Killt.-SidliottieK IttUNK/w ^ Ei MßKWU vas Netzwerk lm ilsturgau. Kulturgeschichtliche Ztuäie nach 6rinnerungen von Z. st. Tftaimann, eigenen öeodachtungen unä ant 6runä hanäschriitlicher Quellen unä amtlichen öerichte öargestellt von 7. Scvaltegger, a. Pfarrer. Sonäersbäruck ÄUL Dell 48 äer churg. öeitrsge. Druck von f. Müller, frauenlelil. — 1 Y 08 . var ^edwerlr im Tkurgau. Kulturgeschichtliche 5tuäie nach Erinnerungen von Z. fi. Tdalmann, eigenen öeobachtungen unä auf 6run) belief sich das Rebareal im Jahre 1801 auf 6839 und im Jahre 1834 auf 6321 alte Jucharten zu 34 Aren. Der Unterschied zwischen beiden Angaben mag zum Teil auf genauern Ermittlungen vom Jahre 1834 beruhen. Eine erste amtliche Kundgebung über tatsächlichen Rückgang des Rebareals finden wir im regierungsrätlichen Rechenschaftsbericht vom Jahre 1843. Dort lesen wir auf Seite 20: „Seit einigen Jahren tritt nicht selten der Fall ein, daß zehnt- bares Rebland ausgereutet und in eine andere Kulturart umgewandelt wird." Ein weiterer amtlicher Bericht vom Jahre 1852 gibt den Rebbestand auf 5320 neue Jucharten L 40,000 oder ?37,37 Aren an, während die Rebbaustatistik vom Jahre 1858 das Rebland in runder Summe auf 5600 Juchart oder 2,6 o/o der gesamten Anbaufläche des Kantons berechnet. In seiner thurgauischen Agrarstatistik, ausgearbeitet auf Grund statistischer Erhebungen vom Jahre 1884, erschienen 0 Der Thurgau im „Gemälde der Schweiz" 1834. 2) Früher wurde nach Rebjucharten gerechnet, die sich von einander um ein beträchtliches unterschieden. So rechnete Münster- Üngen noch 1833 die Juchart Reben zu 10 Manngrab zu 25 Quadratruten zu 100 Nürnberger Quadratfutz, also --- 250 Ruten oder 23 Aren. Daneben wird der Vierling Reben zu 92,16 Ruten angegeben, der einer Juchart von 36,864 Quadratfutz oder 34 Aren entspricht. Diese gewöhnliche Juchart enthielt somit 15 Manngrab und stand zu der kleinern im Verhältnis von 3:2. 4 Das Rebwerk im Thurgau. 1890, versucht E. Kollbrunner den Bestand an Reben auf dem Wege planimetrischer Ermittlung nach den Blättern des Siegfried-Atlas zu ermitteln und gelangt auf diese Weise (Seite 20) auf 1811,8 Hektaren. Seit 1901 gibt das thurgauische Landwirtschaftsdepartement alljährlich eine Weinbaustatistik heraus, der wir nachstehende Angaben über den jeweiligen Bestand des Rebareals entnehmen: 1901:1357,5 da, 1902: 1245,97 da, 1903:1221,91 da, 1904: 1195,22 da, 1905: 1163,02 da, 1906: 1079,28 5a, 1907: 977,44 5a. Auf Grund dieser Feststellungen gelangen wir zu folgender Übersicht, die uns den Rückgang des Rebwerks veranschaulicht: Jahrgang Areal in 5a °/o der Anbaufläche Rückgang absolut in 5a jährlich 1801 2325,26 3,6 1834 2159,14 166,12 5,0 1852 2092,7 2,6 66,44 3.7 1884 1811,8 2,14 280,9 9,0 1901 1347,5 1,6 464,3 27,3 1902 1267,97 79,53 1903 1221,91 46,06 1904 1195,22 26,69 1905 1156,02 1,37 39,2 1906 1076,28 89,74 1907 971,44 105,84 1901— 1907 376,06 53,7 Aus dieser Tabelle ergeben sich uns folgende Sätze: 1. Der Rebenbestand im Thurgau ist seit dem Jahre 1852 um mehr als die Hälfte zurückgegangen. 2. Seit dieser Zeit ist der Rückgang ein stetiger und wachsender. Er beträgt in denJahren 1884 — 1901 nahezu das Dreifache desjenigen Das Rebwerk im Thurgau. 5 von 1852 — 1884 und hat sich von 1901 — 1907 wiederum verdoppelt. 3) Bliebe dieser Rückgang in den kommenden Jahren sich gleich, so würde der Thurgau binnen 20 Jahren aufhören, Weinbau zu treiben. Fragen wir nunmehr nach den Ursachen dieser befremdlichen Erscheinung. Dieselben haben im Laufe der Zeit gewechselt. Für die Zeit von 1850 ist einer Ursache oben bereits Erwähnung geschehen. Die Weinbauern rodeten die Reben, um der Zehntpflicht zu entgehen. Diese Zehntpflicht bestand darin, daß vom Ertrage der Reben alljährlich je der zehnte Eimer abgegeben werden mutzte. Hatte die Sorge um das Seelenheil in frühern Jahrhunderten diese Schmälerung des jährlichen Ertrages zu gunsten der Kirche sich gefallen lassen, so kam dieses nicht mehr in Frage, seitdem der Staat als Erbe der Klöster diesen Zoll erhob. Wie etwa einmal der Bauer zur Art greift und einen jungen Kirschbaum fällt im Unmut darüber, datz er nächtlicherweile von unberufener Hand geleert worden ist, so ritz er dazumal seine Reben heraus und verzichtete lieber auf den Ertrag, als datz er dem Kloster, dessen Insassen nicht mehr seiner Religion waren, oder dem Staat, der mit den Dingen, um derenwillen man einst den Zehnten hergegeben, nichts zu tun hatte, den (benutz des Zehntens gegönnt hätte. Geholfen hat es ihm freilich wenig, datz er seine Reben aus- reutete. Der Zehnten war bereits damals nach bestimmtem Ansatz geweitet und mutzte wohl oder übel in barem Gelde entrichtet oder in zwanzigfachem Betrag abgelöst werden. Wäre übrigens dies die einzige Ursache des Rückganges im Rebbau gewesen, so hätte dieser wieder an Boden gewinnen müssen, nachdem mit dem Jahre 1875 die letzte Ablösungsquote bezahlt und diese Feudallast vom Landbau treibenden Volke genommen war. 6 Das Rebwerk im Thurgau. Der erwartete Aufschwung blieb jedoch aus. Ja, nun erst recht setzte der Niedergang mit voller Schärfe ein und macht sich in steter vermehrter Wucht geltend bis auf den heutigen Tag. Da mutzten noch andre Ursachen mitwirken. Das Nächstliegende ist, auf die Fehljahre hinzuweisen, die von 1870—1890 sich in verzweifelter Regelmätzigkeit folgten, auf Reblaus und falschen Mehltau hinzudeuten, die seither dem vielgeplagten Rebmann vermehrte Müh und Sorge brachten und das Rebwerk vollends verleideten. Und das ist außer aller Frage: hätten diese Schädlinge vor 2—300 Jahren ihre verheerenden Wirkungen an den Reben begonnen, zu einer Zeit, wo man sie einfach hätte müssen gewähren lassen, weil man sie nicht hätte wirksam bekämpfen können, so würden wir heute schon unsre Whandlung beginnen mit den Worten: es war einmal... Allein trotzdem genügen auch diese Tatsachen nicht, um den Niedergang des Rebwerks zu begründen. Leider nicht! Wäre dies der Fall, so wäre wenigstens Hoffnung vorhanden, datz, wie im südlichen Frankreich, wo die Reblaus noch viel verheerender gehaust hat als bei uns, auch für unsre Weinbauern wieder einmal bessere Zeiten anbrechen und dem Rebwerk zu neuer Blüte verhelfen werden. Wie sehr das aber leider vergebliche Hoffnungen sind, geht schon daraus hervor, datz das Rebwerk im Thurgau an Boden verlor, lange bevor man von Reblaus und Mehltau etwas wußte. Die tiefsten Ursachen dieses Niedergangs liegen meines Trachtens im Rebwerk selbst, in seiner Umständlichkeit, in den hohen Anforderungen, die es an die Arbeitskraft und Geduld der Menschen stellt, in den großen Unkosten, mit denen es bei uns zu rechnen hat, in dem Mangel an Zuversicht, datz das Rebwerk uns je wieder Das Rebwerk im Thurgau. 7 einmal diese Unkosten decken und einen, wenn auch nur bescheidenen Gewinn bringen würde, und in Folge davon in dem Mangel an Arbeitskräften, und nicht zum geringsten Teil in dem Wettbewerb, in den fremde, billige Weine mit den unsrigen getreten sind, mit einem Wort, in den gänzlich veränderten Zeitverhältnissen und volkswirtschaftlichen Zu ständen, unter denen wir leben. Es würde uns an Raum gebrechen, diese Sätze, mit denen wir übrigens nicht allein stehen, hier näher zu begründen. Doch wollen wir wenigstens eines hervorheben, was zu näherer Beleuchtung der diesbezüglichen Verhältnisse dienen kann. Der Aufschwung von Handel und Industrie hat zur Folge gehabt, daß der Landwirtschaft die nötigen Arbeitskräfte in stets vermehrtem Umfang entzogen wurden. Die Arbeitslöhne haben infolgedessen eine Höhe erreicht, welche die Landwirtschaft nötigt, die Menschenkraft durch Maschinenarbeit zu ersetzen, und sich auf diejenigen ihrer Zweige zu werfen, die diesem Bedürfnis am willigsten entgegenkommen. Das ist der Grund, weshalb die Viehzucht, verbunden mit Milchwirtschaft, neuerdings so in Aufnahme gekommen ist. Bereits finden weitblickende Volkswirtschafter für nötig, zu warnen vor allzu großer Einseitigkeit, die alles auf eine Karte setzt und uns mehr und mehr in Abhängigkeit vom Ausland bringt, was in Kriegszeiten zu schweren Notständen in Hinsicht auf die Ernährung des Volkes führen müßte?) b) Wie sehr diese Warnung ihre Berechtigung auch für den Thurgau hat, zeigt das Verhältnis zwischen Ackerfeld und Wiesland im Thurgau. Anno 1882 noch gleich 46: 29, war es im Jahre 1890 schon 38:58 oder genau genommen — 22:74, da 16 weitere Prozent der Anbaufläche dem Kunstfutterbau dienten und nur noch 22 ",/g mit Brotfrucht angebaut waren. Seither hat sich das gegenseitige Verhältnis noch mehr zu llngunsten des Getreidebaues verändert. Freilich ist auch da schwierig zu helfen. Denn bei den gegenwärtigen Brotpreisen schlägt der Bauer beim Getreidebau die Anbaukosten nicht heraus. 8 Das Netzwerk im Thurgau. Unter allen Zweigen der Landwirtschaft widerstrebt aber keiner so sehr der Anwendung von Maschinenarbeit wie das Rebwert. Während beim Ackerbau der Spaten durch den Pflug längst ersetzt ist und nur beim Kleinbetrieb oder Gartenbau noch Anwendung findet, mutz im Rebberg noch alle Arbeit von Menschenhand verrichtet werden, und sind Spaten, Karst und Haue in ausschließlichem Gebrauch geblieben. Während alle andern Zweige der Landwirtschaft mehr oder weniger aus den Fortschritten der modernen Technik Nutzen gezogen haben, wird der Rebbau heute noch kaum anders betrieben als vor tausend Jahren^). Dazu kommt nun noch, daß das heranwachsende Geschlecht vom Rebwerk nichts mehr wissen will. Es ist ihm zu mühsam und anstrengend. Selbst die Söhne und Töchter derer, die einst im Rebwerk ihre Lebensaufgabe gefunden haben und groß geworden sind, scheuen das Rebwerk und trachten nach müheloserem Erwerb. Der Zug zur Stadt verödet das Land. Dies alles wirkt zusammen, um die Aussichten des Reb- werkes für die Zukunft trübe zu gestalten, und läßt voraussehen, datz dasselbe in naher Zukunft sich auf wenige bevorzugte Lagen beschränkt sehen wird, auf Rebgelände, die imstande sind, einen Tropfen zu erzeugen, der den Wettbewerb der fremden Weine siegreich bestehen kann und berufen sein wird, den Ruhm der Thurgauer Weine der Nachwelt zu überliefern. Höchstens bezüglich der Weiterung des Weins vollzieht sich gegenwärtig ein Umschwung, indem den Ergebnissen der wissenschaftlichen Erforschung der Eärungserscheinungen mehr und mehr Rechnung getragen wird. Auch für die Bekämpfung der Rebkrankheiten hat man die Waffen brauchen gelernt, welche die wissenschaftliche Forschung an die Hand gab. Doch gehört dies schon nicht mehr zum eigentlichen Rebwerk, schon darum, weil der wissenschaftlich gebildete Fachmann bei Anhandnahme der diesbezüglichen Vorkehrungen unentbehrlich ist. Das Rebwerk im Thurgau. 9 Diese Erwägungen mögen es rechtfertigen, wenn wir im Nachfolgenden versuchen, für künftige Geschlechter, die dasselbe nicht mehr aus eigener Anschauung kennen, das Rebwerk, wie es einst betrieben wurde, zu beschreiben. Die Darstellung des Rebwerks, die wir geben, hat also nicht sowohl den Zweck, den Rebbau zu lehren, als vielmehr ein möglichst anschauliches Bild zu geben von der Art und Weise, wie er einst betrieben worden ist. Mag es auch manchem verfrüht erscheinen, diesem einst namhaften Zweig der Landwirtschaft jetzt schon den Schwanengesang anzustimmen, so empfiehlt es sich, die Kunde davon der Nachwelt zu überliefern zu einer Zeit, wo diese Kunde noch lebendig ist. r. Herkunft cker llleinbsur. Die Frage nach der Herkunft des Weinbaus im Thurgau liegt zwar nicht innerhalb der unserm Versuch gesteckten Grenzen. Doch mag sie wenigstens im Vorübergehen gestreift werden. Die Rebe ist ein Kind des Südens und entfaltet dort eine Üppigkeit des Wachstums und eine Fruchtbarkeit, von der unter unserm rauhern Himmelsstrich keine Rede sein kann. Die Bibel nennt den Patriarchen Noah als den Vater des Weinbaus. Die Griechen und Römer betrachteten den Weinstock als eine Gabe der Götter, denen zu Ehren bei jedem Gastmahl eine Opferschale voll Wein ausgegossen wurde. Ob die Römer schon die Rebe mit nach Helvetiens Gauen brachten, darüber läßt sich bei dem Mangel an diesbezüglichen Nachrichten nur mutmaßen. Manche Ausdrücke, die mit dem Rebwerk zusammenhängen und uns wie heimische anmuten, sind römischen Ursprungs, z. B. Wein — vinum, Winzer — vinitor, Weingarten — vinsa, Torgge! — tor- oularo, Kelter — oaloatorium oder Übersetzung aus dem Lateinischen wie Trotte von oaloatorium. Immerhin bleibt 10 Das Rebwerk im Thurgau. fraglich, ob wir, d. h. unsre Vorfahren, diese Ausdrücke aus unmittelbarem Umgang mit den Römern oder aber durch Vermittlung der Mönche überkommen haben. Diese aber konnten den Weinbau durch Studium der römischen Abhandlungen über Landwirtschaft von Cato, Columella u. a. erlernt haben. Tatsächlich haben sich die Klöster um die Ausbreitung des Weinbaus unter germanischen Völkern verdient gemacht. Überall, wo sie hinkamen, suchten sie den Weinstock einzuführen, selbst in Gegenden, die seit Jahrhunderten den Weinbau wieder aufgegeben haben. Sie brauchten Metzwein und, da die damaligen Verkehrsverhältnisse den Bezug aus dem Süden erschwerten und den Wein verteuerten, suchten sie ihren Bedarf durch Anlegung von Weinbergen zu decken und, wenn diese glückte, so tat der Wunsch, mehr davon zu haben, ein Übriges, um dem Weinbau immer weitere Ausbreitung zu verschaffen. So sind es Urkunden des Klosters St. Gallen, die uns von den Anfängen des Weinbaus im Thurgau Kunde geben. Vom Jahr 779 wird einer vinoa bei Romanshorn gedacht 5), die ans Kloster St. Gallen als Prekarei übertragen wurde. I. G. Ebel berichtet: Im achten Jahrhundert habe der Bischof von Konstanz einst den St. Ealler Mönchen ein Fatz Wein verehrt. AIs dasselbe nun unterwegs in einen Graben fiel, eilten die Mönche herbei und stimmten in feierlichem Umgang ein Miserere an. Auch in Reichenauer Urkunden wird eines Weingartens zu Ermatingen erwähnt. Anno 1268 übertrug der reichen- auische Wt Albrecht von Ramstein einigen Bürgern von Bernang einen Weinberg, „Manewerch" genannt, zu Erblehen gegen einen jährlichen Grundzins von 2^ Fuder (—75 Eimer) Wein. Das Manwerch lebt noch als Flurname fort; die b) Vgl. Wartmann, Urkundenbuch, Bd. I, Nr. 85. Dieser denkwürdige Weingarten ist dies Jahr gerodet worden. Das Rebwerk im Thurgau. 11 Reben freilich haben sich vor der Ausdehnung des Dorfes in das anliegende Gelände zurückgezogen. Auch die Ritter wußten einen guten Tropfen zu würdigen und Burghügel wurden auf der Sonnenseite oft mit Reben bepflanzt. Ein altes Sprichwort sagt: „Wo man pfleget guoten win, züchet Münch und Ritter hin." r. iledrorten unck Ssäenbertbattenbeit. Was die Rebsorten betrifft, herrschte ursprünglich das weiße Gewächs vor, weil dasselbe im allgemeinen ergiebiger ist als das rote. Da aber der rote Wein feuriger ist und als Meßwein ausschließlich in Frage kommen konnte, so bevorzugten die Klöster das rote Gewächs. Gegenwärtig herrscht das rote in den Bezirken Arbon, Bischofszell und Münchweilen, am Ottenberg und Jmmen- berg, das weiße in den Bezirken Frauenfeld, Dießenhofen und Steckborn vor, während im Bezirk Kreuzlingen beide annähernd gleich stark vertreten sind. Unter dem roten Gewächs sind vertreten der große schwarzblaue Burgunder, der kleine blaue Burgunder (Llävner), die Äugstler oder Noahtraube, ferner die Farbtraube, die Müllerrebe und die Rotedelrebe. Unter dem weißen Gewächs ist die Knolltraube (Elbling, Burgauer oder Kurzstiel genannt) wegen ihrer Ergiebigkeit stark vertreten. Daneben der Räusch- ling, die Zürirebe (Edelweiß, Malanser) mit der Waadtländer Rebe verwandt; daneben wurden in neuer Zeit die Waadtländer Rebe, der Gutedel und andre fremde Sorten eingeführt, die sich indessen für Spaliere (Trüeter, Hausrebe) besser eignen als für den offnen Weinberg. Die Rebe nimmt mit jedem Boden vorlieb. Sie gedeiht aber in kalkhaltigem und kiesigem Grund besser als in schwerem, tonigem Boden, wo sie in nassen Jahren gerne von der 12 Das Rebwerk im Thurgau. Gelbsucht befallen wird. Sandboden erfordert starke Düngung, weil er arm ist an Pflanzennährstoffen. Erundwasser wird den Reben verderblich, da die tiefer gehenden Wurzeln darin absterben. Dagegen verlangt die Rebe einen tiefgründigen Boden. Wo dieser fehlt, leiden die Reben in heißen Sommern unter der Trockenheit, die Trauben bleiben in der Entwicklung zurück, sie „verbocken", welken und schrumpfen ein, während sie in der Sonnenglut schwellen sollten. Für Neuanlage von Rebgeländen wird neuerdings das Rigolen, eine tiefgründige Umarbeitung des Bodens bis auf 50—70 om Tiefe, empfohlen. Nach diesen Vorbemerkungen treten wir näher ein auf das Rebwerk und zwar zunächst auf 4 . Sie Oordereitung cker ftedwerk5 im Winter. Dn roobto rsbina ist um aibst vis verlsZs. Im Winter, wenn Schnee die Rebgelände bedeckt und der hart- gefrorne Boden die Arbeit im Freien verbietet, trifft der Reb- mann Vorbereitungen für das Rebwerk, das beginnt, sobald der Boden offen ist. Zunächst sorgt er für Rebenbänder. Die Ruten der gelbschaligen Goldweide, die sich für diese Zwecke vorzüglich eignet, schneidet man glatt am Stocke ab und bindet die dünnen Nebenzweige in Bündel. Die gröbern Ruten werden zuvor mit einem dreikantigen Stück Hartholz gespalten und in Bündel von 50—100 Stück, „Stößel" genannt, gebunden. Diese Weidenstöcke sieht man in weinbautreibenden Gegenden überall den Wassergräben entlang. In alten Öffnungen werden sie, wohl ihrer falben Färbung wegen, „Felben" genannt und den Buchen, Eichen und berenden Bäumen gleich geschätzt und geschützt: „Wer Felben stucket, d. h. ihrer Ruten beraubt unberechtigter Weise, der ist dry Schilling ze buoß verfalen," lautet eine oft wiederkehrende Verordnung. Das Rebwerk im Thurgau. 13 Je schlanker die Ruten sind und je dichter sie aus dem Stock ausschlagen, umso besser eignen sie sich als Rebenbande. Um Frauenfeld herum sind diese Rebenbande nicht im Gebrauch. Man bindet hier die Reben mit Schaub, der aber nicht so festhält wie die genannten Rebenbande. Sind die Rebenbänder gerüstet, so sorgt der Rebmann für Reb stecken. Die besten, zähesten und dauerhaftesten Rebstecken erhält man aus sog. Erdkeimen, jungen Tännchen, die in allzu dichten Schonungen im Wachstum von ihren kräftigern Nachbarn unterdrückt wurden und deshalb schlank geblieben sind. Sie können 10—12 Jahre und imprägniert bis 20 Jahre lang dienen. Sie werden gespitzt und geschält und geputzt, weil die Larven der Borkenkäfer sich gerne unter der Rinde einnisten. Weniger haltbar als die Erdkeimen aber gleichfalls noch gut sind die gespaltenen Rebstecken. Ein astfreier gerade gewachsener Föhren- oder Fichtenstamm wird in zwei Meter lange Stücke zersägt. Diese Abschnitte, Stumpen oder Spülten genannt, werden nun unter Anwendung von Keilen (Weggen oder Bissen) sorgfältig gespalten. Mit der Teilung fährt man fort bis man Rebstecken von richtiger Stärke bekommt. Hierauf werden diese mit dem Hagmesser oder Gerte! von der Rinde befreit, geglättet und gespitzt. Der Gertei °) ist ein zirka 5 ow breites, 25—30 om langes, einschneidiges, schweres Messer mit gedrechseltem Heft und vorne mit einer hakenförmig umgebogenen Spitze versehen. Das Hintere Ende des Hafts ist ebenfalls mit einem II-förmig gebogenen eisernen Haken zum Anhängen versehen. Am Obersee wurden diese gespaltenen Rebstecken meist aus dem Vregenzerwalde bezogen und werden deshalb heute noch „Vregenzer" genannt. Sie fanden im 16. Jahrhundert o) Gerte! oder Eertner kommt von Gerte, Rute, weil man ehedem die Hagstecken oder Gerten, Haselruten und Garbenweiden damit abhieb. 14 Das Rebwerk im Thurgau. schon für die bischöflichen Reben der Obervogtei Arbon im sog. Bodmer und auf dem Winzelnberg Verwendung"). Die billigsten aber auch minderwertigsten Rebstecken sind die gefrästen. 5 /z Franken. 6 Gulden waren ursprünglich gleich einer Mark oder einem halben Pfund <230—234 Gramm) gewogenen Silbers. Anno 1425 gingen schon 7 Gulden auf die Mark, anno 1566 aber 10'/s Gulden, anno 1690 — 18 fl., 1753 — 20 fl. und von 1776 an 24 Gulden, im Wert von 2 Fr. 12 Rp. Ähnliche Wandlungen machten die Zürcher, Berner und andre Gulden durch, wobei zu vergleichen die Berechnungen, die L. C. M. Müller, Chef des stat. Bureaus in Zürich, gibt in der Zeitschrift für schweiz. Stat. 1878, Bd. 4, S. 218. 54 Das Rebwerk im Thurgau. weil die Reben im Mai erfroren waren und es deshalb nur einen halben Herbst gab. Alles in Rechnung genommen, ist zu sagen, daß die Weinpreise im Durchschnitt größrer Zeitperioden den gegenwärtigen ebenbürig, im einzelnen aber viel größern Schwankungen unterworfen waren als gegenwärtig, wo der Welthandel ausgleichend auf die Preise wirkt. Im Herbst 1631 ließ man zu Frauenfeld einige hundert Eimer vorjährigen, der 5 fl. 20 Kreuzer gegolten hatte, auslaufen, um dem bessern neuen Platz zu machen, der wegen Überfluß unwert wurde und bloß 2 fl. 12 Kreuzer galt. Ähnlich war es noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts. Anno 1817 galt der neue Wein allergeringster Qualität 24 fl., während der berühmte Elfer nur 15 fl. kostete. Selbst der nicht minder berühmte 34er erzielte nur 171/2 fl. Auch der ausgezeichnete 65er, der auf der Süßprobe 88" zog, galt 6 Franken weniger als der geringe 60er. In der Regel offenbarten diese Ausstichweine ihre Vorzüge erst vollkommen, nachdem sie sich im Fasse geklärt hatten. Anno 65 sollen die Trauben so starob gewesen sein, daß der Gaumen wund wurde, wenn man viel davon genoß. 2m allgemeinen, aber nicht durchgängig, waren die frühen Ernten die besten. Unter den Überraschungen, die der Monat Mai gelegentlich uns bringt, wird in dem bekannten Reim auch blühender Wein genannt. Den Beleg in dieser Beziehung dürfte das Jahr 1228 aufgestellt haben. Damals blühten die Reben im April und gaben um Johanni den Wein. Anno 1380 war der Sommer so heiß, daß man fürchtete, die Trauben würden an den Reben verbrennen und ward doch so wohlfeil, daß der Saum Wein 8 Schilling und das Viertel (30 Liter) Korn 9 Schilling galt. Anno 1615 hatten die Trauben um Johanni verblüht und gaben feinen, guten Wein. Das Rebwerk im Thurgau. 55 „Anno 1616 war der Sommer so trocken, daß die Murg die Thür bei 283 Schritte lang nit mehr erreichen möcht. Wein gabs um Frauenfeld viel und so gar gut, daß man denselben mit dem Jahrgang 1599 gleich schätzen konnte." Die Weinlese erfolgte so frühe, daß der Vater des Chronisten (Stadtschreiber H. H. Kappeler) ein Fuder neuen Wein den 28. August über die Thür kommen ließ. Auch anno 1624 hatten die Trauben schon vor Johanni neuen Stils verblüht. Der Wein wurde sehr gut und in reicher Fülle; aber wegen warmer Herbstzeit wurde viel Wein zu Essig; denn man nit allen nach Belieben drucken konnte. Der Anfang der Weinlese geschah den 17. Herbstmonat. Dasselbe war der Fall im Jahre 1781, wo der Rheintaler Wein infolge der warmen Herbstwitterung in solchem Grade verdarb, daß man ihn nur noch zur Essigbereitung verwenden konnte. Ähnliches haben wir von 1811 weiter vorn berichtet. Auch das Jahr 1893 brachte einen ungewöhnlich warmen Herbst. Der bekannte Spruch: Nioboli w! — börs wi, dalli 'vei — lalli llrsls — sürs v/i, trifft jedoch nicht immer zu. Anno 1625 fiel die Weinlese auf Michaeli; der Wein fiel aber sehr verschieden aus, an wenigen Orten gut. 1626 war die Traubenblüte schön. Am"6. Herbstmonat kam spitziger Hagelschlag und niedrige Temperatur, doch ohne Schaden. Sonst war der Herbst vom 1. August an so warm, und die Hitze hielt vor bis in den Wintermonat, so daß man nicht ansäen konnte. Der Wein aber wurde über die Maßen lieblich, stark und gut, und weil es Wein in Menge gab, blieb er wohlfeil. 86 Das Rebwerk im Thurgau. Anno 1630 fiel am Pfingsttag neuen Stils ein schwerer Schnee, so daß man für das Gedeihen der Trauben fürchtete. Die Bäume verloren viele Äste (wie in diesem Jahre). Der Himmel blieb aber über Nacht bedeckt, und der Schnee ging ohne Schaden weg. Der Herbst gab so reichlich aus, daß es an Fässern mangelte und der Wein im Preise sank. Da das nächste Jahr eine ebenso reichliche Ernte besten Weins brachte, wurde der 1630er Wein so entwertet, daß man etliche hundert Saum auslaufen ließ, um dem neuen Platz zu machen, und man für ein säumiges Faß einen Saum Wein bekam. Anno 1644, im Mai, folgten sich zwei kalte Nächte, so daß der schöne Traubenschuß verloren ging und man aus irgend welchen Ertrag sich keine Hoffnung machte. Es folgte aber ein ganz neuer Schuß an Trauben nach, wenn auch nicht in großer Menge; und davon ein ganz sürtrefslich guter Wein erwuchs, der an Lieblichkeit den 1626er übertraf. Anno 1653 hatten die Trauben schon acht Tage vor Johanni verblüht und 1659 gab es Beeren in Kirschkerngröße schon Ende Junis, ohne daß der Herbst entsprechend gut ausgefallen wäre. Anno 1865 lag Ende Aprils noch Schnee, so daß man am Untersee am 1. Mai eine Schlittenpartie anordnete, die aber zu Wasser wurde, beziehungsweise im Kot verlies. Vorn 1. Mai an war den ganzen Sommer über ein Tag schöner als der andre, und dementsprechend geriet auch der Wein gut. AIs gänzliche Fehljahre verzeichnet die Frauenselder Weinchronik die Jahre 1481, 1491, 1524, 1525, 1551, 1628, 1709, 1814, 1816, 1821, 1879, 1880. Durch Ergiebigkeit zeichneten sich aus die Jahre 1540 und 1687, in welchen in Arbon 128,7, beziehungsweise 126,5 Hektoliter Wein aus der Hektare gesammelt wurden. Vorzüglichen Wein gab es im 17. Jahrhundert in 16 Jahren. Namentlich die Zeit des 30jährigen Krieges war Das Rebwerk im Thurgau. 57 reich an guten Weinjahren. Im 18. Jahrhundert finden sich 13 gute Weinjahre verzeichnet, wovon drei vorzügliche. Das vorige Jahrhundert endlich zeitigte guten Wein in 19 Jahren, vier davon vorzüglichen. Über das 15. und 16. Jahrhundert standen uns nicht hinreichende Nachrichten zu geböte, um die Bergleichung durchzuführen. Doch müssen die 60er Jahre des 16. Jahrhunderts ebenfalls sehr günstige gewesen sein; denn jeder wollte neue Weingärten anlegen. Der Landschreiber im Thurgau berichtet anno 1571 an die Tagsatzung, daß der Weinbau im Thurgau sehr überhand nehme, daß die besten Äcker aus den Zeigen eingeschlagen und aller Bau (Dünger) in die Reben gebracht werde, wodurch die Kornäcker in großen Abgang gekommen seien. Er beantragt, daß man solche Einschläge nicht mehr dulden, sondern durch einen oder zwei Männer aus der Gemeinde allemal entscheiden lassen solle, ob es den Zeigen schade oder nichts. Damals wurden in Arbon Rebensetzlinge aus dem Rhein- tal und von Meersburg her bezogen, und auf dem Winzeln- berg und in der „Fülle" rotes Gewächs gepflanzt, nachdem bisher vorwiegend weißes gezogen worden war. Der Raum gestattet uns leider nicht, mehreres aus der thurgauer Weinchronik hier mitzuteilen. Dagegen mögen noch einige Anekdoten und Sticheleien folgen, in denen der thur- gauische Volkshumor zu Worte kommt. Die Gegenden am Untersee, wo der kräftigste Säuerling im Thurgau gezogen wird, mußten sich manche diesbezügliche Anspielung gefallen lassen. Ihren Weinbeeren, die nicht alle Jahre zur wünschbaren Reife gediehen, wurde nachgesagt, sie eigneten sich am besten als Schrot, um nach Spatzen und Hasen zu schießen. Oder: Am Untersee könne man sich im Herbst das Pulver sparen; es krache n) Eidg. Abschiede, Bd. 4?, Seite 1011, Art. 246. 58 Das Rebwerk im Thurgau. ohnehin genug, wenn etwa einmal eine Traubenbeere Unters Wagenrad gerate. Einem Weinbauer, der seinen Herbstsegen heimführte, soll einmal unterwegs eine Traube vom Wagen gefallen und Unters Rad gekommen sein. Erschrocken über den Stoß, den der Wagen dabei erlitten, habe der Bauer nach dem Hindernis gesehen, die Traube aufgehoben und erleichtert aufgeatmet mit den Worten: 6lotttbo11, 's bät lca bsri vortragt. Die „Seemannen" verfügten ehedem über wohlgepichte Mägen, da die Menge und der geringe Preis des gewonnenen Weins zu tapferem Zuspruch ermunterten. Einst soll einer die Wette eingegangen sein und gewonnen haben: Er wolle einen Eimer Wein trinken und den Eimer noch an der Sonne trocknen. War nun einmal der Wein gar zu sauer geraten, so soll eine vorsorgliche Gemeindeverwaltung, um allfälligen nachteiligen Einfluß auf die Gesundheit der werten Mitbürger rechtzeitig vorzubeugen, angeordnet haben, daß Glockenzeichen, die sich nachts in regelmäßigem Abstände folgten, die Ruh- samen gemahnten, sich nun aufs andre Ohr zu legen, damit der Magen kein Loch bekomme. Man trug früher lange Westen mit vielen kleinen runden Knöpfen. Saßen nun die Angesehnern des Dorfes beim Abendsitz, um sich bei Wein und Scherz die Zeit zu vertreiben, so vergaßen sie zuweilen das Nachhausegehen. Um sich nun den unangenehmen Folgen desselben, nämlich den Gardinenpredigten zu entziehen und zugleich eine Kontrolle zu haben über das tzRöriZs Maß, verfielen sie auf ein geistreiches Mittel. Bei jedem Schoppen, den sie sich leisteten, wurde ein Knopf an der Weste aufgeknöpft. War die ganze Reihe aufgeknöpft, so begann man in umgekehrter Reihenfolge mit dem Zuknöpfen, und war dann die Weste wieder geschlossen, so war es Zeit zum Aufbruch. Das Rebwerk im Thurgau. 59 Das; die sauren Weine der Gesundheit im allgemeinen weniger abträglich sind als die schweren, dafür könnte man als Beweis das durchschnittlich hohe Alter anführen, zu dem es nicht wenige dieser alten Zecher brachten, wobei ununter- sucht bleiben mag, was die gesunde Seeluft dazu beigetragen. Eine Anspielung auf eine bekannte Weinkrankheit enthält folgende Anekdote. Kommt da einer etwas übler Laune von einem Zweckessen nach Hause und antwortet auf die teilnehmende Frage, wie es gemundet, mit verdrießlicher Miene: soblsobt, nut ist lind ASI als dsr rvi. Die Weinzüchter sind meist nicht wenig stolz auf einen selbstgezogenen guten Tropfen. Wird einem Gaste von solchem Eigengewächs vorgesetzt, so wird die Gabe mit den nicht ohne Selbstgefühl gesprochnen Worten begleitet: rvülbslromws! da ist vo su äobts tropks; kur dö obani Aarautisrs, dv baui sslbsr rwZs. — Will sich dagegen einer entschuldigen, daß er augenblicklich nichts besseres vorzusetzen habe, so sagt er: nsiusd kürlisb, i Zibsu balt, rvisns Oott und t'rsbs band. ir. Scbluk der ^edtverkr im fierbrn Ist die Weinlese beendet und der Wein im Faß oder verkauft, so ruft das Rebwerk den Rebmann noch einmal in den abgelesenen Weinberg. Die abgeernteten Bogen werden weggeschnitten, gesammelt und, in bürdsli gebunden, nach Hause genommen, wo sie, dürr geworden, zum Ofenheizen benützt werden. Früher wurden in ebenen Lagen die Reben zugleich niedergelegt und mit langem Mist, Schilfrohr oder mit den Rebstecken gedeckt. Man nannte dieses Niederlegen selwolds. Diese Arbeit zog sich meist bis in den November hinein und setzte, zumal bei feuchter Witterung, abgehärtete, gegen Kälte unempfindliche Naturen voraus. Das Rebwerk im Thurgau. 6V Das Schecheln gewährte übrigens, namentlich bei Glatteis, keinen unbedingten Schutz vor dem Erfrieren. Da die Rebe zudem durch das Niederlegen empfindlicher wurde, und oft noch nach dem Aufnehmen im Frühjahr erfror, so ist dieser Brauch, im Thurgau wenigstens, fast überall aufgegeben, während er im Zürcher Weinland und im schaffhauserischen noch heute ziemlich allgemein in Übung ist. Früher standen die Reben, wenn der Herbst warm war, auch nach der Weinlese noch im vollen Laubschmuck da und zeitigten mitunter noch die vvintsrtrolsr, die man beim Wümmen hatte stehen lassen müssen. Die Weinberge wurden darnach von armen Leuten und jungem Volk abgesucht, was wie das Ährenlesen, das Beeren- und Leseholzsammeln im Wald und das Obstauflesen im Spätherbst ehedem gestattet war ^). Der erste starke Reif und neuerdings der falsche Mehltau bringt indessen das Laub bald zu Fall. Das welke Laub fault rasch; nicht so die Sporen des Mehltaus, die im Boden überwintern, um im nächsten Sommer eine unerwünschte Auferstehung zu feiern. Man hat deshalb empfohlen, das Laub sorgfältig zu sammeln und an Ort und Stelle zu verbrennen. Die anderweitigen Herbstgeschäfte nehmen indes die Zeit auch des Rebmanns so sehr in Anspruch, daß er bisher keine Mutze dazu gefunden hat. ir. Lur Ldarskterirtllr cker Thurgsuer weine. Was zunächst die Farbe der Thurgauer Weine betrifft, so sind unsre Rotweine, dem Verfahren bei der Weiterung entsprechend, hellrot bis blatzrot. Da gegenwärtig ein tieferes Es zeugt nicht gerade von humanem Sinn der Gegenwart, daß dieser löbliche Brauch mehr und mehr in Abgang kommt oder den „Bürgern" vorbehalten wird. Das Rebwerk im Thurgau. 61 Rot vorgezogen wird, werden sie mit ausländischen, dunkel- roten Weinen „verschnitten". Unsere Weißweine, die den Rotweinen an Güte nachstehen, zeigen ebenfalls helle Farben- abstufungen, werden aber mit den Jahren strohgelb bis bernsteinfarben. Was den Geschmack betrifft, so zeichnen sich die Thur- gauer Weine, zwar in verschiedenem Grade und auf mancherlei Weise, aus durch ihre angenehme Blume (Bouquet), ihren kräftigen Erdgeschmack und durch ihren verhältnismäßig hohen Gehalt an Alkohol und Weinsäure. Die chemische Untersuchung der Jahrgänge 1886 und 1887, die von der thurgauischen Lebensmittel-Kontrollstation vorgenommen wurde, ergab für 1886 bis 11,5 Volumenprozente Alkohol für Rotwein und bis 9,13 ",/a Alkohol für Weißwein; für 1887 11,44, resp. 8,96 Volumenprozente. Der Säuregehalt bewegte sich innerhalb folgender Grenzen: 0,6—1,572 o/g für weißes Gewächs, 0,375—1,462 °/g für rotes und 0,787—1,357 °/g für gemischtes Gewächs im Jahre 1886. 2m folgenden Jahre stieg unter dem Einflüsse des falschen Mehltaus der Säuregehalt für weißes Gewächs bis 1,645 o/g, für rotes bis 1,582 o/g, für gemischtes bis 1,635 o/g hinauf. Für rotes Gewächs bildeten 0,817 o/g die untere Grenze. AIs bessere „Marken" sind oder waren — denn einzelne, namentlich im Oberthurgau, gehören leider bereits der Geschichte an — bekannt der Winzelberger, Gristenbühler, Guggen- bühler, Wertbühler, Götighofer und Räuchlisberger im Oberthurgau; der Schloßberg er und Bachtobler am Ottenberg, ferner der Bißegger im mittlern Thurtal; endlich der Karthäuser, Iselisberger, Steinegger, Sonnenberger und Herderner im untern Thurgau. 2-) Bergt. Resultate der Untersuchung thurg. Weine der Jahrgänge 1886/87 in Heft 8 der Mitteilungen der thurg. naturforschen- den Gesellschaft, auch separat erschienen 1888. 62 Das Rebwerk im Thurgau. In vorzüglichen Weinjahren, wie 1865 und 1895, entwickelten selbst die, sonst als kräftige Säuerlinge bekannten, Weine des Unterstes Eigenschaften, die niemand hinter ihnen gesucht hätte, und die ihnen ein sehr ehrenvolles Andenken sichern. Der verhältnismäßig hohe Gehalt an Weinsäure, der übrigens mit dem Alter und in bessern Jahrgängen sich mildert, bildete einst in den Augen ihrer Verehrer einen Vorzug. Auf ihm beruht zum guten Teil ihre Haltbarkeit. In frühern Jahren, als die Seeweine noch in mächtigen Lagerfässern ruhten und auf Käufer warteten, setzten sie oft große Mengen Weinstein ab, der ein gesuchter Handelsartikel ist. Gegenwärtig freilich, wo sie in noch unvergorenem Zustande mit Zuckerwasser behandelt werden, hat diese Weinsteinbildung aufgehört. Mag man übrigens heutzutage über den Wein als vergorenes, mehr oder weniger alkoholisches Getränk, in guten Treuen verschiedener Ansicht sein: darüber herrscht wohl nur eine Meinung, daß die reife Frucht des Weinstockes, die Traube, zu den köstlichsten Gaben zählt, womit die schöpferische Hand der Natur uns erfreut, eine Gabe, die hierzulande wenigstens an Wohlgeschmack ihresgleichen nicht hat. Und in guten Jahren kann unser Landesgewächs den Vergleich mit den Trauben anderweitiger Herkunft ehrenvoll bestehen. Ihr Bau ist zwar, dem rauhern Klima entsprechend, gedrungener als derjenige der ausländischen Sorten. Die an kurzen Stielen sitzenden Beeren drängen sich oft so eng zusammen, daß die Entwicklung dadurch gehemmt und die Bildung von Brutherden des Grünschimmelpilzes begünstigt wird. Dieser Übel- stand mag auch dazu beitragen, daß die Trauben nur zu oft den gewünschten vollen Reifegrad nicht erreichen. In guten Jahren jedoch übertreffen die wohl ausgereiften Trauben unsrer bessern Lagen an würziger Kraft die Trauben fremder Herkunft, mögen diese auch süßer und von edlerer Form Das Rebwerk im Thurgau. 63 sein und uns durch ihre Größe in Staunen setzen. Unsre Trauben sind in der Regel auch dünnschaliger als manche der fremden, eingeführten Trauben. Nur einen Nachteil haben sie, den der geringen Haltbarkeit. Ihr Genuß ist zudem der Gesundheit sehr zuträglich, so daß von Ärzten gegen gewisse Leiden Traubenkuren verordnet werden. Leider ist die mehrmalige Behandlung mit Bordeaurbrühe, die der falsche Mehltau nötig macht, dem Genuß der rohen Frucht sehr abträglich. Hat dieselbe auch nicht den oft gemutmaßten nachteiligen Einfluß auf den vergorenen Wein, so erhöht doch weder Kalk noch Kupfervitriol den Geschmack der roh genossenen Frucht. /Mang. > 4 . Lur Aeinernlertstirtik von lysi-1007. Der Wunsch, über den gewinnbringenden Ertrag des Weinbaus im Thurgau zu einwandfreien Ergebnissen zu gelangen, veranlaßte uns, die Weinerntestatistik, die der Thurgau seit 1901 besitzt, auf ihre Ergebnisse zu prüfen, um letztere den Betriebsunkosten des Rebwerks in der Gegenwart gegenüber stellen zu können. Was nun zunächst die amtliche Weinerntestatistik betrifft, so werden alljährlich von den Gemeindeammännern der weinbautreibenden Munizipalgemeinden Zählkarten ausgefüllt, deren Zahlen auf dem Departement des Innern bezirksweise zusammengestellt und veröffentlicht werden. Da die von uns gewonnenen Resultate von den amtlichen Feststellungen, teilweise wenigstens, nicht unbeträchtlich abweichen, so müssen wir unsre Abweichungen begründen. a. Das Rebareal. Um das Rebareal, das dem Weinbau gewidmete Reb- land, festzustellen, haben wir die diesbezüglichen Angaben für 64 Das Rebwerk im Thurgau. die in Frage kommenden sieben Jahre einander gegenübergestellt. Auch haben wir die Zahlen zur Vergleichung herbeigezogen, die anno 1890 durch planimetrische Berechnung der in den Jahren 1875—1883 gemachten Aufnahmen des Siegfriedatlas vom schweizerischen topographischen Bureau in Bern gefunden und veröffentlicht worden sind. Dabei ergab sich, daß diese Zahlen sich zum Teil mit den Angaben der Zählbeamten nicht vereinigen ließen. Offenbar ist manchen derselben das metrische Maß noch nicht recht geläufig. So gibt Thundorf sein Rebland für das Jahr 1901 auf 1 525^ Hektaren an. Anno 1875 betrug dasselbe 30^ Hektaren. Da mutzte ein Irrtum vorliegen. Steckborn beziffert sein Rebareal für 1901 auf 145 da. wovon 135 da der Ortsgemeinde Steckborn zugeteilt wurden. Nach dem topographischen Atlas betrug dasselbe für 1879 nur 88,75 da. Demnach müßte der Rebbau in Steckborn innerhalb 31 Jahren um 46 da zugenommen haben! Zur Kontrolle griffen wir auf die amtlichen Erhebungen vom Jahre 1852 zurück. Damals wurde das Rebland zu 43^2 Juchart altes Maß und 276* Juchart neues Matz angegeben, was in Hektaren ausgedrückt 112—113^ da, ergibt, je nachdem man das alte Matz zu 34 oder schon zu 37^ Ar annimmt. Auch hier mutzte ein Irrtum im Matz vorliegen. Um sicher zu gehen, berechneten wir für die Jahre 1901—1905 den durchschnittlichen Ertrag von der da in den drei Gemeinden Steckborn, Berlingen und Salenstein und fanden 34^, resp. 55, resp. 44 Hektoliter. Noch auffälliger zeigt sich dies Mißverhältnis in den Jahren: 1901: Steckborn 22 bl, Berlingen 53^ bl von der da; 1902: Steckborn 35 bl, Berlingen 50 bl von der da; 1903: Steckborn 33 bl, Berlingen 55^ bl von der da. Da die Ertragsverhältnisse in den drei Gemeinden in Wirklichkeit miteinander ziemlich übereinstimmen, so ergibt sich auch hieraus, daß Steckborn, trotz gegenteiliger Versicherung des Zähl- Das Rebwerk im Thurgau. 68 beamten, sein Rebareal um ein bedeutendes zu hoch angegeben hat. In den Jahren 1880—1900 hat das Rebareal in den Gemeinden Verlingen um 35, in Salenstein um 12 Prozent abgenommen. So hielten wir uns berechtigt, bei Steckborn wenigstens einen Rückgang von 10"/» für den gleichen Zeitraum annehmen zu dürfen, und setzten das Rebareal der Ortsgemeinde Steckborn für 1901 auf 79 da an, überzeugt, mit diesem Ansatz noch über dem wirklichen Maß geblieben zu sein. Entsprechend wurden natürlich auch die Angaben für die folgenden Jahre reduziert. Eschlikon, das nach dem topographischen Atlas anno 1879 über ein Rebareal von 9"^ ba verfügte, gab für 1901 30 ba an. Offenbar sind hier Jucharten gemeint. Aber auch so noch ist die Zahl 30 viel zu hoch gegriffen. Denn gegenüber 1875 hat das Rebareal in allen Gemeinden des Bezirks Münchweilen um durchschnittlich 41 °/o abgenommen, während es einzig in Eschlikon um mehr als 300 °/o (!) müßte zugenommen haben. Amlikon gibt die Fläche seines Reblandes für 1901 offenbar richtig auf 28 ba an, wovon 9 auf die Ortsgemeinde Amlikon, 9 auf Vißegg und 10 auf Grießenberg fallen. Von 1902 an sind die beiden letzten Ortsgemeinden ganz außer Berücksichtigung geblieben, während das Rebwerk in denselben, wie wir uns von zuverlässiger Seite bestätigen ließen, nur unbedeutend abgenommen hat. Auch sonst lassen es einzelne Katasterführer offenbar an der nötigen Sorgfalt in ihren Angaben fehlen. Wie wäre es sonst möglich, von 1905—1907 folgende Schwankungen zu registrieren: so für Emmishofen 9, 14, 3; für Ermatingen 30, 29, 33^; für Affeltrangen 11, 9, 11; für Eschlikon 27^, 9, 20; für Weinfelden 72, 75, 70. Welchen Zahlen kann man denn da Glaubwürdigkeit beimessen? Denn richtig können sie unmöglich alle sein. Wir haben uns bemüht, diese 5 66 Das Rebwerk im Thurgau. augenscheinlichen Fehler zu verbessern. Auf Dezimalstellen verzichten wir, da wir auch nicht einmal den Schein erwecken möchten, als dürften die Zahlenangaben auf mathematische Genauigkeit 2 °) Anspruch machen. Wir sind indes überzeugt, daß auch unsre Zahlen inbezug auf das Rebareal eher noch zu hoch als zu tief gegriffen sind. Nach unsern Feststellungen hat in den Jahren 1875 bis 1900 das Rebareal abgenommen in den Bezirken Dietzen- hofen um 15"' o/n, Frauenfeld 16, Steckborn 22, Bischofszell 31, Weinfelden 32^, Münchweilen 41, Kreuzlingen 45' und Arbon um 77 o/g. Keine Abnahme verzeichnen für diesen Zeitraum nur die Munizipalgemeinden Märstetten, Neukirch a. d. Th. und Stettfurt. Es verzeichnen eine Abnahme von 1-10°/«: Neunforn 1 und Hüttweilen 1". 11—20 o/o: Sulgen 11, Salenstein und Ützlingen 12, Er- matingen 13^, Vasadingen 14 und Aadorf 20. 21—30 °/g: Dietzenhofen 21, Herdern 2l?, Lommis 23 Pfyn 26^, Amlikon 27, Bürglen und Erlen 29, Berg und Homburg 30. 31—40 o/o: Felben und Weinfelden 31, Rapersweilen 32, Berlingen und Wigoltingen 35. 41—50 o/g -. Wagenhausen 41, Affeltrangen 42, Kreuzlingen und Scherzingen 43, Matzingen und Müllheim 450, Hüttlingen und Eschenz 46, Roggweil 46°, Tägerweilen 47, Birwinken, Frauenfeld und Wängi 50. 51—60 o/g: Altnau 51^, Amrisweil 56, Wäldi 86^, Hohen- tannen 570, Emmishosen 59, Arbon und Brch- nang 60. Mathematisch genau ermitteln läßt sich das Rebareal nur in den Gemeinden, deren Bann fachmännisch vermessen worden ist. Das Rebwerk im Thurgau. 67 60— 100°/.,: Bicheisee 64, Güttingen 69-', Egnach 72, Romanshorn 98^, Tobel 99°, Hauptweil, Keß- weil und Uttweil 99°. Gänzlich aufgehört hat der Weinbau während dieser Zeit in den Gemeinden Altersweilen, Vischofszell, Fischingen, Hemmersweil, Jllighausen, Schönholzersweilen und Wuppenau. Außer Betracht fielen aus bereits erwähnten Ursachen: Eachnang, das eine Zunahme des Rebareals um 5 °/o behauptet — der Grund dürste in den zu hohen Zahlen für Niederweil und Oberweil liegen — Sirnach, Steckborn und Thundorf. Abnahme des Rebareals von 1901—1907. Es ging die Fläche in diesem Zeitabschnitt zurück in den Bezirken Dietzenhofen und Frauenfeld um 20 °/v, Steckborn 21, Weinfelden 30, Kreuzlingen 46, Bischvfszell 50, Münch- weilen 55 und Arbon 56 °/o. Keinen Rückgang verzeichnen St. Pelagiberg mit 8 Ar und Berlingen mit 18 da. Es verzeichnen einen Rückgang von 1—10 o/o die Gemeinden: Hüttweilen 4°, Ützlingen 5, Müll- heim 9, Hüttlingen 9" und Weinfelden 10. 11—20 o/o: Herder« 15, Wagenhausen 17, Salenstein 18, Basadingen, Eschenz und Wängi 20. 21—30 o/o: Matzingen 24, Märstetten, Roggweil und Täger- weilen 25) Steckborn 26, Affeltrangen 28, Dietzen- hofen und Wigoltingen 30. 31—40°/«: Ermatingen, Gachnang und Thundorf 31, Eschli- kon und Wellhausen 33, Rapersweilen 35 und Wäldi 36. 41—5l)o/o:Sulgen 41, Kreuzlingen 42°, Hohentannen 42°, Egnach 47°, PfyN 50. 61— 60 o/o: LomiNis 61 und Neukirch a. d. Th. 60. 61—7l)o/o:Aadotf 61, Fmüenfeld, Homburg und Scher- 68 Das Rehwerk im Thurgau. zingen 65, Emmishofen 66, Räuchlisberg-Amris- weil 70. 71—100 o/o: Arbon 71, Vußnang 72, Altnau 78, Güttingen 81, Euggenbühl-Birwinken 97. Vürglen, Keßweil, Romanshorn, Uttweil und Tobe! haben anno 1907 keine Reben mehr. Außer Betracht fällt die Munizipalgemeinde Amiikon, weil deren Angaben unvollständig sind. Der gegenwärtige Bestand an Rebland in den Munizipalgemeinden wird angegeben in Hektaren. 1— 5 ba: Hauptweil 0°^, Birwinken 0^, Amrisweil 0^, Rapersweilen 0^, Güttingen 1, Egnach 1?, Arbon 1^, Homburg 2^, Hohentannen 2^, Altnau 2^, Emmishofen und Roggweil 3, Buß- nang Z2, Neukirch 3°, Wäldi 3^o, Erlen und Wängi 4, Wellhausen 4^. 6—10 ba: Matzingen 7^, Dießenhofen 8°, Asfeltrangen, Sirnach (?) und Sulgen 9. 11—25 bu: Scherzingen 10°^, Frauenseld 10^, Aadorf und Hüttlingen 100, Eschen; 11, Tägerweilen 15, Müllheim I 50 , Wagenhausen 15^, Thundorf 16b, Berg 17, Berlingen 18, Pfyn 19, Salen- stein 20, Kreuzlingen 20^, Lommis 21, Her- dern 22. 25—50 ba: Stettsurt 27, Wigoltingen 28, Märstetten 28^, Ermatingen 29, Gachnang 33 (?), Vasadingen 42. über 50 ba: Steckborn (?), Hüttweilen 64b, Weinfelden 70, Neunsorn 82 und Üßlingen 102. Außer Betracht fällt Amiikon aus bereits bemerktem Grunde. b. Weinertrag in Hektolitern. Auch hier begegnen wir neben genau detaillierten Angaben in einzelnen Zählkarten, in andern einem ungefähren Maß, Das Rebwerk im Thurgau. 69 das die erlaubte Grenze hie und da überschreiten wird, z. B. 200 bl. Es sind stets dieselben Munizipalgemeinden, die mit runden Zahlen operieren, folglich in Bausch und Bogen schätzen, um sich Mühe zu ersparen. Nicht häufig begegnen wir allgemeinen Bemerkungen, z. B. die genaue Summe in ftl könne nicht angegeben werden, da der Herbst schlecht ausgefallen sei und die meisten Weinbauern ihren Herbstertrag zusammen mit dem wenigen Obst gemostet hätten (Müllheim), oder die Reben hätten dies Jahr keinen Ertrag abgeworfen. Immerhin haben wir bezüglich dieser Angaben uns keine Änderungen erlaubt, außer daß wir Additionsfehler richtig stellten. In bezug auf die Durchschnittserträge nehmen die Bezirke^) folgende Rangordnung ein: 1) Dießenhofen 34'' Iil. 2) Kreuzlingen 34?. Steck- born 32. 4) Weinfelden 26? 3) Frauenfeld 23. 6) Arbon 21. 7) Münchweilen 14? 8) Bischofszell 12 Iil. Die Jahrgänge folgen sich mit Rücksicht auf die Ertragsmengen also: 1) 1905, 2) 1904, 3) 1903, 4) 1901, 5) 1902, 6) 1907, 7) 1906. Im übrigen verweisen wir auf die Tabelle. Die politischen Bezirke eignen sich übrigens nicht so recht, um die Eigentümlichkeiten der Weingegenden hervortreten zu lassen. Die Bezirksgrenzen durchschneiden oft die Weinbezirke. So gehört Stettfurt zum Bezirk Frauenfeld, der hintre Jmmenberg zu Münchweilen. Nuhbaumen, Hüttweilen und Herdern gehören zum Bezirk Steckborn, zu dem sie als Weinbaugegend im Gegensatz stehen. Die mit ihnen einen Weinbezirk bildenden Gemeinden Ützlingen und Neunforn dagegen gehören zum Bezirk Frauenfeld, mit dem sie als roeinbautreibende Gemeinden nichts gemein haben. Zusammengehören würden die Gemeinden Dietzenhofen bis Altnau als Seeweingegend, ferner die weinbantreibenden Gemeinden des Oberthurgaus in den Bezirken Arbon und Bischofszell; dann Wefnfelden mit Amlikon, Märstetten und Wigoltingen; dann die Gemeinden des Seebachtals und des untern Thurtals von Psyn bis Neunforn und endlich das Lauchebecken mit dem Murgtal. 70 Das Rebwert im Thurgau. o. Weinpreise. In den amtlichen Tabellen werden die Mittelwerte gefunden, indem aus den Einzelpreisen das arithmetische Mittel genommen wird. Die so gewonnenen Mittelpreise sind indes insofern ungenau, als die Marimalpreise nur für ein kleines Quantum, die Minimalpreise aber für große Mengen gelten. Multipliziert man nun die Zahl der geernteten Hektoliter mit diesen Mittelwerten, so kommen Ertragswerte heraus, die den wirklichen Ertrag in Franken sehr beträchtlich übersteigen. Der Unterschied zwischen diesen konstruierten Werten und den wirklichen Ertragswerten beträgt jährlich die Summe von 200 000 Fr. und für 1901—1907 über 1300000 Fr. Unsre Tabellen enthalten den wirklichen Erlös. Die Mittelwerte wurden gefunden, indem wir den Erlös durch die Zahl der geernteten Hektoliter dividierten. Zur Ver- gleichung haben wir dem wirklichen Mittelwert den scheinbaren in der Kolumne: Zusammenzog hinzugefügt. Die Einzelpreise bewegen sich in dem hier in Betracht fallenden Zeitraume zwischen 120 Fr. und 20 Fr. für rotes Gewächs und zwischen 60 Fr. und 12 Fr. für weißes Gewächs. Nach den Weinpreisen ordnen sich die Bezirke wie folgt: 1) Arbon mit 64° Fr. 2) Vischofszell mit 40° Fr. 3) Münch- weilen mit 38^ Fr. 4) Weinfelden mit 36° Fr. 5) Frauenfeld mit 335 Fr. 6) Dießenhofen mit 30° Fr. 7) Steckborn mit 30 Fr. und 8) Kreuzlingen mit 28- Fr. und die Jahrgänge: 1) 1907 (38 Fr.). 2) 1906 (36° Fr.). 3) 1904 (32 Fr.). 4) 1903 (31 Fr.). 5) 1902 (28 Fr.). 6) 1901 (22 Fr.). 7) 1905 (205 Fr.). Auffallend hoch erscheinen die Preisansätze aus den Bezirken Arbon, Vischofszell und Münchweilen, so daß es fraglich ist, ob dieselben auch wirklich immer bezahlt worden sind Das Rebwerk im Thurgau. 71 oder nur Schätzungswerte darstellen. Diese Frage ist umso berechtigter, als ein Zählbeamter aus dem Bezirk Münch- weilen vom Jahre 1905 berichtet, der Herbst sei so schlecht ausgefallen, daß die Weinbauern ihren Wein nicht hätten verkaufen können, derselbe aber nichtsdestoweniger den Wein zu 28 Fr. den Hektoliter bewertet, während am Untersee im gleichen Jahre Tausende von Hektolitern zu 12 Fr. wiMch verkauft wurden. Um die Mittelpreise der Gegenwart mit denen des vergangenen Jahrhunderts vergleichen zu können, haben wir an Hand einer Zusammenstellung der sog. Weinrechnungen von Frauenfeld, Weinfelden und vom Jmmenberg die notierten Preise für den Hektoliter in Franken umgerechnet und sind dabei zu folgenden Resultaten^) gekommen. Die nachstehenden Preise sind Mittelwerte, d. h. arithmetische Mittel aus den Preisen für rotes und für weißes Gewächs und verstehen sich für den Hektoliter in Franken. Es wurden gezahlt in Frauenfeld in Weinfelden am Jmmenberg 1801—10 17 Fr. 17" Fr. 17« Fr. 1811—20 21° „ 18' „ 20° „ 1821—30 13° „ 13' „ 162 „ 1831—40 13° „ 13" „ 162 „ 1841—50 17' „ — — 1851-60 25« „ — — 1861—70 29« „ — — 1871—80 37' „ — — Für solche, die unsre Resultate nachprüfen wollen, bemerken wir, das; die Preise der Weinrechnungen bis 1882 in Gulden zu 2 Fr. 12 Np. für den Saum verstanden sind, der bis anno 1838 in Weinfelden 189 Liter, in Frauenfeld 171 und am Jmmenberg 174 Liter und von da an bis 1880 allgemein 150 Liter hatte. Die amtlichen Weinrechnungen hörten mit dem Jahre 1840 auf, weshalb 72 Das Netzwerk im Thurgau. Um die Vergleichung durchzuführen, müssen wir die Kaufkraft des Geldes mit in Berücksichtigung ziehen. Danach verdoppeln sich die Preise von 1859—1880 und verdreifachen sich diejenigen von 1801—1850. Wir werden dann finden, daß die Preise sich damals in unserm Gelde für Frauenfeld zwischen 50 und 65 Franken bewegten, eine Summe, die deiMegenwärtigen Durchschnitt von 31 Franken um nahezu das Doppelte übertrifft. Das hat die Konkurrenz der billigen ausländischen Weine und des Biers zuwege gebracht! ä. Ertragswert in Franken. Anders, als mit Rücksicht auf die Weinpreise, gruppieren sich die Bezirke und die Jahrgänge, wenn wir nach dem durchschnittlichen Ertragswert der da in Franken fragen. In dieser Hinsicht ergibt sich uns folgende Reihenfolge: 1) Arbon mit 1335 Fr. 2) Weinfelden mit 849 Fr. 3) Dietzenhofen mit 864 Fr. 4) Kreuzlingen mit 844 Fr. 5) Frauenfeld mit 818 Fr. 6) Steckborn mit 796 Fr. 7) Münch- weilen mit 572« Fr. 8) Vischofszell mit 505 Fr. pro da, und für die Jahrgänge: 1) 1904 mit 1285 Fr. 2) 1903 mit 1083 Fr. 3) 1905 mit 950 Fr. 4) 1902 mit 711« Fr. 5) 1907 mit 684« Fr. 6) 1901 mit 542 Fr. und 7) 1906 mit 439 Fr. für die Im. Im Durchschnitt der sieben Jahre: 813° Fr. s. Weinbaukosten. Wir haben, um über die Frage der Rentabilität des Weinbaus in der Gegenwart ins Klare zu kommen, uns be- von da an nur noch Frauenfeld mit seinen Weinpreisen aufgeführt wird. Für die Zeit von 1880—1900 lagen keine authentischen Weinpreise vor, da unser Verzeichnis mit dem Jahre 1882 abbricht. Das Rebwerk im Thurgau, 73 müht, aus verschiedenen Landesgegenden diesbezügliche Berechnungen von Persönlichkeiten zu bekommen, denen einerseits die nötige Sachkenntnis, anderseits ein unbefangenes Urteil über die einschlägigen Verhältnisse zuzutrauen war. Unsre Bemühungen waren auch wenigstens teilweise von Erfolg gekrönt. Auch übergab uns auf gestelltes Gesuch Herr Pros. Dr. Laur in Brugg das Ergebnis von Erkundigungen, die er vor 1900 aus dem Thurgau eingezogen hatte, in bereitwilliger und verdankenswerter Weise zur Verfügung. Die Angaben, in deren Besitz wir auf diese Weise gelangten, weichen in Einzelheiten voneinander ab, kommen aber im Gesamtergebnis überraschender Weise miteinander überein. Man bezahlt inJttingen jährlich von der Juchart^) zgeblohn 180 Fr. und 10 Fr. für Schaub, für Mist samt Eintragen 40 Fr., Rebstickel, kreosotiert, 60 (?) Stück zu 7 Rp. — 4 Fr. 20 Rp. Für Spritzen 40 Fr., für Weinleseunkosten 42 Fr., Vergruben in 25 Jahren einmal etwa 1000 Fr., ergibt jährlich für die Juchart 168 Stück zu 24 Rp. — 40 Fr., in Summa 356 Fr. 20 Rp. In Berlin gen^o) bezahlt man gegenwärtig Reblohn 130 Fr. nebst 15 Fr. für Band und Schaub. Mist für 3 bis 4 Jahre, 450 Butten zu 50 Rp. nebst 15 Rp. für Tragen und Einmachen, trifft auf 1 Jahr 78—97 Fr. Rebstickel, 400 Stück zu 5 Rp. — 20 Fr. Einlegen 600 Stück zu 6 Rp. — 36 Fr., Spritzen 30 Fr., Herbstunkosten 35 Fr. Summa 353 Fr. 50 Rp. In Pfyn wurden bisher bezahlt für den Stock 3*/? Rp., künftig 4 Rp., macht bei 6250 Stöcken 228 Fr. 75 Rp., künftig 250 Fr., Vergütung für Schaub inbegriffen. Mist 2°) Die Angaben wurden alle für die Juchart gemacht, ein Beweis, wie wenig sich das neue metrische System noch bei der ältern Generation und im Volke eingebürgert hat. 30) Laut gefl. Mitteilung von H. E. Schündler in Berlingen. 74 Das Rebwerk im Thurgau. samt Eintragen 35 Fr., Vergruben 360 Stöcke zu 5 Rp. — 18 Fr. Rebstecken, unkreosotiert, 300 Stück zu 9 Rp. — 27 Fr. Kreosotiert 40—50 Stück zu 13 Rp. — 6 Fr. 50 Rp. Wimmer- lohn 1 Fr. 20 Rp. Buttenträger 2 Fr. 50 Rp. bis 3 Fr. nebst Verköstigung oder 35 Fr. In Steckborn beliefen sich nach Erkundigungen des Vauernsekretariats vom Jahre 1900 die Rebbaukosten früher auf 100, damals auf 110 Fr. Für Dünger wurden berechnet früher 70, jetzt 90 Fr. Spritzen 15 Fr. Stecken 250 Stück, früher 10, jetzt 20 Fr. Rebbänder 40 Stößel, früher 8, jetzt 10 Fr. Schaub, 10 Bund, ebensoviel. Vergruben, 250 Stück zu 5 Rp. — 12 Fr. 50 Rp. Erntekosten, Abnutzung und Amortisation des Inventars einst 30, jetzt 40 Fr.; in Summa einst 240, um 1900 aber 300 Fr., die Juchart zu 4000 Reb- stöcken gerechnet. Nach eigenen Erkundigungen wurden dort in den 80er Jahren bezahlt für einen Katastervierling Reben mit etwas mehr als 2000 Rebstöcken: Reblohn 25 Fr., später 2 Rp. per Stock, also 40 Fr.; für 100 Rebstecken 8 Fr. 50 Rp.; für 13 Stößel Band 3 Fr. 25 Rp.; für Schaub 1 Fr.; für Vergruben 168 Stück zu 5 Rp. — 8 Fr. 40 Rp.; für Mist 14 Fr.; für Lesekosten 15 Fr. nebst 4 Fr. Trinkgeld. Das Rebstück lag den Besitzer infolge Pfandzug zu 1100 Fr. an. In Weinfelden betrugen laut Erkundigungen des Bauernsekretariats die Bearbeitungskosten bis 1890 (vor 10 Jahren) 80 bis 90 Fr., anno 1900 sodann 150 Fr. für die Juchart, zu 4000 Stück Reben gerechnet. Auf die Hektar berechnet ergeben sich somit an Rebbaukosten : Für Berlingen: Reblohn 343 Fr., Band und Schaub ^) In Münsterlingen beliefen sich in den Jahren 1833—35 noch die jährlichen Rebbaukosten ohne Stecken und Dünger für 2 hg Juchart (57,5 Ar) aus 64 sl. 10 Kreuzer oder 136 Fr., das sind 236 Fr. 50 Rp. für die Hektar. Das Rebwerk im Thurgau. 75 40 Fr., Mist 192—257 Fr., Sticket 52» Fr., Spritzen 80 Fr., Einlegen 95 Fr., Herbstkosten 92 Fr.; Summa 940 Fr. Für Jttingen: Reblohn 475 Fr., Band und Schaub 27 Fr., Mist 107 Fr., Spritzen 106 Fr., Einlegen 106 Fr., Herbstkosten 113 Fr.; Summa 950 Fr. Für Pfyn: Reblohn, Band und Schaub 574», bzw. 660 Fr., Stickel 71, bzw. 17 Fr., Spritzen 92 Fr., Einlegen 47» Fr., Herbstkosten 92 Fr.; Summa 960, bzw. 1000 Fr. Für Steckborn: Reblohn 396 Fr., Band und Schaub 52» Fr., Mist 237» Fr., Stickel M Fr., Spritzen 39» (?) Fr., Einlegen 33 (?) Fr., Herbstkosten 65» Fr.; Summa 847 (?) Fr. L. vor 1901. Für Weinfelden: Reblohn 396 Fr. Nach diesen in ihrem Endergebnis wenigstens ziemlich übereinstimmenden Mitteilungen stellen sich gegenwärtig die Rebbaukosten für die Hektar Rebland auf 900—950 Franken. k. Weinbaubilanz. Vergleichen wir die Rebbaukosten mit den Vruttoergeb- nissen der letzten sieben Jahre, so finden wir, daß nur drei Jahrgänge, 1903—05, die Betriebskosten gedeckt, beziehungsweise noch einen Überschuß zur Verzinsung des Kapitals geliefert haben. In den vier übrigen Jahren ist eine zum Teil sehr beträchtliche Unterbilanz zu verzeichnen, die in Bischvfszell und Münchweilen bis auf die Hälfte der Ausgaben steigt. Der jährliche Durchschnittsertrag der sieben Jahre aber bleibt bei 813 Fr. hinter dem jährlichen Aufwand, den das Rebwerk erfordert, um mehr als 100 Fr. zurück, und der Fehlbetrag für die sieben Jahre beläuft sich auf 800 000 bis 1000 000 Fr. Angesichts dieser Tatsache werden wir uns nicht wundern, wenn wir hören, daß der Rebmann eines Schloßguts am 76 Das Rebwerk im Thurgau. Untersee, der die Schloßreben bisher um den Ertrag bearbeitet hatte, den Vertrag kündete, weil er nicht mehr auf seine Kosten komme. Ebensowenig werden wir uns wundern, wenn der Schätzungswert des Reblandes, der in guten Lagen vor 20 Jahren noch zu 4—5000 Fr. für die Juchart, oder zu 10—13 000 Fr. für die Hektar geschätzt wurde, um die Hälfte und mehr zurückgegangen ist. In Weinfelden galt die Juchart von 4000 Stöcken nach Dr. Laur noch 4—5000 Fr., jetzt noch 30—40—50 Rp. vom Stock, oder 2000 Fr. im Marimum — 5280 Fr. von der tta. In Steckborn wurde die Juchart einst mit 2—4000 Fr. bezahlt; anno 1900 noch mit 2500 Fr. im Marimum, während steile und entlegene Reben um 1000—1500 Fr. vergeblich ausgeboten wurden. Rechnen wir die Einbuße an Kapitalwert, die das Reb- land im Thurgau seit 1875 erlitten hat, im Durchschnitt auf 3^—4000 Fr. für die tta, so bedeutet das für die 1800 tta einen Gesamtverlust von 5—7 Millionen Franken. Ein Rätsel gibt uns der Bezirk Arbon auf. Er ist der einzige Bezirk, der, dank seiner hohen Weinpreise, von 1901 bis 1907 einen jährlichen Überschuß von 280 Fr. für die tta zu verzeichnen hat, und gerade dieser Bezirk ist es, dessen Rebareal von 1874 an stetig und am meisten zurückgegangen ist! Wenn das am grünen Holz geschieht, was soll am dürren werden? So viel dürfte aus dem eben Dargelegten klar hervorgehen: Wofern die Verhältnisse sich nicht binnem kurzem vollkommen zum Bessern wenden, so kann von einem Fortbestand des Rebwerks im Thurgau in größerm Umfange keine Rede mehr sein. W> snhattz-rierreichnis. Seite 1. Der Niedergang des Rebbaus und seine Ursachen . . 2 2. Herkunft des Weinbaus.9 3. Rebsorten und Bodenbeschaffenheit.11 4. Die Vorbereitung des Rebwerks im Winter ... 12 5. Das Rebwerk im Frühling.14 6. Das Verjüngen der Rebe.24 7. Die Entwicklung der Rebe bis zur Traubenblüte . . 28 8. Das Rebwerk im Sommer.33 9. Die Entwicklung der Rebe von der Blüte bis zur Reife . 35 10. Das Rebwerk im Herbst.39 11. Aus der Weinchronik.52 12. Schluß des Rebwerks.59 13. Zur Charakteristik der Thurgauer Weine .... 60 14. Anhang. Zur Weinerntestatistik.63 a. Das Rebareal.63 b. Weinertrag in Hektolitern.68 o. Weinpreise.70 «I. Ertragswert in Franken.72 o. Weinbaukosten.72 k. Weinbaubilanz.75 WWW» Dabeiiarilcbe tibeMcdt über üas bebareal. üen Reinertrag unü cien LrtragZweri im Tdurgau von iyoi—1907. nach kerlrlren georcinet. Jahrgang Areal in iis. Ertrag in Hektolitern Ertragswert in Franken Mittelwerte Bezirk rot weiß gemischt Summa per da rotes Gewächs u>cib-s Gewächs gemischt. Gewächs Total pro pro Hektoliter p.Ki Summa p. Ill Summa p. Iil Summa rot weiß ^ gemischt Mittel 1901 iM 404 9» 414 31° 56 22,904 37 364 23,268 1773 1902 12" 310° 5° 92» 408 33' 58 17,970 54° 300 56 5,165 23,435 1935 1903 10-n 267° 12 — 279° 26° 61 16,517 50 600 — — 17,117 1645 Arbon 1904 10-'° 250° 6» — 257 25 62 16,605 60 384 — — 16,989 1672 »1335 71 56 56 64° 1905 9«° 165 1° 10° 177 18° 68 11,150 60 90 60 6,630 11,870 1229 1906 42 — 8 51 6 72 3,025 — — 70 616 3,641 444 5" 46° — — 46° 8 80 3,714 — — — — 3,714 650 1901 35° 333» 5 24 372» 10° 50 16,504 25 125 33° 804 17,433 484 1902 32' 261» 3 — 264 8° 46° 12,160 25 75 — — 12,235 370 1903 32 421 3 — 424 13 55 23,209 25 75 — — 23,284 727 Bischofszell 1904 30 618' 4 — 623 20' 65 40,274 25 100 — — 40,374 1345 - 505 56 23 — 40« 1905 29«« 616 4 — 620 21 43° 26,820 21 84 — — 26,904 915 1906 26A 83 — — 83 3» 62 5,174 — — — — 6,174 199 1907 19° 144 1 — 145 ?26 68 9,862 20 20 - — 9,882 494 1901 63» 470 1456 187° 2104 332 23 10,884 14» 21,020 16 3000 34,905 550°1 1902 56° 409° 892° 6 1308 23 32 13,157 23° 21,007 28 168 34,332 612° 1903 56 660 1487 22 2169 38' 40 26,995 26 39,122 33 734 66,851 1200 Dietzenhosen 1904 56 628 2051 — 2679 48 40 25,123 24 49,034 — — 74,157 1324 > 864 37« 23« 31» 30° 1905 56 661° 2458 — 3119° 55° 24° 16,167 I42 35,017 — — 51,084 912 1906 55 25 330 15 370 6° 50 1,250 30° 10,120 40 1200 12,470 227 1907 50° 292 1306 170 1768 35 52 15,245 30° 39,895 40 6800 61,940 1224 1901 379 2298 4758 1094 8,150 21° 32« 74,957 16 76,014 26 28,151 179,122 472 1902 370 2877 4708 1101» 4,387 12 42 119.917 27 126,429 26 29,665 276,011 746 1903 357° 4019 6921 1121 12,161 34 413 167,904 25 175,193 33 37,629 380,726 1066 Frauenfeld 1904 353 3867 7726 1091° 12,685 35° 46 176,885 28 217,575 37 40,444 434,904 1232 ^ 818 43« 25» 32» 33° 1905 , 345° 3945 8381 2044° 14,370 41° 31« 123,636 172 144,138 21° 44,269 312,043 903 1906 325 765 2463 362° 3,591 11 56 43,002 31 76,552 36 12,979 132,533 408 1907 304 1778 5408 288 7,474 24 53 95,704° 31» 169,265 47 13,586° 278,556 901 1901 158 1773° 1742 783 4298 27 24 42,935 14 24,593 18° 14,480 82,008 519 1902 141' 1697 962° 704° 3364 23° 30 52,097 20» 19,623 25 17,530 89,250 630 1903 135 2463 3394 1226 8083 59° 30 73,841 23 77,210 29 36,198 187,249 1387 Kreuzlingen 1904 130° 1690 4217 922 6829 52° 38 64,605 23« 98,407° 29« 27,067 190,080 1462 844 34« 22« 27' 28« 1905 123 2024° 3673 1221 6918 56 25' 52,196 15° 57,100 20 24,492 133,788 1688 1906 113' 234 884 75° 1194 10 46 10,776 30 26,233 33 2,517 39,531 346 1907 90 185 1057 63 1305 14° 50 9,310 29 30,912° 39° 2,498° 42,721 474° 1901 78 426 150 545 1121 14° 38 16,363 26 3,920 33 17,969 38,252 647 1902 77 302 133» 429 865 112 41 12,380 26 3,436 38 16,244 32,060 416 1903 70 717 232 504 1453 20' 43 31,106 30 6,960 36 18,319 56,385 805° Münchweilen 1904 65 703 275 634 1612 24° 54 37,961 35 9,625 51 32,313 79,899 1229 572« 45« 29° 39 38« 1905 62 820 247 417 1484 24 35 28,745 17 4,726 24 9,870 43,341 699 1906 47 47 38 25 110 2» 53 2,520 35 1,230 40 1,000 4,750 100 1907 43 66° 16 17 99 2° 57 3,840 40 640 52 885 5,265 113 1901 323 2298 6,017 613 8,935 27° 28» 62,873 13» 85,723 18» 11,296 159,892 4941 1902 315 1930 7,034 675 9,639 30° 35 67,109 21 146,751 26' 18,082 231,942 736« 1903 305 2410 7,643 591 10,645 34° 44 106,493 26 198,809 29 17,282 322,584 1057° Steckborn 1904 295 2685 8,958 467 12,110° 45° 44 118,030 23° 210,942 30° 14,233 343,205 1163» 796 41° 22° 26 30 1905 288 3676 10,427 1839 15,942 55° 25» 93,379 148 154,195 18« 34,680 282,254 980 1906 267 679 3,615 190 4,484 17 55 37,319 29 106,104 28 5,373 148,796 557 1907 250 883 3,004 220 4,107 16 55° 49,102 30 90,098 30° 6,717 145,918 583 1901 231 3724 518 831 5073 22 30 110,799 16° 8,438 17 14,086 133,323 577 1902» 197 4832° 619 254° 5706 29 28 138,474 20 12,255 25 6,381 157,110 800 1903» 192 4561 1036 731 6328 33 34 157,312 23 24,030 25 18,596 199,938 1042 Weinfelden 1904» 189 4825 976 835 6636 35 45 215,130 29 28,398 35° 29,372 272,900 1444 849 44° 25° 28' 36« 1905» 177 5515 1568 718 7801 44 26» 146,050 18» 28,928 19° 13,970 188,948 1066 1906» 176° 1532° 516 305 2354 13 50 76,409 32° 16,804 34° 10,548 103,761 500 1907» 155 1190 331 144 1665 10' 54» 64,748 39 12,925 44 6,370 94,044 606 1901 1272 11,727 14,646 4087 30,460 24 30° 358,219 15 219,833 22 90,150 668,202 542 1 22 1902 1203 12,620 14,358 3263 30,241 25 33 433,264 22° 329,876 22« 93,235 856,375 711« 28 Thurgau 1903 1904 1167 1130 15,518 15,267 20,728 24,213 4195 5950 40,441 44,430 34° 39 39 45° 603,377 694,613 25 25 521,999 614,465 30' 36 128,258 143,429 1.253,634 1.452,507 1083 1285 813>» 40 23° 30 31 32 Zusammenzug 1905 1091 17,423 26,759 6250 50,432 462 28 498,043 15« 424,278 21 133,911 1.036,232 950 arit met. M ttel 20° 1906 1026 3,407 7,846 981 12,234 11° 502 179,475 302 237,048 35 34,233 450,756 439 46« 28» 34° 36« 1907 923 4,585 11,123 902 16,610 18 552 251,525 31 343,765 40« 36,856 632,136 684« 38 ») Es fehlen die Angaben aus den Ortsgemeinden Bitzegg und Erietzenberg mit ursprünglich 19 du. -- l