;«?3» ' ;?■/*'.•<»» A«33 .V'.y: I '*»»**i ,7*\w*T ♦j" ^XV^ i. awsi' ir%- - ÄS» 8iSüj*fV' !'4>y. ■ ■ -r,« ÜS11 » i Mi Eisen-Bibliothek Stiftung’ der Georg Fischer Aktiengesellschaft Schaffhausen 2095 ? * EM/6 ^ i EX L I B R I S MOSTRA DELLA STAMPA TECNICA ANTICA - XXI CONGRESSO INTERNAZIONALE DELLE ASSOCIAZIONI TECNICHE DI FONDERIA FIRENZE - 19-26 SETTEMBRE 1954 Bemerkungen und Versuche über das Eisen von W. A. Tiem a n n. Braunschweig, in der Schulbuchhandlung 1799. v v v\ Sr, Excellenz dem ho chwohlgebohrnen Herrn Herrn von P r a u n, Herzogi. Braunschw. Liineb. Staatsminister und wirklichen geheimen Rathe, auch Kammer-Präsidenten des Fflrstenthums Blankenburg etc. Meinem gnädigen und hochgebietenden Herrn m i t innigster Verehrung und Hochachtung zu ge eignet Vom V frfasser. :«s ; 32r •V' i» -'13 i# ■ 4*4 \ -«*. -*W < C. Ueber das Roheisen. §• ii. Bestandteile des Roheisens nach Rinmann. Im I. B. S. 362. heifst es: „Aus allen bisher „bekannten und auch von mir hie und da angeführten Versuchen, scheint mir hinreichend bewiesen zu seyn: dafs das Roheisen blos alle „Grundtheile des reinen Metals enthalte, und dafs „dessen Ungeschmeidigkeit ihren Grund vorzüglich in einem Ueberflusse an brennbaren „Wesen habe, dessen Menge und Natur die „Verschiedenheit des Roheisens verursacht. Bemerk ung 3. Da es nun ausgemacht ist, dafs Herr Rinmann hier unter dem brennbaren Wesen, den Graphit versteht, wie er B. II. S-324. ausdriik- 1 lieh sagt; im Graphit selbst aber vorzüglich koh- ligte Bestandteile annimmt (B. I. §. 6 t); so ist klar, dafs nach ihm das Roheisen vorzüglich Kohlenstoff, und zwar eine grössere Menge, als der Stahl, enthält. Denn es ist doch wohl einerley, den Graphit, oder den Kohlenstoff, als Bestandtheile des Roheisens anzusehen, indem lezterer die Hanptsubstanz im erstem ausmacht. Herr Rin mann sagt an einer andern Stelle, (B. I. S1.271,) „Aber je mehr brennbare Materie „im Eisen ist, je mehr findet die Feuermaterie „Nahrung; oder je mehr Feuermaterie darin einge- „schlossen ist, desto mehr ist sie apf die Auseinan- „derbringung der Theilchen wirkend, so bald diese „nur in Bewegung gesezt werden. Man begreift 5 ,also leicht, dafs Eisen mit mehr Feuermaterie „mit eben derselben äusern Kraft, stärker ausgedehnt werden müsse, als solches, welches „weniger von der ausdehnenden Ursach be- „sizt. Davon kommt das Schmelzen im ungleichen Grade der Hitze. „Das, mit den meisten Kohlen geschmolzene „phlogistis che Roheisen mufs also am „leichtesten schmelzen, und sodas Roheisen „durch alle Stufen des mindern Phlogis- „tons, mehr Hitze erfordern, bis zu dem so ge- „nannten unbändigen Roheisen; dann zum „harten, Ußd hierauf zum weichen S'ahle; .von diesem aber durch mehr Stufen zum weich- r „sten Eisen, welches offenbar das wenigste Brennbare besizfc und also die grösste Hitze zum Schmelzen erfordert. Bemerkung 4, Herr Rinmann will hier blos sagen; je- mehr brennbare Materie, Phiogiston, oder Kohlenstoff, im Eisen stekt, de^to leichtflüssiger und schmelzbarer ist es. Ferner zeigt er, dafj Roheisenden meisten, S'ahl weniger, und gefrischtes Eisen sehr wenig , oder keinen Kohlenstoff enthält. Ich mufs hier anführen, dafs das R o h e i s e n ausser dem Kohlenstoff im Graphit, w rin er mit dem Eisen chemisch gebunden vorkömmt, noch eine andere Quantität zu enthalten scheint, welche nur mechanisch mit dem Eisen gemischt ist. Wäre difs nicht der Fall. so würde das Gaarmachen des Roheisens im Frischfeuer Weit mehreren Schwierigkeiten unterworfen seyn, und gefrischtes Eisen könte in flüssigen Roheisen nicht zu Stahl werden. Im II. B. §. 220. führt er an: „Auch ist im „Roheisen und Stahle eine gewisse W a s- „serbleyart (PIumbago) ohne die es nicht „Roheisen seyn kann, und die für ein grobes re- „ducirendes Phiogiston zu halten ist, auch dessen „Stelle, Wenn ersteres fehlt, vertreten kann- An einer andern Stelle, §. 266. ebd. heilst es: „Beym Frischen geht auch die Arbeit dahin, „dafs das Roheisen der Hitze in kleinen Porzionen, „oder vermehrter Oberfläche ausgesezt, und durch „Zerstreuung des Phlogistons, Eisen werden „ möge. Wichtig und interressant ist, was Herr Rin- mann noch über das Roheisen im II. B. §. 2*4. sagt: „Hiebey möchte man fragen: w e l c h R o h- ..eisen für das reinste zu halten sey? „Vor Beantwortung dieser Frage ist abzumachen, „was man unter dem reinsten Roheisen versteht. Unter den Metallen hält man das für das „reinste, welches das wenigste, oder gar nichts „fremdes besizt, lind also in seiner Art die gröste „eigenthümliche Schwere hat. Nach diesem Begriffe wird das weifse, stark aufgesezte Roheiten von Quiksteinerzen, für das reinste za „halten seyn; denn es besitzt die gröste specifike „Schwere und läfst beym Aullösen das wenigste, oder nichts Fremdes, Wasserbley nach; „daher *7 »daher es am vollkommensten metallisirt seyn „mufs. Dieses bestätigt sich auch durch die Verbuche wegen der Verwandlung des rohen in „geschmeidiges Eiseh, durch langsames Glühen „(§. 265, 3 9 2 1 293) wobey das weifse harte Eiben Veränderungen erleidet, die von dem grauen 1 „wafserbleyartigen nicht zu erhalten sind. Herr Rinmann sagt ferner, B. I S. 3og. „Roheisen mufs deswegen im Hammerschmidt- „heerde fast den Schmelzprozefs der reichen Erze „im ersten Schmelzen noch einmahl durchgehen, „ehe es die erfoderliche Geschmeidigkeit erlangt j „doch mit dem Unterschiede, dafs die Reduc- „tion, welches wohl zu merken ist, des Roheisens blos in Austreibung des überflüfsigen „Phlogistons besteht, und dafs das Roheisen „dabey nicht mehr, als den vierten Theil Verlust „an seinem Gewichte, von seinem metallischen „Theile, die Schlacke hergeben mufs, die nöthig „ist, das Phlogiston auszuziehen und das geschmeidige Eisen wider Weiteres Verbrennen zu bewahren.“ Bemerkung y. Man sieht, welches wohl zu merken ist, dafs 'Reduction hier nicht heifst: Phlogiston B erhalten, (nach dem Stahlseilen System") um ein völlig regulinischer Körper zu werden; sondern eine brennbare Substanz verlieren, um völlig reines, vollkommenes Metall, nem- lich gaares Eisen zu werden. Da nun Herr Rinmann sich dieses Ausdrucks in demselben Sinne öfterer bedient; so ist hieraus die irrige Meinung entstanden: als beruhete nach dieser Theorie der Unterschied des Eisens auch theils auf — das wiederspricht sich. D 5 o „im Handel, kann durch diese Stufte von metallischer Vollkommenheit, zu welcher es gebracht „ist, sehr unter sich verschieden seyn; aber die „Versuche mit Auflösungen zeigen, dafs unter übrigen gleichen Umstanden, das Eisen desto geschmeidiger ist, je höher seine metallische Vollkommenheit steigt, und dafs die Vorzüge des schwedischen Eisens sind, dafs sie bey den Frischen „weiter getrieben wird. „Erwägt man 1) dafs Stabeisen immer „freylich sehr wenig Lebensluft enthält; i) dafs „weisses Roheisen viel mehr davon enthält und „unter sich sehr verschieden ist, j) dafs der Ei- „senmohr, den man nachLavoisir und Meus- „nier erhält, wenn man Eisen durch Wasserdampf verkalkt deutlich ein Mittelding zwischen weissen Roheisen und Eisenkalk ist; ,,-4) dafs die Eisenkalke selbst nach den verschiedenen Umständen bey ihrer Bildung mehr, oder „weniger Lebensluft enthalten können; so mufs „man daraus schliefsen: dafs sich Eisen in unendlich verschiedenen Verhältnissen, mit Le- „bensluft verbinden kann, nicht als ob es bey ihm „mehrere Sätigungspunkte mit dieser Luft gäbe, „sondern weil sich bey jedem besondern Umstande seine Anziehungskraft zur Lebensluft, „mit den Kräften, welche der Verbindung entgegen stehen, ins Gleichgewicht sezt. 5t Bemerkung ig. Aus dem Angeführten ist klar, dafs dem ge- frischten Eisen ein gewisser Antheil Sauerstoff zugeschrieben wird. Das Frischen kann wohl nicht so wol darin bestehen, „das geschmolzene Eisen durch Um rühren mit den glühenden „Kohlen in Berührung zu bringen, — denn hierdurch würde es ja eher Kohlenstoff erhalten, als verlieren; sondern die fliifsige Eisenmasse von dem Winde durcharbeiten zu lassen, damit der Sauerstoff desselben den Kohlenstoff des Eisens verflüchtige und es auf diese Weise geschmeidig mache. Freylich, wenn sich das Eisen erst noch im Frischheerde reduciren soll, so bedarf es hierzu allerdings des Kohlenstoffs. Da Kohlenstoff im Roheisen gebunden ist, so hält bey grauen Roheisen die Vermischung im Heerde etwas schwerer und es bleibt in diesem Falle immer eine unvollkommene Methode; bey weissem Roheisen möchte indes schwerlich eine bessere Verfriscbungsart möglich seyn. Das von grauem Roheisen erhaltene gaare Eisen kann daher in Rücksicht seiner Qualitäten nicht so gut, als das von weissem, ausfallen ;weil es immer noch etwas Kohlenstoff bey sich behält; — sollte es aber noch dazu auch nicht frey von Sauerstoff seyn, so wäre difs schwer Za D 2 erklären. Billig sollte man glauben, dafs das Eisen im Frischheerde zum zweiten mahle Gelegenheit genug hätte, sich vollkommen zu reduciren und den Sauerstoff zu verlieren. Wäre diefs dennoch nicht der Fall, so würde es von einer unerklärbaren Hartnäckigkeit des Eisens und von einer beyspiellosen Affinität desselben zum Sauerstoff zeigen. Die Herren Vandermonde ect. sagen ferner: „Bey dem grauen Roheisen mufs nicht nur „die Lebensluft zerstreuet werden, die im hohen „Ofen der Wirkung der Kohlen wiederstanden „hat; man mufs ihm auch den Kohlenstoff entziehen, womit es sich im hohen Ofen vereinigt hat, „und dieses hält weit schwerer, als jenes. „Ist das Roheisen nur wenig grau, hält es „also nur wenigen Kohlenstoff, so gebraucht man „ gewöhnlich zwey Mittel, es davon zu befreyn; „das erste ist: durch stärkeren Wind eine stärkere Hitze zu erregen , und so durch seine Lehensluft das Verbrennen seines Kohlenstoffs zu „bewirken; das zweite ist: das Roheisen beständig „vor den Wind zu führen und dadurch das Verbrennen des Kohlenstoffs zu veranlassen. Auf einigen Hütten läfst man in dieser Absicht den „Wind in den Heerd selbst stechen; so bleibt das „Eisen in beständiger Bewegung, erneuert seine „Oberfläche mit der äusern Luft beständig und „verliert so durch Verbrennen seinen Kohlenstoff „von welchem es grau war. Bemerkung 19. Bey den hier bemerkten zwey Mitteln zur Hefreyung des Kohlenstoffs finde ich keinen Unterschied ; beyde sind einerley und durch beyde wird einerley bewirkt. ,,Durch das Frischen ändert sich die Arbeit „sehr; es sprang unter dem Hammer in Stücken 1 „und flofs im Feuer vollkommen. Nun dehnt es „sich unter dem Hammer, läfst sich zusammen- „schlagen, spalten, in dünne Bleche schlagen, zu »,Dratb ziehen. Es ist äuLerst strengflilfsig, auch „das heftigste Feuer unserer gewöhnlichen Ei- „senüfen bringt es nur in einen musigen Flufs* „Inzwischen bat es noch nicht die höchste Stuffe „von Dehnbarkeit erreicht und ist im Bruche „noch glänzend und blätterigt; aber nach dieser „chemischen Arbeit bedarf es jezt blos noch ei. „ner mechanischen, cm es dazu zu erheben; es „Wird dadurch im Bruche dunkel und faserigt. D 3 54 P „Dafs diese Fasern im Bruche eines geschmeidigen Eisens mechanische Wirkungen des Hammers oder des Drathzuges sind, erhellet daraus: 1} so oft man fadigtes Eisen heifs macht „und so weit erweicht, dafs seine Theilchen der „Wirkung nachzugeben scheinen, durch welche „sie gewissermafsen Kristallgestalt annehmen, so „verlieren sich die Fasern, ohne dafs das Eisen „von seinen übrigen Eigenschaften etwas verliert: „i) dehnt man es nun durch die gleichen Mittel „wieder, so zeigt es wieder Fasern im Bruche; „sie gehören also nicht zu seinem Wesen, Bemerkung so. Die Fasern, wovon hier geredet wird, sind zwar nicht wesentlich; ihre beständige Erzeugung erst während des Schmiedens ist aber ungegründet. Ist der Grund zu den grauen so wohl, als (zu den schwarzen Adern, oder Fasern, nicht erst während des Frischens in der Luppe gelegt, so wird durch keine mechanische Wirkung, sie mag seyn, welche sie will, jemals eine Ader entstehen kbnnen. Die Bereitung des gefrischten Eisens beruhete daher nach Herrn Vandermonde auf zwey verschiedenen Wirkungen,' einer chemischen, dem Frischen und einer mechanischen, dem Recken. Das leztere kann wohl im Ganzen nur dazu dienen, dem Eisen eine brauchbare Gestalt zu geben, denn seine wesentlichen, charakteristischen Eigenschaften erhielt es ja durch das blofse Frischen schon. An irgend einer andern Stelle wird gesagt, dafs obgleich das gefrischte Eisen im höchsten Grade strengdüfsig sey, es sich doch bei der Hitze eines Hohenofens schmelzen lasse. Die Herren Vandermonde hatten nemlich einen Eiserj- stab durch die Form'und einen durch die Gichtin den Ofen gebracht, und hier ein wirkliches Schmelzen desselben bemerkt. Allein hier hatte sich das gefrischte Eisen, da es sich zwischen Kohlen befand, höchst wahrscheinlich erst zu Roheisen gebildet und war alsdann geschmolzen. Seine Schmelzbarkeit mufs folglich in verschlossenen Gefässen, bei Abwesenheit des Kohlenstoffs untersucht werden. Weiterhin heifst es: —* „Recht gutes Stabeisen „wäre demnach vollkommen wiederhergestelltes „Eisen, das keinen fremden Stoff, nicht einmahl „Kohlenstoff enthielte; so kömmt es aber im „Handel nicht vor. Das beste schwedische Eisejn „behält immer noch etwas von Lebensluft, welche 1)4 56 „dem Feuer im hohen Ofen und auf dem Frisch- „heerde entgangen ist und wird durch efnen „Antheil von Kohlenstoff verändert, der freylich „sehr gering ist, aber vielleicht nie ganz ausge- „schieden werden kann, Bemerkung 21. Gefrischtes, gaares, oder das eigentliche Eisen, wäre hiernach reines, vollkommenes Metall, von Kohlen und Sauerstoff völlig befreyet. Solch Eisen existirt aber nicht und das gewöhnliche enthält nach dieser Meynung immer noch Sauerstoff und Kohlenstoff, In wie fern die Existenz des erstem gründlich erwiesen werden kann , darüber mag jeder Chemist undi Sachverständige entscheiden. §. 20. Folgerungen Nach derRinmannschen Theorie läge also der Grund von den specifischen Verschiedenheiten des Eisens A) Nicht in den verschiedenen Graden der Reduktion, (Entsäurung) deren das Eisen fähig sey; sondern blos 57 B) in der verschiedenen Menge des Kohlenstoffs, welche es enthält. Nach den Herren Vandermonde, Ber- thollet und Monge, sind die Ursachen eben dieser Verschiedenheiten des Eisens, A) in der verschiedenen Sauerstofimenge, oder in dem verschiedenen Reduktionsgrade des Eisens, und B) in der verschiedenen Kohlenstoffmenge desselben zu suchen. §. a «• Nach dem, was sich nun schllefsen läfst, nach dem, was ein Jeder aus dem vorhin Bemerkten ersehen und frey bey Vergleichung bey- der Theorien, darllber urtheilen wird, sollte beinahe erstererder Vorzug eingeräumet werden. Dafs Herr R i n m a n n von Phlogiston redet, ist sehr natürlich, er kannte, nach den Begriffen damaliger Zeit, kein anderes Wesen. Aber wollte man seine Theorie deshalb verwerflich machen ? Es wird sehr bald klar, dafs der etwanige Unterschied nur in den Benennungen liegt. D 5 Hätte HerrRinmann seinem Brennbaren, welches er sehr gut kannte, den Namen: Kohlenstoff, gegeben, so würde er eben das, als die Herren Va n de rm onde etc. gesagt haben. Man findet, dafs leztere in ihrer Theorie wenig sagen, was nicht ihren Vorgängern schon bekannt gewesen wäre, und dafs sie das antiphlogistische « System, vorzüglich nur in Rücksicht der Nomenklatur auf das Eisen angewand haben. Uebrigens wäre zn wünschen, dafs sie mit ihren Versuchen fortgefahren, und uns mit den Resultaten derselben beschenkt hätten. §. 22 . Um die Verschiedenheiten des Eisens zu erklären, so mufs nach unsern jetzigen Begriffen der K o h 1 e n s t o f f, als die einzige Ursach derselben angesehen werden. Das vollkommene gefrischte Eisen ist als völlig reines Metall, und als einfacher Körper ZU betrachten. Der Stahl enthält blos eine gewisse Quantität Kohlenstoff, welche geringer, als die des Roheisens ist. Von der geringsten Kohlenstoffmenge, wo er fauler Stahl genannt wird, geht er durch viele Grade zu einer Stuffe über, wo man ihn unbändigen Stahl nennt _ und i er '(mehr 59 Kohlenstoff enthält. Wird dieser noch mehr vermehrt, so entsteht dann das Roheisen. •— Bekanntlich ist die Menge des Kohlenstoffs im Roheisen ebenfalls sehr verschieden; dasweifse, oder grelle, enthält viel weniger, als das graue, und das bunte oder halbirte ist im Mittelzustande des erstem und leztem. Man sollte glauben, das weifse Roheisen miiste in seinen Eigenschaften dem Stahl sehr gleich kommen; es findet sich aber ein beträchtlicher Unterschied zwischen beiden. Da der Schmelzstahl von magnesiumhaltigen Eisenerzen fällt, so hat diefs einigen zu der Idee Veranlassung gegeben: ob vielleicht das Magnesium einen notbwendigen’Bestandtheil des Stahls ausmache V — Wer sich daran erinnert, dafs gutes gefrischtes Eisen blos durch Cementation in Kohlen zu Stahl umgeändert wird, wird sich bald vom Gegentheile überzeugen. Häuft sich der Kohlenstoff im Roheisen zu sehr, so entstehet daraus endlich ' derGraphit, (das Plumbago, Reisbley, gekohltes Eisen, carbure de /er.'). ,Wiesehr gering in diesem die Menge des Eisens ist, weifg man, er ist daher fast ganz Kohle und hat auch die Eigenschaften derselben, denn 1) Verpufft er mit salpetergesäurter Pottasche sehr lebhaft; 2) IVlit gefrischtem Eisen zementirt, macht er dieses zu Stahl. 3) Gefrischtes Eisen mit Graphit geschmolzen, wird zu Roheisen, Stahl damit geschmolzen, wird ebenfalls zu Roheisen, Um einigermafsen die Menge dieses Graphits in den verschiedenen Eisenarten zu erfahren, machte ich folgenden Versuch; a) aoo Gr, graues Roheisn b) 200 — weifses— c) 200 — Zementstahl d) 200 — gefrischtes Eisen; jedes einige Tage oft mit frischer verdünnter Salpetersäure dherirt und dann die Rückstände ausge- süfst und gewogen. Sie waren nach allen Kennzeichen Graphit. Der von a) war grobblätterigt und glänzend; von b) kleine glänzende Stäubchen; von c) auch dergleichen, aber sehr wenig, von d) wurde gar nichts bemerkt. 6i Die Rückstände wogen von a) — 183 Gr. b) — 13 — c) = 5)4 — d) — o — II. Ueber die Roheisenverfrischung. A. Verfrischung im Allgemeinen. §. 23. 'n/ Lokalumstände, besondere Eigenschaften des Roheisens, veraltete Gewohnheiten und Vor- urtbeile bewirken an verschiedenen Orten und Gegenden, auch verschiedene Abänderungen und Vorrichtungen bei der Roheisenverfrischung. Da also keine allgemeine M ethode existirt, so ist es auch mehrern Schwierigkeiten unterworfen, die für jede Roheisenart passendste Verfrischung anzugeben. Bei allen Verfrischungen entdekt man überhaupt eine gewisse Aelmlichkeit der Operationen, eine gewisse Gleichheit des Prozeßes, welche an- zeigen, dafs bei allen der Zwek und die Mittel zur Erlangung dieses Zweks einerlei sind, und dafs nur die Kunstgrifte, welche man dabei beobachtet, von einander abweichen. Jene Aehnlichkeit besteht überhaupt darin, dafs man das Roheisen in einem schiklichenHcerde mit glühenden Kohlen in Berührung bringt, es einige male einschmelzt, es während des Schmel- zens der Wirkung eines starken Luftstroms aussezt, und nachher verschiedene male blos ausglüht. In dieser Hinsicht sind sich fast alle Frischprozesse ähnlich *). Aber sie unterscheiden sich durch die eigentliche Stellkunst, d i. die GröLe und Gestalt des Heerds, durch die Windfiihrung, Stärke des Geblases, besondere Handgrifte bei dem Prozefse selbst, u. s. f. Bei jeder gewöhnlichen Rohei?<(nverfrischung kommen vorzüglich folgende Punkte in Betracht: a) die Beschaffenheit und Menge des zu vermischenden Roheisens; ») Diejenige yerfahrungsart ausgenommen, wo man dünn* Roheisenplatten mit schlchtweii aufgetiirraten Kohlen, hei Abhaltung der äusern'Luft, eine leitlang glühet, wo dann die Platten unvollkommen gefrischt werden. b) die Grüfse und Gestalt des Frischheerdes, oder der Heerdbau; c) die Windfiibrung, d. i. die Lage der Form, Richtung des Geblases und Figur und Grülse der Formmündung; • d) die Starke des Gebläses; e) die Beschaffenheit und Konsumtion des Brennmaterials, und f) die Handgriffe bei dem Prozefse selbst. Nach der Verschiedenheit und Menge des auf einmal zu verfrischenden Roheisens, richten sich alle übrigen hier angeführten Punkte. Es ist klar, dafs man, um jeden Verfrischungs- prozefs zu erleichtern, ein solches Rohmaterial Wählen müsse, welches am wenigsten von demjenigen Stoffe enthält, welcher im Frischheerde abgeschieden werden mufs. Dieser Grundsaz wird aber nicht durchgehends befolgt, denn man findet noch sehr häufig, dafs graues Roheisen*) verfrischt wird. *) Der hüttenmännischen Terminologie zufolge, rauste- es Raares Roheisen heissen; ich halte aber diespn Ansdruk für ««passend, weil er leicht ein Mlfsverstöndaifs veranUfsen kunn. — 6 + Den Heerdbau betreffend, fo bildet man die . meisten Frischheerde aus drei bis vier gegossenen Eisenplatten; drei davon formiren nemlich die Seiten, oder Wände des Heerdes und sind Iäng- licht-vierseitig, die vierte macht den Boden desselben und ist meistens quadratförmig, man hat sie von Gufseisen, oder auch von Stein. Aus der Anzahl und Figur der Seitenplatten, welche meistens rechtwink licht gegen einander gesezt werden und entweder senkrecht, oder schreg stehen, ergiebt sich die Gestalt des Heerdes. Bei grauem Roheisen macht man den Heerd etwas klein und flach, weil jezt der Wind die Masse am stärksten durcharbeiten mufs. Bei weissem, grellen Roheisen, macht man den Heerd etwas weiter und tiefer, damit ein zu schnelles unvollkommenes Frischen vermieden und unnüzzer Eisenverbrand verhindert werde. Bei grauem Roheisen läfst man die Heerdplatteu nicht Benkrecht stehen, sondern sie etwas rük- Werts hangen, damit der Heerd oben weiter werde; hierdurch sucht man das Eisen geschwinder zu frischen und sich mehr Bequemlichkeit bei der Arbeit zu verschaffen. Der Frischboden liegt dabei nicht horizontal, sondern neigt sich nach hinten zu, damit die jezt häufig entstehende Schlakke Schlacke um so leichter abfliefse. Die Seitenplatten hangen bei weis sem Roh eisen etwas einwärts, weil man hierdurch eine koncentrirtere Hitze, welche zum Schmelzen dieses Eisens nötig ist, hervorzubringen sucht. Zum Abflieisert der Frischschlacke Ist an der vordem Heerdseite gewöhnlich eine eiserne Rinne angebracht, welche immer höher, als der Frisch« boden liegt, damit das Äbstechen der Schlacke desto bequemer geschehen, und nur so viel als nötig, abgelassen werden könne. Das graue Roheisen ist wegen des häufigen Kohlenstoffs leichter schmelzbar, als das weisse, es frischt aber schwerer; das weisse hingegen ff i sch t viel leichter oder geschwinder, und s c h m e 1 z t schwerer. Mithin gilt der Satzi Graues Roheisen schmilzt am leichtesten und frischt am schwersten, oder langsamsten ; undweis- ses Roheisen schmilzt am schwersten und frischt am geschwindesten. Ist ein eiserner Frischboden im Heerde, so sezt sich graues Roheisen gern darauf fest, erschwert also die Arbeit und verdirbt den Boden; hält man ihn aber immer kühl; so wird diefs Anwachsen einigermafsen verhindert, wenn der E » —• 66 — Frischer das seinige mit dazu beytrk'gt. Die Abkühlung des Fiischbodens geschieht, indem das durch einen engen Kanal von der Wasserseite hergeleitete Wasser, die unter dem Boden befindliche Erde befeuchtet. Das Wasser selbst kann* nachdem es nötig ist, ab und zugelassen werden. In Betreff der Windführung, wird der Form bei grauem Roheisen mehr Stechen, oder Inklination , als bei weissem oder halbirten, gegeben. Das Stechen kann bei ersterem so stark seyn, dafs der Wind beinahe die Mitte des Bodens berührt; bei lezterm streicht er mehr horizontal. Die Formmündung ist bei erstem kleiner, bei lezterm gröfser Die Figur der Formmündung ist entweder halbrund, längligtvierseitig, oder oval. Bei einer weiten Mündung schmilzt es überhaupt geschwinder, bei einer engen langsamer ein, und im ersten Fall frischt es schneller, im lezten langsamer. ' Da den Kohlenstoff, oder im engem Sinne den Graphit, vom Roheisen zu scheiden, dieHaup- absicht der Verfrischung ist, da die Ausscheidung zufälliger Besrandtheile, z. B. eingemischter Metalle, Schwefel, Phosphor u. d. gl. nur Nebenabsicht ist, ob es gleich zu einem vollkommne- ren Prozefse gehört; so bestimmen alle diese Umstünde die Starke des Gebläses, f l Da weifses Roheisen strengflüfsiger, als graues Ist, so [ist auch die Cönsumtion des Brennmaterials in so fern gröfser dabei; eine engere Form- mündung aber und das geschwindere Frischen desselben , bewirkt im Ganzen einen geringem Kohlenverbrand. Je porüser und leichter zu verflüchtigen übrigens die angewandten Kohlen sind, j e vollkommener kann der Zweck erreicht werden. Die Handgriffe richten sich nach der Beschaffenheit der Materialien. 'B) Teutsche Ver Frischung *), * a) Beschaffenheit und Menge des t Roheisens. §. 34. Gewöhnlich verfrischt man im Durchschnitte gutes graues Roheisen, welches in muldenförmigen E 2 •) Der in ’Teutschland Üblichen FrilchmethoHen giebt es mehrere , x. B. das Osmnndfrlschen, Koch frischen und Anlauffrischen. Noch eine andere vorzügliche beobachtet man in der so genannten teutschen Frischschmiede» man trift sie vorzüglich am Harze, im Hannüverischen und Bfaunschweigschen, u. diese ist es, wovon hier eine theoretisch Praktische Beschreibung folgt. Stücken nach den Frischhütten geliefert wird. Beruhet es auf der Wahl des Frischers, so nimmt er halbirtes oder buntes Roheisen am liebsten, und liefert davon das beste Stabeisen. Diefs kömmt blos daher, weil er sich einmal darauf eingearbeitet hat. Bios grelles Eisen verfrischt man ungern, aus Gründen, die weiter unten zu finden sind. Ist daher grelles und graues zugleich vorhanden; so wird dieses lieber mit einander eingeschmolzen. Das meiste Roheisen ist leichtschmelzig, rein lind von guter Beschaffenheit ; manches aber sehr zum Kaltbruch geneigt, welcher bis jezt im Frischheerde nicht ganz gehoben werden konnte. Die Menge des zum jedesmaligen Einschmelzen bestimmten Roheisens beträgt nicht Uber 142 Pfund. b) Heerdbau. Der Heerd wird aus vier gegofsenen Elsenplatten zusammengesezt. Die drei Seitenstilcke haben eine läogligt vierseitige Gestalt, man nennt sie Zacken, Frischzacken; der Boden ist quadratförmig, er heifst der F r i s c h b o d e n. Diese drei Zacken werden dergestalt auf die hohe Kante gegen einander gesezt, dafs sie zwei rechte Winkel einschliefsen. I Man sieht aus der Anzahl der Zacken und der Figur des Heerdes, dafs eine Seite desselben unbe- sezt und offen bleibt; diefs ist die Arbeits- oder Vorderseite. Es wird daselbst blos nasse Kohlen- stiibbe hingestürzt und verstampft, damit der Frischer mit mehr Bequemlichkeit arbeiten kann. Jeder Zacken wird nach der Seite des Heerdes wo er steht, benannt; der an der Formseite heifst der F ormza cke n , der an der gegenüberstehenden, Wind- oder Gichtseite, der Gich tzacken, und den der Arbeitsseite gegenüberstehenden, nennt man den Hinterzacken. Der den Heerd, oder das Feuer bildenden Zacken sind eigentlich viere; an der Hinterseite des Heerdes stehen nemlich deren zwei hinter einander. Der eine davon, welcher unmittelbar gegen den Kanal wodurch man das zur Abkühlung nötige Wasser nnter den Heerd leitet, gelegt wird, hat an seiner untern Seite einen vierekten Ansschnitt, welcher das Eindringen des Wassers befördert und erleichtert. Dieser Zacken ist a Fufs a Zoll lang, i Fufs 4 Zoll breit, und 2 Zoll stark, Die GröTse der übrigen bereits angeführten Zacken ist etwas von einander abweichend, Und bestehet in folgenden; E 3 1 Der Formzacken ist 2 Fufs 2 Zoll lang, und I Fufs 2 bis 3 Zoll breit, oder hoch. An der einen flachen Seite hat er zu weilen eine 1 Fufs lange und 1 Zoll starke Erhöhung, die man den Sattel nennt, er kommt gegen die Formwand und auf ihm ruhet zunächst die Form. Sehr oft aber fehlt dieser Sattel. Der Gichtzacken ist 2 Fufs 6 bis 12 Zoll lang und 1 Fufs 3 Zoll hoch. Der Hinterzacken bat mit dem Formzacken einerley Maafse. Es wird unter ihm das Gestiibbe etwas weggeräumt, damit das Abkühlwasser, wenn es nötig ist, unter den Boden fliefsen kann. Ander Vorderseite des Heerdes liegt die, zum Abfliefsen der Schlacke oder Lacht bestimmte eiserne Rinne, welche man das Lach t h o h 1 ne'nnt, sie ist 1 Fufs 6 Zoll lang, 6 bis g Zoll weit, und 4 bis 5 Zoll hoch, An beiden Seiten des Mauerwerks ist sie befestigt und oben mit einer starken Eisenplatte, der Schlacken platte belegt, welche ohugefahr 35 Fufs lang, und 1 Fufs breit ist; sie dient beim Arbeiten mit dem Spett, demselben zur Unterlage, um das im Heerde befindliche Eisen de^to besser zu regieren. Auf diese Weise bildete also der auf allen vier Seiten geschlossene Heerd, ein längliches Viereck. Der Frischboden ist 2 Fufs 1 bis 2 Zoll ins Gevierte grofs, lind 2-J Zoll dick. Er wird dergestalt in den Heerd eingelassen, dafs er mit zwei Seitenflächen dicht an den Form und Hinterzacken schliesst. Bleibt zwischen ihm und den Gichtzacken noch ein Raum; so wird dieser mit einem andern schmalen Gufseisenstücke ausgefüllt. Der Raum zwischen dem Frischboden und der Schlackenplatte wird, wie schon gesagt,, blos mitKoh- Ienstiibbe ausgefüllt; diese mufs aber gegen das Lachthohl etwas fest gestampft werden, damit die Lacht nicht von selbst durchbricht. Der Frischboden wird erst alsdann gelegt, wann bereits die Form eingesezt war. Es kömmt nun auf die Lage und Entfernung dieser Theile von einander an; sie läfst sich am besten bestimmen, wenn immer von der Form aus- gegangen und gemefsen wird. Zu der oben angegebenen Roheisehmenge ist die gewöhnliche Gröfse des He er des folgende: Der Heerd ist tief, vom Formmaul bis auf den Boden, Z°U Vom Formmaul bis zum Hinterzacken 7* Zoll Der Heerd ist lang, von dem Formmaul bis Gichtzacken 2 Fufs 4 Zoll Die Form ragt in den Heerd — di Zoll E 4 DerHinter- und derGichtzacken stehet} nicht senkrecht; sondern der Hinterzacken hangt um i J Zoll riikwärts, und der Gichtzacken um i Zoll einwärts. Pie Lage des Formzacken wird nicht geändert, er steht meistens senkrecht und einige Zoll niedriger, als die übrigen, weil auf ihm die Form ruhet und diese sonst zu hoch liegen würde, Der Frischboden lie^t nicht horizontal, sondern neigt sich meistens um einige Grade nach der Ecke, wo der Form- und Hinterzacken Zusammenstößen. Das Lachthohl liegt 4 Zoll über dem Frischboden. Der Hinter- und der Gichrzacken sind die beiden, deren Lage zuweilen geändert wird. Die des erstem weicht entweder auswärts, oder einwärts von der senkrechten Linie ab. Im erster}! FaU e gaart es stark im Heerde, d. h. das Eisen frischt sich früh und zu geschwind, es entsteht folglich viel Abgang und wenig Ueber- schiifs. Steht der Hinterzacken senkrecht, oder neigt sich gegen den Heerd, so schmilzt es zwar früh ein, es geht hber roher in den Heerd, das Eisen frischt sich daher später und unvollkommener, und es entsteht folglich weniger Abgang und mehr Uebersclnifs; es läfst sich aber nicht so gilt aufbrechen. Eine gleiche Bewandnifs hat es mit der Entfernung des Hinterzacken von der Form; steht er der Form zu nahe, so wird es früh und stark gaaren und viel Abgang erfolgen. Umgekehrt wird das Entgegengesezte der Fall seyn. Ist der Hinterzacken von der Form, oder vom Winde oben ~i\ Zoll entfernt, so wird es, wenn er i| Zoll zuriickbängt: auf dem Boden nur 6 Zoll betragen. Da hierdurch die Arbeit sehr erleichtert wird, so sind anch unsere meisten Frichheerde so vorgerichtet. Der Gichtzacken steht aus gleichen Gründen nicht senkrecht. Meistens hängt er nicht nur 5 oder x Zoll rückwärts, sondern macht auch mit dem Hinterzacken einen stumpfen Winkel. Oft macht er aber auch einen rechten Winkel, hingegen nie einen spizzen. Vorhin wurde gesagt, dafsdie Lage des Formzacken selten geändert würde, und dafs er meistens senkrecht stände; allein einige Meister geben ihm zuweilen etwas Rückfall, um dadurch das Aufbrechen etc. zu erleichtern, .andere lassen ihn etwas gegen den Heerd fallen , um eine bessere Gaare zu bewirken. Er steht deshalb niedriger, als der Gichtzacken, damit die auf leztern liegenden Roheisenstlicke behutsamer einsckmelzen mögen. Die Bestimmung der Lage des Frischbo- dens ist das Wichtigste beim Heerdbau. Liegt er hoch, oder dem Winde nahe, so kann das Eisen E * bald gefrischt, aber auch mehr Abgang befördert werden, liegt er tief, so entsteht der umgekehrte Fall Bei leichtsehmelzigem, grauen Roheisen legt man daher, um seinen Zweck nicht zu verfehlen, den Frischboden höher, so dafs der Wind das Eisen am stärksten durcharbeiten kann. Bei grellem Rohei. en legt man ihn tiefer, um die Wirkung des Windes zu müfsigen und überfliifsigen Abgang zu meideu. Solch leichtfriscbendes Roheisen nimmt gleich nach dem Einschmelzen eine gewisseHä'rte an, es erstarrt ungleich früher, als das graue. Um es daher wieder zu erweichen und vollkommen zu frischen, mufs es länger der Wirkung des Windes ausgesezt bleiben: wäre nun der Heerd zu flach , hätte er zu wenig Tiefe; so würde ein Theil des eben gefrischten Eisens wieder gesäuert und so ein stärkerer Abgang befördert werden. Einen andern Einflüfs hat die Lage des Frischbodens in Ansehung ihrer horizontalen Richtung; denn die Neigung desselben gegen diesen oder jenen Zacken, giebt dem Winde eine ganz andere Richtung. An der Stelle, wo der Boden tiefer liegt, kann das Eisen durch den Wind nicht so vollkommen gefrischt werden, da aber hier Lacht und die Masse saftiger bleibt', so kann dadurch das Eisen mehr Zähigkeit erhalten. Ünsere Frischmeister legen ihren Boden daher nie 75 horizontal, sondern geben ihm an der Ecke, wo der Form- und Hinterzacken zusammen stofsen, einige Grade Fall. Indefs würde eine horizontale Lage desselben auch sehr zweckmäßig seyn. Neigte sich der Boden gegen das Lachthohl, so würde die Schlacke zu sehr ablaufen und es im Heerde zu trocken gehen; neigte er sich gegen den Gichtzacken , soyvürde es unter der Form zu stark gaaren u. s, f. Der Frischer nennt also grelles, oder leichtfrischendes Roheisen, gaarschmelziges und graues rohschmelziges. c) Windfiihrung. Die Formläfst man soviel stechen, dafs der Wind entweder den Gichtzacken ein bis zwei Zoll vom Boden berührt, oder dafs er auf den Boden selbst, zwei bis drei Zoll von der Mitte desselben nach dem Gichtzacken zu, fallt. Bei halbirtem Roheisen ist nemlich ersteres, bei gaarem , lezteres der Fall. Die Figur des Formmauls ist entweder ein halber Zirkel, oder ein längliches Viereck. Er-, steres ist meistens ij Zoll lang, und — 1* — hoch, lezteres — i* — lang, und — i| — hoch. Bei den Formen mufs vorzüglich dahin gese-? hen werden, dafs das Blatt derselben sehr glatt und eben ist, damit der Wind nirgends anstüfst. Auch seitwärts und oberwärts mufs die Mündung derselben rein und glatt seyn; übrigens ist eine schlanke, sich sanft zusammenziehende Figur der ganzen Form einer kurzen und plumpen vorzu- ziehn. Bevor eine solche Form eingesezt wird, befestigt man sie auf einem starken mit einem zwei Fufs langen Stiele versehenen Eisenbleche, hierdurch kann sie beim Einsezzen leichter regiert werden, Eine neue Form ist vorn ganz gerade, zu weilen verändert sie aber der Meister, indem er an der untern Seite etwas wegnimmt und dadurch der Form ein Uebermaul giebt, andere geben ihr ein Hintermaul, indem die Seite der Mündung nach dem Vorheerde etwas weggenommen wird. Bei einem Uebermanle der Form wirkt der Wind mehr niederwärts, und es entsteht ein geringerer Kohlenverbrand. Durch ein Hinterman! wird der Wind etwas vom Hinterzacken abgehalten, welches sich indefs auch dadurch erlangen läfst, wenn man den Hin- terzacken etwas weiter von der Form entfernt. In Betreff der Gröfse der Formmündung, nimmt man sie lieber etwas breit, oder weit, als zu hoch, indem im lezten Falle, der Wind zu sehr in'den Kohlen arbeitet. Ueberdem entsteht bei einer weiten Form gern ein sprödes Eisen. Bei einer zu engen Form entsteht ebenfalls eine unvollkommene Verfrischung und ein langweiliger Prozefs. Die vorhin angegebene Gröfse hält man für die passendste. Die Bestimmung der Forminklination geschieht durch einen halben Gradbogen, die so genannte Formwage. Jeder Meister hat seine Form- wage; sie ist gewöhnlich von Messing und an dem untern Ende des einen Schenckels mit einem zur Seite gehenden Fufse, welcher in die Form pafst und so schwer ist, dafs er der Wage das Gleichgewicht hält, versehen} die untere Seite desFufses mufs mit dem mittlern Radius des Gradbogens einen rechten Winkel machen, sonst Wäre die Wage unrichtig. , Es ist nicht gleichviel, wie weit die Form in den Heerd steht, d. h. wie weit sie in den Heerd hineinragt. Die oben angegebenen 4* Zoll stehen mit der daselbst bestimmten HeerdgröTse im Verhältnifse. Ist der Heerd kürzer, oder länger, so mufs es um so viel weniger, oder mehr betragen. * Um die vorgeschriebene Windfiibrung genau zu beobachten, so mufs natürlich die Lage des Gebläses mit der der Form harmoniren und die Bälge müssen hinten weit höher, als vorn liegen. Die Deuten stechen bei der angegebenen Forminklination, gewöhnlich i Zoll, und liegen 3| Zoll in der Form zurück. Die Bälge liegen vorn in Köpfen 10 Zoll auseinander; hinten weichen sie nicht be'de gleich viel vom Mittel ab, der vordere iy Zoll, der hintere iö Zoll; difs geschieht in der Absicht, damit der hintere desto besser im Vor- heerde arbeiten könne. Die Oefnungen der Balgdeuten betragen i§ Zoll. Damit sich die Lage des Gebläses und der Form nicht verändern kann, so werden beide gehörig befestigt. d) Stärke des Gebläses. Hierunter wird so wol die Gröfse der Bälge, als die Geschwindigkeit, mit der sie sich in einer bestimmten Zeit leeren, verstanden. Die Gröfse der hier gebräuchlichen hölzernen Frischbälge ist folgende: Ihre ganze Länge beträgt ioFufs 8 Zoll, nemlich vom Balgkopfe bis zum Schlosse 2 — ~~ 79 VQm Schloss bis Wandel 6 Zoll, vom Wandel bis Zirkelbrette 8 Fufs s — Der Oberkasten ist in Lichten beim Wandel weit, l Fufs io Zoll, beim Zirkelbrette 3 — vorn hoch, ■— 8 — hinten, 2 — 4 —. Der Unterkasten ist vorn 6 Zoll und hinten 8 Zoll in Lichten hoch. Mithin würde jeder Balg ohngefahr 28 T j 5 Kubikfufs Luft fassen. Die Geschwindigkeit des Ganges . ist sich während des Prozesses picht gleich, sie soll daher weiter hin jedesmal angegeben werden. e) Beschaffenheit und Konsumtion des Brennmaterials. Man verbraucht hier in den Frischhütten durchgehends gute Nadelholzkohlen. Die am Haarze sehr häufige Fic h t e, ( Pinus,picea Linn .) Wird dazu benuzt. Diese Kohlen qualifiziren sich, Wegen ihrer Porösität und Leichtigkeit, (machte sie der Köhler nur einigermafsen gut) unter allen übrigen Kohlengattungen zur Rolieisenverfri- schung am vollkommensten; denn es kömmt hier nicht nur auf spezifische Leichtigkeit der Kohle, sondern vorzüglich darauf an, dalssich der Kohlenstoff leicht entbinden und verflüchtigen lasse. Bei einer schweren feuerbeständigen Kohle wird der Zweck der Verfrischung nie erreicht werden können. Zu" der oben Angegebenen Roheisenmenge, welche jedesmal eingeschmolzen und verfrischt wird, verbraucht man im Durchschnitte 240 Pfund Kohlen. f) Verfrischung selbst. Der Verfrischungsprozefs läfst sich in verschiedene Grade und Operationen eintheilen; die leztern bestehen in folgenden: 1. Das Roheinschmelzen; xi. Das Gaarmachen; ^ in. Das Rohaufbrechen, oder erste Aufbrechen ; iv. Das Klumpschmelzen; v. L Das Gaaraufbrechen, oder zweite Auf- 1 brechen; vi. Das Luppenscbmelzen. So bald die, bei der Verfrischung nötigen We rk- zeuge ervväbnt sind, sollen alle diese Operationen nach einander durchgegangen werden. §• * 5 « 8i §• « 5 * Verfrischungswerkzeuge. Der Hammerschmidt gebraucht zur Ausübung seiner Kunst und Darstellung seines Produkts folgende Werkzeuge: 1) Eingrofses Spe 11 ; d. i. ein 7 bis 8 Fufs langer, vorn keilförmig zugeschärfter und hinten gerundeter, in der Mitte 2Zoll breiter und 1 Zoll starker Eisenstab; 2) ein kleines Spett, 5 bis 6 Fufs lang und nach Verhältnifs dünner und schmaler; 3) eine H eer d s cha ufel, womit zu grobe Kohlen zerschlagen und ins Feuer gescharrt werden; ' ^ 4) ein Luppenhaken, womit man theils die Luppe aus dem Feuer langt, theils die abgehauenen Luppenstücke wieder dahin bringt. 5) Eine Luppenzange, deren vordere Schenkel kreisförmig gebogen und spitz sind; die Luppe wird damit angefafst und auf den Ambos gebracht. 6) Ein L u p p e n b a u m, d. i. ein etwas gekrümmter, 8 Fufs langer, in der Mitte mit Eisenblech beschlagener Baum, worauf mit Hülfe der Luppenzange die Luppe unter den Hammer gehoben wird. F 7) einige Stückzangen, womit die Luppenstücke gefafst und zum Feuer gebracht werden; 8) einige Wärmzangen, worin man die Luppenstiicke wärmt; sie haben lange Schenkel und ein kurzes starkes Maul; 9) einige Zängzangen, worin man das Eisen wärmt und ausschmiedet. §. 26. Vorbereitung. Der Heerd wird mit Kohlen von mittler Grüfse bis zur Hälfte gefüllt, alsdann die «gröblich zerschlagene Schurre, ( d. i. der Rest von voriger Luppe, eine sehr eisenreiche Schlacke, welche sieb tlieils von der, beim Schmelzen zuge- sezten Frischschlacke, theils von dem, aufs neue verkalkten Eisen, dem eigentlichen Abgänge, bildete), nebst einigen kleinen Roheisenstücken, welche ^ Centner betragen, darauf geworfen. Nun sezt man die übrigen Roheisenstüqke, welche 2 Centner wiegen, und ihrer vier bis fünf auf einander gelegt sind, dergestalt ihrer Länge nach auf den Gichtzacken, dafs sie gegen der Form über, in grader Richtung liegen. Das gröfste, oder ( untere Roheisenstuck, ragt etwas 83 weiter, als die übrigen und zwar ohngefähr 6 Zoll in den Heerd hinein. Da der Gicbtzacken höher, als die Form steht; so giebt man dem darauf liegenden'Roheisen hinten eine Unterlage, damit es sich vorn in den Heerd neige und der Form näher komme. Ist diefs geschehen, so wird der is Heerd ganz mit groben Kohlen vollgestürzt, einige glühend» Kohlen vor die Form geworfen und nun das Gebläse angelassen. r > §. 27. I. Das Roh einschmelze n. Das auf den Gichtzacken gesezte Roheisen schmilzt nun bei einer mäfsigen Geschwindigkeit des Gebläses, (die Bulge wechseln 7 bis 8 mal bei halbirtem Roheisen in einer Minute) langsam, tropfenweis nieder und vereinigt sich mit der bereits im Heerde liegenden und ebenfals nach und nach schmelzenden Masse. Da jezt noch viel Raum im Heerde ist und das Rolieinschmelzen ohne Beihülfe des Frfschers e geschehen kann; so benuzt man unterdefs das r Feuer zum Wärmen und Ausscbmieden der Lup- s penstücke voriger Luppe. Sie werden völlig s Weif* warm gemacht und der Frischer giefst von F 3 i Zeit zu Zeit etwas Wasser über die Kohlen, damit sie nicht zu geschwind und unnüz wegbrennen , und schneller wärmen. In den meisten fällen ist, während man alle Stücke zu Stäben u. d. g. ausgeschmiedet hat, das Roheisen eingeschmolzen. Um diefs zu befördern, schiebt der Frischer die Roheisenstücke, so wie sie weggeschmolzen sind, mit dem kleinen Spett nach, indem er darunter fafst und sie nach der Form hinrückt; diefs nennt man Nachfahren. Ist das Roheisen grau, balbirt, oder grell, so mufs das Gebläse schwächer, oder stärker seyn, und das Roheinschmelzen geht im ersten Falle geschwinder, im leztern langsamer. Würde das Gebläse bei schwerfrischenden, leicht- oder roh- schmelzigen Eisen, zu stark getrieben, so schmölze es zu geschwind und in zu grofsen Massen nieder , die folgenden Operationen würden unnötiger Weise verlängert und überhaupt der ganze Pro- zefs unvollkommener; denn je vorsichtiger und aufmerksamer von^ Anfang an, dabei zu Werke gegangen wird, desto eher und vollkommener läfst er sich beendigen. Gäbe man umgekehrt, leichtfrischendem, gaar- oder schwerschmelzenden Roheisen, einen zu schwachen Wind, so würde difs ebenfals den Prozeis unnötig verlängern, dem Frischer saure — 85 Arbeit verursachen und nur viel Abgang bewirken. Die zum Roheinschmelzen erforderliche Zeit beträgt ij Stunde*). Während desselben wird also blos dann und wann nachgefabren, welches bei grauem Roheisen geschwinder, bei grellen langsamer geschieht, Gleich beim Anfang desselben werden einige Schaufeln voll zerkleinte Frischic h lacke zugesezt. So wie das Roheisen einschmilzt, fängt sich auch die Lacht im Heerde zu bilden an. Ist nun alles eingeschmolzen; so wird zum ersten male nach der Lacht gestochen. Zuvor untersucht aber der Frischer, ob sich überhaupt viel Lacht im Heerde befindet, und ob sie steif oder dünn ist. Er nimmt daher ein kleines Handspett und untersucht von oben nieder den Heerd Es gehört etwas Uebung dazu, die flüfsige Lacht von dem Eisen gehörig zu unterscheiden, sie wird sich indefs bald an das Spett anhängen und so gleich erstarren. Mit demselben Spett wird sodann durch das Lachthohl und die vorliegende Stübbe, F 3 •) E« kannte eigentlich in noch kHrserer Zeit geschehen, wenn es »ich nicht nach dem Ausschmieden des vorhin gefrischten Eisens richten müfste. etwas über dem Frischboden, nach der flüfsigen Masse hingestochen und langsam das Spett wieder zurückgezogen. Die Lacht wird, Wo nicht augenbliklich, doch bald nachher nachfolgen, und so viel sich gesammlet hatte, abfliefsen. Je nachdem das Roheisen beschaffen ist, geschieht das Lachtstechen früher, später, ein oder mehrere male. Von gra n em Roheisen ist die abfliefsende Lacht hochroth, sehr dünn, kochend und schwer erstarend; von grellem ist sie weifs, etwas steifer und leicht erstarrend; von halbirtem ist sie roth- und weifs gestreift. Schmilzt es im Feuer zu gaar, d. h. ist das Roheisen grell und hat mithin wenig Kohlenstoff, so läuft gewöhnlich die Lacht nicht gut ab, Und es wird Frischschlacke zugesezt, um die Lacht flüfsiger zu machen, Schmilzt es hingegen zu r o h, d. h. ist das Roheisen grau, so wird, ufn das Frischen desselben zu befördern, blos Hammerschlag zugesezt. Ist die abgestochene Lacht vor dem Larbtbohl erstarrt, so wird sie mit einer Schaufel vor die Hütte geworfen und dasGestübbe im Vorheerde aufgebrochen, um die darin befindliche erstarrte Lachtstrote ebenfalls herauszunehmen. — Sie wird untersucht, von dem ankleben- 87 den Eisen abgesondert und alsdann gewöhnlich in den Löschtrog geworfen und bei dem nächsten Schmelzen wieder zugesezt. Das nach beendigtem Robeinschmelzen itn Heerde befindliche Eisen bildet keinesweges eine flüfsige Masse, fondern eine äufserlich erhärtete, innen aber breyigte, wenig Zusammenhang habende Masse. Fühlt man mit dem Spett zu', so scheint das Ganze hart zu seyn , es sizt auch auf dem Boden fest an, läfst sich aber doch aufbrechen, und in mehrere gröfsere und kleinere Klumpen zertheilen. Bei grellem Roheisen geschieht das Zusetzen der Frischschlacke während des Roheinschmelzens einige male. Je behutsamer diefs erste Einschmelzen geschieht, je vollkommener läfst sich das Roheisen frischen; man achtet daher genau darauf, dafs es nicht zu geschwind und nur tropfenweis geschieht. 28 - Da das Frischen einzig und allein vermöge des SauerstofFgafses geschehen kann, so ist klar, dafs derWind dieHauptrolle beimFrischen spielt; denn die Theile des Eisens, welche er gehörig trift und bearbeitet, werden gaar, die er nicht trift, bleiben roh; diefs ist eine längst bewiesene F 4 88 Thatsache; Daraus folgt also, dafs die Windfilh- rung die vorzüglichste Kunst des Frischers sey. Der Frischer selbst ist bei dem ganzen Prozefs nichts mehr, als mechanisches Werkzeug zu betrachten, er führt blos seine Masse der Bearbeitung des Windes entgegen; indefs beruhet doch auf seiuer Geschicklichkeit vieles. \ Bei dem ersten Grade der Verfrischung wird also, vermöge des Sauerstoffs, ein Theil des mit dem Roheisen verbundenen Kohlenstoffs, als koh- lensaures Gas entbunden und verflüchtigt; ein anderer Theil bleibt mit Eisen verbunden und geht, als Graphit in die Sch lacke über. Wegen des im Ueberflufs vorhandenen Sauerstoffs mufs sich aber nofhwendig ein Theil Eisen selbst säuren; das sich jetzt gesäuerte Eisen schmilzt nun mit der zugesetzten Schlacke zusammen und bildet die Schurre und Lacht. Wegen der nur geringen Menge des abgeschiedenen Kohlenstoffs, mufs die Eisenmasse jetzt noch ziemlich roh bleiben, man setzt sie daher aufs neue der .Wirkung des Windes aus. 89 §• 29 - II. Das Gaarmachen. Das zu oberst Hegende, oder das dem Winde am nächsten gelegene Eisen wird nur leicht aufgebrochen, und einige kleine Klumpen vor die Form gebracht; diefs nennt man Gaarmachen. Bemerkt der Frischer, dafs diese vom Winde bearbeiteten Klumpen eine weifse Farbe bekommen, zähe werden und sich an das Spett anhängen*); so hört er auf, mit Gaarmachen und schreitet zu einer andern Operation, welche $. 50 - IH. Das Rohaufbrechen > genannt wird. Das auf dem Boden liegende Eisen bringt man sämmtlich über die Form und läfst es aufs neue nach und nach dergestalt niederschmelzen , dafs der Wind auf jeden einzelnen Theil desselben gehörig wirkt. Der Frischer nimmt das grofse Spett, fährt damit beim Gichtzacken auf den Boden nieder und F 5 *) Hleriu i,t nach Beschaffenheit des Roheisens mehr, oder weniger Zeit erforderlich, — bei gre11 ein erhillt man früh, bet grauen Roheisen, spät, gaares Eisen. \ 9 ° bemühet sich , die daselbst fest aufsitzende Masse durch Auf- und Niederbewegen des Spetts, indem er sich mit Gewalt auf dasselbe auflegt, loszumachen und in die Höhe vor den Wind zu bringen. Sie ist jetzt an ihrer untern Seite mit einer starken Kruste, die Schurre genannt, welche sich aus verschlacktem Eisen und der zugesetzten Frischschlacke und Hammerschlag gebildet hat, umgeben *). Die Masse wird beim Aufbrechen herumgebracht, so dafs die untere Seite derselben mit der ansitzenden Schurre oben zu liegen kommt. Durch das Losmachen vom Boden und durch das Aufbrechen hat sie sich in mehrere Stücke zer- theilt. Einige Stücke Schurre wirft der Frischer in die Esse und die übrigen nebst den kleinern Eisenklumpen bringt er vor die Form. Da die jetzt vor die Form gebrachten Eisenklumpen noch roh und leicht schmelzbar sind, so gehen sie leicht wieder nieder und schweifsert auf dem Boden unter sich zusammen ; dann fängt der Frischer an, den Boden zu reinigen. Ist hier alles Ansitzende weggeräumt; so wird eine Operaration, welche man das Unterspetten nennt, vorgenommen. Der Frischer fährt dabei mit dem •) Das Entitehen der Schurre hängt grüfstentheils von der Temperatur des Frischbodens ab; ist er sehr heifs» so pfleg* sich keine zu bilden» 4 91 grofsen Spett vom Schlackenblatte bis auf den Boden und stufst es unter der Form durch, dann giebt er ihm eine diagonale Richtung nach der Ecke, wo Hinter- und Gichtzacken zusammensto- fsen ; dann fährt er in der Mitte des Heerdes durch, dann wieder nach der andern Ecke, und so kreuzweis fort*). Hierdurch überceugt er sich, ob der Boden gehörig rein sey. Hatisich etwas angesezt, so wird.es mit Gewalt weggestofsen; dicfs geschieht aber vorzüglich nur beim Rohgange, wenn graues Roheisen verfrischt wird, bei halbirten und grellen ist es selten oder nie der Fall, Die unter der Form fich frifchende Masse wird nun aufgebrochen und in die Höhe gebracht. Man fafst daher mit dem Spett dicht auf den Boden, drückt es hinten scharf nieder, bricht den grüfsten Klumpen auf und wirft ihn vor dem Gichtzacken, dann werden die übrigen kleinern ebenfalls dabin gebracht und nun alles vor den Wind geführt. Die vorhin in die Esse geworfene Schurre wird dann auch wieder ins Feuer und zwar auf das eben »ufgebrochene Eisen gebracht. Nachdem nun vom Gichtzacken alles weg und vor die Form gebracht ist, nachdem die Form selbst gereinigt und der Heerd gelüftet ist, werden frische Kohlen in den *) Es geschieht hauptsächlich unmittelbar nach demGaar- • ufbrechen. S. $, 35 Note. Heerd gestürzt, und man läfst das Gebläse, welches während der ganzen Operation etwas langsamer ging, wieder geschwindergehen; die Zeit des Rohaufbrechens dauert etwa eine Viertelstunde. §. Ji. Die beim Roheinschmelzen entstandene Schurre, welche bei dem ersten Aufbrechen von der regu- liniscben Eisenmasse abgesondert, zerschlagen und wieder zugesetzt wurde, ist sehr eisenreich. Noch vor Anfang des Proze ses wurde schon eine Quantität solcher Schurre in den Heerd gebracht. Da sie gröstentheils aus verschlacktem Eisen besteht, so kann sie nicht so leichtfltlfsig, als die eigentliche Lacht seyn, sie bleibt daher beständig im Heerde zurück, ein Tbeil davon reduzirt sich und zu dem übrigen kömmt wieder der Abgang des aufs neue eingefchmolzenen Eisens hinzu. Da sich also beständig wieder eine Schurre bildet, fo ist klar, dafs das daraus hergestellte Eisen von nicht gro- fsem Belang seyn kann. Das beständige Wiederzusetzen derselben hat aber einen andern guten Grund. Das in der Schurre enthaltene gesäuerte Eisen wird sich nemlich grüfstentheils nur auf Kosten des mit dem Roheisen verbundenen Kohlenstoffs wieder herstellen und auf diese Weise das Frischen im Heerde sehr erleichtern. Ein glei- eher Zweck wird auch mit dem zugesetzten Ham- » merschlage erreicht, indem es mit diesem ganz dieselbe Bewandnifs hat. §. 3 J * IV. Das Klumpschmelzen. Wenn nun alle, sowohl gröfsere, als kleinere Massen in die Höhe über die Form gebracht sind und das Gebläse angelassen worden, welches letzte- rejetzt lebhafter, als bei allen übrigen Operationen geht; so fängt das Eisen nach und nach an, sich zu senken und nieder zu begeben. So wie das Eisen auf den Boden kömmt, befindet es sich in einem halbgefrischtem Zustande, es ist gewisser- mafsen zähe und vereinigt sich schon weit lieber zu einem Ganzen > als vorhin. Es bildet auf dem Frischboden ein zusammenhängendes Ganze, den sogenannten Klump, weshalb ‘diese Procedur, welche als der zweite Grad der Verfrischung angesehen werden kann, das Klu mpsch melzen genannt wird. Während diesem zweiten Einschmelzen brihgt der Frificher vom Gichtzacken beständig einige Stücke der anfgebrochenen Masse mit dem Spett und der Schaufel vor den Wind, scharrt von Zeit zu Zeit Kohlen herbei und feuchtet den Vorheerd und die Kohlen durch übergegossenes Wasser an. Der Frischer sieht dabei vorzüglich darauf, dafs dieses Schmelzen nur nach und nach geschehe, dafs der Wind die Masse beständig gehörig durchstreiche und alle Theile derselben hinlänglich berühre. Mit dem Spett mufs daher immer so gearbeitet werden, dafs der Wind den Gichtzacken erreichen kann, und folglich den ganzen Heerd durchstreichen könne. Den Eisenverbrand zu vermeiden, hält man die Masse vorder Form etwas dicht, und schlägt die kleinern Klumpen daselbst etwas zusammen. Nach 10 Minuten werden die Kohlen im Feuer mit den Haken zur Seite gebracht, die niedergehende Masse mit dem Spett gelüftet, die Form rein gehalten , und an der Gicht etwas aufgebrochen, alles dem Winde zugeführt, damit nichts rohes eingehe, am Hinterzacken Wasser gegossen, und nun das Ganze etwas in Ruhe gelassen. Nachdem ider Frischer etwa eine halbe Stunde so gearbeitet hat und immer bemühet gewesen ist, alles vor die Form zu bringen und nichts Rohes durchschlüpfen ZU lassen, hat sich alsdann der Klumpen auf dem Heerdboden völlig gebildet. §■ 33 * Bei dem Aufbrechen und vor die Form bringen, wird vorzüglich dahin gesehen, dafs die 95 heifsen Klumpen dieForm nicht unmittelbar berühren, sondern zwischen ihr und diesen immer noch Kohlen liegen; geschieht dies nicht, so schmilzt die Form leicht ab, das Kupfer vermischt sich mit dem Eisen und verdirbt dasselbe. 3 +. V- Das Gaaraufbrechen. Das Gaaraufbrechen, oder Luppenaufbrechen, ist eine Operation, welche ohngefahr io Minuten erfordert. Der Frischer fafst zu dem Ende mit dem grofsen Spett beim Formzacken nieder, und hebt hier den Klump etwas in die Hohe; alsdann fafst er beim Gichtzacken unter den Klump, hebt ihn nach und nach immer mehr, bis er fast eine senkrechte Richtung bekommen hat; nun macht er die Form rein, stürzt Kohlen in den ledio-en t> Raum, und wirft alsdann den Klump so herum, dafs die Seite desselben, welche vorhin an der Gicht lag, nun vor die Form, und also die untere oder Bodenseite, oben zu liegen kömmt. Der ganze Klump liegt daher jezt über der Form. Nachdem er abermals mit Kohlen bedeckt ist, bleibt er nun eine kurze Zeit sich selbst überlassen. Sollten sich bei dem Gaaraufbrechen neben dem grofsen Klumpen noch einige kleinere befin- den; so werden diese an den grofsen angelegt, und mit ihm zu vereinigen gesucht. §• 3f. V. Das Luppenschmelzen. Diefs wäre die letzte Operation und als der dritte Verfrischungsgrad zu betrachten. Das zu frischende Eisen wird dabei zum drit- tenmale vor der Form niedergeschmolzen*). ' Den vorhin aufgebrochenen Klumpen darf der Frischer nur sehr behutsam und vorsichtig eingehen lassen, denn es kömmt hier darauf an, dafs der im Eisen noch rückständige Kohlenstoff möglichst rein davon abgeschieden werde. Bliebe daher ein Theil der Masse vom Winde unberührt und käme ungefrischt mit der übrigen auf dem Boden zusammen, so würde hierdurch die Luppe verdorben und ein schlechtes Eisen erzeugt werden. Der über der Form befindliche Klump wird so lange, als möglich schwebend erhalten, damit der Wind nur auf den unteren Theil desselben wirken, und diesen nach und nach wegschmelzen kann. Das Bevor dief* gwhiehet, witd unterspettet. S, $. 30 . 97 Das Feuer hält der Frischer dabei immer dicht und gierst dann und wann etwas Wasser darüber. Um Hie Masse beständig in horizontaler Richtung zu erhalten, geht er auch in die Esse, fafst mit dem Spett an der Hinterseite darunter und schiebt sie zurecht. Ist nun der Klump so weit niedergegangen, dafs die sich auf dem Boden bildende Luppe beinahe fertig ist, so scharrt man die überflüfsigen glühenden Kohlen zurück, entblöfst dadurch den Oberrheil der Luppe ganz und drückt mit einer Schaufel, oder einem Haken, die noch losenEisen- knoten vor der Form auf die Luppe an , damit sie mit ihr zusammenschweifsen. Da jetzt der Wind gleich unmittelbar auf das Eisen bläfst und diefs selbst keine Bedeckung mehr hat, so verbrennt ein geringer Theil desselben und fprühet mit strahlenden Funken in der Esse umher; um nicht zu viel zu verbrennen, läfst man das Gebläse etwas langsamer gehen. Die Operation des an die Luppeschmelzens dauert wegen der gröfsern Strengflüfsigkeit des Eisens länger, als die übrigen und zwar etwa eine halbe Stunde. Ist alles zusammengeschmolzen, so wird nochmals Wasser darüber gegossen und endlich die nun fertige Luppe, indem sie der Frischer G mit dem Spett vor der Gicht aufhebt und zwei andere Arbeiter mit dem Luppenhaken zu Hülfe kommen , aus dem Heerde heraus auf die Hüttensohle gewälzt und nach dem Hammer gebracht. Sie hat jetzt eine eiförmige, etwas gedrückte Gestalt, Die bis jezt gezeigte Verfahrungsart bezieht sich vorzüglich auf graues, schwerfrischendes Roheisen; bei grellem, leichtfrischenden weicht man etwas davon ab. Dieses geht, da sich die geringere Menge von Kohlenstoff leichter davon absondern läfst, geschwinder zu einem Klumpen. Der Frischer hat folglich weniger Arbeit nötbig: auch würde durch vieles Un- terspetten u. d. gl. nur der Abgang befördert und der eigentliche Zweck verfehlt werden. Ein vorzüglicher Kunstgriff dabei besteht darin, ,dafs der Klump nicht zu hoch in den Kohlen gehalten und überhaupt nicht zu oft gehoben werde , damit er desto leichter einschmelze. Gaarschmelziges, oder leichtfrischendes Eisen wird nur immer unter dem Wi nde gehalten. Der Heerdbau, welcher bei diesem Roheisen etwas verändert ist, giebt hierzu schon von selbst Gelegenheit. Der Frischer beobachtet daher bei den zwei Hauptroheisengattungen eine etwas entgegenge- setzte Verfahrungsart. Bei dem rohschmelzigen bemühet er sich, durchWind und Arbeit dieGaare zu befördern und zu erhalten, bei dem gaarschmel- zigen sie zu vermeiden. Hat sich der Frischer einmal an graues Roheisen gewöhnt und versteht er das grelle nicht gehörig zu bearbeiten; so wird er auch mehr Mühe und Abgang dabei haben. Denn wegen der Strengfliifsigkeit desselben geht bei einer unschicklichen Behandlung dss Klumpschmelzen (§. 32. iv.) und das Luppenschmelzen (§. 35. vi.), nicht so leicht, als bei grauem Roheisen von statten. Bei diesem dauert aber derFrisciiprozefs länger und es erfolgt überhaupt ein schlechteres Stabeisen. Bei jenem wird er in kürzerer Zeit beendigt und das Eisen bekömmt eine gröfsere Güte (S. §. 34). §. 3 <5. Fernere Bearbeitung der Luppe, Das Hinbringen der Luppe zum Hammer geschieht durch zwei Arbeiter, mittelst des Luppenhakens. Ein dritter schüttet indefs Kohlen ins Feuer und sezt das zu einer neuen Luppe gewogene Roheisen wieder auf. Die gaare Luppe schlägt man mit einem SchUgel an dem Formende etwas dicht und setzt dann die Luppenzange G a an; so wiesle an dem einen Ende aufgehoben ist, wird der Luppenbaum darunter gebracht, die Zange etwas hineingeschlagen, dann auf den Ambos gehoben, und der Hammer Wird langsam gehen gelassen. Die Luppe liegt unter dem Hammer auf der hohen Kante, so dafs der Tlieil, welcher im Heerde am Hinterzacken lag, den Ambos berührt und der entgegengesetzte unter dem Hammer liegt. Bei den ersten Hammerschlägen fliefst die noch bei der Luppe befindliche Lacht vollends ab. Ist die Luppe auf diese'Weise oben und unten etwas dicht geschlagen, so wird sie herum auf die flache Seite und zwar so gewand, dafs sie nun dieselbe Lage als im Heerde, hat; das Formende derselben ist mit der Zange gefafst. Die beiden Seiten werden darauf so gefafst, dafs die Nase des Hammers das Formende dergestalt breit schlägt, dafs hier die Hau zange angesetzt werden kann. Diefs geschieht von einem andern Arbeiter. Der erstere bringt nun die Luppenzange über die Seite und der zweite schiebt die Lu^ie, beim vollen Gange des Hammers, auf dem Ambos hin und her und breitet sie zu einer gleichen Stärke durchgehends aus. Ist dies geschehen, so wird sie in Stücken zerhauen oder zersetzt, welches ein anderer mittelst des Setzeisens verrichtet. Gewöhnlich hauet man sie in 4 bis ? Stücke, das erstere ist das GichtstUck, dann die MittelstUcke, zuletzt das Formstück. Jedes abgeliauene Stück wird nach demFcuer gezogen, gefafst, vorn in den Heerd gelegt und mit Stubbe beworfen. Das er- stcre kömmt auf die Form, die übrigen in der Ordnung, wie sie abgehauen werden, daneben. Es wird dabei immer dasjenige Ende des Stücks, welches einen Theil der Vorderseite der Luppe enthält, mit der Zange gefafst und das andere zuerst gewärmt. Das letztere, oder das Formstück bekömmt gleich unter dem Hammer eine etwas regelmäfsige Gestalt, man schmiedet es nehmlich einigermafsen eben und bricht ihm die Kanten. Mit dem Gichtstücke und den übrigen wird dann eben so verfahren. Ist diefs geschehen, so zängt, zage lt und schmiedet man sie zu Stäben u. d. gl* au9. Die fertig geschmiedeten Stäbe werden so an einen dazu bestimmten Ort hingesetzt, dafs das Kolbenende unten, das Zagelepde oben zu stehen kommt. t Von der erzählten Ordnung beim Zerhauen der Luppe und Ausschmieden des Eisens weicht der Hammerschmidt nie ab, weil es, um das Feuer darnach zu beurtheilen, und um nach dem I’robi- ren des geschmiedeten Eisens, den Heerdbau, die Windt'ührung u. s. f. nöthigen Falls ändern zu können, nothwendig ist. : o • G 5 102 §• 37 . Aeusere Kennzeichen der innern Beschaffenheit des Eisens. i Ein geübtes Auge unterscheidet, ob die Luppe überall gaar sey, oder nicht, Ungaare Stellen zeichnen sich dadurch aus, dafs sie gewisserma- fsen schäumen, oder untereinanderlaufende Blasen haben. Schlagen beim Umwälzen der Luppe, ringsum, röthliche und bläuliche lodernde Flammen heraus, so steckt ein schlechtes Eisen darin. Sind hingegen die Flammen weifs, so ist das Eisen besser; eigentlich müssen sich gar keipe bemerken lassen. Zeigt die ganze Luppe sowohl, als auch die einzelnen Stücke derselben unter dem Hammer eine gewisse Weichheit, so dafs der Hammer leicht tiefe Eindrücke macht, so ist das daraus erhaltene Eisen meistens spröde. Beweifst es hingegen eine gewisse Festigkeit und mehr Widerstand beim Schmieden, so ist es nachher zähe und weich. Zeigt das Eisen ferner beim Abhauen der Stücke eine gewisse Zähigkeit, so dafs sie gleichsam von einander gerissen werden müssen; so ist dies ein vorzüglicher Beweis der Güte und Ge- schmeidigkeit. Es sind nicht immer alle Theile der Luppe von gleicher Güte, sondern meistens gutes und schlechtes Eisen beisammen. Indem die gewärmten Stücke aus dem Feuer kommen, so ist ihre Farbe entweder sehr weifs, oder sie spielt ins gelbliche oder rüthliche: er- steres zeigt ein hartes, sprödes, das zweite ein zähes, weiches, letzteres ein rothbrüchi- ges Eisen an. Wenn man, indem die geschmiedeten Stäbe aus der Weifsglühehitze in die braun« rothe übergehen, einige hellere und dunklere Streifen, welche sich auf der breiten Seite des Stabes herunter ziehen, bemerkt; so ist dies ein sicheres Kennzeichen eines zähen Eisens. $■ 38 * Betrieb der Frischhütten. Bei den meisten Frischhütfcen sind vier bis fünf Arbeiter angestellt, nemlich ein. Meister, drei Knechte und ein Lehrbursche. Das Geschäft des Meisters besteht darin: dafs er den Feuerbau etc. und das Bauwesen bei dem Hammerwerke besorgt, ferner die Luppe mit zersetzen und ausschmieden hilft. Zu schmelzen, oder die Luppe zu machen, ist er nicht verpflicht G 4 tefc, er unterrichtet darin blos seine Leute, welchen die Frischarbeit lediglich allein obliegt. Die Knechte also machen die Luppen und schmieden sie aus. Beides geschieht nach einer gewissen Ordnung, wie einen nach dem andern die Reihe trifc. Der Frischer, welcher eben eine Luppe gemacht hat, schmiedet sie mit dem zugetretenen zweiten Mann zu Stäben u, d. gl. aus, und tritt daun ab. Sodann macht der zweite eine Luppe und arbeitet nicht länger, als der erste, es miifste ihn anders die Meisterluppe treffen, so macht er deren zwei hinter einander. Beim Zersetzen einer jeden Luppe sind drei Arbeiter gegenwärtig , wie bereits erwähnt ist, §. 39 . Das Ausbringen, Nicht durchgehend hat man das Verhältnifs des Roheisens und Kohlenquantums zu einander bestimmt Billig aber sollte in jeder Frischhütte in dieser Hinsicht ein möglichst richtiges Prinzip existiren. Auf den Braunschweigischen Hütten, wo dies bereits der Fall ist, rechnet man auf einen Centner Stabeisen (a Cent, zu 114 Pfd.) drei Mafs Kohien — 240 Pfund. Auf einen Centner S'abeisen wird i| Centner Roheisen gerechnet. Drei Centner Roheisen geben daher zwei Centner Stabeisen, mithin findet ein drittel Abgang statt. Bei diesem Prinzip machen die Hammerschmiede nicht selten einen beträchtlichen Ueber- schufs, jedoch meistens auf Kosten der Stabeisengüte; jedoch wird ihnen für diesen Roheisen- überfchufs eine billige Discretion gegeben. Wöchentlich werden 50 bis 60 Centner Stabeisen geschmiedet, und an Roneisenüberschufs erfolgt quartaliter, je nachdem das Roheisen beschaffen ist, 40 — 60 Centner. Zufolge der einmal gemachten Einrichtung mufs der Meister auf jeden Centner Stabeisen 6 Pfund Uebergewicht geben , wogegen man ihm weder Kohlen noch Roheisen vergütet. Ferner giebt derselbe auf jede 6 Centner 4 Pfund Klobengewicht. Gesetzt nun, es wäre in einem Quartal an Stabeisen geschmiedet 720 Cent. — Pfd, so betiägt das Aufgewicht 40 — 60 — das Klobengewicht 4 — 24. — Summa 764 Cent. 84 Pfd. 710 Centner Stabeisen geben mit l Abgang an Roheisen 1080 Cent.- Ueberschufs geliefert 49 — —. — Mith. an Roheisen verbr. 1040 Cent-- ’ G 5 Es ist folglich zu i Centner Stabeisen i Centner 4J3I5 Pfund Roheisen erforderlich gewesen. III. Versuche über die Wirkung des Schwefels, des Phosphors, des Braunsteins, der Säuren, Alkalien, Neutralsalze und Erden_ auf das Eisen. §. 40. Schon seit langer Zeit waren die Meynungen über die Wirkung des Schwefels und des Phosphors auf das Eisen, sehr getheilt. Dafs letztrer Kaltbruch bewirke, wurde bereits fast allgemein angenommen; — den Einflufs des erstem liefs man aber noch unentschieden. Bestimmte Resultate über beides lassen sich nur aus Versuchen im Grofsen ziehen; indem das, der Wirkung jener Substanzen ausgesetzt gewesene Roheisen, ordentlich verfrischt werden müfste. Es schien mir aber doch der Miihe wertb, wenigstens den unmittelbaren Einflufs dieser Körper auf das Eisen näher kennen zu lernen und in dieser Hinsicht hielt ich Versu ch e im Kleinen schon für hinreichend. Hier liefs sich ferner auch einigermaßen beurtheilen: welche Eigenschaften das Eisen vom Braunsteine bekäme?— und ob die Säuren, Alkalien, Neutralsalze und Erden *) ebenfalls auf das Eisen wirken ? Es war nothwendig, diese Versuche dem Prozesse im Grofsen ähnlich zu machen; das Eisen muste während seiner Wiederherstellung mit denjenigen Körpern, welche sich damit verbinden sollten, in Berührung stehen und nicht etwa «erst im metallischen Zustande damit behandelt, zementirt u. d. gl. werden. Ich wählte zu den Versuchen keinen Eisenstein, sondern reinen Eisenkalk, nemlich ausgesuchten grobblättrigen S in ter (Hammerschlag). Dieser wurde fein pulverisirt, der zuzusetzende Körper gleichförmig damit vermengt, und dann übrigens, wie eine gewöhnliche Eisenprobe behandelt, d. h., das Gemenge in einep •> Von diesen letztem hat man vorzüglich einige im Verdacht gehabt und diefs bewog mich eben» Versuche damit anzustellen. mit Kohlenstaub ausgeschlagenen Probirkelch ge- than, mit einem Kohlendeckel bedeckt und nun der Wirkung eines stundenlangen Handgebläses ausgesetzt, wo anfangs mäfsig und zuletzt geschwind geblasen wurde. Nach gehöriger Erkaltung ward dann die Probe herausgenommen und näher untersucht. Alle Versuche haben wo möglich einerlei Feuersgrad gehabt und jeder Versuch ist unter den nemlichen Umstünden mehrere male wiederholt. Uni die Zähigkeit und den Bruch der erhaltenen Körner zu beobachten, wurden sie unter einer sogenannten Ramme probirt, wo sie dann mehr oder weniger gleich starke Schläge eines io Pfund schweren Eisens aushielten. Versuch x. Um die Quantität und Qualität desjenigen Eisens zu untersuchen, welches der Sinter für sich ohne Zuschlag lieferte, so wurden iooPfund desselben für sich auf Roheisen probirt. Das erhaltene Korn war glatt und glänzend ohne Eisenfarbe (Graphit)J und Nebenkörner. Es zeigte sich ziemlich zäh, liefs sich etwas breit schlagen und hielt 12 Schläge bis zum Zerspringen aus. Der Bruch desselben war fein und näherte sich dem Dunkelgrauen. Die Schlacke war schwarz, derb und glasigt. Das Eisen wog = 7 s Pfund. Dieser Versuch war nothwendig, um den Einflufs der nachher zugesetzten Substanzen desto sicherer beurtheilen zu können. Derselbe Versuch mit einem Zasazze von 25 Pfund Flufsspath wiederholt, liefs an dem Korne keine Veränderung bemerken; der Bruch war blos etwas heller und die Schlacke weifs und erdigt. §• 41 - A) Eisen mit Schwefel. Versuch a. 100 Pfund Sinter mit 10Pfund reinem pul- verisirten Schwefel. Das Korn war glatt, blau angelaufen und ohne Eiserfarbe. Da, wo die Schlacke gesessen hatte, zeigten sich einige röthliche und gelbe Flecken. Es zeigte sich etwas spröde, beim jten Schlage ging es in Stücken. Der Bruch war weifslich, stahlartig, fein und matt. Die Schlacke schwarz, halb verglast und undurchsichtig; äufserlich violet angeflogen. Das Eisen wog = 71J Pfund. Der zugesetzte Schwefel bewirkte hier also schon eine beträchtliche Veränderung. Bei allen Versuchen liefs sich das Buntfarbige des Korns und das Grellwerden bemerken. Bei einem Zusatze von so Pfund Schwefel war die Sprödigkeit des Eisens so grofs, dafs es nur einen losen Zusammenhang zeigte und eine leichte bröcklichte Masse bildete. An der Schlacke liefs sich keine Veränderung bemerken. Versuch 3 . 100 Pfund Sintermit 20 Pfund Schwerspa t h. Das Korn war äufserlich matt und rauh mit mehrern hohlen Stellen, theils bläulich, theils röthlich angelaufen. Es hielt 6 Schläge aus, und sprang dann in der Mitte durch. Der Bruch näherte sich dem grauen, war derb und fein, und zeigte mehrere schwärzliche gelblich rüthliche Stellen, Die Schlacke schwarz, etwas derb und ziemlich glasig. Das Eisen wog = 6g Pfund. Der Schwefel des Schwerspaths bewies mithin hier seinen Einflufs ebenfalls, nur nicht so stark, weil er in geringerer Menge gegenwärtig war. Bei einigen so beschickten Proben fiel das Korn etwas zäher aus, im Bruche zeigte es sich aber ebenfalls sehr grell. Bei einem Zusatze von 30 Pfund Schwer- spath war das Korn etwas dunkler angelaufen und zersprang, ohne sich gebreitet zu haben, beim fünften Schlage. — Der Bruch war sehr hell, fein und matt, und das Eisen wog — 79^ Pfund. — Die Schlacke fiel pechartig, dunkel- violet und feinporös aus. Versuch 4. 100 Pfund Sinter mit 20 PfundGyps. Das Korn war etwas gedrückt und unregel- mäfsig, glatt, gelblich-röthlich angelaufen und ohne Eiserfarbe. Es zeigte sich sehr hart und spröde — beim seine Wirkung auf das Eisen geäusert. Dafs hier das Eisen greller, als bei Versuch t ausfiel, scheint, da der Eisenkalk mit den beiden andern Körpern mechanisch gemengt war, in einer Erschwerung der Wiederherstellung zu liegen, die dieses Gemenge verursachte. Bei allen schwefelhaltigen Zusätzen gehet also der Schwefel, durch die hohe Temperatur der Sclimelzhizze unterstützt, eine Verbindung mit dem Eisen ein. S Dafs der Schwefel, wirklich Rothbruch hervorbringt, ist ohne allen Zweifel. Durch Versuche im Grofsen, wo man der Gattirung z. B. Gyps zusetzte und das sich dabei erzeugte Roheisen nachher verfrischte, ist dies hinlänglich erwiesen. ♦) Bei den meisten Versuchen hatte das sich beim Schwefel redusirte Eisen weniger, als 75 Pfund am Gewichte. H ii4 §• 4 2 * B) Eisen mit Phosphor , 1 Versuch 6. ioo Pfund Sinter mit io Pfund Phosphor. Gab ein glattes, glänzendes, hochroth angelaufenes Korn. Es bewies sich sehr hart, indem es erst beim achten Schlage in mehrere Stücke zersprang. Der Bruch war sehr weifs, fast eben und matt. Das Eisen wog =: 8° pfund. Die Schlacke ziemlich derb, glatt und undurchsichtig und ins bläuliche fallend. 1 f Das Korn blieb bei demselben Zusatze immer das nehmliche, — nur zuweilen fiel es etwas strahligt im Bruche und spröder aus. Die Schlacke zuweilen schwarzgrünlich und etwas porös war. Bei einem Zusatze von ao Pfund Phosphor erfolgte ein mit vieler hochroth und violetter Farbe eingelaufenes Korn, welche vorzüglich in den, an dem Korne befindlichen flachen Vertiefungen sichtbar waren. Der Bruch gieng ins strahligte über und das Eisen bewies sich u im hohem Grade spröde. Schon beim zweiten Schlage zersprang es in mehrere Stücke: es wog —177 Pfund. Die Schlacke war feinporös, übrigens der vorhergehenden ähnlich. Bei allen Versuchen wurde m e h r als 75 Pfund Roheisen erhalten. Ver such 7. 100 Pfund Sinter mit 10 Pfund Phosphor und 25 Pfund Kalk erde. Es hatte sich kein ganzes Korn gebildet, sondern die Kalkerde war zu einer aschgrauen, dichten Masse zusammengesintert. Das regulinische Eisen war in gröfsern und kleinern Körnern dazwischen gestreut. Die Körner selbst, meist pfauenschwei- fig angelaufen, im hohen Grade spröde und im Bruche eben und spiegligt. Der zu diesen Versuchen angewandte Phosphor war vollkommen rein und halb durchsichtig. Er wurde zu unterst in die Tiegelspur in kleinen StÜGken gelegt und dann der pulveri- sirte Sinter darauf geschüttet, mit Stubbe bedeck^ und nun schnell eingesetzt. Aus diesen Versuchen ergiebt sich blos die unmittelbare Wirkung des Phosphors auf das Ei- Pi 2 sen. Dafs er aber in der That Kaltbruch bewirke, ist keinem Zweifel mehr unterworfen. , Dafs sich der Phosphor sehr leicht mit dem z Eisen verbindet, und dafs es sehr schwer hält, ihn aus dieser Verbindung gänzlich abzuscheiden, beweifst die Erfahrung hinlänglich. Z! §• 43- dl ei C) Eisen mit Braunstein. Versuch 8 - Vc 100 Pfund Sinter mit 10Pfund Braunstein*'. £ a fa« Gab ein schönes ebenes Korn; da wo es mit un der Schlacke Zusammenhang, war es glatt, glän- j; c zend und messingfarben angelaufen; an der untern Seite war es matt und schwärzlich, doch cr j ohne Eisenfarbe. g Es zeigte sich sehr zäh, — nach zwölf j n Schlägen hatte es sich etwas gebreitet, ohne ei- Ur)( nen Rifs zu bekommen; beim i 8 ten Schlage ging es in der Mitte durch. Der Bruch war bunt, aus schwärzlichen und grauen kleinen un j F lecken bestehend ; die dunkeln Stellen waren 0 pa Völlig matt, ohne metallglanz, die grauen dem Aet gewöhnlichen halbirten Roheisen ähnlich. stei *) Dieser Braunstein war kristallinischer von Ilefeld. gen Das Eisen wog — 78 Pfund. Die Schlacke durchaus hellblau, glänzend , glasigt und undurchsichtig. Bei allen Versuchen mit diesem Braunstein- zusatze zeigte sich der nehmliche Erfolg. Wurden 20 Pfund Braunstein zugesetzt, so entstand ein änserlich halb mattes, halb glänzendes Korn, welches sich ziemlich zäh, doch nicht so, als vorhergehendes bewies. Der Bruch war dem des gaaren Eisens vollkommen ähnlich und das bunte fast nicht bemerkbar, übrigens sehr feinkörnigt und uneben. Das Eisen wog — Pfund, Die Schlacke fiel weifs, erdigt und dicht aus. Wurden 30 Pfund Braunstein zugesetzt, so erfolgte ein ebenes, mattes, gelbröthliches Korn. Es war spröde und zersprang beim dritten Schlage in mehrere Stücke. Der Bruch weifs, spieglicht und nicht bunt, völlig dickgrell. Das Eisen wog göf Pfund. Die Schlacke glatt, völlig dicht, glasigt und durchsicht g, stark glanzend, auf dem Bruche opalisirend, bräunlich, mit einigen blauen feinen Aederchen durchzogen. Wurden zu 100 Pfund Sinter 50 Pfund Braunstein zugesetzt, so erfolgte ein überall ausgeso- RenesKorn, welches ganz mit einer lichtgrünen Schlacke überzogen war und sich schwer davon absondern liefs. Die Metallmasse zeigte viel Zähigkeit, liefs sich stark breiten und bekam dann verschiedene Risse. Inwendig zeigte sich ein theils ebenes, theils strahliges weifses Gefüge, worin sich einige Heilungen bemerken liefsen. Da die glorith grün e Schlacke sich nicht gänzlich von dem Korne absondern liefs; so wurde es auch nicht gewogen. $ Die Gewichtszunahme des erhaltenen Roheisenkorns bei diesen Versuchen, beweifst sehr deutlich die Verbindung des Braunsteins mit dem Eisen, Ein Theil desselben geht in die Schlacke über und färbt diese blau. Doch gehört zum Blaufärben der Schlacke nur eine bestimmte Menge des Braunsteins. Versuch 9. 100 Pfand Sinter mit 10 Pfund Braunstein . und 10 Pfund reinen Schwefel. Dieser Versuch ward angestellt, um zu untersuchen : ob der Braunstein die Wirkung des Schwefels hindern würde, oder nicht. Es erfolgte ein äuserlich unebenes mit einigen kleinen Blasen hin und wieder glänzendes, und mit einigen blauen Flecken angelaufenes Korn. Es war ziemlich spröde, zugleich aber etwas weich, denn es hatte sich beim vierten Schlage, wo es zersprang, einigennafsen gebreitet. Der Bruch grau und hakigt. Sein Gewicht betrug ~ 74 Pfund. Die Schlacke schwarz, poriis und wenig verglast. In andern ähnlichen Versuchen fiel das Roheisenkorn aufserordentlich zäh und doch von Weifsem feinen Bruche aus. Aeufserlich war das Korn oft glatt und taubenhalsig angelaufen. Die Schlacke immer schwarz und porös. Bei einem Zusatze von 10 Pfund Schwefel, und 20 Pfund Braunstein war das Korn äufser- lich glatt und weifs., zeigte sich ziemlich zäh, hielt sieben Schläge aus, ehe es borst und sprang beim achten in einige Stücke. Der Bruch weifs und strahlig. Es wog ~ 68 Pf- DieSchlacke Zeisiggrün, porösuug erdigt- Versuch 10. 100 Pfund Sinter mit 20 Pfund Braunstein und ao Pfund S c h w e r s p a t h. Gab ein unebenes beuligtes Korn, theils mes- singfarben, .theils silberweifs angelaufen. H 4 Das Eisen zeigte sich sehr hart, zersprang erst nach dem zwölften Schlage in mehrere Stücke. Der Bruch lichtgrau, matt und feinstrahligt , sich dem dick g reilen nähernd. Sein Gewicht betrug zr 8* Pfund. Die Schlacke lichtmeergriin, feinporös und halb verglafst. Mit 50 Pfund Braunstein und 30 Pfund Schwerspath entstand ein schönes glattes und ebenes Korn, -— da wo es mit der Schlacke zusammenhing, wie polirt und silberweifs. Es war weit spröder, als vorhergehendes, sprang beim dritten Schlage in mehrere Stücke. Der Bruch strahligt, aber matter und feiner. Es Wog rr 86 Pfund. Die Schlacke derb, ziemlich Verglast und völlig meergrün, Versuch 11, 100 Pfund Si n ter mit so Pfund Braunstein und 5 Pfund Phosphor. Ein äufserlich glattes ebenes Korn,- an einigen Stellen gelblich rüthlich glänzend. Das Eisen bewies sich sehr spröde, aber ziemlich hart, — beim sechsten Schlage zersprang es in mehrere kleine und gröfsete Stücke. 121 Der Bruch sehr weifs, spiegelnd, mit matten {Strahlen. Durch den ganzen Bruch kleine und grünere graue Punkte, wie der Braunstein gewöhnlich bildet. Das Eisen wog — 83 Pfund. Die Schlacke beinahe ganz weifs, gut verglast, und opalartig. Der wenige Phosphor hatte mithin einen starkem Einflufs, als eine gröfsere Menge Schwefel. & 44 , D) Eisen mit Säuren, Versuch 12. 100 Pfund Sinter mit Schwefelsäure angefeuchtet. Ein unebenes ausgesogenes Korn, an den meisten Stellen unscheinbar und völlig matt, an einigen wifsmuthfarben mit dunkelblauen Flecken angelaufen. Das Eisen weich und undicht, liefs sich etwas breiten, ging aber beim dritten Schlage schon in der Mitte durch. Der Bruch dunkel, matt, körnigt und ungleich, von grober Textur, es wog — 75 Pfund. Es war keine Spur von Schlacke bemerkbar. H 5 ioo Pfund Sinter mit Salpetersäure ange-i feuchtet. Ein glattes , schwach ins rüthliche spielende Korn, mit einigen anklebenden schwarzgrünlichen verg'asten Schlackenkörnern. Das Eisen hart, iiefs sich nicht breiten und sprang beim vierten Schlage in der Mitte durch. Der Bruch dicht, fein, matt und bunt, dem mit Braunsteinzusatz sehr ähnlich. Des Korn wog “ 75 Pfund. Versuch 14. 100Pfund Sinter mitSalzsäure angefeuchtet. Ein mattes. stark ausgesogenes Korn, in einigen Vertiefungen hochblau angelaufen, in andern röthlichgelb. « Das Eisen härterund zäher, als vorhergehendes, beim sechsten Schlage borst es und theilte sich in zwei Stücke. Der Bruch hell, etwas undicht, strahligtkör- nlgt. An einigen holen Stellen zeigte sich ein kristallinisches Gefiige. Es wog ~ 70 Pfund. Die wenige anklebende Schlacke war schwarzgrau und gut verglast. Diese Versuche zeigen deutlich, dafs das Radikal dieser Säuren auf das Eisen wirkt und die gewöhnliche Beschaffenheit desselben ändere. §■ 4 S- E) Eisen mit Alkalien. Versuch 15. 100 Pfund Sinter mit 10 Pfund reiner Potasche. Ein vollkommenes Eisenkorn, iinfserlich matt, ohne Eisenfarbe, mit kleinen anklebenden schwarzen Schlackenkörnern. Das Eisen hart und spröde, beim sechsten Schlage sprang es in mehrere Stücke. Der Bruch spieg'igt strahligt, sich dem dick- grellen nähernd. Es wog ~ 72 Pfund. Die Schlacke schwarz und feinporös. Versuch 16. 100 Pfund Sin te r mit 10 fffund Soda. Ein äufserlich total ausgesogenes, rauhes, meist blau und violec angelaufenes Eisenkorn, —■ die unangelaufenen Stellen zinnfarbig. Das Eisen dicht und zäh; nach acht bis neun Schlägen fing es an, nachdem es sich gebreitet hatte, eine Borste zu bekommen und theilte sich nachher in mehrere Stü/cke. Der Bruch undicht, lichtgrau, matt und ungleich, an einigen Stellen schwach ins rüthliche spielend, Das Korn wog = 71 Pfund. Wegen der vielen Hölungen und hervorragenden Spitzen des Eisenkorns, hatte sich* die schwarzgraue glasigte Schlacke um und um fest angelegt und liefs siel} nur mühsam absondern. eutralsalze, F) Eisen und Versuch 17. 100 Pfund Si nter mit <0 Pfund Salpeter. Das Korn äufserüch glatt und eben, hie lind da mit einigen kleinen flachen Beulen. ' Das Eisen dicht und zäh, liefs sich etwas breiten, hielt neun Schläge aus und ging dann in der Mitte auseinander. Der Bruch dicht, fein und bunt. Es besafs alle Kennzeichen eines guten Roheisens. Das Gewicht desselben betrug — 74 Pfund. Die Schlacke schwarzgrau und glasigt. 125 Versuch 18. 100 Pfund Sinter mit 10 Pfund Kochsalz. Auf der obern Seite war das Korn völlig glatt und eben, an der untern etwas uneben. Es bewies sich ziemlich hart, beim achten Schlage zersprang es in mehrere Stücke. Der Bruch völlig matt, schiefergrau und bunt, an einigen hellen Scellen nur schwach metallisch glänzend. Das Eisen wog ~ 75 Pfund. Die Schlacke lichtgrau, sehr derb und halb- durchsichtig. Versuch 19. 100 Pfund Sinter mit 10 Pfund Borax. Ein äufserlich ebenes und mattes Korn zeigte viel Zähigkeit, liefs sich breiten und hielt bis zum Zerbrechen zwölf Schläge aus. Der Bruch eben und dicht. Es wog 75 Pfund. Die Schlacke schwarz und blasigt. Versuch 20. 100 Pfund Sinter mit 10 Pfund Salmiak. Das Korn äufserlich eben und halb matt. Etwas undicht; beim dritten Schlage bekam es einen Rifs und beim fiioften brach es, nachdem es sich etwas zusammengeschlagen hatte, in der Mitte durch. Der Bruch näherte sich dem dunkelgrauen, war völlig dicht, an einigen Stellen ganz matt und unmetallisch , an andern wie gewöhnliches graues Roheisen. Es wog 74 Pfund. Die Schlacke war schwarzgrau ^ dicht und glasigt. §. 47 - G) Eisen mit Erden, Versuch 21. a) 100 Pfund Sinter mit 25 Pfund gemeinen Sande. Es fand sich hier fast beständig eine zusammenhängende Masse, welche einer nur halb ge- rathenen Probe nicht unähnlich war. Die Sandkörner waren kaum zusammengesintert und die kleinen regulinischen Eisentheile durch die Masse zerstreuet. Die Kieselerde hatte also nicht sowohl die Reduktion des Eisens, als die Vereinigung desselben zu einem einzigen Korne, gehindert. Zuweilen hatten sich die regulinischen Eisentheile einander mehr genähert. Die Masse ii7 war zusammenhängender, zwar noch sehr porös, aber so zäh, dafs sie nur mit der gröfsten Mühe zu trennen stand. Das Eisen war dabei nicht roh, sondern wirklich geschmeidig, weil der Kohlenstoff durch die Kieselerde gehindert wurde, sich mit demselben zu vereinigen.! Derselbe Versuch, statt des Sandes, reinen pulverisirten Quarz genommen, wiederholt, bildete sich eine schwarze, zusammenhängende Masse, äufserlich ebener, als die vorhergehende und inwendig hohl Regulinisclies Eisen war nicht zu sehen, so wenig kleine als grofse Körner. Das Ganze war sehr mürbe und porös und innerlich bläulich röthlicli angelaufen. Das Volumen des Quarzes war hier gröfser als bei vorhergehenden Versuchen, und aus dieser Ursaclx war wahrscheinlich, da wenig Berührung unter dem Eisenkalke statt fand, die Wiederherstellung desselben gehindert worden. Eine Verbindung der Kieselerde mit dem Roheisen ist gar nicht möglich, sie läfst sich auch aus diesen Versuchen nicht folgern. So bald als noch eine andere Erdart, z. B- Kalkerde gegenwärtig ist, wird sich diese mit der Kieselerde verbinden, und so ihre Wirkungskraft auf das Eisen ganz aufheben. Sind aber mehrere Erd- 128 arten vorhanden, so mag dieprädominirende «eyn, welche sie \vill, unmittelbaren Einilufs auf die Beschaffenheit des erzeugten Eisens , kann sie nicht haben. g Versuch 22. b) 100 Pfund Sinter mit 35 Pfund Kalkerde. Ein gaares, mit feiner Eisenfarbe belegtes zt Korn; wenig kleine Nebenkörner, die in der Schlacke zerstreut lagen. le Das Eisen war zwar etwas weich, aber sprü- sc de. Der Bruch beinahe ganz schwarz, wie reiner Graphit, beim vierten Schlage borst es und Tf sprang. Statt der Schlacke eine weifse, nuirbe, halb zerfallene Masse. w Das Eisen wog 70 Pfund. w< ch Eine Verbindung der Erde mit dem Roheisen ist hier ebenfalls nicht erweislich. Der Fall ist SCI auch beinahe ohnmöglich, dafs sich nur eine einzige Erdart in der Gattirung hei einem Hohenofen befinden sollte ; sind aber mehrere Erdarten < vorhanden , so werden sich diese lieber mit sich selbst verbinden. t kei V e r- c) ioo Pfund Sinter mit if Pfund reiner Schwere rde. Gab ein einziges , ziemlich glattes Korn ohne glänzende und- angelaufene Stellen. Das Eisen zeigte sich ziemlich hart, es verhielt acht Schläge, ehe es in mehrere Stücke zersprang. Der Bruch war mattglh'nzend weifs und strahlend -spiegelnd, hin und wieder mit kleinen schwarzen punkten, übrigens sehr dicht. Das Gewicht des Eisenkorns betrug ^ yj rfund. Die Schlacke ziemlich derb, gut verglast, inwendig mit einigen kleinen Holungen, graulich- weifs, mit dunkelbraunen und lichtblauen Aeder- chen durchtrümmert. Die Schwererde hatte hier also die Verbindung des Kohlenstoffs mit dem Eisen gewis- sermafsen gehindert. ■Versuch 24. d) 100 Pfund Si nter mit 25 Pfund reiner Thonerde. Eine hole, aus metallischen Eisen undSchlak- keütheilen zusammengesetzte Masse. Sie war I porös, zeigte aber viel Zusammenhnag und das Eisen eine grofse Zähigkeit. Da es ricii gröfs- tentlieils in dünnen Schlacken und kleinen Körnern gebildet hatte , liefs sich der Bruch nicht genau beobachten; äufserlicli war es theils matt und blau angelaufen, theils metallisch glanzend. Sobald sich also eine einzige einfache Erde mit blofsem Eisenkalke im Gemenge befindet, so löst sich einTheil Erde mit etwas Eisenkalk auf Und bildet die Schlacke . die übrige verhindert, vermöge ihrer Unschmelzbarkeit die Vereinigung der Eisentheile und daher entsteht nie ein vollkommenes Korn; aber sie verhindert auch die Verbindung der Kohle mit dem Eisen, daher die Zähigkeit desselben. -