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an würde der Druck gewachsen sein, wenn man den Kolben festgehalten hätte.Dies zeigt, daß ein bestimmter Raum bei gleichbleibendem Druck und Temperaturnur ein gewisses Dampfgewicht aufnehmen kann, welches, wenn die Verdampfungandauert, erreicht werden muß. Man nennt daher diesen über der Flüssigkeitangesammelten Dampf von größter Dichtigkeit gesättigten Dampf. Die Tem-peratur des gesättigten Dampfes ist gleich der Siedetemperatur. Führt mannun noch mehr Wärme unter gleichbleibendem Druck x zu, so nimmt nicht nurdas Volumen sondern auch der Druck zu. Der Dampf heißt dann aber über-hitzter Dampf. Überhitzter Dampf hat also bei gleichem Druck eine höhereTemperatur als gesättigter.
Man bezeichnet nun noch als nassen Dampf solchen Dampf, der beiseiner Entwicklung und Fortführung Wasserteilchen mit sich reißt. Nasser Dampfist aber so viel wie möglich zu vermeiden, da durch denselben der Nutzeffektder Dampfmaschine nicht unwesentlich herabgezogen wird, indem sich die Wasser-teilchen an den Cylinderwandungen absetzen. Es heißt in der Broschüre„Dampf" der deutschen Babcock & Wilcox -Dampfkessel-Werke, A.-G.in Oberhausen : „Pros. I. E. Denton hat bewiesen, daß Dampfstrahlenaus einer Öffnung in einem Dampfkessel oder Dampfbehälter dem bloßen Augeeinen wirklichen Unterschied zeigen, wenn der Dampf weniger als 1°/g von demSättigungspunkt in die Richtung der Übersättigung oder der Überhitzung variiert.Tritt ein Dampfstrahl aus einem Dampfkessel unter Umständen in die Luftdaß sehr wenig Wärmeverlust durch Ausstrahlung usw. stattfindet, und ist derStrahl nahe der Öffnung durchsichtig oder von grauweißer Farbe, so darf manannehmen, daß der Dampf in dem Maße trocken ist, daß man mit einem Kalori-meter nicht im stände sein wird, das mitgerissene Wasser zu messen. Wenn derStrahl stark weiß aussieht, kann man den Wassergehalt ungefähr bis 2°/g ab-schätzen, aber mehr kann nur durch Kalorimeter festgestellt werden. Mit etwasErfahrung kann jedermann durch diese Methode die Qualität des Dampfeszwischen den oben erwähnten Grenzen bestimmen. Ein gewöhnlicher Probier-hahn von Messing kann als Ausflußhahn benutzt werden. Derselbe sollte jedoch,wenn möglich, an dem Oberkessel und unter keinen Umständen weiter davonentfernt als 1,2 m angebracht werden. Die Verbindungsröhre muß sehr gutisoliert sein, denn ein sehr kurzer Weg des trockenen Dampfes durch eine nackteRöhre genügt, um denselben sichtbar naß zu machen. Dampf, der nicht mehrals 3°/g Wasser enthält, darf in der Praxis trocken genannt werden."
„Der nasse Dampf kann in unreinem Wasser, in der zu großen Quantitätdes Wassers oder in den unrichtigen Verhältnissen des Kessels seinen Grund haben."
Die Dampfkessel.
Die Dampfkessel dienen zur Erzeugung des zum Betriebe von Dampf-maschinen erforderlichen Dampfes. Da, wie wir wissen, zur Erzeugung vonDampf, dem im Kessel befindlichen Wasser Wärme zugeführt werden muß, müssen