen sehr guten Grund hat. III. Wenn über die Rezertaufe. z6r M. Wenn ist die Gesandschaft nach Rom geschlkr worden? Hier sind die Meinungen dadurch gerheilet, daß einige sie vor; andere nach der dritten Kirchenversamlung sezen. Da es gänzlich an sichern Merkmalen fehlet; so mus man sich mit Muhtmaßungen behelfen. Der Zusammenhang scheinet faßlicher, wenn man an- mmmet, daß diese Gesandschaft vor der dritten Kirchenversamlung abgegangen. 2tnm. i. Man mus hier anmerken, daß Stepbani Benagen gegen die afrikanischen Gesandcn noch eine gehä- Kigere Gestalt bekommt, wenn sie vor der dritte» Versal» lung abgegangen. Allein, ob dieses hinreichend sey, es zu leugnen, »m die allemal unverantwortliche Aufführung etwas zu mildern, ohne allen historischen Grund, wie Tillemonr p izz. und Guysken söt. 8 8. tom.1V. lege. p. zoz. thun, ist eine nicht schwere Frage. Die gegründetere Meinung hat schon Pearson snn. <^xr. snn. LLI^VI. 8- 7- vorgetragen; Maran aber vü. L/- prian. p. m. sgg. weilläustig unterstüzet. Anm 2 . Wir müßen hier noch einiges beifügen, i) der I>XXIV. Brief an den Pompejum ist dem Augustino bekannt gewesen. S. lrür. V. bspt. ca/i. 2 >. 2 ) die wunderliche Aufführung, des Papstes ist selbst m den . Augen der römischkathoüschcn Schriftsteller ein Stein des Aergcrnißes. Um nun diesen aus dem Weg zu räumen, sind verschiedene Mittel angewendet worden. Daher sind folgende Fragen zu bemerken: erstlich ist es wahr, daß Stephanus alle Gescze der Menschenliebe und Höflichkeit so aus den Augen gesezet, daß er nicht allein die kirchliche Gemeinschaft mit den Afrikanern aufgehoben; (von welchem Punct wir gleich mehreres reden wollen) sondern auch Lyprian so unanständig ge- schimpftt und gegen die Abgeordneten sich so hart bezeiget? Diese Frage leugnen nicht allein diejenigen, welche, wie oben bemerket worden, die Briefe des ttvprians und Lirmilians, die eben das Andenken dieser Begebenheit erhalten, schlechthin vor untergeschoben ansge- Z 5 den; z62 Von der Grreirigkeit ben; sondern auch Baronins und Saysken stst. sank. tom. IV. sepr. p. zog der sonst gar richtig des erster» und Natali» Alexanders IUum, es wären keine afti» kanischen; sondern morgenmndische Gesanden gewesen, verbeßert. Ihnen hat aber Pearson, selbst Tille- mom, und Maran mit Recht wiedersprochen. Den leztern kan man auch wol darinnen heitreren, daß nicht alle Christen zu Rom hierinnen, wie ihr Bischof, werden gedacht haben, und daher die Abgeordneten nicht genöhtigct gewesen seyn, bei Heiden einzukchren. z) ob Stephanas zu einem solchen Betragen ein Recht gehabt ? Diese möchten gerne einige behaupten, und hat sich son, derlich Bosch in sü. 8 8. ton». I. su^uki p. 117. u. Saysken p. 299. sehr vergangen, daraus noch einen Beweis zu führen, daß der Bischof von Rom opil'copus epilcoporum sey. Allein L/prian hat davon nichts gewust, und was er auf der dritten Ktrchenversamlung zu Larthago saget, p. Z2y. oper. ist ein klarer Beweis, daß er es vor sehr strafbar gehalten, einen episcopvm epileoporum vorstellen zu wollen. Augustiners hat auch gewis dies Betragen gemisbilliget. S. Tillemonr P.IZ0. §. XXIX. Hier ist nun die Stelle, welche wir der wichtigen Frage vorbehalten, ob Stephanus die von der Kezertaufe nicht, wie er, denkende Lehrer und Gemeinden aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschloßen. Wir haben hier die Frage mit Vorbedacht etwas unbestimmt abgefaßet, weil die besondern Fragen eben zu näheren Bestimmungen Anlaß gebeu. Es sind drei besondere Fragen, die hier in Untersuchung kommen müßen. Die erste ist, ob Stephanus die Ausschließung aus der Kirchengemeinschaft gegen die Vertheidiger der Taufe solcher Personen, welche ehemals von den Kezern getaufet worden, wirk- über die Rezerraufe. z6z kich erkläret und also den Kirchenfrieden mit ihnen gebrochen? oder ob er nur gedrohel, solcl)es zu rhun, wenn sie chre Meinung nicht ändern würden? Mit dieser ist die zweite verbunden, wie weit sich diese Erklärung in Ansehung der Personen erstreikt, ob sie allem auf die Morgen- länder; oder auf beide, die Morgenländer und Afrikaner, gegangen? Hier sind denn dreierlei Antworten gegeben worden. Einige behaupten , daß Slephanus allerdings beide von seiner Gemeinschaft ausgeschloßen habe. Andere leugnen dieses schlechterdings von beiden und meinen, daß das, was uns berichtet worden, nur in Drohungen bestanden, die nickt in die Erfüllung gegangen. Noch andere glauben, daß Stephanus nur die Morgenländer in Bann gethan habe; nicht aber den Cyprian und seine Anhänger in Afrika. Unter diesen verschiedenen Meinungen verdienet die dritte keine Achtung. Die zweite beruhet auf einigen Scheingründen; die erste aber hat einen desto sicherern Grund in den klaren Zeugnißen der Alten. Die dritte Frage ist, was durch diese Ausschließung zu verstehen, ob eine eigentliche Bannerklärung, so zwischen ganzen Gemeinen nach damaliger Kir- ckenverfaßung nicht statt haben können; oder nur eine Aufhebung der bisherigen brüderlichen Einigkeit und Enthaltung der vertraulichen Gemeinschaft zwischen den Gemeinen, so billig behauptet wird. Anm I. Bei der ersten Frage wird die erste Antwort nicht allein von Protestanten, unter denen wir hier Placekte Z64 Von der Streitigkeit Placette odiervst. lrillor. eccles. p. 102. sgq. Basnggen unnsl. politico- eccles tom. II. p. zZ2. Reiser I^sunoi. teil. verit. p.274. Weisman meniorsb.hlsionse eccles. tom. 1 . p. 250. und Mosheim p. ZZ8. 54 Z vorzüglich nennen; sondern auch in der römischen Kirche selbst vom Tillemont p. i;6. und Launoi /ihr. VIll. epili. iz. behauptet, welche sich denn auf die klaren Zeugniße des Dionysii, bei dem Eusebio histor. eceles /ihr. VII. rax. ;. p. Z24. und des Firmiliani episs. speisn. I^xxv. p. 144. izo. Soben Z.XXI. ingleichen des Augustini äe unico baptisiir. sä ?etilisn. cax>. 14 und äe bsptiim. contra Oonstist. /ihr. V. cax. 2;. grllndet; die zweite, von den meisten Gliedern der römischen Kirche vertheidiget, von welchen denn hier Lellcrrrnin /ihr. I. äe concil. rax. ro. Duvalors not. in Lul'eb. p. Z2Z. Schelstraaren sntiguit. eccles x>art. II. «si^s. - ra/r. 5. 2. Natalis Alexander iiikor. eccles. HI.l air^i2. die Verfaßev der söl. ssnklor. tom. I. su^. p. . 1x7^ und tom. IV- sept l>. 290- Z09. kqg. Loustant epl- stol. pontif. p. 2;i. 'Iqg. und Sandini äiilcrt. VII. sä vltss pontislc. p. 62. zu lesen. Was diese Parthei mit einigem Schein vor sich anfuhren kan, sind mehrere Stellendes Augustini, in denen er versichert, daß durch diese Streitigkeit, das Band der Einigkeit und des Friedens nicht zerrissen worden, z. E- /ihr. V. äe bsptilmo conrrs Oonscisiss cax>. 25. Wobei jedoch wol zu bemerken: r) daß Augustinus schlechterdings kein gültiger Zeuge hier seyn kan, weil es gewis ist, daß er weder von Dionysii, noch von Lirmilians Briefen was gewust, und selbst seine unvollständige Kanntnis in die- . .str Sache meldet, überdies er an eben diesem Ort doch versichert, daßSrephanuegeglaubet, dieGegenparthei sey auszuschließen: 2) mithin vielmehr das, was er von der Erhaltung des Friedens saget, als eine Frucht der Mäßigung des Lyprians ansiehet, der doch fortgefahren , Stephanum als Bruder anzusehen, und dadurch die gänzliche Spaltung verhindert. Wir sezen z) hinzu. Augustiners redet in diesen Stellen allemal wieder die Souatistische Spaltung, und hat völlig Recht, daß keine solche Spaltung damals entstanden; wie die donatistrsäre war, ohne daß dadurch geleugnet wird, daß Srcphanus seine Gegner von seiner Gemeinschaft ausgc- über die Rezertaufe.' Z6y . ausgeschloßen. Endlich ist uns von der dritten Meinung nur ein Vertheidiger bekannt, und dieser ist La- ronius snnal. a«n. LLH.VHI. §. 144. i zo. Anm. 2. Die dritte Frage ist der vollkommen ähnlich, welche in dem ersten Theil der Rezeriststorie S.680. erörtert worden, worauf wir uns beziehen. §. XXX. Nun können wir in der Historie wieder fortfahren. Cyprian erhielte vom Jubaiano ein anderweitiges Schreiben, welches verloren gegangen. Wir wißen aber, daß der Bischof dem Cyprtan völlig beigetreten. Hierauf wurde die ^ dritte Kirchenversamlung zu Carthago gehal- ' teil. Sie kam den ersten September zusammen, und bestand aus fünf und achzig Bischöffen aus Afrika, Numidien und Mauriranien, vielen Ael- testen, Diakonen und Laien. Cyprian legte derVersamlung die bishero gewechselten Schriften vor, hielte eilte kurze Allrede und lies hierauf die Stimmen geben. Alle diese Stimmen sind noch vorhanden und man siehet, daß der Schlus sehr einmühtig gewesen, die Kezertaufe sey zu verwerfen und alle, die von Kezern getaufet worden, bei ihrem Bekanntnis zur wahren Kirche erst zu taufen. Anni.i. Man hat von dieser Versamlung sehr vollständige Akten, welche Augustiners irö»-. VI- u. VII. 6e ba- ptistn. contra voiisstst. uns aufbehalten. Sie stnd aus dieser Quelle nicht allein in die Werke des Lyprian» und zwar p. Z2y. ig. nach Balurens Ausgabe; sondern auch in die Lonciliensamlungen gebracht worden. Manst colletk. concil. ta»r. I. liefert ste x. 951. lateinisch und p. 967. stzcz. griechisch und Lateinisch aus dem z66 Don der Streitigkeit dem Zonara. Man sehe auch Beverivge p»r6eL LL- - noo. tom.I. x. z68. Anm. 2. Man zchlet 85 - Bischöffe; aber 87. Stimmen, weil zwei Abwesende die ibrigen durch einen Vertreter - gehen laßen. Von ihren Nahmen und den O'ttern ihres Aufenthalte sind die Ausleger des Cyprian«, Pa- melius, Rigaltius, Baluze, auch Tillemonl tom.IV. p. 15z. zu lesen. Ceiller liefert in der kisioirr 4 es «u- teue8 eocles. tom. III. x. ;6y. einen brauchbaren Auszug. Anm. z. Obgleich diese Kirchenversamlung von Laronio, Binio, Labbe, und andern sehr verächtlich angesehen wird; so bar sie doch i» der altern Kirche ein groses Ansehen gehabt, wie aus dem zweiten Kanon des syn- 061 yuinliexcve, in> ttabbens conell. tom. VI. p. i >41. zu sehen. Die moraenlandische Iacobiken erkennen diesen Schluß »och verbindlich. S RenauSor litur^. c>ri- eursl. to«r. II. p 2yy. und )Veisman wemorsbil. ki- Itor. eecles. tom. I. p. 248. K. XXXI. Es ist sehr wahrscheinlich, daß gleich nach dieser Versamlung Cyprian seinen Dlakonum, Rogatianum, an den Bischof Firmilian zu Cäsareen in Kappadocien abgeordnet. Er gab ihm in einem Schreiben, dem die Abschriften der bis dahin verhandelten Akten beigeleget waren, von diesen Handeln, besonders mir Stephan», Nachrlckt, welches nickt mehr vorhanden. Fir- Mllian fertigte gar bald die Antwort aus, welche jedoch nur in einer lateinischen Uebersezung uns erhalten worden. Ihr vornehmster Inhalt ist von uns so genuzet worden, daß eine besondere Anzeige deßelbcn überflüßig seyn würde. Er trat in allen dem Cyprian bey und tadelte in heftigen Ausdrükcn die unvorsichtige Aufführung des römischen Bischofs. Anm. über die Rezerraufe. 367 Anm. l. Dieses alles wißen wir aus Firmilians Schrei, den, welches unter den cyprianischen Briefen der l^XXV ist, P. 142. Anm. 2. Daß dieser Brief von einigen vor untergeschoben gehalten werde, haben wir schon oben erinnert. ' Die Kunstgriffe, die ehemals gebrauchet worden, dieses schazbare Denkmal des christlichen Altertums den Au» gen der Welt zu entziehen, welche Larinius selbst bekennt ; Morell aber durch den ersten Abdruk deßelben vereitelt, erzchlet Baluxe not. üi L^xr. p. 508. sizcz. und bestrafet sie billig. Anm.z. Don der Zeit, wenn dieser Brief geschrieben worden, ist nur gewis, daß es geschehen, nachdem Sre- phanus seinen seltsamen Schritt gethan. S- Tille« nionr p. 157. aber sehr wahrscheinlich, daß es nach der dritten Kirchenversamlung zu Carthago geschehen. S- Baronium snnsl. an». LdVIII. §. 4z. Pearson »nnai. an». LLll-VI. : i. Anm. 4. Daß die Urkunde griechisch gewesen, lehren die noch in der llebersezung zu bemerkende, dieser Sprache eigentümliche Redensarten. S. Maran vir. L^pr. p. n8- daß Cyprian selbst der Uebersezer sey, hatRigaut zu erst gemuhrmaßet und andere gebilliget. Anm. 5. Ob Augustinus diesen Brief gekannt, wird von einigen verneinet, wie vom Tillemont p. 158 Teiller x. 146. von andern wahrscheinlich bejahet, S. pre» vinäic. P. 41. §. XXXII. Wir können den Brief nicht ganz übergehen, welchen Cyprian an eine Person geschrieben, die Magnus geheisen und wenigstens kein Bischof gewesen, weil der erstere ihn nicht seinen Bruder; sondern seinen Sohn nennet. Er stehet mit den eigentlichen Streithandeln in keiner erweislichen Verbindung; betrift aber doch die Streit» z68 Von der Gtreitigkerc Streitfrage, mit welcher eine andere von der Krankentaufe verknüpft worden; vor uns aber nicht gehöret. Jene wird auf die ihrem Verfasser gewöhnliche Art beantwortet und die Verwerflichkeit der Taufe der Kezcr, besonders der Novarianer, ausführlich behauptet. Anm. exiü. I.XXVI. p. izi. §. xxxm. Ehe wir zu dem Ende dieser Streitigkeit nahen, finden wir vor ndhlig, von zwei Personen zu reden, die an diesen« Streit Antheil genommen. Die eine ist der ungenannte Verfaßer der Abhandlung von derMicdertaufe, welche in den Samlungen der- cyprianischen Werke angetroffen wird. Nichts «st von «hin gewis; als daß er vollkommen den Lehrbegrif des Stepha- Ni angenommen, und überaus wahrscheinlich, daß er ein Bischof gewesen und daß er sonderlich den Cyprian, und noch dazu heftig und unhöflich angreife. Allein wer er gewesen? und wenn er gelebet? sind zwei Fragen, die bishero auf zweierlei Art beantwortet worden. Da ein alter Schriftsteller meldet, daß ein afrikanischer Münck, Urstlius, der nach einigen im vierten; nach andern in« fünfte«« Jahrhundert gelebet, eine Schrift vom ähnlichen Inhalt hinrerlaßen; so habe«« einige geglaubet, daß dieses eben die Schrift sey. Ändere hingegen haben ihnen wiedersprochen und aus innern guren Gründen erwiesen, daß der Verfaßer im dritten Jahrhundert und zwar zu der Zeit, da diese Streitigkeit über die Rezertaufe. z6g in Bewegung gewesen, gelebet, denen wir auch beizuneten, kein Bedenken finden. Alnm. l. Dieses Blich rebaptümate hat Sirmond zu erst in einer Handschrift zu Rheims cntdeket; Rigaut aber zu erst druken laßen. Worauf es auch Fell tom. II. opeo. L^pr. p 20 u Baluze p. zzo. wieder ans Licht gcstcllet. Es stehet auch mir Nigaure Noten in Manst concöc. concil. tom. I. p. yzi. t'gg. 2 lnm. 2. Diejenigen, welche den Ursinum vor den Verfaßte halten, berufen sich i) auf das Zeugnis des Gennadij äc scriptor. illustr. ca/>. 27. 2) anf die ausdrük- liche Meldung dieses Nahmens in einer alten Handschrift der Vaticanbibliotbek, und z) aus die Stelle, p. Z57. daß tot icculorum seiies „ach derApostelzeit verstoßen. Labbe hat zu erst den Gedanken gehabt, welchen sonderlich Vudin Comment, cle scriptor. ecclet'. tonr. I. x. 1006. Bal»)e not. in L^pr. p. 657. und Schoettgen r/o/. VI. bibliock. hat. meel. et inilm. eetstis P. 8;8-ge- billiget. Hingegen erinnern die andern i) daß in der That der Inhalt der von Gennavio angezeigten Schrift so gnau nicht mit dem Inhalt der gegenwärtigen übereinstimme : 2) daß der V. von der Streitigkeit als einer neuentstandenen rede: z) daß er gegen Lxprian sehr unhöflich sich bezeige, 4) daß er theologische Jrtümev einstießen laßen, die wol im dritten Jahrhundert möglich gewesen: ;) daß er von Verfolgungen rede: 6) daß die Schreibart einen Afrikaner verachte, der mit Tertullian und Lyprian von gleichem Alter sey. Wir sezen noch einen Grund hinzu, daß, da im vierten Jahrhunderte auf den ansehnlichsten Kirchenversamlungen die Frage von der Kezcrraufe ganz anders entschieden worden; als Stephan»« und Lxprian gedacht, theils in den spätern Zeiten wol kein Schriftsteller so gelehret haben würde; als dieser gethan, welches Augustini gegenseitiges Beispiel erweiset; theil« der B. dieser Con« cilienvcrordnungen würde gedacht haben. Von dieser Parthci sind Vlakalis Alexander, Dupin, Tillemont, to»r. IV- p 1; 1.629. Eave inilor. litter. Icripc. ecclefl tom.I. p izi. 4;o. LNaran vic. L^pr. §.XXXV. p. 126 Teiller hilkoire cies suteurs eccl. 111. p. 1Z9. ll Theil. Ast welche Von der Streitigkeit welche denn auch von den gedachten Umstanden zu lesen. Fleury kiÜo,-. eccl. /rö»-. VII. ca?. z i. muhtmaßet sehr unwahrscheinlich, daß P. Stepbanus selbst der Dcrfa- ßer sey; hingegen bat Lardner creöibilit^ oktke6.H. xaet. II. vo/ 4. p 874- Igi- einen nüzlichen Gebrauch dieses Buchs gemacht. §. XXXIV. Die zweite merkwürdige Person, die an diesen Händlen Amheil genommen, ist der B. Dior Nysius von Alerandrien, über deßen Gesinnungen von der Kezertaufe noch vielerlei gestritten wird. Man kan die Ursach davon leicht begreif- fen. Die älteren Geschichtschreiber erzehlen hier sehr wenig: ihre Nachrichten sind weder zusammenhängend; noch einstimmig. Wir wollen sie hier erst samten: 1. Eusebius meldet einmal, Dionysius habe bei dem Ausbruch der Streitigkeit an den B. Siephanum einen Brief erlaßen; saget aber nichts von deßen Inhalt; als daß er ihm von der in den Morgenländern, wieder hergestellten Ruhe nach den novatianischen Bewegungen Nachricht gegeben: hernach, daß nach Stepha- ni Tod Dionysius an deßen Nachfolger Zkyftum ebenfals ein Schreiben von der Kezerraufe erlassen, und in diesem von Stepham Meinung und obengemelderen Betragen gegen die morgenlän- dische Bifchdffe geredet und beigefüget, er habe deswegen an Stephanum geschrieben und gebeten («?eo/ukvoc) wobei wieder ausgelaßen, was er gebeien: ferner, aus eben dem Briefe an Xystum daß da die beiden römischen Aeltesten, Diony- über die Rczerraufe. -7, Dionysi'us und Philemon, die es mit Stephans gehalten, wegen dieser Sache an ihn geschrieben, er beiden erst kurz; mmmehro aber weitlauftig geantwortet, jedoch abermals ohne den Inhalt dieser Antworten zu bestimmen: noch weiter, aus einem des Dionysii Bries an den Philemon, daß Cyprians Meinung von den zahlreichsten Gemeinen und aus den Synoden zu Jconien und Synaden gebilliget worden, deren Schlüße er zu verwerfen und Zank zu erregen, sich nicht unterstehe: endlich, es sey ein fünftes Schrei» den des Dionysii an den B. D-stum vorhanden, in welchem der erstere einen besondern Fall er- zeh'e, da eine Person, die schon lange zu Aleran- drien vor ein Glied der Kirchen gehalten worden und eben so lang zum Abendmahl gegangen, von freien Srüken angegeben, daß sie in einer kezeri- fchen Parthei, die nicht genennet wird, die Taufe empfangen, und mitgroser Aengstlichkeit verlanget, erst recht getaufet zu werden, welches aber er Dionysius zu thun sich nicht getraue, weil er glaube, daß der öftere Genus des heiligen Abendmahls schon dazu hinreiche. Diesem ist angehänget, es sey noch ein Schreiben Dionysii und seiner Gemeine an Lyftum und die römische vorhanden, in welcher von der Taufe eine weitläufige Untersuchung angestellet werde; es ist aber weder eine nähere Bestimmung der Frage, noch der Inhalt der Beantwortung zugleich berichtet worden. Anm. Die erste Stelle stehet billor. eeclef. /r-r. VII. esp. 2.4.5. P.Z 22 .Z 2 Z. die zweireund dritte ca/>. 5 p Z24. Aa 2 Z25. z 72 Von der Streitigkeit Z25. die vierte cax. 7. p. Z27. und die fünfte ca^.y. x Z29. fg. Alle diese Stellen liefert Loustant exitrot, xoncik. x. 259. mit Anmerkungen. II. Hftronymus, der nur mit wenigen meldet, Dionyims habe es mit dem Cyprian und den Conc-Iien Müßen von Afrika gehalten und deswegen an verschiedene Personen mehrere Brrese eriaßcn, dre noch vorhanden waren. Anm, eis viris iiiuür. ra/i. 69. III. Basilius der Gross verwundert sich an einem Orr, wie der grose und in den Kirchen- gesezen wol erfahrene Disnysius die Taufe der Moluanistell vor gültig erkennen können. Anm. epiüol. canouic. Lli ca». 5. H. XXXV. Man wird hieraus selbst schließen, daß die neuern sich theilen müßen. Diejenigen, welche glauben, DionysiuF habe es mit Stephane» gehalten, haben des Bastln Zeugnis vor sich und können auch aus dem Fall des von Kezern getauften Menschen etwas schließen. Allem dieser Umstand ist deswegen dunkel, weil die Ursach, warum DionyslUS diese arme Person nicht taufen wolle, nicht in dem Saz, weil die von Ke» zern ertheilte Taufe gültig; sondern in dem, weil diese schort oft zum Abendmahl gegangen und ein Sakrament den Abgang des andern ersezen könne, lag. Die andern, so gerade das Gegentheil behaupten, gründen sich aufHieronyMUM und daraus, daß er die morgenländische Schlüße über die Rezertaufe. zyz nicht verwerfen wolle. Wir glauben, erstlich, daß Dionysius selbst sich zu keiner Parrhei geschlagen; doch deuAfrikancrn günstiger erwiesen, damit er zweitens desto leichter die Bemühter zur Ruhe bringen mdge: daß er drittens die ganze Aufführung des Stephani gemwdilllget und viertens von der Erheblichkeit so gedacht, wie Crprian und davor gehalten, jede Kirche müße hierinnen ihre Freiheit behalten. Aiim. Man lese hiervon Tillemont lom.IV. p. 142 sg. Basnage snnsl. pc,Iitico-et.Lies. ro»r. 1 I, P>Z4>. pla- cctte obiervat. Iiürok'ico - ecclss p. io6. ig. Leiller kj- üoire 6es suteurs eccies. tom. III. 262. Loustant epiliol. pontif. p. 264. Ndeisinann memorab. liiüor. eccies. x. 25 l. §. XXXVI. Es ist nur eine Mllhtmaßung, daß durch die Bemühung des Divnysii der Friede wieder hergestellet worden. Die wahre Geschichte hö-. ret hier auf und, wenn wir aufrichtig reden wollen, so wißen wir von dem Ende des Streits nichts. Nur ist wahrscheinlich, daß stephani ^ Tod dem Lerm ein Ende gemacht. Und so mü- sten wir hier unsere historische Erzehlung schliesset Weil aber lisch ein Zusaz voil einigen gemacht wird; so halten wir uns verpflichtet, davon auch Nachricht zu geben. Es stehen einige in den Gedanken und suchen es auch durch historische Gründe erweislich zu machen, daß so wol die Morgenlander; als die Afrikaner ihreGrund- säze von derKezertause geändert und gegenseitige Schliche gemacht, welches andere schlechterdings A a z leugnen. Z74 Von der Streitigkeit leugnen. Wenn man nur überhaupt und ohne weitere Bestimmung fraget, so har es ferne Richtigkeit, nachdem auf den spätern Concilren und besonders denjenigen, welches Augustinus so oft unter dem Nahmen des concilü pleiwrii anführet, richtigere Regeln dorr dem Verhalten gegen die von Kezern getaufte Personen sestgesezet worden, solche auch in Afrika Beifall gesundem Weil aber die erstere Parthei es selbst von den Brschöffen verstehet, welche zur Zeit Slephani alle Kezertaufe verworfen, so mus es billig geleugnet werden. Anm. i. Diejenigen, welche einen Wiederruf der afrikanischen und morgenländischen Bischöffe vorgeben, berufen sich i) auf den -Hieron^mnm in äislo^. iläverius l.u- cik. tom. IV. oper. 2. p. Z02. der eines afrikanischen Schlußes gedenket: 2) auf das Vorgeben des Lresconü bei dem Augustino III. aoiitis Lreidon. z. u. /lbr. IV ea/-. 17. von den Morgenländern, welches aber Augustiners billig in Zweifel ziehet: z) auf Augustinum epiiloi. sIötis 88. tom. I. su^. p. 117. iqg. und tcmr. IV» sepr. x.zi2. am weitläuftigsten vorgetragen worden. Lnm. 2. Diejeniaen , so keinen solchen Wiederruf annehmen, berufen sich theils auf den Mangel der hinreichende» Beweise des Gegentheils, wozu sie als die verneinende Parthei vollkommen berechtiget sind; theils aufAn- gustini über die Rezerraufe. Z7s gustinr gültige Versicherung, daß erst durch das conci- Illlln pleosriiim die völlige Einigkeit wieder hergestellet worden. Dieses erkennen selbst Xigaur, Duvalois, Dupin, Launoi, sonderlich Tillcmom p. 162. undBa- lu;e nov. colleÄ. covcil. p. ly. Von Protestanten ist Pearson, Weismann und Preu i„ den angeführten, Schriften zu lesen. 2 tnm. z. Ueber die Frage, was das vor eine Kirchenver- samlung gewesen, die Augustiner» so oft conciliumple- narium nennet, ist sehr viel gestritten worden. Siege» höret aber hiehcr nicht. Man sehe unsere Historie der Rirckenv. S- iz?. Wir endigen hier unsere historische Erzehlnng, weil die spätern Veränderungen des Lchrsa» zes von der Kezertaufe an einen andern Ort versparrt werden müßen. §. XXXVII. Wir kommen nunmehro zum dritten Stük unserer Untersuchung, worinnen wir eine pragmatische Beurtheilung dieser Streitigkeit zu geben, versprochen. Es ist dieser Theil unserer Arbeit hier mit mehreren Schwierigkeiten verknüpfet ; als bei andern Religionsstreirigkeiten. Es sind der Gegenstand und die Umstände dieser Begebenheiten, von den neuern Geschichtschreibern aus so vielen Gesichtspunkten erwogen worden, daß dadurch eine Menge von Fragen entstanden, und diese eine noch grdsere Menge von Beantwortungen nach sich gezogen, in welchen die Parteilichkeit nur gar zu oft einen Ein- sius gehabt. Wir wollen versuchen, ob wir diese Fragen sowol vollständig sammlen; als in einer rechten Ordnung und mit einer nbhtigen Deutlichkeit vortragen können und zu dem Ende einige Hauptfragen von Nebenfragen unter- Aa 4 scheiden. Z76 Von der Srreitigkeic scheiden. Die Hauptfragen betreffen die Streitfrage selbst, dleNebenfragen die Handlungen der Personen und ihre Sittlichkeit und die daraus gezogene Folgen, welche in der Historie nur als zufällig zu betrachten. §. xxxvm. Unter den Hauptfragen geben wir den ersten Plaz der Betrachtung, ob die Frage von der Kezertaufe einen Wehrt und Gewicht habe. Die Bejahung dieser Frage wird allemal von denjenigen voransgesezet, welche mir Eifer von den Meinungen beider Theile urtheilen. Es sind aber nicht alle in diesen Gedanken. Einige sehen die ganze Frage vor unerheblich an und wenn auch die ehemals streitende Partheien ge- irret, der Irlum doch sehr unerheblich und keiner hoch anzurechnen sey. Sie haben zum Theil als einen Grund dieses Urtheils angegeben, daß die Frage keine Glaubenslehre; sondern nur einen Theil der Kirchenzucht und der sonst freien Kirchengebrauche betroffen. Wir können diesen zu nachsichtsvollen Richtern nicht beitreten. Es ist ganz falsch, daß die Frage zur Kirchenzucht gehöre, so lang man dieses Wort von Beobachtung gewißer wilkürlicher menschlicher Anordnungen nehmen wil. Die Austheilung der gotcesdienstlichen Handlungen, welche wir mit dem Sakramenteilnahmen belegen, gründet sich auf göttliche Vorschriften, die dadurch auch Lehrsaze und Theile der christlichen Glaubens- 377 über die Rczertaufe. lehre werden. Wenn es nicht gleichgültig von göttlichen Befehlen abzugehen, so kan es weder gleichgültig seyn, einer Person die Taufe zu rauhen, welche sie nach denselben empfangen solle; noch die Taufe alsdenn zu wiederholten, wenn eine solche Wiederholung denselben wieder« spricht. 2 lnm. Die gelinde Meinung von dem Gewicht der Streit, frage hat bei einige» Gliedern der römischen Kirche Beifall gefunden. Außer den Serry sol sonderlich der Derfaßcr der von uns nie gesehenen 6>sterrstion rkec>7- lo^igue stirl, celebre ilii'pute encre le pape 8t. Lrienus üe 8. L^prien, die zu Paris 172; heraus gekommen, vorgetragen haben. Dieser Parkbei kan dieses Urtheil einen doppelten Vortheil stiften. Einmal wird dadurch die Entschuldigung des P. Stepbani leichter. -Hernach kan man es als ein Exempel des angeblichen Rechts der Kirche, in göttlichen Anordnungen Veränderungen vor» zunehmen, nüzlich gebrauchen. Coustanr p. 254. hat richtiger geurcheilct. placerre am a. V. x. i rc>. ist hiervon nachzulesen. r - - - . §. XXXIX. Die zweite Hauptfrage betrift die Richtig? keit und Unrichtigkeit der Meinungen beider Theile. Auf diese Frage sind uns drei Antworten bekannt. Emige sagen, kein Theil hat Recht gehabt. Beide habengeirret. Cyprialt und SlephanuS haben einer, wie der andere, eine unrichtige Antwort gegehen. Andere behaupten , beide haben Recht. Noch andere stehen in den Gedanken, ein Theil habe geirret, der andere nicht. Von diesen finden wir nur A a 5 solche, Z78 Von der Streitigkeit solche, welche den Stephan vertheidigen. Diese Frage ist so leicht nicht; als sie vielen, die sie beurtheilet haben, mus vorgekommen seyn. Sie ftzet voraus, daß eines jeden Theils wahre Meinung zuverlässig bekannt sey, und die wenigsten haben die Schwierigkeiten beobachtet, welche sich bei der Meinung des Stephani äußert. Unterdessen können wir doch nicht anders; als denen beitreten, welche beide Theile hier verwerfen wenn wir ihre Lehrsäze an sich betrachten. Es ist hier der Ort nicht, die Gründe anzuführen, wodurch in vermehre von der Taufe die zwei Grundsäze bewiesen werden: erstlich, dass keine rechtmäßige Lache zu wiederhohlen, zweitens, daß jede Taufe rechtmäßig, welche gnau nut den Vorschriften des göttlichen Stifters dieser heiligen Handlung übereinstimmet. Wieder die erste Regel haben Cyprian und seine Anhänger deßwegen angestoßen, weil es falsch ist, daß alle kezerische Partheien so laufen, daß sie von der Vorschrift abweichen, und wieder die zweite Stephanus, weil es falsch ist, daß alle Kezer- taufe nach der gegebenen Bestimmung vor rechtmäßig zu achten. Betrachtet man aber diese verschiedene Meinungen beider Theile nach ihrem Zusammenhang mit ihren Gründen, so können beide Theile ebenfals nicht anders als getadelt werden. Denn beide hatten ganz falsche Grund- saze. Man kan die Richtigkeit dieses Urtheils zwar nicht beweisen; aber doch dadurch erläutern, daß man gar bald nach diesen Unruhen in der christlichen Kirche angefangen solche Grundsäze von über die Rezerraufe. Z79 von der Khertaufe anzunehmm, und in Ausübung zu bringen, welche gewis weder dem Cy- prtan; nach dem Stephans schlechterdings günstig. Anm. i. Wir betrachten hier dieHauptftagc theologisch. Und hier können die Urtheile derer/ so davon ihre Meinungen geäußert, nicht einerlei seyn. Wenn sie blos den Lehrsaz betrachten, ohne Atuvendung auf Stephanen, und Lvprian, so ist kein Zweifel, daß die aller- nieisten christliche Religionspartheien, wenigstens die protestantischen und die römtschkathvlischcn sich darinnen vereinigen, daß weder alle Kezertaufen zu billigen; noch zu verwerfen; sondern einige richtig beschaffen; andere nicht, ob ste gleich aus verschiedenen Gründen einerlei Wahrheit herleiten. Nun würde die Anwen» düng sebr leicht und oben so einstimmig seyn, wenn nur die historische Frage, was jeder Theil gelehret, von al- . ten auf einerlei Art beantwortet würde, wie aus unsern oben gegebenen Nachrichten erhellet. Das ist nun die - Quelle der Uneinigkeit. Des Lyprians Meinung ist klar und bestimmet und daher glaubet auch kein neuerer, daß er nicht geirret. Allein von Stephans istes nicht gewis. Diele glauben, daß er alle Kezertaufen gcbilli- get. Und wer so denket, der wird allemal der erfken von den hier erzehlten Meinungen heitreren. Stepha- nvs und L^prian, beide haben geirret: einer thut zu viel, der andere zu wenig. Außer den oben §. XÜ. angeführten Schriftstellern ist Daille 6e uü> pstrum x 262. zu lesen. Wir haben einer zweiten Meinung gedacht, nach welcher beide Theile Recht gehabt haben. S. Zorn oputc. tonr, I. p. 69z. Sie ist ganz unrichtig und der Grund, daß man nicht wiße, von welcher Kezertaufe hier die Rede sey, fält vor steh weg.,. Hin» gegen wird die dritte Meinung von allen behauptet, wel.de leugnen, daß Srephanus schlechthin alle Taufe der Kezer genehmiget. Nachdem, was wir §. XVI. geäußert, hat Scephanus allemal geirret. Anm. 2. Ueber die Gründe haben wir nichts mehr zu sagen. Man hat gefraget, warum man in den spätem Zeiten, z 8s Von der Streitigkeit Zeiten, da man die Taufe einiger Kezer verworfen und . anderer gebilliget, dem Stephans naher getreten ? Pla, cette hat p. izo. eine Antwort gegeben, die groscn Beifall erhalten, und in der That verdienen würde, wenn sie nur völlig erwiesen werden könte. Er saget, zu Ly« prians Zeiten haben die kezerischcn Partheien sehr un, richtig getaufet; allein nachher» habe» die neuern keze- risehen Parthcien sich in der Verwaltung der Taufe von der rechtgläubigen Kirche nicht unterschieden. Wenn dieses wahr wäre, so müste man sagen, Lyprian habe eine zwar algemeine falsche; aber zu seiner Zeit ganz richtige Meinung gelehret. «Allein wir zweifeln sehr an der Richtigkeit des ersten Theils des Dordersazes. Plakette sezet selbst die Novarianec unter die richtigtau. sende Kezer und Lfprian verwirft ihre Taufe mit Nahmen. §. xxxx. Wir halten es drittens noch vor eine Hauptfrage, was von dem Betragen beider Theile zu halten? Man würde den Cyprian sehr Unrecht thun , weiln Man seine Aufführung tadeln wolle, welche selbst die Alren ihrer Bewunderung und Lobsprüche wehrt geachtet. Man kan nicht sagen, daß er bei aller Heftigkeit in Vertheidigung seiner Meinung und in Widerlegung der gegenseitigen die Gränzen der Liebe/ des Wolstandes und der Höflichkeit überschritten. Firniilmn ist ungleich im Ausdruk Heftiger; doch kan man auch mchr sagen, daß er ungesittet geschrieben. Allein B. Stephanus kan wol nicht anders entschuldiget werden; als daß man ihm vorhero ein Reckt giebt, gegen christliche Lehrer, die seines gleichen waren, sich Mit Wörter! und der That zu vergehen. Und da Z8r über die Rezerraufe. da dieses Recht nicht erweislich ist, so bleibet wieder ihn der Verdacht, daß er stolz sich betragen und die Pflichten der Liede verlezet. Anm. i. Hieher gehören die Lobsprüche, welche sonderlich Augustiners dem Lyprian wegen seiner Mäßigung bei, leget. Er entschuldiget ihn nicht allein häufig wegen der Vertheidigung eines irrigen Lehrsazes aus dem Grund, daß damals die Einsichten nach nicht statt gehabt, welche Gott erst nachhero der Kirche geschenket; sondern rühmet auch seine Bescheidenheit und damit verknüpften Eifer, dadurch den Frieden zu erhalten, daß er nicht Böses mit Bösem vergolten. Tillemont hat p. izi. und i6z. mit Beifall die Stellen des Lehrers von -Hippon gcsamlct. Es hat aber doch nicht an Leuten gefehiet, die auch auf Lpprians Seiten Fehler bemerket. Man kan ihnen zugeben, daß er weniger hi- zig hatte seyn können; allein recht unparteiisch zu reden, war Lyprian allemal der beleidigte Theil, dem einige Ausschweifungen der Hize wol zu vergeben. Man lese Hr. Bossen in söb. inter 8. L) prianum et 8tepba- nuln in clitbeptst. cls booretic. bsptir. p. 59. shg. Anm. 2. Des Stephani Aufführung wird von den meisten römischkatholischeil Schriftstellern entweder gerühmet; oder doch sebr entschuldiget. Sie sezcn immer das zum Grund, was doch so ungegründet ist, das Stepbanus als Papst ein Recht gehabt, so zu verfahren. Die beiden oft angeführten Lollandisten, Bosch und Suysken, können als neuere Schriftsteller bemerket werden, die hier völlig nachbeten, was Baronius vorsaget. Lou- stanr p. 246. 249. ist etwas bescheidener und erkennet, daß Stephanus zu heftig gewesen. Hingegen entdeken protestantische Schriftsteller desto unangenehmere Züge des Charakters des Stephani in seiner Aufführung, wovon cbcnfals Boysen p. 64. zu lesen. Dupin in biblisch. nouvelle cies sutears ecclesiasii^u. tonr. p. izi. harre nach seinen Einsichten in der Aufführung des B. Stephani viel tadelhaftes gefunden; allein sich auch dadurch den Verdruß zugezogen, daß man ihn genöhtis ger, sein Urtheil zu wiederrusen, wovon in Pfaffs imro- äuök. iu biüor. tkeol. Utt^rar. xai t. III. p. 277. u. weis« zT, Von der Streitigkeit weis mann am a. V. p. 249. zu vergleichen. Wer die bisher» bemerkte Kunstgriffe der römischkatholischen '' Schriftsteller, diese Geschichte bald ganz zu verwerfen; bald zu verdrehen, erweget, wird es als eine Frucht der Ueberzeugung ansehen müßen, daß P. Stephanus sehr unartig gehandelt. §. XIT. Mit diesen Hauptfragen wollen wir einige Nebenfragen verbinden. Sie sind folgende: I. Ist Cyprian ein Wiedertäufer? Dieses wird von einigen bejahet, von andern verneinet. Die Frage ist logomagisch, kan aber sicher verneinet werden. Er ist kein Wiedertäufer im weirläuftigen Verstand, weil er den Saz, daß nur eine Taufe sey und eine rechtmäßigertheilte Taufe nicht zu wiederhohlen, selbst angenommen. Er ist auch kein Wiedertäufer in dem Sinn, in welchem wir iezt das Wort nehmen, well er die Kindertaufe gelehret. Lnm. Tolomies clsu. epist. Lsl'sub. p. 162. meldet, der berühmte Perer Dumoutins habe den L^prian einen Wiedertäufer gencnnet, und in Baumgarrens Nack« richten von merkw. Büchern D- VIII S Z48 wird ein ähnlicher Irtum an Vlic. du Morrier billig bestrafet. Und es dürste nicht an mehreren Beispielen fehlen. L^prian hat sich darüber so deutlich erkläret, wie oben § IX. lll. bewiesen worden, daß diese Beschuldigung wegfallet. H. Läßet sich aus dieser Geschichte nicht erweisen, daß in den ältesten Zeiten des Christentums die Tradition, als ein Erkantnisgrund christlicher Glaubenslehren angenommen worden? 38 ? über die Rezerraufe. den? Aus dieser Begebenheit folget weiter nichts; als daß Stephanus sich auf die Tradition berufen. Daß er es aber mit Grund gethan, wird zugleich dadurch wiederleget, daß Cyprian und andere seine Gegner der Tradition ein entscheidendes Ansehen abgesprochen und behauptet, sie müße der Wahrheit nachge- sezet und eine alte Gewohnheit, wenn sie nicht damit übereinstimmet, abgeändert werden, und daß sich die Tradition in verschiedenen Kirchen widersprochen. 2lnm. Es ist bekannt gnug, daß L/prian epik. L.XXIV. und Ficmilian epiKol. l>XXV. sich dem Beweis des Srrphani, so er von der Tradition hergenommen, gründlich entgegen gesezet. III. Kan man aus dieser Historie einen Beweis, vor; oder wieder den Primat des römischen Papstes nehmen? Einige rdmischl'atholi- sche Lehrer bejahet! den ersten; andere und zwar alle protestantische Lehrer den zweiten Theil dieser Frage. Sie kan bald entschieden werden. Nichts ist klarer; als daß Cyprian, die auf der dritten Kirchenversamlung zu Carthago anwesende Vater, Firmilian und die Morgen- länder, auch Dionysius von Alexandrien weder den Papst vor untrüglich gehalten, noch ihm ein Recht zugestanden, anderen Bischdffen Geseze vorzuschreiben; oder sie gar von der Kir- chengemeinschaft auszuschließen; sondern ihren algemeinen Saz, die Bischdffe sind einander gleich, beständig auch auf Stephanum angewendet. Anm. Z84 Von der Gtreingkeic über die Rezereaufe. Anm. i. Man lese hier pfaffs Antwort auf die scheff« macherische Briefe.S. i?Z u s. De^ling observst. mi- ldellr>n.,p. 449 sij. und Mosheim eomment. öe relms cbriftisn. p. 582. sg. Launoi und Placerce Abhandlun- n gen, die hieher vorzüglich gehören, sind oft angezeiget worden. Anm. 2. Wir endigen diese Erzehlnng mit der kurzen An, zeige, daß außer den biskero oft genannten Schriststel» lern von dieser Streitigkeit gehandelt: Voßiers äisp. XVIII. 6e baptismo tom. Vl. oper. p. Z22. Basnage in ' der kiüoire cie I'e§Iise /iör.IV. ca-i. z. p. 178. Leyde« ,ker tiillor. eccles ^fric. itlutlest. tom. seöt. 9. Joh. Tob. Gutbiers tres 659. und Lrie, . Vricl) Eberhard Bossen in sät iNter 8. L^prisnum ed Ltephanurn in dühepcstione liLretiois bsptiLSnäis, Leipzig u. Quedl. 176z. in Qu. Das zweite Buch von den in dem vierten und fünften Jahrhundert entstandenen Kezcreien Spaltungen und Streitigkeiten. Das erste Hauptstük von den Kezereien, Streitigkeiten und Spaltungen, die im vierten Jahrhundert entstanden. Der erste Hauptabschnitt von den Feinden der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit. Die erste Abtheilung von der Kezerei der Arianer. Der erste Abschnitt von den persönlichen Umstanden des Arii. §. i. /^s ist eine algemeinbekannte Wahrheit, daß die Geschichte der ariamschen Kezerei einer der merkwürdigsten Theile der Kir- chengeschichte sey. Eine Zwistigkeit zwischen u Theil. Bb einem Z 86 Von den persönlichen Umständen einem Bischof und einem Nettesten sezet nicht allein m kurzer Zeit die ansehnlichsten Lehrer der ganzen Küche in Bewegung; sondern ziehet auch eine Menge von Veränderungen, die selbst in den Staat einen Emflus haben, nach sich. Mündliche und schriftliche Angriffe und Vertheidigungen: Kirchenversamlungen gegen Kirchen- versamlungen: Glaubensbekäntniße gegen Glaubensbekäntniße : Wechselsweise Verfolgungen, Absezungen, Beringungen und Zurükberufun- gen der angesehensten Personen: Unterbrechungen der öfentlichen Ruhe; neue Spaltungen der Hauptpersonen unter sich, und mehrere dergleichen Abwechselungen erwecken die Aufmerksamkeit der Leser und sind mit noch anderen Veränderungen verbunden, die durch Jahrhunderte fortdauren. Es verdienet daher dieser Theil unserer Kezerhistorie, daß wir ihm einen heson- dern Fleiß widmen und dieses um desto mehr, da selbst die Kamms der christlichen Glaubenslehre und die Rettung der Wahrheit auch in unsern Tagen auf mancherlei Art eine gnaue und richtige Bekantschaft mit der Geschichte dieser Kezerei erfordert. Daß aber mit diesem Slük unserer Arbeit eine grose Menge von Schwierigkeiten verbunden sey, brauchet auch keines weitläufigen Beweises. Es fehlet nicht an Nachrichten von den Begebenheiten, die wir wißen wollen; es fehlet aber auch nicht an Widersprüchen und diese veranlaßen einen Haufen historischer und kritischer Fragen, die selten mit Gewisheit, oft nur wahrscheinlich, zu weilen gar des Arii. 387 gar nicht beantwortet werden können. Es ist wahr, wir haben Urkunden und Berichte der Geschichtschreiber von beyden Theilen, allein nicht überall und es kommen grose Perioden vor, in denen wir nur eine Parthei hören müßen. Am meisten ist die Menge von Begebenheiten deswegen beschwerlich, weil die öfentlicken Angelegenheiten mit den Abwechselungen so vieler Privatpersonen vermischet sind, daß sie sich von einander nicht füglich trennen laßen. Und dieses wird uns auch nichtigen, die biähero von uns beobachtete Ordnung in etwas zu verändern. Wir werden erstlich von den persönlichen Umstanden des Arii reden, jedoch dasjenige hier übergehen, was mit der Geschichte seiner Religionsunterneh- mungen zu gnau verknüpfet ist: hernach von den öfentlichen Schiksaaten der arianiscben Ke- zerei in den Sraaren des römischen Reiches handeln und diesesmal die angenehmen von den unangenehmen nicht absondern, weil sonst durch die Unterbrechung des Zusammenhangs unsere Er- zehlung, ohne öftere Wiederholung einer Sache, zu dunkel werden würde: ferner den Lehr- begris der Arianer und der besondern Haufen, in welche sie sich getheilet, untersuchen: noch weiter von den gelehrten Anhängern und Gegnern dieser Parthei Nachricht geben: endlich mit einer kurzen Beurtheilung dieser Geschichte beschließen. Anm. Von den Quellen der arianifchcn Geschichte finden wir hier aus der Ursach weniges zu erinnern, weil die gegen einige erregte Zweifel unten müßen berühret wer- Lb 2 den z88 Von den persönlichen Umstanden den. Da diese ganze Historie durch einige Iahrhunder- te fortgehet; so ist ganz faßlich, daß die Anzahl derselben überaus gros seyn müße. Man kan sie füglich in zwei Hauptklaßen eintheilen. Einige sind die Urkunden. welche mebrenkheils nur einzelne Begebenheiten betreffen , und d-cher bei der Erzchlung derselben anzuzeigen sind; andere aber Nachrichten der Geschichtschreiber, oder solcher Schriftsteller, welche an den Streitigkeiten selbst Antheil genommen. Unter jenen ist unsers Wißens nur einer zuverlaßig selbst cin Arianer, der phi- kostorgiers; ein anderer wird deßclbcn Fehlers von einigen; jedoch mit anderer Wiederspruch beschuldiget, der Eascbins von Casareen, die übrigen aber sind erweislich Gegner der Arianer, wie Sokrates, Gozome- nu.-«, TkeoSorerus, Gelafnrv von Cyzikum, Vrosius u a. Unter diesen ist wenigstens in den ersten Perioden unstreitig der vornehmste Atkanasius, deßen häufige historische Eczeblungen von vielen vor verdächtig gehalten werden. Man kan nicht leugnen, daß dieser Verdacht durch den Eifer dieses Mannes wieder die Arianer und die von denselben erdultete Verfolgungen einen Schein erkalten; allein es ist auch eben so gewis, daß man ihn einer historischen Unwahrheit noch nie überführet , und wenn man die historischen Nachrichten selbst von seinen Beurtheilungen der persönlichen Eigenschaften ; oder Handlungen einzelner Personen unterscheidet, so bleibet kein vernünftiger Grund übrig, ihn als Geschichtschreiber überhaupt zu verwerfen. Unter den spätern Schriftstellern ist ^Zilarius vorzüglich zu merken, mit dem es beinahe eben die Bewandnis hat. §- H. Es sind drei Umstände des Am, von denen wir hier Nachricht geben wollen. Erstlich sehen wir auf seine Begebenheiten bis zum Ausbruch seiner Religionsunrernehmungen. Es ist kein Z-veifel, daß mehrere Personen den Nahmen Arms gefuhret und die Erfahrung lehret, daß zwei derselben leicht mit einander verwechselt werden des Arii. Z89 werden können, da sie beide nicht allein zu einer Zert und an einem Ort gelcbet; sondern auch an den Streitigkeiten über die Lehre von der Gottheit Jesu Christi Antheil genommen. Einer von ihnen war nur Diakonus zu Alexan- drien und wir werden seiner in dem folgenden mehrmals erwähnen müßen. Der andere war daselbst Nettester, der Stifter der arianischm , Parlhei, welcher jener nur beipflichtete. Dieser Artus, der Netteste, ist die Person, von der wir hier reden müßen. Ueber seilt Vaterland sind die Meinungen der Gelehrten gerheilet. Die allermeisten begnügen sich mit der Nachricht eines alten Schriftstellers, daß er aus Libyen gebürtig gewesen. Andere bemühen sich zu erweisen, daß er selbst zu Alerandrien geboren worden. Ihre Beweise sind zwar nicht zureichend, die Sache außer Zweifel zu sezen, es sind aber auch keine Gründe vorhanden, sie schlechterdings zu verwerfen. Annr. I. Daß ein Diakonus Arms unter den Anhängern des Stifters der arianischen Partbet gewesen, und von dem B. Alexander mit in den Kirchenbann nahmentlich begriffen worden, so wol; als daß einige, wie Dnva- lois diesen Diakonum an einigen Orten gesucht, wo von dem Aelresten die Rede ist, wird unten bemerket werden. Man vergleiche Pearson in expolit. i^mbol. spo- üol. p. 2z6. sg. Fabcicium bibllotk. Orsec. vo/. VIH. p. ZO?. und Traoasa in Isioria critica clella vita äi ^rrio p. 29z. sizcz. Anm.2. Von dem Vaterland des Arii haben wir bei dem Epiphanio liesres. I.XIX. § i. die Nachricht, daß er von Geschlecht ein Libxer gewesen. Weil er dazu se- zet; aber xn Alerandrien ein Aelcesrer, so kan man sicher daraus schließen, daß nach feiner Vorstellung Ale- Bb z xandrien Zyo Von den persönlichen Umständen yandcien ausgeschloßen, mitbin der Nahme Libyen nicht in seinem weitläufkigern Sinn von Afrika zu nch, rncn. S Tillemonk mernoir. pouo servir s I' liilloirs eccie!'. to,«. VI. p. 2Z9. Dieses wiederholen die meisten neuern Schriftsteller. Lave kitlor. litter. scri tor. ec- cles. tovr.I. p. 174. hat zu erst behauptet, daß Aciu» ein qeborner Alexandriner gewesen, und nach ihm Tra, vasr ebenvas p. 2. sgg. es noch bcßer zu erweisen gesucht. Seine Gründe sind: i) daß K. Lonskantin in einem D'-tcf bei dem Gokcare üb»'. I. Inilor. eecl. cax>. r;. p. 6o. ausdrüklich melde, daß er Acium in sein Vaterland zurükschiken wolle, welches von Alcxandrien zu verstehen. Wir leugnen nicht, daß Lo,»stankt,, habe wtßen können, woher Arius gebürtig; allein der Nahme 7r«r§,s ist uns nur zu unbestimmt, daher auch Lard» »irr in rek-Uibilit^ of cke 6. kl. xiart. II. vo/. 7. p. 2z6. billig zweifelhaft redet: 2) Gregorrus von riarianxu» tom I. oper. p, 7H. iiciinct den Arium einen Alexandriner; allein er saget nicht, ob von Geburt; oder von dem Drt seines Aufenthalts: z) pborrus concil, vecurn. in Loleci colleöl. eoncil. ko>»». ll. p. 107. meldet es ausdrüklich, allein er ist zu jung. Man mus daher die Sache j» Ungewisheit laßen. §- m. Man kan nichts anders von der Zeit sagen, wenn Anus geboren worden, und die Mutmaßungen sind übertrieben, wenn so gar gewiße Iahrzahlen zu bestimmen Versuche gemacht werden. Auch der Umstand ist ungewis, daß sein Vater Ammonius geheißen und ein Christ gewesen. Daß Anus in der Jugend einen guten Unterricht genoßen, und mir guten natürlichen Fähigkeiten auch Fleiß verbunden, und wirklich in verschiedenen Theilen der Gelehrsamkeit Ge- schikllchkeiren erlanget, können wir sowol aus deßelben Beförderung zu wichtigen Aemtern; öes Anr. zgr als seinen Schriften sicher schließen; allein, daß er den bekannten Lucianum zu seinem mündlichen Lehrer gehabt und deswegen sich in seiner Jugend zu Antiochien aufgehalten, sind keine historische erweisliche Wahrheiten. Anm i. Von der Zeit, wenn Artus geboren worden, haben wirgar keine Nachricht. Epiphanius kseres. l>XIX. §. z. saget, daß er schon alt gewesen, wie er seine Religionshandel angefangen. Es ist aber dieses Merkmal unbestimmt, und kan wenigstens von einen« hohen Alter nicht verstanden werden, da er nach dem ersten Ausbruch noch eine ziemlich lange Zeit gelebet und viele Reisen gethan. Travasa p. 6. hak sich hier viele unnöh. tige Mühe gemacht, um zu beweisen, daß Arius im I C 28z. geboren worden. Seine Gründe sind Schlöffe, von denen die Vordersaze nicht einmal algemein erweislich sind, und wenn sie es auch waren, nur dieses beweisen würden, daß Arius nicht jünger seyn könne; gar nicht aber, daß er nicht alter gewesen. Anm. 2. Die oft auch vom Photio (denn dieser Schriftsteller ist keine Quelle) Lave, Labricio und andern neuern wiederholte Erzehlung, daß Arii Vater Ammonius geheißen, beruhet auf einer Stelle des Arii in seinem Schreiben an den Bischof Eusebium von Nikome- dien beym Epiphanio dseres. I>XIX. §. 6. wo er schreibet, daß er den Brief durch seinen Vater Ammonium überschikt, welche Worte denn von vielen, denen Traras» p. 16. beigetreten, im eigentlichen; von andern aber füglicher im uneigentlichen Verstand genoinmen worden. S. Basnage annsl. politico-ecclel'. ton». II. x. 664. und Montfaucon vit. ^tlisnss. vor dem ersten Theil seiner Werke p. 2;. Anm. z. Von der Gelehrsamkeit des Arii haben algemei- ne Zeugniße Sokrates kiüor. eccles. /rb» . I. cazi. 5. U. t?o;omenus distor. eccl. /ibr. I. caz». «5. hinterlaßen. Daß der bekannte Märtyrer Lucianus ihn unterrichtet , wird aus diesen wenig Worten des Arii in dein kurz vorhero angeführten Schreiben an den Bischofvon Nikomedien geschloffen, in» Db 4 dem Z92 Von den persönlichen Umständen dem sie verstanden werden, daß Arius dadurch gedachten Euscbium und sich selbst vor zwey Schüler des gedachten Luciani ausgegeben, wie unter andern auch tNontfaucoi, vir. ^cksnss. p. thut. Es ist hier der Ort nicht, ob dieser Lucianus vielleicht der erste Urheber des arianischen Lehrbegrifs gcwcslii? zu untersuchen ; sondern wir erinnern nur, baß aus diesen Worten ein mündlicher Unterricht nicht erweislich. Viel weniger läßet sich daraus folgern, daß Ariers in seiner fugend nach Antiochien gcschikt worden. Travasa hat p. , 18 igg. diese Muhtmaßunqen weitläuflig vorgetragen, und so gar gewaget, die Jahre zu bestimmen. §. IV. Zuverlaßiger sind die Nachrichten, daß Akir us bei oeyzu Alexandrien von Meletio erregten Spaltung, von welcher wir eine besondere Abhandlung liefern müßen, einige Zeit deßelben Parlhei gehalten. Er verlies aber dieselbe und trat auf die Gegenseite, welche damals den B. Peter zum Oberhaupt hatte. Dieser B. Pecer gab ihm unter den Diakonis seiner Kirche einen Plaz; hatte aber bald Ursach, es zu bereuen. Er fände an dem Ario einen unruhigen Mann, der sich seinem Blschofwiedcrsezte und deßenBetragen gegen die Melenaner nnd Urtheil von ihrer Taufe misbilligre. Weiter melden die Schriftsteller von Ant Betragen nichts und es ist also beydes falsch, wenn einige annehmen, Arms habe dfentlrch die Parlhei des Melerms wieder genommen, andere aber, daß er schon da» mals kezerische Lehrsaze ausgebreitet. Hingegen ist es sicherer, daß B. Peter den Diakonum von der Kirchengemeinschaft ansgefchloßen. Das uns wahrscheinlich bekannte Todesjahr des V.Pe- des Aru. 39 ) B- Peters läßet uns einigen Anfang der Zeit- I, §. rechnung hier machen. zu. Anm. I. Die hier crzehlten Begebenheiten erzehlet Sozs- menus kilior. eocles. /r^. 1. ca/r. x. Z i. der allein glaubwürdig ist. Anm. 2. Von den hier niederlegten Meinungen hat die erste Maimburg in der liiiloire cle to»r. I. p. i;. vertheidle>c.t: die zweite gründet siel) auf die falschen 8. llerri. Man vergleiche des Jesuiten So- tcrii kildorism psMsrcll.-^iex. vordem sanften Band des Junins der 88. p. Z4- Montfaucon vit. ^elia- nslii p. 2. Tcanasa p. 28- sgcz. welche auch von dem Todesjahr des Bischofs Peter zu lesen, nebst Tille,nonr niemoiee5 p. 76z. und Pagi eritie. ü,snual. Üa- ron. a»».§.6i. §. V. Der Nachfolger des B. Peters, Achillas I C- hatte von Ario eine beßere Meinung. Er nahm ?' ihn nicht allein wieder in die Kirche auf und fez- te ihn wieder in feinen Diakonendienst ein; sondern ertheilte ihm auch die Würde eines Aelte- zrz. freu. Es haben uns die alten Schriftsteller von dem Grund dieser Neigung des Achillas so wenig ; oder beßer gar nichts gemeldet, daß wir nicht im Stand find, darüber ein gründliches Urtheil zu fallen; noch weniger den Urtheilen neuerer Schriftsteller beizntreten, welche hier entweder dem wieder Armm gefaßten Vornr- khell; oder ganz falschen Urkunden folgen. Zwei historische Umstände verdienen mehr unsere Aufmerksamkeit. Der erste ist, daß Arms zu Ale- xandrien einer eignen Gemeinde vorgestand-n und die Kirche, in welcher diese zusammen ge- Ab 5 kommen, Z94 Von den persönlichen Umständen kommen, den Nahmen Baucalis geführet; der zweite, daß nach dem Zeugnis eines glaubwürdigen Geschichtschreibers Artus zugleich das Amt, die heilige Schrift auszulegen, bekleidete. Ob dieses leztere so zu verstehen, daß wir den Arium unter die Lehrer der berühmten katechen- schen Schule zu Alexandrien zehlen müßen? ist eine Frage, die sich wol nicht mit Gewisheit ausmachen läßet. 2 tnm. i. Vor der Wiederaufnahme des Arii in die Kir- chengemeinschaft hatten wir dieErzehlrmg sczen müßen, daß dein B. Peter kurz vor deßcn Martyrerrod Christus in zerrißenen Kleidern erschienen, und ihm nicht allein auf die Frage, wer ihm den Rok zerrißen? geantwortet : Arius; sondern auch den beyden Acltesten Achillas und Alexander», die seine unmittelbaren Nachfolger seyn würden, zu sagen befolen, daß sie sich hüten sollen, den Arium wieder aufzunehmen. Sie wird aus den falschen tlÄis 8.?etri vonBaronio snnsi. ecclef. an». H6X. §.4. sgq. in den 88. toM.lll. b'ebr. p. 6zz. geliefert und gebilliget, hingegen erkennen selbst diese Akten vor falsch Natali» Alexander, pagi, Tille- inonr tom. V. x. 758- lgg. auch Travasa x. z6. 2 lnm. 2. Daß der B. Ackillas den Arium wieder aufgenommen, und ihm die Aeltcstenwürde ertheilet, meldet Sozomenu» hiüor. eccles. sibr.I. cax. iz.dcm jüngere folgen. Man glaubet billig, daß dieser Schriftsteller dem Gelasio von Lxxikum vorzuziehen, welcher Hittor. concil. dlic. /ibr.II. ra/>. 1. es dem B. Alexander beileget. Wegen dieser Gelindigkeit wird Acbilla» oft getadelt. Wie hart die Lopeen davon ehemals geurthei- let, hat Tillemont to«. VI. p. 214. und Solerius am «. V. p. z6. schon bemerket. Unter den neuern wird es ebenfals als ein groser Fehler angesehen, besonders weil Baronin» voraussezet, daß die Anm. i. gelieferte Er- zehlung wahr sey: mithin Achillas einen göttlichen Befehl übertreten, welches vor sich wegfallt. Travasa hat den Achillas p.zz. tt^. auch gegen denMaimbnrg mit des Arii. 395 Eifer vertheidiget. Wir glauben, daß §ar kein Urtheil . gefallet werden könne, weil uns die nähern Umstände ganz unbekannt sind. Anm z Den Umstand , daß Arius eine eigne Kirche gehabt, und diese den Nahmen Baucatis gefübret, wißen wir allein aus dem Epiphanio h-oref.I.XVlII. § 4. u. I>X 1 X 8^Man vergleiche hier, da es auf die Frage von dem Alter der Pfarrkirchen und eine Nebenfrage, ob diese Abibrilungen allein zu Alcxandricn; oder auch in andern grosen Städten Plaz gegriffen, ankommt, A>asnage hiiroire cie I'e^Iil'e tom. I. p. 78 sgg. Bing- ham oii^in, ecclef vo/. III. p. ;yZ- lstl- und Lcquien orienr. clirilliun. tom. II. p. Z48 Anm- 4 Theodoret Iiillor. eocles. I. ca/7. 2. p 7. meldet, man bade dem Ario, nach erhaltener Stelle unter den Aeltesten, aufgetragen, die heilige Schrift zu erklären, bei welcher Nachricht zwei Fragen vorkommen, theils ob dieses vom Kalechetenamt zu Alexandrien zu verstehen, welches nach dem Vcrfaßer des libelli s^no- llioi viele neuere, auch Lequien orient. chriKisn. tom. U p. zZ2 und Travasa p. 4z. bejahen; andere aber mit mehr Recht vor ungewis halten, wie Laroner am a V. p. 257. theils, ob Ariers dieses Amt unter dem Acvillas; oder unter dem Alexander erhalten. welches leztere tNonrfaucon vir. ^rhan. p. z. das erstere aber Tillemont tom. VI. p 241 - und Travasa x. 45. behaupten. Anm.;. Von der Chronologie ist zu merken, daß Achillas erst gegen das Ende des I, C. ^12, ermehlet worden, und das Amt nur wenig Monate verwaltet. Mansche Tillemont tow: Vl. p. 7ZO. Lequien tom. II. p.zgZ. Solerium tam. V. jun. LÄ. 88. p. z6. §. VI. Nach dem Tod des Achillas kam denn der berühmte Alexander zum Amt eines Bischofs voll Alexandrien, unter welchem die Manische Unruhen ausgebrochen. Es gehöret hieher die Frage, ob es wahr sey, daß damals Anus selbst besuchet zy6 Von den persönlichen Umständen gesuchet habe, die bischöfliche Würde davon zu tragen? Sie ist billig historisch zu betrachten und also nur durch glaubwürdige Zeugniße auszumachen. Und diese sind nicht vorhanden. Ein einziger saget klar, daß die Summen der Wehlenden dem Ario sehr günstig gewesen; allein dieser habe den Alexander sich selbst vorgezogen und gemacht, daß dieser erwehler worden. Dieftr Bericht wird von den Neuern verworfen, weil er von eurem partheuschen Schriftsteller herkommt, welches nicht geleugnet werden kan. Kein anderer meldet nähere Umstände dieser Wahl und wie wenig Grund ist doch vorhanden, aus algemeinen Nachrichten von Arii Stolz; oder Neid gegen Arium zu schließen, daß er zu der Zeit habe Bischof zu Alexandrien werden wollen, da Alexander erwehlet worden. Wir können daher diesen Gedanken vor nichts anders halten; als vor eine Muhtmaßung der neuern, die keinen erweislichen Grund hat. Wir würden das Gegentheil aus der Ursach mit mehrerer Wahrscheinlichkeit behaupten können, weil, wie unten folgen wird, Arms, nachdem er wirklich eine von den übrigen Christen abgesonderte Gemeine gestiftet, weder zu Alexandrien; noch an einem andern Ort sich. zum Bischof derselben verordnen laßen, wenn wir nicht begriffen, daß auch dieser, allezeit merkwürdige, Umstand keine Unmöglichkeit erzeuget, daß einige Jahre vor- hero Arms andere Gedanken gehabt. Anm. Wir bitten unsere Leser, hier die Frage blos historisch anzusehen, weil der Schluß, den man daraus herleitet, des Aru. Z97 leitet, um die geheimen Ursachen des Widerspruchs Arii gegen Alexandern zu entdeken, erst unten geprüfct werden sollen. Zur Erläuterung fügen wir denn bei: i) daß der Schriftsteller, welcher meldet, Arius habe die Wahlstimmen auf seiner Seite gehabt, und aus Bescheidenheit solche auf Alexander» gelenket, Philostor- giussey, in deßen Auszügen /rt,».I. §. z. p. 477. der readingiscken Ausgabe zu vergleichen. Mit Heftigkeit wird diese Nachricht verworfen von -Hermanr vie «j'^tkunas. tonr. I. p. Zu. Naral Alexandern hillor. eoclel. tom. IV. p. 22. und Tillemont tom VI. p. 242. Wir treten ibnen nur i» so fern bei, weil nach derKri- tik dem Philoftorgio allein nicht zu trauen; man mus aber auch erkennen, daß das Gegentheil historisch nicht erweislich ist. 2) daß Arius gesucher, Bischof zu werden, hat Travasa p. 47. tgg. gesucht daher zu beweisen, weil Epiphanias cheres. HXIX. § z. den Arium des Hochmuhks, Theodoretus hillor. occles. I. ca/,. z. des Neides, da er gesehen, daß Alexander Bischof worden, und C/rillus von Alexandricn kornil. 17. tom. II. oper. p. 48 eines Verlangens nach dem bischöflichen Dorsiz beschuldigen. Allein alle diese Zeugen sagen das in der That nicht, was gefraget wird, und ihr Zeugnis wird nicht allein durch ihre heftige Abneigung gegen einen solchen Kezer verdächtig; sondern auch durch das beständige Stillschweigen des Alexanders und des Atha- nasii entkräftet, die es nicht allein am besten wiße» können; sondern auch diesen Umstand nicht würde» verschwiegen haben, der des Arii Betragen in der verhaßtesten Gestalt uns dargestellet hätte. tz. VH. Wir müßen hier die Geschichte des Arii schließen, weil das nächste, was wir wißen, eben der Anfang seiner Religionsunternehmungen ist, mit diesen aber alle übrige uns bekannte Begebenheiten, und selbst sein Tod so gnau verbunden sind, daß wir sie nicht trennen können. Es ist daher zweitens von seinen Schriften zu reden. H98 Von den persönlichen Umständen ' Wir müßen sie billig in zwei Klaßen abtheilen. Einige sind noch vorhanden, und zwar l. ein Schreiben an den B.Euscbium zu Nikomedien, welches er nach seiner Vertreibung aus Alexandrien abgelaßen, wie mr folgenden bemerket werden wird. 2 lnm. Es liefern diesen Brief Epiphanias ÜRi-es.hXIX. §. 6- und Theovorerus tiitior. ecoles. /rör I. ca/i. z p. 22. Aus diesen Quellen hat ihn griechisch Nikepkorus kilkor. eccles /rör. VIH. cax. 9. und lateinisch Lastio- Socius dilror. tripart. /iür.I. M/». i II. ein anderes Schreiben an den B. Alexander voll Alexandrien , von deßen Veran- laßung und Inhalt edensals unten zu reden, Ge- legenheit seyn wird. Anm. Wie merkwürdig dieser Brief selbst den Alten müße geschienen haben, ist aus der Anzahl derer, welche ihn ihren Schriften einverleibet, leicht abzunehmen Sie sind Arhanasius in seinen Buchte h-nvä. ^rim. er Helene. to,n. 1. xact. 2. oper. p. 729. der monrfauconi« schen Ausgabe: Epiphanias dseres.I.XIX. §.7. -^ila« rius /röc.IV. 6e trinit. toe». II. oper. p. 79. Marius Vicrorinus, der sie seinen vier Büchern von der Dreieinigkeit vorgesetzet. m. ein Glaubens'bekäntm's an den K. Constanrin, von dem wir gleichfals zu anderer Zeit mehreres sagen werden. 2 lnm. Es haben dieses ebenfals merkwürdige Stük So« krares kitior. ecclet. /rör. l. ca/?. 26. p 61. und Soxo« menns diilor. ecclet. /rör.II. 27. p ZZ- erhalten. Da des Dnvalois Muhtmaßung, daß nicht der Stifter der arianischen ^arthei; sondern ein anderer Ariu» dieses Glaubensbekantnis gemacht, sich auf mehrere damit in Verbindung stehende Begebenheiten erstreik: -es Arii. Z99 so müßen wir die Beurtheilung derselben ebenfals »ersparen. §. vm. Andere siud aber, wenige Stüke ausgenommen, verloren gegangen, welches als eine Folge des vom Kaiser Constantin erlaßenen Befehls, alle Schriften dieses Kezers zu verbrennen nicht zu bewundern. Unter diesen ist ehemals keine berühmter gewesen; als die Thalia. Ob es gleich an häufigen Nachrichten von diesem Buch nicht fehlet, so ist doch deßen eigentliche Beschaffenheit vielem Zweifel unterworfen. Eine der vornehmsten Fragen ist: ob dieses Buch in gebundener; oder ungebundener Schreibart versaßet gewesen? deren ersterer Theil durch die Vorstellungen der Alten; der zweite aber durch die uns aufbehaltene Ueberbleibsel bejahet ^ werden müste; am füglichsten aber so beantwortet wird, daß sie von beide»! Arten zusammenge- sezer und die ungebundene Rede mit Versen vermischet gewesen. Hernach wird wegen der ebenfals von mehreren altern Schriftstellern bezeugten Aehnlichkeik dieses Buchs mit den Liedern eir nes ägyptische»; Dichters Sotades, theils über diesen selbst, wer er gewesen und was er vor Lieder gemacht? gestritten, so doch hieher eigentlich nicht gehöret; theils geftaget, worinnen diese Aehnlichkeit zu suchen. Dieses hat weniger Schwierigkeit, da alle übereinkommen, daß Anus unanständig, leichtsinnig und unverschämt von den ehrwürdigsten Geheimnißen der Reli- q.oQ Von den persönlichen Umständen Religion darinnen gehandelt. Endlich wird auch über die Aufschrift gestritten und nicht ohne Wahrscheinlichkeit behauptet, daß selbst die Sainlung der sotadischen Lieder diesen Nahmen gesuhrer. Anus hat dieses Buch bei seinem I C Aufenthalt zu Nckomedien abgefaßet und ob- 32Z- gleich es bei seinen Anhängern m keinem geringelt Aistehen gestanden, ist es doch so selten worden, daß selbst Sozommus klaget, es »licht gesehen zu haben. Anm. i Arhanasnis redet sehr häufig davon und liefert auch einigeScellcii aus dieser berühmten Schrift. Man sehe seine Schriften äe äecrerm iviioäi dlic. to/n. I. oper. xa»-t. i. p.22l. äe sentenrisDion^lli §. 6 cbenvaselbst p. 247. sä epilcop. er §.7 P- 277. u. H. 20. p. 29O. orst. I. contrs -Xrisnos §. 5. p. 408 und äe f^noä. ^r m. er 8eleue. xa,t. 2. P. 728 I'gg. womit die mit diesem übereinstimmende Geschichtschreiber So« krares tiü»-. 1 . ca/>. y. und Sozomenus /chr.I. ca/i. 2l. zu vergleichen. Anm. 2. Zu den angeführten Fragen fügen wir noch bei, daß Athanasius in den angezeigten Stellen aus den Büchern äe tvnoäis ^rimin. er 8eieuc. U. äe lenkent. virin^sti und beide Geschichtschreiber von der poetischen Schreibart und der Nachahmung des Sorades zeugen. Anm. z. Außer denen, im folgenden §. anzuführenden Schriftstellern, ist hier anzuzeigen, daß Travasa p. I ZO. fqg. ein besonderes Hauptstük von diesem Buch dcs Arii nütthcilet und Hr. D- Srcmler eine eigne Abhandlung äe ^rii Urslis libello csnninum, sä reli^ionis infe- üionem srgue ii^nrism excoz;Icsto jU Naumburg 1750 in Qu. herausgegeben. §- IX. Zu diesem, am meisten bekannten, Werk müßen noch beigefüget werden: I. ver- des Arii. 401 I. verschiedene Lieder. Ein alter Schriftsteller, der meldet, Artus habe Lieder vor Schiffer , Müller und Reisende gemacht und zwar, daß jedes seine schikliche Melodie gehabt, macht dadurch eben keinen zu vortheilhaften Begnf von diesen Gedichten. Anm. Dieses saget Philostorgius /rör.II. §.2. p. 47g. Daß Arius dadurch seine Kczcrei bei dem gemeinen Volk auszubreiten gesuchet, ist nicht unwahrscheinlich; aber aucb nicht historischcrweislich, weil der dieses meldende Zusaz nicht von Pbilostorgio; sondern Pbo, tio herrühret, deßen eigene Betrachtungen bei diesem Schriftsteller wol zu unterscheiden. Sonst unterscheidet auch Arhanasius sto steor. l^nosti Xison. tom. I. oper. xa,t. t. p. 22l. Arii Lieder von seiner Thalia. II. Eine Samlung aller zu seinem besten geschriebenen Briefe. Anm. Sakrales /ihr. I. oax. 6. und Sozomenus /ihr. I. oax,. i. versichern, daß so wol Alexander; als Arius die bei ihrer Streitigkeit ergangene Schriften, jedoch jeder nur die ihm günstige gefaustet, welches der leztere billig tadelt. Wir würden diese wcchselsweise erwiesen« Partheilichkeit gern übersehen, wenn nur beyde noch vorhanden waren- III. Ein Schreiben an die Bischöfse, um seine Zurükberufung zu befördern. Anm. S- Pagi critic. in rmnsl. Larori. an» LLLXXVII. §- 4 > IV. Ob Arius außer diesem noch Schriften wieder die Heiden vor die christliche Religion geschrieben, wird noch gestritten. Anm. i. Tillcmont tom. VI. p. 297. hat dieses zu erst be. merket, und sich auf eine wenigbedeutende Stelle des - U Theil. Cc Lhry ^22 Von den persönlichen Umständen Lbrysoftomi berufe». Lardner und Travasa laßen es dahin gcstcller seyn. Anm. 2. Bei diesem Artikel von Arii Schriften sind noch zu veralcicden: Lupi.ope,-. tom. I. p. Tillemont VI P- 2ZÜ Lave kikor. litter. scriptor. eccles. to,».I. p. 174. Labricius bibliotli. r/ot VIII. p. ZOY. Traoasr iüoria cririca äell» vits äeii >^no k- Z45- ^14- u"d ^ardner in crellibllit^ o? tde 6. H. xak't. II. uo/. 7. x. 26z. §. X. Drittens wird hier die bequemste Stelle seyn, da von mehreren alten Schriftstellern einige besondere Umstände von dem Charakter des Am gemeldet worden, solche hier zu jamlen. Wir sehen daher es als einen Theil der Historie an und glauben, daß es auch am sichersten sey, nur etwas; aber gegründetes, zu wißen, denn eine vollständige Schilderung selbst zu entwerfen und, daß sie vollständig werde, einen Theil dazu zu erdichten. Was wir daher von diesen Umständen wißen, ist folgendes: I. Von seiner Leibesgesialt haben wir eine Beschreibung des Epiphanii. Er saget, Anus sey sehr lang gewesen, eine ernsthafte und traurige Mine gehabt, doch dabei gesellig und einnehmend. K. Constantin mahlet ihn ebenfals als einen blaßen, hagern, niedergeschlagenen Mann, der dabei aber etwas angenehmes nn Umgang und viel Bescheidenheit gehabt. Er habe dike; aber nicht reinlich gehalrene Haare getragen. Wenn wir dieses nebst dem folgenden zusammen nehmen; so werden wir mcht irren, des Am. 40 z irren, wenn wir ihm ein melancholisches Temperament beilegen. Anm. Epiphanii Stelle stehet llooros. I.XIX. §. y. Was Lonstancin betrist, so berufet man sich auf einen Brief, den (öclasius von L)';ikum iiillor. conoi'I. Xic. /rü»-. III. cax. 1. p y;6. des zweiten Bandes von Mansi coNedl. concilioe. und aus einer Handschrift der Vati- canbibliothek Baronin« snnsl. eocles. anu.LLLXIX. §. i2. sqq. liefern. Wir werden unten davon reden. Daß der P. Labbe und Lupu« die Sache übertrieben, wenn sie dem Ario eine durchaus hasliche Gestalt bei- leMi, erkennet selbst Tcavasa p. zzH. II. In Ansehung seines Verstandes geben ihm die alten sowol in Ansehung der natürlichen Gaben; als erlangten Gelehrsamkeit vieles Lob. Sie bemerken besonders seine Fertigkeit in der Dialektik. Anm. S- Sokcatem llillor. eccles. //ür. I. raL. 5. p. y. und Gozomenum /rör.I. cax. 15. p. Z i. Vergleichs Joh. Gam. Müllers äisi^uis. lle Xiio, raiionem ore- xaüde, von seguente, 1729. 4. III. Daß der Charakter seiner Gemühts- neiguug von seinen Feinden schlecht geschildert werde, ist leicht zu erwarten. Einiges, was ihm zur Last geleget wird, scheinet guten Grund zu haben, und dahin gehöret seine Neigung, sich zu herstellen und seilte wahre Meinungen und Absichten zu verbergen, welche aus seinen gatt- zen Betragen erhellet. Anm. s. Sokrarem /ibr. II. 0H0. zz. Epiphanius am a. < 0 . vergleichet ihn daher mit einer Schlange. IV. Der grose Eifer, den er vor die Orthodoxe, worunter er denn freilich seine eigne Vor- C c 2 stellungen 404 Von den persönlichen Umständen stellungen verstand, und angenommene äußerliche Gottseligkeit werden auch dahin gerechnet. Wir lernen wenigstens daraus, daß ihm ein offenbarlasterhaftes Leben nicht könne beigeleget werden. Anm. i. Don seinem gedachten Eifer vor seinem Lehrbe- grif zeugen theils Arii obengedachler Brief anEusebium von Nikomedien; theils der ganze Verfolg feiner Geschichte. Wir fezcn hinzu, was andere nicht bemerket, daß Arhanasius orst.I contra ^risn. §. Z. tom. t. oper. i. P.4H. ausdrüklich Arii Eifer in Bestreitung anderer Kezereirn nicht allein vor eine Verstellung; sondern auch vor ein Werk des Teufels ausgiebt, welches seinem eignen Eifer zuzuschreiben. Anm. 2. Sein äußerlich gutes Betragen beweiset nicht al« lein das Stillschweigen seiner Feinde; sondern auch eben die Beschuldigung der Heuchelei; wovon noch Ruffinus diüor. eccles I. l. und Scbarbau cie aeike- Kata ^risnorum pietste, in den ältern milceUsn.lups. tom.IX. 9. i6z. üjg. zu lesen. V. So können wir auch nicht leugnen daß Anus ein hochmühtiger Mann gewesen. Ob darinnen der Grund gelegen, daß er eine Kezerei gestiftet, ist eine andere Frage; allein das ist doch gewis, das, wenn er mehr nachgebend gewesen, diese Unruhen vielleicht unterblieben waren. Anm. S- oben §. VI. VI. Damit verbindet man die Beschuldigung, daß er dem Geiz und zugleich der venerischen Wollust ergeben gewesen. Allein ein richtiger historischer Beweis ist noch nicht geliefert. Anm. I. Travasa 9. ZZ8- <41 hat sich viele Mühe gegeben, beydes zu erweisen. Allein da der ganze Beweis theil« des Am. 405 theils auf einen Verdacht, daß der Beifall, den Arius, wie unten vorkommen wird, unter dem Frauenzimmer zu Alexandrien gefunden, entweder aus der Neigung zum verbotenen Umgang mit diesem Geschlecht, oder aus der Begierde, sich durch dieselbe zu bereichern, eut» standen; theils auf eine dem Johann Lhrvsostoms fälschlich beigelegte Rede in dem Anhang des «ehren Theils von deßen Werken p. iz. nach Monrfaucon» Ausgabe, theils auf oben gedachtes Schreiben des K. Lonstanrins bei dem Baronio, beruhet; so kan wol derselbe nicht vor gültig erkannt werden. Wir glauben, daß das einzige Stillschweigen des Arhanasn, der solche Laster gewis nicht verschwiegen haben würde, hier ein groses Gewicht hat, Arium freizusprechen. Anm. 2. Man vergleiche noch Lupi oper. tom.I. p. 52. Tillcmonc tonr. VI. x. 24O. Travasa p. ZZ4. undLarS» ner, p. 265. Der zweite Abschnitt Von der Geschichte der arianischen Ke> zerei im römischen Reich. I. Von dem Ausbruch der arianischen Kezerei. §. l. <^ie Frage von dem Ursprung der ariani- sehen Kezerei hat eine zweifache Seite. Man fraget entweder von dem arianischen Lehrbegrif selbst und alsdenn wil man wißen, aus was vor Quellen Arius seine Vorstellun- Cc z gen 426 Geschichte der arianischen Rezerei gen von der Dreieinigkeit geschdpfet? ob seine; oder seiner Gegner Lchrsäze älter und in der christlichen Kirche vor orthodox gehalten? oder von dem ofentlichen Vertrag deßclben, der unternommenen Vertheidigung und damit verknüpften Widerspruch gegen anders denkende Lehrer. Beyde Fragen sind erheblich und fruchtbar: sie können daher auch beyde von uns nicht Übergängen werden. Allein nach unserm Plan müßen wir die erste Frage auf den Abschnitt verspäten, wo wir den ariamschcn Lehrbegrif untersuchen werden, und uns hier auf die zweite einschränken. Es ist also eigentlich hier diese Frage zu beantworten: da es kein Zweifel ist, daß der Bischof Alexander und der Aelteste Arms, beyde zu Alexandrien in der Lehre von der ewigen Gottheit Jesu Christi einander zu erst widersprochen und dieser Widerspruch der erste Anfang der grosen arianischen Religionsbewegungen gewesen, was es mit dieser Zwistigkeit vor eine Bewandnis gehabt? Die Antworten, welche bishero von den neuern gegeben worden, sind sehr verschieden gewesen und durch eine Menge von Haupt und Nebenfragen verwirret worden. Wir glauben, daß wir hier am sichersten gehen, wenn wir einmal die Nachrichten der ältern Schriftsteller, aus deren Berichten wir alles, was wir wißen wollen, allein schöpfen müßen, samlen: hernach die durch diese Nachrichten bekannte Umstände und veranlaßte Fragen einzeln untersuchen: endlich mit der Bestimmung der Chronologie beschließen. im römischen Reich. 407 §- H. Die Nachrichten der ältere»! Schriftsteller, welche hier zum ersten als Quellen in Betrachtung kommen, sind sehr wenig. Hleher gehören I. Alexander Bischof von Alexandrier»,der unter allen die beste Käntnis haben können; auch die beste Gelegenheit gehabt, alles zu erzehlen. Allein alles, was er meldet, ist, daß seine Kirche von herrschsüchtigen und geldbegierigen Leuten beunruhiget »vorder». Unter diesen hatten Artus und Achlllas es schlimmer gemacht; als Kollurhus. Sie hätten in Mörderhölen eigne Versamlungen gehalten und lästerten bei Tag und Nacht wieder Christum und ihn den Alexander. 2^ Sie belangten ihn bei den weltlichen Richtern durch dieKlagen einiger unordentlichen und von ihnen verführten Frauen: sie beschimpften durch die junge Frauenspersonen, welche stets herum liefe»», die christliche Religion. Anm. In dem Brief an den B. Alexander, bei dem Theo- doreto /rbr.I.Hittür. eccles. cax,.4. p y. 10. Wirglau- ben, daß, weil Alexander die Ausstoßung des Arii von der Kirche gleich darauf meldet, nur das angezeigte hie- hergehöre, II. Sokrates, deßen kurzer; aber deutlicher und lehrreicher Bericht st lautet: „Alexander redete einst in Gegenwart der ihm unterge- „benen Aeltesten und übrigen gottesdienstlichec „Personen auf eine ehrsüchtige Art (cht-to7-,>r-7-e- ,,^o») von der heiligen Dreieinigkeit und behau- Cc 4 „ptete, 408 Geschichte der arianischen Rezerei „ptete, daß in der Dreihcit eine Einheit sey. „Arius, einer von den, jenem unterworfenen, „Aeltesten, ein Mann, der in der Dialektik nicht „unerfahren war und sich einbildete, daß der Bt- „schof die Lehre des Libyers Sadellu einführen „wolle, rrat auf die der Meinung des Libyers „geradezu entgegeugesezte Seite und wiedersprach, „wie es scheinet, heftig dem, was der Brickof „gefaget hatte. „ Nachdem der Geschichtschreiber die Lehre des Am, daß der Sohn Gottes nicht könne ewig seyn, gemeldet, sezet er hinzu, Artus habe gar viele zur Untersuchung dieser Frage gereizer und aus diesem Funken sey ein groö Feuer in Flamme gekommen. Anm. biüor. eccles. /rö»'. I. ca/). z. U.6. p. 9. io. in. Sozomenus , aus deßen etwas weitläufigern ; voit tlns aber schon genuzten Nach- richteit wir hier folgendes auszeichnen: Alexander habe im Anfang den Arium sehr hoch gehalten: Artus sey auf sehr ungereimte Lehren verfallen, die er denn erzehlet: einige, die dieses gehöret, harren den B. Alexander bestrafet, daß er solche Neuerungen in der Glaubenslehre dul- te: dieser habe es vor beßer gehalten, beyden Theilen bet der strittigen Frage die Freiheit zu verstatten, seine Meinung vorzutragen, damit er nicht scheine, den entstandnen Streit durch Zwang; sondert, durch Ueberzeugung beizulegen, und, als Richter, in Gegenwart anderer Geistlichen, beyde Theile in eine Unterredung treten laßen, da jeder Theil, wie es bet solchen gelehrten im römischen Reich. 429 teri Streitigkeiten zu gehen pfleget; zu siegen gesucht: Anus habe das, was er gesager, vertheidiget; seine Gegner aber behauptet, der Sohn sey mit dem Vater gleiches Wesens und gleich ewig: man habe noch eine Zusammenkunft veranstaltet ; es sey aber keine Einigkeit hergestellet worden: da die Frage noch streitig zu seyn geschienen, habe Alexander selbst im Anfang ge- wanket, und bald Diesen, bald jenen Theil gebil- liget; endlich sey er denen beigcrreten, welche lehrten, der Sohn habe mit dem Vater gleiches Wesen lind gleiche Ewigkeit, und habe Ario be- folen, mit Verlaßung seiner irrigen Meinung eben so zu denken. Anm. kiltor. eccles. /rö»-. I. iz. p.zz. IV. Theodoretus, der wie oben schon bemerket worden, AriUM einer persönlichen Mis- gunst gegen den Alexander beschuldiget und beifüget, daß, weil der erstere an des leztcrn Sitten und Lebensart nichts tadelhaftes gefunden, habe er deßen Lehre zu wledersprechen, sich vom Teufel verführen laßen. Da Alexander nach der heiligen Schrift geleistet, der Sohn habe mit dem Vater gleiches Wesen; so habe Anus diese Wahrheit dfenrlich besinnen, und den Sohn vor ein Geschöpf und nicht ewig ausgegeben, und dieses nicht allein in der Küche; sondern auch bei andern Zusammenkünften öfentlich und fleis- sig vorgetragen: ja er sey in den Häusern herum gegangen, und habe, soviel er gekont, auf seine Parlhei gezogen : Alexander habe, als eilt Be- Cc 5 schützet 4io Geschichte der arianischen RezereL schüher der apostolischen Lehrsäze, erst durch guten Naht und Ermahnungen, ihn eines bestem zu belehren gesucht. Anm. kikor. sceles. ca/,.2. p. 7. womit deßelhe» iiseret. tsbul. IV. ca/7. l. zu vergleichen. V. Epiphanius , welcher mit vielen uns nichts angehenden Ausschweifungen dieses erzeh- let, weil zu Alexandrien mehrere Gemeinen gewesen, und jeder ein besonderer Lehrer vorgestanden; so habe denn jeder sich gesucht durch besondere Lehrarten, einen Anhang zu machen. Und auf diese Art habe auch Arms seine Jrtü- mer ausgebreitet und seine Anhänger hätten sich Arianer genennet, darunter siebenhundert beständige Jungfern, sieben Aeltesten, zwölf Diakoni gewesen, zu denen auch einige auswärtige Bischdffe gekommen. Dieses wäre geschehen, da der B. Alexander nichts davon gewust, bis Meletius es ihm gesaget, der zwar selbst sich von der Kirchengemeinschaft abgesondert; aber in der Lehre rein gewesen. Hierauf habe Alexander Arium vor sich fordern laßen und ihn be-' fraget, ob die wegen kezerischer Lehren angebrachte Klagen gegründet wären? Arius habe sich auch nicht verstellet, sondern seinen ganzen irrigen Lehrbegrif vorgetragen, worauf Alexander eine Kirchenversamlung berufen und den Arir UM aus der Kirche gestoßen. Anm. S. kXref.I.XIX. §.Z.sqg. VI. Gelasius von Cyzikum. Dieser meldet, Alexander habe nach seiner natürlichen Gü- tigkeit im römischen Reich. 41 r tigkeit und Sanftmuht den Arium von seiner Lehre abgemahnet und kein Urtheil wieder ihn sprechen wollen; da er aber gesehen, daß das Uebel immer weiter um sich greife, habe er eine Synode gehalten. Anm. dikor. concü. Xic. /i'ö»-. II. 2. p. 7Yi. der mansifthcn Ausgabe tom. II. colleöl. concil. smpüül Vll. Philostorgius, der folgende ihm eigne Nachricht ertheilet: ein gewißer Aeltester Alexander mit dem Zunahmen Baukalis, der in der Reihe der Aeltestcn zu Alexandrien unmittelbar auf Arium gefolget, sey Uxfach an der Zwistig- keit zwischen Ario und dem Bischof Alexander gewesen, und von der Zeit an habe man zu erst angefangen, zu lehren, der Sohn sey mit dem Vater gleiches Wesens. Anm. IMor. ecclel. Lös-. I. §. 4. p. 477. §- m- Man wird vor sich selbst bei diesen Vorstellungen zwei Dinge bemerken, einmal, daß sie allerdings von einander verschieden; hernach, daß sie einander nicht so widersprechen, daß sie gar nicht bei einander bestehen tonten; jedoch auch schwer mit einander zu vereinigen. Und daher entstehen eben die Schwierigkeiten, welche den ersten Anfang der arianischen Kezcrei verdunkeln. Es wird nicht ohne Nuzen seyn, wenn wir sie zum zweiten einzeln betrachten und zu deßen Erleichterung einige Hauptfragen von den Nebenfragen unterscheiden. Jene sind folgende: I. wer 4 l 2 Geschichte der arianischen Rezerei I. wer hat den ersten Anfang des Streits gemacht? Philostorgius unterscheidet sich hier von allen. Er saget, daß ein gewißer Aeltester Alexander Baukalis es gethan habe. Sein Zeugnis allein deßwegen zu verwerfen, weiter ein Arianer gewesen, halten wir vor sehr unbillig. Allein wir glauben doch, daß es theils unrichtig; theils unbrauchbar sey. Es ist unrichtig, weil die Nachricht des Epiphanii, daß zu Alexandrien eine Kirche den Nahmen Baukalis gefuhret, an welcher Artus als Lehrer gestanden, einen wahrscheinlichen Verdacht erwekt, daß hier eine Verwirrung vorgegangen, und es ist unbrauchbar, weil von der Art, wie jener Alexander diesen Neligionsstreit veranläßet, nichts gemeldet worden. Viel wichtiger ist der Umstand, daß nach Epiphanii Bericht Artus, ehe er mit Alexander» gestritten, seilte Jrtümer dfentlich vorgetragen, womit Theodoren und Sozome- Ni Bericht bestehen kan; hingegen nach Sokra- tis Vorstellung Alexander durch seinen Vor- trag der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit die Gelegenheit gegeben, daß ihm Anus widersprochen. Diese leztere Erzehlung findet in den neuern Zeiten am meisten Beifall; und in der That scheinet sie der andern vorzuziehen zu seyn. Anm. I. Don pliilostorgii Bericht s. Tillemont tom.VI. 244. und Monrfaucons vit. ^tlisnas. p. z von den übrigen Travasa, p. ;z. Unter den neuern hatMaim- kurz tiiüoire äe tom. I. p. 20. lg. beyderlei Berichte vereiniget; es scheinet aber, daßer selbst ihnen den Zusammenhang geschenket. Einer der wichtigsten Umstände ist dieser, daß in dem Schreiben des R. Lon-- stanrins im römischen Reich. ^rz stantins an den Alexander und Arium, bei dem Euso- bis cie vits Lonüantini N. Ir-r. II. ca)v. 6y. p. 569. und Sokrare /rör.I. ca^.7. des Sokrans Bericht nicht undeutlich bestätiget wird, wenigstens daß der Bischof durch unvorsichtiges Fragen die Veranlaßung gegeben. Anm. 2. Wenn man Gokrans Bericht annimmt, so ist es eine Nebenfrage, ob Alexander völlig orthodox geredet , dir wir in die Untersuchung der Streitfrage verspüren. II. Aus was vor Bewegungsursachen diese beyden Lehrer einander widersprochen? Die Geschichtschreiber legen hier dem Ario viel zur Last, und es ist sehr wahrscheinlich, daß Hochmuht, Einbildung von eigner Gelehrsamkeit und Zanksucht bei ihm geherrschet, welche Laster doch nie das irrende Gewißen unmöglich machen. Hingegen verdienet auch bemerket zu werden, daß die Arianer sich über Alexander« beschweret, er habe aus Neid und persönlicher Feindschaft gegen Arium verfahren. Denn der grofe Beifall, den Anus gefunden, habe seine Eifersucht rege gemacht. Wenn man bemerket, daß Epft phanius, Sozomenus und Theodoretus bekräftigen, Anus habe wirklich vor den Streitigkeiten grosen Anhang zu Alexandrien gehabt, so läßet sich begreiffen, daß es nicht ganz unmöglich sey, daß solche Fehler auf beyden Seiten vorgefallen. Anm. Von Ario fallet Jac. Basnage liiüoii-e «le I'e^Iise p. ;c>. ein etwas günstiger Urtheil, das Tcavasa heftig wiederleget, p. 48- lg. hingegen Weisman memorsbil. hiüor. ecclef. tom. I. p. Z76. billiget. Der Arianer Kla-. ge wieder Alexanvern stehet in Soxomeni Killor. ec- «les. II. ca^o.27. So lange wir nicht wißen, was in 4i4 Geschichte der arianischen Rezerei dem innersten eines andern vorgehet, so lange kan man solche Fragen nicht zuverlaßig beantworten. 111. Ob es wahr sey, daß B. Alexander einige Zeit unfchlußig gewesen, welcher Parthei er beitreten solle? Diese Frage hanget von der ersten ab. Wenn die Sachen so vorgefallen, wie Sokrates erzehlet, so ist sie zu verneinen; allein sie kan bejahet werden, wenn der andern Vorstellungen gegründeter sind. Anm. Diesen Umstand meldet So;c>menus allein, den man doch nie in den Verdacht einer Parthcilichkeit vor den Arium gezogen. Basnage ebensas. halt es vor wahrscheinlich. Me-ncsaucon p. z. und Travasa p. zo. laq. vor falsch. §. IV. Diese; oder die Nebenftagen sind entweder weniger erheblich; oder leichter zu beantworten: I. ob es wahr sey, daß eben der Meletius, deßen Anhänger der Anus vorher gewesen, Ari- UM wegen seiner Lehre zu erst angeklaget. Weil diesen Umstand nur ein Zeuge meldet, und sich sonst im Zusammenhang kein Grund finden lasset; so bleibet er unwahrscheinlich, kan aber vor schlechterdings falsch nicht gehalten werden. Anm. Der einzige Zeuge ist Epiphanias. Ihm ist unter den neuern Govea» in der liitioire äe 1' e^Ilte tom.1I. p. io2. gefolget. Tillemonlto»». VI. p. 217 u. Travasa p. 69. verwerfen es schlechterdings, weil dieMeletia- ner sich mit den Arianern vereiniget; allein da dieses viel spater geschehen, so läßet sich daraus kein Beweis führen. Vielmehr macht der Umstand, daßAriusdie Parthei des Meletius verlaßcn, eher wahrscheinlich, daß dieser jenem nicht günstig gewesen. II. Man im römischen Reich. 41s II. Man kan es als ausgemacht ansehen, daß Artus allerdings einen Anhang zu Alexanderen gehabt, ehe es zu den Weiterungen gekommen, und daß unter diesen auch solche Jungfern gewesen, welche in beständigen ehrlosen Stand bleiben wollen. Allein die Anzahl von siebenhundert solcher Mägdgen, welche Epiphanius angiebt, scheinet übertrieben gros zu seyn. Anm. Daß Frauenzimmer es mit Ario gehalten, meldet auch Alexander, er bezeuget aber beim Theodorero p. 2l. daß es wenig gewesen. Epiphanii Zahl halten Monrfaucon ebendas Tillemonrp. 247. und Germane vie äe 8.^.tkan»s. tom. I. p. 47. vor unwahrscheinlich; Travasa hingegen p. 68- vor glaublich, und suchet Alexander,, und Epiphanium so zu vereinigen, daß dieser von allen arianischen Frauenspersonen, jener nur »on liederlichen rede. IH. Es wäre wol zu wünschen, daß man die Zahl und Ordnung der von Alexander» mit Ario gehaltenen Unterredungen gnau bestimmen tönte; allein da auch diese von der ersten Hauptfrage abhänget; so müßen wir es in Ungewis- heit laßen. Es gereichet dem Bischof zur Ehre, daß er nach einigen alten Schriftstellern erst gelindere Wege eingeschlagen. Anm. Dieses melden Sozomenns, Theodoretus, Epiphanias und Gelasius. S- Xveismann memorsd. dl- üor. eccles tom.I. p. Z77. §. V. Es wird hier wol der schiklichste Ort seyn, von den angeblichen Vorherverkündigungen der arianischen Kezerei eine kurze Nachricht zu geben. Unter 416 Geschichte der arianischen Rezerei Unter allen wäre diejenige die deutlichste, welche auf einer, von Christo selbst dem B. Peter von Alerandrien in seinem Gefängnis wieder- sahrnen Offenbarung sich gründen sol. Wir haben aber oben schon Gelegenheit gehabt, zu sagen, daß diese ganze Erzchiunq keinen histo- » rucken Grund habe. Von einer ganz andern Beschaffenheit ist die Nachricht, baß K. Cen- stantin der Grose in den sibylttnischen Aussprüchen eine Stelle gefunden hat, welche er vor eilw Weißagung von Arii Religionsunterneh- mungen gehalten. Denn daß in einem alten, unter dieses Kaisers Nahmen abgefaßten Schreiben gemeldet wird, die ermhräiscke Sibylle habe mit den Worten, darinnen von grosen, in Lldy- en zu entstehenden Unruhen geweißaget wird, aus den Arium gezielet, hat seine hlstoriscke Richtigkeit und eben so wenig zweifeln wir, daß bei dem damals algemeincn Ansehen der sibyllini- scken Orakel der Verfaßer sich eingebildet, er habe Recht; allein von dem innern Wehrr dieser Weißagung würde hier eine weuläuflige Untersuchung ganz unnüz seyn, da der Ursprung dieser vorgegebenen Prophezeihungen keinem Zweifel mehr unterworfen, und dadurch die herme- nevtische Frage von dem richtigen Verstand der aus Arium gezogenen Stelle ganz unerheblich wird. Man erzchler andere Gesichte, die unter andern der bekannte ägyptische Einsiedler Anton gehabt haben sol; die aber, wenn sie auch wahr wären, doch in spätere Zeiten zu sezen, da die Arianer schon mächtig und ausgebreitet waren. im römischen Reich. 417 ren. Endlich tönten wir auch der neuern Meinungen gedenken, nach denen in der Offenbarung Johannis von den arianischen Unruhen, in den kirchlichen und bürgerlichen Gesellschaften ge- weißaget worden, wenn wir nicht besorgten, durch eine ausführliche Prüfung zu weit von unserm Zweck abgeleitet zu werden. Anm. 1. Das Schreiben des K. Lonstanrins liefert Ge- lasius liiUvl-. concil. blic. III. wo p- 9 Z 4 > zu vergleichen. Man vergleiche Hecmanrs vie 6e L.Ltku- uas. tom. I. p. 97. und Travasa iüor. ci-iril.-. clells vl- ta Ui^rrio x. i z. Anm. 2. Von dem Gesteht des heilgen Anrons, welches Alhanasius vit. Million. §. 82. tom. 7 . oper. 2. p. 857. meldet, und andern dergleichen Erscheinungen handelt Lupus oper. p. Z9. Änm. Daß neuere Gelehrten die Arlaner in der Offenbarung gesucht haben, kan man aus Lvolfs cur. xiiilo- et critic. tom. IV. p. 512. und Bengels Anoni. 14 . 1. g. 1244. der neuen Ausgabe sehen. §. VI. Zum Dritten ist noch die chronologische Frage, wenn, oder in welchem Jahr diese Streitigkeiten zwüchen dem Alexander und Ario ihren Anfang genommen? zu berichtigen. Es ist diese Frage so vielen Schwierigkeiten unterworfen, daß man sich über die Verschiedenheit der Antworten, welche die neuern Gelehrten darauf gegeben, zu verwundern keine Ursirch hat. Wir werden am sichersten gehen, wenn wir die Merkmale der Zeitrechnung, so uns in den ältern Schriften aufbehalten sind, aussuchen und erst II Theil. D d m 1 418 Geschichte der arianischen Rezerei in ihr Licht setzen, hernach aber, was vor Folgen daraus zu ziehen, anzeigen. Anm. Die Verschiedenheit der neuern Meinungen kan man aus folgender Anzeige sehen. Den Anfang der ariania- schen Kezerei sczen in das Jahr Z i z. Baronius, snnsl. ecclet. an». L6LXV. 8> ly. üzg. in das Jahr Zl6. Lä- briciu» 6.6. r/o/.VIII. p. zcZ. in das I. Zi?. -Menschen ntd. 8 8. tom. III. sehr. p. zz6. in das I. ziy. Pa- gi critic. in snnnl. Laron. snn. L66XV. §. Z. lizrz. Til- temonr tom. VI. p. ZZ5. lqg. und Varenne disteiire äs Lonllantin. 9.227. in dasJ. Z22. Jac. Basnageliistol- re äs l' e^lilep. Fo. Lougueval iiiüoire äs I' sAliledsl- lic. tom. I. p. lyz. Travasr p. Zi-igg. in das Iahr z2i. Gam. Lasnage annal. xotitico-eccles tonr. II. 9.67z. §. VII. So viel nnn einmal die Merkmale, welche die altern Schriftsteller, von denen keiner ein Jahr gnau bestimmt, darbieten, anlanget; so ist davon dieses zu bemerken: I. es ist ganz gewis und keinem Zweifel mehr unterworfen, daß Anus kezerische Lehren vorgetragen, nachdem Alexander Zu Alexan- drien Bischof, und ehe die Knchenversamlung Z2Z.' zu Nicaa gehalten worden. Anm. Man kan diese Heiden Saze als die Granzpuncte ansehen, welche nicht überschritten werden dürfen. Don dem erjlcn haben wir die Schriftsteller im ersten Ab. schnitt §. V. Anm. 5. schon angegeben, welche auch den offenbaren Fehler des -Hieronxmi bemerket, der den Alexander erst im 1 .521. Bischof werden läßet. II. Die älteren Geschichtschreiber kommen darinnen völlig überein, daß die christliche Kirche Hu der Zeit, da Anus mir Alexander« sich überwerfen, im römischen Reich. 419 warfen, eine vollkommne öfentliche Ruhe genossen. In die Periode, welche nach dem ersten Merkmal gewis bestimmt ist, fället aber die Verfolgung der Christen, welche Licinius veranstaltet und die erst mit seinem Tode anfgehdrer. Amn. 1. Von den altern Geschichtschreibern Sokrare, So- -komeno, Theovorcco ist zweierlei hier zu bemerken. Ecjrlick da sie keine eigentliche Jahrbücher liefern; sondern die Sachen gern verbinden, die zusammengehören; so haben sie von den Ärianern nicht eher geredet, als bis sich derKaiser darein gemischct. Es folget also nicht, daß zu Alexandrie» die Unruhen nicht eher angefangen, als bis nach der Niederlage des Lieinii, welche Sokca- rcs eher erzchlct. Hernach den Umstand, daß damals die Kirche Ruhe gehabt, melden etwas dunkel Alexander beim Theodorcto /iü<-.I. ea/r.g. deutlich Eusebius sie vitaLonli. ir'ür. II. ca/i. 61. Ruffinus liilror. ecclesi siön.I. ra/,. i. A>,m.2. Wenn die Verfolgung des Lieinii, von welcher Mosheim comment. cle red. Ldriilisn. p y87- zu lesen, ihren Anfang genommen, ist »och zweifelhaft. Man kan sie aber wol nicht eher sczctt; als kurz vor seinem zweitem Krieg mit Constantsii, derimJ. Z22. oderz2g ausgebrochcn. S. algcmeine Wclthisr. Tl>. XIV. S. 66. Es wird daraus folgen, daß dieses Merkmal von weniger Brauchbarkeit sey, weil es fast nohtwendig ist, daß Arius vor diesen Begebenheiten schon als Kezer erkläret worden. Anm. z. Was von den griechischen Geschichtschreibern bemerket worden, gilt auch von dem lateinischen Vrosio sih» .VII. caz,. 2g. um desto mehr, da deßcn Zeitrechnung sehr unbestimmt ist, und er mit dem Ursprung der arianischen Kezcret gieich die Kirchenversamlungvon Nicaa verbindet. Baroninn und ^ensisien bauen auf diesen Schriftsteller am meisten, sind aber, wie vorher gemeldet worden, uneinig, was vor ein Jahr nach dem Vrosio anzunehmen. Dd 2 m. La- 4-20 Geschichte der arianischen Rezerei III. Lactantius wird hier von einigen vor einen entscheidenden Schriftsteller angesehen. Wenn es ausgemacht wäre, daß er von den Arianern geredet und in welchem Jahr er seine Bücher geschrieben, so würde dieses Merkmal ungemein klar seyn; allen: es verlieret viel von seinem Wehrt, da die beiden Vorderste so vielen Zweifel noch unterworfen. Anm. I. Es ist bekannt, daß bei dem Lactantio insiitllt. «livinsr. /rb»-. II. zo. §. lv. unter den liTrelibus» die in der christlichen Kirche entstanden, die Lrisni ge- nennet werde», und daß dieses eine von den strittigsten Stellen dieses Verfaßers sey, in dem einige dieses Wort vor einen fremden Zusa; erklären; andere aber acht vertheidigen. Man lese Noa rry süparat. sä 6. IVI. p. tom. II. P.964. Bunemanns t7ote zu dieser Stelle p. 565. Baluzens not. in äo k/l. ?. p. 6. des zweiten Theils von Laulvri Ausgabe und Eduarv a. S. Xa- verio äisiert. prsevisr. in äec. I. 8- U. 9. Da nun einige annehmen, daß Lactamius seine sieben Bücher um das I. z i6. geschrieben, und dabei voraus- sezen, daß die Lesart acht sey, so ergiebt sich der Gebrauch von selbst, den sie hier von dieser Stelle machen. Andere, wie Laluze, nehmen zwar auch die Lesart an, sezen aber eben deswegen die Zeit, in welcher Lamantins geschrieben, lieber nach der Kirchenversamlung zu Nicaa, wodurch denn vor unsere Frage aus dieser Stelle nichts geschloßen werden kan. Noch andere glauben, in dem Werk des Lacrantii Spuren zu finden, daß es schon zu den Zeiten des Diokleriani abgefaßet worden, und schließen alsdenn mit Recht, daß der Nahme der Arianer von Laccamio nicht herrühren könne. Man lese Larvners ci eeiibilit)- ok rlie 6olpel-IMor^z,a»'t. II. vo/. 7. wo von p. 79-86. überaus fleißig von der Zeit der Ausfertigung der Bücher des Lacrantii gehandelt wird. Bei diesen Umstanden ist es unstreitig am sichersten, von dieser Stelle keinen Gebrauch hier zu machen, da es beinahe ohne Zirkel nicht möglich ist. Anm. 421 im römischen Reich. Lnm. 2. Daß Lactantius vonArianern geredet, ist zwar nicht wahrscheinlich; aber doch möglich; hingegen ist es unmöglich, daß Vrigenes ihrer gedacht haben fol, und dennoch hat der P. Labbe dieses geglaubet. S. Labricii 6.6r. vo/. V. p. siZ. IV. Eine wichtige Stelle.vor uns hatAtha- nasius hinterlaßen, da er meldet, daß die Art- aner vor sechs und dreyßig Jahren vor Kezer erkläret und durch das Urtheil einer algemeinen Kirchenversamlung von der Kirche ausgeschlos- ^ x sen worden. Da man das Jahr, in welchem 256. Athanastus dieses geschrieben, sehr wahrscheinlich bestimmen kan, so kan man daraus richtig folgern, in welchem das geschehen, was Atya- riasius von den Arianern meldet. 2lnm. Diese Stelle stehet in der epistol. sä epiicopos et l.ib. §. 22. to,rr.I. oper. LM't. I. P. 29z. bei welcher denn dieses zu bemerken. Es entstehet hier ei. ne doppelte Frage, in welchem Jahr Arhanasius den Brief geschrieben? und von was vor einer Synode Athanastus rede? da einige meinen, er rede von dem Concilio zuNicaa, und dieses zum Grund ihres Schlusses machen, daß Athanaslus diesen Brief im 1. 261. oder 262. geschrieben, wieBaronius und Jac.Basna« ge, auch Mansi säp. in ösron. snn. p. zZz; andere, die sehr richtig einsehen, daß der Brief in das 1. 256. gehöre, wollen lieber daraus schließen, daß die Rede nicht sey von der Kirchenversamlung zu Nicaa; sondern den Synoden zu Alexandricn, von welchen gleich mehr folgen wird, wie Pagi, Tillemonc, Travasa; die dritten endlich bemerken, daß die beiden erster» Meinungen etwas wahres und etwas falsches sagen. Die ersten haben Recht, daß Athanasius von der nicanischen Kirchenversamlung rede, weil der Ausdruk 7---L in Athanasli Feder keinen andern Verstand haben können, und die zweiten, daß der Brief im 1.2;6. abgefaßet worden ; es kan aber beides beisammen stehen, wenn man die zwei Saze des Achana- Dd z sii: 422 Geschichte der arianischen Rezerei sli: die Arianer und vor Kczer erkläret, und, dieAria. ner sind durch das Urtheil einer algemeinen Synode aus der Kirche ausgesaget worden, nicht vor eine; sondern vor zwei verschiedene Begebenheiten anstehet. Dieses ist die Muhtmaßung, die Manrfaucon in sämorüt. in epistol. 26 ^ex;vpt. P.26Y. gemacht, Ulld.gewis allen Beifall verdienet. Athanasius würde also das, daß die Arianer als Kezer überführet worden, in das A Z2o.sezen. C. V. Man sezet noch eineil Beweis ill dem To- "Zso. desjahr des Märtyrers Bastln; deßen Orthodoxie, wahrscheinlich in Rüksicht auf die arianische Kczerci, gerühmet wird; allein da eben dieses Todesjahr ungewis und zum Theil alles aufsehe zweifelhaften Martyrerakten beruhet, dienet uns auch dieses nichts. Anm. S. BaconillM annal. ecclef. a»»r. (I06XV. §. 2r. Pazi cbendas §. 6. und Trllcmont to»r. VI. 9. 7Z9. §. VIII. Wenn wir nun zweitens unsere eigne Gedanken, davon sagen sollen; so müßen wir vor- aussezen, daß immer bei dieser Frage eine Zwei- ^ deutigkeit obwalte, welche nicht leicht gehoben werden kan. Nimmt man die Vorstellung des Sokratis von dem ersten 'Ausbruch der arianischen Kezerei all, so ist man berechtiget, zwischen diesem und dem Concilio zu Nicaa eine kürzere Zwischenzeit zu sezen; als wenn man Epiphanii Bericht gelten läßet. Man kan sich hier nicht anders helffen; als daß man den Zeitpunkt, den man wißen wil, darinnen sezet, wo beide Arten, von Berichten zusammenstoßen, das ist, wo Alexander im römischen Reich. 42z xander mit Ario zu thun zu haben, angefangen. Und davon scheinen denn uns folgende Säze klar und richtig zu seyn. 1 . Da Sozomenus versichert, daß Alexander den Arium anfangs hoch gehalten, und vermutlich beide im guten Vernehmen gestanden, so ist der Anfang der Unruhen nicht in das Jahr zu sezen, in dem Alexander Bischof worden. Anm. Gozomeni Stelle H.L. ca/?. 15. ist schon oben angezeiget worden. U. Der Verfolg und die Menge der Begebenheiten, welche vor dem Concilio zu Nieaa in der arianischcn Sache vorgefallen, erfordern, daß der Anfang der leztern mehrere Jahre vor dem erster» zu sezen. III. Weil Athanasius sehr deutlich saget, I in welchem Jahr die Arianer vor Kezer erkläret ^ worden; so kan man sicher daraus schließen, daß in demselben schon Arianer gewesen und ihre Sachen gross Aufmerksamkeit gemacht. IV. Weil endlich es allemal gewis ist, daß theils eine Zeit erfordert worden, ehe man von einer Parthei der Arianer reden können; theils Alexander gewis genug vorhero, ehe sie öfent- lich der Kezerei überführet worden, gelindere Wege versuchet; so glauben wir, das die Recht haben, welche den erstell Anfang der Unruhen zwei, wenigstens ein Jahr höher ansezen. Und dabei müßen wir uns beruhigen, da kein Grund Dd 4 der 424 Geschichte der arianischm Rezerei der Hofnung ist, weitere Bestimmungen des Jahres angeben zu können. II. Von den Begebenheiten -es Anus unfeiner Freunde bis auf die Kirchenver- famlung zu Nicäa. §. ix. A^achdem es nun so weit gekommen, daß zwi- scheu dem BischofAlexander und dem Llrio, als den beiden Hauptpersonen ein völliger gegenseitiger Widerspruch in der Lehre von der Gottheit Christi entstanden, so wurde diese Streitigkeit durch verschiedene Vorfalle immer mehr erweitert. Beide Theile suchten einander nicht allein zu widerlegen; sondern brauchten auch andere Mittel, welche aber gar nickt die erwar? leren Folgen hatten. Das erste, was wahrscheinlich geschehen, war dieses, daß Alexander ein Schreiben an den Arium und die mit ihm verbundene Geistlichen, erlassen und in demselben sie ermähnet, von ihren Jrtümern abzustehen. Dieses Schreiben wurde von der Geistlichkeit zu Alexandrien unterschrieben. Lnm. Wir wißen dieses aus einem kleinen Stük einer Rede des Bischofs Alexander;;, von dem wir gleich mebreres reden wollen. Man sehe Achanasii oper. tom.I. xai t. 1. p. zy6. 42s im römischen Reich. §. X. Nach diesem fruchtlosgemachten Versuch, hielte Alexander vor nichtig, die Sache an die Bischdffe seiner Provinz zu bringen. Daß eine Kirchenversamlung gehalten worden, ist gewis; allein es ist noch strittig, ob ihrer mehrere gewesen, in dem einige zwei; andere aber nur eine annehmen. Man mus überhaupt bemerken, daß die alten Nachrichten hier sehr übel zusammenhangen und wenn nur einiger Zusammenhang gefunden werden sol, es schlechterdings nichtig ist, Muhtmaßungen zu machen. Nach diesen sind zwei Fragen von einander zu unterscheiden. Die erste : wie viele Synoden gehalten worden, scheinet jezt leicht zu heben zu seyn, weil es offenbar ist, daß zwischen den einander hier wiedersprechenden Gelehrten ein wahrer Mortstreit ist, in dem einige das Wort Kirchen- verjamlung in einem weitem; andere billig in einem engern Verstand nehmen. Wir nehmen billig zwei Versandungen an, die der B. Alexander wegen desAriizuAlexandrien gehalten: eine, aufwelcherdie Bischdffe aus Aegypten und Libyen zusammen gekommen, die andere, die nur aus den Aeltesten und Diakonis der Stadt Alexan- drien und der Provinz Mareotis bestanden. Von diesen beiden verdienet nur die erste den Nahmen eines Concilii, wenn derselbe in seinem eigentlichen Sinn gebraucht werden sol. Die zweite ist, in welcher Ordnung diese beide Versamlungen auf einander gefolget. Unsers Wissens ist bishero die gewöhnlichste Meinung, daß Dd 5 die 426 Geschichte der arianischen Rezerei die Versamlung der Aeltesten eher; als die Zusammenkunft der Bischdffe gewesen; wir glauben aber Grund zu haben, diese Ordnung umzukehren. Anm. i. Wir müssen hier unsere Leser im Stand sezen, die Verwirrung, die sich hier in der arianischen Geschichte äußert, und ihre Ursachen zu kennen und zu beurtheilen. Mau mus daher bemerken: 1) daß die Berichte der Geschichtschreiber dieses melden. Sakrales /ihr. s. cax>. 6. p. 10. saget, daß wie Alexander den Beifall gehöret, den Arms bei andern Bischcffen, sonderlich dem Eusebio von Nikomedten finde, habe er eine Dersamlung vieler Bischöffe veranstaltet, u»d aus derselben Arium und seine Anhänger abgestzet, und solches in einem Schreiben den andern Bischöffen bekannt gemacht. Soxomenus redet nichts von einer Kirchcnver- samlung; sondern nur von der Ausschließung des Arii und der mit ihm es haltende» Geistlichen aus der Kirche, /ihr. I. cax. 15. p. Z2 Eben so redet auch Theovo- rerus /ihr. I. Ü. L eax. 2. p. 7. Epiphanins versichert ausdrüklich, daß Alexander die Bischöffe und eine Synode zusammen berufen, auf welcher Arius seine Lehre frei bekannt, und mit den ihm anhangenden Jungfern und Geistlichen in Bann gethan worden, leseros I^XVill. §. z. 4. und wiederhohkct das leztere; aber so, daß er nur von einer Zusammenberufung der Aeltesten und einiger gegenwärtigen Bischöffe redet, dsores. l,XIX. §. z. Arhanasnrs in der epillol. sä^eMpt. §. 12. p. 281. bezeuget nur, daß Arius vorn Alexander aus der Kirche und der Klaße der Geistlichen ausgeschlossen worden. 2) wir haben auch einige Urkunde», die aber, wie bald folgen sol, in Ansehung der Zeitordnung eben so verworren find. Hier wollen wir nur das ausziehen, was zur Historie der Synoden gehöret. In dem vorherge- dachtcn kleinen Stük in Athanasii oper. tom.I. p.zy6. meldet nur Alexander, daß Arius und einige andere Aeltesten abgesezet worden, und er verlange, daß die desbalben erlaßenen Briefe von den versamletcn Geistlichen der Stadt und aus Marcotis mögten unterschrieben werden. In dem Brief an den B. Alexander von B>;an; 4-7 im römischen Reich. Bvzanz bei dem Theovorcto sth»-.I. cax. 4. finden sich diese historische Nachrichten, er habe Armin und Achil- lam aus der Kircheiigemcinschast ausgeschlossen: sie suchten durch Briese andere Bischöffe zu gewinnen: es hätten auch schon einige Bischöffe zu ihrer Schande ihre Briefe unterschrieben: es hätten drei Bischöffe in Syrien ihren Beifall dem Ario gegeben; hingegen hätten sich andere Bischöffe wieder ihn erkläret, und am Ende werde» die Nahmen der ausgcschloßenen Aeltesten genennet. In dem Schreiben an alle Bischöffe bei dem Sokrare Lin-. I. 6. beschweret sich schon Alexander über den Euscbium von Nikoniedicn und erzeh- lct, daß er mit beinahe hundert andern Bischöffe» aus Aegypten und Libyen Äriuni und seine Anhänger in Bann gethan. Endlich ist auch Arius in seinem Brief hei dem Tbeodorero raz,. z. zu hören, welcher ohne von einem Eoncilio zu reden, sich über die gegen ihn und seine Anhänger ergangene Baiinerklärung beschweret. - 2 tnm. 2. Von der Verschiedenheit der neuern Meinungen habe schon in der Historie der Lirchenv. S-140. u. f. gehandelt, und seze bei, daß außer den genannten zwei Kircheiiversamlungen annehmen pagi, LarSner, Tra- vasa; nur eine aber Maimburg und Monrfaucon. §- XI. Dieses vorausgesezet, können wir uns keine andere; als diese Folge der Begebenheiten vorstellen : I. Am Lehrbegrif findet sehr grosen Beifall, nicht allein zu Alexandrien; sondern auch in den benachbarten Landen, und selbst Bischöffe nehmen sie an. Eusebius von Nikomcdien ist der vornehmste und sein Ansehen ist dem Ario sehr vortheilhaft. Auch Alexander hat schon Briefe an andere Bischöffe geschrieben und von ihnen erhalten, daß sie einen seiner Aufsäze unterschrieben. Anm. 428 Geschichte der arianischen Rezerei Anm. i. Man läßet gemeiniglich den Eusebium spater auf den Schaupla; treten. Allein wenn man nicht allein die beiden Briefe Alexanders in diese Perioden se- zen wil, welches von allen geschiehet; sondern auch den Sakralem liefet; so mus man allerdings annehmen, daß sich Arius um ihren Beifall beworben, ehe Alexan. der eine Kirchenverfamlung gehalten. Anm. 2. Daß auch Alexander anderer Bischöffe Beifall schriftlich gesucht und erhalten, lernen wir aus deßelben Brief bei dem Theosoreto übr. I. ca/>. 4. p. 22. II. Dieses macht Alexander» noch eifriger und erhält eine gross Kirchenverfamlung zuAle- xandrien, welcher beinahe hundert ägyptische und libysche Bischöffe beiwohnen. Es scheinet nicht, daß eine algemeine Einigkeit gewesen. Arius hatte seine Anhänger; doch Alexanders Parthei erhält das Uebergewicht. Arius wird abgesezt und mit seinen Anhängern in den Kirchenbann gethan. Anm. Die Beweise liefert der vorhergehende§. tnderAn- merkung. IN. Hierauf erläßet Alexander sein Schreiben an die Bischöffe. . Anm. Don diesem sol gleich mehreres gesagt werden. IV. Alexander berufet seilte, ihm unmittelbar unterworfene Geistlichkeit zusammen und verlanget, daß sie diesen Brief unterschreiben sollen, welches auch geschiehet. §. XU. Wann diese Ordnung festgestellet ist, so wollet» wir nun von einigen besondern Umständen dieser 4-9 im römischen Reich. dieser Begebenheiten einige ndhtige Anmerkungen beifügen. Einmal entstehet em Zweifel, wie damals zu Alexandrien ein Concilium habe gehalten werden können, aus der Nachricht, des Eusebii, daßK.Licinius solche Zusammenkünfte verboten. Allein da uns das Jahr des Gesezes nicht gnug bekannt; noch weniger erweislich, daß Licinii Ansehen damals in Aegypten gültig gewesen: so ist wol kein hinreichender Grund da, hieraus eine Unmöglichkeit herzuleiten. 2lnm. Ecisebll Nachricht stehet //-»-.!. cie vit» ConKsntl- ni rax. s l. man lese ^ermanr vierte tom.I. x.zo. Tillemonk tvm.VI. p. 7Z8- und Travasr x. 78 . §. XIII. Hernach fraget man billig nach der Zeit, in welcher diese Kirchenversamlung gehalten worden. Diejenigen, welche Athanafti Zeugnis, daß die Arianer vor Kezcr erkläret und durch ein Urtheil einer algemeinen Synode aus der Kir- chengemeinichaft ausgeschloßen worden, von dieser Kirchenversamlung verstehen, haben einen I § sehr deutlichen Grund selbst das Jahr zu bestim- 321. men. Ob wir nun gleich, wie oben gemeldet worden, ihnen in so ferne nicht beitreten, daß Athanasius die alexandrinische Versamlung eine algemeine Synode genennet; so kan doch allemahl der erste Saz davon erkläret werden und mithin finden wir kein Bedenken, die Berechnung selbst zu billigen. Anm. s. oben §.VI.«nddie §. X. angezeigte Schriftsteller. §. XIV q.zo Geschichte der arianischen Rezerei §. XIV. Ferner fraget sich, wer die Personen gewesen, welche mir dem Ario zugleich aus der Kir- chengemeinschaft ausgeschlossen worden, bei welchem Umstand zweierlei anzumerken. Erstlich haben die Gegner der Arianer davon einige Nachricht hinrcrlaßen. In Alexanders Brief werden die mit dem Bann belegte Personen so ge- riennet: „von den Aeltesten Anus; von den Dia- „konis, Achillas, Euzoius, Aethalas, Lucius, „Sarmates, Julius, Menas, ein anderer Ari- „us, und Helladius." In einem andern Schreiben beißet es, „es sind Apostaten worden „Anus, Achillas, Aethalas, Karponas, ein „anderer Anus, ^Larmates, Eusebius, Lucius, „Jnlianus, Menas, Hetladius, und mit ihnen „Secundus und Theonas, die ehemals Bischoffe „genennet worden." Im dritten sezet er noch aus der mareotischen Provinz zwei Aeltesten, Chares und Pistus, und vier Diakonos, Sera- pio, Parammon, Zosimus, und Jrenäus bei. Epiphanius, nachdem er erzehlet, daßzuAle- xandricn sieben Aeltesten, zwölf Diakoni, der Bischof secundus und mehrere andere, und siebenhundert Jungfern dem Ario beigefallen, und daß Arms wäre von dem Concilio in Kirchenbann gethan worden, sezet er hinzu, daß eben dieses auch die vcrgemeldeten Jungfern, die eben- fals vorhergedachten Geistlichen und viel anderes Volk betroffen. Wenn gleich nun diese Berichte einander nicht völlig gleich sind, so kommen sie doch darinne überein, daß wol alle Anhänger im römischen Reich. 4z » ger mit darunter begriffen gewesen, welches auch den damaligen Grundsäzen ganz gemäö ist. Anm.i. Die erste Stelle stehet in dem Brief an den B. Alexander Helm TheoSoeero /rb»-. I. cax. 4. p. 21. die zweite in dem Schreiben an die Bischöffe bei dem Sakrale /iör.I. eap. 6. p 1i. die dritte in Athanasü »per. tom. I. t. I. p. zy6. und die vierte bei dem Epipha- nio doereL I.XIX. §. Z. Anm. 2. Man tönte sowol das Verzeichnis der ersten Anhänger des Arii und der von Alexander» ausgcschloße- nen gottesdienstlichen Personen, zumal aus Athanasti Schriften sehr vergröscrn; als auch noch einige Anmer. kMigei, von ihren persönlichen Begebenheiten mittheilen; weil aber theils es nicht erweislich ist, daß alle zu der Zeit, von welcher wir reden, in Bann gethan worden; theils die erheblichen Umstände derer, so an den wichtigsten Begebenheiten Antheil genommen, wie Eu- zoius gethan, unten erzchlet werden müssen, so verweisen wir auf Tillemonr tm». VI. p. 24;. §. XV. Zweitens verdienet eine Stelle des Arii hier bemerket zu werden. Er meldet darinnen, daß mit ihm der B. Eusebius von Cäsareen, Theodotus, Paullmus, Athanasius, Gregorius und Aetius, endlich alle morgenländische Bischdf- fe, die drey, Philogonius, Hellanikus und Ma- karius ausgenommen, mit dem Bann beleget worden. Ob hier Arius die Wahrheit geredet, ist freilich eine strittige Frage; sie kan aber leicht beantwortet werden, wenn nur keine nahmentliche Erklärung dazu verlanget wird. Denn wenn Alexanders Parthei alle Anhänger des Arii voll der Ktrchengemeinschaft ausgeschloßen, und gewust hat, welches nicht zu leugnen, daß die 4?« Geschichte der arianischen Rezerei die morgenländischenVischöffe es mitArio gehalten; so ist wol der Schluß richtig, daß der ausgesprochene Fluch auch sie getroffen, ob er freilich von ganz anderer Wirkung bei diesen Fremden; als bei den Gliedern der Gemeine zu Ale- xandrien seyn müßen. Anm. i. Die Stelle ist in Arii Brief an Eusebium von Nlkonredien zu finden. S- Thoodorerum li, L. ü^.l. ca/o. 5. 9. 22. Aus eben dieses Geschichtschreibers Nachrichten p. 2z. lernen wir, daß von den hier genannten Bischöffen außer dem Eusebio, TheoVorus zu Laodi- rea, PaulliuuszuTpro, AthanasiuszuAnazarbi, Ere- gorius zu Berytus, Aetius zu Lpdda, Pbilogonius zu Antiochien, -Hellanikus zu Tripoli und Makarius zu Jerusalem Bischöffe gewesen. 2 lnm. 2. Diese Frage wird sehr gründlich nicht allein von Iac. Basnagen in der llilloire äe l'e^Use p. Fo. sondern auch von Duvatoi» not. in l'keosoret. 9. 20. und 22. beantwortet, daß daher Travasa 9.95.19. nicht nöhkig gehabt, mit einem solchen Eifer gegen den ersten zu behaupten, Arius habe hier schlechterdings gelogen. §. XVI. Endlich wird hier der bequemste Ort seyn, von denen, zum Theil noch vorhandenen, Briefen des B. Alexanders zu reden. Da diese umireitig die ältesten Urkunden der arianischen Geschichte sind; ihre eigne Historie aber gar vielen Zweifeln unterworfen ist; so halten es wir vor eine Pflicht, davon ettvas ausführlicher zu reden. Zu dem Ende bemerken wir zum ersten die Quellen, aus denen wir von dergleichen Briefen des B. Alexanders unterrichtet werden und die darüber entstandene Fragen beurtheilen müßen. im römischen Reich. 4zz müßen. Dieses sind theils Berichte einiger Geschichtschreiber, von denen I. Sokrates versichert, Alexander habe an den Bischof einer jeden Stadt ein Schreiben nach der Ausschließung des Arii ergehen laßen, welches er selbst liefert, und nachhero, Alexander habe durch dergleichen Briefe die Sache sehr schlimm gemacht, weil dadurch diejenige, an welche sie gerichtet gewesen, in den Streit mit einge- flochten worden; und, die welche es mit ihm gehalten , hatten eben diese Briefe unterschrieben, die andern aber das Gegentheil gethan. Anm. kiKor. eccles. /rö»-. I. 6. p. 10. u. 14. II. Sozomenus meldet, daß die Arianer nach ihrer Verdammung durch Gesunden auswärtige BischLffe zu gewinnen gesucht und bei verschiedenen, besonders Eusebio, Beifall gefunden. Dieses habe denn Alexander» bewogen, an die Bischbffe an allen Orten zu schreiben, und sie zu ersuchen, die Arianer nicht zur Communi- on zu laßen. Anm. IMor. ecclet. Üö»-. I. 15. IN. Theodorctus berichtet, nachdem Alexander gesehen, daß Anus mit seinen Anhängern besondere Zusammenkünfte halte, habe er den Vorstehern der Kirche von Arii Lästerungen in Briefen Nachricht gegeben, von denen er den, welchen er an den Bischof, der mit ihm gleichen Nahmen führe, geschrieben, mittheilen wolle, ii Theil. Ee Nach- 4Z4 Geschichte der arianischen Rezerei Nachdem dieses geschehen, füget er bei, Alexan- der habe gleichlautende Schreiben an den B. Philoginium zu Anriochien und Eusiathium zu Berrhoc, ergehen laßen, auch an andere, so viel Vertheidiger der apostolischen Lehren gewesen wären. Anm. kiitor. eccles. z. p. Z- U. ca/>. 4. p. 2l. IV. Epiphanius erzehlet, daß, nachdem Anus sich nach Palästinam begeben und daselbst bei einigen Bischbffen Eingang gefunden, habe Alexander Circularbriefe geschrieben, welche bei den Samlern aufbehalten würden. Es waren an der Zahl siebenzig und an jeden Bischofeinzeln gerichtet, besonders an den Eufebium von Cäfareen, Makarium, von Jerusalem, As- klepium von Gaza, Longinum von Askalon, Ma- krinum von Jamnia und Zeno, den alten Bischof von Tyro und an andere in Phdnicien, auch an andere in Cdlesyrien. Anm. tiseret. I.XIX. §. 4. V. Liberius meldet in einem Brief an den K. Constantius, daß Alexander auch an den damaligen V. von Rom Silvester geschrieben, daß er cilf Personen, sowol Aeltesten; als Diako- nos, weil sie Ario anhiengen, von der Kirche ausgeschloßen. Anm. S. Loustant epikol. pontiLc. p. 426. VI. Marimus versichert, daß er einen ähnlichen Brief des Alexanders wieder dieAria- ner an einen ägyptischen Bischof Eglon gesehen. Anm. S. deßen «per. tom.II. p. 152. K. XVII. 435 iin römischen Reich. §. XVII. Theils sind einige von diesen Briefen vor- Handen, welche wir iezt näher beschreiben müßen. Sie sind l. ein Schreiben an die Bijchöffe; oder wie die Aufschrift kämet, an die geliebte und geehrte Mitdiener der katholischen Kirche allenthalben. Er meldet ausdrüklich, daß desB.Eu- sebii von Nikomedien den Arianern geleisteter Schutz und Beförderung ihn veranläßet, fein Stillschweigen zu brechen und sie von Am Lehr- begrif zu benachrichtigen, daß sie durch Eusebii Vorstellungen sich nicht einnehmen laßen mdgten. Hierauf erzehlet er theils die Nahmen der ausgeschlossenen alexandrinischen Geistlichen; theils die Jrtümcr der Arianer, und fähret fort, daß man sie auf einer ansehnlichen Kirchenversam- lung ausgeschloßen; Eusebius aber aufgenommen habe. Nun folget eine theologische Widerlegung des arianischen Lehrbegrifs, und ein Beweis der Rechtmäßigkeit des erkanten Kirchenbannes, endlich eine Bitte, diese Leute nicht aufzunehmen; noch dem Euftbio Glauben bei- zumessen. Anm. Von diesem Brief haben wir drei von einander ver- schiedene Abschriften. Die erste liefert Sokcares kiüor. ecclet. /rö»-. I. cax. 6. p. io. tgg. und aus ihm Nikepho- rüg /-ö,-. VIII. cax. Z. die zweite Gelasius von L>zt- kumliillor. vonc.I^ic:. lrör. II. cer/i. Z. p 79z. lq. tom. II. der mqnftscken colle^I. concil. smpliil'. Sie unterscheidet sich von der ersten, außer einigen Lesarten sonderlich durch die Unterschriften, welche erstlich von ste- henzehen Aeltesien zu Alexandricn, unter denen Lollu- Ee 2 rhtts 4Z6 Geschichte der arianischen Rezerei thus den Anfang mit diesen Worten macht: ich bin mit dem, rvas geschrieben ist, und der Abse)unz0es Arii und derer, die mit ihnen die gottlose Lehre anneh- men, einstimmig, hernach von dreizehen Diskonts daselbst , unter denen Athanastus die vierte Stelle hat, ferner von sechszeben ,narkotischen Acltesten, endlich von eben so viel dasigen DistoniS geschehen. Endlich hat Monrfaucon in seiner Ausgabe der Werke des Arhana- sii tom. I. jvart.I. p.g^7- aus einer königlichen Handschrift zu Paris die dritte mitgetheilet. Aus den beige, sezten verschiedenen Lesarten lassen sich die Vorzüge derselben beurtheilen Auch hier stehen die Unterschriften; aber nicht allein mit einiger Verschiedenheit der Nahmen ; sondern auch der Zahl, indem vier und zwanzig Diakoni von AKxandrien, neunzehei, Acltesten und zwanzig Diakoni der Provinz Mareotis gefunden werden. Wir sezen noch bei, daß in Epipbanii Sckolastici ki- ssor. tripart. / b»'. I. cax lo. eine lateinische Uebersezung stehe, welche ebenfalls verschiedene Lesarten enthalt, aber keine Unterschriften hat. II. Ein anderes Schreiben an Alexander. Es ist eine sehr gewöhnliche Meinung, daß dieses eben der Alexander, der in diesem Jahrhundert zu Constanünopel Bischof gewesen; sie hat aber in der That keilten sichern Grund und ist noch dazu sehr erheblichen Zweifeln unterworfen. Der ganze Brief hat auch nicht dieGestalt einer Zuschrift an eine einzelne Person; sondern vielmehr eines Circularschretbens. Er giebt voll der durch den Arium gestifteten Trennung Nachricht, die schlimmer sey; als des Colluthi. Nachdem er sich über das üble Betragen der Arianer zu Aiexandrien beklaget, bemerket er, daß sie Gesanden an auswärtige Bischdffe abordneten und von ihnen Briefe erbettelten, welche als Zeugniße ihres Beifalles die Verführten 4Z7 im römischen Reich. noch mehr bestärkten, wie denn wirklich einige Bischdffe ihre Briefe unterschrieben und sie zur Kirchengemeinschaft gelaßen. Er halte sich daher verpflichtet, seine lieben Bruder von den schädlichen Jrtümern dieser Leute zu unterrichten. Nach einer sehr weitläuftigen polemischen Abhandlung berühret er die alten schon längst verdammte Kezereien, die Arms wieder aufwärme. Er beleget die Arianer schon mit den Nahmen der Ezmkenrianer, und redet viel von ihren Verderbren Sirren und schweift wieder in das polemische Feld aus. Endlich meldet er, daß sie von der Kirche ausgcschloßen, und bitter, sie nicht aufzunehmen; sondern vielmehr nach dem Beispiel anderer Bischdffe ihren Beifall ihm, dem Alexander, schriftlich zu bezeugen und seinen Tomum zu unterschreiben. Es werde sein Sohn, Apion, ihnen die Briefe vorlegen, welche er von den Bischdffen aus Aegypten, Thebais, Libyen, Pentapoli, Syrien, Lycien, Pamphi- lien, Asien, Kappadozien und den angränzenden Provinziell erhalten, und lebe er der Hofnung, von ihnen ebenfals solche Briefe zu empfangen. Anm. i. Dieses Schreiben liefert Tbeodoretus Kiüor. ec- clet. I. 4. p. y - 2 l. und aus demselben die Con- ciliensamlcr und zwar Mansi tom. II. p. 641. Eine altere lateinische Uebersezung stehet ebenfals in der biüor. teipartita I. eax. 14. Anm 2. Es ist ein zweifacher Streit über die Person, an welche dieser Brief abgclaßen ist. Einmal hat Bars- murr snnsl. eoclet. a»». LLLXVIII. § 6y. gemeiner, die Auffchrift sey ganz falsch, theils weil der Brief ein Circiilarschreiben; theils weil ein Bischof zuConstanti- nopel zu einer Zeit genennet werde, da die Stadt diesen Ee z Nahmen 4Z 8 Geschichte der arianischen Rezcrei Nahmen noch nicht geführct. Der Kardinal hat in bey, den Stüken recht; allein sein Schluß ist falsch, wie Tillemont to,».VI. p.622 wol erinnert. Ein Circu- larschreibcn kan doch eine Aufschrift an eine einzelne Person haben. Daß aber diese acht sey, stehet man daher, weil TheoSorerus selbst in seiner eignen Erzehlung ca/,. z. p.7. zweimal versichert, daß er einen Brief liefere, welchen Alexander an einen Bischof abgelassen, der mit ihm gleichen Nahmen führe. Denn im griechischen stehet das Wort Trxox welches Duvalois Übel durch ^entijem iuum übersczet, wie Fabricius ö. 6r. vo/, VIII. p. Z4l. recht erinnert. -Hernacki istetnewich- ligere'Frage, wer dieser Alexander sey? DieAufschrift, daß dieses der Bischof zu Constantinopel sey, verlieret dadurch ibr Ansehen, daß die Meldung des Orts in drei alten Handschriften und der stephanischen Ausgabe des Theodoreti mangelt. Baluze not. in IVIarc. cono. sacerel. et imp. p. 481. hat dieses berichtet und zugleich gemuhtmaßct, daß hier der B. Alexander von Thessalo- nich gcmeinct sey. Es lasset sich auch aus der ttrsach nichts gewißcs sagen, weil die chronologische Frage, wenn Alexander zu Constantinopel Bischof worden, gro- sen Zweifeln unterworfen. S- noch Travasa x. 112. III. Es ist noch ein klein Stück übrig, welches einige vor einen Brief; andere bester vor eine Anrede an die gegenwärtige Geistlich? keir von Mxandrien und Mareotis halten. Es enthält unrein Verlangen, daß diese Geistlichen die an die Bischöffe an allen Orten eriaßene Schreiben unterzeichnen mdgten. 2 tnm. Nachdem Cotelicr not. aä csnon. sposs. 2Z. dieses Stüt zuerst bekannt gemacht, hat es Montfancon richtiger herausgegeben in Arhanasii Werken tom.I. jvart. II. p. zy6. und aus ihm Labrrcius U. 6r. ro/. VIII. x. 441. Mau braucht es nur zu lesen, um sich zu überzeugen, daß es kein Bries; sondern eine mündliche Anrede sey. §. XVIII. im römischen Reich. 449 H. XVIII. Zum zweiten können wir nun die über diese wichtige Briefe entstandne Fragen beurtheilen. I. Wie viele Briefe Alexander geschrieben. Epiphanius versichert, daß man zu seiner Zeit in einigen Samlungen siebenzig gczehlet, welches einigen aus zwei Ursachen unwahrscheinlich, weil theils nicht so viel heraus kommen, wenn man die genannten Personen zehle, an welche solche abgelaßen worden; theils, wenn man annehmen wolte, daß ein Brief an fo viele Bischöffe abschriftlich geschickt worden, nicht zu begreiffen, warum Leute nur so viel Abschriften eines und ebendeßelben Briefs gesamlet hatten. Allein wenn man die wiederholten Versicherungen, daß Alexander an die Bischöffe aller Orten geschrieben, und das gemeldete Verzeichnis der vielen Provinzien, von deren Bischöffe« er schon Antworten erhalten, dabei in Erwegung ziehet, so können wir auch die angegebene Zahl nicht vor eine Vergrößerung halten. Es ist auch kein Widerspruch, daß nach den Umständen die Briefe verändert worden. Anm. Tillemonr tom. VI. p. ?zz. glaubet, Epipdanius rede von ollen Briefen» die Alexander überhaupt in der arianischen Sache geschrieben. II. Es fraget sich von den beyden noch vorhandenen Briefen überhaupt, wenn sie geschrieben worden? bei welcher Frage voraus gesezet wird, daß es allemal nach der Verdammung des Arii auf der alexandrinischen Synode geschehen. iLe 4 Allein 44v Geschichte der arianischen Rezerei Allein einige verbinden sie mit dieser Synode zu gnau und halten sie wol vor zwey Synodal-- schreiben. Die gelieferten Zengniße der Geschichtschreiber und die bemerkten Theile des Inhalts beyder Briefe nöthigen uns, denen beizu- treten, welche sie etwas später hinaus sezen. Man mus wol annehmen, daß diese Briefe nicht eher geschrieben worden; als bis die Arianer wirklich eigne Versamlungen zu Alexandrien zu halten angefangen, da sie schon einen Briefwechsel mit andern Bischöffen unterhalten und von ihnen günstige Antworten empfange!,. Aber das Jahr zu bestimmen, ist ganz unmöglich; doch kan man wol nicht irren, wenn man sie zwischen der Synode und der Theilnehmung des Kaisers an diesen Handeln in die Mitte sezet. III. Damit verbinden wir gleich eine andere Frage, welcher von beyden Briefen zu erst geschrieben worden, da denn einige glauben, der an den Alexander sey der erste und der an die Bischöffe der leztere; andere aber mit mehrerer Wahrscheinlichkeit es umkehren. Anm. Von beyden Fragen, die niemals mit Gewisheit entschieden werden dürften, sind noch zu vergleichen Duvatois Anm. nrm Tkeod. p. 2O Pagi crit. in sn- ns>. Nsron. an». LLLXV- Z- 7. Tillemonk tom. VI. p. 226. tqq. ^am.Basnage snnsi. polit. ecciet. tonr. II. p. 676. Jac. Basnage lusioii-. cle l'exlile tom. I. p. 8l- Travasa p. uz. LarSner creäibillt^ ok tsie 6. H. xmt. II. ton». VII. p. 2Zy. lgc;. IV. Man siehet aus dem Brief an den Alexander, baß der alcxandünische Bischof einen schriftlichen Aufsaz wieder die Arianer, den er Tomum im römischen Reich. 44 l Tomum nennet, an die andere Bischöffe herum gefchlker und von ihnen die Unterschrift verenget. Was ist das vor ein Tomus ? Mf diese Frage ist die wahrscheinlichste Antwort, daß es d^r Brief an die Bischöffe gewesen, weil es wol kein Zweifel ist, daß dieser Brief auf des Bischofs Begehren von der alexandrinischen Geistlichkeit unterschrieben worden. Nur diejenigen müßen einen andern Aufsaz darunter verstehen, welche eben diesen Brief vor jünger halten, als den an den Alexander. Anm. Duvalois glaubet, daß der Brief an den Alexan- der selbst gemeiner sey, not. in l^keoci. p. 21. sosehr unwahrscheinlich ist. Baronin« snn. cLLXVUl. §. 67. Tillemonr p. 7zz. -Hermank vie äe 8. ^tkanas. tom.I. p. 77. Travasa p. riz. meine», es sey einebe» sondere Schrift gemeiner, welche theils ein Glaubens- dekantnis, theils eine Versicherung enthalten, mit den Arianern keine Gemeinschaft zu haben. Unsere Meinung hingegen gefallt dem Monlfaucon vit. ^tkanas. x. 6. beßer. V. Endlich gedenken wir noch der Muht- maßung eines neuern Gelehrten, daß Athana- slUs der wahre Verfaßer dieser Briefe gewesen; die aber keilten erweislichen historischen Grund hat. Anm. Dieses hat -Hermanr tom.I. p. Zi- behauptet, und Travasa gebilliget. Der Grund sol seyn, daß Soro- menus 17. versichert, Alhanasius sey Alexanders gewesen, welches allenfals von Ab- schreiberdicnstcn wahr seyn ka». §. XIX. Dieses sind die wenigen Nachrichten, die wir von den ersten Unternehmungen des B. Ale- Ee 5 xanders 442 Geschichte der arianischen' Rezerei xanders gegen die Arianer wißen. Wir sind nunmehro im Stand, auch das beizufügen, was von den arianischen Bewegungen uns gemeldet worden. I. Es ist gewis, daß Anus und seine Anhänger durch den alexandrinischen Schluß zu keiner Aenderung bewogen worden; sondern sich vielmehr ihr Anhang sehr vergrößert und das harte Verfahren gegen Arium ihm Mitleiden und Liebe verschaffet. Anm. Dieses meldet Soxymenus lnstor. ecclest /rör.I. caz,. i z. p. Z2. II. Anus selbst blieb nicht allein in der. Stadt; sondern es kam auch zu einer förmlichen Trennung, daß die Arianer besondere gottes- dienstliche Zusammenkünfte hielten. Ob sie sich einen eignen Bischof erwehlt, ist zweifelhaft. Anm. r. Das erste und zweite meldet Epiphanias koeres. L.XIX. §. das zweite bestätigen auch die oben gegebene Auszuge aus Alexanders Briefen. Anm. 2. Die Frage, ob die Arianer sich einen eignen Bischof so frühzeitig erweblet, beruhet auf dem Zeugnis des Epiphanii koeros. I>XIX. §. 8 - daßderpistus, der Arii Schreiben an den Alexander unterschrieben, Bischof gewesen, welches Pcrav bestreiket, Travasa aber x.l24. von einer spätern Erhebung verstehet. Es ist unwahrscheinlich, weil Alexander in seinen Briefen nichts davon gedenket. III. Dieses ist gewis, daß die Gemüther in Alexandrien und den benachbarten Städten erbittert gewesen. Alexander klaget, daß die Arianer gesuchet, ihren Gegnern von der heidnischen Obrig- 44 ) im römischen Reich. Obrigkeit eine Verfolgung über den Hals zu ziehen; die nähern Umstände aber werden'verschwiegen. Anm. in dem Brief an die Bischöffe. Die vom Pöbel unternommenen Unruhen zu Aiexandrien sezen wir billig ein wenig spater. tz. XX. So gros nun schon das Uebel der innerlichen Zerrüttungen der Christen in Aegypten, Libyen und diesen Gegenden war; so wurde es doch merklich vergrößert, da die morgenländischeu Gemeinen darein verwickelt worden, wohin den dieses gehöret: I. Artus und seine Anhänger schreiben an die auswärtigen Bischöffe und sänken auch Gesunden. Sie erhalten auch von einigen sehr günstige Antworten, welches ihre Parthei vermehret und stärket. Anm. Auch von diesen redet Alexander in seinem Brief an die Bischöffe. Es meldet es auch Theovoreens I. 4. p. 22. und Sozomenus kiffor. ecclef /rbr. I> ca/ 7 .15. P. Z2. II. Es ist sehr wahrscheinlich, daß durch diese Gesandschaften schon von den Arianern ein Glaubcnsbekanntnis überreichet worden, mit der Bitte an die fremden Bischöffe, wenn solches rechtgläubig erfunden würde, bei verändern vor sie eine Fürbitte einzulegen; wo nicht, sie selbst eines bessern zu belehren. Anm. Diesen Umstand berichtet Soxomenus am a. . 4. eine Stelle aus einem Brief des Eusebii von Nikomedien an Paullin anführe, die in diesem nicht siehe. VII. Man kan wol nicht irren, daß zwischen diesen Bemühungen des Eusebii Alexander wenigstens den oben beschriebenen Brief an die Bi- schdffe erlaßen. Hier haben wir nichts beiznse- zcn; als daß nach der altern unparthciischen Geschichtschreiber Anmerkung die Sache dadurch schlim- 449 im römischen Reich. schlimmer gemacht worden, welches wol am meisten durch den Uebereilungsfehler geschehen, daß er so frühzeitig Eusebium von Nikomedien nahmentlich angegriffen. Anm. Diese Anmerkung machen Sakrales und Gozome, nus am a.V. VlU. Durch diese Briefe scheinen die Briefwechsel und Bewegungen der Bischdffe recht entstanden zu seyn. Einige gaben dem 'Alexander Beifall und versicherten, entweder, daß sie nie mit dem Ario die Gemeinschaft unterhatten; oder, daß sie es aus Unwißenheir seiner Vergehen gethan. Anm. Dieses meldet Epiphanias liDrei'.I.XIX. §.4. und ist desto wahrscheinlicher, da, wie oben schon gemeldet worden, nach Sokcakis und So^omeni Bericht, Alexander eine ganze Samlung solcher, ihm vortheilhaften, Briese gemacht. IX. Andere hingegen erklärten sich schlechterdings vor den Arium und baten den Alexan« der, ihn wieder in die Kirchengemeinschaft aufzunehmen, und wechselten auch unter sich Briefe. Anm. Die hieher gehörigen Zeugniße haben wir kurz vorher Num.Vl. mitgetheilet, auch oben glejchfals Arii Samlung der seiner Sache günstigen Briefe gemeldet. Wir haben nur beizusezen, daß Arhanasius epilk. äe h?noä. §. 17. p. 7ZO. noch folgende besondere Nachrichten mittheilet: 1) Eusebius von Cafareen habe an ei, nen Bischof, Euphration, steh nicht gcscheuet zu schreiben, Christus sey nicht wahrer Gott: 2) Arhanasius von Nazarbe habe dem Alexander sein Verfahren gegen die Arianer mit einer sehr deutlichen Vertheidigung der Jrkümer des leztern hart verwiesen: z) ein damaliger, aber abgesrzter Presbyter zu Alexandrien, und nachher II Th-il. F f riger 4sc> Geschichte der arianischen Rezerei riger Bischof zu Laodicea, Georg habe sowol an Ale« xandern; als an die Arianer geschrieben, u»d durch eine verfängliche Erklärung der Redensart, Christus sey aus Gott, beyde zu vereinigen gesucht. X. Mitten unter diesen Bewegungen begab Artus sich selbst nach Nikomedien. Von seinem Aufenthalt wißen wir nichts; als daß er daselbst seine Thaliam geschrieben, von der schon oben geredet worden. Anm. Daß Arius nach Nikomedien gerciset, meldet Epiphanias kseres. §. 4. von der Thaita s. Abschn. I. § 8- XI. Man ist gemeiniglich der Meinung, daß Eusebius um diese Zeit eifrig sich bemühet, Ale- xandeni zu einer Versöhnung mit dem Arie» zu bewegen, und daß er unter andern Kunstgriffen auch dieses Mittel ergriffen, daß Anus an den Alexander den noch vorhandenen Brief schreiben muste. Ob der leztere hierauf geantwortet, ist noch zweifelhaft. Anm. 1. Daß Eusebius bei dem Alexander vor Arlum gebeten, scheinet aus den eben mitgetheilten Berichten klar zu seyn; ob er aber an ihn geschrieben, wird zwar von Tillemonr tom. VI. p.226. geleugnet, mit mehr Wahrscheinlichkeit aber von Montfaucon tom.I. co!- leäl. oou. p. 20. und Travasa p. 126. behauptet. Anm. 2. Don Arii Brief an den Alexander ist hier zudem, was oben Abscbn.I. §. 6. gesaget worden, noch beizu> fügen: r) daß nach Epiphanii Bericht er aus Nikome- dien abgelaßen: 2) daß er gleich in der Aufschrift die Anzeige habe, daß er im Nahmen der Aeltesten und Diakonen abgelaßen worden: z) daß er eigentlich nur eine deutliche Erklärung ihres kehrbegrifs von der Dreieinigkeit enthalte, nebst Verwerfung verschiedener eben- fals irrigen Lehrbegrtffe, ohne übrigens eine Bitte oder derglei- im römischen Reich. 4 si dergleichen beizufügen: 4) daß in der von Epiphanio mitgetheilten Abschrift sich folgende Nahmen miterzeich- nct finden: Anus, Echales, Achilleus, Karpo»as,Sar- matas, Artus, die Aelteste»; Diakons Euzoius, Lucius, Julius, Mcnas, Helladius, Cajus; Bischöffe, Secuu- dus von Pcntapoli; Tbeonas von Libyen, und Pistus, welchen die Arianer zu Alexaudrien cingcsezet: bei welchen Unterschriften es einmal nicht wahrscheinlich, daß alle diese Personen mit dem Ario zugleich zu Nikomcdicn anwesend g 'wesen; sondern vielmehr an verschiedenen Orten und vielleicht auch zu verschiedenen Zeiten dieses Glaubcnsbekantnis unterschrieben, wie Momfaucon vit. Atliarisl'. p.6. wol erinnert; hernach, daß die dem Nahmen pilrus beigefügte Worte, Epiphanii Zusaj sind, von dem oben schon geredet worden. Anm. z. Von Alexanders Antwort sind gar keine historische Nachrichten vorhanden. Es wird zwar in den eoneil. t?ic. II. eines Briefs des Bischofs an den Artum gedacht; allein erstlich nicht, als einer Antwort auf diesen Brief, hernach sind diese Quellen zu jung und zu verdächtig. S- Travasa x. 127. XU. Die dem Ario günstigen Bischöffe thaten hierauf einen neuen Schritt, indem sie in Bithynim, wahrscheinlich zu Nikomedien, ei-- ne Synode hielten, und von da aus an alle Bischöfe schrieben, daß sie dieKircheugemeinschaft mit den Arianern unterhalten, und ihre gute Dienste anwenden mdgten, den Alexander eben- fals dazu zu bewegen. Anm. Es meldet dieses allein Soromenus kl. L. ä'ör. I. ca/,. 15. p. zz. S. meine Histor. der Rirchenv.S. 142. XlH. Hierauf schikte Anus an die drei schon obengedachte Bischöffe in Palästina, Eu- sebium, Paullinum, und Patrophilum Abgetönete, mit dem Begehren, daß ihnen, alsAelte- Ff2 sten, 4s2 Geschichte der ariamschen Rezerei sten, verstattet würde, gottesdienstliche Zusammenkünfte zu halten, weil es ohnehin zu Alexan- drien die Gewohnheit war, daß unter der alge- meinen Aufsicht eines Bischofs die Aeltesten ihre eigne Versamlungen hatten. Sie beriefen daher die andern Bischdffe der Provinz zusammen, und machten den Schluß, daß dem Ario seine Bitte zu verwüligen, ermahneten sie aber, jederzeit den Gehorsam gegen den Alexander beizubehalten, und nichts zu unterlaßen, daß sie mit diesem in Friede und Vereinigung leben mdgten. Anm. I. Auch dieses erzehlet allein Soxomenrrs ebendas. Vergleiche Mansi coU. concil. tom. II. p. ZZ7. Anm. 2. Daß Arins vorhero Nikomedien verlaßcn, folget aus Soxomeni Bericht nicht, wie Travasa p. 141. behauptet. Anm. Z. So^omenus//ö»-.I.ca/,. r6. p. zz. gedenket, daß auch in Aegypten viele Synoden gehalten worden; nicht aber von welcher Parrhei; noch wie sie ausgefallen. XlV. Endlich sezet man noch in diese Periode die Nachricht, daß Arms den alten Lobgesang: Ehre sey dem Vater, und dem Sohn, und dem heiligen Geist, so verändert: Ehre sey dem Vater, durch den Sohn, indem heiligen Geist; es ist aber eine ungewiße Erzeh- lung, da diese leztere Formel auch bei orthodoxen Gemeinen gewöhnlich gewesen, und noch dazu die Zeit, wenn es geschehen seyn sol, nicht auszumachen. Anm. Die Nachricht giebt Theodoretus lloeretic. sabnlLr. /rö^. IV. ca^. l. Man lese Bingham on^m. eccleL r/o/. VI. x.29. sgq. Tillemonr to»r. VI. x. 26t. Travasa p. 14z. , im römischen Reich. 4. sz 14z. und die Schriftsteller von dieser kürzern Doxologie der alten Christen in Labricii biblioZr. p. 508- 5 ' 8 - §. XXI. Man kan aus diesen Erzehlungen schon den Schluß machen, nachdem einmal zwei Partheien entstanden, und so Viele vornehme und angesehene Bischöffe den Arium dfentlich in Schuz genommen : beyde Theile sich Wechselsweise wichtiger Ictümer beschuldiget und noch dazu durch den Widerspruch, oder auch Unterlaßung des verlangten Nachgebens schimpflich beleidiget gehalten, daß eine grose Erbitterung der Gemüther daher entstanden. Es ist das auch keine Muhtmaßung; sondern eine Sache, welche uns die Geschichtschreiber als eine gewiße Wahrheit berichten, und damit unerwartetschlimme Folgen verbinden. Wir glauben, daß dieser Umstand recht verdiene, von uns bemerket zu werden, da aus demselben am begreiflichsten wird, wie so wol die bürgerliche, nunmehro christliche Obrigkeit vor ndhtig finden können, ihr Allsehen zur Beilegung dieser Streitigkeiten anzuwenden; als auch warum sie bei diesem Fall so und nicht anders gehandelt habe. Einer der ältesten Schriftsteller drukt sich hierüber so aus: „durch „die aus Neid entstandene Zänkereien der Bi- „schdffe unter sich, ist, wie aus einem kleinen „Funken, ein gros Feuer entstanden. Dieses „ist zuerst zu Alexandrien ausgebrochen, und hat »nachher» durch ganz Aegypten, Libyen und die Ff z »Pro- 474 Geschichte der arianischen Rezerei „Provinz Thebais gewütet. Allein es verheerte „auch andere Länder und Provinziell. Man „sahe nicht allein die Bischöffe gegen einander „fechten; sondern auch den gemeinen Haufen „getheilet, da einige diese; andere jene Parchei „ergriffen. Man begieng dabei so viel Niederträchtigkeit, daß daher die Ungläubigen Gelegenheit nahmen, auf ihren öffentlichen Schau- „pläzen die ehrwürdigsten Theile der göttlichen „Lehre lächerlich zu machen.,, Der Verfaßer bemerket, daß die vorher» in Aegypten entstandene Streitigkeiten, wodurch er die meletiam- schen verstehet, viel dazu beigetragen; daß aber die Unruhen so sehr verbreitet, am meisten durch die Gesalldschaften, so man von Alexandrien aus abgeschikt, verursachet worden. Ein anderer Geschichtschreiber, der vielleicht weniger im Verdacht einer Abneigung gegen den B. Alexander ist, meldet ebenfals, daß durch die Briefwechsel alles in Unruhe und Bewegung gesezet worden. Nicht allein die Bischöffe hätten heftig mit einander gestritten; sondern auch das Volk habe sich in zwei Haufen getrennet, und die Sache sey bis zu dem Grad der Unanständigkeit getrieben worden, daß das Christenthum in öffentlichen Schaupläzen verlachet worden. Noch ein anderer redet also davon: „Da auf diese Art der „Saame der Gotteslästerung (das ist, der aria- „nischen Lehre) in den Kirchen voll Aegypten „und den Morgenländern ausgestreuet worden, „entstanden in jeglicher Stadt und Dorf Zank „und Streit über die göttliche Lehre. Das „übrige 455 im römischen Reich. „übrige Volk war so wol ein Zuschauer derDin- „ge, die vorgingen, als ein Richter deßen, was „gejaget wurde. Einige sielen diesem, andere „jenem Theil zu. Es war wahrhaftig ein Ge- „genstand eines Trauerspiels und beklagenswürdig, da nicht Freunde und Feinde: sondern „Bruder und Leute, die unter einem Dach wohn- „ten, und an einem Tisch aßen, gegen einander „wüteten.,, Anm. i. Die erste Stelle ist aus Eusebii vit. Oonllsnt. IN. . II. ca/,.61. p. 566. die zweite aus Sokrari» ll.L.ca^.7. p. 14. und die Vritte aus Theovo« reu H.L. /rö» . I. ra/>.6. p. 25. genommen. Anm. 2 Zur Erläuterung der durch zwei Zeugen bestätigten Nachricht, daß die arianischen Unruhen von den Heiden auf das Theater gebracht worden, macht Iorrin in den Anmerk. über sie Rircbenh. Tk III S 87- - eine gelehrte Ausschweifung, von der Neigung der Ale- xandrier zur Satyre. Man mus aber dabei nicht vergeben, daß keiner von den beiden Geschichtschreibern saget, dieses der christlichen Religion schimpfliche Betragen sey zu Alexandrien geschehen. §. XXII. In solchem Zustand war die arianische Sache, da der Kaiser Constantin der Grose au derselben einen grosen Antheil nahm. Um unsere Geschichte durch entbehrliche Ausschweifungen nicht zu unterbrechen, wollen wir von diesem Fürsten nur zwei Umstände bemerken, welche zu richtiger Einsicht in das folgende viel beitragen. Es war einmal ein Prinz, der es sich zur Pflicht machte, die Ruhe in der Kirche so gut, wie im Staat zu erhalten, und wo er glaubte, daß sie Ff4 gestd- 4s6 Geschichte der arianifthen Rezerei gestdret worden, wendete er allen Ernst an, die getrenneten Gemüther zu vereinigen. Ob er nicht zuweilen die Zänkereien unter den Lehrern der christlichen Kirche seinem Reich gefährlicher zu seyn gegiaubct,als sie wirklich gewesen: ob er allemal ein richtiges Urtheil gefallet, wer Recht oder Unrecht habe: ob die Streitigkeiten dadurch, daß der Kaiser (dem es freilich auch schwer fallen muste, ganz unparteiisch zu bleiben) daran Theil genommen, nicht vergrößert, verwirrter und mit politischen Absichten verknüpfet, mithin gefährlicher worden? dieses sind lauter Fragen, die wir hier ganz unbeantwortet laßen können, weil sie sich durch den Verfolg unserer Erzchlung selbst beantworten werden. So viel ist hier nur zu bemerken, daß sein Eifer, die donatistischen Unruhen in Afrika zu dämpfen, uns zum Beweis dienen kan, daß er eine herrschende Neigung gehabt, sich in kirchliche Händel zu mischen. Hernach müßen wir anzeigen, daß K. Constantin sich nicht eher mit den arianifthen Händeln beschäftiget; als bis er den grosen Sieg über den Licinium erfochten, und nach demselben, nach Nikomedien gekommen, wo damals der Wohnsiz der Kai- ser, welche die Morgenländer beherrschten, war, denn dadurch entdeken wir theils die Zeit, wenn Z2^ ungefehr die iezt zu erzehlenden Begebenheiten erfolget; theils läßet sich auch die Muhtmaßung der Neuern (denn die ältern Geschichtschreiber reden nichts davon) beurtheilen, daß der Kaiser seine Nachrichten von dem, den Arianern sehr gewogenen, B.Euftbio zu Nikomedien erhalten. Wir 457 im römischen Reich. Wir können nicht leugnen, daß sie sehr wahr» scheinlich sey; solche aber weder vor historische Wahrheit ausgeben; noch viel weniger alle verhaßten Folgen billigen, die daraus hergeleitet werden. Anm. I. Von der Schlacht und Sieg des K. Lonstantl'n» über Licinium und Einzug in Nikomedien s. algemeine Xvclchiftorie Th. XIV. p. 68- u. f. Tillemont in der dilloire lles emp. I V. P. 404. und memoir. pour lervir s I' Kitloire ecoles. tonr. VI. p 229. sezet beyde in das Ende des I. Z2Z. worinnen auch Perav, Pagi und LNontfaucon einig sind: mithin ist ein guter Grund vorhanden, zu glauben, daß das, was wir itzt erzehlen werden, in den Anfang des I.Z24.' falle, weil aus dem gleich zu beschreibenden Brief des Kaisers zuverläßig erhellet, daß er nach der gänzlichen Niederlage des Lici- nii und zwar zu Nikomedien geschrieben, und, wie oben schon gemeldet worden, die Geschichtschreiber eben diese Ordnung beobachtet. Anm. 2. Die Anwesenheit des Kaisers zu Nikomedien: seine Achtung gegen die christliche Bischvffe, und dievor- hergegangene Gnade der Prinzeßin Constantia gegen * Eusebinm von Nikomedien: dieses alles macht wahrscheinlich, daß der lcztere den Kaiser gesprochen, und ihm von den arianischen Unruhen Nachricht gegeben, welches die neuern, wie -Hermant, Tillemonr, Mont- faucon, Travasa, auch -Henscben in HK. 8 8. to^r. III. kodr. p. 6Z7. annehmen. Sie beschweren sich, daß er den Kaiser zu sehr vor Arium und wieder den Alexander eingenommen, und dieses ist es, was wir nicht vor erweislich halten. Vielmehr glauben wir, daß der Kaiser ganz anders verfahren haben würde, wenn wirklich EnsebLua ihm feindselige Gesinnungen gegen den Alexander beigebracht hätte. §. XXIll. K. Constantin that einen zweifachen Schritt, die durch die Streitigkeiten mit An» unccrbro- F f 5 chene 458 Geschichte der arianischen Rezerei ebene öfentliche Ruhe der Kirche wieder herzustellen. Erstlich schrieb er einen weilläuftigen Brief, an die beyden Häupter der uneinigen Partheien, den B. Alexander und Arium. In demselben behauptete er den Charakter eines Unparteiischen völlig. Er legte beyden zur Last, daß sie durch ihre gelehrte Streitigkeiten Verwirrungen und Unruhen angerichtet und ermahnete beyde, sich mit einander zu vertragen. Man ist in den neuern Zeiten sehr übel mit diesem Brief zu frieden gewesen. Einige Tadel sind unge- gründet. Andere haben einen mehreren Schein. Es ist gewis, daß der Kaiser gegen den Gegenstand der Streitfrage eine Gleichgültigkeit überal zu erkennen giebt, die uns, die wir davon völlig unterrichtet sind und daher auch deßen Gewicht beßer beurtheilen können, mit Recht befremdet. Allein ist es billig, vom K. Constantin damals eben eine solche Einsicht zu verlangen, wenn man bedenket, daß auf der einen Seite von einem noch nicht gerauften Prinzen wol noch keine ausgebreitete Känrnis der Religionslehren zu erwarten gewesen; auf der andern aber der Kaiser eben deswegen den HoslUM nach Alexandrien geschikt, um erst durch ihn einen unpartheiischen Bericht von der wahren Beschaffenheit des Streits zu erhalten? Wenn wir daher voraus- sezen, daß Constantin nicht als Theolog; sondern als Kaiser geschrieben; so müßen wir vielmehr ihn loben, daß er sich eines entscheidendes Urtheils der Streitfrage enthalten und bis dahin wirklich keinem Theil Recht gegeben. Aus eben 459 im römischen Reich. eben dieser Ursach sind wir auch nicht geneigt, anzunehmen, daß die arianische Parthei einen vorzüglichen Antheil an diesem Brief gehabt, weil wir vermuhten, daß er alsdenn vor Arium weit günstiger gelautet haben würde. Anm. l. Don dieser merkwürdigen Urkunde haben wie zweierlei Abschriften. Die erste, welche auch bei weitem die vollständigste ist, liefert Eusebius äe vitaLon- tt-mtini stör. II. caz>. 64-72. P-567-572. die zweite, mit einer ausdrüklichen Anzeige, daß er nur einen Theil des Briefs mittheile, und er iin Eusebio ganz zu finden, Sakrales killor. eccies. stöi.I. ca-». 7. p. 16. sqg. Mit dieser leztern stimmen diefenigen überein, die Gelastus stiüor. concil. dlicsenl stör. II. ra/,. 4. im zweiten Band der mansiscben Concilicnsamlung p. 80. uud Mkepho« rus Kiftor. ecclet. stör. VIII. rax>. iz. inglcichcn lateinisch der Verfaßer der dillor. trchartitse stör. I. ca/>. 20. mittheile». Anm. 2. Der vornehmste Inhalt dieses Briefs, wie er bet dem Eusebio gefunden wird, ist kurz dieser: nachdem der Kaiser seine Absicht erkläret, nach wiederhergestellter öffentlicher Ruhe des Staats, auch die Christe» unter sich zu vereinigen, und daher von den morgenlän- dischen Bischöffcn, zu denen er ein besonderes Vertrauen habe, einige nach Afrika zu schiken, um die donati- siischen Unruhen beizulegen, so meldet er, daß ihm die traurige Nachricht zu Obren gekommen, daß unter den morgenländischcn Bischöffen viel wichtigere Unruhen entstanden; als in Afrika. Da ihm nun vorgekommen, daß sie über eine sehr unerhebliche Streitfrage sich so heftig entzweiet, so habe er den'Schluß gefaßct, an sie beyde (den Alexander und Arium) zu schreiben, sie zur Vereinigung zu ermähnen, und sich zum Mittler dieses Friedensgeschäftes unter göttlichem Beistand anzubieten. Denn da er durch Gottes Hülfe v.icle wichtigere §wi- stigkcitcn gehoben, so sehe er nicht, warum er nicht ihre über eine Kleinigkeit entstandene Irrung, die der ganzen Kirche nachteilig seyn müste, auch heben könne. Er habe gehöret, daß Alexander durch das Auswerfen spi- zigcr q.6o Geschichte der arianischen Rezerei ziger Fragen über eine ganz unnüze Sache, und Anus durch eine Antwort, d«c er entweder aar nicht denken; oder mit Stillschweigen nnterdrüken sollen, dazu Gelegenheit gegeben. Beyde hätten Schuld an der Unruhe: der eine hätte nicht fragen, der andere nicht antworten sollen; noch solche unbegreifliche Lehren unter das gemeine Volk kommen lassen. Er glaube, daß sie beyde in den Hauptstüken der christlichen Religion übereinstiin, men, und es sey unbillig, daß sie über Worte und Redensarten mit einander streiten. Sie sollen an den Philosophen ein Beispiel der Einigkeit nehmen, und als Diener Gottes in Eintracht leben Er wünsche, unter Gottes Beistand den Frieden wieder herzustellen. Er wolle sie nicht zwingen, in allen unerheblichen Dingen einerlei Meinung zu hegen; aber ein solcher Wiedcrspruch dürfe die Gemeinschaft des Gottesdienstes nicht aufheben. Sie sollen ihm ruhige Tage und keine sorgenvolle Nachte machen, und sich daher vertragen, und seine Reise nach dem Orient, die dadurch unterbrochen worden, nicht länger aufhalten. Anm. z. Ueber diesen Brief sind sehr verschiedene Urtheile gefallet worden. Die alten beehren ihn mit vielen Lobsprüchen. Eusebius ebenvas. caz,. 6z. siehet ihn als ein vorzügliches Denkmal der Vorsorge des Kaisers vor dieKirche a», welches allemal gegründet ist, wennauch noch soviel darinnen unrichtig ausgedrukt ist. Sokra- tes ca^o. 8- u Gclasius ebendas. finden gar bewundernswürdige und höchstweise Sachen darinnen. In den neuern Zeiten ist man übel damit zufrieden. Man tadelt zweierlei. Einmal beklaget man fich, daß K. Constan- tin den Arium dem Alexander zu gleich geuiachct, und die Vorzüge, welche die bischöfliche Würde dem erstem vor dem leztcrn ertheilte, ganz aus den Augen gesezet. Dieser Tadel ist wol unerheblich. -Hernach beschweret man fich, daß er den Ariancrn zu günstig, welches denn der Grund ist, warum einige glauben, daß entweder selbst Arianer an dcßen Abfaßung Antheil genommen; oder vielleicht Eusebius von Cäsareen Zusäze gemacht, wie Baronius, Binius, Montfaucon, Tille- monr, Henschen meinen. S- Travasa p. 152. igg. und Leiller lnfioii-e des ^uteurs tam. IV. p.107. u. !Z7- auch llveismann, der doch sehr bescheiden urtheilet, memcr- rm römischen Reich. 461 memorsb. n. L. tom. I. p. Z78. Es kann nun nicht geleugnet werden, daß dieser Brief ganz anders gelautet haben würde, wenn ihn ein, auch unpartheiischer, Theolog würde entworfen haben. Und wenn man vorausse» zet, daß K. Constantin von der Streitfrage völlig unterrichtet gewesen, und sie auch richtig eingesehen, so ist er einer schädlichen Gleichgültigkeit in Religionssachen vollkommen verdächtig. Allein eben dieses, was vor- ausgesezet wird, kan nicht erwiesen werden, und daher sind wir geneigter, den Kaiser uns so vorzustellen, daß er nur von der Spaltung; nicht aber von der Beschaffenheit gehörig unterrichtet gewesen. Wir zweifeln nicht daran, daß Eusebins von Nikomcdien dem Kaiser wer. de die Sache vorgetragen haben; allein daran zweifeln wir, daß der Kaiser ihm allein Glauben beigcmeßen, und deswegen dem Ario geneigt gewesen. Denn diese Parrheilichkeit finden wir nicht, und wenn man bemer- ket, daß Eusebins schon vorhero dem arianischenLehr- begris eine vorzügliche Wichtigkeit beigeleget; so ist nicht zu glauben, daß er dem Kaiser einen Begrif beigebracht, der offenbar eine Geringschazung des Gegenstands der Streitfrage selbst vcrrädrct. Man vergleiche Jorrin Anmerk. zur Rircbenhist. Th. III. S-55. wo ein Ue- bersezungsfehler des Duvalois wol vcrbeßert wird. Anm. 4. photius biblisch. cois.2;6. p. 140. scheinet aus den Akren des Metcophanis zu berichten, daß Konstantin damals zwei verschiedene Briefe, einen an de» B. Alexander, und einen an Armin geschrieben, welche Nachricht durch das überwiegende Ansehen älterer Geschichtschreiber hinreichend wiederleget wird. Anm. 5. Labricius biblisch. 6r. uo/. VIII. P- Z42. em- pstehlet von diesem Brief eine eigne akademische Abhandlung, die Balch. Lebe! zu Strasb. i66z herausgegeben, und Dannhauers 8 a 1 ue Rekorm. p. 171. nachzulesen. §. XXIV. Zweitens schikte er einen eignen Abgesandten nach Alexandrien, der diesen Brief überbringen 462 Geschichte der arianischen Rezerei gen solle. Aus dieser Ursach wird billig gefchlo- ßen, daß sich Anus wieder zu Alexandrien befunden. Die Person, welcher der Kaiser dieses Geschäfte auftrug, war der bei ihm in Gnade und sonst in grosem Ansehen stehende Bischof zu Cordua, Hosiuö. Von seinen Ausrichtungen haben wir sehr wenig Nachrichten. Weil man aber gewls weis, daß um diese Zeit Hosius zu Alexandrien eine Kirchenversamlung gehalten; so giaubet man, daß auf selbiger von den ariani- schcn Handeln gehandelt worden, ob wir gleich davon keine; wol aber von andern vorgefallenen Marerien Nachricht haben; die aber hicher nicht C gehören. Das Jahr, in welchem dieses vorge- Z2^ fallen; laßt sich aus den obigen Gründen der Zeitrechnung leicht abnehmen. 2ym. 1. Von den Quellen, deren Erzehlungen von den neuern Gelehrten durch ihre Mubtinaßungcn bereichert werden, ist zu merken, 1) daß Lusebius nur meldet, der Kaiser habe einen Mann, den er nicht nennet; aber mit grosen Lobsprüchcn beleget, nach Alexandrien ge- schikr, daß er die Irrungen beilege, äevic. Lonü. II. razo. 6z. p. ; 65 . und daß dieser Mann des grosen Fleißes ungeachtet, nichts ausgerichtet, ca?-7Z. p-572. Dom Loncilio schweiget er ganz. 2) Sakrales tiör.I. cax.7. p. 15. nennet postum, als den Mann, durch welchen der Kaiser den Brief überschikc: ca^. 8- p-18- meldet er, daß weder das kaiserliche Schreiben; noch das Ansehe» des Mannes etwas gefruchtet; an einem andern Ort aber /rbr. III. ca/7. 7. p. 179. meldet er nur bey Gelegenheit, daß wie hosius nach Alexandrien geschickt worden, um die Unruhen zu stillen, er sich angelegen seyn laßen, Sabellii Irtum zu bestreiken, und zu erst die Frage vom Unterschied des Wesens und der Person aufgebracht. Allein auch hier saget er nichts von einer Kirchenversamlung. z) Sozomcnus /rö, . I. cax. 16. p. zz. erzehlrt, der Kaiser habe auf erhaltene Nachricht von im römischen Reich. 46z von den Unruhen zu Alexandrten die Schuld dem Alexander und Ario beigemeßen, und an sie einen Brief geschrieben, deßen Inhalt er kurz; aber sehr gnau anzeiget, ferner da noch der Zwist wegen des Osterfestes dazu gekommen, habe er Hostum als Commißarium hin- geschikt, um beyde Streitigkeiten beizulegen; der Erfolg aber sey der Erwartung nicht gemas gewesen. Auch hier ist nichts von einer Synode gemeldet. 4) Theodo- retus stür.l. ll.L. ^x.7. x.25. berichtet nur kurz, der Kaiser habe durch unen Brief und Abfendung eines berühmten Mannes die Streitigkeit beizulegen gesucht; es sey nichts ausgerichtet worden. Dieser nennet Hofiern, nicht, und schweiget auch von der Synode. 5) Athanastus spol. concrs -^risnos tom. I. oper. xart. I. x. ryl. gedenket ausdrüklich einer Synode zu Alcraru- drien, auf welcher Hosius gewesen, und wegen des Colluthi Verordnungen gemacht worden, und liefert zugleich 6) ein Schreiben der mareoriscben Geistlichen, in welchem p. 19z. eben diese Nachricht bekräftiget wird; allein in beyden Stellen stehet nichts von Arianecn. 7) Gelasius p. 8c2. redet nur von Hosii Gesandschaft. 8) die Nachricht des libelli s^nociloi to»n. ll. der man- fischen collett, concil. p. 562. von einer zweiten ale- xandrtnischen Synode gehöret hieher nicht: enthalt nichts von« Hosts, und ist noch dazu von einem zu neu, en Schriftsteller. Don allen diesen unterscheidet sich 9) philostorgius lj.L. /rör.I. §.7. P.478. merklich. Er saget, Alexander wäre nach Nikomedien gekommen, und habe daselbst mit Hosts und andern Bischöffen es dahin gebracht, daß durch einen Concilienschluß das bestätiget, und Arms in Bann gethan worden. Man siehet bald, daß Philostorgius nur etwas wahres genaust, und sich in vielem geirret. Anm. 2. Wir berühren hier nur kurz den wunderlichen Einfall des Baronii, den auch Henschen »A. 8sn6d. tom. III. /eür. p. 6.Z7. vertheidiget, daß Hosius nicht von, Kaiser; sondern vom Papst Silvester nach Alexan- drien geschikt worden. Tillemonr, pagi, NaralisAlexander, der mit Weitläufigkeit in distor. ecclss. /er. IV. p. 2Z9. davon handelt, haben billig ihn verworfen. Travasr p. 157. giebt sich eine vergebliche Mühe, die Berichte der alten Geschichtschreiber mit der ganzen Erdichtung 464 Geschichte der arianijchen Rezerei dichtüng zu vereinigen, indem es hier gar nicht auf Möglichkeiten; sondern auf historischen Beweis ankörnt. 2 lnnr. z. Man vergleiche hier Tillemont rom. VI. p. 2zo. fgg. Montfancon vit. Htk. p. 7. und unsere -Historie der Rirchenvers. S- >44- §. XXV. Nichts ist gewißer; als daß die Bemühungen des Kaisers, auf eine gütliche Art durch die Aussöhnung der beyden Hauptpersonen, die Unruhen zu unterdruken, ganz fruchtlos abgelaufen. Dieses bemerket» alle Geschichtschreiber; ertheile»' aber keine Nachricht von dem, was die Zu- rickkunft des Hosn an das kaiserliche Hoflager vor Folge»» gehabt. Allein das melden sie, daß zu Alez-andrien und in Aegypten die Unruhen großer worden; ja es am ersten Ort zu einem Aufstand des Pöbels gekommen, bei welchem sich dieser selbst an der Bildsäule des Kaisers vergriffen. Anm. Das erste melden Eusebius, Sokraees und Soxo, menns, und zwar so, daß sie sich über Aleranöeri, so gut als Arium beklagen. Von dem Tumult giebt der erste cie Vita donllsntini /st?»-. III. 4. p. 578 allein Nachricht. S- Monrfaucon vir. ^tk. p. 7. und Tille» monr tom.VI. 9.262. §. XXVI. Mit diesen Erzehlungen verbinden die alten Schriftsteller sogleich die Nachricht von der Veranstaltung der Kirchenversamlung zu Nicaa; ehe wir aber nach diesem Beispiel davon reden können, müßen wir vorhero einiges anmerken:' I. Daß im römischen Reich. 46 s I. Daß Alexander nach der Commißion sich an den K. Constantüi gewendet, und deswegen an ihn geschrieben, ist historisch nicht erweislich. Anm. Es ist wahr, daß Epiphanias von einem solchen Schreiben rede, Iisei-ei'. 1 .XIX. §. 9. allein er saget nichts von der Zeit, wenn es geschehen, und da er damit gleich andere Begebenheiten verknüpfet, welche insgesamt den andern Geschichtschreibern ganz unbekant sind, und zum Theil gewis falsch sind; so ist dieser ganze Theil derEr- zehlung des Epiphanii höchst verdächtig. Doch halten die neuern, wie Tillemonr, Travasa, u.a. das oben gemeldete vor wahrscheinlich. II. Noch viel weniger wahrscheinlich ist, daß Artus ein persönlich Gehör bei dem Kaiser zu Nikomedten gehabt. Anm. Dieses erzchlet auch Epiphanias ebendas. S. Til- lemonr tom. VI. p. 742. III. Eben so wenig glauben wir, daß K. Constantin vor derKirchenversamlung zu Nicäa einen algemeinen Befehl wieder die Arianer ergehen laßen. Anm. Wir haben hier von einem sehr dunklen Stük der arianischen Geschichte zu reden, und halten uns vor verpflichtet, erstlich die Quellen unsern Lesern vorzulegen. Es sind deren nur;wci. Einmal meldet Epiphanias ebenvas. §> der Kaiser wäre durch das mit Ario gehaltene Gespräch in grosen Eifer gerathen, und habe ein groses Circularschreiben im ganzen römischen Reich wieder den Arinni und seinen Lehrbegrif bckant machen laßen, und solches mit allerWcisheit und wahrhaftigen Worten angefüllet. Dieses Schreiben würde noch zu seiner Zeit von den Liebhabern solcher Urkunden aufbehalten, worauf er denn auch den Anfang deßclbcn und einige kurze Auszüge mittheilet. Es ist hiebci zu bemerken, daß er gleich damit die Nachricht von den II Theil. Gg aller- 466 Geschichte der arianischen Rezerei allerlezten Begebenheiten und Tod des Arii verbindet, und erst darnach von der Kirchenversamlung zu Nicaa redet. hernach ist ein solches Schreiben vorbanden, welches eben die meiste Schwierigkeit machet. Es liefert solches Gelasius von L)»;il:um kiüor. concil. Xic. /ihr. III. caz,. l. PY28- und aus einer Handschrift des Vaticans, Baronius annsl. ecclef. ««». LLLXIX. §. 6. sczg. jedoch der leztere nur lateinisch» als eine Ueber- sezung. Von deßen Beschaffenheit denn hier folgendes anzuzeigen: l) es hat zwar eine Aufschrift, die an Ari- um und an vie Arianer gerichtet ist; nach seiner innern Einrichtung aber scheinet es eher ein algemeiner Befehl; als ein besonderes Schreiben an den Stifter und Anhänger einer Parthci zu seyn : 2) es hat seine Richtigkeit, daß, was Epiphanias von dein kaiserlichen Schreiben meldet, hier anzutreffen, z) seinem Inhalt nach ist es eine heftige polemische Schrift, bei welcher auch elende Wortspiele und Schimpfwörter nicht ersparet worden. Die Stelle von der crythraischen Sibylle ist oben schon bemerket worden. 4) er meldet, daß Artus an ihn geschrieben, und sich über seinen Bann beklaget. z) es werden den Arianern Strafen aufgeleget und 6) am Ende stehet eine Einladung des Arii, zum Kaiser zu kommen, mit einer Drohung, ihn recht scharf zu befragen, wobei noch eine unerwartete Ungewisheit angezeiget wird, ob Anus Recht oder Unrecht habe. Am Ende stehet: dieses Schreiben wäre durch zwei Magi- strianos, Synkletium und Gaudeutium, zu der Aeit, da Patcrius Statthalter von Egvplen gewesen, »verbracht und im Pallast vorgeleget worden. Man sczet ihnen noch eine Stelle des Sokraris bei, welche hieher nicht gehöret; von uns aber bald sol genuzct werden. Zweitens wollen wir die Fragen, so dabei in Betrachtung kommen, zu erläutern suchen: t) ist dieser Brief acht? Auf diese Frage antworten die meisten ja, und belegen den Brief mit grosen Lobfprüchen, weil daraus der grose Eifer des Kaisers wieder den Kezer so herrlich hervorleuchte. Unlerdeßen hat doch Lasaubonus in dalsubon. p. 14z. ihn vor falsch erkläret, und es fehlet fast nicht an Versuchungen, ihm beizmrelen. Wir glauben aber, daß hier der Legrif, ob er acht sey? etwas zweideutig und auf die Bestimmung und Beantwortung im römischen Reich. 467 tung der folgende» Frage» ankomme: 2) wenn hat K. Constantin dieses Schreiben erlaßen? Baronius, Til- lemonr to/». VI. p. 742. u. Travasa p. 16;. tizg. nehmen an; daß dieses vor der Kirchenversamlung zu Ni, caa geschehen , und ihr Beweis lieget theils in der von Epiphanio beobachteten Ordnung, welche wegen derbe, gangenen Fehler nichts beweiset; theils in einer Stelle des Briefes selbst, da die Sache scheinet noch dem Gut- befinden des Bischofs von Alexandrien übcrlaßen zu werden, welches nach der Verurcheilnng eines algemei- nen Concilti nicht statt gefunden hatte. Nach diesem Grundsaz erzehle» denn diese Schriftsteller folgende Begebenheiten : Arius schreibet zu erst an den Kaiser, und beschweret sich über das Verfahren der unter dem -Hosts zu Alexandrien gehaltenen Kirchenversamlung: der Kaiser ist von Hosts bcßcr unterrichtet, und erläßet dieses Schreiben »ach Alexandrien: weil der Kaiser dem Ario die Erlaubnis gegeben, sich persönlich zu stellen, so kommt Arius nach Nikomedien, und der Kaiser ent- dekt in ihm die Bosheit seines Herzens völlig. Allein dagegen läßet steh billig einwenden, daß theils dadurch die Ordnung des Lpiphanii verändert wird, welche entweder ganz beibehalten werden mns; oder gar nichts beweiset; theils in dem Brief von Hofio und der Synode zu Alexandrien gar kein Wort stehet. Andere wie Duvalois not. in 8ocrst. p. Z7. Bull llelens. Nie. p. Z82. und Leiller hilloiro lles sutecws tom. IV. p. 160. behaupten, daß dieser Brief nach der Kirchenversamlung zu Nicaa geschrieben. Und wir sind auch der Meinung, daß entweder dc-Brief falsch; odererstnach dem Concilio geschrieben. Die Gründe sind einmal die Stelle desSokcatis /rör.I. killor. eccies ca/7.9. p. Z7. Nachdem derselbe mehrere Briefe des Kaisers, die alle »ach demselben erlaßcn worden, mitgetheilet, so sezet erbet: „er schrieb auch andere Briefe wieder Arium „und seine Anhänger, die sehr rednerisch auslohen, und „sehr beißende Spöttereien und Scherzrcdcn wieder den „Kezer enthielten, und befahl, fie in allen Städten öf, „fentlich bekannt zu machen:,, hieran! füget er gleich hinzu, der Kaiser habe auch nach Nikomedien wieder den B. Eusebium geschrieben, und eine Bischofswahl befolen, (welches doch gcwis erst nach der nicanischen Gg 2 Zusam- 468 Geschichte der arianischen Rezerei Zusammenkunft geschehen, und schließet er mit der Anzeige, daß er diese Briefe wegen ihrer Weitlauftigkeit nicdt einrüken könne. Man bemerket hier leicht, daß kein Ey dem andern so ähnlich seyn könne; als der Brief der Beschreibung des Sokratis, mithin es höchstwahrscheinlich, daß dieser davon rede, und uns die wahre Zeit dcßelben bekannt mache. Hernach redet der ganze Brief von einem sehr groscn Eifer des Kaisers wieder Arinm; es ist aber nicht allein, wenn man von diesen Brief abgehet, gar er.,.-Leweis da, daß Lonftanrin dem Ario vor der nicanischen Kirchenversamlung sv schlechterdings Unrecht, und dcßen Gegnern Recht ge. geben; sondern vielmehr aus seinem ganzen Betragen bis zur erfolgten Derurtheilung des Arii zu Nicaa klar, daß er eine Art von unpartheiischer Neutralität in Ansehung der Hauptstreitsrage behaupten wollen. Endlich wird aus dem Verfolg erhellen, daß Acius sich allerdings nach der nicanischen Kirchenversamlung anbei» Kaiser schriftlich gewendet, und dahero die Aufforderung des Kaisers, zu ihm zu kommen, nicht unbegreiflich. z) wer dieses Schreiben gemacht? da denn die meisten, welche daßelbe als eine unmittelbare Wirkung der Reise des -Hosn nach Alexandrien ansehen, diese,» vor den vornehmsten Derfaßer halten, welches dem» wegfallet, so bald man es etwas spater ansczet. Und überhaupt ist dieses Schreiben von keiner solchen Beschaffenheit, daß man eben einem Bischof dadurch Ehre machen würde. III. Geschichte der Arianer von der Kirchen» versamlung zu Nicaa bis auf Arii Tod. §. XXVII. Unter diesen Umstanden, da die Gemühter auf das heftigste gegen einander erbittert waren, glaubte man, daß das kräftigste Mittel, die Un- .ruhen im römischen Reich. 469 ruhen zu dämpfen, eine algemeine Kirchenver- samlung seyn würde. Und diese wurde auch zu I. C. Nicaa gehalten. Es ist unleugbar, daß diese 325. Zusammenkunft ilt der (manischen Historie den wichtigsten Plaz verdiene. Es ist aber auch ebensals bekant, daß diese Versamlung sich nicht mit den Arianern allein, sondern auch mit an» dernKirchenangelegenheiten beschäftiget: mithin die Geschichte des nicänischen Concilii von einem grdsern Umfang sey; als daß sie in der Historie der (manischen Kezerei vollständig erzehlet werden könte. Es kommet bei uns der Umstand dazu, daß wir schon Gelegenheit gehabt, von dieser Versamlung eine zusammenhängende Erzehlung zu liefern mrd die mancherlei Nebenfragen zu untersuchen, welche über einzelne Umstände aufgeworfen werden. Dieses alles berechtiget uns, uns blos auf die Begebenheiten und Schiksaale des Arii, seines Lehrbegrifs und seiner Freunde einzuschränken, welche auf dieser Kirchenver- samlung vorgefallen. Anm. Wir ersuchen unsere Leser, Hiebei unsere -Historie ver Rirchenvers S- 144 - r;8 zu vergleichen. §. XXVIII. Zur Erreichung unserer Absichten bemerken wir erstlich einige vorläufige Umstände, und zwar I. Die Frage, wer dem Kaiser Constantin wol die erste Veranlaßung gegeben, diese Streitigkeiten durch Liesen, in der That gefährlichen Gg z Weg 470 Geschichte der arianischen Rezerei Weg beizulegen. Es würde keine unwahrscheinliche Antwort seyn, wenn wir es vor einen eignen Einfall des Prinzens ansehen wollen, da nicht allein die alteren Geschichtschreiber die Sache selbst so vorstellen; sondern wir auch an dem Verfahren deßelben in der donatistischen Angelegenheit eine Erfahrung haben, daß er an solchen Zusammenkünften einen Gefallen gehabt, ohne ihm deswegen eine Kantnis der durch die neuern kanonistische Grundsäze eingeführten, ganz unerweislichen Vorstellungen von göttlichen Rechten und Ansehen solcher Versamlungen beilegen zu dürfen. Wir müßen aber nickt vergessen, daß eilt alter Schriftsteller ausdrüklich den B. Alexander; ein anderer aber den B. Hosium vor die Person ausgeben, welche dem Kaiser diesen Rath ertheilet. Anm. Eusebnis, Soi'rates, Goxomenus, selbst Arha- nasius, der so oft von dieser Kirchenversamlung redet, wißcn hier von keinem fremden Urheber dieser Entschließung. Vom Alexander berichtet das angezeigte Epiphanius k^ros I.XVIII, §.4. allein, und wir halten es nicht vor walnscheinlich. Vom -Hosts redet Sulpicius Severus instse. //kr. II. zz. und dieses scheinet uns eher einen Grund zu haben. II. Unter den bei dieser Versamlung anwesenden Lehrern verdienen voll uns die Hauptpersonen dieser Streitigkeit vorzüglich bemerket zu werden. Daß Anus selbst gegenwärtig gewesen, ist durch die Berichte von seinen persönlichen Handlungen so ausgemacht, daß dadurch die Unwahrheit der Nachrichten, daß AriuA schon verstorben gewesen, sattsam erwiesen ist. Ob 471 im römischen Reich. Ob er aber auf einem erhangenen kaiserliche.» Befehl; oder aus eignem Trieb sich zu Nicäa eingefunden, ist ohne Urfach noch zweifelhaft. Anm. I. Epiphanii zweimal vorgetragener Irtum, l>L- res. I.XVIII. §. 4 und liXres. I.XIX. §. y. daß der Aelteste Artus schon tod gewesen und die darauf gebaue« te unrichtige Muhtmaßung der neuern Gelehrten, wird unten bei den» Tod des Arii beßer untersuchet werden können. Anm. 2. Don der Anwesenheit des Arii zu tticäa zeugen alle Schriftsteller, denen wir Nachrichten von diesem Concilio zu danken haben. Daß ihm der Kaiser es be- folen, meldet zwar Ruffinu» liitior. ec-eles. I. r allein; es ist aber schon an sich wahrscheinlich S- Tillemont to«. VI. p. 648. und Travasa p. 187. III. Daß außer Ari», auch diejenigen mor- genlandischen Bifchdffe, die ihm vorher» Beifall gegeben, der Zusammenkunft beigewohnet, ist auch richtig; die Zahl aber nicht gewis. Anm. Unter den Geschichtschreibern bemerken nur einige besonders diesen Umstand. Gokrares tiö»-. I. cax. 8 nennet drei, Eusebium von Nikomedien, Maris von Chalcedon und Theognis von Nicaa. Tbeodorerus lilkor. ecdes. /iö»'. I. ca/). 7. p. 26. saget, es wären wenig gewesen und nennet p. 27. die Bischöffe, Menophan- tum von Epheso, Patrophilum von Sk»)thopoli, Theognis von Nicaa, Narcißum von Neronia, Thronas von Marmarika, Secundum von Ptolomais, und da er saget, außer denen, welche er vorbero angezeiget; so ist wahrscheinlich, daß er darunter die Stelle ca/,. 5. p. 2Z. verstehe, wo noch Eusebius von Cäsareen, Theodo- tus von Laodicaa, Paullin von Tyro, Akbanasius von Anazarbe, Gregorius von Beryto und Aecius von L>)d- da genennet werden. Von Philostocgio bat Nikcra» in tkes. ortdoö. 6ä. /ibr. V. cax. 7. eine Stelle erhalten, in welcher zwei und zwanzig Bischcffe, als Ariancr erzehlet werden. Unter diesen sind außer den genann- Gg 4 ten, 472 Geschichte der ariamschen Rezer ei ten, Sentianus, Dachius, Secundus zu Thcuchlre, Zo- pyrus, Mclctius, Amphion. Tarcodlnatus, Lrontius, Longianus, Eulalius, Kasilius, Mklctius von Scbasto» pvli, Mari.-» von Lhalcevon, Eusebius von Nikome- dien. Gclasius von Cyzikuin kilkor. concil. teicscn. M»-. II. ca/,.7. p. 817 scheinet nur siebenzchn anzunehmen, von denen er nur ncune neimct. Darunter ist Theodoretus von Herakles allein den beyden andern unbekannt. Man vergleiche Tillemonc tom. II. p, 6/,6. I V. Eben so gewis ist es, daß der B. Ale- xander nicht allein gegenwärtig ; sondern auch in grosen Anseheir auf der Kirchenversamlung gewesen. Die Geschichtschreiber vergeßen nicht zu bemerken, daß er seinen Diakonnm, Alha- nasium, mitgebracht, diesen berühmten Mann, der nunmehro in unserer Historie eine so wichtige Person vorzustellen, angefangen. 2 lnm. Don Alexanders Gegenwart ist sonderlich das Zeugnis der Bischöffe bei dem TheoSorcto 14 . L. //öv. I. ra^.9. p. z i. zu merken. Don Athanasii Anwesenheit zeuget er selbst spoloA. contra ^rianos 6. tom. I. xart. I. p. 128- womit zu verbinden Theodoremv I. ca/,. 25. x. 59. und Sokratcs /r'b»-. I. cazr. 8- k- 19- §. XXIX. Um ferner die eigentlichen Unterhandlungen mit den Arianern nicht zu unterbrechen , fügen wir noch zweiNcbenumstande hier bei. Erstlich ist es sehr bekannt, daß sich auf dieser Versam- lung mehrere heidnische Philosophen eingefunden und gelehrte Angriffe gegen die christliche Religion gewaget. Eilt älterer Schriftsteller meldet ausdrüklich, daß Arius sie dahin kommen laßen, welches iedoch «licht allein den andern Geschichtschreibern im römischen Reich. 47 z schreiben! ganz unbekannt; sondern auch an sich unwahrscheinlich ist, da nicht zu begreifen, was Artus, der allemal ein Bekenner und Vertheidiger der christlichen Religion gewesen, vor Vortheile sich daher versprechen können. Hernach ist cbenfals bekannt gnug, daß K. Constantin von den Bischdffen mit gegenseitigen Klagschrei- ben überhäufet worden, solche aber verbrannt habe.. Die Geschichtschreiber bestimmen nicht, wer diese zanksüchtige Bifchöffe gewesen. Hingegen äußern die neuern den unbilligen Verdacht, daß solches allein von Anhängern der arianifchen; oder eusebianischen Parrhei geschehen. Dergleichen Muhtmaßungen verdienen verworfen zu werden, da sie keinen historischen Grund haben und durch nichts; als durch die noch weniger zu entschuldigende Partheilichkeit sich entschuldigen laßen. Anm. 1. Der alte Schriftsteller ist Gelasius killor. con- cil. Xic. /rö^. II. ca/i. 12, p. 825, Anm. 2. Den bemerkten Verdacht äußern Baronius sn- nal. eccles. an». LLLXXV. §. 42. Tillemonr tom. VI. p. 649. 681- und Travasa p. 190. und begleiten ihn mit ganz unerwiesenen Gründen. z. XXX. Es wäre zu wünschen, daß wir das, was mit den Arianern vorgefallen, in einer zusammenhangenden Ordnung erzehlen könnten; da aber dieses nicht mit erweislichen Gründen geschehen kan; so müßen wir uns begnügen, nur die Begebenheiten selbst zu bemerken. Dahin denn folgendes gehöret: Gg 5 I. es 474 Geschichte der arianischen Rezerei I. es ist ganz gewis, daß die Arianer hinreichend gehöret und zu ihrer Vertheidigung ge- laßen worden. Alle alten Geschichtschreiber reden von den häufigen Unterredungen, die beyde Theile mit einander gehabt. II. Diese Unterredungen scheinen von zweifacher Gattung gewesen zu seyn. Einige sind vor dem Tag, an welchen K. Constancm durch seine feierliche Ankunft dieVersamlung erdfnete, vorgefallen, die man wol nur vor Privatconfe- renzen zu halten. Anm. Diesen Umstand meldet nur Sozomenus billor. ecclef. //b»-. I. ca/,. 17. p. zz. und zy. Die andern scheinen dieses zu übergehen. III. Andere aber geschahen nach der Erdf- nung des Concil«, und zwar in Gegenwart des Kaisers. Anm. Von diesen sind wol die Versicherungen des Kaisers Konstantins von der sorgfältigsten Untersuchung, in verschiedenen Briefen bei dem Sokrate liisioi- ecclef. ttö»-. I. cax. 9. p. zo. u. Z2 zu versieben. Von des Kaisers Gegenwart und angewendeten Fleiß, die uneinigen Gemähter zu vereinigen, zeuget Sozomenus ebenvas. p- Z 7 - IV. Itt Wie weit K. Constantin hierinucn gegangen und ob er die Concilienfreiheit beschnitten, ist eine Nebenfrage. Anm. Eusebius vi'ts Honstsritmi lU./rö»-. III. caz». t Z. macht nach einiger Meinung den Kaiser zu geschäftig, die Einigkeit der Cbristen zu befördern. Sie sezen ihm Ambrosii und Arhanasii Acugnißc von der, den Bi- schöffen gelaßcnen, völligen Freiheit entgegen. S Til« lcmonr im römischen Reich. 47 s lemont tom. VI. p. 65z. Allein es kan beydes beisam, uicn stehen. V- Arms hat seine Lehre bei diesen Unterredungen klar und deutlich vorgetragen, daß er nicht glaube, der Sohn sey aus dem Wesen des Vaters gezeuget, mit ihm gleiches Wesen, und gleich ewig. Anm. S- Athanasli Spill. sä epilcopos er l.ib. §. l Z. tom. I. yn, t. I. p. 28z. VI. Ihm haben Eusebitts und seine Anhänger beigestnnden, und ebenfals klar ihren Ir- tum vorgetragen, ob sie gleich schon damals nicht einig gewesen. Anm. S- ebendeßetben Buch äe äecret. 8 ^noäi Xlc. §. z. ebenvas. p. 210. VII. Unter denen, welche die Arianer und die Eusebianer am kräftigsten wiederleget, geben die alten Schriftsteller dem Diakons Äthanaft» den ersten Plaz. Nach ihm wird der damalige Bischof von Ankyra Marcellus am meisten gelobet. Anm. 1. Dom Athanasio s. Sokrarem kiüor. eccles. /rö»'. I. cax.Z. p. ly. Sozomenum I. ca/i. 77. p. zz. Ruffinum bitkon. ecdes. Lö»-. I. ca/i. 14. Theo- dorerum b'tlor. eccles. Irb»-.I. ca/7. 26. p. zy. Gre< goriumvonNa;ian;usc>i-sr XXI. tom. I. oper. p. z8l- DergleicheMonkfaucon viä.^tksnss. p. y. VomMar- cello s. Arhanasu ope,-. tom« I. I. p. 161. Anm. 2. Es ist unter den Werken des Arbanasii eine ibm beigelegte Schrift unter dem Titel: Oilputstio in Xi- csenio conciüo cum^riv vorbanden und in deßen Werken tom. II. p. 2OZ. abgedrnkr. Sie ist aber gcwis falsch. S. Monrfaucon in der derselben vorgesehen Vor. rede: 476 Gefthichre der arianisichen Rezerei rede: gluSrn comm. cie lcriptor. eccles. tom I. 9>. Z27. und Tcavasa p. 207. Anm. z. Die Frage», wie Arbanasius, als Diakonus, dieses ihm so rühmliche Geschäfte übernehmen, »ndAri- us alsKezcr zur Vertheidigung gclaßen werdm können? sind nur aus dem Jrtum entstanden, daß schon in» vierten Jahrhundert das nachher» eingeführte Caremo- „iel und harte Verfahren gegen die Kezer statt gehabt. Man sehe Travasa 9,204. sgg. VIU. Diese Unterredungen hatten nun wol den Nuzen, daß der grdste Theil der anwesenden Bischöffe sich wieder die arianische Parthei er- klärete und man voraus sehen koure, wie der Schluß ausfallen würde. Dieses scheinet den B. Eusebium von Nikomedien in Bewegung gebracht zu haben. Er suchte durch heimliche Unterhandlungen den Kaiser zu gewinnen und wenigstens von ihni darinnen einen Beistand zu erhalten, daß er nicht abgesezet würde. Anm. Diesen Umstand wißen wir aus Lonstanrins Schreiben an die Nikomedier bet dem Tbeodorero kistor. ec- cles. caz,. Iy. p. Zl. Der Kaiser sezet hinzu, daß der Bischof ihn betrogen, und seine Absicht erreichet. IX. Eusebius und seilte Freunde suchten auch das Concilium durch allerlei verstellte Erklärung zu hintergehen; allein sie konnten ihre Absicht nicht erreichen. Anm. Dieses ist wieder ein dunkler Umstand. Die Quelle der Schwierigkeiten lieget in der Verbindung verschiedener Nachrichten. Tbeodorecug erzehlcl, /ibr. I. ca^.7. p. 27. die Arianer hatten ein Glaubcnsbekantnis übergeben, welches, so bald es verlesen werden, zerrt- ßen worden. Eusrarhiu.-, von Antiochien in einer Stelle, die Theovorelus cbendas. ca/>.8. x>-28- liefert, saget, 477 im römischen Reich. get, da man die Streitigkeit zu untersuchen angefangen, sey eine Schrift des Euftbii übergeben worden, die gar deutlich seine Lästerung enthalten, und daher mit alge- meinen Misfallen zerrißen worden. Eusebius von Ca- sareen erzehlet in seinem Brief, den sowol Sokcares /»ö»'. I. ca/i.Z als Theodorerus cax. 12. p. Z7. ic^. auch Athanaftus tom. I. I. p. 2z8 liefern. Er habe ein Glaubensbekäntnis entworfen, welches er denn mittheilet und beifüget, es habe allen, auch dem Kaiser, wol gefalle», nur sey verlanget worden, das Wort «'^«0!«- «-«ar beizufügen. Endlich redet Ambroftus von einem Schreiben derArianer, in welchemstedas e'usrrs-/°ewie- derleget, //-»-. III. äe ftcle ca/,. 7. Ueber diese Nachrichten entstehet folgende Frage: wie viel Schreiben sind übergeben worden? da denn zwei Meinungen sind. Duvalois not. in l'lieocl. p. 27. u. ^8- und Montfau- con vit. ^tkanaf. p. 9. meinen, daß eben das von Eu, sebio von Casareen entworfene Glaubensbekäntnis die Schrift sey, welche nach Theodoren und Euftarhii Bericht zerrißen worden; der leztcre aber unterscheidet davon den Brief, deßen Ambroftus gedenket. Andere hingegen, wie Tillemonr tom. VI. p. 654. von dem Tra- vasa wenig unterschieden ist, glauben billiger, daßThe- odoretus, Euftarhius und Ambroftus von einerlei Schrift rede, welche Eusebius von Nikomedien gemacht, und darunter Eusebii von Cäsarecn Glaubcnsbckäut- nis nicht zu verstehen. Und in der That müste man sich sehr verwundern, wenn zu Nicäa eine Schrift verworfen, die, wen» man das Wort ausnimmt, welches nur ausgclaßen, nicht verworfen worden, vollkommen rechtgläubig lautet. §. XXXI. Wir kommen zum Schluß der Kirchenver- famlung. Dieser, in so fern er hieher gehöret, betraf theils die Verdammung der arianischen Parchei; theils die Abfaßung und Berichtigung der Glaubensformel. Von dieser teztern sind einige blos historische Fragen vor uns in dieser Ge- 478 Geschichte der arianischen Rezerei Geschichte unerheblich. Was vor uns wichtig ist, betrift dieses, daß die vcrsamieten Vater nicht allein den Lchrbegrif des Arii mit den ihm gewöhnlichen Formeln anzeigten und verdammten; sondern sich auch viele Mühe gaben zu ihrem Bekäntnis solche Ausdrüke zu finden, welche den ächten Lehrbegris von den Irtümern des Arii klar und deutlich unterscheideten. Es kamen verschiedene in Vorschlag und man unterhielte sich mit den Althangern des Eusebii, welche sie zu billigen sich erklareten; zu gleicher Zeit aber auch gegen sich einen Verdacht erwekten, daß sie es nicht redlich meinten. Endlich wurde das Wort in Vorschlag gebracht. Dieses Wort wurde von allen Bischdffen gebilliget und erhielte in dem Symbolo einen Plaz. Ueber diesen Ausdruk entstanden noch wahrender Ver- samlung grose Bewegung. Siebenzehen Bi- schösfe weigerten sich, das Glaubensbekäntnis zu unterschreiben. Es ist nicht gewis, daß es auf der Kirchenversamlung zu einer Spaltung gekommen ; vielmehr ist gewis, daß die Drohung des Kaisers, alle, die nicht unterschreiben würden, mit der Landesverweisung zu belegen; oder, wie ein anderer Schriftsteller bemerket, das Zureden der Prinzeßin Constantia, funfzehen von den Eusebiancrn, und selbst den B. EuseblMN von Nikomedicn wankend machte. Sie unterschrieben alle das Symbolum, bis auf Arium, den B. Theonas und den B. Sekundum. Einige unterschrieben nur das Symbolum, nicht aber das Anathema. So wurde das Wort im römischen Reich. 479 ö^o«--.ot ein Unterscheidungskennzeichen zwischen den Arianern und den Rechtgläubigen. Anm. i. Die vornehmsten historischen Quellen von dem, was wegen der Abfaßung und Unterschrift des Symbo- !i zu Nrcäa vorgefallen, sind i) Athanasius, sonderlich in seinem Buchlle äecretis f^noäi I4ic20llss und der ep^- üol. 2 ) Eusebius von Läsareen in dem vor- hergemcldeke» Brief au seine Gemeinde, z) Sakrales ftilior. ecclef /r-r.I. ca/s. 8- >4- Sozomenus Ziü»'. I. ccy,. 22 . Ruffinus diftor. eccles /iö». I. cax. z.s^. The- odoretus /r-r. I. H. L. 8- Anm. 2 Wir behalten uns vor, von dem Inhalt des Symbols sowoi nach seinem dogmatLstScn als polemi- schen Theil unten mchrcres zu reden, und fügen nur bei, daß der Umstand von den Bemühungen der Pnnze- ßin Constankia von Philoftorgio y. gemeldet worden. Man kan sonst hier noch die Geschichtschreiber des nicanischen Giaubensbekantnißes vergleichen, besonders meines Vaters introlludi. in libros l^mdol. p. I 2 l.fg. und Tillemonttovr. Vt. p. 6z?. Anm. z. Don der berühmten Urkunde, durch welche Eusebius von Nikomedien und Theognis von Nicaa dem nicanischen Glaubensbekantnis beigclreten, wollen wir unten reden. §. xxxn. Der Abtritt so vieler ansehnlichen Bischöffe von der arianischen Parthei und ihre dem nicani- schen Symbols geschenkte Unterschriften verdienen allerdings unsere Aufmerksamkeit. Daß wenigstens mcht alle hierunter ehrlich verfahren und nur aus Furcht vor die angedrohete Verweisung sich verstellet, ist aus dem folgenden klar zu ersehen. Wenn wir einigen neuern Schriftstellern folgen wollen, so müßten wir selbst dem Ario hier einen Plaz geben. Es hat die Erzeh- lung, 480 Geschichte der arianischen Rezerei lung, daß Arms wiederrufen, den Ausdruk gleiches Wesens genehm gehalten: zur Gemeinschaft der Kirche gelaßen und ihm nur, nach Alexandrien zurük zu kehren verboten worden, zwar einen ältern Zeltgen vor sich; hingegen nicht alleilt das gemeinschaftliche Stillschweigen aller hier vorzüglich geltender Schriftsteller wieder sich; sondern auch so wenig Zusammenhang mit den übrigen Begebenheiten, daß malt sie nach allen Regeln der Kritik verwerfen mus. Anm. Der alte Schriftsteller ist Hicronfmu» «lialoA. con- tr» I>ucis. cax. 7. Ihm feigen Baronin», /r.upus, Maimburg; hingegen erklären es billig Duvaloi», Naralis AleranSer, Pagi, Sam. Basnage, Monr- faucon, Tillemontund Travasa vor eine Fabel, welcher leztere.p. 22o. sq. noch mehrere Gönner beyder Meinungen anzeiget. Wenn man es verwirft, so ist es eine unerhebliche Nebenfrage, ob -Hieronymus durch Verwechselung der Kirchenversamlung zu Nicaa mit einer jünger» zu Jerusalem; oder des Acltesten Arii mit dem Diakono Ario dazu verleitet worden. §. xxxm. Endlich erfolgte der Ausspruch des Concilii, durch welches Arms mit dem Anathema beleget wurde. Es betraf dieses seine Lehre' und Schriften gewis, nahmentlich die Thalia gewis. Volt seiner Person wird es auch versichert und als- denn kalt dieses Anathema keine andere Bedeutung haben; als eine feierliche Erklärung, daß man nlit ihm, als einem Kezer keine kirchliche Gemeinschaft halten könne. Auch seilte Anhänger wurden damit beleget, unter denen nur noch zwei Bischdffe Theonas und Secundus standhaft im römischen Reich. 48 r haft gewesen waren. Hingegen scheinen andere, die es mit ihm gehalten, darunter begriffen zu seyn. Anm. i. Die Hauptquelle ist das Synodalschrciben bei dem Sakrale H L. /rH»-. I. rax. 9. p. Z7. womit zu vergleichen Athanasilis lle i^noiiis lom. I. 2. p.719. u. §.40. P-755. u. apolo§. §. 2Z.^arl.I. p. 14z. Sozomenus/iö»-. l. ca/?. 19. p. Z7. u. ca/?. 21. TheoOo- rekus H. L. siö»-. I. caz,. 7. Anm. 2. In den iezt angeführten Zeugnißen werden nur die zwei Bischöffe, Secundus und Theonas« genennet. Und eben dieses bezeuget auch Pliiloslorgiu« Ü.L.///?»-. I. cax. 9. Es thut daher Xuffinus tl. L. cax. 5. zu viel, wenn er von sechs Btschöffen redet, und Baronin« sn- nsl. ecclos gnn. LL6XXV. §. 76. zu wenig , wenn er meinet, Sccundns habe noch sich geändert. S. Tille« monr tom. VI. P.8ZZ. tz. XXXIV. Mit diesem Urtheil verband der K. Eon- stantill noch bürgerliche Straffn. Er verwies Arium, die beyden gemeldete Bischdffe und andere seiner Anhänger nach Jllyrien und machte durch ein Ausschreiben bekannt, daß alle Schriften des Arii zum Verbrennen ausgeliefert werden: Niemand solche bei Todesstrafe bei sich behalten und die Arianer mit dem Nahmen der Porphyrianer beleget werden solten. In einem andern Schreiben werden die Alexandriner 'angewiesen, die arianische Parthei zu verlaßen. Anm. i. Von der Verweisung des Arii und seiner Anhänger geben Nachricht Sakrale« It. siö»-. I. 8- p. 22. So;omenus ca/>. 2 O.x. zZ- Ruffinus/rö»-. I. 5. Hh H Theil. Anm. 482 Geschichte der ariamschen Rezrrei Anm. 2. Das heftige Gesez des K. Lonstantins erzehlet nur auszugsweise Sozomenu« 2l. p. 40. vollständig aber liefert es Sakrales ühr.I. ca^.y. p. zi. Die von einigen neuern Gelehrten, besonders Baylc und Beansobre, gemachte Anmerkungen über die zu grose Strenge deßelben, hat zwar Travasa p. 224. weiriauf- lig zu wicderlcgen gesucht ; es wird aber wol gewis bleiben, daß Todesstrafen auf die Zurükbehaltung kezeri^ scher Lücher übertrieben find. tz. XXXV. So schiene denn die Unterdrükung der aria- Nischen Parthei geschehen zu seyn, da sich nicht allein die Kirchenversamlung zu Nicaa alle Mühe gegeben, die fernere Ausbreitung ihres Irwins zu unterbrechen, und ihre Schliche durch andere Concilien in auswärtigen Provinziell ge- billiget wurden; sondern auch der Kaiser so scharfe Befehle gegen sie ertheilte. Allein es währete nur eine kurze Zeit, da man fand, daß man sich in stiller Hofnung betrogen hatte. Die uns bekannt gewordene Begebenheiten sind diese: I. Zu Alexandrien scheinet das Miöver- gnügen der allem Allsehen nach starken Parthei des Arn zu erst ausgebrocken zu seyn. Wir wißen dieses daher, daß der Kaiser Constantin einige von den unruhigen Köpfen nach Hof fordern lies. Wie sie ankamen, wurden sie von dem B. Eusebio von Nikomedien und dem B. Theogms von Nicäa unterstüzet und gar zur Communion gelaßen. Anm. Zu AteranVcien waren zwei Partheien, welche über die nicänischen Schlüße misvergnügt waren. Erstlich die Meletianer, welche auch scheinen an den kaiser. lichen im römischen Reich. 48Z lichc» Hof einige abgeordnet zu baden. Don diesen redet Epipbaniun koerek. l>XVIIl. §-6 lind sezet hinzu, daß Luseoius sie unke.siüzet, und von ihnen verlanget, die anwesenden Arianer vor Bruder zu erkennen, welches der erste Grund zur Vereinigung der beyden Par- lheien in Alexanderen gewesen zu seyn scheinet. Hernach die Ari.rncr. Dieses lernen wir aus Ä. ( 5 onsta„- rins Schreiben bei dein Theoöorero kistor. cccicl'. /iL---. I. raz,. 22. p. zi. Seine Wvnc: „ich hatte befolcn, „daß einige von unserm Glauben abgefalleneAlexandri- „ner von da weggeschaft würden, weil durch ihre Be- „inühung die Fakel der Uneinigkeit angezündet worden. „DieseLeute haben die beyden schönen Bischöffe, welche „die algemcine Synode noch in Hofnuug der Beßerung „verschonet, nicht allein liebreich und in Sch»; aufge- „noninieii; sondern auch an ihren listigen Ranken Theil „genommen,,, können wol nicht anders erkläret werden, wie Lmvaloisnot. sä k. l. und Tillemonr to^r. VI. x. 266. zeigen. Dieses sehen wir aus einer Stelle des Schreibens der ägyptischen Bischöffe bei dem Arkana- sio spolvA. contra -Irisn. §.7. p. lgo. da ausdrüklich versichert wird, daß Eusebius und Theognis wegen der mit Arianern unterhaltenen Kirchengenicinschafc abge- sezet worden. Vergleiche nochMonrfaucono vir.^ch. p.n. II. Diese Aufführung der beyden Bischöffe bewog den Kaiser, sie zu verweisen und in einem eignen Schreiben ihren beyden Gemeinen solches anzuzeigen und eine neue Bischofswahl anzube-. fehlen. Dieses geschahe drei Monat nach dem : Concilio, mithin im December ebendeßelben Iah-- ' res. Der ihnen bestimmteOrt des Aufenthalts war Gallien. An Eusebii Stelle kam Amr phlon und an den Plaz des Theognis, Ehre- jtus. Anm. i. Bei dieser Begebenheit ist zu merken t) daß die Hauptquclle derselben das kurz vorhcrgedachte Schreiben des Kaisers an die Gemeinde zu Nikomedien ist, von Hh 2 welchem X 484 Geschichte der ananischen Rezer ei welchem wir dreierlei Urkunden haben. Sozomenua liefert einen .kurzen Auszug /ibr. I. cax. 2i. p. 40 und meldet, daß ein ähnliches Schreiben an die Gemeinde von Nicaa gerichtet gewesen. Theodorerus liefert nur einen Theil und zwar das Ende deß-stben, /ibr.I. Kittor. ecclet. cax. 20. p. 49. Vollständig aber ist es in einer lateinischen Uebersezung, die ein hohes Alter haben sol, in Baronii snnsl. cooles. an». LLLXXIX. §. 5. und griechisch und lateinisch in Gelasii Kittor. cono. Xic. /ihr. III. rs/>. 2. p. yzy. sgg. zu finden. Baron» chronologische Fehler verbcßcrt Duvalois not. in Ikeoll. p. 49. 2) daß auch die andern Geschichtschreiber dieses bestätigen; aber mit einigen besondern Znsazen. S050-- menus erzehlet /rbr. II. 22 p. 171. Euftbius und Theognis hatten einen Nocarium, den der Kaiser die Verwahrung der Conciltenakrcn aufgetragen, bestochen, ihre Unterschriften auszustreichcn, und darauf angefangen, öfentlich wieder die Lehre vom zu predigen. Da der Kaiser ihn deswegen zur Rede gestellet, habe er unverschamet sich erkläret, daß er nie glauben werde, der Sohn sey gleiches Wesens mit dem Vater. Besonders habe den Kaiser vcrdroßen, daß sie mir einigen Arianern, die er als Urheber der Unruhen ins Elend verweisen laßen, die kirchliche Gemeinschaft unterhalten. Womit zu vergleichen, was /rbr. III. ca?. iy. p. 124. eben dieser Schriftsteller beibringet. Phi- losiorzius hat verschiedene besondere Umstände bemerket- Er erzehlet kbr. I. cax. io. p. 478- daß Secnn- dus dem Eusedio mit bittern Vorwürfen, daß er aus Furcht das Symbolum unterschrieben, vorher verkündiget, er werde doch binnen Jahresfrist verwiesen werden, und sezet hinzu, daß dieses leztere drei Monat nach dem Concilio geschehen. In einer andern Stelle, welche Niketas erhalten, bemerket er, daß Euftbius, Theognis und Maris, welche das Symbolum unterzeichnet, darüber eine Reue empfunden und solche auch dem Kaiser freimühtig bekannt, und deswegen nach Gallien verwiesen worden. Endlich ist auch die kurz vorher» angezeigte Stelle aus Arhanafii »xoloA. zu vergleichen. Anm. 2. Bei den neuern ist es zu verwundern, daß sie nur in einigen Umstanden den Philostorgium vorglaub, würdig 485 im römischen Reich. würdig halten, in den übrigen aber seine Nachrichten verwerfen, ob sie gleich, so weit wir sie hier mitgetheilet, mit den übrigen wol bestehen können. Man sehe Tillcmonr to»«. VI. p. 74z. III. Um diese Zeit lies K. Constantin auch eine Warnung an den B. Theodor von Laodi- cäa ergehen, an dem Beispiel des Eusebii die schädliche Folgen solcher Unbeständigkeit zu nehmen. Anm. Bei dem Gelasto liikor. concil. I^ic. /r'ör. III. Z- IV. Bald nach der Kirchenversamlung zu I. C. Nicäa gehet B. Alexander vonAlexandrien mit 22;. Tod ab. Sein Nachfolger, vielleicht nicht un- mittelbar; doch gewis sehr kurze Zeit darnach war Athanasius, den man von dieser Periode an mit Recht, als den Hauptgegner der Aria- ner ansehen mus. Anm. i. Da die chronologische Fragen vom Absterben der? Alexanders, ingleichen was es mitAlexandersEm- pfelung des Arhanasii, des leztern Abwesenheit, dem von einigen als unmittelbaren Nachfolger des erstem angegebenen Theona vor eine Bewandnis habe, von unserm Awek zu entfernet sind; so verweisen wir unsere Leser auf Monrfaucon« vit. ^rliansf. p. 12. Trllemont tom. VI. p. 6Z7. 88. tom. III. ledr. p. 6zy. und Solerit kiüor. pstrisrcli. ^lex. tonr. V. inn. p.44. wie überhaupt die häufigen Lebensbeschreibungen des Achslast, dahin gehören. Anm. 2. Aus philostorgii Nachrichten müßen hier zwei bemerket werden. Einmal meldet er, daß K. Constan- tin noch vor dem Tod des Alexanders ein Verbot wie« der -Homousios bekannt gemacht und der Arianer He- teroustos gcbilliget, und daß AleranSer solches geneh, miget, und mit Ario communiciret, nachhero aber seine Hh z Meinung 486 Geschichte der arianifchen Rezerei Meinung wieder geändert, II. L. /rö»-. II. rax. i. p. welches mit der Chronologie nicht bestehen kan, und daher falsch ist. -Hernach cax. VI. p. 482. erzehlct er, daß Arhanasius hinterlistiger Weise die Ordinarien ge-- waltsam erzwungen und die kaiserliche Bestätigung er, schlichen, welches nicht allein dem gegenseitigen Bericht widerspricht; sondern auch deswegen unwahrscheinlich ist, weil in den nachher» von den Ariancrn wieder Lthanasiun, erhobenen Klagen diese wichtige Umstände nicht vorkommen. §. XXXVI. Man mus sich billig verwundern, daß auf - diese, der arianischen Parthei so nachtheilige Periode in kurzer Zeit eine ihnen eben so günstige ihren Anfang genommen. Man kan aus chronologischen Gründen erweisen, daß hier eine Lü- ke unserer Historie von drei Jahren eintrete und daher ist es auch kein Wunder, daß wir von den geheimen Ursachen so wenig; als von den äußerlichen Veraulaßungen der Gemühtsanderuug unterrichtet sind, die gewis im K. Constantin I- C. vorgegangen. Der erste Schritt war die Zu- 32^ rükberufung der beyden verwiesenen Bischdffe, Eusebii von Nikomedien und Theognis von Ni- cäa. Die Mittel, die sie angewendet, sind zweifelhaft; es ist aber doch wahrscheinlich, daß es durch Schreibe»! und verstellte Erklärungen geschehen. Sie sind im Elend drei Jahr gewesen, und wurden vom Kaiser nicht allein gnädig empfangen ; sondern auch in ihre wichtige Aemter eingesezet. Der Verfolg macht nicht allein die Beschuldigung, daß sie einen Vorsaz gehabt, sich an ihren Gegnern zu rächen; sondern auch die Nach- 487 im römischen Reich. Nachricht wahrscheinlich, daß sie ihre ehemalige Neigung zu den arianischen Jrtümern sehr deutlich merken laßen. Anm. i. Von der Zurükberufung überhaupt reden Philo- storgnis u L. /rör. II. ^.7. der den Umstand derZeit allem bemerket, Sakrales üb»-. I. cax. 14. p. 42. ca/r. 2Z- ?- ;6- So^omenus /rbr-.II. cax. 16. p. 54. Theodor retu» //öe. I. cax. 20. p. 51. Von ihrer Rachbcgicrde zeuget Sakrales ebendas und Athanasms ; von ihrer Bekanntmachung ihrer Jrtümer aber scheinet Eusta« thius beim Theodoreto U. L. /rbr. I. cax. 8- l>- 2Z. zu reden. Anm. 2. Von den Ursachen dieser Veränderung sind zwei Muhtmaßungen bekannt. Einige, wie Baronrus sn- nal. eccles. an». LLLXX 1 X. §. l8- geben die Schuld der Prinzeß«« Constantia und dein Prinz Constantio, welche sich vor die Bischöffe beinühet, und so, daß erstere noch einen tm Traum empfangenen göttlichen Befehl vorgegeben. Dieses erzehlet So;omenus /rör. III. ca^. 19. p. 124. jedoch so, daß er es zu verwerfen scheinet. Hernach versichern nicht allein Sokrares und Soromenus, daß es eine Folge eines dcmühtigen an die vornehmsten Bischöffe erlaßenen Schreibens gewesen; sondern theilen auch beyde es selbst mit, jener /rör.I. ca^i. 14. p. 4;. dieser /ibr. II. 16. p. 164. Dieses ist eine sehr strittige Urkunde, indem sich nicht nur die Gelehrten über die Frage, ob diese Urkunde vor, wie Baronrus; oder zur Zeit ihrer Verweisung, wie Duvalois, Montfaucon, Basnage und andere glauben, geschrieben worden; getheilet; sondern auch ein gelehrter Iansenist sie ganz vor «macht erkläret und diese Meinung durch Gründe unterstüzet, welche Tillemom tom. VI. p 8lv. ch. vor unwiederleglich gehalten. §. XXXVII. Bald darauf wurde Artus selbst vom Kai- I C- ser aus dem Ort seiner Verweisung zurük beru- fen. Es ist eine gemeine Erzehlung, daß dieses Hh 4 sehr 48 8 Geschichte der arianischen Rezerei sehr listig bewirket worden. Die oftgedachte Prinzeßin Constantia, des Kaisers Schwester und Licinii Witwe, hatte einen Nettesten bei sich, durch den die Euftbianer diese vornehme Frau zu gewinnen suchten. Er solle ihr vorstellen, daß Artus nicht wegen des ihm fälschlich beigelegten Jrtums; sondern eigentlich wegen der Eifersucht seines Bischofs so übel auf der Kir- chenversamlung behandelt worden. Hierinncn erreichte er seine Absicht. Bald darauf wurde die Prinzeßm krank und empfahl diesen Nettesten ihres Bruders Vorsorge aufs beste. In kurzer Zeit gewann dieser Mann des Kaisers Vertrauen und suchte durch eben diese Vorspiegelungen dem Ario Gnade zu verschaffen. Der Kaiser erlies auch wirklich mehrere sehr gnädige Schreiben an Arium und befahl ihm nach Hof zu kommen. Artus kam hierauf auch eilends mir seinem Freund, Euzojo, nach Constantinopel und hatte bei dem Kaiser ein gnädig Gehör, bei welchem er versicherte, rechtgläubig zu seyn. Auf Verlangen des Fürstcns übergaben beyde ein Glau- bensbekäntnis, welches sehr künstlich so abge- faßet war, daß es sehr orthodor lautete; aber doch auch seine Kezerei darum verbergen konte. Es fände bei dem Kaiser Beifall. Artus bekam die Erlaubnis wieder zurük nach Alezan- drien zu gehen. Anm. i. Auch diese wichtige Begebenheit ist noch sehr vielen Schwierigkeiten unterworfen. Wir wollen erst die Berichte der alten mittheilen. Sokrares, nachdem er verschiedene spatere Begebenheiten erzehlet, jedoch auch üör.I. ca/,. 24. P.59. ausdrüklich versichert, daß er was nach. 489 im römischen Reich. nachholen wolle, meldet ca^.2;. p.6o. die Geschichte von dem arianischen Priester und deßen Bemühung bei der Constantia und hernach bei dein Kaiser, und daß der erstere den leztern versichert, Ariers, wenn er die Erlaubnis haben würde, den Kaiser zu sprechen, würde den Schlüßen der nicanischen Kirchenversamlung vertreten. Er liefert K. Lonstanrin» gnadiges'Schreiben an Arium, aus deßen Anfang zu ersehen, daß schon vor- hero dergleichen Zurükberufungsbefchl ertheilet worden. Seinem Inhalt nach enthalt es einen Befehl, aufs schleunigste und zwar mit öfentlichem Fuhrwerk (0^--^«- I-Sk nach Hof zu kommen. Es ist den 27 November dalirt. Hernach erzchlet er die Ankunft des Arii und Euzvii zu Constantiiiopcl. Des Kaisers Frage, ob sie dem Glauben beitreten? ihre bejahende Antwort, und des erstem Befehl, ihren Beitritt schriftlich zu bezeugen. Dieses Bekäntnis liefert er razi. 26. p. 61. von welchem denn unten mehr geredet werden sol. So- xomenus kommt mit ihm fast völlig überein. Nur scheinet er es bis zur Zeit der Kirchenversamlung zu Jerusalem zu verschieben. Allein es ist auch hier nur eine Nachholung. K- Constankins Brief ist ausgelaßen; nicht aber das Glaubensbckantiiis. Er meldet, daß Arier» geschworen, so glaube er. Der Kaiser habe es gebilliget, doch die Sache dem Concilio zu Jerusalem überlasten, H. I-. //br. I. raz-. 2g. p. 82. lg- Mit diesen stimmet auch Rnffinus HV. /st» . I. ca/r.;. übernn, nur daß er die Zeit unter allen am besten bestimmet. Anm. 2. Unter den neuern giebt es hier verschiedne Fra- ,, gen: erstlich, üb die ganze Erzehlung von dem ariani- schen Priester wahr sey? welche Duvalois allein verneinet, sonderlich wegen des Stillschweigens des Acha- nasli, not. in 8oor. p. 6o. alle übrigen mit Recht bejahen, s. Tillemonrtom. VI. p. 74;. Zweiten», wie dieser Priester geheißen. Phorins bidliotk. rost. 88 p- 207. . pennet ihn Eukotinm. Dieser Zeuge ist zu jung. Ba« ' roniu» glaubet, es sey der nachherige Bischof von Ca- sareen Akaerü» gewesen. Es ist hier kein Beweis.' S. Travasa p. 246. Drittens, in welches JahrdieseZn- rükkunft zu sezen. Diese chronologische Frage saßet eigentlich zwei in sich, einmal, ob Arms oder Eusebius eher zurükberufen worden? Nach dem Rnffino mus die Hh 5 Zurük- 4ga Geschichte der arianischen Rezerei Zurükberufung des Lusebii zu erst gesezet werden. Hin« gegen nach Sokrate und Sozomeno scheinet Arius eher dieses erlanget zu haben; ja solches bald nach der Kir- cheuversarnlung zu Nicäa geschehen zu seyn. Dieses ist der Grund, warum einige eine zweifache Verweisung anneh, men, wie Momfaucon vit. ^tk. p. iz. da denn Artus von seinem Elend aus Illyrien bald nach der Verweisung zurükberufen; aber ohne Erlaubnis nach Alexan- drien zu gehen; diese aber ihm einige Jahre später er- theilet worden; hernach, wenn dieses geschehen? da denn zwei Umstände bekannt sind r) daß Lonstanti» schon gestorben, welchen Todesfall man ins I Z2Z. zu sezen pfleget: 2) daß schon Lonstantinopel erbauet und die kaiserliche Residenz gewesen, welche Stadt erst im I. zzo. eingeweihet worden. S. algemeine welrhi- storie TH.XIV. §.82. Dieser leztere Umstond, dm man aus dem Sakrale lernet, beweget mich am meisten, die Begebenheiten so zu ordnen, wie ich er gethan. Man lese davon Tillemonttom. VI. p. 742. Pazi critio. ia»nnL>.6»ron. unn LLLXXVII. §.z. Naeal Alexander H. L. tom. IV. p. Sam Basnage 3NNLI. poli- tico-ecolef. arm.(!LLXXVII. §. Z Labricium 6.6r. vo/.VIll. p-ZLZ. Baumzareen im Ausxug der Rir- cheng. S- 721. und Travasa illor. äell' ^rrio. P.2ZZ. §. xxxvm. Wir glauben, daß auf die erfolgte Wiederherstellung des Eusebii und Theognis in ihre Aemter und Zurükberufung des Arii folgende Begebenheiten sich zugetragen, ob wir gleich uns nicht getrauen, die Ordnung gnau zu bestimmen: I. Eusebius wird nun ein Verfolger der Gegner des Arii. Der bekannte Bischof zu Antiochien, Eustathius ist der erste, den er zu stürzen sucht. Man beschuldiget diesen Eiferer, daß er des gegenseitigen Irtums; oder des sa- belliank im römischen Reich. 491 bellianischen Lehrbegrifs sich verdächtig gemacht. Eusebius nimmt von einer Reise nach I Jerusalem Gelegenheit, nach Antl'ochien zu kom- zzi.' inen und daselbst mit einigen andern Bischöffen, unter welchen auch Eusebius von Cajareen war, eine Versamlung zu halten, auf welcher Eusta- thius abgesezet wurde. Man erzehlet, daß er auch der Hurerei sey beschuldiget: die Frauensperson ihm vorgestellet, und diese zum Eid gelassen worden. K. Constanlin verband mit diesem Urtheil auch die Verbannung; über den Ort aber, wohin er verwiesen worden, ist man nicht einig. Die Folge war ein groses Mißvergnügen des Volks und häufige Unruhen, welche im- zzr. mer erneuert wurden, da die neuen Bischdffe, bZZ- Paullin, Eulalius, Euphronius, kurz hinter einander starben, bis endlich Placilius er- wehlet wurde. Diese alle werden vor Arianer gehalten. Es ist noch zu bemerken, daß Euse- btus von Cäsareen diese ihm angetragene Würde ansgeschlagen. Anm. i. Die Quellen aller dieser Begebenheiten sind Sokra- tes H.L. /rö»-. I. cax. 24. p. z8- Sozomennskl.L./ib»-. II. ca/7. ly. p. 6Z. Theoöoretus I. U.L. 21. p. 52. wo die Nachricht von der Hure stehet, cap. 22. p. zz. Phitostorgius U. L. /rü»'. II. ca/,. 7. der auch eben den Umstand bemerket, //ö»-. III. caz,. 12. i; und in fragn,. l>. zzz. und vorzüglich Athanasius Irisior. ^ri- «n. aä monack. Z. 4. 5g. tom. I. «per. pai t. I. p. Z46. Mit diesen ist von denen zu Antiochicn dadurch veranlaßten Unruhen noch Eusebius äs vira doull. /iür. III. caz». ;y. und die daselbst gelieferte drei Briefe K. Con- stantins zu verbinden. Anm 492 Geschichte der arianischen Rezerei Anm.2. Au denen in der Historie der Lirchenv. S I ZY. u.f. angezeigten Schriftstellern ist noch der ;weiteB»nv von Mansi collekt. conc. p. Iv8;. beizufügen. II. Man glaubet, daß um eben diese ZeitB. Asklepas von Gaza gleiche Schiksaale gehabt. Sem Nachfolger hieß Quintianus. Anm. S. Athanasium ebendas. p Z47. Theodoretum /r-r.I. KiL eccles. cax.28 Den Nahmen seines Nach« folgcrs wißen wir aus Achanasii apol. p. 167. III. Und eben dieses begegnete auch dem B. Eutropio von Hadrianopel, der sich stets vor einen Feind des B. Eusebii von Nikomedien erkläret hatte. Man meldet, daß die Prinzeßin Basilina, K. Julians Mutter, einen Antheil gehabt. 2 lnm. S. Arhanasium sä monsckos x. Z46. §. XXXIX. Athanasius war nun wol der vornehmste Gegner der arianischen Parthei und man weis viel von den Bemühungen des Eusebii , diesen eifrigen Mann zu unterdrüken, allein es^ fehlet uns an einer chronologischen Verbindung. Wir bemerken: I. Eusebius sucht erst, durch allerlei Lästerungen die Rechtmäßigkeit der Wahl des Atha- nasti verdächtig zu machen: Anm. Damit fanget Sokrares seine Erzehlung an U.L. /rü>-. I. 2Z. p. Z 7 . II. Eu- 49 ) im römischen Reich. II. Eusebius schreibet an Athanasium und verlanget, chn in die Kirchengemeinschaft aufzunehmen und Verbinder damit Drohungen. Lnm. l. Von diesem Brief redet Athanasius apolox. §. zg. p, 178- Sakrales ebendaselbst und Sozamenu» /rö»-. II, i Z. Lnm. 2. Diesen Brief sezen die meisten Geschichtschreiber nach Arii Ankunft zu Alexandricn: Monrfaucon nicht allein vor dieselbe; sondern auch vor dcßen Zurükberu- fung aus dem Elend: Naralis Alexander läßet ihn den Arium mitnehmen. Hl. Athanasius giebt eine schlechterdings abschlägliche Antwort. Lnm. S Athanasium ebendas. IV. Anus kommt selbst nach Alexandri: I- C. en; verlanget sein voriges Amt und da er seine Absicht mchr erreichet, erreget er in der Stadt neue Unruhen. Anm. i. Dieses meldet Sakrales si-r.I. rax». 27, x>, 62. Anm. 2, Diesen Umstand halt Duoalois vor eine Fabel, den Tillemonr tom. Vlll. p, 6z6, wiederleget. V. Eusebius schreibet zum zweiten male und erhält auch vom Kaiser Eonftantin einen, dem Arid günstigen, Befehl an den Athanasium. Anm. S. Sakralem /rör.!. ^.27. VI. Um diese Zeit geschiehet die Vereinigung der Melerianer zu Alexandrien mit den Arm- nern. Beyde vereinigen sich, Athanasium am kaiserlichen Hof anzuschwärzen. Anm. 494 Geschichte der arianischen Rezerei Anm. S- Athanasium spät. §. zy. p. 178- undSorome.» num ca^o. 22. p. 72. VII. Da kein Gehorsam geleistet worden; so ergehet vom Kaiser ein harter Befehl an Athanasium, mit heftigen Drohungen. Anm. Von diesem reden Arhanasius, Sokrates und So, romenus an a.V. vm. Allein auch dadurch wird Athana- sius nicht bewogen, von seinen Gedanken abzu- hen. Er thut Vorstellungen wieder die Aufnahme der Kezer und scheinet eine gewierigeAnt- wort zu erhalten. Anm. S- Achanasium «benvas. §. xxxx. ' Man kan es als eine, nicht allein vom Ettr sebio; sondern auch von andern Geschichtschreibern bekannte Sache ansehen, daß Eusebius von Nlkomedien, die Hauptperson gewesen, durch welche alle Verfolgungen des Athanasii erreget worden. Es ist nicht nöhtig, daß wir hier alle besondere Umstände derselben erzehlen, in dem sie mehr die persönlichen Umstände dieses grosen Mannes betroffen und in die arianische Geschichte nur dadurch einen Einflus gehabt, daß sie zum Zwek hatten, ihn abzusezen und dadurch das vornehmste Hindernis, der Wiederherstellung des Arit zu heben. Anm. Wir wißen freilich die vornehmsten Umstände aus Athanasii eignem Bericht sxolox. p. 178. Igq. allein die ' Uebereinstimmung des Sokratis, Sozomern und Epi, phanii geben der Sache einen grosen Beweis der histo» rischen 495 im römisihen Reich. kifthen Wahrscheinlichkeit. Hier bemerken wir nur dieses, daß die Eusebianer durch Hülfe der Meletianer dem Arbanasio grobe Verbrechen Schuld gegeben. Die erste Klage war, daß Achanasius von den Aegyptern eine Lieferung von Leinwand zum Gebrauch der gottes- dienstlichen Kleidung verlanget, welche durch zwei am kaiserlichen Hof anwesende alexandrinischeAeltesten entkräftet wurde: die zweite, daß er einen Rebellen mit Gelde zu unterstüzen gesucht, und die dritte, daß ein Aeltester Makarius das gottesdienstliche Geräthe eines Mannes Isivyras, der sich vor einen Aelkesten unrechtmäßiger Weise ausgab, zerstöret, den Kelch zerbrochen, und die heiligen Bücher verbrannt, welche Achanasiu» persönlich ablehnet« und vom Kaiser in Gnaden zurük- gelasten wurde. Die vierte, daß er Hurerei getrieben: die fünfte, daß er den melekianischen Bischof Arsen,'- um getödet, und seine Hand zum magischen Gebrauch aufbehalten, welche beide Stüke auf eine recht besondere Art als falsch befunden worden; so daß endlich nur die dritte Klage übrig blieb. Man mus hier die Lebensbeschreibungen des Athanasii, sonderlich Monrfau- cons vergleichen, wo x. iz. hy. alles kurz und deutlich vorgetragen worden. §. Xll. Zu den öfentlichen Angelegenheiten gehören: I. Die vom Kaiser den Eusebianern zur « ^ Untersuchung der gegen AthanaslUM erhöbe- z^z.' nen Klagen verstattete Zusammenkunft zu CÜ- sareen. Weil Athanasius nicht erschien, so lief alles fruchtlos ab. Anm. t. s. meine Historie der Rirckenversaml. S- i6i. Anm. 2. Als eine Folge von dem Ausbleiben siehet, man den Haß des B- Eustbii von Casarecn gegen die ägyptischen Bischöffe an, von dem Atbanastus gpolo^- P. ryz. und Theodorerns 8. L. /ibr. I. 28. reden. S. kNonrfaucon vir. ^rd«o»s. x. 27. Wir finden hier Ur- sach 496 Geschichte der arianischen Rezerei fach zu erinnern, daß man die Urtheile gewjßer Lehrer von anderer Person nicht mir den Urtheilen von ihrer Lehre verwechseln niüße. Daß dieser Eusebius kein Freund von Achanasio gewesen, ist gewis; allein daß daraus eine Neigung gegen die acianifthe Lehre zu sol." gern, ist so klar nicht. Es ist überhaupt noch eine gross Frage, ob Achanasius wol gethan, daß er ausgeblieben? I. C- II. Neue Kirchenversamlung zu Tyro auf 3 Z 5 - welcher die Eusebianer durchdringen, daßAtha; naslUs seines Amtes verlustig erkläret wurde, worauf er sich an den Kaiser wendete. Anm. l. S- die -Historie der Lirchenvers. S. l6l. u. f. und Travasa p. 287. Anm. 2. Von dem Lehrbegrif war hier keine Frage, und diese Versamlung geboret blos hieher, weil die Absezung des Achanasti der Erhaltung des Arii günstig. III. Auf einen besondern Befehl des Kaisers begaben sich die Bischdffe nach Jerusalem, um der Einweihung der prächtigen Kirche des heiligen Grabes beizuwohnen, und nachdem dieses geschehen, erhielten endlich die Eusebianer, daß das mit einem kaiserlichen Befehl vonArio über- gebene Glaubensbekäntnis geprnset und gebilli- get wurde. Sie nahmen den Arium, Euzo- jum und alle übrigen Anhänger in die Kirchen- gemeinschaft auf. So sieligeil auch die Verfolgungen gegen den B.Marcellum von Ankyra an. Anm i. ebcndas. S. 16z. wo auch von Duvatois besonderer Meinung schon geredet worden, daß hier nicht die Rede von dem Aeltestcn Ario; sondern von einem andern ftp. Ihm ist Bayle in dem Artikel Arrus allein gefolget. Anm. v 497 im römischen Reich. Anm.2. Es sind hier einige kritische Fragen zu bemerken r) wo sich Ariers bis dahin aufgchcch«! ? auf welche nichts zu antworten, ob es gleich aisMuhcmaßungrir nicht fehlet: 2) was Arms vor emGlaubeiisbekäiitnis übergeben? da aus Athauasio n -Sokrare erhellet, daß es eben dies sey, welches er dem Kaiser Constantin übergeben, z) ob das Einpfelungsschreiben des K. Konstantins vpr den Arius an dieVcrfamlungzuTprus oder . Jerusalem gerichtet gewesen, wovon Tillemonr to«. VI. x.750. nachzusehen: 4) ob der dem Ario vorthellhafte Schluß von allen; oder nur von dem größer, Theil der anwesenden Kischöffe gebilliger worden, welches leztcrv Baronius; das erstere aber chistemonr ?-75t. mit mehrerer Wahrscheinlichkeit behauptet. A>un- Z- Das Synodalfchrciben an die Kirche zu Alexay- drien, um die Arraner aufzunehmen, welches Athang/ sius uns aufbehalten, und dNansk oolloöl. conoil. tom. ,11. p. n59. liefert, verdienet vorzüglich bemerket zu wepdcu. IV. Des Athanasii am kaiserlichen Hof eingebrachten Befchwehrden, veranlaßten den Befehl, daß die Bischdffe von Jernsaiem nach Coilstantinopel kommen sollen. Und hier machten sie durch die Beschuldigung, daß Arhana: sius gedrohet, die Getraidelieferung aus Aegy- ptcu nach Coustautinopel zu verhindern, bey dem Cousiantin eilten solchen Einvruk, daß er den Bischof nach Gallien verwiest, wo er seinen Aufenthalt zu Trier nahm. Doch verstattete der Kaiser nicht an seiner statt einen andern Bischof zu erwehlen. Amn. Dieses alles erzehlet Achanasms spolox. p. 149. und sä monsck. P.Z74. t'g. womit Sokrares ca/>. z6. und TheoSorerus /rör. I. cazr. z l. zu vereinigen. S. Monrfancon vit. ^tsi. p. 27. Ii ii wo«. §. XUl. 498 Geschichte der arianischen Rezerei - 1 - §. XI.H. I. C. Mit diesig Anwesenheit der eusebianischen zz 6 . Dischöffe zu Constantinopel sind denn folgende Begebenheiten zu verbinden: I. Die Abftzung des B. Marcelli vonAnkyra. Anm. S-die-Historie ver Lirckenv. S-164. II. Reise des Arms nach Alexandrien. Er hoffet, in Abwesenheit des Bischofs seinen Zwek zu erreichen; findet sich aber betrogen. Die Gemeinde ist über die Verweisung ihres Bischofs misvergnüget und wiedersezet sich Ario, so daß die darüber entstandne Unruhen einer Empörung der Stadt sehr nahe kommen. Anm. S-Sokratöm//Ar. I. cax. Z7. Soromennm //Ar. II. cax. 29. R'affinum Übr.X. ca/?. 11. Theodoretum//Ar. I. H.L. ca/,. iz. p. 42. III. K. Constantin befiehlet hierauf dem Ario, nach Hof zu kommen. Anm. Dieses er-eblen eben dieselben, und Arhanastu«; doch mit einiger Ungewißheit, ob es auf Veranlassung her Eusebianer geschehen; oder nicht. Gewisser ist, dass der V. Alexander von Constantinopel es ungern , gesehen. S. Monrfaucon x. 2Z. Tillemonr tom. VI. x. 294. Travasa p. 296. IV. Anus kommt nach Constantinopel. Das erste, was hierauf die Euftbianer versuchen, um ihre Absichten mit diesem Mann zu erhalten, ist dieses, daß sie die dfentliche Zulaßung deßelben zur gottesdienstlichen Gemeinschaft in der Residenzstadt von dem dasigen Bischof verlangen ; sie erhalten aber eine abschlagliche Antwort und hierauf brauchen sie Drohungen, die eben so fruchtlos sind. Anm. 499 im römischen Reich. Anm. i. Sakrales, Sozomenus und Theodoretns äs vit. pstrum. ca/>. I. lom.III. oper. p. 769. melde» dieses. Anm. 2. Daß die zu Constantinopel anwesende Lischöffe einen Concilienfchluß gemacht, 7 lrius müße, alles Widerspruchs ungeachtet, zur kirchlichen Gemeinschaft ge- laßen werden, ist unerwcislich. S. Travasa p. zcS. V. Arius erhält bei dem Kaiser ein Gehör. Dieser scheinet, der Vortheilhaften Schliche der Bischdffe ungeachtet, von der Orthodoxie des Mannes nicht überzeuget zu seyn und befraget ihn nochmals, wes Glaubens er sey? Er antwortet, daß er den rechten Glauben habe und übergiebt dem Kaiser eine Glaubensformel, die orthodox lauter. Der Kaiser verlanget, sie zu beschwören, mit dem Zusaz, daß Gott den Meineid rächen würde, wenn er falsch schwören Anus schwöret und unterschreibet das Bckantnis in des Kaisers Gegenwart. Anm.i. Von dieser berühmten Audienz des Arie giebt Sakrales /ftn-.I. ccix. zg. p. 7H. Nachricht und ftzct den Umstand bei, daß Arius betrügerischer Weise zweierlei Bekäntnißebci sich gehabt, ein arianisches und ein recht, gläubiges: dieses dem Kaiser übergeben; indem er aber geschworen, er schwöre so zu glauben, wie er geschrieben habe, solches von dein erster» verstanden. Diesen Iesuitcnstreich hatSokrares selbst vor ungewis erkannt, und kein anderer; als Theophanes berichtet: mithin wird es billig von den neuern vor fabelhaft erkläret. S- Travasa x>. zo6. Außer dem Sokrare hat Arhana- sius sä epileop. -^eAvpt. et l,ib. §. 18 P. 289. und epist. sä 8erspic>ll. p. Z41. von diesem Verhör geredet. Anm. 2. Was Arius dem Kaiser vor ei» Glaubensbe- kantnis übergeben, und in seiner Gegenwart unkerschrie. den, ist eine nicht auszumachende Frage. S- Tille- mont x. 295. Si 2 H. XL.HI. 5 o» Geschichte der arianischen Rezerei tz. Xk.Hl. Die auf dieses alles gefolgte Begebenheiten sind mit dem Tod des Arii zu gnau verbunden; als daß wir sie von einander trennen dürfen, und da dieser lezte ein Srük unserer Geschichte ist, welches vorzüglich verdienet, sorgfältig untersuchet und vorgetragen zu werden, so wollen wir mit einer kurzen Erzehlung der vornehmsten Umstände den Anfang machen: hernach die darüber entstandene strittige Fragen einzeln durchgehen. K. Constantin ist mit der Erklärung des Arii so wol zu frieden, daß er den Widerspruch des ' B. Alexanders vor sträflich hält: ihn vor sich fordern läßet und ihm ernstlich jaget: es sey sein Wille, daß Anus den folgenden Sonntag zur Communion gelaßen werde. Alexander gehet hierauf, nach einigelt allein; nach andern in Gesellschaft zweier ansehnlichen Aeltesten, von denen einer der alexandrinische Makarius war, in die Jrenenkirche und verrichtet ein Gebet um die Abwendung des bevorstehenden Unglüks, deßen eigentlicher Inhalt verschieden angegeben wird. Entweder des Sonnabends Abends, oder des Sonntags frühe gehet AriUö in Begleitung des Eusedii von Nikomedicn und anderer seiner Anhänger dfentlich durch dir vornehmsten Straßen der Sradt, um wie in einem Triumph in die Kirche zu gehen, und unterhält seine Freunde mit lustigen Reden. Unterivegs auf dem Constan- tinsplaz nöhtiget ihn die Natur, einen Abtritt zu suchen: begiebt sich in einen, zu solchem Zwek befindlichen dfentlichen Ort und läßet seinen Diener im römischen Reich. svi ner vor der Thür warten. Hier ist er gestorben ; über einige Umstände seines Todes ist nicht gnug Uebereinstimmung. Sein Diener ist der erste, der es eEdekt und die auf ihn wartende Freunde dadurch sehr erschrekt. Diese haben ihn begraben. So wird das traurige Ende des Arii erzehlet. 2 lnm. Hier wollen wir auch die alten Schriften anzeigen in denen diese Begebenheit gemeldet wird. Athanasius ist unstreitig der älteste Schriftsteller. Er hat nicht allein eine kürzere Nachricht von Arii Tod in der epist. sä epilcopos et l^b. §. 19. p. 289. »Iltgethei- let; sondern auch an einen Serapion ein eigenes weit- lauftigeres Schreiben von dieser Begebenheit erlaßen, so tom. I. Oper. xari. l. p. z^o. <9. stehet. Es ist hiebet besonders zu bemerken, daß Athanasius ebendas §. 2. verstchert, er habe seine Nachricht von dem damals zu Eonstantinopel anwesenden Aeltesten Makario. Nach dem Arhanasto folgen in der Zeitordnung Gregorius von Nazianzus or»t. XXIII. to,n. I. opor. p.glZ. Ruf- sinus tiistor. eccles /ihr. I. ca/>. iz. Ambrosius . z8- p.74. (welcher den Umstand bemerket, daß noch zu seiner Zeit der Abtritt das Andenken der Sache erhalte, und diese durch die ganze Welt bekannt worden) Gozo- menus, welcher erst selbst davon Nachricht giebt; und hernach auch aus Arhanasu Schreiben einen Auszug mittheilet li.L. /ihr. I. cax. 29. zo. p. 86.87- Theodo- retus, der ebenfals Akhanasii Schrift gebrauchet, Ki- stor. eoclest /ihr. I. ca/>. i;. fabul. hseretic. /ihr. IV. caz,. t. und 6e vitis pstr. ca/>. 1. Man nennet noch Gau- dentium von Bvescia, und einige viel jüngere Geschicht- schreiber, die aber wol hier in keine Betrachtung komme». Jt Z tz. XL-IV. sss Geschichte der arianischen RezereL §. XL.IV. Ueber diese Historie giebt es unter den Gelehrten vielerlei Widersprüche. Sie betreffen theils die Wahrheit der Erzehlung selbst. Es ist alsdenn die Frage: ob es überhaupt wahr, daß der Kezer Artus auf eine so schleunige Art gestorben? Der grdste Theil bejahet sie; es haben sich aber unter den neuern einige gefunden, welche es vor eine Fabel halten. Unter den vornehmsten Gründen, worauf der ganze Wehrt und Unwehrt dieses Vorgebens beruhet, kommt es bei unpartheiischer Untersuchung eigentlich auf zwei Fragen an: einmal, ob es blos auf das Zeugnis des Athanasli beruhe? Dieses kan nicht behauptet werden, da zwar einige sich auf Dieses Bischofs Zeugnis berufen; andere aber nicht; vielmehr von einander so abgehen, daß es daher unwahrscheinlich, daß sie alle aus einer Quelle geschdpfet: hernach, ob die in einigen Umständen, von uns unten treulich zu bemerkende Verschiedenheit hinreiche, die ganze Erzehlung ungewis zu machen, welches ebenfals verneinet werden mus, da sie in der Hauptsache übereinkommen. 2lnm. i. An der Richtigkeit dieser Erzehlung haben entweder gezweifelt; oder ste ganz verworfen Socii,us, Zwicker, Sanden, Arnols, und ein englischer Schrift- steller in der Schrift: mors -^rij oommentins, von denen mein Vater in der Einleitung in Sie Rcligions« srccitigkcitcn außer der E. L.R. B.IV. S- 8Z- nachzusehen. Ibnen ist Beausobre in der dibliotkelzue 6eim. tom. XXXIX. p. Z 7 . sg. beigctrctcn. Anm. 2 . Daß dcsDuvaloi» Meinung, es sey ein anderer Arius gewesen, auch htcher gehöre, verstehet sich von selbst. §. XU im römischen Reich.' svz §. XI.V. Theils sind einige Umstände zweifelhaft, von denen dieses zu bemerken: I. Ist über die Zeit, wenn Anus gestorben I- C. gestritten worden. In Ansehung des Jahrs ist man wol einig, da es kein Zweifel mehr ist, daß Epiphanius, der von allen übrigen abgehet, irrer. Man fraget aber, ob der erzehlte Vorfall Sonnabend Abends recht spar; oder Sonntags recht frühe vorgefallen. Es läßet sich hier nichts entscheidendes sagen. Anm. Daß es Sonnabend Abends geschehen, scheinet Athanasius deutlich zu sagen, wie Tillemont tom. VI. p. 751. wol erinnert. Hingegen Ruffinus und Theo- voretas bestimmen den folgenden Morgen, welches Baronin» und Travasa billigen. An sich hat Athanasius wol einUebergewicht; allein wenn man annimmt, daß die Eusebianer im Begrif gewesen, in die Kirche zu gehen, welches die meisten Zeugen sagen, und nicht allein dieser Kirchgang vom Kaiser auf den Sonntag gesezet worden, wie Athanasius meldet; sondern er auch an sich am Morgen fchiklicher gewesen seyn würde, so Witzen wir nicht, welches vor wahrscheinlicher zu halten. II. Daß der Bischaf Alexander zu Con- stantinopel auf erhalteueu kaiserlichen Befehl, sich in die Kirche begeben und gebetet, ist gewis. Allein ob er eine Gesellschaft gehabt, und worin- nen sein Gebet bestanden? sind zwei strittige Fragen, von denen die leztere zugleich eine Ne- benfrage von deßen Rechtmäßigkeit veranläßet. Anm. i. Die erste Frage entstehet daher, daß Sakrales den Alexander allein, Athanasius aber ibn mit zwei Aeltesten, von denen einer Makarius gewesen, i» die Kirche gehen und beten läßet. Der leztere verdienet Ii 4 ^er §c>4 Geschichte der ariamfchen Rezerei hier mehr Ansehen. Der Umstand selbst beweiset, daß Sakrales nicht den Achanasium ausgeschmieret. 2lnm. 2. Bon dem Inhalt des Gebets haben wir eine dreifache Nachricht. Erstlich, Athanastus erzehlet, der Bischof habe Gott gebeten, wenn er Arit Eingang jn die Kirche verstatten wolle, ihn vorher» von der Welt zu nehmen; wenn aber stch Gott seiner Kirche erbarmen wolle, wie er gewis hoffe, den Armin zu lüden. Epiphanias kommt ziemlich mit ihm überein, und erzehlet auch die Wechsclbittc. Zweitens, Sozomenus weis nichts davon; sondern redet nur von einem Gebet um Abwendung dessen, was wieder ihn beschloßen war. Drittens erzehlet Sokcarc«, Alexander habe Gott gebeten: „wenn Am Meinung wahr wäre, so sclte Gott „ihm, den Alexander, nicht den Tag erleben laße'», „an welchem dieses entschieden werden sdlte, wen» aber „Anus Unrecht habe, so solle Gott diesen Stifter alles „Unheils von der Welt nehmen.» Historisch betrachtet, so mus wol der erste Bericht wieder vorgehen, zumal alsdenn Makarins am besten wißen können, was Alexander gebetet. Die moralische Frage wird durch die von den neuer» Gönnern des Arii über den Inhalt des Gebets nach der dritten Nachricht erhobene Spät? tereien veranläßet. S Leelerc biblisch, umvers. tonr. X. p. 474 und Jorrins Anmeril. über VicRirchenhi- stsrie Th III. S n?. Wir glauben, daß Soromenus freilich das vernnnfligste und Sokratcs das wunderlichste Gebet dem Bischof in den Mund geleget, und das leztere gar nicht zu entschuldigen, obgleich die römisch- katholische Schriftsteller es in Betrachtung, daß der Alexander ein Heiliger ist, billigen. Nur glauben wir nicht, daß Alexander hier seine Hände, voll so rnran- ständizcr Furcht und Zweifel, aufgehoben. Selbst das Gebet nach dein ersten Bericht wurde nach ächten Grundsizcn der Moral nicht tadclfrci; aber doch entschuldbar seyn. m. Von dem Ort, wo es geschehen, ist weniger Zweifel. Die Nachrichten, die davon noch beigefüget werden können, sind sehr unerheblich. Anm. im römischen Reich. sos Anm. l. Daß Ariug auf einem öftntlichen Abtritt, nicht weit voin Constankinsplaz, gestorben, crzehlcn die meisten, bald mit einer weikläustigern; bald einer kürzern Beschreibung. Nur Epiphanius saget, daß es auf dem Abtritt in Arii Wohnung geschehen. Anin. 2. Sozomenus p. 89. erzchlet, daß lange Zeit der Siz in dem Abtritt, dcßcn Arius stch bedienet, infam gewesen, und da viele Menschen zusammen dahin gekommen, sie stch unter einander ermähnet, stch ja nicht auf diesen Plaz zu sezcn. Nachhero habe ein reicher und mächtiger Ariancr das ganze Gebäude dem Fisco abgekaufet, und demselben eine andere Gestalt und Bestim- mung gegeben, um dadurch das beständige Andenken des Todes Arii auszurotten. Daß K- Tbeovosius an eben diesem Ort Arii und anderer Kczer'Bildsauleii aufrichten laßen, ist eine neuere Erzchlung. S. Tillenionr . tam.Vk. p. 297. ich IV. Ueber die Beschaffenheit des Todes sind die Berichte auch nicht einig; der tvichtigste Um« ftaild aber ist, ob er alle Eingeweide ausgeschüttet? Änm. Alhanasius ftget an einem Ort, er sey herunter gefallen und gestorben; an dem andern aber beschreibet erden Tod mit eben den Worten, welche Apostelgel. 18- von des Verrathcrs Tod gebraucht worden. So- kraees beschreibet es umständlicher. Er saget, der Mann wäre plözlich in Ohnmacht gefallen: der Mastdarm wäre mit dem Mist vorgefallen, und sey viel Blut und die übrige Eingeweide von ihm gegangen. Duvaloi» hat p.74. eine gute Verbeßerung des Tcxts gemacht. Mit diesem stimmen andere übercin. In dem angeführten libeilo precum des Marcellini und Laust» kommt eine Nachricht vor, die wir selbst mittheilen wollen: Araviliimo repente ciolore cruciatus, omnia sus vlsce- ra et ipsum coo, guoä erst tdesaurns impietstm, ef- suäit in storcoes, stczue mirabile äi^cu, inceenisomui- bv8 evacustis attenustu^est, ut per snAustiss tora- minis et secüli» totU8 ipie lakcretur, welches Labri- cius vor unglaublich halt, u.6r. voi. vm. x. zo8-und Ii 5 zwar so6 Geschichte der arianischen Rezerei zwar nicht ohne Grund. Ueberhaupt ist es wol sicherer, sich hier mit dem algemeincn zu begnügen, daß man ihn tod gefunden, und er eines plözlichen Todes verfahren, da man Urtach hat, in die medicinische und anatomische Gelehrsamkeit der Geschichtschreiber einiges Mistrauen zu sezen, und es allerdings wahrscheinlich ist, daß die von Achanasis gebrauchte und von andern wiederholte Begleichung des Todes Arii mit dem Tod des Judas manche Jusaze in der Historie veranläßet, welche wir desto weniger vor gewis annehmen können, da Athanasius nur kurz redet. §. Xl,VI. Theils ist ein noch grdserer Streit über die wahre Ursach dieses dem Arid begegneten Unfalls. Es ist allerdings denkwürdig, daß schon in den älteren Zeiten ein vierfach Urtheil davon gefallet worden. Denn nach dem Zeugnis eines vernünftigen Schriftstellers haben einige es vor eine gewaltsame Krankheit, die das Herz angegriffen, gehalten: andere es vor eine Wirkung seiner unmäßigen Freude angesehen, die er über den erwünschten Fortgang seiner Absichten empfunden: die dritten es vor ein besonderes göttliches Strafgericht ausgegeben; endlich die vier? ten, welches eben seine Anhänger gewesen, behauptet, daß er durch magische Künste seiner Gegner hingerichtet worden. Ich kan noch die fünfte Meinung hinzusezen, da ein alter Schriftsteller muhtmaßet, daß er vorhero sich im Eßen; oder Trinken übernommen: wovon doch alle übrigen Schriftsteller schweigen. In den neuern Zeiten sind die Urtheile eben so verschieden und laßen sich füglich in drei Klaßen bringen, da einige im römischen Reich. 507 einige es vor eine übernatürliche Todesart halten; zum Theil aber über die Ursachen, wärmn Gott ihn so gcstrafet, unter einander uneinig sind; andere es vor einen zwar ungewöhnlichen; aber doch natürlichen Tod halten: noch andere den Arianern beitrcten und muhtmaßen, daß der Tod gewaltsam von seinen Gegnern verursachet worden. Wir wollen die Gründe anzeigen, welche uns ndhtigen, keinem beizufügen und unsers Urtheils uns zu enthalten. Aiim. i. Der alle Schriftsteller ist Sozomenus liistor. ecclet. ///^. I. ea/,. 2Y p. 87. der Urheber der fünften Meinung ist Theodorctus . z8 Ruffinus erdichtet hier viel, da er einmal den Irtum hatte, daß Arms unter Lonstantio gestorben. IV. Hin- im römischen Reich. sir IV. Hingegen lehrte die Erfahrung, daß die grösten Anhänger des Am sich nicht bewegen ließen, ihre Gedanken zu andern. Anm. S. Soxomenum /iö»-. II. ca/?. z i. Theovorerum tiseretic. fsbulsr. IV. l. V. Daß ein gewißer Theophanes noch durch ein außerordentliches Gesicht belehret worden, Anus size im höllischen Feuer, ist eine Er- zehlung, die in eilier Münchshistorie wol einen Plaz verdienet. Anm. Moscbi prato spiritusli in Lotetiers mooi- mellt. eccles. Orsec. tom. II. p. Z49. IV. Von dm Geschichten der Arianer von Arii Tod bis auf den Tod des K. Constantii. tz. XÜ.VIH. Mai» hatte Ursache, zu hoffen, K. Constan- tin »vürde sich vor die Gegenparthei günstiger erklären; allein es geschahe nicht. Er lies sich durch die wiederholte Bitten und Vorstellungen nicht bewegen, den Athanasium zurük zu berufen. Man mus wol merken, daß der Kaiser in seinen Antworten auf die Fürbitten der ale- xandrinischcn Christen und des Einsiedlers Antons keinen Grund angegeben, aus dem einNe- ligionshaß gegen den Bischof zu folgern wäre; sondern immer sich auf Athanasii Neigung zur Unruhe s i r Geschichte der artanifthm Rezerei Unruhe und Empörung und aufdasvom Con- cilto gefällte Urtheil berufen. Es läßet sich da, her aus diesem Betragen eine vorzügliche Neu guug des Kaisers gegen die Arianer nicht envch seu. Bald darauf starb Alexander zu Con- stantinopel. Sein Nachfolger war orthodox , und hies Paul, irnd wurde bald verjaget. Aum. Voit beyden Begebenheiten,, die nur des Zusam. menbgngs wegen hier cingcrüket^vörden s dNontfancost «riv: 8. ^Ui»kir»s. p. zo. Tillemont« memoik. lam. Vlll. p. 66. und Leillcr bildoir. äes ^uteurx eeelel. to«. V- -Z8. §. XU I. C. Conftantill, der so lange seine Taufe ver- ZZ7- schoben hatte, enipfieug sie endlich durch den B. Eustbiunl vonNtkomedien. Es ist gcwis; daß er kurz^ vor se>mcm Tode, der hald darauf erfolgte , dem Athanajw de^,Befe^l ertheilet zurük zu kommen. Wir' können nicht' anders; als diesen Fürsten von dem Verdacht arianischer Gesin- »MWii freHrechen. Da hier her Ort nicht ist, von den Umsigndcft der'Taüfe ünd'dcs Todes des Kaistrs Constantiiis ziz reden; so zeigen wir nur an, daß von Ä-rbanLsil Aurrlk- i'berUfung nichüaürtn dieser selbst; sondern auch So;0- meyps /»ür, lls, 2 . rede. Es ist gcwis, daßAch«< ngsius erst jiy folgenden Jahr yon,T.riex abgegangen. Vnm. 2 . 2svn den so häufigen Streitfragen über K- Coy- stantins Religionsgestnilungen gebkret keine vor uns: "'als diese: ob er ein Arianer gewesen? Da davon schon viel geschrieben worden, wollen wir nur einige Anmerkungen beifügen: i) K. Constautin ist überhaupt ein Megent gewesen, der sich von seinen Staatsbedienten zu fthr regieren laßen, welches Heiden und Christen. selbst im römischen Reich. s i z selbst Ensebius, melden. S-. algemeine ^elthisioris B- XIV. §. 98- S- HZ. Man darf dah feinen Handlungen auf stine eigne Gestnyungen >. ch. sicher schließen. 2) Seine herrschende Neigung war unstreitig, in der Kirche mit Aufhcvung aller Zänkereien und Spaltungen eine völlige Einigkeit zu sehen. S- Lard- ner creclib. ok tlre 6. H. II. uo/. 7. p. Z97. 420. z) In Beurtheilung der Kezereien folgt« er wol wenig seinen eignen Einsichten; sondern hatte ein zu gros Vertrauen auf die Concilien. Da er die Kirchensacheir ziemlich politisch behandelte; so avar auch vor ihn kein anderer Weg. 4) Nach diesen Grnndsäzen konte er - wol, .da er die Streitfrage nicht verstand, vor dein Concilio zu Nicaa nicht anders b.uideln; als er gehandelt. ;) Nach dieser Dersamlung blieb er wol deren Lchrbegrif stets bcigethan; ivaS aber zum Besten des Lrii geschehen, that der Kaiser, weil er betrogen war, nicht in der Frag«: welcher Glaube ächt sey? sondern in der: waS glaubet Acius? 6) Die wechselsweise Verweisungen des Eusebii, und des Athanaju hatten . keine Religionsursachen gerade zu; sondern er sahealle- mal die Personen als Friedensstörer an, welche die von ihm so hochverlangte Einigkeit hinderten. Dieses sa, gc» seine eigne Worte. 7) Daß er von Eusebio sich taufen laßen, beweiset nichts, weil Euftbicis gewis nicht vor einen Arianer vom Kaiser gehalten wurde aind -Hieroir^mus urtheilet zu hart, daß er dadurch ein Arianer worden. S- die lwelchistorie ebendas S. 87- Man lese von dieser Frage Naral. Alexanders Iiikor. ecclef. /ec. IV. p. ZO7. Schurzfieischens controv. sut:-, «zuit. eccles. p, 6o6. Banmgarcens Auszug der Lir- äiengesih. §. ioz. S. izo.u.f. und meines Vaters Iiittor. eccles p. I;7Z. sg. Die übrigen Schriftsteller von Konstantins Religion crzehlet Vogt in der lüllor. litterar. Lonil. Ü 1 . und Labricius in luc. Llut. x. 262, §. I.. Kur; vor seinem Tod machte K. Constantin ein Testament, in dem er wegen der Thronfolge seiner drei Söhne eine Verordnung machte und, II Theil. Kk da s i4 Gesthichre der arianifthen Rezcrei da keiner von diesen gegenwärtig war, übergab er es einem Priester. Wer dieser gewesen, ist eine grose Frage, da zwar alle Geschichtschreiber übereinkommen, daß es ein Arianer gewesen; ein einziger aber, dem man wenig zu glauben Pfleger, den B. Eusebium nennet. So viel ist ge- wis, daß dieser Mann durch die Uebergabe deS Testaments an den Prinzen Constanlium, sich dessen Gnade und Vertrauen erworben und dieser Gelegenheit bedienet, deßen Gemahlin, ersten Sraatsbedienlen, Euseblum, und nach und nach den ganzen Hof, und selbst den Kaiser Constan- tium auf die arianische Seite zu ziehen. Man nennet noch den B. Eusebium, den B.THeognis und Theodor von Heraklea, die sich zusammen vereiniget, alles anzuwenden, das Ansehendes nicänischen Glaubensbekäntnisies und das Wort Homousios zu stürzen. Dieses sol die Quelle aller Unruhen seyn, die sich unter der Regierung des K. Conftanttt hervorgethan. Man mus aus der Historie sich erinnern, daßK. Constan- tins drei Prinzen, Consiantinus U. Constantms und Constans die Provinziell unter sich getheilet. sVeil die beyden, Conftantinus undConstans, standhaft bei den Schlüßen der nicarnschett Kir- chenversamlung blieben, so betrafen nur die Unruhen, so lange sie lebten, die Staaten des Con- stantii, der allein die Arianer begünstigte. Anm. 5. Von der merkwürdigen Geschichte von des Kaisers Testament sind die vornehmsten Zeugen Ruffinu» /rör. I. eaf. n. und/rbr.n. 2. Sokrares kistor. eccles. üör. II. cax. Z4. u. III. cap. i und Theodore« tu« lüLor. ecclest üür. U. cn/>. z. Aste drei sagen, daß es im römischen Reich. yr s rs ebm dem Aeltcsten übergeben worden, durch den die Zurükberufung des Arii wäre bewerkstelliget worden, philostorgius /ib»-. II ca^. l6. p. 48z.erzchlet nicht allein noch einige, das Testament des Kaisers betreffende, Umstände; sondern auch daß er es dem Eusebio von Nikomedien übergeben. Anm. 2. Man hat hierbei folgendes zu merken, c) daß einige in den Gedanken stehen, das ganze Testament sey vom Eusebio erdichtet; oder doch Lonstanrin dazu verleitet worden: 2) daß die meisten, wie Monrfau- con und Tlllemonr, bei der Erzehlung des Sskratis und Soromeni bleiben; Baronius »nnsl. ecolos a«u. lüeoxxvil. §. n- meinet, daß dem Akacio, der nun in diesen Handeln eine so berühmte Person vorgestellet, das Testament übergeben« noch andere, wie Duoalois vot. in 8ocrst. p. 7;. und Baumgarten in den An- merk. xur Welth. B. XIV. S. 88- des Philoskorgii Nachricht vor wahrscheinlicher halten. Anm. z. Von der Einrichtung des römischen Reichs un, ter den drei Söhnen des Constantins ist ebenfals die ttlgem. Welch. B. XIV. §. 104. u. f. zu vergleichen. §. r«i. In dem ersten Anfang der Regierung des K. Constantii fielen nur allerlei persönliche Zänkereien vor; die aber freilich weitere Aussicht gehabt haben wogten. Wir erzehlen sie hier, so weit sie in den Zusammenhang des Ganzen einen Einflus haben: ' I. Die Eusebianer suchen, die Zurükkunft - - des Äthanasii zu hintertreiben, um an seiner Statt einen andern Bischof zu sezen. Allein I. C. die Zusammenkunft der drei Bruder in Panno- ZZ8- nien veranläßet den gemeinschaftlichen Schluß, alle verwiesene Bischöffe zurük zu berufen und Kk » ihre s 16 Geschichte der arianischen Rezent ihre vorige Steilen ihnen wieder anzuweisen. So kam auch endlich Athanasius wieder zu Alexandrien an. Anm. i. Mit der Hauptquelle, Arhanasii eignen Berichten, in der spoioA. contrs /grisnos p. izo. IYZ. »po- lox. sä LonKanc. p. 298- Vd Iiiüor. -^risn. sä mansch, k- Z 47 - ig- lindzuverbinden Epiphanias kserek. I^XVIII. §. 9. Sokrares /iö»-. II, ra/,. 2. Soxomenus 6'ö»-. III. Thesdorerns /ib»-.I. cax. zo. Anm. 2. Es wurden außer Athanasio auch die übrigen verwiesenen Bischöffe zmükberuftn, wie nicht allein Athanastns, sondern auch philostorgius killor. eccles. /it>,. II. ca/>. 19. melden. Da die an ihrerStatt einge- sezten Eustbianec weichen musten, so entstanden daher viele Verbitterungen. Anm. z. Von der chronologischen Frage, vb Athanasi! erste Aurükkunft nach Alexandrien ins I-zz?. oder welches richtiger ist, ZzZ zu sezen? s. Tillemont tam. ^111. 9.671. u. Nronkfaucon vir. ^thsnss x. Zv. II. Die Eusebianer erhalten einen zweifachen'Vortheil. Si^verdrangen auf einer Kir- chenversamlung zu Corylantmopel den dasigen Bischof Paul. und sezen an deßen Stelle Eu- sebiUM von Nikomebten. > § Anm. S die Vesckichke'der Lirchenvers. S. 166. i» . ^ . 7 s III. Durch Erneuerung der alten und Beifügung neuerer Beschuldigungen, die falsch er- J C. funden werden, gewinnen sie ihre Absicht ,' K. 3^9 Constamii Ungnade gegen Athanasn Person zu erhalten. ^ < Anm. i. S- Ruffinum üb»'.!. ca/>. 15. Sokcatem histor. eccles. //bn II. cav. z. Sozomenum /rö»'. III. c^o. 2. n . Anm. im römischen Reich.' sr? 2nm.2. Athanasllts in der llillor. ^risn. erzehlet, daüste ihre Klagen auch bei den beyden andern Kaisern Konstantin und Constans angebracht; aber fruchtlos. IV. Ferner erhalten sie ihren Zwek, daß zu Alexandrien dieAnaner ihre eigne gottesdienst- liche Versamlungen halten, die sie vor Bruder erkennen. Sie sänken ihnen nicht allein Diako- nos zu; sondern erwehlen auch einen arianischen Bischof daselbst, welches der schon bei dem Anfang der Handel von dem B. Alexander in Bann gethane Pistus ist. Anm. Dieses wißen wir theils aus Achanasu Apologie; theils aus Epipbanio dseres. I^XIX. §. 8- Man vergleiche die Geschickte der Lirckenv. S. 166. wo noch zuzusezen, daß auch Monrfaucon eine Kirchenversam- lung zu Antiochien annimt. V. Um diese Zeit stirbt Eusebius von Ca- sareen. Sein Nachfolger Acacius ist ein Freund der Arianer und wird eine wichtige Person. 2 lnm. Dom Todesjahr des D. Eufebii ist man nicht einig, ob es ins Jahr zzy. oder Z40. zu ftzen. Von seinen Religionsgestnnungen wollen wir unten reden. VI. Die BischLffe in Aegypten halten eine I. x. Zusammenkunft zu Mxandrien und erlassen 340- ein Synodalschreiben an die übrigen christlichen Gemeinden. Es ist eine lebhafte Vertheidigung des 'B. Athanasii gegen alle ihm zur Last gelegten Beschuldigungen lind hat zur Absicht, die andern zu bewegen, AthanasiUM vor einen achten Bischof und Bruder zu erkennen Kk z und s 18 Geschichte der «rianisthen Rezerei und sich aller Verbindung mit den Eusebianern zu enthalten. Anm. i. Dieses Synodalfcbreiben ist die fruchtbarste Quelle der btshero erzehlten Begebenheiten. Es liefert solches Arhanasiusspol. contra ^riLnos.p. 12z. unddie Conciliensamler, besonders Mansi tom.II. p. 1279. ^ Anm. 2. Man sezet diese Dersamlung gemeiniglich ins I. zzy. und diese Meinung vertheidiget Tillemonr tom. VIII. p. 672. sq. Uns stud aber Montfaucons Gründe vit. ^tdsnsf. p. Z2. vor das I. Z40. wichtiger geschienen. Andere Schriftsteller sind in der Historie der Rircbenv. S. 167. angezeiget. VU. Die Ensebianer geben sich auch ihres Orts Mühe, andere angesehene Bischdffe auf lhre Seite zu bekommen und schiken desfals Geländen nach Rom und da diesen einige anwesende alexandrinische Abgeordnete mit Nachdruk entgegen arbeiten, vereiniget man sich, zu Rom eine Kirchenversamlung zu halten. Athana-- sl'us erschien persönlich und seine Feinde blieben außen. Der Schluß war vor den Athanasium und die übrigen mit ihm verfolgte Bischdffe. Anm. Da von den Quellen und Umstanden dieser Begebenheit, bei welcher der römische Bischof, welches P. Julius I. war, in der That das erstemal vorkommt, in der Gescb. der Lircbenv. S. 167. u. f. ausführlich Nachricht gegeben, so füge hier nur bei, daß nochMan- si cnIIeÄ. conc. tom.II. p. »ZZH. und von diesen Ver- samlungcn zu Rom, Aiexandrien u. Aneiockien die s6d. 8 8- tom. VII. iun. p. 77. llzcz. zu vergleichen. Es ist hier noch viel Zweifel, i» was vor Ordnung diese vorgefallen. I. C. VIII. Unter dieser Zeit hielten die Eusebia- Z4l- ner die Kirchenversamlung zu Antiochim. Von dieser im römischen Heich« z 19 dieser gehöret hierher nur, theils daß man ein sehr unbilliges Urtheil wieder den Athanasium gefället und, nachdem Eusebius von Emisa es ausgeschlagen, den Gregorium von Kappado- cien an deßcn statt zum Bsichoff von Alexan- drien verordnet; theils gewiße Glaubensbe» käntniße verfertiget, welche noch zur Zeit nicht so wol den arianischen Lehrbegrif zu bestätigen; als vielmehr die Aufhebung des Worts Homou- sion zu befördern, scheinen bestimmt gewesen zu seyn. Anm. Man sehe ebenfals mein angeführtes Buch S-171. Bon den Glaubensbekantnißen wollen wir unten reden. IX. Gregorius kommt mit gewafneter Hand und begehet zu Alexandrien viele Grau» samkeit. Darüber entstehet in Alexandrien und ganz Aegypten ungemein viel Unruhe. Anm. Hier ist die Hauptquelle Achanaslus epikol. enc)'- clic. tom. I. oper. xa»-t. I. p. 112. Man lese Montfaucon vit. p. Z4. und Tillemont tom. VUl. P- 77. sqq. X. Eusebius von Nikomedien, Bischof zu Constantinopel, stirbt. Sein Nachfolger nach «rschreklichem Unfug ist Macedonius. Anm. S- Sokratem II. ca». 12. Soxomenam III. ca/». 7. XI. Die Eusebianer besezen viele andere I. Stellen mir ihren Creaturen. Athanasius weichet zum zweitenmal aus Alexandrien und hält sich zu Rom auf. Anm. S. Montfaueon v. z6. Kk 4 tz Nl f26 Geschichte derarianischen Rezerei ' § L.U. Man hat Hei diesen Handeln wol zu bemet? keu, daß der K. Cönftanrius eigentlich nichts gethan, wie ihm denn auch nichts zur Last gele- get werden kan; als theils, daß er den von der orthodoxen Parthei nach Eusebii Tod zuritt berufenen Paul wieder zu vertreiben, befolen; Heils daß er überhaupt den Bischdffen zu viel Macht gelaßen. Er hatte mit den Persern einen schwehren Krieg, welcher wol die wahre Ursache gewesen, daß er sich der Kirchensachen wenig annahm. Und alle Handel, die gegen Athana- sium vorgenommen wurden, hatten nie zur angeblichen Ursach, daß er in der Lehre unrein sey. Hingegen war dieses die Klage des Athanasii, daß feine Gegner Kezer waren. Vermuhtlich war dieses die wahre Ursach, warum diese damals durch mehrere Glaubeusbekantniße den Verdacht abzulehnen, suchten. Alle diese Formeln hatten mehrcntheils den Fehler, daßHo- mousion auögelaßcn war. Sie bemühetensich 342. sonderlich, den abendländischen Kaiser Constans zu überreden, daß sie orthodox wären und aus gerechten Ursachen den Athanasium verfolgten. Sie richteten aber durch ihre Gesandschast nichts aus. Und vermuhtlich thaten auch die abendländische Bischdffe, besonders Julius vonNom, durch ihren Beifall, den sie dem Athanasio gegeben, viel dazu, daß sich dieser Prinz des Bischofs von Alexandrien annahm. Anm. 7. S. SokratemII. ca/,. 1Z. Soxomenum//ö»'. III. ca/». ii. Tillemont tvm. VI. x.Z26.Ü14. Anm. im römischen Reich. s 21 Anm. 2. Man mus sich hier erinnern, daß von den drei Kaisern LonstantinusII. schon im I. Z4e. umgekommen. S- die histolre litter. zehlungen der atbanasianischen Parthei hören. Das Merkwürdigste ist, daß Eonstans seinem Bruder gedrobet, Athanasium mit Gewalt einzufezcn und ihn mit Krieg zu überziehen, wenn er das erstere nicht thun würde. S. Sokrarem /r-f.II. mx. 2Z. Sozomenum /r^. III. cap. iO. Pbilo- fkorgium III cao. 12. Aus dem Verlangen des Lonstanrii an den Athanasium, den Arianern zu Ale- xandrien; und des leztern an den erstem, den Orthodoxen zu Antiochien einen besondern Gottesdienst zu verstatten, wovon Montfaucon p. 4;. und Tillemont toE VIII. p. 128 zu lesen, erhellet wol gnugsam , daß eine wahre Spaltung der Partheien damals gewesen. 2lnm. im römischen Reich. 525 2 tnm; 2. Don den beyden hier bemerkten Versamkungen zu Jerusalem und Mailand f. die -Hiflor. der Lir- ckenr^ S 182-lt f. Anm z. Man mus bemerken, daß Ursacius und Valens zugleich Achanasir Unschuld bezeuget. S. Athaiiasii spoi. p. iz6. U. siisior.-^risnor. sä monsck. p. zzy. Sakralem /rür. II. cax. 24. und Sozomenum ,/rö^.lII. ea/,. 2Z. 24. §. I.V. Der Sieg, den Athanasius über seine Gegner erhalten, schiene vollkommen und die Ruhe wieder hergestellet zu seyn. Man kau aber leicht begreiffen, daß der Friede nicht dauerhaft seyn konre und in kurzer Zeit giengen die vorigen Unruhen all, wohin denn gehöret: I. Athanasius läßet seinem Eifer den völligen Zügel. Er prediget nicht allein und schreibet wieder die Arianer; sondern ftzet auch verdächtige Bischdffe ab und verbindet sich mit denen ihm ergebenen Bischöffen noch guauer. Anm. i. Athanasius erzehlet dieses alles selbst sn seiner »poloA. contrs^risnos und i» der kisihris -glÄuor. sä monsckos, womit Sakrales /rör. ll. caz, 24. Sozo- menuS siö»'. III. cax. 2 1 . Theodoretus distör. ecclcf. ttör. II. ca/>. 6. und Philosiorgius /rbr. III. 12. zu verbinden. Zlnm. 2. Ob wir gleich nicht leugnen wollen, daß damals ein Bischof von Alexandrien über andere .Bischöffe in Egypke« und Libyen ein groses Recht hatte; sd kömien wir doch nicht bergen, daß uns Achanasir eigenmächtiges Absezen dir ihm misfalligen Lehrer misfalle, zumal wenn es wahr ist, wie Sakrales ra^. 26. meldet, er ts auch an Orten gethan, die nicht in seinem Sprengel gelegen ll. Kir- sv6 Geschichte der arianischen l^ezerei I. C. !l- Kirchenversamlung zu Rom , auf wel° 348- cher Ursacius und Valens wieder in die Kir- chengemeinschaft aufgenommen worden, nachdem sie auch vorhero Alhanasii Freundschaft gesucht. Änm. S die 'Zistor. ver Rircbenv. S. iZz u. f. z;o. III. K. Constans, die grose Stüze der athanasianischen Parthei, stirbst. Sein Erbe ist Conftantius. Außer dem Krieg mit den Persern hat er noch an Magnentio einen Kronprätendenten. Diese gefährlichen Umstände sind Ursach, daß der Kaiser im Anfang seiner neuen Regierung in die Kirchenhandel sich nicht nuschet. Sonderlich ist er bedacht, in Aegypkn die innerliche Ruhe zu erhalten, und halt es vor gut, Athanasiunr seines Schuzes zu versichern. Die Eusebianer, welche den Kaiser ganz eingenommen, brauchen zwar ver- schiedne Mittel, Athanasium aufs neue zu verdrängen; können aber in sechs Jahren zu ihren Zwek nicht gelangen. 2lnm. i. Don der bürgerlichen Veränderung und deren Folgen s. die algemeine welrhisiorie L.XIV. " f. 2tnm. 2 . Daß Lonstanrias dem Arbanas,o sehr gnädige Briefe geschrieben, siehet man aus des leztern »pol. sä LorlNtnt. p. zoy. und tiisior. ^risn. sä monscb. P. ZZ l. Anm.z. Man lestvon den mancherlei Bemühungen, Ächa- nasium aufs neue zu stürzen, Tillemonr to«. VUL, p. rz 7 - lgg. und Monrfaueon« vlr. ^rlisnss. p. zr. sgg. IV. Un- im römischen Herch. 52- IV. Unterdeßen gieng es andern orthodoxen Bischöffen in den Morgenlandern desto schlechter, von denen viele verdrungen werden. Anm. S- Tillemont tom. VI. p. ;g8- V. Um diese Zeit fallen auch die Kirchenver« samlungen zu Sirmich ein, auf denen mehrere, einander nicht gleichlautende Glaubensbekänp niße zum Vorschein kommen. Anm. Da diese Versamlungen zunächst den phorium betroffen, und nur wegen der gedachten Formeln hieher gehören, so ist es nicht nöbtig, uns dabei aufzuhalten. S. die Histoc. der Lirchenv. S. itzi- VI. Athanasius scheinet mehrere Verfallt- I. C. lungen in Aegypten gehalten zu haben, welche Z5-- den Erfolg haben, daß sich die Bischdffe verbinden, die Schliche von Sardica aufrecht zu erhalten. Bald wäre er mit dem neuen Bischof zu Rom, Liberi», zerfallen; allein dieser läßet sich eines beßern belehren und erkläret sich vor Athanasium. Anm.. S. die -Historie der Päpste S-8Z- und Montfau- cons vit. ^tksu. p. z i. Tillemont tom.VIII. p. iz8- VII. ConstantlUS wird von seinem Neben- Z 5 Z. öuhler, Magnentio, durch deßelben Selbstmord befreiet ; seine Regierung wird dadurch Nicht bester, woran die grose Ergebenheit an seine. Staatsbediente, unter denen viele schädliche Ohrenbläser waren, die meiste Schuld hat. Anm. S- die algemeine Vveltbistorie B. XIV. §. izt. u. f. Man thut sehr wol, wenn man hier das Betragen des Kaisers in bürgerlichen Angelegenheiten mit sei- - nen ss8 Geschichte der arianischen.Rezerei nen Unternchmungei, iü Kirchcnftchcn vergleichet. Ob ' seine neue Vemahlin E-aftbig eint» so groftn Antheil an Beförderung der arianischen Parthci genommen, wie Laroniq» vorgegeben, ist noch zweifelhaft. S. ebenSas. §. 129. , . §. I.VI. So viel ist gewis, daß von diesen Zeiten art die t^iurigste Periode vor die Orthodoxen eingetreten. K. Constanrius scheinet vor sich keine üble Absicht gehabt zu haben, der Kirche Ruhe zu schenken. Nur Schade, daß er solches auf Unkosten der Wahrheit und durch unschikliche Mittel that. Wir bemerken: J.C. I. Kirchenversamlung zu Arles. Aufder- Z5Z- selben haben die Euftbianer eine gewaltige. Hand. Sie erlangen, daß Athanasttls verdammt und von Arid ein Stillschweigen beobachtet wurde. Diejenigen, so sich hier wieder- sezren, wurden mit der Landesverweisung bedrohet. Selbst die anwesenden päpstlichen Abgeordneten unterschrieben das Urtheil; der B» Paullin von Trier aber lies sich verweisen. Anm. S. die -Historie Ver Lirchenversaml. S. t88- Z54. 1l. Kirchenversamlung zu Mailand. Sie. wurde von den Rechtgläubigen verlanget; fiel aber noch schlimmer aus. Der Kaiser forderte,- nicht allein die Verdammung des Athanasti? sondern auch seinen, den arianischen, Lehrbegrif zu billigen und zu unterschreiben. Weil auf den Ungehorsam die Landesverweisung geftzet war; so hatten nur drei Bischdffe nebst den zwei Abge- im römischen Reich. 529 Abgeordneten des Papstes, zu widersprechen, das Herz und wurden ins Elend gejaget. Anm. S- ebcnSaf S- 189 - lind Manfi coUeü. roncil. LMpIitt. tom.III. p. 2ZZ. m. Von dieser Zeit war K. Constantius recht ernstlich gemeiner, dem (manischen Lehrbe- grif mit Gewalt einen Triumph zu verschaffen. Es scheinet aber, daß die wemge Srairdhaftigkeit der Bischöffe, die vorher» vor die gute Sache geeifert, nicht wemg beigetragen, das vor gar zu erkennen, was ihm seine Hofbischöffe, unter denen Ursacius und Valens vorzüglich zu nennen, einsiößeten. Man mus bekennen, daß die Beschreibungen von den angewandten listigen Kunstgriffen, und oft grausamen Gewaltthätigkeiten, so uns hinterläßet, sind, eine sehr traurige Idee machen. Man findet, daß das vornehmste Mittel, deßen man sich bedienet, gewesen, die anders denkende Bischöffe entweder zur Unterschrift des kaiserlichen Ausschreibens, das ist, zum Abtritt zur (manischen Parthei zu verleiten; oder von ihren Aemtern zu verdrängen und über- al (manische Bischöffe und Lehrer einzusezen. Anm. Die vornehmsten Quellen von dieser harten Verfolgung der rechtgläubigen Parthei durch die Arianer sind Athanasius in der billor. Lrisnor. sä monarkos in dem Buch äe s^noäis ^rim. et 8eleuc. Hilarinr; in den orst. sä Oonllsutium und Lucifer« von Cagliari Schrift sä Loullsutium pro 8. Ltksnslio, und der: inorienä'uin pro äei 6lio , in dem neunten Band der L. Kl.k. P.997. tgg. aus deren jedem Tillemonr ton,. VI. p. z66. iqg. besondere Auszüge mittheilet. Aus dein Erfolg erhellet, daß es wahr sep, was Achanafiu« II Theil. L l mehr- szo Geschichte der arianischen Rezerei mehrmals versichert, daß der orthodoxe Glaube bet dem grösten Theil oer gemeinen Christen erhalten worden, und die meisten Bischöffe, so sich zu der arianischen Par- thei geschlagen, nur geheuchelt. I-C- IV. Unter denen Bischdffen, deren Beitritt der Kaiser am heftigsten verlangte, stand der römische, Liberius, wol oben an. Die im Anfang erwiesene Sündhaftigkeit dieses Mannes, die so weit gierig, daß er sich verweisen lies, gereichet ihm zu groser Ehre und desto mehr war zu beklagen, daß er sich doch endlich zum Fall verleiten laßen, ob er gleich nachhero seinen Fehltritt verbeßert zu haben scheinet. 2lnm. S- die -Historie ver Päpste S 8Z u. f. V. Athanasius war wol die Hauptperson. Es ergiengen harte Befehle, zum Besten der Arianer und der Kaiser sclükte zwei Staatsbe- dienren, Diogenem und Hilarium dahin, ihre Vollziehung zu bewirken. Ein Schriftsteller, der den Arianern gewis nicht günstig ist, meldet, daß das Volk daselbst sich mit dem Degen in der Faust entgegen gesezet und dadurch jene gendhti- get, die in Aegypten und Lybien gelegene Legionen in die Stadt ruken zu laßen. Wenn auch Athanasius hieran ganz unschuldig gewesen, so muste doch dieses den Verdacht des Kaisers, daß Athanasius zu Empörungen geneigt und fähig sey, unterhalten und vergrdsern. Der General 356. Syrianus hatte zwar keinen schriftlichen Befehl vom Kaiser, den Bischof fortzuschaffen; überfiel aber doch den 9. Hornung den Bischof und die versamleten Orthodopen mit einem starken Heer im römischen Reich. 5 zk Heer zur Nachtzeit in einer Kirche, bei welcher Gelegenheit allerdings es ohne Mord und Blutvergießen nicht abgieng. Athanasius wurde glüklich gerettet. Der Kaiser billigte alles Verfahren: lies durch einen eignen Minister erklären, daß er Athanasinm nicht dulten wolle, und das Volk zu Alexandrien nohtigen, durch Unterschrift zu versprechen, denjenigen als ihren Bischof zu erklären, welchen der Kaiser schiken würde. Anm. Von dieser traurigen Historie giebt Athanasius »pol. sä Lonllsnt. p. ZL7. lgg. llillor. ^nsnor. sä mo- vsck. p. Z7; sqg. Z9Z.iqq. wo die bekannte Protesta« rionsschrift von dem Einbruch des Syriani geliefert wird, u. äe fu^s sus p. ZZ4- Nachricht. Der gedachte Geschichtschreiber ist Sozomenns kiüor. eccief. IV. ca^.y. S. Tillemonk tm». VIII. p. 149. sgg. und die sü. lsnÄ. tom.I. msü p. 226. u. tom. III. P.70. VI. Die arianisch gesinnten Bischdffe hatten unterdeßen auf einer Kirchenverstimlung zu An- tiochien den Georg von Kappadocien zum Bischof von Alez-andrien verordnet und der Kaiser lies ihn durch den General Sebastian, der ein Manichäer war, einsezen. Er übte gegen die Rechtgläubigen grose Grausamkeiten aus, nicht allein zu Alexandrien sondern auch in ganzAegy- pren, wo die standhaften Bischöffe nach einander verjaget wurden. Anm. S. Tillemonk tom. VIII- p. i6l. sgg. §. I_VU. So sehr nun die arianische Parthei die Rechtgläubigen unterdrukr hatte und überal sie Ll 2 heftig §z2 Geschichte der arianischen Rezerei heftig verfolgte, so sehr wurde sie durch ihre innerliche Unruhen gestdret. Wir wollen den Zusammenhang des Hauptstreits der Arianer mit den Rechtgläubigen durch weitläufige Untersuchungen ihrer innerlichen Streitigkeiten nicht unterbrechen; sondern diese auf einen schiklichern Ort verspüren. Doch ist es ndhtig, hier zu bemerken , daß die Arianer vielleicht schon nach der nicänischen Kirchenversamlung unter sich uneinig gewesen; diese Uneinigkeit aber wenig Bewegung verursachet, so lang sie ihres gemeinschaftlichen Beistands gegen die Orthodoxen ndhtig hatten, man muste denn, wie einige thun, die Händel mit Photino hieher rechnen, welchen wir lieber einen eignen Abschnitt vorbehalten. Der Hauptunterschied betraf iezt wol dieses, da man überein kam, daß der Sohlt mit dem Vater nicht gleiches Wesens sey, das; man fragte, ob er denn mit dem Vater ein ähnliches Wesen (°>s^s-.ox) oder ein ganz verschiedenes Wesen (ii-keE.-'t) habe? Ueber diese Frage brachen nunmehr» dfentliche Unruhen aus von denen denn dieses zu bemerken: l. Aetius wird nach mancherlei Schiksaa- len Diakonus zu Antiochien; aber auch bald wieder abgesezct, weil er lehrete, daß der Sohn ganz anderen Wesens wäre; als der Vater. Er ist auf der ersten Kirchenversamlung zu Sir- mich, wo Basilius von Attkyra und der nachmalige Bischof zu Sebaste, Eustathius ihn zu wiederlegen suchen. Nach einer kurzen Ungnade im kölnischen Reich. sZz de des Pr. Gallus wird er deßelben Vertrauter: kommt nach Alexandrien und verbindet sich mit Eunomio. Man kan von dieser Zeit an den AetlUM und Emioinium vor die Häupter der strengen Arianer; BasiliUM aber von Anky- ra, als das Haupt der halben Arianer ansehen. Anm. l. Man lese hier So;omenum //ö»-. III. ra/,. iz. Theodorcrum II. 2Z. Epiphaninm kseret'. l^XXVIIl. Philostorzimn /rö,-. III. cap. r;. und von den neuern Tillemont tom. VI. p. 404. sqq. Wir behalten uns vor, von diesen Leuten unten mehrere Nachricht zn geben. Anm. 2. Wir sehen sowol die Photini'aner; als die Ma- cedonier vor zwei besondere Partheicn an, die wol von den Arianer» entstanden; doch aber auch ihre eigne Jrtümer gehabt. II. Kirchenversamlung zu Sirmich, auf I §- welcher die Arianer die Oberhand haben und ein Glanbensbekantnis entwerfen, das beyde Ausdrüke gleiches Wesens und ähnliches Wer stns verdammet. Anm. S. die -Histor. der Rirchenv. S- 19z. III. Leontius, Bischof zu Antiochien stirbt. Eudoxius , bisheriger Bischof zu Germanicia 358- hat die Geschiklichkeit, dllrch sehr unerlaubte List sich zu deßen Nachfolger zu machen und sucht vom Kaiser Constantio eine Genehmigung zu erschleichen; so aber nicht geschiehet. Anm. S. Sokratem /rbr. II. cax. Z7. Sozomenum /rbr. IV. ca^o. l2. sczcz. Theodorerum hitlor. eeclef. ühr.II. ca/>.2v. Philoslorgium /rör. II. cap. iz. IV. cazs.4. Dieser Ludoxins war erst ein halber, nachhero ein ganzer Arianer. Ll z IV. Die 5 Z4 Geschichte der arianischen Rezerei IV. Die Streitigkeiten zwischen Akacio Bischof von Cäsareen, und Cyrillo Bischof von Jerusalem, haben zwar blos die Gerechtsame des erstem über den leztern zum Gegenstand; doch ist wahrscheinlich, daß die Verschiedenheit der Religionsgesinnungen beyder Theile daran Antheil gehabt. Cyrillus wird abgesezet. Anm. S Sozomenum/»ö»-.IV. ea/,. 25. Sokr-rrem/rö»'. II. ca^.40. u. Theodoretum /i-r.I1. ca/>. 22. V. Das neue Symbolum der ganzen Ariar Mr von Sirmich, findet überal Wrederspruch; wird aber durch Akacii und Eudoxii Vorschub von einer Kirchenversamlung zu Antiochien genehmiget. Anm. S- Soxomennm /iör.IV. cax. 12.15. VI. Eudoxius verjaget einige Geistliche, die sich ihm wiedersezen. Dieses ist die Veran- laßung einer neuen Kirchenversamlung zu An- kyra. Der dasige Bischof, Basilius, dringet durch, daß das arianische Bekäntnis von Sirmich verdammt und die Lehre vom ähnlichen Wesen bestätiget wird. Sie schiken eine eigne Gesandschaft an den kaiserlichen Hof nach Sir- mich und erhalten ihren Zwek völlig. Eine daselbst veranstaltete Versamlung der anwesenden Dischöffe entwirft eine neue Glaubensformel, die halb arianisch ist und unterschrieben wird, welches auch von dem aus dem Eleud zurük berufenen Liberio geschiehet. Anm. S- die -Historie der Lircbenv. S- iy6. u. IYZ. und Mansr colletd. smpliü'. concil. to«. III. p. 265. h<1- im römischen Reich. 5 zs fqq. Von dem Eifer, womit diese halbarianische Bi, schösse gesucht, das anstößiqe arianische Glaubcnsbe- kantnis aus der Welt zu schaffen, s Gokcatem üö»-. II. caz?. zo. Sojomenum IV. zo. und Athana- sium äe s^noci. tom. I. oper. 2. p. 716. Vll. Die halben Arianer, besonders Bast- lius finden Mittel, Z>ie ganzen Arianer bei dem K» Constantio nicht allein als Kezer; sondern auch als zum Aufruhr geneigte Leute verhaßt zu machen. Worauf eine harte Verfolgung verhänget wird. Eudoxius wird aus Anriochien verjaget: Aetius und Eunomius Landes verwiesen. 2nm. S-Sozomenum IV. cazi. i z.sqcz. Philostor« gium /r^.IV. ca/,. 8 und Gregorium von Ltyssa üö»-. I. in Lunom. p. 2go. sqcz. §. UIX. Nunmehro waren die christlichen Bischdffe wirklich in drei Haufen getheilet: einige waren Arianer; andere halbe Arianer; noch andere Orthodoxen. Die mittelste Parthei war die mächtigste bei Hof. Und diese so wol; als die Arianer schienen den Kaiser bewogen zu haben, eine neue algemeine Kirchenversamlung zu halten. Ehe diese zu Stande kam, brachte es Basilius J E. von Ankyra dahin, daß die bei Hof anwesende Z59- Bischöffe, unter denen Ursacius und Valens auch waren, ein neues Glaubensbekäntnis durch den B. Marcum von Arethusa entwerfen ließen. Der gegenwärtige Kaiser verlangte, daßgeleh- ret würde, der Sohn sey in allen dem Vater ähnlich und zwang auch allen die Unterschrift ab. Anm S. die Historie See Lirckenv. S- iYZ. Ll 4 H. ux. sz6 Geschichte der arianischen Rezerei tz. I.IX. Die grösere Kirchenversamlung war erst nach Nikomedien, denn nach Nicaa ausge- schrieben; endlich aber hatten die ganzen Aria- ner Mittel gefunden, es so einzurichten, daß die morgenländischen Bisckdffe.zu Seleucien und die abendländischen zu Rimini sich versinnlen sotten. Das leztere wurde durch die offenbare Mehrheit der Orthodoxen recht herrlich angefangen ; allein durch List und Gewalt überaus schlecht gecndiget. Das Glaubensbekäntnis der halben Arianer wurde angenommen und so schiene dieser Lehrbegrif völlig in den Abendländern zu triumphiren. Jn'Seleucien kam es zwischen den Arianern und halben Arianern zu einer gänzlichen Trennung der Versamlung. Beyde Theile wenden sich nach Hof, wo nach vielen Zänkereien der Kaiser durchdringet, daß auch die Akacianev, so arianifch gesinnet waren, ebenfals das dritte Glaubensbekäntnis von Sir- rnich unterschrieben. Annr. S- die -Historie der Rirckenv. S-197. U. tNänsi coNeÄ. concil- smxl. toi». II. z. 29z. §. L.X. Von dieser Zeit bis auf den Tod des Kaisers Constantii war alles in der äußersten Gahrung, da sonderlich die verschiedenen Partheien der Arianer einander wechselsweise die Hälse zu brechen suchten. Vor uns gehören folgende Begebenheiten. I In im römischen Reich. sz 7 I. In den Abendländern suchen Ursacius und Valens mit aller Gewalt die Unterschrift des oftgedachten Symboli von Sirmich zu betreiben. Hieraus entstehen Absezungen, Verweisungen und andere Arten von Unfug. Anm. S- Sokratcm killcrr. ecclet. /kür. II. ca/7. Z7- So- zomcnum krür. IV. cs/7. ,y. Rnffinum killor. eccles. //ü»-. I. cax. 2«.. Ein tliilriqcs Gemäblde von dem da- maliacu-Zustand der Kirche liefert Vincenrius vonLe« rins oommonil. ca/,. 6. II. Zu Constantinopel halten die arianische Bischoffe eine Versainiuiig. Auf der einen Seite wurde AelMS zwar verdammt und verwiesen , lind aufs neue die Glaubeussormel zu Rimini unterschrieben; da aber doch die Häupter der halben Arianer, sonderlich Basilius von An- * kyra, zwar nicht wegen der Lehre; sondern einiger groben Verbrechen ebcnfals abgesezet worden, so lst noch ein groser Zweifel, ob die ganzen oder halben Arianer mehr Vortheil gehabt. Anm. S. Sokracem /kür.II. ca/i.Hl. Sozomenum üör. IV. ca/). 24. Mansi coll. concil. tom. III. p. Z25. li;«;. III. Die auf diesem Concilio befolne Unter- I C. schrift des gedachten Somboli wird mit grosem Ernst getrieben und überal erzwungen, wodurch auch die morgenlandischen Gemeinen in die äusserste Verwirrung gesezer werden. Anm. S- Sozomenum /kür. IV. 26. und Dregori- um von Nazianzus orst.XXI. IV. Eudoxius Wird Bischof zu Constantinopel und Euriomius zu Cyzicum. Jener ist Ll Z nur sz 8 Geschichte der arianischen Rezerei nur heimlich ein ganzer Arianer; dieser aber dfenllich. Weil er sich nicht verstellen wil, verlieret er sein Amr und dadurch wird der Grund geleger zu der Trennung zwischen den Anhängern beyder Bischbft'e, die später erfolget. Anm. Außer dein Sokrare und Soxomeno ist Theodor retus killor. eccles. /rör.H. ca/i. 2Z. u. kseret. labul. Mr. IV. ca/i. 2Z. Philoslorzius /r-r. VI. cax. l. Gcer gorii von Nrsta /rö,-. I. contra Lnnorn. zu vergleichen. S- Tillemonr tom. VI. p. ^04. I. C. V. Der orthodoxe Meletius wird zu An- z6l. tiochien Bischof; aber auch bald darnach abge- sezet und an seine Stelle der alte Arianer, EU- zojus, Bischof. Ebendaselbst ist ein arianisches Concilium, welches eine neue ganz arianischklin- gende Formel entwirft. Anm. S- die Histor. der Rirchenv. S 205. undMansi tom. III.p. ZZ7. §. L.XI. Mittel: unter den eifrigsten Bemühungen der Arianer von allen Arten, ihren Lehrbegrif recht algemein zu machen, starb K. Constantius, nachdem er vorhero, wie einige melden, sich vom arianischen Bischof zu Antiochien, Euzojo taufen laßen. Aus seinen biöhero erzehlten Handlungen ist wol kein Zweifel, daß er der ariani- schen Parthei und besonders den halben Aria- nern ganz ergeben gewesen. Wir glauben, daß es ihm allerdings an eigner Käntnis der Religionslehren gemangelt und da er überhaupt in seiner Regierung von seinen vertrauter» Staatsbedienten im römischen Reich. fzy bedienten gänzlich abgehangen, ein groser Theil der vorgefallenen Gewaltthätigkeiten, den lez- tern anzurechnen. Ob er vor seinem Ende die Verfolgungen bereuet habe, schemer noch zweifelhaft. Anm. i. Don dem Tod und Charakter dieses Prinzens s. Sie algemeine Welthistorie D.XIV. § 201. u f. Wir sezen hier nur bei, daß dieser Prinz überaus deftig und geneigt zur Verfolgung gewesen, nicht allein in bürger» lichen Vorfällen, sondern auch in Religionssachen, wo» von sein Eifer, die heidnische Religion auszurotten, ein Beweis ist. Und da er sehr despotisch regierte, so war es kein Wunder, daß alle, die nicht wie er dachten, seine Ungnade empfunden. Anm. 2. Daß Lonstantius eine Reue über seine heftige Verfolgungen der Rechtgläubigen vor seinem Ende bezeuget, «neidet Gregorius von Nazismus orst. XXI. tom. I. oper. p. z8y- und Theodoretus II.L. /r'ür. III. cap. l. p. i2g. hingegen versichert Arhanasius äe hm- oä. p. 748. das Gegentheil, welches auch durch die Person des Euxoii sehr bestätiget wird. V. Von der Geschichte der Arianer vom Tod Constantii bis zu ihrer gänzlichen Unterdrükung im römischen Reich. §. i^xn. Der Nachfolger des K. Constantii, war Iu- lianus, der durch den Abtritt von der christlichen zur heidnischen Religion sich berüchtiget gnug gemacht. Theils das Verlangen, sich die Liebe 54^ Geschichte der arianischen Rezerei Liebe des Volks zu verschaffen und zugleich Con- stantii Unternehmungen zu zernichten, und verhaßt zu machen; theils die Christen durch ihre innerliche Streitigkeiten aufzureiben, veranlaßte ihn, nicht allein allen christlichen Partheien eine völlige Gewißensfreiheit zu verschaffen; sondern auch alle Verwiesene zurük zu berufen. Dieses gereichte der rechtgläubigen Parthei zu grosem Glük. Die vertriebenen Bischdffe kamen wieder zurük; und der allergrdste Theil derer, die sich verleiten laßen, die arianischen Glaubensbe- kantniße zu unterschreiben, erklärte sich vor den nicanischen Lehrbegrif. Dieses geschahe von den abendländischen Provinzen, ohne Ausnahme; allein in den Morgenlandischen blieben noch gnug Arianer, die denn nach ihren verschiedenen Parlheien abgesonderte Gemeinen machten. Anm. S. Julian» epiil.XXVI. XXXI. r,ll. Sokratem /ibr. III. ca-i. i. Sogomenum /rör. V. cax. z. -Hiecony/ mum contr» l^ucit. ca/,. 7. Tillemont tom. VI. p. 522. und die Lebensbeschreibungen von K. Julians, die in den GrunSsa;en der Rirchengesch. des Vt. T. S. 192. angeführet habe. §. mi. Insbesondere verdienen bemerket zu werden: I. §. I. Unfug des heidnischen Pöbels zu Ale- . 362. xandrien, bey dein der dasige arianische Bischof Georg sein Leben schändlich einbüßet. Anm. S- Sokratem /iör. III. ca-7. 7. Sogomenum lrör. V. ra/,. 7. AmmianumMarcellinumdiüor.üö^.XXII. P.22I. im römischen Reich. 541 p. 22l.fqq. EpipbaniumkXres.l^XXVI. §. i. und an» Lere, bei dem Tillemonr tom. VIH. p. 2L0. II. Athanasius, der bishero im verborgenen gelebet; doch aber nicht unwirksam gewesen, kommt wieder nach Alexandrien: wird mit gro- ser Freude empfangen und fielt daselbst die ortho« xe Parthei in ihrem völligen Flor her. Anm. S- Monrfaucons vit. p.78. wo sonderlich Gregorii von Nazianzus in orst. XXI. begangene Verwechselungen verschiedener Zeitperioden bemerket werden. III. Kirchenversamlung zu Alexandrien, die durch ihre gelinde Mittel die Bekehrung der bisherigen wahren; oder sehr verstellten Arianer sehr erleichtert. Anm. Die übrigen Angelegenheiten dieser Vcrsamlung ge° ^ hören hieher nicht. S- die -Histor. ver Rirckenv. S. 206. und Mansi colleü. smpjils. concil. tom.lll. p. Z 4 Z- IV. Die Streitigkeiterl sowol zwischen den Rechtgläubigen und den Arianern; als zwischen den verschiedenen Partheien der leztern werben durch die gemeine Verfolgung des Christenthums unter dem vor die heidnische Religion eifernden Julian unterbrochen. Anm. Diese sehr wahre Anmerkung macht Soxomenus /rb»'. VI. 4. V. Iulianus stirbt an der in einem unglük- z6z. lichen Treffen empfangenen Wunde, nachdem er auch Athanasium verweisen laßen, der aber bald nach Alerandrien zurük kommt. tz. L.XIV. 542 Geschichte der arianischen Rezerei H. L.XIV. Der Thronfolger war der verdimte Feldherr, ^ovianus. Er war nicht allein ein eifriger Christ, der sich es zur Pflicht machte, die von Iuliano getroffene Anstalten zur Verfolgung der christlichen Religion zu wiederrufen; sondern sich auch besonders vor die orthoxe Par- thei erklärete. Die morgenländischen Arianer bemüheten sich vergeblich, ihn zu gewinnen und diese Umstände bewegen verschiedene von ihnen, unter denen Macius vorzüglich verdienet bemerket zu werden, dem nicänischen Glaubensbekänt- nis beizutreten. Auch die alexandrinischen Arianer thaten ganz fruchtlose Versuche, den in hohen Gnaden stehenden Athanasium in Ungnade zu bringen. Allein diese vortheilhaften Umstän- I C. ve wurden durch Ioviani Tod bald unler- brachen. Anm S- Sakralem hisior. erclesi Lör.lII. ca^>. 24.25. Sozomenum VI. cax. 4. Theovorerum IV. diüor. eccl. 2 und von den Athanasium betreffen» den Handeln, deßelben oper. tom.I. ^art.2. 9.780. Vergleiche Tillemonr tom. VI. p. Z2y. tom. Vltl. p. 208. Monlfaucons vir. ^rksa. p.82. und atgemeine wetv- hist. B.XIV. §. 258. §. I.XV. Der von dem Kriegsheer erwählte neue Kaiser Dalentinianus würde die bishero von den Rechtgläubigen genoßene Ruhe wol erhalten haben, wenn er nicht seinen Bruder, Va- lens, zum Regierungsqehülfen angenommen hätte. Diese beyden Brüder waren von ganz im römischen Reich. " 54; verschiedenen Religionsgesinnungen. Alle kommen überein, daß Valentinianus der orthodoxen Parthei beigepflichtet und Dalens hingegen ein Arianer gewesen; nur ist man nicht einig, wenn und wodurch er bewogen worden, sich vor dieselbe zu erklären. Anm. Sakrales ü ö,-. I V. rax. r. und Sazamenus VI. ca/?. 6. berichten, daß Valens vor seiner Erbcbung auf den Thron von dem B. EuSoria gctaufet worden; Theovarerus aber /-b».IV. ca/?.mit dem -Hieran)?-, mi Chronik übereinstimmet, sezet die Taufe erst ins I. Z67. und scheinet zu glauben, daß der Prinz vorher orthodox gewesen, und durch seine Ecmalin verführet worden. §. I.XVI. Die daher entstandene Bewegungen sind - folgende: I. Der den Arianern günstige Valens er- I.C. laubet diesen, zu Lampsacus eine Kirchenver- Z65. samlung zu halten, welche den halben Arianern mehr; als den Arianern vortheilhasr ist: Anm. S- die Histor. VerRirckenv. S. 209. II. Valens nimmt dieses und besonders ih- z66. re Schlüße gegen Eudopium ungnädig und sucht durch eine andere Synode zu Nikomedien die Bischöffe zu ndhtigen, deli arianischen Glauben anzunehmen; kan aber seine Absicht nicht erreichen, und daher erhebt er eine Verfolgung, welche die Rechtgläubigen, halben Arianer und andere kleinere Partheien trift. > Anm. 544 Geschichte der arianischen Rezerei Anm. S- Sokratem lliKor. eccles. /rör .IV. ca/>. 7. So;omenum /rö». VI. ca/i.y. III. Die halben Arianer ergreifen nach vielen Unterhandlungen auf neuen Zusammenkünften, das unerwartete Mittel, sich durch Abgeordnete zu Rom mittelst Unterschrift der nieäni- schen Glaubensformel > mit den abendländischen zu vereinigen. Anm. l. S- Sokratem kör-. I V. cax. l 2. Sozomennm VI. cap. lo. und die Hisior. der Rircbenv. S-212. Diese Vereinigung wurde auchvon mehreren abendländischen Gemeinen erkannt und bestätiget. Auch eine morgenländische Kirchenversamlung zu Tyane that dieses, und beyde Patthcien schienen nunmehro einig, das nicanische Bekantnis herzustellen. Anm. 2. S-ebendas S 21z. IV. Allein dieses fände neue Hinderniße theils durch den Widerspruch einiger Halden Arianer gegen das Wort theils durch die bei Hof mächtigen Arianer. Diese brachten I. C. harte Befehle wieder die, unrer Eonftantio ver- 367. trjebene und unter Julians zurükgekommene Bischdffe heraus. Es ist gewis, daß daher eine Verfolgung entstanden; sie scheinet aber nicht überal ihren Zwek erreichet zu haben. Wenigstens muste Valens Athanasium zu Alexanderen laßen, und dieser ermunterte seine Bruder zur Standhaftigkeit in der Verfolgung. Anm. S- Sozomenum /rö»-.VI. cax. 12. Monrfaucon vit. HrtnmsL x.Zz. Tillemonc tam.VI. p. 549. ton». VUl. P.2ZZ. 569. V. Kirchenversamlung unter dem B. Damast) von R»M. Sie ist sehr orthodox, aber aus 545 im römischen Reich. aus Menschenfurcht partheiisch, da sie nur die beyden (manischen Bischöffe inIllyrien, Ursa- ciuni und Valens verdanlMt; von dem mai- ländischen aber, Auxentio, der eben wegen der erschlichenen Gnade des Kaisers Valentiniani der gefährlichste ist, schweiget. Sie bekommt darüber von den ägyptischen Bischdffen eine Weisung, die nichts fruchtet. Anm. S- dieHiffor. derRircdenv. S-2lZ.U»dBowers Historie der Päpste Th. I. § 286. VI. Der grose Arianer, Eudoxius, stirbet. I C. Sein Nachfolger zu Constantinopel, Evaqrius, ist orthodox und wird auf kaiserlichen Besehl verwiesen. Anm. S- Sokrarem /rbr.IV. ca^>. 1;. und So;omenum /r-r.VI. cax. IZ. Wer der mit ihm verwiesene Ensta- rhi«s sey? ist noch zweifelhaft. S. Tillcmonr tom. VI. P.Z5Z VII. Da die Rechtgläubigen von den Aria- nern öfters gemishandelt werden, wagen diese, durch achzig abgeordnete Geistliche bei dem Kaiser Valens Vorstellung zu thun. Sie werden sämtlich zu Schis gebracht und auf demselben verbrannt. Anm. Diese erfchrekliche That erzehlet Sokrares und So- zomenus an a.D Tbeovoceru» üb»-. IV. cax. 21. und Grrgorius von Nazianxus orst. XX. P. Z48 u. orat. XXV- P-4ZZ. S Papebrochs eigne Abhandlung in akl. 88. tom. IV. MLii p. 170. VIII. Zu Constantinopel wird Demophilus Bischof. Er scheinet ein halber Arianer und Verfolger der Eunomianer gewesen zu seyn. n Theil. Mm Anm. 546 Geschichte der arianisthen Rezerei Anm. S- Sokratem stör. IV. cax. 14. Theodoretum /rör. V. ca/,. Z9. und Philostorgium üö»-. IX. ca/>. 8 >9- 3 - C. ix. Die Verfolgung der rechtgläubigen Bi- Z7^ schösse ist algemein; doch behaupten sich einige, unter denen der gross Basilius ist, daß doch diese Parthei nicht ganz ausgerottet wird. Anm. Außer denen bishero angeführten Ktrchengcschicht- schreibern sind nun Gregor» von Nastanrus Reden und Lasst» des Grosen Briefe als wichtige Quellen anzusehen, die von der heftigen Verfolgung unter dem Valenz Nachrichten von zu viel persönlichen Umstanden enthalten; als daß sie hier angeführet werden können. Tillemom hat sie tom. VI. x. z;8- mit grosen Fleis gefaustet. X. Athanasius stirbst. Sein Nachfolger ist Peter, der von einem heidnischen Statthalter mit Gewalt verjaget wird, weil er ein Orthodox ist. Die Arianer sezen Lucium ein, der die Rechtgläubigen hart drukt. Anm. S- Theodoretum llistor. eccles. sibr. IV. cax. 18-19. Z75. Xl. Die illyrische Kirchen vereinigen sich mir den andern abendländischen nn Bekäntnis des nicänischen Lehrbegrifs, welches K. Daten- littianus billiget und durch einen Befehl nach Asien die Verfolgungen zu hemmen suchet. Anm. S- die Historie der Liccbenv. 6.219. XII. Doch ist dieses ohne Wirkung, da der gedachte Kaiser, Valentillianus, mit Tod ab- gieng. Seine Nachfolger waren stille beyden Söhne, Gratianus, und der zweijährige Va- lermnianus II. zwischen denen der abendländische im römischen Reich. 747 sche Theil des römischen Reichs wieder getheilet worden. Anm. S. algemeine welch. B. XI V. §. zz;. XIII. In Orient erweitern sich die Verfol- I. C. gungen, welche besonders die ohnehin eifrige Münche recht vorzüglich trafen, welche durch den Krieg mit den Gothen unterbrochen und durch den Tod des Valens geendiget werden. Z78. Anm. S- ebenvas. §. zzi. §. I.XVH. Nach Valentis Tod, gelangete Gratia- NU§ auch zur Regierung des morgenlandischen 379. Reichs, und nahm nicht lange hernach den Theo- dosium, so irr der Historie mit dem Beinahmen des Großen beehret wird, zum Mirgehülffen an. Diese beyden Prinzen waren dem Lehrbe- grif der Rechtgläubigen mit vielen Eifer beige- than. Dadurch bekameir die Kirchenangelegen- heilen eine ganz andere Gestalt und die Streitigkeiten mit den Arianern hörten in den Staaten des römischen Reichs durch die Unterdrükung der leztern auf. Die desfals noch übrige denkwürdige Begebenheiten sind diefe: I. Gratianus giebt allen Unterthanen die z?8. Religionsfreiheit, und schließet nur dieManichä- er, Photinianer, und Cnnomianer, von dem Recht, gottesdienstliche Zusammenkünfte zu halten, aus; berufet auch die unter dem Valens vertriebene Bischöffe zurük. Mm s Anm. 548 Geschichte der arianifthen Rezerei Anm. S- Sakralem kilkor. eccles. /rör. V- cax. 2. Sozo- mennm/rö» .IH. ca/>. 1. u. Theodorernm üb»-. V. ca/>. 9. Dieses Gesez ist nicht mehr vorhanden. II. Einige von den halben Arianern, die unter dem Nahmen der Macedonianer iezt bekannt waren, und sich bisher» zu den Rechtgläubigen gehalten, ergreifen die Gelegenheit, wieder ihre eigne Versandungen zu halten. Sie erneuren ihr Bekäntnis, daß der Sohlt mit dem Vater ähnlichen Wesens sey, auf einer Synode zu Antiochien in Carien. Anm. S- Sozomenum /rör. VII. cax. 2. I. C. III. Die Orthodoxen erhalten zu Constan- Z79> tinopel nicht allein wieder ihren Gottesdienst; sondern auch am Gregorio von Nazianzus einen eifrigen Bischof, der in kurzer Zeit ihre Anzahl ansehnlich vergrößert. Anm. Außer den eignen Nachrichten dieses Schriftstellers im csrm. «le vits lua und in seinen Revcn, s. Sozome- num ebenöas. co/». 7. IV. Gratianus verbietet die Zusammenkünfte der Kezer ohne Unterschied. Anm. l. S. l^. 5. L. I'll. äe iiLret. wo Eolhofrevs Noten ton». VI. p. 128. zu vergleichen. Anm 2. Man glaubet, daß der in grosen Gnaden stehende B. Ambrosiu« zu Mailand, wo der Kaiser sich aufhielte, einen grosen Antheil an diesen Verordnungen gehabt. Wenigstens ist feine Reise nach Sirmich, um daselbst einen orthodoxen Bischof, Anemius, zu erweh- len, ein Beweis von seiner Geschäftigkeit in dieser Sache. S- Rubeis monim. ecctel'. ^Huilei. p. Zz. 380. V. K. Theodosius folget in dem Orient diesem Beispiel. Er bestimmet in einem Gesez das 549 im römischen Reich. das Bekäntnis, welches einem das Recht gebe, ein katholischer Christ zu heißen und drohet mit Strafen. Anm. l>. 2 L. 1k. sie 66e cstkolics. VI. Bei seiner Anwesenheit zu Constanti- N0pel verlieren die Arianer alle Kirchen und ihr Bischof Demophilus mus aus der Stadt. Anm. S- Sokrarem siö»'. V. 7. Nach Pbilosiorgii Bericht siö»-. IX. cs/,. ly. sind alle Arianer verjagetwor- den, welches sehr unwahrscheinlich ist. VII. Noch ein härteres Gesez des K. Theo- 5t- dosii verbietet den Kezern alle gottesdienstliche ^ Zusammenkünfte in den Städten, und daß man wiße, wer darunter zu verstehen, wird das nicä- nische Glaubensbekäntnis als ein Merkmal der Orthodoxie angegeben und selbst die darinnen enthaltene Lehre ausgedrukt. Es befielet zugleich alle Kirchen an die Rechtgläubige auszuliefern. Anm. S. d>- 6. 6.1k. 6e ksereticls. VIII. Der General Sapor erhält Befehl, dieses Gesez überal zu vollziehen. Anm. S- Theodoretum k'ö»-. V. cax. 2. IX. Es ist ganz natürlich, daß durch diese Anstalten eine Menge Volks bekehret worden eben so wol; als daß sich die arianische Bischdffe zerstreuet. Anm. S. philostorgium /»-»-. IX. cqa. 19. siö»-.X. ca/>. i. X. Gross Kirchenversamlung zu Constan- tinopel. Die macedonianischen Bischdffe ent- Mm z fernen 5 s a Geschichte der arianischen Rezerei fernen sich, und die reine Lehre, wie sie allen Arianern entgegen stehet, behält freilich die Oberhand; nicht aber die Liebe und der Friede unter ihren sehr streitbaren Bekennern. Anm. S> die -Hisior. der Lirchenv. S. sr^. u. f. XI. Neues Gesez, daß die Kczer ihre Kirchen an die Rechtgläubigen ausliefern. Anm. S h,- Z I'k- 6s 66e cstkoi. Es ist nach diesem Gesez sehr zweifelhaft, daß den Arianern doch außer den Städten ibre Dersamlungen verstattet worden, wie Tillcmonr tom. Vl. p. 6sz. niuhtmaßet. Es wird zwar durch die Versicherung des Sokratis Lö»-. V. 20. und Soromenr lrö».VII caz>. >2. wahrscheinlich; hingegen durch 1. 8- 1'K. 6e trser. so ebcnfals in dies Jahr gehöret, wiederleget. XU. In den Abendländern ist malt eben si> geschäftig und die Kirchenversamlung zu Agui- leja verdammet sie aufs neue. Anm. S die hisior. der Rirckcnv. S-228- u. Mansl ccili. ampl. tom. III. ^ 6ol. Igg. xm. Doch suchen auch die Arianer sich zu erhalten, und da auch noch mehrere kezertsche I. C. Partheien vorhanden, hält Thcodosius einen 38z. Friedenscvngreß zu Constantinopel, auf welchen Eunomius sein berühmtes Glaubenobe- käntnis übergiebt. Der Erfolg ist, daß der Kaiser alle Kezer verdammet und nur die Glaubensformeln genehmiget, in denen das gleiche Wesen des Sohnes mit dem Vater bekannt wird, und noch dazu die schärfsten Strafgeseze giebt, in welchen ihnen alle gottesdienstliche Zusammen- im römischen Reich. 5 sr sammenkünfte schlechterdings untersaget und sehr harte Strafen damit verbunden werden. Anm. i. Don der Versamlung s. mein angeführtes Buch S. 2zo. Die Geseze sind Ü. n. u. 12. L. 'sh. äs tise- retic. Anm. 2. Man sezet in diese Zeiten theils den von Enno- mio gemachten Versuch, durch eine Unterredung in Gegenwart des Kaisers seiner Parthei Vortheile zu erhalten, der durch des Kaisers Gemalin , Flacilla, hintertrieben worden, bet dem Sozomeno übn. VII. H.L. ca^.6. theils die von ältern und neuem so sehr gerühmte, jedoch in der That seltsame, und wegen des Ver- foigungsgeistes zu misbilltgende Aufführung des B. Amphilockii, von welcher Sozomenus ebenvasi und Theodoretus übn. V. ca/>. 16. zu lesen. XlV. Die Drohungen gehen auch in die J.C. Erfüllung. Die kezerische Bischbffe werden ver- ^^4- jaget: mehrere Personen werden infam gemacht und verlieren das Bürgerrecht. Anm. S- Sosomenum übn. VII. cax. 12. hieher gehöret auch ein neu Gesez t>. i z. L. H äe hsoret. tz. I^XVlll. Unter dieser Zeit schiene in den Abendlän- 336. dern den Arianern das Glük wieder günstig zu seyn. Daselbst führte die verwitwete Kaiserin Iustina im Nahmen ihres minderjährigen Sohnes die Regierung und wie sie selbst dem ariani- schen Lehrbegrif sehr günstig war; so gab sie nicht allein ein Gesez, welches ihnen die Freiheit des dfentlichen Gottesdienstes verstattete; und diejenigen mit harten Strafen bedrohete, welche sich dagegen sezen würden; sondern machte auch Mm 4 einen 5 s 2 Gesthichre der arianischen Rezerei einen Versuch, zu Mailand ihnen eine Kirche zu verschaffen. Sie fände aber bei dem dasigen Bischof, Ambrosio einen harten Wiederstand und wurde genöhtiget, von ihrem Vorhaben abzustehen. Da Justina gestorben, erklären sich Valentinianus II. vor die Rechrglälibigen. Anm. l. Das Gesez ist uns noch aufbehalten ^.4.6. «je 66e cstholio», und wird deßcn auch von Ambrosio, Sozomeno, Ruffino und Gauvenrio gedacht. S- Eothofrevs Noten zum coä. Ddeoil. tom. VI. p. I Z. Anm. 2. Was zu Mailand vorgefallen, erzehlet Ambro- sius epiil. XX. und XXI. tom.II. oper. p. 8^2 derBe- nedictiner Ausqabe, wo auch die berühmte Predigt wieder die Auslieferung der Kirchen an die Arianer geliefert worden. Dergl. meines Vaters liillor. eccl. p. 1426. und die 0.1440. angezeigte Schriftsteller von Ambrosii Leben. §. HX. In den Morgenländern scheinen ebenfals die Arianer einige Ruhe bekommen zu haben. Man weiß zwar nichts von einiger gesezlicher Freiheit, die ihnen verstattet worden; allein eben so wenig weis man in einigen Jahren von neuen Verordnungen, die wieder sie ergangen waren. Sie wendeten aber diese Ruhe qewis übel an, da sie sich zu Constannnopel entzweieten, von welchen Spaltungen aber unten zu reden, Gelegenheit seyn wird. Der grdste Nuzen, der von diesen innerlichen Zänkereien entstand, war dieser, daß mehrere Personen sich entschloßen, diese ganze Parthei zu verlaßen. Anm. Dieses erzehlen Sokrates kikor. eccles. />/-»'. V. ea^o. 2Z. und So;omenus /rb»-. VII. ca/r. 17. weitlauftiq. tz. L.XX. lm römischen Reich. ssz K. I.XX. Allein K. Theodosius erneuerte bald darauf I. C. seine scharfe Verordnungen, theils wieder dieKe- Z88- zcr überhaupt; theils insbesondere wieder die Arianer und Eunomianer, und diesem Beispiel folgren denn seine Thronfolger: wodurch denn die Arianer in den Staacen des römischen Reichs gänzlich verdrungen und unterdrükl wurden. Aum. S. 1^. 14.15. i6.17.19. 21.22.2z. 27. 59.60.65. 6.tiLreticis. Derdritte Abschnitt.. Von der Geschichte der Arianer unter andern Völkern. I. Von der Geschichte der Arianer unter den Gothen. §. I. /As ist eine der sonderbarsten Begebenheiten in ^ der Kirchen Historie, daß die arianische Keze- rei, nachdem sie in den Provinziell des römischen Reichs gänzlich unterdrukt worden, doch von ganzen Völkern mit der christlichen Religion zugleich angenommen worden und unter denselben sich Jahrhunderte, als die herrschende Parthci in gutem Flor erhalten. Wir glauben daher, daß es unsere Pflicht sey, die Nachrichten, so Mm 5 uns ; 54 Geschichte der Arianer uns davon überliefert worden, zu samlen. Wenn in unserer Erzehlung Vollständigkeit des Zusammenhangs solte vermißet werden, so hoffen wir von unsern Lesern die Billigkeit, uns das nicht zur Last zu legen, was dem Mangel an guten Nachrichten beizumeßen. Wir machen mit den Gothen deswegen den Anfang, weil sie die ersten sind, die den arianischen Lehrbegrif gebilliget und wahrscheinlich den andern Völkern mitgetheilet. §. II. Es ist hier der Ort nicht, von dem Ursprung dieses Volks; oder von deßen Ankunft in den morgenländischen Staaten des römischen Reichs zu reden. Eben so würde es von unseren Zwek zu weit entfernet seyn, die sehr verworrene und dunkle Frage zu untersuchen, was es mit dem ersten Anfang der Bekehrung zur christlichen Religion vor eine Bewandnis gehabt. Denn wenn es auch zugegeben wird, was einige leugnen, daß schon gegen das Ende des dritten Jahrhunderts es christliche Gothen gegeben: daß deren noch mehrere unter Constantins des Grosen Regierung die christliche Religion angenommen und daß selbst auf dem Concilio zu Ni- cäa ein gothischer BischofTheophilus anwesend gewesen; so würde uns doch dieses alles hier keinen Vortheil schaffen, weil es allemal gewis, daß die Gothen, von denen hier die Rede ist, da sie sich zur arianischen Parthei geschlagen, keine Christen; sondern Heiden gewesen. Anm. unter andern Völkern. 555 Anm. Außer den im folgenden anzuführenden Schriftstellern ist hier zu vergleichen GolhofceSus äiüerc. in kdi- lollorZ. //-r.11. ca/». z. Tillemonts memoir. tom.IV. 9.439. u. tonr.VI. 9.798- § m- Die nächste Gelegenheit dazu war diese. Die Gorhen waren aus ihren bisherigen Wohn- srzcn von den Hlnulen verlriebeil und harren ^ §. durch eine Gesandschafr vom K. Valens einen 376. Frieden erhalten, da denn nicht allein bei der Gesandschafr Ulphilas, als ein gothischer Bischof war; sondern es versprachen auch die Gorhen, die christliche Religion anzunehmen, wenn man ihnen Lehrer sänken wolte. Ulphilas war schon ein Arianer und K. Valens gab ihm vor sich keine andere Gehülfen, als die arianischgesinnte und auf diese Art war es kein Wunder, daß die Gorhen mit dem Christentum zugleich die aria- nische Kezerei annahmen. 2 lnm. l. Don dieser durch Ulphilam geschehenen Bekehrung der Golden zum arianischen Christentum geben Nachricht Sokrates dillor. ecclef. //-»-. IV. cazo. zz. Sozomenus //-».VI. ca/». 37. TheoSoretu» //-» .IV. ca-?. 33. Philostorgius //-r. II. ea/». 5. Vrosius liiüor. 1 /-»°. VIl. ca/». 33. Jornandes rer. Letic. cax. 25. Ist- dorusili der Inilor. cle re^;. 6otdsr. oor. 41z. im sechsten ?heil von Flore) Lipsnna fg^raöa 9. 476. 2 lnm. 2. Unter den neuern sind zu lesen: Bolland sÄ. IrnÄ. ton». II. gpril. p.Zft. ig- Tillemont memoir. to»»r. VI. p- 607. igg. Bunan Reichshistorre B. II. 6.719. 724. u. f. Lequien orieot. csirisiisn. /o»»r. I. 9.1240. Len)els prsolst. VIpkII. ca/». z. 9. iZ lgg Labriciiluc. Islnl. p. 457. fgcz. Anm. 3. Wir verspüren, vom Ulpbrla unten noch mehr zu reden. Hier fügen wir nur die Anmerkung bei, daß selbst s s6 Geschichte der Arianer selbst alte Schriftsteller anzeigen, nichtdicGothen; sondern selbst die Römer wären Schuld gewesen, daß jene tczerisch worden, wovon sonderlich Galvianus äe Zubern. V. p. 14z. der baluziscken Ausgabe verdienet gelesen zu werden. S. Giannone Gesch. von Ne- ap. B.I. S.208. §. IV. Wir können die mancherlei Eroberungen der Gothen und ihre Trennungen in Ost-und Wejlgothen nicht ausführlich erzehlen. Es ist bekannt gnug, daß sie aus den Morgenländern nachItalien gekommen und nicht allein daselbst; sondern auch in Spanien und Frankreich gross Reiche gestiftet. Nichts ist gewißer; als daß sie überal die arianische Religion mit sich gebracht und mehrentheils gegen die überwundene Unterthanen, so rechtgläubig gewesen, grose Billigkeit und Friedensliebe erwiesen. Die merkwürdigsten Begebenheiten, so uns bekannt worden, sind: I §. I. Grose Verfolgung, die der westgothische 475- König, Enricius, in seinen französischen und spanischen Landen über die Rechtgläubigen ergehen läßet. Anm. S- SiSonium Apollinarem /rör. VII. -xr/l. 6. Gregorium von Tours kikor. /iör. 11 . cax. 25. Und die dilloire äe l.anAueäoc to,».I. p. 22l. H. Dieser Arianer Irtum giebt dem K. Chlodovich die Veranlaßung, die Westgothen zu bekriegen, mit grosem Glük. Änm. S. Gregorium von Tours ebendas caz». ;6. m. Die unter andern Völkern. 557 III. Die heftige Verfolgung, welche K.Iur z. x. stinus gegen die im römischen Reich bishero in 524.' der Stille gebrütete Arianer unternimmt, veranläßet dem K. Theodoricum in Italien sich ihrer anzunehmen. Er schikt deswegen den P. Johann an den kaiserlichen Hof und erhältj seinen Zwek. Man hatte Ursach gnug, diesem ruhmvollen König keine Gelegenheit zu geben, die schon gedrohete Wiedervergeltung zu vollziehen. Anm, S.Bowers-Historie der römischen Päpste B. III. S- Z2O. IV. In Frankreich fol K. Amalrich durch sein Betragen gegen seine rechtgläubige Gcmalin Clotildem ihrem Bruder, dem fränkischen König, Childebert, Gelegenheit gegeben haben, ihn zz r- mit Krieg zu überziehen, der so glüklrch abläufst, daß die Westgothen fast alles verlieren, was ^ sie in Gallien bishero besetzen. Anm S. Daniels Geschickte von Franke, TH.I. S.96. und die kiltoire äe H.LNAueäoc tom. I. p, 26z, V. Amalrichs Nachfolger Theudes, wird gerühmet, daß er den Rechtgläubigen völlige Religionsfreiheit und sogar Kirchenverfamlun- gen zu halten, verstattet. Anm. Isidors clironic. «r.569. p. 487. VI. Die Waffen des K. Iustinians I. Z5Z. machen dem gothischen Reich in Italien ein Ende. VII. K. Lewigild läßet seinen eigenen Sohn hinrichten, weil er die orthodore Lehre der aria- nischen ss8 Geschichte der Arianer I. C. niscben Kezerei vorziehet, und hält eine Kirchen- 581. versamlung zu Toledo, welche den Abfall der Rechtgläubigen zur arianifchen Parthei sehr befördert. Anm Vvn K. Lewigllds Verfolgung 5 Flore; Llpsmm ssjzruä. tom.v. p. 220.21 l. von dem H.Hermenegilddie »ü. ^8. tom. II. gpr. p. iz8- <1. und von der Synode Mansi suxryl. coiie. tom.1. x. 451. und die Histor. der Rirchenvers S. Z92. Endlich wurde die arianische Kezerei auch unter den Gothen gänzlich uiuerdrukt, da ihr Kömg in Spanien, Reccarredus, sich auf eurer Kirchenversamiuug zu Toledo feierlich zur rechtgläubigen Kirche bekannte, welchen» Beispiel seine Unterthanen folgte,». Daß es aber nicht an Misverguügten über diese Veränderung gefehlet, lehret die in Languedoc durch einen (manischen Bischof, Athalocus, enlspouneue und mit groser Verfolgung der Rechtgläubigen verknüpfte Empörung, welche durch Gewalt der Waffen uneerdrukt wird. Anm. l. Don der ersten Begebenheit s. Aguirre concll. Hill>. tom. II. p. ZZ8-lqq. Lerreras killoire äe 1 'LlpL- Zne tom.il. p. 246. Flore; Lspsmis tor». VI- p. 1Z7. tg. und die -Histor. der Rircvenv. S- Zy6. Anm. 2. Don der zweiten s. die Kilrolre äe I^an^ueäoc tom. I. x. Z09. sg. II. Von unter andern Völkern. 559 II. Von der Geschichte der Arianer unter den Wandalen. §. VI. Daß die Wandalen, nachdem sie sich aus Pannonien nach Gallien und denn nach Spanien gewendet, daselbst ein groses Reich gestiftet; von den Westgothm aber daraus verdrun- gen worden und hierauf nach Afrika überge-» schiffet, und daselbst ein mächtiges Reich durch die, den römischen Kaisern abgenommene, Eroberungen gestiftet und mit grosem Glük eine lange Zeit behauptet, dieses sind aus der bürgerlichen Geschichte bekannte Wahrheiten, die wir hier voraussezen. §. VII. Es ist allerdings zu bewundern, daß wir von der Zeit und Beschaffenheit der Bekehrung dieses Volks zur christlichen Religion keine Nachricht haben. Nur dieses scheinet gewis zu seyn, daß wo nicht alle; doch die meisten schon Arianer gewesen, ehe sie nach Frankreich, mithin auch nach Spanien gekommen, und sehr wahrscheinlich, daß die Nachbarschaft und Verwand- schaft mit den Gothen wol die nächste Veranlassung gewesen, daß sie zugleich Christen und Arianer worden. Anm. i. Das erste lehret Salvran»s/rö»'.VIt.6e Zubern, vsi x. 845. u. 228 daß aber auch noch Heiden unter ihnen s6o Geschichte der Arianer ihnen gewesen, bemerket die kittoire äe l^snAueöoc tom. I-P-lZZ. 2 lnm. 2. Es ist nicht allein an sich wahrscheinlich; sondern auch durch JornanSis 6e red. 6etic. 25. al» gemeine Versicherung, daß die Gothen andern Völkern ihre Religion mitgetheilet, noch mehr bestätiget, daß auch die Wandalen durch der Gothen Dienst bewogen worden, die christliche Religioti anzunehmen. Man tönte überhaupt nachfragen, ob nicht die Kirchengescbicht- schreiber unter dein Nahmen der Gothen die Wandalen mitbegriffen Vergl. Grorii prol. üi diüor. Loch. p. 26. und Tillemonr tom. VI- x. 608. §. vm. Da die grose Grausamkeiten, welche die Wandalen bei ihrem Einbruch in Frankreich und Spanien ausgeübet, wol nicht eben unter die Religionsversolgungen zu sezen: wenigstens nicht erweislich ist, daß der Verfolgungsgelst denen Wandalen zuzuschreiben; so können wir nur hier von dem reden, was in Afrika vorgefallen. 2 nm. Der Martyrertod des heil. Privari, Bischofs zu Gevauvan, gehöret bicher nicht, da ihn die feindlichen Wandalen zum Gözenopfer zwingen wollen. S. 88. tom.IV. au^ull. P-4ZY. 6ntl. ckrillinn. nov. to»r. I. p. m. die tustoire äe Üan^uecioc: tom. I. x. t 5 5. §. IX. Die von den arianischen Wandalen in Afrika unternommene gewaltsame Ausbreitung ihrer eignen und Unterdrukung der rechtgläubigen Parthei veranlaßte folgende Begebenheiten: 2 C. I. Gensericus ist ein eifriger Vertheidiger 429- der arianischen Lehre. Er verjaget die rechtgläubigen unter ander Völkern. §6l gläubigen Bifchdffe und Priester und befördert vieie zur Martyrerkrone. Die Kirchen werden 55 . §. den Ariauern übergeben. Durch einen mit dem 474- K. Lei) gemachten und nachhero unter dem K. Zeuo erneuerten Frieden höret die Verfolgung auf und die vertriebenen Lehrer kommen zurük. Anm. Wie überhaupt des Victors Vitensts hjstor. per- lequuc. Vsnäsiios- die Hauptquelle dieser und der folgenden Begebenheit ist, so hat man besonders die von Ruinarr zu Paris 1694. besorgte, und zu Venedig 17^2. wieder abgedrnkte Auflage derselben wegen der beigefügten eignen Abhandlungen und ältern Schriften vorzüglich zu gebrauchen. Die übrigen Zeuginße hat Bünau inderReichsbistorieTH.il. S. 797. am fleistgsten ge- samlet. Was Istsorus und Ivarius melden, daß Genserich selbst vorher«) rechtgläubig gewesen, hat wol wenig Wahrscheinlichkeit. II. Sein Nachfolger, Hunevich, schiene im Anfang seiner Regierung viele Gelindigkeit gegen seine katholischen Unterthanen zu brauchen. Al- 48z- lein er erhebt eine Verfolgung gegen dieselbe, die 484 . wenig ihres gleichen gehabt. Alle Kirchen der Rechtgläubigen wurden geschloßen: alle Bischöf- fe und Priester vertrieben und noch mehr Gewaltthätigkeiten ausgeübet. K. Zeuo lies eine Vorbitte einlegen, die nicht geachtet wurde. Anm. t. Hier ist denn wiederum die gedachte Schrift deß Victors die Hauptquelle, welche aber durch der beiden GrezoriorumvonRom und von Tours/ dcsProkopii, des Prospers und anderer bestätiget wird. S- Bünaa ebenOas 6-829. u. f. Mau kan damit die Lebensbeschreibungen des B. Eugenii von Carthago in att. sunA. tom. III. iul. p. 487- verbinden. Anm. 2. Man vergleiche Pagr cntio. in snnal. 6sron. «»». LLLLIXXXIII. §. 7. Iqq. Noris histor. ?elsA. II Theil. N N ^62 Geschichte der Arianer /rbr.II. ca/>. 2i. und besonders die über das Wunder, da einige nach ausgeschnittener Zunge noch die achte Lehre von der Dreieinigkeit bekannt, gewechselte Streit, schristen, von denen die bibüortiegue Lrlr. tom.III. xatt. 2: p. ZZY. fqg. und tonr. V. i. p. 171. nachzusehen, womit noch Hrn. Pr. Stiebrizens auser» lesene Wahrheiten der Vernunft und der geoffenb. Religion Th. ll. 6410. zu verbinden. Wie denn auch diejenige hieher gehören, welche die Kirchengeschichte von Afrika beschrieben. S. Labricii luc. ü»Iut. p.702. u. »»eines Vaters biblioth. rheol. r^o/. III. p. z66. III. Nach deßen Tod währete unter dem K. Gundamund wahrscheinlich die Verfolgung K. C. noch einige Zeit fort; hörte aber auch auf: die 49;. Vertriebellen kamen zurük und erhielten wieder ihre Kirchen. Anm. S pagi »rm. CCLLXOV. §. 6. Ruinart 6e perfe^. Vsnä. ca/>. X. §. 4. und Bünau ebendas. S- 8 l 4 - u.f. 509. IV. K. Trafamund erklettert die Verfolgung, durch Gewalt gegen die Lehrer; durch Llsr und Gewalt gegen die Zuhörer. Anm. S- Bünau ebendas S.Zl?. u.f. das Leben des heil. Lulgentii in den söl. lantlor. tom.I. ian. P.Z2. und vor deßen Werken, nach der vcnerianischen Ausgabe 1742. fol. 5zo. V. Deßen Nachfolger, Hilderich, hebet die Verfolgung auf und befördert dadurch seinen eignen Untergang. Anm. S- Bünau ebendas S- 8 >9- 5Z4. Vl. Unter dem K. Geliner eroberte der General des K. Iustinians des I. das wanda- lische Königreich und damit hatte die Oberherrschaft der Arianer auch in Afrika ihr Ende, wovon unter andern Völkern. y6z von die gleich darauf gehaltene Kirchenverfam- lung zu Carthago ein Beweis ist. Anm. S. BLiurn ebenvas. S 822. Prokopii Geschichte des Kriegs mit den Wandalen und von Ludervigs Lebensbeschreibung des K. Iustinians sind ohnehin bekannt. Von dem Concilio s. die Historie Sex Rivchenv. S. 567. III. Von den Geschichten der Arianer unter den Sueven. §. x. HXie Sueven gehören auch zu den deutschen Völkern, welche auf eben diesem Weg erst « ^ nach Frankreich und denn nach Spanien ge- ^9 kommen. In dem leztern haben sie auch ein Reich gestiftet, das sich eine lange Zeit erhalten, bis es von den Gothen überwältiget worden. §. XI. Wie überhaupt ihre Geschichte unsäglichen Dunkelheiten unterworfen; so können wir auch nur sehr wenig von dem, was hieher gehöret, sagen: I. Der erste christliche König Rechiarius 448- jst der rechtgläubigen Parthei zugethan. Vermutlich ist er daher nicht durch gothische; sondern altspanische Lehrer bekehret worden. Anm. S. Jdatii cbron. x. 24. Isivors ckronic. 8uevor. «»-.496. in Llorezr Lspannr sazrscl. iom. V. P. 504. Nur II. Ein 564 Geschichte der Arianer ^ II. Ein aus dem westgothischen Gallien an- 469. gekommener Ajax, den vermuhtlich des K.Re- mismunds gothische Gemalin unterstüzet, bringet die ganze Nation zum Abfall zur ariani- schen Kezerei. Anm S. Jstdori ckronic. p. zoz. und pagi critic. a»». cccei.xix. § z?. IN. Nach einer langen Reihe arianischer Könige, gelanget endlich Theodemir auf den Thron, der sonderlich durch den Dienst des Abt Martins die sueviscbe Nation wieder zur rechtgläubigen Kirche bringet. Anm. f. Isidorum ebenvas. 554. I V. Unter dem gothischen K. Lewigild wird das suevifche Reich zerstöret. Anm. S- Florex Lljr. ts§r. tom.II. p. 161. IV. Von der Geschichte der Arianer unter den Burgundiern. §. xn. 4»z. e^ie Burgundier sind auch ein deutsches Volk, welche nach manchen Streifereien in Gallien, sich daselbst festsezten und ein eigen 4 > 7 - Reich errichteten. Es ist gewis, daß sie als Heiden daselbst angekommen, und sich bald darauf zur christlichen Religion bekannt. Obgleich die Umstände verschieden erzehlet werden; so kommen doch die Schriftsteller uberein, daß ihnen unter andern Völkern. 56s nen von gallischen Bischöffen der reine Glaube gepredigel und von ihnen angenommen worden. Anm. S Vroslum VIII. Z2. Sokratem tMor. «cd. /idr.VIl. ca/v. zo. Labricium luc. Islut. p. 404. §. xm. Allein bald darauf folgte eine Religionsver- anderuug der Nation. I. Man hält es vor wahrscheinlich, daß der I. C. Umgang mit den benachbarten Westgothen die 44 ->- Ursack geweseir, warum die Burgundier sich zur arianischen Kezerei geschlagen. Anm. S- Tillemont diüoire 6es emp. tom.V. p. 617. liiüoire litt. 6s I» k'rsnce tom.1I. p. 26. II. Da die Burgunder den alten Einwohnern ihre gallischen Bischöffe gelaßen, so hatten diese Gelegenheit, nicht ohne Nuzen ihren Eifer in Bestreitung der Kezerei sehen zu laßen. Anm. S. Hikolre Iltteraire 6s I» krsnce tom.II. p.505. 527. M. Grose Conferenz zwischen den orthodo- 499. xen und arianischen Bischöffen zu Lyon mit Genehmigung des K. Gundebalds, deren Ausgang den erster« sehr Vortheilhaft ist. Anm S- ebenvaf p. 678. und die Ziffer, der Ric- chenversaml. S- ZZl. IV. Obgleich dieser Prinz beständig in der arianischen Religion beharrete, so verstattete er doch seinen Kindern, die orthodoxe Parthei zu Nn z ergrei- ; 66 Geschichte der Arianer I. C. ergreifen. Unter diesen war auch sein Thron- 5 >?. folger, Sigismund, und da dieser zur Regierung kam, behielte auch die rechtgläubige Lehre unter dieser Nation die Oberhand und da 5Z4- das ganze Reich in die Hände der Franken ge- riehr, wurde der arianische Lehrbegrif ganz ausgerottet. Antn, i. Man hat hier die Lebensbeschreibungen theils des K. Sigtsmunds, den man seiner Grausamkeiten ungeachtet vor einen Heiligen verehret, in den aü. 88. tom. I. man p.ZZ- theils des Alcimi Aviti, der vornehmlich hei dieser Bekehrung geschäftig gewesen, tnatt. 88. tom.t. febr. p.66c>.5gg. und der gkilloire littet, lie la hrance tom.HI. p. i lZ.sgci. zu vergleichen. Anm. 2. Es verstehet sich von selbst; daß die Geschichtschreiber ; oder Kirchcngeschichtschreiber von Frankreich, wie Lecor'nte, Longueval; oder von .Burgund , auch yon L^on, von diesen Begebenheiten Nachricht gegeben. V. Bon der Geschichte der Arianer unter der Langobarden. §. XIV. §68 HHanweis es, wie es zugegangen, daß das mächtige Volk der Langobarden nach Italien gekommen und daselbst sich festgesezet. Es ist wol kein Zweifel, daß damals die heidnische Religion noch unter dieser Nation die herrschende gewesen. Wenigstens laßen uns die bittern Klagen über die heftigen Verfolgungen der Christen daran kein Zweifel. Anm. unter andern Völkern. 567 Anm. S. Gregorrum ven Geosen äialoA. l/ö»-.I. ca/r. 4. /r'-r. III. ca/,. 27. /-ö»'. XIII. epist. z8- 2 lus eben die« sts Schriftstellers Nachricht /^»-.III. ä,»!. ra/,. 29. sol, te man schließen, daß gar frühzeitig ariani fche Bisch äffe unter ihnen gewesen. §. XV. Die unter ihnen vorgegangene Religionsveränderungen wollen wir in der Ordnung er- zehlen, wie sie von einem der gelehrtesten Geschichtschreiber von Italien in die Kürze zusammengebracht worden. 1. K. Autharis ist der erste langobardi- sche christliche König; aber ein Arianer. Sei- ' nem Beispiel folget ein Theil seiner Unterthanen und in vielen Städten sind zugleich zwei Bischöf- fe, ein orthodoxer und ein «manischer; doch erhält der Prinz eine vollkommene Religionsfreiheit. Man irret nicht, wenn man annimmet, daß man diese Bekehrung den Gothen zuschreibet: Anm. S. Gregor» des G rostn ttb»-.I. epistol. 17. u. Deßen hinterlaßene'Witwe, Theode 59 k- linda, eine baierische und rechtgläubige Prinzeß ^ 5 - sin, sucht ihren zweiten Gemahl, Agilulf, der ihr die Krone zu danken hatte, zu bewegen, die rechtgläubige Religion anzunehmen, welchem Beispiel viele; aber nicht alle langobardische Herren folgen. 2lnm. S. Paul Diakonum cie xestis I^on^odaict. /rör. IV. cap. 6. Gregorinm den Grostn /rbr. III. epist. 4. und zz. /rö»-. VII. epist.42. und das Leben des!) Lolumba- ni, in Mabillons sü. 88. 0 . N./ec. II. p. Vergleiche Bünay Reichskistor. TH.Ill. S-Z48- u. f. Bo, N«4 wer s 68 Geschichte der Arianer wer Histor. der Papste B. III. S- ZZZ- Murarori I. IN. ko»r. II. 9. 297.fgg. I. C. III. Nach Agilulfs Tod folget Aviowald, ein Arianer und Feind der Rechtgläubigen. Anm. Hier ist die Lebensbeschreibung des l). Bettulfs zu vergleichen in Mabillons söt. 88. 0.8./ec.1I. 9. 160. und in den 88. kom.III, au^. 9.752. 6z6. IV- Deßen Nachfolger Rotharis ist zwar mlch ein Arianer, liebet aber die Gerechtigkeit und schaffet seinen orthodoxen Unterthanen die Ruhe, Anm. S- Paul Diak. /rör. IV. ca/>. 4g. 652. V- welche unter feinem Sohn Rodoald, t>6z, und dem K. Aribert fortdauret. Anm. Den kerkern halt der Graf Bünau vor einen Orthodoxen; hingegen Giannone nur vor einen Freund dieser Parthei. So wenig zuverlaßiges ist davon berichtet worden, 665. Vl, In dem Neapolitanischen geschiehet unter dem Herzog Romuald I. von Benevcnt die grose Bekehrung der Langobarden, von denen noch viele Heiden waren, durch den Dienst des H. Barbati. Anm. S. deßen Lebensbeschreibung in sÄ. 88. kom.IH. febr. 9. i z6.sg9- und Bunan S. 728. u. f. Vll. So erlosch auch die arianische Keze« rei in der Gegend von Lapua gänzlich, welches den Arbeiten des dasigen Bischofs, Decorosi zugeschrieben wird. Anm. S. E. 88. kam. II. kebr. 9.841. vm. unter andern Völkern. 569 VIH. Endlich bekannte sich auch der K. I. Grimoald zur orthodoxen Parchei mid bezeuge- 67 te so viel Eifer vor dieselbe und Abneigung gegen die Arianer, daß er sie in Italien ganz vertilgte. Anm. 1. S- Sigonium ie Frage: was hat Arius, was haben die Arianer gelehret, worinnen hat ihre Keze- rei bestanden? ist nun dasjenige Stük unserer Geschichte, welchem wir unsern Fleiß widmen wollen. Es ist unstreitig von der grösten Wichtigkeit; allein auch mit nicht geringen Dunkelheiten verknüpfet. Sie entstehen wol mehrentheils daher, daß die Arianer nicht allein selbst Nn 5 unter 57« Von dem ariamschen Lehrbegrif unter sich uneinig gewesen und in mehrere Partheien sich getrennet; sondern auch die Fragen, worüber sie mir ihren Gegnern gestritten, sowol vermehret; als verändert worden. Wir wollen daher uns bemühen, eine Art von Historie des ariamschen Lehrbegrifs zu liefern suchen, und jedes mal die Hauptfragen von den Nebenfragen unterscheiden. I. Lehrbegrif des AriL und der Arianer bis auf die Zeit der Manischen Kirchenversamlung. §. ii. ^^ie Ordnung, welche wir festgesezet, befielet uns, milder Beschaffenheit der Streitfrage bei dem ersten Ausbruch der Streitigkeit den Anfang zu machen. Und dabei wollen wir denn erstlich die Berichte von Arii und der ersten Arianer Lehrsäzen von der Dreieinigkeit sowol; als denen ihnen von Alexander» entgegengesehen Grundsazen samlen: hernach versuchen, von beyden ein System zu entwerfen: ferner die durch diese Widersprüche entstehende Streitfragen bestimmen: endlich von einigen Nebenfragen, welche das Ganze dieser Streitigkeit betreffen, kurze Nachricht geben. §. m. Die Berichte von Arii Lehrsäzen sind von einer dreifachen Gattung. Einige rühren von ihm und den mancherlei Partheien. 571 ihm selbst her, da denn folgende in Betrachtung zu ziehen: I. In dem Schreiben an den Bischof Euse-- biuin von Nikomedien erzehlet Arius, „Alexander habe ihn und seine Anhänger als gottlose „(«'Aksc) aus der Stadt gejagt, weil sie ihm „keinen Beifall geben wollen, da er, Alexander, „öfentlich gelehrt, Gott ist allezeit; der Sohn „ist allezeit: der Vater und der Sohn ist zu- „gleich: Der Sohn ist mit dem Vater ungezeugt da: Der Sohn ist allezeit gezeuget und doch ohne Zeugung gezeuget Gott ist weder in der Gedanke; noch in einem Augenblik eher; als der „Sohn: Gott ist allezeit; der Sohn ist allezeit: „Der Sohn ist aus Gott selbst. „ Nach diesem erzehlet er, daß die morgenländischen Bischöffe, deswegen von Alexander« wären in Bann gethan worden, weil sie alle lehreten, „Gott wäre „ohne Anfang eher; als der Sohn: die drei, „Philogonium, Hellanikum uttdMakarium ausgenommen, von welchen einer saget" der Sohn „sey k?!/)-,,, der andere der dritte Sie, Arius und seine Freunde, können diese Gottlosigkeiten nicht hören, wenn sie „auch tausendmal sterben solten.,, Sie bekennten nochmals, was sie glaubten, nemlich: der Sohn sey nicht ungezeuget: kein Theil des Ungezeugten, auf irgend eine Meise; noch aus irgend einer vorher dagewesenen Materie; sondern durch den Naht und Willen (Got- 572 Von dem arianischen Lehrbegrif (Gottes) vor den Seiten und Weltaltern bestanden (Ak-Htt-l'rt -(s-/ jZs/.», ^ vollkommenem Oolt (^^c ^----c) eingeboren, unveränderlich: er sey nicht da gewesen, ehe er gezeuget; oder erschaffen; öder bestimmet (---.--s,) oder gegründet worden. Denn er sey nicht ungezeuget. Unmittelbar fähret er fort: „wir werden verfolget, „weil wir gesaget haben: der Sohn sey aus „den nicht vorhandenen Dingen O. ^ „SIE k>.) „ So haben wir auch gesaget, er sey „weder ein Theil Gottes; noch aus einer vorhandenen Materie -r^sx.),, Anm. Bei dem Theovoreto /r'ö»-. I. llikor. eccles. 5. x. 22. S- oben Abscbn. I. §. 7. II. Aus dem Schreiben an den B. Alexander, welches von den ältesten Zeiten vor eine Hauptquelle, Arii Lehrbegrif zu erkennen, gehalten worden, liefern wir hier folgendes: „un- „ser väterlicher Glaube, den wir auch von dir „erlernet haben, seliger Bischof, ist dieser: Wir „erkennen einen Gott, der allein ungezeuget, allein ewig, allein ohne Anfang, allein wahrhaftig ist, allein Unsterblichkeit hat, allein weise, „allein gut, allein mächtig, der Richter (oder „Schöpfer) Regierer und Erhalter aller Dinge, „ohne Veränderung und ohne Wechsel, gerecht „und gut und der Gott ist, von dem das Gesez, „die Propheten und das neue Testament reden: „der einen eingebornen Sohn vor ewigen Zeiten „gezeuget, durch welchen er auch die Welten „und und den mancherlei Partheien. 57Z „und alles gemacht; der ihn aber gezeuget, nicht „der Einbildung nach; sondern wahrhaftig, «'-k' daß er (der Sohn) durch ,,seinen Willen ohne Veränderung und Wechsel „bestehet, als ein vollkommenes Geschöpf Got- „tes (Ak« 1 -k^ktsv) aber nicht als eine „von den andern Kreaturen: als ein Gezeugter nicht aber als einer, der sonst gezeu- „get wird; noch wie Valenrinus gelehret, ein „Auswurfs- s^) noch wieManichäus, ein „Theil des Varers von gleichem Wesen Ok§sc -r. ^.) noch wie Sabellius, der die Etlichen aushebr und den Barer und Sohn vor eins „hält (ll.s^-r^ch noch wre Hierakas, ein Licht „vom Licht; oder eine Lampe mit zwei Dachten; „auch nicht so, daß, nachdem er vorhero da gewesen, nackhero erst gezeuget; oder zum Sohn „gesezet worden, wie du selbst, seliger Bischof, „mitten in der Gemeine; oder Verjamlung der „Lehrer öfters dich ausgedruket hast; sondern, „wie wir gejaget haben, durch Gottes Willen „vor den Welten (^o erschaffen worden „(xns-Ak»7s-) undLeden und Daseyn vom Vater „empfangen hat, und der Vater ihm die Herrlichkeiten zugleich mitgetheilet. Denn der Va- „ter, da er ihm alles zu besizen gegeben, hat sich „deßen nicht selbst beraubet, was er ohne Zeugung in sich hat. Denn er ist die Quelle von „allen Dingen. Es sind also drei Substanzen. „(^srEic) Erstlich der Gott, der die Ursach „aller Dinge worden, ist schlechterdings allein „ohne Ansang. (a»«f^okHernach „der 774 Von dem arianischen Lehrbegrif „der Sohn ist ohne Zeit («nova-x) von dem Va- „ter gezeuget und vor den Wetten erschaffen und ,,gegründet worden und hat sein Daseyn allein „von dem Vater. (ztapox 1-8 r-71-k?-»-) „Denn er ist nicht ewig, und mit dem Vater weicher zugleich ewig; noch zugleich ungezeugel: er „hat sein Daseyn nicht zugleich mit dem Vater, „wie einige reden, die indem sie zwei sich auf einander beziehende Dinge vergleichen, zwei ungebeugte Grundwesen lehren. Sondern „wie Gott Eins und der Ursprung aller Dinge „ist; so ist er auch eher; als alle diese Dinge; „mithin auch eher als der Sohn, wie wir dich „selbst mitten in der Gemeine predigen gehöret. „In so fern der Sohn von Gott sein Daseyn „und die Herrlichkeiten und das Leben hat und „ihm alles übergeben worden; in so fern ist Gort „auch fein Ursprung. Er hat über ihn zu befehlen; als sein Gott, und der eher; als er „selbst, ist. Wenn man die biblischen Worte: „aus ihm, aus dem Mutterleib, mgleichen: „ich bitt aus dem Vater ausgegangen und „kommen, so verstehen wil, als wenn er deßen „Theil gleiches Wesens (ö^E-); oder ein Auswurf sey, wie einige thun; so würde „der Vater zustrmmengesezet und theilbar und „veränderlich; ja selbst ein Körper seyn und der „«»körperliche Gott körperliche Veränderungen „leiden müßen.,, Anni. Von diesem Brief, den sehr viele Anhänger unter, schrieben habe», ist oben an zweien Orten geredet worden. Wir haben hier das Stük überftzet, welchesAcha- naslks äe s/noä. §. l6. x. 729. ho. geliefert. III. Es und den mancherlei parcheien. 575 III. Es kommen dazu noch einige Stüke aus der Thalia. Das wichtigste ist folgende Stelle: „Gott selbst bleibet seinem Wesen nach allein unaussprechlich. Er allein hat keinen seines gleisen (->.-»') noch einen der gleicheEhre mit ihm „theile. Wir sagen, er sey ungeboren, um des „willen, der von Natur geboren ist; wir verehren ihn, als ohne Ansang, um des willen, der „einen Anfang hat: wir verehren ihn, als ewig, „um des willen, der in der Zett gezeuget worden. „Der keinen Anfang hat, der hat den Sohn „zum Anfang aller Geschöpfe gemacht: ihn ge- „zeuget, und an Kmdesstatt angenommen. Die- „ser hat nach semem eigenem Wesen (x--S' 6,7--. -ryk nichts göttliches eigen: er ist „weder ihm gleich 0'a-->r) noch gleiches Wesens „(s^or,o-^x)-Es ist eine Dreieinigkeit, aber „von ungleicher Herrlichkeit: ihre Personen „(l--7-a5«s-e Von dem ariamschen Lehrbegrif „macht worden, daß Gott durch ihn, als durch „em Werkzeug, uns schaffen könne und er wür- „de mchr da seyn, wenn Gott nicht gewolt uns »machen.,, Er füget hinzu, man habe ihnen die Frage vorgeleget: ob der Sohn Gottes so verändert werden könne, wie der Teufel verändert worden? und darauf die Antwort erhalten: ja! weit er einer veränderlichen Natur sey, da er qezeuget und also veränderlich ist. An einem andern Ort ist er kürzer. Er saget, Arius und seine Freunde leugneten die Gottheit (i^ unsers Heilandes und behaupten, daß dieser allen gleich sey : sie suchten ihre Meinung durch die Schriftstellen von der Menschennaturr und um unsertwillen übernommenen Erniedrigung zu beweisen.- - - Die Arianer lehretcn ,,es war eine Zeit, da der „Sohn Gottes nicht war: der war nicht vorhero, „der nachher» erst worden: er ist so entstanden, „eS mag seyn wenn und wo es wil, wie ein jeder „anderer Mensch geboren wird: Sie sagen: Gott „hat alles aus Nichts erschaffen und begreifen „unrer der Schöpfung aller Dinge der vernünftigen und vernunftlosen, auch den Sohn Gottes. „Diesem zu Folge lehren sie auch, daß er eine „veränderliche Natur habe, und der Tugend eben „so; als des Lasters fähig sey. - - Gott habe „ihn nicht deswegen, weil er von Natur unsünd- „lich; sondern, weil er vorher gesehen, daß er „durch Fleiß und Bemühung stets der Tugend „sich ergeben würde, zu seinem Sohn gewehlet. „Würde Paullus; oder Petrus eben solchen „Fleiß und den mancherlei parcheien. s 8 r „Fleiß angewendet haben; so würde zwischen ih- „rer und des Sohnes Sohnschaft kein Unterschied seyn.,, Anm. Die erste Stelle stehet in dem Schreiben an die Bischöffe bei dem Svkrate kiüor. eccles. /rör. I. cax. 6 . p. n. 12. die anoere in dem an den B. Alexander, bei dem Theovoreto kistor. ecclet. I. 4. p. IO. II. Athanasius, dem man doch wol hier die historische Glaubwürdigkeit nicht absprechen kann. Weil wir schon die von ihm mitgetheilte Stüke aus Arii Schriften, wo diese genennet sind, mitgetheilet; so wollen wir hier nur folgendes beifügen. An einem Ort führet er folgendes; als Arii Worte an: „Das Wort ist nicht „das dem Vater eigne Wort; sondern es ist ein „ander Wort in Gott. Der Herr ist fremd und „vorn Wesen des Vaters verschieden. Er wird „allein nach der Vorstellung (»«-' Gottes Wort genennet. Er ist auch nicht wahrhaftig und natürlich chc/an) Gottes Sohn; „sondern heißt nur wegen einer Annehmung an „Kindesstatt (*« 2 -« Sks-.r,) wie ein Geschöpf, „Gottes Sohn. „ An einem andern Ort erzeh- let er die Lehrsäze, um deren.Willen Alexander den Arium von der Kirchengemeinschaft ausge- schloßen. Sie kommen mit dem völlig überein, was schon brshero aus andern Zeugnißen gnug- sam erhellet. Wir wollen sie dahero nur kurz anzeigen. Sie betreffen des Sohnes Schöpfung aus Nichts: deßen moralische Veränderlichkeit : daß er nicht im eigentlichen Verstand Gott; oder Gottes Wort und Weisheit sey: Oo z daß ; 82 Von dem avianischen Lehrbegrif daß er schlechterdings das Wesen des Vaters nicht habe; sondern zur Klaße der Kreaturen gehöre: daß er Christum um unsertwillen erschaffen; daß er von Gott keine vollkommene Er- kantnis habe; ja selbst seine eigne Natur nicht kenne. Anm. Die erste Stelle stehet in Athanasu Buch äe st-n- tentis Oion^tli §. 2Z. tom. I. «per. xart.I. 258 die zweite in der epiüol, sä episcox. et I>ld. §. ,2. x.2tzz. §. VI. Von den ersten Arianern sind die Nachrichten überaus wenig. Indeßen gehören doch hieher: I. Eusebius von Nikomedien. Er hat sich in dem Schreiben an den B. Paullin deutlich gnug erkläret, ob man gleich eingestehen mus, daß er bei weitem so viel Leichtigkeit imAusdruk nicht hat; als Artus. Er saget: „wir haben „nicht gehöret, daß zwei Ungezeugte sind; noch „daß Eines in zwei getheilet; noch was kdrperli- „ches gelitten; sondern eines ist ungezeuget; das „andere ist von diesem wahrhaftig, nicht aus sei- „nem Wesen (^«x) gezeuget: es ist überhaupt „weder der Narur (. 7. p. 2^j. II. Damit ist eine wichtige Stelle desAtha- nasii zu verbinden. Nachdem er den oben gelieferten Theil des Schreibens des Arii an Alexander» mitgetheilet, fähret er fort: „vor der „nicänlschen Kirchenversamlung haben diejenigen, welche bei dem Eusebio, Narcißo, Palro- „philo, Mari, Paullmo, Theodoto, undAtha- „nasiovon Anazarbe, gewesen, diesem ähnliche „Lehrsäze schriftlich vorgetragen. Eusebius „voll Nlkomedl'en ist so weit gegangen, daß er „an den Arium geschrieben: da du recht denkest; „so bitte Gott, daß alle eben so denken. Denn „es ist allerdings klar, daß das, was gemacht „ist, nicht gewesen, ehe es gemacht worden. „Denn das, was gemacht ist, hat einen Anfang „seines Daseyns. Eusebius von Casareen „scheitete sich nicht, in einem Brief an den B. „Euphration öfentlich zu jagen, Christus sey „nicht wahrhaftiger Gott. Aber Arhanasius „von Anazarbe hat noch klärer seine Kezerei „aufgedeket, da er saget, daß der Sohn Gottes „einer von den hundert Schafen sey. Denn in „einem Schreiben an den B. Alexander unter- Oo 4 „fieng 5 84 Von dem ariamfchen Lehrbegnf „fienq er sich, also zu reden: warum tadelst du „dre Arianer, wenn sie sagen, der Sohn Gottes „ist als ein Geschöpf aus Nichts 8 x gemacht, und einer aus allen. Denn „da in dem Gleichnis von hundert Schafen alle „begriffen, die gemacht sind; so ist der Sohn „einer aus ihnen, u. s. w. „ Darauf erzehlet er, daß Georg von Laodicea bei seinen Friedens- vorschlagen, auf der einen Seite den Alexander getadelt, daß er der Arianer Lehre: es sey eine Zeit gewesen, da der Sohn Gottes nicht war, getadelt, da doch Niemand leugnen würde, daß Amoz eher gewesen, als Iesaias, sein Sohn; auf der andern die Arianer, daß sie Alexanders Ausdruk: der Sohn ist aus Gott (Lx 1-8 Sk 8 ) mißbilligten, da doch Paullus sage: alles ist aus Gott: mithin bei diesem Ausdruk ihr Lehrsaz: der Sohn Gottes ist ein Geschöpf bestehen könne. Athanasius füget hinzu, daß die Arianer von der Zeit den Saz, der Sohn ist aus Gott, gebraucht; aber nur wol geredet und übel gedacht. 2lnm. 6e §. 1 §. vn. Von Alexanders und seiner Freunde Meinungen haben wir in der That so viel Nachrichten nicht; doch einige und zwar von allen drei Gattungen, die wir bei dem Ario bemerket. Erstlich haben wir von ihm eigne Aufsäze, aus denen folgendes zu bemerken. Man weis sehr deutlich aus dem, was wir oben aus seinen Brie- und den mancherlei partheien. 5 8 s feil mitgetheilet, wie weit er seinen Widerspruch getrieben. Die dogmatischen Wäze, die in dem Schreiben an die Bischdffe enthalten, sind: der Sohn Gottes ist zu jeder Zeit da gewesen, weil er im Anfang da war, Ioh. I, Er ist keine Kreatur, weil er selbst Schöpfer und der Einge- borne Gottes ist. Er ist nicht aus Nichts (r« sv-r-L-v) entstanden weil ihn der Vater aus stillem Mutterleib gezcuget. Er ist dem Barer dem Wesen o'-§) und Weisheit ist, wie kan eine Zeit seyn, da er nicht gewesen? Dieses würde eben so viel seyn; als wenn man sagen wolle: Gott sey einmal ohne Vernunft und Weisheit ^ gewesen ? Er sey keiner Veränderung unterworfen, weil der Vater in ihm und er in dem Vater sey. Er sey auch nicht durch die Menschwerdung verändert, weil er gestern und heute, u. s. w. Der Sohn ist nicht um unsertwillen; sondern wir um seinetwillen gemacht. Er habe eine vollkommene Erkäntnis vom Vater, wie der Vater vom Sohn. In dem Schreiben an den Alexander heißet es: Die Arianer heben die Sprüche von der Ewigkeit des Sohnes auf, da doch die heilige Schrift die Unveranderlichkeit des Worts und die Gottheit (Qsr^«) der Weisheit lehret, welche beyde Christus sind. Aus Ioh. ll, i3. erhelle, Vater und Sohn sind zwei unzertrennliche Sachen Oo 5 -r-r)> s86 Von dem arianischen Lehrbegrif -r«): Der Sohn sey kein Geschöpf, weil durch ihn alles erschaffen worden und Johannes lehre sei» ne eigne Persönlichkeit (^.-7^77-7 67--^«^). Zwischen dem Vater und Sohn kan sich die Seele nicht einmal einen Unterschied denken. Johannes habe niemals die Zeugung des Sohnes Gottes genannt, well er niemals dem Urheber zugleich und deßen Werk einerlei Nahmen beilegen wollen. Das Wort wäre nicht ungezeuget: es sey nur Eins ungezeuget, der Vater; die Persönlichkeit (l-'?r-<-7-ao-ic) des Ein- gebornen wäre beyden Engeln und Menschen unbegreiflich. Man solle dieses Geheimnis weiter zu erforschen, sich nicht unterstehen. Es läge in dem Saz, es wäre eine Zeit gewesen, in welcher der Sohn nicht war, ein wahrer Widerspruch, da selbst die Zeit von ihm erschaffen worden. - - Man mus nohtwendig sagen, der Vater sey allezeit Vater. Es mus also der Sohn beständig da gewesen seyn, um deßen willen er Barer heis- set. Da aber allezeit der Sohn da gewesen, so ist der Vater allezeit vollkommen, der nie eines Guten ermangelt und den Eingebornen nicht nach der Zeit, nicht nach einer Zwischenzeit, nicht aus Nichts («' Afoi'iXLk, ^ E Fx o'vi-Ln) gezeuget. Es sey zwischen der Kind- schaft der Gläubigen und der Zeugung des Sohnes Gottes ein unendlicher Unterschied, da diese in der Natur des Vaters läge (»«7--» chvo-^ 7-^- Der Sohn sey von Natur unverän- lick. - - Die Zeugung sey ächt, eigentlich, natürlich und vorzüglich .'^sT-fSTi-sx, chv- 0-tX7> und den mancherlei Partheien. 5 87 S'IXY ^ XXI'E-Nfk'rvf.) - - Da hingegen die Kindschaft der Menschen blos ein Gnademverk sey. Die Arianer meinen, es müße aus diesen zweien Säzen einer erwehlet werden: entweder, daß der Sohn aus Nichts sey (E ^ -r-r^v) oder daß es zwei urigeborne Wesen gebe; sie begreifen aber nicht, daß ein groser Unterschied zwischen dem ungezcugten Vater und dem von lhm aus Nichts erschaffenen Dingen sey; hingegen die Natur des Eingebornen in der Mitte stehe -rkl/80's'. >! ^sto^e'^L) durch welche der Vater des Worrs <- otteo alles gemacht habe. -- Wir glauben, daß der Sohn allezeit aus dem Vater gewesen, (sü* ki^ou 'rov Tr-s^T-fox.) Anm. S- i) Sokrstcnr tl. L. I. ca/?. 6 . 2) Theodor xcsum It.L. §. vm. Zweitens, haben auch die Geschichtschreiber von ihm einiges angemerket, das verdienet betrachtet zu werden. I. Sokrates erzehlet kurz, Alexander habe nicht ohne Ehrsucht von der heiligen Dreieinigkeit philosophiret und gelehret, es sey eine Einheit in der Dreieinigkeit. kAk-^s>k<) Daher Arius geglaubet, daß er den Lehrbegrif des Sabellii einführe. Anm. S. kiltor. echtes, trö»-. I. ca/>. z. p. 12. U- Sozomenus hat, wie oben gemeldet, die Sache so vorgestellet, als wenn Alexander im §88 Von dem arianischen Lehrbegrif im Anfang selbst ungewis gewesen und seinen Geistlichen verstattet, über die Lehre von der Dreieinigkett zu streiten. Arms habe seine Lehr- saze vertheidiget; seine Gegner aber gelehret: der Sohn sey mit dem Vacer gleiches Wesens und gleich ewig (ö,uo8o-««5 >(5!/ o-veai'^sx k^iv ö 6«ax -r-> ) Endlich sey Alexander den leztern beigesellen, da denn der Geschichtschreiber eben diese Worte wiederholet. Anm. S- kistor. ecclef. /rör.I. iz. p. Z2. III. Aus dem Philostorgio bemerken wir nur die Nachricht, daß bei den Händeln zu Ale- xandrien der Streit über --'-E-n-c entstanden. Anm. histor. eccles. üör. I. cax. 4. p. 477. IV. In dem oben beschriebenen Brief des A. Constantins an Alexander uird Arium wird kemes von beyden Lehrbegrif bestimmet. Allein ihr Streit wird vor einen Worrkrieq ausgegeben, bei welchen sie beyde einerley Lehrsaze hatten (kVL ^ -rar «vT'ov k'^kre Anm. I. S. Eufehium äe vitL Lonstant. hl. übr.I. cax. 60. p. 570. Anm. 2. Es verdienet angemerket zu werden, daß Acha- nasius nirgends von Alexanders Lehrbegrif besonders redet;, sondern nur überhaupt ihn als orthodox vorstellet, und, wie oben schon gesaget worden, den Brief an alle Lischöffe mittheilet. §. ix. Drittens müßen wir auch wol Arium hören. Wir haben aber oben schon aus fernem Brief und den mancherlei parcheien. 5 89 Brief an Eusebium die Vorstellung mitgetheilet, die er von Alexanders Lehrbegnf daselbst macht. Es kommt vornemlich darauf an, daß er dem S.'hn eme gleiche Ewigkeit mir dem Va- ter zugeschrieben. Eben das müßen wir auch von dein Brief an Alexander» sagen. Des lez- tern Meinung wird so vorgestellet, daß man Ur- sack hat, Sozomeni Bericht von Alexanders anfänglicher Ungewisheit vor wahrscheinlich zu Hairen. Endlich ist aus dem Sokrare noch anzumerken, daß Arius Anfangs geglaubt, Alexander sey den Sabellianern günstig. Anm. S- oben Wir kommen nunmehro zum zweiten Stük, indem wir versuchen wollen, beyde kehrbegriffe in einen Zusammenhang zu bringen. Arii Gedanken sind denn folgende gewesen: I. Es sind drei Substanzen, der Vater, der Sohn, und der heilige Geist. II. Die erste ist Gott, der allein ewig ist. Er hat schlechterdings nicht seines gleichen. Sein Wesen ist Niemand begreiflich. Er heißet Vater, In eben dem Verstand, in welchem der Sohn Sohn heißet. Und da dieser nickt allezeit Sohn gewesen, so ist auch jener nicht allezeit Vater gewesen. IU. Die zweite ist die Person, welche in der Sckrift der Sohn, das Wort, die Weisheit Gottes genannt wird, auch Christus ist. IV. Sie sg? Von dem arianisthen Lehrbegnf IV. Sie ist schlechterdings einGeschöpfGot- tes, welches er wie die andern Kreaturen, jedoch unmittelbar aus Nichts erschaffen. Diese Schö- pfung heißet in der Schrift Zeugung. V. Wenn er der Sohn Gortes gencnnet wird, so wird dieses so wenig im eigenrlichen und natürlichen Verstand genommen; als wenn dieser Nahme von Menschen gebraucht wird. VI. Sondern es hat eine Adoption statt, wobei die vorhergesehene beständige Neigung dieser Substanz zum Guten zum Grund lieget. Anm. Vergleiche meine kiüor. ^cloptisn. ca/>. I. §. 4. p. lö. VII. Die Nahmen das Wort (-.-7-x) und die Weisheit Gottes sind zweideutig. Sie bezeichnen bald gewiße Kräfte oder Eigenschaften Gottes, die in Gott sind; bald eben die Person, welche sonst der Sohn ist. Nur in jenem Verstand " " e beständig in Gott, natürlich und nohtwendig, nicht aber in diesem. Anm. Hieraus ist klar, daß Alexander sehr übel dein Ario die Folgerung zur Last gelegct: Gott müße von Ewigkeit unvernünftig («'-^ox) und unweise gewesen seyn. IIX. Gott hat diese Person aus freiem Willen hervorgebracht, damit ein Werkzeug da seyn möge, durch welches er die Welt schaffen wolte. IX. Der Sohn ist dem Wesen nach ganz verschieden von demValer. Er hat als ein vernünftig Geschöpf einen freien Willen: es ist sei- und den mancherlei Partheien. 591 tier Natur gemäs, daß er Veränderungen unterworfen. Er kan daher so gut lasterhaft; als tugendhaft seyn; hat sich aber durch Fleiß und Uebung eine Fertigkeit erworben, stets tugendhaft zu seyn. Anm. Wenn man vtum. VI. mit diesem vergleichet, und sich an das Beispiel von Pecro und Paullo erinnert, welches Acius gebraucht, so wird man einsehen, daß wir Grund haben zu glauben, daß nach Arii Vorstellung Gott unter allen möglichen Geistern den tugendhaftesten erwehlet, sein Sohn zu seyn. X. Es können daher auch dem Sohn weder das göttliche Wesen; noch göttliche Eigenschaften beigeleget werden. Er ist also nicht wahrer Gott. XI. Er ist nicht ewig ; sondern hat schlechterdings einen Allsang gehabt. XU. Er ist Nicht allwlßend. In seinem Verstand giebt es allerdings Geheimniße. Er hat also keilte deutliche Erkantniße weder von dem Wesen des Vaters; noch von seiner eignen Natur. XM. Unterdeßen hat er doch vorzügliche Gaben von Gort empfangen, und dieses aus Gnaden. Dadurch ist er der >L>ohn Gottes worden; ja hat selbst den Nahmen Gott in einem eben so ««eigentlichen Verstand erhalten, in welchem er andern Geschöpfen zukömmt. Anm. Zu dem § III. angezeigten Stellen ist noch aus Athanasli oiÄt.I. contrs ^risn. §-8 p-4lZ- folgende Stelle des Arii hrizufügen: „er ist nicht wahrhaft»« 592 Von dem «manischen Lehrbegrrf „ger Gott; sondern nur durch die Mittheilung Gott „worden,, x«< «ü-rox tSeoTroi'xA',-) XlV. Gott hat ihn vor der Schöpfung der übrigen Welt erschaffen und weil dieses durch den Sohn geschehen, so heist er deswegen das Wort und Weisheit Gottes. §. XI. Ehe wir weiter gehen, müßen wir hier ein Paar Anmerkungen einrüken. Es ist billjg zu fragen: was Arius sich von der Person Christi vor eine Vorstellung gemacht? Es ist gewis, daß weder in den wenigen Ueberbleibseln von Am Schriften etwas angetroffen wird, welches als eine Erklärung über dieses Lehrstük angesehen werden kan, noch in den gegen ihn gerichteten Angriffen Alexanders ; oder selbst der nicanir fchen Kirchenversamlung ihm hierinnen etwas zur Last geleget wird. Man kan es daher als gewis annehmen, daß er in Christo zwei Naturen angenommen; er aber mit dem Nahmen dessen, was wir die göttliche Natur nennen, einen ungemein niedrigen Begrif verknüpfet. Von seinen Anhängern wollen wir unten die Beweise geben, daß sie in der Lehre von der Menschennatur irrig gelehret, der Sohn Gottes habe nur einen Körper und keine Seele angenommen, weil eben das Wort der Geist gewesen, welcher diesen Körper bewohnet. Ob nun eben diese Lehre, welche sonst den Nahmen des apollinaristü schon Irtums führet, auch Arius gebilliget, dieses ist eine Frage, welche vor nicht gewis entschieden und den mancherlei parcheiem' 59Z schieden angesehen werden kan, obgleich sie wahrscheinlich bejahet wird. Anm. Hier ist Frage: ob Arins Christo eine Mcnschmsee- le abgesprochen? MarLus Mercaror to»r. II. «per. p. 199. nach Garniers Ausgabe verneinet sie völlig. Al« lein der bejahende Theil berufet steh theils auf das aus- drükliche Zeugnis des Achanasii 6e ncivenru Christi contra ^poüinar. §. Z.->to»r.I. operi 2. p. 942. theils des Theodoren hseretic. sah. Irör. IV. t. tom.IV. Oper. p. 2Z2. wogegen nur erinnert werden kan, daß die erst gedachte Schrift des Alhanasii von einige» vor «nacht gehalten wird, denen doch andere mit gute» Gründen wiedcrsprechen. Es bejahen aber diese Frage Pecao doAm. tlieol. to,/r. IV. I ra/,. z. §. 4. Tillemonr memoir. toM. VI. p. 27z. iindLardner oreciidllit^ ot tke 6. U. xart. II. uol. 7. p. 272. §. XU. Beynahe von eben der Beschaffenheit ist die -weite Frage, was hat Arms vom heiligen Geist geleyret? In den vorhandenen Schriften ist nichts weiter enthalten; als daß er in dem Schreiben an den Alexander saget: es sind drei Personen, Vater, Sohn und heiliger Geist. Von seinen Gegnern ist auch nichts davon berühret worden und es ist bekannt, daß auf der nicamschen Kirchenversamlung der dritte Artikel des Glaubensbekänrnißes gar keinen Zusatz bekommen. Von seinen Anhängern ist es desto gewißer, daß sie den heiligen Geist vor ein Gef schöpf des Sohnes gehalten und obgleich kein historischer Erweis gefuhret werden kan, daß Artus wirklich so gelehret; so ist es doch allerdings wahrscheinlich, wenn man bedenket, daß er durch die beyden erwiesene Säze: der Vater II Theil. P p ist 594 Von dem arianischen Lehrbegnf ist schlechterdings allein wahrer Gott, allein ewig u. s. f. und alles ist durch den Sohn erschaffen, dazu gendhtiget worden. Lnm. i. Wir haben oben § III. II. aus Athanasn Abschrift die Worte in Arii Schreiben en den Alexander schon angeführet, die im griechischen so lauten: w>s -rLk-r eis-tv vTra^s-c-L- Nun müßen wir beifügen, daß in der Abschrift des EpiphanLL liccref. f>XIX. §. 10. eben diese Worte so folgen: i-^ic ciir/e v«ok x», und bei dem -Hilario lrüx. IV. cie trinitsce8.iZ.toM.il. dper. p.79. nach der veröltest- schen Ausgabe: ^uspropter tres strnt iubstantiso, Pater, stiius, spiritus santlns, welche Lesart auch an sich schon wahrscheinlich ist. Anm.2. Daß Arms die Gottheit des heiligen Geistes nicht bestritten, wil Bacomus snnal. eccie?. a,r». LLLXXV. §. 57. u. 7;. behaupten, dem deswegen Sandei» in dem nucl. tiistor. eccles. p. 145.14. wicdcrspro- chen. Was wir als eine Folgerung feiner übrigen Sa- ze angegeben, bestätiget sich durch Arii eigne Worte bei dem Athanasio orac. I. contra ^riano8 §.6. p. 410. welche Stelle von andern Übergängen wird. Dergl. Jttig Iiistor. concil. Xic. §. 1 ^. Buddeum Institut, tke- ol. sto^mat. p. Zv 8 - Tillomonr to»r. VI. P. 244. und Travasa iüoria stell' ^rio p. 1Z4. §. XIII. Bei dem Lehrbegnf des Alexanders finden sich in der der That mehrere Schwierigkeiten; als gewöhnlich gedacht wird. Aus der Verdammung des Arii ist ein algemein Vorurtheil vor den Bischof entstanden, und daher die gemeinste Meinung, daß er eben das, was Atha? nasius und seine Freunde nachhero klar und deutlich gelehret, wieder Arium vertheidiget. Nun ist nicht zu leugnen, theils daß wir in den wenigen 595 und den mancherlei parcheien. wenigen Schriften die rechtgläubigen Lehrjaze: der Sohn ist wahrer Gort, er ist mit denr-Vacer gleiches Wesens, er ist gleich ewig, er ist noht- wcnbig, er ist unveränderlich, er ist allwissend und kennet den Barer, u. d. g. ungleichen er hat eine ihm eigene Persönlichkeit antreffen, theils daß wir überhaupt zu wenig von ihm haben und gröstenrhcils nur aus seinen Wiedersprüchen auf seine dogmatische Säze zu schließen haben. Allein wir finden sonderlich drei Bedenkiichkeuen. Einmal scheinet er den ziemlich platonischen Be- gris, der zumal in Alexandrien seit des Obige-- nis Zeiten sehr beliebt war, von und o--ch<« beizubehalten: wodurch freilich die Ewigkeit des -^->8 erwiesen; der persönliche Unterschied aber aufgehoben wird. Man darf sich nickt irren lasset,, daß er doch das Wort gebraucht, da die Bedeutung dieses Worts bei den alten Kirchenlehrern den unt?r uns gewöhnlichen Be- grif der Persönlichkeit nicht nohtwendig machet. Man kan hieraus schließen, wie es möglich gewesen, daß Artus geglaubet, Alexander sey ein Sabellianer. Zweitens ist auch der Ausdruk: zwischen dem Vater und Sohn laße sich kein denken, bedenklich. Hat er es allein von der Absonderung durch Ort; oder Zeit verstanden, so ist der Saz freilich orthodox. Wenn aber dadurch aller Unterschied, auch der persönliche, aufgehoben wird, so ist es eben der irrige Begrif, der kurz vorher bemerket. Endlich ist es unbegreiflich, was Alexander damit sagen wollen, baß die Natur des Eingebornen em Mit- Pp 2 telding Von dem ariamschen Lehrbegrif telding zwischen der Natur Gottes und der Kreaturen sey. Kurz es scheinet überal sehr gegründet zu seyn, daß Alexander nicht recht gewis in seiner Meinung gewesen sey. §. XIV. Wir sind nun im Stand drittens die eigentlichen Streitfragen selbst zu bestunmen. Es wurde gefraget: I. Ob die Person, welche in der heiligen Schrift, das Wort, die Weisheit, der Sohn Gottes genennet wird, wahrhaftiger Gott sey und zwar in eben dem Verstand, in welchem dieses Wort von der Person gebrauchet wird, die in der Schrift der Vater heißet; oder ob der Vater allem und im eigentlichen Verstand wahrhaftiger Gott, der Sohn aber diesen Nahmen wegen der ihm aus Gnaden geschenkten vorzüglichen Gaben führe? Da denn Alexander den erstell Theil der Frage bejahrte und den zweiten vernemete; Artus aber den ersten verneinete ulld den zweiten bejahrte? II. Ob die Zeugung des Sohnes Gottes eine von dem Vater aus freiem Willen unternommene Hervorbringung deßelben aus Nichts, das ist, eine Schöpfung; oder ein natürliches und also nohtwendiges Entstehen deßelben aus dem Wesen deßelben anzeige, da denn Anus das erste behauptete, und das lezte verneinete; Alexander aber es umkehrete. IU. Ob und den mancherlei Partheien. 597 III. Ob daher der Sohlt mit dem Vater gleiches und ebendaßelbe Wesen; oder ein von demselben ganz verschiedenes Wesen habe? Anus bejahete das lezte, Alexander das erste. IV. Ob der Sohn Gottes schlechterdings ewig, mit Ausschließung alles Anfangs; oder nickt ewig und daher erst durch seine Schöpfung angefangen da zu seyn, obgleich dieses vor der Welrschdpfung geschehen? Arius bejahete das lezrere, Alexander das erste. V. Ob daher die Sohnschaft von einer wahren natürlichen Zeugung aus dem Wesen des Vaters herrühre; oder von einer Annehmung an Kindesstarr, die nur ein Werk der Gnade ist, zu verstehen? Alexander behauptete das erste; Anus das lezre. VI. Ob der Sohn Gottes eine gnaue, richtige und deutliche Käntnis von seinem Vater und deßen Wesen habe; oder ob ihm daßelbe eben so unbegreiflich; als den Engeln und uns Menschen sey? Da denn Arius das lezte; Alexander das erste behauptete. VII. Ob der Sohn Gottes von Natur die Freiheit des Widerspruchs so habe, daß er daher theils eben so lasterhaft; als tugendhaft seyn können, ob er gleich stets tugendhaft gewesen und noch ist; theils noch moralischen Veränderungen unterworfen; oder ob er von Natur tugendhaft, nohtwendig heilig und unverander- Pp z lich sy8 Von dem arianischen Lehrbegrif lich sey? Auf welchen lezten Theil Alexander; Arius aber auf den ersten ja sagle. Anm. Man kan hiemit die Vorstellungen von Arii kehr» bcgrif vergleichen, welche Lupus tom.I.oper.p. 51.63. perav tlreol. 6e triiütate /rö-'.I. ca^. 8- tom. II. p. Z4. u. Tillcmonr tom. VI. p. 24z. gemacht haben. §. XV. Wir beschließen diesen Abschnitt viertens mit einigen Nebenfragen und Umstanden, welche das Ganze des von Ario angenommenen Lehrbegriffes betreffen. Einmal wird überaus viel von dem dogmatischen Ursprung dieser Ir- tümer gestritten. Daß es nicht an Leuten befehlet, welche gerade zu den Teufel vor den Urheber des arianischen Lehrbegrifs ausgegeben, wird wol von der ehemals sehr gewöhnlichen Denkungsart der christlichen Lehrer von kczeri- schen Partheien schon erwartet; wir halten es aber vor eine unnüze Muhe, Zeuguiße davon zu samlen ; oder die Frage, ob dergleichen Urtheil gegründet sey; oder nicht? weitlauftig zu untersuchen, da es, wenn man recht gelinde urtheilen wil, gar nichts saget, weil freilich der Teufel Urheber von allem moralischen Bösen bleibet, wohin denn die arianischen Unruhen sowol als der Lehrbegrif billig zu sezen; oder, wenn solches in einem gnaucn Verstand von einem unmittelbaren Unterricht genommen werden sol, ganz und gar unerwcislich ist. Anm. Wer Lust bat, einige alte Nachrichten, in denen sogar ein eignes Bekantnis des Teufels, daß er durch Arium und Eunominm die Kezcrei hervorgebracht, erzch. und den mancherlei partheieni 599 rrzehlet wird, zu wißen, den kan Lupus «per. tom.I. x. 51.6i. befriedigen. Wir glauben, daß von solchen »mnüjen Urtheilen gar merklich unterschieden ist, wenn einige Geschichtschreiber blos wegen der unglüklichen Folge», welche diese Streitigkeiten gehabt, den Teufel als Urheber ansehen. §. XVI. Vielmehr sind einige andere Folgen angegeben worden, die mehr verdienen in Befrachtung zu kommen. Aus Arii oben angeführten eignen Worten ist klar und erwiesen, daß sowol er; als seine Anhänger ihren Lehrbegrif von der Dreieinigkeit nicht allein vor den biblischen ausgegeben; sondern auch immer behauptet, daß er bis auf diese Zeit in der christlichen Kirche geherr- schet, den sie daher von ieher gehabt. Es ist sehr bekannt , daß nicht allein Arii eigne Nachfolger; sondern auch viele neuere Gelehrten, die zum Theil Arii Lehrbegrif gebilliget; zum Theil aber in dem Lehrstük von der heiligen Dreieinigkeit richtiger gedacht, eben dieses vorgegeben und vertheidiget. Wenn dieses wahr ist, so brauchen wir unsere Frage gar nicht auszuwerfen. Allein wie auf der einen Seite gerne zugegeben werden kan, daß nicht alle Kirchenlehrer, die vor der nicänischen Kirchenversamlung gelebet, eben die Vorstellungen gehabt, welche die leztere festgesezet, ja daß einige wenigstens sehr unvorsichtig und so unbestimmt geredet, daß sie dem arianischen Begrif näher kommen; als dem atha- nasiauischen; so ist doch auch gewis, daß wo nicht mehrere; doch eben so viel sehr richtig ge- Pp 4 lehret 6oc> Von dem arianischen Lehrbegrrf lehret und worauf es hier eigentlich ankommt, die Ewigkeit des Sohnes Gottes und daß er von dem Vater dem Wesen nach nicht verschieden, erkannt und deutlich gelehret. Insbesondere ist bekannt, daß sich zwar nicht Arms , wol aber seine Anhänger, um das Altertum ihrer Gedanken in der Kirche zuAlexandrien zu erweisen, sich sehr auf Leu Dionysium, der ungefähr sechzig Jahr vor dem Ausbruch dieser Streitigkeit daselbst Bischof gewesen, berufen; da wir aber schon uns Gelegenheit gemacht, von dieses berühmten Mannes Lehrsazen zu reden ; so halten wir es vor überfiüßig, uns dabei auszuhalten; wir wollen aber nicht behaupten, daß es ganz unmöglich sev, daß Dionysii unbedachrsame Ausdrüke wenigstens zur Empfelung der arianischen Lehrsaze an die Alexandriner das ihrige beigetragen. 2 lnm. I. Es ist hier der Ort nicht, die Geschichte des Streits von dem Glauben der Kirchenvater, die vor der nicanischen Kirchenversamlung gelebet, von der heiligen Dreieinigkeit weitlanstig zu untersuchen. Es ist bekannt gnug, daß derselbe in den neuer» Zeiten durch Zwikern, Ganden, whiston, Lapdit und andere erneuert worden, denen unter andern Bull in seinem bekannten Werk: dekenlio lläei Nicense wiedersprochen. Man kan die darüber von beiden Seiten aus Licht gestellten Schriften aus Labricii 6.6r. vo/. VIII. p Zl2. Zorns spule. lacr. ton,.!, p. 652. lqg. und meines Vaters Einleitung in die Religionsstreitizk. außer der E.L.R. B. IV. S-212. u.f. lernen, denen jedoch La- mi 6. daß Ariers die Kezerei des Paul von Samosata und des Lucia- ni, der unter drei Dischöffen zu Antiochien aus derKir- chengemeinschast ausgeschloßen gewesen, aufgewärmet, und redet als von einer bekannten Sache, daß Lucia- nus wegen seiner Irtümer in der Lehre von der Dreieinigkeit ein Vorläufer Arii gewesen. Arius nennet in seinem Schreiben an den Eusebium ebendas. p.2g. diesen Bischof ausdrüklich einen Lucianisten, wovon oben Abschn. I. §. z S Z9l nachzuleben. Soxomenus er- zehlet, daß die zu Antiochien versamlete meist arianische Vater ein Glaubensbekantnis gut geheißen, welches sie mit Luciani eigner Hand geschrieben gefunden hätten, lristor. eccles. III. coz,. z. p. ^8 Dieses Glaubens- bekäntnis liefert Sakrales tnkor. eccles. /iör. II. iO. p. 8?- Achanaslus cle Hmoclis to-«. I. xa» t. 2. p. 7ZZ und Hilarins äs s^noäis § 29. tom.1l. opsr. p. 478 jedoch so, daß keinervon diesen drei Schriftstellern des Luciani erwehnet Ob diese Formel von Luciano herkomme? ist eine Frage, welche von einigen bejahet; von andern aber verneinet wird; in der That aber hier sehr unerheblich ist, weil sie gar nichts entscheidet, und wie Goxomenus gar recht bemerket, so unbestimmt ist, daß sie in der That beyden streitenden Theilen günstig seyn kan, wie denn Bull, in dem gleich zu bemerkenden Ort, sie völlig orthodox erkläret, und keinen Fehler findet, als die Auslaßung des Worts senior, welche freilich zu Luciani Zeit keinen zum Kezer machen konle. Unterdeßen ist doch die Zufriedenheit der Arianer mit diesem Symbol» der Grund, warum es nicht allein sehr herunter gesezet, von einigen Luciano abgesprochen, von andern aber er als ein Vorläufer des Arii angesehen wird, welches alles übereilte Folgerungen sind. Epi- phaniu« kserek. XI^III. §. i. redet von einem Luciano, der und den mancherlei parcheien. 6c>s der zu den Zeiten des K. Constantini gelebet, der aria- nischcn Lehre deigcfallen, und von den Arianer» als Märtyrer verehret würde. Wenigstens ist kein anderer Märtyrer Lucianus bekannt; als dieser. Philo- storgius Iriilor. eccles übr. II. cap. 14. p 484 - erzehlet die Schüler des Luciam, unter denen die berühmtesten Arianer, Eusedius von Nikomcdien, Maris von Chalcedcu, Lheognis von Nicäa, Leontius von Antio- chicn, Eudoxius, Asterius und andere vorkommen, welche Nachricht sehr begreiflich machet, wie Arius sogleich bei dem ersten Anfang des Streits so vielen Beifal unter den morgenlandischen Bischöffen erhalten können. Er thut cap. 1;. hinzu, daß Asterius die Lehre desLu- ciani verderbet, worinnen stch abcrphilostorgins irret, wie in der von Reading beigefügten Anmerkung recht erinnert wird. Man thut hinzu, daß Mar. Vicrori- nus und Epiphanias die Arianer Lucianisten nennet. Zu diesen Nachrichten kommen denn die Lobsprüche, welche ihm wegen seiner Gelehrsamkeit und gottseligen Wandels Eusebius H. L. /ihr. VIII. ca/>. i z. p.zyz. <5ieronymus ir sezen hier, als eine aus dem historischen Theil bekannte Sache voraus, daßArius scholl vor der Kirchenversamlung zu Nicäa nicht allein an seinen zum Theil mit ihm gebannetm und vertriebenen alexandrinischen Freunden, sondern auch unter den morgenländischen Bischöf- fen viele Anhänger gehabt. Eben so ist kein Zweifel, 6o8 Von dem qrianischen Lehrbegrif Zweifel, daß durch die Schlüge der gedachten Versamlung nicht allein wieder Arii Person; sondern auch wieder deßen Lehrbegrif die Haupt- trennung zwischen denen, welche den von den versamleten Vätern festgesezten Lehrbegrif von Der Dreieinigkeit annahmen, und denen, die ihn verwarfen, entstanden; da aber theils damals; theils nachher» die lezrern nicht einerlei an diesen Schlichen tadelten; viel weniger, in dem, was sie denn von der Dreieinigkeit an starr der nicä- nischen Vorstellung lehren sotten, unrec sich übereinstimmten; so ist dieses die Quelle, aus welcher die mancherlei Partheien ihren Ursprrmg hatten. Wir wollen daher» erstlich unrersu- . chen, was das Concilium in Ansehung der Verstellungen selbst und ihren Benennungen vor Verordnungen gemachr; hernach von den dagegen gemachten Wrcdersprüchen und den daher entstandenen Hauptpartheien; ferner von einigen kleinern Nebenpartheien reden und endlich mit einigen Anmerkungen beschließen. §. XXII. Da wir erstlich von dem Lehrbegrif der zu Nicaa versamleten Kirchenvater eine historische Nachricht zu geben, entschlossn sind, wollen wir den Anfang mit einigen Berichten der Geschichtschreiber machen, so sie von dem ertheilet, was wegen der Lehrsaze, des Glaul>enöbekanlnißes und der Verdammung der Arianer daselbst vorgegangen. I. Euft- und den mancherlei Partheien. 609 I. Eusebius von Casareen ist unter denen Geschichtschreibern nicht allein der älteste; sondern auch wegen seiner Gegenwart aufderVer- samlung sehr glaubwürdig. Er hat einen eignen Brief von dem, was wegen der Glaubenslehre behandelt worden, hinterlaßen, und aus diesem bemerken wir folgende Auszüge: Er schreibet an seine Gemeinde: „er halte es vor nöhtig, erstlich, die von ihm entworfene Glaubeneformel, „hernach die andere, welche, nachdem zu der erlern einige Worte beigefüget worden, die verlängeren Vater bekannt gemacht, ihnen mitzutheilen. Die erste, welche in Gegenwart des „Kaisers vorgelesen und von allen vor richtig be- „funden worden, laute also: wir glauben an „Einen Gott, den allmächtigen Vater, der alles, „beydes das sichtbare und unsichtbare, gemacht „hat, und an Einen Herrn Jesum Christum, der „das Wort Gottes ist, Gott von (ex) Gott, „Licht vom Licht, Leben vom Leben, der einge- „borne Sohn, der Erstgeborne vor aller Kreatur, der vor allen Zeiten («Eü-ch vom (ex)Va- „ter gezeuget worden, durch welchen alle Dinge „gemacht sind: der wegen unserer Seligkeit „Fleisch worden und unter den Menschen gewan- „delt, und gelitten und am dritten Tag aufer- „standen und zu seinem Vater aufgefahren und „wieder kommen wird mir Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toden. Wir glau- „ben auch an einen heiligen Geist. Wir glauben „daß jeder von diesen sey und bestehe: (^ ^ ,„^7--«^«-') daß der Vater wahrhaftig Vater, der u Theil. Qq „Sohn 6l2 Von dem arianischen Lehrbegrif „Sohn wahrhaftig Sohn, der heilige Geist „wahrhaftig heiliger Geist sey : nachdem, was „unser Herr, da er seine Jünger zur Predigt „aussendete, sprach: gehet hin-im Nah- „men des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „ - - Worauf Eusebius versichert, daß er wahrhaftig so glarrbe und verspricht, nach seiner Zurükkunft durch klare Beweise zu zeigen, daß er auch vormals nicht anders gelehrer habe. Er fahret fort: „Niemand „habe dieser Formel widersprochen: der Kaiser „habe zu erst seinen Beifall bezeuget und alle ermähnet, daß sie ihr beitretcn und sie unterschreiben mbgten,nur daß das einzige Wort gleiches „Wesens (ö^-80-.-t) dazu gesezet werde. Dieses Wort habe der Kaiser selbst erkläret und „behauptet, der Sohn werde nicht in einem körperlichen ^/lnn gleiches „Wesens genennet und bestehe nicht durch eilte „Trennung 0 «?-« noch durch eine Absonderung (^sT-s^) vorn Vater. Denn es „sey unmöglich, daß die Zeugung eine unmate- „rialrsche, vernünftige und unkörperliche Leidenschaft 0 «> 5 -c) zulaße; man müße es aber arrf „eine Gott anständige, obgleich nicht zu beschreibende Art verstehen. So habe der weise und „gottselige Kaiser philosophirer; Die Bischdffe „aber wegen des Worts gleiches Wesens, sollende Formel entworfen.,, - - Das hier ein- gernkte nicänische Bekantnis verspäten wir an einen andern Ort. Nach derselben fahret der Bischof fort: „Wie dieses abgelesen worden, ha- „ben und den mancherlei Partheien.' 6 l! „ben wir die beyden Ausdrille: aus dem Weichen des Vaters (5>L 7-ic 7--«^sx) und mit „dem Vacer gleiches Wesens (---? „o-.o^) nicht ohne Prüfung vorbei gelaßen. Es „erfolgten daher allerlei Fragen und Antworten „und die wahre Bedeutung dieser Redensarten „wurde scharf untersuchet. Es wurde von den „Blschbffen zugestanden, daß man durch den „Ausdruk, aus dem Wesen des Vaters anzeigen wolle, der Sohn sey von (ex. aus) „dem Vater, nicht aber, er sey ein Theil des „Vaters, welchen Lehrsaz er, Eufebius, denn „unter dieser Erklärung billige. Er verwerfe „auch das Wort gleiches Wesens nicht, um „des stets vor Augen habenden Zweks des Friedens Willen. So nehme er auch den Aus- „druk, gezeuget, nicht gemacht „8 7---.^^-) an, weil das Wort gemacht eine „allen, durch den Sohn hervorgebrachten, Kreaturen , gemeinschaftliche Benennung sey. - - Hierauf folget eine unren mitzutheilende Erklärung des Ausdruks gleiches Wesens, von dem noch versichert wird, daß er nicht neu; sondern von einigen alten berühmten Bischöffen gebrauchet worden. Weiter heißet es: „wir ha- „ben alle uns in dieser Formel vereiniget, nicht „ohne Ueberlegung; sondern nach den izt erzehl- „ten Bestimmungen, welche in Gegenwart des „Kaisers untersuchet und aus den angezeigten „Gründen genehmiget worden. Wir haben „auch die angehängte Verdammungssormel an-' „zunehmen, aus der Ursach geglaubet, weil sie Qq 2 „den 6 l 2 Von dem arianischen Lehrbegrif „den Gebrauch unbiblischer Wörter verbietet, „um deren Willen die ganze Zerrüttung und Unruhe in der Kirche entstanden. Denn da nie „eine göttlich eingegebene Schrift sich der Redensarten aus Nichts (k^r^o'vrLi-) oder, es „war eine Zeit, da er (der Sohn) nicht war „u. d. g. bedienet, so haben wir es vor vernünftig gehalten, daß dergleichen nicht geredet; oder „gelehret würde. - - Man hat auch billig den „Saz: er war nicht, ehe er gezeuget wurde, „mit Recht verdammet, weil alle bekennen, daß „er der Sohn Gottes gewesen, ehe er nach dem „Fleisch geboren worden; es hat aber auch der „Kaiser gründlich erwiesen, daß er nach der göttlichen Zeugung vor allen Zeilen gewesen. Sintemal ehe er wirklich gezeu- „get wurde, war er der Möglichkeit nach 0', im Vater, ungezeuget so „daß der Vater allezeit Vater, so wie allezeit „König und allezeit Heiland ist, der Möglichkeit „nach alles ist und sich allezeit auf einerlei Art „verhalt.,, Anm. i. Diesen merkwürdigen und lehrreichen Brief liefern Alhanasins lle llecretis s^noäi k^ic. p. 2Z8 Sakrales Likör. eccles /r'-e. I. es/? 12. p-Z7- Eelasrus Likör, concil. dlic. /iör. II. cax, Z4. u. a. Anm. 2. Der allerlezte Theil von Sintemal an ist unstreitig der bedenklichste, und scheinet alles vorhero gut gesagte aufzuheben. Es ist aber dabei zu bemerken, theils daß er in einigen Abschriften, wie beim Sokrate, ganz fehle. S- Dunalois und Lorvtb. not. in T^Leol. p. 40. und Bull clefenf. kcl. k^ic. /eK. III. ra/?. 9. §. Z. theils, daß es sehr ungewis, ob er,wenn eracht ist,dem K. Lonstantin; oder dem Eusebio zuzuschreiben. ti. Athar und den mancherlei Partheien. 6/ z II. Athanasius behauptet mit Recht unter den glaubwürdigen Zeugen einen Plaz, theils weil er von Sachen redet, die er selbst gesehen und gehöret; theils, weil auch seine Feinde nie geleugnet, daß er die nicanische Vorstellung wol begriffen und vertheidige. Wir haben von ihm eine eigne Schrift von den Schlüßen der nicäni- schen Kirchenversamlung, welche zwar wol zunächst eine polemische Bestimmung hat; aber doch auch reich an historischen Nachrichten ist, die wir denn hier auszeichnen wollen. Erstlich er- zehlet er, daß, da man zu Nicaa von den Euse- bianern einen Beweis gefordert, sie nicht allein so grobe Irtümer vorgebracht; sondern auch sich unter einander so gezanket, daß die Bischöffe mit Verwerfung der von jenen vorgeschlagenen Aus- drüke, sich in dem Entwurf des Symboli vereiniget, und da es alle unterschrieben, hatten es auch die Eusebianer gethan und also die Redensarten, welche sie iezr verdamten, gcbilliger, nämlich: aus dem Mesen (-'* ^ gleiches Wesens ferner, der Sohn sey kein Geschöpf (^7-k noch ein Merk On noch von den Gemachten (!x -r--,"); sondern aus dem Wesen des Vaters ge- zeuget. Welches alles Eusebius von Cäsarcen gebilligec und vor den alten Glauben der Värer erkläret. Hernach bemerket er den Umstand, daß, da die Eusebianer den Ausdruk aus Gott gebllliget,diesen aber zugleich wegen »Cor. Vlll, 6. 2 Cor. V, 17. von den Geschöpfen genommen ; so hätte die Kirchenversamlung um die Qq z Zwei- 6r4 Von dem ariamschen Lehrbegns Zweideutigkeit zu heben und denUilterschicd zwischen der Schöpfung und Zeugung zu bestimmen, die Redensart, aus dem Wesen des Vaters gebraucht. Eben so, da die Bifchöffe vorgeschlagen hatten, zu schreiben : das Wort sey die wahrhaftige Kraft, das Ebenbild des Vaters und ihn; in allen ohne Verschieden- heir gleich, O-.-v) und unveränderlich und allezeit und untrennbar in ihm, u.s.w.; so hatten die Eusebianer unter sich, da sie sich zu wiedcrsprechcu nicht unterstanden, durch Murmeln und Augenwinkel» einander zu verstehen gegeben, daß dieses alles könne eingeräumet werden, weil es in gewißcn Verstand von den Kreaturen gesaget werden könne, und zwar wegen i Cor. Xl, 7. 2 Cor. IV, i. Apostelg. XVII, 28. u. s. f. Deswegen hätten die Värer, um diesem Betrug vorzubeugen; das Wort gleiches Wesens erwehlet. Eben diese merkwürdige Umstände wiederholetAthanasills, nur kürzer, an einem andern Ort. Anm. Die beyde» angeführte» Stellen stehen in des Bischofs Buch äe äecretis hmoäi und -war der erste § z. p. 210. der zweite §. iy. 20. p. 224 i'gq. der zweite Ort ist in der epilrola sä ^fros H. 6. y. 895' igg. III. Sokrates ist überaus sparsam in den Nachrichten, dre wir verlangen. Er saget, daß die fünf oben gemeldete Bischdffe sich dem Aus- druk gleiches Wesens wiedersezet: „weil sie „diesen Nahmen von einem Ding verstünden, „welches aus einem andern entweder durch eine ,,Theilung, oder durch einenAusfluß; oder durch „einen und den mancherlei Partheien. 6t s „einen Auswurf entstanden, das lezte, „wie die Gewächse, die aus einer Wurzel hervorkommen : das zweite, wie die natürliche „Menschenzeugung: das erste, wie zwei oder „drei Gefäße aus einem Stük Gold, welches al- „les sich vom Sohn nicht sagen laße. „ Euse- bius von Cäfareen habe einige Zeit Bedenken gefunden, zu unterschreiben; sich aber in dem Brief wol erkläret. Anm. kiüor. ecclet. Üö»'. I. Z. p. 22. IV. Sozomenus meldet noch weniger, indem er nur meldet, daß die Biscböffe beschloßen, der Sohn sey mit dem Vater gleiches Mesens (°'^->LE) und die arianische Redensarten ver- danlmt. Anm. tiiüvr. ecclet. cax. 20. 2 l. p. Z8-I4. V. Aus dem Theodoveto bemerken wir dieses, daß zu Nicäa verschiedene gewesen, welche sehr arglistig und künstlich ihre Neigung gegen den arianischen Lehrbegrif zu verbergen gesucht. Und diese hätten nur verstellt unterschrieben, und füget denn aus Euftathii und Atha- nasii Schriften dieses bei, was wir schon mitzutheilen Gelegenheit gehabt. Anm. kiüor. eccl. I. cax. 7.8- p. 26. th. VI. Ambrosius erzehlet noch einen ganz besondern Umstand, Eusebius von Nikomedien habe in einem Brief den Schluß einfiüßen laßen: „So bald wir sagen, daß Christus der wahre „Sohn Gottes und nicht erschaffen; so bald Qq 4 „sangen 616 Von dem arianisthen Lehrbegrif „fangen wir an, zu lehren, daß er mit der Vater „gleiches Wesens sey. „ Als dieser Brief auf der Versamlung verlesen worden, hatten die Vater eben dieses Wort in daß Glaw bensbekanmls gesezet, um die Arianer mit ihrem eignen Schwerd zu schlagen. Anm. III. äe 7. §. xxm. Wir glauben, daß nachdem diese Nachrichten, vorausgesezet sind, wir am füglichsten damit das Bekantnis der Religionslehrcn verbinden, wie es von den zu Nicaa versamleten Kirchenvatern gebilliger worden. Es bestehet aus einem dogmatischen und einem polemischen Theil. Jener ist dieser: „wn glauben an Einen „Gott den allmächtigen Vater, den Schöpfer „aller Dinge, der sichtbaren und unsichtbaren. „Und an Einen Herrn Jesum Christum, den „Sohn Gottes, den Eingebornen, der vom (H) „Vater, das ist, aus dem Wesen des Va- „ters (rx 7-„5 L's-ta-x 7 . 7 ^.) gezeuget ist: Gott „vom Gott: Licht vom Licht, wahrhaftigen „Gott vom wahrhaftigen Gott, der gezeu- ,.get, nicht gemacht worden, der mit dem „Vater gleiches Wesens ist, i-. ^.) „durch welchen alles gemacht worden, was so „wol im Himmel; als auf der Erden ist. Der „um uns Menschen willen, um unserer Seligkeit „wegen herunter gekommen und Fleisch geworden, und Mensch, und gelitten, und am dritten Tag auferstanden, der in den Himmel aufgefahren und den mancherlei partheien. 6l 7 „gefahren und kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toden. Und au den heiligen „Geist.,, Dieser beschäftiget sich mit Misbilli- gung gewißer Redensarten, die ohne Zweifel arianisch sind. Er lautet so: „diejenigen aber, „die da sagen: es war eine Zeit, da er nicht „war, und er war nicht, ehe er gezeuget worden, und,' er ist aus Nichts O rn ->'^v) entbanden; oder vorgeben, daß der Sohn Gottes „aus einer andern Substanz; oder Wesen „(kE ci-k^ar r/A-srvkLic, l' ^<«5) sey; oder erschasr „fen ; oder veränderlich ; oder dem Wechsel „unterworfen, den verstricht die heilige katholische „und apostolische Kirche.,, Anm. Es ist bekannt, daß nicht allein in Eusebii vorbedachten Brief Atkanasn epiäol. sä^ovisn. tom.I. 2. p. 781- Sokratis Rirctienhiftor. /rö»-. I. cax. 8 und andern altern Schriftstellern; sondern auch in vielen Concilicnakten diese Giaubensformel erhalten worden. S. Bingbams ori^in. eccles. vo/.IV. p. loy. IttiFdi- llor. concil. blic. p. 44. und meines Vaters illtroälltt. in libros l^wdolicos. p. 125. §. XXIV.' Es ist nicht schwehr, einzusehen, daß der Hauptlehrsaz dieses Glaubensbekäntnißes in dem Wort (->>- 8 s8-r.°x ist an sich nicht neu, sondern in der Sprache der Griechen sehr gewöhnlich gewesen. Sie bezeichneten aber dadurch das, was wir einzelne Dinge einer Gattung nennen. Anm. S- Bull «lelens. llä. Nie. /eK.II. t«>§. 2. p. 26. und Lami äekenf. llä. Nie. p. 2. lgg. IN. Das Wort ist auch in der Theologie der Christen nicht neu; sondern nichts ge- wißer; als daß es in der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit gebraucht worden. Ob es die Ke- zer, ihre Jrtümer damit zu bezeichnen, gebraucht, ist eine noch zweifelhafte Frage. Anm. Von der ersten Angabe find hier nur die Erklärungen der Alten zu bemerken, daß der Ausdruk nicht neu sey, und den mancherlei parcheien. 6 l 9 sey, welche unter andern in Eusebii niitaetbeilten Brief und Arhaiiasii anzcf. Buch p. 2zc. zu finde». Don den neuern wellen wir unken reden. Was die zweite Angabe bctrift , so beziehet es sich vorzüglich auf den sabelliamseliei» und samosatenianischen Lckrbegrif und die Nachricht, daß zu Antiochicn wegen des lczter» das Wort verdammet worden, wovon oben S. ivz. u.f. weitläuftig gehandelt worden. IV. Das Wort -'«-x-ns? ist allerdings zweideutig und kan einen mehreren Verstand haben. Insbesondere aber kan es eine Einheit der Gattung (unirarem lpecilicam) und eine Einheit der Zahl (unicarem numericam, nmncralem) anzeigen. Anm. Diese Verschiedenheit haben die alten bemerket. Hilariu» 6e Knollig §. 6Z. lgg. tom.II. opee. p;oo. sgg. bemerket drei unrichtige Vorstellungen i') die sa- bcllianische, da der persönliche Unterschied aufgehoben wird: 2) wenn eine Theilung angenommen wird, ut lliviius a sefis pster intelli<;stur et psrtem exsecuiile, ezuse eilet fibi fiiius: z) wenn das Wesen als etwas an» gesehen wird, das eher da gewesen; als zwei Personen, die sich in daßelbe getheilct, cofierelles tiuo sunt, et Herecilts8 anterior esi, eu^'us cluo üuit cokereäes ; it» unius subfiantise snterioris eluo psres pofiunt viäeri eile eoliereäes, und erkläret denn die richtige. V. Wie haben die Kirchenlehrer dieses Wort verstanden wißen wollen? Hier ist kein anderer Weg; als daß wir unpartheiisch nicht die neuern ; sondern die alten hdren. 2 lnm. Hier wollen wir einige von den alten Erklärungen solcher Schriftsteller mittheilen, welche nicht allein historisch glaubwürdig sind; sondern auch von ihren Fein» den davor erkannt worden, daß sie die rechte Meinung der Kirchcnversamlung eingesehen. l)Eusebie»s, dem wir hier recht vorzüglich zu trauen Ursach haben, erzeh- 620 Von dem arianischen Lehrbegrif let folgendes: „da man das Wort: gleiches Wesen» „sehr sorgfältig untersuchet, ist man einig worden, daß „es nicht auf eine körperliche Art; noch so, wie es von „sterblichen lebendigen Kreaturen gesaget werden kann; „noch von einer Trennung; oder Absonderung; noch „von einer Entfernung von dem Wesen und Kraft des „Vaters zu verstehen, weil alle diese Begriffe mit der „ungezeugten Natur des Vaters nicht bestehen können; „sondern der Ausdruk: gleiches Wesens ftp so zu neh- „men, daß der Sohn schlechterdings keine Gleichheit „mit den Kreaturen, die gezeuget werden, habe: daß „er allein dem Vater auf alle Weise gleich sey, auskei- „ner andern Substanz; oderWeftn; sondern allein des „Wesens des Vaters:„ bei dem Sokrate ll. L. caL.8 P-2Z. 2) Atbanasius erkläret sich äe äeoret. synocil kVic. §. 20. p. 226. so , daß er saget, daß durch o'^-!8--,ar der Sohn von allen Geschöpfen unterschieden weroe, und daher den Gegcnsaz von allen in der Verdammungsformel bemerkten arianischen Auedrüken in sich fasse. Bald darauf § 24. p. 229. bat er folgende Worte: „man mus in dieser Lehre alle körperliche Be- „griffe vermeiden-Denn wie die Wörter gezeugt und Sohn nicht so, wie von Menschen, ge> „nommen werden; sondern so, wie es Gott anständig; „eben so müßen wir, wenn wir von was hö- „ren, uns nicht durch sinnliche Vorstellungen verführen „laßen, an Theilungen und Trennungen zu gedenken; „sondern wie man von geistlichen Dingen denken mus, „die Einheit des Wesens und die Einheit des Lichts denken» u f.w. An einem andern Ort schreibet er schr merkwürdig: „wenn die „Arianer so viel Bedenken finden, anzunehmen; „so können sie kurz sagen, der Sohn sey von Natur Sohn - - Die Bedeutung des Worts ä/E- „5«or gehet dahin, daß der Sohn keine geschaffene; oder „gemachte Sache sey, imd wer bekennet, o^oss-,-»', der „glaubet, der Sobn sey kein Geschöpf» epnlol. sä ^l>os §. 9. p. 898 Noch an einem andern Ort erkläret er den Unterschied zwischen und s'^sreE gar richtig : jenes werde nur von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Eigenschaften; dieses aber vvm Wesen gesaget. Wenn die Liede vom Wesen sey; so sage man nicht zondern und den mancherlei parcheien. 62 r sondern inv-rai-yr. Wenn von zwei Menschen gesaget werde, sie sind so verstehe man es von Fertigkeiten und den Charakteren, denn dem Wesen nach waren sie bei der Dergleichung aber eines Menschen und Hundes sage keiner sondern ci-k-oPv-k- Von Menschen, die Gottes Kinder sind, sage Johannes weil sie es nicht sondern durch die erlangte Kindschaft sind, äe.hmoclis p.766. z)-Hilarius äe s/noäis §.88. p.Zl4- giebt folgende Erklärung: homousion, lsndkisiimi viri, intelli^o, ex 'i-ok)>7 5) Epiphanias endlich saget: „wer das Work o'u-8^s»> brauchet, wil damit nicht aufzeigen, daß etwas von ebendemselben göttlichen Wesen „(i-n --«vr-yc 3-k°i-,r<-s) unterschieden sey; sondern daß „der Sohn Gott von Gott und der heilige Geist Gott, „eines göttlichen Wesens, und nicht drei Götter 6nd„ ancorac. §. l6. Mehreres liefern Bull, Lami, Suicer H-inbol. Xic. Lonlk. illusirat. X. p. 197. obgleich der leztere nicht aus lauter achten Schriften seine Zeu- gniße gesamlct. VI. Es verdienet allerdings bemerket zu werden, daß die gelieferten historischen Berichte nicht einig sind, wie es zugegangen, daß man eben dieses 622 Von dem ariünischen Lehrdegrif dieses Wort erwehlet, den rechten Begrisdamit zu bezeichnen. Nach dem Eusebio müste man es dem K. Conftantin zuschreiben; nach dem Ambrosio ist Eusebiuö von Nlkomedien zufällig Ursach davon gewesen; nach dem Athanar st» aber es den Vätern überhaupt beizulegen. Wir glauben, daß alle drei Erzehlungen zu verbinden. Man kan sich aus den oben mitgetheilten Stellen des Alexanders erinnern, daß der Bischof allerdings schon gegen Arium gebrauchet und da man auf dem Concilio gesehen, daß alle vorgeschlagene Ausdrüke von den Arianern verdrehet würden; hingegen Ettsebius voll Nrkomedien jenes Wort schlechterdings verworfen, so haben die Kirchenlehrer es vor ge- schikr gehalten, ein Unterscheidungskennzeichen der arianischen und ihrer eignen Lehre zu seyn: welches denn K. Konstantin genehmiget und im Glaubeltsbekäntnis auszudruken befolen. 2 lnm. l. Vergl. Irrig Iiillor. conc. dlicen. p. 47. 2 nm. 2. Von der Geschichte des Worts sind zu lesen: Perav doj-mnt. rbeol. trinicace I/v»-. IV. rap. z. kam. II. p 204. lljq. Bull llelens. llil. dlic./ei?. II. r.sgq. Naraliü Alexander Inicor. eceies. 7eO.IV. si'/. 14 äe 15 Lemoxnc not. in varia lacea p. 242. Suicec am a. . 7^ «'^«5) doch so daß keine Trennung, Absonderung; oder Ausfluß dabei zu denken. V. Hieraus folget, daß der Sohn Gottes mit dem Vater gleiches Wesens ist. VI. Diese orE-a bestehet zwar darinnen, daß der Sohn ebendaßelbe Wesen hat, wieder Vater; allein nicht auf die Art, wie von Geschöpfen gesaget wird, daß mehrere Dinge einer Gattung ein Wesen haben (umrarem ffreciticam) 624 ^0" dem arianischen Lehrbegrif indem dieses das göttliche Wesen nicht verstattet; sondern es bleibt allemal Ein Wesen, der Zahl nach (uniras mimeriLa) welches der Vater und Sohn hat. Anm. Dieses ist unstreitig der wichtigste; aber auch schweh. reste Saz. Daher kein Wunder, daß über denselben in den neuern Zeiten so viel gestritten worden Die vornehmsten Zweifelsgründe sind wol daher entstanden, theils, daß auf dem Eoncilio der nachher» eingeführte Unterschied zwischen ^--5«---,»' und nicht gnau unterschieden worden, welches denn einigen ältern den Verwand gegeben, die nicanischcn Kirchenlehrer zu beschuldigen, daß sie dem sabeltianischen kehrbegrif günstig sich erwiesen, deßen Ungrund aus den Wicderspruche» Arkg- nasii gegen Sabcllium wol erhellet; theils daß bei den Griechen und selbst bei orthodoxe» Lehrern, doch nicht in der Lehre von Gott, das Wort von einer Gleichheit der Gattung (unitas speeitiea) gebraucht worden, wozu noch kam, daß erst in den spätern Zeiten der Lehrsaz: Lhristrrs der Mensch ist den andern Menschen Mode wurde, welcher denn freilich keine unilacem; oder irlenritacemnumericsm; sondern unitstem ipeciticsm anzeigen kan, und aus dieser Quelle folget die zweite Klage, daß der nteänische Lehr- begris aus dein göttlichen Wesen eine Gattung mache, zu der sich die drei Personen eben so verhalten, wie Petrus, Paullus, Johannes sich zur oder Wesen des Menschen verhalten. Es ist bekannt,' daß Lnrcelläus, Ludworth, Clemens, Elias Saurin, von denen pfaff» introä. in lristor. theol. littera?. ton». I. P. Zil. nachzusehen , dieses vorgegeben, denen Jakson am a. G und Jovtin in den Anmerk. nber die Ricchenhist. TH.I 1 I. S. ivi. beizufügen. Es ist hier der Ort gar nicht, die theologischen Gründe, aus denen und durch welche diese Streitigkeit entstanden, zu untersuchen; sondern blos historisch davon zu urtheilen; müßen wir bekennen, daß wir dieser Erklärung nicht beitreten können. 1) wegen der oben angeführten eignen Erklärungen, da uns wol kein Zweifel ist, daß Eusebins und Arhangs,ns unter allen am besten gewust haben müssen, was'die Kirchenvater und den mancherlei parthelen. 62 5 vater zu Nicaa qemeinet haben- Nun ist nicht zu leugnn,, daß sie sich so ganz bestimmt nicht ausgedrukt; allein die blose umcss specisica kan doch mit den Zufa- zen, daß schlechterdings alle Theilung und alles körperliche ausgeschloßen werde, unmöglich bestehen, indem bei der unikace l'pLciüca allemal F<-r^ea-/r ist und bei der natürlichen Zeugung, durch welche freilich Ipe- cillca en tstehet, allemal oder d. g. seyn mus: 2) weil es unleugbar, daß die Beschuldigung der Aria- ner, daß sabellianisch sey, schlechterdings wegfallen mus: mithin die Arianer es gcwis gnug äe uni- tste numeiica verstanden: z) wegen dcßen, was unten von dem Streik zwischen den Orthodoxen über und Ü 7 i-<- 5 «i--,r folgen sol. Die kurz vorhero angeführte Schriftsteller sind auch hier zu vergleichen, ynd mit ihnen Ludveus instirm. rdeol. cloKm. x. z12. zu verbinden. VII. Der Sohn hat daher aüch alle Eigenschaften, die der Vater hat, und insbesondere ist er ewig, und allmächtig. §. XXVI. Wir halten es vor sehr überflüßig; hier zu erinnern, daß alle Gegner der gesamten ariani- schen Parthei eben diese Grundsaze gehabt. Es lehret schon die oben gelieferte Historie, daß schlechterdings die Annahme dieses Glaubensbe- kanrmßes, die durch Concilienschlüße und bürgerliche Geseze befoien worden, von dieser Seite vor ein solches Merkmal der Orthodoxie angesehen wurde, daß man keinen vor einen Bruder erkennen wolle, der nickt solches anzunehmen er- kiarere, obgleich zuweilen gelindere Urtheile davon gesället worden. Eben dieses erhellet aus den Lobsprüchen, womit sowol diese Glaubensformel; als wegen derselben die nicanische Berit Theil. Rr samlung 626 Von dem arialisihen Lehrbegrif samlung selbst beleget worden und aus dem Ruhm., den diese Parthei darinnen sezte, daß sie ihr Bekäntnis nie verändert, wie solches der Gegentheil so häufig gethan. Anm. Die erste Angabe beweiset die Geschichte der Aria- ner: die zweite unter andern Athanasu eigne Versicherung, daß er diejenigen nicht verdamme, welche den katholischen und nicanischen Lehrbegrif beifielcn, und allein das Wort gleiches Wesens misbilligken, cle svn- 06. §.41. 9.755. drittens, die altern Lobchrüche hat Suicer ebendas. p. 8 gesamlet, viertens, die Anmerkung, daß die Orthodoxen unveränderlich in ihrem Bekantnis waren, stehet sehr oft im Athanasio, z. E. äe «leer. Anoäi dtic. §. 4. p. 21 l. . tz. XXVIl. Da wir nun zweitens von den Gegnern des nicanischen Glaubensbckäntnißes reden sollen, so müßen wir voraus erinnern, daß die Verwirrungen , in welchen in der That die Nachrichten der Alten sind, oft die grdste Hindernis verursachen , mit gehöriger Deutlichkeit und Gnauig- keit davon zu reden. Wir glauben, daß da den dfentlichen Glaubensbekamnißen in solchem Fall billig der erste Plaz anzuweisen, so wollen wir damit den Anfang machen. Es ist überhaupt dabei anzumerken, daß die Arianer; oder beßer um einen algemeinern Nahmen zu erweh- len, die Gegner des nicanischen Concil» eine grose Menge solcher Glaubensformeln zum Vorschein gebracht. Sie find aber gar sehr sowol dem Inhalt; als dem Umfang nach von einander unterschieden und dahero wird es vor uns gnug seyn, bei jedem das zu bemerken, was eigentlich die und den mancherlei partheien. 627 die zwischen den beyden Partheien strittige Fragen bemst. Anm. Noil der Menac der arianifchen Glaubensbeka'nt, niße sind überhaupt Acu,qe!i Sakraler, kilior. ecciek. übr 1l. 0^.41. p. 257. und 2lcl)anas,us an mehreren Orten, sonderlich äe s^noil. §. 14. tom.I./>«, t.I. x. 727. epiK. üä ^sros §. 10 . p 899> §. xxvm. Diejenigen Glaubensbekantniße, welche von ariamschen Lehrern und Synoden, nach der Kir- chenvcrsamlung zu Nicaa enrworfen worden und noch vorhanden, folgen nach der Zeitordnung also: I. Arii und Euzoii nach ihrer Zurukbcru- fung dem Kaiser Constamin übergebenes Glau- bensbekanlnlö, welches die Kirchenversamlung I. §. zu Jerusalem gebüliget. In demselben waren ZZ 5 - die gewöhnlichen arianischen Ausdrüke von dem Anfang und Schöpfung Christi so wol; als das auogelaßen und von Christo anstößig, gejaaet, er sey e'x ^k^k^s- ,°r, weil es durch gemacht kan übersezet werden. Es fehlen alle Verdammungen. Anm. S- Sakralem Iiikor. eccles üb»-. II. ca/». 26. p. 60. II. Erstes Formular, so zu Antiochien Z4^ von den Eujebianern aufgesezet worden. Es ist sehr kurz, berühret die Hauptsaze vou Christo gar nicht und läßt daher völlig aus. Anm. S. Arhanasium äe g noöis §.22. p. 7Z; So;o» menum üb,-. III. csv. 5. Sakralem üb,-. II. ea/». 10. Die» Rr 2 s«s 6sZ Von dem arianischen Lehrbegrif ses ist wahrscheinlich das Bekänlnis, so von Luciano herkommen sol. III. Zweites Formular, so eben daselbst gemacht worden. Es ist orthodox, bis auf öE-n->c» ob es gleich bestimter seyn kdnte. Es hat Verdammungsformeln, welche offenbar die eigentlichen arianischen Lehrsaze treffen. Lnm. S. Athanasium ebenvas. §. 2Z. Sokratem und Sozomenum. -^ilacius svnoll. §. 2y. tom. II. oper. p. 478. fället ein sehr günstiges Urtheil davon, und bemerket, daß die Versamlung vorzüglich sich den Sabet- lianern entgegen gesezet. IV. Drittes Formular von Antiochien, welches TheophrontUs,. Bischof zu Tyana, verfertiget und die andern unterschrieben. Es ist weniger bestimmt, als das vorhergehende: nennet Christum nicht , sondern den voll: kommenen Gott vom vollkommenen Gott und verdammet dieKezerei desMarcelli vonAn- kyra, des Sabellil und Paul von Samosata. Anm. Dieses hat Arhanasias ebcnSas. p. 7Z7. allein. I. C. V. Neues Glaubensbekantnis, welches we- nig Monat darnach die Eusebianer an den K. Constans nach Gallien schiken. Es stehet nichts darinnen, was nicht wahr ist, ein deutlicher Wie- derspruch gegen die Arianer, nur nicht Anm. S. Acbanasinni §. 25. p. 7Z7. und Sokratem ttö»-. II. kisror. eccl. ca/?. iZ. Z45. VI. Das lange Bekäntnis von Anttochi- - en. Es ist mit biblischen Worten abgefaßet und lautet sehr richtig, da Christus von Natur und den mancherlei parrheien. 629 Athanasium p. 7 Z 8 iM- und Sakralem kör. II. caz,. 19. vu. Die auf der Versamlung zu Philip: I. C. popolis entworfene Formel. Sie ist vollkom- 347- men richtig und verdammet völlig die (manische Lehre, nur, daßfehlet. Anm. Athanasius hat diese Formel nicht gekannt. Sakrales üb»-. II. cax. 2o. p. 104. scheinet übel unterrichtet zu sey». Soxomenus />/»-. III. rsjv. n. p. 107. giebt eine beßcre Nachricht; -Hilariusaber liefert sie zweimal, in frsgm.lll. to»». II. oper. p. 647. und bcßer tie svno- öis P.482. der sehr gründliche Anmerkungen darüber macht. VIII. Erstes Formular von Sirmich. Es zz i. ist sehr orthodox und verdammet ausdrüklich die (manischen Lehrsaze, ist daher auch von vielen gelobet worden, obgleich nichts von *>,«. und o>o«o--sc darinnen stehet. Anm. Es liefert solches Athanasius §. 27. p 742. -Hila- rius oe s^noä. §. Z4. p. 48;. Sakrales/-/,»-. 11 . caz,. zo. (der unrichtig es dem tNarco von Arerhnca beileget) Sozamenns /r'ör.III. Es unterscheidet sich durch die angefügte sieben und zwanzig Verdammungen. Tille- monk tom. VI. P.Z52 bemerket folgende Fedler, warum es kezcrisch, 1) weil es von eben dcn Bischcffcn her- Rr z rühre, 6zv Von dem arianischen Lehrbegrif rühre, welche zu Gardica von den heiligen Bischkffen verdammet worden, so sehr »»billig cicurcheilek ist: 2) daß sie sagen, sie wollte» nicht den Sobn dem Vater in allem gleich machen, indem der erstere dem lez- kern unterworfen. Dieses bat seine Richtigkeit, im »llstkemstistuo XVIII. doch läßet er sich wol erklären. 2 C. IX. u. X. Von den beyden Attfsazen, in de- N nen sich die Eusebianer deutlich erkläret, daß ^ ' sie Arianer sind, können wir nichts sagen, weil sie verloren gegangen. Nur halten wir es vor unwahrscheinlich, daß sie ganz arianiscb gelautet, ^ weil K. Constamius gewls nur ein halber Arianer war. Anm. S-Tillemont tom. VI. P. 521. Xl. Zweites Formular von Sirmich. Dieses ist zwar von Hosio nnterschrieden; nicht aber gewacht. Diese ist vollkommen armnisch. 2 lnm. Die lateinische Urkunde liefert Hilarirm 6e svnost. §. II. p. 464 eine griechische Uedersezung aber Arkana, sius, p. 744 und Gokrares /-h>. II. cax. zo. Die Merkmale der Kezcrei sind, daß l) beide Ausbrüte: und o^s,8s-,sr zualcich verworfen werden: 2) gclchret wird, der Vater sey obne Wicderspruch an Ehre, Herrlichkeit, Würde und Majestät gröser; als der Sohn. Es werden aus andern Ausbrüten mehr nachkbcilige Folgerungen gezogen, die aber zum Theil nur Cvnse- quenzen sind. Z58. XII. Drittes Formular von Sirmich, welches nach dem, wa> vorher» zu Ankyra vorgegangen die festsezel und daher halb- arianisch ist. Anm. Diese Formel ist theils im Epipbanio IiXref. I^XXIII. Z. 11. theils im -Ataris zu finden. S. Tille, monr x. 4zo. IM xm. und den mancherlei partheien. 6z I XIII. Viertes Formular von Sirmich. I. §. Dieses ist das Bekäntnis, welches Marcus Bi- 359- fchof von Arethusa entworfen. Es hat dieses besondere, daß es das Wort s'o-i-» in der Lehre von der Gottheit ganz verwirft; aber doch auf Befehl des K. Constantii lehret, der Sohn sey dem Vater in allem gleich (xa-r« nach der Schrift. Mail kan sie mit Recht zu den halbariamschen rechnen. 2 lnm> S. Athanaftum 6e s^noä. §. F- p. 721. Sokratem üö»'. II. ca/,. Z7> Goxomenum mx. 17. Epi- phanium ^XXIIl. F. 22. Vergleiche die Schriftsteller, welche in der Äst. der Lirchenvers. S. 194. angeführet sind. XIV. Nachdem zu Seleucien die stärkere Parthei der halben Arianer durchgedrungen,daß der grdste Theil die zweite Formel von Antiochi- en angenommen und unterschrieben, so suchte Akacius als ein ganzer Arianer eine neue in Vorschlag zu bringen, die aber »licht angenommen wurde. In derselben wurden beyde Ausdrücke: und ö-E-risc, als unbiblisch verworfen; der dritte Ausdruk «>o.u-»oL, ungleich gänzlich verdammt. Die durch dieses Formular entstandene Unruhen gehören hieher nicht; wol aber dieses, daß, da man in diese Parthei gedrungen, sich näher zu erklären, woriuneu sie denn die Gleichheit des Sohnes mit dem Vater sezten, da sie die «'---.»v ganz ausschlößen, sie endlich deutlich gesaget, daß solche blos irr der Uebereinstimmung des Willens bestehe. Rr 4 Anm. 6zs Von dem arianischen Lehrbegrif Anm S. Athanasium p. 746. Epiphanium liXres. I. XXIII §-2z. Gokcarem /rln'. II t«/?. 41^. Soxo- menum/r/-r. IV. ca^. 22. ^ilarium, der selbst anwesend gewesen, kör. II. conbrL LvustLnr. §. 1 z ti^g. tvm. II. oper. P.ZZ7. I C. X V. Formular von Nice oder das zu Con- ^ ' stantinopel von den Arianern entworfene und den Abgeordneten der Kirchcnversamlnng zu iXimft ni vorgelegte und selbst zu Mmini durch erzwungene Unterschriften genehmigte Bekänrnis. Es ist der vierten sirnuschen Formel .am ähnlichsten , nur daß das in allen gleich nicht aus- gedrukt ist. Der Gebrauch der Wörter und r) 77 -- 5 -ao -,5 wird verboten: der Sohn dem Vater nur gleich genannt und alle Meinungen, die diesem entgegen stehen, ohne weitere Erzehlnng derselben verdammt. Anm S Arl-znasium p. 747, und die in der-Histor der Licckeno. S.2O2. enipfolne Quellen und Schriftsteller. z6l- XVI. Das Formular von Antiochien. Dieses war zwar unter allen dem wahren Lehr- begrif der achten Arianer am gemäßesten, indem sie lehnen, daß der Sohn schlechterdings dem Vater ungleich (77-^1-k-^? und ihm weder in Ansehung des Wesens, noch des Willens gleich sey und er aus nichts ^ s^r) entstanden , und ob sie wol ihn Gott von Gott nannten, doch solches nur in dem uneigentlichen Verstand, in welchcnr Paullus es von Kreaturen sage, zu nehmen erklaretcn; allein sie haben selbst diese Formel nickt angenommen; sondern ihr die nächst vorherstehende vorgezogen. Anm. und den mancherlei partheien. 6zz Anm i. S- Arhanaslum p. 747. u.f. Sokralem Üö»-. II. ca/?. 40. Anm. 2. Don diesen Glaubensbekantnißen der Arianer lind zu vergleichen Perav 6oAm. rdeoi. 6e tnnir. /rb»°. I. ca/, y. p. zy Tillemont memoir. to-». VI. p 521. Zorn opusc. iscr. tom. I. p. iZl Debet in sntiguit. ec- clel'. /ec. IV. tom. I. p 89Z- Dnvdeus ilu^aA. in univ. tkeol. /rö»-. II. cax. 2 §. ;. und mein Vater incroäuÄ. in libr. s^mbol. p. zz. tizg. §. XXlX. Aus dieser Verschiedenheit ist schon klar, daß alle die Urheber dieser Bekantniße nur darinnen einig, daß sie die nicänische Kirchenversamlung: den auf derselben festgesezren Lehrbegrif von der Dreieinigkeit und deßen Kennzeichen, das Wort o>o«o-. 6. p. 15. . IU. Epiphanius bestimmet vier Gattungen. Erstlich redet er von den Arianern, wodurch cr diejenigen verstehet, welche dem Ario schlechterdings folgen: hernach von den halben Arianern deren Häupter Basilius von Ankyra und Georg voll Laodicäa wären und die das annahmen: die dritten die Macedonianer, oder welche aber aus halben Arianern und Orthodoxen zu- jammcngestzet wären, und die vierten die Ano- niöer; oder die Aetraner und Eunoinianer. 2 n,n. k-erss. I.XIX. I^XXlll. I.XXIV. I.XXVI. IV. Augustinus, der den Epiphanitttn gelesen, folget ihm auch sowol in der Zahl; als der Bestimmung des Unterschieds. Anm. äs IiXres. ^.49.51.52.54. V. Philastrius scheinet am schlechtesten unterrichtet gewesen zu stylt. Er redet einmal von Arianern; leget ihnen aber das ö^-no-.ov bei: hernach von halben Arianern und beschreibet sie so, daß man siehet, er redet von den Macedonia- nern: ferner von Eunomianern: endlich von der Äezerei derer, welche Christo die Menschenseele absprechen. 2 »m. S- äskssref. c^. 66. 67. 68-69. p. 129.544. Theo- dorems Iissret. s^dul, ///-»-. IV. ca/i. z. weis nur zwei Arten; bestimmt sie aber sehr ungewis. §. XXX. und den mancherlei partheien. 6z s §. XXX. Unter den neuern sind eben so mancherlei Vorstellungen. Die meisten nehmen nur drei Hauptpartheien an; bestimmen sie aber nickt auf emerlei Art. Einige sezen sie so: erstlich die reinen Arianern, welche auch Aetianer, Eu- nomianer, Anomöer, Exukoncianer, heißen. Ahr Unterschied ist und ^: Herr nach die halben Arraner, oder Homöusianer, die sich durch auszeichnen: endlich die Macedoniancr, welche die Gottheit des heiligen Geistes leugneten. Ein neuerer Schriftsteller macht diese Ordnung. Erstlich stehen in der Mitte die reinen Ariancr: sie verwerfen alle neue Redensarten und glauben, Christus sey nicht aus dem Wesen des Vaters gezeuget; sondern aus Nichts hervor gebracht. Von ihnen gehen auf der einen Seite ab zweitens die halben Arianer, welche das lehren; auf der andern aber drittens die Aetianer und Euno- mianer; oder Anomöer. Noch ein anderer gelehrter Mann erzehlet vier Meinungen, welche dem ->->so-'. 0^0- -r-y?-«) die dritte eine Aehnlichkeit des Wesens (sttdicrv) die vierte nur eme Gleichheit, die sehr verschieden waren. Anm. Die erste Einthcilung bat Perav und Tillemont, die zweite Mosbeim in institut. kistor. eccles. p. iZ?- die dritte Suicer in f^mboi. Xic. x. 201. 1 g. vorgetragen. §. XXXl. 6z 6 Von dem arianischen Lehrbegrif §. XXXl. Wenn wir die wahre Ursach dieser Verwirrung aufsuchen, so glauben wir solche darinnen zu finden, daß in der That die alten, welche wieder die Arianer gestritten, diesen Unterschied nicht beobachtet. Wir hoffen aber, am wenigsten bei folgender Vorstellung zu irren. I. Gleich nach der Kirchenversamlung zu Nicäa und in der: ersten Zeiten nach derselben ist zwischen den beyden streitenden Parthercn nur über zwei Fragen gestritten worden: einmal, ob die Schluße der Kirchenversamlung zu Nicaa anzunehmen, welches der groste Theil behauptete; hernach über den Athanasimn, ob derselbe rechtmäßiger Bischof von Alezandrien sey, welche Frage alle bejahrten, welche den nicänischen Lehrbegrif vertheidigten. U. Diejenigen, so sich dem nicänischen Lehrbegrif wiedersehen, waren in Ansehung der Ursach sehr verschieden. Einige tadelten nur das Wort andere aber zugleich den Begrif, der damit verbunden war. Beyde scheinen einig gewesen zu seyn, daß Alexander zu verjagen, und ihr Hauptfehler war dieser, daß sie bei der Verschiedenheit ihrer Vorstellungen die kirchliche Gemeinschaft unterhielten und sich vereinigten, den Athanasimn zu stürzen. IN. Alle diese werden in der Historie Euft: bianer genannt und da sie wol einsahen, der grose Eifer der andern Hauptparthei vor o'^o^-x werde und den mancherlei partheien. 6z 7 werde alle ihre Bemühungen wieder den B. von Alexanderen vereiteln, so verbanden sie damit den Eifer, das nicanische Concilium herunter zu sezen. Aam. Dieses bemerken Sokrares und andere Geschichtschreiber. IV. Sie erreichten nun ihren Zwek unter der Regierung des K. Constantii völlig und als- denn zerfielen sie unter einander. V- Man kan gar füglich sie wieder in zwei Hauptklaßen eintheilen. Einige suchten solche Redensarten einzuführen, welche demLehrbegrif der nicänischenKirchenversamlung ganz entgegen standen. Diese waren denn reine Arianer und theilten sich denn wiederum in verschiedne Haufen. Damals standen Aetius, Eudoxius, Eunomius, auch AkaciUs an ihrer Spize. VI. Andere hingegen, welche den Ungrund dieser Jrtümer einsahen, suchten zwar das nicanische s-lE-n-x zu vermeiden, an deßen statt aber doch so zu reden, daß auch jene Jrtümer widerleget wurden, und von dieser Parthei, waren Basilius von Attkyra und Georg von Lao- dicca. VII. Es ist aber nicht historisch erweislich, daß beyde Partheien an sich damals neueGrund- säze erfunden; sondern es ist sehr wahrscheinlich, daß schon vorhero Meinungen von allen Arten unter den Gegnern des Athanasii und der Kir- chenversamlung zu Nicäa gewöhnlich gewesen. 6z8 Von dem arianischen Lehrdegrif I C. Das Partheimacheir durch Concilien und Glan- Z59- bensbekäutmße ist in die Zeilen zu sezen, da K. 361. Constantius durch Aufopferung des Wort eiiren algemeinen Frieden stiften wolle. IIX. Wie aberAthanasius, Hilariusund andere nicht allein aus die Beibehaltung des Lehr- begrifs; sondern auch des o>s^so-»--x so anstößig gewesen, von denen wir drei angeben können: I. Es sey neu und unbiblisch. Anm. Daß die Arianer aus diesem Grund es verworfen, lehren nicht allein die vorhero angeführten arianischcn Glaubensbckantniße, sondern auch eineMenge von Stellen bei dem Atbanasio, -Hilario, Lyrillo von Alexan- Vrien, und andern. S- Suicern am a. D. 9201. Die Gegner der Arianer antworteten einmal, daß es a» sich nicht unrecht wäre, wenn nur der Bcgrif acht: es könne die achte Lebre mit unbtblifchen und die kezcri- sche mit biblischen Redensarten vorgetragen werden. S. Athanasium tonr.I. opei-. /sart.I. 9. 227. und^sila- rium Oper. ton». II. 9. 529. hernacl), daß ja die Gegner selbst neue Wörter brauchten. Dieser Einwurf traf nicht alle Feinde des Vergleiche die Benediktiner sä Hilsr. ton». 11 . 9. 529. LarSncr rreilib. c>k tke 6. U. Mrt.II. rot. 7. 9.28z. und Hr». D. Sem« lera Einleitung zu Baumgartens ersten Theil der Dogmat. S- 92. II. Es sey zweideutig, indem man dadurch aus dem Wesen eine Gattung und die Personen zu Individuis mache; oder sabellianisch lehre. Anm. S. Athanasium 9.764. III. Es 640 Von dem arianischen Lehrbegrif lll. Es sey auf der Kirchenversamlung zu Antiochien verdammt worden. Anm S- oben S ioz. und den vorstehenden §.XX1V. und die daselbst angeführte Schriftsteller. §. XXXIII. Diejenigen, die sich denn wieder diese kehr- art erklärten, theileten sich, wie vorher» bemerket. In die erste Kiaße sezen wir denn alle, welche mit der Verwerfung des Worts zugleich den Lehrbegrif selbst verworfen. I. Die alten Arianer, die noch vonArio selbst herkamen. Diese scheinen alle Formeln und Redensarten verworfen zu haben. Artus selbst bediente sich bloser biblischen Ausbrüte; un Grund aber hielten sie Christum vor ein Geschöpf, das Gott aus Nichts hervorgebracht. Dieses sind die, mit denen die Eusebianer die Kuchengememschaft unterhielten. Man glaubet, daß diese Parrhei bald erloschen. In diese hat Euzoius gehöret. II. Die Eunomianer. Man glaubt billig, daß Aetms ihr wahrer Urheber sey. Diese Leute hießen in den spätern Zeiten reine Arianer, Actianer, Eunomianer, Anomöer, unvExu- kontianer und haben noch andere Nahmen. Da des Eunornii Glaubensbekäntnis noch vorhanden; so halten wir es vor billig, ihn zu hören: Seine Säze sind: i. Es und den mancherlei parrheicn. 64l 1. Es ist ein Gott, von Natur und an Herrlichkeit, ohne Anfang, allezeit und ohne Ende: Dem Wesen nach, (--.«-r Eins, ohne Trennung, nichl m mehrere gerheilet: nicht zuweilen ein anderer, noch das, was er ist, veränderen»; noch aus einem Wesen in drei Personen gebildet (d'T'k »av) - - Er hat keinen, der an der Gottheit Antheil habe: er theilet mit keinem seine Herrlichkeit, er hat keinen Gehnlffen seiner Macht und keinen Thronmilbestzer. - - 2. Der Sohn Gottes ist der eingeborne Gott, der erstgeborne unter allen Kreaturen, Christus, wahrer Gott, nicht ungezeugt. Er hat den Nahmen Sohn nicht vor der Zeugung empfangen. Er ist vor allen Geschöpfen gemacht worden, »richt »»»»erschaffen (r-'x der Anfang aller Wege der Werke Gottes, und im Anfang das Wort, nicht ohne Anfang - - er hat als Sohn Gottes den Lebendigen das Leben geschenkt und die Toden aufgewekt: -- Er hat weder mir dem, der ihm diese Wurde gegeben; noch mit irgend einem andern das Wesen; oder daS Reich des Vaters gerheilet.-Er ist dem Vater gleich (->-.-5) auf eine besondere Art. - - z. Der heilige Geist ist der Tröster, der Geist der Wahrheit, der Lehrer der Gottseligkeit. Er ist gemacht vom Eingebornen und ihm mir einem- mal unterworfen. Er ist »veder dem Vater; noch dem Sohn gleich; iedoch bester; als alle Dinge, u. s. w. Mit dieser Vorstellung stimmen ii Theil. Ss die 642 Von dem arianischen Lehrbegrif die alten überein, welche den Arianern die Lehre beimeßen, daß sie den Sohn vor das edelste Geschdpf halten, das Gott zu erst hervor gebracht, den heil. Geist aber vor ein Geschdpf des Sohnes. Anm. 1. Das Glaubensbekantnis des Eunomii liefert Basnage tsies. monlw. ecclesi tom.I. p. 17z. Von dem Eunomio selbst wollen wir unten die Schriftsteller anführen. Anm. 2. Hieher gehöret noch das oben bemerkte Bekant- nis von I. z6i. und die unten anzuführende polemische Schriften wieder den Eunomium. Historische Erzeh- lungen s. in Sokratis liilror. eccl. cax. zs. Sozomeni kisior. ecol. IV. ca/,. 12 Augustini äs dseret. ra/?. 54. Epiphanii lisorss. I^XXVI. u. a. Anm. z. Ueber die verschiedene Nahmen, da sie besonders auch Exokioniren genennet worden, s. Tillcmonk tom. VI. k- 4l2. und Fabricium 6.6. vo/. VIII. p. 249. III. Die Maciamr. Sie haben ihren Nahmen von Akacio, welcher dem Sohn eine Gleichheit mir dem Vater zustand, aber nur in Ansehung des Willens. Anm. i. S- Sakrales Kisior. eccles. //-»-. II. 40. Akacius war selbst unbeständig, und daher hat er nie eine rechte Parthei gemacht. Anm. 2. Man siehet aus Eunomii Bekäntnis, daß er doch eine zugestanden. Da dieses auch andere Arianer gethan, welche doch allemal Christum vor ei» blos Geschöpf gehalten, so ist hierzu bemerken, daß es mehrentheils nur aus Verstellung geschehen, und sie diese Gleichheit gar verschieden bestimmt, wie Philo- storgius lüsicn-. eccles. üür. IV- cap. 8- selbst bezeuget, über welche Stelle Gochofreds Noten und Suicer x. 209. nachzulesen. §. XXXIV. und den mancherlei partheien. 64z §. XXXIV. In die zweite Klaße gehören die halben Arianer, von denen folgendes zu bemerken: I. Es ist eine Frage , ob AsteritlS der Sophist ihr Urheber sey? Es ist wol richtig, daß Wenns so geredet; als eine Parrhei aber betrachtet, ist Basrlius von Ankyra ihr Urheber. Anna. Asierii Lehrjaz traget philostorgius bistor. eocles. /rbr. II. cax. Il6. so vor, daß der Sohn ein vollkommenes Bild des Wesens des Vaters sey. Wenn man eben dem Schriftsteller trauen wil, so ist das ->'^<,<«>--<-5 gar frühzeitig von den Eusebianern gebraucht worden. E. Suicer p. 205. Als Partbei kan man sie nicht eher ansehen; als bis sie sich von den andern abgesondert. S. dNaran iür les 8emisriens p. r2Z. der vogkischen Ausgabe in bibliotb. kseresiol. tom.II./a/c.I. H. Ihnen war der Ausdruk eigenthümlich , daß sie auch daher Homdusiasten und Homdusianer hießen. Anm. S. Epiphanium lireres. l^XXIll.Z. t. Es ist merkwürdig, was Gozomenus von den Eusebianern bemerket, daß sie zwischen und folgenden Unterschied bemerket; lenes werde nur von Körpern ; dieses aber von Geistern, wie von Gott und von Engeln gesaget, irbr. III tiisior. ecclet. cax. 18. UI. Im Lehrbegrif waren sie sonst richtig, da ihre eigne Gegner bekennen, daß sie bis auf das Wort ->o^ac eben das lehreten, was zu Nlcäa festgesezer war. 2 lnm. S- Arhanasium 6e f^nostis §. 14 P.755. -^ilari« um 6e s^ncxlis §. 76. lgg. p. 52;. Sokrarem /rör. II. ca/7.40. und Maran p izt. Eben dieses beweisen die oben bemerkte Glaubenebekantniße; besonders wenn Ss 2 man 644 Don dem arianischen Lehrbegrif man noch vergleichet, was zu Constantinopel gleich nach der Versamlung zu Seleucien vorgefallen, bei dem The- ovorero killor. eccl. /rd^. II. 2Z. Man findet zwar bei Epiphanio grosen Argwohn, daß fie schlimm geleh, ret; allein es ist gewis, daß auch der Nahme der hab den Arianer, zumal nach dem llrsprung der macedo- „iantschen Parlhci, Leuten gegeben worden, welche da- hin nicht gehören. I V. Man kan ihnen daher nur das zum Fehler anrechnen, daß sie so lange die kirchliche Gemeinschaft mit den Arianern unterhalten und sich gegen Alhanasium hart bewiesen. Allein nachhero waren sie geschäftig gnuq, jene zu un- terdruken und dadurch erleichterten sie ihre Vereinigung mit den Rechtgläubigen. Anm. Man tadelt an ihnen, daß fie die Zeugung aus dem Wesen des Vaters nicht zugestanden; allein ich finde auch nicht, daß fie solche geleugnet hatten. Der vorhin angeführte Benediktiner Maran hat sie sehr wol vertheidiget. §. XXXV. Drittens haben wir noch von einigen Ne- I. C. benpartheien der Arianer zu reden. Unter den 386. Arianern zu Constantinopel, zu einer Zeit, da sie sehr gedrukt waren, entstand bei Gelegenheit einer zwiespältigen Bifchofswahl, da einige einen gewißen Marin aus Thracien; andere den bisherigen Bischof dieser Parthei zu Antiochien, Dorotheum, erwehlet hatten, eine ordentliche Spaltung. Es war unter ihnen die Frage aufgeworfen worden, ob man sagen könne, Gott sey Vater gewesen, ehe der Sohn da war? welche denn Dorotheas verneinete; Marin aber und den mancherlei partheien. 64 s bejahrte. Des leztern Parthei traten die schon arianischen Gothen bei und daher erhielte dieselbe den Nahmen der Gothen und der Psathy- rianer, das ist, der Kuchenbeker, weil eine Person dieses Handwerks mit NahmenTheokti- stus aus Syrien sich sehr eifrig in Vertheidigung dieser Meinung erwiesen. Eben diese Parthei sol sich wieder getrennet haben und ein Theil derselben, der auch von den Bothen war, den Nahmen der Curcianer erhalten haben; es ist aber uns keine Lehrfrage gemeldet worden, darüber sie gestritten. Man berichtet, daß nach fünfund dreyßig Jahren zu Constantinopel beyde Hauptpartheien durch die Bemühung des General Plinthus vereiniget worden; allein außer dieser Stadt gieng die Spaltung fort. Anm. Von diesen Handeln redet Sokrates liiüor. eccles. /rö»-. V. 2Z. Gozomenus /r^. VII. cax. 17. Theor voretus liXretic. ksb. /rö»-. IV. cax. 4. welcher auch noch von einer andern Parthei redet, welche die Doulianer genennet worden, weil sie den Sohn Gottes einen Knecht des Vaters genennet. S. Tillemonr tom. VI. p.6z2. §. XXXVI. Wir haben noch einige Anmerkungen verspüret , die wir iezt viertens bemerken wollen. Die Anhänger des Arii haben verschiedene Nahmen geführet. Wir wollen iezt nicht die Nahmen der einzelnen Partheien wiederholen. Der Nahme der Arianer ist der gewöhnlichste; man kan aber aus dem Verfolg der Geschichte leicht schließen, daß er einen sehr weitlauftigen Umfang gehabt und gar viele damit beleget worden, Ss z welche 646 Von dem arianischen Lehrbegnf welche gar sehr übel es genommen haben wür» den. Ebendahin gehöret, daß sie von einigen allen /rrü und noch mehr Ariomanilen genen- net worden. Dieser leztere Nahme kommt von dem griechischen Nahmen des Kriegsgottes her und sol uns begreiflich machen, daß die Freunde des Arn unsinnige und rasende Leute gewesen. Wenn mau sie im Anfang Eusebianer genen- nct; so bezog dieses sich wol mehr auf den Anhang des Eusebii in Gegensaz des Alexanders und Achanasii, da denn sehr viele es seyn komm, ohne Am Lehrbegnf zu billigen. Daß K. Con- stantin besolen, die Arianer Porphyrianer zu nennen, weil er sie vor eben solche Feinde des christlichen Lehrbegrifs hielte; als den heidnischen Philosophen Porphyrium, ist oben da gewesen. Anm. Daß die Arianer zuweilen ä§e8Z- DerNah» me Ariomaniren ist bei Athanasio, Phöbadio, Gcc» gorio von praxianxus und Epiphanio sehr häufig. S die Noten der Benediktiner zum -Hilario tom.H. p. iZo. u 641. Don dem Nahmen der Porphyrianer ist oben geredet worden. S. Labricii N. 6r. ro/. Vllt p. zc.9. Der Nahme Erukonrianer (0, «-r «vrw>>) stehet schon in Alexanders Schreiben bei dem Theodoreto /»-»-. I. 14 . L. ca/7.4. p. 16. S- Loretier tom.I. mollim. eccles. 6reeo. p. 782. §. XXXVII. Es ist ganz natürlich gewesen, daß man den Gegnern der Arianer auch einen Unrerschei- dungsnahmen gegeben und man findet allerdings Zeugniße, daß sie Homousiasten genennet worden. und den mancherlei partheien. 647 den. Wenn man bedenket, daß dieses Wort in der That ihre Vorstellung von der Dreieinigkeit ausgedrukt und sie es selbst zum Merkmal des achten Lehrbegrifs bestimmt; so siehet man gar nicht ein, warum sie sich dieses Nahmens zu schämen Ursach gehabt. 2 lnm. Bei dem Gokrace H. L. II. rn??. 16. p. yz. wer« den 0/ von i-oix 1-8 unterschieden. Basllius episi.I^XXIll. beschweret sich, die Arianer nenneten die Rechtgläubigen Mehrere Beispiele sind in Guicecs exei-cit. in ivmb. !eic. p. 2LO. UndBinghams onMN. eccles. r/ol.I. p.27. angeführet. Unter den neuern wil Lami äe reüa patr. dlic. 6äe p. z. diesen Nahnicn nicht leiden. §. XXXVIII. Man findet noch mehr Klagen über dieAria- ner; als daß sie in der Lehre von der Gottheit Christi geirret; da sie aber nur einige betroffen; zum Theil aber noch manchem Zweifel unterworfen , können sie nicht als Theile der mit ihnen geführten Streitigkeiten angesehen werden. I. Klaget man über die Eunomianer, daß sie von den göttlichen Schriften unrichtig geleh- ret: die Bücher der Propheten und Apostel verspottet und das alte Testament verlachet, und, wenn man ihnen Paullum entgegen gesezet, die Ausflucht gebraucht, er habe als ein Mensch geredet. Es scheinet aber diese Beschuldigung, welche die Arianer überhaupt nicht treffen kan, ganz ungegründet zu seyn. Mall weis vielmehr von den Arianern, daß sie allerdings von der Bibel einen Gebrauch gemacht, um ihre Irtümer Ss 4 daraus 648 Von dem arianisthen Lehrbecp if daraus zu beweisen, wie denn die vornehmste Streitfrage so beschaffen war, daß auf beyden Theilen das göttliche Ansehen der heiligen Schrift voraus gesczet wurde. Selbst die Klage, daß sie den Brief an die Hebräer nicht vor kanonisch erkannt, scheinet nicht gegründet zu seyn. 2 nm. Die erste Klage ist dem Epiphanio dLei-es.I.XXVI. eigen, die zweite wegen der Epistel an die Hebräer hat ebenderselbe Schriftsteller kseres. I.XIX. §. Z7. undThe- odoreru» irrerer. kabul. tom.III, opsr. p zgz. erhoben. Larvner in der creäib. ok tde 6 . 11 . xart. 1 I. r-o/. 7. p. 280. igg. hat die Arianer vertheidiget, und zwar mit Grund. II. In der Lehre von Gott wird ebenfals Eunomius angeklaget, daß er deßcn Undegreif- lichkeit geleugnet. Anm. 1. Diese Klage scheinet mehreren Grund zu haben, da hierinnen Lasilius, Epiphanias, TheoSoretus, -^ieronym^ übereinstimmen, und noch, was das wich» tigste ist, Ennomii Anhänger, Philostocgius iristor. eccles. ftbr. I. cax. 2. 9,477. und siär. II. cax. z. p. 479. den Gegcnsaz selbst an Ario und andern, als einen Jr, tum tadelt. S. Tillemonr tom. VI. p. 512, Basnage «list. äs Lunom. §.IV. 9.491. und Fabricium L.6r. vo/. VII l. P 2ZI. Lnm. 2. Theovoretu« beschuldiget sie auch/ daß sie zwei erste Grundwcsen geglaubet. Dergl der Benedtttinek Noten zu Ambrosti Werken tom.II. 9. zi. IH. Die wahre Gottheit des heiligen Geir stes tonte wol von den Arianern nicht zugegeben werden; es ist aber über diesen Artikel vor den Streitigkeiten mir Macevonio nicht viel gestritten worden. Die Arianer scheinen nachhero die Persönlichkeit des heiligen Geistes Zuge- und den mancherlei Partheien. 649 zugegeben; seine Gottheit aber geleugnet zu haben. Anm Epiphanii Nachricht tom. I. oper. p.6o6. daß die Arianer den heiligen Geist vor eine Kreatur der Kreatur halten, ist ihrem Lehrbegrif vollkommen gemäs. Aus Augustini Schriften, der mit den jüngern Arianern zuthun gehabt, stehet man, daß sie nicht allein gclehrct; pscer niujor cst stUo: stlius incomparabüitcr major cd welior ctk lpiricu ; sondern auch dem heiligen Geist die gottesdienstlichc Verehrung abgesprochen. S. Larsncv ebendas. p. 27z. Was von der Eunomianer Tauffor- mcl gesaget werden sol, beweiset es ebenfals. I V. In wie weit die Arianer dieMenschen- seele Christi in Zweifel gezogen, ist eine grose Frage. Von den Eunomianern scheinet sie mit grosen Recht behauptet zu werden; da aber dieser Jrtum auch andern jüngern Arianern beigeleget wird, so mus es auch wol von diesen geschehen seyn; hingegen scheinen nicht allein die halben Arrauer; sondern auch viele von den andern von dem Verdacht loszusprechen zu seyn. Anm. Hier sind Arhanasius contra Hpoll. §. z. Theovoretus bseret. fsbul. /rö,-. IV. 1. //ö»'. V. cax. 11. Augusiinus 6e kssref ca/i. 49 Zeugen. S- Tillemont p.; 14 LarSner p. 27t. Labricium not. in kkilasir. p. I z6. Es ist nicht zu vergeßen, daß Enno, miu« in dem oben gedachten Glaubensbekäntnis gerade das Gegentheil versichert, indem er saget, Christus bade angenommen den aus Leib und Seele bestehenden Menschen ix. X«I a-L>^t«-ror wenn nicht in dem Wort eine Zweideutigkeit lieget, welche wir unten bey den Apollinaristen aufklaren wollen. V. Man klaget auch, Eunomius habe das gelehret, was man nachhero den eurychlanischen Jrtum genenilet. Ss 5 Anm. 650 Von dem «manischen Lehrbegrif Anm. S- Saligäe Lutsch, »nte Lutsch. ca/i.Xt. p.57. fqq. wo überhaupt viel brauchbares von dieses Mannes Lehrbegrif gesagt wird. Vl. Ueber die Lehre von der heiligen Taufe und deren Errheilung bei den Arianern finden sich so verschiedne Nachrichten, daß es schwehr fället, etwas zuverläßiges davon zu sagen. So viel ist aber doch gewis, daß nicht alle Arianer hierinnen gefehlet. Anm. Wir wollen hier die Klagen samten, r) die Euno- mianer haben nicht auf die Dreieinigkeit; sondern auf Christi Tod getaufet. S. Sokratem hiffor. ecclef. übr. V. ca/».2Z. Theodoretum beeret. fsdul. /rör.IV. ca/>. z. Philostorgium killor. eccl. /rör. X. cax. 4. So- zomenus VI. cax.26. p. 2Z2. versichert, daß es nicht Eunomius selbst gethan; sondern zwei seiner Anhänger, die sich von ihm abgesondert, Theophronius aus Kappadocicn undEutychius. 2) sie sollen die Tauf- formel verändert haben. Nach einigen hat sie so gelautet : im Nahmen des unerschaffenen Gottes, und im Nahmen des erschaffenen Sohnes, und im Nahmen des Geistes, der heiliget, und von dem erschaffenen Sohn erschaffen ist, bei dem Epiphanio bseref. I^XXVI P.992. nach andern, auf den Urheber der Lvelc und Schöpfer, der nicht allein der Vater des Erngebornen, sondern auch Gott ist, f. Gcegoci'.lm von Nyßa contra Lunom. tom.II. oper. x. 7^6. bei welchem Umstand zweierlei Abwege zu bemerken, in dem -Harduin undLequien tom.I. oper.^0. Osmasc. p. 94 alles vor Fabel halten, deneir Basnage prole^. tom. I. tkes. monim. ecclef. p. 45. und Vogt dibliotk. kserelloloA. tosr. I. P.4YZ. fg. billig wieder- sprochen; hingegen Baconius annal. eccief an». LLLXXV. §. 87. dem mehrere folgen, die Veränderung der Taufformel allen Arianern ohne Unterschied beilegen, deßen Ungrund Vost llilp. II. «je daptilmo §. 5. p. 54. Suicer tkef. eccl. tom.I. p. 6zZ. und Bing, ^ b«m oriAin. ecclef vo/.IV. p8l. mit Recht erweisen und besonders die gemisbrauchtcn Stellen des Achtmahl und den mancherlei Partheien. 6sr fii und Hieronymi retten, z) Eunomius sol die da, malige Gewohnheit, den Täufling dreimal einzutauchen, aufgehoben, und nur einmal eingetauchet haben, wie Theovorerus kicrek. szh. siü»'. IV. ca/). z. und Soxome, nun VI. cap. 26. versichern. Hingegen haben die gothischen Arianer in Spanien der dreifachen Eintau- chung eine solche Erklärung gegeben, daß die Gleich, heit der Personen aufgehoben wird, und dadurch die Rechtgläubigen veranläßet, die einfache Eintauchung in ihren Kirchen, als ein Merkmal der Orthodoxie einzuführen. S- Basnagc cbenSas p. 48- und Bingkam ebcndas. p. Z40. 4) ferner soflen die Eunomianer die wunderliche Regel sich gemacht haben, daß das Tauf- waßcr die unter dem Bauch liegende Glieder des Körpers nicht berühren dürfe, und daher die Täuflinge mit den Kopf eingetauchet, daß die Beine in die Höhe gestanden , wie Epiphanias und Theodoretus am a. V. bemerken. S. Tillcmonr VI. p. s15. welche seltsame Gewohnheit wol bei andern arianischen Gemeinen unbekannt gewesen seyn mus. z'l es ist die Klage nur zum Theil gegründet, daß die Arianer mit Verwerfung aller übrigen Taufen, ihrer eignen einen solchen Vorzug beigeleget, daß sie alle, die sich zu ihrer Parthei geschlagen , wenn sie auch schon selbst von andern Arianern getaufct gewesen, noch einmal gctaufet. Unter den ältern Arianern trist diese blos die Eunomiancr. Don ihnen saget es Epiphanius hoeref. I.XXVI p. 992. Philostorgius />-»'. X. cax. 4. und I>. 7. L. Ich. äs non iter. bapr. hingegen ist es von den andern Arianern ganz falsch, wie Papebroch atl. 88. ton,. V. maii p. 17. und Pagi critic. in snnal. 6»ron. ann.LLOXXIV. §.15. recht erkennen. Unter den barbarischen Arianern ist die Wiedcrraufe desto gewißer. S. Bingham eben- das p. 427 sg. Wir können dazu fezen, daß i» Spanien unter dem K Lcwigild dieses Wicdertaufen verboten; aber eben dadurch der Abtritt der Orthodoxen zu den Arianern sehr befördert worden. S die Histor. vor Lirchenvers. S Z92. 6) endlich ist auch nicht zu ver- geßen, daß da auf den ältern Kirchenversamlungen z. B. eoncil. (chnilsntm. I. ca». 7. und Lonc. I^rull. ca». 95. nur die Eunomianer; aber keine andere Arianer wie- derzutaufen befolen worden, man den sichern Schluß machen 6 s 2 Von dem arianischen Lehrbegrif machen kan, daß lcztere eine untadelhafte Taufe ertheilet. VII. Man klaget, daß Eunomius und seine Freunde sehr wenig von den Märtyrern und Heiligen gehalten. Vielleicht haben ihre Gegner nur zu viel davon gehalten. Anm. Die Ankläger sind Hieronymas, Gennadius, Aste- rius. S-Elmenhorstnot. in6enu. x. i68- Tillemont k-ZlZ. NX. Noch heißet es, würden bei ihren got- tesdienstlichen Versamlungen schändliche Dinge vorgenommen; da sie aber nicht genennet werden, so fället alles Urtheilen darüber weg. 2lnm. S- Eregorium von Nyßa contra Lunom. tom.I. ^.295. und Theovocerum liseretic. kadul. /kör. IV. cax. z. §. XXXIX. Noch sind einige Anmerkungen zu machen. I. Man klaget sehr über der Arianer Verstellung und List. Wir wollen das nicht wiederholen, was bishero von den elenden Künsten, den Wörtern eine verfängliche Bedeutung zu geben und sich hinter denselben zu verbergen, gesaget worden. Allein diese Anmerkung wird hieher gehören, daß durch die vielen verstellete; oder in einem unächten Verstand genommene, sonst orthodoxe und biblische Redensarten die Erhaltung der Wahrheit sehr befördert worden. Hingegen verdienet die angenommene Friedfertigkeit als ein listigerfuudenes Mittel, den Verdacht der Liebe zur Uneinigkeit ihren Gegnern zuzuziehen, und den mancherlei parrheien. 6sz ziehen, allerdings in Betrachtung gezogen zu werden. Anm. I. Zu den aus den vorhergehenden Erzehlungen leicht zu samlendcn Exempeln wollen wir nur noch zwei beifügen. perav clo^m. tkeol. trinit. /rür.H. ca/>. io. §.4. p. lyz. bemerket, daß die Arianer so weit gegangen, daß ste Christum verurn stimm I)ei genannt. Noch bekannter ist das Sptelwerk, das diese Leute mit den griechischen Worten ^cv-i-ar, > «^5^05» getrieben. Man sehe perav ebenvas »iln-. V. cax. r. p. 272. und Momfaucon in der Vorrede zu Athanasn Buch äe clecretis l^nocli dlicenL tom. I. /,art. i. x. 202. und in den Noten p. 2Z2. Noch ist beizufügen, daß sie zur Verfolgungszeit sich gern vor rechtgläubig ausgegeben. S- SulpiciumSeoerumtn- üor. lacr. ca/>. Z7. Anm. 2. Die zweite Erinnerung, daß durch die gleichlautende Redensarten der ächte Lchrdegrif unter dem gemeinen Volk erhalte» worden, hat schon -Hilarius gemacht, deßen Worte zu schön sind, daß sie hier nicht gelesen zu werden verdienten, da ste zumal die erste Anmerkung zugleich bestätigen. Er saget: er stuius gui- äern nstzne slllmc impietst>8 franste perstcicur, ut sub sntickristi 1scerstotibu8 Lkristi populus non occi- stat, stnm stoc pntsnt illi ststei elle, «^uost vocis est. ^ustinnt putsnt elle, gnost sticitnr. ^ustinntMum eter',' pntant in stei nstivitate inelle stei veritstem. ^ustiunt ante tem/w»-a,' pntsnt ici ipsnm ante tempors elle, guost femper ell. 8snüiore5 a«E plebi5; gusrn corsts lunt lacerstotum, stü»'. contra ^uxent. § 6. to»r. II. oper. p. 507. Mehrere sehr wichtige Zeugniß« von dieser Kezerlist hat Bull iu exi- IvA. stefenll stst. dlic. p. 294. gesamlet. Anm. z. Die dritte Erinnerung ist auch bekannt gnug. S Bingham orißin. eccles. vo/. IV- p-Z7Z- II. Aufder andern Seite ist es auch unleugbar, und durch die gelieferte Geschichte erwiesen, daß ihr Religionöeifer ganz gränzenlos gewesen, 6s4 Von dem ariamschen Lehrbcgrif wesen, und nur zu oft in den Verfolgungsgeist ausgeartet. Wir glauben, daß dieses Laster sich der keinem christlichen Lehrer entschuldigen laße, und es wäre wol zu wünschen, daß die Rechtgläubigen weder mit bürgerlichen Strafen den Anfang gemacht; noch, wenn sie die Oberhand gehabt, niemals gleiches mit gleichem vergolten hätten. Allein unpartheiisch zu reden, so übertreffen doch die Ananer ihre Gegner gar sehr. 2lnm. Lardnee hat in der eresibil. c>f tbe 6. H. II. vot 7.P. 276. l'gg. einige nüzltche Anmerkungen gemacht. Nachdem er unter andern erinnert, daß durch das gar zu häufige Bekäntnismachen und Concilienhaltcn ein offcnbarer Fehler begangen worden, und des heidnischen Schriftstellers Ammiani Marcellini Nachricht, durch das leztere wäre das öfentliche Postwesen ganz zerstöret worden, welche auch -Hilarius bestätiget, so bemerket er den bei dieser Parthei herrschenden Mangel aller Mäßigung. Unter andern hat er die heftigen Verfluchungen andersdenkender Lehrer in ihren Glaubensbekantni- ßen dahin gerechnet. Wir sezen nur hinzu, daß ein großer Theil dieser Dinge auf die Rechnung der sehr despotischen Prinzen zu sezen. III. Ob man außer diesem noch besonders den Arianem ein lasterhaftes Leben beizumeßen? ist eine Frage, zu deren Beantwortung aus der Historie folgendes zu bemerken. Au persönlichen Beschuldigungen einzelner Lehrer dieser Parthei fehler es freilich nicht, die aber wol hier in keine Betrachtung zu ziehen, da, wenn auch alles erwiesen wäre, doch der Schluß, daß ihre Laster Folgen ihres Lehrbegrifs gewesen, nicht tönte bewiesen werden. Nur vom Eunomi» haben wir solche bestimmte Nachrichten, daß er und den mancherlei Partheien. 6ss nicht allein selbst eine liederliche Lebensart gesühnt; sondern auch der christlichen Sittenlehre ganz entgegen streitende Lehrsäze seinen Zuhörern beigebracht. Billig müßen die Consequenz- niachereien von gegründeten Beschuldigungen unterschieden werden. Es haben die Rechtgläubigen nach ihren Vorstellungen ganz Recht gehabt, wenn sie schloßen, daß die Arianer durch die göttliche Verehrung eines Gegenstandes, dem sie das göttliche Wesen und göttliche Eigenschaften abgesprochen, eine Abgötterei und Vielgötterei begiengen, allein daraus hat der Geschichtschreiber kein Recht, die Arianer vor Vielgötter zu erklären. Endlich müßen wir doch auch nicht verschweigen, daß zumal von den Sitten der barbarischen Arianer viel gutes gesaget worden. Anm. i. VomEunomio bat dieStellen des Theodoren', Augusiini, Epipbanii lind Gregor» von N)?ßa Tit- lemont p. z i2. gesamlet, womit noch zu verbinden, was von Aerio unten gesaget werden sol. Anm. 2. Hier wollen wir bemerken, daß die Arianer oft der Abgötterei und Idololatrie beschuldiget worden. S- Suiccr ebendas. 9. 148- und Pecao übr. !I. äetrln. ca/>. t2. § 6. 9.140. Beinahe sind die Kirchenlehrer mit dem Nahmen derGottesverleugner und Gottlosen («--«- noch freigebiger; allein da in dem Nahmen ein bloßes Wortspiel ist, weil es auf die Verleugnung der Gottheit Jesu Christi einig eingeschränket werden inns, und ebenfals die «o-kßeo» dahin gehet; so wäre es billig, daß neuere Schriftsteller, wenn sie von Arianer» reden, sich deßen enthielten. Anm. z. Die Gerechtigkeit wegen ihrer guten Sitten läßet sonderlich Salvianus den Gothen wiederfahren äe Zubern, vei. /rör.V. 9.1;;. Der 6s6 Von den gel. Anhängern und Gegnern Der fünfte Abschnitt Von den gelehrten Anhängern und Ge> gnern der arianischen Parchei. §- i. AHan weis schon aus dem vorhergehenden, daß Artus sehr viele Anhänger gehabt; allein eben so gewis ist es auch, daß der Nahme einen sehr weiten Umfang habe. Es würde da- hero das Verzeichnis der Armner sehr groe wer» den müßen, wenn wir alle Nahmen derer samten wollen, welche damit beleget worden. Um sere Absicht ist nur von merkwürdigen Gliedern dieser Parthel zu reden, und darunter verstehen wir solche Personen, welche sich entweder durch Schriften um dieselbe verdienet gemacht; oder sonst an wichtigen Begebenheiten einen grosen Antheil gehabt. Wir hoffen, uns dadurch Gelegenheit zu machen, gleichsam eine kleine Nachlese von denkwürdigen Vorfallen, die wir vor- hero nicht bemerken können, zugleich zu liefern. Da es bet sehr vielen schwer fallet, von einem irden zu sagen, ob er em Anomder; oder ein Ho- möusianer gewesen; so können wir diesen sonst wichtigen Unterschied nicht zum Einthellungs- grnnd gewißer Klaßen machen; sondern behalten uns lieber, vor, bei jeder Person einzeln darauf Acht zu haben. Hingegen ist es billig, die zuverläßig bekannten Freunde der arianischen Lehr- der ariamschen parthei. - 657 Lehrbegrisfe von denen, die deßen beschuldiget werden, zu unrer>ckeiden, und mit jenen den Anfang zu machen. Wir erwehren dabei die Buch- srabcnorbnung, und bemerken dabei das Todesjahr, wo solches geschehen kan; oder doch die Zerr, in welcher sie vorzüglich berühmt gewesen. Anm. I. Ehe wir von einzelnen Personen reden, müßen wir noch von den Anhänger» der arianischen Lehrbegrif, se überhaupt noch folgendes erinnern. Es ist eine sehr unbestimmte Frage, ob die Zahl derArianer gros oder klein gewesen, welche von einigen eben so unbestimmt besähet; von andern verneinet wird. S. Travasr iüor. tli Hrrio p. ZZ2. Wenn eine gründliche Antwort daraus gegeben werden sol, so hat Man wol billig ein, mal die arianischgesinnreN Völker davon auszuschließen. Denn da bei diesen allemal die herrschende Reli, gion arianisch gewesen; ja wol die allerwenigsten einer gründliche» Einsicht in die Gründe der Streitigkeit fähig gewesen, so scheinet uns die Frage mr einer andern, ob diese Nationen zahlreich gewesen? beinahe einerlei zu seyn. Mithin ist sie wol auf die Staaten des röini, sehen Reichs einzuschränken. -Hernach ist hier der Unterschied unter den mancherlei Arten der Arianer unge- mein wichtig. Wenn man unter diesem Nahmen alle begreifen wil, welche bei allen sonst richtigen Gesinnungen von der wesentlichen Gottheit des Sohnes, entweder sich nur als Feinde des Achanasn erwiesen; oder öfentliche Concilienschlüße gut geheißen, die nur den Fehler gehabt, daß das Wort gemisbilliget; oder nur ausgelassen worden; so k.,n man sagen, daß unter dem K. Constaiikio erst in den Morgenlandern, hernach in den Abendländern die arianische Parthci un- gemein gros, ja herrschend gewesen. Und so ist die so berühmte Klag« des -Hi.'ronvmi, die Welt habe sich verwundert, daß sie in so kurzer Zeit arianisch worden, zu verstehen, wenn man das damals abgezwungene; oder beßer aufgedrungene Glaubensbckäntnis dabei vergleichet. Ferner ist sehr wol hier der Unterschied zwischen den Lehrern und dem gemeinen Volk zu bemerken. Die II Theil. . T t Strei. 6s8 Von den gel. Anhängern und Gegnern Streitigkeiten waren zwischen den erstem, und obgleich von dem ersten Anfang j-.der Theil unter den leztem einen Anhang hatte, ja ihre eigne Dersamlungen hielten, so war doch weder de Spaltung algemein, und noch dazu auf die reinen Arianer eingeschränkt; noch ist es wahrscheinlich, daß )cr gemeine Hause die gar zu feinen Unterscheidungsnahmcn der Rechtgläubigen und halben Arianer solle begriffen haben. Wir haben aber ^ schon Hilarii Zeugnis angeführet, daß der verschiedene» Glaubensbekantniße ungeachtet das Volk bei dem achten Lehrbcgrif erhalten worden. Und eben so bezeugen auch Alexander und Arhanasius, daß das gemeine Volk oft betrogen Worten; ja es scheinet dieses selbst vom K. Constanlin dem Grosen gegründet zu seyn. Man kan auch dazu sczcn, wie Iablonöki instir. distor. eccles anticzu. p. II2. recht wol erinnert, daß damals eine grose Menge nur politischer Arianer gewesen, und sogleich umgesattelt, nachdem die Hofluft rein; oder angestekt gewesen. Erst nach den Zeiten Constantii un, 1er dem die Arianer schüzenden Valens und seinen ste verfolgenden Nachfolgern ist wol recht klar worden, wer acht ar.anisch gesinnet gewesen, und damals sehet, net ihre Anzahl so gros nicht gewesen zu seyn, wie auch selbst Epiphanius, Sokrares und andere zugestehen. Ja es würde unbegreiflich seyn, daß so leicht das Volk, wenigstens dem grösten Tbcil nach, die Abwechselungen ihrer Bischöffe ertragen können, wenn ste sich niitErnst und Religionseifer in die Streitigkeiten gemischct hatten. 2 l»m. 2. Es würde gar nicht schwer fallen, ein groscs' Verzeichnis von den ehemals als Arlaner berufenen Lehrern zu liefern, wenn man theils alle von dem ersten Anfang in diesen Handeln genannte Personen; theils alle, welche die aufarianischen; oder halbarianiscken Kirchenvcrsamlungcn gemachte Bckantniße oderSchlü- ße unterschrieben, samlen wölke. Die ersten alexandri- nischen Lehrer, welche es mit Ario gehalten, und die demselben günstige morgenländische Bischöffe, sind zum Theil oben Abfthn. II. §. iz. u. f. schon bemerket worden. Labricius theilet biblioth. 6r. r/o/. VIII. p. zzz. ein Verzeichnis von den ersten Anhängern des Arii und V.ZZ7. der Bischöffe mit, welche des Akacii Elaubens- formel unterschrieben. Von einigen gelehrten Arianeru redet der arkanischen parrhei. 6s9 redet auch Buvveus p. Y04. fgq. Larvncr hat /,a> t. II. r/o/. 7. p. 284. ei» recht schönes Verzeichnis aria- , uischer Schr>fkficller einqerükt, welches wir vorzüglich nuzc»; aber auch vermehren werden, weiter sich zu sehr auf die Schriftsteller eingeschränket. tz. II. Unter denen als (manische Lehrer, im weit- laufngeu Verstand genommen, berühmten Personen bemerken wir: l. Macius, der in der Historie den Beinahmen des Einäugigen führet. Er war ein Schü- I C- ler nnd zugleich Amtsnachfolger des B.Eusebii b4o. von Cafareen, und behauptete den Ruhm eines gelehrten, scharfsinnigen und beredten Mannes. In Rellgionsgesinnungen war er unbeständig: erst em halber Arianer, darnach ein eifriger Ari- aner, ferner ein Stifter einer besondern Parchei, wle oben gemeldet worden: unter dem K. Iovi- an, den Worten nach ein Orthodox. Er hat verschiedene Werke hinterlaßen, die in gutem Ansehen gestanden zu haben scheinen. Anm. i. Von dcn persönlichen Angelegenheiten und Schriften dieses Mannes ist Hicron^mus 6e vir. illuür. ra/-. 69. und in verschiednen Briefen tom. IV. »per.1. p.2lg. 220. Sokcaces U. L. /r(>r. II. cax. 4. /rör. III. caz». 2. Sowmcnus U. L. l/ör. II. 2. u /rö»-. IV. ca/,. 2z. Philoiiorgius I V. cq/,. 12. nachzulesen. Anm. 2. Man findet nicht, daß er eigne polemische Schriften in dieser Streitigkeit hinterlaßen. Von seinem Glaubensbekantnis s. Abftlin IV. Z. XXVIII. XIV. Er hat wieder denkNarcellnm von Ankyra geschrieben nach Epipbanii, em exegetisches Werk über den Prediger, und vermiscbte Fragen nach ^ieronMi, und des Ensebii beben, nach Sokra, Lt 2 ris 66o Von den gel. Anhängern und Gegnern ti's Bericht. Es ist aber alles verloren; bis auf ein klein Scük bei drin Epiphanio kseres. l^XXVI. §. 6.5cz. Anm. z. Von diesem Akacio, der mit andern berühmten' kehrern dieses Nahmens nicht zu verwechseln, s. Fabri, ciiN. 6r. toi». VI. p. Zi. Caoe kiltor. littersr. script. eccl. to»r. I. p. 206. Basnagegnnsl. politico-eccl. to»». II. p.858. Tillemom tom. VI. p. Z04. und Lardner p. 285 - z. C. H- Aetius von Antiochien. Aus Armuht 359. lernete er nach seines Vaters Tod das Hand- z 66 . eines Kupferschmids, oder nach andern eines Goldschmids. Er legre sich nach der Mutter Tod auf die Miste,lschaften, und zwar zu Alepandrien. Er trieb die Arzneiwissenschaften, und bekam zugleich einen Unterricht von den ari- anischen Streitigkeiten. Er legte sich mit gro- sem Fleis an verschiednen Orten unter verschiedenen Lehrern, die alle arianisch gesinnet waren, auf die Theologie. Seine guten natürlichen Gaben und Fertigkeit im Disputiren wandte er an, den arianischen Lehrbcgris zu vertheidigen. Auf der einen Seite gewann er dadurch Freunde, wie ihn denn der B. Leontius zu Anriochi- en (und nicht Georg von Alexen,drien) zum Diakons machte, und ihm Erlaubnis ertheilte, das Volk dfentlich zu unterrichten. Allein auf der andern Seite machte er sich desto grdsere Feinde unter den halben Arianern sowol; als den Rechtgläubigen, wovon seine Absezung und Verweisung unter K. Constantio eine Folge war. K. Julian berief ihn zurük und begnadigte ihn mir einem Bisthum. Nachdem er in der Stille gelebet, sol er unter K. Valens zu Constantino- pel 66r der ariamschen parchei. pel gestorben seyn. Sein Religionsbegrif, den wir aus seinen noch vorhandenen Schriften lernen, ist vollkommen ariamsch, welches ihm den Bemahmen des Atheisten verschaffet, wie hingegen die, so jenen angenommen, von ihm Aetia- ner heißen. Von ihm versichert man ausdrük- lich, daß ihn der Misbrauch der aristotelischen Logik dazu verleitet. Er ist ein Schriftsteller. Anm. i. Von diesem Oberhaupt der reinen Ariancr sind sonderlich Gcegorii von Vtyßa Bücher contra Luno- mium voll; auch Achanasins redet oft von ihm. Die übrigen recht brauchbaren Quellen sind Sotraccs /iö»-. I. cs/>. zz. Sozomenus lll. ca/?. iz. 1^. /i/-v.IV. cax. 2;. Philostorgius /rö>-. II. cap. i z. Igq. Mv. III. iz. Epiphanias hoeres. I.XXV 1 . §. r. Theovore- tu» H.L. ^in.II. cax. 29. hocret. kabal. irö». IV. ca/7. 4. Den Umstand, daß er den Zunahmen der Atheist gehabt, meldet nicht allein Sokrates; sondern auch Alha- nasius cle hmoä. §. 6. p. 72O. Anm. 2. Von Aesti Schriften wißen wir i) daß er sehr viel Briefe an den K. Constantium von sehr sophistischer Gestalt geschrieben, welches Sokrarcs, Epiphanias, Basilius und Suidas melden, 2) daß er dreihundert oder theologische Abhandlungen hinterlaßen. Eine davon hat Epiphanias dsores. I.XXVI. §. io. mit einer Widerlegung eingerükt. Die Vorrede eben- deßelben Stüks stehet auch in den unter Achanasii Nahmen fälschlich ausgegebenen 6>,Io§. äe trin. tom. II. p. 192. Der Brief, den K Julian an ihn geschrieben, ist der XXXI. unter dieses Prinzens Schreiben. Anm.z. S- Lave tonr.I. P.2l8, Tillemont tonr.VI. p. 40z. Labricius 6.6r. vo/. VIII. P-Z i?. Joh. AnOr. Sckmid 6iil. cle I^llsbicis p. 2ZY. äecaä. äillert. LarS- ner p. 288- III. Werius aus Kappadocien. Er leh- rete als Sophist, das ist, die Philosophie oder Tt z schöne 662 Don den gel. Anhängern und Gegnern schöne Wißenschaften in Galatien. Er war ein geborner Heide, wurde aber durch den obeuge- I. C. da6)ken Luciauum bekehret. Wahrscheinlich ZQ4- unter dem Ä. Diokletians und Maxlnuauo that er den Fall, daß er zur Vcrfolgungszeit den Gdzen opferte. Dieser war Ursach, daß chn die Eusebiauer zur bischöflichen Würde nicht befördern wollen. Unterdeßen untersiüzte er doch ihre Parthei durch Schriften, in welchen viel Gelehrsamkeit und Scharfsinn geherrscher haben mus, weil sie viel Aufsehens gemacht. Man weis von seinen persönlichen Scbiksaalen nichts; zzo. sezet aber seinen Tod mitRecht in die Zeiten nach der Kirchcnversamluug zu Nicäa. Ueber seme Religionsgesumungen ist man uneinig. Nach einigen Zeugmßen müste maii ihir vor einen reinen Arianer halten; nach andern aber vor einen halben Arianer. 2 lnm. l. Mit diesen» Aflerio macht sich Arbanasins sehr viel zu thun, daher in deßen Schriften vieles von ihm stehet. Damit sind zu vergleichen ^ieron^mus . 4. Anm. 2. Asterii Hauptbuch ist das , welches Achanasius so oft anführet, und aus demselben vieles mittheilet, welches freilich ganz arianisch klinget. S- orat. II. contra ^risn. §. Z7. p 505. orat.III. § 2. «Ic Hinoä. §. iz. p. 7Zi. Hernach hat er wieder den Marcellum von Anknra geschrieben, und darinnen den, selben lvschuldiget, srbellianiftke Lehren vorgetragen zu haben. S- Sozomenum, -Hieronymum ebcndas. cap.84 und sonderlich Eusebinm contra Narc. I/ü». 1 ^ ca/i. 4. und cle tdeol. ecclef. I^»-.II. cax. ly. /il?»-. III. -a/i. 4. wo auch einige Ueberbleibfel uns erhalten wor- der arianischen parchei. 66 z den. Nach -Hieronymi Bericht hat er über die Psalmen, die Evangelien, den Brief an die Römer Erklärungen geschrieben, von denen nichts übrig ist, als die Erklärung des vierten Psalms, welche Momfau- con herausgegeben, in colleäl. nov. tom. I. x. 29. Anm. z. S- Lave ton». I. p. 22z. Tillemonr p. 291. Fa» brieium ö.6r. uo/. VIII. x.örr.stzg. LarSner x.294. IV. Auxentius, Bischof zu Mailand. Es ^ ^ ist voir ihm ein Glaubensbekäntnis Vorhände», zöz. welches so richtig karrtet, daß nach den damaligen Zeiten nichts daran auszusezen; als daß «>>ES5 fehlet. Man kan ihn höchstens unter die halben Arianern sezen, da er diese wenigstens vertheidiget und ihre Hauptgegner, wie Hila- rium und Eusebium von Vercelli, vor Kezer erkläret. Anm. Da in der arianischcn Geschichte zwei Bischoffe von Mailand dieses Nahmens vorkommen; so ist zu erinnern, daß hier von dem altern die Rede sey. Mit dem jüngcrn harte Ambrosia« zu thun. Das vier gedachte Glaubensbekäntnis stehet in -Hilarii Werken tom. II. p. 6oo. tq. der Ausgabe von Verona. In demselben bekennet er: stimm stei uni§enitum, äominum nostrum ^5um Oiinstum, ante ommaleculs etante omnoprin- ciplum natum ex patre, ^etchen Lehr- begrljs. der arianischen parrhei. 66 s begrifs. Er hat an den Unruhen grosen Antheil gehabt. Anm. i. S-von ihm Sokrarem ü'kn'.II, ^.37.43. /rö»-. IV- ca/,, 14. Scnomenum //^»-. III. 5. >;. Philo- frorgium /rör». IV. 4, /ih»-. VI ca^v 2. /iö»-. IX, caz?. 8- und Suisam in einem eigenen Artikel Endoxius. Anm. 2. Von seinen Schriften haben wir nur noch Aus- züge aus einer Rede von der Menschwerdung Cbristi, aus denen man siedet, daß auch er den apollinariftischen Jrtum mit dem arianischen verbunden S Lava tom. 1. p. 218 und Tillemonr tom. VI, p. 423.1^, ^»VU. Eunomius, aus Kappadocien. Er rvak^ ein Schüler des Aerii, bei dem er auch Schreibersdicnste that und deßen Lehrbegrif mit vielem Eifer vertheidigte. Von seiner Parthei 2 - C. wurde er zum Bischof von Cyzikum gemacht; ^ o- wurde aber bald vertrieben und hatte seine Le? 394- benszeir, die er sehr hoch brachte, noch mancherlei unangenehme Veränderungen zu erfahren. Seme Schriften wurden vor die wichtigsten arianischen Denkmale gehalten. Man giebt ^ ihm das Lob einer besondern Deutlichkeit des Vortrags. Kein Wunder, daß man sehr viel wieder ihn geschrieben. Anm. 1. Von dem Eunomio ft -Hieronymum öeviUl- lusti-. i2O. SokraromII. zz. /»/,»-. IV. 7. Sozomennm/-ör VII- ca^o. 17. TbcoSorerum II ca-^o. 27 Philostoraium V. ca/7. 3. X. rnjv. 6. und töregorii vonN^ßa Bücher aonte^Lunomium. Anm 2. Emiomn noch vorhandene Schriften sind sein Glaubensbckäiitnis und sein apolo^c-ticnü. Das erstere und von dem leztern der Anfang und das Ende stehet in (Lave kistoi-. Ilttt-r. vo/. I. p. 22O.I4, und Basna- gens tlrelaur. inonim, ecales/o»r. I. 127. Ü3 beyde T t 5 aber 666 Von den gel. Anhängern und Gegnern aber vollständig in Labricii 6.6r. vo/.VIU. p. szz.fqq. Von dem lezter» aber eine englische Uebersezung in wh»- stons primitive cdnllisnit^ revivä vo/.I. Verloren aber sind seine Erklärung ves Briefs an Sie Römer, seine Briefe, und noch eine Sckursihrifk in vrei Bü« ehern. 2 lnm. z. Von dem Eunomio haben Fabricius vo/. VIII- P. 248. sqg. und Basnage in der äiü'. 6e Luno- inio IiDretico am besten gehandelt. Die lezte stehet nicht allein im ersten Band des tkef. monim. ecclef. x. 172. sondern auch in Vogts bidliotb. hssreüolo^. tom.I. p.48;. mit des Herausgebers Anmerkungen und x. 5O7. Nachricht von den neuern Schriftstellern vom Eunomio, denen noch Larvner p. 299. igg. und Eeil- ler kistolrs öes suteurs ecclef. tom. VIII. P-444,.beizufügen. '' IIX. Eusebius von Emisa, aus einer sehr vornehmen Familie zu Edeßa, wo er auch den ersten Unterricht in theologischen Wißenschaften 3- erhielte. In Palästina hörte er den Patrophi- lum und Eusebium von Cäsareen. Er weigerte sich, an Athanasii Stelle Bischof zu Alexandrien zu werden, nahm aber dieses Amt zu Emisa an, wo er Anfangs von dem Pöbel als ein Zauberer wegen seiner Gelehrsamkeit in der Mathematik vertrieben wurde, nachhero aber sich be- Zko. hauptete. Aus der grosen Gnade des K. Con- stantii gegen diesen Mann und dem, ihm auch von Rechtgläubigen beigelegten, Ruhm eines rechtschaffenen Wandels, auch dem gegen ihn erregten Verdacht, sabellianisch gesinnet zu seyn, schließet man billig, daß er nur ein halber Aria- ner gewesen. Seine Schriften sind ehemals als gute Muster angesehen worden, nach wel-. der arianischen parrhei. 667 chen selbst Chrysostomus seinen Vertrag zu bilden gesuchet. Er ist von den alten mit gro» sem Widerspruch der neuern unter dre Heiligen gcsezet worden. Inm. i. Aus einer Lebensbeschreibung, die Georg von Lrodicca aufgcftzet, theilen gute Nachrichten mit So- kr.rees y. und Sozomcnus /ii',. III. aa/o. 6. damit zu verbinden, 'Hieronemus cle vii-i.-; stlustr. ca^.yi. ny >29. Epiphanias Inxi-ef. I>XXIII. §.26. ,»id Ebodiesir cstsl. in Astcmanns bidliotli. orientsl. tom.111. p. 44. Anm. 2. Von Eufi-bri häufigen und ehemals sehr beliebten Schriften ist nichts übrig, als ein Stük bei dem Tbeodoreto äisl. III. p. 171.ÜM. Die unter seinem Nab- nieu herausgegebene Pastille ist ein neues Werk. Ob die in Handschriften vorhandene -Homilien acht find, läßet sich vor ihrer Ausgabe nicht sagen. Was er wieder die Juden, die Manicl-äcr und die hlovatianer geschrieben, ist verloren. Anm. z. S. Fabricium II. 6r. vo/. VI p.107. u. bibliotki. I^atin. meä. oetstis vo/. II. p. zyi- Cave to,«. I. p. 207. Tillemont to»r. VI. p. ziz. Lacvner p. zo;. IX. Eusebius, Bischof zu Bcrytus, denn zu Nikomedien, endlich zu Constaminopel. Da wir die mancherlei Abwechselungen dieses Mannes schon oben in der Geschichte der Ariancr zu erzehlen, Gelegenheit gehabt; so fügen wir mir hier bei, daß er von vornehmer Herkunft und in Religionssachen sehr unbeständig gewesen. Es scheinet der Ehrgeiz, nach welchem er bei der einmal genommenen Parthei nicht Unrecht haben wolte, die vornehmste Triebfeder seiner Unternehmungen gewesen zu seyn. Von 668 Von den gel. Anhängern und Gegnern -g. C. seinen Schriften ist nichts übrig; als der oben 541. gedachte Brief an Paullinum. Anm. Die häufigen Nachrichten inAthanafii, Sokratm, Gozomeni, Theodoren, Philostorgii Schriften find oben schon angezeiget. Von ihm ist noch Labricii 6. 6r. tom. VI. p. 109. sg. undCave tom.I. x. iZ6. nach« znlesen. X. Eustathius, Bischof von Sebaste, dessen Geschichte noch vieler Dunkelheit unterworfen. Wir bemerken nur hier von ihm, daß er unter des K. Constantii Regierung in grosem Ansehen gestanden, wegen seiner Gelehrsamkeit und sehr gerühmten tugendhaften Wandels. Er hielte es mir Basilio von Ankyra und war also nur ein halber Armner, daher er auch bei den Aetianern schlecht angeschrieben war. Lnm. Die Quellen sowol; als neuere Schriftsteller von diesem Mann habe in den snti^uitat. psllü xkllos p. 2zy. sgg. angezeiget. XI. Euzoius. Unter diesem Nahmen sind zwei Arianer berühmt. Der ältere war einer der ersten Anhänger des Arii zu Alezandrien und theilte seine Schiksaale vor und nach der Z64. Kirchenversamlung mit ihm. Er wurde Bischof zu Antiochien und sezte sich dem Aetio entgegen. z?6- Er starb und wird mit Recht unter die Arianer gesezet, ob es gleich nicht gewis ist, welcher Par- thei derselben er auf die lezte beigethan gewesen. Der jüngere Euzoius hat, nachdem er in den Wißenschaften wol unterrichtet worden, an des verstorbenen Akacii Stelle das Bisthum zu Cä- sareen der arianischen parchei. 669 sareen in Palästina erhalten und sich daselbst, besonders durch die Wiederherstellung der in Verfall gerahtenen pamphilischen Bibliothek, verdient gemacht, verlor aber das Amt unter dem K. Theodosio. Man sezet ihn unter die I C. halben Arianer. ^o- Anm. Don ihm geben Nachricht -Hieronymus äe viris illullr. cax. i lz. und/iü».l. sä täarcellum tom. II. oper. p. 171. und Epiphanias Iisseel. r,XXI1I. 8-Z7- aus denen sie vom Tillemont tm». VI. p. 579. Lave tom.I. p. 2zr. und LarSnecp. zio. wiederholet wird. XII. Georg, B. von Alexandrien, der in Z56. der Geschichte wegen der bei seiner gewaltsamen Einsezung an die Stelle des zum zweitenmal ver- drungenen Athanasii vorgefallenen Ausschweifungen sowol; als wegen feines gewaltsamen Todes bekannt gnug ist. Wir haben beydes 563. schon oben zu bemerken, Gelegenheit gehabt. Er schiene es Anfangs mit den halben Arianern zuhalten; ergrifaber nachhero die Parrhei der Anomder und hat nichts von Schriften hmter- laßen. Anm. Wir sezen hier mit wenigen hinzu, daß einige sonderlich SanSen glauben, dieser Georg wäre mit dem unter den Heiligen so bekannten Ritter Georg eine Person. S- SctimiSs killor. eccles. ssb. msculst. III. p. gl. und die im cstsl. dibliotk. Nunsv. ton. III. P. 772. angezeigte Schriftsteller von diesem Ritter, besonders Paschen, denen noch Neu äill'. äe 8.6eorg. Tübingen 1716. beizufügen. XIII. Georg, ein geborner Alexandriner, und sehr gelehrter Mann. Er scheinet, durch persdn- 67a Von den gel. Anhängern und Gegnern persönliche Verdrieskichkeiten mit dem B. Ale- xandern, derihnabgesezet, bewogen worden zu seyn, von Annochien aus die verfängliche Friedensvorschläge, die wir schon bemerket, zuthun; hernach schlug er sich auf die eusebianische Seite völlig und erhielte durch diese Parthei das Bis- I thum zu Laodicea. Bei den unter den Aria- nern entstandnen Unruhen, war erdemLehrbe- grif der halben Ariancr eifrig beigerhan. Anm. i. Unter den alten redet Athanasiu» oft; aberübel von ihm, z. E- äe s^noä. §. 17. p-7?l. Man sehe noch Philöstorgium /i-r. VIII. ra^. 12. TheoSocerum IiN- ret. Ist,, I. ca/). 28. Lnm. 2. Von seinen Schriften ist nur ein heftiger Brief wieder Aetinm vvin Sozomeno IV. ca^. iz. uns aufbebalren, und das wenige, was Atbanasius cbon- vas mittheilet. Sein Buch wieder die ManichLer ist verloren. Daß Gokrare-r und Sozomenus die von ihm herrührende Lebensbeschreibung desB. Eustbiivc>>» Lmisa gebraucht, ist schon erinnert worden Am wichtigsten vor uiis würde seine Predigt über Sprückw. VIII. seyn, welche Theodorerus H,L. /rör.II. ra/?. gi. anführet. Anm. z. S. Cave tom.I. p. 208. Tillemonr tom.VI. p. 259. Allacci cie Leor^iis ca/). zo;. Fabcicium L. Lr» vo/. VIII. x- Z7Z. u. LarSner p. ziz. 34!- XIV. Gregorius ausKappadocien. Dieser ist der erste Bischof, der an Athanasii Stelle zu Alexandrien eingesezet worden. Seine Grausamkeiten und Schiksaale sind oben schon gemeldet. XV. Lucius, ein Alexandriner. Er war der dasigen Arianer Bischof in der Stille, gleich der arianischen parchei. 671 nach des Georgs Absterben. Er suchte öfent- I. §. lich sich zu behaupten, welches erst nach Atha- z?z. nastt Tod geschehen. Ueber seinen Verfolgungsgeist wird sehr geklaget; er wurde aber ebenfals unter K. Theodosio verjaget. Er war z8c>. ein reiner Arianer und ein Schriftsteller. Anm. 1. S- Sakralem /rör.IV.2l. z6. Sozomenum VI. cax. 5. TheaSorekum H.L. /rö». IV. ca/>. i9. 22. ^ieronymum clc vir. illullr. iZ- Anm. 2. Er hat einen Tractat vom Osterfest hinterlasse», aus dem in den stkis conc. Hom. snn. 649 in läarvn- ins concii. tom. III. p. 692. ein Slük erhalten ist. Noch hat er verschiedne kleine Schriften verfertiget, wie Hieronymus meldet. Anm z. S. Tillemont tom.VI. p. 582. Labricium L. 6r. vo/. VIll. p. ZZ4> Lupum tom. I. oxer. p. 67. XVI. Maximinus ein arianischer Bischof, 427. mit dem Auguftmus eine mündliche Unterredung gehalten, und ihn hierauf schriftlich wie- verleget. Anm. Augustini collat. cum Nsxim. )wei Bücher contra Klaximm. stehen im achten Band seiner Werke. XVII. Philoftorgius aus Kappadocien, 425. hatte einen eunomianischgesinnten Vater und eine rechtgläubige Mutter, die aber mit ihrer ganzen Familie zu eben dieser Parthei Übergängen. Er hat uns eine Kirchengerichte hinterläßet!, von welcher wir nur wenige Stüke noch haben. Man tadelt seine Parteilichkeit vor die Arianer mit Recht, und seine Leichtgläubigkeit. Anm» 672 Von den gel. Anhänger,! und Gegnern 2 lnm. i. Was wir von ihm wißcn, hat er selbst erzchlct //in- IX. c i^,.9. /ivr. X. ca/,. 6. Er meldet, daß er auf Eunomium eine Lobrede, und ein Werk wieder Po» ph^rium hiinerlaßen. Anm 2. Von ihm und den vom Phons »ns erhaltenen Auszügen aus seiner Kirchcnhistorie s. Gothofredi pro- le^om. Labrieinm biblisch. 6r. vol. VI. P-lig Laos tom. I. p. 410. Eeiller bistsire äes suteurs eccl. tot». XIll p 6zy. --zambergersNachr. von den vornehmsten Schriftstellern L. III. S-92. und Lardner k- ZlZ- I. C. XVlII. Sabinus, Bischof der Macedo- 425- nianer zu Heraklea, em halber Ärianer. Er hat sich durch eine iezr Verlorne Samlung der Synoden berühmt gemacht, in welcher er sehr viel Partherlichkeit vor die Arianer herrschen laßen. Anm. Wir wißen nur dieses aus dem Sokcate, der das Luch häufig gebraucht und oft ihm wiederspricht. S- I c-t/v. Z. 9. /iSr. II cax. 15.17 zy. /r/ir III. c«jo i l. Eben dieser Schriftsteller bezeuget, daß Sabinus ein halber Arianer sey /rür.IV. ca/,. 22. Sein Zeitalter ist ungewis. S. Tillomont to»r. VI p. zz6 Labricium 8. dr. vo/. VI. p. ny. rilastcicht bilior. iui. eccies p. Z22. XIX. Siloanus Bischof zu Tarsus, ein sehr gelinder halber Arianer, der sich nachhero z 66 . mn den Orthodoxen vereiniget. 2lnm. Er ist sonderlich durch das gute Vernehmen bekannt, in welchem er mit dem L. Cyrillo von Jerusalem gestanden. S- Maran tur les 8emiariens §. 6. XX. Theodorus, aus Heraklea in Thrakien. Er war einer der heftigsten Gegner deS der arianischen parthej. 67z Athanasii, und erhielte durch die Eusebianer dasI § Blsthum seiner Vaterstadt. Man kan wol nicht ZZ4 leugnen, daß er ein halber Arianer gewesen. Seme exegetischen Arbeiten werden so, wie über- zzz. Haupt scme Gelehrsamkeit, sehr gcrühmet. 2lnm. 1. Von ihm rcdet Atkanasiu.-, oft, z B> l'-I. p. I. x. 277. womit Theovoreru.-; H. L. t/öi . I. c»/,. 2t>. 28. /rb^. III. ca/). z. 8 ä^»'. V. ca,o. 7 und hieran) m»s äe vir. iilutft. ca/,. yo. zu verbinden Der lezkere rühmet seine Schristerklaruiigen auch an andern Orten. Anm.2. Er hat über die ps.ln'.en, denMatchäum, Io- hanncm und die panllinisclicii Briefe geschrieben. Man glaubet, daß die pfalmenerklärnng, welche EorScrius in cate-n. ??. zu Antw. 164? fol. herausgegeben, seine ächte Arbeit sey, woran andere zweifeln. So sind auch in andern cstenis einige wenige Ueberbleibsel von anderen Erklärungen zu finden. Anm. z. S- Tillemont toi». VI. p. 286. Tave tom. I. p. 2(^z. Labricium 66r. to?». VIII. p. 412. Larvner p. Z2Z. uud meines Vaters trillor. eocle-s. x rziz.sg. XX l. Ulphilas, einer der merkwürdigsten und durch gute und böse Gerüchte gleichberühmtesten Männer seiner Zeit. Die Ehre, eine ganze Narion gesittet zu machen, und Wissenschaften und Religion unter ihr zuerst zu pflanzen, lind die mühselige Arbeit, eine Uebersezung der Schrift in einer Sprache, die noch kurz vorher» keine Buchstaben hatte, zu liefern, riefte alles hat ihm einen grosen Ruhm erworben, und er ist dadurch ein Gegenstand der Beschäftigungen der grölten Gelehrten in den neuern Zeiten worden. ' Auf der andern Seite beklaget man billig, ii Theil. Uu daß 674 den gel. Anhängern und Gegnern daß eben dieser grose Mann, nachdem er vorhe- 2 ^ ro den ächten Lehrbegrif gebilliget, und das ni- z6o. cänische Glaubensbekäntnis unterschrieben, nicht Z72. allein selbst und zwar, wie es sehr wahrscheinlich ist, nach und nach die Parthet der Arianer ergriffen; sondern auch wie schon oben erinnert ist, die Ursach gewesen, daß die Gothen und durch diese die übrigen schon bemerkte barbarische Völker diesen Religionsbegrif angenommen. Ob er ein reiner; oder ein halber Arianer gewesen, scheinet eine schwere Frage zu seyn, die sich aber doch wahrscheinlich beantworten läßet. Weil der gänzliche Uebertritl des Ulphilas unter der Regierung des K. Valens geschehen, und damals durch die Arianer die reinen verstanden wurden, so ist es höchst wahrscheinlich, daß Ulr philas ebenfals ihnen bcigetreten. Anm. Da von dem Utphita schon ungemein viel geschrieben worden, und das, was bei seiner Geschichte am sorgfältigsten pfleget untersuchet zu werden, nemlich seine Bibclübersezung und die Frage: ob noch von derlez- tern etwas vorhanden? ganz entfernet von unserm Hauptzwek ist; so haben wir hier nur folgende Fragen zu bemerken, r) ob es wahr sey, daß Ulpkilas vorhe- ro orthodox gewesen? welche nach Philosrorgii Vorstellung /rör.II. ca^o 2. wenigstens ungcwis zu laßen; allein nach Gokratis /rör.Il. caz,. 41. und Sozomeni /ihr. VI. Z7. allerdings zu bejahen: 2) wenn sein Uebertritt zu den Arianern geschehen, indem Sokrare» solchen unter dem K.Constantio im J.zzy. z6o. Sozo» mcnus aber und Thcodorerus /ihr. IV. ca/,. Z7. unter dem K Valens sezcn? welches den» einige so vereinigen, daß unter dem ersten nur ein Anfang, ohne die-Kirchen- gemeinschaft mit den Rechtgläubigen zu unterbrechen, gemacht worden, wovon D«vatc>is vor. in 8020m. p. 27z. der arianLschen parrhci. 675 27z. und Tillcmont VI. P-7Y8- zu lesen: z) ober ein halber; oder ganzer Arianer gewesen^ über diese Frage sind uns keine andere Nachrichten bekannt; als daß TheoSoreruL, von den Gochen überhaupt ebendaselbst meldet, daß sie lehrcten, der Vater sey gröi'w; als der Sohn, sich aber nicht unterstünde» den Soh» ein Geschöpf zu nennen; jedoch diejenigen vor ihre Glaubciisgenoßen hielten, welche das leztere thaten. Es scheinet überaus der Wahrheit ähnlich zu seyn. daß nach dieser Beschreibung und dem Umstand, daß unter dem K. Valens die Parthci der reinen Arianer herrschend gewesen, und die hart verfolgten halben Arianer sich entweder mit den Orthodoxen vereiniget; oder unter den Macedvnianern zerstreuet gewesen, Ulphilas und seine Gehülfen reine Arianer gewesen. Don den besten Schriftstellern vom Ulphila geben mein Vater Instnr. ecclkch p. 1478. und Hr. Pr. -Hamberzcc ebendas. B. II. S. 792. Nachricht, denen nur LacSner p. Z2lz. und Hrn. Rnittcls mit vielen gelehrten Untcrfuchunge» zu Braunschiv. 1762. herausgegebene Illpkil. Version. 60- rtnc. nonn. cspit. epitr. äst Uoin. beizufügen. xxn. Ursacius und Valens, zwei bei den vornehmsten Händeln unter K. Constantio und nachhero stets verbundene Bischdffe, jener zu Singidon in Obermysien, dieser zu Mursa in Pannonien. Beyde waren Schüler des Arii. Sie sind in der Historie oft vorgekommen, und behaupten durch ihre öftere, wenigstens zum Schein angenommene Veränderungen ihrer Be- känmiße, den schändlichen Charakter eines Heuchlers und Betrügers. XXIII. Endlich sind noch zwei ungenannte Schriftsteller, die Arianer gewesen, zu bemerken. Der erste ist der Vcrfaßer der unter Ori- Uu 2 genis 676 Von den gel. Anhängern und Gegnern genis Nahmen, jedoch nur lateinisch vorhandenen Erklärung der drei ersten Hauptstüke des Hiobs, der zweite der Vcrfaßer derjenigen arianischen Abhandlung, welche Augustinus in einem eignen Buch widerleget. Anm. S LarSner p. 29z. Aus den im §. IV. zu er- zehlenden Schriften wieder die Arianer werden noch mehrere solcher Leute könne» gcsamlet werden. §. m. Es sind einige sehr berühmte und zum Theil verdiente Männer, welche von den altern und neuern Schriftstellern einer Neigung gegen die «manische Lehre beschuldiget; oder dagegen vertheidiget werden. Sie sind diese: I. Eusebius, Bischof zu Cäsareen, der durch seine Kuchengesckichte und andere Schriften den Ruhm eines gelehrten Mannes beständig behaupten wird. Es ist bekannt gnug, daß über dieses Mannes Religionsgesinnungen beyde altere und neuere gestritten, und zwar mit so guten Gründen, daß einige gezweifelt, ob diese Frage iemals werde entschieden werden. Unserer , auf die Historie gegründeten, Vorstellung nach kan mit Gewisheir behauptet werden, einmal daß Eusebius vor der Kirchenverjamlung zu Nicäa ein Freund der Person des Arii und ein Feind der Person des B. Alexanders, so wie nach derselben auch des B. Athänasii gewesen, und der arianrschen parrhei. 677 und wol stets geblieben. Und in diesem Verstand, der aber theologisch falsch ist, thut man ihm nicht Unrecht, daß man ihn einen Arianer nennet: hernach, daß er vor der gedachten Synode von Arii Lehrbegrif zu Vortheilhaft, und von den darüber erregten Streitigkeiten zu geringschäzig geurtheilet, auf derselben das Glaubensbekantnis derselben im Anfang zu unterschreiben, Bedenken gefunden, hernach aber es doch gethan, und das nicht allein angenommen; sondern auch gewis so erkläret, daß man damit zufrieden senil kan. Und in diesem Verstand ist Euscbius kein Arianer. Es ist auch nicht zu erweisen, daß er sich der Arianer, als Arianer, wirklich angenommen; endlich, daß er selbst in seinen Schriften weder völlig orthodox, noch arianisch gesinnet gewesen. Anm. Unter den alten erklären den Eusebium vor »!»en Arianer Athanasrus, -Hieronymns und andere; hingegen hat schon Sokrates kitkor. eccles. Mr.II. ca/,. 2l. p. ioz. ihn eifrig vertheidiget. Unter den neuern haben ihn vor einen wahren Arianer erkläret Baronius, Spondanns, Arnold, Tillemont, Sandcn, Monr- faucon, Basnage; vorzüglich aber Perav tlisol. äe trinir. /rbr.II. caz>. i i tom.II. p 4z. sg. No- ris 6il1'. Anm. Diesem Schriftsteller pfleget man die Beschreibung der oben Absckn, III. §. XII. bemerkte» Unterredung mit den Arianern beizulegen. u. Alexander von Mxandi'ien von dessen wider Arium erlaßenen Schreiben schon oben hinlängliche Nachricht gegeben worden. III. Am- der arianischen parrhei. 68 k III. Ambrosius, B. zu Mailand. Anm. Außer dem, was er in seinen Händeln mit dem Au« xentio unter Dalenniiiano geschrieben, und eben bemerket worden, geboren bisher im zweiten Band seiner Werke nach der Bencdickiner Ausgabe: die /rärr V. äs Läe und sermo äs incsrnatione äoinini. IV. Amphilochius, Bischof zu Jconien: Anm. Von dem sol liksr contra t^risnum, Lunomiumet INsceäonium, in der königlichen Bibliothek zu Paris in der Handschrift vorhanden seyn- S Lave bisior. litten. 8. 12 . tom.I. p. 252. Vogt bibliotk. hoerelioloA. vo/. I. x. zc6. V. Andronicianus, deßen zwei kurze Bücher wieder Eunomium verloren sind. Anm. Man kennet sie aus Photii bibliotk. coet. 45. VI. Apollinaris, dem selbst die alten einen wichtigen Plaz unter den Widerlegern des Em nomii zugestanden. Anm. -^ieronzmus 6e virls üluür. caz>. t2O. vergl. loirorgium VIII- cax. 12. Es ist nichts mehr vorhanden. VII. Athanasius, der wol am meisten wieder die Arien,er wie mir dem Munde, also auch mit der Feder gestritten. Anm. Da sehr oft einige Schriften dem Athanasko ganz fälschlich beigeleget werden; so wird es nöhtig seyn, daß wir hier erzehlen, welche wieder die Arianer gerichtete Schriften nach tNontfaucons sehr gegründeten Urtheilen, deßen jeder einzeln vorgesezte Erinnerungen Uu 5 vor- 682 Von den gel. Anhängern und Gegnern vorzüglich Hiebei zu vergleichen, dem grosen Lehrer mit Recht beigeleget werden. In dem ersten Band des er« sten Theils stehen folgende: die enc^cücasä epiico- xos epikols, die spoloAia contra ^rianos : die epiko- la äe äecretis s^noäi Xicena: : die epistola sä epilco- P 08 ^e^ptl et I^ib^se, (welche ehemals »poloßia xri- ma und die vorgemeldete hieß) die »poloxia sä irnperatorem Lonstantinm : die apoloZia äe ku^a 1ns: die epistols sä 8erapionem äe morte ^rii: die epikola sä monacüo8: die bistoria ^rianorum sä mo- vsckos : die oratione8 IV. contra ^risno8 (ehemals waren fünf, weil die episiola sä epiicop. ^ex;. vor die erste gerechnet wurde) ferner im »weiten Band die epi- üola äe Hmoäl8 ^riminl et Leleucise: der toinus; oder epistola sä ^ntiocbeno8: die epiüola sä )ovia- num : der Über äe incarnstione verbl äei : die episto- lasä^stoa: die epikola sä ^äelpbium: die epiüola »ä b/Iaximum. Hingegen werden im »weiten theils vor zweifelhaft erkläret: die tetlimonia ex tacra icriptura: äe setern» 6!ii et fpiritu8 5sn6ti cnrn äeo existentia; theils vor unächt die äistrutstio contra ^rium in con- cilio k^iceno : die äialo^i V. äe lanüa tiinitste : äe lanÄa trinitats üö»-. VIII. U- s. w. Vl!I. Augustinus, Bischof zu Hippon. 2 lnm. Im achten Band seiner Werke stehen deßen über contra terinonem -Vrianorum: die collstio cnm IVla- ximino: die übri III. traKatu8 contra eunäern und die libri XV. äe trinitats. IX. Basilius der Grose, Bischof zu Casa- reen in Kappadocien. Anm. Von ihm haben wir fünf Bücher wieder Euno« mium, im »weiten Theil feiner Werke. Hingegen sind die äilputatio contra -^etiurn ^rianum und die ratio- ne- f^IIo^itlicre contra ^riano8 in Basnagens tkesaur. rnoniment. eccles. jene to»r. II. p. 29. diese tom. I. p. 169. falsch. X. Ce- der arianischcn Pärchen 68 z X. Cerealis, ein africanischer Bischof. Anm. Desietl libelius concortstiouis cie stcie trinitat'S contra IVlaximium, in der L^onischen L. IVI. ?. vo^. VHI- x.671. siehet. XI. Cyrillus, Bischof von Alexandrien. Anm. Ob der «chelsurus 6e sankkL et ccmiubstantigli tri- nicate ftin Werk fty, wird noch gestritten; hingegen die neun Gespräche von gleicher Aufschrift vor acht erkannt , von denen doch nur die sieben erste», hieher gehören. XII. Demetrius Cydonius, deßen Buch wieder Eunomium verloren ist. Anm. S. Fabricium 6.6r. i/o/. X. p. z8y. XIII. Diodorus von Tarsus, von dem uns nur der Tuet eines Buchs wieder die Eu- nomianer bekannt worden. Anm. S. Vogt ebendas x. 526. XIV. Didymus von Casareen, deßen Schrift wieder Eunomium ebenfals nicht mehr vorhanden ist. Anm. S- Hieron>'mum 6 e vir. illustr. ca/ 7 .122. XV. Ephraem, der Syrer, der zwar kein eigenes Werk wieder die Arianer hinterlaßen, jedoch in seinen Reden wieder die Kezer auch gegen die Arianer streitet, und besonders gegen die Eunomianer. Anm. 684 Von den gel. Anhängern und Gegnern Anm. S- Ephraems oper. ^risc. tom. III. p. I. sgh. S. Afiemanns Vorrede p. i6. sigg. Man siehet aus denselben unter andern, daß die Arianer in Syrien eben- fals die Wiedertaufe angenommen. XVI. Eusebius von Vercelli, der ebenfals viel von den Arianern erleiden müssen. Anm. Von ihm sind nur einige Briefe noch vorhanden, die hieher gehören, in der Ionischen 8.N.?. tom. V. x. 1227.^. XVII. Eustathius, Bischof zu Antiochien, einer der grdsten Gegner des Arii, so daß daher die Rechtgläubigen daselbst Euftathianer geuen- net worden. Anm. Unter seinen vielen Schriften waren ehemals acht Bücher wieder die Arianer, und eine Rede über Sprückw.VIII. 22. Von beyden sind noch einige kleine Stüke übrig, welche Labriciusö. 6r.r/o/. VIII. p. 170. sgg. gesamlet. XHX. Faustmus, ein luciferianischer Presbyter. Anm. Deßen sonst von uns wolgenuzter übellus precum gehöret an einen andern Ort- Allein sein über 1 reprsbeuiores luperioris libri: der liberl. sei LonIIan- tium img. der über alter s. to»r. V. p. 727. zu finden; ob er aber; oder Vigilius von Tapsus der wadre Verfasser sey, ist noch zweifelhaft. S> Fabricinm bibüotb. I^at. meb. et intim, setsc. vo/. I V. P-75- sgff> XXVII. Johann Chrysostomus, Bischof zu Constantinopel. Anm. Von ihm find die sechs Predigten von der unbe, greiflichen Natur Gottes, wieder die Anomöer, im ersten der ariam'sthen parchei. 687 ersten Theil seiner Werke nach Momfaucons Ausgabe, zu bemerken. XXVIII. Lucifer, Bischof von Cagliari, deßen Uebertreibung seines Eifers gegen die Aria- ner uns Gelegenheit schaffen wird, von ihm und seinen Schriften in einem eignen Abschnitt zu reden. Anm. Seine wenigen Schriften stehen in der 6. IVl. ?. tom. I V. P. lZl. XXIX. Michael Psellus, ein jüngerer Schriftsteller, der aber doch wieder den Emu)- mium ein Buch hinterlaßen. Anm. S. Allacci äe ksellis p. zz. XXX. Phabadius, Bischof zu Agen, der nicht allein vielen Antheil an den arianischcn Unruhen in Gallien unter Constantio genommen; sondern auch ein eignes immer geschätztes Buch wieder diese Parthei hinterlaßen. Anm. Nach drei verschiedenen Ausgaben vom Be^a, Pi- rboeo undDarrh, stehet es in der L. IN.?. tom.IV. p. ZOO. sytj. S- bistoire litter. 6e 1 a I'rsnce to-». I. xart. 2. x. 268- XXXI. Sophronius, der uns nur nach dem Nahmen bekannt ist und Basilium gegen den Eunomium vertheidiget. Anm. S. Photiust» bibliotk. 5. u. izZ. XXXII. Theodorus, Bischof von Mops- veste. Daß deßen fünf und zwanzig Bücher, von 688 Von den gel. Anhängern und Gegnern von eben der Bestimmung, verloren gegangen, ist billig zu bedauren. Anm. S- Theovoretnm ÜLereticar. fabular. /i-r. I V. c-177. z. undphocium cvtt.4 izZ. 177. XXXIII. Marius Victorinus. Anm. Von deßen Schriftwechsel mit einem sonst unbekannten Arianer, Lansioo, haben wir folgende Sinke: r) Landivi Schreiben von der Zeugung Ves Wortes Gottes.' 2) Victorini Abhandlung von eben dieser Frage: z) «LanSiSi Antwort: 4) Vicrorini vier Bücher von der Dreieinigkeit Ob dlc Lieder von der Anneh- mung desAusdruks gleiches Wesens, seine Arbeit sind, wird noch gezweifelt. Don den verschiedenen Ausga, bei« seiner Schriften f. F rbricium biblisch, hat. med. et instm. aecat- ro/. III. x. 421. XXXIV. Vigilius, Bischof zu Tapfus, zur Zeit der wandaiischen Regierung in Afrika, unter deßen Nahmen viele Schriften wieder die Arianer vorhanden sind. Anm. Dergleichen sind die altercatio sdverlus -Inum, die dialo^i tres adverius. ^rium, äabelüum et l'hoti- nuin, de trinitare iibri XII. über de unicate crinicatis »dOptatum: de trinitate adverius Varimadum: über contra Palladium, -^rianum epilcopum, und solutio- nes obiecriouum ^rianorum, welche zum Theil dieser Schriftsteller unter fremden Nahmen, sonderlich Arha- nasii, bekannt gemacht, zum Theil andern Schriftstellern, wie dem Joacio zugesprochen worden. S. Leil- lcr billoir. des auteurs eccies. tom. X V. p. 2ZO. und Fabcicium cbendas to,/r. VI. XXV. Endlich gedenken wir noch eines Ungenannten kleiner Schrift wieder die Arianer. Anm. und den mancherlei parrheien.' 689 Anm. I Wir reden von dem beeviari» iI6eia6vk-rsu8^ri- sno8, welches SirmonV zuerst herausgegeben. S. besten oper. ta,». I. p. 22Z. lhq. Anm. 2. Wir fügen nur bei, lheiln daß asgemeine historische und polemische Schriftsteller wieder die Kczer, wie Epiphanias, TheoSoretus und noch jüngere hier billig nicht geneunet werden; theils daß bei diesem Verzeichnis Labricii h. Or. uo/. VIII. p. 2Z0. und meines Vaters dibliotii. tlieol. r-o/. I. p. ;8s- lgg- genuzct worden. Der sechste Abschnitt. Beurtheilung der arianischen Strei» tlgkeiten. §. 1. N^ir haben bei dem Anfang der Erzehlung von diesen Streitigkeiten, das Versprechen gethan, jene mir einer Beurtheilung derselben zu beschließen, und wir glauben, daß dieses von einem pragmatischen Schriftsteller mit Recht gefordert werde. Es wird einem jeden leicht begreiflich seyn, daß bei der grosen Menge von Begebenheiten und bei der Verschiedenheit der Denkungsartcn so vieler Personen, die hier in Betrachtung kommen, eben so eine Menge von Fragen entstehen müßen, die einer solchen Beurtheilung fähig ist. Wir glauben, daß sie gar füglich in zwei Gattungen zu theilen sind. Einige sind theologisch, und diese betreffen den ii Theil. Xx Lehr- 690 Beurtheilung Lehrbegrif selbst; andere historisch, und diese haben die Begebenheiten zum Gegenstand. §. n. Die theologischen Fragen betreffen theils das Gewicht und den Wehrt der ganzen Streitfrage, und diese ist so leicht nicht zu beantworten, so lange man alles zusammen nimmt, was ehemals mit Leuten in Streit gerahten, die Ari- aner genennet worden. In den ältern Zeiten findet man davon einige wichtige Bemerkungen. Es ist unleugbar, daß K. Constantin bei dem ersten Anfang es vor eine unnüze Zänkerei zweier gottesdienstlicher Lehrer gehalten, die sie aus Liebe zum Frieden wol aufopfern kdnten, und die im Grund die Uebereinstimmung in der Glaubenslehre nicht störete. Dieses Prinzens Ansehen kau aber wol nicht den Ausschlag geben, indem es zu einer solchen Zeit geschrieben worden, da bei ihm nicht einmal eine historische Käntnis der Streitfrage, vielweniger eine theologische Einsicht in deren wahre Beschaffenheit zu vermuhten war. Der ebenfals schon gedachte Georg, nachhero Bischof von Laodicea, scheinet ebenfals die Gedanken gehabt zu haben; wir wißen aber nicht, ob es wahre Gleichgültigkeit in Religionsangelegenheiten; oder nur Unwi- ßenheit gewesen, daß er Vorschläge that, durch welche mittelst eines elenden Wortspiels Wahrheit und Irtum nur auf einerlei Art gekleidet in der der arianischeii Streitigkeiten. 69 l der Kirche bleiben sotten; doch war es Ehrlichkeit, daß er seine wahre Meinungen deutlich gnug jagte. Man kan dazu sezen, theils, daß wenigstens diejenigen, so bei der Wiedervereinigung der halbarianischen Bischdffe mit der rechtgläubigen Parthei die gelindere Meinung gegen den Lucifer von Cagliari behauptet, von dem Verbrechen der unter Constantio zur arianischen Parthei getretenen Bischdffe sehr nachsichtsvoll geurtheilet; theils daß, wie oben schon bemerket worden, die grdsten Feinde der Arianer von den halben Ariancrn sehr gelinde Meinungen ge- heget. Auf der andern Seite giebt es ein- mal unzehlige Beweise von Veit härtesten Ver^ urtheilungen der ariamschen Lehre sowol von ganzen Versimilungen; als einzelnen Lehrern, welche denn immer voraussezen, daß sie den arianisihen Widerspruch gegen ihre Lehren vor höchst wichtig, und der Erlangung der Seligkeit höchst nachtheilig geachtet: hernach von Seiten des Arii und vieler seiner Anhänger, besonders der Eunomianev, die deutlichsten Bekäntniße voll der Unentbehrlichkeir ihrer eignen Vorstellungen, zur Seligkeit, welche die leztern bis zur Einführung der Wiedertaufe getrieben: endlich von beyden Theilen, eine grose Zahl von angeseheneil Personen, welche lieber den Tod; oder doch die härtesten Leiden ausgestanden; als die einmal von ihnen ergriffene Parthei verlaßen wollen, voll denen denn mit Recht zu vermuthen, T 5 2 daß 692 Beurtheilung > daß sie den gegenseitigen Widerspruch vor? keine Kleinigkeit gehalten haben. In den neuern Zeiten sind die Meinungen wol eben so gerheilet, nur mit dem Unterschied, daß bei vernünftiger Bestimmung und Untersuchung der Frage man derselben nur Recht einen grd- seru Umfang gegeben. Alle, welche die Er- känrnis der Lehre von der Dreieinigkeit vor unentbehrlich zur Seligkeit halten, werden sich darinnen vereinigen, daß die zwischen den Arianern und ihren Gegnern in Streit befangen gewesene Religionsfrage von dem grd- sten Gewicht sey; hingegen alle, welche das erste leugnen, wie von den Arminianern bekannt gnug, werden auch den Schluß nie einräumen. Unter den ersten findet sich aber noch ein sehr merklicher Unterschied, den wir hier kurz berühren müßen. Man fraget billig nach dem Grund, warum man dieser Frage eine solche Erheblichkeit beilege, da denn die Protestanten billig solchen theils in dem göttlichen Ansehen der biblischen Zeug- rüße von diesem Lehrstük; theils in ihrem innern Zusammenhang mit der Lehre von dem Erlöser sezen; hingegen ein groser Theil der rdmifchkatholischcn Lehrer solche in der Verbindlichkeit der Christen, den Aussprüchen der Kicchenversamlungen, besonders der algemei- nen, und mithin in der Untrüglicbkeit derselben suchen, ja einige hierinnen so weit gegangen, daß sie den achten Lehrbegrif blos des- der ananischen Streitigkeiten. 69z deswegen vor wahr halten, weil er auf der «iranischen Synode gebilliget worden. Die so denken, müßen daher jeden Wiederspruch der altern Lehrer gegen diese Versamlung vor gleichwichrig halten und daher zwischen den verschiedenen Partheien der Arianer keinen Unterschied machen. §. m- Wenn wir unsere Gedanken aufrichtig sagen scllen; so beziehen wir UN6 vor allen Dingen auf das, was wir von der Verschie- denwit der «manischen Meinungen oben gesa- gcst und erwiesen haben und nach diesem müssen wir mir Unterschied urtheilen: I. Wenn voraus gesezet wird, wie wir hier voraus zu sezen berechtiget sind, daß die Lehre, der Sohn Gottes sey wahrer Gort und mir dem Vater gleich ewig, eine biblische Wahrheit: mithin nicht gleichgültig, ob sie angenommen werde; oder nicht? so war zwischen Arid und Alexander« ein wahrer Wiederspruch und kein Wortsireit. II. Wenn ferner voraus gesezet wird, daß die Lehre von der wahren Gottheit des Sohnes in den thoretischen und praktischen Theil der christlichen Religion einen so mannichfalti- gen Einfluß hat, daß auf der einen Seite die Xx z ganze 694 Beurtheilung ganze Lehre von der unendlichen Versöhnung über den Haufen fallt und die Verehrer Christi sich in den Verdacht einer Abgötterei fezen, wenn jene falsch und der Sohn Gottes wirklich , wie Arms geglaubet, ein Geschöpf seyn solle, auf der andern aber, wenn sie wahr ist, wie sie es ist, der Arianer dem Sohn Gottes die Ehre raubet, die ihm gebühret, und sich selbst der Hofnung beraubet, die auf eitlen göttlichen Erlöser gegründet ist; so ist der Streit zwischen Ario und Alexander» von der allcrgrösten Erheblichkeit gewesen und der Irtum, er mag auf eiuer Seite gewesen seyn, auf welcher er wil, isteinHaupt- grundirtum: III. Bey dem nach der Kirchenversam- kung zu Nicäa gewechselten Streit mus wol die Frage voll dem Lehrbegrif selbst von der Frage über abgesondert werden. Wo zwischen den streitenden Partheien ein wahrer Widerspruch in dem Lehrsaz, daß der Sohn Gottes, wie der Vater, wahrer Gott und mit ihm gleich ewig sey, fortgcsezet wurde, welches zwischen den reinen Arianern, Aetianern, Eunomianern, und ihren Gegnern geschahe, da blieb der vorhero bestimmte Wehrt der Frage ganz unverändert: IV. Aus eben diesem Grunde folget, daß der Unterschied zwischen den Anomömi, und den der arianisihen Streitigkeiten. 6§>s den Akacianern; oder zwischen dem Lehr- saz; der Sohn sey dem Vater nicht gleich und dem: er sey ihm nur dem Willen nach gleich (o^oior unerheblich ist, weil bei beiden Sazen die Verschiedenheit des Wesens () behauptet wird. V. Sobald aber die streitenden Partheien darinnen einig, daß der Sohn, wie der Vater, wahrer Gott, mit ihm gleich ewig und ihm in allem gleich (o/is<-8- allein angienge, glauben wir, daß beyde Theile sehr gefehlet: die halben Arianer, daß sie nach den klaren Bestimmungen in dfentli- chen Glaubensbekäntnißen den Nahmen eines von ihnen selbst gebilligten Begriss so eifrig n Theil. V y verwar- 698 Beurtheilung verwarfen, und die Rechtgläubigen, daß sie in diesem Fall zu sehr die Orthodoxie in einem »«biblischen Nahmen gesezer, und dadurch Gelegenheit gegeben, die Unruhen zu unterhalten. tz. VI. Der historischen Fragen könte eine sehr große Menge ausgeworfen werden. Da wir theils einige davon schon berühren müßen; theils aber sich aus unsern Vorstellungen von selbst beantworten; so wollen wir hrer überhaupt bemerken, daß zwei Fehler begangen werden, wenn man aus Partheillchkeir einen Theil alles Unglük, so aus dieser unseligen Streitigkeit entstanden, allein zur Last leget. Die neuern Arianer in Engelland bemühen sich den Charakter des Athanasii zum Nachtheil seiner kehre zu sehr anzuschwärzen, und die andern Schriftsteller, bei denen zum Theil das Vorurtheil, daß ein Kalenderheiliger ein Engel sey, nur gar zu wirksam ist, diesen Mann und seine Anhänger von allen Fehlern freizusprechen. Wenn wir unpartheiisch urtheilen dürfen, so sind beyde Theile an den erschreklichcn Folgen der Streitigkeit Schuld. Im ganzen fehlte es überal an Mäßigung: überal herrschte das Vorurtheil, daß man ein Recht habe, über anderer Leute Gewißen zu befehlen: überal wurden Privat- händel zu öfentlichen Kirchenangelegenheuen gemacht: überal misbrauchte man das Ansehen der Kirchenversamlungen und noch mehr der bürgerlichen der a na Nischen Gtreirigkeiten. 699 gerlichen Obrigkeit: überal wurde daher die Verfolgungedcgierde unterhalten und gestilket. Insbesondere glauben um, daß auf Seiten der Rechtgläubigen diese Fehler vorgegangen, daß Alexander zu bald andere Bischöffe mit einge- fiochten, und daß man zu Sardica auf der Morgenländer Verlangen wegen des Akhanasll so wenig Achtung gab. Die Arianer aber haben noch gröber gcffmdigct. Arius machte eben den Fehler, daß er so eifrig suchte, eine Partheizu machen; allein Eusebius von Nikomedien ist in unsern Augen die wahre Fakel gewesen, welche das Feiler angezündet, und der Verdacht, daß Ehrsucht und Stolz ihn zur Vertheidigung des Arii angetrieben, und den Eigensinn, die einmal ergriffene Parthei zu unlerffüzen, hervorgebracht, scheinet sehr gegründet zu seyn. Kurz nur endigen hier eine Geschichte, welche die Notwendigkeit, nur dem Eifer vor die Wahrheit eine reine Liebe gegen die andern, und Vermeidung aller persönlichen Adfecten, zu verbinden, durch so viele traurige Auftritte und so viele höchst unangenehme Folgen von der Unterlaßung dieser Pflicht, sehr nachdrükiich empfelen kan. Anm. Wir haben noch von den neuern Schriftstellern der Geschichte der arianischen Kezerei Nachricht zu geben. Außer de» algemeinen Kircbengeschichtschrciberil müßen hier bemerket werden, theils algemcine Schriftsteller, unter denen einige altere, wie Samuel Lange, Johann Meisner, Joh. Lrievr. Ränig, Philip Lüde- wig Hanneken, Balrh. Bcbcl, Joh. Adam GsianSec sehr unerhebliche Schriften hinterläßet!, deren Aufschriften man aus Sagicrarii introäuÄ. in kiftor. eccles. Ay 2 tom. 7oo Bcurih. der arianischcn Streitigkeiten. tom. I. p 857- und meines Vaters biblloth. tksal. vo/. IH. p. 760. kennen lernen kau. Des Websters com- pleitt kiltor/ ok Hnsmlme habe niemals zu sehen Gelegenheit gehabt; das weis ich aber, daß er diese Geschichte bis auf seine Zeit fortgeführet. LuSwizMaim- bucgs histoiro clst'^risnistne ist seit seiner ersten Ausgabe Paris 167z. in zwei Quartbänden mit mehrere» B «fall aufgenommen worden; als sie verdienet. Es stnd ihr von einem Ungenannten die entreuens ä' Lu- «loxe et Luchariste Cöln i6ZZ Duod. entgegen gesezet worden - theils einige besondere, wohin wir rechne» l) die Lebensbeschreibungen einiger Hauptpersonen, da denn von Ario, außer der sehr mittelmasige» Schrift des Christian Lupi, im ersten Theil seiner Werke, Cajetan Maria Travasa storia cricics lleila vil« eil ^rrio, primo oreliarca llei IV- locolo, Venedig 1746. Oct. vorzüglich zu bemerken; von Athanasio aber außer dem ofkgenannten Montfaucon, Papebrochs vlla 8. eVctinnusti, in den s6b. 88. tonr. l- msii p. iz6. U. to/». VI I.p. 546. und Gottfr. Hermann viecie 8. nsib Parts 1671. 2 B m Qu.von welchem leztern Buch Albr. Anron von Lconek eine deutsche llebcrsezung unter der Aufschrift: vollkommene Historie Vor — ari- anifthen Lc;erei, zu Stadt am Hof 1744. fvl. herausgegeben; vomK LonstanrinoOem Grosen, des Beruh, von Varenne histoire llo Lonstantio, Paris 1724 2 u. viel brauchbares enthalte»: 2) die historischen Nachrichten; oder Vertheidigungen von der Kirchenversam- lung zu Nicaa, die in der Hist. der Licckenv. S 157. schon angeführet sind; theils diejenigen, welche überhaupt die Geschichte der Feinde der Lehre von der Dreieinigkeit untersuchet, unter denen die zu Paris 172;. herausgekommcne kUstorre llu 8ocimLnrfnie noch hier anzuzeigen. Ende des zweiten Theil.