f -Y““j wm Kant.-Bibliothek TH'JRGAU ■M. Zidg en. Schiifcceniest ISQÖ in, ^raueafeld. ™ . ~ . ~ • - - « und General-Rechnung. Frauenfeld Gromann’sche Büchdruckerei 1891 . 50'5Sfc Inhalt 1. Bericht- des Organisationskomites. „ Finanzkomitcs. 3. „ „ Baukomites. 4. „ „ Dekorationskomitcs. o. „ ,, Schiesskomites. d. „ „ Wirthschaftskomitcs. 7. „ „ Empfangskomites. B. „ „ Musikkomites. 9. „ „ Presskomites. 10. „ ,, Polizeikomites. 11. „ „ Quartierkoinit.es. 12. „ „ Generalkassiers. 13. (ieneralieeknung. -j-j.* Zidgen. Schützenfest 1590 in Trauenfeld. Bericht des )rganisations = A^rnites. - m vor den alten Stand gelegt und in der Mitte nach einwärts gebrochen; dem entsprach auch die gebrochene Anlage des Scheibenstandes, so dass auf den Flügeln die Schusslinie zur Feuerlinie Winkel bildete, welche vom rechten um ungefähr 12 0 Bericht des Baukomites. 13 abweichend waren. Es ist diese Schiefstellung während des Festes nicht störend aufgefallen. Die ausführenden Unternehmer waren: Für den Stand: Maurerarbeit: J. Raas. Zimmerarbeit: Aebli, Jenny & Blesi, Rietmann & Keller. Für das Scheibenhaus: Maurerarbeit: J. Mötteli. Zimmerarbeit: Gebr. Bischof. Glaserarbeit: D. Neuweiler. Für das Revolver schiessen wurde auf dem rechten Flügel des grossen Schiessstandes ein eigener kleiner Stand für 12 Schützen aufgestellt, versehen mit einer Büchsenmacher- Werkstätte. Gegenüber standen 12 erhöhte Scheiben; die Zeiger waren gedeckt durch steinerne Brustwehr. Die Revolverschusslinie kreuzte sich mit der Gewehrschusslinie, was dess- halb nicht vom TJebel war, Aveil die Revolverscheiben viel tiefer lagen. Von Blendungen wurde nur das allernothwendigste Amrgenommen. Infolge von Verträgen mit den benachbarten Häuserbesitzern im Freihof, Rüegerholz, Neuhof konnten bedeutendere Seitenblendungen unterbleiben. Namentlich wurden aber auch Parallelblendungen erspart durch ein Abkommen mit der Bürgergemeinde Frauenfeld, der Besitzerin des Riieger- holzes, wonach die Festgenossenschaft den durch Geschosse bewirkten Waldschaden zu A'er güten sich verpflichtete. Seitenblendungen waren immerhin nothwendig zum Schutz der Leitungen des Meldewerkes; dieselben Avurden zum Theil in Erde, zum Theil durch Holzbeigen erstellt. Gleichfalls durch Scheiter wurde ein Theil des Kugelfanges hinter den Scheiben gebildet, auf dem linken Flügel, wo wegen des Bacheinschnittes ein Erdzielwall zu grosse Dimensionen erhalten hätte. Freilich war diese Holzblendung ein sehr ungenügender Ersatz, der beste Kugelfang bleibt eben die Erde. Für Sicherung cler höher gelegenen Wege südlich von Huben sorgte in entgegenkommender Weise die dortige Orts- a- orsteherschaft, indem sie kurzweg das Betreten während des Festes verbot. 14 Bericht des Baukomites. Festhütte. Die Festhütte bildete eine dreischiffige Halle von 68 m Länge. Das hohe Mittelschiff war 15 m breit, die niedrigen Seitenschiffe je 10 in, in der Längsrichtung hatte die Hütte eine Steigung von ungefähr 2 m. Gegenüber dem 5 */, m breiten Hauptportal erhob sich die Rednerbühne in Gestalt einer freistehenden Kanzel; dahinter eine Tribüne für die Festmusik, ursprünglich 60 m 3 gross und etwa 4 m über Boden. Nach Wunsch des Musik- komites wurde sie auf 100 m 3 vergrössert und um 1 m heruntergesetzt. Hoch über diese Tribüne wölbte sich eine Brücke, zu welcher leichte Treppen emporstiegen; sie war bestimmt zur Bergung der Fahnen unter schützendem Dach. Die Entfernung der Tische unter sich betrug 2 3# m von Mitte zu Mitte, die Breite eines Tisches 70 cm, von Tisch und Bänken zusammen l 40 m; ein Sitzplatz war zu 59 bis 60 cm Länge angenommen. Unter den Tischen waren je zwei Drähte gespannt zur Aufnahme der Kopfbedeckungen. Der hintern Langfront der Festhütte war die Küche angebaut mit einem anfänglichen Flächenraum von 940 m 3 , nachher wurde sie durch einen Raum zum Abzug von Flaschen vergrössert. Ein Aufbau im zweiten Stockwerk zur Speisung des Wirthschaftspersonals, welchen der Festwirth verlangt hatte, kam nicht zur Ausführung. Eintheilung und innere Einrichtung der Küche, Bau der Herde, Gestelle, Tische u. s. w. war vertraglich Sache des Festwirthes. Der Bau der Festhütte sammt Wirthschaftsräumlichkeit wurde von der Baugesellschaft Zschokke & Cie. in Aarau ausgeführt. Nach dem Schützenfest ist die Hütte käuflich an das kantonale Sängerfest in St. Gallen übergegangen. Der Gabentempel. Auf einer geräumigen Plattform, zu welcher von der Stirnseite des Festplatzes drei breite Freitreppen emporführten, stand der Gabentempel. Derselbe bildete eine Halle, überhöht Bericht des Baukomites. 15 von massigem Mittelbau mit abschliessender Kuppel. Darin befanden sich die nothwendigen Bureaus nebst aufsteigender Treppe, im II. Stock ein luftiger Saal mit herrlicher Ueber- sicht über den Festplatz bis zum gegenüberstehenden Belvedere des Standes. In der Halle angelehnt an die Rückwand waren die Gaben aufgestellt. Die rohe Ausführung des Baues hatte wiederum das Baugeschäft Zschokke & Cie. übernommen, die dekorative Ausstattung besorgten die Architekten selbst. Erbaut in beherrschender Lage, von kräftiger und doch schlanker Form, in warme lichte Farben getaucht, war der Gabentempel der Brennpunkt der ganzen Festanlage und bleibt ein Juwel moderner Festbaukunst überhaupt. Das Baukomite hat sich bemüht, seine Schöpfungen, deren Dasein ja nur ein ephemeres sein konnte, wenigstens im Bilde festzuhalten. Sie sind von verschiedenen Künstlern photographisch aufgenommen worden, so von den Herren Baldin und Bser in Frauenfeld, Brunner & Stephan in Winterthur, von der artistischen Anstalt Orell Füssli in Zürich u. a. Der Absatz dieser Photographien ist sprechend. Von den Farbenbildern der artistischen Anstalt allein sind in Frauenfeld gegen 1200 Stück gekauft worden. Ueber die elektrischen Anlagen lassen wir den betreffenden Ausschuss selbst reden. Die Aufgaben desselben betrafen in der Hauptsache die Beleuchtung und das Meldewesen. In der Beleuchtungsfrage war die Kommisson übereinstimmend der Ansicht, dass nur das elektrische Licht zur Anwendung kommen könne. Die Beleuchtung sollte umfassen: 16 Bericht des Baukomites. 11 Bogenlampen in der Festhütte, 3 „ „ „ Küche, 2 „ „ „ Bierhalle, 4 „ auf dem Festplatze, 4 „ an den Zugängen, 2 „ an den b'elebtesten Punkten der Stadt und zudem zirka 60 G-lühlampen von 16 bis 30 Kerzen im Innern des Gabentempels, der Küche, der Vorrathsräumlichkeiten, der Bureaux und der Aborte. Der Betrieb erforderte eine effektive Arbeit von zirka 30 Pferdekräften; zur Erreichung eines möglichst ruhigen und sicheren Ganges sollten wenigstens 40 Pferdekräfte zur Disposition stehen. Die Bemühungen, diese Arbeitskraft aus einer hiesigen Firma mit festen Maschinenanlagen zu erhalten, blieben erfolglos. Der Grund des Scheiterns dieser Bestrebungen lag in eigenthümlichen Verhältnissen, denen unsere Wasserkräfte zur Sommerszeit unterworfen sind. Man sah sich daher zum Lokomobilbetrieb gezwungen und verlangte von der übernehmenden Firma die Benützung zweier Lokomobile und zweier Dynamos, von denen je eine im Stande sein sollte, die ganze Anlage in Funktion zu erhalten. Die Ausführung der Anlage wurde vom Organisations- komite der rühmlichst bekannten „Schweizer Lokomotivfabrik“ in Winterthur übertragen. Die Montage begann am 9. Juni 1890. Die Situation brachte es mit sich, dass durch die Stromführung die elektrischen Leitungen der Eidgenossenschaft an mehreren Orten gekreuzt werden mussten. Eine aus Plan und Beschreibung der Anlage bestehende Eingabe an das eidgen. Telegraphenamt musste zuerst die Erlaubniss zur Erstellung der Anlage erwirken, dieselbe erfolgte ohne irgend welche Abänderungsforderungen. Um die nahe gelegene Budenstadt mit ihren Herrlichkeiten aller Art auch Abends bei überhandnehmender Finsterniss dem forschenden Auge erreichbar zu machen und ausserdem einem Spuck in der elektrischen Beleuchtung eventuell mit Erfolg pariren zu können, wurden auch Versuche mit „WelPs Light“ angestellt und als dieselben günstige Resultate Bericht des Baukomites. 17 zur Folge hatten, dem Organisationskomite die Anschaffung zweier zirka 2000 Kerzen starker Lampen als „Reserve“ empfohlen; das besagte Komite hielt jedoch diese Vorsichts- massregel für überflüssig. Am 17. und 18. Juli fanden die Beleuchtungsproben statt und am 19. Juli Abends strahlte der Festplatz zum ersten Male in seiner ganzen Ausdehnung im Glanze des modernen Lichtes. Die Beleuchtung funktionirte bis zum 31. Juli allabendlich von halb 8 Uhr bis zirka halb 1 Uhr mit einer einmaligen Kunstpause von 5 Minuten, in welcher das Organi- sationskomite daran erinnert wurde, dass man bei solchen provisorischen Anlagen Glück braucht, wenn man die Vorsicht ausser Acht lässt. Am 1. August begann die Demontage und nach 14 Tagen hatte der Konkurrent unseres bescheidenen Gaslichtes wieder das Feld geräumt. Die zweite Hauptaufgabe der Kommission bezog sich auf die Organisation des Meldewesens. Als Verkehrsmittel zwischen den Warnern und Zeigern konnten entweder Induktoren oder galvanische Säulen in Verbindung mit Allarniglocken zur Anwendung kommen. Im Interesse eines ruhigen Ganges fiel die Wahl auf den Batteriebetrieb. Es wurde beschlossen, je 7 Scheiben von einer 7 Elemente starken Säule bedienen und die Stromführung oberirdisch auf niedern Böcken zu beiden Seiten des Schiessplanes hinführen zu lassen. Ausserdem waren zu beiden Seiten des Schiessstandes vollständige Telephonstationen einzurichten und eine elektrische Leitung vom Gabentempel und der Festhütte einerseits nach dem Artillerie- posten anderseits zu erstellen. Die Erstellung dieser Anlagen wurde von Herrn Depres, Elektrotechniker in Frauenfeld, übernommen und prompt duchgeführt. Eine weitere Frage bezog sich auf die Erstellung der Blitzableiter. Die Kommission hielt es für angezeigt, wenigstens Festhütte und Gabentempel mit solchen zu versehen. Das Organisationskomite beschloss dagegen, sämmt- liche Bauten dem Schutze des Himmels zu empfehlen. V. Ueber die Thätigkeit des Baukomites während des Festes und über die Erfahrungen mit den Bauten haben wir nach einem Spezialberichte des Herrn Vizepräsidenten Folgendes zu erwähnen: Das Baukomite hatte während des Festes sein Bureau unmittelbar am Festplatz im städtischen Werkhause, woselbst fortwährend ein Mitglied und ein Planton zu Gebote standen. Dem Komite lag ob: Der Unterhalt aller Festbauten; Instandhaltung und Reinhaltung des Festplatzes; Reinigung der Festhütte am frühen Vormittag (auf Rechnung des Festwirthes); Unterbringung der ankommenden und Rückgabe der abgehenden Fahnen auf der Fahnenbrücke; Unterstützung der Unternehmer des Meldewerkes und der elektrischen Beleuchtung (vertraglich ausbedungen). Für diese Arbeiten hatte das Komite fortwährend eine Arbeitertruppe von 14 Mann zur Verfügung, welche unter Leitung der Architekten vor Tagesanbruch mit dem Unterhalt des Kugelfanges sich beschäftigten, später in die weitern Arbeiten sich theilten. In der obgenannten Zahl sind die drei Hülfsarbeiter für die Elektrik nicht inbegriffen. Verhalten der Festbauten. Abgesehen von Kleinigkeiten gaben die Festbauten zu keinen Reparaturen Anlass. Auch die Bedachung hatte sich in der regnerischen Periode kurz vor dem Fest sehr gut gehalten. Das Belvedere über dem Hauptportal des Standes erwies sich als hinreichend stark. Bericht des Baukoraites. 19 Das Bureau, welches im Schiessstand dem Organisationskomite eingeräumt war, war wegen des Scliiessens nicht zu benützen. Im Scheibenstande ergäben sich einige Lücken in der Zeigerwehr, welche ausgefüllt -werden mussten. Die meiste Arbeit verursachten, wie zu erwarten stand, die Kugelfänge. Der Revolverkugelfang bestand aus unverkleideten Sandsteinplatten. Die Geschosse wurden zerschlagen, sprangen ab, nach und nach zerbröckelten auch die Platten. Die als Kugelfang benutzten Scheiter wurden derart zersplittert, dass sie aussahen, als wären sie Jahre lang der Vermoderung ausgesetzt. Sie mussten ersetzt, d. h. die Beigen mussten umgeschichtet werden. Trotzdem verursachten die Geschosse schweren Schaden am dahinterliegenden Walde. Der Erdwall hinter der Grosszahl der provisorischen Scheiben hätte höher und stärker sein dürfen, Unterhalt kostete er im Ganzen 350 Arbeitsstunden, die Nachbesserung geschah mit Rasenziegeln. Unerwarteten Schaden hat der Kugelfang der permanenten Scheiben erlitten. Derselbe bestand aus einer 30 cm dicken Mauer von gelochten Ziegelsteinen mit vorgelegtem, ’/i m langem, kantigem Weichholz. Die Geschosse fanden bald ihren Weg durch die Hohlräume der Ziegelsteine; nach dem zehnten Schi esstage musste die Mauer gesperrt werden, um sie vor dem Einsturze zu bewahren. Wir wollen schliesslich nicht unterlassen zu erwähnen, dass am häufigsten Anlass zu Klagen gab die Bekiesung des Festplatzes. Namentlich beschwerten sich die „leicht beschuhten“ Franzosen und Italiener über den „gazon de Frauenfeld“. Es ist zuzugeben, dass die Bekiesung hätte feiner sein dürfen; bei Regenwetter wäre diese Klage wohl verstummt. -BL VI. Kaum waren die letzten Festesklänge verhallt, so beeilten sich geschäftige Hände, ihr eigenes Werk zu vernichten. In wenigen Tagen waren die Bauten ihres Schmuckes beraubt; bis Ende September waren Gabenhalle, Festhfttte, Bierhütten, Aborte, Schiess- und Scheibenstand und die Brücke über den Stadtbach abgebrochen und die Holzbestandtheile weggeführt. Grössere Arbeit und längere Zeit erforderte die Einrichtung der bleibenden Bauten im Schiess- und Scheibenstand. Der finanziell günstige Ausgang des Festes gestattete, dass der Schützengesellschaft Frauenfeld eine geräumige und wohl ausgebaute Anlage geschaffen werde. So wurden die 21 Stände von Grund aus umgebaut, ein Cementboden eingelegt, ausreichende Bureaux und verschlossene Magazine errichtet. Im Scheibenhaus wurde die als Kugelfang dienende Rückmauer durch Pfeiler verstärkt, über den Scheiben eine erhöhte Biendune: aus Cementmauerwerk zum Schutze des Waldes erstellt. Ein kleiner Theil der Revolverscheiben wurde vom rechten auf den linken Flügel des Standes befördert und ebenfalls auf längeres Bestehen .eingerichtet. Endlich erhielt auch der provisorische Abtritt beim Schützenplatz eine für die Dauer berechnete Gestalt. Wie die abgeschlossenen Verträge solches bedingten, wurden die gepachteten Grundstücke wieder in Ordnung gestellt. Hiebei hat der günstige Stand der Finanzen, welcher ängstliche Sparsamkeit nicht vorschrieb, dem Baukomite die Arbeit sehr erleichtert. Grosse Müh e hat sich letzteres kosten lassen in dem Wunsche, die Verbindungsstrasse vom Festplatz zum y ly p -»*v ij w r IX 5 A-l* — Konstituirende Versammlung. 28. Juni 1888. Die Geschäftsleitung wird bestellt in den EDEL Gamper, A., Präsident; Germann, J., Vizepräsident; Leuthold, H. und Siegwart, A., Sekretäre. Das engere Komite bestand aus 13 Mann, das Bureau des engem Komites aus 5 Mann; beide erledigten die Geschäfte vor dem Feste in 45 Sitzungen. Im erweiterten Komite waren eingereiht 91 Mann, so dass das gesammte Schiesskomite aus 104 Mitgliedern bestand. I. Diensteintheiiung. 1. Sektion für das Kontrolwesen. a) Absendwesen; b) Finanzielles; c) Kontrole. 2. Sektion für das Personelle. 3. Sektion für das Sektionswettschiessen. 2 Bericht des Schiesskomites. II. Regiemente. An Reglementen und Instruktionen wurden erlassen: 1. Reglement für das Schiesskomite. 2. Regulativ über die Thätigkeit des Schiesskomites und dessen Organe. 3. Schiessreglement. 4. Reglement über das Konkurrenzschiessen um die zehn ersten Becher. 5. Regulativ für das Sektionswettschiessen. 6. Reglement für die Kontroleure, Sekretäre, Schreiber. 7. Reglement für die Zeiger. 8. Instruktion über das Zeigen der Treffer auf den Scheiben. 9. Reglement für die Warner. 10. Pflichtenheft für die Uebernehmer der Büchsenmacherwerkstätten. 11. Pflichtenheft für die Waffenreiniger. III. Anlage des Schiessens. Zahl der Scheiben auf 300 m — 150. „ „ Revolverscheiben „ 50 m = 12. Elektrisches Läutewerk (Tastersystem, eingerichtet durch Herrn Depres in Frauenfeld), 2 Telephone in Schiess- und Scheibenstand. Längsblendungen keine; kleine Seitenblendungen. Abkommen mit den Bewohnern der links und rechts gelegenen Häuser, dito mit der Eigenthümerin des hinter dem Kugelfang (Erdwall) liegenden Waldes. Von den 150 Scheiben der Distanz 300 m wurden zuge- theilt den beiden Cartonscheiben Vaterland Grliick und Thurgau je 4, den beiden Punktscheiben Vaterland Kunst und Militärstich je 5, dem Sektionsstich 10, der Scheibe Rhein 8, dem weichen Abzug im Kehr 102, dem harten Abzug im Kehr 12 Scheiben. Die Hauptstichscheiben waren in der Mitte, die Sektionsstichscheiben am linken, die Scheiben Rhein am rechten Flügel Bericht des Schiesskomites. 3 gelegen; im Sektionsstich konnte die Zahl der Scheiben an einzelnen Tagen auf 5 reduzirt werden; die Zuweisung je der zehnten Kehrscheibe an den harten Abzug befriedigte. Im Revolverstande waren zu Anfang je eine Scheibe dem Stich Hörnli und Nöllen und 10 Scheiben dem Kehr zugewiesen. Während für Hörnli eine Scheibe genügte, musste für Nöllen die Zahl der Scheiben auf 3, für einen Tag sogar auf 4 erhöht werden. Auf den Punktscheiben Kunst, Militärstich, Rhein, Hörnli und Nöllen wurden — mit Ausnahme der Ersatzscheiben — die Resultate der Treffer mittelst Uhren von der Scheibe nach dem Schiessstande gemeldet. Diese Meldeuhren funktionirten zu unserer Zufriedenheit; es waren dieselben von Herrn A. Depres in Frauenfeld eingerichtet worden. IV. Schiessplan und Schiessreglement. 1. Die Endresultate unserer Berathungen finden sich im ausgegebenen Schiesspkm und -Reglement niedergelegt. 2. Die in Art. 8 des Schies.sreglementes enthaltenen Bestimmungen betr. Kaliber der Waffen wurden auf Befürwortung ab Seite des Centralkomites gestrichen und Art. 9, Alinea 2, dahin abgeändert, dass ausländische Schützen auf bezügliche Verwendung hin ihre gebräuchlichen Waffen und Munition (Minimum des Kalibers 9 mm) anwenden durften und dass dem Schiesskomite in letzter Instanz der Entscheid über die Zulässigkeit besagter Waffen reservirt war. Das Laboriren von Patronen im. Schiessstande war untersagt. Diese Abänderungen, stipulirt in der Versammlung vom 15. Juni, wurden durch die nächsterscheinende Nummer der „Schweiz. Schützenzeitung“ veröffentlicht und den betreffenden Reklamanten bekannt gemacht. 3. Die Stichprämienvergütung wurde auf Verwendung des Komites hin in der Delegirtenversammlung in Burgdorf dahin abgeändert, dass für 4 Karton Fr. 20, für 3 Karton Pr. 10 bestimmt wurden. 4 Bericht des Scliiesskomites. V. Lieferung von Scheiben- und Zeigerutensilien. Vom Baukomite wurden die Scheibenrahmen geliefert. Die Erstellung der Scheiben war vergeben an die HH. Buchbinder Baumer und Ess in Erauenfeld, welch’ letzterem auch der Unterhalt der Scheiben während des Festes übertragen war. Die Zeigerkellen wurden von Herrn Sporn, Spenglermeister, in Frauenfeld geliefert. Herr Alfred Schlegel in Wallenstadt war Lieferant der Stichkartons, der Stich- und Kehrkartonnummern, der Nummernfahnen und der Verklebplätzli. Alle Lieferungen wurden auf Grund aufgestellter Verträge ausgeführt und gaben zu keinen Reklamationen Anlass. Die auf den Punktscheiben zur Verwendung gekommenen Messinstrumente waren von Herrn D. Spengler, Schreinermeister, in Frauenfeld erstellt. VI. Hülfspersonal. Es waren angestellt: 70 Kontroleure, Sekretäre und Stichschreiber; 200 Zeiger und 200 Warner. Die Leistungen der Kontroleure, Sekretäre und Stichschreiber waren im Allgemeinen befriedigende; einige wenige Hessen zu wünschen übrig. Auf die Zeigerstellen gingen nahezu 500 Anmeldungen ein. Die Besetzung erfolgte unter Berücksichtigung der Angaben eingelegter Zeugnisse und der Vertretung aller Kantone. Das angestellte Zeigerpersonal war der gestellten Aufgabe gewachsen ; unter Führung des Oberzeigers Locher aus Burgdorf erfüllte dieses Personal seine Arbeit zu unserer vollsten Zufriedenheit. Sowohl während der Arbeitszeit als auch nachher in freien Stunden und im Quartiere war die Disziplin beim Zeigerpersonal eine lobenswerthe. Das Gros der Warner rekrutirte sich aus Burschen im Belicht des Schiesskomites. 5 Alter von 14 bis 18 Jahren und nur zu einem kleinern Theile aus altern. In drei Abtheilungen wurden diese Leute in ihre Obliegenheiten eingeführt: unterm 13. Juli fand eine grössere Schiessübung statt. Samstags den 19. Juli rückten sämmtliche Angestellten ein und wurde der Nachmittag zur Instruktion der Sekretäre, Zeiger und "Warner verwendet. Die Verpflegung sämmtlicher Angestellter erfolgte durch die Festwirthschaft unter Aufsicht des Wirthschaftskomites und eigener Verpdegungsorgane und gab zu keinen Klagen Anlass. Das Morgenessen wurde in der Festhütte, Mittag-, und Nachtessen in der Hütte des Schützengartens eingenommen. Die Lage der letzteren in unmittelbarer Nähe des Schiessstandes, namentlich aber die im Reglement vorgesehenen 1 '/* stündigen Mittagspausen wurden von den Angestellten mit Freuden begrüsst und auch von den Schützen und Komittirten angenehm empfunden. VII. Kontrol- und Absendwesen. In Anbetracht des Berner Berichtes über das Fest von 1885, nach welchem es unmöglich war, daselbst während des Festes das Souchensystem durchzuführen und unter Berücksichtigung der Erfahrungen herwärtiger Schützen an eidgen. Festen sah man von vorneherein von der Einführung der Souchenbücher ab und beschloss die Einführung des Schiessbüchleins Dasselbe wurde so eingerichtet, dass .sämmtliche Resultate darin verzeichnet werden konnten und dass als Zeichen für gelöste Kehrmarken oder Doppel briefmarkenähnliche und verschiedenfarbige Marken hineinznkleben waren. Von einer doppelten Kontrole der gestempelten Kehrresultate sali man, trotzdem verschiedene Mittel möglich gewesen wären, vorderhand absichtlich ab, was zu manchen kritischen Bemerkungen Anlass gab, deren Berechtigung nicht zu leugnen ist. Als im Verlauf des Montags der ersten Festwoche sich Spuren von Fälschungen bemerkbar machten, liess man dann 6 Bericht des Schiesskomites. durch die Warner ihre Unterschriften nach den gestempelten Resultaten setzen und führte so einen Modus ein, der vorher schon erwogen war tmd sich im Allgemeinen gut bewährte. Besser als diese Unterschriften hätten sich wahrscheinlich noch Kontrolmarken erwiesen, die von der Hand des Warners nach den gestempelten Resultaten einzukleben gewesen wären. Von komplizirten Stempeln und besondern Farben hat man sich mit Recht nicht viel versprochen, abgesehen davon, dass dieses Verfahren mit bedeutenden Kosten verbunden wäre; denn wer vor einer falschen Unterschrift nicht zurückschreckt, schreckt auch vor einer Stempelfälschung nicht zurück, und was die Farbe anbetrifft, so ändert dieselbe in Folge von Staub etc. ihr Aussehen leicht. Von den Warnern zeigten sich einige ihrer Aufgabe, trotzdem dieselbe eine höchst einfache war, nicht gewachsen und mussten die betreffenden unter die Hülsensammler gesteckt werden; die Grosszahl der Warner machte die Sache ganz gut. Insbesondere passten sie auf Mancherlei auf und brachten Verschiedenes /ur Anzeige, darunter einen Bestechungsver- such, welcher dem Gerichte übertragen wurde. Zwei Schützen wurden der Fälschung ihrer Kehrresultate vermittelst nachgemachter Nummernstempel überwiesen; die Aburtheilung erfolgte durch die zuständigen Gerichte. Für die Ausmittlung und Kontrolirung der Resultate im Kehr (300 m) waren 2 Bureaux, für den Kehr (50 m) und die Scheiben Rhein und Nöllen je eines eingerichtet. Die von diesen Bureau ausgestellten Anweisungen liefen alle auf dem Prämienbureau, das aus 6 Mann bestand, zusammen, wo die Anweisungen, mit der Unterschrift des Schützen versehen, zurückblieben, und zwar gegen Aushingabe des Betrages oder von neuen Anweisungen, die auf den Gabentempel lauteten und für Becher, Uhren und goldene Medaillen galten, oder von Gutscheinen, die nöthig wurden, als der Vorrath an Bronze- und Silbermedaillen erschöpft war. Diese Einrichtung und die Buchhaltung erwiesen sich als zweckmässig, so dass bei dem ungeheuren Andrang von Schützen dieselben doch verhältnissmässig schnell bedient wurden. Bericht des Scliiesskomites. 7 Die Kontrole in den Stichscheiben geschah (abgesehen von Ilhein und Nöllen) mit Hülfe der Standhefte, so dass die Schützen, nachdem sie gedoppelt hatten, nicht noch besondere Kontrolbureaux aufsuchen mussten. Das Absendbureau war in üblicher Weise eingerichtet. Es kamen 2 Absendmaschinen zur Benutzung, nämlich eine solche von Herrn A. Richarde! in Chaux-de-Fonds, mit Loupe und Nonuseinrichtung und eine solche des Schweiz. Schützenvereins mit Räderübersetzung. Die Erstellung und Punktirung der Absend-Kontrolen wurde soweit möglich schon während des Festes besorgt, so dass nach dem Fest in der Zeit von 2—3 Wochen sämmtliche Absendlisten angefertigt werden konnten. Die Zutheilung und Versendung der Graben erfolgte durch das Finanzkomite. An dieser Stelle ist noch zu bemerken, dass bei Scheibe „Thurgau“ durch Standschreiber drei grössere Versehen vorkamen, indem bei zirka 220 Schützen unrichtige Kartonnummem in Schiessbüchlein und Standheft eingetragen wurden, so dass die betreffenden Schützen auf den Aushängetabellen ihre Theilerzahlen unter andern Nummern suchten, als die Kartons hatten. Das Versehen wurde schon während des Festes richtig gestellt und soweit möglich bekannt gemacht; sobald sich Zeit fand (am ersten Tage nach dem Feste) wurde jedem betreffenden Schützen schriftlich von dem Versehen Mittheilung gemacht. Die Angelegenheit wurde auch in der „Schützenzeitung“ in zwei Artikeln aus Frauenfeld auseinandergesetzt. Diejenigen Schützen, die auf Prämien für die meisten Nummern pro Tag Anspruch machen wollten, hatten sich Morgens behufs Vormerkung zu melden und mussten Abends die geschossenen Resultate auf der Serienkontrole extra kon- troliren lassen; die betreffenden Prämien konnten jeweils am folgenden Morgen in Empfang genommen werden. Die grösste Nummemzahl war durchschnittlich pro Tag 654. Was die Ausmittlung der Schützen mit den meisten Nummern des ganzen Festes anbetrifft, so geschah dieselbe in der Weise, dass die Schützen, die darauf Anspruch machten, sich am Schlüsse ihres Schiessens ebenfalls bei der Serienkontrole zg 8 •Bericht des Sckiesskoinites. melden hatten, damit dort von ihren Gesammtresultaten (Kehr 300 m) Notiz genommen werden konnte. Es wurde diese Vorschrift von mehreren Schützen mit hohen Nummemzahlen nicht berücksichtigt, doch erhielten diese Schützen kurze Zeit mach dem Feste noch Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen. Die grösste Nummernzahl, die erreicht wurde, beträgt 2001. Der Schütze im 75. Rang hat noch 706 Nummern. Diese grossen Nummernzahlen hängen damit zusammen, dass jede der im Plane vorgesehenen Nummernvergütungen einmal und zwar in beliebiger Reihenfolge bezogen werden konnte und zwar unter Gutschreibung der nicht in Rechnung gebrachten Nummern. Man konnte sich so im Ganzen 1430 Nummern vergüten lassen. Diese Thatsache bildet einen der Umstände, die den kolossalen Zudrang zum Schiessen und die Ergebnisse des Festes erklären helfen. Bezüglich Publizirung der Schiessresultate ist zu bemerken, dass jeden Abend gleich nach Schluss des Schiessens von den verschiedenen Stellen aus die betreffenden Angaben auf fliegenden Blättern auf dem Bureau des Schiesskomites einzulaufen hatten. Als sich am ersten und zweiten Tage zeigte, dass die Druckerei der Festzeitung absolut nicht Zeit fand, schon nächtlicherweile zu Händen der Journalisten Vervielfältigungen zu liefern, wurde vom dritten Tage an die Sache so eingerichtet, dass die erwähnten Blätter gleich mit Hektographentinte zu schreiben waren und dass dann diese Blätter mit andern nöthigen Notizen, bevor sie als Manuskript in die Druckerei liefen, zu Händen der Reporter hektographirt wurden. So war es möglich, regelmässig ca. tun 9 */» Uhr Abends Abdrücke ausliinzugeben. Für einzelne Reporter, die sich interessirten, wurde zudem jeden Mittag ein kurzes Ver- zsichniss der besten Vormittags-Resultate' auf dem Bureau des Presskomites niedergelegt. Bericht des Schiesskomites. 9 VIII. Verkauf der Hauptstichdoppel, Militärstichdoppel, Kehrmarken, Rhein-, Hörnli- und Nollendoppel nach Festtagen. - 5 >. 3ttKdilig'ar.s am Sslctisns = r Wkttschiessen.. 1 Datum n r> n r n n n ri 11,920. — 25,860. — 3,050. — 7,645. — 10,029. — 2,715. — 1,650. — 10 , 000 . — 650. — 227,940. — 255. — Fr. 496,070. 70 In dieser Summe sind inbegriffen Fr. 132 für eingegangene Reklamationen, welche zum grössten Theile in nachträglicher Anmeldung zur Nummernvergütung bestehen; die Vergütungen hätten nach Art. 21 während des Festes bezogen werden sollen. XV. Telephon- und Reklamationswesen. Die beiden Telephonstationen in Schiess- und Scheibenstand: wurden zur Ausgleichung von Anständen sehr häufig benutzt, so dass es vortheilhafter gewesen wäre, die Stationen in der Mitte der beiden Flügel statt an den beiden Enden anzulegen. Als Telephonisten fünktionirten bezahlte Angestellte, denen in jedem Bureau zwei Plantons zur Verfügung standen. Die einzelnen Fragen und Antworten wurden in aufliegende Hefte notirt; aus diesen Heften ergibt sich, dass die Grosszahl der Reklamationen aus Anständen betr. Mouchen herrührte. Das R e k 1 a in a t i o n s b u r e a u hatte ein Mitglied des Komites inne, dem ein Sekretär beigegeben war. Dieses Bureau erwies sich als sehr nützlich; die grössere Zahl angehobener Reklamationen beschlug weniger Anstände des Schiessens, 16 Bericht des Schiesskomites. als vielmehr verlorener Gegenstände (Waffen, Schiessbüchlein etc. etc.). Zirka 14 Tage nach dem Feste waren die stehen gebliebenen Waffen den Eigenthümern zugestellt; alle andern Gegenstände wurden dem Polizeikomite übergeben. XVI. Expedition. Es gelangten zur Versendung 14,000 Schiesspläne in Oktavformat und 11,000 Stück in Plakatformat. Zu diesen Sendungen wurden verwendet: 10,200 Marken ä 5 Cts. 800 „ ä 10 „ 200 „ a 20 „ Ausserdem wurden 1800 Sendungen Drucksachen per Post und Bahn spedirt. Im Korrespondenzregister sind eingetragen bis 24. Xov. 1890 : 800 Einladungskarten an Mitglieder des Schiesskomites und 1490 Briefe. Das Kopirbuch zählt am gleichen Tage 480 Briefkopien. Frauenfeld, den 24. Dezember 1890. J4amens DES jÜCHIESSKOMITES ; Der Präsident: A. Gamper. Der Sekretär: H. Leuthold. Eidgen. Schützenfest 1890 in Frauenfeld. Bericht des Wirthsehafts-Komites. -'-^5fg>5@$00. 95 5. Schiess-Komite 99 19,916. 90 <>. Bau- und Dekorations-Komite „ 664. — 7. Wirthschafts-Komite (ink 1. Bankett- wein für Ehrengäste und l Komite- mitglieder Fr. 1,211. 9ü) 99 2,537. 25 8 . Empfangs-Komite 99 7,260 35 Summa 42,145. 30 Einnahmen und Ausgaben nach Büdget und Schlussrechnung. Einnahmen. Weinverkauf nach Budget Fr. Rp. 81,600. - laut Schlussrech Fr. Rp. 105,915. 90 Bierverkauf 12,000. - 16,854.30 Pachtzins 4,500. — 4,650. — Bankettkarten-Verkauf 40,000. — 49,892. 50 138,100.— 177,312. 70 Bericht des. YVirthschafts-Kounites. 15 jöt .A_iisgaben. nach Budget laut Schlussrechnung Fr. Rp. Fr. Rp Weinankauf 49,700. — 64,593. 65 Bierankauf 9,400. — 13,161. 50 Kel 1 ermie tl i e u. E i n ricl ilungen 1,000. — 630. 90 Küferlohn 1,500. — 687. 15 Manco dechet 1,500. - - - Reisespesen 750. — 439. 90 Camionnage 1000.— 305.65 Etiquetten 750.— 716. 45 ßankettkarten 150.— 210. — Drucksachen 1,500.— 365.10 Besoldung von Angestellten 780. — 244. — Verpflegung der Komitemit- lieder und Angestellten 1,500. — 2.576. 65 Bankettkarten-Vergütungen an den Festwirth < 37,000. — 46,741. 50 Diverses 1,570. - 551.50 Diverses 108,100. — Ueberschuss 30,000. — 131,153. 60 46,159. 10 Krauenfeld, im Januar 1891. Der Präsident des Wirthschafts-Komites: Wehrli-Bachmann. Der Aktuar: A. Schmid. Eidgen. Schützenfest 1890 in Frauenfeld. BERICHT des Erü.pfang's-Coro.ites. Nachdem das Orgauisations-Komite die Mitglieder des Empfangs-Komites durch Zuschrift von ihrem Mandat in Kenntniss gesetzt hatte, konstituirte sich der engere Ausschuss am 17. August 1888 und berieth den Entwurf des Reglements für dieses Spezialcomite. Derselbe lehnte sich im Allgemeinen an das Reglement von Bern an, enthielt aber den wesentlichen Unterschied, dass die offiziellen Empfangs- und Abschiedsreden der einzelnen Scbützenvereine und Ehrengäste wegfallen sollten. Das Organisationskomite erklärte sich einverstanden mit dieser Aenderung, weil ihm der zweifelhafte Werth laugathmiger Reden, wie sie bei .solchen Anlässen schon praktizirt worden, bekannt war; am 4. September 1888 erhielt von dieser Seite das Reglement die Genehmigung. Nach verschiedener Mutationen im Personalbestand der engem Kommission, hervorgerufen durch Todesfall, Ablehnungen, Ergänzungswahlen, etc. wurde es endlich möglich, eine gewisse Stabilität zu bewirken und den Vorstand definitiv zu bestellen ; doch darf gesagt werden, dass alle diese Aenderungen keinen dauernd störenden Einfluss auf die vorbereitende Arbeit, des Komites ausübten. 2 Bericht des Empfangs-Kormtes. Mittlerweile batte ausser dem Centralisomite des Schweiz. Schützenvereins auch ein Theil der Presse Veranlassung genommen, für den althergebrachten Modus der Empfangs- und Abschiedsreden aller Gesellschaften und Vereinchen eine Lanze einzulegen, und mit geringer Stimmenmehrheit hatte auch die Delegirtenversammlung der Schweizerschützen sieh gegen die beabsichtigte Vereinfachung ausgesprochen. Es drohte nun ein Kompetenzkonllikt auszubrechen, der indessen durch mündliche Unterhandlungen mit dem Centralkomite dadurch vermieden werden konnte, dass auch von dieser Seite im Prinzip unser Bestreben nach Einschränkung dieser Paradereden gebilligt wurde. Die Plenarversammlung unseres Empfangs- komite beschloss sodann fast einhellig, dass die offiziell angemeldeten Kantonalvereine und Ehrengäste mit kurzen Ansprachen begriisst, die Abschiedsredenaber unterlassen werden sollen; damit erklärte sich dann auch das Centralkomite einverstanden, und wir haben Grund genug, diese unsere Schluss- nahme nicht zu bedauern. Die vorbereitende Thätigkeit unseres Komites wurde eingeleitet durch eine Theilung der Arbeit; da uns auch das Musikwesen und die Redaktion der Festzeitung übertragen wurde, waren wir genothigt, obwohl klein an Zahl, aus unserer Mitte noch zwei Subkomites zu diesen Zwecken zu bilden; der Präsident des Empfangskomites nahm an allen Sitzungen der beiden Subkomites mit berathender Stimme ex officio theil, womit der stete Contakt zwischen den Unterabtheilungen hergestellt und die fortwährende Kenntniss über den Stand der allseitigen Thätigkeit beider Zweigkomites gesichert war; auch diese Anordnung hat sich vollauf bewährt. In den Ressort des eigentlichen Empfangskomites fiel in erster Linie die Aufstellung des Festprogramms; die Grundlagen desselben bildeten, soweit ähnliche Verhältnisse in Frage kamen, die Programme der eidg. Feste von Genf und Bern, allerdings mit mehrfachen Aenderungen in der Zugsordnung des Eröffnungstages und in der Tagesordnung der andern Festtage; zu Beginn des Frühjahrs 1890 erlangte dieses Programm die Zustimmung des Organisationskomites und trat Bericht des Empfangs-Komiles. 3 alsbald in Begleit des Schiessreglements und des Schiessplanes seine Reise in alle Weit an. Unserm Kornite war auch die Bildung der Festgruppen zugedacht, welche die historische Entwicklung des Schweiz. Schützenwesens darstellen sollten; die Beschaffung der Bewaffnung namentlich der ältesten Handfeuerwaffen wie der Armbrüste bot dabei grosse Schwierigkeiten und konstatirte die Thatsache, dass öffentliche Sammlungen an solchen Objekten nicht eben reich sind, dagegen der Privatbesitz noch manche werthvolle Stöcke aufzuweisen hat; wo indessen Zeughäuser und wohlwollende Privatpersonen von uns in Anspruch genommen wurden, gedenken wir jetzt noch dankbar ihres loyalen Entgegenkommens. Leichter gestaltete sich die Engagirung der bei diesen Gruppen mitwirkenden Jungmannschaft, der kostümirten Bannerträger und Reiter und der Zugskavallerie, die tadellos ihre Aufgabe erfüllte. Auch von Seite der Costumes - Lieferanten wurden wir bei massigen Preisen recht gut bedient und wickelten sich überhaupt alle unsere vertraglichen Beziehungen mit Drittpersonen überall glatt ab. Dieser Arbeit, die bis ins Detail hinein uns weit mehr Mühe verursachte als die Aufstellung unseres bescheidenen Budgets, reihten sich an die rechtzeitigen Unterhandlungen mit dem Genfer-Organisationskomite und mit den verschiedenen kantonalen Schützengesellschaften über den Zeitpunkt ihres persönlichen und offiziellen Empfangs, sowie die Vorbereitungen für die Abholung der Centralfahne in der gastfreundlichen Nachbarstadt Zürich. All’ dies wurde von unserer engern Kommission, bestehend aus sieben Mitgliedern, besorgt, wie denn überhaupt nur zwei, allerdings langdauernde Plenarsitzungen statthatten. Diese äusserst massige Inanspruchnahme der Mitglieder des grossen Komites hat uns nicht bloss deren Dank zugezogen, sondern war auch das Resultat der Erkenntnis«, dass mit relativ wenigen Kräften ebenso intensiv und rasch gearbeitet werden könne. Für die Ankunft und den Emplang Hessen wir uns möglichst rechtzeitig Tag und Stunde von den auswärtigen Vereinen und Ge- 4 Bericht des Empfangs-Komites. Seilschaften anzeigen und vertheilten zum Voraus unsere lledner für diese wie für die 'täglichen Toaste am Mittags- bankett, so dass jeder Verband zur festgesetzten Zeit das ihm persönlich zugetheilte Komi'te-Mitglied sowie eine entsprechende Zahl weiterer Begleiter auf dem Posten fand. Trotz des grossen Andrangs der ankommenden Vereine in den ersten Tagen des Festes fand niemals eine Störung unserer Funktionen statt. Für die Dauer fies Festes — während welchem an den beiden llaupttagen alle unsere Komite-Mitglieder und die meisten derselben fast tagtäglich in Anspruch genommen waren — wurde jeden Morgen punkt 7 1 / 2 Uhr im Promenadeschulhaus Rapport allgehalten, bei welchem die diensttbuen- den Mitglieder des betreuenden Tages nebst den Präsidenten der beiden Subkomites sich einzufinden hatten, und woselbst die Thätigkeit für diesen Tag und soweit möglich für den nächstfolgenden besprochen, ebenso auch der Tafelmajor bezeichnet wurde. Diese Anordnung hat sich trefflich bewährt, nicht blos um jederzeit mit einschlägigen Beschlüssen des Organisations-Ivomites Fühlung zu halten oder Letzterem geeignete Anträge zu unterbreiten, sondern auch um ganz akuten Verhältnissen Rechnung tragen zu können. Anschliessend au diese Sitzungen besammelten sich das Musik- und das Press- komite. Auf dem Festplatze war das Komite in einem Se- paratzimmer des prächtigen Gabentempels neben der Estrade einlogirt, von wo aus die elektrische Verbindung mit dem Placement der Festartillerie befriedigend funktionirte. Der gute Verlauf des Festes veranlasste uns gegen dessen Ende zu auch noch ein entsprechendes Schlussprogramm für den letzten hochoffiziellen Tag aufzustellen, das sich mit peinlicher Genauigkeit abwickelte. Im Allgemeinen erwiesen sich die getroffenen Anstalten, soweit die Obliegenheiten unseres Komites in Betracht kommen, als zweckdienlich; wenn Unerwartetes eintrat, das unsere Thätigkeit erforderte, so wurde entweder vom Präsidium von sich aus oder im Tagesrapport das NOthige besorgt, so dass wir wohl annehrnen dürfen, es habe unser Komite die ihm zugewiesene Aufgabe erfüllt. Bericht des Empfangs-Komites. In unsere grossen theils recht [angenehme und mit Begeisterung gepflogene Festesarbeit mischte sich leider auch eine traurige Pflicht; — durch ein jähes Unglück hatte der Tod einen Bündnerschützen im Schiessstande ereilt und wir hatten die tragische Mission, mitten im schwellenden Festesglück unserm Gaste die letzte Uh re, bis zum Bahnhof zu er- weisen; eine Deputation unseres Komites wohnte der Beerdigung des Verstorbenen in dessen Heimat bei. Mit Schluss des Festes ging auch unsere Thätigkeit einem raschen Ende entgegen; es lag in der Natur der Verhältnisse, dass dieselbe bis zu Beginn der Feierlichkeiten sich steigerte und während des Festes sich auf der Höhe erhielt, um alsbald nachher nur in untergeordneten Dingen sich allmälig zu verlieren. — Ueber die Arbeit der beiden Subkomites verweisen wir auf nachstehende Berichte. Frauenfeld, den 19. Februar 1891. Dei' Präsident: Dr. jur. Ad. Germann. Der Aktuar: P. Schneller, Professor. Eidgen. Schützenfest 1890 in Frauenfeld. Bericht (Iber die Thätigkeit des Musik-Komites. (Sub-Komite des Empfangs-Komites). Das vollständige Musik-Komite, aus fünf Mitgliedern bestehend, begann seine Sitzungen am 26. Februar 1890. Nach reiflicher Ueberlegung und vielfachen Erkundigungen wurden die Konstanzer Regimentsmusik als Festmusik und die Frauenfelder Stadtmusik als Zugsmusik, sowie die „Harmonie“ Wein- felden als zweite Zugsmusik (für den ersten Haupttag) enga- girt. Die Verhandlungen mit dem kantonalen Musikverein wegen einer Gesammtproduktion in der Festhütte zerschlugen sich zwar, dagegen zeigten sich die Gesangvereine der Stadt bereit, an zwei Konzerten durch den Vortrag von Gesammt- und Einzelchören mitzuwirken, wobei die kgl. preuss. Hofopernsängerin Frl. E. Herzog von Diessenhofen die Solopartien in glänzender Weise ausführte, während die Festmusik sich zu diesem Zwecke in ein treffliches Orchester umwandelte. Die „Sogiete des auteurs, compositeurs et 6diteurs de musique“ in Paris verlangte durch ihren Agenten für die Erwerbung des Aufführungsrechtes der Musikstücke eine Pauschalsumme von Fr. 100. —, indem sie sich auf den mit Frankreich bestehenden Vertrag zum Schutze geistigen Eigen- 8 Bericht über die. Tlüitigkeit des Musik-Komites. Iliinns berief. Nach langem Verhandlungen wurde aber beschlossen, auf diese Forderung keine Rücksicht zu nehmen und der angedrohte Prozess ist. auch nie anhängig gemacht worden. Während des Festes versahen täglich 1—3 Komite-Mit- glieder den Dienst, wozu noch 1—2 andere Herren beigezogen wurden. Jeden Tag konzertirte die Festmusik von 12 % 4 — 5 und 8—12 Uhr, gewöhnlich noch eine halbe Stunde und mehr zusetzend, was die Frequenz der Festhütte beträchtlich steigerte. Ausserdem nahm sie an den Festzügen theil und unterstützte in Nothfällen die Zugsmusik beim Empfang der Schützen. Die beiden am Montag und Donnerstag der ersten Festwoche veranstalteten Konzerte wurden mit grosser Begeisterung aufgenommen und erwiesen sich als nicht zu unterschätzende Zugkraft für die Festhütte. Gastmusiken fanden sich nur wenige ein; die „Fanfare Genevois“, weiche die eidg. Eahne begleitete, erntete reichen Beifall; am Donnerstag spielte die „Union Instrumentale“ von St. Croix, und am Freitag erschienen die Berner mit eigenem klingendem Spiele, um eine erhebende Festfeier beim Grabe General Webers zu begehen. Bernermutz und Bernermarsch erfreuten sich der Sympathie des Publikums im höchsten Masse, so dass der originelle Marsch ein besonderes Zugstück hiesiger Programme geblieben ist. Der flotte Einzug der Urkantone brachte einen eigenartigen musikalischen Genuss, indem ein ganz virtuoser Alphornbläser die lauschende Menge entzückte; auch das Jodlerquartett des Turnvereins „Alte Sektion Zürich“ verschaffte den Festbesuchern einen höchst genussreichen Abend. Das Gelingen des musikalischen Theiles unseres Festes ist vorab den vorzüglichen Leistungen der Konzertirenden, bis zu einem gewissen Grade aber auch dem Umstande zuzuschreiben, dass sich die Festhütte akustisch sehr günstig erwies, wozu auch die durch das Musikkornite, allerdings nicht ohne Mühe, erreichte Tiefersetzung der Bühne auf die Höhe von 3 Metern das ihrige beitrug. Vor allem aber haben wir die Erfahrung gemacht, dass nicht blos unsere Stadt.inusik als Zugsmusik, zu der sie sich Bericht über die Thütigkeit des Musik-KomiteS. 9 in anerkennenswerther Weise ausgebildet hatte, dieser Aufgabe trefflich gewachsen war, sondern dass auch das Engagement einer Berufsmusik von vorzüglicher Disciplin und berühmter Leistungsfähigkeit sich als das Zweckdienlichste erwies. Dieser Umstand, sowie die grosse Abwechslung im Bieten musikalischer Genüsse hat denn auch nicht wenig dazu beigetragen, dass die Frequenz unserer Festhütte fortwährend eine ansehnliche war und den finanziellen Erfolg unterstützte. Frauenfeld, den 10. Februar 1891. Der Präsident : C. Halfter, Reg.-Rath. Der Aktuar: Dr. R. Spiller. Eidgen. Schützenfest 1890 in Frauenfeld. BERICHT des ^ress-^ozua.Ites- Die Aufgabe des fünfgliedrigen, eine Sektion des Empfangs- Komites ausrnacbenden Presskomites war während des im Juli 1890 in Frauenfeld abgehaltenen Schützenfestes eine doppelte: I. Herausgabe und Vertrieb der Festzeitung. II. Vermittlung des Verkehrs mit den über das Fest refe- rirenden Journalisten. Die manigfachen mit der Lösung dieser Aufgabe verknüpften Funktionen mochten schon an sich bereits vor dem Feste den Gedanken wachrufen, ob es sich unter obwaltenden Verhältnissen nicht gerechtfertigt hätte, die Zahl der Komite-Mitglieder um ein Erhebliches zu verstärken, selbst wenn, was anscheinend nicht geschehen konnte, uns die Erfüllung der den Mitgliedern des Empfangskomites zukommenden Obliegenheiten (Halten von Toast- und Empfangsreden, Begleitung bei Empfängen und Aufzügen) vollständig erlassen worden wäre. Die hierüber von verschiedenen Seiten ge- äusserten Befürchtungen erwiesen sich denn auch während der Festtage durch zeitweise sich geltend machende Arbeitsüberhäufung einzelner Mitglieder nicht als völlig unbegründet; es mag auf dieses Moment auch hingewiesen werden, um verschiedene zu Tage tretende Mängel hinlänglich zu entschuldigen. 12 Bericht des Press-Komites. I. Bei der Edition der Festzeitung standen uns zwei Wege offen: Schaffung einer Festchronik irn engern Sinne, d. h. lose, chronologische Aneinanderreihung sämmtlicher mit dem Feste irgendwie in Beziehung stehender Einzelheiten, Wiedergabe sämmtlicher Reden im Wortlaut, oder aber: Herausgabe eines vorab auf die Unterhaltung des Festgastes abzielenden, den Verlauf des Festes mehr in seinen Grundzügen schildernden, inhaltlich nicht blos auf Vorkommnisse des Festlebens angewiesenen Organes. Wenn wir letzterer Eventualität weitaus den Vorzug gaben, so glaubten wir auf diesem Wege eher ein auf bleibenden Werth Anspruch erhebendes Werk zu schaffen,.anderseits gewährte dieselbe die aus verschiedenen naheliegenden Gründen wünschbare Möglichkeit, den Text von einzelnen Nummern bereits vor Beginn des Festes wenigstens theilweise vorzubereiten. Die von uns gewählte Lösung hat den Beifall des Publikums wie der Presse gefunden; von letzterer speziell wurde anerkennend hervorgehoben, dass neben dem naturge- mäss in den Vordergrund gerückten Festorte auch unsere Iburg. Landesgegenden eine Darstellung in Wort und Bild erfuhren. Soweit es angängig war, suchten wir den bereits vorliegenden Stoff' schon vor dem Feste auf die einzelnen Nummern zn vertheilen, bezw. vorläufig summarisch die Reihenfolge festzustellen und gelangten dabei zu folgendem Resultate: An die Spitze jeder Nummer ein mit dem Festleben in Beziehung stehendes patriotisches Gedicht — die Zahl der in diesem Genre eingegangenen, oft ziemlich ungereimten, nur zum kleinern Theile verwendbaren Beiträge war Legion. Hierauf der jeweilen für einen Tag einem Komitemitgliede übertragene Tagesbericht, im Anschlüsse hieran eine uns bereits vor dem Feste zugekommene Arbeit, dann die Schiessresultate. Am Schlüsse jeder Nummer sollte, was allseitig begrüsst wurde, auch der Humor zur Geltung kommen; etwas mehr Originalität wäre hier wohl am Platze gewesen, einer durchgreifenden und allseitig befriedigenden Erfüllung dieses Wunsches standen aber verschiedene, zum Theil auch in Bericht des Press-Komites. 13 der sich anhäufenden anderweitigen Stofffülle liegende Schwierigkeiten entgegen. Als Anhang ligurirten die Annoncen, denen wir ursprünglich nur drei Seiten zugedacht hatten, um unser Blatt nicht zu einem blossen Geschäftsanzeiger zu degradiren. Das spätere, auch im Publikum vielfach kritisirte Ueberwuchern des Annoncentheils, gegen welches wir uns zu wiederholten Malen, wenn auch anfänglich ohne Erfolg, energisch auflehnten, fällt nicht uns zur Last und würden wir es als den idealen Gehalt unserer Schützenfestzeitungen schädigend betrachten, wenn auf diesem Wege noch weiter, als es bereits geschehen, gegangen werden sollte. Um unserer Zeitung auch ein schmuckes Gewand anzulegen, sorgten wir für Erstellung einer Reihe von Illustrationen, fast ausschliesslich Holzschnitten, von denen wir jeder Nummer — ausgenommen der letzterschienenen — 1 bis 2 zuwiesen, wobei der Beschluss erging, von der Darstellung von Persönlichkeiten grundsätzlich Umgang zu nehmen. Hinsichtlich der Reden weisen wir darauf hin, dass wir mit Rücksicht auf den ephemeren Werth eines Theils derselben auf das Engagement eines Stenographen verzichteten und uns die offiziellen Reden von den betreffenden Sprechern jeweilen im Original erbaten, welchem Ansuchen stets bereitwillig entsprochen wurde. Bei diesem Anlasse bemerken wir, dass in rein technischen und commerciellen Fragen, zu deren Würdigung es im Schoosse des Komites an sachverständigen Vertretern leider fehlte, wir vielfach auf den Rath ausserhalb des Komites stehender Personen, namentlich der Chefs der Firma J. Huber in Frauenfeld, welche den Druck und theilweise auch den Vertrieb des Blattes übernommen hatte, abzustellen genöthigt waren und wollen wir nicht ermangeln, der uns nach dieser Richtung allseitig bereitwillig geleisteten Hülfe auch hier anerkennend Erwähnung zu thun. Selbstverständlich musste mit den vorbereitenden Arbeiten zur Herausgabe rechtzeitig begonnen werden und nahmen wir dieselben bereits im Frühjahr 1893 in Angriff. Vorerst handelte es sich um Erwerbung einer Anzahl Abonnenten, um einen Massstab zur Fixirung der Höhe der Auflage zu H liericht des I’ress-Komites. ei’lialten. Zu diesem Zwecke versandten wir Tausende von hektograpliirten, mit angehängtem Bestellschein versehenen Prospekte sowohl in Hotels, Restaurants im Inland, als auch an Interessenten, namentlich Thurgauer, im Auslände. Zudem wurde in jeder grösseren Ortschaft des Kantons eine Sub- scriptionsstelle bezeichnet und auch in öll'entlichen Blättern auf das in Entstellung begriilene Unternehmen hingewiesen. — Der Erfolg übertraf auch unsere kühnsten Erwartungen. — Hatten wir eine Maximalaullage von 1500 Exemplaren vorgesehen, so musste dieselbe auf die Zahl von 3300 erhöht werden, was nicht zu verhindern vermochte, dass verschiedene Nummern bereits während des Festes vergriffen wurden und auch zur Zeit nicht mehr erhältlich sind. Aus allen Ländern, Amerika und Afrika nicht ausgeschlossen, flogen uns die Bestellkarten zu Hunderten zu und bewiesen uns deutlich, dass sich ein solches Blatt einer grossen Popularität erfreut und unter sachkundiger, geschäftstüchtiger Leitung von einem spätem Festorte geradezu als Einnahmsquelle in [Aussicht genommen werden kann. Selbstverständlich hatten wir unser Augenmerk auch auf den Einzel verkauf während der Festtage zu richten; es wurden zirka ein Dutzend Jünglinge hier engagirt, welche freilich, namentlich auch in Folge der ihnen von mehreren routinirten Erwachsenen bereiteten Konkurrenz keine bedeutenden Erfolge aufweisen konnten. Es belief sich die Bruttoeinnahme (jeoch abzüglich der Provisionen) auf zirka Fr 700. — Mit Rücksicht auf dieses günstige Resultat wurde den Hausirern nachträglich noch eine Gratifikation verabfolgt. Obwohl der Preis der einzelnen, wie bereits erwähnt mit Illustrationen geschmückten, Nummer nur auf 30 Cts., der Abonnementspreis inkl. Zustellungsgebühr auf blos Fr. 3. - angesetzt wurde, stellte sich trotzdem der aus der Zeitung erziehe Nettogewinn auf rund Fr. 1500. —, so dass wir glücklicherweise nicht in die Lage kamen , von dem uns für den Fall eines Defizits zugewiesenen vorläufigen Kredite von Fr. 800.— Gebrauch zu machen. Hatten wir somit alle Veranlassung, mit dem trotz der reichlichen Zuwendung von Frei- Bericht des Press-Koinites. < ** Id exemplaren und der nach Sicherung unseres Erfolges eingetretenen, nicht allzu kargen Honorirung unserer diversen Angestellten als günstig zu ciuaiifizirenden Ergebnisse zufrieden zu sein, so sprach anderseits auch unser Leserkreis, soweit wir Gelegenheit hatten, bezügliche Aeusserungen zu vernehmen, vor Allem aber auch die verschiedenen Organe der Presse über die ihnen gebotenen Leistungen ihre rückhaltlose Anerkennung aus. Theils um uns für diese erkenntlich zu zeigen, theils auch um dem mehrfach geäusserten Wunsche, wenn irgend möglich sämmtliche, in verdankens- werther Weise uns über das Bedürfniss hinaus zugegangenen Arbeiten zu veröffentlichen, nach Kräften gerecht zu werden, veranstalteten wir über die s. Z. in den Prospekten ertheilten Zusagen hinaus die Herausgabe zweier weiterer, allerdings unsern Ausgabenkonto nicht unerheblich belastenden Nummern (wovon eine Doppelnummer), wobei wir jedoch nunmehr leider ausser Stande waren, jene nachträglich edirten Nummern noch mit Illustrationen auszustatten. Anhangsweise notiren wir, dass auf eine an uns gestellte Anfrage, wie wir uns zu der von mehreren Interessenten pro- jektirten Herausgabe eines Festführers steilen würden, der Bescheid erging, man möchte von der Edition eines solchen W T erkes, das wir in gewissem Sinne als Konkurrenzunternehmen auffassen müssten, umsomehr abstehen, als von einem wirklichen Bedürfniss zu einem solchen Buche angesichts unserer kleinstädtischen Verhältnisse doch im Ernste nicht gesprochen werden könne. Es wurde schliesslich der Plan von den Betheiligten aufgegeben. Fassen wir die obigen Ausführungen in wenige Worte zusammen, so dürfen wir die anlässlich des letzten Schützenfestes edirte Festzeitung als ein lebensfähiges, gelungenes Unternehmen bezeichnen und sind die bisher gerügten Mängel, welche wir lediglich zu blanden unserer Nachfolger etwas schärfer urgirt haben, keineswegs hinreichend, den oben skizzirten, durchwegs günstigen Gesammteiridruck zu verwischen. — Jeder künftige Festort möge, ohne Rücksicht auf seine Grösse, sich muthig an die Veranstaltung eines 16 Bericht des Press-Romites. solchen Organes heranwagen, voller Vertrauen auf die Sympathie und den Opfersinn unseres Schweizervolkes. II. Die Lösung der zweiten Aufgabe, Verkehr mit den Journalisten, wäre vielleicht richtiger in die Hände einer beson- dern Sektion — wenigstens während des Festes — gelegt worden. Ein Verkehr auf schriftlichem Wege bestand bereits vorher, indem die einzelnen Vertreter der Presse in grosser Zahl sich mit Anfragen an uns wandten, in welcher Weise die Leitung des Festes ihren Bedürfnissen entgegenzukommen gedenke. Sich eine endgültige Regulirung der wichtigsten Fragen immerhin eventuell vorbehaltend, bezeichnete Mitte Juni das Organisationskomite als Zentralstelle für den ausschliesslichen Verkehr mit den Journalisten das Presskomite. Um eine möglichst gleichmässige Behandlung der letztem zu ermöglichen, erliess das Presskomite in Uebereinstimmung mit den Intentionen des Organisationskomites ein auf sämmtliche Anfragen der Journalisten diesen zugestelltes Reglement mit folgenden Hauptbestimmungen: 1) Jeder am Feste theilnehmende und sich als Vertreter einer Zeitung legitimirende Reporter erhält gratis eine Festkarte, welche eine zum unentgeltlichen Besuche des Belvedere berechtigende Aufschrift trägt und vom Presskomite verabfolgt wird. 2) Den betr. Journalisten werden die Schiessresultate jeden halben Tag zugänglich gemacht und an der Hand offizieller Mittheilungen des Schiesskomites in einer Reihe von Exemplaren auf dem Pressbureau aufgelegt. 3) Es werden den Vertretern der Presse zwei, für den ersten Sonntag und den offiziellen Tag (Donnerstag) gültige Bankettkarten gratis überlassen. 4) Dieselben erhalten in der Festhütte und im Kantonsschulgebäude separate Lokalitäten zugewiesen. 5) Das Quartierkomite sorgt zu Händen der Journalisten für gute und billige Unterbringung derselben. Bericht des Press-Komites. 17 6) Genauere Bestimmung der jeweilen mit dem Tagesdienst betrauten Mitglieder, sowie Angabe der Lokalitäten bleibt späterer Publikation Vorbehalten. Hatten schon diese Bestimmungen den Beifall der Publizisten gefunden, so zeigten sich dieselben, als sie in sehr bedeutender Zahl an unserem Feste erschienen, mit den zu ihren Gunsten getroffenen Massnahmen sehr befriedigt. Zu jeder Zeit war ein Mitglied des Presskomites in dem in der Festhütte für die Presse eingeräumten Pavillon zur Auskunftsertheilung anwesend und suchten wir nach Kräften den zum Theil nicht geringen Ansprüchen nachzukommen. Durch einige mit Vervielfältigungsapparaten bewaffnete Angestellte machten wir die jeden Abend nach Schluss des Schiessens uns zugehenden Resultate in einer Reihe von Exemplaren den Reportern zugänglich und nachdem man sich einmal gehörig eingerichtet und den Verhältnissen angepassf hatte, funktionirte der Mechanismus sicher und zur Zufriedenheit sämmtlicher Journalisten. Auf wiederholt an uns gestellte Ansuchen überliessen wir die nach Schluss des Festes (Donnerstags) durch das Präsidiums des Schiesskornites dem Publikum mitzutheilendeu Haupt-Endresultate sozusagen gleichzeitig mit der offiziellen Verkündigung den Vertretern der Presse, wodurch deren Organe in die Lage versetzt wurden, noch arn selbigen Tage die ihnen auf telegraphischem Wege zugegangenen Berichte zu veröffentlichen. Zum Schlüsse wollen wir nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass sämrntliche uns zugängliche Zeitungen (besonders die Correspondenten der „Nationalzeitung“ und „Neuen Zürcher Zeitung“) in den Ausdrücken höchster Befriedigung das ihnen erwiesene Entgegenkommen verdankten und den Festort zu dem auch auf diesem Gebiete errungenen Erfolge beglückwünschten. Frauenfel d , den 10. Februar 1801. Der Präsident des Press-Komites: Berger, Pfarrer. Der Aktuar: Dr. J. Wehrli, Staatsschreiber. Eidgm Sehützenfest 1890 in Frauenfeld. BERICHT des ^olizel-IEZon^CLites. I. Allgemeines. a) Aufgaben des Polizei-Komites. Auf Grund der vom Organisationskomite unterm 19. Juli 1888 für das Polizeikomite ausgeschiedenen Befugnisse hatte dasselbe folgende Aufgaben zu lösen: 1) Handhabung der Ordnung und Sorge für die Sicherheit der Personen und des Eigenthums auf dem Festplatze im Allgemeinen. 2) Im Besondern: Bewachung des Gabentempels, der Festhütte, des Schiessstandes und der Scheibenhäuser; Kommando über die für diese Bewachung in erster Linie bestimmte Truppenabtheilung. 3) Handhabung der Ordnung in Bezug auf den Verkehr der Fussgänger, Beiter und Wagen auf dem Festplatze und auf allen direkten Zufahrten zu demselben; Regulirung des Droschkendienstes. 4) Mitwirkung zur Handhabung der Ordnung in Bezug auf den Eisenbahnverkehr (auf beiden Bahnhöfen). Bericht des Polizei-Komites. 5) Spezielle Aufsicht über die Schau- und Verkaufsbuden, die Hausirer und Dienstmänner auf dem Festplatze, 6) Vorsorge für den Feuerwehrdienst auf dem Festplatze. 7) Sorge für die Festartillerie. , 8) Ordnung der Festzüge und Kommando über dieselben. 9) Organisation des Sanitätsdienstes vor und während des Festes. b) Organisation des Polizei-Komites. Zur Lösung dieser Aufgaben wurde folgende Organisation getroffen: 1. Das engere Komite bestand aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten, 2 Sekretären (der 1. Sekretär war zugleich Kassier) und 5 weitern Mitgliedern. 2) Um die Durchführung des Dienstes zu erleichtern, wurden 7 Sektionen gebildet, welchen je ein Chef und ein Stellvertreter Vorstand, die jedoch ihrerseits wieder unter der Oberleitung des Präsidiums standen. a. Sektion für Zivilpolizei b. Sektion für den Eisenbahnverkehr . c. Sektion für den Post- und Telegraphendienst d. Sektion für den Verkehr auf dem Festplatze e. Militärsektion f. .Sanitätssektion g. Feuerwehrsektion. 3) Den Mittelpunkt der Thätigkeit aller Abtheilungen des Polizeikomites bildete das im städtischen Waschhaus instal- lirte Bureau. 4) Für das Bureau und jede der obigen Sektionen wurde eine Spezialinstruktion erlassen. Diese Beglemente wurden sodann jedem Mitgliede gedruckt zugestellt, welche Massregel den Dienst wesentlich erleichtert hat. i Bericht des Polizei-Komites. 3 c) Verzeichniss der Komite-Mitglieder. 1 . 2 . 3. 4. 5. 0 7. 8 . 9 . 10 . 11 . 12 . 13. 14. 15 . 16 . 17. 18. 19. 20 . 21 . 22 . 23. 24. Vizepräsidenten Sekretäre Merk, Oberstlieutenant, Präsident. EglofJ, Dr., Piegierungsrath Meili, Statthalter Deucher, Dr., Fürsprech Schmid, Sekundarlehrer Albrecht, Dr., Arzt, Chef der Sanitätssektion Brenner, Postverwalter, Chef der Sektion für Post und Telegraph Debrunner, Dr., Arzt Eder, Verhörrichter, Chef der Sek tion für Zivilpolizei Gibel, Kaufmann Gimmi, Fourier Hablützel, Fourier Haffter, Dr., Arzt Keller, Baumeister Kreis, Telegraphist Kressibucher, Weibel Lüthi-Dünner, Wachtmeister Merkle, Inspektor, Chef der Eisenbahnsektion Mötteli, Baumeister Ramp, Schmied Schilt, Apotheker Stutz, Camionneur Wild, Fürsprech Mötteli, K., Chef der Feuerwehrsektion d) Sitzungen des engern und erweiterten Komites, sowie Rapporte während des Festes. Die kunstituirende Sitzung fand den 2. Juli 1888 statt und die letzte Sitzung vor dem Fest, die fünfzehnte, den 10. Juli 1890. Post festum wurde noch eine Sitzung des engern Komites abgehalten. Während der Dauer des Festes wurde täglich, um 5 Uhr Abends, vom Präsidenten oder Vizepräsidenten der Rapport 4 Bericht des Polizei-Komites. von Seiten der Chefs der einzelnen Sektionen und dienst- thuenden Mitglieder entgegengenommen. Es freut uns, hier konstatiren zu dürfen, dass die grosse Mehrzahl der Mitglieder es mit ihrer Aufgabe ernst nahm: sie fanden sich nicht nur pünktlich bei den Sitzungen und Rapporten ein, soweit force majeure es gestattete, sondern sie liessen sich auch von jenem Geist der Eintracht beherrschen*, der in den meisten Fällen einmüthige Entscheide erzielte. e) Festzüge. Samstags den 19. Juli wurde die eidgenössische Fahne auf dem Balmhofe empfangen und zum Rathhaus geleitet. Sonntags den 20. Juli fand der sehr gelungene Festzug zur Eröffnung des Schiessens statt. Der Zug zerfiel in vier Hauptabtheilungen, je mit einer Zugsmusik an der Spitze. I. Zeiger, Warner, Angestellte des Schiesskomites, Teil mit dem Knaben, Schützengruppen früherer Zeiten. II. Die eidg. Fahne zwischen den Fahnen von Genf und Thurgau, Zentral-Komite, Organisations-Komite, Spezial-Ko- mites, Schützengesellschaften aus Genf und dem Ausland. III. Alte Banner der Stadt Frauenfeld, eine Anzahl thur- gauische Schützenfahnen, Regierungsrath, Obergericht, Bezirks-, Gemeinde- und Stadtbeamte. IV. Die schon eingetroffenen Schweiz. Schützenvereine Sänger und Turner, ein Schützendetachement. Nachdem die einzelnen Abtheilungen des Zuges vom Poli- zeikomite geordnet waren, setzte sich derselbe programmge- mäss um 10 Uhr unter dem Geläute aller Glocken und von Artilleriesalven begleitet nach dem Festplatze in Bewegung. Er berührte unterwegs folgende Strassen: Bahnhofstrasse, Rheinstrasse, Ergaten bis zum Ochsen, Rebgasse, Altweg und Thorhalde, Zürcherstrasse, Bankgasse, freie Strasse, Promenade, Erchinger Vorstadt, Spannerstrasse, Holderstrasse, Feststrasse. Der Marsch durch die Strassen der festlich ge- Bericht des Polizei-Komites. 5 schmückten Stadt, sowie der Contremarsch in der Ergaten waren imposant und fanden in bester Ordnung und ohne Störung statt, so dass um 11 Uhr 15 Min. der Zug vor dem Gabentempel aufgestellt war, wo sodann die Uebergabe der eidg. Fahne und die Eröffnung des Festes durch den Präsidenten des Organisationskomites stattfand. Ebenso gelungen war der Zug, der Donnerstag den 24. Juli zu Ehren der hohen Behörden ausgeführt wurde. Um 0 Uhr nach Ankunft des Zuges, der uns die Ehrengäste brachte, ordnete sich der Zug vor dem Bahnhof. Voran waren die Mitglieder des Zentral- und Organisationskomites, sowie des Empfangskomites, so weit verfügbar; dann folgten die Abordnungen der Käthe und Behörden: Bundesrath, diplomatisches Corps, Gemeinderath von Paris, Gesandte der Schweiz im Auslande und Bureau des National- und Stände- rathes; hierauf nach Einschaltung der Festmusik das Büreau des kantonalen Grossen Rathes, eine Abordnung des Re- gierungsrathes, des Obergerichts und endlich die disponiblen Mitglieder der Spezialkomites. Der Zug ging nach dem lieblich geschmückten Rathhaus und nach einem kleinen Abstecher durch die Stadt auf den Festplatz. Zu erwähnen ist last not least die Schlussfeierlichkeit, resp. die Begleitung der Zentralfahne zum Hause des Festpräsidenten. Die Aufstellung, Ordnung und Führung dieser Züge wurde vom Polizeikomite besorgt. Rühmlich hervorzuheben ist bei dieser Gelegenheit namentlich auch die Thätigkeit der wackern Schützenoffiziere und Schützen der I. Kompagnie des Schützenbataillons No. 7, welche energisch und doch in schonender Weise für Räumung der Strassen und des Festplatzes sorgten, sowie der Kavalleristen, die an der Spitze des Zuges und auf dem Festplatze unschätzbare Dienste leisteten. 6 Bericht des Polizei-Komites. f) Post-, Telegraphen- und Telephondienst. Auf Ansuchen des Organisationskomite errichtete die Post- und Telegraphenverwaltung aut dem Pestplatze ein Postbureau, Telegrammaufgabe-Bureau und eine öffentliche Fernsprechstation. Die Lokale befanden sich neben denjenigen des Polizei- komites und dem Auskunftsbureau in einem der Stadt gehörenden Gebäude beim Haupteingang zum Festplatz. Es standen dem Bureau vor: 2 Beamte, 2 Bureaudiener; dem Telegraphen- und Telephonbureau: 3 Beamte, 3 Depeschenträger, nebst 3 für den irmern Dienst in Festhütte, Schiessstand etc. bestimmten, von dem Festkomite gestellten Ausläufern. Das Postbureau war dem Publikum geöffnet von 7 Uhr Morgens bis 9 Uhr Abends und mit dem Stadtbureau sowohl als mit den Bahnposten in direktem' Sendungswechsel. Der Verkehr war trotz der Nähe des Stadtbureau erheblich und betrug : Einbezahlte Geldanweisungen 64 Stück, Fr. 5,248. 72 ausbezahlte „ 67 „ „ 6,553. — aufgegebene Fahrpoststücke 195 Stück bestellte „ 342 „ exped. Briefe, Drucksachen ca. 2100 „ „ Postkarten „ 906 „ „ Privatpostkarten „ 2200 „ bestellte Briefpostgegenstände ,, 4100 „ Auf dem Festplatz, Haupteingang, dem Schiessstand und der Festhütte war je ein Briefeinwurf plazirt, welche täglich 6—7mal geleert wurden. Zn den bereits bestehenden Postkursen sind um den Verkehr nach jenen Landestheilen zu verbessern von 19.-30. Juli Extrakurse nach Lustdorf und Diessenhofeu eingerichtet worden, welche eine ziemliche Passagierfrequenz hatten. Bericht des Polizei-Koinites. 7 Das Telegraphen- und Telephonbureau war geöffnet von G Uhr Morgens bis 10 Uhr Nachts und weist folgenden Verkehr auf: Aufgegebene Telegramme 2556 Stück wovon 135 internationale, 2471 interne, angekommene Telegramme circa 1200 Stück, Telephongespräche 77 „ Die Telegramme wurden dem nur 500 m entfernt liegenden Centraltelegraphenbureau per Fussboten zugetragen und von demselben aus durch neu erstellte Spezialapparate weiter geleitet. Die postalischen und telegraphischen Einrichtungen, welche die betreffenden Verwaltungen mit Hinsicht auf den grossen Andrang von Festbesuchern in einer so kleinen Stadt auf Festplatz und Stadtbureau getroffen hatten, erfüllten ihren Zweck vollständig und sicherten die regelmässige Abwickelung des Verkehrs in jeder Beziehung, wofür wir die volle Anerkennung aussprechen. II. Verkehr auf dem Festplatze. In der bezüglichen Spezialinstruktion waren folgende Anordnungen getroffen worden, die sich durchaus bewährten: § '!• Die Aufgabe des Polizeikomites betr. den Verkehr auf dem Festplatze ist folgende: a. Handhabung der Ordnung auf dem Festplatze selbst; b. Sicherung der Zufahrten zu demselben für Fussgänger, Reiter und Fuhrwerke; c. Aufsicht über die genaue Vollziehung der vom Polizei- komite aufgestellten Regulative durch die Droschkenführer, Dienstmänner und Iiausirer; d. Aufsicht über die Schaubuden. 8 Bericht des Polizei-Komites. § 2 . Gemäss § 6 der allgemeinen Instruktion für das Polizei- komite vom 25. Juni 1888/28. April 1890 sind die Aufgaben unter lit. a. und b. in erster Linie der Sektion d. (für den Verkehr auf dem Festplatze), die Aufgaben unter lit. c. und d. dagegen zunächst dem Bureau übertragen. a) Regulativ für Fuhrwerke (Droschken, Privatfuhrwerke etc.) 1. Fahrordnung. § 3. Fuhrwerke jeder Art, sowie Reiter sind vom Festplatze ausgeschlossen. Auf den zum Festplatz führenden Strassen darf nur im Schritt gefahren werden. Die Fuhrwerke sollen stets rechts halten; das Vorfahren ist nicht gestattet. Die Sperrung einzelner Strassen für den Wagenverkehr — im Einverständnis mit der zuständigen Polizeibehörde — bleibt Vorbehalten. 2. Aufstellung der Fuhrwerke. § 4. Standorte der konzessionirten Droschken sind: a. auf der obern Promenade bei Rutishauser, Bäcker — Front gegen Promenadestrasse, b. vor der Front der Kaserne gegen den Bahnhof hin — Front gegen Hotel Bahnhof. Privatfuhrwerke, welche Festbesucher auf den Platz bringen, haben sich den konzessionirten Droschken anzu- sehliesseu. Bericht des Poiizei-KomiteS. 3. Tarif. Es sind folgende Taxen zu berechnen: a. E i n s p ä n n e r. 1. Rundfahrt im Weichbild der Stadt mit Kurzdorf und Langdorf . 2. Fahrt vom Bahnhof NOR zum Festplatz per Person 3. Fahrt nach der Karthause oder Wellenberg für 1 - 2 Personen. Fr. Rp. I. — —.50 4 Fahrt nach Steinegg oder Sonnenberg-Stettfurt ur 1 — 2 Personen.0. — 5. Fahrt per Stunde.2. — b. Zweispänner. 1. Rundfahrt Avie oben.2. — 2 Fahrt nach der Karthause oder Wellenberg . . 10. — 3. Fahrt nach Steinegg oder Sonnenberg-Stettfurt . 12. — 4. Fahrt per Stunde.3. — Von Abends 9 Uhr an bis Morgens 5 Uhr sind die Taxen doppelte. Dieser Tarif ist in jedem Fuhrwerk sichtbar zu befestigen. § 6 - Mit Bezug auf die Konzessionsgebühr und die an die Droschken und deren Führer gestellten Anforderungen wird auf den mit den hiesigen Lohnkutschern abgeschlossenen Vertrag verwiesen. § 7. Die Droschken sind sichtbar zu nummeriren. Auf dem Bureau des Polizeikomites wird ein Verzeichniss der Droschkenhalter mit Angabe der Nummern ihrer Fuhrwerke angeschlagen und aufgelegt. c s *>• Klagen über das Fahrpersonal, über Beschädigungen an Fuhrwerken und andere Reklamationen sind auf dem Bureau des Polizeikomites anzubringen, das über alle Anstände entscheidet. 10 Bericht des Polizei-Kom ites. b) Regulativ für die Dienstmänner. § 9 . Während der Dauer des Schützenfestes werden 10—12 Dienstrnänner, unter einen Chef gestellt, den Dienst am Bahnhof sowohl als auf dem Festplatze besorgen. Diese tragen an. der Mütze einen sichtbaren Schild mit der Aufschrift „Dienstmann“ und entsprechender Nummer. § io. Die Anstellung als Dienstmann erfolgt auf Grund persönlicher Anmeldung beim Chef der Dienstmänner und sofern dieser die erforderlichen Eigenschaften als vorhanden erachtet, mittelst Zustellung von Marken, Mütze und Regulativ. Nach Ablauf des Festes fällt die Mütze in das Eigenthum des Trägers, der Schild dagegen ist zurückzuerstatten. § H. Der Bewerber muss gut beleumdet, körperlich und geistig befähigt und im Aktivbürgerrecht nicht eingestellt sein. Für Erfüllung der aus seiner Anstellung herrührenden Verpflichtungen hat er eine (Real- oder Personal-) Kaution von 100 Fr. zu leisten und eine Konzessionsgebühr von 5 Fr. zu entrichten. § 12 - Die Dienstmänner stehen unmittelbar unter ihrem Chef und mittelbar unter dem Polizeikomite. § 13. Es ist ihnen ein anständiges und bescheidenes Benehmen gegen das Publikum zur Pflicht gemacht; das Rauchen im Begleit der Auftraggeber und im Innern von Häusern ist untersagt. § 14. Alle Aufträge sind sofort und gewissenhaft auszuführen, unter Beobachtung strengster Verschwiegenheit. Die Ablehnung eines Auftrages darf nur unter Nachweis einer schon erhaltenen Bestellung erfolgen. Bericht des Polizei-Komites. 11 § 15. Nach Erhalt eines Auftrages ist der Dienstmann zur Abgabe der Marke, welche seine Nummer trägt, an den Auftraggeber verpflichtet. § 16 - Disziplinarische Vergehen und Insubordination werden mit Bussen von 3—10 Fr. geahndet. In Fällen mangelhafter oder gar nicht erfolgter Ausführung erhaltener Aufträge ist der Dienstmann zum Ersatz verpflichtet. Diesbezügliche Beschwerden sind beim Chef der Dienstmänner oder direkt beim Polizeikomite anzuheben. Letzteres entscheidet in allen Fällen neben anfälliger Busse auch über die Höhe der Schadenersatzsumme. § 17. Der Standort der Dienstmänner ist regelmässig beim Polizeibureau. Der Dienst ist vom Chef jedoch so zu leiten, dass ein Theil der Dienstmänner sowohl bei Ankunft als Abgang der Eisenbahnzüge (namentlich der ersten Morgenzüge und der letzten Abendzüge) bei den Bahnhöfen zur Verfügung steht. § 18. Die Dienstmänner sind für ihre Dienstleistungen zum Bezug folgender Taxe berechtigt: 30 Rp. im Rayon der Stadt, 50 Rp. für Gänge nach Kurz- und Langdorf, Huben und Wannen feld. Für Spedition von Gepäck über 10 Kilo wird die Taxe erhöht und zwar für je 10 Kilo oder einen Bruch theil um 30 resp. 50 Rp. c) Regulativ für die Hausierer. § 19. Hausierer, welche ihr Gewerbe auf dem Festplatze ausüben wollen, haben sich über den Besitz eines staatlichen Hausierpatentes auszuweisen resp. darzuthun, dass ihr Gewerbe nicht unter die Bestimmungen des Hausiergesetzes fällt. 12 Bericht des Polizei-Komites. Diesen Nachweis vorausgesetzt, haben sie ausserdem auf dem Festpolizeibureau die erforderliche Bewilligung einzuholen, und erhalten hier gegen Bezahlung einer Gebühr von 2 Fr. für die ganze Dauer des Festes eine Karte mit der Bezeichnung des Gegenstandes, mit dem sie hausieren dürfen, und ein Abzeichen, welches sie in geeigneter Weise sichtbar zu tragen haben. § 20 . ln der Festhütte darf während des Bankettes nicht hausiert werden im Schiessstand und Gabentempel ist das Hausieren überhaupt verboten. Abends 8 Uhr hat jeder Hausierverkehr auf dem Festplatze aufzuhören. Zuwiderhandelnde verlieren die Hausierbewilligung und können ausserdem den staatlichen Behörden zur Bestrafung überwiesen werden. d) Regulativ für die Schaubuden. 8 21 Für Schaubuden eingeräumt werden vom Organisations- komite ein Theil der vom Baukomite zu andern Zwecken ge- mietheten Wiesen, sowie der Zeughaus- und Löwenplatz. Auf die Schaubudenplätze werden nur solche Geschäfte zugelassen, welche weder unsittliche, anstandswidrige und öffentliches Aergerniss erregende, noch der Volkssitte widerstrebende Schaustellungen und Gewerbe betreiben. Schaugeschäfte, deren Betrieb in Bettel, Prellerei oder Belästigung des Publikums ausartet, können sofort geschlossen und zum Verlassen des Platzes angehalten werden, ohne auf Rückerstattung der geleisteten Kaution Anspruch machen zu können. § 22 . Die bewilligte Bodenfläche wird durch Mitglieder des Polizeikomites angewiesen und abgesteckt. Jede Vertauschung, Abtretung oder Erweiterung derselben ist untersagt. Nach Entfernung der Bude ist der Inhaber gehalten, die Fläche auf der sie gestanden, von Kehricht u. dgl. zu reinigen. Bericht des Polizei-Komites. 13 § 23. Vor 10 Uhr Vormittags und nach 10 Uhr Nachts dürfen keine öffentlichen Schaustellungen oder Musik in den Buden stattfinden. — Aller nur auf das Anlocken von Besuchern berechnete Lärm, z. B. einzelne Kornstösse, andauerndes Schreien, Schellen und Pfeifen ist untersagt. — Allen Buden der vordersten Reihe zunächst dem Schiesstand ist es strenge untersagt, während der Zeit des Schiessens (von Morgens 6 Uhr bis Abends 8 Uhr) Blechmusik spielen zu lassen oder überhaupt grossen Lärm zu machen. Zuwiderhandelnde werden mit Geldbusse belegt, auch kann ihnen die fernere Schaustellung untersagt und sie ausserdem den staatlichen Behörden zur Bestrafung überwiesen werden. Das Polizeikomite entscheidet über alle Anstände. § 24. Die Reisewagen müssen hinter den betreffenden Schaubuden aufgestellt werden. § 25. Das Aushängen von Wäsche vor den Buden und an öffentlichen Strassen ist untersagt. III. Sicherheitspolizei. Durch die sehr anerkenuenswerthe Vermittlung des tit. Polizeidepartements des Kantons Thurgau und durch die bestens zu verdankende Gefälligkeit der Regierungen, bezw. Polizeibehörden der Kantone Zürich, Genf und St. Gallen wurde, entsprechend der Spezialinstruktion betreffend Organisation und Dienst der Sicherheitspolizei das Polizeicorps zusammengesetzt: a. aus 5 Geheimpolizisten: je einem aus den Kantonen Bern, Genf, St. Gallen und zweien aus dem Kanton Zürich; 14 Bericht des Polizei-Komites. b. aus 5 uniformirten Polizisten aus dem Kanton Zürich, welche Herr Polizeihauptmann Fischer von Zürich beordert hatte; c. aus 10 thurg. Landjägern, welche das thurg. Polizei- departement in 3 Ablösungen, bestehend aus je zwei Korporalen und 8 Polizisten, zur .Verfügung gestellt hatte. Die sub a und b aufgeführten Mannschaften waren für die ganze Dauer des Festes hieher kommandirt. Herr Polizeihauptmarin Fischer schickte uns für den 24. und 27. Juli (I. Festdonnerstag und 1. Festsountag) zu sehr loyalen Bedingungen noch weitere 5 uniforrnirte und 2 Geheimpolizisten. Neben der genannten, für das Fest ausserordentlicher Weise einberufenen Polizeimannschaft fungirte selbständig und unter unmittelbarem Befehle des titl. Bezirksamtes und der Ortsvorsteherscbaft die ordentliche Polizeimannschaft, welche mit Rücksicht auf das Fest verstärkt worden war. Um eine gewisse Ordnung in den Dienst zu bringen und die Kontrole zu ermöglichen, waren 5 Lokalitäten (Festplatz und Gabentempel, Budenplatz und Schützenstand, Nordostbahnhof, Stadt und Spiegelhof und Wylerbahnhof) jeweilen mit Bendez-vous-Plätzen bezeichnet, zu deren Ueberwachung die uniforrnirte Polizeimannschaft alltäglich durch besonderen Stundenplan in 5 Patrouillen abgetheilt wurde, welch’letztere innert den 24 Tagesstunden 7 mal die Beobachtungsplätze wechselten, wodurch gleichzeitig eine geregelte Zirkulation des Polizeipersonals in den verschiedenen Stadttheilen und auf dem Festplatze herbeigeführt wurde. Der Geheimpolizei war, selbstverständlich ohne Schranken zu ziehen, zunächst der ganze Feslorf. und dessen nähere Umgebung als Wirkungskreis angewiesen. Fs ist hier der Ort, auf Grund genauer Beobachtung zu konstatiren, dass die sämmtliche Polizeimannschaft, welche uns aus den andern Kantonen zur Verfügung gestellt worden ist, ohne Ausnahme, sowohl was Tüchtigkeit, als auch was Diensteifer und Disciplin anbelangt, als vorzüglich bezeichnet zu werden verdient — und dass auch dem thurg. Polizei- Bericht des Polizei-Komites. 15 personal im Allgemeinen nach allen drei Richtungen volle Anerkennung zu zollen ist. Die Folge davon war eine stramme Ordnung und ein musterhaftes Zusammenwirken aller einzelnen Angestellten zur Erreichung des in § 1 der Spezialinstruktion vorgesehenen Zweckes. Derselbe ist denn auch in höchst befriedigender Weise erreicht worden. Es gereicht dem Berichterstatter zu besonderem Vergnügen, daraufhinzuweisen, dass allerdings die aussergewölmlieh zahlreichen Theilnehmer und Besucher, welche das Frauenfelder Schützenfest in unserm Orte versammelt hat, wie auch die hiesige Bevölkerung durchwegs so von der Wörde des vaterländischen Festes und von edler Festfreudigkeit durchdrungen waren und dass dieses Bewusstsein ein so allgemeines war, dass es scheinen musste, als sei hier für Störenfriede keine Atmosphäre und kein Platz; die Zahl derer, welche weggewiesen werden mussten, weil ihre Gegenwart für das Publikum Gefährde bot, war demnach verschwindend klein und es sind auch sehr wenige und meist unbedeutende Polizeiwidrigkeiten vorgekommen. Die Urheber der meisten aber, und das ist zum grösseren Theil das Verdient der Polizei, wurden entdeckt und die eingetretenen Schädigungen, soweit möglich, reparirt. Dass es mir indessen wegen Mangel an erwähnenswerthem Material versagt ist, eine schematische Aufstellung der diesbezüglichen Leistungen unseres Polizeipersonals vorzulegen, ist gewiss mit Befriedigung zu konstatiren. IV. Eisenbahnverkehr. Das Polizeikomite hatte vom Organisationskomite den Auftrag erhalten, mit den Verwaltungen der N. 0. B., der V. S. B. und der Strassenbahn Frauenfel-Wyl in Verbindung zu treten, um Taxermässigungen für die Festbesucher zu erlangen, sowie die Festsetzung der nothwendigen Extrazüge ab und nach Frauenfeld während des Festes zu erzielen. 16 Bericht des Polizei-Komites. ln sehr verdankenswerther Weise hat sodann der Verwaltungsrath der Nordostbahn folgende Dispositionengetroden: a) Für alle Festbesucher. Die gewöhnlichen Bidets einfacher Fahrt nach Frauenfeld, welche vom 18. Juli bis 30. Juli auf den Stationen der Nordostbahn und Bötzbergbahn gelöst werden, können innert 4 Tagen, vom Tage ihrer Ausgabe an gerechnet, ohne Nachzahlung zur Rückfahrt benutzt werden. Ferner wird die Gültigkeit der vom 18. Juli an auf Stationen der N. 0. B. und Bötzbergbahn zur Ausgabe gelangenden gewöhnlichen Retourbillets nach Frauenfeld bis 1. August verlängert. b) Für Schützengesellschaften. Gesellschaften von Mindestens 16 Mann oder dafür zahlend, deren Mitglieder sich durch Vorweisung einer vom Central- konnte des Schweiz. Schützenvereines ausgestellten Karte als Angehörige dieses Vereins legitimiren, werden vom 18. Juli an Gesellscbafts-RetourbiJIets nach Frauenfeld mit Gültigkeit zur Rückfahrt bis spätestens Mitternacht des 1. August verabfolgt. c) Für Musikkorps. Musikkorps, welche als Fest.nmsik engagirt sind, ferner solche Musikkorps, die Schützenvereine an das eidg. Schützenfest und zurück begleiten, erhalten während der Zeit vom 18. Juli bis 1. August inkl. auf Verlangen je halbe Billets einfacher Fahrt für die Hinreise nach und die Rückfahrt vom Festorte. Die Strassenbahn Frauenfeld-Wyl gestattete einen Rabatt von 25% für Retourbillets innert der Linie und verlängerte deren Gültigkeit auf 11 Tage, resp. die Zeit vom 19. Juli bis 3. August. Auch auf den Linien Wyl-St. Gallen-Ilorschach und Wyl- Ebnat, der Union Suisse, sowie der Idnie Herisau-Winkeln- Frauenfeld wurden Retourbillets mit 20% Rabatt und einer Gültigkeitsdauer von 4 Tagen nach Frauenfeld an alle Festbesucher verabreicht. Bericht des Polizei-Komites. 17 Was nun die Extrazüge anbelangt, so waren auf der Nordostbahnstrecke ausser den 9 regelmässigen Zügen in jeder Richtung angeordnet: Abgang. Nach Winterthur 10 (resp. 11)* Nach Romanshorn 7 (resp. 8)* Ankunft. Von Winterthur 11 Von Romanshorn 7. Diese Züge kursirten laut Spezialplan zwischen 5 Uhr 80 Min. Morgens und 10 Uhr 35 Min. (resp; an den Ilaupt- tagen bis 11 Uhr 15 Min.) Nachts. Auf der Linie Erauenfeld-Wvl bewegten sich während der Dauer des Festes je 18 Züge von und nach Wyl von 5 Uhr 30 Min. Morgens bis 10 Uhr 30 Min. Abends. Am 24. und 27. Juli wurden noch 2 weitere Züge in jeder Richtung nothwendig. »Anmerkung. An den Haupttagen, d. h. am 20., 24. und 27. Juli. V. Militärwaehe und Festartillerie. a) Militärwache. Um Ordnung und Sicherheit auf dem Festplatze zu handhaben, wurde vom tit. Militärdepartement auf Ansuchen des Organisationskomites die I. Compagnie des Schützenbataillons No. VII für die Zeit vom 19. bis 31. Juli aufge- boten. Deren Restand war : 5 Offiziere 16 Unteroffiziere 139 Soldaten Total 160 Mann. Die ganze Compagnie war in der Turnhalle der Kantonsschule untergebracht, wo jeder Mann seinen Strohsack mit Strohkissen und 2 Teppichen auf dem Boden hatte. •*►> 4. — 68 4. 50 62 >5 •n r 5. Ausserdem wurden in den bereits Eingangs erwähnten Lokalitäten in Bereitschaft gestellt: Kaserne: G7 Offiziersbetten, 856 Soldatenbetten, Kantonsschule: 107 Betten und Promenadenschulhaus: 93 Betten, so dass das Quartierkomite zusammen über 2123 Schlafstellen verfügen konnte, von welchen die Zahl von ca 400 für Angestellte und Bedienstete der verschiedenen Komites belegt, der Best von 1700 Betten dagegen für die Festbesucher disponibel war. Für die Unterbringung des von den verschiedenen Komites überwiesenen Personals wurde verfügt, dass für die auswärtigen Zeiger und Warner 200 in den Reitbahnen der Kaserne aufgestellte Betten zu dienen hatten. Die in der Kantonsschule und im Promenadenschulhaus eingerichteten Lokalitäten mit zusammen ebenfalls 200 Betten genügten für die Unterbringung der ständigen Musiken, sowie der für die Dauer des Festes angestellten Sekretäre und Polizisten Als weitere vorbereitende Geschäfte mögen hier noch Erwähnung finden: 1) Erlass der Dienstvorschriften für die Thätigkeit des Komites während des Festes mit Diensteintheihmg für die Mitglieder; 2) Abschluss der Verträge über a Benützung der Kaserne, b. Besorgung der Wäsche für die Massenquartiere, c. Vergebung der Stallungen. 4 Bericht des Quartier-RomiteS. 3) Anschaffung und Miethe des zur Einrichtung der Massenquartiere benöthigtenkleinen Mobiliars, als Handtücher, Waschbecken, Krüge etc.; 4) Wahl von 4 Sekretären zur Besorgung des Bureaudienstes während des Festes und Erlass des bezüglichen Reglementes; 5) Anstellung von 24 Putzern und Erlass der bezüglichen Vorschriften; 0) Einrichtung des Bureaus iin Parterre der Kaserne; 7) Erstellung der Quartierbillets und der bezüglichen Kontrolbücher. Für letztem Zweck mussten die bezahlten Sekretäre einige Tage vor Beginn des Festes einberufen werden. Die Anlage war derart getroffen, dass zur bessern Bewältigung der allgemein erwarteten starken Nachfrage zum Voraus für jeden Tag und jedes Bett eine Quartierkarte erstellt wurde, welche die in der Kontrole eingetragene Nummer hatte und mit einem gleich nummerirten Coupon versehen war, welcher bei Verkauf der Karte abgetrennt und dem Kontrolführer zur Eintragung übergeben wurde. Die Offiziersbel.len der Kaserne wurden gleich wie die Privatquartiere behandelt, während für die Mannschaftszimmer mit je 10 Betten Souche-Büchlein erstellt wurden. III. Thätigkeit während des Festes. Für die Dauer des Festes war den Komitemitgliedern hauptsächlich Aufsichtsdienst zugedacht. Die bezügliche Ar- beitstheilung ist aus den bereits unter den Vorbereitungen erwähnten Dienstvorschriften ersichtlich. Heber die Inanspruchnahme des Quartierkomites seitens der Festbesucher lässt sich der Bericht kurz dahin zusammenfassen, dass die allgemein erwartete starke Nachfrage nach Bericht des Quartier-Komi teS. 5 Quartieren nicht eintrat, sondern dass sich vielmehr, ähnlich wie an frühem Festorten, schon in den ersten Tagen ein lieber- (luss an Quartieren fühlbar machte, der dem Komite mancherlei Unannehmlichkeiten bereitete. Einen Hauptgrund hiefür glaubt der Berichterstatter darin zu erblicken, dass in ähnlicher Weise, wie dies auch im Berner Bericht von 1885 erwähnt wird, und namentlich aus auswärtigen grossem Orten Anstrengungen gemacht wurden, Festbesucher durch Verbreitung von falschen Gerüchten über Logismangel am Festorte vom Verbleiben an letzteren zum Voraus abwendig zu machen, aus dem einzigen Grunde, daraus für sich ökonomischen Vortheil zu ziehen. Das Quartierkomite versäumte nicht, unter Zuhülfe- nahme der Presse gegen diesesv erwerfliche Treiben zu pro- lestiren. Bei diesem Anlasse darf allerdings auch nicht vergessen werden, darauf hinzuweisen, dass durch den bis gegen und über Mitternacht dauernden Abgang von Personenzügen manchem Festbesucherwillkommene Gelegenheit geboten war, nach reichlichem Genuss des Festlebens in später Stunde selbst in ziemlich entfernte Gegenden noch heimkehren zu können. Aus den angeführten und noch andern mehr zufälligen Gründen ist, es begreiflich, dass eine Zahl Logisgeber, die sich in ihren Erwartungen getäuscht sahen, die angemeldeten Quartiere zurückzogen, um selbst für deren Besetzung sorgen zu können. Auch war es trotz der deutlichen Vertragsbestimmungen unter den gegebenen Verhältnissen nicht zu vermeiden, dass über noch angemeldete und deshalb zur Vergebung gelangte Quartiere ohne Anzeige an das Bureau von den Eigentümern direkt verfügt wurde, was natürlich zu unliebsamen Reklamationen Anlass gab. Ueber die Zahl der für Festbesucher durch das Komite vermittelten Quartiere mögen folgende Zahlen Aufschluss geben. 6 Bericht des Quartier-Komites. Es wurden vergeben: in der Kaserne: Samstag Juli 19. Pi-ivat- Quartiere 86 Offiziers- Betten 9 Soldaten- ßetten 122 Total 217 Sonntag 20. 360 65 417 842 Montag V 21. 378 53 352 783 Dienstag 22. 326 65 265 656 Mittwoch 5? 23. 357 65 290 712 Donners ta g 24. 443 63 482 988 Freitag 25. 249 59 263 571 Samstag 26. 173 46 269 488 Sonntag 27. 235 65 408 708 Montag 28. 152 62 206 420 Dienstag n 20. 54 41 106 201 Mittwoch 30. 19 12 51 82 Total: 2832 605 3231 6668 lieber die verkauften Quartierkarten wurden von den mit dem Kassadienst betrauten Angestellten Bordereaux erstellt, welche der jeden Abend stattfindenden Ablieferung der Tageseinnahmen zur Grundlage dienten. Für Privatquartiere wurden im Ganzen Fr. 0972 — vereinnahmt »und an die Quartiergeber ausbezahlt. Die Anweisung der Quartiere erfolgte derart, dass auf dem Bureau des Iiomites gegen Vorausbezahlung die Quartierkarten verabreicht wurden, welche zum Bezüge des bezahlten Quartiers berechtigten. Jeden Morgen wurden die Karten des betreffenden Tages nach Preisen sortirt in die bezüglichen Fächer gelegt. Die Karten der folgenden Tage lagen nach Nummern geordnet in Kartonschachteln ebenfalls bereit und war es so ohne grosse Schwierigkeit möglich, das gleiche Quartier durch Lösung der bezüglichen Karten sich für mehrere Tage zu sichern. Die Quartierkarten wurden von den Quartiergebern abgenommen und hatten bei der Abrechnung als Beleg zu dienen. Als Ausläufer zur Wegleitung nach den Quartiren wurde bei Beginn des Festes die Anstellung einer Anzahl Knaben Bericht des Quartier-Komites. 7 als wünsclienswerth and noliiwendig gehalten. Zufolge ein- gegangenei' Reklamationen ab Seite der vom Polizeikomite engagirten Dienstmänner erfolgte jedoch deren baldige Entlassung. IV. Thätig’keit nach dem Feste. Nach Schluss des Festes folgte mit möglichster Beförderung die Abgabe der für Quartierzwecke benützten Lokalitäten, und es darf mit Genugthuung konstatirt werden, dass dieselbe zu keinen Reklamationen Anlass gab. Den betheiligten Aufsichtsbehörden sei für das freundliche Entgegenkommen hier nochmals der wärmste Dank ausgesprochen. Die Abrechnung mit den Quartiergebern erfolgte durch die engere Kommission auf dem Rathhause an dem durch Publikation in den Lokalblättern liiefür angesetzten Tag und zeigten sich auch hier keine nennenswerthen Anstände. Einige kleine Differenzen, hauptsächlich herrührend aus Untergang von Quartierbilleten, konnten an Hand der Kontrollen sofort erledigt werden. Die Liquidation des durch Anschaffung erworbenen Materials, das hauptsächlich von Komitemitgliedern zu den hie- für angesetzten Preisen übernommen wurde, bereitete ebenfalls keine Schwierigkeiten. 8 Bericht des Quartier-Komites. V. Finanzielles Ergebniss. Die provisorisch abgeschlossene Rechnung ergibt folgendes Resultat: a) Einnahmen. 1. für Privat-Quartiere . . . Fr. 2. für OtTiziers-betten . . „ 3. für Soldaten-Betten . . ,, 4. für Massenquartire . . „ 5. Aus den Stallungen . . ,, 0. Liquidations-Erlös . . „ 7. Verschiedenes (Agio) . . „ 9972. — 1606. — 3231. — 1922. — 200 . — 449. 90 4. 35 Total der Einnahmen: 17,385. 25 b) Ausgabe n. 1 . 9 3 . 4. /. 8 . Massenquartiere und Kaserne . Fr. 1506. 75 Besoldungen und Löhne * 2789. 70 Besorgung der Wäsche * 1241. 70 Beleuchtung * OO Drucksachen • V 681. 30 Verpflegung • ?? 635. — Verschiedenes . * 7? 161. 20 für Privatquartiere • r> 9972. — Total Verbleiben für der Ausgaben: die Festkasse: Fr. 17,144. 45 240. 80 Erstattet zu blanden des Organisationskomites Frauenfeld, im Januar 1801. Für das Quar tier-Kom ite: , Der Präsident: Herrn. Rogg. Der Sekretär: C. Engeier. Eidgen. Schützenfest 1890 in Frauenfeld. BERICHT des O-enTLera-l-^Za-ssIers. - • > • — I. Das von der erweiterten Fünferkommission der Stadt- schützengesellschaft am 29. März 1888 an die Bewohner Frauenfelds., an sämmtliche SeiiützengeselIschalten, Schutzen und Schützenfreunde des Kantons erlassene Zirkular in derSchützen- festangelegenheit hatte den erfreulichen Erfolg, dass bis zum 25. April nicht nur genügende personelle Mitwirkung zugesagt, sondern auch ein Aktienkapital von Fr. 161,800 (Fr. 124,350 in Frauenfeld und Fr. 37,450 im Thurgau und in andern Kantonen) gezeichnet wurde. Jedermann wird zugehen, dass ohne die zugesicherte finanzielle Grundlage das ganze Projekt ins Wasser gefallen wäre. Auch das Organisationskomite befasste sich schon in der ersten Sitzung, Dienstag den 12. Juni 1888, mit der Finanzlage und beschloss, die Aktiensammlung noch weiter fortzusetzen. Mit Circular vom 14. Juli 1888 wurden die Schützengesellschaften, Schützen und Schützenfreunde eingeladen, mitzuwirken, dass das Aktienkapital auf 200,000 Fr. erhöht werden könne. Doch nur noch 86 Aktien ä 100 Fr. fanden Abnehmer, so dass schliesslich das ganze Aktienkapital aus 170,400 Fr. in 1704 Aktien ä 100 Fr. (inbegriffen eine kleine Anzahl halbe Aktien) bestand. Dieses Kapital vertheilte sich auf folgende Weise: 2 Bericht des Generalkassiers. 224 Aktionäre in Frauenfeld und Umgebung mit 125,550 Fr. 134 „ im übrigen Tlmrgau „ 29,150 „ 3 ,, in andern Kantonen „ 10,700 „ 1 „ im Ausland (ein Frauenfelder) ., 5,000 ,, 362 Aktionäre mit 170,400 Fr. Auch unter den auswärtigen Aktionären war nur ein einziger Nichtthurgauer; fast das ganze finanzielle Risiko des Festes ruhte also auf dem Kantone und vorab auf Frauenfeld. Hier war es wieder in erster Linie der Mittelstand, der sich bei der Aktienzeichnung betheiligte. Es ergibt sich das schon aus folgender Tabelle: 180 Aktionäre waren Besitzer von 1— 2 Aktien, 122 41 12 6 3— o 0-10 11—20 21-50 100 Wohl darf hier gesagt werden, dass trotz aller Anfechtungen und ungünstigen Prophezeihungen fast alle Aktionäre bis zum Schluss aushielten und nur wenige Ilandänderungen vorkamen. II. Nach Bereinigung der Subscriptionsscheine, dem Erstellen des Aktienregisters und der Ausarbeitung des Statutenentwurfes für die Generalversammlung, erliess das Organisations- komite am 31. Juli ein Circular an alle Aktienzeichner, des Inhalts, die erste Einzahlung von 20 % oder 20 Fr. per Aktie von 100 Fr. und 10 Fr. für solche von 50 Fr. auf den 15. September 1888 zu leisten. Am 31. Juli kam der erste, am 2. November 1888 der letzte Aktionär, um der Einzahlungspllicht zu genügen und um die erforderlichen 34,080 Fr. vollzumachen. Bereits Sonntag den 4. November konnte die konstituirende Generalversammlung der Aktionäre unter Leitung des Präsidenten des Organisationskomites stattlinden, um gemäss § 618 des Obligationenrechts das Grundkapital der Gesellschaft festzusetzen, die Statuten zu berathen und das Verwaltungskomite Bericht des General-Kassiers. und die Kontrollstelle zu wählen. An der Versammlung nahmen 105 Aktionäre theil, welche 886 Aktien vertraten und 204 Stimmen abgeben konnten. In das Verwaltungskomite wurden in geheimer Wahl berufen die Herren Bezirksrath Raggenbass als Präsident, Robert Vogler - Bartholdi als Generalkassier, und J. H. Ranker zum Falken, Dr. B. Merk und H. Schellenberg zur Cantine als Mitglieder. Die Kontrollstelle besetzte die Versammlung in offener Abstimmung mit den Herren Gfermann, Sparkassaverwalter, Dr. Schröder, Apotheker, und A. Kreis-Renner, Telegraphist. Der Statutenentwurf erhielt nur in § 12 eine wesentliche Aenderung, indem sich die Aktionäre die Verwendung des ganzen Reingewinnes des Schützenfestes vorbehielten, während der Entwurf den Aktionären aus dem Gewinn bis auf höchstens 4% Dividende geben und die Vertheilung des Restgewinnes dem Organisationskomite überlassen wollte. III. Die vorhandenen Baarmittel reichten für die Jahre 1888 und 1889 natürlich mein' als aus, aber der bevorstehende Beginn der Bauten veranlassten das Verwaltungskomite der Garantiegesellschaft in der Sitzung vom 17. September, auf den 31. Oktober 1889 eine zweite Einzahlung zu verfügen. Bis am 31. Dezember gleichen Jahres war dieser Beschluss durchgeführt. Trotz der noch ungenügenden Geldmittel war das Aktionärkomite fest entschlossen, wenn immer möglich keine weitern Anforderungen an die Aktionäre zu stellen und zu versuchen, den Geldbetrag auf eine andere Weise zu decken. Auf Antrag des Generalkassiers wurde nun beschlossen, den Lieferanten an Zahlungsstatt Eigenwechsel der Garantie-Ge- sellchaft zahlbar am 10. August 1890 abzugeben, jedoch in Beträgen nicht unter 500 Fr. Von diesen Solawechseln wurden abgesetzt vom 19. April bis 12. Juli 1890: 29 Stück dem Medaillenlieferanten betragend 50,179 Fr. 11 „ den Bauunternehmern „ 32,400 ,, 2 „ den Buchdruckereien u. Lithog. ,, 5,000 „ 42 Stück 87,579 Fr. 4 Bericht des General-Kassiers. Vor dem Fest waren also folgende pekuniäre Hült'smittel vorhanden: 10 % des Aktienkapitals Eigenwechsel Zinse und andere Einnahmen (abgerundet) 68,160 Fr. ai r»7Q Total 161,000 Fr 114,000 Hievon wurden bis zum 10. Juli verwendet Es verblieb also beim Beginn des Festes ein verfügbarer Saldo von 17,000 Fr. Bevor aber irgend eine Einnahme vorhanden war, musste am ersten Tag des Festes (20. Juli) dem Prämienbureau des Schiesskomites ein Vorschuss von 5000 Fr. übergeben werden, wodurch sich mit Beginn des Festes der Baarsaldo auf 12,000 Fr. reduzirte. Bei der Grossartigkeit des Unternehmens darf diese Reserve als eine sehr geringfügige betrachtet werden. Wäre man genöthigt gewesen, sich nur auf die Aktionäre zu stützen, so hätten diese anstatt 40 °/ n mehr als das Doppelte (85—90 °/ 0 ) einzahlen müssen. IV. Gesetzlicher Vorschrift gemäss (§ 644 des Ohlig.-Rechtes) muss bei Aktiengesellschaften alljährlich innerhalb sechs Monaten nach dem Schlüsse des Geschäftsjahres eine Generalversammlung der Aktionäre stattünden zur Abnahme der Bilanz und Rechnung nach vorausgegangener Berichterstattung durch die Kontroistelle. Da die Garantiegesellschaft schon am 4. November 1888 gegründet worden war, so mussten die Aktionäre unbedingt vor dem Fest einberufen werden und deren Verwaltungskomite nahm an, je früher desto besser. Diese ordentliche Jahresversammlung wurde deshalb schon am lä. Februar 1890 abgehalten, und es war dieselbe von 45 Aktionären, Vertreter von 460 Aktien, mit 101 Stimmen besucht. Nach erfolgter Berichterstattung durch den Präsidenten der Kontrollstelle wurden Rechnung und Bilanz pro 1889 einstimmig genehmigt. Mitten in den Ausführungsarbeiten für das Fest konnte natürlich von einer mehr als Bericht des General-Kassiers. formellen Bedeutung der Rechnungsstellung nicht gesprochen werden. Die Aktionäre mussten sich mit dem Bewusstsein begnügen, dass sich Buch- und Kassaführung in Ordnung befanden. Das zweite Geschäft w^ar die Neuwahl der Kontrollstelle, da dieselbe laut Gesetz das erste Mal nicht länger als für ein Jahr besetzt werden konnte. Die bisherigen Revisoren wurden einstimmig bestätigt und zwar für die ganze Dauer der Gesellschaft. Zum Schlüsse erhielt noch das Verwaltungskonnte einstimmig Vollmacht, die Liquidation der Gesellschaft nach dem Feste so bald als möglich auszuschreiben und durchzuführen. Ueber diesen Beschluss w r ar nach Gesetz eine öffentliche Urkunde aufzunehmen, wnshalb der Notar des Kreises Frauenfeld sich vorfand. Die Geschäfte der Generalversammlung, gehörig vorbereitet, wickelten sich glatt und rasch ab, so dass sie in wenig mehr als einer halben Stunde beendigt waren. V. Am 12. April 1889 ging die erste Ehrengabe von der Regierung des Kantons Zürich mit 500 Fr. ein. Bis 31. Dez. 1889 waren J3,179 Fr. 20 Rp in 145 Gaben einbezahlt. Der Löwenantheil fiel natürlich auf die erste Hälfte des Jahres 1890 d. h. auf die Zeit vor dem Fest. Es ergaben sich in diesem Zeitraum noch 882 Posten in Baar, also ungefähr 4—5 per Tag. Das eingehende Geld wurde auf einem beson- dern Bankkontokorrent angelegt. Von Anfang an fand eine Zusammenstellung der Gaben nach Kantonen und Ländern statt. Ehrengabenlisten wurden ausgegeben: 1 . am 25. Juli 1889 mit einem Saldo von Fr. 27,444. - 2. 28. Sept. „ 99 . 99 99 11 89,932. — 3. ;i 9. Nov. „ 99 99 99 9? >9 44,202. 20 4. 99 27. Dez. „ ;i 99 99 99 91 51,152. 20 5. 99 25. Jan. 1890 j? 99 99 99 99 00,477. 20 6 . 99 15. Febr. „ 99 99 99 99 91 07,587. 20 7. 99 3. März „ n ’9 99 99 99 76,638. 20 8. 91 15 . „ „ 99 9; 99 99 19 82,359. 20 9. 99 29. „ „ 99 99 1 * 9? 99 90,017. 20 6 Bericht des General-Kassiers. 10. am 12. April 1890 mit einem Saldo von Fr. 97,845. 20 11. 26. „ >> 55 55 55 V 55 105,111. 20 12. 7. Mai 55 55 55 55 55 111,598. 20 13. 17. „ V 55 >? )> 55 5’ 117,094. 20 14. ?? 24. „ 55 55 55 55 55 121,616.20 15. 31. „ 5 ) 55 55 55 •5 55 181,696. 20 16. ?) 14. Juni 55 55 55 55 55 55 148,932. 20 17. 29. „ '5 55 *5 55 55 55 156,766. 70 18. ?? 12. Juli 55 55 5 > 55 55 55 162,537. 70 19. 23. „ 55 55 55 55 55 55 167,884. 20 20. 31. „ 55 55 55 55 55 55 169,591. — Die 20. Liste, welche das definitive Schlussresultat enthält, wurde nicht mehr veröffentlicht. Sämmtliche M kantonalen und 19 ausserkantonale schweizer. Zeitungen publizirten die Ehrengabenlisten in verdankenswerther Weise unentgeltlich. 1027 Gaben bestanden in Baar betragend Fr. 148,869 — 161 „ „ „ Natura „ 20,722. — Total 169,591. — Nach der Herkunft vertheilen sich die Gaben auf Kantons- Banken & Schützen- Andere Schweiz Regierungen Gemeinden Eisenbahnen Vereine Vereine & Private Total Fr. Fr. Fr. Fr. Fr. Fr. Frauen feld — 7850 1900 3082 21054 33886 Uebriger Kanton 500C 19767 1200 12325 7439 45731 Total aus dem Thurgau 5000 27617 3100 15407 28493 79617 Aargau 500 — -- 1840 975 3315 Appenzell A.-Rh. 300 — 70 1250 538 2158 „ J.-Rh. 150 — — 70 — 220 Baselland 300 — — 275 100 675 Baselstadt 500 — — 200 1000 1700 Bern 500 — — 2785 2097 5382 Freiburg 400 — — 250 — 650 Genf 500 — — 1730 1510 3740 Glarus — — — 550 490 1040 Graubünden 300 — — 500 370 1170 Luzern 400 — — 300 245 945 Neuenburg 500 — — 1370 1231 3101 Uebertrag 4350 — 70 11120 8556 24096 Bericht des General-KassierS. 7 Kantons- Banken & Schützen- Andere Schweiz Regierungen Gemeinden Eisen- Vereine Vereine & Total bahnen Private Fr. Fr. Fr. Fr. Fr. Fr. lieber trag 4350 — 70 11120 8556 24096 Nidwalden 100 — — 50 — 150 Obwalden 120 — — — — 120 SchalYhausen 400 — — 470 1503 2373 Schwyz 200 — — 230 50 480 Solothurn 300 — — 340 150 790 St. Gallen 500 — — 4105 2710 7315 Tessin 400 — — 30 200 630 Uri -100 — — •100 10 210 Waadt 400 — — 1080 1204 2684 Wallis 300 — — 150 — 450 Zug 200 — — 100 — 300 Zürich 500 — 2000 4255 6665 13420 Total aus andern Kantoneri7870 — 2070 22030 21048 53018 Bundesrath 10000 I Bundesversammlung 3050 ( 14870 Schweiz. Vereine 1820) Total aus der Schweiz 25920 27617 5170 37437 51361 147505 Ausland Schweizer Ausländer Total (Europa) Fr. Fr. Deutschland 225 1048 1273 Frankreich 3236 1806 5042 Oesterreich-Ungarn 1155 100 1255 Italien 2785 1015 3800 Russland 1080 — 1080 Grossbritannien 110 — 110 Rumänien 400 — 400 4 Schweizerkonsuln aus Thurgau dem 800 — 800 Total aus Europa 9791 3969 13760 Asien 765 — 765 Afrika 100 — 100 Nordamerika 4181 200 4381 Centralamerika 1380 — 1380 Südamerika 1700 — 1700 Australien — — — Total aus dem Ausland 17917 4169 22086 8 Bericht des General-Kassiers. Interessant ist eine Vergleichung mit dem Ehrengaben- verzeichniss des eidgen. Schützenfestes in Bern (1885). Es ergibt dies folgende Resultate: Bern auf den Einwohner Frauenfeld auf den Einwohner Fr. Rp. Fr. Rp. Fr. Rp. Fr. Rp. Stadt 66134. 37 1. 40 33886. — 5. 56 Uebriger Kanton 33230. 68 07 45731. — -. 46 Total des Kantons 99365. 05 —. 18 79,617. — —. 76 Andere Kantone 45027. — 53018. - Bundesbehörden etc. 8214. — 14870. — Ausland 27,273. 96 22,086. — 179,880. 01 169,591. - Baargaben 122,330. 41 148,869. _ Naturalgaben 57,549. 60 20,722. — 179,880. 01 169.591. — Diese Zusammenstell ung bietet gewiss ein glänzendes Zeug- niss für die Opferwilligkeit des Kantons Thurgau und seiner Hauptstadt. Von den Baargaben befanden sich Fr. 34,665 in 153 Etuis. Ferner wurden gefüllt „ 24,"UO in 8nn Säcklein Silber ä 30 Fr., „ 13,000 in 130 Säcklein Gold ä 100 Er. Hiezu „ 20,722 in 161 Naturalgaben. Im Gabentempel waren also ausgestellt im Werthe von „ 02,387 1244 Gegenstände, nebst einer Anzahl Prämienbecher, Uhren und Medaillen und dem grossen Becher aus der schweizerischen Schützenstube in Bern. „ 77,204 blieben in Beserve auf Bankkontokorrent, soweit die Beträge nicht erst während des Festes eingingen. Die Gaben, inbegriffen das Geld in Etuis und Beutel, waren für 100,"00 Fr., die Prämien, als: Becher, Uhren und Medaillen für 94,000 Fr., die Kostbarkeiten also zusammen für 200, 11 o Fr. vom 1. Mai bis 31. Oktober 1890 bei der Schweiz. Mobiliar- Versicherungsgesellschaft in Bern versichert. Bericht des General-Kassiers. 9 VI. '• Mit dem 20. Juli 1890 begann das Fest, welchem in finanzieller Beziehung mit sehr getheilten Erwartungen entgegengesehen worden war. Im Kleinkinderschulhause befand sich eine von 3 Komite- mitgliedern bediente Kasse, an welche die Verkaufsstellen des Finanz- und des Wirthschaftskomites täglich ein bis zwei Mal die eingegangene Baarschaft abzugeben hatten. Auch das Schiesskomite lieferte seine Eingänge dort ab, jedoch nur in grossen Summen von 30—45,000 Fr. Von dieser Hauptkasse kamen dann die Beträge in runden Summen täglich an den Generalkassier, der sie nochmals verifizirte. Bei der Hauptkasse gingen rund 802,000 Fr. ein, wovon 665,000 Fr. vom Schiess-, 91,000 Fr. vom Wirthschafts- und 46,000 Fr. vom Finanzkomite. Der Generalkassier versäumte nicht, die schon eingegangenen, aber erst nach dem Fest zahlbaren Piechnungen für Becher, Uhren, Wein etc. noch während desselben zu bezahlen; zudem verschlangen die Besoldungen, die Zahlungen an das Prämienbureau eine bedeutende Summe. Immerhin waren am 31. Juli 1890 noch vorhanden: 350,000 Fr. in Banknoten, 81,000 „ in Gold, 147,000 „ in Fünffrankenstücken, 28,000 „ in Scheidemünzen (2 Fr. bis 5 Rp.) 50,000 „ in Ct.-Gt. und Anweisungen. 656,000 Fr. Rechnen wir hierzu noch 74,000 „ auf Ct.-Ct. liegende Ehrengabengelder, so ergibt sich eine Summe von 730,000 Fr., welche Ende Juli beim Generalkassier kon- zentrirt war. Die Baarschaft befand sich auf der Thurg. Hypothekenbank, welche ihre Gewölbe und Kassen in verdan- kenswerther Weise unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte. 10 Bericht des General-Kassiers. VII. Nach dem Fest wurden die Ehrengaben ins städtische Rathhaus gebracht und sarnmt den Prämien unter Leitung des Präsidenten des Finanzkomites durch besoldetes Personal versandt. Vor Ende September, also innert 8 Wochen war die Operation durchgeführt, eine Leistung, welche die höchste Anerkennung verdient. Die Schützen erhielten im Ganzen in runden Beträgen: Fr. 169,600 in Ehrengaben „ 210,400 „ Becher, Uhren u. Medaillen „ 115,f)00 Zuschuss aus der Fest.kasse. Fr. 495,000 „ 385,000 sah der Schiessplan vor. Es ergibt sich also eine Mehrverwendung von 110,000 Franken oder ganz genau Fr. 111,417. 8 r > zu Gunsten der Schützen. Das Verwaltungskomite der Garantiegesellschaft hatte nach dem Fest auch nichts Eiligeres zu thun, als die Liquidation der Gesellschaft auszuschreiben, gemäss der ihr in der Generalversammlung vom IG. Februar 1800 ertheilten Vollmacht. Es handelte sich diesem Komite lediglich darum, die gänzliche Liquidatation der Gesellschaft möglichst zu beschleunigen. Denn bekanntlich darf nach § 007 des Obligationenrechts die Verkeilung des Vermögens einer Aktiengesellschaft erst ein Jahr nach erfolgter dreimaliger Ausschreibung der Liquidation stattfinden. Auf die Geschäfte der übrigen Komite hatte das Verfahren des Vorstandes der Garantiegesellschaft durchaus keinen Einfluss. Aber Niemand würde es wohl gerne sehen, wenn die Löschung der Gesellschaft im Handelsregister erst spät irn Jahr 1892 erfolgen könnte. Die Bezahlung der Wechsel und Rechnungen, der nachbestellten Becher, Uhren und Medaillen, der Rekonstruktionsarbeiten u. s. w. erforderten bedeutende Summen, so dass Ende August 1890 nur noch 370,000 Fr. und Ende September 230,000 Fr. disponibel blieben. Bericht des General-Kassiers. 11 Dieser immerhin grosse Betrag liess voraussehen, dass derselbe zur Befriedigung aller Ansprüche an die Kasse mehr als genügen werde. Am 5. Oktober 1890 entschloss sich daher das Verwaltungskomite, den Aktionären 40 Fr. pr. ganze und 20 Fr. pr. halbe Aktie zurückzuzahlen. Zur Wahrung der liechte der Aktionäre wurden die Aktienscheine denselben abgestempelt wieder zurückgegeben. Zur Bestreitung der flerbstbedürfnisse kam dieses Geld manchem Aktionär gelegen. VIII. Die Buchhaltung richtete sich nach den bestehenden Begeln und den Vorschriften des Schweiz. Obligationenrechtes. Im Hauptbuch wurde jedem Comite ein Conto eröffnet, auf welchen dasselbe für alle Auszahlungen belastet und für alle Einzahlungen kreditirt wurde. Aktienkapital und Ehrengabengelder kamen selbstverständlich unter die Passiven zu stehen. Die Auszahlungen erfolgten nur gegen visirte Rechnungen. Von Zeit zu Zeit gab der Generalkassier Bilanzen heraus, welche den Stand eines jeden Contos und somit auch die finanzielle Lage des Unternehmens erzeigten. Frauenfeld, im Februar 1891. Der Generalkassier: R. Vogler-Bartholdi. mm Generalrechnung über das Eidgenössische Schützenfest pro 1890 Frsiuenfel«! Frauenfeld J. Hubers Buchdruckerei 1891 Aktienkapital. Das Aktienkapital betrug . . . .Fr. 170,400. — in 1704 Aktien ä 100 Fr. Hievon sind einbezahlt worden: Fr. 34,080. - oder 20 °/ 0 auf den 15. September 1888, - 34,080. — oder 20 °/ 0 auf den 31. Oktober 1889, Fr. 68,160. — oder 40 °/ 0 im ganzen. Diese Summe wurde den Aktionären im Oktober 1890 auf Rechnung ihrer Aktien wieder ausbezahlt. Von den Aktionären befinden sich: 224 in Frauenfeld und Umgebung . 134 im übrigen Kanton Thurgau 3 in andern Kantonen 1 im Ausland (ein Frauenfelder) . 362 Aktionäre Eigenwechsel. Zur Bestreitung der Auslagen kamen für Eigenwechsel der Garantiegesellschaft zur Verwendung, deren Rückzahlung am 10. August 1890 erfolgte. Ohne dieses Auskunftsmittel hätten die Aktionäre 90 °/ 0 anstatt 40 °/ 0 des Aktienkapitals einzahlen müssen. Fr. 125,550. — - 29,150. — - 10,700. — 5,000. — Fr. 170,400. — Fr. 87,579. Kassa. ✓ Jahr Einnahmen 1888/89 Fr. 104,469.85 1890 . - 1.695,115.60 1891 . - 64,127.80 Fr. 1,863,713. 25 Ausgaben Fr. 104,453. 75 - 1,693,729. 15 65,491.35 Fr. 1,863,674. 25 Totalumsatz Fr. 208,923. 60 - 3,388,844. 75 129,619. 15 Fr. 3,727,387. 50 Die Einnahmen betragen .... Fr. 1,863,713. 25 Die Ausgaben betragen ...... 1,863,674. 25 Kassa-Saldo Fr. 39. — Von dem oben genannten Kassa-Umsatz pro 1890 fallen auf die Monate Juli und August, also auf die Zeit unmittelbar vor, während und nach dem Schützenfest: Fr. 1,143,315. — Einnahmen und - 835,518. 35 Ausgaben . Fr. 1,978,833. 35 Totalumsatz. Organisationskomite. I. Einnahmen. Kollekte für das Teilmonument .... Fr. Kollekte für die Brandbeschädigten in Broc (Freiburg) Fr. 1 II. Ausgaben. Liebesgaben: 1) An das Tellmonument in Altdorf Fr. 925. — 2) An die Brandbeschädigten in Broc 750. — 3) An die rheintalischen Wasser- geschädigten etc. - 1,000.— 4) An die rheintalischen Brand- beschädigten in Rüti und Moos - 1,000. — Druckkosten und Inserate - 3,213. 45 Porti etc. ..... 332. 85 Verpflegung der Komitemitglieder und Ehrengäste .... - 1,954.— Besoldungen ..... 109.70 Geschenke an Komitemitglieder etc. - 8,331. 50 Ehrengabe fürs nächste Fest . - 5,000. — Diverses ..... - 9,108. 90 925. — 683. — ,608. — 725. 40 Rückschlag Fr. 30,117. 40 Finanzkomite. I. Einnahmen. Festkarten ....... Belvederekarten ...... Vergütung des Schiesskomites für Kehrprämien Vergütung des Organisationskomites für Gratifikationen an die Komitemitglieder und an Dritte Diverses ........ II. Ausgaben. Rückvergütung der Festkarten an 5645 Hauptdoppler Fr. 5,645. — Druck der Festkarten - 2,380. — Publikationskosten - 189. — Druckkosten .... - 726. 20 Verpflegung und Besoldung der Angestellten und der Wachmannschaft - 8,749. 45 Verpflegung der Komittirten - 1,193. 65 Versandtkosten d. Gaben u. Prämien - 3,255. 95 Innere Einrichtung d. Gabentempels - 583. 90 Broncemedaillen (4500 Stück) - 11,250. — Silbermedaillen (5930 Stück) - 54,040. 55 Goldmedaillen (119 Stück) - 31,343. 20 Kleine Becher (683 Stück) - 31,270.— Grosse Becher (251 Stück) - 22,734. — Schützenuhren (582 Stück) - 49,470. — Diverses ..... - 2,752. 75 Fr. 46,179. — 1,106. 90 - 210,170.— 8,331.50 3,160. 10 Fr. 268,947. 50 - 225,583. 65 Vorschlag Fr. 43,363.85 Baukomite. I. Einnahmen. Landentschädigung ...... Fr. 200. — Bau: 1) Strassen- und Platzanlagen . Fr. 210. — 2) Schiesseinrichtungen . 3) Festhütte, Wirtschaftsräume - 1,604. 85 und Nebengebäude . - 1,546. 05 4) Innere Einrichtungen . - 2,707.85 - 6,068. 75 Dekoration .... - 1,598. 35 Unterhalt der Bauten und Anlagen • 64. — Diverses ..... . - 1,118.— Fr. 9,049. 10 II. Ausgaben. Verwaltung Fr. 12,098. 80 Landentschädigung - 23,781. 60 Bau: Fr. Ep. 1) Strassen-u. Platz- anlagen . 10,550. 65 2) Scbiesseinrichtgn. 74,132. 20 3) Festhütte, Wirtschaftsräume Ul Nebengebäude . 31,610. 75 4) Gabentempel 6,799. 50 5) Innere Einrichtgn. 9,357.— - 132,450. 10 Dekoration . - 13,510. 35 Unterhalt der Bauten und Anlagen - 1,685. 30 Wiederherstellungsarbeiten . . - 3,703. — Verschiedenes . . . . 1,704. 15 - 188,933. 30 Rückschlag Fr. 179,884. 20 Schiesskomite. I. Einnahmen. Beitrag des schweizerischen Schützenvereins . . Fr. Kehrmarken, 1,523,646 Stück ä 25 Rp. Hauptdoppel, 5645 Stück ä Fr. 25. — . . - Militärstichdoppel, 4577 Stück ä Fr. 5. — . Sektionsstichdoppel, 4787 Stück ä Fr. 2. 501 „ 15 Stück ä Fr. 3. 50 J Scheibe „Rhein“-Doppel, 19113 Stück ä Fr. 2. — Scheibe „Hörnli u -Doppel, 370 Stück ä Fr. 5. — . Scheibe Ä Nollen“-Doppel, 6335 Stück ä Fr. 1. 50 Schiessbüchlein . . . . . . . M To ^ 1>209,231 Gewehrpatronen ä 5 Rp. | I 89,220 Revolverpatronen ä 4 Rp. / Kupferhülsen und Blei ...... Büchsenmacherei und Waffenreiniger . . . - Verschiedenes ........ Fr. Beitrag an die Ehrengaben Mouchenprämien Serien- und Wochenprämien Nummernvergütung . Beitrag an d. Sektionswettschiessen Unkosten d. Sektionswettschiessens Militärstich „ Rhein“ . Transport II. Ausgaben. Fr. 25,198. — - 10 , 000 . — - 15,044.— - 227,940. — - 10,148.85 2,631. — 2,291. — - 25,860.— Fr. 319,112. 85 Fr. 10 , 000 . — 380,911. 50 141,125. — 22,885. — 12 , 020 . — 38,226. — 1,850. — 9,502. 50 5,444. 50 64,030. 35 12,629. 95 2,150. — 135. 75 700,910. 55 700,910. 55 9 Transport „Hörnli“ .... „Nöllen“ .... Munition ..... Kehrmarken, Stempel etc. . Verköstigung und Logement der Zeiger, Warner, Sekretäre . Löhnung d. Zeiger,Warner,Sekretäre Versicherung der Zeiger Doppelkarten, Nummernbücher . Bücher, Papier, Scheiben u. Cartons Schiesspläne, Frankaturen, Inserate Wamerbekleidung Verpflegung durch das Wirtschafts- komite .... Unvorhergesehenes Verzeichnis der Gabengewinner: Kosten des Druckes und der Versendung Fr. 319,112. 85 Fr. 700,910. 55 2,750.— 7,595. — - 61,580. 40 785. 35 - 19,809. 80 - 27,191.60 1 , 001 .— 3,668. — 8,841. 90 6,053. 25 620. — 2,461. 60 3,829. 55 7,000.— - 472,300.30 Vorschlag Fr. 228,610. 25 Wirts ehaftskomite I. Einnahmen. Weinverkauf .... . Fr. 105,915. 90 Bierverkauf .... - 16,854. 30 Festwirtschaft: Pachtzins 4,650. — Bankettkartenverkauf, 19,954 Stück ä Fr. 2. 50 . - 49,885.— Diverses ..... . 57. 50 Fr. 177,362. 70 II. Ausgaben. Weinankauf, 83,043 Liter . Fr. 64,523. 65 Bierankauf, 56,181 Liter - 13,161. 50 Kellermiete und Einrichtungen 630. 90 Küferlohn . . . . 687. 15 Reisespesen .... 439. 90 Camionnage .... 305. 65 Etiquetten ..... 716. 45 Druckkosten und Inserate 365. 10 Verpflegung der Komitemitglieder und der Angestellten . - 2,576.65 Besoldung der Angestellten . 244. — Druck der Bankettkarten 210. — Bankettkartenvergütung an den Fest- wirt ..... - 46,741. 50 Diverses ..... 551. 15 - 131,153.60 Vorschlag Fr. 46,209. 10 "ff * Ir 0 Empfangskomite. I. Einnahmen. Presskomite (Bruttoertrag der Festzeitung) . . Fr. 9,592. 05 II. Ausgaben. Musikkomite: 1) Festmusik . Fr. 4,696.— 2) Zugsmusiken - 1,700. 20 3) Verpflegung . - 5,828. 50 4) Diverses . - 584. 55 Fr. 12,809. 25 Presskomite (Festzeitung) - 8,189. 35 Festzug . . 442. 40 Verpflegung .... - 2,260. 15 Druckkosten, Porti, Gopiaturen etc. 428. 05 Diverses ..... 700. 85 - 24,830. 05 Rückschlag Fr. 15,238. — / Die Festzeitung ergab also einen Nettoertrag von Fr. 1,402. 70. * f Polizeikomite. L Einnahmen. Konzessionsgebühren von Schaubudenbesitzern . Platzgeld von Krämern .... Konzessionsgebühren von Dienstmännern Konzessionsgebühren von Droschkenhaltern Pachtzins für die Aborte .... II. Ausgaben. Militärwachmannschaft . Festartillerie Besoldung der Angestellten Verpflegung Sanitätswesen Druckkosten und Inserate Porti, Copiaturen etc. . Diverses Fr. 5,455. 75 - 1,523. 20 - 2,112.65 - 9,508.95 151. 90 285. 85 240. 05 - 1,531. 70 Fr. 4,745. — - 819. 40 50. — 50.— _ 400. — Fr. 6,064. 40 - 20,810.05 Rückschlag Fr. 14,745. 65 Quartierkomite. I. Einnahmen. Privatquartiere Massenquartiere . Entschädigung für Stallungen Liquidationserlös . Verschiedenes Privatquartiere Massenquartiere . Besoldungen und Löhne Besorgung der Wäsche Beleuchtung Drucksachen Verpflegung Verschiedenes II. Ausgaben. Fr. 9,972. — 1,506. 75 - 2,789. 70 - 1,241. 70 156. 80 681. 30 635. — 161. 20 Vorschlag Fr. 9,972. — 6,757. — 200 . — 449. 90 6. 35 Fr. 17,385. 25 - 17,144.45 Fr. 240. 80 Verwaltungskomite der Grarantiegesellschaft Ausgaben. Druckkosten und Inserate Porti etc. Diverses Gedenkblatt Fr. 303. 55 136. 05 274.35 - 4,000. — Total der Ausgaben Fr. 4,713. 95 Anlage disponibler G-elder. Bei der thurgauischen Hypothekenbank wurden eröffnet: 1) Ein allgemeiner Konto-Korrent mit Pr. 219,820. 45 Einlagen, - 129,557.45 Rückbezügen, Fr. 90,263. — gegenwärtigem Stand. 2) Ein Konto-Korrent für die eingehenden Ehrengaben in bar. Von diesen Geldern waren angelegt vom April 1889 bis Juli 1890. Fr. 105,478. 50, welche Summe bis Mitte September 1890 wieder zurückgezogen wurde. Zinse und Agio. Zinse der auf Konto-Korrent angelegten Gelder . Fr. 3,474. 15 Zinse der geleisteten Kaution .... - 39. 70 Agio auf Gold etc. ....... 63. 35 Vorschlag Fr. 3,577. 20 Das meiste Gold, welches während des Festes einging, wurde für Ehrengaben verwendet, daher der Agiogewinn nicht bedeutend sein konnte. Ehrengaben. An Ehrengaben gingen ein: Fr. 33,886. — von Frauenfeld und Umgebung, - 45,731.— aus dem übrigen Thurgau, Fr. 79,617. — Total aus dem Thurgau, - 67,888.— Total aus der übrigen Schweiz, - 22,086. — Total aus dem Ausland, Fr. 169,591. — Total. Hievon in bar . . Fr. 148,869. — in natura . . - 20,722. — Fr, 169,591. — In der kurzen Zeit von zwei Monaten waren die Ehrengaben verschickt. In der Verkehrsbilanz sind unter „Ehrengaben“ nur die Bar-Posten und die Vergütungen des Schiesskomites eingestellt. Kreditoren. Unter diesem Posten sind in der Schlussbilanz die Summen enthalten, welche die Komitee zur völligen Liquidation ihrer Rechnungen noch bedürfen. Es sind dies: Fr. 2,000. — vom Organisationskomite für Drucksachen, 7,000.— vom Schiesskomite für Druck und Versandt der Gabenliste, 4,000. — vom Verwaltungskomite für das Gedenkblatt. Fr. 13,000. — Rechnungs-Ergebnis Die Einnahmen des Schützenfestes betragen . Fr. 1,194,496. 75 Die Ausgaben des Schützenfestes betragen . - 1,117,194. 75 Es ergibt sich somit ein Reingewinn von . Fr. 77,302. — über dessen Verwendung die Generalversammlung der Aktionäre entscheidet. § 12 der Statuten der Garantiegesellschaft lautet: „Ergibt das Schützenfest einen Gewinn, so entscheidet die Generalversammlung über die Verwendung desselben.“ i % 5 cg 2 CP3 B O P 00 f\i tr o- S i^C^MC^Q 0 WM* 3 O> Ol OTHHM^OMMOiOtOOOMi^W^tO ^ 00 to *<1 H M HtOtOHOOOOCO O W C» 05 ^W^ <*. t\i p «1 «■* 3 >-* w h^-( ^“1 CD te- s £t <£ m S SL &0Q C E. B l CO CO <] M 4 - to fcO 00 OT ^ oo *