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F. Schalteggcr.
Vertrag annulliert und beseitigt wurden. „Etliche unserer Vorfahren" lesen wir da.Vor Otto IV. waren Bischöfe zu Konstanz Heinrich IV. von Hewen 1436—1462,Burkhart II. von Randeck 1462—1466, und Hermann III. von Breitenlandenberg1466—1474, dem Otto IV. 1475 folgte. Die Anregung zum Brückenbau muß somitvor 1462 gemacht worden sein. Und zwar ging hier, im Unterschied vom BrückenbauIn Weinfelden , die Anregung offenbar von der Stadt Bischofszell aus. Möglicherweisehatte gerade die Erstellung der Weinfelder Thurbrücke in Bischofszell das Verlangennach eigenen Brücken hervorgerufen. In der Tat mußte die Lage der Stadt in erhöhtemMaße nach Brücken rufen. Zwischen Thür und Sitter eingekeilt und von drei Seitenumschlossen, während gegen Süden der steile Rücken des Bischofberges dem Verkehr aufder vierten Seite hemmende Schranken setzte, bot die Lage des Städtchens wohl Sicherheitvor feindlichen Angriffen. Und als Bollwerk gegen die Abtei von St. Gallen war ja auchdie ursprüngliche Anlage der Burg und des Städtchens gedacht, so gut wie die benach-barten Burgen Schönenberg, Heidelberg , Öttlishusen und Eppishusen u. a., in welchenallen bischöfliche Ministerialen hausten. Allein vom Schutz gegen Angriffe von außenhaben die Bürger eines aufstrebenden Städtchens zumal in Friedenszeiten nicht gelebt.Und, seit das Leinwandgewerbe auch in Bischofszell eine Heimstätte gefunden hatte, wardas Bedürfnis nach bequemer Verbindung mit der Außenwelt gegeben, zumal mit denumliegenden Thurgauer und St. Galler Gemeinden, die den Bischofszeller Markt zumAustausch ihrer Erzeugnisse aufsuchten.
Auch den Bischöfen als Herren der Stadt mußte an einer guten Verbindung mitder Stadt, zumal über die Sitter, die man in erster Linie zu überschreiten hatte, vielgelegen sein. Einer Ermächtigung durch den Kaiser bedurfte es hier nicht, da das bischöflicheGebiet Immunität genoß. So schien dem geplanten Bau nichts mehr im Wege zustehen. Die Stadt war bereit, den Unterhalt der einmal vollendeten Brücken auf eigeneKosten zu übernehmen, und die Bischöfe hatten den Bau beider Brücken über Thür undSitter zugesagt.
Allein es fehlte an Geld. Das Bistum Konstanz litt seit langem schon an chronischerGeldverlegenheit, und gar manche bischöfliche Besitzung war als Pfand in fremde Händeübergegangen, um die Bedürfnisse der bischöflichen Hofhaltung zu befriedigen, und seltengelang es einem Inhaber des bischöflichen Stuhls, die verpfändeten Besitzungen wiedereinzulösen, und so vererbte ein Bischof dem andern eine stetig wachsende Schuldenlast.Kam dazu noch ein Schisma, wie das eben zurzeit der Fall war, so war vollends keineMöglichkeit vorhanden, den eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. So auch hier. DerBrückenbau, verheißen, beschlossen und verbrieft, wurde von Jahr zu Jahr hinausgeschoben.
Die Bischofszeller ließen es selbstredend an Vorstellungen und Bitten nicht fehlen,um aus Ziel zu gelangen. Sie Haffen die Zusage, daß der Bischof auf seine Kosten,„one der von Bischofszell costung und schaden", die beiden Brücken, deren Bau bereitsin Angriff genommen war, „voll ußmachen", d. h. fertig erstellen und der Stadt über-geben wolle. Aber der hiefür vorhandene Bauschatz war erschöpft, ehe die Vollendungin Sicht kam, und so mußten die Bischofszeller dem Bischof zu Hülfe kommen, indie eigene Tasche greifen und den Bau aus eigenen Mitteln vollenden. Dafür ent-schädigte sie der Bischof in Form eines Rentkaufs. Er erließ ihnen gewisse Ein-künfte und Steuern, die er alljährlich von der Stadt zu beziehen berechtigt war,5 Pfund Pfennig vom Ohmgeld und 4 Pfund Pfennig von der Steuer nebst 10 Viertel