us äem Leben einer WbeilerKolonie. Von MllLV ksnz, in kakel. preü,: 40 Qts. - zz Pif. - W?» k« Sunettn Ser MbeKerkslonl« ykrSe»7». Vert-g von frissricb Rsinbarät m Rakel kIÄ W -M Leben einer Meiterkolonie. vortrag von (Austrrir M»Drrz, Pfarrer in Basel. Grlös zu Gunsten der Arbeiterkolonie Werdern. Basel Druck und Verlag von Friedrich Reinhardt l?o§. an redet von Tendenzromancn. Das sind solche, in denen nicht das rein künstlerische Interesse, sondern irgend eine praktische Absicht das entscheidende und beherrschende Motiv des Buches ist. So möchte mein Vortrag ein Tendenzvortrag sein. Seine Absicht — um das gleich zum Voraus offen zu sagen — ist keine andere als die, Ihre Teilnahnie fiir ein Werk christlicher Liebe zu gewinnen, dem bis jetzt, auch in unserer Stadt, das verdiente Verständnis und die nötige Unterstützung noch nicht in dem wünschbaren Maße zu Teil wird. Im Propheten Jesaias steht das prächtige Wort: „Brich dem Hungrigen dein Brot; und die so im Elend sind, führe in dein Haus; so du einen nackend siehest, so kleide ihn und entziehe dich nicht von deinem Fleische." Es ist ein weites, großes Wort, von dem aus sich wohl alle unsere Liebeswerke 4 begründen lassen. Aber unter den vielen, denen die christliche Liebe zu Hülfe kommen muß, gibt es kaum eine Kategorie, auf die die Schilderung des Propheten so buchstäblich zutrifft, wie die Wanderarmen, die reisenden Handwerksburschen, die Menschen, die, mit oder ohne eigene Schuld, auf die Landstraße geworfen worden sind. Es gibt liebenswürdigere, anziehendere Objekte der Liebestätigkeit als diese. Es gibt Notleidende, deren erster Anblick schon die Herzen zu brüderlicher Teilnahme und Hülfe bewegt. Die Wanderarmen gehören zu denen, denen gegenüber auch bei aufrichtigen Christen sich keineswegs ohne weiteres die Empfindung einstellt: „Es ist mein Bruder" oder wie Jesaias es ausdrückt: „Es ist mein Fleisch". Der ganze Anblick dieser Leute, ihre schmutzigen und zerrissenen Kleider, ihr struppiges, verkommenes Aussehen, die Spuren einer ungeordneten Lebensweise, oft genug des Schnapsgenusses, in ihrem Gesicht, ihr Geruch, ihre Manieren, das alles stößt zurück. Und wer vollends die Würdigkeit des Bittenden zur unerläßlichen Voraussetzung seiner Liebesübung zu machen pflegt, wird gerade diesen Menschen mit schwankenden Empfindungen gegenüber stehen. Was für verschmitzte, freche, mißtrauenerweckende Gesichter begegnen einem unter ihren Vertretern! Es sind entgleiste Existenzen, der leiblichen und nur zu häufig auch der moralischen Ordnung entwöhnt. Sie bilden mit den Bodensatz der menschlichen Gesellschaft. Wer sich um nähere Bekanntschaft mit ihnen und ihrer Lebensweise bemüht, lernt ein abschreckendes Nachtgemälde kennen. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn erst spät das Bewußtsein der brüderlichen Liebespflicht auch diesen Menschen gegenüber erwachte und wenn eigentlich erst in der neueren Zeit die Wege betreten werden, auf denen diese Pflicht am zweckmäßigsten erfüllt wird. Aus alter und neuer Zeit. Eine neue Erscheinung sind diese Wanderarinen nicht. Wir wollen, so oft einer von ihnen vor unserer Türe steht, nicht vergessen, daß eines der köstlichsten Gleichnisse Jesu, aus dem wir alle schon für unser inneres Leben Kraft empfangen haben, die Geschichte eines Vagabunden ist. Seinen Höhepunkt hat das Vagabuuden- ivesen jedes Falls im Mittelalter erreicht, nicht ohne Schuld der Kirche, die in ihrer Werkheiligkeit unablässig das Almosen als eines der sichersten Mittel zur Erlangung der himmlischen Seligkeit anpries und damit der Trägheit und der Bettelei den wirksamsten Vorschub leistete. Aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts stammt das Vagabundenbuch, libsr VaALtorum, das über die wandernden Bettler jener Zeit mit großer Umständlichkeit berichtet. Es zählt über zwanzig verschiedene Arten von Bettlern auf und nennt für jede einen besonderen Nanien. Es muß unglaublich viel herumlungerndes, fahrendes Volk gegeben haben, außer den wandernden Handwerksgesellen und Studenten auch professionsmäßige Wanderbettler, die auf die Leichtgläubigkeit und den Aberglauben der Leute spekulierten 6 und davon lebten. Eberlin von Günzburg, der Sozialreformer unter den Reformatoren, nimmt wohl den Mund zu voll, wenn er geradezu behauptet, in Deutschland habe damals bloß noch der 15. Mensch gearbeitet, während 14 müßig gingen. In der Zeit des dreißigjährigen Krieges nahm das Vagantentum einen höchst gemeingefährlichen und bösartigen Charakter an. Die Obrigkeiten wußten sich des wandernden Bettelvolks nicht anders zu erwehren, als indem sie zu grausamen Gewaltmaßregeln griffen. In Augsburg wurden jährlich zwischen Gallustag und Simonis die „schädlichen Leute" unter Anschlagen der Sturmglocke ausge- trieben, mit der Weisung sich binnen drei Jahren nicht mehr blicken zu lassen. Kamen sie doch wieder, so brandmarkte man sie. So schob eine Stadt der andern diese Leute zu, die, einmal gebrandmarkt, auf der Stirn das aufgebrannte Zeichen oder niit abgeschnittenen Ohren, keine Möglichkeit der Rehabilitation mehr vor sich hatten. Curti in seiner „Geschichte der Schweiz im XIX. Jahrhundert" erzählt, daß bei uns noch im 18. Jahrhundert die Zahl der umherziehenden Bettler enorm groß gewesen sei. Im Jahre 1762 unterstützte Bern bei einer Einwohnerzahl von rund 162,000 Seelen über 15,000 Bedürftige, also 9,4 Der vierte Teil derselben war „gänzlich von Alinosen lebend". 75 Polizeisoldaten besorgten im Kanton herum die Bettler- und Strolchen- polizei. Sie veranstalteten jährlich vier förmliche Bettlerjagden — „Landjäginen" —, durch die man das fahrende Volk über die Grenzen trieb. 7 Aber auch in der Neuzeit sind diese Wanderarmen noch nicht verschwunden. Es ist schon behauptet worden, daß in Deutschland ca. 200,000 Menschen auf der Landstraße lebten, und Nationalökonomen haben den Ausfall an Arbeitsleistung, den diese Zahl repräsentiert, und den Uuterstützungsbetrag, den diese unproduktive Existenzweise erfordert, berechnet. Die Zahl mag zu hoch gegriffen sein. Groß genug ist die wirkliche jedes Falls und in den letzten Jahren der geschäftlichen Krisis scheint sie wieder aufs neue gestiegen zu sein. Es ist noch jetzt so: Unter uns, neben uns gibt es sinkende Menschen und die Flut, in die die Entgleisten, Stellenlosen, Familienlosen, Haltlosen zuletzt untertauchen, ist der Strom der armen Reisenden, der Fechtbruder, der geriebenen Kunden, der Vaganten. Wie im Mittelalter so existiert noch heute eine besondere Kundensprache, ein Beweis dafür, wie sehr sich diese Menschen auch jetzt noch als eine besondere, von der übrigen Gesellschaft losgelöste Kaste erscheinen. Und wie früher so ist auch in unserer modernen Welt der Bettel ein einträgliches Geschäft und wird kunstgerecht ausgeübt. Ein deutscher Zuchthausdirektor hat den durchschnittlichen Verdienst eines gewöhnlichen Bettlers auf 1,70 Mark im Minimum und 4 Mark im Maximum berechnet. In München wurde im Jahre 1885 ein Bettler verhaftet, der ein regelrechtes „Ein- und Auslaufjournal" führte. Für den November des vorhergehenden Jahres hatte er 66 Bettelbriefe als Auslauf und 149,96 Mark als Einkauf, für den Dezember 92 Bettelbriefe als Anslauf und 210,77 Mark als Einkauf notiert. Ein in Bnckow aufgegriffener Bettler befand sich im Besitz von 2 Zehnmarkstücken, 20 Talerstücken, 17 Zweimarkstücken, 63 Einmarkstücken, 72 Fünfzigpfennig- stücken, 192 Zehnpfennigstücken, 137 Fünfpfennigstücken, 104 Zwei- und 240 Einpfennigstücken. In Paris erscheint ein förmliches Fachblatt für Bettler »ckournul äo8 Usuckiauks«. Dieses im Hinblick auf seinen Zweck vortrefflich redigierte Blatt wird wöchentlich einmal herausgegeben. Es beschäftigt sich weder mit Politik noch mit Literatur, sondern verfolgt ausschließlich die praktischen Interessen seiner Leser. Sein Inhalt besteht aus Ankündigungen folgender Art: „Morgen Mittag findet in der Madeleine das Leichenbegängnis eines sehr reichen Mannes statt." „Um 1 Uhr eine vornehme Trauung in der Trinitö-Kirche." „Ein Blinder, der etwas Flöte spielt, wird gesucht." „Man wünscht nach einem Seebade einen Krüppel zu engagieren" u. s. w. Diese Züge illustrieren allerdings zunächst das seßhafte Bettlertum. Aber dieselbe Routine kennzeichnet auch die wandernden Bettler. Ein Sachverständiger, der selber als Geselle weit umher gewandert ist, versichert nur, daß geübte Fechtbrüder sich ein ganzes Vermögen zusammenfechten könnten, wenn sie das erbettelte Geld nicht wieder ebenso leicht, namentlich in Schnapsgelagen, ausgeben würden, wie sie es einnehmen. Damit soll nicht geleugnet werden, daß es unter den reisenden Handwerksbnrschen manche gibt, die nur unter dem Zwang der Not zum Fechten greifen. Viele aber treiben es 9 erst als Sport und bald als Gewohnheit. Manchenorts sind noch Meistergeschenke üblich. Ein gewandter Kunde stellt sich den Meistern der verschiedensten Handwerke als Handwerksgenosse vor, um das Meistergeschenk zn erlangen. In Lindau wurde vor mehreren Jahren einer angehalten, der von nicht weniger als acht verschiedenen Berufen Arbeitszeugnisse besaß; er war Färber, Kaminfeger, Uhrmacher, Wachszieher, Konditor, Zinngießer, Goldarbeiter und Büchsenmacher. Schon lange bevor diese wandernden Gesellen ein Dorf erreichen, haben sie sich von andern die nötige Orientierung verschafft und in den Herbergen der Städte wird ein förmlicher Handel mit Adreßverzeichnissen von Wohltätern getrieben, bei denen man zu essen oder Kleider oder Schuhe oder Gutscheine oder Geld bekommt. was soll geschehen? Es ist eine sehr gemischte Gesellschaft, die unter dem Namen des „armen Reisenden" zu Stadt und Land bei den mildtätigen Almosenspendern anklopft. Man nennt sie in der Regel „arme Handwerksburschen". Aber die wirklichen Handwerksburschen bilden nur einen Teil unter ihnen, Kenner behaupten, den kleineren Teil. Die modernen Fahrgelegenheiten, das Annoncenwesen, die Organisation des Arbeitsnachweises hat für manche Berufe die Nötigung zu wandern, um arbeiten zu können, so gut wie vollständig beseitigt. Ich begreife, daß manche wackeren Arbeiter und Handwerker, die einst selber mit 10 dem „Berliner" auf dem Rücken und dem „Stenz" in der Hand „gewalzt" sind und dabei Land und Leute in weit intimerer Weise kennen gelernt haben, als es jetzt vom Eisenbahnwagen aus geschieht, mit einem Gefühl des Bedauerns dies Stück „gute, alte Zeit" dahinschwinden sehen. Es liegt sicherlich auch Romantik und Poesie in ihm und mancher junge Mann mag von seiner Wanderschaft einen reichen Gewinn an Selbständigkeit, Weite des Horizontes, beruflicher Erfahrung und Menschenkenntnis in die Heimat zurückgebracht haben. Einzelne Berufe, vor allem die Schlosser, liefern noch immer ein starkes Kontingent der Wandergesellen. Es sind unter ihnen auch heute noch rechtschaffene junge Leute, die aus demselben Grunde wandern, aus dem die jungen Kaufleute und die Studenten in ferne Weltstädte und an fremde Universitäten ziehen, um ein Stück Welt kennen zu lernen, oder die durch Arbeitslosigkeit auf die Straße gekommen sind und die erste passende Arbeitsstelle mit Freuden ergreifen. Daneben aber gibt es freilich fahrendes Volk aller Art. Lange andauernde Stellenlosigkeit und die dainit verbundene Nötigung, zu wandern, können auch gutgeartete Elemente verderben. Der fortgesetzte Mangel an Ordnung und Arbeit führt zuletzt zur Entwöhnung von beiden. Die Verdienstlosigkeit treibt zum Bettel. Damit sinkt das Selbstgefühl. Die Reisegefährten, die Atmosphäre der Herbergen und zumal der „wilden Pennen", auch die Behandlung seitens der Mitmenschen, das alles übt eine abstumpfende, verrohende Wirkung aus. Der 11 einzig erreichbare Genuß ist der Trunk, meist der Schnapsgenuß. So siukt mit jeder weitem Woche dieses Wanderlebens der Mensch von Stufe zu Stufe. Seine Gesundheit wird schließlich ruiniert und die Aussicht, sich aus der Verwahrlosung wieder in eine anständige und gesicherte Existenz emporzuschwingen, schwindet mehr und mehr. So entsteht der Stromer, der alte Kunde, der Vagabund, der in regelmäßigen Zeitabschnitten wieder auftaucht wie die Kometen, die man ja schon die Vagabunden im Weltraum genannt hat. Zahlreich sind unter ihnen auch heruntergekommene Kaufleute und Angehörige gelehrter Berufe, zahlreich die Leute, die durch eigene Schuld entgleist sind und nicht die sittliche Kraft zur rechtzeitigen Umkehr gefunden haben. Und doch, unsere Brüder, unser Fleisch sind auch diese Menschen. „Jeder eine lebendige Anklage gegen die heutige Gesellschaftsordnung" würde die sozialdemokratische Presse sagen. Sicher ist, daß sich bei ihnen mit der eigenen Schuld viel Schuld der Mitmenschen verflicht, und noch sicherer, daß wir, wie groß oder wie klein bei jedem von ihnen der Anteil des eigenen Verschuldens sein mag, auch ihnen gegenüber eine Pflicht der.brüderlichen Liebe haben. Für den, der das fühlt, steht es dann aber sofort außer Frage, daß Gewalt- und Strafmaßregeln, wie sie frühere Geschlechter gegen diese Wanderarmen anwandten, unchristlich, unmenschlich und grausam sind. Die Liebe ist erfinderisch. Jene Maßregeln aber sind aus der völligen Rat- und Hülf- losigkeit heraus entstanden, mit denen man einer Klasse 12 von Menschen gegenüber stund, gegen die man noch keine Verpflichtung zu brüderlicher Liebe empfand. Sie wird noch jetzt nicht allgemein empfunden. In einer deutschen Zeitung wurde seinerzeit gegen Landstreicher die Behandlungsmethode empfohlen, die in einem Staate von Nordamerika praktiziert wird. „Acht Landstreicher", erzählt der Berichterstatter, „haben wir selbst besichtigt. Eine eiserne, 18 Pfund schwere Kugel, die an einer schweren, 5 Fuß langen Kette befestigt war, schleppte jeder am Fuße nach. Jede eiserne Kugel hatte eiuen Griff, so daß der Inhaber sie tragen konnte, wenn er sich bewegte. Die Landstreicher arbeiteten unter einem offenen Schuppen und brachen dicke Stücke eines Steines entzwei, der für den härtesten Stein im Staate gilt." In einer der christlichen Liebestätigkeit gewidmeten Zeit- schrift hat ein Einsender für die schlimmeren Elemente unter den Wanderarmen die Applikation elektrischer Hiebe vorgeschlagen. Er gibt diesen Vorschlag als den Rat eines „erfahrenen und barmherzigen Strafrichters" und meint: „Die Elektrisiermaschine kann bekanntlich auf das Allergenaueste die Stärke der Schläge bemessen und ist ein äußerst billiges Instrument." Ich glaube, man braucht nicht sentimental zu sein, um derartige Vorschläge als undiskutierbar abzulehnen. Die Geschichte der früheren Methoden hat den unwiderlegbaren Beweis erbracht, daß mit Gewalt die Vagabundage nicht überwunden wird. Es scheint mir, daß im großen und ganzen auch die Erfahrungen der Zwangsarbeitsanstalten dasselbe bestätigen. Sie vermögen wohl ihre Pfleg- 18 linge zu harter, strenger Arbeit und zu unbedingtem Gehorsam anzuhalten, so lange der drakonische Zwang der Anstalt jede Weigerung unnachsichtlich und empfindlich an ihnen zu ahnden vermag. Aber sie sind unfähig, gerade das zu leisten, was ihre Pfleglinge am allernötigsten haben: sie zum ernsten Gebrauch der Freiheit zu erziehen. Auch die vielen polizeilichen, administrativen und gerichtlichen Chikanen, denen der mittellose Wanderer, in Deutschland noch weit mehr als bei uns, ausgesetzt ist, tragen nur dazu bei, ihn auf ein tieferes Niveau hinabzudrücken und aus dem relativ harmlosen Menschen ein vorbestraftes, mit einem gesellschaftlichen Makel behaftetes Individuum zu machen. So ungeeignet jedoch die Gewalt zur Hebung dieser gesunkenen oder sinkenden Bruder ist, so ungeeignet ist die kritiklose Almosenspenderei der privaten Wohl- tätigkeit. Nicht die Bettelei zu unterstützen und zu fördern, ist Pflicht der brüderlichen Liebe, sondern sie zu bekämpfen. Aus dieser Erkenntnis heraus sind die Antibettelvereine entstanden, die sich eine Zeitlang großer Beliebtheit erfreuten. Es gab Ortschaften, wo beinahe an jeder Haustüre ein Schildchen mit der Aufschrift „Mitglied des Vereins gegen Hausbettel" prangte. Aber der erwartete Erfolg hat sich nicht eingestellt. Er besteht bloß darin, daß man sich mit Hülfe des Vereinsbeitrages die Wanderarmen vom Leibe hält, nicht aber darin, daß man sie wieder von der Landstraße in geordnete Verhältnisse hineinbringt. Und oft wird trotz der Antibettelvereine doch gefochten, 14 selbst bei Vereinsmitgliedern. Ein solches, ein Müller, erzählt, daß eines Tages zwei bettelnde Kinder auf seinen Hof gekommen seien. Er habe sie, auf die Verordnung hinweisend, die das Betteln verbiete, barsch abgewiesen. Da seien die Kinder zum Hundetrog hingegangen, uni sich daraus einige Brotkrusten herauszuziehen, und der sonst bösartige Hund habe sie ruhig gewähren lassen. „Um mich von dem unvernünftigen ' Tiere nicht beschämen zu lassen", fügte er bei, „rief ich die Kinder ins Haus und habe sie gesättigt und reich beschenkt entlassen. Dann zeigte ich mich selbst an und zahlte meine Mark Strafe." Am richtigsten erscheint es, die Wanderarmen mit Naturalgaben, Nahrung und Kleidung, zu unterstützen. „Brich dem Hungrigen dein Brot; so du einen nackend siehest, so kleide ihn." Aber es ist nicht überall und nicht immer möglich, beides im eigenen Hause vorzunehmen, und man ist genötigt, statt Nahrung Gutscheine zu verabreichen und die Kleider dem Wanderarmen in die Hände zu geben. Sicher ist beides sehr oft gut angewendet, ebenso sicher aber ist, daß beides sehr oft erst in Geld und dann in Schnaps verwandelt wird. Pastor von Bodelschwingh erzählt von einem abgefeimten Vagabunden, den man in den Bielefelder Anstalten seine Lumpen gegen ein frisches Hemd tauschen ließ, der dasselbe sofort nachher zu einem Trödler trug, Tags darauf vor andern Anstaltsgebäuden wieder in ähnlichen Lumpen oder ohne Hemd erschien und dieses Kunststück erfolgreich 4—5 Tage hinter einander betrieb. 15 Alle dargereichten Gaben, auch wenn sie ihren Zweck erfüllen, auch alle herzlich gemeinten Zusprüche, ja selbst die Nötigung der Wanderarmen, zur Erlangung der Wohltat erst ein paar Stunden Arbeit zu leisten, bringen jedoch deshalb keine wirksame Hülfe, weil der Wander- arme doch immer wieder auf die Landstraße, in die Kundenpenne, in die alte Versuchungsreiche Umgebung zurückkehren muß. Es liegt darum eine große pädagogische Weisheit im dem Rate des Jesaias: „Die so in Elend sind, führe in dein Haus!" Pastor von Bodelschwingh hat das eine Zeitlang wörtlich befolgt. Er hatte, als er in Paris deutscher Pfarrer war, in seinem Hause ein besonderes Vagabnndenherbergstübchen mit drei Betten. Es bereitete ihm manche Freude, aber auch viel Nöte, und auf die Dauer war es selbst für einen Mann von seiner Aufopferungsfähigkeit nicht durchführbar. Ein Einzelner vermag höchstens Einzelnen durch persönliche Hingabe eine brüderliche Hülfe zu leisten. Was aber not tut, ist Hülfe im großen Stil. Es ist das Berdienst des Pastors von Bodelschwingh nicht bloß den Anstoß dazu gegeben, sondern auch geeignete Mittel dazu gezeigt zu haben. Es sind im wesentlichen drei einander ergänzende. Das erste sind die Herbergen zur Heimat, von den Handwerksburschen „Heiligkeit" genannt. Ihr Gründer ist der Bonner Rechtsgelehrte, Professor Clemens Theodor Perthes, der im Jahre 1854 die erste Herberge dieser Art in Bonn eröffnete und durch seine Schrift über das Herbergswesen der Handwerksgesellen für die I — 16 — Sache erfolgreiche Propaganda entfaltete. Eine große Ausdehnung gewannen sie durch den deutschen Herbergsverein, an dessen Spitze seit 1886 Pastor von Bodel- schwingh steht. Die Herbergen zur Heimat, in denen Kartenspiel und Branntwein verboten ist, die einem Verwalter mit festen Gehalt und nicht einem vom Wirtschaftsgewerbe lebenden Wirte unterstellt sind, in denen endlich eine christliche Hausordnung herrscht, wollen den sogenannten „wilden Pennen" entgegentreten. Das zweite Mittel sind die Verpflegungsstationen, als deren Begründer ein württembergischer Obcramtmann Huzel genannt wird, deren Ausbau und Verbreitung aber das Werk Pastors von Bodelschwingh ist. Es liegt ihnen der Gedanke zu Grunde, durch das ganze Land, allen Verkehrswegen entlang, ein Netz von Naturalverpflegungs- stationen anzulegen, auf denen der mittellose Wanderer, wenn irgend möglich gegen eine bestimmte Arbeitsleistung, Nahrung und Obdach empfängt, gelegentlich auch Kleidung und — Reinigung. Damit soll jedem Wanderer das Allernotwendigste und dem Publikum die Berechtigung verschafft werden, nun guten Gewissens jede Bettelei abweisen zu dürfen. Eine Abnahme der Bettelei wird überall da, wo das System der Naturell- Verpflegung ausgebaut ist, konstatiert. Fraglich aber scheint mir, ob es die Nötigung zum Fechten wirklich völlig beseitigt, ob ein mittelloser Wanderer sich tatsächlich Physisch und moralisch über Wasser zu halten vermag, wenn ihm nur immer wieder Obdach und die nötigste Nahrung gewährt wird. Außer Frage steht 17 dagegen, daß auch dieses System den Wanderarmen nicht aus seinem ungeordneten und Versuchungsreichen Wanderleben herauszuheben vermag. Das versucht, und erreicht auch in zahlreichen Fällen, erst das dritte Mittel: Die Arbeiterkolonie. Sie ist das Ziel, auf das meine Ausführungen es absehen. Die Arbeiterkolonie. Den Weg des Gedankens, der den jetzigen Arbeiterkolonien zu Grunde liegt, hat schon Baron von Kott- witz mit der Gründung seiner „Freiwilligen Beschäf- tigungsanstalt" in Berlin im Jahre 1808 betreten. Der eigentliche Stifter der Arbeiterkolonien ist indessen Pastor von Bodelschwingh. Er hat im Jahre 1882 in der Senne bei Bielefeld, einer unfruchtbaren Heide, die erste dieser Kolonien, Wilhelmsdorf, eröffnet. Seiner unermüdlichen Tätigkeit ist es zu verdanken, daß der geniale Gedanke auch anderswo einschlug und zu Taten trieb. Innert 10 Jahren wurden in Deutschland 26 Arbeiter- kolonien gegründet. Jetzt gibt es dort bereits 82; vier derselben stehen unter katholischer Leitung. Es hat sich ein Zentralverband deutscher Arbeiterkolonien gebildet. Sein Organ ist der in Bielefeld erscheinende „Wanderer". Die deutschen Arbeiterkolonien verfügen insgesamt über 4000 Plätze und es mögen bis jetzt über 150,000 Arbeitslose in ihnen Aufnahme und Obdach gefunden haben. Ein paar ähnliche Anstalten für Frauen sind ihnen zur Seite getreten. In Oesterreich, Holland, Belgien, Dänemark, 18 Frankreich, England, Rußland fanden diese Bestrebungen Teilnahme und vereinzelt auch schon Nachahmung. Wir in der Schweiz haben 2 solcher Anstalten: Das Arbeiterheim Tannenhof bei Witzwyl in der Gemeinde Gampelen, im sogenannten großen Moos zwischen Bieler- und Neuenburgersee, und die Arbeiterkolonie Herdern bei Frauenfeld im Kanton Thurgau. Das Arbeiterheim Tannenhof wurde schon im April 1889 eröffnet, während die Arbeiterkolonie Herbem erst auf 1. November 1895 ins Leben trat. Tannenhof ist eine spezifisch bernische Anstalt. Von den 116 Kolonisten im Jahre 1899 waren 104, von den 142 im Jahre 1900 waren 132 Berner. Die Arbeiter- kolonie Herbem dagegen will der ganzen deutschen Schweiz, auch unserer Stadt, dienen, und für diese Anstalt mochte mein Vortrag Ihr Interesse zu erregen suchen. Die erste Anregung zu ihrer Gründung erfolgte aus den Kreisen der Schutzaufsichtsvereine für entlassene Sträflinge. Es konstituierte sich nach mehrfachen Besprechungen und Verhandlungen der Freunde des Projektes im März 1895 ein interkantonaler Verein zur Begründung einer ArbLiterkolonie in Herdern. An der Spitze der Gründer steht der um die Sache vor allem verdiente Zürcher Theologie-Professor Kesselring. Einer der eifrigsten Jnitianten, der mit der ganzen Kraft seiner begeisterungsfähigen Persönlichkeit für die Sache eintrat, war der frühere Pfarrer an unserer Strafanstalt, Professor Bernhard Riggenbach. Leider erleble er die Eröffnung der Anstalt nicht mehr. Aber sein Andenken verdient es, daß gerade auch unsere Stadt für 19 das Werk, dessen Gründung ihm so sehr am Herzen lag, Interesse lind Unterstützung bereit halte. Die Arbeiterkolonie Herdern liegt freilich nicht in der Nähe unserer Stadt. Aber das scheint mir eher ein Vorteil als ein Nachteil für uns. Die Versorgung in eine Kolonie in der Nähe von Basel, z. B. in Baselland, wäre einerseits nicht in dem Maße eine Loslösung aus der alten Umgebung und eine Versetzung in eine andere, neue Atmosphäre, wie es die Versorgung in eine entfernter liegende Anstalt ist, und böte andererseits eine weit größere Versuchung, sich der Ueberwindung zu regelniäßiger Arbeit und zu pünktlicher Ordnung, die gerade am Anfang des Kolonieaufenthaltes am schwersten fällt, durch Drauslaufen zu entziehen. Ein ernstliches Hindernis für die Benützung der Kolonie durch unsere Stadt kann bei den heutigen Verkehrsverhältnissen in der räumlichen Entfernung nicht liegen. Die einzige badische Arbeiterkolonie, Ankenbuck, in der Nähe von Donaueschingen, ist für den größten Teil von Baden weit exzentrischer gelegen und schwerer zugänglich und doch wird sie vorn ganzen Lande benützt und wesentlich auch durch die Teilnahme des industriellen badischen Unterlandes getragen. Am stärksten vertreten sind unter den Kolonisten von Herdern allerdings die benachbarten Kantone. Von den 1490 Kolonisten, die seit der Gründung der Kolonie im November 1895 bis Ende 1903 in Herdern Aufnahnie gesunden haben, waren 412 Zürcher, 308 Thur- gauer, 159 St. Galler. Aus Basel stammten 58, aus Baselland 33 Kolonisten. Ein regeres Interesse für die 20 Anstalt würde ohne Zweifel auch die Inanspruchnahme der Kolonie dnrch unsern Kanton steigern. Die Kolonie ist ein ehemaliges Schloßgut mit umfangreichen Oekonomiegebäuden und Stallungen.*) Es liegt mitten im thurgauischen Dorf Herdern, über dem Thurtal, am südlichen Abhänge des Seerückens. Wie in beinahe allen deutschen Arbeiterkolonien so besteht auch in Herdern die Hauptbeschäftigung der Kolonisten in landwirtschaftlicher Arbeit. Das Gut umfaßte bei seiner Uebernahme durch den Verein für Begründung einer Arbeiterkolonie einen Komplex von 165 Jucharten Wies- und Ackerland und 53 Jucharten Wald, insgesamt also 218 Jucharten. Der starke Andrang der Kolonisten nötigte zu einer Erweiterung. Im Jahre 1901 wurde noch ein benachbartes Gut, Debrunnen, mit 100 Jucharten Land hinzugekauft. So stellt die Kolonie einen großbäuerlichen, ausgedehnten und komplizierten landwirtschaftlichen Betrieb dar. Es wird Ackerbau und Weinbau, Milchwirtschaft und Mastvieh- zucht betrieben. Ein Gang über die Felder und durch die zahlreichen Ställe der Kolonie gibt ein Bild vorn *) Das nebenstehende Gebäude zeigt die Anstalt von der Westseite. Recht» liegt das Hauptgebäude, besten westlicher, dem Beschauer zugekehrter Flügel die dtüchc, BorratSräumc, den Speiscsaal und Schlafräume sür öü Kolonisten enthält. Zm östlichen Fliigel sind die Wohnräumc des Verwalter», Bureaus, Magazine, Krankenzimmer. Das kleine Mittelgebäude im Vordergrund enthält die Werkstätte der Schneider und Schuster, den Troekcnraum u. a. Hinter demselben, rechts von den Pappeln, zeigt sich da» Dach der Stallung und Scheune». Links liegt der au» der alten .Trotte" hergestellte Neubau, mit Wohn- und Arbeits- räumcn und zwei Schlassälen, die für SO Betten Raum bieten. Im Hintergründe link» wird die Kirche von Herdern sichtbar. Das Bild S. 37 zeigt recht» neben dem Schlag »och ein große» Ockonomiegebände, da» Schwcincställc, die Käserei, Lorratskammcrn, Werkstätten für Korbflechter« und Schreinerei u. ä. enthält. — 22 — Umfang der Arbeit, die täglich zu bewältigen ist, und zugleich von der Umsicht, dem Geschick, der Sauberkeit, der Unternehmungslust, mit der unter dem Verwalter der Kolonie, dem früheren Lehrer und Evangelisten von Alpnach, das Ganze dirigiert wird. Es ließ sich von vorneherein erwarten, daß der stärkste Andrang in die Kolonie im Winter, also zu der Zeit erfolgen werde, wo die landwirtschaftliche Arbeit zum großen Teil ruht. Es mußte deshalb für Winterarbeit in der Anstalt gesorgt werden. In den ersten Jahren haben die zahlreichen Umbauten, die die Verwandlung des Schloßgutes in eine Arbeiterkolonie nötig machte, beständig Arbeit für die Handwerker unter den Kolonisten geliefert. Da konnte sogar ein Architekt unter ihnen beruflich beschäftigt werden. Noch jetzt ist für Schlosser, Schmiede, Schreiner, Wagner meistens allerlei Berufsarbeit vorhanden. Daß ein so großer Haushalt für Schneider und Schuster beständig Beschäftigung liefert, versteht sich von selbst. Man mußte aber, um in der landwirtschaftlich flauen Zeit allen Kolonisten Arbeit bieten zu können, auf die Einführung besonderer industrieller Erwerbszweige bedacht sein. In einigen deutschen Arbeiterkolonien sind Ziegeleien mit der Anstalt verbunden. In andern werden Holzarbeiten verfertigt, Säcke genäht, Korke geschnitten. In Herdern wird gegenwärtig von den Kolonisten das Flechten von Strohmatten für die Gewächshäuser der Gärtnereien und von Strohzöpfen zum Versand von Backsteinen betrieben. Einige Kolonisten verfertigen Nickelgestellchen für Gasglühlichter. Es wurden auch schon Türvorlageu aus Cocosstricken und Teppichklopfer aus Meerrohr verfertigt. Der Rührigkeit des Verwalters ist es bis jetzt noch immer gelungen, selbst über die Zeit der stärksten Besetzung der Kolonie für alle Beschäftigung zu finden. Stallung und Scheune der Aolonie. 8 . Die Arbeiterkolonie Herdern war bei ihrer Gründung für 50 Mann berechnet. Mit 4 Kolonisten wurde sie am 1. November 1895 eröffnet. Ende November waren es 23, am Weihnachtsfest schon 43 und im Laufe des Januar waren die verfügbaren 50 Plätze alle besetzt und weitere Anmeldungen mußten abgewiesen werden. Man hatte prophezeit, daß die Kolonie im Winter ein Sammelplatz für arbeitsscheues Volk und im Sommer für ihre große landwirtschaftliche Arbeit ohne Arbeitskräfte sein werde. In der Tat steigt die Zahl der Kolonisten naturgemäß mit dem Beginn der kalten Jahreszeit, um dann sofort mit Eintritt des Frühlings wieder zu sinken. Doch sank sie, so viel ich aus den Berichten sehe, erst einmal auf nur 29. Meist hält sie sich auch im Sommer auf einer Höhe über 30, so daß die Ernte- arbeiten mit Hülfe von Maschinen durch die Kolonisten selbst besorgt werden können. Schon im ersten Winter mußten wegen Platzmangel zahlreiche und dringende Gesuche um Aufnahme abgewiesen werden, im Jahre 1902 z. B. 214 Gesuche, im Jahre 1901 sogar 310 Gesuche. Schon 1898 wurde die Zahl der Plätze von 50 auf 75 erhöht. Es ließe sich aber Raum für 100 Kolonisten schaffen. Leider ist jedoch die finanzielle Lage der Kolonie derart, daß vorderhand die Zahl der Kolonisten von 75 auf 60 beschränkt werden mußte. Es liegt in der Natur der Sache begründet, daß eine Anstalt, die mit einem so bunt zusammengewürfelten Arbeitspersonal rechnen muß und nicht eine Straf- und Zwangsarbeitsanstalt sondern eine Rettungsstätte für Schiffbrüchige sein will, niemals sich selber zu erhalten vermag. Unter sämtlichen deutschen Kolonien ist meines Wissens nicht eine, die der Unterstützung des Staates und der privaten Wohltätigkeit nicht dauernd bedürfte. Es wird sich für alle, die sich mit den Arbeiterkolonien befassen, auch für die Freunde der Anstalt in Herdern, empfehlen, zu beherzigen, was ein so gewiegter Kenner der christlichen Liebeswerke wie Pastor Theodor Schäfer schreibt: „Für die einzelne Kolonie ist besonders daraus zu halten, daß der erziehliche Zweck des Ganzen der erste und beherrschende bleibe und nicht die ökonomische Leistung der Maßstab für die Tüchtigkeit der Anstalt werde." Unter den falschen Erwartungen, vor denen man sich in Bezug auf die Arbeiterkolonien zu hüten habe, nennt er vor allem die „Meinung, als könnten sie sich mit der Zeit selbst erhalten". Es entspricht durchaus dem erziehlichen und moralischen Interesse der Anstalt, wenn der Verwalter von Herdern während der Zeit der landwirtschaftlichen Arbeiten anklopfende Knechte grundsätzlich abweist, in der Erwägung, daß für sie jetzt überall auf dem Lande Arbeitsgelegenheit genug vorhanden ist. Im ökonomischen Interesse dagegen läge, wenn er über diese Zeit Handwerker, Kommis n. s. w. zurückwiese und die Kolonie mit landwirtschaftlichen Arbeitern besetzte. Die Kolonisten. Aus was für Leuten setzt sich nun aber die Schar der beinahe 1500 Kolonisten zusammen, die bis jetzt in Herdern Aufnahme und Obdach gefunden haben? Man kann sie in vier Gruppen einteilen. Die Elite der Kolonisten bilden unverschuldet arbeitslos gewordene Berufsarbeiter. Sie sind nieist tüchtige und brave Leute, die der hereinbrechende Winter, der schlechte Geschäftsgang, die Krisis in einzelnen Industrien um ihre Stelle gebracht hat. Was sollen sie nun tun? Nur bei wenigen reicht das Ersparte für 26 längere Zeit. Manche haben vielleicht Angehörige und Verwandte, bei denen sie Unterkunft finden. Aber diejenigen, die das nicht haben? Unsere hiesige staatliche Arbeitslosenkoinmission darf laut regierungsrätlichem Reglement keine alleinstehenden Arbeitslosen beschäftigen oder unterstützen. Es wird also förmlich darauf gerechnet, daß sie auf die Straße gehen und wandern, wandern gerade zu der Zeit, wo es Land auf Land ab an Arbeitsgelegenheit fehlt. Nur wenige von uns machen sich einen Begriff davon, was das heißen will, in was für eine Lebensweise, in welche Gesellschaft, auf was für ein Niveau der leiblichen und moralischen Existenz herab diese armen Wanderer damit gestoßen werden, wie entnlutigend und korrumpierend ein solches entbeh- rungsvolles, ungeordnetes Wanderleben auf die Dauer auch auf starke Charaktere wirken muß. Es fällt mir nicht ein, auch nur ein Wort dagegen zu sagen, daß Heiden und Türken, daß Dirnen und Trunkenbolde Gegenstand der christlichen Liebestätigkeit werden. Aber sollten denn diese armen, gefährdeten, rechtschaffenen jungen Leute auf der Landstraße nicht auch unserer Teilnahme, unseres Denkens an sie, unserer Hülfe wert sein? Im November 1896 empfahl ein Arzt einen Patienten nach Herdern mit der Bemerkung, „er sei nicht sowohl körperlich krank als infolge andauernder Arbeitslosigkeit moralisch tief gedrückt. Seine Hausgenossen schilderten ihn als sehr solid und brav." Ist es nicht ein Glück, daß nun auch bei uns ein Rettnngs- hafen existiert, in dem solche alleinstehende, arbeitslose, hinausgestoßene Bruder, wenn sie fühlen, daß das Sinken beginnt, eine Zuflucht finden, die sie vor Not und Verzweiflung schützt? daß auch bei uns jetzt ein Haus vorhanden ist, das solchen Gefährdeten Eltern- und Ge> schwisterhaus ersetzen und ihnen eine Frist der Besinnung und der Stärkung für den Wiedereintritt in den Kampf ums Dasein gewähren will? Die zweite Gruppe, die unter den Kolonisten fortwährend stark vertreten ist, sind die Leute mit ge- schwächterArbeitskraft, schwachbegabte, geringwertige Arbeiter, alleinstehende Männer, die wegen irgend eines Gebrechens oder wegen des vorgerückten Alters nirgendswo mehr in eine bleibende Stellung kommen, Leute, die, aus der Spitalpflege entlassen, noch zu schwächlich sind, um auf dem Arbeitsmarkte mit den Gesunden und Starken konkurrieren zu können, und für die das Wanderleben den erneuten Zusammenbruch der eben erst wieder erlangten Gesundheit bedeutete. Wer sorgt für alle diese Menschen, wenn sie keine Familie haben? Je länger je mehr stellen Staats- und Privatbetriebe keine Arbeiter mehr ein, die über 40, ja über 35 Jahre alt sind. Die Bestimmungen des Haftpflichtgcsetzes, die Versicherungsverträge der Firmen, die Statuten der Krankenkassen verschließen jedem gebrechlichen oder in seiner Gesundheit geschwächten Arbeiter den Eintritt gerade in die großen, sicheren Betriebe. Wie wenig ahnt man doch auch in christlichen Kreisen, was für ein unsicheres, kümmerliches, entbehrungs- und enttäuschungsvolles Dasein diese Kategorie von Menschen führen muß, zunial im Winter und in Zeiten des geschäftlichen Niedergangs, und was für sittlichen Gefahren sie vielfach täglich ausgesetzt sind! Ist es nicht christliche Bruderpflicht, für sie eine Zufluchtsstätte zu eröffnen, wo sie Nahrung und Obdach finden, bis auch für sie wieder ein Verdienst sich zeigt? Jeder Jahresbericht von Herdern verzeichnet unter den Kolonisten solche alleinstehende Leute, die, aus Spitälern und Irrenhäusern entlassen und auf die Landstraße gestoßen, in der Arbeiterkolonie freundliche Aufnahme fanden. Im September 1896 empfahl ein Pfarramt einen fleißigen Arbeiter, der wegen Gehörhallucinationen seine Stelle verloren hatte. Er hatte seither nur unvollkommene Heilung und keine feste Stelle mehr gefunden und sich zuletzt aus Verzweiflung das Leben nehmen wollen. Der arme Mann wünschte selber Aufnahme in Herdern und schrieb in seinem Gesuche: „Ich bin zur Arbeit noch fähig, und möchte gerne sein, wo es ruhig zugeht; ich wäre in Herdern der Oeffent- lichkeit enthoben und könnte wieder zu mir selber kommen." Zahlreich sind unter den Kolonisten fortwährend solche, deren Hauptfehler — ihr Alter ist. Von den 207 Kolonisten des Jahres 1901 waren 86 über 40, 24 über 60 Jahre alt. Im Jahre 1902 war mehr als die Hälfte sämtlicher Kolonisten über 40 Jahre alt. Rekrutieren sich diese beiden Gruppen aus Leuten, die ohne eigene Schuld ins Elend und auf die Landstraße geraten sind, so möchte ich als dritte Gruppe diejenigen nennen, die durch eigene Schuld aus dem Geleise geworfen wurden und auf die Stufe des mittellosen Wanderers, ja des Vaganten herabgesunken sind. Wahrscheinlich übertrifft diese Gruppe sämtliche andern an Zahl. Meist haben Trägheit, Leichtsinn, Arbeitsscheu, vor allem Trunksucht die Entgleisung verursacht. Dieser Kategorie gehören die Kolonisten an, die aus wohlhabenden und gebildeten Kreisen stammen. Sie sind von Angehörigen oder Vorniündern der Anstalt zugeführt worden, um sie vor tieferem Sinken zu bewahren, oder sie haben, zum Fechtbruder und Vaganten herabgesunken, in einer guten Stunde selber noch »ach dem Rcttungsseil der Anstaltsversorgung gegriffen. Es waren in Herdern schon außer den Vertretern fast aller Handwerke von Anfang an zahlreiche Kaufleute, aber auch schon Techniker, Beamte, Lehrer, ein Tierarzt, ein Apotheker, ein Architekt, ein Jnstruktor, ein Jurist. Die Geschichte dieser Kolonisten ist im Einzelnen sehr verschieden, aber derart scheint sie mir immer, daß sie das Herz jedes Christel: zu innigem Erbarmen bewegen muß. Oder ist es nicht erschütternd, was ein 37jähriger Mann, der sich früher gut gehalten hatte, dann aber durch Verbitterung über erlittenes Unrecht und körperliche Hemmungen der Trunksucht verfallen war, auch eine gerichtliche Bestrafung erlebt und seither keine feste Anstellung mehr gefunden hatte, einem Komitemitglied schrieb: „Auf der ganzen Welt habe ich keinen Menschen, an den ich mich wenden könnte, wahrhaftig, der verlorene Sohn im reinsten Sinne des Wortes. Ich möchte so gerne wieder ein nützlicher Mensch werden; aber ich sehe ein, daß ich aus eigener Kraft mich nicht emporarbeiten kann. 80 Ich würde gerne auf die Arbeiterkolonie Herdern gehen, zweifle aber sehr, ob ich dort Aufnahme finde. Ich habe wahrhaftig bald den letzten Rest von Hoffnung aufgegeben." Im Oktober 1896 berichtete ein kantonales Justizdepartement über einen Mann, der schon wiederholt wegen Landstreicherei und Bettel polizeilich der Heimatgemeinde zugeführt und schon zweimal in einer Zwangsarbeitsanstalt versorgt worden war. Zum dritten Male vom Gemeinderat in diese Anstalt verwiesen, protestierte er, „er habe stets Arbeit gesucht, und wem: er solche gefunden, sie auch angenommen." Er wies Zeugnisse vor, laut denen er in der Tat im vergangenen Sommer an zwei Orten zur Zufriedenheit längere Zeit gearbeitet hatte. Er erklärte, „daß er aus der Zwaugs- arbeitsanstalt jeweilen nur verstockter und verdorbener wieder ausgetreten sei." Er kam nach Herdern, wo er 199 Tage blieb und sich gut hielt. Nachher ging er auf die Wanderschaft und erhielt aus Empfehlung der Anstalt bald eine gute Stelle. Die vierte Gruppe endlich bilden die entlassenen Sträflinge. Für sie ist der Aufenthalt in der Kolonie ein sehr geeigneter Uebergang aus der Strafanstalt in das bürgerliche Leben. Ob ein Fehltritt eine gerichtliche Bestrafung gefunden hat oder nicht, ist für die sittliche Beurteilung des betreffenden Menschen gleichgültig, aber für seine soziale Stellung meist von den verhängnisvollsten Folgen. Oft will es kaum gelingen, für einen austretenden Sträfling eine geeignete Stelle zu finden. Eine erste Stätte der Bewährung in freier - ljl - Luft, wo die Vergangenheit vor Unberufenen uuentdeckt bleibt und wo wieder ein empfehlendes Arbeitszeugnis erworben werden kann, ist für viele von unschätzbarem Segen. Im ganzen macht die Kolonie mit den entlassenen Sträflingen gute Erfahrungen. Sie empfinden nach ihrem Aufenthalt in der Strafanstalt den Geist persönlicher Liebe und das bei aller Ordnung doch größere Maß der Freiheit und Selbstverantwortlichkeit in der Kolonie als eine Wohltat, die ihnen wieder zu Selbstvertrauen und Mut verhilft. Es wird der Arbeiterkolonie Herder» kaum je ein rührenderes Vermächtnis zu Teil werden als dasjenige, das ihr ein entlassener Sträfling zuwies. Er hatte den Keim einer tödlichen Krankheit aus der Strafanstalt mitgebracht. Auf seinem Sterbebett vermachte er der Kolonie zum Dank für die Aufnahme sein einziges Besitztum, eine neue Kleidung. Ein junger Mann, der wegen Unterschlagung mit einigen Jahren Gefängnis bestraft und zweimal polizeilich heim- transportiert worden war und nun nirgends mehr Arbeit fand, erwies sich auch in der Kolonie zunächst träg und unordentlich. Auf Zureden des Verwalters hin bemühte er sich, seine Fehler zu überwinden. Er blieb 178 Tage in Herder» und fand dann bei seinem ehemaligen Lehrmeister Stelle. Er bekennt nachher in einem Briefe: „Es hat mir sehr viel gewitzt, daß ich in Ihrer Anstalt gewesen bin. Jetzt bin ich doch auch wieder ein Mensch, der unter Leute gehört." Der Appenzellische Schutzaufsichtsverein für entlassene Sträflinge schreibt in seinem Bericht vom Jahre 1899: „Wir halten die Arbeiter- kolonie Herdern für eine treffliche Institution, den Ueber- gang von der Strafanstalt in das Leben der vollen Freiheit zu vermitteln. Bei aus der Zwangsarbeitsanstalt Entlassenen kann sie große Dienste leisten und Rückfälle in Liederlichkeit und Vagantentum verhüten, denen die Gemeinden bis jetzt ratlos gegenüberstanden. Ihr mag es noch am ehesten gelingen, jungen Taugenichtsen, denen das Bedürfnis nach Ungebundenheit und von keiner Arbeit eingeschränktem Daseinsgenuß zu tief im Blute sitzt, zu Festigkeit ihres Wesens zu verhelfen und sie zu einem geregelten, nützlichen Leben zu führen." Das Anstaltsleben. Sie sehen, es ist eine sehr gemischte Gesellschaft, die jetzt im alten Schloßgute von Herdern Einzug hält. Die Mehrzahl der Kolonisten sind alleinstehende Männer, meistens ledig, aber auch viele Witwer und auffallend" viele Geschiedene. Die Verheirateten bilden eine kleine, aber doch immer vertretene Minderheit. Sehr verschieden ist auch die Art und Weise ihres Eintrittes in die Anstalt. Manche erscheinen von Eltern, Verwandten, Vormündern begleitet, gut gekleidet, mit allem Nötigen ausgestattet. Manche sind von Aerzten, Pfarrämtern, Freunden der Anstalt ihr zugeschickt. Andere hat die Armenpflege oder eine bürgerliche Behörde nach Herdern dirigiert. Die meisten aber kommen aus eigenem Antrieb direkt von der Landstraße her, oft in miserablem Zustande, schlecht gekleidet, voll Ungeziefer, halb er- 33 froren, hungrig, nicht selten angetrunken, gewöhnlich mutlos oder verbittert. Der Eintritt geschieht freiwillig, wie auch der Austritt jedem Kolonisten auf dreitägige Kündigung hin jederzeit frei steht. Dem Neueintretenden wird die Hausordnung vorgewiesen ; seine Personalien werden notiert; der Arbeitsvertrag wird ihm zur Unterzeichnung vorgelegt. Inzwischen ist ein warmes Bad für ihn bereitet worden. Wenn nötig werden auch seine Kleider desinfiziert. Hat er nur eine Kleidung und ist auch diese zur Arbeit nicht mehr tauglich, so erhält er leihweise eine Anstaltsklei- dnng, die aber keine Anstaltsuniform ist. Für Manchen ist es schon wie der Anfang eines neuen Lebens, wenn er gewaschen und in reiner Kleidung aus dem Badehause kommt. Es ist aus tiefer Lebensbeobachtung und wahrer Menschenfreundlichkeit heraus geredet und nicht bloß epische Schilderung, wenn Jesus in dem bereits erwähnten Gleichnis „vorn Vagabunden" den Vater sagen läßt! „Bringet das beste Kleid hervor und tut ihn an und Schuhe an seine Füße." Sodann wird dem neuen Kolonisten sein Bett und sein Schrank zugewiesen und bald erfolgt die erste Mahlzeit, die in der Regel trefflich mundet. Sonst gilt freilich auch für den Aufenthalt in Her- dern: Aller Anfang ist schwer. Es erfordert für die Mehrzahl der Kolonisten ein Ausrasten des ganzen Restes ihrer körperlichen Kräfte und ihrer sittlichen Energie, wenn sie den plötzlichen Uebergang aus der Ungebundenheit in die stramme Anstaltszucht, aus der Nachlässigkeit in die Ordnung, aus der Bummelei in I die regelmäßige und anstrengende Arbeit ertragen und nicht entmutigt und enttäuscht die Hand wieder vom Pfluge ziehen sollen. Viele sind durch ungenügende und schlechte Ernährung während langer Zeit auch körperlich von Kräften gekommen. Es gehört deshalb auch das mit zu den Aufgaben der Kolonie, die Leute durch eine einfache aber doch immerhin reichliche und solide Kost wieder zu Kräften zu bringen. Schon etwa hat ein Petent als Grund seines Aufnahmegesuches offen die Ueberlegung genannt, daß sein entbehrungsvolles Wanderleben ihn körperlich je länger desto mehr ent- kräftige und er, um eine rechte Stelle zu finden, erst wieder ein gesunderes und kräftigeres Aussehen haben sollte, deshalb melde er sich in die Kolonie au. Leider hat die finanzielle Notlage der Kolonie auch eine Reduktion des Speisezettels zur Folge gehabt. Fleisch kommt jetzt außer Sonntags nur noch einmal in der Woche auf den Tisch. Auch der Kaffee wurde reduziert. Diese Speifeänderung ist unter den Wanderern unglaublich schnell bekannt geworden. Bevor mir irgend eine offizielle Mitteilung über die Sache zu Gesichte kam, haben mir schon reisende Handwerksburschen von der Kostverschlechterung erzählt. Hoffentlich ist die Wirkung nicht die, die im Laufe der Zeit bereits in einigen deutschen Arbeiterkolonien konstatiert werden mußte, daß das Niveau der Kolonisten allmählich sinkt, daß unbescholtene, junge, kräftige Leute, unverschuldete Arbeitslose, Kolonisten, bei denen die erziehliche Aufgabe der Kolonie noch am sichersten Aussicht auf Erfolg hat, mehr und mehr den alten Stromern, den mehrfach vorbestraften, schon arg verkommenen Vaganten, an denen sich meist nicht mehr viel ausrichten läßt, den Platz räumen. Uebrigens ist die Kost in Herdern auch jetzt noch kräftiger und mannigfaltiger als in den meisten deutschen Kolonien. Die Verköstigung wurde in den ersten Jahren pro Mann und Tag auf 90 Rp. berechnet. Jetzt ist sie auf 75 Rp. reduziert worden, nachdem sich aus Gutachten der Strafanstalten ergeben hat, daß diese pro Mann und Tag sogar mit 35—45 Rp. auszukommen vermögen. Aber was für Strafanstalten ein zu rechtfertigendes Minimum sein mag, ist es nicht auch für ein Werk der christlichen Liebe, das den Geschwächten und Gesunkenen wieder zu neuer Kraft verhelfen möchte. Die Haupterziehungsmittel der Anstalt bilden die Hausordnung und die tägliche Arbeit. Es kostet oft nicht geringe Mühe und Geduld, die Kolonisten an beides zu gewöhnen. „Die Behandlung dieser Leute im allgemeinen" schreibt der Verwalter in einem seiner Berichte „und die Gewöhnung an eine regelmäßige fleißige Arbeit ist nicht gerade leicht und erfordert viele Geduld, Nachsicht und Liebe. Es gibt solche, die man ernst und streng behandeln muß; aber die Strenge und Schärfe zum Anstaltsgeist zu machen, würde die Herzen Vieler verschließen und die erzieherische Einwirkung ver- unmöglichen. Ernst mit Liebe verbunden gibt die richtige Mischung. Liebe und Erbarmen gewinnt die Herzen, Zuwendung von Vertrauen und Achtung gibt neuen Mut und Hoffnung, wieder emporzukommen. Das Bc- wnßtsein, durchschaut und beobachtet zu werden, bewahrt vor Mißbrauch des geschenkten Vertrauens und vor Heuchelei. Geht die Arbeit langsam von statten, so ist nicht immer die Trägheit schuld; oft fehlt es am Können oder an der Gewandtheit. Da ist Nachsicht am Platze. Strenge dagegen, wo man in der Anstalt vegetieren und möglichst wenig leisten möchte". Erschwert wird die Handhabung der Anstaltsordnung durch die Nachbarschaft des Dorfes Herdern mit seinen vier Wirtschaften. Eine einsam gelegene Kolonie böte in dieser Beziehung erwünschte Erleichterungen. Indessen ist damit doch noch wenig gewonnen, daß man die Kolonisten künstlich mit einer Welt umgibt, aus der die Versuchungen verschwunden sind, denen sie bisher erlagen. Es handelt sich darum, ihnen zu einem andern, besseren Leben in der Welt drin, wie sie jetzt ist, auch in der Nähe von Wirtshäusern, die Hand zu bieten. Aus diesem Grund hob man den eine Zeit lang versuchten Zwang sämtlicher Kolonisten zur Abstinenz wieder auf und überläßt es den Einzelnen, auf ernste und freund- liche Vorstellungen des Verwalters hin sich zu entscheiden. Eine klösterliche Abgeschiedenheit der Kolonisten wird nicht erstrebt. Es schmettern keine schweren Türen ins Schloß und klirren keine Schlüssel hinter den Kolonisten, wenn sie ihre Arbeitsräume oder ihre Schlafsäle betreten. Es umgibt keine hohe Mauer die Anstalt und die wenigen Angestellten tragen keine Waffen. Das Drauslausen ist den Kolonisten tagtäglich möglich und es benützen auch jedes Jahr einige die Gelegenheit. Dorf Herdern mit den Anstaltsgebäuden. 38 — Das Tagewerk wird mit einer kurzen Andacht begonnen und geschlossen, die, ohne aufdringlich zu sein, den Kolonisten doch immer wieder den einzig sicheren Weg zu einem wahren neuen Anfang ihres Lebens zeigt. Uebrigens ist die Anstalt interkonfessionell. Es sind beständig auch Katholiken in der Kolonie. Dagegen befand sich erst ein Jude unter den Kolonisten. Die Katholiken besuchen Sonntags den Gottesdienst im katholischen Herdern, die Protestanten den Gottesdienst im paritätischen Hüttweilen. Keine leichte Aufgabe ist es, die Kolonisten an den Sonntagnachmittagen und an den Nach- seiertagen zu hüten. Einzelne erhalten Urlaub und verbringen den Tag aus eigene Verantwortung. Da geschehen nicht selten Entgleisungen. Mitunter finden gemeinsame Ausflüge statt. Eine Bibliothek, die für weiteren Zuwachs noch Raum genug bietet, liefert den Leselustigen Lektüre. Es wird auch gespielt. Das Kartenspiel freilich ist in der Anstalt verpönt. Gelegent- " lich halten die Pfarrer von Herdern und Hüttweilen den Kolonisten Vortrage. Es sind aber auch unter den Kolonisten selbst meist einige vorhanden, denen es an Witz und Fähigkeit, den Anstaltsgenossen die Zeit zu vertreiben, nicht fehlt. Es bedarf jedoch der taktvollen Weisheit des Hausvaters, um alles in den Grenzen dessen zu halten, was wohllaulet und ehrbar und lieblich ist. Einen Höhepunkt des Anstaltslebens bildet jedes Jahr das Weihnachtsfest, das eine ernste religiöse Feier init einem gemütlich unterhaltenden, von den Kolonisten selbst besorgten Teile verbindet. Der persönliche Einfluß des Verwalters und Hansvaters ist in einer derartigen Anstalt überhaupt der weitaus wichtigste Faktor. Versteht er es nicht, die verschiedenen Menschen nach ihren verschiedenen Charakteren zu behandeln, trifft er nicht den Ton der Liebe, der den Zugang auch zu verschlossenen Herzen und verbitterten Gemütern findet, besitzt er nicht ein Maß von Geduld und Glauben, das es ihm ermöglicht, trotz allen Enttäuschungen doch immer wieder zu hoffen und dem Fehlenden zu verzeihen siebenmal siebzigmal, ist er endlich nicht selber eine Persönlichkeit, die ohne viel Lärm und schreckliche Drohungen durch die Kraft seines Wandels vor Gott und die Lauterkeit seiner Gesinnung seine Pfleglinge in Zucht und vertrauensvoller Willigkeit zu halten vermag, so ist der erziehende Einfluß auch aller andern Faktoren der Anstalt in Frage gestellt. Wiederholte Besuche in Herdern haben in mir den Eindruck hinterlassen, daß in dieser Anstalt ein Geist der Liebe waltet, der auf jeden empfänglichen Menschen heilend und rettend wirken muß, und daß in ihr ein Glaube lebt, der auch in den Gesunkenen wieder Mut und Hoffnung zu entzünden vermag. Es bedarf allerdings bisweilen energischer Strenge, um unbotmäßige Elemente nicht mächtig und für das ganze Zusammenleben verderblich werden zu lassen. Strafmittel wie Nahrungsentzug, Arrest oder gar körperliche Züchtigung kennt die Anstalt nicht. Wo Rüge und ernster Zuspruch sich anhaltend unwirksam erweisen, da wird zu dem einzigen Strafmittel gegriffen, das in der 40 Arbeiterkolonie existiert, ztir Entlassung. Dagegen iviro Wohlverhalten und Fleiß der Kolonisten durch eine tägliche Gratifikation von 20 bis 60 Rp. belohnt. Entgelt für die geleistete Arbeit ist in erster Linie die Beherbergung und Verpflegung in der Anstalt. Die Kosten derselben beliefen sich in Herdern pro Mann und Tag auf Fr. 1,46,« im Jahre 1901, auf Fr. 1,66,« im Jahre 1902, unter Hinzurechnung der Besoldung der Anstaltsleitung auf Fr. 1,54,« im Jahre 1901, auf Fr. 1,74,« im Jahre 1902. Gratifikationen für die Arbeit werden erst vom 13. Tage an verabfolgt. Ausbezahlt werden sie beim Austritt unter Abzug der bezogenen Kleider. 1901 wurden Fr. 6962.18, 1902 Fr. 6801.16 Lohn den Kolonisten ausbezahlt. Die unmittelbare tägliche Gesamtleistung der Anstalt für den Mann stellte sich 1901 auf Fr. 1,82,«, 1902 auf ungefähr Fr. 2. Die von den Kolonisten geleistete Arbeit wird pro Mann und Tag auf durchschnittlich 80 Rp. - berechnet. Die Zahl der Verpflegungstage betrug 1900 bei 260 Kolonisten 19,429, 1901 bei 280 Kolonisten 24,893, 1902 bei 286 Kolonisten 25,368, 1903 bei 225 Kolonisten 19,237. Will die Anstalt den Charakter eines Liebeswerkes von Gefährdeten und Gesunkenen bewahren und sich nicht dem Charakter einer Zwangsarbeitsanstalt nähern, soll mit andern Worten die erziehliche Aufgabe das Primäre bleiben, das auch durch das ökonomische Interesse nicht beeinträchtigt werden darf, so wird von einer Rendite der Anstalt niemals die Rede sein können. 41 Der Erfolg. Der Erfolg der Anstalt darf nicht auf ökonomischem Gebiete gesucht werden. Er besteht in der erziehlichen Wirkung auf die Kolonisten, läßt sich also mit statistischen Zahlen nicht erfassen und in zahllosen Fällen überhaupt nicht feststellen. Oft genug dauert der Kolonieaufenthalt zu kurz, um eine nachhaltige Wirkung erzielen zu können. Er betrug für den einzelnen Kolonisten durchschnittlich 90 Tage im Jahre 1899, 117 Tage im Jahre 1900, 100 Tage im Jahre 1901, 108 im Jahre 1902, 103 Tage im Jahre 1903. Angesichts dieses relativ kurzen Aufenthaltes in der Anstalt und der höchst bunt gemischten Gesellschaft der Kolonisten wird niemand die Erwartungen des Erfolgs zu hoch spannen dürfen. Jedes Jahr gelingt es dem Verwalter, einer ganzen Anzahl Austretenden wieder zu sicheren und auskömmlichen Arbeitsstellen zu verhelfen. Noch zahlreicher sind die, die durch eigene Bemühung von der Anstalt aus wieder Arbeit finden. Ueber das Verhalten der in feste Stellung placierten Kolonisten bleibt der Hausvater häufig einigermaßen unterrichtet. Es fehlt nicht an Zeugnissen von ihnen selbst und von ihren neuen Arbeitgebern, die die Wirkung der Kolonie als eine gesegnete und nützliche dankbar anerkennen. „Ich denke mit Schaudern daran, was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich nicht in hiesiger Anstalt Ausnahme gefunden hätte" schreibt ein durch die Kolonie geretteter junger Mensch. Ein anderer, ein 32jährigcr Sattler, der, nach dem Tode seiner Eltern von seinen Pflegeeltern erzogen, nach her der Trunksucht verfallen, in die französische Fremdenlegion in Algier und später in holländischen Kriegsdienst geraten war, wurde in der Kolonie aus seinen, Trinkerelend befreit und ein anderer, brauchbarer Mensch von ernster Lebensauffassung. Er trat als Wärter in eine Privatirrenanstalt und schrieb von dort aus u. a. einmal an den Verwalter: „Bitte, schreiben Sie meiner Pflegemutter, zur Beruhigung betreffs meiner; denn sie wissen rein nichts von mir seit letzten September. Ich schrieb dazumal einen Brief aus dem Kantonsspital, wo ich während des Truppenzusammenzugs einige Tage krank war, erhielt aber keine Antwort, was mich nicht wunderte, aber doch tief schmerzte. Denn ich mußte mir sagen: Du bist keiner Antwort wert, denn ich hatte es wirklich zu bunt getrieben. Daher wären auch alle Versprechungen meinerseits nicht glaubwürdig. Aber es liegt mir am Herzen, daß durch ein kleines Briefchen - von Ihrer geehrten Hand die Herzenswunde meiner teuren Pflegeeltern gelindert wird, wenn sie meinen Aufenthaltsort erfahren, daraus ersehen, daß der treue Vater im Himmel sich meiner in Gnaden angenommen und mich treulich bewahrt hat bis auf diese Stunde." Wie ihm so ist tatsächlich schon manchem der Aufenthalt in Herder» zu einer gesegneten Wendung zum Guten, ja zum Anfang eines neuen, nützlichen, Gott wohlgefälligen Lebens geworden. Die Mehrzahl der Kolonisten verläßt die Anstalt wieder, ohne eine sichere Arbeitsstelle in Aussicht zu haben. Wie weit der Kolonieaufenthalt bei ihnen eine bleibende Wirkung hinterließ, kann nur in vereinzelten Fällen festgestellt werden. Es wäre jedes Falls falsch, sie alle von vorneherein als wieder dem Stromertum Verfallene anzusehen. Auf einer Versammlung von thurgauischen Landwirten in Märstetten kam ein stattlicher, gutgekleideter Mann auf den Verwalter zu und stellte sich ihm als ehemaligen Kolonisten vor, von dem nie mehr etwas verlautet war. In Gegenwart mehrerer Gäste erzählte er, wie er als junger Maler im Herbst 1895 mit zerrissenen Kleider», als einzige Habe einen Haselstock in der Hand, in die Kolonie gekommen sei. Er sei damals nahe daran gewesen, zu Grunde zu gehen. Der Kolonie verdanke er es, daß er jetzt ein geachteter Mann in soliden Verhältnissen sei. Ebenso unerwartet traf der Verwalter letztes Jahr einen andern Kolonisten, der sich in der Anstalt keineswegs in löblicher Weise ausgezeichnet hatte, an der landwirtschaftlichen Ausstellung in Frauenfeld als Chef des Ansichtskartenverkanfs. Es war ein Vertrauensposten, den er bekleidete, imd er tat es mit Umsicht, Geschick und Zuverlässigkeit. So mag der ausgestreute Samen noch bei manchem aufgegangen sein, wo man es nicht erwartete und ohne daß man etwas davon erfuhr. Viele freilich beginnen nach einer kurzen Aufwärts- bewegung aufs neue zu sinken. So lange sie unter der väterlichen Leitung des Hausvaters und in dem geordneten Bereiche der Anstalt stehen, halten sie sich gut. Aber ihre geschwächte sittliche Kraft ist den Versuchungen 44 der Freiheit nicht mehr gewachsen. „In der Kolonie sind wir die besten Kerls, aber für die Welt passen wir nicht mehr" sagte einmal sehr offenherzig ein Kolonist dieser Kategorie, ein Maler. Vielleicht daß bei einigen ein längerer Kolonieanfenthalt wirksam wäre. Es ist schon vorgeschlagen worden, für diese Lente Heimatkolo- nien zu gründen, Kolonien mit bleibendem Aufenthalt. Manche Kolonisten klopfen über kurz oder lang wieder in Herdern an. Nur selten so, wie ein älterer Bäcker, der im Winter 1895/96 während 127 Tagen als Kolonist die Anstaltsbäckerei besorgt hatte und nach mehreren Jahren wieder arbeitslos nach Herdern kam, aber nicht mit leeren Händen, sondern mit einer Ersparnis von 1070 Fr., die er dem Verwalter in Verwahrung übergab. Einzelne Kolonisten waren schon drei, viermal in der Kolonie. Doch wird, und wohl mit Recht, den Aufnahmsgesuchen früherer Kolonisten gegenüber eine gewisse Zurückhaltung beobachtet. Der Kolonieaufenthalt bedeutet sicherlich für die meisten eine Zeit der Besinnung auf ein geordnetes, besseres Leben. Die Wirkung mag in zahlreichen Fällen zu schwach sein, um einer völligen Erneuerung des Lebens Bahn zu brechen. Es darf aber wohl gehofft werden, daß sie wenigstens die guten Regungen gestärkt, den sinkenden Menschen einen Stoß nach oben gegeben habe und so in ihrein Leben zu einem der Faktoren geworden sei, in denen Gottes Erbarmen hinter dem verlorenen Sohne herging. Und darum meine ich, daß diese Anstalt unserer Sympathie und Teilnahme wohl wert sei. Als die ältesten Besitzer des Schlosses Herdern werden Konstanzer Adelige aus dem 14. Jahrhundert genannt. Sie hießen Herren von Bettler und ihr Wappen, weist einen an der Krücke hinkenden, um Almosen heischenden Bettler auf. Leider ist der gegenwärtige Besitzer des Schlosses, der Verein für die Arbeiterkolonie Herdern, nicht in der Lage, sich nach einem besseren Wappen umzusehen. Die Anstalt hat, zumal seit dem Ankauf des Gutes Debrunnen, mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und ist in der doch dringend erwünschten Ausdehnung bis auf 100 Kolonisten gehindert. Sie bedarf deshalb der tatkräftigen Teilnahme noch weiterer Kreise. Jahr aus Jahr ein ziehen solche Wanderormen an uns allen vorbei. Und wie mancher sinkt in unserer nächsten Nähe in ihren Strom hinab! Was tun wir für diese vielfach geringsten unter unsern Brüdern? Es wäre mir eine lebhafte Genugtuung, wenn dieser Vortrag dazu beitrüge, für sie und für die Anstalt, die ihnen dienen will, bei manchen Teilnahme zu wecken. Lassen Sie mich schließen mit den Versen — nicht einer berühmten Größe aus der Ruhmeshalle der deutschen Dichtkunst, sondern eines Kolonisten von Herdern, eines Konimis, der sein vollgeschriebenes Hauptbuch besingt und sein Gedicht also schließt: Bald bleibst du nun in süßer Ruh verloren Und schläfst in friedlichen Archives Rächt; Dich plagen fürder keine Revisoren — D Gott, hätt' ichs doch auch so weit gebracht! Mir bangt, mir bangt, wie's wohl mit mir wird kommen. Wenn bald mein Vhr den großen Ruf vernimmt, Wenn Revision mit mir wird vorgenommen, wie da'des Lebens Soll und Haben stimmt? Manch' Postlern möcht' vielleicht ich gern changieren Und manches lieber streichen ganz und gar; Allein, allein, da läßt sich nichts radieren, Ls bleibt geschrieben, wie's geschrieben war. Zu Tage kämen alle Korrekturen, Und wären sie von Künstlerhand vollbracht. Lins tröstet mich: Zwar irrige Skripturen Hab' ich, doch trügerische nie gemacht! 47 § 2 -er Statuten -es Vereins für -ie Arbeiterkolonie Herdern. Mitglied des Vereins wird, wer einen oder mehrere unverzinsliche Anteilscheine zeichnet — dieselben betragen je 100 Fr. und sind später zu amortisieren —; ebenso auch wer einen jährlichen Beitrag von mindestens 3 Fr. oder einen Aversalbcitrag von mindestens 50 Fr. entrichtet. Auch Korporationen können als Mitglieder beitrctcn zu den gleichen Bedingungen, nur beträgt für solche ein jährlicher Beitrag mindestens 20 Fr. Die Komitees der Anstalt setzen sich gegenwärtig folgendermaßen zusammen: Direktions-Romitee. Blumer-Egloff, alt Nationalrat, Präsident, Zürich IV. Hug, Regierungsrat, Vizepräsident, Schaffhauscn. Escher-Baumann, Robert, Ouästor, Kreiestr. 108, Zürich V. Schund, vr. C-A., Aktuar, Zürich IV. Hasst er, alt Rcgierungsrat, Frauenfeld. Heim, Pfarrer, Wängi. Kern, Rcgierungsrat, Zürich III. Kupfcrschmid, Pfarrer, Zürich I. Merk, Gemeindeammann, Pfyn. Rippmann, Dr. meä., Stein a. Rhein. Schcrrcr, vr., Stadtammann, St. Gallen. VonderMühll, Georg, Bürgerrat, Basel. Betriebs-rkominission. Heim, Pfarrer, Präsident, Wängi. Hasst er, alt Regierungsrat. Vizepräsident, Frauenfeld. Hug, Rcgieruugsrat, Schaffhausen. Merk, Gemeindeammann, Pfyn. Rippmann, vr. meä., Aktuar, Stein a-Rhein. d> Finanz-Äommtssion. Blumer-Egloff, alt Nationalrat, Präsident, Zürich IV. Escher-Baumann, Robert, Ouästor, Zürich V. Schmid, vr., C. A., Aktuar, Zürich iv. Kcsselring, Professor vr., Zürich V. Wismer, alt Dekan, Zürich V. Grötzere Kommission. Präsident: Kesselring, Pros. Dr, H., Zürich V. Vizepräsident: Curti, Dr. F.,Slrafhausdirekt., Negensdorf, (Ziirich). Aktuar: Schuster, Pfarrer, Stcttsurt, (Thurgau), Aargaur Conrad, Laudammann, Aarau.*) Gras, Pfarrer, Aarau. Honegger, Stadtammann, Bremgarten. Axxenzell A, Rh.: Schieß, Rcgierungsrat, Hcrisau.') Gras, Pfarrer, Schwcllbrunn. Axpcnzell I- Rh.; Brogcr, Polizeidirektor, Appenzcll.*) Basel-Stadt: Benz, Pfarrer, Basel. Jselin, vr I., Regicruugsrat, Basel ») Köchlin, Nationalrat, Basel. Stllckelbergcr, Psarrer, Basel. Basel-Land: Christ, Dr , Langenbruck. Gauß, Pfarrer, Liestal. Glieder, vr. A., Reg.-Rat, Liestal.*) Glarus: Icnny-Studer, I., Major, Glarus. Trüb, Pfarrer, Ennenda. Graubünden: Raschein, P, Oberst!., Malix. Sprecher, Th. v, Oberst, Maicnfcld. Truog, Pfarrer, Tamins. Luzerne Heller, vr., Nationalrat, Luzern. Luschka, Pfarrer, Luzern. Walter, Regicruugsrat, Luzern.*) Gbwalden: Ming, Dr., Nationalrat, Sarnen. ') Vertreter der hohen Regierungen, Schafshausen r Amman::,vr., Ständerat,Schaffhauscn, Enderis, Antistcs, Schafshausen. Moscr-Ott, Reg.-Rat, Schaffhausen.') Späh», Dr., Stadtprä!., Schaffhausen. Solothurne Kaufmann, Rektor vr., Solothurn Whser, Otto, Schöncnwerd. St, Gallen: Brändli, Pfarrer, St. Gallen, Ebcrle, Pfarr-Rektor, St. Gallen. Hartmann, Direktor, St. Gallen. Kuhn-Kclli), Inspektor, St. Galle::. Macchlcr, vr., Rcg,-Rat, St. Gallen.') Thurgau: Egloff, vr., Reg.-Rat, Frauenseld. Fchr,Victor,Oberst,Karthau«Jttingen Kreis, vr,, Rcgiernngsrat, Frauenseld. Schultzc, Pfarrer, Hüttweilen, Stadlcr, Genien,deamman», Herder». Wich Pfarrer, Herder». Zug! Andcrmatt, Polizeidircktor, Baar. Zürich: Die:», Psarrer, Zürich IV. Grob, Em., alt Reg.-Rat, Wintcrthur.') Herold, Dekan, Wintcrthur. Hunzikcr, Fritz, Rektor, Zürich V. Lutz, I., Negierungsrat, Zürich IV, Stocket, I., vr., Reg.-Rat, Ziirich I. Sulzer-Ziegler, Nat.-Rat, Wintcrthur. Waldcr-Appenzellcr, alt Pft., Zürich I WiSnicr, alt Dekan, Zürich V. Beitrittserklärungen und Gaben für die Arbeilcrkolonie Herder» sende man an den Onästor Hrn. R. Escher-Bnuinann, Freie- straße 108, Ziirich V, oder an eines der Komitccinitglieder im eigenen Kanton.