Perlenfabrikation. 661
und seine scharfen Kanten runden sich ab. Ist dieses geschehenes« läßt man denzunächst noch fortgedrehten Cylinder langsam erkalten, schüttet dann seinen Inhaltaus, und trennt die Perlen von Kohlenpulvcr, Kalk und Sand durch Absiebender letzteren. Durch weiteres Behandeln auf Sieben von verschiedener Maschen-weite werden dann die abgerundeten Perlen durch die Aovsrimäori ihrer Größenach sortirt und bedürfen jetzt nur noch einer leichten Politur, die ihnen dieInstraäori geben, indem sie sie zunächst mit Sand gemengt in einem Sackeschlagen, hierdurch abschleifen und ihre Oeffnnngen von der Kalk-Kohlen-Füllungbefreien, dann den Sand absieben, ihn durch Weizenklcie ersetzen, wieder andauerndschlagen, und die Perlen hierdurch polircn.
Nach dem Absieben der Kleie gehen die nunmehr fertigen Perlen wieder indie Hände von Frauen über, um von denselben (inül^atrioi) aufgereiht, und hier-durch in die für den Handel übliche Form von Schnnrlnmdcn (ckoäsnins, niasss)gebracht zu werden. —
Von nicht untergeordneterer Bedeutung für die muranische Glasindustrie, alsdie Stickperlenfabrikation ist, bereits seit Marco Polo's Reisen, die Fabrikationder großen buntfarbigen Glasperlen gewesen, deren Prodnct in alter Zeitmit den imitirten Steinen unter der Bezeichnung „warAnrita", in neuerer Zeitals vontsria zusammengefaßt, von Christoforo Briani und DominicoMiotteangeblich zuerst geliefert, unter anderen als Tauschartikcl nach Bassora, sowieals Rosenkränze nach Palästina ging, und noch heute einen nicht unbedeutendenHandelsartikel bildet. Ein großer Theil der hierher gehörigen Waare, die„ Markasitp ersten", „Barockperlcn", die „gewickelten" u. s. w. sind Productc derGlasbläserei vor der Lampe, und können daher, als solche dem Kleingewerbeangehörend, hier Übergängen werden, wichtiger ist für uns die fabrikmäßig betrie-bene Herstellung der massiven sogenannten „ Patcrln ",die auch auf deutschem Boden,so im Fichtelgebirge (Steinach, Bischoffsgrün, Ebcrndorff, Warmensteinach) einezweite Hcimath gefunden hat. Ueber diesenFabrikationszwcig habenFr.Schund Hund Sackur'2) interessante Mittheilungen gemacht. Die Technik ist von der bisherbesprochenen gänzlich abweichend, schließt sich dagegen an eine Arbeitsweise, die schonThcophilns als zur Anfertigung von Glasringen (erweiterten massiven Perlen,die als billiger Schmuck im Mittelaltcr sehr verbreitet) zu seiner Zeit im Ge-brauche, beschreibt^), eng an. Wenn die zur Anfertigung solcher Perlen bestimmteGlasmasse in dem ovalen, vier bis fünf Schmelzhäfen verschiedenfarbigen Inhaltesfassenden Ofen fertig geschmolzen, wird sie in kleine zum Ausarbeiten bestimmteHäfen übergeschöpft, vor deren Arbeitslöchern die Arbeiter in Vertiefungen aufeinem Schemel sitzen und neben sich, zur Linken, einen niedrigen Stock mit einemAuflagercisen, zur Rechten ein flaches Gefäß, in dem sich Thonschlicker befindet,sowie als Arbeitsgeräth ein paar conische, spitz zulaufende etwa 0'5m lange Eisen-stäbe haben.
Der Arbeiter taucht die Spitze eines dieser Eiscnstäbe in den Thonschlicker,dann, nachdem der dünne Thonüberzug in der Hitze des Arbeitsloches rasch aus-
i) Bayer. Kunst- und Gewerbeblatt 1861, S. 285. — ^ Dingler's Journal 158(1861), 214, nach Breslauer Gewerbeblatt 6, 203. — Divorsarurn artinin sollscknla2, 31.