Felsen für die Bildsäule Veter des Großen VIKI5 OOI^N'I'ILVS Lissn-kiirliotliSk Beschreibung von der Ausgrabung und merkwürdigen Fortschaffung ungeheure« über 3 Millionen Pfund wiegenden Felsen worauf die Bildsäule Peter des Großen errichtet ward. Breslau 182z. gedruckt bet Iriedrich Wilhelm Größe!- 4 Oast ein halbes Jahrhundert war verflossen, seit dem Peter der Große, der das rußische Reich um- schuf, starb, und noch hatte die Nachwelt ihm kein würdiges Denkmahl errichtet. Catharina II. beschloß, es zu thun, und trug dem berühmten französischen Bildner Falconet die Ausführung des großen Werkes auf. Der Czar Peter I. war der gewöhnlichen Sterblichen keiner; er hatte aus den unförmlichen Kolossen, dem rußischen Reiche, eine edlere menschliche Gestalt gebildet, er hatte etwas unbeschreiblich Kühnes und Großes in seinem Karakter, er hatte Schwierigkeiten überwunden, an welche andere sich kaum mit ihren Gedanken wagten. Von allem diesem mußte ein Denkmahl, das seiner würdig seyn sollte, das Gepräge an sich tragen. Warlich keine der leichten Aufgaben; selbst für den talentvollen, denkenden Künstler nicht! Falconet schuf ein Bild zu diesem Denkmahl, wodurch wenigstens das Kühne, das Unternehmende seines Karakterö, und die glückliche Besiegung der che Fe' rit> das da! tisi ten kur Kl sar D< dw kei »er sac Ei au lec wc M sti de S S pf E ge A ze 3 der Schwierigkeiten auf eine erhabene und anschauliche Art dargestellt wird. Ein abschüssiger steiler Felsen, auf welchem ein Held im Galop hinaufge- ritten, und schon auf der Höhe angelangt ist , wo er das feurige Roß anhält, ist wahrlich ein Sinnbild, das Peter des Großen Karakter edel und majestätisch matt, das selbst durch den rohen, unbearbeiteten Felsen das zurückgebliebene Rohe seiner Den- kungsart mit andeutet. Dies war es also, was der Künstler zu einem Monument des großen Czars ersann. Aber obwohl das Ersinnen-eines solchen Denkmahls keine leichte Aufgabe war, so war doch das Ersinnen der Mittel, wodurch es zur Wirklichkeit gebracht werden konnte, noch unendlich schwerer. Was bei andern Bildsäulen zu Pferde Nebensache ist, das ward hier Hauptsache: das Piedestal. Ein Felsen, auf welchen eine kolossalischa Figur Hinaufreiten, und schon eine Strecke Weges zurückgelegt haben sollte, mußte eine ungeheure Majst seyn, wenn sie den erforderlichen Eindruck machen sollte. Wo diesen Felsen hernehmen, wie ihn zu dem bestimmten Platze hinschaffen? den ersten Gedanken, den Falconet, den alle andere zur Vollendung seines Entwurfs hatten, war: diesen Felsen «us mehreren Stücken, die unter einander durch eiserne und kupferne Bande befestigt würden, zusammen zu fetzen. Er verfertigte dazu ein Modell, welches die gehörige Formen nnd Größen nach einem verjüngten Maaßstabe hatte, und wahrscheinlich wäre das Ganze nach diesem Modell aufgeführt worden, wahr« r » 4 scheinlich hätte die Welt eine große Unternehmung weniger gesehen, wenn ein Mann, der damals am rußischen Hisse lebte , nicht Schwierigkeiten bei dieser Zusammensetzung des Felsens gefunden hatte. Der. Graf Carhuri, welcher große natürliche Talente zur Mechanik besaß, hielt sich unter dem Namen des Ritters Cascari in dieserEpoche als Po- lizeilieutenank in Petersburg auf, und ihm schien es, als waren viele Unbequemlichkeiten mit dieser Bildung des Fußgestells verbunden. Die Bande, die es zusammen hielten> würden rosten, würden sich abnutzen und auflösen, die ganze Masse aber, die einen Felsen bilden sollte, bald nur ein Haufen von Bruchstücken seyn. Dies waren die Gründe, warum er sich gegen die Zusammensetzung des Piede- stals erklärte, und er hatte jetzt zuerst den kühnen Gedanke«/ es aus einem einzigen Stück zu formen. Der Minister von Betzki trug im Jahre 1768. dem kaiserlichen Senat diesen Entwurf vor, fügte aber zugleich hinzu, daß es ohnmöglich schiene, eine so ungeheure Last fortzuschaffen, daß die Kosten übermäßig seyn, selbst dann noch äußerst groß seyn würden, wenn man den Felsen nur in 6 Stücken fortbringen wallte. Man machte lange und reifliche Ueberlegungen, aber man fühlte, trotz allen Schwierigkeiten und Kosten, lebhaft, wenn ein dauerhaftes Monument errichtet werden sollte, ein einzelner Felsen das sicherste Mittel dazu wäre, daß er der Witterung und den Jahrhunderten trotzen, daß er eine irdische Ewigkeit haben würde, und nur durch eine äußere gewaltsame Kräft yerchchtöt werden könnte..Diese Gedanken waren so einlüdeNd, daß bidUersamm-' lang sich zu dem Vorschlage des Grasen Carburr entschloß. Aber so 'anlockend buch die'Vorstekünz von dein erreichten Ziel war, so zutMstoßend war' der Gedanke att den Weg , auf welchem stran es'erreichen sollte, so''scheinbar unüberwindlich die Schwierigkeiten. Rings um Ptte^sburg Md keine Gebirge; ' die nächsten sieht man in Mnniand. Hiezu kam, daß es äußerst schwer setzn würde, einen Felsen von solcher Größe, ohne'Rchen und Spalten, und mit den erforderlichen Eigenschaften zu finden.. Nachdem man dies wieder erwogen hatte, kehrte man von Neue,« zu dem Entwurf Falco- ncts zurück, den Felsen aus sechs TMikeu'Zusammen zu setzen, die gleiche Farbe, gleiche' Eigenschaften hätten. Aber auch hierbei blieben dir Schwierigkeiten noch äußerst groß. Äsn diesen ThWst selbst' mußten einige ein Gewicht haben, wie der vatikanische Obelisk in Rom, Mv eine MMonDsund, und welche unermeßliche-Arbeiten gehörten dazu, jenen Obelisk fort zu bewegen ! Hier hatte man Noch lange nicht alles vollendet, wenn auch diese Mäste an ihren Bestimmung'sorte'angelangt war. Ein Sommer verstößt ohne daß rnan die nothwendigen Theile zu dem Ganzen'finden konnte; denn da eS einen einzigen täüschenden'Felsen bilden sollte, so mußten diese Theile die größte Achnlichkeit unter einander haben, und das Öhngefähr bot sie nicht 6 dar. Das beste, was man fand, war ein Stein, der eine Viertel-Meile von dem Hafen Kronstädt lag,. Er statte noch nicht die Hälfte der Masse, welche der.ganzeHessen Haben sollte; dennoch beschloß man, sich, desselben zu bedienen, ünd einige andere Steine chss demselben zu verbinden. Aber als die Admiralität den Auftrag erhielt, den Stein fortzuschaffen,, weigerte sie sich., Die . größten Mechaniker- schlure»..es ,ebenfalls aus, dieses Unternehmen zu »vagem Demohngeachcct fuhr man fort, die passenden Steine, zu suchen, und der Graf Carburi ward jetzz von dem Hberaufseher der Gebäude und Künste dem Herrn von Betzki, erwählt, unter ihm die Arbeiten bei Errichtung des Monuments zu leiten. Ehrgeiz, Anhänglichkeit ay di§ Kaiserin,. Eifer, zum Ruhm der rüßifchen Nation zu wirken, alles dies beseelte seine Brust, und flößte ihm das Verlangen ein, das Unternehmen so glorreich, wie es ihm möglich war, zu enden. Die Bemühungen passende Sterne zur Zusammensetzung des Felsen zu finden , hatte keinen erwünschten Erfolg, und jetzt brachte er zum zweitenmal den kühnen Vorschlag empor, diesen Felsen aus einem einzigen Stück zu bilden; ja es gelang ihm selbst, den Minister von Betzki zu diesen Plan geneigt zu machen , indem er ihm durch einige glückliche Versuche in der Mechanik, die ganz von den gewöhnlichen Verhandlungen derselben abwichen, Zutrauen einflößte. Nur blieb immer noch die Schwierigkeit, wo ein solcher Felsen zu finden sei? 7 Aber was alle aufgebotene Bemühungen nicht zu erreichen vermögen, das führt oft der Zufall herbei; ja, das Glück scheint außerordentliche und erhabene Unternehmungen, welche die Menschheit nur selten sieht, vorzüglich zu begünstigen. So geschah es auch hier. Als man lange vergebens nach einem Fußgestell.zu diesem erhabenen Denkmahl gesucht hatte, erschien ein Bauer bei dem Grafen Carburi, und meldete ihm, daß in einem morastigen Walde bei dem karelischen Dorfe Lachta ein ungeheurer Felsen lege, auf diesen Felsen hatte einst Peter der Große gestanden, als er beim Anfange des Krieges mit Schweden an der finnländischen Grenze den Schauplatz des Kampfes übersah. Schon der Gedanke, auch seine Bildsäule auf denselben zu stellen, hatte etwas Anziehendes, und Carburi ließ sich sogleich zu dem angezeigten Felsen führen. Er fand ihn überall anderthalb Zoll mit Moos bedeckt, und tief in den Morast versunken; aber als er ihn hatte reinigen lassen, fah. er mit inniger Freude, daß er sich vollkommen zu dem großen Denkmahle schickte. Er hatte die Gestalt eines fast regelmäßigen Paral- lelepipedums, oder eines langlichten Würfels, war 42 Fuß lang, 27 Fuß breit, und 21 Fuß hoch, und wog nach der Berechnung in Cubicfuß vier Millionen Pfund.Ein Parallelepipedum war aber nicht die Gestalt, die das Fußgestell bilden sollte; es sollte *) Der Felsen entbleit wahrscheinlich 24 tausend Cubicfuß, und ein Cubicfuß Granit wiegt ohngefähr 86 Pfd- 8 vielmehr ein abschüssiger Felsen seyn. ' sind hier that sich eine seltsame erfreuliche Erscheinung hervor: auch dafür hatte der Zufall gesorgt, denn in dem Felsen war eine große Spalte durch die ganze Höhe und Breite desselben, wodurch der eine Winkel als ein Drittheil des Ganzen in Gestalt eines Triangels von ihm abgesondert wurde, so daß von unten an ein abschüssiger Weg aufihn hinaufführte. Die Spalte war ohngefähr anderthalb Fuß breit / und mit schwarzer vegetabilischer Erde angefüllt, woraus ? Birken 2O bis Fußhoch empor-gewachsen waren. Die Landleutö.zmrher hatten die-Sage, daß der Blitzten Felsen gespalten habe, obwohl die ältesten von ihnen, so wie ihre Borälkern sich nicht erinnern konnten, ihn ganz gesehen zu haben. Als das abgespaltene Stück in der Folge hinweg genommen wurde, entdeckte man eine weißliche Ader mitten in der Breite deß Felsen, die schreg auf denfel^ ben hinauf lief, und gleichsam den Weg bezeichnete, der zu der Höhe desselben führte. Wieder eine seltsame Erscheinung, die dem Unternehmenden Carburi wenigstens Muth zu seinem großen Werke einstoßen konnte. Er überreichte sogleich dem Herrn von Betzkl eine Zeichnung und ein Modell von dem Felsen, und auch dieser fand, daß er in seiner Form, in seiner Größe und Festigkeit vollkommen ihrem Zweck entspräche. Falconet selbst wünschte sehnlich die Versetzung dieses Felsens. Aber ihm und vielen andern sehr helldenkenden Männern schien diese sinkerneh- rmmg weit überdie Hülfsmittel der Mechanik, weit über die Kräfte der Menschen. ' Und warlich sie mußte so scheinen; denn ln den Jahrbüchern der Weltgeschichte ist nichts aufgezeichnet, das ihr an Größe gleich'käme. In den verflossenen sechs Jahrtausenden hatten die Menschen, bei allen Erhabenen Unternehmungen'keine solche last Sus ihrey Angeln gehoben. Die römischen Cäsars Aügust, Caligula,^Caracalla und Constantius lies-, stn'Obelisken don Acgypten ncich Rom führen; der' Ravm ivar weit, - aber drei der größten Obelisken wiegen nur diesen einzigen Felsen auf. Hier mußten die Kräfte der Mechanik, die sie bei ihrer ehemaligen höchsten Anstrengung verwandte, dreifach verstärkt werden,' und noch wußte man nicht, ob diese Verstärkung dem menschlichen Geist, ob sie den phistkalischen Hülfsmitteln möglich sei. Kein' Wunder-, wenn alle, welche das Werk in seinem gayzen Umfange überschauten, zurückgeschreckt wurdest, kein Wunder, daß man auf den Gedanken kam, den Felsen in vier oder sechs Stücke zu zertheilen und'so fortzuschaffen. Zum drittenmale also beschloß, man, das Fußgestell aus Mehreren Theilen zusammen zu setzen. Aber Carburi fühlte zu lebhaft, daß derHel- stn durch Zerstückeln seinen größten Werth verlöte, als daß er in diesem Entwurf hätte einstimmen sollen. Ueberdics war dies Zerstückeln mit großen Schwierigkeiten verbunden. Der Felsen war so hart, daß man ihn nur wie Porphyr hätte sagen können, und welch ein langer Zeitraum würde erfor- dert worden seyn, um eine so ungeheure Masse auf diese langwierige Art zu zerschneiden! Ihn zu zersprengen aber war mit der Gefahr verbunden, seine ganze Form zu vernichten. Carburi kam also immer wieder auf den Gedanken, zurück, ihn ganz zu versetzen., obwohl hierbei noch unendlich, -größere Schwierigkeiten eintraten.. Der Felsen, war ro Wer- sie, also drei deutsche Meilen von Petersburg entfernt, er lag dabei nicht auf einer, ebenen -Fläche, sondern war 15 Fuß tief in einem Moraste versunken und ragte nur '6.Fuß daraus hervor, er mußte. über. Bache, über die Newa, und über. eine weite Strecke zy Lande fortgeschaft werden, und wog dabei über 3 Millionen .Pfund» Marlich ein gewöhnlicher Geist wäre von dieser Unternehmung im ersten Augenblick zurückgeschreckt worden! Carburi nicht» Er bpt sich dem Minister von Betzki zur Ausführung des Werks an, und dieser ermuntert ihn dazu. Aber kaum hatte er die ersten Versuche gemacht,- als Zischen und.Hohngelachter ihin von allen Seiten entgegen scholl, denn alle glaubten, daß er eine Unmöglichkeit unternehme. Em allgemeines Geschrei des großen Haufens erhob sich , und die furchtsamen Zweifel, der Sachkundigen flüsterten im Stillen, doch um so kräftiger. Aber aus. die Seele der grasten Kaiserin machte alles dies keinen Eindruck; sie befahl das Werk zu beginnen, und Carburi widmete sich demselben mit ganzer Seele» Der erste Gedanke, der sich ihm darbot, war: X I» den Felsen auf Walzen, oder Cylindern fortzubewegen. Aber diese Walzest mußten sehr lang seyst, also eine große Reibung verursachen, wodurchnothwen- dig die Fortbewegung sich erschwerte. Von Holz oder Eisen durften sie ebenfalls nicht seyn, weil die ungeheure Last sie dann sogleich zerschmettert hatte. Also nur aus Metall konnten sie bestehen, und ihr Durchmesser mußte so groß seyn, daß sie allein, ohne weitere Last, sich nur mit Mühe hatten bewegen können. Auch war zu befürchten, daß sie nicht in paralleler Linie bleiben würden, weil die Last nicht, an allen Orten gleich stark drückte; wollte man abeis diese Gleichförmigkeit durch Querbalken bewirken, so wurde die Reibung noch vermehrt. Dieser erste Gedanke ward also verworfen, und' ein zweiter sehr glücklicher bot sich dar. Carbur^ entschloß sich, dieLast aufKugeln fortzubringen, und zwar auf Kugeln, die zwischen Parallellinien liefen. Dieser Entwurf hat gleich , bei dem ersten Anblick etwas Gefallendes, und gewinnt bei näherer Prüfung immer mehr. Kugeln sind bei weiten leichter, zu bewegen als Cylinder; sie haben weit weniger Gewicht, sie ruhen ferner blos auf Punkten, unterdeß Walzen auf langen Linien ruhen, und müssen also. nothwendig mit weit geringerer Reibuflg sich bewegen. Carburi machte ein Modell um den zehnten Theil so groß, als das wirkliche Gerüst seyn sollte. Er legte ein Gewicht an z tausend Pfund darauf, welches mit diesen kleinen Modell in demselben Ver- 12 Hältmß stand, wie der- Felsen chik dem großen Gerüste, undsiehe, der Versüch'siel so.glücklich auö. Laß er diese ganze Last auf einer horizontalen Fläche mit einem Finger fort'hesvegen konnte. Er stellte das Modell dem Herrn' von'Betzkr'vor.'' Der Minister prüfte es mit der größten Aufmerksamkeit und überzeugte sich endlich von ber Möglichkeit, den Felsen Anzerstückelt fortzubringen. Der unternehmende Carbuki glaubte, daß auch andere sich jetzt Lavon überzeugen würden; aber den Halbgelehrten wird es schwer, zu gestehen , daß sie sich' geirrt haben. 'Gegründete und ungereimte Einwürfe erhoben sich 'von allen Seiten/ und bewiesen laut schreiend noch immer die Unmöglichkeit des Unternehmens. -'Aster Carbürk erhielt Befehl, das Werk zu beginnen/ Und er begann es. Das erste was er unternahm war, ohnweik von dem Ort, wo der Felsen lag, Casernen für 400 Menschen erbauen'zu lassen, worin die Arbeiter und andere nothwendige Personen wohnen sollten; denn die Gegend war rings umher wüste.- Dann ließ er bis zum Ufer der Newa in einer Breite von 2v Klaftern alles Gesträuch und alle Bäume umhauen, «ih Raum für die verschiedenen Arbeiten zu gewinnen/ um das tiefere Eindringen des FrostS zu befördern, und um .der Luft einen freien Zug zu verschaffen, die hier sehr ungesund war. Im Monat December dieses Jahres war der Frost schon stark, und nun grub man rings um den Felsen her 15 Fuß tief die Erde weg, und zwar in einer Weite von 14 Klaftern, um Raum für die nothwendigen Maschinen zu erhalten. Sodann wurde ein abschüssiger Weg 6 Klafter breit und 100 Klafter lang gemacht, um den Felsen allmäh- lig auf die horizontale Fläche zu führen. Aber noch lag er in seiner tausendjährigen Ruhe da, nochzvarer kein Haar breit aus seinen Angeln gehoben, und die stärksten Einwürfe, die man gegen die Unternehmung machte, trafen die Schwierigkeit, ihn aus der Vertiefung herauszuholen, und auf das Gerüst zu bringen , das zu seiner Fortschaffung bestimmt war. Ein Kranich oder ein gewöhnlicher Mechanismus konnte hier nicht angewandt werden; denn durch Reibung der Seile oder Winden durfte keine Kraft verloren gehen. Die Maschinen, die eine so ungeheure Last heben sollten, mußten höchst einfach seyn. Carburi entschloß sich also zu den Hebeln, die man die Hebel der ersten Ordnung nennt. Aber ein solcher Hebel mußte schon ganz ungewöhnlicher Art seyn, wenn er hier wirken sollte. Carburi ließ ihn aus drei Masten, wovon jeder r; bis rg Zoll im Durchmesser hatte, und 6; Fuß lang war, zusannnenseHen, und diese Bäume mit großen eisernen Reifen fest mit einander verbinden. Aber bloße Menschenhände konnten solche Hebel nicht regieren. Hierzu war ein neuer Mechanismus nöthig und Carburi ersann ihn auf folgende Art. Er ließ Triangel von starken Gebälken auf die Erde legen, und an den Ecken mit starken eisernen Krampen verbinden. In jeder Ecke war ein Zapfenloch angebracht, aus welchen ? starke Baume emporsteigen, die sich oben in einer Spitze vermittelst eines eisernen Ringes vereinten, so daß eine dreieckigte Piramide entstand. Aus der Spitze derselben hingen Seile herab, die mit einer Winde unten in Communication standen, und zwischen welchen Rollen angebracht waren. An den Seiten wurde das dünne Ende der Hebel befestiget, so daß es vermittelst der Rollen und Winden auf und nieder bewegt werden konnte. Dann zog man dies Ende bis in die Spitze der Piramide hinauf, und brachte das andere Ende unter den Felsen, indem man nahe bei demselben den Ruhepunkt oder Stützpunkt des Hebels befestigte. Wenn dann das eine Ende des Hebels aus der Spitze der Piramide herunter gezogen wurde, so mußte das andere Ende, vermöge der Unterlage oder des HypomochlionS sich nothwendig heben; so wie, wenn ein Balken queer- über den andern gelegt und die eine Seite niedergezogen wird, die andere in die Hohe steigt. Zwölf solcher Hebel ließ Carburi in einen Bogen, der einen Seite des Felsens gegenüber, anbringen, und jeder von ihnen konnte eine Last von 200000 Pfund heben. Die erste mechanische Aufgabe, die Carburi aufzulösen hatte, war den Felsen auf die Seite zu legen; denn was in seiner ursprünglichen Lage die Breite war, das sollte als Fußgestell die Höhe seyn. Zu dieser Umwälzung waren die Piramiden Mit ih^ ren Hebeln errichtet, und an der andern Seite be- reitete man dicht an den Felsen ein starkes Gerüst von Queerbalken, worauf er zuerst gelegt werden sollte. Die Hebel vermochten mit ihrer ganzen Kraft zwar nur 2,400,000 Pfund zu heben, aber.so viel war auch vollkommen hinlänglich ihn umzuwälzen; denn er ruhte mit einer Seite immer auf der Erde, und brauchte nie ganz von den Hebeln getragen zu werden. Ueberdies ließ Carburi oben in den Felsen eiserne Ringe befestigen, und ihn durch Winden nach der entgegengesetzten Seite hinziehen, wodurch ebenfalls die Kraft verstärkt wurde. Sobald alles dies veranstaltet war, mußten als letzte Vorbereitung Maaßregeln ergriffen werden, alle Kräfte in denselben Zeitpunkt zu vereinigen. Carburi ließ zu diesem Endzweck zwei Tambour auf den Felsen treten, die auf seinen Wink das Zeichen zum Beginnen des Werks geben sollten; es geschah. Das Zeichen erscholl, die Winden in den Piramiden und an der andern Seite des Felsen fingen vereint an zu wirken, und stehe, unter großen Krachen der Gerüste bewegte sich die ungeheure Masse, und stieg drei Viertel-Fuß an der einen Seite empor. Sogleich brachte man Balken unter die entstandene Oeffnung, und trieb Keile dazwischen, um den Felsen zu stützen, daß er nicht wieder zurücksinke. Es mußte eine höchst freudige Empfindung für den unternehmenden Carburi seyn, als nun der erste Versuch, das unmöglich Scheinende möglich zu machen gelang, als nun in einen Augenblick so viel schreiende Kehlen zum Verstummen gebracht wurden. Und dieser erste Schritt war überdies der schwerste; denn nun neigte sich schon der Felsen etwas auf die andere Seite, und wurde durch seine eigene Last mit hinüber gezogen, so daß er verhältnißmäßig bis zum völligen Gleichgewicht immer leichter zu heben war. Sobald der Felsen in seiner schiefen Richtung gehörig gestützt war, nahm man die Hebel heraus, erhohete die Ruhepunkte derselben, versetzte die Pi- ramiden, welche beweglich waren, auf einen bequemern Standpunkt, und begann von neuem das Werk. Glücklich stieg die ungeheure Masse empor, und kam dem Gleichgewicht nahe. Aber jetzt thürmte sich eine neue Schwierigkeit auf. Das Bette, worauf der Felsen ruhen sollte, war dicht an demselben angebracht; aber herunter fallen durste man ihn nicht darauf lasten. Er drohte das Gerüst und sich selbst zu zerschmettern. Nur allmählich durste man ihn hinunter sinkew lasten. Earbrrri machte dazu folgende Vorbereitungen. Zuerst bedeckte er das Lager, worauf der Felsen ruhen sollte, § Fuß hoch mit Heu und Moos. Ferner ließ er li Winden an der Seite anbringen, wo vorher die Piramiden standen, um sein Heruntersinken zu mäßigen. Endlich ließ er ihn durch starke Schrauben beim Sinken unterstützen. Durch diese vereinten Mittel neigte sich die ungeheure Masse langsam hernieder, und gegen das Ende des Monats März im Jahre 1769. ruhte der prächtige Felsen auf dem Lager, das ihm Menschenhände bereiteten. Und wie groß die Last war, wit welcher er darauf rühre, das läßt sich auch aas folgender Erscheinung schließen. Fünf oder sechs Tage nach seiner Umwälzung war das Heu and Moos, welches vorher 6 Fuß hoch war . bis zu 5 Zoll zusammengedrückt; ja es bildete eine so feste Maße, daß es für eine Flintenkugel schlechterdings undurchdringlich war. Der Felsen blieb den ganzen Sommer dieses Jahrs hindurch auf seinen neuen Lager unbeweglich liegen, denn nur im Winter erhielt der Boden durch Den Frost dib Nöthige Festigkeit, eine solche Last zu tragen. In der Zwischenzeit that Carburi den zweiten Schritt zu seinem Ziel, und begann das Hauptwerk, indem er das Gerüst, worauf der Felsen fortbewegt werden sollte, erbauen ließ. Und nun ist es Zeit, einen nähern Blick auf diesen Gegenstand zu werfen, und die mechanische Erfindung kennen zu lernen, die das Wichtigste bei der ganzen Unternehmung war. , Sie erhält ihren Werth vorzüglich durch den sinnreichen Gedanken und durch die Einfachheit, die so groß ist, daß sie sich selbst ohne Weitläuftigkeit beschreiben läßt. Carbnri ließ 12 Balken machen, wovon jeder zz Fuß lang, ^Zollbreit, undiaZoll dick war. In allen diesen Balken, wurden oben Rinnen gemacht und mit Metall zwei Zoll dick ausgelegt, zwischen welchen eine Kugel von 5 Zoll im Durchmesser sich bequem hin und hek bewegen konnte. Diese Balken konnten an ihren Enden du rch eiserne Krampen und Hacken Mit einander verbunden werden, und bildeten die ganze Unterlage des Ge« "s ,8 rüsts. Der Obertherl desselben bestand ebenfalls au« Balken mit solchen metallenen Rinnen. Diess Rinnen sollten gegen einander gewandt, und metallene Kugeln dazwischen gelegt werden, so daß die obern Balken auf diesen Kugeln ruhten, und leicht fortbewegt werden könnten. Auf diesen letzten Balken aber sollte wieder der Felsen während seine« Transports liegen, wie es auf der beigefügten Ku» pferkafel abgebildet ist. Die ganze Erfindung hat gleich bei der ersten Uebersicht etwas Gefallendes, und erweckt die Ahndung einer leichten Ausführbarkeit. Denn kein Kör«« per, der zwischen zwei Flächen spielt, erweckt weniger Reibung, als eine Kugel. Die obern Balken blieben also da« unveränderliche Lager des Felsen, die untern Balken nur veränderten sich, je nachdem derselbe fort, -ückts. Bis zu dem Ufer desKron- städtschen Busens aber den Weg mit solchen Balken, worin metallene Rinnen waren, zu belegen, das würde ungeheure Kosten verursacht haben. Carburi gerieth also auf den natürlichen Gedanke»^ die untern Balken beweglich zu machen, und die zurückbleibenden, so wie der Felsen über sie hinweg gerollt war, vorne wieder anzusetzen. So konnte man aus 6 paar Balken die ganze Bahn des Felsen bilden. Die Einrichtung dieser mechanischen Erfindung war also auf folgende Art veranstaltet. Carburi ließ die untern Balken in einer Entfernung von r? Fuß in zwei Reihen parallel neben einander legen, und sie durch Querbalken unS eiserne Stange^ mit einander verbinden, doch so, daß man sie wieder auseinander nehmen, und einzeln vorwärts ziehen konnte, wenn der Felsen über sie hinwegbewegt war, wie in geschiehet. In die Ruinen dieser untern Balken wurden die Kugeln L in einer Entfernung von 2 Fuß gelegt , auf diesen aber zwei Reihen anderer Balken 60 , welche den Felsen trugen. Diese letzten Balken waren größer«»- stärker, weil sie die beständige Unterlage des Felsen blieben, und sich mit ihm fortbewegten. Damit auch die Kugeln sich nicht einander berührten, »lud Stsckung verursachten, so hingen, an jeher, Seite des Felsens und selbst unter demselben Matten, wie in V zu bemerken ist. Auf diesen saßen Männer Mt Mähen, wodurch sie die Kugeln , die etwa keinen Druck litten ,,nd zurück blieben, wieder fortstoßen kannten. An dem Felsen wurden vermittelst eingelöteter Ringe Seile von iß Zoll im Durchmesser befestiget; diese liefen zn einigen in der Erde befestigtenWinden hin, welche den Felsen fortzogen. In IL war ein Theil des Stücks abgesprengt, was einst der Blitz von dem Felsen gespalten hatte; damit er nun, wenn er bergan gezogen wurde, nicht das Gleichgewicht verlieren, und zurückstürzen möchte, so waren in k' zwek starke Stützen angebracht. Man hatte überdies eine große Menge eiserner Werkzeuge nöthig, um Liese beständig in der Mähe verfertigen zu lassen, war aus den Felsen selbst in O eine Schmiede er- hWt, W Wnkk zu Mchek Zeit, das Gleichgewicht 20 zu erhalten. Hinter dem Felsen aber waren die Hanptwache und eine Menge Schlitten mit den nöthigen Geräthschaften befestigt, die sich ebenfalls mit demselben fortbewegten. So unendlich viele Vorbereitungen waren nöthig, ehe man zu dem Hauptwerk schreiten konnte, und noch hatte man sie nicht alle vollendet. Der Felsen konnte wegen des Weges nicht in einer geraden Linie fortgebracht werden, und auf seinem be- stimmten Lager vermochte man ihn nicht umzuwenden. Es mußte also eine neue Maschine erfunden werden. Carburi nahm den Gedanken dazu genau von der ersten Erfindung her, blos mit dem Unterschiede, daß bei dieser die Ober- und Unterbalken in gerader Linie fortliefen, bei der letzten Maschine hingegen einen Zir-k-l bildeten. Er ließ nemlich zwei große Räder von r 2 Fuß im Durchmesser verfertigen, wovon die Balken, welche den Umkreis machten, ebenfalls Rinnen mit Metall ausgelegt hatten. Wenn diese beiden Räder mit ihren Rinnen gegen sich gekehrt über einander gelegt wurden, so daß die Kugeln dazwischen spielten, und der Felsen ruhte darauf, so brauchte man blos in zweien gegen einander überstehenden Ecken an den Endpunkten der Dia- gonallinien Winden anzubringen, um ihn samt den obersten Rade herumzudrehen. Man muß gestehen, daß auch dieser Gedanke sehr glücklich war. Aber er endete noch nicht alle Vorbereitungen. Das Lager und die bewegliche Bahn war dem Felsen schon bereitet, die unbewegliche noch nicht. Carburi ließ 2! ie ö- lS >ö« riet. rcr ie- !N- >en au er« in in- vei -eichen. ;en >aß hte an- > Laren en, ber La- )0N ieß also zuerst sehr große Pfahle in einer Entfernung von 50 Klaftern auf dem Wege einschlagen, um die Winden und Taue daran zu befestigen. Dann ward überall, wo der Morast nicht bis auf den Grund frieren konnte, Pfalwerk eingesenkt, das Moos und der fette Schlam oben von dem Sumpf hinweggenommen, damit der Frost tiefer eindringen könnte, und überdies an mehrere Stellen Kiessand hingefahren. Zwischen diesen legte man Schichten von .Wiudengssträuchen, welches alles der Sumpf mit seiner Feuchtigkeit durchdrang, und bis zu einer Tiefe von 4 Fuß gefror, wodurch eine äußerst feste Masse entstand. Damit auch der Schnee das Eindringen des Frosts nicht verhindern könnte, so ward er immer, so wie er fiel, von der Bahn des Felsens hinweggeschast. Als dies alles vollendet war, konnte man den ersten Schritt zu Sem Hauptwerke thun: zur Fortbewegung des Felsens. Er lag noch auf dem Lager, auf welches man ihn im März 1769. hingewätzt hatte unbeweglich, und das erste Geschäft jetzt war, ihn von neuen zu heben, und auf seine bewegliche Bahn mit den Kugeln zu legen. Earburi begann dies auf folgende Art. Der Felsen stand an beiden Seiten einige Fuß über sein Lager hinweg; unter diesen Vorsprung wurden 12 eiserne Schrauben p) angebracht, und vermittelst derselben vermochte *) Die Schrauben mußte» eine ganz außerordentliche Kraft haben, denn jede trug ein Gewicht von 2^0,220 Unnd. niarr^ so unglaublich es scheint, den ganzen Felsen in die Luft zu heben. Sobald er die nothwendige Höhe erreicht hatte, nahm man sein altes Lager hinweg , und schob die bewegliche Bahn mit den Kugeln unter ihn hin; denn auch diese war nicht so breit, wie der Felsen, und konnte bequem zwischen den Schrauben, wovon an jeder Seite 6 angebracht waren, Raum finden. Sodann ließ man ihn vermittelst der Schrauben wieder sanft auf die beiden Reihen Balken herunter, und nun lag der ungeheure Felsen, nach taüsendjah- riger Ruhe, zu dem Merkwürdigen Laufebereit da. Aber noch verstummten die Hohnreden nicht.' Das Gebirge auf Eiern witzelten die Spötter, und vielleicht hatte Carburi selbst Anlaß zu diesen Spott gegeben. Denn seinen ersten Versuch scheint er mit eisernen Kugeln gemache zu haben, die- sogleich zersprengt oder zerdrückt würden, als sie die Last des Felsens fühlten. Aber trotz allen Spöttereien, trotz allen mißlungenen Versuchen strebte Carburi seinem Ziek entgegen. Er ließ metallene Kugeln aus Kupfer mit etwas Zinn und Galmei vermischt verfertigen, und diese trugen die ungeheure Lgst Unversehrt. Man pflanzte dann 4 Winden, wovon jede durch z? Menschen gedreht wurde, die Seile spannten sich aus, und nun war der Augenblick da, der «S entscheiden sollte, ob cö den Kräften der Mechanik möglich sei, eine so ungeheure Last fortzubewegen? Carburi winkte, die Trommeln gaben das Zeichen, die Winden begannen zu wirken, und siehe. das Unmöglichscheinende ward möglich: das Felsen- zebirge machte sich auf, und wandelte. Ja als nur die erste Bewegung hervorgebracht war, da rollte die furchtbare Masse mit großer Leichtigkeit fort, und die Arbeiter liefen, fast ohne Kräfte anzuwenden, um die Winden. Und dennoch war diese erste Bewegung mit den größten Schwierigkeiten verbunden, denn der Felsen mußte auf den ihm bereiteten Wege bergan laufen, um zuerst aus dem Sumpf auf die ebene Fläche zu kommen. Verstummen mußten jetzt allerdings die Spötter; Carburi widerlegte durch die That ihre Einwürfe, und der Sieg neigte sich auf seine Seite. Aber ein neuer Unfall stand ihm bevor! Der Felsen hatte kaum 60 Schritte zurückgelegt, als er plötzlich »8 Zoll tief versank, entweder weil der Weg hier nicht genug pilotirt, oder- ver Sutttpf tiefer, war. Sogleich erhoben sich von allen Seiten die Spöttereien von neuen, und eine allgemeine Stimme des Unwillens erscholl-gegen Carburi. Obgleich der Felsen nur ungefähr so viel Zoll versunken war, als er vorher Fuß tief lag, so rief man doch überallher ist mehr wie je eingescharrt, er wird nicht wieder heraus kommen. Carburi litt, aber er verlor den Muth nicht. Er ließ größere Pfähle einsenken, brachte darauf die Schrauben an, hob den Fensen dadurch von neuen in die Höhe, und da der Weg hier gerade seine Richtung veränderte, so konnte man zugleich die runde Drehmaschine .anbringen, und um so weniger Ver- -4 zogerung ward durch den Unfall verursacht. Der Triumph der Spötter dauerte nur ei-ne kurze Zeit. Der Felsen ging wieder hervor, und wandelte fort. Seit der Schöpfung war es vielleicht das erstemal, daß eine so ungeheure Waffe durch menschliche Kräfte bewegt ward, fest der Schöpfung also eins der größten Schauspiele. Es war kein Stein,- der. daher rollte, eö war ein bewohntes Gebirge, denn auf dem Felsen arbeiteten unaufhörlich 40 Menschen , um ihn die bestimmte Form zu geben. Dabei war die Schmiede in beständiger Wirksamkeit, und das Gefolge von Schlitten vermehrte das Groß d^ Bewegung. Wenn der Felsen bergan gezogen ivurde, .so waren 4 bis 6 Winden, deren jede von AS Menschen gedrehek wurde, in Thätigkeit, lief er auf ebener Fläche fort, so waren 2 Winden hinreichend, ihn zu bewegen, und ging der Weg bergab , so mußte man die Winden hinten anbringen, weil er dann durch fein eignes. Gewicht herab rollte. Täglich durchlief er einen Raum von 8t> bis 20a.Klafter. Eine unzählige Menge Menschen eilte herbei, dies erhabene Schauspiel anzustaunen, und warlich, was die Menschheit seit 6 tausend Jahren zum erstenmal sah, das verdiente dies Hinzuströmen der Mengen Selbst die Kaiserin, selbst der Großfürst und der ganze Hof wollten trotz der strengen Witterung das wandelnde Gebirge sehen. Es mußte für Carburi eine reine Freude seyn,, dem.Hofe, dem er diente, ein so erhabenes Schau- 25 spiel zu geben. Aber viermal versank der Felsen noch, mehr oder weniger tief, und zwar mit einer Gewalt, daß die Stützen, die hinten an demselben angebracht waren, einen Zoll tief in die untergelegten Balken eindrangen, und oben, wo sie den Felsen berührten, wie in Hanffäden sich auflösten. Dennoch durchlief die Felsmasse in einer Zeit von 6 Wochen 4 Werste, also mehr als eine halbe deut. sehe Meile, und gelangte unversehrt zum Ufer der Newa. Hier war das erste große Werk vollendet: der Weg zu Lande. Aber das Fclsgebirge sollte ei, nen noch weitem Weg zu Wasser zurücklegen, sollte noch einen Raum von vier deutschen Meilen über die Tiefen der Fluthen dahin schwimmen, und dies hatte der Schwierigkeiten, der Gefahren wenigstens, nicht minder. Aber die kräftigsten Vorbereitungen hatte Carburi dazu std»« Urmachc. Am Ufer der Newa war ein Damm errichtet 8 Klafter breit, und 2DV Klafter lang, um den Felsen weit genug in den Fluß zu bringen, wo das Wasser die gehörige Tiefe hatte. Um diesen Damm zu bilden war eine ungeheure Menge Pfähle in den Grund des Wassers eingeschlagen, die bis an die Oberfläche desselben reichten. Der Raum zwischen denselben ward mit Weidengesträuchen ausgefüllt, die man oben durch eiserne Bänder befestigte. Dann wurden Queerbal- ken, ebenfalls durch eiserne Klammern verbunden, drei Fuß hoch darüber gelegt , und das Ganze rings um her mit große« Steinen umgeben. So entstand ein unerschütterlicher Damm, der außerdem noch 26 mit Eisbrechern und Stützen gegen die Gewalt der Eisschollen gesichert war. Die Admiralität hatte es über sich genommen, den Felsen auf dem Wasser fortzuschaffen, und ebenfallö ihre Anstalten getroffen. Sonne der Kaiser Constantius einst, als er den laterank- schen Obelisk von Alexandrien nach Rom versehen wollte, ein eignes Schiff von zoo Rudern dazu erbauen ließ, so ward auch hier eine Barke i8c> Fuß lang, H6 Fuß breit und r? Fuß hoch für die Felsmasse errichtet, und in der Mitte derselben ein Gerüst von vielen Queerbalken zu ihrem Lager bestimmt. Dies Schiff hatte nach seiner Große 6 Millionen Pfund tragen können, aber da die Newa an manchen Orten nur 8 Fuß Tiefe hat, so mußte man die Last in der Weite vertheilen, damit der Grund nicht berührt wurde. Jetzt aber erhob sich eine n-tt- Schwierigkeit, »ine neue Aufgabe war zu lösen r wie man den Felsen ohne Gefahr auf sein bestimmtes Lager in das Schiff bringen könnte. Berührte die Last die eine Seite desselben, so mußte nothwendig die andere sich heben, das Gleichgewicht war vernichtet, und den Felsen stürzte zwischen dem Damm und dem Schiff in die Fluten der Newa. Um diesen Unfall vorzubeugen führte Man die Barke queer vor den Damm, Ließ sie mit Wasser sich anfüllen, und versenkte sie auf den Grund, so daß sie von allen Seiten fest stand. Da die Newa hier nur i r Fuß tief war, s» ragten von dem Bord des Schiffs noch 6 Fuß hervor. Diesen Bord.öffnete mau an der Seite des Damms, der z Fuß übe«? das Wasser sich erhob, gab dem Lager des Felsens in der Barke dieselbe Höhe, und zog ihn nun vermittelst einiger Winden, die auf einem Schiffe in der Newa befestigt waren, glücklich mitten auf dasselbe. Sodann besserte man die geöffnete Seite der Barke wieder aus, und begann das Wasser mit Eimern und Pumpen aus denselben zu schaffen, damit sie sich mit dem Felsen heben möchte. Aber hier that sich eine Erscheinung hervor, die zwar äußerst natürlich war, dia aber dennoch der scharfsichtigste Kopf vielleicht nicht vorher gesehen hätte, und welche die Erfahrung erst lehren mußte. Die Barke nemlich hob sich nicht in allen Theilen gleichförmig empor ; im Gegentheil blieb der Mittelpunkt derselben, wo der Felsen lag, auf dem Grunde, unterdeß das Vorder- und Hin- tertheil der Barke sich bogenförmig in die Höhe krümmte, ' so daß sie einem andern Schiff ähnlich wurde. Die Bohlen des untern Raums krachten, öffneten sich > und eine Menge Wasser stürzte herein. Dieser Erfolg war vollkommen den Regeln der Mechanik gemäß. Der Felsen hatte nur 42 Fuß in der Länge, die Barke aber 180 Fuss. Wenn also muh tzds Gerüst,' worauf er lag, noch einige Fuß größer war, so blieb doch an beiden Seiten des Felsens noch ein Raum von mehr als 6o Fuß übrig. Dieser wirkte auf den Mittelpunkt nach der Regel des Hebels, war aber durch Länge und Zusammensehung zu schwach, die Last zu heben, und krümmte sich daher aufwärts. Man vermehrte die Anzahl der Ar- bester bis auf 400, um die Barke desto schneller zu leeren, und zum Schwimmen zu bringen, aber sie krümmte sich in einem Grade, daß man ihre gänzliche Vernichtung fürchten mußte. Dies wäre auch gewiss beim völligen Flottwerden so geblieben, denn das Wirken der Seiten nach den Gesetzen des Hebels blieb dasselbe. Einige Wochen brachte man mit fruchtlosen Versuchen hin, diesen Unfall abzuhelfen, und Car- buri war dabei bloßer Zuschauer; denn nachdem der Felsen auf seinem Gerüst in der Barke lag, war sein Geschäft vollendet. Die Fortschaffung zu Wasser hatte die Admiralität übernommen. Aber als der Monat September dieses Jahrs große Stürme herbei führte, als man Gefahr für den Felsen auf seinem Lager befürchten mußte, und Niemand ein Mittel zur Abwendung h-r-sütLsn »orschlug, da trug man Carburi auf, den Felsen von neuen auf den Damm zurück zu ziehen. Jetzt entschloß er sich einen Gedanken auszuführen, den er im Stillengefaßt hatte, um dem Umfall abzuhelfcfl, ohne den Felsen zurück zubewegen. Er hakte bemerkt, daß die Barke nur deshalb ihre erste Gestalt verlor, weil die Last blos auf den Mittelpunkt wirkte; könnte man also diese Last gleichförmig auf den ganzen Boden der Barke vertheilen, so müßte sie nothwendig auch in allen Theilen gleich vom Wasser gehoben werden. So dachte er, und erfand- zu dieser gleichen. Ver- theilung der Last ein äußerst,einfaches Mittel, nem- lich Stützen, worauf der-Felsen ruhte, und. die. sich 29 kmgs um ihn her, kürzer und länger, auf den ganzen Boden des Schiffs verbreiten sollten. Nichts natürlicher, nichts wirksamer, als dieser Gedanke. Ueberhaupt findet man, daß Carburi in allen seinen mechanischen Entwürfen die nächsten Mittel ergreift, Und dadurch erhalten sie eine Vollkommenheit mehr. Zuerst aber mußte er dem Floß seine erste Gestalt wieder geben, und veranstaltete dies auf folgende Art. Er ließ auf dem Vorder- und Hinter, theile desselben große Lasten von Steinen legen, und zwang sie dadurch, sich wieder.zu senken; die Fugen aber schlössen von selbst dadurch wieder zusammen. Dann ließ er den Felsen durch die eisernen Schrauben 6 Zoll hoch heben, brachte die Stützen, die sich stufenweise verlängerten, je nachdem sie sich von demselben entfernten, an, und als er sich nun wie- der herunter senkte, trug b«-r Gerüste im Mittelpunkt einen Theil der Last, der andere Theil verbreitete sich vermittelst der Stützen über den ganzen Boden des Schiffs. Jetzt begann man von netten, das Wasser her. aus zu schöpfen, und siehe, das Floß stieg empor, und behielt vollkommen seine Gestalt. Das Felsengebirge schwamm auf dem Wasser. Um es mit größerer Sicherheit fortzubewegen, ward das Floß mit starken Tauen zwischen zwei Schiffen befestigt, und so wiegte es sich mit feiner majestätischen Last auf den Fluthen der Newa ohne Unfall dahin. Am 22. Sep. teMber erschien er vor demPallast der Kaiserin, und dieser Tog war nicht vhneGrund gewählt. So wie Fonkana es vekstand, dem Pabst Sftkus bei Verse« Hung des.Obelisks manche schmeichelhafte Verbeugung zu machen, so nutzte man auch hier die Gelegenheit: der sr. September war der Krönungstag der Kaiserin. Am folgenden Tage langte endlich der Felsen bei dem Petersplatze an, wo das merwür« dige Monument errichtet werden sollte. Jetzt war noch der letzte Schritt zu thun, die letzte Schwierigkeit zu überwinden: den Felsen aus dem Schiffe wieder anö Land zu bringen^ My diese war keine der am wenigsten gefahrvollen. Man Mußte fürchten, noch im Hafen zu scheitern, wenn man nicht die weisesten Anstalten machte. Auf den Grund konnte man die Barke nicht mehr sinken lassen, denn die Newa war hier tiefer, als die ganze Höhe der Barke. Demyach mußte vorzüglich dafür gesorgt werden, daß di-Barke an der Seite, worüber die Last beim Ausschiffen hinweg rollte, nicht niedersank, und der Felsen in hie Tiefe stürzte. Car- buri machte dazu folgende Veranstaltungen. Er ließ an der Seite des Ufers 6 Reihen Pfähle einschlagen, und sie 8 Fuß tief unter dem Waffer abschneiden, damit das Schiff in dieser Tiefe einen Ruhepunkt fände. Damit auch das Floß, wenn die Stützen von dem Felsen hinweggekommen würden, sich nicht von neuen in die Höhe krümmte, so befestigte er auf einem Gerüst am Ufer, große Mastbäume, die queer über das Vorder- und Hintertheil hinweg liefen, und es nieder hielten. Noch war zu be- fürchttri, haß, .wM die tast tzen men BM W Schiffs berührte, der andere, trotz der untergelegten Balken etwas in die Höhe stiege. Um dies zu verhindern, befestigte er noch 6 große Masten auf einem Gerüst am Ufer, so daß sie queer über die Mitte der Barke wegliefen, und an der andern Seite auf einem Schiff ebenfalls stark befestigt wurden. Wollte also die Barke an der Wasserseite sich heben, so mußte sie das Schiff mit empor heben, und dies war schwer genug, um dem Felsen das Gleichgewicht zu halten. Bei allen diesen Vorbereitungen konnte dennoch ein Unfall geschehen, wenn der Felsen ohne Stützen zu lange auf einem Theil des Schiffs ruhte. Car- buri glaubte also, diesen letzten gefahrvollen Schritt Mit der möglichsten Schnelligkeit vollenden zu müssen. Er bereitete dazu alles vor, und kaum waren die letzten Stützen hinweggenommen, als das Zeichen gegeben ward, als die Winden anzogen, und der Felsen in einem Augenblick aufden Dttinm, der sür ihn bereitet war, herab rollte. Die Bahn, auf welcher er lief, war abwärts angelegt; dazu neigte sich die Barke etwas gegen das Ufer, und dies alles, nebst dem ungeheuren Gewicht, vermehrte seine Schnelligkeit in einem hohen Grade. Fast alle Arbeiter, welche die Winden bewegen sollten, sielen zu Boden, tveil sie keinen Widerstand fanden; die Barke aber litt, trotz aller Vorbereitungen, und trotz der schnellen Bewegung, einen so heftigen Stoß, daß 6 Masten in einem Augenblick zersplitterten, daß die Bohlen sich bogen und öffneten, und in weniger als zehn Sekunden daö Wasser z Fuß hoch ein- Drang. Sobald der Druck des rollenden Felsens "aufhörte, schloffen dieOeffnungen sich wieder, und das Schiff bekam seine vorige Gestalt; der Felsen aber war, ohne Während des ganzen Weges selbst beschädigt zu seyn, noch irgend einen Arbeiter beschädigt zu haben, glücklich mitten in der Kaiscrstadt Petersburg. Als er vom Ufer nach dem Ort hingeführt ward, wo das Monument errichtet werden sollte, war der große Prinz Heinrich, der Bruder Friedrichs des Zweiten Zeuge davon, und vie^e andere Tausende sahen das Felsgebirge an den Ort hiu- rvandeln, wo es unversehrt bis zum letzten der Tage ruhen wird, wentt keine äußere Gewalt ihn vernichtet. Der »Felsen besteht aus Granit. Die Kosten des ganzen Traust Ports betrugen , nach Carburis 2 lngäbe, nicht mehr-als 70^200 Rubel; eine fast unglaublich kleine Summe gegen die Größe der Unternehmung. " Vollendet war also ein Werk, das die Menschheit seit ihrem Gntstehenaioch nie sah, und auch vielleicht nicht wieder sehen wird. Was die Jahrbücher der Geschichte an erhabenen Unternehmungen aufgezeichnet haben, schwindet dagegen, siebst "»«rtrvürdlKe Versetzung und Errichtung der Obelisken durch Fdntana. D»r vatikanische Obelisk wog mir seiner ganzen Bewaffnung üur eine Million, der Felsen drei Millionen Pfund *); jener ward nur Zoo Schritt- zu Lande fort bewegt, dieser mußte einen Raum von mehr als L deutschen Meilen zu Wasser und zu Lande durchlaufen; die Last des Obelisk endlich war auf einer Länge von mehr als 70 Fuß ausgedehnt, die Last des Felsens drängte sich an einen Ort zusaMm-m So tbürmtcn sich bei dieser letzten Unternehmung immer die größer» Schwierigkeiten auf; aber sie ward dennoch glücklich vollbracht, und bat einen neuen Weg gebahnt, Lasten zu bewegen, die vorher für menschliche Kräfte un- bewegbar schienen. " » Millionen Pfund betragen 272fr Ctnr. 82 W. , , MAM SSN, 2S ZWMS lKW-!- ß^WW !8MSW M-VHWM-M sZW WZrNM.M MMZ KMWW ««MM !8S Lm MWM ßM-Mß MW ^WÄ l-WU MM! ^NNWUl M-Z«s88^ßr -«SIÄ- HÜ-iNzrE t-?S!rZ!W-- WM UWM MW i-ÜMW: KMM- WWÄ KÄMM M-UAD M-N --WW lWM ---MMKZ K-WL-SW! MM WWW! «r8°S»rrrSr«-r SMK^W SUW Ä?W Wp-r-MWM ^WM lLZM WWM -Ä--MU-EW-W-. 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