V 7,^ MM V^4V-MN LÄL WEWWWWUUW --t ^ ^§8W8M-X'»»^'^ 77X7 X.'' X^777 7 ,^>> ^ ^ ^MÄ^Ä!-Xv n KX7 ^'-X Hk7M! WM SW-MW' KW!^ '-«PE MMj M.M'! UWWMM L7?Ä7>^ M-XsÄX RW Heins von Ltein. -»Hh'ZKH- SL Heinz von Stein oder die Schlacht an der Schwarzach. Thomas Dornhauser. bei I. I. Siegfried. 1836. Erster Gesang i. Mag immer der Heinz zu frechem Trotz Des Nachbars Leute verleiten; Der Aufstand wird zum Adelgotz Von Thurberg nie sich verbreiten. Stark herrsch' ich im Thal mit eisernem Stab, Mir fallt fürwahr der Bauer nicht ab; — Und woll't ihr dem Worte nicht trauen, Ihr soll't mit den Auge» es schauen. s 2 . Stolz prahlet der Herr beim vollen Pokal, Und Beifall jauchzen die Gäste, Die Zugbrück' fallt und hinab in das Thal Geht's wild aus Thurberg'S Beste; Jn's Thal, wo gereichet die Schnitter steh'n, Don Acker zu Acker die Knappen geh'n, Und streng nach des Ritters Befehlen Die zeh'nte der Garben sich wählen. 3 . Siu Acker ist leer, dort harrt der Pflug, Was gehet ihr müßig im Schatten? Herr Ritter verzeih't, uns fehlt der Zug, Noch weidet das Vieh auf den Matte». Mit lachendem Hohn der Ritter spricht: Der Stiere bedarf's und der Rosse nicht; Drei Sohn' und der Vater — sind viere; Auf! ziehet den Pflug, wie die Stiere. s 4 , Wie der Rüd und die Söhne das Wort gehört, Flammt's düster im Blick der Mannen; Doch thun sie stumm, was der Ritter begehrt, Und zieh'n den Pflug von bannen. Den hat ihr Herr mit den Händen gefaßt, Von Bußnang treibt, der lustige Gast; Sein Wist und Hott klingt munter Die erste Furche hinunter. 5 . Am Ende des Ackers hält man an, Das Brett wird, das Sech da gereinigt. Drauf wandelt der Pflug die zweite Bahn, Vom Fluche der Ritter beschleunigt. Wohl keuchen die Viere, wohl rinnt ihr Schweiß, Die Geisel knallt, zwickt Jüngling und Greis; Die Gäste stehen am Wege Und zählen die fallende» Schläge. 4 6 . .Zuckt Nacken und Arm der Bauer zurück, Getroffen vom mächtigen Streiche; Dann klatschen die Herr'n mit freudigem Blick Und halten sich lachend die Bäuche. Hoch lebe der Pflüg», hoch sein Knab! Ihr jag't wie der Blitz ja hinauf und hinab. Drei Furchen seh'n wir vollendet, Zur vierten den Pflug schon gewendet. 7. WaS giebt's? Was macht den Schwärm so stumm? Horch! horch! die Stimme des Alten! Weg wirft er das Seil, rasch dreht er sich um, Kann länger die Wuth nicht verhalten. Genug, ihr Söhne, so ruft er, genug! Soll heute noch vorwärts wandeln der Pflug, So müssen die gnädige» Herren Durch Dorn und Distel ihn zerren. s 8 . Den Herren scheint ein Spaß der Art Weit mehr, als uns zu behagen; Doch kennen sie leider das Süße der Fahrt Nur noch vom Hörensagen. Die Gnädigen haben der Pflugschar Wucht Sie haben das schwere Feld nicht versucht; Nun ist die Reihe an ihnen Und der Tag der Vergeltung erschienen. 9 . Rüd spricht'S und packt den Herren vom Schloß Mit nerviger Faust an den Haaren. Husch! sind die Söhn' in der Junker Troß Wie hungrige Tiger gefahren. Die Schnitter sehen's und eilen zu Hilf — Erst woget der Kampf wie am See das Schilf — Dann binden die Bauern mit Stricken Den Rittern die Hand' auf den Rücken. 8 10 . Und spannen sie an mit Gelächter und Spott, Und Weiber treiben sie wacker Mit Peitschenknall, mit Wist und Hott Drei Mal' durch den scholligen Acker. Drauf läßt der Rüd die Junker nach Haus, Spannt aber vom Pflug' die Beschämten nicht aus. Den müssen mit schimpflichen Mühen Bergan zum Schlosse sie ziehen. 11. Verwundert schaut vom hohen Balkon Die Mutter sammt Töchtern und Losen: Die Ritter am Pflug? wer wagte den Hohn? Pfui! Memmen! hinter den Ofen! Der Aufruhr, Mutter, ist wild erwacht, Der Heinz hat die Sklaven so trotzig gemacht. Wir werden im Blute der Frechen An ihm und den Bauern das rächen. 7 12. Doch wenig kümmern um's dräuende Wort Sich Rüd und seine Freunde, Zum Stuhl wird der Garbenwagen so fort, Der Haufen zur Landsgemeinde, Rüd spricht kunstlos an der Männer Herz Von der Freiheit Glück, von der Knechtschaft Schmerz, Da heben sich rings auf der Heide Die Hände zum heiligen Eide. 13. Von Dorf zu Dorf der Thür entlang Die stürmenden Glocken heulen; Und über den Berg mit Sang und Klang Bewaffnete Schaaren eilen. Sie zieh'n hinab zum blauen Rhein, Sie wollen dort unter dem Heinz von Stein Die Freiheit wieder erwerben. Wo nicht, — für die Freiheit doch sterben. 8 14. Und wie die Lawine sich immerdar Aufthürmt und vermehrt im Laufen, So schließt auf dem Wege sich Schaar an Schaar, So reihet sich Haufen an Haufen. Doch scheinen dem Blick die Haufen all' Gering im Vergleich mit der Krieger Schwall, Die schon in des Thales Gründen Vor Stein am Rheine sich finden. 15. Denn Heinz, der Bürgermeister hat Bereits vor etlich Wochen Im Namen der strombespülten Stadt Mit Junkern und Pfaffen gebrochen. Kühn pflanzt' er der Freiheit Fahne auf. Sein Wink beschwingte der Bothen Lauf, Um ThurgauS Volk an die Ahnen, An Recht und Freiheit zu mahnen. 9 16 . Und Thurgaus Volk — das säumt nie lang, Wenn solche Stimmen ertönen; Der Geist, der vordem die Römer bezwäng, Noch lebt er in DivikoS Söhnen. Wie der Kraniche Heer, wie die Störche vom Meer, Schwarz wimmelt'S von Bergen und Thälern daher. Bald steh't von Heinz geladen Das Volk an des Rheines Gestaden. 17 . Um Stein herum und Eschenz ist Es voll in allen Häusern, Und zaubcrschnell dem Boden entsprießt Eine Stadt von Stauben und Reisern. Es wohnt sich so lustig im laubigen.Zelt, Die Krieger, sie liegen UM'S Feuer gesell't, — Sie zechen, sie sieden und brate» Und singen der Vorwelt Thaten, 10 18 . Und Führer und Mannschaft üben geschickt Sich ein zum blutigen Tanze; Das Schwert wird geschärft, die Panzer geflickt, Erprobt wird Bogen und Lanze. Denn sobald der Tag am Himmel graut, Im See sich wieder die Sonne beschaut, Soll über ThurgauS Leiben Das Loos der Waffen entscheiden. 19 . Wofern nicht die Männer, die drüben ich seh'. Uns andere Bothschaft bringen; Sie kommen vom Schloß auf der windigen Höh', Dom Heere des Wolf von Klingen. Was meldet ihr uns von der Herren Bund? Ruft jeder und fragt. Doch der Bothen Mund Antwortet mit kluger Säumniß Und wahrt in der Brust das Geheimniß. 1l 20 . Wo der Rhein fortströmt, der gewaltige Rhein, Aus BodanS bläulichem Spiegel; Da ragt hoch über das freundliche Stein Hinaus ein jäher Hügel, Don rankenden Reben und Trauben umlaubt; Und oben auf des Hügels Haupt Prangt HeinzoS stattliche Wohnung, Des Fleißes schöne Belohnung. 21 . Dort strebt der Gesandten emsiger Fuß Hinan auf felsigen Wegen, Mit Handschlag tritt und mit biederem Gruß Heinz eilig den Männern entgegen. Breitschultrig und hoch, eine Heldengestalt, Den Hals von dunkeln Locken umwallt, Erforscht mit heißem Verlangen, Wie's drüben beim Feinde gegangen. 1L 22 . ES ging, sagt Arnold, leider nicht gut, Mißglückt ist unsere Sendung; Der Adel ist voll Uebermuth, Der Herzog voll Verblendung. Daß ThurgauS Volk sich die Richter geb', Und frei nach eignen Gesetzen leb' — Der Antrag machte sie lachen, Sie nannten das drollige Sachen. 23 . Wa« Grundzins aber und Zehnten betrifft, Sagt Ralf, der Boten zweiter, So bewies durch Bullen und heilige Schrift Ein Priester uns klar und heiter: Darum nur habe der Schöpfer der Welt Den Bauer in'S mühsame Leben gestellt, Daß die Herren in Klöstern und Besten Vom Schweiße der Armen sich mästen. 13 24 . Wir thäte» der Lehre Ungrund dar, Wir zeigten durch Brief und Öffnung Daß stets gefreit der Thurgau war; — Umsonst blieb Wort und Hoffnung. Und waren es euere Vater nicht, Schrie Ritter Wolf, der Bö'sewicht, So werden die Enkel es heute, Leibeigene, dienstbare Leute. 25 . Als Heinz den Bericht der Bothen vernimmt, Glüht Wang' und Blick ihm wie Flammen. Mich soll, so schwört der Krieger ergrimmt, Der Gott der Vater verdammen; Bereuen die Junker nicht morgen schon, Was heute den stolzen Lippen entfloh'». Ich will aus der Fremdlinge Ketten Die Ureinwohner erretten. 14 26 . Spricht'» — winkt —und dieBothen verlassen den Saal, Daß Speis' und Trank sie erquicke. — Heinz geht an'S Fenster und schaut auf Thal Und Berg mit grollendem Blicke. DaS Land, das der Knechtschaft Wetter bedroht, Hier liegt's beleuchtet vom Abendroth, — Ein Garten voll bunten Gewimmels, Ein Stück des ewigen Himmels. 27 . Der silberne See — der lächelt gar hold Aus baumumkrä'nzten Gestaden; — Hell schimmern die Segel — es scheinen im Gold Sich Kirchen und Dörfer zu baden. Rings glühen die Alpen in rosigem Duft, Der Schnee glänzt magisch aus heiterer Luft; Der Purpur der Wolken wird blasser Und veilchenblau schon das Wasser. 28 . Noch starrt auf der Vater geliebtes Land Heinz nieder und staunet und sinnet; — Da klopft'S auf die Achsel mit kalter Hand, Daß Eis ihm die Adern durchrinnet. Verwundert schaut er, wer solches gethan? Kein lebendes Wesen trifft er an, — Er steht allein im Zimmer In des Tages letztem Schimmer. 29 . Dem Hauptmann kommt das seltsam vor, Er sieht nach allen Seiten; — Jetzt plötzlich scheint es wie Nebelflor An ihm vorüber zu gleiten. Da steht vermummt, schneebleich ei» Weib, Hohläugig und mager, von riesigem Leib' — Sie trägt in der Hand ein Becken, DaS schwarze Schleier bedecken. Leis' hat die Frau mit langsamem Schritt Die Hälfte des Saales durchmessen; Und siehe! zum Tische sie neigend tritt, Als brächte sie Speise zum Essen. Sie spreitet das Tuch, enthüllt den Topf — Und weh'! ein blutiger Menschenkopf Hat unter dem Schleier sich funden — Heinz schaudert — das Wtib ist verschwunden. Z1. Jst'S Wahrheit, was mein Auge sah? Sind's Träume, die nutzlos mich plagen? Was will das Gespenst mit dem Becken da? WaS soll die Mahlzeit mir sagen? Sucht Rache die Frau, die das Haupt mir weisst? Oder warnt vor der kommenden Schlacht der Geist O wußt' ich der Schwester Meinung! — Die deutet vielleicht die Erscheinung. 17 32. Er spricht'» und hinab von dem Hügel er rennt, Stach Jrmentrud zu spähen; Denn die schwarzumlockte Jungfrau kennt, Was Weise nur selten verstehe». Sie lies't im geheimen Buch der Natur, Verfolgt der Geister leise Spur, Und giebt mit prophetischem Munde Von künftigen Dingen oft Kunde. 33 . Ob es Schwarzkunst heiß', ob Zauberei; Sie bleibt dem Glauben der Ahnen: Dem Wodan, dem Thor und der Frei« treu, Den Göttern der alten Germanen. Zwar hat der Pfaffen verfolgende Macht Die Arme dem Wahnsinn nahe gebracht; D'rum übt in ödem Gemäuer Sie scheu die nächtliche Feier. s 18 34. Am Fuße de» Berg'S, wo der prächtige Rhein Fortwälzt die rauschenden Wogen, Steht hehr und heilig ein Eichenhain, Der birgt viel Säulen und Bogen. Sie stammen aus grauer Römerzeit, Ein Tempel war's dem Apoll geweiht. Nun sind eS ernste Ruinen, Die MooS und Epheu umgrünen. 35 . Als Heinz ankommt, da scheint in dem Wald Ein Flämmlein düster zu flimmern; Und aus dem Tempel erschallt'« alsbald Wie dumpfes, klagendes Wimmern. Das Herz von banger Ahnung erfaßt Eilt näher der Bruder mit sorgender Hast; Er dringt durch Stauden und Bäume Hinein in die hallenden Räume. 36 . Sieh! Jrmentrud im Priesterkleid — Was schleppt sie zum Flammenaltare? Ein Jüngling ist'«! — den hält die Maid Mit Wuth am wallenden Haare. Sie legt auf den Herd ihn als Opferthier, Will eben in rasender Mordbegier Mit blitzendem Dolch ihn durchbohren — Sie stoßt — und der Knab ist verloren. 37 . Doch nein, noch wandte den drohenden Sittich Der Mannen kühnster und bester; Heinz sah die Gefahr und warf sogleich In den Arm sich der rasenden Schwester. Wozu, so ruft er, verführt dich die Wuth? Vergießen willst du des Schuldlosen Blut? Verscheuche des Wahnsinns Bilder, Erkenne mich, werde doch milder. so 38 . Sie spricht starrblickend — dumpf und hohl — Mit wildem, grausem Gelächter: Ja! milde — Bruder! — dich kenn' ich wohl. Der Freiheit blöden Verfechter. Dem Wodan hast du das Opfer geraubt, — Es ist das Weib mit dem blutigen Haupt. Ihr Brautkleid ist gewoben, Das Nichtschwert schon erhoben. 39 . Stolz geht sie die nächtlichen Hallen entlang. Und hinter ihr donnert die Pforte. Heinz staunt ob der Schwester Rabengesang, Doch dunkel sind ihm die Worte. Er faßt sich, schaut »ach dem Knaben sodann, Der eben durch ihn dem Messer entrann; Er sieht ohnmächtig den Schönen Am Fuß des Altares lehnen. S1 40 . Und will, da ein ritterlich Kleid ihn umhüllt, Für einen Knappen ihn halten; Allein ein weißer Busen entquillt Des Kollers verschobenen Falten. Ein Wesen, so schön, wie man selten eS sah, Ein Mädchen, ein reizender Engel ist da — Heinz zittert vor Lust und Grauen Kaum darf er den Augen vertrauen. 41 . Jst'S möglich? ruft er und wirst am Altar Sich nieder zu Schwanhild'S Füßen — Jst'S möglich, Geliebte? Dir galt die Gefahr? Dich hab' ich dem Messer entrissen? O Braut! Gottlob, auf schlägt sie den Blick! — Sie lächelt und kennt — wer schildert das Glück? Verstumme du kraftlose Leier! — Erkennt und umarmt den Befreier. — SS 42 . Wer Schwanhild sei mit dem Haar' von Flachs? Mit der Augen schmachtender Bläue? Das Kind mit dem Rosengesichtlein von Wachs? So frag't ihr, und frag't mich auf's neue. Ihr Vater, — doch bitt' ich vorerst um Geduld Ihr Herren seid selbst an dem Abschweis Schuld, — Der Vater ist Wolf von Klingen, Der Thurgaus Volk will bezwingen. 4Z. Der Ritter besaß zwar nah' und fern Viel Dörfer, Hö'f' und Schlösser; Allein es gefiel dem alten Herrn Im Lande nirgend besser. Als auf der waldigen, windigen Höh' Am Fels ob dem Rhein, unweit dem See. Und der Tochter war eS eben, Sonst nirgend möchte fie leben. SS 44 . Wenn Wolf Schach spielet, oder im Schloß Mit zechenden Rittern sich labet, Wenn stolz er hinaus auf stattlichem Roß Zu trauten Nachbarn trabet; Wenn jagend er ferne Wälder durchstreift, Jn's Hifthorn stößt und den Hunden pfeift: Dann wandelt das Fräulein am Rheine Hinauf zum luftigen Haine. 45 . Die klare Flut durchkreuzt der Fisch Mit leichter behender Bewegung; Der singende Vogel im Blütengebüsch Weckt sanfter Gefühle Regung. Herüber vom Ufer plätschert der Kahn, Ein schöner Jüngling landet an. — WaS mag im Dunkel der Buchen Der feurige Heinzo suchen? M -M e;:E: rrL — ich,5 5m> ' rnL S4 46. Das Mädchen hier, der Jüngling dort, Sie fühlen der Liebe Flammen; D'rum kommen am stillen, am schattigen Ort Schier täglich die beiden zusammen. Das Herz sinkt liebend ans liebende Herz Gefühlt wird der Zärtlichkeit Lust und Schmerz. Der Vater — der merkt zur Stunde Noch nichts von dem wonnigen Bunde. 47. Und wenn es der Vater, der eiserne müßt'. Ich will dir nie treulos werden — Nun Lipp' auf Lippe — gekost — geküßt — Vergessen Himmel und Erden. Auf einmal rauscht eS durch Busch und Dorn, Der Vater ist's mit Bogen und Horn — Der flucht — ihm bleibt kein Zweifel — Die Dirn' und den Jungen zum Teufel. SS 48 . Das sittsame Mägdlein — da hab' ich es nun So muß sie der Vater erhäschen! Heraus mein Dolch! — des Buben Thun — Blut muß den Schandfleck waschen. Da kniet die Maid, eS umschlingt ihn ihr Arm, Sie bittet so innig, sie bitten so warm: Wir wolle» die Schuld nicht mindern, Seid Vater! vergebet den Kindern! 49 . Der Ritter spricht mit verbiff'ner Wuth: Mein Weib ist, der Sohn mir gestorben, Die Maid ist des Greises letztes Gut, So leicht wird der Schatz nicht erworben. Mein Eidam wird nur ein Fürstensohn — Wo nicht — so sei sie der Tapferkeit Lohn! — Auf kecker Jüngling beweise Dein Recht auf den höchsten der Preise. s« so. Ein Lindwurm haus't bei Mannenbach, Der Felder und Dörfer verödet; ^ Wohlan! wird der giftige Drach' Don deiner Hand getödet: Dann nimm das Mädchen — es mag dann zieh'n. Mißlingt dir der Kampf und du kannst noch entflieh'». Dann nahe der Burg da nicht wieder — Dich stößt mein Schwert sonst nieder. 51 . Und Schwanhild hört, vor Schrecken bleich, Des Vaters Forderungen; Denn einem Todesurtheil gleich Hat's ihr in's Ohr geklungen. Doch Heinz ist kein Mann, der so bald erschrickt, Er sagt, indem er bescheiden sich bückt: Herr Ritter, ich bring' Euch den Drachen: — Und eilt zurück zum Nachen. 87 52 . Und ehe des Morgens Opferdampf Auswallt vom Alpenkranze, Sprengt Heinz auf dem Mappen hinaus zu dem Kampf, Im Arm die gewaltige Lanze. Blut, Leichen und Knochen — sie weisen ihm schier Den Weg zu dem Ried — dort lagert das Thier, Baumdick, sechsfach geringelt — Dumpf heult es und zischet und züngelt. 53 . Und wagt er den Strauß mit dem Ungethüm, Dann sei er bereit zum Sterben! — Ein guter Engel wacht ob ihm, Der wendet vielleicht sein Verderben. In frommer Kapelle kniet die Braut, Zur Mutter Gottes sie betend schaut, Daß die der Gefahr begegne Und mit Sieg den Geliebten segne. S8 54 . Und Wolf — der steht den ganzen Tag " Am Erker und blickt durch die Scheiben. usuL Neugierig, wie's droben wohl gehen mag, Kann kaum er daheim mehr bleiben. Er schickt den Knecht, schickt zwei, schickt drei: Wer heut durch das Dorf geritten sei? «s » Und ob die Leute nicht wissen, ' ' Daß der Drach' den Reiter zerrissen. 55 . Wohl hat man am Morgen den Jüngling geseh'n, In kriegerisch edler Haltung; Allein es herrscht was weiter gescheh'n, Viel Zweifel im Volk und Spaltung; Des Kampfes Ausgang kennt man nicht. Nur sah man — so meldet der letzte Bericht — Ein reiterloS Pferd in den Saaten — Das Uebrige — laßt sich errathen. — SS 56 . Todt ist er, ihn fraß der Drach' im Sumpf. Kreischt Hände reibend der Ritter. Und doch! was tof't von der Straße so dumpf? Es rauscht um die Burg wie Gewitter. Heinz nah't, — ihm folgt ein Menschenmeer — Des Reiters Busch nickt freudig und hehr — Sechs Männer schleppen den Drachen, Das Aas mit dem scheuslichen Rachen. 57 . Vom Jubel, der laut durch die Lüfte schallt, Tönt Burg und Schloßhof wieder. Heinz legt bescheiden die Schreckensgestalt Vor Wolf, dem Ritter, nieder. Der steht verblüfft und glaubt es kaum — O wär'S doch ein wüster, tückischer Traum! Es wurmt ihm wie Gift in den Rippen, Kein Wort kommt über die Lippen. ' 3 « 58 . Wo ist sie? fragt der Jüngling gedämpft. Das bringt den Alten zum Sprechen: Obgleich du nach Abred' männlich gekämpft, So muß ich mein Wort doch brechen. Ich ehre die That, die du gethan. Mein halbes Vermögen biet' ich dir an, Allein — und galt es mein Leben — Die Tochter, — die kann ich nicht geben. 59 . .Zu groß liegt zwischen uns die Kluft. E-H' will ich in Klostermauern, Will lieber das einzige Kind in der Gruft Mit blutigen Thränen betrauern, Als daß sie mir freie den niedrigen Knecht Und schände der Klingen berühmtes Geschlecht. Heinz schweigt todtbleich — wie von Sinnen — Dann seufzt er und — sprengt von hinnen. 60 . Wo man von Heinz und Schwanhild hört, Wird Vorwurf laut und Tadel. Wer ist, fragt Thurgaus Bürger empört. Wer ist denn der stolze Adel? Ein fremdes Geschlecht, in gesetzloser Zeit Von allen Winden in'S Land geschneit. Des Urvolks Blut und Sitte Lebt hinter dem Pflug', in der Hütte. 61 . Der Mann auf der windigen Höhe steht, Dahin sei Lieb' und Achtung; Und immer wilder wird sein Gemüth Und dunkler des Herzens Umnachtung. Am Landmann läßt er den Unmuth aus, Sein Druck wälzt Kummer auf jedes Hau«. Mit ihm wetteifern an Härten Die Nachbarn all' und Gefährten. 3L 62 . Vom Rhein bis zu Gotthard« Felsenwand Verbinden sich fest die Tirannen; Noch glimmt der Helvezier Geist im Land, Den wollen die Ritter verbannen. Da bricht'S — eS waffnet das Volk sich mit Macht, Die Hochwachtfeuer erglänzen, bei Nacht Wie Märzenfunken, und laden .Zum Kampf an des Rheines Gestaden. 63 . Und Heinz, in tiefer Seele verletzt, Mit Wunden, die ewig nie heilen, Er schließt an die Menschen sich inniger fetzt. Die gleiche Schmach mit ihm theilen. Das Volk der Alpen will er befrei'», Tod will er und Teufel den Rittern sein, Entzückt, wenn die Schwerter rasseln, Wenn in Flammen die Durgen prasseln. 33 64 . Denn Schwanhild war sogar zu schwach Etwa» für den Treuen zu wagen; Des Vaters Bitten gab sie nach Und that dem Geliebten entsagen. Sie riß verzweifelnd sich los von der Welt, Die zwischen zärtliche Herzen sich stellt, Ihr Leben in heiligen Wänden Als Braut des Himmels zu enden. 65 . Ihr Prüfungsjahr hat still und mild Sie durchgeweint im Kloster; Oft kniete sie dort, im Herzen sein Bild, In der Hand das Paternoster; Bis endlich der KriegSdrommete Klang Hinein zu den schüchternen Nonnen drang. Da tritt ein geharnischter Ritter, Der Vater Wolf vor das Gitter. 3 34 66 . Lieb Kind, von der Heimat komm' ich bloß, Mich treiben Kummer und Sorgen; Der Aufstand ist, die Gefahr gar groß, Unsicher der künftige Morgen. Der Landsturm ging durch Berg und Thal, Der Feinde Heer nennt keine Zahl. Der Edlen sind leider nicht viele Und Alles steht auf dem Spiele. 67. Eins will noch versuchen der Herzog Hug Eh's kommt zu der Waffen Entscheidung. § Auf! Schwanhild, auf! umhülle dich klug MK Mit ritterlich männlicher Kleidung; ' Ein Herold des Friedens reitest du Nach Stein, dem Lager des Feindes zu. > Den Hauptmann kannst du, den grimmen, ^ Vielleicht für den Adel noch stimmen. SS 68 . Sie geht, von Lieb' und Hoffnung verklärt, — Kommt wieder — der schönste der Knappen. — Nachdem der Vater sie naher belehrt, Besteigt sie den flüchtigen Rappen. Glückwünschrnd stehen am Klosterthor Die Schwestern und beten zum Himmel empor; Und Kunz, der alte Reiter, Er ist des Knappen Begleiter. 69 . Und geschwind, wie der Wind, durch die Saat und das Laub Enttilen die beiden Gesellen. Wild schnauben die Ross', es erhebt sich der Staub Weithin in kra'uSlichen Wellen. Sie setzen beherzt durch den rauschenden Fluß, Der netzt des Knappen zierlichen Fuß — Dann geht es an Reben und Matten Vorbei in des Eichwald's Schatten. 3« 70 . Halt! tönt es und hemmt gebieterisch Die Beiden im scharfen Trotte. Bewaffnet tritt aus dem dunkeln Gebüsch Hervor die raubende Rotte. Nichts frommt der Friedenszweig in der Hand, Der Heroldstab mit dem Brief am Band. Die spotten des Völkerrechtes, Des Knappen und seines Knechtes. 71. Der goldumlockte Knapp' wird bleich; Kunz aber zieht entschlossen; Sein Schwert versendet Streich an Streich, Das raffelt und prasselt wie Schloffen. Die Glene der Feinde zersplittern wie Glas, Es taumeln, wie Mücken, die Bengel inS Gras. Doch endlich bäumt sich der Schimmel Und Kunz sinkt todt im Getümmel. 37 72 . Und Schwanhild? die floh im wogenden Streit. Lang' lag sie versteckt im Gemäuer, — DiS Jrmentrud um Abendzeit Erschien zu Wodans Feier. Wie Heinz da die Braut mit dem goldenen Haar Von der Schwester erlos't und vom Tod am Altar, Das haben die Herren indessen, Die Frauen gewiß nicht vergessen. - ro. Zweiter Gesang. i. Der Vollmond wandelte klar und rein, Es gössen die labenden Schimmer Sich friedlich hinab auf den Wald am Rhein, Auf des Tempels romantische Trümmer. Da saß in der Hall' an der rauschenden Flut Das Paar bei röthlicher Opferglut, Vom Wiederseh'n noch trunken In ernstes Gespräch schon versunken. 40 2 . Was ist denn, fragt« Heinz die Braut, Der Inhalt deiner Sendung? Was meinen Gesandten sie heut' nicht vertraut, Jst's Täuschung bloß und Blendung? Was will dein Vater? was Herzog Hug? Sie schicken zwar spät, doch früh genug; Wofern ste den Starrsinn brechen Und dem Volk, dem biedern, entsprechen. 3. Mein Vater, fängt das Fräulein an, Läßt warmen Gruß dir melden; Ihn reut, daß er unrecht dir gethan, Versöhnen möcht' er den Helden. Ein Herold des Friedens reitest du. So sprach er, dem Lager des Feindes zu; Den Hauptmann kannst du, den grimmen, Vielleicht für den Adel noch stimmen. 41 4 , Daß kein Betrug im Spiele sei, Um schlau dich zu hintergehen: Daß beid' es redlich meinen und treu — Das kannst du selber da sehen. Sie sagt es und reicht mit freundlichem Sinn Dem Jüngling das zierliche Schreiben hin, Wo zwischen gewaltigen Siegeln Sich goldene Buchstaben spiegeln. 5 . Der nimmt neugierig und schnell den Brief Und tritt an den Herd ihn zu lesen. Bevor er ihn aber zur Hälfte durchlief Erbebt er im innersten Wesen. Denn Wolf verspricht ihm der Tochter Hand, Der Herzog belehnt ihn mit Leut' und Land; Den Drachenbezwinger, den braven, Erhebt er zum mächtigen Grafen. 48 6 . Welch Glück, ruft Heinz, eröffnet sich mir! Doch ist es zu groß für mein Hoffen. Was erwarten die rechnenden Ritter dafür? Sprich, Schwanhild, sprich doch offen! — Beschwichtigen sollst du des Volkes Troß; Beschwören den Strom, der wild sich ergoß. — Das geht nicht, bei'm Gotte der Vater, Dein Heinz wird nie zum Verräther! 7. Der Jungfrau blaues Aug' wird feucht, Tief nachtet der Wehmuth Wolke: Jst's möglich, Heinz ? du opferst so leicht Mich Treue dem störrischen Volke, Das dir mit Undank lohnt wenn du siegst, Mit Fluch dir vergilt, wenn du unterliegst? Dein Herz, sprich! hab' ich's verloren? O wär' ich doch nie geboren? 43 8 . Ihr Jammer des Jünglings Seele rührt, SS kämpft in ihm Himmel und Holle. Ich kann nicht, klagt er, kein Sterblicher führt Den Strom zurück zu der Quelle. Wenn der Adel nicht giebt, was dem Volk gehört Erringt «S morgen sein Recht mit dem Schwert. Laß, Schwanhild, laß doch das Trauern, Ich spreng' auch des Klosters Mauern. 9 . Unglücklicher, nein! du spreng'st sie nicht, Du trägst dein Haupt zum Schaffote! — O Heinz, mein Heinz! aus der Schwachen spricht Des Himmels warnender Böthe. Verschiebe die Schlacht nur um einen Tag, Versuche beim Heer, was dein Wort vermag; Indeß ich des Volkes Rechte Mit Kraft vor dem-Adel verfechte. 44 1V. Nein, Mädchen, es ist bald Mitternacht. Wenn mit Gold sich die Alpen besäumen. Erhebt sich mein Heer zur klirrenden Schlacht, Darf länger die Zeit nicht verträumen. Ich weiß, daß dem Adel Verstärkung naht, Der kleinste Verzug wär' Hochverrath An Volk und Feldherrnpflichten, Streng' würde der Enkel mich richten. 11 . Nun sinkt sie auf's Knie, von Verzweiflung erfaßt, Und fleht mit erhobenen Armen: Und wenn du kein Fünklein von Liebe mehr hast, Ub', eiserner Mann, doch Erbarmen. Dies klopfende Herz — dir geb' ich es bloß, — Erhebe dein Schwert zum tödtlichen Stoß: — Laß, Heinz, von dir mich noch sterben; — Dann geh' — und renn' ins Verderben ! 4S 12. Wer hat, o Weib, wer diese Gewalt Dir über mein Herz gegeben? Du machst mich zur willenlosen Gestalt, Du meisterst mir Seele und Leben. Am Scheidweg steh' ich, am schrecklichen nun — Du zwingst mich die thörichte That zu thun — Ich werd' es später beklagen — Dock dir — was kann ich versagen? 13 . Schon will er — da hört man Tritte im Wald Und Männerstimmen erschallen, — Und Oswald kommt und Ralf alsbald Herein in die heiligen Hallen. Dich, Feldherr, suchten in eiligem Lauf Am Ufer des rauschenden Stromes wir auf, Dir Kunde vom Frevel zu bringen, Den drüben die Junker begingen. 46 14. Man sah, als heute der Abend kam; Am Himmel feurige Säulen; Des Wächters horchendes Ohr vernahm Der Glocken stürmendes Heulen. Weinfelden, Märstetten brennt und Pfin — Wild sprengen die Ritter durchs Thurthal hin, Und wo sie reiten und rennen, Unglückliche Dörfer brennen. 15. Das hat, spricht Heinz zu Schwanhild gekehrt, Der Mordbrand hat entschieden. Das rächen wir morgen mit Feuer und Schwert. Zeuch, Freund, o zeuch im Frieden. buch beiden vertrau' ich den Knappen zur Hut, Ihr haftet, daß Niemand was Leides ihm thut; Ihr reitet mit ihm als Freunde Und bringst ihn zum Lager der Feind«. 47 16 . Er sagt'S und enteilt durch den Säulengang, Der Hort und Rächer der Schwachen; Rasch geht er dem Ufer des Rheines entlang, Im Lager die Kunde zu machen. Nach schaut ihm der Knapp', erblaßt und stumm. Drauf wirft er bewegt den Mantel sich um, Die Thränen barein zu hüllen, Die reichlich die Augen ihm füllen. 17 . Kaum aber sind aus dem Walde die Drei Hinaus ins Freie gekommen, So wird ein lustiger Jubelschrei Vom nahen Gebüsche vernommen. Gin Ritter hinkt, gestutzt auf den Speer, Kunz hinkt, der alte Kunz daher. Der grüßt den Knappen behende Und schüttelt ihm kräftig die Hände. 48 18. Ihr wähnet, es hab' ein lumpichter Schelm Des Kämpen Schädel gespalten; Allein Gott hat und der eiserne Helm Den redlichen Zecher erhalten. — Indessen Ralf und Oswald geh'n Nach Rossen für sich und den Knappen zu seh'», Sagt Kunz, was er heut' erfahren Dem Kind mit den goldenen Haaren. 19 . Als ich betäubt vom Schimmel fiel. So mochten sie todt mich glauben; Die Duben raubten was ihnen gefiel, Doch fanden sie wenig zu rauben; Das Schwert, der Helm und mein Kiiraß — Das war so ziemlich der ganze Spaß. Da lag ich bei meinem Thiere Und streckt« alle Viere. 49 20. Allmahlig erwacht' ich im Mondenschein Und las die fünf Sinne zusammen; Dumpf war mir der Kopf, mich schmerzte das Bein, Im Hals — da brannt eS wie Flammen. Mich quälte schrecklicher Hunger und Durst, Zum Glucke fand ich den Wein und die Wurst, Womit mich heute Morgen Die Nonnen thaten versorgen. 21. Ich saß und aß — und der köstliche Saft — Der schwemmte den Aerger hinunter — Der Schmerz verschwand, bald wuchs die Kraft Und euer Kunz ward munter. So hatt' ich, bevor ich mich dessen versah, Des Guten zu viel, ein Näuschchen beinah' — Je nun! ein kleiner Hieber Ist besser als ein Fieber. 4 5V 22 . Ich rief's hellauf — doch war es gefehlt, Dummdreist im Walde zu pochen; Auch hött' jch's um alle Güter der Welt Zum zweiten Mal' nicht gesprochen. Urplötzlich erschien auf des Felsen Rand Die Jrmentrud im Priestergewand' Und trat, mit dem Roß am .Zaume, Vor die Bilder unter dem Baume. 23 . Sie neigte vor Wodan, Frei« und Thor Das lockige Haupt zu der Erde, Und schichtete still die Scheiter empor Zum Werk auf dem heiligen Herde; Las sinnig im aufgeschlagenen Buch Den Segen dem Volke, dem Adel den Fluch, Und begann mit dumpfem Brummen Die .Zauberlieder zu summen. St 24 . Nun donnert's und wetterleuchtct'S im Thal, ES toset und lüftet und windet, Aus heiterm Himmel schmettert der Strahl Und die Scheiter sind entzündet. Aufbäumt sich der Rapp' vom Blitz geschreckt, Und schnell im Herzen das Messer ihm steckt, Er stöhnt — man sieht ihn fallen Und sterbend im Grase sich wallen. 25 . So sank ein Opfer heidnischer-Wuth Der Gaul, den ihr heut' noch geritten; Hinaus in den Kessel strömte sein Blut, Sein Leib ward aufgeschnitten. Die Priesterin bracht' am Hochaltar Das zappelnde Herz den Göttern dar; Und forschte nach allen Seiten Was die Nornen dem Volke bereiten. SS 26 . Da kommt ein Weib, den gewaltigen Topf In ausgemergelten Händen; Sie weis't auf den blutigen Menschenkopf, Der thut die Augen wenden. In hoher Luft der Rabe krächzt, Von, Baum herab das Käuzlein ächzt — Das währt wohl zwanzig Sekunden, Dann ist das Weib verschwunden. 27 . D'rauf stehen drei Männer am nächtlichen See, Drei Helden im hirtlichen Kleide, Die heben vereint die Händ in die Höh' Zu der Freiheit heiligem Eide. Ein Schütz' mit der Armbrust naht sich stolz, Des Knaben Apfel durchbohrt der Bolz — Der scheint mit frohem Begegnen Der Seherin Blick zu segnen. S3 28 . Die Jungfrau staunt gedankenvoll, Bewegt von mancherlei Meinung, Ob Wohl ihr, ob Weh' verheißen soll Der schwörenden Männer Erscheinung. D'rum mehrt sie des Weihrauchs süßen Duft, Sprengt Blut auf Erde, Wasser und Luft; Und erschließt mit schaurigen Worten DeS Geisterreiches Pforten. 29 . Jetzt regt und bewegt sich das Todtengefild Und Knochen und Schädel sie leben — Geripp' und Schatten und Luftgebild — Halb sieht man sie geh'n, halb schweben. Die Schaaren nah'n von der Erde Grab, Vom Nebel des Sees, von den Wolken herab, Und wollen mit durstigen Blicken .Zum Blut auf dem Herde sich bücken. S4 ZO. Allein der .Zauberin stille Gewalt Bezähmt des Herzens Gelüstung; Bis endlich ein Geist von hoher Gestalt Austritt in prächtiger Rüstung; Mit wallendem Bart und kühnem Gesicht, Im Arm der Keule drohend Gewicht. Dem reicht sie die Schale zum Tränke, D'rauf spricht er mit würdigem Danke: 31. Heil Jungfrau dir! du hast mit dem Blut Den Durst des Helden befriedigt, Der einst an des Lemans Spiegelflut Den Stolz der Römer erniedrigt. Ich bin der alte Diviko, Der Freiheit als Geist und der Schlachten noch froh. Wie gerne möcht' ich hier weilen, Kampf morgen und Sieg mit euch theilen. 32 . Dein Wunsch, sagt Jrmentrud zum Geist, Er soll Gewährung finden; D'rauf mischt sie Salz und Mehl und geußt Da« Blut nach allen Winden; Zieht ring« um den Schatten den bannenden Kreis, Schreibt Zeichen, räuchert, betet leis', Mit seltsamer Weis' und Wendung Und ruft nach des Zaubers Vollendung. 33 . Ihr Geister dort, an euer« Ort! Ihr kennet da« zwingende Zeichen; Das Leben im Wort, es zerrinnet sofort — Ich rief euch — nun heiß' ich euch weichen. — Nur dieser bleibt, er lebt und leibt, Bis wieder der Mond durch die Milchbahn treibt, Er gießt, wenn die Ritter ihn schauen, Entsetzen aus und Grauen. s« 34 . Du aber tauchst, wo der Strom da braus't. Hinab zu de« Rheines Gott«, Der unter den bläulichen Wogen haus't In perlenreicher Grotte, Und hol'st für uns die Rosse beid'. Die drunten grasen auf grüner Heid'; Auch soll uns Hermanns Waffen Der Nixe zur Stelle schaffen. 35 . Der Geist bewegt mit folgsamer Hast Die neubelebten Glieder, Und steigt durch die Flut zum Glaspallast Des Wafferfürsten nieder. Kein Lüftlein weht, eS athmet kein Blatt, Die Schaar der blassen Gestalten hat, Wie der Jungfrau Wort befohlen, Sich still hinweggestohlen. S7 36 . Als Jrmentrud auf des Rheines Lauf Hinstarrt mit erwartenden Blicken; Da taucht ein schöner Jüngling auf, Den Krön' und Zepter schmücken. Der fragt mit der Sehnsucht süßem Schmerz: Wann, Mädchen, bringst du für's liebende Herz Der Gegenliebe Belohnung? Wann kommst du herab zu der Wohnung? . 37 . Der Liebe, versetzt die Jungfrau streng, Wer mochte der Liebe nun achten? Mein Volk ist, Thurgaus Volk im Gedräng', Mich ruft der Gott der Schlachten. Das Opfer weissagt harten Schlag, Weissagt indeß der Freiheit Tag. Gieb, Nixe, zugleich mit den Rossen Des Cheruskers Schwert dem Genossen. S8 Z8. Die Rosse geb' ich, die Waffen gern'. Doch weißt du, sie sind gefehinet. D'rum halte vor Einheers Schwert dich fern', Das ist's, was den Zauber lahmet; Wenn Einheers Schwert im Kampf dich berührt. Dann ist, wer Rosss und Waffen geführt. Dem Wafferkönig verfallen, Cr kommt in des Rheines Hallen. 29 . Der Jüngling spricht'S mit rosigem Mund Und taucht hinab in die Wogen; Bald kommt aus dem räthselreichen Grund Der Geist mit den Rossen geflogen, vr reicht der lockigen Priesterin Des Cheruskers blanke Waffen hin. Der Panzer gehörte Thusnelden, Wir alt« Sagen uns melden. 40 . Das waren euch Waffen! Ich schaute schier Halbblind mich hinter der Hecke. Allein wie die Nase mit heißer Begier Ich durch die Stauden strecke. Da kitzelt ein Halm mich, oder ein Kraut Und ich niest euch drei Mal' überlaut. Zum Glücke jagten die Beiden Just weg durch die nebligen Heiden. 41 . Kunz schweigt hier still. — Doch das liebliche Kind Hat kaum die Hälfte vernommen; — Ach SchwanhildS büst're Gedanke» sind Von Heinz nie weggekommen. Als Ralf daher die Rosse bringt, Kunz hinter Oswalds Rücken sich schwingt, Fangt stärker ihr Aug' an zu rinnen — D'rauf geht es schweigend von hinnen. 60 42. Wie das sich begab am silbernen See, Zur Stunde der blaffen Gespenster, Erglänzten im Schloß auf der windigen Höh' Die buntgemalten Fenster. Dort saßen die Ritter im gothischen Saal Vor dampfenden Speisen und vollem Pokal, Und ließen durch Burg und Hallen Die fröhlichen Lieder erschallen. 4Z. Dem Herzog schmeckte der Traube Blut, Aufhob er den goldenen Becher- Ihr Herren! ich bring' es den Rittern gut, Dem Sieg der edlen ..Zecher! Und stürmisch trinken die Junker auS: Hoch lebe der Herzog! hoch sein HauS! Dem Landvolk Schmach und Verderben! Heinz soll — der Rebelle soll sterben. Ü1 44 . Abt Gerhard ruft's, Abt Adelbert Von Nheinau ruft's erbittert; Der Truchsefi schlägt auf den Tisch das Schwert, Daß Schüssel und Humpen erzittert. Wolf schweigt, der Vater, mit düsterem Blick, Ach Schwanhild ist, sein Kind nicht zurück — Jetzt würd' er, könnte man's wenden, Die Tochter nimmer entsenden. 45 . LanghanS, der Diener kommt und raunt Jn's Ohr ihm verhaßte Kunde; Und Wolf entgegnet übel gelaunt: Was will er in dieser Stunde? Ihr Herren, spricht er zum zechenden Chor: Mein alter Feind steht draußen am Thor; Auch will bewaffnete Schaaren Der Pförtner vom Thurme gewahren. «s 46 . Das hat, sagt Münz der Graf, noch gefehlt, Zwietracht und Spaltung im Adel; Den Buben, der treulos zum Pöbel hält, Ihn treffe blutiger Tadel! Auf! Bruder! die Schwerter, die Lanzen zur Hand, Hinaus auf des Grabens felsigen Rand! Die Wichte, die tückisch sich nahen, Wir wollen sie tüchtig empfahen. 47 . Erstaunen, Verachtung, Wuth und Trotz Durchzuckt die männlichen Herzen — ' Da öffnet die Thür sich und Adelgotz Durchschreitet im Schimmer der Kerzen Die drohenden Reihen in furchtloser Ruh', Er schreitet auf Wolf von Klingen zu Und spricht mit freundlicher Weise Zum finster blickenden Greise: 63 48 . Es "war, Herr Nachbar, Jahr und Tag Viel Hader zwischen uns beiden; Wer Recht, wer Unrecht habe — das mag In Minne der Richter entscheiden. Jetzt ist nicht Zeit zu Zank und Groll, Der Strom, der über die Ufer schwoll — Er will mit dem Wolf von Klingen Zugleich den Adel verschlingen. 49 . Und hab' ich die Wahrheit früher verkannt, So kann ich es nur bedauern; Der Aufstand ist auch drüben entbrannt, Wild braust er um ThurbergS Mauern. Drum komm' ich und dort mein Frennd von der Murg, Der tapfere Graf von Toggenburg. Wir bieten euch Hilfe zum Streite — Am Thor steh'n unsere Leute. «4 50. Als Adelgotz das Wort vollbracht, Erschallet unendliche Freude; Das klatschet und toset, das sauchzt und lacht — Man herzt und umarmt sie beide. D'rauf holt man die Ritter vom Thor herein; Der goldene, zornauSso'hnende Wein — Er sprudelt in reichlichen Bächen Und von neuem beginnt das Zechen. 51. Graf Kiburg fragt den Eberhard: Wo bleibt der liebliche Sänger? Gieb einen G^uß weißlockiger Ward', Verspätt die Lust nicht länger. Der lächelt und stimmt die goldene Harf' — Prüft manchen Akkord — blickt sinnig und scharf — Dann singt er in bebende Saiten Das Lied vergangener Zeiten. K5 52 . Wer kommt, im Auge männlichen Trotz, Gerad und schlank wie die Tanne? Heil sing' ich dem Helden, dem Adelgotz', Dem stattlich gewappneten Manne! Bist Einheers ruhmbekrä'nzter Sohn, Im Ahnherrn schaut man den Enkel schon; Stets sind von den Alten die Jungen, Don Löwen die Löwen entsprungen. 53 . Mit Krön' und Zepter und Purpurornat, Die Stirn' voll düsterer Falten, Saß Kaiser Karl, um Gericht und Rath Mit seinen Großen zu halten. Ihn quälte der lange, der endlose Krieg ; Denn immer war nach jedem Sieg Ein frisches Heer der Sachsen Gleichsam dem Boden entwachsen. s 6 « 54 . Aufs neue durchzeucht der Wittekind Mein Reich mit Sengen und Morden; Viel Franken und fromme Christen sind Des Wodans Opfer geworden. Am Herzen liegt mir der Krone Ruhm , Vertilgen will ich das Heidenthum. D'rum möcht' ich, ihr lieben Getreuen, Mich eueres Rathes erfreuen. 55 . Der Kaiser sprach'» — da begann im Ring Die ernste Frage zu wandern, Und jeder der Herren wollte das Ding Weit besser versteh'» als die ander». Zuletzt wie vorüber die Umfrag' war, Dedünkt es den guten Kaiser gar, Er habe viel Redner vernommen, Rath aber von Keinem bekommen. «7 56 . Unwillig sah er hin und her, — Nun saß Graf Ulrich im Winkel, Der schwieg, wie der Fels im tobenden Meer, Bei der Herren lärmendem Dunkel. Was schaut der Bruder der Hildegart So still hinab auf den Silberbart? Mißfällt ihm die lange Betrachtung? Jft'S Mangel an Rath? ist's Verachtung? 57 . Herr Kaiser, ihr wiß't, mir gebricht die Kunst, Nach zierlicher Weise zu plaudern; Befehlet ihr's aber, so will ich mit Gunst Zum Reden nicht furchtsam zaudern. Bedürft' es in Sachen nur Weisheit und Macht, Längst hättet ihr rühmlich das Werk vollbracht. Allein der Fürst des Bösen, Der treibt dabei sein Wesen. 68 58 . Das Buch der weisen Sibille lehrt, SS werd' in der Sachsen Landen Nicht wurzeln das Kreuz, bis Wodans Schwert Gelangt zu der Christen Handen. Laßt also zum Harzgebirge hin Den kühnsten der Ritter des Heeres zieh'n; Ob ihm es möge gelingen Da« Schwert zur Stelle zu bringen. 59 . Den Kaiser scheint der Rath zu freu'n, D'rum wird er von Allen gepriesen; Den Ritter Cinheer ruft man herein (Mann nennt ihn nur Thurgaus Riesen) Der hört den Auftrag freudig und spricht: Des Kaisers Befehl ist mein- Pflicht. D'rauf sattelt er ohne Säumniß Und reitet im tiefsten Geheimniß. «!> 6V. Nachdem er am Weg' in der nächsten Kapell' Die Sünden dem Priester gebeichtet Und aus des Kessels geweihtem Quell' Sich Schwert und Lanze befeuchtet. So trab't drei Tage der stattliche Held Durch Dorf und Stadt, durch Wiest und Feld, Bis er auf felsiger Halde Ein Schloß bemerkt ob dem Walde. 61 . Es drau't schwarzgrau, wie von Schmieden erbaut, Hinab auf des Thales Krümmung; Der Wanderer bebt, der'S fernher schaut — Doch ist's des Ritters Bestimmung. Der .Zauberer Grinzo wohnt alldort Und wahr't des Schwertes köstlichen Hort, Für den, als Karl ihn gesendet. Der Ritter die Ehre verpfändet. 70 62 . Da Einheer kaum im Wald anlangt Beginnt sein Roß zu keuchen, Spitzt rasch die Ohren, zittert und bangt Und will von der Stelle nicht weichen. Unheimliches ist dem Thiere genaht — Dort steht's — «in Gebild wie Goliath — Haushoch, mit grimmem Gesichte, Schwingt wild die entwurzelte Fichte. 6Z. Was willst du hier, verwegener Christ? .Zum Schlöffe schickt mich der Kaiser. — Ich weiß, warum du gekommen bist! Schreit Jener vor Wuth ganz heiser — D'rum kehre sogleich vom Walde zurück, Sonst bricht die Keule dir Hals und Genick — Dein Fleisch wird trefflich den Hunden, Den Vögeln des Waldes hier munden. 71 64 . Der Ritter springt vorn Roß' und greift Zum Spieß in entschlossener Eile; Der Kampf hebt an — durch die Lüfte pfeift Des Unhold'S drohende Keule. Der Ritter versetzt ihm manchen Stoß — Schwerfällig wehrt sich der plumpe Koloß — Er hagelt und hackt, wie der Blinde, Und trifft die spottenden Winde. 65 . Weit holt er nun aus und schlägt mit Macht — Und fehlt des Gegners wieder — Sinkt vorwärts — rechts — links — taumelt und kracht Laut prasselnd zur Erde nieder. Rasch springt der Ritter ihm auf die Brust, Und will in des Sieges wilder Lust Dem ungeformten Thoren Das zottige Herz durchbohren. 7S 66 . Allein der Riese, auf welchem er kniet, Urplötzlich wird er zum Drachen; Ein giftig qualmendes Feuer sprüh't Aus zahnumschirmtem Rachen. Der Ritter stutzt — doch wird ihm nicht bang' — Er umschlingt mit nervigem Arme die Schlang', Und will durch heftiges Drücken Das zischende Scheusal ersticken. 67. Schwer stöhnt der Drache, des OdemS beraubt, Auslischt das giftige Feuer; Allein wie der Held ihn erdrosselt glaubt. So wird er zum Lämmergeier. Der fliegt in stolzer siegender Ruh Hoch über die Erde den Wolken zu; — Dort will er durch mächtiges Rütteln Den Jüngling vom Nacken sich schütteln. 73 68 . Allein der kecke Reiter läßt Sich nicht zum Abgrund senden; Er schließt die Knie, hält stärker und preßt Den Vogel mit würgenden Händen. Dem wird es endlich allmählig genug, Er schwebt, wie die Krähe, mit niedrigem Flug — Und sinkt erschöpft aus den Lüften, Halbtodt hinab auf die Triften. 69 . Nun zeigt in seiner wahren Gestalt Der Zauberer sich vom Brocken; Ein winziges Männlein, schwach und alt, Beginnt er und sagt erschrocken: Du bist der Erste, dem Grinzo erlag, Der Erste, bei dem die Kunst nichts vermag. Was forderst du wohl für'mein Leben's Ich will es, o Fremdling, dir geben. 74 7V. Du giebst mir, versetzt er, Wodans Schwert; Und hält ihn noch immer am Kragen. Da« wird, spricht Jener, dir nicht gewährt, Die strengen Nornen sagen: Wenn Thor ein Heer nach dem Brocken schickt, ^in Heer, das ein Kopf und ein Helm nur schmückt, Dann ist die Stunde gekommen, Und das Schwert — es wird euch genommen. 7t. Gieb Alter da« Schwert: du gehorchest dann nur Der Sterne gebietendem Laufe. Ich komme herbei von der rauschenden Thür Und Einheer hieß mich die Taufe. Das klingt dem Greise wie tödtlicher Fluch, Doch beugt er sich stumm vor der Nornen Spruch, Und führt den Mann mit dem Rosse Gelassen hinauf zu dem Schlosse. 7S 72. Dort weilt der Ritter drei Tage sodann, Bewirthet mit gastlichen Ehren; Gern möcht' er den irrenden, heidnischen Mann Zum Shristenthume bekehren, Noch stärker hält ihn der schmachtende Blick Der lieblichen rosigen Tochter zurück — Ihm hat von den Mädchen allen Noch kein'S, wie Thuiska gefallen. 7Z. Am dritten Tag, wie die Sonne sinkt Mit sanft auslöschendem Golde, Hinaus vor das Thor die Jungfrau winkt, Lustwandelnd warnt ihn die Holde: Des Vaters Seele gleicht der Nacht, Verderben hat er und Tod dir erdacht; Er rief befreundete Horden, Noch heute dich treulos zu morden. -6 ' 74 . Dein Wort vom Kreuz — es hat mich gerührt, So wollt' es das göttliche Walten. Nimm also das Schwert, das den Christen gebührt, Doch räche dich nicht am Alten. — Und liebend umschlingt sie der Mann von der Thür, Ein Kuß besiegelt der Treue Schwur. — Jetzt Liebster laß uns eilen, Will Freud' und Leid mit dir theilen. 75 . Sie steigen hinab von des Schlosses Höh'n, — Und Grinzo steht auf der Lauer, Dem ahnet was zwischen den Beiden gescheh'n. (Kr brüllt wie der Leu von der Mauer; Weissagt dem Ritter Schimpf und Schmach, Schickt schrecklichen Wunsch der Tochter nach — D'rauf kommen vom schwirrenden Bogen Befiederte Pfeile geflogen. 77 76 . Und ach! — ein Pfeil des Vaters steckt In Tm'skaS liebendem Herzen; — Ihr schneeiger Busen, von Blut befleckt, (Erliegt den heftigen Schmerzen. Zerknickt, wie die Blum' am nutzlosen Stab, Bleich hangt ihr Haupt auf die Schulter hinab. Und der Ritter — ein Bild zum Erbarmen — Todt halt er die Braut in den Armen. 77 . Der Heide siehtS — und lacht und flucht Den Menschen allen, den Göttern — Springt wüthend hinunter zur Felsenschlucht, Wo Schädel und Brust ihm zerschmettern. Weg eilt der Ritter von Grausen erfaßt, Er reitet, im Arm' die geliebte Last, Und läßt in des Friedhofs Schatten Im Thurgau fromm sie bestatten. 78 78. Dann tritt er hinein in der Fürsten Kreis, Zum Kaiser, der ihn gesendet; Nennt traurig und dumpf den köstlichen Preis, Um den er die Sendung vollendet. Karl giebt ihm zum Lohn das errungene Schwert, Lang' führt es der Held des Gebers werth — So ist das Kreuz bei den Sachsen .Zum segnenden Baum erwachsen. 79. Wer kommt nun, im Auge mannlichen Trotz, Gerad' und schlank wie die Tanne? Heil sing' ich dem Helden, dem Adelgotz, Dem stattlich gewappneten Manne! Bist Einhccrs ruhmbekränzter Sohn, Im Ahnherrn schaut man den Enkel schon; Stets sind von den Alten die Jungen, Von- Löwen die Löwen entsprungen. 79 80 . So sang der greise Eberhard Die Sage vergangener Zeiten; Schon hat sie geendigt der liebliche Ward' Und Alle» lauscht noch den Saiten. Doch endlich bricht durch'S ganze Haus Ein lauter, schallender Jubel auS: Der gilt dem Sänger, dem besten, Und gilt den gefeierten Gästen. 81 . Und Jeder lobt, was Thuieka gethan, Was Einheer kühn vollführet; Und Jeder schaut das Schlachtschwert an, Das jetzt den Enkel zieret. Da raunt Langhaus dem Herrn in's Ohr: Kunz komme, Schwanhild eben durch'S Thor. Hinaus geht Wolf von Klingen, „Zu seh'n, was die Beiden ihm bringen. Dritter Gesang. i. Ich habe, sprach vom gold'nen Thron Der Schöpfer aller Wesen, O Mensch, dich mir zn meinem Sohn Und Ebenbild erlesen; Ich haucht« meinen Geist dir ein, Der soll gleich mir unsterblich sein; Bewahr' ihn ohne Tadel; Die Menschheit sei dein Adel. 83 2 . Wie nun der Aar die Sonn' umkreis't Mit suchender Begierde, Schwingt himmelan sich auch sein Geist, Froh seiner Menschenwürde. Er jauchzt empor zum Sternenzelt: Mein Herr ist dort, der Herr der Welt; Ich diene keinem andern, Will frei durch's Leben wandern. 3 . Weh'! dreifach Weh'! dein Bösewicht, Der dieser Würde lachet, Durch seiner Ketten Fluchgewicht Zum Thier den Menschen machet. Weh'! dreifach Weh'! dem Volk, das tragt, Was Stolz, was Herrschsucht auferlegt ; Es werden sein Verderben Schuldlose Enkel erben. 8g 4 . Wer für sein Recht den Tod nicht scheut, Den lohnt des Sieges Sonne; Wer sterbend seinen Sohn befreit, Dem ist das Sterben Wonne. Mag selbst die Freiheit untergeh'n, Der Kampf für sie glänzt göttlich schön; Wo Freiheitshelden liegen Keimt Saat zu neuen Siegen. 5 . Wohlauf, mein Volk! auf Lö'wenschaar, Das Hochland zu befreien! Der stets der Unschuld Helfer war, Gott kämpft in deinen Reihen. Wirf, Thurgau, deine Ketten ab! Sieg sei dein Wahlspruch oder Grab! Wir wollen frei aus Erden, Wo nicht — frei jenseits werden. 84 . 6 . So redete Chorsang feierlich, Steins gotterfüllter Priester; — Und stolzer erhoben die Krieger sich, Sie schauten trotzig und düster. Die Heerschaar gleich dem wogenden Meer, In der Sonne blitzte Speer an Speer, Wie wenn im Frühling die Reben An Stäben sich zahllos erheben. 7. Geklirr' und Gejauchz' durchdrang die Luft Weithin zum waldigen Randen; Wie der Prister auch sich mühet und ruft, Sein Wort wird nimmer verstanden. D'rum weis't er hin auf die Alpen der Schweiz, Streckt hoch den sterbenden Heiland am Kreuz Den muthigen Schaaren entgegen, Und giebt zum Kampfe den Segen. 8S 8 . Bevor er jedoch das Heer geweiht, Sprengt Jrmentrud von bannen; Den nächtlichen Reiter an ihrer Seit' — Es kennt ihn Keiner der Mannen. So sieht zwei Wolken der Landmann oft. Er zweifelt — indem er fürchtet und hofft, Ob sanften Regen sie spenden, Ob Blitz und Hagel sie senden. S. Auflöst sich das wogende Heer alsbald, Es thut in drei mächtige Säulen Der endlos starrende Lanzenwald Sich wetterschnell zertheilen. Dem Rhein entlang, nach dem Kloster hin Die waffenkundigen Züricher zieh'n; Die führt mit stürmischem Feuer Der jugendlich blühende Meier. 86 10 . Und Attinghaus, der stattliche Held, Er braus't mit dem linken Flügel, Wie der Wind hinab durch das Weizenfeld Zum rebenbekränzten Hügel. Dumpf brüllt von Uri der schreckliche Stier, Der Schwyzer jauchzt voll Kampfbegier; Und die zackigen Morgensterne Erglänzen und schrecken von ferne. 11. Das Volk, das am Walbstrom haus't, an der Thür, Das stolz auf dem SäntiS thronet, Das Volk, das auf baumbeschatteter Flur DaS schwäbische Meer umwohnet — Heinz selber führt das Volk dort an; Rüd trägt der Freiheit flatternde Fahn', Auf welcher zwei springende Leuen . / Des nahenden Kampfes sich freuen. r 87 12 . So weidet mit wildem, mit fliegendem Haar DeS Sturmes heulender Riese Der Wellenschafe scheeige Schaar Auf des See'S dunkler Wiese; Und wirft das entgegenstrebende Schiff Auf die Sandbank hin und das Felsenriff, Wo über den schwimmenden Trümmern Die Geister seufzen und wimmern. 13 . Wo die Schwarzach rinnt in des Rheines Flut, Da steh'n die geharnischten Ritter Und harren mit kaum zu bezähmendem Muth Auf des Kampfes nahend Gewitter. Ott hatt-, des Herzogs Sohn, in der Nacht Zwei tausend Helme zum Heere gebracht; Er war zu des Adels Frommen Aus Rom herüber gekommen. 88 14 . Sobald ob deü Sä'ntis rosigem Schnee Der sunge Tag ergraute Und die Sonn' im spiegelhellen See Ihr güldenes Antlitz schaute: Versammelten sich die Junker schon, Der Herzog Hug — und sein wackerer Sohn Durchritten das Heer der Vasallen Und ließen die Losung erschallen. 15 . Auch knieten, «he der Kampf begann, Mit edler Weis' und Gebilde Der Jünglinge viele.vor Wolf sodann, Dem greisen Ritter zur Erde. Der gab mit dem Schwert den Ritterschlag Und mahnte, daß Alle am heißen Tag, Der heute dem Adel erschienen', Die Spornen sich redlich verdienen. 89 16 . Und rasch vor das Heer ein Reiter lenkt, — Sein Roß vergleich' ich dem Blitze, — Ein Herold ist'S, der neigt sich und schwenkt Die federumwallte Mütze. Der schickt die eisernen Schaaren entlang Drei Mal der Posaune weckenden Klang, Als galt es zum Weltgerichte; D'rauf spricht er mit frohem Gesichte. 17 . Wer heute den Mann, der den Adel bedroht, Wer Heinz, den frechen Rebellen, Wer das Scheusal, lebendig oder todt, Dem Wolf von Klingen wird stellen: Zum Eidam wählt ihn dankend der Greis, — Die schöne Schwanhild sei sein Preis! Das soll ich, ihr jungen Helden, Im Namen beS Ritters vermelden. s«r 18 . Ein schallender, hallender Jubel begrüßt Des Herolds freudige Kunde; Des Vaters, des Fräuleins Lob ergießt Sich warm von jeglichem Munde. Da zeigt sich der Feinde wogendes Heer — Kein Jüngling halt, kein Ritter sich mehr — Gewagt heißt halb schon gewonnen — Und die Schlacht — nun hat sie begonnen. 19 . In starker Hand der Bogen schwirrt. Dicht regnen die leichten Geschosse; Die Keule donnert, das Schlachtschwert klirrt, Wild stampfen und wiehern die Rosse. Den Verwundeten quetscht der zermalmende Huf, Wehklage wechselt mit WuthauSruf — Heerschaaren fallen wie Blätter Im tobenden, tosenden Wetter. St 20. Ein Speer durchbohrt den Attinghaus: Die redlichen Urner erbleichen; Und sterbend streckt stch Meier aus Auf der Garbe feindlicher Leichen. Die Flügel werden zurückgedrängt, Des Heeres Mitte fühlt stch beengt; Es scheint das Gluck für heute Nicht auf des Volkes Seite. 21 . Abt Adelbert haut sich tapfer die Bahn, Ihm folgt der Abt von Sankt Gallen, Um sinkt im Gewühle Thurgaus Fahn' — Rüd ist mit den Söhnen gefallen. Heinz faßt die Fahne mit kräftiger Hand: Hier Freiheit, ruft er, und Vaterland! Und schwingt die springenden Leuen Hoch über den kämpfenden Reihen. SS 22 . Den Ritter Diethelm schickt sein Schwert Hinab zu des Todes Wohnung; Dem Abte giebt er, dem Adelbert Die langst verdiente Belohnung. Er fährt auf ihn los, wie der göttliche Strahl, Stößt tief in den Hals -ihm den kalten Stahl; Und fluchend — aus blutender Kehle — Entfleucht des Priesters Seele. 2Z. Und Jrmentrud, die Reiterin, Sie kämpft, wie der Bruder, entschlossen; Heinz reicht ihr das seidene Banner hin, Sie gibt es dem tapfern Genossen. Und Bruder und Schwester morden sodann, Was glücklich bis jetzt dem Verderben entrann, Nichts schirmt vor ihren Streichen, Es thürmen sich Leichen auf Leichen. 93 24 . Sieh Divikos Schatten! — ein blasses Gebild Mit starren, gläsernen Blicken — Es schwenkt die Fahne drohend und wild, Jolt dumpf, mit grausem Entzücken. Entsetzen packt, wer dem Jolen lauscht, Und aus der wehenden Fahne rauscht Ein Etwas, das Niemand kennet, Ein Grauen, das Keiner nennet. 25 . Die.Züricher rücken, die Urner vor! Sagt Wolf mit steigendem Bangen; Und horch! schon ruft'S aus dem Hausen empor; Flieh't, Ritter, wir werden umgangen! Sie flieh'n, sie flieh'n in Verwirrung und Schmach, Rastlos jagt Heinz mit den Freunden nach. Spieß, Schwert und Keule zermalmen Die eisernen Herren wie Halmen. »4 26 . Heinz will dem Ritter, der eben dort kniet, Voll Wuth den Schädel spalten. Allein wie er näher in'S Aug' ihm sieht, Erkennt er Kunz, den Alten. Haut', schreit der Kämpe furchtlos und laut, Doch rettet das Mädchen, die rosige Braut! Ob Schwanhild schlagen die Flammen In wenig Sekunden zusammen. 27 . Ist Schwanhild nicht auf der windigen Höh' Sie weilt in des Klosters Mauer. DeS Feldherrn Antlitz färbt sich wie Schnee, Ihn faßt der Verzweiflung Schauer. Auf's Kloster ein einziger, flüchtiger Blick Gießt Gift, gießt Tod in sein werdendes Glück. Er sieht an allen vier Ecken Die gierigen Flammen lecken. SS 28 . Wohl hatte Heinz am Morgen gewarnt. Daß Keiner am Stift sich vergreife, Auf's Heer, von Lust und Wuth umgarnt, Den Zorn des Himmels häufe. Allein als ein Ritterschwarm auf der Flucht Jn'S Kloster sich zu retten gesucht; Vergaß man des Feldherrn Worte Und legte den Brand an die Pforte. 29 . Nimm Ralf, ruft Heinz, die Schaaren hier Verfolge die fliehenden Feinde! Ihr Andern aber folget mir! Seid menschliche Krieger, ihr Freunde! Auf! mach't der Genossen Wahnsinn gut, Entreißet die frommen Schwestern der Glut; Daß unsere reinen Hände Der gräßliche Frevel nicht schände, »g ZO. Und freudig gehorcht die wackere Schaar, Zum Retten bereit, wie zum Schlagen, Die armen Wesen mit eig'ner Gefahr Aus dem brennenden Hause zu tragen. Der Hauptmann eilt den Gefährten voran, Er dringt durch der Hallen verschlungene Bahn' Durch der Flammen wehrende Welle Zur wohlbekannten .Zelle. Z1. Das prasselt und kracht, vom Winde gesucht, Grell zischen die feurigen Zungen; D'rauf kommen behend aus des Rauches Nacht Die zagenden Nonnen gesprungen. Die Männer, im Kampfe so schrecklich, so hart, Sie tragen im Arme die Mägdlein zart Und suchen das schwindende Leben Den Erblaßten zurück zu geben. V7 Z2. Sind Alle da? belehrt uns doch, Wie viele der Schwestern es waren. Der Hauptmann nur, der fehlt un« noch Und das Kind mit den goldenen Haaren. Was säumt wohl unser Heinz so lang? Der hat sich verirrt im Bogengang; Er kann, wo die Treppen sich winden, Den Ausweg kann er nicht finden. ZZ. Doch nein! — er lebt! — dort kommt er auch, (Stets muß ihm das Große gelingen) Durch fallende Balken, durch Feuer und Rauch, Im Arme das Fräulein von Klingen. So hat er die Braut zum zweiten Mal Befreit von des Todes bitterer Qual! — Wer wird den Schatz ihm, den hehren, Wohl weiter weigern und wehren? 7 98 34. O Heil dir, du holdes, du bleiches Gesicht, Erlös't aus dem höllischen Ofen! — Allein — das ist ja Schwanhilb nicht! — Das ist ja eine der .Zofen! — Unglücklicher Mann, du hast dich geirrt, Rauch hat und Angst dir das Auge verwirrt: Die Fremde hast du gerettet, Die Braut liegt im Feuer gebettet. 35. Heinz blickt auf die.Zofe starr und stumm, Kaum traut er den eigenen Sinnen; Und plötzlich dreht er entschlossen sich um, Bevor die Sekunden zerrinnen. Rasch will er zurück in den feurigen Pfuhl, Da stürzt des Daches krachender Stuhl; ES stürzt in Schutt und Flammen Das ganze Gebälk zusammen. »s 36 . Treibt Satan hier sein schreckliches Spiel? Jst's wahr? ist Schwanhild verloren? Ha! konnte kein Speer im Schlachtgewühl Den Aermsten der Menschen durchbohren? Und eh' ihm das Wort entflohen ist, Wird Heinz von hundert Stimmen begrüßt: Auf! Hauptmann! die Feinde siegen! — Auf! Auf! das Volk will erliegen. 37 . Wem Gott des Landes Freiheit und Glück AlS Tagwerk zugemessen, Der darf nicht einen Augenblick Des hohen VerufeS vergessen. Der Völker Schicksal hängt fürwahr An's Nichts befestigt mit dünnem Haar; Oft straft sich das Versehen So hart wie das Vergehen. lMI 38 . Anfänglich scheuchte Ralf den Feind Weithin durch die blutigen Auen; Die Priesterin goß und ihr seltsamer Freund Entsetzen aus und Grauen. So braus't der Nordwind her von dem See, Treibt Nebel und Wolken hinweg von der Höh', Daß rosig ob blumigen Thalen Am Abend die Gletscher sich malen. 39 . Mit Adelgotz hat Eberhard Auf der Flucht sich zusammen gefunden; Nur langsam ritt der greise Ward', Ihm waren die Kräfte geschwunden. .Zuletzt da er nimmer im Sattel sich hält Und unter das treue Schlachtroß fällt, Beginnt er in bittendem Tone Und spricht zu Einheers Sohne: 40. Aus tiefer Wunde strömt mein Blut — Ich muß hier liegen bleiben; Bald wird der Buben wilde Wuth Den Spott mit den Sterbenden treiben. Das kümmert mich mehr, denn deS Todes Schmerz; Stoß't Ritter darum mir das Schwert in'S Herz, Vor dem Höhne frecher Barbaren Den redlichen Mann zu bewahren. 41. Mag auch, entgegnet Adelgotz, Heut' unser Stern erblassen; Den Siegern biet' ich, den Sklaven Trotz, Ich werde den Freund nicht verlassen. Noch führ' ich das Schwert mit starkem Arm, Abtreib' ich von euch den verhaßten Schwärm; Und fall' ich im rühmlichen Streite, Gern' sterb' ich an euerer Seite. IOS 42 . Fort! warnt der Sänger, fort vom Gefecht An mir ist nichts zu erhalten. Auf euch baut hoffend ein edles Geschlecht, Gedenket der Mutter, der alten; Geht, sagt der Jüngling, mein Tod ihr nah', So schmerzt ste doch tiefer, was heute geschah. D'rum will ich das Brandmal eben DeS Adels nicht überleben. 43 . Er spricht'«, da naht die Jungfrau sich Mit Thurgaus rüstigen Söhnen; Der Fahnderich jauchzet fürchterlich, In geisterhaften Tönen. Die Streiche der Reiterin fallen schwer Auf Panzer und Helm des Jünglings her, Doch will es ihr nicht gelingen, Das mächtige Erz zu durchdringen. 103 44. Die Streiche giebt Adelgotz zurück, Sie fallen wie zuckende Blitze; — Laß't sehen, ruft er, ob besseres Glück Nicht meine Klinge besitze. Es ist das Schwert, das EinheerS Hand Am Brocken dem Zauberer Grinzo entwand; Laß't sehen, was heute dagegen Die Waffen der Weiber vermögen. 45. Er schlagt zugleich mit dem höhnenden Wort Das Weib und des Weibes Genossen. Allein, was schaut mein Auge dort? Was wird aus.den stattlichen Rossen? Sie rauchen wie Dampf in die Luft empor, Der Reiter zerfließt wie Nebelflor! — Schwert, Panzer — sie brennen wie Zunder — Das nenn' ich ein seltsames Wunder. 1«4 46. Jetzt wäre Verderben von EinheerS Schwert Für Jrmentrud gekommen, Wofern sie des Nixen Ring nicht verkehrt In den rosigen Mund genommen. Der macht, begünstigt vom qualmenden Dampf, Daß sie hinweg aus dem schrecklichen Kamps ' Als Nebelstreifen gleitet Und die Reihen der Männer durchschreitet. 47. . Seh't, brüllt der Ritter, den fliehenden Dunst! Das war des Teufels Segen. Ihr habet mit Satans schwarzer Kunst Vorhin uns obgelegen. D'rauf dringt er ergrimmt in die Schaaren ein, Er mähet wie Gras die staunenden Reih'n, Und hundert Schuldlose müssen Der Jungfrau Fehle« büßen. I0S 48 . Wer in des Guten, des Göttlichen Dienst Mit bösen Mitteln will nützen, Er schafft der Sache schlimmen Gewinnst, Er baut auf zerbrüchliche Stützen. Sinkt krachend das Faule beim feindlichen Stop, Wird auch, was gut ist, edel und groß, Verdächtig im Auge des Thoren, Und Alles ist. Alles verloren. 49 . Die Helden Thurgaus stehen beschämt, An sich selber werden sie irre; Ihr nerviger Arm scheint plötzlich gelähmt, ES mehr't sich, es wächs't das Gewirre. Die Ritter sie sammeln, sie ordnen sich schnell, Sie kommen, sie rauschen Well' auf Well' — Ach! Thurgau flieht mit Grauen Zurück durch die blutigen Auen. 1US 50 . Umsonst wirft Heinz sich mit flammendem .Zorn Entgegen dem Schwalle der Mannen. Kein Flehen vermag, kein Tadel, kein Sporn Die Sinnlosen fest zu bannen. Fort wälzt sich Alle» in wilder Flucht, Es fällt, wer zu halten, zu kämpfen versucht — Des Adel» Sieg ist vollendet — Und die Freiheit — sie hat geendet. Vierter Gesang i. Den Mann verehr' ich, der für Licht Und Freiheit kühn gerungen. Allein so denkt der Pöbel nicht, Er lobt den Frevel, der gelungen. Dem Glück, dem Sieger ist er hold, Bewundert dumpf der Ketten Gold, Und zieht mit kindischem Behagen Des Völkerwürgers Wagen. 108 2 . Zwar wird auch von Timoleon Mit Ehrfurcht stets gesprochen; Sie preisen Teil und Washington, Die kühn das Joch zerbrochen. Was macht's? Warum wohl steigt der Duft Des Weihrauch'» preisend in die Luft? Weil sie das Glück umglänzte, DeS Siege» Hand sie kränzte. z. Dem Helden, dem der Kampf mißlang, Bleibt nicht» als sein Gewissen; Zum Hochgerichte führt sein Gang, Sein edles Blut muß fließen. Ein Mörder heißt alsdann der Tell, Held Winkelried nur ein Rebell; Die Schmach wird ihn begraben. Kein Lied den Schatten laben. 10 » 4 . So ward, o Heinz, auch über dir Der Schleier der .Zeit gewoben; Du hast zuerst der Freiheit Panier Im Lande der Alpen erhoben. Doch kennt dich kaum noch Helvetias Sohn, Dir klang kein Lied noch, kein dankender Ton; Es ward zum begeisterten Streben Dir, leider! der Sieg nicht gegeben. 5 . Still lag und schweigend das Schlachtgefild In der Abendsonne Verklärung; Blut, Leichen und Waffen — ste boten das Bild Der grauenvollsten Verheerung. Still war's — nur mischte zuweilen ein Fleh'n, Sin Wuthausruf, ein Sterbegestöhn Sich geisterhaft und düster In der Winde hohles Geflüster. 110 6 . bin wunder Ritter wurde dort Von weinenden Dienern getragen; Hier fuhr nach des Klosters heiligem Ort Ein voller Leichenwagen. Herr Adelgotz und sein Freund von der Murg, Der helmumflattertc Toggenburg Durchritten mit Stolz und Freude Des Siegers blutige Heide. 7 . Wie der Hirt, dem der Kampf mit dem Wolf mißlingt, Sein Leben lasst mit der Herde; Liegt Chorsang auch, von Getreuen umringt. Im Gras auf blutiger Erde. Lang' that der Tod den Dulder flieh'», Erst als die Abendsonne schien Da wollt' er bei seinen Schafen Zur ewigen Ruh' entschlafen. 11l 8. Nun sprengte Adelgotz heran Und schwang die blitzende Waffe: So hast du, rief er, den Lohn empfah'n, Ehrgeiziger, tückischer Pfaffe! — Das ist dein Werk, das Unglück hier, Die Leichen alle, sie ruh'n auf dir; Fleuch, Heuchler, mit Fluch beladen Hinab zu der Holle Gestaden. S. Unwillig erhebt sich der Greis und schaut, Als sollte sein Blick sie durchbohren: Frohlocket, Tirannen, nicht allzu laut! Noch ist mein Volk nicht verloren. Jahrhunderte sind, Jahrtausende ja Ein Traum — bald ist die Stunde da — Der Enkel wird uns rächen Und euer Joch zerbrechen. IlS 10 . Und als er das Wort vollendet hat, So sinkt er erschöpft zusammen; Sein Aug' ist starr, der Odem matt, AuS löschen des Lebens Flammen. Die Ritter, die gläubig ihn sterben geseh'n, Sie wissen nicht, wie ihnen gescheh'n, Und reiten in düsterem Schweigen Hinab zu des Bache» Gezweige». 11. An der Pappel hält, an der laubigen Säul' Ein Knab' das Geschoß in den Händen; Der zielt und wagt'S, den tückischen Pfeil Den Rittern entgegen zu senden. Schier traf er den Adelgotz in'S Herz, Den schützte jedoch der Panzer von Erz. Stumpf fiel und mit müdem Gefieder Der Pfeil zur Erde nieder. IIS 12 . Hohnlachend der schlanke Ritter rief: Verderblich ist immer das Halbe. Dein Pfeil, o Knabe, fuhr zu tief, E-r glich der muthlosen Schwalbe. Kaum ist dem Freunde das Wort entfloh'«. Rächt Toggenburg das Wagstück schon, Und tö'dtet mit spitzigem Stahle Thurwina, das Veilchen vom Thale. 13 . Die Jungfrau hatte mit heimlicher Lieb' An Heinz seit Jahren gehangen; Allein Schwanhild, die rosige, blieb Des Jünglings süßes Verlangen. D'rum sah' er Thurwinas bleiches Gesicht, Ihr Auge voll perlender Thränen nicht: Wie oft vom Gärtner mißachtet Die köstlichste Blume verschmachtet. 8 114 14. Heut' war Thurwina, die zarte Maid, Bewaffnet mit Pfeil und Bogen, Gehüllt in ein schmuckes Knabenkleid Hinaus mit dem Heere gezogen. Brav hielt in der Schlacht sich der liebliche Knab', Schoß manchen Pfeil nach dem Feinde ab; Er stand — ein Engel — im Streite Getreu an des Feldherrn Seite. 15. Als aber das Heer in die Flucht sich ergoß, Den Ermahnungen taub, den Geboten; Als Heinz zuletzt besinnungslos Hinsank im Felde der Todten: Da pflegte sie sein mit sorgsamer Hand, Umhüllte die Wunde mit starkem Verband, Und warf, aus Liebe verwegen, Sich beiden Rittern entgegen. 115 16 . So fiel von Toggenburg durchbohrt Thurwina, das Veilchen vom Thale; — Und über sie sprengen die Ritter fort; — Doch dort, was glänzt dort im Strahle? Halt! Bruder, wer ist der Verwundete rechts; . Der Todfeind liegt des Nittergeschlechts, Heinz liegt am rauschenden Quelle, — Der Hauptmann ist's, der Rebelle. 17 . Nun, Freund, ist unser Wunsch gewährt, Den sparen wir auf zur Rache. Sie sprachen'» und hieben sogleich mit dem Schwert Vier Erlen sich ab an dem Bache. Und als sie ;wei Männer am Ufer geseh'n. So müssen die Armen hinauf zu den Hoh'n, Zum Schlosse des Wolf von Klingen Den Schwerverwundeten bringen. 11 « 18 . Sie zieh'n bergan und wollen am Thor Die Last auf die Erde stellen. Da dringt ein Schrei zum Himmel empor — Er kam von des KirchleinS Schwellen. — Ein Mädchen liegt vor dem Heiligthum, Ohnmächtig sank dort Schwanhild um, Als sie den Heinz voll Wunden^ Gefangen ihn sah und gebunden. > 19 . Was? Schwanhild sagt ihr, verbrannte die nicht? Ward Heinz von Kunz belogen? O nein, den hat sein alternd Gesicht Am frühen Morgen betrogen. Zum Kloster ritt ein Mädchen vom Schloß, Die Böse war'S, die Dienerin bloß: — Die hat da» Auge des Alte» Von ferne für Schwanhild gehalten. S 117 20 . DaS Fräulein blieb in der Burg zurück Nach des Vaters strengem Befehle; > Dort flehte sie für Heinzos Glück, Für den Vater mit sorgender Seele. Nie hätte führwahr die Gute gedacht, Daß sie gerad' in der tobenden Schlacht Den siegenden Jüngling verwirrte, In Schmach und Ketten ihn führt«. 21 ? So groß jedoch ihr Entsetzen war, Da sie den Geliebten erkannte, So groß war der Jubel, der unter der Schaar Der zechenden Ritter entbrannte. Sie ließen am Seil ihn zum feuchten Grab Wohl hundert Fuß in den Thurm hinab; Und schlössen mit drohenden Worten Ob ihm die eisernen Pforten. 118 22 . Doch wenig frommte Spott und Hohn Den siegestrunkenen Rittern; Sie konnten ThurgauS trotzigen Sohn, Im Kerker ihn nicht erschüttern. Halb wachend lag, halb träumend er da, Und was er hörte, was er sah — SS zog wie Gebild im Fieber Ganz duftig an ihm vorüber. 23. Dem Jüngling schien'-, er liege todt In der Bäume wehendem Schatten; Die Alpen glühten im Abendroth, Frisch fiel der Thau auf die Matten: Da bückte ein weiblicher Genius Sich über ihm nieder mit liebendem Kuß Und trug vom Erdegetümmel Ihn freundlich hinauf nach dem Himmel. IIS 24 . Schon hielt der Engel am Thore still, Wo die Helden der Vorwelt saßen; Allein jetzt nahen mit wildem Gebrüll Zwei Teufel, die wollen ihn fassen. Thurwina kämpft mit edlem Muth, Sie sinkt, und dem Busen entströmt ihr Blut Und die Geister schleppen ihn wieder Hohnlachend zur Erde nieder- 25 . Hier soll er im tiefen, finstern Thurm Die Liebe zum Volke büßen; Da ruft Allvater dem heulenden Sturm — Die Felsen sind zerrissen. Der Kerker füllt sich mit Sonnenglanz, Thurwina schwebt ob dem Alpenkranz Die Freiheitsfahne schwingend Und tröstende Hoffnung ihm bringend. ISO 26 . Im rothen Felde strahlt das Kreuz, Des Sieges himmlische« Leichen; Auf jauchzen die Berge, die Thale der Schweiz, Und alle Lirannen erbleichen. Wenn, sagt der Geist, das Leichen eS ist. Um welcher ihr innig und warm euch schließt, Das frei'ste Volk auf Erden, Ihr werdet das glücklichste werden. 27. So träumte der Held bis um Mitternacht — Die süßen Bilder verwehen; Da hört er, ob dumpfem Geräusch erwacht. Die Schlüssel schieben und drehen. Ein Ritter tritt mit der Lampe Schein, Wolf tritt durch die heimliche Thüre herein; Der thut an des Hauptmann« Leiden Die giftigen Augen weiden. ISl 28. Wie geht es Heinz? Sag' an, wie gefällt Dir hier die felsige Wohnung? Ein Blick mit stummer Verachtung gesellt, Das ist des Spötters Belohnung. Geduld! sagt Wolf, der Mann, der besiegt Im Kerker der windigen Höhe liegt. Er dürfte meinen Fragen Wohl größere Rechnung tragen. 29. Heinz hebt die gefesselte Hand und spricht: Nie hätte das Blatt sich gewendet. Hätt* Angst um deine Tochter nicht Das thörichte Herz mir geblendet. Das machte, daß Thurgaus Volk mir flucht, Geh' Wolf, brich meines Fehlers Frucht, Indeß ich mit reuender Seele Ob meiner Schwäche mich quäle. Ich weiß, was du für Schwanhild gethan, Sagt Wolf mit freundlichen Mienen; Nicht niedrig schlag' ich den Dienst dir an, D'rum bin ich hier eben erschienen. Blut wollen, dein Blut — die Pfaffen seh'n, Allein der Thurm soll offen steh'n; Versprichst du meinen Willen Am kommenden Tag zu erfüllen. 21 . . Der ist? fragt Heinz mit verbißnem Gram. Du giebst uns treue Belehrung, Wer offen, wer heimlich Antheil nahm An der weitverzweigten Verschwörung; Und wirkst, daß das Volk sich lieber mir Als diesen gierigen Klöstern hier Auf ewig mit Gut und Leben Leibeigen möcht' ergeben. 123 32. Der Held springt auf, spricht stolz und scharf: Heinz ist und wird kein Verräth»; Doch wenn ich sie morgen sehen darf. Des Landes würdige Vater: Dann, Ritter Wolf, dann ermähn' ich sie, Daß Thurgaus Volk auch im Unglück nie Von der Knechtschaft glühendem Haffe, Von Recht und Freiheit lasse. 33. So das, sagt Wolf, dein Vorsatz ist, So sollst du sie freilich erblicken. Wenn morgen die Sonne die Erde begrüßt, Wenn rosig die Firnen sich schmücken: Dann steht ein Schaffst an des Felsen Rand Und dein Haupt — es fällt durch Henkers Hand. Er spricht die drohenden Worte Und hinter ihm raffelt die Pforte. 134 Z4. Wie der Leu, nachdem er die Wüste durchstreift, Gedrängt von wilden Gefühlen, Die Höhle auf und nieder läuft, Bis Hitze und Wuth sich kühlen: So wandelt auch Heinz in raschem Lauf In seinem Kerker ab und auf, An den Gliedern die klirrenden Ketten, Steht still — und kniet — um zu beten. Z5. Du hast es gehört — es ist vorbei — Beschlossen ist mein Verderben — Wohlan, Allvater! Wohlan es sei! Ich bin bereit zu sterben. Was ich in der Schlacht dem Volke vergab, Die Schwäche wasche mein Herzblut ab. Da» Eine nur, was ich flehe, Sprich, Vater, daß es geschehe. ISS 36 . Auf deine» Himmel verzicht' ich gern, — Laß meinen Geist auf Erden, Laß ein Gespenst für diese Herr'n, Ein Racheschatten mich werden, Der zürnend die Hallen der Burgen durchkreis't, Der Angst in das Herz der Tirannen geußt, Bis das Kreuz sich erhebt auf der Fahne Und der Tag erscheint, den ich ahne. 37 . So flehte der Mann, in welchem sich still Des HeidenthumS Meinungen bargen. Ein schrecklich Gebet, allein wer will, Wer kann es dem Armen verargen? Was in des Kindes Gemüth sich gräbt, Allmächtig im Herzen des Mannes lebt; - Und mag er des Wahnes sich schämen, Ihn wird kein Weiser ihm nehmen. 1SU 38 . Kaum hatte Heinz in des Zornes Drang Vollendet die ruchlose Bitte; So rauscht es draußen heran durch den Gang Wie der Geister schwebende Tritte. Und als er starr nach der Thüre sah, Da stand ein Mönch und ein Ritter da — Und schnell in des Mantels Falten Erkennt er den Ritter, den alten. 39 . Was? Kunz? ruft Heinz mit flammendem Blick, Du hier, der mich schändlich belogen? Du hier, der mein Volk um Freiheit und Glück, Um Ehre und Ruh' mich betrogen? Fleuch, Wicht! sonst klebt an der Wand dein Blut. Was ich gefehlt, das mach' ich gut. Der Ritter spricht's bescheiden Und läßt im Kerker die Beiden. 1L7 40. Zum Mouche d'rauf der Hauptmann spricht: Was willst du hier im Gefängniß? DeS Trostes der Kirche bedarf ich nicht Fest trag ich mein dunkles Verhängniß Nie hat mein Herz den Tod gescheut, Willkommen ist, doppelt willkommen er heut. Geh' Mensch! ich habe mit Pfaffen, Mit Mönchen nicht gerne zu schaffen. 4t. Unglücklicher! ist kein Land in der Welt, Beginnt der Mönch zu fragen, DaS dich an'S Leben gefesselt hält? Kein Bild auS bessern Tagen? — Du bist's, ruft ThurgauS trotziger Sohn; Ich kenne den herzerquickenden Ton, DaS Mädchen meiner Seele — ES kommt in des Kerkers Höhle. 1S8 42 . Weg wirft der Bruder den struppigen Bart, Rasch weg des Ordens Hülle; Und Schwanhild ist eS, rostg und zart, Mit der Locken goldener Fülle. Die sinkt in tiefem, unendlichem Schmerz Laut schluchzend an des Geliebten Herz Und küßt mit heißem Verlangen DeS Hauptmanns Mund und Wangen. 4Z. Auf Heinz! die köstliche Stunde flieht — Auf! Auf! wir wollen dich retten; — Fort! ehe der Tag auf den Bergen glüht, Durchfeile die hemmenden Ketten. — Ich danke, Mädchen, ich danke dir; Doch flieh' ich nicht, ich bleibe hier. Mißglückt ist der Freiheit Streben, Was soll hinfür mir das Leben? VV'' 12 » 44 . Nein, Heinz! der Quell der Hoffnung ist Der letzte Quell nicht verronnen; Wenn du nur erst in Freiheit bist, Hat Vieles das Volk schon gewonnen. Kein Sterblicher weiß, was der Morgen bringt, Ein Held ist nur, wer das Unglück zwingt, Wer auch aus feindlichen Mächten Den Skegeskranz kann flechten. 45 . Was wird, fragt Heinz, das Schicksal sein, Das dir der Vater bereitet? — Dein Loos, Geliebter, ich nenn' es mein; Die Braut ist's, die dich begleitet. Doch wenn du jetzt die Rettung verschmähst, Freiwillig und stolz zum Schaffote gehst; Führt morgen der rohe Barbare, Mich Adelgotz zum Altare. s 130 46. Nimm, göttliches Weib, hier meinen Kuß, Jetzt will ich an'S Werk mich wenden. — Durchfeilt wird die Fessel an Hand und Fuß, Bald fällt der Reif von den Lenden. Kunz steht mit redlichem Fleiß ihm bei, Nun ist der Hauptmann endlich frei. Darauf, nach wenig Sekunden Sind alle drei verschwunden. 47. Und draußen hüllte die Erde sich In rä'thselhafte Schatten; Der Irrwisch tanzte wunderlich Durch Feld und Moor und Matten. Und aus des Rheines rauschendem Schooß Stieg'S zwerghaft bald, bald riesengroß: Für Nebel konnte man'S halten, Doch glich es andern Gestalten. 131 48. Und über dem schweigenden Schlachtfeld hing Die mondbeglä'nzte Wolke; Dort saßen die Vater in düsterem Ring Nachschlagend ob Thurgaus Volke. Sie schauten trüb auf der Freiheit Grab, Mit sehnendem Blick nach dem Thurme hinab. ES schien den Heldenseelen Ein trauter Freund zu fehlen. 49. So kam es dem Pförtner Sigmund vor, Der sinnend die Nacht durchspä'hte; Bis klingend an sein erstauntes Ohr Der Gruß der Harfe wehte. Rasch ging er und sagte, vor Schrecken blaß, Dem Haufen, der spät beim Becher noch saß, Daß man der Barben Chöre, Die Lieder der Geister höre. 1SS 50 . Ein Thor ist, wer an den Spuck noch glaubt! Zürnt Münz bei des Mannes .Zeitung; Dann setzt er den glänzenden Helm auf's Haupt Und folgt des Pförtners Leitung. Und auf dem Walle, dem Thurme nah' Sitzt Jrmentrud im Wahnsinn da; Die laßt in die tönenden Hallen Ihr Lied hinunter schallen. 51 . Das Unrecht hat gesiegt, Kein Kämpfen half, kein Wagen; Das Heer der Freien liegt Von FeindeShand erschlagen. Der Nachtwind saus't gar bang, Der Strom rauscht Grabgesang. Komm Bruder, komm! — Was säumest du? Der Heimath geht's, den Göttern zu. 1SS 52 . Auf! Thurgaus edler Sohn, Du Mann des kühnen Streben«! Die Freiheit ist entfloh'», Der Schmuck, der Werth des Lebens. Was soll die Wüste hier, Die Welt voll Ketten dir? Komm Bruder, komm! — WaS säumest du? Der Heimath geht's, den Göttern zu? SZ. Du darfst auf dem Schaffst, Nicht wie Verbrecher enden; Die Schande, die dir droht, Soll dieser Dolch da wenden. Drück' ihn in's Herz dir ein, — Mir winkt der blaue Rhein. Komm, junger Held! Was säumest du? Der Heimath geht's, den Göttern zu. 134 54. Und als die Maib das Lied vollbracht, Beginnt sich der Boden zu regen, Und hart an dem Fuß, aus der Erde Schacht, Glänzt dämmernd ein Strahl ihr entgegen. Geöffnet ist die verborgene Thür', Heinz steht und Schwanhild plötzlich vor ihr. Bist du's? mein Heinz? mein Bester? Voll Jubel umarmt ihn die Schwester. 55. Still! flüstert Kunz, seid mäuschenstill! Und sucht das Licht zu bedecken, Wenn dort das Weib nicht schweigen will. So wird sie die Reisigen wecken. Und leider sprach er nur allzuwahr. Graf Münz mit seiner Rltterschaar — Er hatte sie schon umgangen, , i Und brüllte: Ihr seid gefangen! Fünfter Gesang i. Was klingt die Glocke von waldigen Hö'h'n? Wem ruft sie zum wonnigen Bunde? Wohl glänzt sie dem Sterblichen festlich und schon. Der Trauung heilige Stunde. Wenn Herz für Herz geschaffen ist, Wenn Seel' an Seele sich innig schließt, In Glauben, Lieben und Hoffen: Dann steht der Himmel euch offen. lS6 2 . Doch wenn die Liebe, sanft und hold, Nicht mit zur Kirche wandelt; Wenn sich das Herz an schnödes Gold In sträflichen Schacher verhandelt; Wenn der Vater das Kind mit eiserner Hand Fest schmiedet in'S thräuenbenetzt« Band^ Dann Wehe, dreifach Wehe Der unglückseligen Ehe! Z. Dann steht das Opferlamm am Altar, Geschmückt, als war' es zum Höhne; Der blumige Kranz im gelockten Haar — Er wird zur Dornenkrone. Und unter dem Brautkleid tief verhüllt, Des Herzens tödtliche Wunde schon quillt. D'rum scheint auch das weinende Läuten Auf's Grab, auf'S frühe zu deuten. 137 4 . Blaß tritt die Braut mit Adelgotz Hervor aus der düstern Kapelle; Der Ritter schreitet mit freudigem Trotz, Sie wankt halbtodt von der Schwell«. Dem Verhaßten gab sie Hand und Wort, Ihr Herz besitzt der Jüngling dort, Um den in des Kerkers Nächten Auf'S neue die Ketten sich flechten. 5 . Allein daß Schwanhild solches that? Nun ist sa die Arme verloren. Sie handelte fromm nach des Beichtigers Rath, Der weinend das Fräulein beschworen: Besänftige doch des Vaters Wuth; Cs kommt dem geliebten Jüngling zu gut, Du wirst den Heinz aus Ketten, Vom Tode wirst du ihn retten. 188 6 . Ob Sterben mit ihm auch rühmlicher wär'; Sie beugt sich dem Vater, dem Greise. Ein Held ist sie nicht, — doch sa! noch mehr — Nur ist sie's in weiblicher Weise. Sie wendet vom Freunde den schrecklichen Schlag Lebt Heinz, dann will sie, Tag für Tag, In freudloser Ehe den herben, Stet» neuen Tod gerne sterben. 7 . Warum die Tochter so folgsam war, Das kümmert den Vater wenig; Er sitzt vergnügt beim Hochzeitpaar Und tafelt, wie Otto, der König. Die Diener, sie tragen in hurtigem Lauf Die lieblich duftenden Speisen auf; Der älteste Wein, der beste Lockt perlend die kundigen Gäste. 13S 8 . Allein wer die Leichenbraut dort sieht, Der fühlt sich mißstimmt und düster; Die Rede stockt, kein Witzwort sprüht, Nicht« hört man, als dumpfes Geflüster. Ein Etwas liegt auf dem Rittersaal, Als würd' ein feierlich Todtenmahl In unerklärlichem Bangen, In grausiger Steifheit begangen. 9 . Erst als der reichlich gespendete Wein Die Männer, wie Feuer, durchdrungen; Entsinkt dem Herzen der lastende Stein, Und freier werden die Lungen. Ein sturmweißagender Jubel erwacht, Laut preiste man die Thaten der gestrigen Schlacht, Gern möchte man sie besingen, Doch will kein Lied gelingen. 14V 10 . Sprich! Adelgotz, wo säumt dein Ward' ? So fragen hastig die Ritter. Todt ist mein Freund, mein Eberhard, Entgegnet der Jüngling bitter. D'rauf schwort er von Wein und Ingrimm voll, Dafi dennoch die Harf' erklingen soll, Und giebt mit tückischer Seele Den Dienern geheime Befehle. 11 . Das Haupt von dunkeln Locken umwallt, Mit feierlich langsamem Schritte, Naht Jrmentrud, die hehre Gestalt, Und steht in des Saales Mitte. . Im faltigen Aermel die goldene Harf', Ihr wirres Auge glänzend und scharf, Antwortet sie Einheers Sohne Und spricht in stolzem Tone' 141 12 . Wenn Thurgaus Kinder trostlos und bleich Am Grab der Freiheit klagen; Dann sollte Thurgaus Tochter euch Noch singen zu eucrn Gelagen? Das Schwert hängt über des Bruders Haupt; Die Harfe trauert, des Klanges beraubt; Und würd' ich ein Lied versuchen, Tirannen, es würd' euch fluchen. . ' ' 13 . Und wenn du dadurch den Bruder befrei'st? Fragt Adelgotz mit Lachen; Was wird das Weib mit dem stolzen Geist, Was Thurgaus Tochter dann machen? — Die Welt, die der Freiheit jetzt entbehrt. Die Welt ist meines Bruders nicht werth; Des Lebens Band ist zerrissen, Wir werden zu sterben wissen. 14S 14. Dann ruht auf dir des Bruders Blut. Gesang hat die Flucht verhindert; Gesang nur macht den Fehler gut; — Wohlauf! daß die Schuld sich mindert! Ich setze des Bruders Haupt als Preis — Kommt Ritter! und schließet den horchenden Kreis, Die Jungfrau greift in die Saiten, Sie singt von vergangenen Zeiten. 15. Karl hatte, der Kaiser, im Kampfe gesiegt, Singt Heinzos lockige Schwester: Gefesselt vor dem Zelte liegt Der Feinde kühnster und bester. Ihr Männer vom Hofe rathet nun, Was soll ich dem feindlichen Könige thun? — Den Gefangenen würden wir blenden Und dann zum Kloster ihn senden. 143 16. So rath' ich nicht, sagt Jsembart, So räth' kein wack'rer Krieger; Verzeihen — das liegt in des Helden Art, Die Großmuth schmückt den Sieger. Wenn ich an der Stelle des Kaisers wär' Frei ließ ich den Kö'nig Destder; Ich würde durch edles Handeln Den Feind in den Freund mir verwandeln. 17. „Der Stolze hängt dem Feinde an." — Jn's Ohr sich die Höflinge raunen; Den Kaiser selbst befällt der Wahn, D'rum ruft er mit zornigen Braunen: Die Grafschaft, welche dem Vater ich gab, Die Grafschaft Thurgau nehm' ich dir ab; Du thust dich zum Diener nicht schicken. Fort, Jüngling! aus meinen Blicken! 144 18. Der ging. Karl übte ohne Scheu Was feige Schmeichler gerathen. — Nach Jahren aber folgt die Reu' Langsam den raschen Thaten. Tief nagt ihn ein Wurm bei Tag und Nacht, Er sucht ihn umsonst durch der Feste Pracht, Durch des Waidwerks wildes Vergnügen In kurzen Schlaf zu wiegen. 19. Einst wird es ihm eng im weiten Schloß, Da steigt er hinab von der Halde Und sprengt auf seinem Araberrost Hinüber zum schattigen Walde. Halloh! Trarah! das Hifthorn ruft. Schon klaffen die Hunde in felsiger Kluft, Das Wild aus dunkeln Verstecken Zum fröhlichen Kampfe zu wecken. 14S 20. Der Kaiser setzt durch die rauschende Thür, Nur mühsam folgen die Mannen; Ihn lockt der gehörnte, brummende Ur JnS Dickicht bejahrter Tannen. Dort zwangt er den Stier im steilen Gestein Der enger werdenden Felsschlucht ein; Will eben nach seinen Lenden Die spitzige Lanze versenden. 21 . Schnell kehrt sich der Ur mit flammendem Blick — Karl stürzt vom entsetzten Pferde; Die Höflinge all — sie fliehen zurück Und lassen den Herrn auf der Erde. Den nimmt der Auerochs auf's Horn, Er schüttelt und wirft ihn und will voll .Zorn Ihm Bauch und Brust durchbohren; — O wehe! nun ist er verloren. to I4