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du? Jener antwortete: Du sollst lieben den Herrn, deinenGott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit ganzem Ver-mögen und mit ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dichselbst. Jesus sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tuedas, so wirst du leben. Der Schriftgelehrte aber wollte sichrechtfertigen und fragte: Wer ist mein Nächster? Da erzählteihm Jesus folgendes Gleichnis:
Ein Mann ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fielunter die Räuber. Die zogen ihn aus und schlugen ihn, gingendavon und liehen ihn halbtot liegen. Von ungefähr zog einPriester dieselbe Straße hinab; da er jenen sah, ging ervorüber. Ebenso auch ein Levit, der die Stätte betrat, —als er kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariteraber, der auf der Reise war, kam auf ihn zu und da er ihnsah, jammerte ihn seiner. Er trat zu ihm, verband seineWunden, goß Oel und Wein darauf, hob ihn sodann aufsein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegteihn. Des andern Tages zog er zwei Geldstücke heraus, gabsie dem Wirt und sprach zu ihm: Pflege ihn und was dumehr daran wenden wirst, will ich dir bezahlen, wenn ichWiederkomme.
Welcher unter diesen dreien, dünkt dich, sei der Nächstegewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Jenererwiderte: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprachJesus zu ihm: Gehe hin und tue desgleichen!
Was ihr wolli, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen.
79. Der Engel der Gefangenen. ( 132 )
Am 21. Mai 1874 wurde in Norwich aus vornehmemHause Elisabeth Frei geboren. Im Jahre 1800 ver-heiratete sie sich mit einem reichen Kaufmann in London und obwohl Mutter von elf Kindern, musterhafte Gattinund Hausfrau, fand sie noch Zeit, sich um die vielen Ver-lassenen der großen Weltstadt zu kümmern. In die schmutzig-sten Hütten des Elends, zu den verwahrlosten Schäfern auf