aswejfi-äjd*- L ^ i sra'^'-fi/-_• : -:• >. i-.l l Kantons-Bibliothek Graubiinden — Cliur. mm®. "V ’i^k‘ Ll;4 s >S^K^’'^-i ■?;' .v ;," iV ; . .i-r^Ä “S 8 !!» «HgttK h'■*$!&&}&$.& n;vi 1 ?K*-<| 0» i*Kj *Hs>- 5 ' ■-. ri'^rl'is.-.-r;-: ; ■ ■;-• .'•' - '• ..S": '-t ■ *$SC&V«fi liWlL'A-lWha ^•>:r Unterengadin. Geogn ostische S k i z z .von Professor G. Theobald in Chur. Seit längerer Zeit schon hat das Engadiner Thal die Aufmerksamkeit Einheimischer und Fremder in Anspruch genommen. Die erhabenen Alpengipfel und weit gedehnten Gletscher des Berninagebirges fangen an einen Europäischen Ruf zu erlangen und der Strom der Touristen zieht sich dahin; auch die wissenschaftliche Untersuchung hat sich diesem Theil von Graubünden vorzugsweise zugewendet und wir verdanken dieser schon viele schätzenswerthe Beiträge zur Kenntniss der Alpenwelt. Minder besucht und im Allgemeinen etwas stiefmütterlich betrachtet und behandelt ist der untere Theil der Thalschaft. Freilich bietet dieser weniger hervorstechende Punkte für das grosse Reisepublikum; das Reisen ist dort weniger bequem, die Lebensverhältnisse der Bewohner schliessen sich weniger dem städtischen Comfort an. Wer aber die Gegend genauer kennt, wird finden, dass sie, wenn auch in anderer Art, sich würdig dem Oberengadin an die Seite stellen kann. Vom Standpunkt des Geognosten aus, ist sie in mancher Beziehung interessanter und bietet oft den Schlüssel zu den Erscheinungen im obern Thale. Ich habe mich seit einiger Zeit vorzugsweise der Untersuchung dieses Landstrichs zugewendet, und obgleich ich solche nicht für geschlossen ausgeben kann, so glaube ich doch, dass eine Zusammenstellung der bis jetzt erlangten Resultate nicht ganz ohne Interesse sein wird, besonders da ich im nächsten Sommer wahrscheinlich Gründe haben werde, mich anderen Gegenden des Landes zuzuwenden und jetzt das Beobachtete mir noch in frischer Erinnerung ist. Es schliessen sich die folgenden Blätter an die Beobachtungen der Herren Escher und Studer an und wollen nichts weiter sein als Ergänzungen des Grundrisses, dessen Züge überhaupt für die Alpengeologie massgebend sind. Auch Herrn Prof. Moussons Arbeit über Tarasp darf hier nicht unerwähnt bleiben. Ueber das Engadin, namentlich die obere Thalschaft, ist schon viel geschrieben worden, was allgemeine Verhältnisse betrifft; ich kann daher bezüglich dieser kurz sein und bemerke zur Orientirung Solcher, denen die betreffende Literatur nicht bekannt ist, nur Folgendes. t — 4 — Engadin ist das obere Thal des Inn und von dem Ursprung des Flusses aus dem lac Lunghin und dem Pass Maloja, der nach Bergell führt, bis zur Felsenenge bei Martinsbruck und Finstermünz etwa 18 Stunden lang, wovon etwa 7 auf Ober-, 11 auf Unterengadin kommen. Dieser Unterschied ist kein willkürlicher, denn in der That findet ein bedeutender Höhenunterschied zwischen beiden statt. Oberengadin ist eines der höchsten bewohnten Hochthäler Europas. Die Felsenschwelle Maloja, welche es als Wasserscheide von Bergell trennt und sich nicht bedeutend über die obere Thalschaft erhebt, ist 1811 Meter hoch, der nahe gelegene Silser See 1796 M. und von da senkt sich das Thal langsam gegen Nordost. Bei St. Moriz bezeichnet ein Wasserfall des Inn eine Thalstufe; das nahe darunter liegende Celerina hat noch 1724 M., Cinoschel bei der Brücke Puntanta 1616 M. Hier ist die Grenze des Oberengadins ; die begrenzenden Berge treten nahe zusammen und eine aus hügeligem Land bestehende Thalschwelle engt den Fluss ein, der sie in einer tiefen Felsschlucht durchbricht, während er im Oberengadin in breitem, flachem Thalgelände durch Wiesen dahinfloss. Die Brücke unterhalb Zernetz liegt nur noch 1464 M.; in die Ebene von Zernetz steigt man von Brail und Sur Via, das noch 1661 M. hoch, schnell hinab und ist nun im eigentlichen Unterengadin, dessen Conformation eine viel unregelmässigere ist. Der Inn iliesst hier meist in einer tiefen Schlucht, die Dörfer liegen hoch darüber auf vielfach durch tiefe Tobel getrennten Terrassen, und zwar meist auf der sonnigen Nordseite, während die im Schatten hoher Berge liegende Südseite nur schwach bewohnt ist. Der tiefste Punkt, Martinsbruck, liegt 1019 M. Beide Thalhälften sind von hohen Gebirgen eingefasst. Im Hintergrund des Oberengadins erheben sich die gewaltigen Massen des Berninagebirges bis zu 4052 M. Von diesen trennt sich am Berninapass ein hoher, in nordöstlicher Richtung verlaufender Bergzug, welcher das Engadin von Livigno scheidet und vom Spöl bei Zernetz durchbrochen wird. Die eigentliche Wasserscheide zieht von Bernina östlich über das Joch, das von Poschiavo nach Livigno führt, und von da über den Piz Zembrasca und Foscagno. Von da aus verzweigt sie sich einestheils östlich gegen das Stilfser Joch, anderntheils nördlich über den Ofenpass und den Hintergrund von Scarl gegen die Malser Haide, welch letztere eine tiefe Einsenkung bildet. Zwischen ihr und dem Spölthal bei Zernetz liegen die mächtig entwickelten Gebirgsmassen, welche das Unterengadin südlich begrenzen. Der Ofenberg bildet hier eine Art von Centralstock, von dem aus sich dieses vielgegliederte Gebirgssystem ausbreitet. Die linke Seile des Oberengadins wird durch einen Bergzug gebildet, welcher 5 auf den gewöhnlichen Karten meist als Albulakette bezeichnet ist, am Septimer beginnend, über die Pässe Julier, Albula, Scaletta, Fliiela in nordöstlicher Richtung gegen die Selvretta zieht und sich mit dieser vereinigt. Eigentlich ist auch dieser keine Kette, sondern eine Reihe von Gebirgsstöcken, die, durch die genannten Joche getrennt, ihre Hauptverzweigungen nach Westen senden, während der Abfall gegen Engadin kurz und steil ist und nur wenige und kurze Seitenthäler hat. Die Selvretta, oder der Gebirgsstock, zwischen den Quellen des Landquart, 111, Trisanna und der Kehre des Inn bei Lavin, bildet eine mächtige Centralmasse, um die sich die nordöstlichen Alpen Graubiindens, sowie die von Vorarlberg gruppiren; sie führt auf den Karten auch die Namen Fermunt und Albuin. Ersterer Name (Eisengebirg) bezieht sich auf die rostige Färbung ihrer Hörner, da der Hornblendeschiefer, aus welchem sie theilweise bestehen, aussen, in Folge der Oxydation des Eisengehaltes, roth anläuft. Der andere Name beruht auf Missverstand, indem eine der höchsten inneren Spitzen Piz Buin heisst. Der Selvrettastock ist nämlich kein einzelner Berg, wie man sonst ebenfalls irrig annahm, sondern besteht aus mehreren Gruppen hoher, auffallend zerrissener Hörner und Gräte, welche der grosse Selvrettagletscher, von SW.-NO. streichend, in zwei Hälften zerlegt. Von hier aus streicht westlich der Rhäticon bis zum Rhein, östlich der hohe Jamthaler Ferner und die Bergreihe, welche das Unterengadin auf der Nordseite begrenzt. Weiter nach N. entwickeln sich von hier aus die viel verzweigten Gebirgsmassen von Vorarlberg und Algau. Von der Selvretta laufen mehrere, zum Theil ziemlich lange Seitenthäler gegen Engadin aus: Val Sagliains und Lavinuoz bei Lavin, Tuoi bei Guarda, Tasna bei Fettan. Weiterhin nach Osten folgen dann: Val Chlozza bei Schuls, Sinestra bei Remüs und endlich Samnaun. Auch von der Südseite münden solche, und zwar bei Zernetz das Spölthal, dann die Val Zeznina, Nuna, Sampoir, Plafna, Scarl, Lischanna, Triazza, Uina, Assa, endlich das Thal von Nauders mit der Malser Haide. Jenseits liegt das Münsterthal, welches schon zum Gebiet der Etsch gehört. Eine allgemeine geognostische Uebersicht des ganzen Engadin giebt Folgendes: Der Berninastock besteht aus krystailinischen Gesteinen; die Centralmassen sind Granit, Syenit, Diorit, porphyrartiges Gestein, welche von Gneiss, Hornblende-, Glimmer- und Talkschiefer umlagert sind; letzterer geht an der Grenze in Talkquarzit (Verrucano) über. Einige Kalkstöcke sind den krystailinischen Gesteinen eingelagert. Letztere bleiben die herrschenden Felsarten bis zum Eingang des Val Chiamuera bei Camogask, wo der Kalk von der linken Thalseite übersetzt und als 6 breites Querband nach dem Münsterthal und dem Ortles streicht, während der Inn fast überall bis auf die krystallinischen Grundmassen eingeschnitten ist. Der Kalk setzt fort bis zum Spöl, überspringt diesen oberhalb Zernetz und gewinnt hier eine überaus grosse Verbreitung, so dass fast die ganze Südseite des Unterengadins daraus besteht. Es gehört den Triasbildungen; zunächst unter ihnen liegt meist Verrucano, fehlt aber auch zuweilen. Die linke Thalseite beginnt am Maloja ebenfalls mit Gneiss und Glimmerschiefer. Der Septimer besteht aus den Gesteinen des Oberhalbsteins, aus grauen und bunten Schiefern, Kalk und Serpentin. Sie greifen noch auf die rechte Seite über, so dass in Val Fex und bei Sils Kalk und bei Surlei Schiefer anstehen, die sich bis St. Moriz ziehen; auch die Serpentine erscheinen bei Surlei noch einmal auf der rechten Thalseite. Auf der linken folgen dann die höchst verwickelten Formationen von Grave- salvas, weiter der Julierstock, aus einem sehr eigenthümlichen Granit gebildet. Bei St. Moriz und Samaden ist eine Unterbrechung durch Kalk, Schiefer und Verrucanoartiges Conglomerat, dann wieder Granit am Piz Ot, Val Bevers und auf der Südseite des Albulapasses. Die Nordseite des letztem besteht aber aus Triaskalk, der von den Bergüner Gebirgen nach Camogask und Chiamuera überstreicht und auf der linken Thalseite des Engadins bis Capella anhält. Auf den Höhen hat er aber schon längst den krystallinischen Gesteinen Platz gemacht, welche schon in der Val Tuors bei Bergiin angefangen. Ein Streif Verrucano liegt ziemlich constant zwischen beiden. Von der Val Tuors und dem Piz Kesch an bis über die Selvretta hinaus begegnet man nur Gneiss, Glimmer- und Hornblendeschiefer, und diese greifen bei Zernelz auch weit auf die rechte Thalseite über; dan^ folgen die Schiefer- und Kalkbildungen des Unterengadins, vielfach von krystallinischem Gestein unterbrochen. Diese Verhältnisse sollen uns nun näher beschäftigen. Wir beginnen mit der Selvretta. Im engern Sinne ist diess der oben näher bezeichnete Gebirgsstock, als dessen südwestliche Grenze das Vareinathal und die Val Torta anzusehen ist. Es ist dieselbe aber nur der Centralstock der viel weiter ausgedehnten krystallinischen Gebirgsmassen, welche sich von der Val Tuors bei Bergün und den Umgebungen des Piz Kesch, wo die Kalkformationen des Albula endigen, bis zum Klosterthal in Vorarlberg und Landeck in Tyrol ausbreiten und sich hier mit denen des Oetzthaler Ferners verbinden. Es können hier nur einzelne Theile dieses grossen Complexes berücksichtigt werden; namentlich müssen die höchst interessanten Verhältnisse des hinteren Prätegau einer späteren Arbeit vor- 7 behalten bleiben. Uebrigens zerfällt auch das Ganze in mehrere Gruppen, die nicht völlig gleiche Structur besitzen. Die Gegend um die Scaletta und Fliiela bildet ein wohl charakterisirtes Fächersystem (s. Studer und Escher, Geologie von Mittelbünden); die Selvretta erscheint mehr als ein zerrissenes Gewölbe. Gerade an den Yareina- thälern ist die Grenze beider Bildungen, darum ist die Gebirgsbildung so seltsam verwickelt und die Hochthäler laufen in einander über; es ist desshalb die oben aufgestellte Grenzlinie keine willkürliche. lieber die Verhältnisse der Scaletta und Fliiela kann hier füglich hinweggegangen werden; es würde eine nähere Auseinandersetzung derselben nur eine Wiederholung dessen sein, was die Herren Escher und Studer längst beobachtet haben und was ich vollständig ebenso fand. Die krystallinischen Gesteine bilden ein Fächersystem mit schwächerem Südfallen auf der Davoser und steilem Nordfallen auf der Engadiner Seite. Das Streichen ist allgemein SW.-NO. Hornblendeschiefer wechselt mit Glimmerschiefer und Gneiss, so dass man die einzelnen Züge von Scaletta bis Vernela verfolgen kann. Diess geht bis ins Einzelne. So kommt z. B. zwischen Süss und dem Flüelapass eine gangartige Quarzmasse im Glimmerschiefer vor, die mit den Schichten streicht und viel Andalusit, Cyanit, Granaten und Staurolit enthält; einige Rüfen enthalten einen grossen Reichthum dieser schönen Mineralien. Ich fand sie ebenso im Glimmerschiefer eingelagert und in demselben Streichen dicht unter der Passhöhe der Scaletta noch auf der Davoser Seite. Der Hornblendeschiefer, woraus das Schwarzhorn in Dischma besteht, setzt westlich über dieses Thal nach dem Bocktenhorn über und ebenso über die Flüela nach dem Eisenhorn, von da quer über das Jörithal, wo dieses sich mit Vareina vereinigt, nach den Plattenhörnern u. s. w. Verlässt man den unteren Flüelapass ob den Süsser Alphütten Rasatsch und wendet man sich von da nördlich nach der Alp Fless und Val Torta, so befindet man sich fortwährend auf Gneiss und die Höhen beiderseits bestehen auch daraus. Erst der Alp Fless gegenüber fallen von den östlichen Höhen Hornblendeblöcke herab. Die Val Torta führt über ein flaches Joch nach Vareina; der Gemskopf, welcher den westlichen Eckpfeiler zwischen beiden bildet, besteht grösstentheils aus Hornblendeschiefer. Alles fällt hier südwestlich ein. Das Joch zwischen Alp Fless und dem Jörithal, welches westlich davon von der Rückseite des Flüeler Weisshorns gegen Vareina hinabzieht, ist Gneiss, und zwar die grobflaserige Varietät mit grossen Feldspathkrystallen, aus welcher das Weisshorn selbst besteht und wovon die Trümmer 8 von den Gletschern auch jenseits gegen die Flüela hinabgeschoben werden. Die Gneissrücken sind abgeschliffen, die Vertiefungen wie mit Platten belegt; alles Anzeigen, dass hier ehemals Gletscher gegangen sind. Uebrigens finden sich auch noch jetzt ziemlich ansehnliche Gletschermassen auf der Nord- und Nordostseite des Weisshorns (8089 Met.), welche den Hintergrund des Jörithales füllen und mächtige Moränen vor sich herschieben. Die erste Thalstufe ist immer noch Gneiss, sie fällt sehr steil zur zweiten ab, in welcher Hornblendeschiefer mit Gneiss wechseln, dann wird wieder eine Strecke der Gneiss vorherrschend; in der untersten Thalstufe, wo der Jöribach sich zum letztenmale verengert, wechseln Gneiss und Hornblende. Die einfallende Vareina bildet hier einen schönen Wasserfall; dasselbe thut der Vernela- bach. Alle drei vereinigen sich hier und bilden den linken Quellfluss des Landquart. An der Stutzalp und Bareto Balma, welche von dieser Stelle östlich liegen, herrscht Gneiss und Glimmerschiefer vor; grosse Massen sind von den östlichen Höhen herabgestürzt. Auch hier zeigen sich Schliffe und andere Spuren ehemaliger Gletscher. Von da, den Stutz abwärts nach Navai bei Klosters, ist fast alles Gneiss und Glimmerschiefer, einigemal von Hornblendeschiefer unterbrochen, der östlich streicht. Das Fallen ist südlich und südwestlich und so fallen auch die Gneissschichten des Stutzalp-Weisshorns und Canardhorns, welche die Nordseite des Passes bilden. Das Vareinathal mündet zwischen dem Gemskopf und Vareinaberg, welcher das äusserste Ende der Plattenhörner ist. Beide bestehen fast ganz aus Hornblendeschiefer und lallen südwestlich. In seinem obern Theil heisst diess Thal „Süsses Thälchen“ und führt zu einem Joch, wo es sich mit Val Torta und Sigliains verbindet, welches letztere nach Lavin hinabführt. Hornblende, Glimmerschiefer und Gneiss wechseln hier so vielfach und das Fallen der Schichten ist auch so abwechselnd, dass sich kaum ein allgemeines Resultat daraus ziehen lässt. Indess ist das Hauptfallen südwestlich, die Streichungslinie hat sich nach Osten herausgeworfen. So geht es fort bis nach Lavin. Vernela, das östlichste der 8 Thäler, streicht fast genau von O-W., und diess ist auch so ziemlich das Streichen der Schichten, welche die beiden Ketten bilden, die das lange, ziemlich wüste Thal einschliessen. Die südliche ist die der Plattenhörner. Sie sind die Fortsetzung des Piz Linard, dem sie in Form und Structur auffallend gleichen. Hornblendeschiefer ist vorherrschend, wechselt aber mit Gneiss. Sie fallen südwestlich und kehren der Vernela ihre steilen Schichtenknöpfe zu. Diese gehören zu den höchsten und schroffsten Felsenwänden, die ich jemals gesehen. Die jenseitige Felsenkette, auf Dufours Karte mit dem 9 Namen Krämerköpfe bezeichnet, fällt auch südwestlich. Jenseits ist das Verstanklathal und das Winterthäli; sie enden in Weisshorn, Canard und Roggenhorn. Ihre Gräte und Spitzen sind seltsam zerspalten und zerrissen, so dass daraus die seltsamsten Felsengestalten entstehen. Auf der Nordseite senken sich ansehnliche Gletscher hinab, die Südseite ist frei und eine vor den Kämmen herziehende Terrasse trägt schöne Weiden. Gneiss und Hornblende wechseln auch hier und die Schichten des Hauptkammes stehen nahezu senkrecht. Im Hintergrund ist das Thal durch Gletschermassen geschlossen. Nordöstlich erheben sich die mächtigen Schwarzhörner 8802 und 3248 M., südlich die Plattenhörner etwa von derselben Höhe. Erstere bestehen ganz aus Gneiss, auch die Passhöhe, 2783 31., besteht daraus, so weit Gestein aus den Eisund Schneemassen hervorragt. Letztem übersteigt man ohne grosse Schwierigkeit und gelangt so in den Hintergrund des Val Lavinoz. Auch hier findet man nur Gneiss; er ist grau, dünnflaserig mit grossen Feldspathkrystallen und starken Einlagerungen von bläulichem Quarz. Die nördlich vom Pass gelegenen Pillershörner sind Gneiss, das gegenüberliegende Tiatschahorn theilweise Hornblendeschiefer. Zwischen beiden senkt sich der blanke Tiatschagletscher herab, ein Arm des grossen Selvrettagletschers. Seine beiden Arme flössen noch vor wenig Jahren zusammen, jetzt sind beide getrennt; ein Beweis, dass er abnimmt, was auch an den Gletschern der Passhöhe zu bemerken ist. Die linke Thalseite des Val Lavinoz besteht aus Hornblendeschiefer, der mit Gneiss und Glimmerschiefer wechselt; auf der rechten behauptet sich der Gneiss bis zum Fuss des Piz Linard, wo auch hier die Hornblende die Oberhand gewinnt. Dieser prachtvolle Felsenkegel, welcher die südliche Ecke des eigentlichen Seivretta- stocks bildet, erhebt sich hoch und schlank zu 3416 31. und ist der höchste Punkt des ganzen Gebirgs, ungeachtet seiner seitlichen Lage. Die steilen Schichtenköpfe sind der Val Lavinoz zugekehrt, die Schichten fallen plattenförmig nach SW. fast senkrecht, zum Theil selbst in nördliches Fallen übergebogen. Zwischen der schwarzen Hornblende ziehen sich weisse Quarz- und Gneissbänder hin, welche der ganzen Ungeheuern 3Iasse ein zierlich gebändertes Ansehen geben. Es stürzen fortwährend grosse 3Iassen dieser Gesteine herab und dieses Zerbröckeln soll erst vor wenig Jahren begonnen haben. Am Fusse wechselt Gneiss und Hornblende bis nach Lavin. Der innere Selvrettostock wurde von Herrn Escher auf der Nord- undOstseite untersucht. Die mächtigen Gletschermassen, welche zwischen seinen kühn aufsteigenden und äusserst zerrissenen Hörnern gelagert sind, so wie diese selbst, blieben 2 10 seither eine geologisch unbekannte Strecke. Mehrere Excursionen, die ich in dieser wüsten Gegend unternahm, führten zu folgenden Resultaten: Folgt man von Klosters aufwärts dem nördlichen Arm des Landquart in das Sardaskathal, so erscheint zunächst bei Monbiel ein Kalkstreif dem Gneiss einffelao-ert. welcher sich von da auf die linke Seite des Flusses zieht und sich ohne Unterbrechung bis zum Seehorn von Davos verfolgen lässt; gleich hinter dem Kalk liegt ebenfalls bei Monbiel Schiefer und Serpentin. Ich erwähne diese Verhältnisse, deren nähere Auseinandersetzung einer andern Abhandlung Vorbehalten werden muss, weil sie bisher unbekannt waren. Auf diese Formationen folgt dann wieder Gneiss. Das Fallen ist anfangs sehr wechselnd und unbestimmt, dann aber auf der rechten Seite des Flusses constant nördlich. Auf der andern Seite fallen die Gneissschichten am Stutz, wie oben bemerkt, westlich, die des Canardhorns stehen nahezu senkrecht, doch schon mit südwestlicher Neigung, ebenso die des Roggenhorns und der benachbarten steilen Felswände, welche die Südseite des Verstanklathals bilden. Mehrere dieser Spitzen und Gräte biegen sich aber so über, dass sie oben nördlich einfallen, während sie unten senkrecht stehen. Das Streichen ist W-O. hör. 6-7. Das Verstanklathal und seine mit Gletschermassen gefüllte Fortsetzung, Winterthäli auf Dufours Karte, bildet die Scheidung der Fallrichtung; was nördlich davon liegt, fällt steil nördlich. Die jenseits der Wände der Südseite gelegenen Bergmassen von Vernela und Vareina fallen südwestlich, was dazwischen liegt ist senkrecht oder schwankt zwischen beiden. Die steilen Felsenwände der Verstankla sind beiderseits vorherrschend Gneiss, mit Hornblende und Glimmerschiefer wechselnd. Mächtige Blöcke dieser Felsarten füllen die enge wüste Thalschlucht. Hinten ist dieselbe mit hohen Gletschermassen angefüllt, über die eine gute Strecke nicht schwierig wegzukommen ist. Sie war vor zwei Jahren im Fortschreiten begriffen. Eine Anzahl kleiner Gletscher und Firnschneemassen senken sich von den Verstanklahörnern herab; seinen Hauptzufluss erhält aber dieser Gletscher von dem grossen Selvrettagletscher, wovon er nur ein Arm ist. Die Verbindung mit ihm ist eine doppelte. Oestlich kommt ein mächtiger Gletscherarm herab, anfangs sanft geneigt, weiter oben stark zerklüftet, dann folgt eine Felsenkette, die eigentlichen Krämerköpfe, welche unten aus grauem Hornblendeschiefer, oben aus Gneiss bestehen, und über die man nicht ohne Schwierigkeit auf den grossen Gletscher gelangen kann. Westlich von diesen ist der obere Gletscher schrecklich zerspalten, in eckige prismatische Massen getheilt und bildet auf den Felsen einen Absturz, aus dem ein prachtvoller Wasserfall, der Hauptabfluss 11 des Selvrettagletschers und der eigentliche Ursprung des Landquart, hervorstürzt; dann folgen wieder Hornblende und Gneissfelsen. Der untere Gletscher bildet hier eine blanke, fast gar nicht zerspaltene Eismasse, auf welcher einige starke Bäche laufen, die nachher in tiefe Schlünde stürzen. Kehren wir nun zur Alphütte Sardaska zurück. Die nächste Umgebung ist Gneiss, welcher nördlich fällt und östlich streicht, ebenso das Hornblendegestein an dem schönen Wasserfall westlich davon. Um nach dem Selvrettagletscher zu gehen, überschreitet man den östlichen Bach und folgt ihm eine Zeit lang. Gneiss und Hornblendeschiefer wechseln hier und fallen steil nördlich. Das flache Thal, in welches man nachher gelangt, zeigt an beiden Seiten Gletscherschliffe und alte Seitenmoränen aus Gneiss und Hornblende, sowie mehrere Querwälle, die das allmälige Zurückweichen des Gletschers bezeichnen. Die gegenwärtige Endmoräne des Gletschers ist wenigstens 25 M. hoch und besteht aus gewaltigen Blöcken derselben Gesteine. Der Gletscher erreicht sie gegenwärtig nicht, sondern es ist ein freier Raum dazwischen, in welchem ein Bach fliesst; der grosse Gletscher nimmt also hier auch ab und war 1857 weiter zurückgewichen als 1856, er breitet sich als weites, sanft geneigtes Eisfeld aus, stellenweise sehr zerklüftet und von langen breiten Spalten durchzogen. Die Höhe östlich besteht aus Gneiss und Hornblendeschiefer, das Horn westlich von der Moräne ganz aus grauem, flaserigem Gneiss von ziemlich gleichmässigem Korn. Daraus besteht auch die Felsenschwelle, welche den grossen Gletscher von dem nördlich gelegenen Fermuntgletscher trennt, der zwischen der Rothfluh, Schattenspitze und dem grossen Lizner nach dem Klosterthal führt. Diese ansehnlichen Höhen bestehen aus Hornblendeschiefer, welcher mit Glimmerschiefer und Gneiss wechselt. Die Schichten fällen nördlich, die der Schattenspitze sind fast horizontal, die Rothfluh, welche erstiegen wurde, besteht fast ganz aus rothangelaufenem Hornblendeschiefer, der mit den beiden andern Felsarten so vielfach wechselt, dass man Handstücke schlagen kann, in denen alle drei Vorkommen. Von da zieht der hohe Felsgrat östlich bis zu der Spitze, welche auf Dufours Karte mit 8448 M. bezeichnet ist und welche wir als höchsten Punkt des Gebirgs auf dieser Seite Selvrettahorn nannten. Oestlich davon ist das Mittelhorn 8207, und zwischen beiden liegt die Gletscherhöhe, etwa 8050 M., welche wir überschritten. Um dahin zu gelangen, mussten wir mehrere steile Lehnen von Eis und Firnschnee hinauf; einige ungeheuer breite und tiefe Spalten konnten umgangen werden. Selvretta und Mittelhorn haben dieselbe Construction wie die Rothfluh, das Fallen ist nördlich, das Streichen hör. 7, Dasselbe gilt von den Hörnern, welche man beim östlichen Hinabsteigen links hat. Alle diese Spitzen haben ein sehr wildes, zerrissenes Aussehen und sind von grossen Trümmerhaufwerken umlagert. Der Weg über den Gletscher von da bis zum Piz Buin ist ganz gefahrlos; er war mit Firnschnee bedeckt (27. Juli 1857). An dem Piz Buin theilt sich der Gletscher. Der eine grössere zieht nordöstlich gegen den Fermuntpass und den Jamthaler Ferner, die andern kleinern gegen die Yal Tuoi. Der Absturz des letzteren heisst Cromsel; wir stiegen hier nicht ohne Gefahr in die Val Tuoi hinab. Der Piz Buin besteht aus Hornblendeschiefer, welcher nördlich fallt; es ist eine prachtvolle Pyramide, 3827 M., also höher als die eigentliche Centralmasse, wäre aber vom Gletscher aus wohl zu ersteigen; die südlich davon gelegene Spitze „Piz Mont“ ist Hornblendeschiefer und Gneiss; aus letzteren bestehen auch die Felsen, die am weitesten südöstlich in den Gletscher rücken. Der Abhang Cromsel aber ist wieder Hornblendeschiefer und fällt nördlich unter dem Gneiss ein; auch das Horn östlich vom Tiatschagletscher, 3284 M., besteht aus einem Wechsel beider Gesteine, aber die Schichten fallen südwestlich und diese Structur bleibt auf der rechten Seite des V. Tuoi herrschend bis Lavin, wo die Kette mit dem Piz Chiapisum und Muottauta schliesst. Ihr Fuss ist Glimmerschiefer, die Höhen grösstentheils Hornblende. Im Ganzen ist also das Streichen der Centralmasse des Selvrettastocks hör. 6-7, das Fallen geht nach zwei Richtungen, und zwar läuft die Antiklinale von Sardaska durch das Verstanklathal (Winterthäli) über den Tiatschagletscher gegen dio Cromsel in den Hintergrund von Tuoi. Was nördlich von dieser Linie liegt, fällt nördlich, was südlich liegt, südlich und südwestlich, die ihr zunächst liegenden Schichten beiderseits senkrecht, oft an den Spitzen übergebogen. Hieraus ergiebt sich, dass die Selvretta ein gesprengtes Bogengewölbe ist, woraus sich auch der Umstand erklärt, dass die seitlich gelegenen Hörner beiderseits höher sind als die eigentliche Centralmasse, sowie auch ihre zerrissene und zerhackte Gestalt darin ihre Erklärung findet. Im Hintergründe des Yal Tuoi begegnet man zuerst den Schiefer- und Kalkbildungen, welche weiter abwärts vorherrschende Felsarten im Unterengadin werden. Leider fehlte mir die Zeit, die Kämme der linken Thalseite zu ersteigen; es liegt aber ausser Hrn. Eschers Beobachtungen noch eine sehr detaillirte Arbeit von Hrn. Dr. Papon vor, welcher diese Untersuchung vornahm, die mit meinen Beobachtungen, so weit ich sie machen konnte, ganz übereinstimmt. Herr Escher fand im Hinter- grund von Tuoi dieselben Kalkschiefer auf der linken Seite, dann auf der Höhe des Fermuntpasses die Gesteine des Selvretta, vorherrschend Hornblendeschiefer mit Gneiss und Glimmerschiefer wechselnd und in solche übergehend. Er verfolgte diese Felsarten das Ochsenthal abwärts bis zur Alp Gross-Fermunt und dann wieder auf-^ wärts durch das kleine Klosterthal und stieg, den grossen Selvrettagletscher östlich lassend, über den Fermuntgletscher und Alp Selvretta nach Sardaska, immer von den genannten Gesteinen begleitet. Herr Dr. Papon fand in Tuoi folgende Verhältnisse (vrgl. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubündens 1855-56). Im Hintergrund des Thaies, wo ein kleines, theilweise vergletschertes Thälchen, die Fuorcletta, nach Tasna überführt, stehen die Gesteine der Hauptkette an und setzen zum Jamthaler Ferner fort. Südlich der Fuorcletta ist ein steiler Felskopf vorgeschoben, Piz dellas Clavi- gliadas. Das erste Gestein, welchem man nordwestlich fallend begegnet, ist chlo- ritischer Hornblendeschiefer mit Magneteisenkrystallen und bronzitartigen Einschlüssen. Die Ablösungen sind mit glänzender pikrolithartiger Masse überzogen, die dem Gestein ein serpentinartiges Ansehen giebt. Ostwärts auf dem Grat fortschreitend, folgt gewöhnlicher Hornblendeschiefer, Hornblende führender und gewöhnlicher Gneiss, dann ein gewölbter Rücken von ausgezeichnetem Granit ohne alle Spur von Schichtung. Die Grundmasse ist vorwaltend quarzig und enthält grosse Krystalle von grünem Feldspath, sowie zollgrosse Glimmerblätter. Dem Granit liegt weiter ostwärts ein hellfarbiger quarziger Gneiss auf und auf diesem liegt ein schwarzer Kalkschiefer. Er braust heftig mit Säuren und besteht aus einem feinkörnigen Gemisch von Kalkspath, Quarz und Hornblendekrystallen, enthält auch Schwefelkies. Dieses Gestein fällt nicht mehr nordwestlich, sondern nordöstlich ein, welche Fallrichtung weiter ostwärts fortsetzt. Dem schwarzen Kalkschiefer ist ein lauchgrüner, von vielen Quarzadern durchzogener Kalkschiefer aufgelagert, der ebenfalls stark mit Säuren braust. Zuweilen tritt die Kalkmasse gegen den Quarz ganz zurück. Diesem Gestein ist bunter Kieselschiefer aufgelagert, roth, grün u. s. w., wie er gewöhnlich in der Nähe des Serpentins vorkommt. Wir haben hier die Ecke gegen Val Tasna erreicht. Mit ihr im stumpfen Winkel streicht die kurze aber hohe Kette, welche V. Tasna von Tuoi trennt, nach SO. und erreicht im Piz Cotschen ihre grösste Erhebung, 3074 M. Die bunten Kieselschiefer bilden zunächst eine Reihe scharfkantiger Gräte und bedecken den oben beschriebenen quarzigen Kalkschiefer, weicher den höchsten 14 Grat des Piz Cotschen ausmacht. Die Kalk- und Kieselschiefer ziehen sich aber im Hintergrund des Thaies bis zur Thalsohle herab, wo sich die Gesteinsfolge der Vegetation und Schutthalden wegen schwer beobachten lässt. Kurz vor den Alphütten der linken Thalseite gelangt man aber wieder auf die Gesteine der rechten Seite, Gneiss, Glimmer und Hornblendeschiefer, und aus diesen besteht auch der südliche Fuss des Piz Cotschen bis hoch hinauf, worauf dann die schwarzen und quarzigen Kalkschiefer folgen. So weit Herr Dr. Papon. Am Ausgang des Thaies liegen beiderseits krystallinische Gesteine, die auf der linken Seite nördlich und nordöstlich einfallen. Guarda liegt auch noch auf denselben, sowie Boschia; hinter diesem Ort aber wechseln die Gesteine und man befindet sich plötzlich auf grünem Schiefer, der nachgerade in grauen Schiefer übergeht. — Während am Fusse des Piz Cotschen die krystallinischen Felsarten eine östliche Einbucht machen, biegt sich die Gesteinsgrenze unterhalb Boschia westlich zurück bis zu einem kleinen Tobel, dessen linke Seite aus grauen Schiefern besteht, während die rechte Hornblendeschiefer ist. Beide Formationen überspringen hier den Inn. Suren liegt noch auf grauem Schiefer, gleich westlich davon steht aber schon Hornblendeschiefer und Gneiss an, die Val Nuna ist ganz darin eingeschnitten und es ziehen diese Gesteine hinter der Kalk- und Schieferbildung weg, bis zur Val Sampoir, welcher sie aufwärts folgen und in deren Hintergrund der Pass Luschadura die dort sehr mächtigen Kalkbildungen von dem krystallinischen Gestein trennt, welches von da nach Zernetz hinabzieht. Von diesen Verhältnissen wird später die Rede sein. Betrachten wir zunächst, um Wiederholungen zu vermeiden, die Unterengadiner Schiefer im Allgemeinen. Es herrschen dieselben im Ganzen auf der linken Seite des Inn vor, springen aber mehrfach auf die rechte über, deren geognoslische Construction von derjenigen der linken Seite so bedeutend abweicht, dass wir beide getrennt behandeln müssen. Es gleichen diese Schiefer denen von Chur; Domleschg und Via mala so vollkommen, dass nicht blos Handstücke, sondern auch ganze Felspartien ganz und gar denselben Habitus zeigen. Der „Bündner Schiefer“, wie ihn Herr Studer nennt, zeigt hauptsächlich drei Modificationen, welche indess vielfach in einander übergehen: Thon-, Sand- und Kalkschiefer. Der Thonschiefer geht oft in Talkschiefer, der Sandschiefer in einen kalkhaltigen Sandstein und der Kalkschiefer in mergeligen und reinen dichten Kalkstein über, der aber meist nur dünne Schichten bildet. Kalk- und talkhaltig sind indess nahezu alle Abänderungen. Schnüre von Quarz und Kalkspath sind sehr 15 reichlich vorhanden und durchziehen die Masse oft netzartig-, bilden aber meist Zwischenlag-en in den Schichten, deren vielfachen, oft seltsam gewundenen Biegungen sie folgen und aus der grauen Masse scharf hervortreten. Ausserdem sind die Schiefer oft reich an Schwefelkies, dessen Zersetzung ein Zerfallen der Felsmassen herbeigeführt, und dabei secundäre Producte, besonders Bittersalz und Eisenvitriol, erzeugt; die Oberfläche der Felsen ist oft durch Eisenhydrat gelb gefärbt. Grosse Einlagerungen von Gyps kommen namentlich in den untern Partien dieses mächtigen Schichtensystems vor. Versteinerungen sind äusserst selten; indess sind an verschiedenen Orten Belemniten gefunden worden. Solche fand Herr Escher in den Kalkschiefern von Sammaun, und in den Churer Schiefern fand ich vergangenen Sommer einige auf dem Grat des Churwaldner Faulhorns. Es sind dieselben also kein Flysch, wie man sonst annahm, sondern wahrscheinlich mit den Fieckenmergeln des Vorarlbergs identisch und gehören zum Lias und vielleicht zum Theil zum Unterjura. Wir werden hierfür auch Beweise in den Lagerungsverhältnissen finden. Eigenthümlich ist die Umwandlung, welche die Bündner Schiefer da erfahren, wo sie an Serpentin, dioritische und auch sonst an krystallinische Gesteine grenzen. Sie werden hier grün, rolh, braun und sonst verschiedenartig bunt gefärbt, erlangen grössere Härte und Schwere, die quarzigen Abänderungen gehen in förmliche Kieselschiefer über und die Kalkschiefer erlangen einen ganz verschiedenen Habitus. Alle diese Veränderungen sind in den Arbeiten von Escher und Studer so ausführlich beschrieben, dass ein genaueres Eingehen in diese Dinge hier eine unnütze Wiederholung dessen wäre, was dort schon lange besser gesagt ist. Nur habe ich hinzuzufügen, dass durchaus nicht alle Schiefer des Engadins und der Bündner Gebirge überhaupt zu dieser Formation gehören. So finden sich dunkel gefärbte Kalk- und Thonschiefer, zum Theil auch sandige Schiefer zwischen Verrucano und Triaskalk, andere graue und bunte Schiefer, theilweise auch Kieselschiefer, zwischen den Schichten des Triaskalks und Dolomits eingelagert. Auch erfolgt die Umwandlung des gewöhnlichen Schiefers in grünen und bunten durchaus nicht überall, wo man sie wegen der Nachbarschaft oben erwähnter Gesteine erwarten sollte, sowie sie umgekehrt auch an Orten auftritt, wo solche wenigstens nicht zu Tage treten. Sehr merkwürdig ist endlich der Umstand, dass die auf der rechten Seite des Inn so mächtige Triasbildungen auf der linken zu schmalen Streifen zusammengegangen sind oder ganz fehlen, während umgekehrt auf der rechten die Schieferbildungen zurückstehen oder nicht vorhanden sind. 16 Die Schiefer des Unterengadins, welche von Boschia bis gegen Landeck in Tyrol fast das ganze Thal füllen, streichen im Allgemeinen wie alle andern geschichteten Gesteine dieser Gegend, SW.-NO. hör. 9. Das Einfallen aber ist sehr verschieden; es bildet zahlreiche Mulden und Rücken und oft sind die Vorbiegungen so vielfach und seltsam, dass sich gar nichts Constantes angeben lässt. Doch herrscht im Allgemeinen ein südliches Fallen auf dem rechten, nördliches auf dem linkenüfer vor; indess bildet der Inn nicht überall die Scheide der entgegengesetzten Fallrichtung, sondern sie überspringt ihn beiderseits an mehreren Stellen. Die linke Thalseite. Von Lavin gegen Guarda aufwärts geht man über Glimmerschiefer, der mit Hornblendeschiefer und Gneiss wechselt, unten am Inn liegt fast lauter Hornblendesclnefer und oberhalb an den Bergen der linken Thalseite Muottauta und Chiapisun ebenfalls, so dass eigentlich nur die Terrasse, auf welche der Weg führt und welche hier schöne Kornfelder trägt, aus dem weichem und leichter zerfallenden Glimmerschiefer besteht. Alles fällt nach N. Die nichtkrystallinischen Schiefer, die sich bei Guarda diesen Gesteinen, ebenfalls N.-fallend, auflegen, sind grün, talkig und bilden plattenförmige Schichten am Wege, welche voll kleiner kreisrunder Vertiefungen sind, die aussehen, als hätten Knollen von härteren aufliegenden und nun zerstörten Schichten in sie gepasst. Das Volk nennt die Stelle „die Hexenplatte“. Nachgerade gehen diese grünen Schiefer in die gewöhnlichen grauen Bündner Schiefer über und in diesen steht, gleich ob dem Wege in dem Tobel, das von Primarans herabkommt, ein Gypslager an. Ein anderes findet sich von da südwestlich am steilen Innufer, das von dem Tobel an, welches östlich von Giarfun in den Inn fällt, aus grünem und dann aus grauem Schiefer besteht. Wo diese Schiefer an die krystallinischen Gesteine grenzen, fallen sie fast senkrecht nach NO. Weiterhin, wo der Gyps liegt, wechseln die Schiefer mit Kalkbänken. Ardez liegt grösstentheils auf Schiefer und an der obern Innbrücke liegen solche auf beiden Seiten des Flusses, südwestlich einfallend; sie sind tlieils grün, theils grau. An der unteren Brücke aber tritt in mächtigen uugeschichteten Massen ein granitisches Gestein auf. Es besteht aus Quarz, grünem und weissem Feldspath, Glimmerund Talk, hie und da ist Hornblende eingemischt; es gleicht in seinen grobkörnigen Abänderungen dem Juliergranit und hat vollkommen das Aussehen eines Eruptivgesteins. Aus diesem Granit besteht grösstentheils das felsige Plateau hinter 17 dem Ardezer Schlossberg bis zum Tasnabach und es zieht sich an diesem aufwärts tief in die Val Tasna hinein, überspringt an der Strasse den Bach und geht bis zum kleinen See bei Fettan. Wir werden ihn dort wieder finden. An dem linken Innufer bei Ardez liegt auf dem Granit eine gneissartige Felsart, die nach oben in einen grünlichen Talkquarzit übergeht, dem Verrucano von Münsterthal ähnlich, dann folgt Talkschiefer, schwarzgrauer Schiefer, Kalk und Dolomit, an den sich dann die gewöhnlichen grauen Schiefer anlagern, in welcher Weise, ist mir an dieser Stelle nicht recht klar geworden, da hier die Cultur und das Dorf die Formationen verdecken. Schiefer kommt hier unter und über den dicken Kalkbänken vor; aber der zwischen Granit und Kalk liegende grüne und gelbe Talkschiefer gehört zum Verrucano und ist hier nur in dünnen Schichten vorhanden; es scheint der Kalk sich zwischen dem oberen und und unteren Schiefer auszukeilen, da man ihn gegen Boschia nicht mehr antrilft. Auf der rechten Seite gegenüber zeigen sich hier nur graue Schiefer, welche SW. einfallen, während die Formationen der linken Seite nach N. fallen und sich dann auch nach SW. einbiegen; überhaupt ist hier Alles so verworfen und verbogen, dass eine bestimmte Fallrichtung nicht zu erkennen ist. Auf dem Schiefer liegen dünne Kalkschichten, weiche wieder mit Schiefer wechseln. An der obern Brücke springt aber der Granit auf die rechte Seite über und setzt etwa 10 Minuten weit aufwärts fort. Auf ihm liegt Talkschiefer, grüner Schiefer, dann grauer Schiefer mit dünnen Kalkbänken wechselnd, welcher sich tief in das Val Sampuoir hineinzieht; wovon weiter unten. Hinter Ardez erhebt sich östlich auf steil abgebrochenen Kalkfelsen die Burg Steinsberg. Diese Kalkmassen bilden dicke Bänke, ganz verschieden von den dünnen Kalkschichten, die mit dem grauen Schiefer jenseits wechseln. Sie fallen nach N., also unter die Schiefer, worauf der grösste Theil des Dorfes liegt. Verfolgt man sie weiter östlich, so sieht man den Kalk fast unmittelbar auf dem Granit sitzen, nur ein schmales Band von gneissartigem Gestein und Talkschiefer liegt dazwischen. Auf letzterem liegt schwarzer schiefriger Kalk, ebenfalls nur in schmalen Bänken, dann hellgrauer Dolomit, hierauf grauer krystallinischer Kalkstein, welcher die Hauptmasse des Schlossberges ausmacht. Er enthält Terebrateln und andere Bivalven, welche einer Astarte ähnlich sehen, sowie andere organische Reste, leider alle so zerdrückt, dass sie bisher nicht bestimmt werden konnten.*) Auf diesem Kalk liegt *) Diese Versteinerungen wurden zuerst von Hrn. Dr. v. Moos in Tarasp entdeckt, später fand ich sie im anstehenden Fels. 3 18 dann ein rother Marmor mit zahlreichen aber ebenfalls unbestimmbaren Crinoiden- resten, der hier die Formation schliesst. Diese Bildungen setzen sich fort bis zum Weiler Canova an der Landstrasse, wo freilich der rothe Kalk fehlt, der graue aber in dicken Bänken unter die Schiefer einfällt. Der rothe Kalk kann mit ziemlicher Sicherheit als Adnether Marmor angesprochen werden, die aufliegenden Kalk-, Thon- und Sandschiefer entsprechen also entschieden den Fleckenmergeln des Vorarlberges. Aber derselbe rothe Kalk sitzt auf der rechten Jnnseite in der Val Triazza Dolomitmassen auf, welche einige 1000 Fuss mächtig sind und zur Trias gehören. Wo sind diese hier geblieben? Wir werden später bei Betrachtung der Val Sampuoir einigen Aufschluss über dies auflallende Auskeilen finden. Ausser dem Schlossberg finden sich auf dem Granitplateau noch mehrere ähnliche aber kleinere vereinzelte Kalkmassen, an denen sich die Zwischenbildungen deutlicher studiren lassen. Letztere gehen immer mehr zusammen, je weiter man nach 0. und NO. fortschreitet, unterhalb Canova sind sie fast ganz verschwunden und nur eine dünne Lage Talkschiefer liegt zwischen Kalk und Granit. Diese Kalkmassen sehen aus wie hängen gebliebene Fetzen einer zerstörten Formation; der Granit selbst, wo er bloss liegt, ist glatt wie polirt. Es liegt nahe, diese Wirkungen dem mächtigen Einfluss ehemaliger Gletscher zuzuschreiben. Er fällt steil gegen den Ausfluss des Tasnabaches ab und überspringt ihn an einigen Stellen. Jenseits liegt grauer Schiefer, aus welchem an einigen Stellen Serpentin hervortritt, welcher mit dem von Fettan zusammenhängt. Die Schiefer, welche nördlich von Ardez den dicken Kalkbänken von Canova aufliegen, sind vorherrschend Kalkschiefer und dazu gehören auch die Kalkschichten, welche ob der Landstrasse die steilen Felsköpfe bilden, und an welchen das Wasser grosse Tuffmassen absetzt, die von Zeit zu Zeit herabstürzen. Diese Kalkschiefer fallen südlich und so fällen auch die gleichfalls kalkigen Schiefer, über welche die Landstrasse führt, bis zum Dorfe herab. Da der Kalk bei Canova nach NW. fällt, so muss eine starke Einsattelung dazwischen sein, in welcher Ardez liegt. Diese lässt sich der Cultur des Bodens wegen nicht genau beobachten, das Relief des Thäl- chens aber bestätigt diese Ansicht. Oestlich von Canova führt die Strasse über Granit und aufgelagerten Gneiss nach dem Eingang der Val Tasna. Der starke Thalbach, über den hier eine Brücke führt, stürzt in wiederholten Fällen und Stromschnellen über Granitfelsen dem Inn zu. Rechts und links am Eingang steigen die massigen, ungeschichteten Felsen in fast senk- 19 rechten Wänden auf und lassen nur einen schmalen Durchgang 1 , worauf sich das Thal erweitert. Auf der rechten Seite sitzen dem Granit, Gneiss und Talkquarzit auf, dann dunkler Thon- und Kalkschiefer, worauf dickere Kalkbänke folgen, auf denen dann die gewöhnlichen Schiefer, jedoch vorherrschend aus roth angelaufenem Kalkschiefer bestehend, liegen, die den Gipfel des Piz Götschen bilden. Die Granitformation senkt sich nach N. und verschwindet bald unter den genannten Sedimentgesteinen und Schutt, auf der linken Thalseite setzt sie sich viel weiter fort; der Granit gleicht hier zum Verwechseln dem von Julier und Albula. Ihm liegen dann mächtige Schichten von Gneiss, Glimmer und Ilornblendeschiefer auf, dann kommen graue Thonschiefer und Kalkschiefer, endlich die gewöhnlichen grauen Schiefer, welche hier vorherrschend sandig die Nordwestseite des Piz Minschun bilden und die ganze mittlere Tasna ausfüllen. Die daraufliegenden Schiefermassen des hohen Piz Cotschen sind auch hier vorherrschend Kalkschiefer, inwendig grau, aussen braun und roth angelaufen. Er enthalt oft Schwefelkies und ist von Quarz und Kalkspath- schnüren überzogen; oft wechselt er mit braunen, sandigen Schichten. Auf diesen Gesteinen liegt die Alp Tasna, Valmala, und das Thal Urezas, das westlich gegen die Tuoi eingreift, ist in sie eingeschnitten. Biegt man aber hier um die Ecke, so erscheinen an der Westseite des Thaies, gerade der Alp Urschai gegenüber, massige Gesteine; es ist wieder der Granit von Ardez, der in grossen Massen hier noch einmal auftaucht und ohne Zweifel unter den Sedimentgesteinen mit dem Granit von Piz Clavigliadas im Hintergrund der Val Tuoi in Verbindung steht. Auf ihm liegt Gneiss in nicht sehr dicken Bänken, dann Glimmerschiefer, grüner Talkschiefer, grauer Thon und Kalkschiefer, endlich der oft erwähnte schiefrige Kalk. Alle diese Gesteine bilden äusserst verbogene Schichten, welche allen Erhöhungen und Vertiefungen der untergelagerten Granitmasse folgen; das Hauptfallen ist jedoch nordwestlich von dem Granit ab gegen das Innere des Gebirgsstocks; rechts und links vom Granit fallen sie fast senkrecht denselben mantelförmig umhüllend, oben ziehen sie als verbogene Decke über ihn hin. Noch etwas weiter aufwärts sind grosse Massen eines röthlichen Gneisses von oben herabgestürzt, wo er auch ansteht; es bilden also die verschiedenen Schiefer zwischen diesem Gneiss und dem Granit eine tief eingebogene Mulde, deren Concavität nach NW. gerichtet ist, so dass der gleichfalls eingebogene Gneiss darunter und darüber liegt. Ein kleiner Felskopf, etwa weiter thaleinwärts, zeigt an der Basis ein Conglo- merat von dicken Kalkfragmenten, mit Kalkcement verbunden, und folgen nach oben 20 " braune Kalksandsteine mit Hornsteinknollen, Talkschiefer, schwarzer Thonschiefer, schiefriger Kalk. Dahinter liegen krystallinische Gesteine. Diese letztem nun, die grosse Masse des Jamthaies, Ferners und Augstenbergs, die Fortsetzung der Selvretta bildend, erheben sich hier hinter den genannten Schie- fergebilden, letztere beherrschend und gleichsam erdrückend, in kühnen, majestätischen Umrissen und schroff ausgeschnittenen Gräten und Hörnern zu Höhen von mehr als 8000 Meter; die Zwischenräume sind mit Eis und Schneemassen gefüllt, mehrere Gletscherarme reichen tief abwärts, der Vadret Chalaus bis in die Thalsohle. Es ist vorherrschend Hornblendeschiefer, doch wie in dem ganzen Selvrettastock mit Gneiss und Glimmerschiefer wechselnd. Die mächtigen Trümmer davon, durch ehemalige Gletscher hinabgeführt, liegen vereinzelt oder als alte Moränenreste in der ganzen Val Tasna zerstreut. Vor ihnen her ziehen noch immer die Sedimentgesteine. Am Vadret Chalaus, der als prachtvoller Eisstrom, einem gefrorenen Wasserfall gleich, sich von der Höhe herabsenkt, ist die Muldenbildung dadurch deutlich, dass die Schiefer beiderseits der Einsenkung zufallen, in welcher der Gletscher herabkommt. Die oben aus dem Gletscher hervorstehenden Zacken, sowie die Massen, die ihn oben einschliessen, sind schon Gneiss. Am Fatschölpass, welcher ganz in die Schiefer eingeschnitten ist, wenden sich die krystallinischen Kämme nach N. gegen das Fluchthorn; westlich vom Pass legen sich die braunen und schwarzen Kalkschiefer an die Hornblendegesteine des Augstenberges an und sind hier äusserst verbogen und zerknickt; östlich besteht der Piz Fatschalv aus wechselnden braunen, schwarzen, grauen und röthlichen Schiefer- und Kalkschichten, Avelche weniger verbogen nach NW. fallen. So weit es die unregelmässige Schichtenlage erlaubt, lässt sich Folgendes erkennen: Zunächst an dem Gneiss und Hornblendegestein liegt Glimmerschiefer, der in Talkschiefer übergeht, dann folgen nach oben graue Thonschiefer, braune Sandschiefer und Sandsteinbänke, schwarze Schiefer, Talkschiefer, dickere Kalkbänke, braune Kalkschiefer, welche mit den gewöhnlichen grauen und bräunlichen Schiefern wechseln, und denen dann wieder hellgraue Kalkschichten aufsitzen. Fossilien fanden sich nicht, und an eine Scheidung der Formationen ist hier vorläufig nicht zu denken, obgleich man wohl annehmen kann, dass die untern Talkschiefer dem Verrucano entsprechen, die oberen Schieferbildungen den Fleckenmergeln. Die linke Thalseite, welche von dem Piz Minschun gebildet wird, besteht aus denselben Gesteinen wie der Piz Fatschalv: braungrauer Sand- und Kalkschiefer sind vorherrschend. An der Basis des P. Fatschalv aber, im äussersten Hintergrund von Urschai, treten grosse Massen von ungeschichteten schwarzem Gestein unter den Schiefern hervor. Es ist Serpentin, welcher an Ausdehnung gewinnt, je weiter man östlich geht und hier an der Verbindungsstelle des P. Minschun und Fatschalv das Thal mit so gewaltigen Felsenmassen schliesst, wie man sie selten aus diesem Gestein gebildet antrifft. Eine Spitze namentlich, das nördlichste Horn des Piz Minschun, besteht ganz daraus und erhebt sich als kahle in vielfache Zacken zerrissene Felsenmasse nahe zu 3000 M. Von dieser Spitze übersieht man das jenseitige Thal Chiampatsch, einen weit gedehnten hügeligen Boden, ganz aus Serpentin und bunten Schiefern bestehend, ähnlich der Todtenalp von Davos an Ausdehnung und schauerlich wüstem Aussehen. Ein hoher Grat scheidet es von den Thälern Tiral und Laver, in welche der Serpentin, immer noch den Fuss der Fatschalv bildend, weit hineinzieht. Die Schieferbildungen, welche wir bisher zwischen den krystallinischen Gesteinen eingeengt trafen, gewinnen eine gewaltige Ausdehnung. Sie breiten sich südlich und östlich gegen Schuls und Sins ohne wesentliche Unterbrechung bis zum Inn aus, über den P. Fatschalv streichen sie nördlich, die krystallinische Kette links lassend, gegen das Fimberthal, dessen rechte Seite noch daraus besteht, und dehnen sich über die Sam- nauner Thäler nach Tyrol aus bis in die Gegend von Landeck. Doch fassen wir zunächst das Thal Chiampatsch und den Piz Minschun ins Auge.*) Der Piz Minschun (3071 M.) ist die höchste Spitze eines von N.—S. streichenden scharfen Grates, der sich an den Piz Fatschalv anschliesst. Das Streichen der Schichten stimmt nahezu mit dem der Kette überein, gebt jedoch mehr SW.—NO.; das Fallen ist sehr unregelmässig N. und NW., zuweilen auch NO. mit vielfachen localen Verbiegungen, auf der Ostseite, von Tasna aus gesehen, entschieden NW., was wir als die Normalrichtung ansehen müssen. Die linke Thalseite, durch den steilen Grat des Piz Chiampatsch (2920 M.) und seine Ausläufer gebildet, besteht ganz aus grauem Schiefer, der nur da, wo er an den Serpentin grenzt, grün und roth wird. Erfüllt steil gegen den Serpentin, also N. und NW., weiter gegen die Spitze des Horns auch NO. Das Joch zwischen den Thälern Chiampatsch und Tiral ist Serpentin, der auf der Ostseite an grünen Schiefer grenzt; aus solchen Schiefern treten auch die Ser- *) Näheres über diesen merkwürdigen Gebirgsstock findet sich in dem Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubündens 1855—1856, wobei zu bemerken, dass auf der beigefugten Karte der Granit am Eingang von Val Tasna, die ich damals noch nicht untersucht hatte, sowie auch der Serpentin in Urschai eine weit grössere Ausdehnung haben müssen. 22 pentinmassen hervor, welche den Grund füllen. Etwas weiter südlich erheben sich ebenfalls aus grünem und grauem Schiefer zwei Massen von feinkörnigem Diorit, von dichtem Spilit und Yariolit umhüllt, welche ihrerseits in grünen Schiefer übergehen. Diese Felsarten gleichen vollkommen denen der Urdenalp bei Chur, und wir werden ihnen noch mehrfach unter ähnlichen Verhältnissen begegnen. Oestlich und südöstlich gegen Scliuls und Sins besteht das ganze wellenförmige, von tiefen To- beln durchzogene Terrain aus grauem Engadiner Schiefer, aus welchem in der Richtung von Schuls noch mehrere Serpentinhalden hervortreten, welche den Zusammenhang mit dem Serpentin unten im Innthale andeuten. Die Kette des Minschun selbst, im Ganzen wenig niedriger als die höchste Kuppe, fällt gegen das Serpentinfeld des Thaies in steilen, meist senkrechten Wänden ab, deren Basis auch als Serpentin besteht, welcher an Mächtigkeit gewinnt, je weiter man nach N. gegen das Joch geht. Auf diesem Serpentin liegt Gneiss, Glimmerschiefer, Talkquarzit, grüner Talkschiefer und grauer Schiefer; letzterer nur in schmalen Bändern, und auf diese folgt immer nach oben körnig krystallinischer Kalk mit vielen quarzigen Einschlüssen von weissgrauer Farbe in dicken Bänken, welchem dann Kalkschiefer und graubrauner Thon und Sandsteinschiefer aufgelagert sind, aus denen der Grat und auch die höchste Spitze besteht. Es sind dieselben Gesteine, welche wir in der Tasna fanden und welche von oben in nordwestlichem Fallen in diese hinabziehen. An einigen Stellen liegt körniger Kalk auch unter dem Gneiss und Quarzit. Gegen das oben beschriebene Serpentinhorn, also nach N., verschwinden aber die letztem in der Kalkmasse, und diese ist zuletzt durch Serpentin unterbrochen, welcher überhaupt mehrmals gangförmig in sie eindringt. Hinter dieser Unterbrechung erscheint jedoch der Kalk noch einmal als schmaler, horizontaler Keil in das Serpentinhorn eindringend, worauf er verschwindet und erst am Piz Fatschalv wieder erscheint. Südlich von der Stelle, wo der Diorit liegt, nimmt dagegen der Gneiss an Ausdehnung gewaltig zu und der Serpentin ab, so dass letzterer nur noch fleckenweise unter ihm hervortritt; der südöstliche Gipfel des Minschun, Motta Naluns genannt, besteht aus Gneiss und Hornblendeschiefer. Am östlichen Fusse dieses steil erhobenen Kegels liegen bunte Schiefer, welche weiter östlich in graue übergehen; mehrere Serpentinhalden treten aus ihnen hervor und südlich von dem schmalen Joch, in welches hier der Berg östlich ausläuft bis hinab nach Fettan ist Alles grauer Schiefer, in welchem der Kalk vorherrscht. Die Serpentinflecken bilden hier eine ähnliche 23 Kette wie gegen Schuls, treten in dem Walde ob Klein-Fettan, auf den Aeckern und Wiesen und selbst mitten im Dorfe, immer von Schiefer unterbrochen, heraus, endlich noch einmal unterhalb Gross-Fettan, mit Gyps verbunden und am Ausfluss der Tasna. Wir werden ihre Fortsetzung jenseits des Inn finden. Zwischen der Motta Naluns und dem südlichen Ende des Minschun ist eine Einbucht, die sich südlich gegen Fettan öffnet. Hier besteht die Basis des Gebirges aus hohen Gneisswänden; von Serpentin fand sich keine Spur mehr. Ein kleiner See, von einer Gneissmoräne geschlossen, liegt im Hintergrund. Der Gneiss ist hier grob- flaserig und enthält grosse Feldspathkrystalle; er wechselt mit Hornblende und Glimmerschiefer. Nach oben geht es in Talkquarzit und reinen Quarzit über. Auf diesen liegen quarzige Talkschiefer und grüne und graue fortwährend talkige Schiefer von geringer Mächtigkeit. Es folgen dicke Bänke von grauem Kalk und Dolomit, dann endlich die oft erwähnten Kalk-, Thon- und Sandschiefer, welche bis zur Spitze und weithin auf dem Grat anhalten. Südlich von diesen Punkten, gegen die Alp Laret zu, liegt noch einmal rother, grüner und grauer Schiefer, aber ohne Kalk, den kry- stallinischen Gebilden auf, welcher in letztem eine tiefe Mulde zu bilden scheint; dann folgen ohne Unterbrechung Gneiss, Glimmer und Hornblendeschiefer wechselnd, auf welcher eine Decke von talkigem Gestein liegt, das zwischen Gneiss und Verrucano schwankt und fast überall im Engadiner Gebirg die Grenze der eigentlich kry- stallinischen Formationen bildet. Diese Gesteine schliessen sich einestheils an den Granit der untern Tasna und grenzen östlich an die grauen Schiefer der Fettaner Wiesen, wo Schutt und Culturland die Gesteinsgrenze verwischen. Die Beobachtungen in der Val Tasna werfen einiges Licht auf diese rätselhaften Verhältnisse. Man wird sich erinnern, dass in dieser die Schiefer etc. eine Mulde bilden, welche nordwestlich gegen die krystallinischen Gesteine einfällt. Der westliche Abhang des Minschun ist der östliche Schenkel derselben und sein Grat würde einen gewölbten Rücken bilden, w T enn er nicht auf seiner Ostseite steil abgebrochen wäre. Aber eben an dieser östlichen Seite treten die krystallinischen Felsarten wieder hervor, welche die Mulde unterteufen und den Kern des Minschungrates als Rücken ausmachen. Daher das verbogene Einfallen in dem Seegrund. Die Kalkbänke, welche dem Gneiss aufsitzen und weiterhin auch darunter liegen, entsprechen denen von Ardez, welche ebenfalls mit schwacher Zwischenlage von schiefrigen Bildungen, auf dem krystallinischen Gestein sitzen. Gneiss und Kalk werden nach N. immer schmäler, weil hier der nach NO. gerichtete Rücken von Schiefer umhüllt und end- 24 lieh von dem Serpentin theils bedeckt, theils zerrissen wird, der letzte Rest davon steckt als schmaler Keil im Serpentin. Dieser letztere hat überhaupt auf der Ostseite die ganzen Lagerungsverhältnisse gestört und verwirrt; wo der Serpentin aufhört, fangen diese an wieder ganz normal zu werden, d. h. auf dem Gneiss liegen die talkigen Schichten, die dem Verrucano entsprechen, und einige andere schmale Reste des Trias; dann folgt der Ardezerkalk, den wir als unteren Lias erkannt haben, und auf diesen die Engadiner Schiefer gleich Fleckenmergel. Der Wechsel von schief ansteigenden Rücken und ebenso einfallenden Mulden mit mehr oder weniger spitzen und geknickten Scheiteln ist überhaupt der Schlüssel zur Erklärung der rätselhaften Lagerungsverhältnisse der Bündner Gebirge. Dadurch kommen oft ältere Formationen auf neuere zu liegen, und da diese Rücken, eben vermöge ihrer schiefen Stellung, notwendig abbrechen und einstürzen mussten, so ist an den steilen Gehängen die Wölbung verschwunden und die Schichten fallen gleichmässig auf derselben Seite ein, während sie eigentlich je zwei die Schenkel eines Spitzbogens sind. Dasselbe ist der Fall bei den Mulden, die mit den Rücken wechseln, wenn man den nach unten gerichteten Scheitel ihrer Concavität nicht übersehen kann. Es erscheinen daher in beiden Fällen dieselben Schichten doppelt und bei mehrfachen Verbiegungen auch mehr als zweimal, wodurch unter Umständen eine an sich schmale und wenig mächtige Formationsfolge sehr mächtig erscheinen kann. Kommen an solchen Orten noch abnorme Gesteine, wie Serpentin, Diorit u. dergl. hinzu, so ist es oft sehr schwer, sich zurecht zu finden. Senkrecht stehende Rücken bieten weit geringere Schwierigkeiten als schiefe, weil sie entweder vollständig erhalten, oder doch nur an den Spitzen zerbrochen und zertrümmert sind, während die gegen einander geneigten Schenkel die ursprüngliche Bildung noch erkennen lassen. Es ist hier nicht der Ort, über den Ursprung des Serpentins zu sprechen; mag aber derselbe ein ursprünglich feurig-flüssiges oder ein metamorphisches Gestein sein, so trägt er hier und anderwärts in Bünden doch entschieden den Charakter einer eruptiven Masse, welche überall, wo sie auftritt, als fremdartiges Einschiebsel erscheint und ihrerseits umwandelnd auf die umgebenden Gesteine einwirkt. Wenn man sieht, wie er am Piz Minschun massig aus dem Schiefer oder zwischen diesem, dem Kalk und Gneiss hervortritt, wie die aufsitzenden Formationen dem Relief seiner Massen folgen, wie sie durch ihn zerrissen sind und er gangartig in sie eindringt, wie unten in dem Thal einzelne Lappen von Schiefer in ihn gleichsam eingebettet 25 sind, und wie er Kalk und Schieferfragmente umlniilt und durchdringt, so kann man nicht leicht eine andere Ansicht gewinnen. Die nun folgenden östlicher gelegenen Theile der linken Thalseite des Engadin zeigen eine grosse Einförmigkeit. Die Schiefer, welche hier ganz den Charakter derer von Chur, Via Mala u. s. w. tragen, herrschen vor von SVV-NO. hör. 7-9 streichend und in der Regel NW., doch auch theilweise N. und NO. fallend. Die ganzen Berge ob Sins bestehen daraus, sowie die Thäler Laver, Chaglias, Sinestra und die östlich und nördlich gelegenen Höhen bis nach Samnaum; doch gewinnt auf diesen der Kalkschiefer die Oberhand. Die einzelnen Modificationen namhaft zu machen, würde uns zu ermüdenden Wiederholungen führen. Nur das Ufer des Inn bietet einige Abwechslung. o Es ist schon bemerkt, dass die krystallinischen Gesteine bis nahe an Fettan herantreten und bis fast zum Ausfluss der Tasna in den Inn auch auf dem linken Ufer des Baches reichen. Oestlich davon beginnen die Schiefer. Tief unten am Bache steht in diesen nach sichern Angaben Serpentin an, den ich aber aus Mangel an Zeit nicht selbst besuchen konnte; dagegen verfolgte ich den Serpentin, welcher gerade südlich von Fettan liegt und der sich ziemlich weit südwestlich fortsetzt, so dass jener weiter unten liegende Flecken eine Fortsetzung davon sein mag. Er liegt hier zwischen Schiefer und Gneiss. Oestlich schliesst sich dem Serpentin Gyps an, der ziemlich weit fortsetzt und nordöstlich streicht, bis er unter Schuttland verschwindet. Unter dem Gyps sowohl als Serpentin liegt grauer Schiefer, welcher nördlich einfällt mit vielen Biegungen. Es entspringen im Tobel und am Ufer des Inn, selbst in dessen Bette mehrere Sauerwasserquellen, die viel Tuff absetzen. Die Schiefer jenseits des Inn fallen südwestlich. Weiter stromabwärts fallen auch auf dem linken Ufer die Schiefer südlich und südwestlich ein; ob Schuls aber, wie überhaupt weiter oben, wieder nördlich. Es ist bekannt, welchen Reichthum an Mineralquellen diese Gegend besitzt, deren eine, die Salzquelle von Tarasp, eines bedeutenden Rufes ge- niesst und wahrscheinlich bald zu den besuchtesten Heilquellen gehören wird, besonders weil die Gesellschaft, welche das Bad übernommen hat, die nöthigen Anstalten zu treffen im Stande ist. Die Quellen kommen alle aus Schiefer und liegen in einem von SW.—NO. streichenden Zuge, nur wenige auf dem rechten, die meisten auf dem linken Ufer des Flusses in der Richtung über Schuls nach Sins, und fast in demselben Streichen erscheinen noch einmal sehr reiche Quellen in der Val Sinestra. 4 26 Auch die Ausströmungen von Kohlensäure in der Nähe von Schuls, wahre Moffeten, sind bekannt und mehrfach beschrieben.*) Sins liegt auf Thon und Sandschiefern, welche südlich einfallen und in dem Tobel* vor und unter dem Dorfe höchst unregelmässige Verbiegungen zeigen, bunte Färbung annehmen und grosse Quarzmassen enthalten. Man sollte demgemäss hier Serpentin vennuthen ; er tritt aber nicht zu Tage. Dagegen liegt auf der linken Seite des Tobels eine ansehnliche Gypsmasse, beiderseits von grünlichen und braunen tal- kigen Schiefern eingeschlossen, SW.-—NO. streichend und nördlich fallend. Dieser Gyps taucht noch mehrmals im Felde auf und erscheint zum letztenmale bei Crusch unter dem Wirthshause. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er noch weiter östlich fortsetzt, und da er mit dem Gyps von Boschia und Fettan in gleichem Streichen liegt, so ist anzunehmen, dass er eine zusammenhängende Einlagerung im Schiefer ist. Gleich südlich von dem Gyps erscheinen aber unregelmässige Haufwerke von ungeschichteten krystallinischen Gesteinen. Es ist wieder der Granit von Ardez und Val Tasna, leicht kenntlich an dem grünen Feldspath, den er neben gewöhnlichem Feld- spath enthält. Zu beiden Seiten ist er von gneissartigen Schichten umhüllt, und südlich davon gegen den Inn steht auch wieder grauer Schiefer, welcher den Fluss bei Pradella überspringt. Dort soll noch einmal Gyps liegen, den ich aber nicht finden konnte. Der Granit von Sins streicht nordöstlich, hör. 7, bis dicht vor Crusch, dann folgt eine tiefe Einsenkung und der starke Bach von Remüs (Val Sinestra), worin kein Granit bemerkt wird. Etwas weiter abwärts aber bei der Innbrücke an der Säge, wo man nach Val d’Assa geht, erscheint das Granitriif von Neuem in demselben Streichen und südlich einfallend; es erhebt sich gangartig aus dem umgebenden Schiefer. An dem westlichen Ende der Granitmasse liegt Gneiss und Glimmerschiefer, welche auch davor am Innufer herziehen und gegen dieses, also südlich, einfallen. Auf diesen liegt weiter westlich grünlicher Talkschiefer und grauer Schiefer; grosse Kalkblöcke, welche umher liegen, scheinen kein anstehendes Gestein zu sein. In dem Granit seihst ziehen Gänge eines schwarzen Hornblendegesteins aufwärts, dessen Ablösungen mit prikolithartigem Ueberzug bedeckt sind. Etwas weiter nordwestlich *) Zu vergleichen über diese Dinge die Schrift von Mousson Uber Tarasp, ferner Jahresbericht der Naturf. Gesellschaft GraubUndens 1855—56, 1856-57, 1857-58, und eine sehr gründliche chemische Arbeit Uber die Quellen von Tarasp von Dr. Ad. v. Planta. aufwärts erscheint zwischen dem krystallinischen Gestein und dem grauen Schiefer eine ansehnliche Serpentinmasse, die sich hinter dem Granit ziemlich weit hinaufzieht, dann besteht wieder Alles aus Schiefer. Derselbe ist in der Nähe des Serpentins grünlich, reich an Talk und Glimmer, weiterhin gegen Remüs findet man nur gewöhnlichen Schiefer, der südlich und südwestlich fällt; in dem Tobel, westlich von Remüs, wo die Schlossruine steht, fallen die Schichten auf der Ostseite nach SO., auf der Westseite SW. Der Granitrücken folgt fast eine Viertelstunde lang dem Innufer, dann bricht er plötzlich ab, grüne und graue Schiefer fallen unter ihm südwestlich ein. Bis dahin bestand das rechte Ufer aus demselben Gneiss und Glimmerschiefer, welcher auch auf dem linken den Mantel der Granitmasse bildet. Wo aber der Granit aufhört, setzt der graue Schiefer auf die rechte Seite über und begleitet, immer breiter werdend, den dahinter streichenden Gneiss, unter welchem er, eine Mulde bildend, einfällt. Talkschiefer bildet die Grenze, dann folgen Kalkschichten, endlich die gewöhnlichen Engadiner Schiefer. Diese bilden von nun an beide Ufer des Inn bis zur Schweizergrenze und weiter hinab. Zwischen Saraplana aber und Strada bedecken eine lange Strecke weit ungeheure Geschiebmassen die Schiefer. Das Fallen ist allerwärts südlich, mit Schwankungen gegen Ost und West. Unterhalb Martinsbruck verengt sich das Thal zu dem Passe von Finstermünz, welches ebenfalls in Schiefer eingeschnitten ist. Hier aber tritt wieder eine grössere Abwechslung der Gesteinsbildungen auf. Die Grenzfeste Finstenniinz liegt auf höchst verbogenen grauen Schiefern, unter denen aber mehrfach grüne Gesteine hervortreten. Kurz zuvor, ehe man die Festung von Nauders aus erreicht, stehen zu beiden Seiten des Baches grüne Schiefer an, die nach unten in ein spilitartiges Gestein übergehen; die neue Strasse durchschneidet solche mehrmals auf der andern Seite der Festung, immer aber ist ihnen der graue Schiefer aufgelagert, der hier meist Kalkschiefer ist, welcher mit Thon und Sandschiefer wechselt. Gegenüber mündet der Schergenbach von Samnaum her ein, dessen tiefes schluchtenartiges Bett in demselben Gesteine verläuft. Auf seinem linken Ufer ob dem Hofe Ilinterrauth zieht mitten durch den grauen Schiefer ein weithin sichtbarer Streif von grünem, ziemlich parallel mit dem Inn. Auf der Seite des Flusses fallen die Schiefer südlich, hat man aber die Höhe überstiegen, so tritt bei Noggels nordwestliches Fallen ein, welches dann in den Samnaumer Thälern das vorherrschende bleibt. Auf der andern Seite aber, in dem Winkel zwischen Schergenbach und Inn, erhebt sich hoch und steil der Piz Mondin. Der vordere gegen Finster- münz gekehrte Kopf, die eigentliche Mondinspitze, erscheint von hier als mächtiger Kegel von 2978 M. Der Abhang besteht aus grauem Schiefer, welcher steil südlich fällt und aus dem in den Schluchten grüne Schiefer hervortreten, die Spitze ist grünes Gestein. Weiter südwestlich folgt ein äusserst zerrissener Grat, welcher sich von dem kleinen Gletscher, wo das Fernertobel seinen Anfang nimmt, in zwei theilt. Die von diesem Punkte westlich gelegene Mittelspitze ist die höchste SI6S M., von wo aus das Gebirge in den mehr flachen Albularücken ausläuft, und sich dann zu einem Pass hinabsenkt, der immer noch 2500 M. hoch sein mag und von Schieins nach Sampuoir führt. Der Kamm des Piz Mondin besteht aus Spilit und dioritischem Gestein von feinem, doch krystallinischem Korn und graugrüner Farbe, ähnlich dem der Urdenalp, des Piz Minschun u. s. w. Er bildet namentlich die Mittelspitzen, und so weit ich von da auf den äusserst zerrissenen Gräten östlich gekommen bin, traf ich kein anderes Gestein. Nach aussen geht die dioritiscche Kernmasse in dichten Spilit über, von grünlichgrauer, meist etwas roth geflammter Farbe; mit diesem verbindet sich Variolit. Endlich ist das Ganze mit grünem Schiefer umhüllt, welcher deutlich geschichtet ist und dem wieder grauer Schiefer aufsitzt, in welchem der Kalkschiefer vorherrscht. Gegen Finstermünz und Engadin fallen alle diese geschichteten Gesteine nach S., auf der Samnauer Seite erst am Fernertobel nach N., dann constant NW., also beiderseits von der ungeschichteten Kernmasse ab, welche sich schon von weitem als etwas von den Schiefern ganz Verschiedenes zu erkennen gibt,, wenn man die seltsamen Formen dieser zerrissenen Felsengräte von Engadin aus betrachtet. Auf dem Albularücken liegt grauer Thon- und Kalkschiefer fast horizontal auf grünem Schiefer, fällt aber nach der Engadiner Seite schwach SW., nach der Samnauer NW. So ist es auch auf dem Pass, wo rein westliches Fallen vorkommt, ln der Val Sarona, welche von da nach Sampuoir führt, umgeben die grauen Schiefer in einem weiten Bogen mit steilem Absturz die grünen und zwischen beiden ist das enge Thal. Sampuoir liegt ganz in grauem Schiefer, ebenso der Fundshof (Pfandhof) und noch ein gutes Stück über diesen ist Alles grauer Schiefer. Der Grat zwischen hier und dem Fernertobel ist grüner Schiefer, in welchem ein Lager von Kupfer und Schwefelkies durchsetzt, so dass es auch auf der andern Seite erscheint. Man betreibt jetzt darauf einigen Bergbau. Das Mineral ist in ungeheurer Menge vorhanden; auch ist diese Gegend reich an schönen Epidotkrystallen und andern Mineralien. Vom Passe hinter der Val Sarona bis Schieins abwärts herrscht erst Kalkschiefer, dann mehr thoniger Schiefer vor; aus ersterem besteht auch der Grat, der vom 29 Passe gegen den Muttier führt, sowie dieser selbst. Ich habe letzteren wegen frisch gefallenem Schnee nicht ersteigen können; aber man sieht von dem Pass und seinem steilen südlichen Abhang nahe genug, um die Gesteine zu erkennen. Die davor liegenden Köpfe auf Dufour’s Karte, mit 2974 M. bezeichnet, zeigen auffallend verbogene und zerbrochene Schichten. Wahrscheinlich treten hier die grünen Gesteine noch einmal auf, was auch daraus hervorgeht, (fass die dorther kommenden Tobel solche, wiewohl in geringer Menge, führen. Dasselbe ist im Hintergrund des Thäl- chens Maises der Fall; auch hier konnte des Schnees wegen nicht untersucht werden. Weiter nach W. ist Alles grauer Schiefer bis zum Fimberthal. Das Hauptthal von Samnaun besteht ebenfalls aus grauem Schiefer mit vorherrschendem Kalk. Ziemlich weit hinten bei Raveisch, befindet sich auf der Höhe Motta 2050 M. ein ansehnliches Lager von körnigem Gyps, beiderseits von Rauchwacke umgeben. Dieser Gyps streicht hör. 7 und enthält viel gediegenen Schwefel. Von hier aus über den Weiler Samnaun bis zur Alp Zebles ist Alles grauer Schiefer mit NW. Fallen. Steigt man aber von dem Dörfchen Loret gegen die Alp Rella, so findet man die Thalbäche, sowie abwärts von da den Hauptbach, angefüllt mit grünen Gesteinen; bei den vordem Alphütten liegen ungeheure Blöcke davon und mächtige daraus gebildete Moränen in der nordwestlich liegenden Alp Trida. Sie stammen von einer Kette zackiger Felsengipfel, welche mit dem Bürkelkopf westlich beginnt, und von da nordwestlich über den Piz Gribla streichend, weithin bis hinter Serfaus zieht. Sie heissen in Samnaun die schwarzen Wände und scheiden die Thalschaft von Papnaun. Auf Alp Bella und auf der rechten Seite von Trida fallen die grauen Schiefer noch nordwestlich, vor den schwarzen Wänden aber südlich und bilden dazwischen einen oft unterbrochenen Bogen, hör. 8—9 streichend, der meist aus Kalk besteht. In diesen Schiefern fand Hr. Escher auf Alp Bella an den hintern Alphütten und an der Graitspitze Belemniten. Im Hintergrund von Trida erscheint auch ein rothes dem Verrucano ähnliches Conglomerat und ebenfalls aus den Schiefern auftauchend ziemlich massiger Dolomit, jedoch nur in vereinzelten Felsenpartien; auch rother Schiefer kommt vor in Verbindung mit dem Sandstein; diese Formationen sind aber so verbogen und so sehr mit Schutt bedeckt, dass ich über die Ueberla- gerung zu keinem bestimmten Resultate kam. Die schwarzen Wände bestehen aus den Gesteinen des Piz Mondin. Die Kernmasse ist grünlichgraues, dioritisches Gestein, von Variolit und dichtem graugrünem und rothem Spilit umgeben, um welche sich grüne, theilweise auch rothe Schiefer schalenartig anlegen. Die Kernmassen 30 sind ungeschichtet, und auch nach aussen ist das Gestein nur durch fast senkrechte Ablösungen schalig zerspalten, welche bald mehr südlich, bald mehr nördlich ein- setzen. Unter diesen Gesteinen tritt Serpentin in mächtigen Felsen und schwarzen Halden hervor. Er setzt sich weiter westlich fort als die Spilite und bildet hier hohe schwarze Halden, aus welchem Gabbrofelsen hervorragen. Davor tauchen aus grauem und rothem Schiefer noch einzelne Serpentinllecken auf. Zwischen dem Bürkelkopf und den mittlern schwarzen Wänden ist ein Gletscher, dessen Moräne theilweise aus Gneiss und Glimmerschiefer besteht, und wirklich stehen diese Felsarten im Hintergrund der Einbucht an und lehnen sich dann hinter den schwarzen Wänden mit nordwestlichem Fallen an die Schiefer. Das Papnauer Thal besteht ganz daraus. Auf die westliche Serpentinhalde folgt, indem man weiter südwestlich auf den Gräten fortschreitet, grauer und schwarzer Thonschiefer, dann am Fuss der Flim- spitze noch einmal grünes Gestein von derselben Beschaffenheit wie an den schwarzen Wänden; die Flimspitze besteht aus glimmerreichem Schiefer, der weiterhin in wirklichen Glimmerschieler übergeht. Immer weiter auf dem Grat gegen die Graitspitze steht grauer Schiefer an, in welchem die Kalkschichten vorherrschen, die auch den Gipfel der Graitspitze, 2871 M., bilden. Sie fallen NW. Der frischgefallene Schnee verhinderte mich, hier mit Erfolg nach den Belemniten zu suchen, die Hr. Escher fand. Nördlich und nordwestlich von hier stehen mächtige Dolomitstöcke, die ich nicht selbst untersucht habe. Sie unterteufen nach Ilrn. Sluder den Schiefer und gehören folglich zum Trias oder zum untern Lias, wahrscheinlich beides. Noch weiter auf dem Grat liegt dem Kalk auf der Graitspitze, dessen tiefere Partien auch schon dolomitisch sind, sandiger Schiefer auf, und aus diesem treten ebenfalls auf dem Grat noch einmal die spiliti- schen Gesteine hervor. Die Schiefer fallen beiderseits von denselben ab und bilden zickzackförmige Einknickungen, das Gewölbe ist oben gebrochen und die schwarzen Massen des Eruptivgesteins ragen daraus hervor, beiderseits von dem verrucanoartigen Sandstein und rothem und grünem Schiefer begleitet. Der darauf folgende Schiefer fällt auf den ganzen Grat wieder nordwestlich. Es ergibt sich aus dem allem, dass der Kalk und Dolomit unter den Schiefern liegt, welche sich, ebenfalls meist als Kalkschiefer, theils darüber wölben, theils gebrochen sind und dass die tiefere Kalkmasse durch die Alp Bella und Trida im Mittel hör. 8 über die Graitspitze streicht, nachher sich aber nördlich gegen Ischgl wendet, und dass die dioritischen und spilitischen Gesteine, sammt dem Serpentin der schwarzen Wände, eine zwischen Kalk und Schiefer einestheils und die krystallini- 31 sehen Gesteine andertheils eingesehobene Masse sind, welche die umliegenden Felsarten verschiedentlich umgewandelt hat. Ganz Samnaun erscheint aber als eine zwischen den schwarzen Wänden und dem Piz Mondin gelagerte tiefe Mulde, die sich in der Richtung des Fimberthales verflacht, und darum die im Grunde gelagerten Triasbildungen hervortreten lässt. Von der Graitspitze stieg ich in die Alp Salärs hinab und fand daselbst sehr schlecht erhaltene Belemnitenreste im grauen Schiefer, tief unten im Thal aber eine Gypsformation im grauen Schiefer und wie dieser, nordwestlich einfallend, hör. 8—9 streichend. Der Gyps ist körnig und weiss, theilweise auch grau und dann deutlich geschichtet, von fussbreiten Rauchwackeschnüren netzartig durchzogen, von Spalten und schachtartigen Löchern wie ein Gletscher durchsetzt. Beiderseits ist er von folgenden Schichten begleitet. 1) Gyps, 2) graue Schiefer, 3) Rauch- wacke, sehr porös, grau und braungelb, 4) Quarzit und sandiges Conglomerat mit viel Schwefelkies, 5) rothe und grüne Schiefer, 6) graue Sand-, Thon- und Kalkschiefer. Wie bei Motta und Raveisch enthält dieser Gyps gediegenen Schwefel in solcher Menge, dass er vielleicht einer Ausbeutung fähig wäre. In der Regel ist die Gypsformation 50—100 M. breit; folgt man ihr südwestlich gegen das Joch, so wird sie schmäler, die begleitenden bunten Schichten aber setzen fort, worauf alsbald der Gyps wieder erscheint und in dem jenseitigen Thal Zebles noch weit ansehnlichere Mächtigkeit erlangt. Dieses Thal ist eine trichterartige Einsenkung. Schiefer und Rauchwacke scheinen die Sohle des Gypses zu bilden, und es streicht derselbe deutlich von weitem sichtbar bis auf das Joch, welches nach dem Vosil- und Fimber- thal überführt. In ersteres zieht er sich nach Angabe der Samnauner noch hinab. Leider war es mir unmöglich, das Fimberthal zu besuchen. Hr. Studer, der es untersucht hat,*) fand auf der rechten Seite Schiefer, weiter abwärts darunter liegenden Kalk und Dolomit, auf der linken Seite Hornblendeschiefer, welcher auch einigemal auf die rechte überspringt, und unter welchem bei Ischgl Gneiss liegt. Die Schiefer fallen westlich gegen die krystallinischen Gesteine und scheinen sie zu unterteufen. Dies stimmt vollständig mit meinen Beobachtungen in der Val Tasna und am Piz Minschun überein, auf welche ich der Kürze wegen zurückweise. Die Schiefer bilden unstreitig gegen die krystallinischen Gesteine eine spitze Mulde, und diese fällt hier westlich ein, weil der krystallinische Bergzug vom Fatschölpass aus nördlich streicht. *) Geologie der Schweiz, B. I, S. 306 , sowie briefliche Miltheilung. 32 Die verschiedenen Pässe, welche vom Fhnberthal in die Val Rainosch, Rooz, Chaglias u. s. w. führen, so wie diese Thäler selbst, das untere Laver und die Val Sinestra bis nach Sins und Remüs hinab, und alle zum Theil sehr ansehnlichen Höhen zu beiden Seiten, gehören der Engadiner Schieferformation (gleich Fleckenmergel; und bieten, abgesehen von der wilden Grossartigkeit der Landschaft wenig Abwechslung und Interesse; doch wäre Solchen, die länger dort verweilen, eine detaillirte Untersuchung besonders nach Petrefakten zu empfehlen. Die rechte Thalseite. Wir beginnen des Zusammenhanges wegen am östlichen Ende, in der Nähe der so eben beschriebenen Gegenden bei Finstermünz und Nauders. Letzteres liegt noch auf Engadiner Schiefer; gleich diesseits beginnt aber Glimmerschiefer und überhaupt krystallinisches Gestein, welches dem System des Oezthaler Ferners angehört und von da in die Engadiner Formation eingreift. Die Strecke von Nauders nach Mals und Münster habe ich nicht ganz selbst untersucht, und verweise daher auf das, was Hr. Escher darüber angibt (Geologie der Schweiz, S. 375 ff.) und was der Hauptsache nach folgende Resultate gibt: Der Glimmerschiefer hält an bis südlich von Heide, meist NW. fallend. Südöstlich von dem See sind ihm Kalkstöcke aufgelagert und westlich schliesst er sich dem Kalk des Piz Lat an, dann folgt Hornblendeschiefer, Glimmerschiefer, endlich der Verrucano des Münsterthals. Auf der östlichen Thalseite geht der Glimmerschiefer ohne Hornblendeschiefer weiter südlich. Die Verhältnisse des Münsterthaies wollen wir später betrachten. Es wird hier nur auf die mächtigen Verrucano- und Sandsteinbildungen desselben aufmerksam gemacht, welche in Engadin zwar vorhanden, aber auf schmale Streiten zusammengegangen sind. Es ist schon oben bemerkt, dass bei Martinsbruck und Strada beide Seiten des Inn aus grauem Schiefer bestehen, welcher südlich einfällt. Derselbe wird auf dem linken Ufer immer schmäler und verschwindet oberhalb Raschwela ziemlich gegenüber der Stelle, wo der Granitrücken von Remüs aufhört. Es folgt eine Einsenkung, die ein flaches Längsthal hinter Raschwela bildet, dahinter steht Gneiss und Glimmerschiefer an, ebenfalls südlich fallend; die Grenzgesteine sind durch Schutt bedeckt; Stücke, welche umherliegen, sind talkige grünliche Schiefer. Ich konnte dies der späten Tageszeit wegen nicht weiter verfolgen; die krystallinischen Gesteine hängen übrigens zusammen mit denen, die südlich von Nauders an dem Bach beginnen, welcher vom schwarzen See kommt. Sie bilden den Fuss des Piz Lat. An diesem 33 bemerkt man weiter oben gelbliche Schichten, welche Sandstein und Verrucano sind, wie die herabgekommenen Trümmer beweisen; dann folgen verschiedene Kalkschichten, welche dieselben sind wie die gleich näher zu beschreibenden in der Val d’Assa, und ihnen sitzt die mächtige Dolomitbildung auf, welche die Hauptmasse des Piz Lat ausmacht, der übrigens noch einer speziellen Untersuchung und zwar von Nauders aus bedürfte. Diese Schichten fallen SSW. und SW. in verschiedenen Biegungen. Die nun folgenden tief eingeschnittenen Thalschluchten gestatteten mir, an mehreren Stellen weit in diese Gebirgsmassen einzudringen. Val d’Assa gegenüber Remüs, beginnt mit grossen Ablagerungen von Geschieben. Dahinter stürzt von einer hohen Felswand ein Wasserfall. Diese Felswand ist Gneiss. Er steigt noch hoch über den Wasserfall, besonders auf der rechten Thalseite. Auf der linken ist die Halde mit Schuttmassen bedeckt, und über diese erheben sich steile Wände von Kalk und Dolomit, welchem letzteren graue Schiefer aufgelagert sind, die so auffallend den Küssner Schichten der Scesaplana gleichen, dass ich lange nach Versteinerungen darin suchte, jedoch vergeblich. Besser aufgeschlossen ist das Kalkgebirg weiter oben, wo der Waldbach Scherina von der rechten Seite einfällt. Das rechte Ufer desselben ist Gneiss, der südlich einfällt. Auf dem linken sitzt auf diesem, ebenfalls steil südlich einfallend, Verrucano; zunächst am Gneiss ein grünlicher Talkquarzit; dann grauer, theilweise auch röthlicher Sandstein. Auf diesem liegt weicher Talkschiefer und grauer schiefriger Kalk, beide von ungleicher Mächtigkeit und an mehrern Stellen fehlend. Folgt dann nach oben braungelber Kalk und Rauchwacke, schwarzer dick geschichteter Kalk, schwarzer schiefriger Kalk, mergelige Schichten, schwarzer schiefriger Dolomit, Dolomit mit Hornstein, grauer Dolomit, schwarzer Marmor, dünnschiefriger Kalk, mächtige Dolomitmassen, rotlie und gelbe Schichten, aus rothem, grünem etc. Thon und Kieselschiefer von geringer Mächtigkeit, endlich eine mächtige Dolomitformation, welche das hohe Horn auf der linken Thalseite (3030 M.) bildet; das auf der rechten schliesst mit den rothen Schichten, denen weiter hinten verhältnissmässig geringe Dolomitmassen aufgesetzt sind, und ist weit niedriger. Die Rauchwacke und die ihr folgenden Kalkschichten entsprechen wahrscheinlich dem Guttenstein-Kalk; die folgenden Kalk- und Dolomitbänke der Formation von St. Cassian, da sie in derselben Lage am Parpaner Weisshorn bei Chur Bactryllium Schmidtii enthalten; die rothen Schiefer, welche eben da gerade so Vorkommen und den St. Cassiansdolomit von dem obern Dolomit scheiden, könnten den Keupermergeln des Vorarlberges entsprechen; der darauf folgende äusserst mächtige 5 34 Dolomit, den ich im Folgenden der Kürze wegen als Hauptdolomit bezeichnen will, ist der, auf welchem an der Scesaplana die Kössner Schichten und der Dachsteinkalk liegen und über dessen Stellung man noch nicht recht im Klaren ist. Ob die Kössner Schichten gerade an dieser Stelle Vorkommen, kann ich nicht entscheiden, graue Bänder an den oberen Theilen des Horns könnten dahin gehören, sowie auch die oben erwähnten grauen Kalkschiefer. Ueberhaupt kann ohne Fossilien hier von keinen ganz zuverlässigen Bestimmungen und Scheidungen der Formationen die Bede sein, und solche habe ich aller Anstrengung ungeachtet bisher nur in undeutlichen Resten, meist aber gar nicht gefunden. Die angegebene Formationsreihe wiederholt sich, bald mehr bald weniger entwickelt in ganz Unterengadin; die Val d’Assa aber gewährt den Vortheil, sie ohne viel Mühe und aufs deutlichste blossgelegt, übersehen zu können. In der Scherina ziehen sich diese Formationen hoch aufwärts. Ein ansehnlicher Wasserfall fällt noch über' Gneiss. Oberhalb desselben geht der Verrucano auf die rechte Seite über, und biegt sich um den Berg gegen das Innthal. Es folgen dünne Kalkschichten, unstreitig die so eben angegebenen, und darauf sitzt die grosse Dolomitmasse des Piz Lat. Folgt man der Val d’Assa aufwärts bis zum Einfluss des Rosannabaches, der ebenfalls von der rechten Seite kommt, so steht, nachdem der Kalk eine Zeit lang die Thalsohle gebildet, wieder Verrucano an. Er bildet hier zwei kleine Rücken, der eine steckt noch theilweise unter dein Kalk der rechten Thalecke der Rosanna und bildet ein geschlossenes Gewölbe; der andere ist abgebrochen. Mitten in den senkrecht einfallenden Mittelschichten steht ein ausgezeichneter Gneiss mit Granat an, Verrucano zu beiden Seiten. Beiderseits im Thal die obigen Kalkbildungen. Etwas weiter aufwärts ist die Quelle Christannas, von welcher behauptet wird, dass sie intermittirend sei. Die Kalkschichten, aus welchen sie kommt, sind äusserst verbogen. Es folgt von unten auf: 1) Verrucano, 2) Talkschiefer, 3) ein graugelber Sandstein, welcher die Rauchwacke zu vertreten scheint, die hier fehlt; 4) dünne mergelige Schichten, 5) schwarzer Kalk mit Hornstein, 6) schwarzer schiefriger Kalk, 7) schwarzer Kalk mit undeutlichen Bivalven und andern organischen Resten, 8) schiefriger Dolomit, 9) Dolomit in dicken Bänken. In letzterem ist eine weite Spalte, aus welcher die Quelle kommt. Weiter oben sind runde Löcher im Felsen, aus welchem zu der Zeit kein Wasser floss. Ich konnte 30—40 Schritte weit in die Höhle ein- dringen. Sie ist glatt gewaschen, das Wasser ist ehemals höher gegangen. Die 85 Quelle hat die Stärke eines starken Mühlbaches und mag etwa 45 Cubikfuss per Minute geben; es schmeckte fad wie Schneewasser. Es fehlte an Zeit, das etwaige Intermittiren abzuwarten. Die Beobachtung dauerte von 8 — 8 V 2 Uhr Nachmittags; das Wetter war sehr warm, 19. August 1858. Die Spalte streicht von N.—S. und kommt in dieser Richtung auch wieder in dem nahe gelegenen Tobel heraus, in welches die Val d’Assa hier, endigt. Auf der andern Seite setzt sie in derselben Richtung auch wieder in die Dolomitfelsen ein. Diese sind eben so zerklüftet wie da, wo die Quelle herauskommt. Vermöge dieser Richtung quer durch das Tobel, schneidet sie dessen Wasser bei niedrigem Stand ab, bringt aber selbst solches von der jenseits der Kalkstöcke gelegenen Rosannaalp, die an den hohen Gneissriicken der Grianspitze grenzt. Hier liegt immer Schnee, und von dessen Schmelzen scheint die Quelle ihr Wasser zu beziehen. Sie hört wahrscheinlich auf zu lliessen, sobald die Sonne hinter die Grianspitze sinkt. Die Kalkstöcke bilden hier nur ein schmales Band über Gneiss und Verrucano, welches die Rosannaschlucht sogar zu unterbrechen scheint. In dem genannten Tobel gelangt man bald an das jenseitige Ende der Kalkformation. Jenseits liegt nichts als Gneiss, Glimmer und Hornblendeschiefer. Von der Grianspitze, 2985 M., die ich das Jahr vorher erstiegen hatte, übersieht man deutlich diese Verhältnisse, so wie die krystallinischen Formationen der Rescher Scheideck. Die Rosannaschlucht konnte ich der Zeit wegen nicht bis zu ihrem Ende verfolgen. Am Ausgang besteht die Basis aus Verrucano und Gneiss, die man weit aufwärts fortsetzen sieht. Zu beiden Seiten erheben sich die Kalkwände mit den so eben beschriebenen Formationen. Bemerkenswerth für das Folgende ist der Umstand, dass am Eingang des Thaies eine mächtige Gneissformation erscheint, die sich um den Piz Lat herumzielit, und dann nach Unterbrechung durch die deutlich muldenförmigen Kalkbildungen ein kleiner, oft durch Kalk verdeckter, aber gleichfalls NO.—SW. streichender Gneissstreif, der durch die Rosanna sich mit dem Gneiss des Griangrates verbindet. Wir werden beide bis zu den Ausläufern der Selvrettamasse verfolgen. Von dem Ausfluss der Val d’Assa bis zu dem des Uinabaches steht längs des Innufers krystallinisches Gestein, Gneiss und Glimmerschiefer an. Wo der Bach aus letzterer tief in diese Felsarten eingerissenen Schlucht hervortritt, erscheint auch ein chloritischer Hornblendeschiefer mit pikrolithartigem Ueberzug; anstehender Serpentin 36 fand sich nicht; doch vermuthe ich, dass er vorhanden ist, er würde ein Zwischenglied zwischen Remüs lind Triazza sein. Diese Formationen fallen nördlich ein, im Felsenthor der Uina fast senkrecht, und will hier Ilr. Crass von Schuls ein dioritisches Gestein bemerkt haben, das weiter zu untersuchen wäre. Es halten die krystaliinischen Gesteine der untern Linie bis weit in dieses Thal an, und der Weg führt auf der rechten Thalseite an ihren steilen Abhängen hin; endlich kommt man in die Nähe eines Tobels an eine Stelle, wo das bisher nördliche Fallen plötzlich südlich umbiegt, auf dem Rücken und in den Tobeln steht Sandstein und bunter Schiefer (Verrucano) an, darauf liegt Rauchwacke und die Kalkschichten von Val d’Assa; der Hauptdolomit macht nach oben den Schluss am Mont Schalambert und den südlich davon liegenden hohen Gräten 2677, 3030 M Auf der linken Seite unter der Kuppe, 1919 M., einem Ausläufer des Piz Ayuz, ist das Gewölbe gesprengt, die Schichten machen die verschiedensten Biegungen, unten steht Gneiss an, die Formationen sind dieselben. Etwas weiter bergein fallen die Schichten des Kalkgebirges wieder nördlich, bilden also eine Mulde mit den vorigen, dahinter sind auf der rechten Seite, gerade den Hütten der vordem Alp gegenüber, die krystaliinischen Formationen aufgedeckt und bilden einen senkrecht stehenden Rücken, über welche die Kalkschichten einen Bogen machen. Es ist die zweite innere Gneisslinie, welche wir schon in Val d’Assa trafen; auf der linken Seite erscheinen sie auch auf dieselbe Weise unter den Piz Ayuz einsetzend, also NO.—SW. streichend;, doch weniger gut aufgedeckt. Die Formationsfolge auf der rechten Seite ist von unten auf: 1) granitartiger Gneiss mit grossen Feldspathkrystallen; 2) feinkörniger flaseriger Gneiss mit viel weissem Glimmer; 3) Glimmerschiefer und Chloritschiefer; 4) rothes Conglomerat und Sandstein (Verrucano); 5) rother, grüner und grauer Schiefer; 6) Rauchwacke; 7) schwarzer Kalk und Dolomit; 8) Dolomit in dickem Bänken; 9) schwarzer dichter Marmor; 10) schiefrige graue Schichten; 11) Hauptdolomit bis zur Spitze des Horns Montenuovo, 3030 M. Also ganz die Formationsreihe von Val d’Assa, welche überhaupt von nun an 37 massgebend bleibt. Auf der linken Seite, wo das Thal sich spaltet, sieht man die mächtige Dolomitmasse des Piz Ayuz 'südlich unter rothe Kalkschichten einfallen, welche den Grat zwischen Uina und Triazza bilden und Crinoiden enthalten gleich Adnether Kalk. Darauf liegt Schiefer, der unter die Eismassen des Lischannaglet- schers einfällt. Dieser ist dem Schiefer der linken Innseite zu parallelisiren, also Fleckenmergel, welcher hier in seiner normalen Lage ist. In dem östlichen Thalzweig hinter dem Gneissrücken kann man leicht die obige Formationsreihe verfolgen und kommt dann bald auf den Ilauptdolomit, aus dem der Hintergrund des Thaies besteht. Von den hinteren Alphütten wandte ich mich östlich, und erkletterte ohne viele Mühe die Dolomitwand, zunächst über Schutt und die schiefrigen Kalke ansteigend. Auf der Passhöhe ist der Ilauptdolomit gesprengt; es liegt darin ein breites Band von kohlschwarzem Schiefer (Kössner Schichten?). Hinter der Kalkwand liegen zerstreut die Trümmer der Verrucanoschiefer, die man nicht deutlich anstehen sieht; dann folgen die krystallinischen Gesteine des Griangrates, welche auf dem Plateau vorherrschen und unter den Kalk einfallen. Dieser bildet also hier eine verhältnissmässig schmale Brücke über dem krystallinischen Gestein und läuft dann, diesem scharf aufgesetzt als zackiger Grat nach NO., über der Val d’Assa her gegen den Piz Lat und südwestlich gegen den Seswennapass und den Piz Cornet und Christannes. Der Griankopf besteht ganz aus Gneiss; auf dem weiter südöstlich fortlaufenden Grat wird dann Hornblendeschiefer vorherrschend, der sich von da nach Burgeis und Schleiss hinabzieht. Das äusserst öde Plateau der Alpen Schlingia und Sur Sass, im Mittel 2400 M., theilweise von Moorstrecken und kleinen Seen bedeckt, besteht östlich aus krystallinischen Gesteinen, westlich greift der Kalk von den hohen Wänden her, welche den grossen Lischannagletscher tragen, über die krystallinischen Bildungen ein, welche unter ihm einfallen. Verrucano liegt überall zwischen beiden, doch in geringer Mächtigkeit meist als grauer oder grünlicher, theilweise auch rother Sandstein, von rothem Conglomerat und Schiefer begleitet. Die Kalkwände sind äusserst verbogen. Eine gut aufgeschlossene Stelle, wo der Gneiss einen Rücken bildet, wurde näher untersucht : 1) Gneiss; 2) rothes Conglomerat, Sandstein und Verrucanoschiefer; 3) brauner Kalk und Rauchwacke; 38 4) die schiefrigen Kalke wie in Val d’Assa und Uina; 5) grosse Dolomitmasse, die vordere Spitze des Piz Christannes; 6) diesen aufgesetzte schiefrige Bildungen des Grates dahinter 8120 M. Letzterer Punkt müsste erstiegen und näher untersucht werden. Der letzte Gneissrückeu am Südostfuss des Berges hat die Kalkdecke abgeworfen, der nördlich darüber hoch aufsteigende Dolomit trägt auch hier auf dem höchsten Grat braune schiefrige Bildungen, wahrscheinlich die Kössner Schichten. Sie fallen nach N. Die Passhöhe, 2968 M., zum Theil vergletschert und von Firnschnee bedeckt (5. Aug. 1857), besteht aus einem schönen granitartigen Gneiss in sehr dicken Bänken mit grossen Feldspathkrystallen wie der des benachbarten Avignapasses. Darauf liegt flaseriger Gneiss und meist mit Schutt bedeckter Verrucano, der in Gneiss übergeht. Oestlich von dem Pass sitzt dieser Formation inselartig, rings von krystallini- schem Gestein umgeben, ein gewaltiger Dolomitstock auf, aufs äusserste zerspalten und zerrissen. Die Basis ist gelbe Rauchwacke und die oft erwähnten schiefrigen Kalke, letztere hier nur schwach vertreten. Es ist die Fölliaspitze, 2909 M., das östliche Horn des Seswennastockes, der weiter westlich und südlich aus mehrern sehr hohen Gneissspitzen besteht, Piz Maipitsch, 8162 M., und Piz Seswenna, 8221 M., zwischen denen bedeutende Gletscher eingelagert sind. Jenseits ist der Pass Cruschetta oder Avigna. Diese Schichten fallen südlich ein, nördlich vom Seswennapasse fallen sie nördlich, sind aber sehr verbogen, und diese Lage setzt sich das Seswennathal abwärts bis nach Scarl fort, so dass die Thalsohle ein aufgerissener Gneissrücken ist, von dem aus die Schichten der beiden Thalseiten antiklinal fallen. Die linke Thalseite besteht ganz aus Gneiss, der südlich fällt, der Alp Seswenna gegenüber aber (2098 M.), wo das Thal südwestlich gegen Scarl einbiegt, ist diesem Gneiss muldenförmig ein Kalkstock eingelagert. Verrucano liegt dazwischen. Es bildet aber der Kalk nur eine verhältnissmässig kleine Einlagerung, bald wird er wieder von Gneiss und aufgelagertem Verrucano verdrängt, welche auf der linken Thalseite bis Scarl anhalten und von da aufwärts gegen Avigna ziehen. Die rechte Seite des Seswennathales zeigt weit complicirtere Verhältnisse. Sie wird durch den hohen Piz Cornet, 3088 M. und Piz Madiein, 3101 M., gebildet. Ersterer zeigt an seinen obern Partien Verbiegungen und Verwerfungen der Schichten, wie man sie selten findet; am Fuss aber fallen die Schichten ziemlich constant nach N. An der fast senkrechten, in ihren obern Theilen nicht ersteiglichen Wand sind besonders die schiefrigen Kalke ausgebildet; doch ist wegen der schlingenförmi- 89 gen Verbiegungen die Schichtenfolge nicht genau zu bestimmen, da dieselben Schichten mehrmals doppelt auftreten. Zu unterst liegt Gneiss, darauf Verrucano, dann knollige braune, zum Theil quarz- und hornsteinführende Rauchwacke. Es folgen schiefrige schwarze und graue Kalke, weisse Kalkschichten, die man früher für Gyps hielt, die aber nach herabgefallenen Stücken sich als Kalk erweisen, dann grüne und rothe Talk- und Kieselschiefer, Dolomit, schiefriger Kalk und Dolomit, braun und grau; weiter oben gelber poröser Dolomit in Rauchwacke übergehend, noch einmal Kalkschiefer, endlich eine grössere graue Dolomitmasse obenauf. Es sind die Gesteine der Val d’Assa und Uina, deren Lagerung sich nach oben angegebenen Verhältnissen modificirt. Fossilien konnte ich nicht finden; in den mittlern Dolomitschichten aber kommt sehr reicher Rleiglanz vor, auf welchen Ausbeutungsversuche gemacht worden sind, über deren weiteren Erfolg mir nichts Bestimmtes bekannt ist. Nordöstlich von der Alphütte und in dem Tobel zwischen Piz Cornet und Madiein ist das Gebirg auch in der Thalsohle äusserst verbogen. Die Kalkbildungen haben hier diese längst erreicht und setzen auf oben angegebene Weise auch auf die linke Seite über. Einfachere Verhältnisse zeigt der wegen des alten Grubenbaues wichtige Piz Madiein. Gneiss und Verrucano sind an seinem Fuss nicht sichtbar, sondern mit Schuttmassen bedeckt. Man findet: 1) Dolomit; 2) schiefrigen Kalk, schwarz oder grau; 3) schwarzen und dunkelgrauen Kalk in dickem Schichten; 4) Dolomit und Rauchwacke, grau; 5) gelblichen Dolomit und Rauchwacke, sehr weich; 6) rothe Schiefer in diese Bildungen eingelagert; 7) Hauptdolomit, der bis zur Spitze fortgesetzt und einige 1000' Mächtigkeit hat. Diese Formationen fallen nördlich, haben aber auch viele Localbiegungen. Die angegebenen Schichten würden nach oben ausgesprochener Ansicht zu St. Cassian gehören und die rothen Schiefer zwischen ihnen und dem Hauptdolomit die Scheidung bilden. Dies ist aber ohne Fossilien, welche man nicht findet, nur eine vorläufige Ansicht. Jedenfalls sind zwei Rauchwackebildungen zu unterscheiden, die in diesen Thälern sich immer wiederholen; eine untere, die zunächst auf dem Verrucano liegt und selten fehlt, aus knolligen, porösen, theilweise quarzhaltigen Massen bestehend, und eine obere, gelb oder grau, in gewöhnlichen Dolomit übergehend und leicht in 40 Sand zerfallend. Sie liegt unter dem Hauptdolomit und enthält rothe Schiefer, Thoneisensteine, auch Kieselschiefer und stellenweise Bleierze, die aber auch darunter Vorkommen. Die alten Bleigruben, in welchen man einen stark silberhaltigen Bleiglanz gewann, und die, zu verschiedenen Zeiten wieder aufgenommen, jedoch nie wieder ordentlich betrieben wurden, liegen auf der Südwestseite des Piz Madiein. Man steigt von Scarl aus, das auf Schüttboden liegt, über schiefrigen und dünngeschichteten Kalk, dann über festen gelblichen und grauen Dolomit. In letzterem liegt die Grube Unterbienen. Dann gestatten Wald Vegetation und Schutt keine klare Ansicht mehr, bis man an die oberen Gruben kommt. Es gehen viele alte und neue Stollen in die gelbe, poröse und zerreibliche Dolomitmasse, welche nach N. unter den Hauptdolomit einfällt und hör. 6 streicht. Es ist also dieselbe, die in Seswenna wieder zum Vorschein kommt. So fallen und streichen auch die Bleiglanzgänge, welche nebenbei weissen Baryt und Galmei enthalten. Eigentlich sind es nur netzartig verflochtene Schnüre, welche sich trennen, vereinigen, durchkreuzen und die ganze Dolomitmasse durchdringen, so dass die Ansicht nahe liegt, es sei das Metall durch Sublimation aufgestiegen und habe sich in den unzähligen Spalten des Dolomits vertheilt und conden- sirt, während sie in dem festeren Gestein von Unterbinnen regelmässiger verläuft. Die alten Grubenbauten bilden ein labvrinthisches Gewirr von Gängen, Weitungen und Stollenörtern, in welchem man sich schwer zurechtfindet, ohne System und Plan: Man folgte dem Erz, wo es sich fand, und es ist die Frage, ob dies anders möglich ist; ein regelrechter Abbau aber fand nicht statt. Bei gutem Betrieb könnte noch Erz genug ausgebeutet werden. Vor etwa BO—40 Jahren wurde der Bau wieder aufgenommen, und man Hess sich die Gänge durch eine Somnambüle angeben. Was bei solchem Betrieb heraus kam, ist unschwer zu errathen. Eine in neuster Zeit geschehene Wiederaufnahme scheiterte an Administrationsschwierigkeiten und Prozessen. Die grosse Dolomitmasse des Piz Mädlein und des damit zusammenhängenden St. Jon bildet von nun an die ganze rechte Thalseite bis etwa auf halbem Weg nach Schuis, wo andere Formationen darunter liegen und das Ganze südwestlich einfällt, bei gleichem östlichem Streichen. Diese Kalkmassen sind also eine Mulde. Hiervon weiter unten; wir betrachten zunächst des Zusammenhanges wegen den weiteren Verlauf der Scarlthäler. Von Scarl aufwärts gegen den Pass der nach Avigna führt, hat man auf der / / 41 rechten Seite fortwährend Gneiss, auf der linken Verrucano, der aber hier bis zum Eingang der Val Tavru fortsetzt. Es gewinnt diese Felsart von hier an eine grosse Mächtigkeit und bildet hohe Berge. Es ist ein graugrüner Talkquarzit, der, wo er mit dem immer untergelagerten Gneiss in Verbindung tritt, so allmählig in ihn übergeht, dass man in Verlegenheit ist, wo die Grenze zu ziehen sei; auch ist es unstreitig dasselbe Gestein in noch nicht vollendetem Bietamorphismus; ich nenne daher dasjenige Gneiss, worin die Theile, namentlich der Feldspath, deutlich krystallinisch sind, und Verrucano, wo dies nicht der Fall ist. Nach oben geht letzterer übrigens’ fast immer in grauen und grünen, theilweise auch rothen Sandstein und ebenso gefärbte Conglomerate über; darauf liegen verschiedene Schiefer, worauf die Kalkbildungen in der oft erwähnten Reihe folgen. So ist es im ganzen hintern Scarl und im Münsterthal. Der Weg von der Theiiung der Thäier an unterhalb Plager geht einförmig über Gneiss, der zuweilen mit Glimmerschiefer wechselt; die östliche Bergreihe besteht ganz daraus, das Fällen ist allgemein südlich mit allerlei Biegungen, das Streichen hör. 6 8. Auf der Passhöhe erscheinen dicke Bänke und massige Felsen eines Gesteins, das man füglich als Granit ansehen kann mit schönen grossen weissen und grauen Feldspathkrystallen. Auf diesem Gestein liegt beiderseits flaseriger Gneiss, folgt man diesem auf dem südlichen Grat, so kommt man bald auf Verrucano; diesem sitzt Talkschiefer in geringer Mächtigkeit auf; es folgt die knollige Rauchwacke, die gewöhnlichen schiefrigen und dünngeschichteteu Kalke und Dolomite, hier von unbedeutender Mächtigkeit, und darauf sitzt mauerförmig und von gewaltiger Höhe, aulfallend zerrissen, die grosse Dolomitmasse des Piz Slanlex und seiner Nachbaren. So hoch und wild dieser Stock ist, so hat er doch nur geringe Ausdehnung und steht inselartig auf Verrucano und Gneiss. Letzterer setzt noch eine kurze Strecke in die Val Avigna fort; an der Alp da Mezz ist die rechte Thalseite schon Verrucano, gleich darauf springt dieser auch auf die linke Thalseite über und bedeckt hier den Gneiss, während er auf der rechten den Kalk unterteuft. So geht es fort bis Tauffers und Münster. Wir verfolgen dies hier nicht weiter. Das Thal hinter dem Piz Stanlex mit den Alpen Tamangur und Costainas, von wo der Pass Dureza nach Cierfs im Münsterthal überführt, hat zu beiden Seiten sehr hohe Dolomitstöcke, unter welchen dieselben Formationen wie auf dem Pass von Avigna liegen. Der Thalgrund, so weit der Grasboden und Schutt anstehendes Gestein erkennen lassen, ist Gneiss nebst Lappen von jenem Quarzit, den man mit glei- 6 42 ehern Rechte zu Gneiss und Verrucano ziehen kann. So auch die verschiedenen Sei- tenthälchen. Auf der Passhöhe nach Cierfs war ich nicht selbst. Nach Hr. Escher’s Beobachtungen liegt Gneiss bis oben hin, auf der Höhe vereinzelte Kalkstöcke, die eine unterbrochene Brücke zwischen dem Stanlexstock und den hohen Kalk- und Dolomitgebirgen weiter westlich bilden; auf der Seite von Cierfs senkt sich Verrucano gegen den Hintergrund des Münsterthals herab. Die Schichten der linken Thalseite lassen einen Blick in die Struktur des Gebirges auch weiterhin thun. Der Verrucano fällt von Scarl aus südwestlich. Wo er unter die Rauchwac-ke einschiesst, fallt diese sannnt dem Kalk und Dolomit, der sie bedeckt, ebenso. Etwas weiter machen die Dolomitschichten eine tiefe Einbiegung und bilden eine Mulde. Die Schichten des vorderen Piz d’Astas fallen fast senkrecht.; zwischen ihnen und der nächst südwestlich gelegenen Spitze ist wieder eine Einsattelung, und dahinter fallen die Schichten südlich gegen das Münsterthal. Diese Undulationen gehen durch die ganze Kalkkette, natürlich mit verschiedenen Abweichungen, und daher kommt es, dass die Spitze eines Horns oft ganz anderes Fallen hat als seine Basis. In der Val Tavru liegt anfangs auf der rechten Seite Talkquarzit und weiterhin Verrucanosandstein, auf der linken Kalk in dünnen Schichten; die untersten Glieder der Kalkformation stecken unter dem Schutt. Weiter oben liegt auf dem Verrucano Rauchwacke und die schiefrigen Kalkbildungen, endlich im Hintergrund die grossen Dolomitstöcke, Piz d’Astas 2963 und Tavru 3168 M. Unter dem Talkquarzit, der am Eingang einen Bogen bildet, muss noch Gneiss liegen, da eine tief eingerissene Riife solchen herabbringt. Von diesem Thaleingang bis zu dem der Val Minger macht der dünn geschichtete Kalk und Dolomit zwei Biegungen, so dass Wölbungen entstehen, deren eine Seite östlich, die andere westlich fällt. Diess sind aber nur locale Biegungen, das Hauptfällen ist steil südlich. Etwas weiter bergein in der Val Minger fallen dieselben Kalkschichten nördlich, dann wieder südlich, endlich am Fusse des Piz Furaz abermals nördlich, also wieder die oben angegebenen Undulationen des Kalkgebirges von N. — S. Das Streichen ist ziemlich constant hör. 7. Am Fusse des Piz Furaz, der sich im Hintergrund zackig und steil zu 3094 M. erhebt, fanden sich folgende nach N. und NW. einfällende Schichten: I) Grauer Kalk in dünnen Schichten. 2) Grauer Dolomit. 3) Rauchwacke. 4) Schiefrige Schichten mit Braun- und Rotheisenstein. 5) Rauchwacke. 6) Brauner Dolomit. 7) Rauchwacke und Dolomit, gelb und grau, sehr weich. 8) Grauer gewöhnlicher Dolomit. 9) Rauchwacke. 10) Haupt- doloinit, welcher die grosse Masse des Piz Furaz ausmacht; letztere fast senkrecht / 43 nach N. fallend. Dieses nördliche Fallen kommt daher, dass jenseits auf dem Ofner Pass der Verrucano wieder in grosser Mächtigkeit hervortritt; jenseits dieses Passes, der ein aufgerissenes Thal ist, fallen die Schichten nach SW. und W. gegen den Spöl. In den Schichten 5, 6, 7 wurde ehemals Bergbau auf Bleiglanz betrieben. Es finden sich verschüttete Gruben und Halden, .Trümmer einer Berghütte, Scherben von höchst altmodischem Töpfergeschirr, Haufen von sehr schlecht ausgeschmolzenen Schlacken und aufbereitete Erze, theils noch in kleinen Haufen aufgeschüttet, theils über den Abhang zerstreut. Dieser Umstand scheint zu beweisen, dass die Gruben plötzlich und in Folge gewaltsamer Ereignisse verlassen wurden. Von dieser Stelle aus, welche über der Baumgrenze, etwa 2500 Meter liegt, sieht man beiderseits die gelben Dolomitschichten mit ihren rothen Schieferbändern und Eisensteinen unter dem Hauptdolomit in dem Hintergrund der Val Tavru und auch auf der linken Thalseite von Val Minger in eben der Lage über den Schuttmassen hinstreichen, die hier den Fuss der Pisogketle bedecken, welche aber, wo Rüfen den Schutt weggerissen haben, ganz den Bau der rechten Thalseite, mit denselben Biegungen zeigt. Die Spitzen des Pisog sind wieder Hauptdolomit. Diese kurze aber sehr hohe Kette läuft von N.—S. und grenzt an ihrem Südende an die westliche Fortsetzung des Piz Furaz, welche, wie der ganze Hauptgrat, nördlich fällt. Dann folgt eine Einsattelung, wo man nach Val Plafna übersteigen kann, weiter nördlich hohe zackige Dolomitgräte und Spitzen, deren grösster Höhenpunkt, der Piz Pisog bei Tarasp, 3178 Meter misst. Diese Spitze fällt nordwestlich, der Fuss bei Tarasp südwestlich. Aus dieser ganzen Gonfiguration geht hervor, dass diese mächtige Kalkmasse eigentlich eine mehrfach verbogene Einsattelung zwischen dem Verrucano des Ofenpasses und dem krvstallinischen Gebirg von Tarasp ist, welches wir alsbald kennen lernen werden. Man gewöhnt sich schwer an die Ansicht, dass die höchsten Punkte die Mulden, und die Thäler die Rücken vorstellen; aber eine vorurteilsfreie Ansicht der Natur an Ort und Stelle kann zu keinem andern Resultate fuhren. Das hier Gesagte gilt von der ganzen Dolomit- und Kalkkette der rechten lnnseite, und braucht daher nicht wiederholt zu werden; man ersieht aber daraus, w r arum fast immer an diesen Kalkstöcken die Schichten beiderseits gegen das Innere derselben einfallen. Nach dieser Abschweifung in das Innere der Gebirge, w r elche zur klaren Einsicht in die folgenden Verhältnisse erforderlich war, kehren wir zum Innthal zurück, und zwar wieder zum Eingang der Val Uina. Von hier westlich besteht die Basis des Gebirges, so weit der Fuss nicht mit > 44 den hohen Geschieben des Flusses bedeckt ist, bis hoch auf, aus krystallinischen Gesteinen, die nördlich gegen das Thal einfallen. Ein vor dem Eingang der Schlucht Valorgia genommener Durchschnitt gibt folgendes Profil: 1) Gneiss, wohl charakteri- sirt, flaserig, mit grossen Feldspathkrystallen und reichen Glimmerlamellen. 2) Glimmerschiefer und Talkquarzit. 3; Bunte'Schiefer. 4) Knollige Rauchwacke. 5) Dolomit, schwarz und grau, mit undeutlichen organischen Resten. 6) Dichter schwarzer Marmor. 7) Schiefriger grauer Kalk in bedeutender Mächtigkeit. Weiter konnte ich an der senkrechten Felswand nicht kommen; man sieht aber oben aufgelagert gelbe Schichten, unstreitig der mehrerwähnte gelbe zerreibliche Dolomit mit Rauchwacke, dazwischen rothe Streifen, und endlich die grosse Dolomitmasse des Piz Ayuz, welche südlich einfällt. Valorgia hat dieselbe Structur. Davor sind die Gneissfelsen zusammengestürzt und bilden wüste Haufwerke. Unten am Inn, bei Pradella, greifen die Fleckenmergel des linken Ufers auf das rechte über und grenzen an den Gneiss; es ist aber Alles so verschüttet und bewachsen, dass ich zu keinem deutlichen Durchschnitt gelangen konnte. Etwas weiter westlich von Pradella steht Serpentin zwischen Schiefer und Gneiss an. Er bildet den Anfang einer Kette von Serpentinflecken, welche ich als untere Linie bezeichne und welche, dem Inn folgend, nördlich von Tarasp bis gegenüber Ardez hinzieht, wo sie endigt. Eine andere, aber meist zusammenhängende Serpentinlinie, welche ich die obere nennen will, streicht in derselben Richtung, NO.— SW., oberhalb des Gneisses hinter Tarasp weg bis in die Val Sampoir. Den Gneiss zwischen beiden bezeichne ich ebenfalls als untere, ein schmäleres, oft unterbrochenes Rand derselben Felsart, hinter dem oberen Serpentin, als obere Gneisslinie. Die Val Triazza, deren Thalbach noch vor dem Serpentin hei Pradella in den Inn mündet, zeigt folgende Verhältnisse: 1) Zu unterst Gneiss mit nördlichem Fallen, untere Linie in mächtigen Felsen. 2) Mächtige Serpentinfelsen, welche noch eine Strecke östlich fortsetzen, aber in Valorgia nicht mehr zu Tage gehen. 3'Dahinter Talkquarzit, grüner Talkschiefer und grauer Schiefer, südwestlich fällend. 4) Krystallinischer grauer Kalk. 5) Schwarzer Schiefer. 6) Gelblicher Kalk. 7) Grauer nicht krystallinischer Kalk. 8) Dünne Dolomitschichten mit undeutlichen Versteinerungen. 9) Schwarzer dichter Kalk und dann dünne Schichten von grauem Kalk. Diese Schichten machen weiter oben einen Bogen, unter welchem die obere Gneisslinie von Uina stecken muss, die aber hier nicht zu Tage geht; dann fallen sie südwestlich unter den Piz Lischanna ein. 10) Mächtige / Massen von grauem Dolomit, unterbrochen durch graue dünnere Schichten. Nach oben nimmt dieser Dolomit hellere Färbung an. 11) Am Piz Lischanna aufwärts, rother und gelblicher Kalk, oft Breccienartig, mit Crinoiden und undeutlichen Bivalven, bis zur Spitze des Piz Lischanna, BIOS M. Die Schichten der vorderen Spitze fallen südwestlich ein, die der hintern nordöstlich, der vorigen entgegen. 12) Dahinter eine starke Bank von grauem Schiefer, die wieder südwestlich fällt und auch an dem Hauptstock, jedoch schwächer, unter dem rothen Kalk durchzuziehen scheint. Auf ihr liegt wieder rother und weisser Kalk und dann die Eismasse des Lischannagletschers. Auf der rechten Seite des im Hintergrund mit Gletschermassen gefüllten Thaies sind die Verhältnisse deutlicher. Der Piz Ayuz, welcher den untern Dolomitmassen aufgesetzt ist, bestellt aus weissgrauem Kalk und Dolomit, unter welchem schiefrige Kalkschichten liegen, die man den Kössner Schichten parallelisiren könnte, und welcher selbst südwestlich unter den rothen Crinoidenkalk einfällt. Diess wäre denn Dachsteinkalk und der rothe Marmor Adnether Schichten. Sie gleichen ganz denen von Ardez. Auf dem rothen Kalk liegt die Schieferbank, südwestlich fallend und um den unteren Gletscher herumziehend, unter dem sie zu hinterst einsinkt. Darauf liegt wieder rother Kalk, theihveise auch weiss, und auf diesem rother, grüner und grauer Schiefer, der meist, aus Jaspis und hornsteinartigen Schichten besteht und unter das Eis einfällt. Die Trümmer liegen unten auf dem Gletscher zerstreut und enthalten Rotheisen und Malachit. Der obere Gletscher fällt in senkrechtem Absturz gegen den unteren ab, welcher eine aullallend grosse Moräne besitzt. Ich fand diesen nach 2 Jahren (1854 — 1856) gar nicht verändert, selbst die Gletscherbäche hatten denselben Lauf. Eine ganz ähnliche Struktur zeigt Val Lischanna zwischen dem Piz Lischanna und St. Jon: 1) Zu unterst am Inn, nördlich lallend, Gneiss, Glimmerschiefer und Hornblendeschiefer, und am Fluss ein Serpentinfleck der unteren Linie, der das Wasser überspringt und zu beiden Seiten ansteht. Die krystallinischen Felsarten setzen von hier, nördlich einfallend, fort bis zum Ausfluss der Clemgia (Scarlbach), wo die Schichten senkrecht stehen. Gänge von granitischem Gestein, dem von Ardez ähnlich, jedoch feinkörniger, durchsetzen sie an verschiedenen Stellen, jedesmal mit starker Störung der Schichtung. Dieser Granit enthält Blättchen eines Minerals, das wie Molybdänglanz aussieht und näher zu untersuchen ist. 2) Ueber dem Gneiss folgen bergein grosse Massen von Serpentin der oberen Linie. 46 3) Grauer Quarzit und sandiger Schiefer, südwestlich fast senkrecht einfallend, nebst einer schmalen Bank von krystallinischem Kalk. 4) Serpentin und feinkörniger Diorit von Chloritschiefer umgeben, aus dem er in prismatischen Massen aufsteigt. 5) Der vorige dünn geschichtete Quarzit und Sandschiefer. 6) Gneiss, in Talkquarzit übergehend. Obere Linie, die also hier wieder zu Tage geht, während sie in der Triazza verdeckt war. 7) Serpentin von Kalkschnüren durchsetzt—Verde antico. 8) Grüner gneissartiger Talkquarzit mit pikrolithartigem Ueberzug. 9) Sandstein und Schiefer. 10) Verschüttete Stellen, wo die Rauchwacke anstehen sollte. Geschiebe davon wurden gefunden. 11) Schiefrige Kalke und Dolomite wie in Triazza. 12) Die grossen Dolomitmassen des Piz Lischanna und St. Jon (Ilaiiptdolomit), auf letzterem ohne rothen Kalk, südwestlich einfallend. 13) Das Eis des Lischannagletschers. Die Zwischenbildungen und die oberen Gneiss- etc. Formationen sind so durcheinander geworfen, dass es unnütz wäre, die Fallrichtung anzugeben. Das Streichen bleibt sich gleich, SW. — NO. hör. 8. Diese Formationen wurden über dem Plateau von St. Jon hin verfolgt bis zum Eingang des Scarlthals. Der Serpentin ist im Walde überaus mächtig und enthält breite Gänge eines weissgelben Kalk- und Bitterspaths, die ein apfelgrünes Mineral mit schwarzen Körnern vermischt enthalten, das nickelhaltiges Chromeisen ist. Es fanden sich auch sehr geringe Quantitäten eines grau-grünen Minerals, das vor dem Löthrohr Arsenikrauch gab und ein graues Metallkorn hinterliess, unstreitig Nickel- blüthe. Die Gänge streichen hör. 10 - 11 und setzen nördlich ein, wie man im Bette der Clemgia deutlich sieht. Am Eingang des Scarlthals folgen am Wege und unten im Belte der Clemgia die Schichten, wie folgt: 1) Gneiss und Glimmerschiefer, nördlich fast senkrecht fallend; etwas weiter oben wird dieses Fallen plötzlich südlich, der Gneiss bildet also einen Rücken; alles was folgt fällt auch südlich ein , und man wird bemerken, dass alle diese Formationen zweimal kommen, also eine Mulde vor dem zweiten Gneisszug bilden. 2) Mächtige Serpentinformation, einige 100 Meter breit zwischen die geschichteten Gesteine eingekeilt. 47 3) Kalk und Schiefer wechselnd. 4) Kalkschiefer, eine ziemlich bedeutende Schichtenreihe. 5) Thonschiefer. 6) Grosse Massen von Kalk und Dolomit. Mittelpunkt der Mulde. 7) Thonschiefer = 5. 8) Kalkschiefer und graue sandige Schiefer = 3 und 4. 9) Quarzit, Glimmerschiefer und Gneiss, oberer Zug. Der Quarzit bildet den Rand und. repräsentirt den Verrucano, wozu auch die unteren sandigen Schiefer gehören. Gneiss und Glimmerschiefer wechseln einige Male. 10) Mächtige rothe Granitmassen mit Eisenglimmer. 11) Gneiss. 12) Grosse Schutthalde, in welcher sich rothes Conglomerat, ähnlich dem Verrucano von Uina, und Rauchwacke vorfmden, die also da anstehen mögen, aber wegen ihrer Zerfallenheit von Vegetation etc. bedeckt sind. 13) Schiefriger Kalk und Dolomit, auch meist verschüttet. 14) Massiger Dolomit. 15) Gelbe Rauchwacke und rothe Schiefer mit Eisen, wie in Scarl, oben auf. 16) Hauptdolomit des Piz St. Jon, etwa 1500 Met. Dahinter folgen die beschriebenen Formationen des Scarlthals etc. Man wird ohne Mühe die vorigen Formationen erkennen. Diess setzt sich auf der linken Seite der Clemgia fort. Es folgen vom Ausfluss der Clemgia bis zum Piz Pisog: 1) Gneiss, ganz wie oben, erst nördlich, dann südlich fallend. 2) Glimmerschiefer mit viel Schwefelkies, in welchem die Vitriolhöhle sich befindet, von der in Tarasp viel Aufhebens gemacht wird. 3) Serpentin, wie oben; die Masse ist unten schmäler als oben. Etwas weiter westlich ist ein Hügel von Gneiss zwischen zwei Serpentinmassen. 4) Verschiedene Schiefer- und Kalkbildungen, wie jenseits. 5) Kalk und Dolomit, hier als ansehnlicher Stock dem Schiefer eingelagert, viel stärker als jenseits. 6) Schiefer und Kalk wechselnd. 7) Gelber quarziger Schiefer, gelber krystallinischer Kalk und Dolomit in scharfeckigen Felsköpfen. 8) Grauer und sandiger Schiefer und Trümmer von rothem Conglomerat. !)) Gneiss und granitisches Gestein, oberer Zug. 10) Rothes und graues Conglomerat (Verrucano). 11) Rauchwacke, gelblich und sehr porös, worin auch Gyps Vorkommen soll, den ich aber nicht fand. 12) Die schiefrigen Kalke und Dolomite, worauf gelbliche Schichten liegen. 13) Hauptdolomit bis zur Spitze des Pisog. Diese fällt nordwestlich ein, die Basis südwestlich. Es bleiben diese Formationsreihen massgebend für das kleine Plateau von Tarasp und Yulpera, dessen Nordrand wir jedoch noch näher betrachten müssen. Ich werde dieses nur übersichtlich behandeln, da sich Genaueres in einem Aufsatze findet, welchen ich in dem Jahresberichte der Naturf. Ges. Graubündens 1856-57 mittheilte, sowie ich bezüglich der Quellen auf die Schrift A. v. Planta’s verweise, welche diesen Punkt vollständig erörtert. Von weitem erscheint diese interessante Landschaft als eine kleine hügelige Ebene, aus welcher die weisse Schlossruine malerisch hervorragt; eigentlich aber besteht sie aus zwei Terrassen, deren untere fast ganz aus den grauen Schiefern der linken Thalseite, die obere aus krystallinischem Gestein, Serpentin und den im letzten Durchschnitt angegebenen Zwischenbildungen besteht, welche die beiden Gneiss- riicken trennen. Serpentin kommt auf beiden vor; doch gehört der auf der vorderen Terrasse und am Inn dem untern, der am Fuss des Pisog dem obern Zuge an. Auf der vordem Terrasse liegt der sogenannte grosse See am Schlossberg, auf der obern, von tiefem Torfmoor und schwarzer Hornblende und Serpentinfelsen umgeben, der kleine schwarze See. An der Innbrücke von Schuls fallen die grauen Schiefer, die hier übersetzen, auf beiden Seiten südlich; sie sind weiterhin mit Schuttmassen des Scarlthals bedeckt, stromaufwärts am Inn aber stehen sie mit fortwährendem Südfallen an; jedoch bemerkt man auf dem linken Ufer an einer Wendung des Flusses die Umbiegung nach Nord. Noch vor der Mündung der Clemgia (Scarlbach) werden diese Schiefer grün oder gelb und sehr talkreich; es folgt ein Serpentinstock, dann wieder fast senkrecht einfallend Talkschiefer, weiter Glimmerschiefer und talkiger Gneiss, erst nördlich, dann senkrecht, endlich südlich einfallend, so dass der ebenfalls so einfallende graue Schiefer ihn unterteuft. Es ist oben der weitere Verlauf dieser Felsart angegeben, die den untern Gneisszug bildet, und dessen innere Schichten ein sehr wohl cha- racterisirter llaseriger Gneiss sind, während die äusseren zwischen diesem und Ver- rucano schwanken. Granitische Gänge durchsetzen ihn an der Brücke bei den Mühlen an der Clemgia und am Weg nach Vulpera. Er verlässt dann das Innufer und streicht südwestlich hinter Vulpera hin, bildet den Abhang des oberen Plateau’s, verschwindet dann südlich vom grossen See unter Schutt und Vegetation, taucht von granitischem Gestein begleitet westlich von Tarasp noch einmal auf, durchsetzt die Val Flafna, worauf er von Schiefer und Kalk bedeckt wird, um noch einmal ob Aschera aufzutauchen und dann unter neuen Schiefermassen ganz zu verschwinden. Erst hinter Suren kommt er wieder zum Vorschein. Er bildet bei Vulpera einen steilen Rücken, dessen Convexität nicht senkrecht, sondern nach N. gerichtet und deshalb meist zerbrochen ist. Dieser Umstand bewirkt, dass die Schiefermulde, in welcher der Inn hier fliesst, unter den Gneiss südlich und südwestlich einfällt. An der Grenze zwischen dieser und dem krystallinischen Gestein tritt noch einmal Serpentin auf, dann folgt bis zum Ausfluss der Plafna nur der Schiefer der linken Innseite in verschiedenen doch meist sandigen Abänderungen. Aus diesen steil südlich fallenden Schichten kommt die Heilquelle und weiter oben ein starker Säuerling, beide hart am Ufer des Flusses, in dessen Bette ebenfalls Mineralquellen entspringen. Oberhalb Vulpera erscheint Serpentin am Fusse der Gneisswand zwischen Gneiss und Schiefer an mehreren Stellen, und zwischen Serpentin und Gneiss liegt eine Schicht von grauem und gelblichem krystallinischem Kalk. Ein anderer Serpentinzug, ebenfalls noch der untern Linie gehörig und unstreitig die Fortsetzung des vorigen, erscheint am Fusse des Schlossberges, welcher aus Schiefer besteht, der südlich einfällt, zwischen diesem und dem See. Er steht unter dem Kloster von Tarasp sowie weiterhin im Dorfe noch einmal an und verschwindet dann unter Schutt. Ausserdem besteht das ganze untere Plateau aus grauem Schiefer, der in der Nähe des Serpentins meist grünliche Färbung annimmt, jedoch nicht immer. Das Hauptfallen ist südlich gegen den Gneiss, aber mit vielfachen Localbiegungen und Verwerfungen. Zwischen Vulpera und Tarasp findet sich zwischen dem mit Glimmerschiefer wechselnden Gneiss, in bedeutenden ungeschichteten Massen, der uns mehrfach bekannte Granit von Ardez mit grünem Feldspath und eingesprengter Hornblende. Der Rand des oberen Plateau’s besteht aus südlich einfallendem Gneiss. Dahinter und in Verbindung mit ihm tritt ein Hornblendegestein auf von dioritschem Aussehen und von einem spililartigen grünen dichten Gestein begleitet, dicht am nördlichen Ufer des schwarzen Sees. In dem Moor am schwarzen See findet sich viel Holz; man gibt dort in älteren Schriften Braunkohle an; es ist aber nur Torf mit Ilolzeinschliissen. Das südliche Ufer besteht aus Serpentin des obern Zuges, und dieser steigt fast bis zur Waldgrenze am Piz Pisog auf, meist mit Schutt von oben und dann mit schöner Vegetation bedeckt, sonst als kahler schwarzer Fels. Unten ist er von einer Breccie begleitet, die aus Serpentin und Kalktrümmern besteht, fast wie gewisse basaltische Conglomerate. Dieser Serpentin verbindet sich mit dem an der Clemgia und setzt nach der Westseite am Fuss des Pisog fort, wo er namentlich am Eingang des Tobels Zuort schöne Felsen bildet, die Asbest und andere Talksilicate enthalten. Weiterhin senkt er sich in die Val Plafna, überspringt diese, kommt auf beiden Seiten des Grats zum Vorschein, der die Plafna von Sampuoir trennt, und erscheint zum letzten Mal in kleinen Flecken auf der linken Seite des letzteren Thaies. In diesem sowohl als in dem untern Serpentin tritt das oben genannte grüne Mineral mit Chromeisen in derselben Gangmasse auf. Es erscheint am Ufer des Inn, am Schlossberg, am Fusse des Pisog und in Val Plafna immer mit demselben Streichen. Ausserdem kommt Kupferkies und Schwefelkies bei Tarasp vor, ersterer jedoch in geringer Menge. lieber dem obern Serpentin erscheint am Fusse des Pisog, aber schon an der Waldgrenze, der obere Gneisszug mit den ihn begleitenden Zw'ischenbildungen, wie sie oben angegeben wurden. Er folgt dem Pisog, ist in der Val Zuort oben deutlich anstehend, und Trümmer davon kommen weit herab, dann ist er eine Strecke nur an letzteren zu erkennen, vor dem Piz Plafna aber setzt er durch das gleichnamige Thal, erlangt auf dem jenseitigen Grat grosse Mächtigkeit, setzt durch die Val Sampuoir und verbindet sich hier mit der jenseitigen grossen krystallinischen Formation, indem er umgekehrt wie der untere, immer breiter wird. Es ist nothwendig, diese Formationen und ihre Umgebung noch etwas näher zu betrachten. Die Val Plafna besteht am Ausfluss des Baches aus Engadiner Schiefer beiderseits, und dieser setzt hier auf der rechten Seite fort bis hinter Suren ob Ardez. Oberhalb der kleinen Mühle, wo die Plafna sich zur engen Schlucht zusammenzieht, steht Serpentin unmittelbar am Schiefer an und zwar in ungeheuren Massen. Er enthält Asbest, Faserkalk und Gypspartien. Noch weiter oben, wo die Schlucht am engsten ist, erheben sich senkrechte zackige Massen, Pyramiden und Nadeln eines andern Gesteins. Es ist der feinkörnige Diorit, den wir schon in Val Lischanna fanden, und der auch nahe bei dem Badhause von Vulpera nach einer mir später zuge- 51 kommenen Angabe anstehen soll. In diesem Diorit setzt ein Gang des mehrgenannten grünen Minerals über, das man früher für Malachit hielt und darauf Versuchsbauten unternahm. Auf der linken Seite liegt diesem Diorit Schiefer an, der gegen ihn einfällt, grün, wo er an den Diorit grenzt, sonst grau. Jenseits des Diorits steht auf beiden Thalseiten Serpentin, der weit in das Thal hineinzieht, und über welchem auf der linken Seite Schiefer und Kalk anstehen. Auf den Serpentin folgt dann der untere Gneisszug, hierauf ähnliche Kalk- und Schieferbildungen wie am Fusse des Piz Pisog und in Val Lischanna und in diese eingekeilt mehrere Serpentinmassen von geringer Ausdehnung, dann eine mächtige Doloroitmasse in derselben Lage wie die auf beiden Seiten der Clemgia anstehende. Es folgen bunte quarzige und talkige Schiefer, dann eine mächtige Gneissmasse, an den Rändern Talkquarzit, im Innern ausgezeichneter Gneiss mit viel weissem und braunem Glimmer und grossen Feld- spathkrystallen, dann Talkschiefer, Rauchwacke, schiefrige Kalke und endlich die gewaltige Dolomitmasse des Piz Plafna da daint. An diesem fallen die Schichten beiderseits dem Innern des Stockes zu, während die oben genannten Formationen alle südliches Fallen hatten. Der Gneissstock breitet sich nach oben fächerförmig aus. Auf der rechten Thalseite von Val Plafna ist des hoch aufgehäuften Schuttes wegen wenig zu bemerken. Es soll irgendwo am Fusse des Piz Plafna da Daora Gyps anstehen; auch findet man die Trümmer der beiden Gneisszüge, wo sie dem Streichen nach übersetzen müssen; das Anstehen ist grösstentheils verschüttet. Der Hintergrund der Plafna ist ein äusserst öder Felsencircus, von einer hohen alten Moräne geschlossen und umgeben von den kahlen hoch aufsteigenden beiden Piz Plafna und einigen andern Hörnern, die alle aus Dolomit bestehen. Man kann hier nach Val Minger und nach dem Ofenpass übersteigen. Das Hauptfallen dieser Kalkmasse ist nördlich, denn jenseits auf dem Ofenpass steht Verrucano in grossen Massen unter dem Dolomit an; da aber der obere Gneisszug ebenfalls eine Hebung bedingt, so fallen die Schichten von beiden Seiten der Mitte zu, wo sich auch wirklich eine bedeutende Einsenkung bei la Pischa findet. Da mir bei der Excursion unten im Thal Einiges nicht recht klar geworden war, so machte ich noch einmal eine solche über den Grat zwischen Plafna und Sampuoir und kehrte durch letzteres zurück. Am Innufer bei Valatscha und Aschera fand ich nichts als den grauen Engadi- ner Schiefer südlich einfallend. Am Wege bei Aschera liegen ungeheure Haufwerke von Diorit, Spilit und Variolit. Steigt man über diese Trümmer aufwärts, so kommt 52 man bald auf anstehenden in ungeschichteten prismatischen Massen aufsteigenden Dio- rit, der mit dem von Plafna in Verbindung steht. Dahinter zieht schalenartig eine dicke Bank von Spilit und Variolit, hinter dieser grüne Schiefer, alles südlich einfallend. Es bildete der Diorit ehemals unstreitig einen nach N. aufsteigenden Rücken, der eben dieser schiefen Stellung wegen abbrechen und das Trümmerhaufwerk an seinem Fuss zurücklassen musste. Die grauen Schiefer unten am Inn machen also hier eine eben solche südlich unter dem Diorit einfallende Mulde wie die bei Vulpera unter dem Gneiss. Oben liegt hinter dem grünen Schiefer eine Kalkschichte, welche grosse Brocken von Gneiss und Glimmerschiefer enthält, so dass ich erst diese Felsarten anstehend zu finden glaubte. Es folgt, immer südlich fallend, ein System von Kalk und Schieferschichten, dann Gneiss und Hornblendeschiefer in grosser Mächtigkeit anstehend. Auf diesem liegt dünn geschichteter Kalk in muldenförmig verbogenen Schichten, so dass die Spitze des kleinen aufgesetzten Kalkhorns nach N., seine Basis nach S. einfällt. Das Hauptfallen ist eigentlich südwestlich gegen den Ausgang der Val Sampuoir, wo diese Formation die Thalsohle erreicht. Weiter abwärts gegen Ardez liegt auf diesem Kalk Schiefer, der dieselbe Muldenbildung zu machen scheint, und aus welchem das letzte Ende des unteren Serpentinzuges hervortritt; hier sind aber die Schichten so zerknickt und ausserdem durch Schlüpfe verschoben, dass sich nichts Bestimmtes wahrnehmen lässt. Es sind diese Kalkschichten dieselben, welche nördlich von Ardez bei Canova auf dem Granit und Gneiss liegen, denen auch hier die Fleckenmergel aufgelagert sind, und welche allein die grossen Massen der Triasbildungen repräsentiren, die eine halbe Stunde weiter südlich dem zweiten Gneisszug aufgelagert sind. Hinter dem Gneiss liegen wieder Kalk- und Schieferschichten, die aber einen etwas andern Habitus haben, mehr denen am Piz Pisog gleichen, und einen nach oben geschlossenen Spitzbogen und dann eine ähnliche abwärts gerichtete Biegung machen; dann folgt der weissgraue Dolomit, der auf dem Grat eine ansehnliche Breite hat (etwa 100 Schritte). Zwischen Dolomit und Schiefer erscheint weiter abwärts auf beiden Seiten des Grates in Plafna und Sampuoir Serpentin in nicht sehr ansehnlichen Massen. Mitten im Dolomit erhebt sich' gangartig eine Masse von protogynartig granitischem Gestein, die sich verzweigt, und von welcher nicht abzusehen ist, wie sie dahin gekommen sein soll, wenn sie nicht aus der Tiefe aufgestiegen ist. Südlich vom Dolomit folgt der obere Gneisszug, unter welchem der Dolomit einfällt, mächtig entwickelt als scharf ausgezackter Grat; zwischen beiden Talkschiefer und grüne quarzige Schiefer von 53 2 'erins'er Mächtigkeit. Hinter diesem Gneiss, zwischen dem auch Glimmerschiefer eingelagert ist, folgen wieder verrucanoartige Bildungen und dann die Kalkformationen wie oben angegeben, also in derselben Ordnung wie in Scarl Uina u. s. w. Diese mächtigen Kalk- und Dolomitmassen ziehen dann im Bogen durch den Hintergrund der Val Sampuoir, wo gegen den Pass Luschadura der Piz Ivraina, 8054 M., mit einigen kleinern Hörnern ihren westlichen Eckpfeiler bildet. Auf der andern Seite des Passes beginnen die krystallinischen Gebirge von Zernetz und drängen die Kalkformation gegen den Ofenberg zurück. Verrucano liegt zwischen beiden. Bemerkenswerth ist, dass im Hintergrund des östlichen Thalzweiges von Sampuoir eine schwarze schiefrige Masse mitten im Dolomit liegt, zu welcher ich nicht gekommen bin. Alle genannten Formationen setzen auch auf die linke Seite der Val Sampuoir über, und treten sogar zwischen Dolomit und Schiefer die letzten Reste des obern Serpentinzuges nahe bei der Alphütte an der linken Thalwand hervor. Aber der immer breiter werdende obere Gneissrücken, der sich mit den nun folgenden krystallinischen Gebirgen vereinigt, die zwischen hier, Lavin und Zernetz liegen, drängt die Kalk- und Schieferbildungen auch gegen N. und NO. zurück; sie hängen gleichsam als Lappen an der linken Thalecke der Val Sampuoir und setzen fort bis zu deren Ausgang, wo sie auf Schiefer und dem Granit von Ardez liegen. Weiter oben ziehen sie in Bogen von den Alphütlen in Sampuoir über den vordem Bergrücken nach Suren und über den Inn nach Boschia. Doch scheinen einzelne Lappen noch zwischen krystallinischem Gestein hängen geblieben zu sein, und so ist vielleicht der weisse Marmor am Piz Mezdi ein Rest jenes zwischen die 2 Gneissrücken eingekeilten Dolomitstockes, dessen mehrfach Erwähnung geschah, und der»selbst wieder ein Rest, hoher Bergmassen ist, welche wir in Val d’Assa und Uina diese Stelle einnehmen sahen. Die beiden Gneissrücken aber verbinden die krystallinischen Formationen des Oetzthaler Ferners mit dem Zernetzer Gebirg und mithin mit der Selvretta. Diese Gebirge von Zernetz und Lavin, hoch und schön wie sie sind, bieten in geognostischer Hinsicht nur geringes Interesse. Wie an der Selvrettamasse, deren Fortsetzung jenseits des Inns sie sind, bestehen sie aus einem ewig wiederholten Wechsel von Gneiss, Glimmerschiefer und Hornblendeschiefer, welcher letztere vorherrscht. Die Schichten fallen von Suren bis Lavin alle südwestlich, bei Zernetz alle nordöstlich, in der Mitte stehen sie senkrecht; es ist ein selbstständiges Fächer- 54 System, das selbst noch oberhalb Süss auf die Schichten jenseits des Inn Einfluss zu haben scheint. Die Val Nuna habe ich nicht bis in ihren Hintergrund verfolgt; sie zeigt aber ziemlich einförmig die genannten Felsarten, und der Bach führt keine andern. Val Zeznina besteht aus krystallinischem Gestein mit vorherrschendem Hornblendeschiefer, Alles südwestlich einfallend. Im Hintergrund wird das Fallen immer steiler und auf der oberen Thalstufe Macun steht der Hornblendeschiefer senkrecht. Zwischen den Schichten dieser Mittellinie des Fächers setzen tiefe Spalten in die Tiefe, doch ist der Boden nicht durchaus zerklüftet und trägt mehrere kleine Seen. Die Fläche, 2685 M., war theilweise noch mit Schnee bedeckt (Mitte August 1856). Der hohe Piz Nuna, 8158 M. östlich, und der Piz Mezdi westlich, 2924 M., bestehen aus denselben Gesteinen. Der Hornblendeschiefer herrscht vor, wechselt aber mit Glimmerschiefer und Gneiss. Die Spitze des Piz Mezdi besteht aus einigen gewaltigen würfelförmigen Blöcken von rothem Gneiss mit feiner körniger Structur, den man für Granit halten würde, wenn er nicht weisslichem flaserigem Gneiss aufgelagert wäre. Etwas über der Mitte des nördlichen Abhanges gegen Lavin liegt in gleichem Streichen mit den Gneiss- und Hornblendeschichten, in sie eingelagert ein linsenförmiger Stock von sehr schönem rein weissem körnigem Marmor. Ich suchte vergeblich nach einer östlichen Fortsetzung. Er scheint der Rest einer eingekeilten Kalkmulde zu sein. Der Fuss des Berges bei Lavin ist grösstentheils Glimmerschiefer, der in Gneiss übergeht. Grosse verstürzte Massen davon bezeichnen einen alten Bergsturz und ein Längseinschnitt im anstehenden Gestein ist wahrscheinlich ein altes Bett des Inn, was darum bemerkenswerth ist, weil der Fluss jetzt viel tiefer und in der Mitte des Thaies fliesst. Der Thalgrund zwischen Lavin und dem Fluss ist Gneiss, das auf den Gehängen der linken Seite anstehende Gestein Hornblendeschiefer bis nahe vor Süss. Er fällt hier nördlich, während die Schichten des Piz Mezdi fortwährend südlich fallen. An diesem bleibt unten Glimmerschiefer und Gneiss vorherrschend bis nach Süss. Es kommen darin Schwefelkiese vor, die man ehemals für goldhaltig hielt und ausbeutete, natürlich ohne Erfolg. Auch findet sich Bleiglanz in geringer Menge. Oberhalb Süss am steilen bewaldeten Innufer ist die Mittelllinie des Fächers aufgeschlossen. Die Schichten sind hier Hornblendeschiefer und fallen senkrecht. Ihr Streichen, hör. 7 über Piz Arpiglia und Macun, entspricht dem Gneissfächer der zweiten Linie in Val Sampuoir. Gleich dahinter beginnt nordöstliches Fallen und hält an bis Zernetz. Die Felsen 33 sind Hornblendeschiefer mit Gneissbändern dazwischen, die zum Theii schneeweiss aus dem dunklen Hornblendeschiefer hervorstechen, wie dies auch jenseits in der Val Zeznina vor Macun der Fall ist. Gegenüber auf dem linken Ufer des Inn steht diess Hornblendegestein ebenfalls an und bleibt da mit Gneiss und Glimmerschiefer die vorherrschende Felsart. Die krystallinischen Gesteine bilden dort die ganze Thalseite bis nach Cinoschel und Capelia an der Grenze des Unterengadins, wo wir sie als Scaletta und Flüelamasse schon kennen. Zernetz liegt ebenfalls auf krystallinischem Gestein, welches auf beiden Seiten des Spöl auftritt, meist Hornblendeschiefer. Steigt man aber gegen den Ofenberg südöstlich an der Lehne des Monte Baselgia weg, so kommt man zwischen dem Ausfluss des Zail und Luschuduratobels auf Verrucano und die mit ihm verbundenen Schiefer. Er setzt südwestlich über den Spöl und steigt nordöstlich gegen den Grat von Luschudura und Stragliavita zwischen Piz Nuna und den letzten Ausläufern des Dolomitgebirges durch, um nach Sampuoir überzusetzen, nach oben und jenseits immer schmäler werdend, während er sich nach unten bedeutend in die Breite ausdehnt. Sein weiterer Verlauf, und wie er hier an der Grenze des obern Gneiss- zuges in schmale Bänder von quarzigen und grünen Schiefern zusammengeht, ist oben erörtert. Zwischen Verrucano und Dolomit scheinen auch hier, nach den Geschieben zu urtheilen, Rauchwacke und schiefrige Kalke gelagert zu sein, was noch genauer zu untersuchen ist; da das bewaldete und verschüttete Terrain die genauere Einsicht sehr erschwert und die Schlucht unten am Spöl hier ziemlich schwer zugänglich ist, so erfordert diess mehr Zeit, als mir an diesen Orten zu Gebote stand. Von hier aus bis zum Wirthshaus des Ofner Passes kommt man nur über Kalk und Dolomit und meist bewaldetes Terrain; in der Schlucht aber, welche von da zum Spöl hinabzieht, steht verschiedentlich der Verrucano als grauer und rother Sandstein mit westlichem Fallen an, ist aber auch stellenweise ganz mit Kalkbildungen oder Schutt bedeckt. Der Mont Schera zwischen dieser Schlucht und dem Spöl besteht fast ganz aus den Sandsteinbildungen, und der Spöl ist weiter abwärts tief in sie eingerissen. Dann liegen am Spölufer beiderseits wieder Kalkmassen darauf; nach einer kurzen Strecke tritt er wieder hervor, und an diesen Stellen beobachtete ich folgenden Durchschnitt. 1. Verrucano, hier grauer, gelber und röthlicher Sandstein von dem Habitus gewisser bunter Sandsteine und Molassearten, nicht krystallinisch. 2. Grüner sehr weicher Talkschiefer. 56 3. Dicke Bänke von poröser knolliger graugelber Rauchwacke. 4. Ein ziemlich mächtiges System von schwarzen und grauen schiefrigen Kalkschichten, die zum Theil dolomitisch werden und dieselben undeutliche Bivalven und Corallenreste enthalten wie in Val Triazza u. s. w. 5. Schiefrige Dolomite, zum Theil auch in dicken Bänken. 6. Grauer massiger Dolomit, besonders gut entwickelt am Eingang der Val del Gallo. Diese Schichten fallen nach W. und SW. Das linke Ufer des Spöl zeigt hier nur Kalkschichten; der Fluss folgt eine Zeit lang der Grenze der Formationen, die er über und unter dieser merkwürdigen Stelle durchbricht. Von Val del Gallo aus aufwärts gegen Livigno erscheinen noch einmal am rechten Ufer schwarze schiefrige Kalke, dann folgt ein enges schluchtenartiges Thal, beiderseits mit mauerartig aufsteigenden Dolomitfelsen, denen weiter oben rotke Kalke aufgesetzt sind, welche nach herabgefallenen und von den Tobeln geführten Geschieben, dem rothen Marmor des Piz Lischanna und Ardezer Schlossberges zu entsprechen „scheinen. Diese Felsen heissen von ihrer rothen Farbe Dosso del Ferro. Wo sich diese Felsenenge zu dem freundlichen Thalgrund von Livigno erweitert, erscheinen am Ausgang der Val Trepalle wieder die schiefrigen Kalkbildungen, in hohen Wänden und mächtiger als bisher anstehend. Sie fallen hier nördlich, also den vorigen entgegen, woraus wieder eine Muldenstructur der Kalkgebirge folgt. Man sieht von hier im Hintergrund der Val Viera den mächtigen Dolomitstock des Piz Fier, ebenfalls unten grau, oben roth. Unter die schiefrigen Kalke fällt noch vor Livigno ein Gestein ein, welches ich, da es sich ganz in der Lage des so eben beschriebenen Verrucano befindet, mit diesem parallelisire, und welches auch wirklich in seinen obern Schichten in röthlichen Sandstein übergeht, während es unten mehr einem Glimmerschiefer gleicht. Es fällt gleichfalls nördlich und nordöstlich unter den Kalk und streicht hör. 5—6. In dieser Richtung setzt es sich weit östlich aber nach Hr. Escher mit verändertem Habitus fort; westlich steigen diese Bildungen am Casannapasse aufwärts, wo rother Sandstein darauf liegt, dann verschwinden sie theilweise unter den Kalk- und Dolomitmassen; jenseits am Ausgang des Casannapasses taucht der rothe Sandstein wieder mehrfach auf. Diese schiefrigen, halbkrystallinischen Gesteine, die wir vorläufig als Casannage- steine bezeichnen können, nehmen in Livigno eine ahnsehnliche Breite ein und erstrecken sich auf der linken Thalseite bis zu einem Tobel, welches bei der oberen 57 Kirche herabkommt. Hier fällt ein talkiger Gneiss unter sie ein, wie er am Bernina vielfach vorkommt, auf welchen achter Gneiss, an einer Stelle auch Granit folgt. Wir sind'hier an die Grenze der Berninagesteine gelangt, welche ausserhalb der gesteckten Grenzen liegen. Kehren wir nun zum Ofener Pass zurück. Oestlich vom Wirthshaus, welches ganz von Dolomitbildungen umgeben ist, steht grauer, röthlicher und gelber Verrucano überall an, wo die Thalsohle entblösst ist; er dringt in die Seitenthälchen beiderseits ein und erscheint besonders mächtig in der Thalecke Bulfalora auf der Südseite, wo alte Stollenbauten in ihm angelegt sind. Man gewann dort Eisen und angeblich auch silberhaltigen Bleiglanz. Die Berge auf der Südseite des Passes fallen westlich und südwestlich ein, die auf der Nordseite steil nördlich mit verschiedenen Biegungen. Wir kennen die letzteren schon; es ist die mächtige Dolomitkette, die vom Scarlthal bis Sampuoir zieht. Die unter dem Dolomit der obern Felsköpfe liegende Rauchwacke und schiefrigen Kalkbildungen erscheinen zwar hie und da deutlich, sind aber meist sehr verschüttet; jedoch ist ihre Identität mit den jenseits in den Seitenthälern des Engadin beschriebenen unzweifelhaft, und wie dort läuft unter dem Hauptdolomit gewöhnlich das mehr erwähnte Band von gelbem weichem Dolomit hin. Es erscheint also der Ofenpass als ein aufgerissenes Spaltenthal mit Grundlage von Verrucano, unter dem ohne Zweifel ein Rücken von krystallinischem Gestein steckt. Auf der Passhöhe geht der Verrucano nicht zu Tage; der Kalk bildet eine Brücke über denselben; jenseits liegt das Münsterthal,. wo er die vorherrschende Steinart ist, aber rechts und links sind ihm die Kalk- und Dolomitstöcke äufgesetzt wie bisher. Es ist wohl hier am Ort, um Wiederholungen zu vermeiden, etwas Näheres über diese Felsart zu sagen. Verrucano ist ein sehr bequemer Ausdruck, womit man die mehr oder weniger sandsteinartigen Formationen bezeichnet, welche in den Ostalpen zwischen Gneiss uud Triaskalk liegen, und den die Wissenschaft nur so lange beibehalten wird, bis sie im Stande ist, den verschiedenen Modificationen dieses Gesteins ihren Platz in den betreffenden Formationen anzuweisen; denn während einige derselben unzweifelhaft als bunter Sandstein anzusehen sind, was auf der Südseite der Alpen auch durch Fossilien nachgewiesen ist, gehören andere ganz gewiss nicht dahin und sind vielmehr als Formen des Kohlengebirges oder selbst der Devonischen und Silurischen Schichten zu betrachten. So haben mich verschiedene Abänderungen immer sehr lebhaft an den Taunusquarzit bei Frankfurt und Wiesbaden erinnert. Nach unten 8 ✓ 58 werden diese Quarzite, welche meist viel Talk und theilweise Chlorit enthalten, mehr krystallinisch, und nehmen nun dreierlei Formen an. Die dünnschiefrigen und sandigen gehen in eine Art Glimmerschiefer über; die stark talkhaltigen modificiren sich zu dem protogynartigen Gneiss, der am Bernina und in Poschiavo gewöhnlich die Decke des rein krystallinischen Gebirges bildet, und drittens gibt es Formen, in denen sich Glimmer und Feldspath auf eine Weise entwickeln, dass sie von wirklichem Gneiss gar nicht mehr zu unterscheiden sind. Diese scheinen aus einem gröbern Sandstein entstanden zu sein. Es liegt nun sehr nahe, weiter zu schliessen, dass die krystallinischen Schiefer überhaupt, Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer etc. eigentlich nichts Anderes sind als die nach unten fortschreitende weiter gediehene Metamorphose ursprünglicher Sandsteine und Schiefer, also das sogenannte Uebergangs- gebirge, das darum an den betreffenden Orten nicht als solches vorkommt. Es ist ferner anzunehmen, dass diese Gesteine dadurch, dass sie krystallinisch wurden, einen grossem Raum einnehmen mussten und dass hieraus die Rücken- und Muldenbildungen folgten, die uns seither beschäftigten. War die Spannung nicht zu gross, so blieb es hierbei, wurde sie grösser, so rissen die Convexitäten der Rücken auseinander und legten sich auch wohl zu beiden Seiten über das umgebende Gestein, woraus Fächer entstanden. Auf diese Weise wirkten diese metamorphischen Schichten wie Eruptivgesteine. Man wird zu allem diesem die Beispiele im Vorhergehenden finden. Es erklärt sich daraus auch, warum der Verrucano gerade da, ganz oder theilweise, fehlt, wo diese Vorgänge die grösste Energie hatten, so wie der Umstand, dass die Felsart fast an jedem andern Orte anders aussieht, während ihre Lagerung doch immer dieselbe bleibt. Es hängt diess alles von dem Grade der Umwandlung ab. Der in engerm Sinne so genannte Verrucano, ein rothes Conglomerat mit eben so gefärbtem Sandstein und Schiefer, findet sich zwar an vielen Orten, jedoch nicht als umhüllende Formation und tritt gegen die weit verbreiteten Talkquarzite, denen er aufliegt, an Masse und Verbreitung fast zur Localbildung zurück. Die oberen Schichten der Verrucanobildungen erscheinen bald als weiche Talkschiefer, bald als verschieden gefärbte Thon- und selbst Kalkschiefer von mehr oder weniger Mächtigkeit, wie aus obigen Beispielen zu ersehen, und da sie an andern Orten grosse Ausdehnung gewinnen, so hat man sie oft mit den Fleckenmergeln verwechselt. Es sind die Schiefer, welche Gümbel „untere Algäuschiefer“ nennt, und sie gehören unstreitig noch zur untern Trias. Leider hat sich in allen diesen Gesteinen bisher in 59 Bünden auch nicht ein einziges Fossil finden wollen, weshalb wir ihnen den gemeinsamen, wenn auch unzweckmässigen Namen vorläufig lassen müssen. Steigt man vom Ofenpass in das Münsterthal gegen Cierfs hinab, so ist der Boden vielfach eingesunken und zerbrochen, die Schichten neigen sich nach den verschiedensten Seiten, und diess scheint sich auch weiter südwestlich fortzusetzen, was auf Anwesenheit von Gyps deutet. Am Fusse der Passhöhe, da wo sich das Thal in sanfter Neigung gegen Cierfs zu senken anfängt, steht links am Wege Gyps an. Es bildet derselbe einen hohen Abhang von steilen, stark durchfurchten schneeweis- sen Felsen, hie und da durch Schieferbänder unterbrochen. Es scheint dieser Gyps eine Einlagerung in der Kalkformation zu sein, was aber wegen starker Verschüttung der Basis nicht recht klar zu erkennen ist. Zu beiden Seiten steht Rauchwacke an, unter diese fällt ein äusserst harter schwarzer Kalk und ein brauner Dolomit ein. Weiter oben, in der Richtung nach Minschuns und Joata stehen weitere Gypsmassen an, unstreitig mit der vorigen zusammenhängend; denn die aufgelagerten grauen Kalkschichten zeigen sich theils zerbrochen und verbogen, theils sind sie ganz zerstört. Schiefrige und dünngeschichtete Kalkmassen mit aufgesetzten Dolomitstöcken ziehen sich dann mehrfach unterbrochen brückenartig über den Pass, der nach Scarl führt und den wir schon kennen. Jenseits des Passes gewinnen die Kalkbildungen plötzlich wieder grossö Ausdehnung, und bilden den mächtigen Stock des Piz Cotschen, Stanlex und Morterol zwischen Costainas und Avigna, den wir ebenfalls kennen. Unter dem Kalk liegt überall Verrucano mit südlichem Hauptfallen, Streichen hör. 6—7. Es geht derselbe aber ziemlich hoch, so dass das Dörfchen Lii noch darauf liegt. Ob demselben ist die Kalkwand meist mit zwischengelagerter Rauchwacke, dem Verrucano scharf aufgesetzt, und so bleibt es auf der linken Thalseite oberhalb Avigna bis nach Praviert, wo der Kalk fast die Thalsohle erreicht. Complicirter ist die rechte Thalseite. In der Thalsohle zwar reicht der dünngeschichtete Kalk des Ofenpasses nicht ganz bis zu den ersten Häusern von Cierfs, dann trifft man nichts mehr als Verrucano, der nach oben Sandstein, nach unten eine halb krystallinische Felsart ist. Vor Fuldera bedecken ihn ansehnliche Sumpf- und Moorstrecken, weiter abwärts grosse Massen Geschiebe; doch behauptet er sich in der Sohle und den beiden meist steilen Thalwänden bis zur Vereinigung von Rambach und Etsch, wo jenseits der Stromenge und der klassischen Stelle, auf welcher die Bündner in der Schlacht an der Malserhaide siegten, die krystallinischen Gesteine wieder die Oberhand bekommen. Wie auf der linken, sind auf der rechten 60 Seite dieser Felsart mächtige Kalkstöcke aufgesetzt, von ähnlicher Beschaffenheit wie die im Engadin, aber es sind hier die schiefrigen Kalkmassen und die unteren Dolomite die entwickeltere Formation; das uns bekannte Band von gelber Rauchwacke, welches im Scarlthal die Basis der Hauptdolomite bezeichnete, zieht schon an dem hohen Piz Daint, dicht am Ofenpass, hoch unter der Spitze her, und der aufgesetzte graue Dolomit ist im Vergleich zu den braunen rostigen unteren Massen unbedeutend. Im Engadin war das entgegengesetzte Verhältnis. So bleibt diess auf dem ganzen sehr steilen und rauhen Grat, der bei Valcava mit braunem Dolomit und Rauchwacke endigt. Ein langes schmales Seitenthal läuft hier aus, das dem Hauptthal fast parallel hinter dem genannten Grat bergein geht. Die Thalsohle ist auch hier Verrucano und derselbe steigt in dem oberen Theile dieses Thaies Dossrotond und Fraele, zu einem flachen Hochthale auf, das ich nur durch Ansicht von dem Grat aus kenne, und verbindet sich nachträglich mit dem Verrucano von Buffalora am Ofenpass. Beiderseits stehen hohe Dolomitstöcke mit Grundlage von schiefrigem Kalk dem Verrucano aufgelagert. Trümmer davon bedecken die Thalsohle vielfach, und auch anstehend scheinen sie den Verrucano an mehreren Stellen zu unterbrechen. Das Thalwasser dieser abgelegenen Alpen ergiesst sich, die südlichen Kalkgebirge durchschneidend, in die Val Pruna, welche weiter unten Val del Gallo heisst, und wie wir oben sahen, blos aus Dolomit besteht. Sehr eigenthümliche Verhältnisse zeigt der auf der rechten Seite dieses Einschnittes gelegene Piz Lat gleich am Eingang bei Valcava und St. Maria. Dahinter liegt von Dolomitgebirgen umgeben in einem Felsencircus der kleine See Rims. Es sollen hier viele Eisensteine zu Tage liegen, wahrscheinlich aus den obern gelben und rothen Dolomitschichten wie in Scarl; ich habe den See nicht selbst besucht. Der gegen St. Maria gekehrte Abhang zeigt folgenden Durchschnitt. 1) Verrucano. 2) Rauchwacke. S) Schwarze und graue Kalkschichten, meist schiefrig in bedeutender Mächtigkeit. 4) Ein breites weisses Gypsband. 5) Schiefer und Gyps wechselnd. 6) Gelber Dolomit und Rauchwacke mit einem mitten durch laufenden schwarzen Schieferband. 7) Mächtige Masse von grauem Dolomit. 8) Gelber Dolomit mit eingelagerten rothen eisenhaltigen schiefrigen Schichten. Da das Ganze südlich einfällt, so sind dies wahrscheinlich die Eisenschichten am See von Rims, der dort weiterhin aufsitzende heller gefärbte Dolomit entspricht dem Hauptdolomit von Scarl u. s. w. Dieser Abhang gegen St. Maria ist in beständigem Zerfallen begriffen, und bedroht die genannten Dörfer mit öfteren Rüfen und Schlüpfen. 61 Es folgt nun ein tief eingeschnittenes Thal, welches in seinem oberen Theil, Val Muranza, nach dein Stilfser .loch und Umbrail führt. Die Thaltiefe ist Verrucano, welchem auch hier die oben genannten Formationen aufsitzen; doch konnte ich keinen Gyps bemerken. Der Abhang des Piz Lat nach dieser Seite heisst Moustair und ist sehr steil. Die Schichten sind sehr verbogen und machen in der Mitte eine Einsattelung. Ein schmaler Streif der Kalkbildungen überspringt das Thal und steigt zu der Höhe Minschuns ob St. Maria auf. Steigt man gegen diese von Sielva an, so kommt man erst über Schuttland, auf welchem grosse Blöcke von Glimmerschiefer und Gneiss mit deutlichen Feldspathkrystallen umherliegen, welche aber nirgends anstehen. An den Abhängen steht Verrucano an, der nach unten gneissartig krystallinisch wird. Weiter hinauf ist es der gewöhnliche Talkquarzit und graue sowie röthliche Sandstein. Er fällt nördlich ein. Ein tief eingerissenes Tobel führt grosse Massen von Rauchwacke, Kalk und Gyps, die man oben als mächtige weisse Halde anstehen sieht. Da diese Schlucht nicht wohl gangbar erschien, so bog ich rechts um die Ecke, und kam fortwährend über Verrucano auf den Pfad, der nach dem Stilfser Joch führt und wo bald nachher schiefriger Kalk ansteht; Rauchwacke liegt zwar zerstreut in den Rüfen; ich fand sie aber nicht anstehend. Weiter bergein, südlich, steht dann wieder Verrucano hinter dem Kalk mit nördlichem Fallen; die Kalkmasse ist also eine Mulde. Diess zeigt sich am deutlichsten weiter oben, wo der Gyps liegt, und wo man die Einsattelung deutlich übersehen kann. Auf dem Verrucano liegt der weiche graugrüne Talkschiefer, der im östlichen Gebiet fast immer diese Stelle einnimmt, dann folgt gelbe poröse Rauchwacke, auf diese schiefriger und dünn geschichteter grauer und schwärzlicher Kalk, hierauf ein mächtiger Gypsstock, theils schneeweiss und körnig, theils schiefrig und schmutzig-weiss. Mehrere Schichten von grauem Thonschiefer laufen mitten durch, sowie auch Quarzmassen und Kalkschichten, so dass an den Grenzen der Gypsmasse alle drei wechseln. Der Gyps ist äusserst zerspalten und zerrissen, die Höhlungen und Spalten zum Theil mit Wasser gefüllt, das oft ausbricht und gefährliche Rüfen bildet; es würde auch längst diese mächtige an sich ganz haltlose Bergmasse gegen St. Maria hinabgerutscht sein, wenn nicht die untergelagerten festen Verrucanoschichten nördlich einfielen und einen Damm gegen den drohenden Bergsturz bildeten. Steigt man aber über den Grat der Gyps- halde weiter, so kommt man wieder auf Kalk, dann auf Rauchwacke, Talkschiefer, Verrucano, Alles wie unten, aber in umgekehrter Ordnung. Aus Quarzitverrucano 62 besteht die nächste Höhe, weiterhin wird die Felsart nachgerade krystallinisch, bildet sich zu talkigera Glimmerschiefer und Talkgneiss aus, und weiterhin auf dem Grate Minschuns, den ich theilweise noch mit Schnee und kleinen Eismassen bedeckt fand, findet sich ein wohl ausgebildeter fast granitischer Gneiss, derselbe, dessen Trümmer wir unten im Münsterthale fanden, und dessen Trümmerhalden auch bis auf die Stilf— ser Strasse reichen. Diese Formationen fallen unten nördlich gegen den Gyps, biegen aber oben wieder südlich um, worauf am Stilfser Joch eine neue Einsattelung folgt, durch die der Verrucano und der Kalk von Costainas wieder auf den Gneiss und seine granitartige Grundlage kommt. Die Kalkformation setzt nicht weit über das Gypslager fort; die jenseits des Tobels gelegenen Höhen sind Verrucano, und die Aua da Pischa, wo Münster gegenüber ein sehr schöner Wasserfall über halb-krystallinischen Talkquarzit fällt, bringt keinen Kalk mehr. Doch findet sich weiter östlich noch ein vereinzelter Kalkstock am Piz Ciavalatsch, den ich aber nicht selbst besucht habe, und vielleicht noch andere kleinere eingekeilte Massen; die Hauptmasse des gegen die Etsch auslaufenden Gebirgszuges ist aber Verrucano, der in seinen tieferen Lagen so alhnälig in krystal- linisches Gestein übergeht, dass eine scharfe Grenze gar nicht zu bestimmen ist. Man kann nicht leicht eine Gegend sehen, wo die Erscheinungen des Metamorphismus so klar vor die Augen träten. So bei Münster, Taulfers, Glurns und in den Thä- lern, die von da aufwärts zu den Pässen nach Scarl Hnd Engadin führen. Wir haben diese schon oben betrachtet, und namentlich die Verhältnisse von Avigna näher erörtert. Die südlich von Zernetz gelegenen Gebirge gehören zum Theil schon zu Oberengadin, müssen jedoch der Vollständigkeit wegen hier näher betrachtet werden. Obgleich es mir in der letzten Zeit möglich war, die wichtigsten Punkte zu untersuchen, blieben doch aus Mangel an Zeit einige unbesucht, bei denen ich mich auf das verlassen muss, was mir aus andern Quellen darüber bekannt geworden. Um hierüber völlig im Klaren zu sein, müsste man fast alle Seitenschluchten durchlaufen und fast alle Höhen erstiegen haben. Es bleibt also gerade hier noch Stoff genug zu künftiger Nachlese. Blickt man von den Höhen des Ofenberges in die äusserst wilde und zerrissene Berglandschaft hinein, so haben die zum Theil vergletscherten Höhen des Piz Quater Vals (3157 M.), Piz del Diavel (8127) und ihrer Nachbarn auffallende Aehnlichkeit mit den Dolomitstöcken von Scarl und Tarasp, deren Fortsetzung sie auch sind. 6S Vom Spölthal aus erscheinen sie ebenso, aber gerade von dieser Seite aus bin ich nie tief in dieses Gebirg eingedrungen. Die Schichten des Spölthales sind oben beschrieben. Man sieht von da aus auf den unteren Kalkschichten, welche auf Verrucano liegen, den Hauptdolomit in mächtigen Felsenwänden und hohen zerklüfteten Hörnern aufsitzen, von tief eingerissenen Schluchten durchfurcht, in deren Hintergrund meist Gletscher liegen. So in Val del Agua, Val del Diavel, Valetta und Sasso. Nach Angabe von Hm. Forstinspektor Coaz bestehen diese hohen Felsenwände nur aus Dolomit und aufsitzenden Kalkschichten. Die meisten der höhern Spitzen erscheinen roth, und herabkommende Trümmer stimmen mit dem rothen Cri- noidenkalk von Triazza und Ardez; es ist mithin der Adnether Kalk. Zwischen ihm und dem Hauptdolomit stehen zu oberst weissgraue massige Felsen und dann graue Bänder von schiefrigem Kalk an, welche den Dachsteinkalk und die Kössner Schichten repräsentiren möchten, was jedoch in diesen Thälern noch näher zu untersuchen ist. Die unteren Schichten des Spölthals, Verrucano, und die diesem aufgelagerte Rauchwacke und schiefrigen Kalkbildungen, die wir als Repräsentanten des Gutten- steiner Kalks und der St. Cassionschichten kennen lernten, ziehen sich bei Zernetz in den Eingang der Val Chlozza hinein, deren Hintergrund, in die obgenannten Thä- ler gespalten, nichts als Dolomitfelsen von ungeheurer Höhe und Wildheit zeigt. Der Abhang las Vallainas ob Zernetz besteht aus krystallinischem Gestein, in welchem wie in den meisten Anhängen der Selvretta, Hornblendeschiefer mit Gneiss und Glimmerschiefer wechselnd vorherrscht. Diese Formationen fallen steil nordöstlich, und zwischen ihnen und den Kalkbildungen liegt wohl überall Verrucano, den ich an einigen Stellen anstehend fand und an andern als Geschiebe in Tobeln u. s. w. beobachtete. Auch die Rauchwacke ist meist vorhanden, keilt sich aber mehrfach aus und ist gröss- tentheils verschüttet oder wegen der Waldvegetation schwer zu beobachten, da sie ebenso, wie der Verrucano, leicht zerfällt. An den beiden Innbrücken stromaufwärts finden sich dieselben krystallinischen Felsarten. Der Glimmerschiefer schliesst zum Theil Nester und Knollen des vorherrschenden Hornblendeschiefers ein. Alles fällt steil nach NO. Noch weiter stromaufwärts ist die tiefe Schlucht, in welche die Val Tanter Muoza ausläuft, ganz in graugrünen und schwarzen Hornblendeschiefer eingeschnitten, welcher viel Granaten enthält. Gneiss und Glimmerschiefer sitzen oben auf. Der Hintergrund des Thaies ist mir nicht bekannt; er besteht nach sichern Angaben aus Kalk und Dolomit; der 64 Bach bringt, diese Felsarten in allen oben bemerkten Abänderungen und ausserdem rothen Verrucano, der also unstreitig hier ansteht, da er zu beiden Seiten beobachtet ist. Von da an bis nach Cinoschel bilden krystallinische Gesteine die Basis des hohen Piz Esen, auf welchen wir alsbald zurückkommen werden. Die Berge der linken Thalseite bestehen ebenfalls bis Cinoschel ganz aus kry- stallinischen Gesteinen, Hornblendeschiefer, Gneiss und Glimmerschiefer, ersterer vorherrschend, letzterer mehr als Zwischenlage und theilweise die höchsten Stellen einnehmend. Nach Angabe von Hrn. Dr. Papon sollen an mehrern Stellen des tief in diese Gesteine eingeschnittenen Innbettes, Gangmassen eines dem Julinsgranit ähnlichen granitischen Gesteins Vorkommen, welche Zwischenglieder zwischen den Graniten von Ardez und denen des Piz Griaschouls und des Albulapasses bilden. Bei Puntauta und Cinoschel steht ein sehr gut entwickelter Gneiss mit grossen Feldspath- krystallen an. Etwas stromaufwärts im Innbette ist derselbe aber bedeckt von einer unentwickelt gneissartigen Felsart, die nur halb krystallinisch und von grauer Farbe ist. Schwarzgraue, ebenfalls halb krystallinische Schiefer liegen darauf, beide sind Aequivalente des Verrucano, den ich hier nicht fand; die Gesteinsgrenze ist übrigens verschüttet, eine Menge Geschiebe sind durch Kalktuf zu einer festen Felsmasse verbunden, die wie Rauchwacke aussieht. Weiter oben steht wirkliche Rauchwacke und Kalk an. Die Kalkbildungen ziehen an dem linken Ufer des Sulsannabaches aufwärts und überspringen diesen. Bei dem Dorfe Sulsanna auf der Gesteinsgrenze tritt an mehrern Stellen rother Verrucano auf, der als Baustein benutzt wird. Jenseits Sulsanna beginnen die Gneiss- und Hornblendegesleine der Scaletta. An der Strassenecke bei Capella steht, nachdem der Kalk eine Strecke weit durch massenhafte Geschiebe bedeckt war, erst ein schiefriger schwarzer Kalk, dann grauer gewöhnlicher Dolomit an, welcher den hohen Felskopf an der Strasse bildet und in das Innbett hinabreicht, wo die Kalkformationen nach dem Piz Esen übersetzen. Die Kalkschichten an der Strasse streichen hör. 11 und fällen nach Ost, etwas weiterhin streicht der Dolomit hör. 9 und fällt SO. An dieser Stelle reicht der Kalk und Dolomit hoch hinauf, wird aber gegen Scanfs und Zuz hin schmäler, folgt jedoch der Strasse bis Madulein, wo die alte Feste Guardoval, berühmt in der Bündner Sage, auf Dolomitfelsen liegt, die von da aus sich westlich gegen den Al- bula wenden und mit dessen grossen Kalkmassen in direkter Verbindung stehen. Ueber diesem Kalkband liegt gleich oberhalb Zuz und Scanfs grauer und gelblicher 65 Schiefer, welcher von gewöhnlichem Thonschiefer in Talk und Kalkschiefer übergeht, auch liefen starke Kalkbänke dazwischen. Das Verhältnis dieser Schiefer zum Kalk ist mir nicht recht klar geworden, sie scheinen unter denselben einzufallen, was wegen Schutt,- Rasendecke und Culturland bei Zuz schwer zu bestimmen ist. Gleich ob dem Dorfe beginnt ein tiefes Tobel, das gegen den Piz Griaschouls aufsteigt. Am Fusspfad vor demselben steht Kalk und dann Rauchwacke an, die südlich einfallen, und die sehr zertrümmerten Schiefer nahe dabei fallen auch so; am Eingang des Tobels aber fallen sie nördlich, dann wieder südlich, indem sich eine Mulde bildet; man bleibt auf diesen wellenförmig gebogenen Schieferschichten bis vor der Spitze des Griaschouls. Hier wird das südliche Fallen immer steiler, dann senkrecht und endlich sind die Schichten so übergebogen, dass sie nördlich , fallen. Diese oberen Schichten bestehen aus mässig dicken Kalkbänken; Dolomit und Rauchwacke sind nicht vorhanden. Die letzten Schichten vor dem krystallinischen Gestein sind wieder Schiefer, der in Glimmerschiefer übergeht, dann folgt Gneiss von Granitgängen und einem dioritähnlichen Hornblendegestein durchsetzt; gegen die Spitze des kühn aufsteigenden Rerges gewinnt der Granit die Oberhand, so dass die Kämme gröstentheils daraus bestehen; davor aber streicht' noch ein breiter Zug von rostbraunem Glimmerschiefer hin und jenseits ist der nördliche Abhang gegen den Schafboden und die Scaletta Gneiss und Glimmerschiefer, theilweise auch Hornblendeschiefer. Die krystallinischen Gesteine fallen alle nördlich, das Streichen ist hör. 6, in der Nähe des Granits h. 9. Dieser letztere gleicht dem des Albula und Julier. Die krystallinischen Gesteine ziehen von da ob den Schieferbildungen, östlich gegen Sulsanna, wo die letztem sich auskeilen. Westlich streichen sie gegen den Piz Kesch (Asca oder Eschia) und über diesen nach Val Tuors, während die Schiefer durch die Val Eschia gegen den Albula streichen. ln einem andern Tobel westlich von Zuz steht an der Strasse der Dolomit in hohen Felsen an, dann folgt schiefriger Kalk und Rauchwacke, hierauf dieselben grauen Schiefer, alles südlich einfallend und hör. 6 streichend; auch hier scheint ähnlich wie am Piz Padella bei Samaden der Schiefer die Basis des Kalks zu bilden; aber das Erscheinen der Kalkschichten vor dem Gneiss auf der Höhe möchte eher dafür sprechen, dass er eine dem Kalk eingelagerte Mulde sei, wie denn der Kalk und Dolomit selbst eine solche bilden. Wir haben indess an mehreren Stellen des Unterengadins solch halbkrystallinische Schieferbildungen die Stelle des Verrucano vertreten sehen. Letzterer ist hier nicht vorhanden, wohl aber weiterhin gegen 9 I 66 Sulsanna, und in westlicher Richtung fand ich ihn auf dem Albulapass vor der ersten Alphütte von Ponte aus, zwischen ähnlichen Talkschiefern und der Rauchwacke, welche letztere dort selbst in einen weisslichen Quarzit übergeht, während der Verrucano ein wohl entwickelter rother Sandstein ist. Wir verlassen aber diese Gegenden, die nicht mehr zu unserm Gebiete gehören, um auf das rechte Ufer des Inn an den Fuss des Piz Esen zurückzukehren, dessen nördlicher Ausläufer Mount Senzaben, sich bis zur Val Tanter Muoza erstreckt. Da dieser Rücken, den ich untersucht habe, dieselbe Structur hat wie der Piz Esen, und man die Schichten desselben in dem letzteren deutlich fortsetzen sieht, so gilt das Folgende von beiden. Die Rasis des Gebirgszugs am Inn ist Gneiss, unter welchem Hornblendeschiefer liegt, der Gneiss steigt hoch an dem bewaldeten Abhang hinauf und bildet die erste Terrasse. Gewöhnlich liegt auf demselben eine Art Glimmerschiefer, bald grau, bald rostgelb; aussen roth eingelaufen, der in Talk und Thonschiefer übergeht; an andern Stellen ist es ein grauer halb krystallinischer Gneiss, Quarzit mit viel Talk, dem Verrucano ähnlich, der nach unten in Gneiss übergeht; wo beide vorhanden sind, nimmt der Schiefer die obere Stelle ein, oder sie wechseln mit einander. Man erkennt in diesen Felsarten die Casannagesteine von Livigno. Der wirkliche Verrucano ist hier auf ein schmales Rand zusammengegangen, erscheint aber an mehreren Stellen anstehend als wohl charakterisirter rother Sandstein und eben solches Conglomerat, ähnlich dem von Davos und Bellaluna. Stellenweise scheint er zu fehlen. Ich fand ihn in den Schluchten Val Mela und Val Torta, so wie an mehreren Zwischenpunkten; an andern Stellen liegen wenigstens Geschiebe davon. Es ist kein Zweifel, dass er von hier bis Zernetz fortstreicht, wenn er sich auch stellenweise auskeilt. Auf diesen Verrucanogesteinen liegt Rauchwacke, ebenfalls als fast constante Binde, und in sehr verschiedener Mächtigkeit, im Val Mela wohl 100' hoch, an andern Orten von sehr geringer Dicke. Auf ihr liegen die dunklen schiefrigen Kalk- und Dolomitschichten, die oben mehrfach beschrieben sind, auf welche hohe steile Dolomitwände folgen. Auf diesen liegt gelblicher Dolomit mit rothen Bändern von eisenhaltigem Kalk und Schiefer, der mit grauem Dolomit wechselt. Weiter hinauf folgen graue mergelige Kalkschichten, den Kössner Schichten ähnlich, dann hellgrauer und gelblicher Dolomit und Kalk in dickeren Bänken, in welchen sich undeutliche Petrefacten, namentlich Corallen, denen des Dachsteinkalks des Scesaplana ähnlich finden. Obenauf liegen rothe Kalkschichten mit grauen und gelblichen wechselnd, 67 hie und da mit Crinoidenresten; es ist der Adnether Kalk, welcher die höchsten Gräte bildet. Lappenweise liegen noch braune und graue schiefrige Kalkschichten darauf. Wir haben also ganz die Formationen des Tarasper Kalkgebirgs. Das Streichen der ganzen Formation ist hör. 11—12, das Fallen 0., NO., SO., in verschiedenen Undulationen. Folgt man von der Brücke bei Cinoschel dem Flusse am Fuss des Piz Esen, so ist in dem Thälchen Flins die Gesteinsgrenze durch unendliche Schuttmassen verdeckt, der obere Theil desselben ist in Dolomit eingeschnitten und die kühn aufsteigende Pyramide des Piz Esen zeigt die oben beschriebenen Formationen in fast senkrechten Wänden. Bald gelangt man am Flussufer auf Dolomit, unter dem schiefrige Kalkbildungen liegen, die Geschiebe, die vom Piz herabfallen, enthalten ebenfalls Corallenreste, und fanden sich auch solche im anstehenden Kalk. Der Kalk setzt hier über dem Fluss nach Capelia und Sulsanna. Am Eingang der Val Varusch steht überall Rauchwacke an, die nach unten wie gewöhnlich in ein grobes Conglomerat übergeht, und etwas stromaufwärts erscheint unter ihr am Ufer des Inn rother Verrucano, bald wieder von Rauchwacke bedeckt; noch weiter, unmittelbar am Innufer, findet sich ein ansehnliches Gypslager. Einsenkungen in den nahen Wiesen und dem weiter aufwärts gelegenen waldigen Boden lassen auch hier auf Anwesenheit von Gyps schliessen. Rauchwacke tritt noch hoch im Walde auf. Der Dolomit und Kalk lassen sich verfolgen bis zur Innbrücke unterhalb Scanfs, wo sie unter dem Wiesenboden verschwinden. Stromabwärts von Varusch, nicht weit vom Einfluss des Baches in den Inn, liegen mächtige Haufwerke von Granit und Gneiss. Anstehende Felsen konnte ich nicht finden; es scheinen erratische Geschiebe zu sein. An der ersten Brücke über den Varuschbach steht unter der Rauchwacke rother Verrucano an, und wird bald im Thalgrund die herrschende Felsart. Er streicht hör. B—4 und fällt NO. Bei der zweiten Brücke liegt unter ihm ein unentwickelter Glimmerschiefer, verschwindet aber bald wieder. Am Piz Esen geht der Verrucano bis über die Wiesen im Wald hinauf, jedoch nicht weit, er bildet einen Rücken, der sich nach beiden Seiten senkt. Man findet ihn anstehend bis dahin, wo der Val Trupechum sich von Varusch trennt. Es folgt dann Rauchwacke, schiefrige Kalkschichten, Dolomit etc. wie oben beschrieben und bilden diese Felsarten die senkrechten Felsenwände, welche in ungeheurer Höhe die Nordseite der Val Trupechum ausmachen; vorherrschend ist grauer schiefriger Kalk und Dachsteindolomit; die 68 obersten Gräte sind rother Adnether Kalk. So auch in der Seitenschlucht Muschems, an deren Eingang aber der Hauptdolomit beiderseits sehr hoch hinaufgeht, weil der Verrucano des Piz Esen hier höher aufsteigt. Aus diesem Dolomit besteht auch die Südseite der Val Trupechum; er fällt hier nordöstlich unter dem schiefrigen Kalk ein. Die linke Thalwand des Varuschbaches ist bis weithin mit Schutt bedeckt. Ganz zu Anfang steht Verrucano, Rauchwacke und schiefriger Kalk an, hoch über den Schutthalden Dolomit. Schiefriger Kalk erscheint auch als Basis des letzteren, da wo das Thal nach der Trennung von Trupechum sich unter dem Namen Soria gegen Casanna wendet, etwas unter der ersten Brücke; dann folgt beiderseits Dolomit in hohen steilen Felsenterrassen, nördlich fallend und hör. 6 streichend. Da wo das Thälchen Vauglia in das Hauptthal mündet, ist eine sehr merkwürdige Stelle. Kurz vor der Alphütte, welche am Vereinigungspunkt liegt, steht ziemlich mächtig braungrauer Kalk und Rauchwacke an, dann folgt Verrucano theilweise verschüttet, aber sehr gut aufgeschlossen auf der linken Seite des Hauptthals, wo der Pfad zu steigen anfängt. Etwas ob dem Pfad treten dunkel gefärbte massige Felsen aus Verrucano und Schuttmassen hervor, gangartig aufsteigend. Es ist derselbe Granit, den wir bei Ardez, Tarasp u. s. w., immer in sehr abnormen Verhältnissen fanden, und welcher dem Juliergranit gleicht. Nach Aussen ist er von schaligem, gneissartigem Gestein überzogen, das noch weiter ausserhalb in eine Art schwärzlichen Glimmerschiefer übergeht, der dann an den Verrucano grenzt. Diese Formationen setzen östlich fort bis dahin, wo sich das Thal gegen Casanna wieder erweitert, der Granit steigt mehrfach als mächtige Gangmasse aus Verrucano und gneissartigem Gestein hervor. Ueber alledem macht die Rauchwacke einen Bogen, der sich westlich und östlich senkt, und gerade über den ersten Granitgängen erscheint in ihr ein mächtiges Lager von schönem weissem Gyps. Der hohe zackige Bergrücken, der von da östlich streicht, ist Dolomit; er senkt sich da wo das Thal wieder weiter wird in dasselbe hinab, und geht selbst auf die andere Seite über. Der Granit thut dasselbe, er bildet die Basis der rechten Thalecke von Vauglia, und streicht südwestlich tief in dieses Thal hinein, theilweise die Thalwände bildend, aber immer von Verrucano und den Gneiss- und glimmerschieferartigen Zwischenbildungen begleitet. Auf der rechten Thalecke von Vauglia sitzt diesen Rauchwacke auf, dann Dolomit, welcher den Gipfel bildet, bald aber nach Süden hin von den obgenannten Felsarten verdrängt und abgeworfen wird. Der Bach bringt noch von hoch oben Granitmassen herab. - 69 Die Zwischenbildufigen zwischen Verrucano und Gneiss bedürfen hier einer genaueren Erwähnung, da diese Gesteine gerade in der Gegend, die uns beschäftigt, eine sehr grosse Ausdehnung gewinnen. Es ist dieselbe Felsart, die wir schon von Livigno her kennen, und die über den Casannapass hin tief in das Gebirg zwischen Livigno und Engadin eingreift. Es ist sehr schwer, sie bestimmt zu charakterisiren. Vorherrschend ist ein gelblich- oder röthlichgrauer Glimmerschiefer, dessen krystalli- nische Structur aber oft nicht recht entwickelt ist. Er wechselt mit einem grauen oder schwärzlichen ähnlichen Gestein, das bald in Thonschiefer bald in Talkschiefer übergeht. Beide enthalten gewöhnlich viel Quarz, bestehen aber oft auch fast ganz aus Glimmer. Dazwischen liegen Bänke von bald körniger, bald flaseriger Structur, bald zu Quarzit entwickelt, bald feldspathhaltig, und dann in Gneiss übergehend, ebenfalls bald gelblich, bald hell oder dunkel bleigrau. Nach unten geht alles das in wirklichen Gneiss über; eine feste Grenzlinie zwischen beiden zu ziehen ist mir nicht möglich gewesen. Eben so ist der Uebergang nach oben in rothen Verrucano oft so unmerklich, dass auch hier keine scharfe Scheidung vorgenommen werden kann. Oft fehlt derselbe auch ganz, erscheint aber dann bald wieder, um sich abermals auszukeilen; wo er aber ansteht nimmt er immer die Stelle zwischen den Kalkbildungen und diesen halb krystallinischen Schiefern ein, welche letztere ich der Kürze wegen als „Casannagestein“ bezeichnen möchte. Es haben dieselben übrigens eine sehr weite Verbreitung, und möchten daher dahin alle die ob'fen mehrfach erwähnten Schieferbildungen zwischen der unteren Rauchwacke und dem Gneiss zu ziehen sein, trotz des vielfach wechselnden Localcharakters. Fragen wir aber nach der Bedeutung dieser Formation, die sich, so weit wir sie bis jetzt kennen, schwer vom Verrucano trennen lässt, so möchte sie theils vielleicht noch zur unteren Trias, theiis aber und vielleicht ganz zu den älteren Schieferbildungen unter der Trias zu ziehen sein, wie HH. Studer und Escher wirklich thun. Auf der Karte habe ich sie vorläufig als Modification des Verrucano behandelt. Es tragen diese Schiefer indess schon einen entschieden metamorphischen Charakter, und, wenn irgend eine Gegend geeignet ist, die Wirkungen derjenigen Hebungen zu zeigen, welche durch das in Folge des Metamorphismus erfolgte Aufschwellen und Erheben des Bodens erfolgt sind, so ist es die Umgebung des Ca- sannapasses der Val Lavirun und Camogask. Es erscheint deutlich die ehemalige Kalkdecke des Bodens durch allmäliges Aufschwellen der Unterlage gesprengt und verschoben; die mächtigen Kalkstöcke, die man vom Innthal aus sieht, sind gleich- 70 sara nur hängen gebliebene Lappen, während das Grundgestein überall in den Zwischenräumen hervortritt. So bildet der Kalk und Dolomit an der linken Thalecke von Vauglia und weiter den Bach abwärts eigentlich nur eine vor dem südlich gelegenen Gneiss, Casanna- gestein und Verrucano aufsteigende Schale, welche nach Westen hin zu einer mehrfach unterbrochenen Kalkdecke der Höhen, zwischen dieser Gegend und dem Innthal wird. Vauglia besteht aus eben jenen Gesteinen und Granit, die beiderseits nach Norden auslaufenden Gräte tragen Kalkstöcke, so wie auch Piz Vauglia, Arpiglia und Casanella Kalkberge sind. Wir werden dasselbe Verhältniss am Piz Mezzem und seiner Umgebung wieder finden. Hinter diesen Bergen weg ziehen sich die Gasannagesteine bis nach Lavirun und in den Hintergrund von Chiamuera; doch betrachten wir zunächst die Gegend von Casanna. Nachdem man die Stelle überschritten hat, wo der Granit ansteht, und wo an der steil gegen den Bach abfallenden Felswand der Pfad mehrmals über Brücken führt, ist plötzlich an der Thalecke alles von Dolomittrümmern bedeckt; bald steht auch Dolomit an, die Rauchwacke und die zwischen ihr und dem Dolomit liegenden Kalkschichten sind verschüttet, stehen aber jenseits des Baches am Eingang der Val Casanella an, deren linke Thalecke anfangs aus diesen Gesteinen und Dolomit besteht. Die rechte Thalwand so wie der ganze weitere Verlauf dieses Seitenthals ist aber Verrucano, Casannagestein und Gneiss, so auch das Joch im Hintergrund, das nach Val Lavirun überführt. Zu beiden Seiten dieses Joches stehen Kalkstöcke, Piz Casanella östlich, Piz Vauglia westlich. Das Hauptthal erweitert sich zu der ziemlich breiten Casanna-Alp. Die Basis des Thalgrundes ist Gneiss, auf welchem beiderseits Casannagestein liegt, im östlichen Hintergrund führt der Casannapass nach Livigno. Dieses Joch besteht auch aus Casannagestein, dem verschiedentlich rother Verrucano als Conglomerat und Schiefer aufiiegt. In der südöstlichen Ecke legt sich vom Piz Casanella aus ein Kalkgrat auf diese Gesteine, und an dessen Ende steht Rauchwacke und ein ansehnlicher Gypsstock, der fast den Pass erreicht. Auch auf der Nord- und Nordostseite liegt dfe Kalkformation auf, und hier beginnt die Schichtenfolge sehr regelmässig zu werden. Auf den Casannaschiefern liegt ein fortlaufendes Band von Verrucano, unten rothes Conglomerat, oben rothe, gelbliche, grünliche und graue Schiefer in schmalen Bändern; Verrucano und Schiefer keilen sich mehrfach aus, erscheinen aber immer wieder. Es folgt ein Band Rauchwacke und gelblicher Kalk, ebenfalls nicht von constanter Mächtigkeit, dann ein schmaler Streif 71 Kalkschiefer und dünn geschichteter Kalk, braun, schwarz und grau. Auf diesem liegt eine mächtige Dolomitmasse in dicken Bänken, welche die westlichen und östlichen Gräte bildet; mitten auf aber sitzt der hohe steile Grat des Piz Casanna 3072 Mt., der aus grauem, schiefrigem Kalk der Kössner Schichten besteht. Diese Formationen streichen hör. 5—6 und fallen N. und NO., jenseits des Piz Casanna aber lior. 7—8 mit Fallen nach N. und NW. Auf dem Grat des Piz Casanna fand ich neben allerlei undeutlichen organischen Resten einen zwar stark gestreckten, jedoch sonst gut erhaltenen Belemniten; einen ähnlichen habe ich früher auf der Spitze des Scesaplana ebenfalls in den obersten Lagen der Kössner Schichten gefunden. Leider stand mir nicht die hinreichende Zeit zu Gebot, um gründlich nach Petrefacten zu suchen, doch mache ich auf diesen Punkt aufmerksam, wo sich jedenfalls mehr finden lässt. Er ist auch ausserdem wegeri seiner ausgezeichneten Aussicht zu empfehlen. Die grauen Kalkschiefer senken sich nordöstlich in ein wüstes Trümmerfeld, und nördlich in Val Trupechum hinab. Hellgrauer Kalk und Dolomit liegt jenseits darauf, der zum Dachsteinkalk zu ziehen ist, und auf diesem die rothen Adnether Schichten. Der nahe dabei gelegene Piz Fier im Hintergrund der Val Viera zeigt dieselbe Structur. Man sieht in dieser Richtung die wilden Kalk- und Dolomitgebirge zwischen Livigno und Münsterthal, die wie eine Reliefkarte ausgehreitet liegen, und Livigno selbst mit scharf gezogener Gesteinsgrenze der Kalk- und Verrucanobildungen; nach Süden dehnen sich die flachen rostfarbigen Rücken aus, welche das Casannagestein bildet, da und dort mit dunkelrother Verrucanodecke; der graue, massige Gneisskegel des Piz Lavirun steigt keilartig aus diesem zerfallenen Boden; weiterhin erheben sich die weissen Massen des Berninagebirgs und die scharfen Umrisse der Lanquardkette. Wir verlassen diese Stelle, um noch einen Blick auf die Südgrenze der Kalkgebirge zu werfen. Scanfs und Zuz gegenüber besteht auch die rechte Thalseite aus Kalkformationen, welche hier eine tiefe Mulde bilden, in welcher der Inn fliesst; denn das Hauptfallen der Kalkschichten ist nördlich, den südlich und südöstlich fallenden Formationen der linken Thalseite entgegen. Etwa in der Mitte zwischen Val Varusch und Val Arpiglia steht Gneiss in einem Tobel an und bildet einen gewölbten Rücken. Es ist ein gewöhnlicher, flaseriger, etwas Talk haltiger Gneiss. Auf ihm liegt wenig schiefriges Casannagestein, dann rothes Verrucanoconglomerat. Die Rauchwacke fehlt hier, während sie noch im Walde südlich von Varusch in hohen Felsen ansteht; ein braungeiber Kalk von geringer Mächtigkeit scheint sie zu ver- treten. Es folgt schwarzer schiefriger Kalk, dann Dolortiit in hohen Felsen, welche eine Brücke über den Gneiss und Verrucano bilden, die jenseits über der Waldgrenze wieder zum Vorschein kommen. Der Eingang der Val Arpiglia ist grauer Kalk in massig dicken Schichten, auf welchem dann Dolomit liegt. 'Beide fallen steil nördlich und streichen hör. 5—6. Uebersteigt man den Rücken auf dem Alpweg nach Alp Arpiglia, so kommt man auf zerstreute Blöcke von Rauchwacke, dann auf anstehenden Gneiss, der bald wieder von Kalk bedeckt wird, nicht weit von der Alphütte wieder hervortritt, und dann nochmals eine Kalkdecke trägt, die dann gleich hinter dep Alphütte wieder abgeworfen wird. Auch unten im Tobel findet Gesteins Wechsel statt. Auf gut entwickeltem Gneiss liegen die Casannagesteine: 1) grünlicher Talkgneiss mit Talkglimmerschiefer wechselnd, 2) Thoniger Glimmerschiefer, B) ein schmales Band von graugrünem Thonschiefer mit Hornsteinbändern, 4) schwach entwickelte Rauchwacke, 5) braungrauer halb krystallinischer Kalk, 6) schwarzer Kalk mit Hornstein, 7) Dolomit. Diese Kalkbildungen steigen steil vor einem Gneissrücken auf, welcher den Fjiss des Piz Mezzem bildet, und hängen gleichsam an den Enden einiger Ausläufer desselben, so dass die Tobel unten in Kalk, oben in Gneiss u. s. w. eingeschnitten sind. Die Alphütten von Arpiglia liegen auf Schuttland, nördlich davon steht eine Kalkwand an, am Fuss derselben rother Verrucano, der im vorigen Durchschnitt fehlte. Yon da an ist der ganze Thalgrund aus Gneiss und Casannagestein gebildet. Nach N. steigen diese hoch auf, die Spitzen und höheren Gräte tragen aber Kalkstöcke, die dann eine unterbrochene Kalk- und Dolomitdecke gegen Varusch und Soria bilden. Die hohe Kuppe von 2220 der Karte, ist Dolomit, so auch 2628 und 2746; zwischen den beiden letztem ist aber eine Lücke, durch welche die gneissartigen Gesteine nach Vauglia überstreichen, von 2746 zieht ein Kalkgrat südlich nach dem Piz Arpiglia, der aus schiefrigem, grauem Kalk zu bestehen scheint, und den ich nicht besuchen konnte, weil Regenwetter einfiel. Den Fuss desselben im Hintergrund von Arpiglia habe ich untersucht. Unten liegt Gneiss und Casannaschiefer, dann rother Verrucano, der sich oft auskeilt, wie auch die Rauchwacke thut, die an einigen Stellen gut entwickelt ist. Es folgen schwarze schiefrige Kalkschichten, eine mächtige Dolomitwand, endlich eine sehr bedeutende Formation von grauem, schiefrigem Kalk, der einesteils gegen Piz Arpiglia, anderseits gegen den Piz Mezzem aufsteigt. Alle diese Schichten sind seltsam verbogen und zerknickt, da sie Mulden zwischen zwei Gneissmassen bilden. 78 Dies ist auch der Bau des Piz Mezzem auf dieser Seite; ganz oben sitzen aber auf den grauen Kalkschiefern die rothen Adnether Schichten, jedoch in geringer Mächtigkeit; also wieder das alte Yerhältniss, das wir schon oft betrachteten. Der Nordfuss dieses hohen Gebirgsstocks zeigt eine sonderbare, aber sehr in- structive Erscheinung. Wir haben gesehen, dass hier die Kalkschichten sehr steil, anfangs 50—60o, endlich fast senkrecht nach N. fallen. Dahinter erheben sich dunkel gefärbte Felsen. Es ist Gneiss von Casannagestein umhüllt. Ueber dem Gneiss liegt Verrucano, der in Casannaschiefer übergehl, Rauchwacke, schwarzer, schiefriger Kalk, dann die grosse Masse des Hauptdolomits etc., die südlich hinter dem Gneiss einfallen; das Streichen ist hör. 6. Die Erhebung des Gneissrückens hat also hier die Kalkdecke gesprengt, die vordere Masse von dem Piz Mazzem gleichsam abgespalten. Es setzt aber dieser Gneiss am Fusse des Berges fort bis nach Camogask und überspringt auch noch den Bach, worauf er dann von Kalk bedeckt wird, um bald wieder hervorzutreten. Er setzt jedenfalls unter dem Thalboden nach Ponte über, wo er von grauen krystallinischen Schiefern bedeckt wieder ansteht. Wir bekommen dadurch einen Anhaltspunkt, um den Schiefern des Albulapasses, Piz Padelia etc., die zwischen Gneiss und Rauchwacke oder Kalk liegen, ihre Stellen anzuweisen. Es sind eben die Casannagesteine, und es ist von grosser Bedeutung für die Geologie jener Gegenden, diese unter dem Triaskalk anstehenden Schiefer von den darauf liegenden oder angelagerten scharf zu trennen. Die Frage, warum diese Schiefer nicht überall krystallinisch geworden sind, gehört zu den Problemen, die zur Zeit noch nicht gelöst werden können. Das Camogasker Thal bildet die Grenze der Formationen, die uns bisher beschäftigten, gegen die Berninagebirge. Es ist mehrfach beschrieben worden; (conf. ' Studer und Escher, Geologie der Schweiz, und G. v. Rath, über das Berninagebirg, Zeitschrift der deutschen Geologischen Gesellschaft, Band IX.) Der Eingang wird von Gneisshügeln und Schutt gebildet; eine Einsenkung hinter dem Gneiss, auf der linken Thalseite, bezeichnet unstreitig die Stelle, wo die Schieferbildungen Verrucano und Rauchwacke durchstreichen, die im Val Arpiglia anstehen; sie verschwinden aber unter dem Schutt, auch konnte ich die Stelle nicht näher untersuchen; auf der rechten Seite liegen hohe Halden von Kalk- und Dolomitschutt, bald kommt man indess auf Kalk, der zu beiden Seiten ansteht, südlich einfällt und in hohen steilen Felsen aufsteigt. Der auf der linken Seite zieht sich,.weit südwestlich, den Gneiss bedeckend bis zur Alphütte Champatsch, die darauf liegt, fast gegenüber der Brücke io 74 von Bevers, und verschwindet hierauf in den Wiesen. Im Camogasker Thal selbst erscheint diese Kalkformation der linken Seite sehr bedeutend wegen der hohen steilen Felsen; sie ist indess nur eine schmale Vorlage der südlichen Gneissgebirge Piz Vadret etc., mehrfach von Schluchten zerrissen, in deren Hintergrund schon Gneiss ansteht, und aus denen mächtige Moränen dieses Gesteins in das Thäl herabgeschoben sind. Noch weiter thaleinwärts steigen die Kalkschichten im Zickzack ziemlich senkrecht vor dem Gneiss auf, dessen Erhebung sie in diese Lage gebracht hat, und endigen etwas südlich von den Alphäusern von Serlas, nachdem die Formation vorher immer schmäler geworden ist, ganz so wie bei Vauglia im Casannathal. Auf der rechten Thalseite steigt der Piz Mezzem in steilen Felsenterrassen hoch auf. Am Eingang fand H. Escher’s Plicatula obliqua, Echinitenstacheln und andere Versteinerungen, welche auf die Formation von St. Cassian hin weisen. Ich fand diese Petrefacten wieder theils auf den Steinblöcken der Wuhren, theils im anstehenden Gestein. Es ist ein schwarzgrauer, aussen gelb angelaufener Kalk in dünnen Schichten, jedoch nicht schiefrig. Es folgt grauer Kalk mit viel Hornsteinknollen, dann wieder braune Schichten mit organischen Resten, die sehr schlecht erhalten sind, hierauf schiefriger grauer Kalk, weiterhin grosse Dolomitmassen. Diesen sind weiter thaleinwärts graue schiefrige Kalkschichten aufgeiagert, auf denen hellere Kalk- und Dolomitschichten, endlich ganz oben rothe Adnether Kalkbänke liegen, deren Trümmer die Tobel herabbringen, und die ganz mit denen von Ardez etc. übereinstimmen. Die grossen Gneiss- und Granitmassen hei der Alp Bardum sind eine alte Moräne vom Piz Vadret her. Jenseits dieser Alphütte, wo die Zickzackbiegungen der linken Thalseite beginnen, sind auch die Schichten der rechten auf ähnliche Weise gestört und verbogen; man sieht, dass auch auf dieser Seite die Grenze einer starken Erhebung nahe ist, doch sind am Eingang der Val Lavirun noch beide Ufer des tief eingeschnittenen Thalbaches Dolomit. Steigt man aber den Alpweg in dieses Seitenthal aufwärts, so findet man bald Gneissblöcke, die von den Höhen der linken Thalseite herabgefallen sind; die Kalkschichten steigen hier im Kleinen eben so senkrecht vor dem Gneiss auf, wie sie es im Grossen iu dem Hauptthal thaten, und bald ist die Kalkschale ganz abgeworfen. Im Bache liegen unter dem Dolomit dieselben braunen Kalkschichten, die unten die Versteinerungen enthalten; dann folgt rothes Conglomerat, rother Sandstein, also gut entwickelter Verrucano, weiter ein braunes, gneissartiges Conglomörat, endlich Casannaschiefer und Gneiss. 75 Der Hintergrund von Val Lavirun, der sich zu einer ausgedehnten Weidefläche ausbreitet, hat viel Aehnlichkeit mit dem von Casanna. Die Basis ist Gneiss und Casannagestein; die Nordseite trägt noch Kalkstöcke, nämlich den Piz Vauglia, der das Ende des Mezzemstockes ist, und weiter östlich den Piz Casanella. Zwischen beiden liegt Verrucano und Casannagestein, nach Val Vauglia und Casanella übersetzend, meist von Rauchwacke begleitet, wo Kalk und Verrucano an einander grenzen. Tiefe Tobel sind in die weiche Masse der alten Schiefer eingerissen, auf denen verschiedentlich Lappen von rothem Verrucano und Rauchwacke liegen, ersterer folgt auch der Kalkformation am Piz Vauglia aufwärts. Der östliche Hintergrund zeichnet sich durch zwei hohe Bergformen aus; es ist die eckige Pyramide des Piz Lavirun und der langgestreckte Rücken des Piz Cotschen. Ersterer besteht aus Gneiss hör. 5 streichend, steil südwestlich fallend; letzterer meist aus Casannagestein, das ebenso streicht und NO. fällt. Zwischen beiden ist eine Mulde, und davor ein steiler Abhang. An diesem sieht man scharf abgeschnitten das rostfarbige Casannagestein, dem grauen Gneiss aufsitzen; es bildet die Decke des Piz Cotschen, der davon den Namen hat, und steigt auch an dem Piz Lavirun hoch in die Höhe. Eine mächtige Lage von dunkelrothem Verrucano liegt in der Mulde den Schieferbildungen auf, und diesen ein Gletscher von ziemlicher Ausdehnung. Die scharf abstechenden Farben fallen schon von weitem auf. Der Verrucano setzt hier in den Hintergrund der Val Federia über, und scheint sich auch auf der Südseite des Piz Cotschen auszuhreiten, die mir nicht aus eigener Ansicht in der Nähe bekannt ist. Die Südseite des Thaies wird von einem niedrigen Gneissrücken gebildet, welcher eine Decke von Casannaschiefern trägt, und dessen vordere Kalkdecke am Eingang von Lavirun schon erwähnt ist. Auch dieser Kalk endigt bei Serlas. Die Casannaschiefer verbreiten sich noch im Hintergrund von Chiamuera und weiter gegen den Bernina, wo sie aber einen andern Charakter annehmen und in den Talkgneiss übergehen, welcher dort meist die äussere Decke der krystallinischen Formationen bildet. Man vergleiche Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubündtens 1858 über Poschiavo. Die Thäler Chiamuera, Prunella und Prunas, welche südlich von Serlas in die Lanquardkette eingreifen, liegen in krystallinischem Gestein, worin der Gneiss vorherrscht. Wir sind hier zu der Grenze des Berninagebirgs gelangt, und somit zu der 76 unserer Aufgabe, welche mit dem eigentlichen Unterengadin die zunächst damit zusammenhängenden und verwandten Charakter tragenden Gebirge umfasste. Wenn die vorstehende Abhandlung eine grössere Ausdehnung gewonnen hat, als ich ihr ursprünglich geben wollte, so liegt dies an der Reichhaltigkeit des Stoffes, der auch durch diese Arbeit keineswegs erschöpft ist. Ich habe mich desshalb auch nicht bemüht, Lücken zu verdecken, sondern vielmehr darauf aufmerksam ; doch habe ich mich bestrebt, überall selbst zu sehen, und nichts als bestimmt anzugeben, was ich nicht als solches erkannte. Die Arbeiten meiner Vorgänger habe ich benutzt, und wenn ich ihnen manches Neue hinzufügen konnte, so verdanke ich dies grösstentheils den von ihnen geschaffenen Grundlagen. Ich zweifle nicht daran, dass Andere, die nach mir kommen, Manches von mir Uebersehene auflinden, auch wohl manche meiner Ansichten berichtigen werden, wodurch die Wissenschaft nur gewinnen kann. Sie werden aber auch die Schwierigkeiten kennen lernen, mit welchen die Erforschung des behandelten Gebietes verbunden ist, und vorkommende Unvollständigkeiten nicht dem Mangel an Fleiss, Ausdauer und Muth zuschreiben. Die beigefügte Karte wird es auch denen möglich machen der Beschreibung zu folgen, welche die Gegend nicht aus eigener Ansicht kennen. ii,3 /ü.:i 27°5o mmmmm »p'V ifaEiKSi ? &8^jmMäriä§mt, - wm mgw* r - WSW- ' l; '’ >, ISWill 3ÖZ8 , uramt is«i ^RiSÄM 5 'l frneis u. kristalhiusche Schiefer im AUgemei nett mmmmm l ah: m SIcVS »>1 ,)f Bofhu \W iPc Ära* orethx* , INH 17Z£‘A \ iiimmwmkk Ghtmnet'schLefei JTffJ mimm Horn blendeschiefer jly'^iX ^y iSjz 5f7iÄm I piru w t J/6'J ^/h^^^^kvirSp * ‘ v- Talkquarxi-t w. Vernicatw sÄ^^Mü«i l W ; 5 CJtuAusnt n^ppy^nl Glzinmerschief'erartigej' u sonst kalbbristaUimscher Verrucano Lanciner förttfii Schnupfe.n keltej'Sp. A7. /ri« terjjo hihorn S®fe>&Q Bothes Conglotncrat WfWmfmm-, POitxe€>JkSf \ ur. LiUncr p’SÄT'^ .Sahgrai amm Graue u.grüne Schiefer die, xum-Verrucano geht), gSfutt/esuS/ : 2#& ve.11 prang T767 Frnim. mm amihalct ,T Fernei hi Fgtsc esis -.£ <£> Untere Rauhrvachc n. Schiefe* dazu, - (ruttetistciivcr Kalk Sih>re4ta, GL. wmmmm ®^^ää«8IS : äs ^ Untere JCalkbildungeti der Tr Las wmamm iiMfii ul Faun 2 j»j? 1 ronse ejitiu Muo < £/ ' .t iwv OU**«* Dieselben, mit schicfi'igcii Einlagerungen Ä&U 'li'.’ii,.' vsi itKlilBiS »11 Ä/y// »Ti Villl f / &/* 7 / > 7 / ’ 0 £/’ ff thc&ptiZ »4M08BW Dolomite dazu IHP 5 * •. dW.WHam wm.- n ;, v m*&m § wan'm mmsm&mrn w^wWmmm mmW^W'K' vi : : :: :xi^v:v : . : Itufmätt Obere Rauhmacla -Sri*' «« 1 * »IwSSI mm : Wr ■H }ffW366 Haupt -Dolomit. . Unterer Daehsteinkalk \JftMMcha w. ' ‘■■ || !, , ,n«i ri v* c ’^^^^Äi V.-» . ■ r< w \ r u?i ( % • •jtlAyW • t■ u*’■ n / x&?Z im’nMsm mm iMHni 5 ^»«« Schiefrige Einlagerungen ~~~ ““ r **’ inv oberm Kalk, u.. Dolomit iS!f ' PKwi ""«« W$ß*SjgW 1 ’ :< */*■ >Vt »<■ CoruietfäMi^m. time. Nicht sichet' bestirnt et Tviaskalb u.Dolomit. PS» * 7 ^ rr —~ Kössnev Schichten Wi -Sol* &»«■* a «7 Dachsteinkni k tm iitaStri rnttm .jui AdneiJuauh VZrz'wMMmmmiii ßgarl ■ «, fWMr% ZZ90S \£j wMmm,BTsdi^ FIeckentnergeL mit vor*/versehendem Kalk. Puht- ciiitn WMM //,*»io r immMi \VY'j x >a \«K? Bunte, Schiefer meist Metamorphosen- d. Fleckenmerge imster * 22, . . aaag i? | , us,"y rnm i : ,&aT deTa7 > «|. Sat.;■■■ \W* (bms. JrztroitiW *.***> w£pk'it/h¥mmM Spilitdiovit msmm, t*s.Q.r mmsm $&d§iW^WfK. Serpentin mmm WMM •Wl'.i toFHrnmiBMk WämWM, insu? babbro •iXnibrS ErPA-: • Si-i .'.c'. 'WnW ■WmWmstm fetVr^£^;*EL- \\mvu^nmmM\k:?\%Wkf^* t ‘' \*/ • »VN/iwif »w/f iLasfJ. nW v NrrV^/;,/-,:-.^» dtllfs löpo^i’. Am»talt von. J.Warstei* n . Comp, ni "Wi-rrtertKui Redaclioii 1 : 100000 i Scluvaxerstufule st 3S? $3 feiä. i MBgip g rt