15. Sigfrids Fahrt zum Drachrnstcine.
Es trabte gutes Mutes der Held vom hohlen Berg,ihn hatte ausgerüstet gar stolz der kluge Zwerg.
Sein Schild ganz überzogen mit rotem Golde war,darauf erschien geschmelzet ein Drache wunderbar.
Der Drache war gemalet von oben dunkelbraun,doch rot des Wurmes Farbe von unten anzuschaun.
So waren Helm und Panzer des leuchtenden Goldes voll,wie aus dem Königstamme ein Degen führen soll.
Wie Gold des Berges Auge im tiefen Dunkel ist,so war der Erste Sigfrid an Kühnheit, Kraft und List.
Es fiel in braunen Locken vom Scheitel das schöne Haar,daraus die Falkenaugen ihm brannen scharf und klar;es waren wenig Männer so keck, durch seine Brau'ndem Sigfrid, wenn er zürnte, ins Feueraug zu schaun.
War hoch des Helden Nase, sein Antlitz voll und stark,es ragten seine Beine ihm lang und voller Mark.
Es waren des Recken Schultern wie von zwen Mannen breit,
der Leib ihm aufgeschossen in aller Herrlichkeit;
es sagen die alten Mären: so groß war unser Held,
daß wenn er kam geschritten durchs reife Roggenfeld,
und hatte das Schwert gegürtet, wol sieben Spannen lang,
kaum rührt' es unten die Aehren in seinem hohen Gang.
Im Sprechen war er dreiste und sonder Furcht und klug,und treu an seinen Freunden wie keinen die Erde trug.
Und wie dahin er trabte, da dachte er still für sich:
„Wie mancher Köhlerjunge ist seliger viel denn ich!
Der kann mit seinem Vater zum finstern Haine gehn,und ich hab keinen Vater mein Leben lang gesehn.
Mir ist auch ohne Panzer die Hornhaut hart genug;ich bin ein sondrer Ritter, zu dem ich mich selber schlug.